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        <!-- Aus Lessings Leben des Sophokles. Berlin 1790: Lo 4633 -->
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            <titleStmt>
                <title>Ajax des Sophokles</title>
                <author>Sophokles</author>
                <respStmt>
                    <resp>Übersetzung</resp>
                    <name>Lessing</name>
                </respStmt>
                <respStmt>
                    <resp>Digitale Edition</resp>
                    <name>Christian Werner</name>
                    <name>Marcus Baumgarten</name>
                </respStmt>
                <respStmt>
                    <resp>Projektleitung </resp>
                    <name>Dr. Helmut Berthold </name>
                </respStmt>
                <respStmt>
                    <resp>Herausgegeben von </resp>
                    <name type="org">Lessing Akademie </name>
                </respStmt>
                <funder>Deutsche Forschungsgemeinschaft </funder>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>Digitale Edition der Übersetzungen Lessings </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel </name>
                    <address>
                        <street>Lessingplatz 1 </street>
                        <name type="city">Wolfenbüttel </name>
                        <postCode>D-38299 </postCode>
                        <name type="country">Germany </name>
                    </address>
                </publisher>
                <date when="2007-03-22" type="issued">2007 </date>
                <date type="digitised"/>
                <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel </distributor>
                <availability status="free">
                    <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ( <ref
                            target="http://diglib.hab.de/?link=012">copyright information </ref>)
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                        <author>Sophokles</author>
                        <title level="a">Ajax des Sophokles</title>
                    </analytic>
                    <monogr>
                        <author>Lessing, Gotthold Ephraim</author>
                        <editor>Eschenburg, Johann Joachim</editor>
                        <title level="m">Gotthold Ephraim Lessings Leben des Sophokles</title>
                        <imprint>
                            <biblScope type="pp">S. 75 - 76</biblScope>
                            <publisher>Voß</publisher>
                            <pubPlace>Berlin</pubPlace>
                            <date>1790</date>
                        </imprint>
                    </monogr>
                </biblStruct>
            </sourceDesc>
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                <p xml:id="lport">
                    <ref target="http://diglib.hab.de/?link=XXX">Digitale Edition der Übersetzungen
                        Lessings </ref>
                </p>
            </projectDesc>
        </encodingDesc>
    </teiHeader>
    <text>
        <body>
            <div type="drama">
                <pb n="169"/>
                <head type="subtitle">Fragment einer Uebersetzung vom</head>
                <head type="maintitle">Ajax des Sophokles.</head>
                <div type="akt">
                    <head type="aufzug">Erster Aufzug.</head>
                    <div type="szene">
                        <head type="auftritt">Erster Auftritt.</head>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p><hi rend="initiale">W</hi>ie ich dich schon oft, Sohn des Laertes,
                                dem<lb/> Feinde den Vortheil abzujagen schlau bemüht
                                    <w>er<lb rend="trennstrich"/>blickte</w>; so erblicke ich dich auch jetzt, hier
                                unter den<lb/> Schifsgezelten des Ajax, am äußersten ihm <w>anver<lb rend="trennstrich"/>trauten</w> Ende des Lagers. Du
                                spähst, und spürst,<lb/> und zählst, und missest alle seine
                                frischen Tritte,<lb/> um zu wissen, ob er drinnen, oder nicht
                                drinnen ist.<lb/> Wie wohl leitet dich gleichsam der untrügliche
                                    <w>Ge<lb rend="trennstrich"/>ruch</w> des lakonischen
                                Windspiels! Er ist wieder<lb/> drinnen, der Mann! Schweiß rinnt ihm
                                von dem<pb n="170"/> Antlitze, und Blut von den mörderischen
                                Händen.<lb/> Was siehest du noch so scharf nach dieser Thür?<lb/>
                                Du darfst mir nur sagen, warum du dir diese<lb/> Mühe giebst; und
                                du kannst von mir alles erfahren.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>O Stimme Minervens, mir <w>wer<lb rend="trennstrich"/>theste</w>
                                unter den Göttern! Denn nur allzuwohl, ob<lb/> du gleich unsichtbar
                                bist, kenne ich deine Stimme;<lb/> und mein Geist ist bekannter mit
                                ihr, als mit dem<lb/> ehernen Klange der tyrrhenischen Trommete!
