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<titlePage><docTitle>
<lb n="V.01"/> <titlePart type="main"><hi n="4"><hi rend="spaced">Des Abts von Marigny</hi></hi>
<lb n="V.02"/> <hi n="5"><hi rend="spaced">Geschichte</hi></hi>
<lb n="V.03"/> <hi n="2"><hi rend="spaced">der</hi></hi>
<lb n="V.04"/> <hi n="6"><hi rend="spaced">Araber</hi></hi>
<lb n="V.05"/> <hi n="2"><hi rend="spaced">unter der</hi></hi>
<lb n="V.06"/> <hi n="4"><hi rend="spaced">Regierung der Califen</hi></hi>.</titlePart>
<lb n="V.07"/> <!-- #(image) -->
<lb n="V.08"/> <titlePart type="sub"><hi n="1"><hi rend="spaced">Aus dem Franz&#x00F6;sischen.</hi></hi></titlePart>
<lb/> <titlePart rend="rule">------------------------------------------------------------</titlePart>
<lb n="V.09"/> <titlePart type="angabe_band"><hi n="3"><hi rend="spaced">Erster Theil</hi></hi>.</titlePart>
<lb/> <titlePart rend="rule">--------------------------------------------------</titlePart></docTitle>
<lb n="V.10"/> <docImprint><pubPlace><hi n="1"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Berlin und Potsdam</hi></hi>,</hi></pubPlace>
<lb n="V.11"/> <pubPlace><hi n="1"><hi rend="spaced">bey Christian Friedrich Vo&#x00DF;.</hi></hi></pubPlace>
<lb n="V.12"/> <docDate><hi n="1">1753.</hi></docDate></docImprint></titlePage>
<pb rend="leer" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-7"/>
<div type="vorwort">
<pb n="VII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-8"/>
<lb n="VII.01"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="VII.02"/> <head n="4"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></head>
<lb n="VII.03"/> <head n="3"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi>.</head>
<lb n="VII.04"/> <p><hi rend="initiale_gr">D</hi>ie Ursachen, welche der Abt von
<lb n="VII.05"/> Marigny gehabt hat, diese Ge=
<lb n="VII.06"/> schichte der Araber zu schreiben,
<lb n="VII.07"/> sind eben die Ursachen, welche mich bewo=
<lb n="VII.08"/> gen haben, seine Arbeit zu &#x00FC;bersetzen.</p>
<lb n="VII.09" rend="indent"/> <p>Er fand in seiner Sprache sehr wenig
<lb n="VII.10"/> Nachrichten von einem Volke, dessen Thaten
<lb n="VII.11"/> unsrer Neugierde nicht unw&#x00FC;rdiger sind, als die
<lb n="VII.12"/> Thaten der Griechen und R&#x00F6;mer: ich fand in
<lb n="VII.13"/> der meinigen fast gar keine teutsch.</p>
<lb n="VII.14" rend="indent"/> <p>Was er in andern, besonders in den ge=
<pb n="VIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-9"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="VIII.01"/> lehrten, Sprachen davon fand, waren zerstreue=
<lb n="VIII.02"/> te Glieder. Er gerieth auf den Einfall, ein
<lb n="VIII.03"/> ganzes daraus zu machen; und vielleicht w&#x00FC;r=
<lb n="VIII.04"/> de ich selbst darauf gerathen seyn, wann er
<lb n="VIII.05"/> mir nicht zuvor gekommen w&#x00E4;re.</p>
<lb n="VIII.06" rend="indent"/> <p>Er stellte sich dabey einen Rollin zum Mu=
<lb n="VIII.07"/> ster vor. Und schon dieses Muster kan ein
<lb n="VIII.08"/> gutes Vorurtheil f&#x00FC;r ihn erwecken. Er such=
<lb n="VIII.09"/> te die bequemsten Quellen; er zog nichts dar=
<lb n="VIII.10"/> aus, was er nicht f&#x00FC;r eben so erg&#x00F6;tzend als lehr=
<lb n="VIII.11"/> reich hielt; er brachte alles in eine Ordnung,
<lb n="VIII.12"/> welche den Leser nirgends den Faden der Ge=
<lb n="VIII.13"/> schichte verlieren l&#x00E4;&#x00DF;t; er vermied alle gelehrte
<lb n="VIII.14"/> Untersuchungen, die nur denen angenehm seyn
<lb n="VIII.15"/> k&#x00F6;nnen, welche die Historie als ihr Haupt=
<lb n="VIII.16"/> werk treiben. Da&#x00DF; er &#x00FC;ber dieses die Kunst
<lb n="VIII.17"/> wohl zu erzehlen, und die edle Einfalt in Wor=
<lb n="VIII.18"/> ten und Ausdr&#x00FC;cken, werde in seiner Gewalt
<lb n="VIII.19"/> gehabt haben, l&#x00E4;&#x00DF;t sich schon daraus schlies=
<lb n="VIII.20"/> sen, weil er ein Franzose ist. Man lasse uns
<lb n="VIII.21"/> dieser Nation wenigstens den Ruhm nicht
<lb n="VIII.22"/> streitig machen, da&#x00DF; die allermeisten von ih=
<lb n="VIII.23"/> ren Schriften, wann sie schon mit keiner
<pb n="IX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-10"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="IX.01"/> schweren Gelehrsamkeit prahlen, dennoch von
<lb n="IX.02"/> einem guten Geschmacke zeigen.</p>
<lb n="IX.03" rend="indent"/> <p>Hieraus wird man also leicht sehen, f&#x00FC;r
<lb n="IX.04"/> wen unser Abt eigentlich geschrieben. Er
<lb n="IX.05"/> schrieb nicht, um selbst eine Quelle in der
<lb n="IX.06"/> arabischen Geschichte zu werden. Und wie
<lb n="IX.07"/> h&#x00E4;tte er dieses werden k&#x00F6;nnen, da er seine Un=
<lb n="IX.08"/> wissenheit in der arabischen Sprache selbst
<lb n="IX.09"/> gestehet? Er schrieb nicht, um sein Werk zu
<lb n="IX.10"/> einer Vorrathskammer aller chronologischen
<lb n="IX.11"/> Widerspr&#x00FC;che, aller verschiednen Erzehlun=
<lb n="IX.12"/> gen, aller auch der geringsten Umst&#x00E4;nde zu
<lb n="IX.13"/> machen, mit welchen eine Begebenheit zwar
<lb n="IX.14"/> in den Zeitungen, nicht aber in vern&#x00FC;nftig
<lb n="IX.15"/> geschriebnen Geschichtb&#x00FC;chern, aufgezeichnet
<lb n="IX.16"/> wird.</p>
<lb n="IX.17" rend="indent"/> <p>Er schrieb nur f&#x00FC;r die, welche aus der
<lb n="IX.18"/> Geschichte jene grosse Ver&#x00E4;nderungen, die
<lb n="IX.19"/> einen Einflu&#x00DF; auf die ganze Welt gehabt,
<lb n="IX.20"/> und jene grosse M&#x00E4;nner, die diese Ver&#x00E4;nde=
<lb n="IX.21"/> rungen verursacht, auf eine Art wollen kennen
<lb n="IX.22"/> lernen, die nicht nur die Neugierde und das
<lb n="IX.23"/> Ged&#x00E4;chtni&#x00DF;, sondern auch den Verstand be=
<pb n="X.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-11"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="X.01"/> sch&#x00E4;ftiget. Er schrieb insbesondre f&#x00FC;r Leute,
<lb n="X.02"/> welche de&#x00DF;wegen, weil sie keine Gelehrte von
<lb n="X.03"/> Profe&#x00DF;ion sind, von Lesung der B&#x00FC;cher, und
<lb n="X.04"/> besonders historischer Schriften, eben nicht
<lb n="X.05"/> wollen ausgeschlossen seyn. Er schrieb f&#x00FC;r
<lb n="X.06"/> die Jugend, bey welcher man damit anfangen
<lb n="X.07"/> mu&#x00DF;, da&#x00DF; man ihr erst das wesentlichste bey
<lb n="X.08"/> den wichtigsten Epochen bekannt macht.</p>
<lb n="X.09" rend="indent"/> <p>Alles dieses giebt unser Verfasser in sei=
<lb n="X.10"/> ner Vorrede deutlich genug zu verstehen; und
<lb n="X.11"/> es hat an M&#x00E4;nnern nicht gefehlt, welche seine
<lb n="X.12"/> Absicht, und die Art, wie er sie zu erreichen
<lb n="X.13"/> gesucht, gelobt haben.</p>
<lb n="X.14" rend="indent"/> <p>Diese Lobspr&#x00FC;che anzuf&#x00FC;hren, w&#x00FC;rde man
<lb n="X.15"/> einem Uebersetzer, welcher sein Original ger=
<lb n="X.16"/> ne geltend machen will, erlauben m&#x00FC;ssen. Al=
<lb n="X.17"/> lein ich habe nicht Lust, mir diese Beg&#x00FC;nsti=
<lb n="X.18"/> gung zu Nutze zu machen; ich will vielmehr
<lb n="X.19"/> gleich das Gegentheil thun, und dasjenige
<lb n="X.20"/> anf&#x00FC;hren, was man an dieser Geschichte der
<lb n="X.21"/> Araber unter der Regierung der Califen aus=
<lb n="X.22"/> gesetzt hat.</p>
<lb n="X.23" rend="indent"/> <p>Der <hi rend="bold">Herr D. Baumgarten</hi>, ein
<pb n="XI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-12"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XI.01"/> Mann, welcher sich mit Recht beynahe ein di=
<lb n="XI.02"/> ctatorisches Ansehen in der Geschichte, und in
<lb n="XI.03"/> der Beurtheilung ihrer Schriftsteller erwor=
<lb n="XI.04"/> ben, hat bey Gelegenheit seine Gedanken
<lb n="XI.05"/> &#x00FC;ber den Abt von Marigny auf eine Art ent=
<lb n="XI.06"/> deckt, welche f&#x00FC;r ihn nichts weniger als vor=
<lb n="XI.07"/> theilhaft ist. Beynahe h&#x00E4;tte mich der Tadel
<lb n="XI.08"/> dieses Gelehrten, dessen Verdienste vielleicht
<lb n="XI.09"/> niemand h&#x00F6;her sch&#x00E4;tzt als ich, mitten in mei=
<lb n="XI.10"/> ner Uebersetzung zur&#x00FC;ckgehalten; und ohne
<lb n="XI.11"/> Zweifel denkt mancher, da&#x00DF; es sehr gut gewe=
<lb n="XI.12"/> sen w&#x00E4;re. Mu&#x00DF; ich mich nicht also rechtfer=
<lb n="XI.13"/> tigen, wenn man mich nicht f&#x00FC;r einen Men=
<lb n="XI.14"/> schen halten soll, dem es nur darum zu thun
<lb n="XI.15"/> ist, da&#x00DF; er &#x00FC;bersetzt, es mag nun das, was
<lb n="XI.16"/> er &#x00FC;bersetzt, erb&#x00E4;rmlich oder gut seyn?</p>
<lb n="XI.17" rend="indent"/> <p>Der <hi rend="bold">Herr D. Baumgarten</hi> legt in
<lb n="XI.18"/> dem 34<hi rend="super">sten</hi> St&#x00FC;cke der H&#x00E4;llischen Anzeigen
<lb n="XI.19"/> vom Jahre 1751., unserm Verfasser dreyer=
<lb n="XI.20"/> ley zur Last. Er erinnert verschiednes wegen
<lb n="XI.21"/> seiner Quellen; er beschuldiget ihn einer Zer=
<lb n="XI.22"/> st&#x00FC;mmlung seiner Geschichte; er giebt ihm
<lb n="XI.23"/> die augenscheinlichsten und gr&#x00F6;bsten Fehler
<pb n="XII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-13"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XII.01"/> Schuld. Jst wohl noch ein viertes St&#x00FC;ck
<lb n="XII.02"/> &#x00FC;brig, den Charakter eines elenden Geschicht=
<lb n="XII.03"/> schreibers vollkommen zu machen?</p>
<lb n="XII.04" rend="indent"/> <p>Der erste Punkt betrift die Quellen.
<lb n="XII.05"/> &#x201E;<hi rend="bold">Jn der Geschichte der Araber</hi>, sagt
<lb n="XII.06"/> der Herr D., <hi rend="bold">sind zwar D. Herbelot,
<lb n="XII.07"/> und die Uebersetzung vom Ockley
<lb n="XII.08"/> und Elmacin seine besten Quellen,
<lb n="XII.09"/> doch verachtet er den ersten auf
<lb n="XII.10"/> Renaudots Versicherung bey aller
<lb n="XII.11"/> Gelegenheit, und zieht dieses letz=
<lb n="XII.12"/> tern weit unrichtigere Erzehlungen
<lb n="XII.13"/> den Nachrichten des erstern vor,
<lb n="XII.14"/> den andern aber verschweigt er sorg=
<lb n="XII.15"/> f&#x00E4;ltig, und f&#x00FC;hrt den Alvakedi an
<lb n="XII.16"/> dessen Statt an, ohnerachtet er bey
<lb n="XII.17"/> der g&#x00E4;nzlichen Unf&#x00E4;higkeit, arabi=
<lb n="XII.18"/> sche Schriftsteller zu Rathe zu zie=
<lb n="XII.19"/> hen, aus Assemanni, Schultens,
<lb n="XII.20"/> Salems und anderer Arbeiten rich=
<lb n="XII.21"/> tigere und fruchtbarere H&#x00FC;lffsmit=
<lb n="XII.22"/> tel entlehnen k&#x00F6;nnen</hi>.&#x201E; Hier liegen in
<lb n="XII.23"/> der That eine Menge Beschuldigungen bey=
<pb n="XIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-14"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XIII.01"/> sammen, welche aber so in einander verwickelt
<lb n="XIII.02"/> find, da&#x00DF; ich fast nicht wei&#x00DF;, wie ich ordent=
<lb n="XIII.03"/> lich darauf antworten soll. Jch will es durch
<lb n="XIII.04"/> Fragen versuchen. Jst es denn nicht wahr,
<lb n="XIII.05"/> da&#x00DF; die orientalische Bibliothek des Herbelot
<lb n="XIII.06"/> ein Werk ist, wo man fast auf allen Seiten
<lb n="XIII.07"/> Fehler und Widersprechungen antrift? Jst
<lb n="XIII.08"/> denn Renaudot der einzige, der dieses gesagt
<lb n="XIII.09"/> hat? Mu&#x00DF; man eben so stark in den orienta=
<lb n="XIII.10"/> lischen Sprachen seyn, als Herbelot war, um
<lb n="XIII.11"/> seine Unrichtigkeiten wahrzunehmen? Oder
<lb n="XIII.12"/> fallen nicht unz&#x00E4;hlige schon einem jeden Lesen=
<lb n="XIII.13"/> den, wann er ihn nur mit sich selbst ver=
<lb n="XIII.14"/> gleicht, in die Augen? Haben nicht Sale
<lb n="XIII.15"/> und Ockley schon unz&#x00E4;hliges an ihm ausge=
<lb n="XIII.16"/> setzt? Und ist es denn wahr, da&#x00DF; ihn Mari=
<lb n="XIII.17"/> gny bey aller Gelegenheit verachtet? Bedient
<lb n="XIII.18"/> er sich nicht seiner Nachrichten an sehr vielen
<lb n="XIII.19"/> Stellen? Thut er etwas anders, als da&#x00DF; er,
<lb n="XIII.20"/> nach Maa&#x00DF;gebung des Renaudots, in der
<lb n="XIII.21"/> Vorrede errinnert, man habe ihn mit Behut=
<lb n="XIII.22"/> samkeit zu lesen, weil er nicht selbst die letzte
<lb n="XIII.23"/> Hand an sein Werk habe legen k&#x00F6;nnen? Fer=
<pb n="XIV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-15"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XIV.01"/> ner: wo zieht denn Marigny die Nachrich=
<lb n="XIV.02"/> ten des Elmacins den Nachrichten des Her=
<lb n="XIV.03"/> belots vor? Jst dieses nicht eine offenbar
<lb n="XIV.04"/> falsche Beschuldigung? Macht er jenen in
<lb n="XIV.05"/> seiner Vorrede, auf Versicherung seines Re=
<lb n="XIV.06"/> naudots nicht weit verd&#x00E4;chtiger, als diesen, in=
<lb n="XIV.07"/> dem er ihn als eine von den falschen Quellen
<lb n="XIV.08"/> anf&#x00FC;hrt, aus welcher Herbelot verschiedne
<lb n="XIV.09"/> Jrrth&#x00FC;mer gesch&#x00F6;pft? Woher wei&#x00DF; man,
<lb n="XIV.10"/> da&#x00DF; er die Schriften eines Assemanni, eines
<lb n="XIV.11"/> Schultens, eines Salens ganz und gar nicht
<lb n="XIV.12"/> gebraucht? Vielleicht weil er sie in der Vor=
<lb n="XIV.13"/> rede nicht anf&#x00FC;hrt, oder weil er den Rand
<lb n="XIV.14"/> nicht mit Citaten angef&#x00FC;llt hat? Jst es denn
<lb n="XIV.15"/> wahr, da&#x00DF; Herbelot, Ockley und Elmacin
<lb n="XIV.16"/> seine besten Quellen sind? Sind den Renau=
<lb n="XIV.17"/> dot, Abulpharagius selbst, und andre, die er
<lb n="XIV.18"/> sich weit mehr als jene zu Nutze gemacht hat,
<lb n="XIV.19"/> nicht eben so gute Quellen? Jst es denn sei=
<lb n="XIV.20"/> ne Absicht gewesen, alles zusammen zu tragen?
<lb n="XIV.21"/> Das einzige, was unter allen diesen Beschul=
<lb n="XIV.22"/> digungen Grund hat, ist dieses, da&#x00DF; er den
<lb n="XIV.23"/> Alvakedi anstatt des Ockley angef&#x00FC;hrt hat.
<pb n="XV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-16"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XV.01"/> Doch auch hierinne ist er zu entschuldigen;
<lb n="XV.02"/> denn da er seine Unwissenheit in der arabischen
<lb n="XV.03"/> Sprache nicht leugnet, so kan er es unm&#x00F6;g=
<lb n="XV.04"/> lich aus Stolz gethan haben, um den Leser zu
<lb n="XV.05"/> &#x00FC;berreden, als habe er selbst die Handschrift
<lb n="XV.06"/> dieses Geschichtschreibers zu Rathe gezogen; er
<lb n="XV.07"/> mu&#x00DF; es vielmehr de&#x00DF;wegen gethan haben, um
<lb n="XV.08"/> ohne Umschweife sogleich den eigentlichen
<lb n="XV.09"/> W&#x00E4;hrmann seiner Erzehlungen anzuf&#x00FC;hren.
