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                <title>Tancred und Sigismunda</title>
                <author>Thomson</author>
                <respStmt>
                    <resp>Übersetzung </resp>
                    <name>Lessing </name>
                </respStmt>
                <respStmt>
                    <resp>Digitale Edition </resp>
                    <name>Christian Werner </name>
                    <name>Marcus Baumgarten </name>
                </respStmt>
                <respStmt>
                    <resp>Projektleitung </resp>
                    <name>Dr. Helmut Berthold </name>
                </respStmt>
                <respStmt>
                    <resp>Herausgegeben von </resp>
                    <name type="org">Lessing Akademie </name>
                </respStmt>
                <funder>Deutsche Forschungsgemeinschaft </funder>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>Digitale Edition der Übersetzungen Lessings</edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel </name>
                    <address>
                        <street>Lessingplatz 1 </street>
                        <name type="city">Wolfenbüttel </name>
                        <postCode>D-38299 </postCode>
                        <name type="country">Germany </name>
                    </address>
                </publisher>
                <date when="2007-03-22" type="issued">2007 </date>
                <date type="digitised"/>
                <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel </distributor>
                <availability status="free">
                    <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ( <ref
                            target="http://diglib.hab.de/?link=012">copyright information </ref>)
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                        <author>Lessing, Gotthold Ephraim</author>
                        <title level="a">Tancred und Sigismunda.</title>
                    </analytic>
                    <monogr>
                        <title level="m">Lessing's Werke</title>
                        <author>Lessing, Gotthold Ephraim</author>
                        <imprint>
                            <biblScope type="vol">Elfter Theil.</biblScope>
                            <biblScope type="part">Kleinere Schriften zur dramatischen Poesie und
                                zur Fabel.</biblScope>
                            <biblScope type="issue">Zweite Abtheilung.</biblScope>
                            <biblScope type="pp">S. 516-518</biblScope>
                            <publisher>Boxberger, Robert (anonym); Hempel, Gustav</publisher>
                            <pubPlace>Berlin</pubPlace>
                            <date>1876</date>
                        </imprint>
                    </monogr>
                    <series xml:lang="de" xmlns:xml="http://www.w3.org/XML/1998/namespace">
                        <title level="s">Lessing's Werke</title>
                        <editor>Gustav Hempel</editor>
                    </series>
                </biblStruct>
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                <p xml:id="lport">
                    <ref target="http://diglib.hab.de/?link=XXX">Digitale Edition der Übersetzungen
                        Lessings </ref>
                </p>
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    <text>
        <body>
            <pb n="516"/>
            <note type="annotation" resp="editor">
                <p>Als Lessing in seiner <q>Theatralischen Bibliothek</q> das <q>Leben des Herrn
                        Jakob Thomson</q> im Jahre 1754 veröffentlichte, sagte er darin unter Anderm
                    (Werke, Th. <hi rend="font-family: antiqua">XI</hi>. 1. Abth. S. 248): <q>Im
                        Jahr 1744 ward sein <hi rend="spaced">Tancred und Sigismunda</hi>
                        aufgeführt, welches Stück glücklicher ausfiel als alle andre Stücke des <hi
                            rend="spaced">Thomson's</hi> und noch itzt gespielet wird. Die Anlage
                        dazu ist von einer Begebenheit in dem bekannten Roman des <hi rend="spaced"
                            >Gil Blas</hi>
                        <note type="annotation" resp="editor">[von Lesage]</note> geborgt. Die Fabel
                        ist ungemein anmuthig; der Charaktere sind wenige, aber sie werden alle sehr
                        wirksam vorgestellt. Nur den Charakter des <hi rend="spaced"
                            >Seffredi</hi><note type="footnote" resp="editor" n="1">So steht auch in
                            der <q>Theatral. Bibl.</q> Im englischen Original und in der prosaischen
                            Uebersetzung des Thomson, welche 1756 mit Lessing's Vorrede erschien,
                            heißt er <hi rend="spaced">Siffredi</hi>, desgleichen im Gil Blas. Es
                            ist unser deutscher Name <hi rend="spaced">Siegfried</hi>.</note> hat
                        man mit Recht als mit sich selbst streitend, als gezwungen und unnatürlich
                        getadelt.</q> Auf den Gil Blas als die Quelle des Thomson'schen Trauerspiels