                                Wie<lb/> solltest du es nicht wissen, daß ich dieses feindseligen<lb/> Mannes, des Ajax wegen, mich hier herumtreibe?<lb/> Ihm, und
                                keinem andern, suche ich auf die Spur<lb/> zu kommen. Er hat uns
                                diese Nacht eine That<lb/> verübet, deren sich kein Mensch
                                vermuthet hätte;<lb/> wenn er sie anders verübt hat. Denn noch
                                wissen<lb/> wir nichts gewisses; wir vermuthen es nur; und<lb/>
                                freiwillig habe ich mich selbst der weitern <w>Nachfor<lb rend="trennstrich"/>schung</w> unterzogen. Es findet sich
                                alles unser <w>Beu<lb rend="trennstrich"/>tevieh</w> schändlich
                                zugerichtet, und samt den <w>Hü<lb rend="trennstrich"/>tern</w>
                                erwürgt. Jedermann glaubt ihm die Schuld<lb/> beimessen zu dürfen;
                                und eine Wache hat <w>ausge<lb rend="trennstrich"/>sagt</w>, sie
                                habe ihn ganz allein mit bluttriefendem<lb/> Schwerte über das Feld
                                laufen sehen. Sogleich<pb n="171"/> machte ich mich auf; und
                                die Fußstapfen, die ich<lb/> hier erblicke, bestärken mich zum
                                Theil; zum Theil<lb/> verwirren sie mich auch: ich kann nicht
                                begreifen,<lb/> wessen Fußstapfen es sind <note type="footnote"
                                    n="*)">&#x394;&#x3b9;&#x3b1;
                                    &#x3c4;&#x3b7;&#x3bd;<!-- ist das &#x3bd; ??? -->
                                    &#x3bc;&#x3b1;&#x3bd;&#x3b9;&#x3b1;&#x3bd;,
                                    sagt der Scholiast sehr wohl,
                                    &#x3b4;&#x3c5;&#x3b9;&#x3c7;&#x3bd;&#x3b5;&#x3c5;&#x3c4;&#x3bf;&#x3c2;
                                    &#x3f0;&#x3b1;&#x3b9;
                                    &#x1F10;&#x3c0;&#x3b9;&#x3c4;&#x3b5;&#x3c4;&#x3b1;<!-- gibt es nicht -->&#x3b1;&#x3b3;&#x3bc;&#x3b5;&#x3bd;&#x3b7;
                                    &#x1F21;
                                    &#x3b2;&#x3b1;&#x3c3;&#x3b9;&#x3c2;
                                    &#x3b3;&#x3b5;&#x3b3;&#x3bf;&#x3bd;&#x3b5;
                                    &#x3c4;&#x223;
                                    &#x391;&#x3b9;&#x3b1;&#x3bd;&#x3c4;&#x3bf;&#x3c2;.
                                    Der Gang eines Rasenden nämlich ist so verwirrt, daß man aus
                                    seinen Tritten nicht klug werden kann.</note> &#8212; Aber
                                du kommst!<lb/> und wie erwünscht! Deiner leitenden Hand, der<lb/>
                                ich mich immer überließ, überlaß' ich mich noch.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Das weiß ich, Ulysses. Ich hielt dein<lb/> Spähen genehm, und ging
                                dir sogleich entgegen.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Gütigste Göttin! so ist sie nicht <w>ver<lb rend="trennstrich"/>gebens</w>, meine Mühe?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Er ist der Thäter! Er ist es!</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Und was hat ihn zu so etwas <w>Wider<lb rend="trennstrich"/>sinnigem</w> vermögen können?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Der wütende Zorn über die ihm<lb/> abgesprochnen Waffen des
                            Achilles.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Aber die Heerde &#8212; warum fiel er<lb/> über die her?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Er glaubte seine Hände mit eurem<lb/> Blut zu färben.</p>
                        </sp>
                        <pb n="172"/>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Und also galt es den Griechen?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Sie würden es <choice>
                                    <sic>aucl,</sic>
                                    <corr resp="werner">auch</corr>
                                </choice> empfunden <w>ha<lb rend="trennstrich"/>ben</w>, wenn ich
                                nicht gewesen wäre!</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Welche Verwegenheit! welche <w>Toll<lb rend="trennstrich"/>kühnheit</w>!</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Es war Nacht; er war allein, und<lb/> ging als ein Meuchelmörder auf
                                euch los.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Wie weit, wie nahe, kam er denn<lb/> dem Ziele?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Schon nahte er sich den Zelten <w>bei<lb rend="trennstrich"/>der</w> Feldherren.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Ulysses</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Und was hielt da seine rasende Faust?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Minerva</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Ich! &#8212; Ich störte ihm diese <w>grau<lb rend="trennstrich"/>same</w> Freude. Mit täuschenden Bildern füllte ich<lb/>
                                sein Auge, und wandte ihn gegen die vermischten<lb/> Heerden, gegen
                                die Hüter des sämtlichen <w>Beute<lb rend="trennstrich"/>viehs</w>. Welch ein Metzeln! Alles hieb er um sich in<lb/> Stücke. Bald
                                glaubte er, beide Atriden mit eigner<lb/> Hand zu morden; bald gegen
                                einen andern <w>Heer<lb rend="trennstrich"/>führer</w> zu wüten.
                                Denn ich reizte den Wahnwitzi<lb rend="trennstrich"/>gen,
                                und ließ die grausamste der Erynnen gegen<lb/> den Tobenden los.</p>
                        </sp>
                    </div>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>