<lb n="XV.10"/> Gesetzt aber, er h&#x00E4;tte es aus Eitelkeit gethan, so
<lb n="XV.11"/> w&#x00FC;rde mehr sein moralischer Charakter, als die
<lb n="XV.12"/> G&#x00FC;te seiner Schrift, darunter leiden. Und ist
<lb n="XV.13"/> es denn so etwas unerh&#x00F6;rtes, wann ein Gelehr=
<lb n="XV.14"/> ter seine n&#x00E4;chsten Quellen verschweiget, und
<lb n="XV.15"/> wann er sich wohl gar M&#x00FC;he giebt, sie so we=
<lb n="XV.16"/> nig bekannt werden zu lassen, als m&#x00F6;glich?</p>
<lb n="XV.17" rend="indent"/> <p>Jch komme zu dem zweyten Punkte, wor=
<lb n="XV.18"/> &#x00FC;ber sich der Herr D. Baumgarten folgen=
<lb n="XV.19"/> der Maa&#x00DF;en erkl&#x00E4;rt: &#x201E;<hi rend="bold">Der Jnnhalt der
<lb n="XV.20"/> Geschichte der Araber unter den
<lb n="XV.21"/> Califen, ist der Aufschrift gar nicht
<lb n="XV.22"/> gem&#x00E4;&#x00DF;: indem er weder von den
<lb n="XV.23"/> Ver&#x00E4;nderungen im eigentlichen Ara=</hi>
<pb n="XVI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-17"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XVI.01"/> <hi rend="bold">rabien unter der Regierung der abas=
<lb n="XVI.02"/> sidischen Califen zu Bagdad, noch
<lb n="XVI.03"/> auch von der ommiadischen Ge=
<lb n="XVI.04"/> schlechtsfolge der Califen in Spani=
<lb n="XVI.05"/> en, ingleichen den Aliden, Moravi=
<lb n="XVI.06"/> den, oder Marabuts, und andern
<lb n="XVI.07"/> Reichen der Araber, auch nur so
<lb n="XVI.08"/> viel Nachricht giebt, als er aus B&#x00FC;=
<lb n="XVI.09"/> chern nehmen k&#x00F6;nnen, die in jeder=
<lb n="XVI.10"/> manns H&#x00E4;nden sind, und der Auf=
<lb n="XVI.11"/> schrift zu Folge alhier billig erwar=
<lb n="XVI.12"/> tet wird</hi>.&#x201E; Auf diese Beschuldigungen
<lb n="XVI.13"/> &#x00FC;berhaupt zu antworten, so bitte ich zu erwe=
<lb n="XVI.14"/> gen, was f&#x00FC;r eine Verwirrung in dem Wer=
<lb n="XVI.15"/> ke des Marigny nothwendig w&#x00FC;rde m&#x00FC;ssen ge=
<lb n="XVI.16"/> herrscht haben, wann er ihnen h&#x00E4;tte auswei=
<lb n="XVI.17"/> chen wollen? Doch ich will mich St&#x00FC;ckweise
<lb n="XVI.18"/> einlassen. Was ging denn in dem eigentli=
<lb n="XVI.19"/> chen Arabien unter der Geschlechtsfolge der
<lb n="XVI.20"/> Abba&#x00DF;iden so wichtiges vor, da&#x00DF; er deswegen
<lb n="XVI.21"/> den Faden der Hauptgeschichte h&#x00E4;tte abreissen
<lb n="XVI.22"/> sollen? Nimmt er denn das Wort <hi rend="bold">Araber</hi>
<lb n="XVI.23"/> in einem so engen Verstande, da&#x00DF; er niemals
<pb n="XVII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-18"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XVII.01"/> die wirklichen gebohrnen Araber aus dem Ge=
<lb n="XVII.02"/> sichte lassen m&#x00FC;ssen? Oder versteht er viel=
<lb n="XVII.03"/> mehr unter den Arabern diejenigen orienta=
<lb n="XVII.04"/> lischen V&#x00F6;lker, welche sich zu dem Glauben
<lb n="XVII.05"/> des Mahomets bekannten, und diesen mit
<lb n="XVII.06"/> dem Schwerdte ausbreiteten? War es also
<lb n="XVII.07"/> nicht nothwendiger, da&#x00DF; er, nach der Folge
<lb n="XVII.08"/> ihrer rechtm&#x00E4;&#x00DF;igen Regenten, (das ist, derjeni=
<lb n="XVII.09"/> gen, welche von dem gr&#x00F6;&#x00DF;ten und vornehmsten
<lb n="XVII.10"/> Theile der Muselm&#x00E4;nner f&#x00FC;r rechtm&#x00E4;&#x00DF;ig er=
<lb n="XVII.11"/> kannt wurden) vielmehr ihre ausw&#x00E4;rtigen
<lb n="XVII.12"/> Eroberungen, als ihre innerlichen Unruhen
<lb n="XVII.13"/> und Trennungen erzehlte? Jst es nicht genug,
<lb n="XVII.14"/> wenn er dieser kurz erw&#x00E4;hnt, und ihrer nicht
<lb n="XVII.15"/> weiter gedenkt, als in so ferne sie einen Ein=
<lb n="XVII.16"/> flu&#x00DF; in die Reihe der eigentlichen Nachfolger
<lb n="XVII.17"/> des Mahomets gehabt haben? Was beson=
<lb n="XVII.18"/> ders die Moraviden anbelangt, so kommt mir
<lb n="XVII.19"/> dieser Einwurf nicht anders vor, als wenn man
<lb n="XVII.20"/> es einem, welcher die Geschichte der Sachsen
<lb n="XVII.21"/> zu beschreiben unternimmt, zur Last legen woll=
<lb n="XVII.22"/> te, da&#x00DF; er nicht, aus der Geschichte von Eng=
<lb n="XVII.23"/> land, die sieben s&#x00E4;chsischen K&#x00F6;nigreiche zugleich
<lb n="XVII.24"/> mit beschrieben habe.</p>
<pb n="XVIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-19"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XVIII.01" rend="indent"/> <p>Doch es scheint, als ob der Herr D.
<lb n="XVIII.02"/> Baumgarten selbst diese anscheinende Un=
<lb n="XVIII.03"/> vollst&#x00E4;ndigkeit f&#x00FC;r keinen wirklichen Fehler
<lb n="XVIII.04"/> halte, weil er gleich darauf fortf&#x00E4;hrt, da&#x00DF;
<lb n="XVIII.05"/> diese Zerst&#x00FC;mmlung noch ertr&#x00E4;glich seyn w&#x00FC;r=
<lb n="XVIII.06"/> de, wann die gelieferten Theile derselben nicht
<lb n="XVIII.07"/> mit den unverantwortlichsten Unrichtigkeiten
<lb n="XVIII.08"/> angef&#x00FC;llt w&#x00E4;ren. Das ist viel: Doch der
<lb n="XVIII.09"/> Hr. D. ist kein Mann, der etwas ohne Be=
<lb n="XVIII.10"/> weis vorzugeben pflegt, er rechtfertiget also
<lb n="XVIII.11"/> diesen Vorwurf folgender Gestalt. <hi rend="bold">Nur
<lb n="XVIII.12"/> eine</hi>, sagt er, <hi rend="bold">der augenscheinlichsten
<lb n="XVIII.13"/> und gr&#x00F6;bsten anzuf&#x00FC;hren, so wird
<lb n="XVIII.14"/> im</hi> 2<hi rend="super">ten</hi> <hi rend="bold">Theile S. 488. Jbrahim Ebn
<lb n="XVIII.15"/> Mohammed f&#x00FC;r einen Aliden, oder
<lb n="XVIII.16"/> Nachkommen des Ali ausgegeben,
<lb n="XVIII.17"/> auch versichert, da&#x00DF; die Anh&#x00E4;nger
<lb n="XVIII.18"/> des Ali sowohl als des Abbas, den=
<lb n="XVIII.19"/> selben f&#x00FC;r den &#x00E4;chten Jmam erkannt
<lb n="XVIII.20"/> haben: da nicht nur dieser Jbrahim
<lb n="XVIII.21"/> unter die 12. Jmams der Anh&#x00E4;nger
<lb n="XVIII.22"/> Ali gar nicht geh&#x00F6;ret, sondern auch
<lb n="XVIII.23"/> unstreitig ein Aba&#x00DF;ide, und des er=</hi>
<pb n="XIX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-20"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XIX.01"/> <hi rend="bold">sten aba&#x00DF;idischen Califen, Abdalla
<lb n="XIX.02"/> Muhammed Abulabas, leiblicher
<lb n="XIX.03"/> Bruder gewesen. Welcher Jrrthum
<lb n="XIX.04"/> aller Wahrscheinlichkeit nach daher
<lb n="XIX.05"/> gekommen, da&#x00DF; der Verfasser irgend=
<lb n="XIX.06"/> wo gefunden, dieser Jbrahim sey
<lb n="XIX.07"/> Muhammeds Sohn, Ali Enkel,
<lb n="XIX.08"/> gewesen; daher er ihn f&#x00FC;r einen Ali=
<lb n="XIX.09"/> den ausgegeben, welche damals den
<lb n="XIX.10"/> Giafar Sadik f&#x00FC;r ihren Jmam er=
<lb n="XIX.11"/> kannt haben</hi>. Jch w&#x00FC;rde ein verzweifel=
<lb n="XIX.12"/> ter Wagehals seyn, wenn ich behaupten woll=
<lb n="XIX.13"/> te, da&#x00DF; Marigny gar keine Fehler gemacht
<lb n="XIX.14"/> habe; aber dieses kan ich ganz sicher behau=
<lb n="XIX.15"/> pten, da&#x00DF; die Critik des Hr. D. Baumgar=
<lb n="XIX.16"/> tens hier auf eine Stelle gefallen ist, die
<lb n="XIX.17"/> man den Augenblick rechtsertigen kan. Es
<lb n="XIX.18"/> ist wahr, Jbrahim Ebn Mohammed war ein
<lb n="XIX.19"/> Bruder des ersten Abba&#x00DF;idischen Califen.
<lb n="XIX.20"/> Marigny wei&#x00DF; dieses selbst, (s. 2. Th. S. 493.)
<lb n="XIX.21"/> und mu&#x00DF; es also gewu&#x00DF;t haben, da&#x00DF; er seiner
<lb n="XIX.22"/> Geburth nach kein Nachkomme des Ali seyn
<lb n="XIX.23"/> konnte. Warum begeht er aber gleichwohl
<pb n="XX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-21"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XX.01"/> an dem von dem Hn. D. Baumgarten ange=
<lb n="XX.02"/> f&#x00FC;hrten Orte diesen Fehler, und nennt ihn ei=
<lb n="XX.03"/> nen Aliden? Jch begreiffe nicht, wie sich ein so
<lb n="XX.04"/> gelehrter Mann an eine so bekannte Zweydeu=
<lb n="XX.05"/> tigkeit hat stossen k&#x00F6;nnen. Hei&#x00DF;t denn ein
<lb n="XX.06"/> Alide blo&#x00DF; ein Nachkomme des Ali, oder be=
<lb n="XX.07"/> deut es auch einen, welcher des Ali Parthey
<lb n="XX.08"/> h&#x00E4;lt, und nur diesen f&#x00FC;r den ersten rechtm&#x00E4;&#x00DF;i=
<lb n="XX.09"/> gen Nachfolger des Mahomet erkennet?
<lb n="XX.10"/> Brauchten die Abba&#x00DF;iden bey der Emp&#x00F6;rung
<lb n="XX.11"/> wider die Ommiaden nicht die Ermordung
<lb n="XX.12"/> des Ali zum Vorwande, so wie die Ommiaden
<lb n="XX.13"/> die Ermordung des Othmans vorgesch&#x00FC;tzt hat=
<lb n="XX.14"/> ten? Und sind in dem letzten Verstande nicht
<lb n="XX.15"/> jetzt noch alle Perser Aliden, ohne da&#x00DF; sie wirk=
<lb n="XX.16"/> liche Nachkommen des Ali sind? Diese Ent=
<lb n="XX.17"/> schuldigung ist zu &#x00FC;berzeugend, als da&#x00DF; ich mich
<lb n="XX.18"/> l&#x00E4;nger dabey aufhalten d&#x00FC;rfte.</p>
<lb n="XX.19" rend="indent"/> <p>Jch wiederhole es noch einmal, da&#x00DF; ich sehr
<lb n="XX.20"/> viel wagen w&#x00FC;rde, wenn ich den Marigny von
<lb n="XX.21"/> allen Fehlern frey sprechen wollte; von allen
<lb n="XX.22"/> groben und unverantwortlichen Fehlern aber
<lb n="XX.23"/> getraue ich mir es in der That zu thun. Will
<pb n="XXI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-22"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXI.01"/> man wissen, wie diese in der arabischen Ge=
<lb n="XXI.02"/> schichte aussehen, so darf man nur die chro=
<lb n="XXI.03"/> nologische Tafeln des <hi rend="bold">Dufresnoy</hi>, welches
<lb n="XXI.04"/> und <hi rend="bold">der Hr. D. Baumgarten</hi> im vori=
<lb n="XXI.05"/> gen Jahre mit einer Vorrede verdeutscht ge=
<lb n="XXI.06"/> liefert hat, nachsehen. Es wird nicht viel feh=
<lb n="XXI.07"/> len, da&#x00DF; nicht in jeder Zeile, die von den Sa=
<lb n="XXI.08"/> racenen handelt, ein he&#x00DF;licher Fehler liegen soll=
<lb n="XXI.09"/> te. Da soll Abubeker den Jzdegerd geschla=
<lb n="XXI.10"/> gen, get&#x00F6;dtet und sich seines Reichs bem&#x00E4;ch=
<lb n="XXI.11"/> tiget haben; da soll die Stadt Damascus
<lb n="XXI.12"/> von dem Omar seyn erobert und gepl&#x00FC;ndert
<lb n="XXI.13"/> worden; da sollen die Saracenen in Aegypten
<lb n="XXI.14"/> eher eingedrungen seyn, als sie Jerusalem bela=
<lb n="XXI.15"/> gert haben; da hat ein Sklave den Omar in der
<lb n="XXI.16"/> Moschee zu Jerusalem ermordet, und was der=
<lb n="XXI.17"/> gleichen unsinnige Verf&#x00E4;lschungen mehr sind.
<lb n="XXI.18"/> Der Hr. <hi rend="bold">D. Baumgarten</hi> mu&#x00DF; sie alle
<lb n="XXI.19"/> wahrgenommen haben, und gleichwohl versi=
<lb n="XXI.20"/> chert er uns, da&#x00DF; die Compilation des <hi rend="bold">Du=
<lb n="XXI.21"/> fresnoy</hi>{??} sch&#x00F6;n und n&#x00FC;tzlich sey. Mit wie viel
<lb n="XXI.22"/> besserm Grunde wird man, bey einigen unend=
<lb n="XXI.23"/> lich kleinern Fehlern, nicht eben diese Versiche=
<pb n="XXII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-23"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede des Uebersetzers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXII.01"/> rung von gegenw&#x00E4;rtiger Geschichte des Abts
<lb n="XXII.02"/> Marigny geben k&#x00F6;nnen?</p>
<lb n="XXII.03" rend="indent"/> <p>Jch will w&#x00FC;nschen, da&#x00DF; der Beyfall der Le=
<lb n="XXII.04"/> ser meiner Versicherung nicht widersprechen m&#x00F6;=
<lb n="XXII.05"/> ge. Das Publicum ist in solchen Sachen im=
<lb n="XXII.06"/> mer der beste Richter.</p>
<lb n="XXII.07" rend="indent"/> <p>Noch zwey Worte will ich von der Ueber=
<lb n="XXII.08"/> setzung selbst hinzu thun, und schliessen: Das
<lb n="XXII.09"/> Original bestehet auf vier Octavb&#x00E4;ndern, wel=
<lb n="XXII.10"/> che man in dreye zu bringen f&#x00FC;r gut befunden
<lb n="XXII.11"/> hat. Jn den n&#x00E4;chst folgenden Leipziger Messen
<lb n="XXII.12"/> sollen die &#x00FC;brigen zwey erscheinen. Einige
<lb n="XXII.13"/> Druckfehler, die in diesem eingeschlichen sind,
<lb n="XXII.14"/> und welches vielleicht auch Schreibefehler k&#x00F6;n=
<lb n="XXII.15"/> nen gewesen seyn, wird der Leser so gut seyn und
<lb n="XXII.16"/> &#x00FC;bersehen. Jch will ihm daf&#x00FC;r die Schmei=
<lb n="XXII.17"/> cheley machen, da&#x00DF; ich ihn viel zu scharfsichtig
<lb n="XXII.18"/> <hi rend="center">halte, als da&#x00DF; es n&#x00F6;thig seyn sollte, ihn erst
<lb n="XXII.19"/> lange ein Verzeichni&#x00DF; davon zu
<lb n="XXII.20"/> geben.</hi></p>
<lb n="XXII.21"/> <signed rend="right">M. L. A.</signed></div>
<div type="vorwort">
<pb n="XXIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-24"/>
<lb n="XXIII.01"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="XXIII.02"/> <head n="4"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></head>
<lb n="XXIII.03"/> <head n="3"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi>.</head>
<lb n="XXIII.04"/> <p><hi rend="initiale_gr">D</hi>es Vorwurfs ungeachtet, welchen man
<lb n="XXIII.05"/> den Neuern, und besonders unsrer
<lb n="XXIII.06"/> Nation, wegen ihrer Liebe zu Klei=
<lb n="XXIII.07"/> nigkeiten macht, ist es gleichwohl un=
<lb n="XXIII.08"/> widersprechlich, da&#x00DF; sich der Geschmack an dem
<lb n="XXIII.09"/> wahren, guten und gr&#x00FC;ndlichen, noch immer
<lb n="XXIII.10"/> erhalten hat, und sich auch noch jetzt erh&#x00E4;lt.
<lb n="XXIII.11"/> Wann die Werke der Einbildungskraft, wel=
<lb n="XXIII.12"/> che blo&#x00DF; belustigen, einen schleinigen Fortgang
<lb n="XXIII.13"/> haben, so nimmt man doch auch die ernsthaf=
<lb n="XXIII.14"/> ten nicht ungeneigt auf. Die ersten haben in
<lb n="XXIII.15"/> der That einen gl&#x00E4;nzenden Lauf; allein er ist
<lb n="XXIII.16"/> gemeiniglich von kurzer Dauer: sie gleichen
<lb n="XXIII.17"/> dem Blitze, welche nur ein fl&#x00FC;chtiges Feuer
<lb n="XXIII.18"/> von sich werffen, und oft keine Spur zur&#x00FC;ck
<lb n="XXIII.19"/> lassen. Diese hingegen haben einen ernsthaf=
<lb n="XXIII.20"/> ten, langsamen und ununterbrochnen Gang:
<lb n="XXIII.21"/> anstatt, da&#x00DF; sie die Zeit vernichten solle, so
<pb n="XXIV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-25"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXIV.01"/> vermehrt sie vielmehr die Sch&#x00E4;tzbarkeit der=
<lb n="XXIV.02"/> selben.</p>
<lb n="XXIV.03" rend="indent"/> <p>Wir haben die deutlichsten Beweise hier=
<lb n="XXIV.04"/> von an einer sehr grossen Menge Geburthen,
<lb n="XXIV.05"/> welche f&#x00FC;r den Witz eben so n&#x00FC;tzlich, als f&#x00FC;r
<lb n="XXIV.06"/> das Herz, und wegen der zierlichen und reinen
<lb n="XXIV.07"/> Schreibart eben so lobensw&#x00FC;rdig sind, als we=
<lb n="XXIV.08"/> gen ihrer klugen und genauen Moral. Von
<lb n="XXIV.09"/> dieser Art ist unter andern die alte Geschichte
<lb n="XXIV.10"/> des ber&#x00FC;hmten Rollins, deren gute Aufnahme
<lb n="XXIV.11"/> aller Welt bekannt ist. Jch f&#x00FC;hre diesen Ver=
<lb n="XXIV.12"/> fasser deswegen insbesonders an, weil ich mir
<lb n="XXIV.13"/> in diesem gengenw&#x00E4;rtigen Werke vorgenom=
<lb n="XXIV.14"/> men, seine Fu&#x00DF;tapfen nachzugehen, ohne da&#x00DF;
<lb n="XXIV.15"/> ich seine Vollkommenheit erreicht zu haben
<lb n="XXIV.16"/> verlange.</p>
<lb n="XXIV.17" rend="indent"/> <p>Da dieser mit Verdienst, Arbeit und Jah=
<lb n="XXIV.18"/> ren &#x00FC;berh&#x00E4;uste Gelehrte mitten in seinem Un=
<lb n="XXIV.19"/> ternehmen seine Laufbahn beschlo&#x00DF;, so hat man
<lb n="XXIV.20"/> die Fortsetzung mit der allergr&#x00F6;&#x00DF;ten Begierde
<lb n="XXIV.21"/> erwartet. Die W&#x00FC;nsche des Publicums
<lb n="XXIV.22"/> sind auf verschiedene Weise in Erf&#x00FC;llung ge=
<lb n="XXIV.23"/> gangen. Jndem auf der einen Seite einer (<ref rend="footnote" n="1">1</ref>)
<lb n="XXIV.24"/> von den ber&#x00FC;hmtesten Sch&#x00FC;lern dieses grossen
<lb n="XXIV.25"/> Mannes, ein w&#x00FC;rdiger Erbe seiner Tugenden,
<lb n="XXIV.26"/> <note type="footnote" n="1"><p>(1) Der Hr. Crenier, Professor der Beredsamkeit auf
<lb n="XXIV.27" rend="indent"/> der Universit&#x00E4;t zu Paris.</p></note>
<pb n="XXV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-26"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXV.01"/> seines Witzes, und seiner Gaben, die r&#x00F6;mische
<lb n="XXV.02"/> Geschichte mit vielem Beyfalle fortsetzet; so ar=
<lb n="XXV.03"/> beitet ein andrer Schriftsteller, (<ref rend="footnote" n="2">2</ref>) welcher
<lb n="XXV.04"/> sich durch die sinnreiche Weltcharte (<ref rend="footnote" n="3">3</ref>) aller
<lb n="XXV.05"/> Staaten und Reiche der Welt bekannt ge=
<lb n="XXV.06"/> macht hat, an einem Theile der alten Geschichte,
<lb n="XXV.07"/> welche Persien und die benachbarten L&#x00E4;nder
<lb n="XXV.08"/> betrift. Man wird dasjenige darinne finden,
<lb n="XXV.09"/> was sich in dem Morgenlande, ganzer 800.