                    kommt er noch einmal in dem <q>Tagebuch der italienischen Reise</q> 1775 zurück
                    (Th. <hi rend="font-family: antiqua">XIX</hi>. uns. Ausg.): <q>Ein Graf <hi
                            rend="font-family: antiqua">Vincenzo Manzoli del Monte</hi> hat in
                        Modena eine Tragödie 1771, <hi rend="font-family: antiqua">Bianca et
                        Enrico</hi>, drucken lassen, welche das nämliche Süjet ist, das Saurin und
                        Thomson und Calini bearbeitet haben und eigentlich aus dem Gil Blas genommen
                        ist. Die beiden italienischen Stücke gehen dem französischen des Saurin zu
                        viel nach.</q> Die Episode aus dem Gil Blas heißt <q
                        rend="font-family: antiqua">Le mariage de vengeance</q>. - Sie ist
                    eingeschoben in die Erzählung von <q>Ludwig und Aurora</q>, die<pb n="517"/>
                    Lessing dramatisch zu bearbeiten versuchte. Vgl. unten Nr. 37. In der Dresdner
                    Ausgabe von 1798 steht sie Bd. <hi rend="font-family: antiqua">II</hi>. S.
                    26-65, Cap. 4. - Von dem Vorwurfe, sagt dann Lessing in dem obigen Aufsatze über
                    Thomson später (S. 249), daß die Handlung während der langen Gespräche stille
                    stehe und die Geschichte matt werde, sei nur Tancred und Sigismunde ausgenommen;
                        <q>dafür aber sind auch die Charaktere darinne nicht genug unterschieden,
                        welche sich fast durchgängig auf einerlei Art ausdrücken</q>. Als er 1756
                    die Vorrede zu der Uebersetzung von Thomson's Trauerspielen schrieb, äußerte er,
                    er wolle sich hier eine Materie nicht vorwegnehmen oder wenigstens verstümmeln,
                    die er nach aller möglichen Ausdehnung zu einer Fortsetzung jener Nachrichten in
                    der <q>Theatralischen Bibliothek</q> bestimmt habe (vgl. Werke, Th. <hi
                        rend="font-family: antiqua">XI</hi>. 1. Abth. S. 855). Diese Fortsetzung ist
                    jedoch nie erschienen.</p>
            </note>
            <div type="drama">
                <head type="maintitle">Tancred und Sigismunda.</head>
                <head type="subtitle" rend="spaced">Ein Trauerspiel.</head>
                <div type="akt" n="1">
                    <head type="aufzug">Erster Aufzug.</head>
                    <div type="szene" n="1">
                        <head type="auftritt">Erster Auftritt.</head>
                        <stage type="setting">Sigismunda. Laura.</stage>
                        <sp>
                            <speaker>Sigismunda</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Verhängnißvoller Tag für Sicilien! So nähert<lb/> sich der König
                                seinen letzten Augenblicken?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Laura</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Das fürchtet man.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Sigismunda</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Der Tod Derer, die ihr Stand, noch mehr<lb/> aber ihre Tugend
                                erhebet, erwecket die Seele zu feierlicher Trauer<lb/> und
                                erschüttert mit banger Furcht; nicht daß wir für sie zitterten,<lb/>
                                sondern für uns selbst, die wir uns in den Mühseligkeiten des<lb/>
                                Lebens zurückgelassen sehen. &#8212; Und doch werden die Besten
                                von<lb/> den gaukelnden Kindern dieser Welt auf einmal vergessen,
                                als<lb/> wären sie nimmer gewesen.</p>
                            <p>Man sagt, Laura, das Herz werde dann und wann von einer<lb/>
                                prophetischen Traurigkeit überfallen. Von dieser Art, däucht mich,<lb/>
                                <add>[ist]</add> sei die meinige. Des Königs herannahender Tod
                                    erregt<pb n="518"/> mir tausendfache Furcht. Was für Unruhen
                                werden mehr als<lb/> jemals den Staat verwirren! Was für plötzliche
                                Veränderungen<lb/> können in dem Hause meines Vaters entstehen und
                                mich von <w>mei<lb rend="bindestrich"/>nem</w> theuersten Tancred trennen! Mich
                                schauert für diesen <w>Ge<lb rend="bindestrich"/>danken</w>!</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Laura</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Wie verkehrt geschäftig, <add>[ist]</add> sich selbst zu quälen,<lb/>
                                ist die Einbildung, wenn Liebe sie krank macht! Doch glaube<lb/>
                                gewiß, Deines Vaters unwandelbare Freundschaft mit Hülfe<lb/> eines
                                gewissen, dem Glücke mehr gebietenden als dienenden
                                    <w>Schutz<lb rend="bindestrich"/>geistes</w> wird hier <add>[in dem Aug]</add> im
                                Angesichte Siciliens ihn<lb/> unterstützen und über ihn wachen.