<lb n="XXV.10"/> Jahr hindurch, unter der Regierung zweyer
<lb n="XXV.11"/> grossen H&#x00E4;user, welche Persien und andere
<lb n="XXV.12"/> L&#x00E4;nder beherrscht haben, seit dem Aufstande der
<lb n="XXV.13"/> Parther wider die Nachfolge des Alexanders,
<lb n="XXV.14"/> bis auf den letzten Artaxerxischen K&#x00F6;nig, den
<lb n="XXV.15"/> Jzdegerd, welcher von den arabischen Musel=
<lb n="XXV.16"/> m&#x00E4;nnern, gegen das 640<hi rend="super">ste</hi> Jahr nach Christi
<lb n="XXV.17"/> Geburth, von dem Throne gestossen ward, zuge=
<lb n="XXV.18"/> tragen hat. Dieses Werk kan als ein vorl&#x00E4;uf=
<lb n="XXV.19"/> figer Theil dieser meiner Geschichte angesehen
<lb n="XXV.20"/> werden, und so wohl das eine, als das andere,
<lb n="XXV.21"/> <note type="footnote" n="2"><p>(2) Hr. Barbeau de la Bruyere.</p></note>
<lb n="XXV.22"/> <note type="footnote" n="3"><p>(3) Man &#x00FC;bersieht darauf, mit einem Blicke, das Ent=
<lb n="XXV.23" rend="indent"/> stehen und den Wachsthum der verschiedenen
<lb n="XXV.24" rend="indent"/> Staaten, die Dauer, die Zertheilung und das
<lb n="XXV.25" rend="indent"/> Ende aller K&#x00F6;nigreiche, K&#x00E4;yserth&#x00FC;mer, Republi=
<lb n="XXV.26" rend="indent"/> cken, und grossen V&#x00F6;lker, die sich, seit der S&#x00FC;nd=
<lb n="XXV.27" rend="indent"/> fluth, bis auf diese Zeiten, in der Welt hervor ge=
<lb n="XXV.28" rend="indent"/> than haben.</p></note>
<pb n="XXVI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-27"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXVI.01"/> sind eine nat&#x00FC;rliche Fortsetzung der Geschichte
<lb n="XXVI.02"/> des Rollins.</p>
<lb n="XXVI.03" rend="indent"/> <p>Jch war anfangs willens, ein viel weitl&#x00E4;uf=
<lb n="XXVI.04"/> tiger Werk zu schreiben. Meine Absicht war
<lb n="XXVI.05"/> eine allgemeine Geschichte der Araber, mit wel=
<lb n="XXVI.06"/> cher ich mich seit langer Zeit besch&#x00E4;ftigte, und
<lb n="XXVI.07"/> wozu ich schon alle Materialien gesammlet hat=
<lb n="XXVI.08"/> te, zu schreiben. Allein was f&#x00FC;r Hindernisse
<lb n="XXVI.09"/> habe ich nicht angetroffen, als ich meine Samm=
<lb n="XXVI.10"/> lungen in einen historischen Zusammenhang zu
<lb n="XXVI.11"/> bringen versuchte? Jndem ich dasjenige un=
<lb n="XXVI.12"/> tersuchte, was ich aus den arabischen Schrift=
<lb n="XXVI.13"/> stellern, von welchen wir Uebersetzungen haben,
<lb n="XXVI.14"/> getreulich zusammen geschrieben hatte, so sahe
<lb n="XXVI.15"/> ich, da&#x00DF; sich die meisten dieser Schriftsteller
<lb n="XXVI.16"/> widersprachen, welches mich um so viel ver=
<lb n="XXVI.17"/> wirrter machen mu&#x00DF;te, da ich der arabischen
<lb n="XXVI.18"/> Sprache nicht m&#x00E4;chtig genug bin, die Origi=
<lb n="XXVI.19"/> nale dieser Geschichtschreiber zu Rathe zu zie=
<lb n="XXVI.20"/> hen, um zu sehen, ob die meisten von diesen
<lb n="XXVI.21"/> Widerspr&#x00FC;chen nicht vielmehr auf die Ueberse=
<lb n="XXVI.22"/> tzer als die Verfasser zu schieben sind: folg=
<lb n="XXVI.23"/> lich ist mir es auch unm&#x00F6;glich gewesen, in den
<lb n="XXVI.24"/> sehr vielen arabischen Geschichtschreibern, die
<lb n="XXVI.25"/> wir haben, dasjenige aufzusuchen, wodurch ich
<lb n="XXVI.26"/> ihre verschiedenen Meinungen vielleicht h&#x00E4;tte
<lb n="XXVI.27"/> vereinigen k&#x00F6;nnen.</p>
<pb n="XXVII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-28"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXVII.01" rend="indent"/> <p>Jch hatte geglaubt, aus der orientalischen
<lb n="XXVII.02"/> Bibliothek des Hn. Herbelot viel Nutzen zu zie=
<lb n="XXVII.03"/> hen, als welches Werk zu meiner Absicht ohne
<lb n="XXVII.04"/> Zweifel ungemein n&#x00FC;tzlich w&#x00FC;rde gewesen seyn,
<lb n="XXVII.05"/> wann der Verfasser, der das arabische vollkom=
<lb n="XXVII.06"/> men wohl verstand, Zeit gehabt h&#x00E4;tte, sein Werk
<lb n="XXVII.07"/> zu &#x00FC;bersehen, die letzte Hand daran zu legen,
<lb n="XXVII.08"/> und den Abdruck selbst zu besorgen. Doch da
<lb n="XXVII.09"/> dieser Gelehrte allzuzeitig starb, so begn&#x00FC;gte
<lb n="XXVII.10"/> man sich, die verschiedenen Sammlungen, wel=
<lb n="XXVII.11"/> che er zu seiner vorgehabten Absicht gesamm=
<lb n="XXVII.12"/> let hatte, nach dem Alphabete zu ordnen, und
<lb n="XXVII.13"/> wendete auch noch dabey sehr wenig Sorg=
<lb n="XXVII.14"/> falt an. Diese Arbeit wurde ohne die gering=
<lb n="XXVII.15"/> ste critische Beurtheilung ausgef&#x00FC;hrt, da&#x00DF; al=
<lb n="XXVII.16"/> so nothwendig ein Zusammenhang von lauter
<lb n="XXVII.17"/> Fehlern und Widerspr&#x00FC;chen, welche einen lehr=
<lb n="XXVII.18"/> begierigen Leser zur Verzweiflung bringen k&#x00F6;n=
<lb n="XXVII.19"/> nen, daraus entspringen mu&#x00DF;te.</p>
<lb n="XXVII.20" rend="indent"/> <p>Unterdessen mu&#x00DF; man doch gestehen, da&#x00DF;
<lb n="XXVII.21"/> dieses noch das beste ist, was wir in unsrer Spra=
<lb n="XXVII.22"/> che zu Rathe ziehen k&#x00F6;nnen: und ungeachtet
<lb n="XXVII.23"/> der Fehler dieses Werkes, kan man es sich doch
<lb n="XXVII.24"/> sehr wohl zu Nutze machen, wenn man es mit
<lb n="XXVII.25"/> Ueberlegung lieset, und sich dabey auf einen
<lb n="XXVII.26"/> glaubw&#x00FC;rdigen Schriftsteller st&#x00FC;tzet, mit dessen
<lb n="XXVII.27"/> H&#x00FC;lffe man die hin und her zerstreuten Reich=
<pb n="XXVIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-29"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXVIII.01"/> th&#x00FC;mer zusammen suchen und in Ordnung
<lb n="XXVIII.02"/> bringen kan.</p>
<lb n="XXVIII.03" rend="indent"/> <p>Dieses nun habe ich mich besonders auszu=
<lb n="XXVIII.04"/> f&#x00FC;hren bem&#x00FC;ht, indem ich mir haupts&#x00E4;chlich
<lb n="XXVIII.05"/> die gelehrte Geschichte der Patriarchen zu
<lb n="XXVIII.06"/> Alexandria, welche der Hr. Abt Renaudot
<lb n="XXVIII.07"/> herausgegeben, zu Nutze gemacht; ein Werk,
<lb n="XXVIII.08"/> in welchem dieser Gelehrte einen sehr weitl&#x00E4;uf=
<lb n="XXVIII.09"/> tigen Auszug von der Geschichte der Sarace=
<lb n="XXVIII.10"/> nen, oder arabischen Muselm&#x00E4;nner, seit dem
<lb n="XXVIII.11"/> Mahomet, bis auf die Austilgung der Califen
<lb n="XXVIII.12"/> durch die Tartarn, mittheilet.</p>
<lb n="XXVIII.13" rend="indent"/> <p>Dieser in allen Arten der Gelehrsamkeit, und
<lb n="XXVIII.14"/> besonders in den Sprachen so bewanderte Ge=
<lb n="XXVIII.15"/> lehrte, hat mich in dem gerechten Mi&#x00DF;trauen,
<lb n="XXVIII.16"/> welches ich aus Lesung der orientalischen Bi=
<lb n="XXVIII.17"/> bliothek gesch&#x00F6;pt, best&#x00E4;rket. Ob er gleich ein
<lb n="XXVIII.18"/> grosser Freund des Verfassers, dessen Gaben
<lb n="XXVIII.19"/> und Verdienste er sehr hoch sch&#x00E4;tzt, gewesen
<lb n="XXVIII.20"/> war, so redet er doch von seinem Werke nicht
<lb n="XXVIII.21"/> allzu vortheilhaft, und vergi&#x00DF;t nicht, das Pu=
<lb n="XXVIII.22"/> blicum zu warnen, es anders als mit Behut=
<lb n="XXVIII.23"/> samkeit zu lesen. (<ref rend="footnote" n="4">4</ref>) Er bedauert, da&#x00DF; Hr.
<lb n="XXVIII.24"/> <note type="footnote" n="4"><p>(4) <hi rend="antiqua">Vnde monitos lectores velim, ne &#x017F;i quae illis oc-
<lb n="XXVIII.25" rend="indent"/> currant aliter tradita, quam a nobis factum e&#x017F;t, de
<lb n="XXVIII.26" rend="indent"/> fide et diligentia no&#x017F;tra dubitent; prae&#x017F;ertim &#x017F;i quae
<lb n="XXVIII.27" rend="indent"/> in nupera Bibliotheca orientali viri clari&#x017F;&#x017F;imi, ami-
<lb n="XXIX.15" rend="indent"/> ci no&#x017F;tri, Bartholomaei Herbelotii, de i&#x017F;tis rebus
<lb n="XXIX.16" rend="indent"/> leguntur, cum no&#x017F;tra narratione comparent. Ab-
<lb n="XXIX.17" rend="indent"/> &#x017F;it &#x017F;ane, vt viro docti&#x017F;&#x017F;imo, quem vt magi&#x017F;trum &#x017F;em-
<lb n="XXIX.18" rend="indent"/> per &#x017F;u&#x017F;peximus, laudis aliquid detractum velimus:
<lb n="XXIX.19" rend="indent"/> plura &#x017F;ane et meliora longe prae&#x017F;tare in hoc litera-
<lb n="XXIX.20" rend="indent"/> rum genere potui&#x017F;&#x017F;et, quam in opere illo po&#x017F;thu-
<lb n="XXIX.21" rend="indent"/> mo, in quo licet multa reconditae eruditionis re-
<lb n="XXIX.22" rend="indent"/> periantur, tamen non pauca&#x017F;unt, quae emendaturus
<lb n="XXIX.23" rend="indent"/> erat, &#x017F;i &#x017F;uper vixi&#x017F;&#x017F;et. <hi rend="italic">Hi&#x017F;t. Patriarch. Alexand. p</hi></hi>.
<lb n="XXIX.24" rend="indent"/> 539.</p></note>
<pb n="XXIX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-30"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXIX.01"/> Herbelot nicht Zeit gehabt, es zu &#x00FC;bersehen,
<lb n="XXIX.02"/> und ist gewi&#x00DF; versichert, da&#x00DF;, wenn er eben so
<lb n="XXIX.03"/> viel Genauigkeit und Aufmerksamkeit, als
<lb n="XXIX.04"/> Einsicht angewendet, wir in dieser Art nichts
<lb n="XXIX.05"/> vollkommneres haben w&#x00FC;rden.</p>
<lb n="XXIX.06" rend="indent"/> <p>Uebrigens ist Herbelot nicht der einzige
<lb n="XXIX.07"/> Schriftsteller, welchem Hr. Renaudot in der
<lb n="XXIX.08"/> saracenischen Geschichte wenige Genauigkeit
<lb n="XXIX.09"/> Schuld giebt. Er geht viel weiter zur&#x00FC;ck,
<lb n="XXIX.10"/> und zeigt, da&#x00DF; selbst verschiedne urspr&#x00FC;ngliche
<lb n="XXIX.11"/> Schriftsteller sich betrogen, und die Geschich=
<lb n="XXIX.12"/> te ihres Volks sehr ungetreu erzehlt haben.
<lb n="XXIX.13"/> Er beklagt sich insbesondre &#x00FC;ber den Elma=
<lb n="XXIX.14"/> cin, (<ref rend="footnote" n="5">5</ref>) und beweiset, da&#x00DF; dieser Schriftstel=
<lb n="XXIX.25"/> <note type="footnote" n="5"><p>(5) Elmacin hat eine Geschichte, oder vielmehr eine
<lb n="XXIX.26" rend="indent"/> Chronike der muselm&#x00E4;nnischen Califen, seit dem Ma=
<lb n="XXIX.27" rend="indent"/> homet bis auf den Mostater, welches der 47ste Ca=
<lb n="XXIX.28" rend="indent"/> life war, geschrieben. Man hat ihn in dieser Ge=
<lb n="XXIX.29" rend="indent"/> schichte manchmal unter dem Namen des <hi rend="bold">Macins</hi>
<lb n="XXIX.30" rend="indent"/> angef&#x00FC;hrt, wenn man nehmlich einige Stellen aus
<lb n="XXX.17" rend="indent"/> der franz&#x00F6;sischen Uebersetzung, welche Vatier von
<lb n="XXX.18" rend="indent"/> diesem Verfasser geliefert, angezogen.</p></note>
<pb n="XXX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-31"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXX.01"/> ler an verschiednen Fehlern Ursache sey, welche
<lb n="XXX.02"/> dieser und jener, und unter andern Herbe=
<lb n="XXX.03"/> lot, (<ref rend="footnote" n="6">6</ref>) in seinem Werke begangen hat.</p>
<lb n="XXX.04" rend="indent"/> <p>Der Anblick so vieler Klippen bewog mich,
<lb n="XXX.05"/> mit der gr&#x00F6;sten Vorsichtigkeit zu Werke zu
<lb n="XXX.06"/> gehen. Anstatt mich also in die allgemeine
<lb n="XXX.07"/> Geschichte der Araber einzulassen, habe ich
<lb n="XXX.08"/> meine Erzehlung von diesem Volke blos auf
<lb n="XXX.09"/> die Zeiten eingeschr&#x00E4;nkt, da sie unter der mo=
<lb n="XXX.10"/> narchischen Regierung des Mahomets und sei=
<lb n="XXX.11"/> ner Nachfolger gestanden haben. Obgleich
<lb n="XXX.12"/> die urspr&#x00FC;nglichen Schriftsteller nicht allezeit
<lb n="XXX.13"/> wegen verschiedner Begebenheiten und ihrer
<lb n="XXX.14"/> Zeitrechnung einig sind, so habe ich doch an=
<lb n="XXX.15"/> gemerkt, da&#x00DF; ihre Erzehlungen, in Betrach=
<lb n="XXX.16"/> tung der Ordnung der Nachfolger des Ma=
<lb n="XXX.19"/> <note type="footnote" n="6"><p>(6) <hi rend="antiqua">Nuper alius magni &#x017F;ane inter lieratos nominis,
<lb n="XXX.20" rend="indent"/> nobisque, dum vixerat, coniuncti&#x017F;&#x017F;imus, Bartholo-
<lb n="XXX.21" rend="indent"/> maeus Herbelotius, illam retulit ex Elmacino in
<lb n="XXX.22" rend="indent"/> Bibliothecam orientalem &#x017F;uam absque vlla cen&#x017F;ura.
<lb n="XXX.23" rend="indent"/> Quamuis autem neminem in his peregrinis literis
<lb n="XXX.24" rend="indent"/> doctiorem no&#x017F;tra aut &#x017F;uperior aetas viderit, lamen
<lb n="XXX.25" rend="indent"/> quia collectanea illa, quae in alphabetum dige&#x017F;ta
<lb n="XXX.26" rend="indent"/> &#x017F;unt, caruerunt po&#x017F;trema auctoris emendatione, non
<lb n="XXX.27" rend="indent"/> maiorem habent auctoritatem, quam a &#x017F;criptoribus,
<lb n="XXX.28" rend="indent"/> ex quibus illa de&#x017F;ump&#x017F;it: hic autem non alium
<lb n="XXX.29" rend="indent"/> quam Elmacianum nominat. <hi rend="italic">Hi&#x017F;t. Patriarch. A-
<lb n="XXX.30" rend="indent"/> lexand. pag</hi></hi>. 483.</p></note>
<pb n="XXXI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-32"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXXI.01"/> homets, und der verschiedenen Ver&#x00E4;nderungen,
<lb n="XXXI.02"/> welche dem saracenischen Reiche mehr als
<lb n="XXXI.03"/> einmal eine andere Gestalt gegeben, ziemlich
<lb n="XXXI.04"/> gleichf&#x00F6;rmig sind. Jch habe also diesen Theil
<lb n="XXXI.05"/> der arabischen Geschichte am besten zu beschrei=
<lb n="XXXI.06"/> ben geglaubt, wenn ich nur dasjenige ange=
<lb n="XXXI.07"/> f&#x00FC;hrt, was von dem Schriftsteller einm&#x00FC;thig
<lb n="XXXI.08"/> bekr&#x00E4;ftiget wird. Jch will es denen, welche
<lb n="XXXI.09"/> mehr Wissenschaft, Gedult und Zeit haben,
<lb n="XXXI.10"/> &#x00FC;berlassen, an einem weitl&#x00E4;uftigern und voll=
<lb n="XXXI.11"/> st&#x00E4;ndigern Werke zu arbeiten.</p>
<lb n="XXXI.12" rend="indent"/> <p>Gleichwohl wird diese Geschichte, so wie ich
<lb n="XXXI.13"/> sie liefre, einigermaassen der Absicht, die Wer=
<lb n="XXXI.14"/> ke des ber&#x00FC;hmten Hrn. Rollins fortzusetzen,
<lb n="XXXI.15"/> gem&#x00E4;&#x00DF; seyn. Da dieser Gelehrte keine andre
<lb n="XXXI.16"/> Absicht hatte, als die gemeinen Leser, und be=
<lb n="XXXI.17"/> sonders die Jugend zu unterrichten, so ent=
<lb n="XXXI.18"/> schlug er sich aller beschwerlichen Untersuchun=
<lb n="XXXI.19"/> gen, welche nur f&#x00FC;r Gelehrte und f&#x00FC;r diejeni=
<lb n="XXXI.20"/> gen geh&#x00F6;ren, die eine Geschichte in allen ihren
<lb n="XXXI.21"/> Theilen ergr&#x00FC;nden wollen. Man wird in die=
<lb n="XXXI.22"/> ser sowohl, als in der seinigen, h&#x00E4;uffige Ver=
<lb n="XXXI.23"/> &#x00E4;nderungen, umgest&#x00FC;rzte Throne, zum Gl&#x00FC;cks=
<lb n="XXXI.24"/> balle gewordene Monarchen, und geringe
<lb n="XXXI.25"/> Sklaven antreffen, die sich der Krone bem&#x00E4;ch=
<lb n="XXXI.26"/> tigen, und m&#x00E4;chtige Dynastien stiften, welche
<lb n="XXXI.27"/> eine nach der andern entstehen, und von andern
<pb n="XXXII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-33"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXXII.01"/> m&#x00E4;chtigern Dynastien zerst&#x00F6;ret werden. Er=
<lb n="XXXII.02"/> staunliche Wirkungen der geheimen Rath=
<lb n="XXXII.03"/> schl&#x00E4;ge des h&#x00F6;chsten Wesens, welches die Kro=
<lb n="XXXII.04"/> nen und Zepter in seiner Hand hat, und sie
<lb n="XXXII.05"/> nach seinem Wohlgefallen austheilet!</p>
<lb n="XXXII.06" rend="indent"/> <p>Dieses ist das grosse Schauspiel, welches
<lb n="XXXII.07"/> die Geschichte der Araber, unter ihren F&#x00FC;r=
<lb n="XXXII.08"/> sten, seit Errichtung der monarchischen Re=
<lb n="XXXII.09"/> gierung, dem Leser darstellet.</p>
<lb n="XXXII.10" rend="indent"/> <p>Das Leben des Mahomets, des Stifters
<lb n="XXXII.11"/> ihrer Religion und ihres Reichs, ist als ein
<lb n="XXXII.12"/> Eingang zu diesem Werke anzusehen. Jch
<lb n="XXXII.13"/> habe nur einen sehr kurzen Auszug daraus
<lb n="XXXII.14"/> mitgetheilt, welcher aber gleichwohl hinl&#x00E4;ng=
<lb n="XXXII.15"/> lich seyn wird, das grosse Genie dieses beson=
<lb n="XXXII.16"/> dern Mannes daraus zu erkennen, welcher oh=
<lb n="XXXII.17"/> ne Erziehung, ohne Wissenschaft, das Volk
<lb n="XXXII.18"/> zu hintergehen und sich einen so betr&#x00E4;chtlichen
<lb n="XXXII.19"/> Anhang zu machen gewu&#x00DF;t hat, da&#x00DF; er sowohl
<lb n="XXXII.20"/> die Regierungsform, als die Religion seines
<lb n="XXXII.21"/> Landes zu ver&#x00E4;ndern, und sich zugleich zum
<lb n="XXXII.22"/> K&#x00F6;nige und Priester seines Volks einzusetzen
<lb n="XXXII.23"/> im Stande war.</p>
<lb n="XXXII.24" rend="indent"/> <p>Der Anfang seiner vorgegebnen Sendung
<lb n="XXXII.25"/> war ausserordentlich st&#x00FC;rmisch. Die Einwoh=
<lb n="XXXII.26"/> ner von Mecca, unter welchen er seine Schw&#x00E4;r=
<lb n="XXXII.27"/> merey ausbreiten wollte, erkl&#x00E4;ren sich wider
<pb n="XXXIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-34"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXXIII.01"/> ihn, und drohen ihm mit nichts geringern als
<lb n="XXXIII.02"/> mit dem Tode. Da er die Flucht zu ergreif=
<lb n="XXXIII.03"/> fen gen&#x00F6;thiget wird, um sich den Nachstellun=
<lb n="XXXIII.04"/> gen seiner Feinde zu entziehen, so flieht er
<lb n="XXXIII.05"/> nach Medina, und predigt daselbst viel unge=
<lb n="XXXIII.06"/> scheueter, als vorher. Die Verfolgung, die
<lb n="XXXIII.07"/> man zu Mecca wider ihn erregt hatte, feuert
<lb n="XXXIII.08"/> ihn an, und er wei&#x00DF; auf eine geschickte Art sich
<lb n="XXXIII.09"/> ein Verdienst daraus zu machen. Damit
<lb n="XXXIII.10"/> das Andenken der mi&#x00DF;lichen Umst&#x00E4;nde, in
<lb n="XXXIII.11"/> welchen er sich damals befand, auf ewig erhal=
<lb n="XXXIII.12"/> ten werde, so machen seine Anh&#x00E4;nger eine be=
<lb n="XXXIII.13"/> r&#x00FC;hmte Epoche daraus, welche noch bis jetzt
<lb n="XXXIII.14"/> in einem grossen Theile der ganzen Welt, wo
<lb n="XXXIII.15"/> man der Lehre dieses vorgegebnen Propheten
<lb n="XXXIII.16"/> folgt, bestehet. Diese Epoche hei&#x00DF;t <hi rend="bold">Hegire</hi>,
<lb n="XXXIII.17"/> welches Wort in dem Arabischen die <hi rend="bold">Flucht</hi>
<lb n="XXXIII.18"/> bedeutet. Jch werde weiter unten in dieser
<lb n="XXXIII.19"/> Vorrede davon reden, und zeigen, wie man
<lb n="XXXIII.20"/> sie mit der christlichen Zeitrechnung vergleichen
<lb n="XXXIII.21"/> k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="XXXIII.22" rend="indent"/> <p>Kaum hat sich der neue Gesetzgeber zu Me=
<lb n="XXXIII.23"/> dina feste gesetzt, als er seinen Proselyten die
<lb n="XXXIII.24"/> Waffen in die Hand giebt, und den Krieg
<lb n="XXXIII.25"/> nach Mecca bringt, welches er seiner Both=
<lb n="XXXIII.26"/> m&#x00E4;&#x00DF;igkeit unterw&#x00FC;rffig macht. Auf diese Er=
<lb n="XXXIII.27"/> oberung folgt gar bald die Ergebung aller
<pb n="XXXIV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-35"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXXIV.01"/> drey Theile Arabiens. Die ganze alte Re=
<lb n="XXXIV.02"/> gierungsform bek&#x00F6;mmt eine neue Gestalt, und
<lb n="XXXIV.03"/> man folgt durchg&#x00E4;ngig dem Gesetze des Ueber=
<lb n="XXXIV.04"/> winders. Nachdem er sich zum Herrn von
<lb n="XXXIV.05"/> seinem eignen Vaterlande gemacht, so unter=
<lb n="XXXIV.06"/> nimmt er, durch Gewalt der Waffen, seine Re=
<lb n="XXXIV.07"/> ligion und sein Reich auszubreiten. Er macht
<lb n="XXXIV.08"/> den Anschlag sich Syriens zu bem&#x00E4;chtigen,
<lb n="XXXIV.09"/> welches damals die Griechen inne hatten: er
<lb n="XXXIV.10"/> f&#x00E4;ngt in der That den Krieg wider diese V&#x00F6;l=
<lb n="XXXIV.11"/> ker an; der Tod h&#x00E4;lt ihn mitten in seinem Un=
<lb n="XXXIV.12"/> ternehmen auf; seine Nachfolger aber setzen
<lb n="XXXIV.13"/> es fort, und f&#x00FC;hren es mit einer recht wunder=
<lb n="XXXIV.14"/> baren Schnelligkeit aus.</p>
<lb n="XXXIV.15" rend="indent"/> <p>Da Mahomet ohne m&#x00E4;nnliche Erben, und
<lb n="XXXIV.16"/> ohne sich einen Nachfolger ernennt zu haben,
<lb n="XXXIV.17"/> gestorben war, so droht die Uneinigkeit der
<lb n="XXXIV.18"/> vornehmsten Muselm&#x00E4;nner, diesem erst anwach=
<lb n="XXXIV.19"/> senden Reiche der Araber seinen Untergang.
<lb n="XXXIV.20"/> Ali, ein Anverwandter des Propheten, und
<lb n="XXXIV.21"/> sogar sein Schwiegersohn, welcher seine Toch=
<lb n="XXXIV.22"/> ter, die Fatime, geheyrathet hatte, macht auf
<lb n="XXXIV.23"/> die Krone Anspruch: man ist auf dem Puncte
<lb n="XXXIV.24"/> handgemein zu werden; endlich aber wird der
<lb n="XXXIV.25"/> Streit beygelegt, und man wird eins, den Abube=
<lb n="XXXIV.26"/> ker, dessen Tochter Aiesha eine von den Weibern
<lb n="XXXIV.27"/> des Mahomets gewesen war, und zwar dieje=
<pb n="XXXV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-36"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXXV.01"/> nige, welche er am allerliebsten gehabt hatte,
<lb n="XXXV.02"/> f&#x00FC;r das Oberhaupt zu erkennen.</p>
<lb n="XXXV.03" rend="indent"/> <p>Die Ehrerbietung, die man gegen den
<lb n="XXXV.04"/> Stifter des Staats hatte, verhindert seine
<lb n="XXXV.05"/> Nachfolger, einen stolzen Titel anzunehmen;
<lb n="XXXV.06"/> man will, so zu reden, da&#x00DF; nur er auf ewig
<lb n="XXXV.07"/> &#x00FC;ber das Volk gebieten solle; und diejenigen,
<lb n="XXXV.08"/> welche den Thron nach ihm besitzen, begn&#x00FC;gen
<lb n="XXXV.09"/> sich mit dem Titel <hi rend="bold">Califen</hi>, das ist, <hi rend="bold">Nach=
<lb n="XXXV.10"/> folger</hi>, oder <hi rend="bold">Verwalter</hi>. Abubeker ist der
<lb n="XXXV.11"/> erste, welcher diesen Titel annimmt, und mit
<lb n="XXXV.12"/> ihm f&#x00E4;ngt eigentlich diese Geschichte an.</p>
<lb n="XXXV.13" rend="indent"/> <p>Dieser F&#x00FC;rst regiert nicht l&#x00E4;nger, als zwey
<lb n="XXXV.14"/> Jahre, und in diesem kurzen Zeitraume gelingt
<lb n="XXXV.15"/> es ihm, verschiedene Partheyen, die sich in A=
<lb n="XXXV.16"/> rabien hervor gethan hatten, zu unterdr&#x00FC;cken.
<lb n="XXXV.17"/> Er setzt zugleich das Unternehmen des Ma=
<lb n="XXXV.18"/> homets wider die Griechen fort. Er dringt
<lb n="XXXV.19"/> bey ihnen ein, und bem&#x00E4;chtiget sich ei=
<lb n="XXXV.20"/> nes Theils von Syrien. Omar, sein Nach=
<lb n="XXXV.21"/> folger, bringt die Eroberung dieses Landes zu
<lb n="XXXV.22"/> Stande. Kurz darauf begeben sich seine
<lb n="XXXV.23"/> Feldherren nach Aegypten, und machen sich
<lb n="XXXV.24"/> von diesem weiten Reiche Meister. Nach
<lb n="XXXV.25"/> ihm k&#x00F6;mmt Othman, welcher in seine Fu&#x00DF;=
<lb n="XXXV.26"/> tapfen tritt, und seine Regierung durch die
<lb n="XXXV.27"/> Waffen merkw&#x00FC;rdig macht. Auf der einen
<pb n="XXXVI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-37"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXXVI.01"/> Seite bem&#x00E4;chtigen sich die Saracenen der Jn=
<lb n="XXXVI.02"/> sel Cyprus; auf der andern thun sie einen
<lb n="XXXVI.03"/> Einfall in das persische Reich, &#x00FC;berwinden
<lb n="XXXVI.04"/> die V&#x00F6;lker desselben, und bringen sie unter das
<lb n="XXXVI.05"/> Joch der Califen.</p>
<lb n="XXXVI.06" rend="indent"/> <p>Othman wird ermordet. Ali gelangt
<lb n="XXXVI.07"/> endlich zur Regierung, und erlangt ein sehr
<lb n="XXXVI.08"/> grosses Ansehen, welches aber mehr auf die
<lb n="XXXVI.09"/> Schw&#x00E4;rmerey seiner Anh&#x00E4;nger, als auf ein
<lb n="XXXVI.10"/> wirkliches Verdienst gegr&#x00FC;ndet ist. Die Per=
<lb n="XXXVI.11"/> ser, zum Exempel, und einige andere V&#x00F6;lker,
<lb n="XXXVI.12"/> haben gegen diesen Califen eine besondere Ehr=
<lb n="XXXVI.13"/> erbietung. Sie betrachten ihn als den einzi=
<lb n="XXXVI.14"/> gen wahrhaften Nachfolger des Mahomets,
<lb n="XXXVI.15"/> und wollen folglich die drey ersten Califen nicht
<lb n="XXXVI.16"/> erkennen. Sie lassen sich in die &#x00FC;bertrieben=
<lb n="XXXVI.17"/> sten Lobeserhebungen dieses Regenten aus,
<lb n="XXXVI.18"/> und halten ihn f&#x00FC;r einen der allergr&#x00F6;&#x00DF;ten F&#x00FC;r=
<lb n="XXXVI.19"/> sten, welche die Araber in ihrer Monarchie
<lb n="XXXVI.20"/> gehabt haben.</p>
<lb n="XXXVI.21" rend="indent"/> <p>Unterdessen mu&#x00DF; ich gestehen, da&#x00DF; ich in
<lb n="XXXVI.22"/> der Geschichte nichts gefunden habe, welches
<lb n="XXXVI.23"/> den Begriffen gem&#x00E4;&#x00DF; w&#x00E4;re, die uns seine An=
<lb n="XXXVI.24"/> h&#x00E4;nger von diesem Califen machen wollen.
<lb n="XXXVI.25"/> Nirgends zeigt er sich als ein grosser Mann;
<lb n="XXXVI.26"/> man erkennt ihn vielmehr f&#x00FC;r nichts, als f&#x00FC;r
<lb n="XXXVI.27"/> einen verwirrten Kopf; welcher mit sich selbst
<pb n="XXXVII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-38"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXXVII.01"/> uneinig ist, und noch weit uneiniger mit andern.
<lb n="XXXVII.02"/> Eben in dem Augenblicke, da sein Schwieger=
<lb n="XXXVII.03"/> vater stirbt, schmiedet er auf die Nachfolge heim=
<lb n="XXXVII.04"/> liche Anschl&#x00E4;ge; seine ehrgeitzige Gem&#x00FC;thsart
<lb n="XXXVII.05"/> aber macht, da&#x00DF; er den Verdru&#x00DF;, welchen ihm
<lb n="XXXVII.06"/> die Erw&#x00E4;hlung seiner drey Vorg&#x00E4;nger verur=
<lb n="XXXVII.07"/> sacht, verbei&#x00DF;t. Man will so gar, da&#x00DF; er einer
<lb n="XXXVII.08"/> von den Verschwornen, welche den Othman
<lb n="XXXVII.09"/> um das Leben brachten, gewesen sey; und als
<lb n="XXXVII.10"/> man ihm nach dieses Tode die so sehnlich ge=
<lb n="XXXVII.11"/> w&#x00FC;nschte Krone antr&#x00E4;gt, so schl&#x00E4;gt er sie aus,
<lb n="XXXVII.12"/> und nimmt sie endlich nicht anders, als mit der
<lb n="XXXVII.13"/> gr&#x00F6;&#x00DF;ten Widerstrebung, an. Kaum aber ist
<lb n="XXXVII.14"/> er auf dem Throne, als er mit der ganzen Welt
<lb n="XXXVII.15"/> Zanck bek&#x00F6;<expan>mm</expan>t, und zuletzt erbittert er die Gem&#x00FC;=
<lb n="XXXVII.16"/> ther so, da&#x00DF; er seine Hauptstadt verlassen, und den
<lb n="XXXVII.17"/> Sitz seines Reichs anderswo aufschlagen mu&#x00DF;.</p>
<lb n="XXXVII.18" rend="indent"/> <p>Der Veracht, den man wider diesen Ca=
<lb n="XXXVII.19"/> lifen, wegen der Ermordung des Othmans
<lb n="XXXVII.20"/> hatte, dient nunmehr einem Aufruhre zum
<lb n="XXXVII.21"/> Vorwande, welcher in Syrien ausbricht.