                                Ueber ihn<add> [den edeln <w>Tan<lb rend="bindestrich"/>cred</w>]</add>, diesen
                                &#8212; so kann ich ihn wohl nennen &#8212; seinen
                                    <w>angenomme<lb rend="bindestrich"/>nen</w> Sohn, den edeln Tancred, gebildet nach
                                allen seinen<lb/> Tugenden &#8212;</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Sigismunda</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Und ach, gebildet, seine Tochter zu bezaubern!<lb/> &#8212; Ihn
                                lockte dieser schöne Morgen auf die Jagd. Sage mir, ist<lb/> er noch
                                nicht wieder zurück?</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Laura</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Nein. &#8212; Als Dein Vater eiligst zu dem nun
                                    <w>sterben<lb rend="bindestrich"/>den</w> Könige gerufen ward, sandte er auf alle
                                Wege Boten nach<lb/> ihm aus, und das mit solcher Hitze und
                                Ungeduld, als ob dieser<lb/> nahe Vorfall für den Grafen Tancred von
                                weit mehr Wichtigkeit<lb/> sei, als ich begreife <add>[begreifen
                                    kann]</add>.</p>
                        </sp>
                        <sp>
                            <speaker>Sigismunda</speaker>
                            <ab>.</ab>
                            <p>Es liegt, Laura, auf der Geburt meines<lb/> Tancred's eine
                                    <add>[Wolke, die ich nicht zu durchdringen vermag
                                        [<w>durch<lb rend="bindestrich"/>dringen</w> kann]] </add>für mich
                                undurchdringliche Wolke. Mein Vater<lb/> erzog mit fürstlichen
                                Lehren <add>[und mit Ehrerbietung, die, wie<lb/> ich oft bemerket,
                                    gegen meinen Vater seine Jugend] </add>und mit
                                    <w>Ehr<lb rend="bindestrich"/>erbietung</w>, die, wie ich oft bemerket, seine
                                Mienen nicht selten<lb/> mit Unterthänigkeit überraschte, den
                                Jüngling in den Wäldern<lb/> von Belmont. &#8212; Ach, Ihr
                                Wälder, wo meine Brust, die keine<lb/> Verstellung kannte, zuerst
                                die Seufzer der Liebe lernte! <add>[Da habe<lb/> ich oft bemerkt]
                                </add>Er gab ihn für den Sohn eines <add>[seines] </add>alten<lb/>
                                Freundes, Barons von Apulien, aus, dessen Tapferkeit in dem<lb/>
                                letzten Kreuzzuge ihr Ziel gefunden habe.</p>
                            <p>Aber was das Seltsamste ist: sind denn Alle von seinem
                                    <w>Ge<lb rend="bindestrich"/>schlechte</w> sowohl als sein Vater gestorben? alle
                                seine Freunde,<lb/> ausgenommen der rechtschaffne, großmüthige
                                Siffredi?</p>
                        </sp>
                    </div>
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