<lb n="XXXVII.22"/> Moavias, welchen Othman zum Statthalter
<lb n="XXXVII.23"/> in dieser Provinz gemacht hatte, will den Tod
<lb n="XXXVII.24"/> seines Wohlth&#x00E4;ters r&#x00E4;chen. Er erkl&#x00E4;rt den
<lb n="XXXVII.25"/> Ali f&#x00FC;r der Nachfolge unw&#x00FC;rdig, weigert sich,
<lb n="XXXVII.26"/> ihn zu erkennen, l&#x00E4;&#x00DF;t sich selbst als den recht=
<lb n="XXXVII.27"/> m&#x00E4;&#x00DF;igen Califen ausruffen, und schl&#x00E4;gt seinen
<lb n="XXXVII.28"/> Sitz zu Damascus auf.</p>
<pb n="XXXVIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-39"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XXXVIII.01" rend="indent"/> <p>Ali wendet vergebens seine Kr&#x00E4;fte wider
<lb n="XXXVIII.02"/> diesen Mitbuhler an. Er greift zu den Waf=
<lb n="XXXVIII.03"/> fen: er wird geschlagen, und mu&#x00DF; es noch f&#x00FC;r
<lb n="XXXVIII.04"/> ein Gl&#x00FC;ck sch&#x00E4;tzen, da&#x00DF; er einen Vergleich
<lb n="XXXVIII.05"/> erlangen kan, verm&#x00F6;ge dessen man ihm erlaubt,
<lb n="XXXVIII.06"/> in Arabien den Titel und die Vorrechte eines
<lb n="XXXVIII.07"/> Califen zu behalten. Kurz darauf wird er er=
<lb n="XXXVIII.08"/> mordet, und l&#x00E4;&#x00DF;t zwey S&#x00F6;hne, wovon der &#x00E4;l=
<lb n="XXXVIII.09"/> teste zur Krone gelangt.</p>
<lb n="XXXVIII.10" rend="indent"/> <p>Hassan, so hie&#x00DF; dieser F&#x00FC;rst, hatte mehr Un=
<lb n="XXXVIII.11"/> gl&#x00FC;ck, und weniger Geschike als sein Vater, da&#x00DF;
<lb n="XXXVIII.12"/> er sich also wider die Anschl&#x00E4;ge des Moavias
<lb n="XXXVIII.13"/> nicht lange aufrecht erhalten konnte. Nach ei=
<lb n="XXXVIII.14"/> ner sechs monatlichen Regierung bewilliget er
<lb n="XXXVIII.15"/> also, den Zepter niederzulegen, welchen er nicht
<lb n="XXXVIII.16"/> w&#x00FC;rdig war zu f&#x00FC;hren. Nunmehr ist Moa=
<lb n="XXXVIII.17"/> vias der einzige Besitzer des Thrones. Er wird
<lb n="XXXVIII.18"/> von allen Muselm&#x00E4;nnern f&#x00FC;r einen rechtm&#x00E4;&#x00DF;i=
<lb n="XXXVIII.19"/> gen Califen erkannt, und ist der erste von der
<lb n="XXXVIII.20"/> ber&#x00FC;hmten Dynastie der <hi rend="bold">Ommiaden</hi>, wel=
<lb n="XXXVIII.21"/> che von dem <hi rend="bold">Ommiah</hi>, dem Haupte dieses
<lb n="XXXVIII.22"/> Hauses, also genennet wird.</p>
<lb n="XXXVIII.23" rend="indent"/> <p>Kaum ist Moavias in dem ruhigen Besi=
<lb n="XXXVIII.24"/> tze des Thrones, als er die Ehre desselben aus=
<lb n="XXXVIII.25"/> zubreiten sucht. Er setzt die Unternehmungen,
<lb n="XXXVIII.26"/> welche die ersten Califen wider die Griechen
<lb n="XXXVIII.27"/> angefangen hatten, fort: er jagt sie aus Ar=
<lb n="XXXVIII.28"/> menien und Natolien, und treibt sie bis nach
<pb n="XXXIX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-40"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XXXIX.01"/> Constantinopel zur&#x00FC;ck. Er ergreift hernach sol=
<lb n="XXXIX.02"/> che Maa&#x00DF;regeln, durch welche er seine W&#x00FC;rde
<lb n="XXXIX.03"/> erblich macht, da sie vorher blo&#x00DF; von der Wahl
<lb n="XXXIX.04"/> abgehangen hatte. Er bringt die Krone auf
<lb n="XXXIX.05"/> seinen Sohn, und dieser auf seine Nachko<expan>mm</expan>en.</p>
<lb n="XXXIX.06" rend="indent"/> <p>Diese Dynastie erh&#x00E4;lt sich, mit vielem Ruh=
<lb n="XXXIX.07"/> me, unter vierzig Regenten, welche alle auf ein=
<lb n="XXXIX.08"/> ander folgen, obschon nicht nach der graden Li=
<lb n="XXXIX.09"/> nie, weil die Br&#x00FC;der oft zum Nachtheile ihrer
<lb n="XXXIX.10"/> Neffen den Thron bestiegen, wann diese allzu
<lb n="XXXIX.11"/> jung waren, oder wenn man sonst Ursachen hat=
<lb n="XXXIX.12"/> te, sie von der Regierung auszuschliessen. Die=
<lb n="XXXIX.13"/> se Nachfolge dauret in dem Geschlechte des
<lb n="XXXIX.14"/> Ommiah, bis auf den Mervan <hi rend="antiqua">II</hi>, einen der
<lb n="XXXIX.15"/> ber&#x00FC;hmtesten, zugleich aber der ungl&#x00FC;cklichsten
<lb n="XXXIX.16"/> Regenten seines Hauses, ununterbrochen fort.</p>
<lb n="XXXIX.17" rend="indent"/> <p>Die Vertilgung der Ommiaden war das
<lb n="XXXIX.18"/> Werk der Abba&#x00DF;iden, welche von dem Abbas,
<lb n="XXXIX.19"/> einem Oheime des Mahomets, ihren Namen
<lb n="XXXIX.20"/> hatten. Sie brauchten zur Ausf&#x00FC;hrung ihres
<lb n="XXXIX.21"/> Unternehmens eben den Vorwand, dessen sich
<lb n="XXXIX.22"/> die Ommiaden bedient hatten, die Krone in ih=
<lb n="XXXIX.23"/> re H&#x00E4;nde zu bringen. Diese hatten sich wider
<lb n="XXXIX.24"/> den Ali, als den M&#x00F6;rder des Othmans, erkl&#x00E4;rt;
<lb n="XXXIX.25"/> und die Abba&#x00DF;iden greiffen wider die Ommiaden
<lb n="XXXIX.26"/> zu den Waffen, den Tod des Ali zu r&#x00E4;chen,
<lb n="XXXIX.27"/> f&#x00FC;r dessen M&#x00F6;rder sie dieselben erkl&#x00E4;rten. Sie
<lb n="XXXIX.28"/> setzen sich auf dem Throne vermittelst des Blut=
<pb n="XL.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-41"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XL.01"/> bades feste, dessen Beschreibung man zu Anfan=
<lb n="XL.02"/> ge des dritten Bandes dieser Geschichte finden
<lb n="XL.03"/> wird.</p>
<lb n="XL.04" rend="indent"/> <p>Einigen Geschichtschreibern zu Folge, ent=
<lb n="XL.05"/> kamen zwey Prinze dieser erschrecklichen Ermor=
<lb n="XL.06"/> dung. Der eine zog sich in einen Winkel Ara=
<lb n="XL.07"/> biens, wo er den Titel eines Califen ziemlich
<lb n="XL.08"/> ruhig geno&#x00DF;, doch ohne einiges Ansehen, als nur
<lb n="XL.09"/> in einem sehr engen Bezirke zu haben. Er er=
<lb n="XL.10"/> richtete eine Art von Dynastie, welche bis ge=
<lb n="XL.11"/> gen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts
<lb n="XL.12"/> nach Christi Geburth dauerte. Der andere
<lb n="XL.13"/> flohe nach Spanien, und wurde daselbst von
<lb n="XL.14"/> den arabischen Muselm&#x00E4;nnern, welche einen
<lb n="XL.15"/> Theil dieses Reichs erobert hatten, zum Califen
<lb n="XL.16"/> erwehlet. Seine Nachkommen regiereten nach
<lb n="XL.17"/> ihm, und erhielten sich beynahe ganzer dreyhun=
<lb n="XL.18"/> dert Jahre auf dem Throne, so lange nehmlich,
<lb n="XL.19"/> bis die Almoraviden Spanien eroberten.</p>
<lb n="XL.20" rend="indent"/> <p>Die Abba&#x00DF;iden, welche sich f&#x00FC;r die wirkli=
<lb n="XL.21"/> chen Kinder aus dem Hause des Mahomets aus=
<lb n="XL.22"/> gaben, indem sie nehmlich von dem Haschan
<lb n="XL.23"/> und Abdal=Motaleb mit dem Propheten zu=
<lb n="XL.24"/> gleich absta<expan>mm</expan>ten, erhielten sich ganzer f&#x00FC;nf hun=
<lb n="XL.25"/> dert Jahr auf dem Throne, unter 37 Regenten,
<lb n="XL.26"/> deren Geschichte den dritten und vierten Band
<lb n="XL.27"/> dieses Werks ausmacht. Der Sitz ihres Reichs
<lb n="XL.28"/> war anfangs zu Cuffah. Almansor, der zwey=
<pb n="XLI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-42"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XLI.01"/> te Calif dieser Dynastie, verlegte ihn nach Ha=
<lb n="XLI.02"/> schemia: allein eine Beleidigung, die ihm in die=
<lb n="XLI.03"/> ser Stadt widerfuhr, brachte ihn auf den Ent=
<lb n="XLI.04"/> schlu&#x00DF;, die Stadt Bagdat zu bauen, welches
<lb n="XLI.05"/> die Hauptstadt des muselm&#x00E4;nnischen Reichs,
<lb n="XLI.06"/> bis zum Untergange der abba&#x00DF;idischen Ge=
<lb n="XLI.07"/> schlechtsfolge, blieb. Unterdessen wollte doch
<lb n="XLI.08"/> Motassem, einer von den Califen dieses Hau=
<lb n="XLI.09"/> ses, den kayserlichen Sitz nach Samarath ver=
<lb n="XLI.10"/> legen; allein dieses daurete blo&#x00DF; einige Jahre,
<lb n="XLI.11"/> worauf er wieder nach Bagdat zur&#x00FC;ck kehrte,
<lb n="XLI.12"/> welches bis zu Ende der vornehmste Sitz der
<lb n="XLI.13"/> Califen war. Daher k&#x00F6;mmt es, da&#x00DF; man
<lb n="XLI.14"/> die Abba&#x00DF;iden, die <hi rend="bold">Califen von Bagdat</hi>,
<lb n="XLI.15"/> und die Ommiaden, wegen ihres best&#x00E4;ndigen
<lb n="XLI.16"/> Aufenthalts in Syrien, die syrischen Ealifen
<lb n="XLI.17"/> nennt.</p>
<lb n="XLI.18" rend="indent"/> <p>Der Fall der Ommiaden war blo&#x00DF; daher
<lb n="XLI.19"/> gekommen, weil sie den Statthaltern in den
<lb n="XLI.20"/> Provinzen ein allzugrosses Ansehen verstattet
<lb n="XLI.21"/> hatten: Die Abba&#x00DF;iden begingen eben diesen
<lb n="XLI.22"/> Fehler, und ihre Macht ward hierdurch unge=
<lb n="XLI.23"/> mein geschw&#x00E4;cht. Unterdessen erhielten sie ih=
<lb n="XLI.24"/> re Dynastie doch weit l&#x00E4;nger als die Ommia=
<lb n="XLI.25"/> den; obschon nicht in eben dem Glanze, in An=
<lb n="XLI.26"/> sehung ihrer sich weit erstreckenden Bothm&#x00E4;s=
<lb n="XLI.27"/> sigkeit.</p>
<lb n="XLI.28" rend="indent"/> <p>Es fielen unter ihrer Regierung verschiedne
<pb n="XLII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-43"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XLII.01"/> Zertheilungen des Reichs vor, in welchen eben
<lb n="XLII.02"/> so viel verschiedne Dynastien angelegt wurden.
<lb n="XLII.03"/> Von dieser Art waren die Thaherier, und die
<lb n="XLII.04"/> Soffariden, welche in Persien und Turquestan
<lb n="XLII.05"/> herrschten; de&#x00DF;gleichen die Tholomiden und
<lb n="XLII.06"/> Aschidier, welche in Aegypten unter dem Titel
<lb n="XLII.07"/> der Sultane regierten, gleichwohl aber den Ca=
<lb n="XLII.08"/> lifen zu Bagdat als ihren Oberherrn verehrten.</p>
<lb n="XLII.09" rend="indent"/> <p>Auf die Aschidier folgten die Fatimiten,
<lb n="XLII.10"/> welche die wahrhaften Nachfolger des Maho=
<lb n="XLII.11"/> mets, als Abk&#x00F6;mmlinge des Ali von der Fa=
<lb n="XLII.12"/> time, der Tochter des Propheten, zu seyn vor=
<lb n="XLII.13"/> gaben; sie liessen sich zu Regenten von Aegy=
<lb n="XLII.14"/> pten erkl&#x00E4;ren, und nahmen ungescheut den Ca=
<lb n="XLII.15"/> lifentitel an. Damals ward in dem ganzen
<lb n="XLII.16"/> Umfange ihres Gebietes der Name der Califen
<lb n="XLII.17"/> zu Bagdat aus den &#x00F6;ffentlichen Gebetern aus=
<lb n="XLII.18"/> gelassen; es wurden auch in dem ganzen Lande
<lb n="XLII.19"/> keine M&#x00FC;nzen von ihrem Stempel mehr ge=
<lb n="XLII.20"/> schlagen. Bey dieser unumschr&#x00E4;nkten Herr=
<lb n="XLII.21"/> schaft erhielt sich die neue Dynastie ganzer drey
<lb n="XLII.22"/> hundert Jahr, nach deren Verfliessung sie wie=
<lb n="XLII.23"/> der in den Besitz Aegyptens traten, und f&#x00FC;r die
<lb n="XLII.24"/> Oberherren desselben erkannt wurden, doch
<lb n="XLII.25"/> ohne die geringste wirkliche Gewalt darinne
<lb n="XLII.26"/> zu haben.</p>
<lb n="XLII.27" rend="indent"/> <p>Uebrigens hatten sie in ihrem eignen Gebie=
<lb n="XLII.28"/> te beynahe eben so wenig Gewalt. Einige von
<pb n="XLIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-44"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XLIII.01"/> den Abba&#x00DF;iden waren so unvorsichtig gewe=
<lb n="XLIII.02"/> sen, fremde Soldaten an ihrem Hofe einzu=
<lb n="XLIII.03"/> f&#x00FC;hren, welche der Califenw&#x00FC;rde unbeschreib=
<lb n="XLIII.04"/> lichen Abbruch thaten. Diese Trupen, welche
<lb n="XLIII.05"/> man aus Turquestan gezogen hatte, und deren
<lb n="XLIII.06"/> in dieser Geschichte unter dem Namen der t&#x00FC;r=
<lb n="XLIII.07"/> kischen Militz Erw&#x00E4;hnung geschicht, mi&#x00DF;brauch=
<lb n="XLIII.08"/> ten die Gunst gar bald, mit welcher sie die
<lb n="XLIII.09"/> Califen beehrten. Nach und nach brachten
<lb n="XLIII.10"/> sie alle Gewalt an sich, so da&#x00DF; sie nach ihrem
<lb n="XLIII.11"/> Gefallen die Vezire, ja wohl gar die Califen
<lb n="XLIII.12"/> selbst, absetzten. Mit der Zeit brachte man
<lb n="XLIII.13"/> sie zwar endlich wieder in ihre Schranken; die
<lb n="XLIII.14"/> Califen aber wurden gleichwohl dadurch nichts
<lb n="XLIII.15"/> m&#x00E4;chtiger. Die R&#x00E4;the dieser F&#x00FC;rsten kannten
<lb n="XLIII.16"/> die schwache Seite ihrer Herren, und wu&#x00DF;ten
<lb n="XLIII.17"/> sich so viel Gewalt &#x00FC;ber sie zu verschaffen, da&#x00DF;
<lb n="XLIII.18"/> sie gar bald wieder in die Sklaverey fielen, aus
<lb n="XLIII.19"/> welcher sie sich hatten reissen wollen.</p>
<lb n="XLIII.20" rend="indent"/> <p>Einer von den Abba&#x00DF;iden versuchte den
<lb n="XLIII.21"/> Uebermuth dieser R&#x00E4;the zu unterdr&#x00FC;cken, in=
<lb n="XLIII.22"/> dem er eine neue W&#x00FC;rde, noch &#x00FC;ber die Ve=
<lb n="XLIII.23"/> zire, machte; die W&#x00FC;rde nehmlich eines <hi rend="bold">Emir=
<lb n="XLIII.24"/> al=Omara</hi>, das ist, eines <hi rend="bold">Befehlshabers
<lb n="XLIII.25"/> der Befehlshaber</hi>. Durch dieses Mittel
<lb n="XLIII.26"/> waren die Vezire so gut als abgeschaft; den=
<lb n="XLIII.27"/> noch aber blieben die Califen in der Knechtschaft,
<lb n="XLIII.28"/> und durch die R&#x00E4;nke derjenigen, welche auf
<pb n="XLIV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-45"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XLIV.01"/> diese hohe W&#x00FC;rde Anschl&#x00E4;ge machten, wurde
<lb n="XLIV.02"/> der Staat weit mehr als jemals beunruhiget.
<lb n="XLIV.03"/> Hieraus entstanden die best&#x00E4;ndigen Kriege zwi=
<lb n="XLIV.04"/> schen den F&#x00FC;rsten von verschiednen Dynastien,
<lb n="XLIV.05"/> die in den Provinzen aufgestanden waren, wel=
<lb n="XLIV.06"/> che ihnen die Califen zu eigen geschenkt hatten.
<lb n="XLIV.07"/> Ein jeder machte auf die Emirw&#x00FC;rde Anspruch;
<lb n="XLIV.08"/> und kaum war der eine dazu gelangt, so ward
<lb n="XLIV.09"/> er von einem andern wieder verdrengt. Die
<lb n="XLIV.10"/> zeitliche Gewalt der Califen fiel in ihre H&#x00E4;n=
<lb n="XLIV.11"/> de, so da&#x00DF; den Regenten selbst nichts als der
<lb n="XLIV.12"/> leere Titel &#x00FC;brig blieb. Dieses wird man in
<lb n="XLIV.13"/> gegenw&#x00E4;rtiger Geschichte umst&#x00E4;ndlich erzehlt
<lb n="XLIV.14"/> finden, wenn wir von den grossen Bewegun=
<lb n="XLIV.15"/> gen reden werden, welche von den Baridiern,
<lb n="XLIV.16"/> den Hamadaniten, den Buiden, den Gatzne=
<lb n="XLIV.17"/> riden, den Khuaresmiern, und besonders von
<lb n="XLIV.18"/> den ber&#x00FC;hmten turquestanischen F&#x00FC;rsten, wel=
<lb n="XLIV.19"/> che unter dem Namen <hi rend="bold">Selgiuciden</hi> so be=
<lb n="XLIV.20"/> kannt sind, erregt wurden.</p>
<lb n="XLIV.21" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend der Zeit, als sich diese M&#x00E4;chte
<lb n="XLIV.22"/> unter einander aufrieben, sahe man eine andre
<lb n="XLIV.23"/> Anspr&#x00FC;che machen, und zu ihrem Zwecke ge=
<lb n="XLIV.24"/> langen. Es war dieses die Dynastie der Ata=
<lb n="XLIV.25"/> becks, welcher die Califen zu Bagdat die Un=
<lb n="XLIV.26"/> terdr&#x00FC;ckung der Fatimiten in Aegypten, als
<lb n="XLIV.27"/> nach deren Verfall Syrien und Aegypten wie=
<lb n="XLIV.28"/> der unter die Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit der Abba&#x00DF;iden
<pb n="XLV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-46"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XLV.01"/> kam, zu danken hatte. Dieser grosse Anschlag
<lb n="XLV.02"/> ward von dem Atabeck Nureddin, welcher in
<lb n="XLV.03"/> unserer Geschichte Noradin hei&#x00DF;t, entworffen,
<lb n="XLV.04"/> und von dem ber&#x00FC;hmten Salaheddin, oder
<lb n="XLV.05"/> Saladin, wie er in den occidentalischen Spra=
<lb n="XLV.06"/> chen genennet wird, ausgef&#x00FC;hrt. Dieser F&#x00FC;rst
<lb n="XLV.07"/> machte sich zum Sultane von Aegypten, und
<lb n="XLV.08"/> ward das Haupt der Dynastie der Aicubiten,
<lb n="XLV.09"/> die hernach von den t&#x00FC;rkischen Sklaven, den
<lb n="XLV.10"/> Mammeluken, aus welchen sich einer von den
<lb n="XLV.11"/> Nachfolgern des Salaheddin eine Militz ge=
<lb n="XLV.12"/> macht hatte, ausgerottet wurde.</p>
<lb n="XLV.13" rend="indent"/> <p>Unter dem Sultanate dieses F&#x00FC;rsten und
<lb n="XLV.14"/> seiner Nachfolger geschah es, da&#x00DF; die ganze
<lb n="XLV.15"/> Christenheit die bekannten und unn&#x00FC;tzen Kreutz=
<lb n="XLV.16"/> z&#x00FC;ge unternahmen. Jch habe des Anfangs
<lb n="XLV.17"/> dieser Kriege nur ganz mit wenigen unter der
<lb n="XLV.18"/> Regierung der Fatimiten erw&#x00E4;hnt, weil es
<lb n="XLV.19"/> meine Absicht eigentlich nicht ist, von diesen
<lb n="XLV.20"/> Califen zu handeln, und ich mich also in das=
<lb n="XLV.21"/> jenige nicht einlassen konnte, was unter ihrer
<lb n="XLV.22"/> Regierung vorgegangen. Von dem Augen=
<lb n="XLV.23"/> blicke aber ihres Verfalls an, habe ich die Fort=
<lb n="XLV.24"/> setzung dieser Kriege umst&#x00E4;ndlicher beschrieben,
<lb n="XLV.25"/> weil alsdann Syrien und Aegypten wieder un=
<lb n="XLV.26"/> ter die Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit der Abba&#x00DF;iden kam, und
<lb n="XLV.27"/> dasjenige also, was in diesen Provinzen damals
<lb n="XLV.28"/> vorging, einen Theil von meiner Geschichte
<lb n="XLV.29"/> ausmacht.</p>
<pb n="XLVI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-47"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XLVI.01" rend="indent"/> <p>Zu eben der Zeit, als die orientalischen L&#x00E4;n=
<lb n="XLVI.02"/> der von so vielen Verwirrungen beunruhiget
<lb n="XLVI.03"/> wurden, erhob sich eine neue Dynastie, welche
<lb n="XLVI.04"/> weit furchtbarer war, als alle die, welche vor
<lb n="XLVI.05"/> ihr erschienen waren. Es war dieses die Dy=
<lb n="XLVI.06"/> nastie der Genghiskanier, welche von dem Gen=
<lb n="XLVI.07"/> ghiska, ihrem Haupte, also genennet wurden.
<lb n="XLVI.08"/> Dieser durch den schnellen Fortgang seiner Tha=
<lb n="XLVI.09"/> ten so ber&#x00FC;hmte F&#x00FC;rst, breitete sich an der Spitze
<lb n="XLVI.10"/> der Mogols und Tartarn in den Morgenl&#x00E4;n=
<lb n="XLVI.11"/> dern aus, und brachte gar bald ein unerme&#x00DF;liches
<lb n="XLVI.12"/> St&#x00FC;ck Landes unter seine Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit. Sei=
<lb n="XLVI.13"/> ne Nachfolger, welche seinen Muth und seinen
<lb n="XLVI.14"/> Ha&#x00DF; gegen die Muselm&#x00E4;nner erbten, vereinig=
<lb n="XLVI.15"/> ten mit ihrer Krone die meisten Staaten, de=
<lb n="XLVI.16"/> ren sich die F&#x00FC;rsten der andern Dynastien, wel=
<lb n="XLVI.17"/> che bisher so furchtbar gewesen waren, bem&#x00E4;ch=
<lb n="XLVI.18"/> tiget hatten, und machten sich endlich auch von
<lb n="XLVI.19"/> Bagdat Meister, ermordeten den Califen und
<lb n="XLVI.20"/> seine Kinder, und vertilgten in ihnen das be=
<lb n="XLVI.21"/> r&#x00FC;hmte Haus der Abba&#x00DF;iden, welche den Thron
<lb n="XLVI.22"/> l&#x00E4;nger als f&#x00FC;nfhundert Jahr inne hatten.</p>
<lb n="XLVI.23" rend="indent"/> <p>Hier ist es, wo sich diese Geschichte endiget,
<lb n="XLVI.24"/> worinne man nichts vorgebracht zu haben sich
<lb n="XLVI.25"/> schmeichelt, als was von den glaubw&#x00FC;rdigsten
<lb n="XLVI.26"/> Geschichtschreibern best&#x00E4;tiget wird, gesetzt auch,
<lb n="XLVI.27"/> da&#x00DF; man nicht alles angef&#x00FC;hrt hat, was man von
<lb n="XLVI.28"/> den arabischen Muselm&#x00E4;nnern merkw&#x00FC;rdiges
<pb n="XLVII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-48"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XLVII.01"/> sagen k&#x00F6;nne. Man wird unter andern eine
<lb n="XLVII.02"/> genaue Auseinandersetzung aller verschiedenen
<lb n="XLVII.03"/> H&#x00E4;user und Dynastien, welche sich unter diesen
<lb n="XLVII.04"/> V&#x00F6;lkern hervor gethan haben, darinne antref=
<lb n="XLVII.05"/> fen, und auf das genauste ihren Ursprung, ihren
<lb n="XLVII.06"/> Wachsthum und Untergang beschrieben finden.</p>
<lb n="XLVII.07" rend="indent"/> <p>Was den allgemeinen Charakter dieses
<lb n="XLVII.08"/> Volks anbelangt, so w&#x00FC;rde mir es angenehm
<lb n="XLVII.09"/> gewesen seyn, wenn ich in den Schriftstellern,
<lb n="XLVII.10"/> welche ich dabey gelesen, Stofs genug zur Wi=
<lb n="XLVII.11"/> derlegung der Gedanken, in denen wir best&#x00E4;n=
<lb n="XLVII.12"/> dig wegen der Saracenen gestanden haben, h&#x00E4;t=
<lb n="XLVII.13"/> te finden k&#x00F6;nnen. Jch habe in dem Eingange
<lb n="XLVII.14"/> dieses Werks zu verstehen gegeben, da&#x00DF; wir in
<lb n="XLVII.15"/> Ansehung dieser V&#x00F6;lker im Jrrthume w&#x00E4;ren,
<lb n="XLVII.16"/> und da&#x00DF; die Barbarey, welche wir ihnen beyzu=
<lb n="XLVII.17"/> legen pflegten, blo&#x00DF; die Wirkung unsrer Vor=
<lb n="XLVII.18"/> urtheile sey. Gleichwohl wird man in dieser
<lb n="XLVII.19"/> Geschichte sehen, da&#x00DF; wir uns so gar sehr nicht
<lb n="XLVII.20"/> betrogen haben. Und man mag sie auch in der
<lb n="XLVII.21"/> That unter einer Dynastie betrachten, unter
<lb n="XLVII.22"/> welcher man will, so wird man dennoch finden,
<lb n="XLVII.23"/> da&#x00DF; die Wildheit den Grund ihres Charakters
<lb n="XLVII.24"/> ausmachte.</p>
<lb n="XLVII.25" rend="indent"/> <p>Man wird zwar verschiedene Z&#x00FC;ge der Gna=
<lb n="XLVII.26"/> de, der H&#x00F6;flichkeit und Menschlichkeit unter sol=
<lb n="XLVII.27"/> chen Regenten antreffen, welche sich ihr Volk
<lb n="XLVII.28"/> gesitteter zu machen, angelegen seyn liessen: al=
<pb n="XLVIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-49"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="XLVIII.01"/> lein dieser Z&#x00FC;ge sind sehr wenige, welche &#x00FC;ber=
<lb n="XLVIII.02"/> haupt nichts entscheiden k&#x00F6;nnen. Man mu&#x00DF;
<lb n="XLVIII.03"/> in der That kein Volk nach einigen fl&#x00FC;chtigen
<lb n="XLVIII.04"/> Tugenden beurtheilen, die es unter gluklichen
<lb n="XLVIII.05"/> Regierungen gezeigt hat: nur sich immer
<lb n="XLVIII.06"/> gleiche Sitten k&#x00F6;nnen einzig und allein unsre
<lb n="XLVIII.07"/> F&#x00FC;hrer seyn, wenn wir unser Urtheil f&#x00E4;llen sollen.
<lb n="XLVIII.08"/> Nun aber stieht man nicht, da&#x00DF; die Araber, wenn
<lb n="XLVIII.09"/> man sie auf diese Weise betrachtet, zu einziger
<lb n="XLVIII.10"/> Vollkommenheit gelangt sind. Jch finde sie
<lb n="XLVIII.11"/> unter den Abba&#x00DF;iden fast eben so, als sie unter
<lb n="XLVIII.12"/> den Ommiaden waren, und wenn ja noch eini=
<lb n="XLVIII.13"/> ger Unterschied Statt findet, so ist er gewi&#x00DF; zu
<lb n="XLVIII.14"/> ihrem Nachtheile. Man kan dieses gleich aus
<lb n="XLVIII.15"/> den Gem&#x00FC;thsarten der F&#x00FC;rsten, welche den
<lb n="XLVIII.16"/> Thron besessen haben, schliessen. Die Abba&#x00DF;i=
<lb n="XLVIII.17"/> den waren eben so wild, als die Ommiaden,
<lb n="XLVIII.18"/> gleichwohl aber weniger tapfer und verst&#x00E4;ndig.
<lb n="XLVIII.19"/> Man findet verschiedene kriegerische Prinze un=
<lb n="XLVIII.20"/> ter ihnen, allein in sehr geringer Anzahl: Die
<lb n="XLVIII.21"/> &#x00FC;brigen haben entweder gar keine, oder sehr un=
<lb n="XLVIII.22"/> gl&#x00FC;ckliche Kriege gef&#x00FC;hrt. Sie konnten das
<lb n="XLVIII.23"/> reiche Erbtheil, welches die Ommiaden mit Eh=
<lb n="XLVIII.24"/> ren behauptet hatten, nicht ganz erhalten, und
<lb n="XLVIII.25"/> unter ihrer Regierung kam die Califenw&#x00FC;rde
<lb n="XLVIII.26"/> in die allergr&#x00F6;ste Verachtung, und ging endlich
<lb n="XLVIII.27"/> ganz und gar ein.</p>
<lb n="XLVIII.28" rend="indent"/> <p>Was die Wissenschafften anbelangt, so
<pb n="XLIX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-50"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="XLIX.01"/> mu&#x00DF; man zugestehen, da&#x00DF; die Araber einen er=
<lb n="XLIX.02"/> staunensw&#x00FC;rdig schnellen Fortgang darinne ge=
<lb n="XLIX.03"/> habt haben. Gleichwohl blieben sie unter ih=
<lb n="XLIX.04"/> nen sehr lange ungebaut, ob sie gleich sehr viel
<lb n="XLIX.05"/> Feuer und Lebhaftigkeit und alle dazu erforder=
<lb n="XLIX.06"/> liche Eigenschaften hatten. Die ersten Califen
<lb n="XLIX.07"/> verstanden durchaus nichts, als den Koran und
<lb n="XLIX.08"/> das Kriegswesen. Die Ommiaden werden
<lb n="XLIX.09"/> gleichfalls f&#x00FC;r sehr unwissend gehalten; unter
<lb n="XLIX.10"/> den Abba&#x00DF;iden aber, wie die meisten Schrift=
<lb n="XLIX.11"/> steller versichern, ward der Geschmack an den
<lb n="XLIX.12"/> Wissenschaften unter dem Volke fast allge=
<lb n="XLIX.13"/> mein, und man sahe auf allen Seiten von den
<lb n="XLIX.14"/> Regenten besch&#x00FC;tzte Gelehrte, welche K&#x00FC;nste
<lb n="XLIX.15"/> und Wissenschaften zur Vollkommenheit zu
<lb n="XLIX.16"/> bringen suchten, und in verschiednen Theilen
<lb n="XLIX.17"/> der Gelehrsamkeit Werke verfertigten. Jch
<lb n="XLIX.18"/> kan keinen bessern Begrif von dem Fortgange,
<lb n="XLIX.19"/> welchen die Wissenschafften damals unter ihnen
<lb n="XLIX.20"/> hatten, geben, als wenn ich eine lange Stelle aus
<lb n="XLIX.21"/> dem vortreflichen Werke des Hr. Abts Fleyry
<lb n="XLIX.22"/> <hi rend="bold">von der Wahl der Studien</hi> anf&#x00FC;hre.</p>
<lb n="XLIX.23" rend="indent"/> <p>&#x201E;Man mu&#x00DF;, sagt dieser ber&#x00FC;hmte Schrift=
<lb n="XLIX.24"/> steller, die gemeine Meinung verlassen, als ob
<lb n="XLIX.25"/> alle Mahometaner ohne Unterscheid best&#x00E4;n=
<lb n="XLIX.26"/> dig aus der Unwissenheit ihr Werk gemacht
<lb n="XLIX.27"/> h&#x00E4;tten. Sie haben eine unglaubliche Men=
<lb n="XLIX.28"/> ge gelehrter M&#x00E4;nner, welches entweder Ara=
<pb n="L.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-51"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="L.01"/> ber, oder Perser sind; und mit ihren Schrif=
<lb n="L.02"/> ten k&#x00F6;nnte man sehr grosse B&#x00FC;chers&#x00E4;le anf&#x00FC;l=
<lb n="L.03"/> len. Jn dem zw&#x00F6;lften Jahrhunderte, von
<lb n="L.04"/> welchem ich rede, waren mehr als ein hun=
<lb n="L.05"/> dert Jahr verflossen, seit dem sie sich mit be=
<lb n="L.06"/> sonderm Fleisse auf die Wissenschaften legten,
<lb n="L.07"/> und niemals waren sie unter ihnen st&#x00E4;rker,
<lb n="L.08"/> als eben zu der Zeit, da sie bey uns am schw&#x00E4;ch=
<lb n="L.09"/> sten waren, das ist, in dem zehnten und eilf=
<lb n="L.10"/> ten Jahrhunderte. Diese Araber, ich verste=
<lb n="L.11"/> he darunter alle diejenigen, welche sich Mu=
<lb n="L.12"/> selm&#x00E4;nner nennten, hatten zweyerley Arten
<lb n="L.13"/> von Studien, die einen waren ihnen eigen,
<lb n="L.14"/> und die andern hatten sie von den Griechen,
<lb n="L.15"/> als den Unterthanen der Constantinopolita=
<lb n="L.16"/> nischen K&#x00E4;yser, erborgt.</p>
<lb n="L.17" rend="indent"/> <p>Jhre eigne Studien waren vornehmlich
<lb n="L.18"/> ihre Religion, das ist, der Koran; die Ueber=
<lb n="L.19"/> lieferungen, die sie dem Mahomet und seinen
<lb n="L.20"/> ersten J&#x00FC;ngern zueigneten; die Lebensbeschrei=
<lb n="L.21"/> bungen ihrer vorgegebnen Heiligen, und die
<lb n="L.22"/> Fabeln, die sie von denselben erzehlten; die
<lb n="L.23"/> Gewissensf&#x00E4;lle bey Aus&#x00FC;bung ihrer Religion,
<lb n="L.24"/> z. E. bey dem Gebete, bey den Reinigungen,
<lb n="L.25"/> bey dem Fasten, bey der Wallfahrt; und ih=
<lb n="L.26"/> re scholastische Gottesgelahrheit, welche eine
<lb n="L.27"/> unz&#x00E4;hlige Menge Fragen von den Eigenschaf=
<lb n="L.28"/> ten Gottes, von der Vorherbestimmung,
<pb n="LI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-52"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="LI.01"/> von dem Gerichte, von den Nachfolgern des
<lb n="LI.02"/> Propheten enth&#x00E4;lt, als woraus so viel Se=
<lb n="LI.03"/> cten unter ihnen entstanden.</p>
<lb n="LI.04" rend="indent"/> <p>Andre studirten den Koran und seine
<lb n="LI.05"/> Auslegungen mehr als Rechtsgelehrte, als
<lb n="LI.06"/> Theologen, um Regeln in den b&#x00FC;rgerlichen
<lb n="LI.07"/> Angelegenheiten und die Entscheidung der
<lb n="LI.08"/> Streitigkeiten daraus zu erlernen. Denn
<lb n="LI.09"/> dieses Buch ist ihr einziges Gesetze, so gar
<lb n="LI.10"/> auch in dem, was das zeitliche betrift. An=
<lb n="LI.11"/> dre legten sich auf ihre Geschichte, die von
<lb n="LI.12"/> Anfange ihrer Religion und ihres Reichs,
<lb n="LI.13"/> mit vieler Sorgfalt war aufgezeichnet wor=
<lb n="LI.14"/> den. Jn der &#x00E4;ltern Geschichte aber, waren
<lb n="LI.15"/> sie sehr unwissend, und verachteten alle Men=
<lb n="LI.16"/> schen, welche vor dem Mahomet gelebt hat=
<lb n="LI.17"/> ten, indem sie diese ganze Zeit die Zeit der
<lb n="LI.18"/> Unwissenheit nennten, weil man ihre Reli=
<lb n="LI.19"/> gion noch nicht gewust habe. Sie begn&#x00FC;g=
<lb n="LI.20"/> ten sich mit den Alterth&#x00FC;mern, welche in den
<lb n="LI.21"/> Werken ihrer &#x00E4;ltesten Dichter enthalten wa=
<lb n="LI.22"/> ren, die ihnen statt der Geschichtschreiber in
<lb n="LI.23"/> diesen Zeiten dienen mu&#x00DF;ten. Hierinne wenig=
<lb n="LI.24"/> stens sind sie offenbar dem Grundsatze der al=
<lb n="LI.25"/> ten Griechen gefolgt, welche ihre eigenen Ue=
<lb n="LI.26"/> berlieferungen, so fabelhaft sie auch waren,
<lb n="LI.27"/> studirten.</p>
<lb n="LI.28" rend="indent"/> <p>Man mu&#x00DF; aber auch gestehen, da&#x00DF; ihre
<pb n="LII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-53"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="LII.01"/> Poesie sehr wenig gr&#x00FC;ndliche Sch&#x00F6;nheit ge=
<lb n="LII.02"/> habt hat, indem sie sich blo&#x00DF; mit schimmern=
<lb n="LII.03"/> den Gedanken und k&#x00FC;hnen Ausdr&#x00FC;ckungen
<lb n="LII.04"/> begn&#x00FC;gen lie&#x00DF;. Sie haben sich auf diejenige
<lb n="LII.05"/> Art der Poesie niemals gelegt, welche in der
<lb n="LII.06"/> Nachahmung bestehet, und die Leidenschaften
<lb n="LII.07"/> zu erregen f&#x00E4;hig ist; und das, was sie davon
<lb n="LII.08"/> entfernte, ist ohne Zweifel die Verachtung
<lb n="LII.09"/> gewesen, mit welcher sie die dahin einschla=
<lb n="LII.10"/> genden K&#x00FC;nste ansehen, wie zum Exempel die
<lb n="LII.11"/> Mahlerey und die Bildhauerkunst, welche
<lb n="LII.12"/> sie aus einem Hasse gegen die Abg&#x00F6;tterey
<lb n="LII.13"/> verabscheuten. Jhre Poeten waren auch zur
<lb n="LII.14"/> Erlernung der arabischen Sprache sehr n&#x00FC;tz=
<lb n="LII.15"/> lich, welches damals nicht nur die Sprache
<lb n="LII.16"/> der Herren und der meisten V&#x00F6;lker dieses
<lb n="LII.17"/> grossen Reichs, sondern auch die gemeine
<lb n="LII.18"/> Sprache des gr&#x00F6;&#x00DF;ten Theils, und besonders
<lb n="LII.19"/> die Sprache der Religion war, und noch jetzt
<lb n="LII.20"/> ist. Sie studirten vornehmlich den Koran,
<lb n="LII.21"/> und diesen von lebendigen Lehrern zu lernen,
<lb n="LII.22"/> begaben sich die Neugierigsten von allen Or=
<lb n="LII.23"/> ten in die Provinz Jrak, und besonders in die
<lb n="LII.24"/> Stadt Basora, welche f&#x00FC;r sie eben das war,
<lb n="LII.25"/> was Athen den alten Griechen gewesen ist.
<lb n="LII.26"/> Weil damals auch in Persien sehr m&#x00E4;chtige
<lb n="LII.27"/> F&#x00FC;rsten waren, so schrieb man auch in ihrer
<lb n="LII.28"/> Sprache, welche nach der Zeit weit mehr
<pb n="LIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-54"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="LIII.01"/> ausgebessert ward. Dieses sind die Studien,
<lb n="LIII.02"/> welche den Muselm&#x00E4;nnern eigen und so alt
<lb n="LIII.03"/> als ihre Religion sind.</p>
<lb n="LIII.04" rend="indent"/> <p>Die, welche sie von den Griechen geborgt
<lb n="LIII.05"/> hatten, waren wenigstens zweyhundert Jahr
<lb n="LIII.06"/> j&#x00FC;nger. Gegen das Jahr nehmlich 820 ersuch=
<lb n="LIII.07"/> te der Calif Almamon den Kayser von Con=
<lb n="LIII.08"/> stantinopel um die besten griechischen Schrift=
<lb n="LIII.09"/> steller, und lie&#x00DF; sie in die arabische Sprache
<lb n="LIII.10"/> &#x00FC;bersetzen. Gleichwohl sieht man nicht, da&#x00DF;
<lb n="LIII.11"/> sie sich jemals auf die griechische Sprache ge=
<lb n="LIII.12"/> legt haben. Sie zu verachten, war dieses ge=
<lb n="LIII.13"/> nug, da&#x00DF; sie die Sprache ihrer Feinde war.
<lb n="LIII.14"/> Uebrigens hatten sie in Syrien und in Aegy=
<lb n="LIII.15"/> pten so viel Christen, welche das griechische
<lb n="LIII.16"/> und arabische verstanden, da&#x00DF; sie an Dolmet=
<lb n="LIII.17"/> schern keinen Mangel haben konnten; und die=
<lb n="LIII.18"/> se Christen waren es eigentlich, welche die grie=
<lb n="LIII.19"/> chischen B&#x00FC;cher f&#x00FC;r sich und sie in das syri=
<lb n="LIII.20"/> sche und arabische &#x00FC;bersetzten. Unter den
<lb n="LIII.21"/> griechischen B&#x00FC;chern fanden sich sehr viele,
<lb n="LIII.22"/> welche den Arabern gar nichts n&#x00FC;tze waren.
<lb n="LIII.23"/> Jn einer fremden Sprache konnten sie die
<lb n="LIII.24"/> Sch&#x00F6;nheiten der Poeten, welche von einem
<lb n="LIII.25"/> ganz verschiedenen Genie waren, nicht einse=
<lb n="LIII.26"/> hen, besonders da ihre Religion sie von Lesung
<lb n="LIII.27"/> derselben abhielt. {??}Sie hatten einen solchen
<lb n="LIII.28"/> Abscheu gegen die Abg&#x00F6;tterey, da&#x00DF; sie sich nicht
<pb n="LIV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-55"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="LIV.01"/> einmal die Namen der falschen G&#x00F6;tter aus=
<lb n="LIV.02"/> zusprechen erk&#x00FC;hnten; und unter so viel tau=
<lb n="LIV.03"/> send B&#x00FC;chern, die sie geschrieben haben, wird
<lb n="LIV.04"/> man vielleicht kaum einen finden, welcher sie
<lb n="LIV.05"/> nennt. Sie waren also weit entfernt, alle
<lb n="LIV.06"/> diejenigen Fabeln zu studiren, nach welchen
<lb n="LIV.07"/> unsere neueren Dichter so neugierig sind; und
<lb n="LIV.08"/> eben dieser Aberglaube konnte sie auch von
<lb n="LIV.09"/> Lesung der Geschichtb&#x00FC;cher abhalten, beson=
<lb n="LIV.10"/> ders, da sie alles verachteten, was &#x00E4;lter, als
<lb n="LIV.11"/> Mahomet war. Was die Beredsamkeit und
<lb n="LIV.12"/> Staatskunst anbelangt, welche allezeit in den
<lb n="LIV.13"/> freyen Republicken entstanden sind, so konn=
<lb n="LIV.14"/> ten sie bey der Regierungsform der Musel=
<lb n="LIV.15"/> m&#x00E4;nner keine Statt finden. Sie lebten un=
<lb n="LIV.16"/> ter einer g&#x00E4;nzlich uneingeschr&#x00E4;nkten Herr=
<lb n="LIV.17"/> schaft, unter welcher man seinen Mund blo&#x00DF;
<lb n="LIV.18"/> zu Schmeicheleyen gegen die Regenten er&#x00F6;fnen
<lb n="LIV.19"/> durfte, und sich wenig um dasjenige bek&#x00FC;m=
<lb n="LIV.20"/> merte, was dem Staate am vortheilhaftesten
<lb n="LIV.21"/> sey, indem man weniger auf die Arten zu &#x00FC;ber=
<lb n="LIV.22"/> reden, als auf die Mittel dem Gebieter zu ge=
<lb n="LIV.23"/> horchen, bedacht seyn mu&#x00DF;te.</p>
<lb n="LIV.24" rend="indent"/> <p>Sie konnten also keine andern B&#x00FC;cher
<lb n="LIV.25"/> von den alten brauchen, als die mathemati=
<lb n="LIV.26"/> schen, die medicinischen und philosophischen.
<lb n="LIV.27"/> Weil sie aber weder Staatskunst noch Be=
<lb n="LIV.28"/> redsamkeit suchten, so war Plato kein Mann
<pb n="LV.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-56"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="LV.01"/> f&#x00FC;r sie, zu dessen Verst&#x00E4;ndni&#x00DF; sie &#x00FC;berdieses
<lb n="LV.02"/> nothwendig die Dichter, die Religion und
<lb n="LV.03"/> die Geschichte der Griechen h&#x00E4;tten kennen
<lb n="LV.04"/> m&#x00FC;ssen. Aristoteles schickte sich mit seiner
<lb n="LV.05"/> Dialectik, und Metaphysik weit besser f&#x00FC;r
<lb n="LV.06"/> sie, we&#x00DF;wegen sie ihn auch mit einem unglaub=
<lb n="LV.07"/> lichen Eifer studirten. Sie legten sich auch
<lb n="LV.08"/> auf seine Physik, und besonders auf die acht
<lb n="LV.09"/> B&#x00FC;cher, welche nur das allgemeine dersel=
<lb n="LV.10"/> ben enthalten; denn die eigentliche Physik,
<lb n="LV.11"/> welche Beobachtungen und Erfahrungen
<lb n="LV.12"/> braucht, war kein Werk f&#x00FC;r sie. Sie studir=
<lb n="LV.13"/> ten auch die Arzeneykunst sehr flei&#x00DF;ig: allein
<lb n="LV.14"/> sie gr&#x00FC;ndeten sie vornehmlich auf allgemeine
<lb n="LV.15"/> Betrachtungen, der vier Temperamente, und
<lb n="LV.16"/> auf hergebrachte H&#x00FC;lfsmittel, die sie nicht
<lb n="LV.17"/> untersuchten, sondern mit tausend abergl&#x00E4;u=
<lb n="LV.18"/> bischen Dingen vermengten. Uebrigens ga=
<lb n="LV.19"/> ben sie sich mit der Zergliedrungskunst, die
<lb n="LV.20"/> sie von den Griechen sehr unvollkommen be=
<lb n="LV.21"/> kommen hatten, nicht ab. Es ist wahr,
<lb n="LV.22"/> da&#x00DF; man ihnen die Chymie zu danken hat,
<lb n="LV.23"/> und da&#x00DF; sie es darinn sehr weit gebracht
<lb n="LV.24"/> haben, wann sie nicht gar die Erfinder der=
<lb n="LV.25"/> selben gewesen sind; allein sie haben alle die
<lb n="LV.26"/> Fehler damit vermischt, die man noch bis
<lb n="LV.27"/> jetzt so schwer davon trennen kan; die eiteln
<lb n="LV.28"/> Versprechungen nehmlich, die ausschweifen=
<pb n="LVI.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-57"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="LVI.01"/> den Grillen, die abergl&#x00E4;ubischen Processe,
<lb n="LVI.02"/> und alles, was die Marktschreyer und Betr&#x00FC;=
<lb n="LVI.03"/> ger anwenden. Sie mu&#x00DF;ten also sehr leich=
<lb n="LVI.04"/> te auf die Magie, und auf alle Arten der Pro=
<lb n="LVI.05"/> phezeyungen verfallen, mit welchen sich die
<lb n="LVI.06"/> Menschen so gerne besch&#x00E4;ftigen, wann sie
<lb n="LVI.07"/> von der Naturlehre, von der Geschichte und
<lb n="LVI.08"/> der wahren Religion nichts wissen, wie man
<lb n="LVI.09"/> es an dem Beyspiele der alten Griechen ge=
<lb n="LVI.10"/> sehen hat. Was sie in diesem Wahne am
<lb n="LVI.11"/> meisten unterst&#x00FC;tzte, war die Astrologie, auf
<lb n="LVI.12"/> welche alle ihre mathematischen Studien
<lb n="LVI.13"/> hinaus lieffen. Man hat auch in der That,
<lb n="LVI.14"/> unter der Regierung der Muselm&#x00E4;nner, die=
<lb n="LVI.15"/> se vorgegebene Wissenschaft so sehr getrie=
<lb n="LVI.16"/> ben, da&#x00DF; so gar die Regenten ihre angenehm=
<lb n="LVI.17"/> ste Besch&#x00E4;ftigung daraus machten, und ihre
<lb n="LVI.18"/> gr&#x00F6;&#x00DF;ten Unternehmungen nach den Grund=
<lb n="LVI.19"/> s&#x00E4;tzen derselben einrichteten. Der Calif Ama=
<lb n="LVI.20"/> mon rechnete die so ber&#x00FC;hmten astronomischen
<lb n="LVI.21"/> Tafeln selbst aus, und man mu&#x00DF; gestehen,
<lb n="LVI.22"/> da&#x00DF; sie so wohl zu seinen Beobachtungen, als
<lb n="LVI.23"/> f&#x00FC;r andere Theile der Mathematik, z. E.
<lb n="LVI.24"/> die Me&#x00DF;kunst und Arithmetik, sehr n&#x00FC;tzlich
<lb n="LVI.25"/> waren. Man hat ihnen auch die Algebra
<lb n="LVI.26"/> und die Decimalrechnung, welche in der
<lb n="LVI.27"/> Arithmetik so viel Vortheile hat, zu danken.
<lb n="LVI.28"/> Was die Astronomie anbelangt, so hatten
<pb n="LVII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-58"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="LVII.01"/> sie eben die Vortheile, welche die alten Ae=
<lb n="LVII.02"/> gypter bewogen hatten, sich darauf zu legen,
<lb n="LVII.03"/> indem sie in eben demselben Lande wohnten;
<lb n="LVII.04"/> &#x00FC;brigens hatten sie alle Beobachtungen der
<lb n="LVII.05"/> Alten, und auch alle die, welche die Griechen
<lb n="LVII.06"/> noch dazu gethan hatten.&#x201E;</p>
<lb n="LVII.07" rend="indent"/> <p>Aus dieser Stelle kan man die Beschaffen=
<lb n="LVII.08"/> heit der Wissenschaften bey den Arabern, un=
<lb n="LVII.09"/> ter der Regierung der Abba&#x00DF;iden, ermessen.
<lb n="LVII.10"/> Jch habe mich bem&#x00FC;ht, die Beweise davon an=
<lb n="LVII.11"/> zubringen, indem ich alle dahin einschlagende
<lb n="LVII.12"/> wichtige Begebenheiten gesammlet; allein zur
<lb n="LVII.13"/> Ausf&#x00FC;hrung dieses von dem Hr. Fleury so voll=
<lb n="LVII.14"/> st&#x00E4;ndig entworfnen Bildes, m&#x00FC;&#x00DF;te man noth=
<lb n="LVII.15"/> wendig auf die Quellen zur&#x00FC;ckgehen, und aus
<lb n="LVII.16"/> den arabischen Geschichtschreibern selbst dasje=
<lb n="LVII.17"/> nige sch&#x00F6;pffen k&#x00F6;nnen, was einen vollst&#x00E4;ndigen
<lb n="LVII.18"/> Begrif von dem Fortgange und der St&#x00E4;rke
<lb n="LVII.19"/> der Wissenschaften unter diesen V&#x00F6;lkern, des=
<lb n="LVII.20"/> gleichen von ihren erlittenen Ver&#x00E4;nderungen,
<lb n="LVII.21"/> zu machen geschickt sey.</p>
<lb n="LVII.22" rend="indent"/> <p>Es ist noch &#x00FC;brig, da&#x00DF; ich des arabischen
<lb n="LVII.23"/> Jahres gedenke, und von der Art, wie man
<lb n="LVII.24"/> die mahometanische Hegiere mit der christlichen
<lb n="LVII.25"/> Zeitrechnung vergleichen m&#x00FC;sse.</p>
<lb n="LVII.26" rend="indent"/> <p>Das arabische Jahr bestehet, wie das unsrige,
<lb n="LVII.27"/> aus zw&#x00F6;lf Monaten, welches folgende sind: Mo=
<lb n="LVII.28"/> harram, der erste Rebiah, der zweyte Rebiah,
<pb n="LVIII.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-59"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede</hi></hi></fw>
<lb n="LVIII.01"/> der erste Giomada, der zweyte Giomada, Regeb,
<lb n="LVIII.02"/> Schaban, Ramadan, Shaval, Dulkadah und
<lb n="LVIII.03"/> Dulhegiah. Diese Monate haben wechselsweise
<lb n="LVIII.04"/> drey&#x00DF;ig und neun und zwanzig Tage, das ist, der
<lb n="LVIII.05"/> erste hat deren 30, der zweyte 29, der dritte wie=
<lb n="LVIII.06"/> der 30 und so weiter. Die Zahl der Tage also
<lb n="LVIII.07"/> von allen diesen Monaten, macht, wie man sieht,
<lb n="LVIII.08"/> blosse Mondenmonathe daraus, welche das Jahr
<lb n="LVIII.09"/> ohngefehr um 11 Tage k&#x00FC;rzer, als das Sonnen=
<lb n="LVIII.10"/> jahr machen. Man nennt sie <hi rend="bold">schweiffende Mo=
<lb n="LVIII.11"/> nate</hi>, weil sie sich nach und nach in allen Jahrs=
<lb n="LVIII.12"/> zeiten finden, und von dem Winter auf den
<lb n="LVIII.13"/> Herbst, von dem Herbste auf den Sommer, und
<lb n="LVIII.14"/> von dem Sommer auf den Fr&#x00FC;hling kommen.
<lb n="LVIII.15"/> So da&#x00DF;, wenn z. E. ihr Jahr mit dem Jenner
<lb n="LVIII.16"/> anf&#x00E4;ngt, so f&#x00E4;ngt es drey Jahr darauf mit dem
<lb n="LVIII.17"/> December an, hernach mit dem November, und
<lb n="LVIII.18"/> so weiter.</p>
<lb n="LVIII.19" rend="indent"/> <p>Die alten Araber wollten dieser Unbequem=
<lb n="LVIII.20"/> lichkeit abhelfen, und die Wallfahrt nach Mecca
<lb n="LVIII.21"/> auf den Herbst feste setzen, weil diese Jahrszeit
<lb n="LVIII.22"/> die bequemste dazu sey, sowohl in Ansehung der
<lb n="LVIII.23"/> k&#x00FC;hlen Witterung, als der Menge von Fr&#x00FC;chten,
<lb n="LVIII.24"/> welche als denn reif sind; sie bedienten sich also der
<lb n="LVIII.25"/> Einspaltung, welche sie von den Juden gelernt
<lb n="LVIII.26"/> haben, und verl&#x00E4;ngerten alle drey Jahre ihr Jahr
<lb n="LVIII.27"/> mit einem Monate. Durch dieses Mittel also
<lb n="LVIII.28"/> machten sie Sonnenjahre daraus. Diese Ver=
<lb n="LVIII.29"/> besserung war lange Zeit vor dem Mahomet vor=
<lb n="LVIII.30"/> genommen worden, und noch damals im Gebrau=
<lb n="LVIII.31"/> che, als er seine neue Religion aufbrachte. Allein
<pb n="LIX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-60"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="LIX.01"/> dieser neue Gesetzgeber glaubte, ein Jahr von 13
<lb n="LIX.02"/> Monaten sey wider die g&#x00F6;ttliche Einsetzung, schnitt
<lb n="LIX.03"/> also diesen eingespaltenen Monat ab, und f&#x00FC;hrte
<lb n="LIX.04"/> das schweifende Mondenjahr wieder ein, welchem
<lb n="LIX.05"/> die Mahometaner noch bis jetzt folgen.</p>
<lb n="LIX.06" rend="indent"/> <p>Da, wie ich gesagt habe, dieses Jahr eilf Ta=
<lb n="LIX.07"/> ge k&#x00FC;rzer als das Sonnenjahr ist, so folgt dar=
<lb n="LIX.08"/> aus, da&#x00DF; in 33 arabischen Jahren, 33 mal 11
<lb n="LIX.09"/> Tage mangeln m&#x00FC;ssen, welche 363 Tage, und al=
<lb n="LIX.10"/> so beynahe ein gantzes Sonnenjahr ausmachen.
<lb n="LIX.11"/> Wenn man folglich von 33 zu 33 Jahren immer
<lb n="LIX.12"/> ein Jahr einschaltet, so lassen sich die arabischen
<lb n="LIX.13"/> Jahre gar leicht auf unsre Zeitrechnung brin=
<lb n="LIX.14"/> gen.</p>
<lb n="LIX.15" rend="indent"/> <p>Gleichwohl ist noch etwas mehr bey dem ara=
<lb n="LIX.16"/> bischen Jahre der Muselm&#x00E4;nner zu beobachten.
<lb n="LIX.17"/> Die mahometanischen Araber setzten die Flucht
<lb n="LIX.18"/> des Mahomets von Mecca nach Medina, welche
<lb n="LIX.19"/> in dem Jahre nach C. G. 621. geschah, in den
<lb n="LIX.20"/> Monat Julius, es ist daher n&#x00F6;thig, wenn man
<lb n="LIX.21"/> den muselm&#x00E4;nnischen Calender mit dem christlichen
<lb n="LIX.22"/> vergleichen will, da&#x00DF; man zu dem Jahre der He=
<lb n="LIX.23"/> gire, welches man mit dem christlichen Jahr ver=
<lb n="LIX.24"/> gleichen will, zu erst 621 hinzuthut, und nach ge=
<lb n="LIX.25"/> schehener Addition von der daraus entspringenden
<lb n="LIX.26"/> Zahl so viel Einheiten abzieht, so vielmal die Zahl
<lb n="LIX.27"/> 33 darinne enthalten ist. Wenn man z. E. wis=
<lb n="LIX.28"/> sen will, wie man das Jahr der Hegire 656 in
<lb n="LIX.29"/> das christliche Jahr verwandeln soll, so mu&#x00DF; man
<lb n="LIX.30"/> zuerst 621 hinzusetzen, woraus die Zahl 1277 er=
<lb n="LIX.31"/> w&#x00E4;chset; hernach mu&#x00DF; man von dieser letzten Zahl
<pb n="LX.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-61"/><fw rend="pageheader"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vorrede des Verfassers</hi></hi>.</fw>
<lb n="LX.01"/> so viel Einheiten abziehen, so viel mal 33 darinne
<lb n="LX.02"/> enthalten ist: man wird also 19 von 1277 abzie=
<lb n="LX.03"/> hen m&#x00FC;ssen, welches 1258 &#x00FC;brig l&#x00E4;&#x00DF;t, als welches
<lb n="LX.04"/> das wahre christliche Jahr seyn wird, das mit
<lb n="LX.05"/> dem Jahre der Hegire 656 &#x00FC;bereink&#x00F6;mmt. Wenn
<lb n="LX.06"/> man aber wissen will, mit was f&#x00FC;r einem Jahre
<lb n="LX.07"/> der Hegire z. E. das christliche Jahr 1258 &#x00FC;ber=
<lb n="LX.08"/> einkommt, so braucht man diese Rechnung nur zu
<lb n="LX.09"/> verkehren, und erst 621 von der Jahrzahl abzuzie=
<lb n="LX.10"/> hen, woraus 637 entspringen wird, und zu dieser
<lb n="LX.11"/> Zahl soviel Einheiten hinzuthun, so viel mal 33
<lb n="LX.12"/> darinne enthalten ist, das ist 19, welches zu 637
<lb n="LX.13"/> hinzugethan, 656 hervorbringt, als das wirkliche
<lb n="LX.14"/> Jahr der Hegire, das mit dem Jahre 1258
<lb n="LX.15"/> &#x00FC;bereinkommt.</p>
<lb n="LX.16" rend="indent"/> <p>Unterdessen ist doch noch zu merken, da&#x00DF; diese
<lb n="LX.17"/> Methode nicht von der &#x00E4;ussersten Genauigkeit sey;
<lb n="LX.18"/> denn da das arabische Jahr schweifend ist, und
<lb n="LX.19"/> bald in dieser bald in einer andern Jahrszeit an=
<lb n="LX.20"/> f&#x00E4;ngt, so kan es geschehen, da&#x00DF; man ein Jahr der
<lb n="LX.21"/> Hegiere als schon instehend ansieht, das es noch
<lb n="LX.22"/> nicht ist, oder wohl schon gar vorbeygeflossen ist;
<lb n="LX.23"/> allein der Jrrthum betr&#x00E4;gt blos einige Monate.
<lb n="LX.24"/> Diejenige, welche eine genauere Berechnung ver=
<lb n="LX.25"/> langen, k&#x00F6;nnen die Tafeln des Riccioli zu Rathe
<lb n="LX.26"/> ziehen, die er zu Vergleichung der Jahre der He=
<lb n="LX.27"/> giere mit den christlichen Jahren erfunden hat.
<lb n="LX.28"/> <hi rend="center">Auch in den chronologischen Tafeln des Hr.
<lb n="LX.29"/> Abts Lenglot kan man eine derglei=
<lb n="LX.30"/> chen Berechnung finden.</hi></p></div></front>
<body>
<pb n="0001.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-62"/>
<lb n="0001.01"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="0001.02"/> <head n="3"><hi rend="spaced">Geschichte</hi></head>
<lb n="0001.03"/> <head n="5"><hi rend="spaced">der Araber</hi></head>
<lb n="0001.04"/> <head n="2"><hi rend="spaced">unter</hi></head>
<lb n="0001.05"/> <head n="4">der Regierung der Califen.</head>
<lb n="0001.06"/> <!-- #(image) -->
<div1 type="einfuehrung">
<lb n="0001.07"/> <p><hi rend="initiale_gr">J</hi>ch unternehme es von einem ber&#x00FC;hm=
<lb n="0001.08"/> ten Volke zu reden, welches uns un=
<lb n="0001.09"/> sre Vorurtheile zu kennen bisher ver=
<lb n="0001.10"/> hindert haben. Jn der falschen Mei=
<lb n="0001.11"/> nung, da&#x00DF; die Araber nichts als Barbaren seyn
<lb n="0001.12"/> k&#x00F6;nnten, haben wir geglaubt, da&#x00DF; ihre Ge=
<lb n="0001.13"/> schichte weder n&#x00FC;tzlich noch angenehm seyn
<lb n="0001.14"/> werde, und haben uns daher wenig M&#x00FC;he ge=
<lb n="0001.15"/> geben, unsre Untersuchungen &#x00FC;ber das, was sie
<lb n="0001.16"/> angeht, anzustellen.</p>
<lb n="0001.17" rend="indent"/> <p>Gleichwohl ist, seit dem Verfalle des r&#x00F6;mi=
<lb n="0001.18"/> schen Reichs, vielleicht kein einziges Volk w&#x00FC;r=
<lb n="0001.19"/> diger, bekannt zu seyn; sowohl in Betrachtung
<pb n="0002.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-63"/>
<lb n="0002.01"/> der grossen M&#x00E4;nner, die unter ihm aufgestan=
<lb n="0002.02"/> den sind, als in Ansehung des wunderbaren
<lb n="0002.03"/> Fortgangs, welchen die K&#x00FC;nste und Wissen=
<lb n="0002.04"/> schaften in Arabien, verschiedene Jahrhunderte
<lb n="0002.05"/> hindurch, gehabt haben.</p>
<lb n="0002.06" rend="indent"/> <p>Jch will nicht bis zu dem ersten Ursprunge
<lb n="0002.07"/> dieser Nation zur&#x00FC;ck gehen. Er ist mit allzu
<lb n="0002.08"/> dichten Finsternissen bedeckt, als da&#x00DF; man ver=
<lb n="0002.09"/> n&#x00FC;nftig hoffen k&#x00F6;nne, ein gl&#x00FC;ckliches Licht dar=
<lb n="0002.10"/> inne anzuz&#x00FC;nden.</p>
<lb n="0002.11" rend="indent"/> <p>Uebrigens haben sich auch die Araber nicht
<lb n="0002.12"/> eher in allen St&#x00FC;cken ber&#x00FC;hmt gemacht, als
<lb n="0002.13"/> nur da sie unter eine Regierungsform gebracht
<lb n="0002.14"/> waren. Bey dieser Epoche will ich also den An=
<lb n="0002.15"/> fang meiner Geschichte fest sezen. Jch werde
<lb n="0002.16"/> von den entferntern Zeiten nur in so weit re=
<lb n="0002.17"/> den, als es n&#x00F6;thig ist, dem Leser einen sehr kur=
<lb n="0002.18"/> zen Begrif von dem Lande, und den V&#x00F6;lkern,
<lb n="0002.19"/> die es bewohnten, zu machen.</p>
<lb n="0002.20" rend="indent"/> <p>Hierauf will ich einen Auszug aus dem Leben
<lb n="0002.21"/> des ber&#x00FC;hmten Mahomets, des Stifters ihrer
<lb n="0002.22"/> Monarchie, mittheilen. Man wird sehen, wie
<lb n="0002.23"/> er unter ihnen gebohren wird; wie er den ver=
<lb n="0002.24"/> wegnen Vorsatz fa&#x00DF;t, sein Vaterland sich unter=
<lb n="0002.25"/> w&#x00FC;rfig zu machen, und dessen Grenzen zu er=
<lb n="0002.26"/> weitern; wie er sich zum Haupte einer neuen
<lb n="0002.27"/> Religion macht; wie er die unumschr&#x00E4;nkte
<lb n="0002.28"/> Oberherrschaft fest setzt, und sie seinen Nach=
<lb n="0002.29"/> folgern hinterl&#x00E4;&#x00DF;t; und wie er allen seinen
<lb n="0002.30"/> Fortgang niemanden zu danken hat, als der
<lb n="0002.31"/> Schw&#x00E4;rmerey und seinem Degen.</p>
<div2 type="abschnitt">
<pb n="0003.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-64"/>
<lb n="0003.01"/> <head n="3"><hi rend="bold">Kurzer Begrif von Arabien und</hi></head>
<lb n="0003.02"/> <head n="2"><hi rend="bold">den V&#x00F6;lkern, die es vor dem Ma=
<lb n="0003.03"/> homet bewohnet</hi>.</head>
<lb n="0003.04" rend="indent"/> <p>Arabien, eines von den grossen Reichen
<lb n="0003.05"/> Asiens, bildet eine Halbinsel, welche auf der
<lb n="0003.06"/> nordwestlichen Seite von Syrien und Palesti=
<lb n="0003.07"/> na, auf der nordostlichen von dem persischen
<lb n="0003.08"/> Meerbusen, auf der s&#x00FC;dostlichen von dem indi=
<lb n="0003.09"/> schen Meere, und auf der s&#x00FC;dwestlichen von
<lb n="0003.10"/> dem rothen Meere umgrenzt wird.</p>
<lb n="0003.11" rend="indent"/> <p>Die Erdbeschreiber theilen es gemeiniglich in
<lb n="0003.12"/> drey grosse Theile, welche das gl&#x00FC;ckliche Arabien,
<lb n="0003.13"/> das w&#x00FC;ste Arabien, und das steinigte Ara=
<lb n="0003.14"/> bien sind.</p>
<lb n="0003.15" rend="indent"/> <p>Das gl&#x00FC;ckliche Arabien, welches die Araber
<lb n="0003.16"/> <hi rend="bold">Hiemen</hi> nennen, erstreckt sich von den Gebir=
<lb n="0003.17"/> gen, die es von den zwey andern Theilen tren=
<lb n="0003.18"/> nen, bis an den Ocean.</p>
<lb n="0003.19" rend="indent"/> <p>Das w&#x00FC;ste Arabien ist dem festen Lande n&#x00E4;=
<lb n="0003.20"/> her. Man theilt es in drey Provinzen, welche
<lb n="0003.21"/> <hi rend="bold">Thahamah, Jemamath</hi> gegen die Mitte
<lb n="0003.22"/> des Landes, und <hi rend="bold">Hegiaz</hi> heissen. Unter diesen
<lb n="0003.23"/> ist die letztere die ber&#x00FC;hmteste geworden, weil die
<lb n="0003.24"/> St&#x00E4;dte Mecca und Medina darinne liegen.</p>
<lb n="0003.25" rend="indent"/> <p>Das steinigte Arabien, welchem die Araber
<lb n="0003.26"/> den Namen <hi rend="bold">Hagia</hi> oder <hi rend="bold">Hagiar</hi>, das ist,
<lb n="0003.27"/> <hi rend="bold">Stein</hi>, gegeben haben, wird gegen Abend von
<lb n="0003.28"/> dem rothen Meere und Aegypten, von Palesti=
<lb n="0003.29"/> na und Syrien gegen Norden, von dem w&#x00FC;sten
<lb n="0003.30"/> Arabien gegen Morgen, und gegen Mittag
<pb n="0004.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-65"/>
<lb n="0004.01"/> von einer Kette Berge, welche es von dem
<lb n="0004.02"/> gl&#x00FC;cklichen Arabien trennen, umgrenzet. Hier
<lb n="0004.03"/> ist es, wo die Berge Sinai und Oreb, die in
<lb n="0004.04"/> der Schrift so ber&#x00FC;hmt sind, liegen.</p>
<lb n="0004.05" rend="indent"/> <p>Jede von diesen verschiedenen Provinzen hat
<lb n="0004.06"/> ihre Regenten gehabt. Die ansehnlichsten da=
<lb n="0004.07"/> von waren die Regenten des Landes Hiemen,
<lb n="0004.08"/> welche unter den Namen der Hiemaritischen
<lb n="0004.09"/> K&#x00F6;nige regieret haben. Jhr Thron hat bey
<lb n="0004.10"/> nahe ganzer zwey tausend Jahre fest gestanden;
<lb n="0004.11"/> endlich ward er von den Aethiopern umgest&#x00FC;rzt,
<lb n="0004.12"/> welche Hiemen unter sich brachten und die
<lb n="0004.13"/> Dynastie der Hiemariten vertilgten.</p>
<lb n="0004.14" rend="indent"/> <p>Unter den Regenten der &#x00FC;brigen Provinzen,
<lb n="0004.15"/> dergleichen Hegiaz, Hendah, Hirah, Gassan
<lb n="0004.16"/> sind, waren verschiedne, welche sich durch ihre
<lb n="0004.17"/> Siege hervor thaten. Die Regenten von Hi=
<lb n="0004.18"/> rah, zum Exempel, erweiterten ihre Staaten bis
<lb n="0004.19"/> &#x00FC;ber die Grenzen von Arabien; und dieses Land
<lb n="0004.20"/> wurde hernach das <hi rend="bold">arabische Jrack</hi>, oder
<lb n="0004.21"/> das von den Arabern eroberte Hirah genennt.
<lb n="0004.22"/> Diese Gegend war vor diesem ein Theil von
<lb n="0004.23"/> Chald&#x00E4;a; der &#x00FC;brige Theil, welcher den K&#x00F6;ni=
<lb n="0004.24"/> gen von Persien blieb, hie&#x00DF; das <hi rend="bold">persische
<lb n="0004.25"/> Jrak</hi>, als die Muselm&#x00E4;nner ihre Eroberun=
<lb n="0004.26"/> gen gegen Morgen ausdehnten.</p>
<lb n="0004.27" rend="indent"/> <p>Einige Prinze, die aus dem Gebl&#x00FC;te eines
<lb n="0004.28"/> dieser K&#x00F6;nige von Jrak waren, zogen mit einer
<lb n="0004.29"/> grossen Menge Araber aus, um sich in Syrien
<lb n="0004.30"/> niederzulassen. Sie schlugen daher ihre Woh=
<pb n="0005.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-66"/>
<lb n="0005.01"/> nung in einer sehr bequemen Gegend auf,
<lb n="0005.02"/> Namens Gassan, von welcher sie hernach Gas=
<lb n="0005.03"/> saniden genennet wurden. Sie hatten auch
<lb n="0005.04"/> ihren Namen von Hareth, woraus die Grie=
<lb n="0005.05"/> chen und Lateiner den Namen Areta gemacht
<lb n="0005.06"/> haben. Jn dem zweyten Briefe des heiligen
<lb n="0005.07"/> Paulus an die Corinther wird eines von diesen
<lb n="0005.08"/> K&#x00F6;nigen gedacht, welchen die Juden um Er=
<lb n="0005.09"/> laubni&#x00DF; baten, an den Thoren von Damascus
<lb n="0005.10"/> wachen zu d&#x00FC;rfen, damit der heilige Paulus
<lb n="0005.11"/> nicht entfliehen m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0005.12" rend="indent"/> <p>Dieser K&#x00F6;nig Aretas war auf Befehl des
<lb n="0005.13"/> Augustus, dem Tyrannen Sill&#x00E4;us in der Re=
<lb n="0005.14"/> gierung gefolgt, welcher sich des arabischen
<lb n="0005.15"/> Thrones bem&#x00E4;chtigte, indem er den Abodas
<lb n="0005.16"/> umbrachte, der die Herrschaft &#x00FC;ber die Araber
<lb n="0005.17"/> durch den Tod eines andern Aretas geerbt hat=
<lb n="0005.18"/> te, welcher f&#x00FC;r einen Tribut, den er den R&#x00F6;=
<lb n="0005.19"/> mern zahlte, in dem ruhigen Besitze Arabiens
<lb n="0005.20"/> geblieben war.</p>
<lb n="0005.21" rend="indent"/> <p>Die arabischen Regenten waren schon durch
<lb n="0005.22"/> die Kriege ber&#x00FC;hmt, die sie vor dem wider die
<lb n="0005.23"/> Aegypter, Perser, und die K&#x00F6;nige von Assyrien,
<lb n="0005.24"/> und selbst wider den grossen Alexander gef&#x00FC;hrt
<lb n="0005.25"/> hatten, welcher sie endlich doch unter sich
<lb n="0005.26"/> brachte. W&#x00E4;hrend des Krieges aber, den die
<lb n="0005.27"/> Nachfolger dieses Monarchen unter einander
<lb n="0005.28"/> f&#x00FC;hrten, hatten sie Gelegenheit wieder aufzu=
<lb n="0005.29"/> kommen.</p>
<lb n="0005.30" rend="indent"/> <p>Nach der Zeit wurden sie von den R&#x00F6;mern
<lb n="0005.31"/> angegriffen, welche ziemlich gl&#x00FC;cklich gegen sie
<pb n="0006.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-67"/>
<lb n="0006.01"/> waren; und ob die R&#x00F6;mer sie gleich nicht g&#x00E4;nz=
<lb n="0006.02"/> lich unterdr&#x00FC;cken konnten, so hielten sie sie doch
<lb n="0006.03"/> lange Zeit in einer Abh&#x00E4;ngigkeit, welche von
<lb n="0006.04"/> der Knechtschaft nicht viel unterschieden war.
<lb n="0006.05"/> Dabey aber erfuhren sie von Seiten der Ara=
<lb n="0006.06"/> ber allen Widerstand, den man nur von dem al=
<lb n="0006.07"/> lerfestesten Muthe erwarten kan.</p>
<lb n="0006.08" rend="indent"/> <p>Unterdessen litt ihre Regierung sehr viel dabey.
<lb n="0006.09"/> Sie hatten zwar best&#x00E4;ndig ihre K&#x00F6;nige; diese
<lb n="0006.10"/> aber waren mehr H&#x00E4;upter der St&#x00E4;mme, als
<lb n="0006.11"/> wahrhafte Regenten, wenigstens in Ansehung
<lb n="0006.12"/> des Umfangs ihrer Herrschaft. Die nat&#x00FC;rliche
<lb n="0006.13"/> Tapferkeit dieser V&#x00F6;lker gab ihnen oft die Waf=
<lb n="0006.14"/> fen in die Hand, um das Joch, unter welchem
<lb n="0006.15"/> sie von den R&#x00F6;mern, und hernach von den ori=
<lb n="0006.16"/> entalischen Kaysern, gehalten wurden, abzu=
<lb n="0006.17"/> sch&#x00FC;tteln; so da&#x00DF; Vortheil und Verlust bey ih=
<lb n="0006.18"/> nen best&#x00E4;ndig abwechselte, bis endlich, in dem
<lb n="0006.19"/> siebenden Jahrhunderte nach Christi Geburth,
<lb n="0006.20"/> Mahomet die verschiednen St&#x00E4;mme, welche
<lb n="0006.21"/> eben so viel Regierungen ausmachten, vertilgte,
<lb n="0006.22"/> und diese B&#x00F6;lcker von aller fremden Bothm&#x00E4;s=
<lb n="0006.23"/> sigkeit zu befreyen, und sie allein der seinigen
<lb n="0006.24"/> zu unterwerfen das Gl&#x00FC;ck hatte. Jhre Ge=
<lb n="0006.25"/> setze, ihre Gebr&#x00E4;uche, so gar ihre Religion
<lb n="0006.26"/> wurde abgeschaft, einer neuen Regierung und
<lb n="0006.27"/> einem neuen Gottesdienste Plaz zu machen.
<lb n="0006.28"/> Dieses wird man in dem Leben dieses ber&#x00FC;hm=
<lb n="0006.29"/> ten Gesetzgebers, welches ich k&#x00FC;rzlich entwerfen
<lb n="0006.30"/> will, mit mehrern sehen.</p></div2>
<div2 type="abschnitt">
<pb n="0007.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-68"/>
<lb n="0007.01"/> <head n="3"><hi rend="bold">Kurze Lebensbeschreibung des</hi></head>
<lb n="0007.02"/> <head n="2"><hi rend="bold">Mahomets</hi>.</head>
<lb n="0007.03" rend="indent"/> <p>Mahomet, oder wie ihn die Araber ausspre=
<lb n="0007.04"/> chen, <hi rend="bold">Mohamed</hi>, ward zu Mecca gegen das
<lb n="0007.05"/> Ende des sechzehenden Jahrhunderts gebohren.
<lb n="0007.06"/> Sein Vater war ein Heide, und seine Mutter
<lb n="0007.07"/> eine J&#x00FC;din; beyde waren von dem Stamme der
<lb n="0007.08"/> Coreischiten. Dieser Stamm war unter den
<lb n="0007.09"/> andern allen, wegen des Amts, das er seit
<lb n="0007.10"/> langer Zeit verwaltete, der ansehnlichste.</p>
<lb n="0007.11" rend="indent"/> <p>Jhm nehmlich geh&#x00F6;rte die Bewachung und
<lb n="0007.12"/> die Aufsicht &#x00FC;ber einen ber&#x00FC;hmten Tempel zu,
<lb n="0007.13"/> welcher <hi rend="bold">Caabah</hi>, das ist, das viereckigte Haus
<lb n="0007.14"/> genennet wurde. Dieses Geb&#x00E4;ude, wenn man
<lb n="0007.15"/> dem Alkorane glauben darf, war zu Ehren
<lb n="0007.16"/> des wahren GOttes von dem Abraham und
<lb n="0007.17"/> Jsmael aufgef&#x00FC;hret worden; nach der Zeit
<lb n="0007.18"/> aber, da sich das Heidenthum unter den Ara=
<lb n="0007.19"/> bern einschlich, war es dem G&#x00F6;tzendienste ge=
<lb n="0007.20"/> weyhet gewesen. Dieser Ort, welcher vordem
<lb n="0007.21"/> wegen der and&#x00E4;chtigen Reisen der heidnischen
<lb n="0007.22"/> Araber ber&#x00FC;hmt war, ist es noch jetzt wegen der
<lb n="0007.23"/> Wallfahrten der Mahometaner.</p>
<lb n="0007.24" rend="indent"/> <p>Die Aufsicht &#x00FC;ber diesen Tempel hatte vor=
<lb n="0007.25"/> mals den Khosaiten zugeh&#x00F6;rt, einem vornehmen
<lb n="0007.26"/> Stamme unter den Arabern; sie war ihnen
<lb n="0007.27"/> aber schon vor geraumer Zeit von dem Kossa,
<lb n="0007.28"/> einem der Vorfahren des Mahomets und da=
<lb n="0007.29"/> maligen Haupte des Stammes der Coreischi=
<pb n="0008.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-69"/>
<lb n="0008.01"/> ten, genommen worden. Dieser wu&#x00DF;te sein
<lb n="0008.02"/> Ansehen so feste zu gr&#x00FC;nden, da&#x00DF; er ein unum=
<lb n="0008.03"/> schr&#x00E4;nkter Herr &#x00FC;ber die Caabah blieb. Er hin=
<lb n="0008.04"/> terlie&#x00DF; seinen Nachkommen nicht nur die Auf=
<lb n="0008.05"/> sicht dar&#x00FC;ber, sondern auch die oberste Gewalt
<lb n="0008.06"/> in Mecca, welche gleichsam mit jenem Amte
<lb n="0008.07"/> verbunden war.</p>
<lb n="0008.08" rend="indent"/> <p>Derjenige von seinen Nachfolgern, der sie
<lb n="0008.09"/> damals f&#x00FC;hrte, als Mahomet zur Welt kam,
<lb n="0008.10"/> hie&#x00DF; Abdal=Mutaleb. Unter der grossen Anzahl
<lb n="0008.11"/> Kinder, die er hatte, waren Abdallah, Al Abbas
<lb n="0008.12"/> und Abutaleb die ber&#x00FC;hmtesten.</p>
<lb n="0008.13" rend="indent"/> <p>Abdallah, welches der erstgebohrne war,
<lb n="0008.14"/> war der Vater des Mahomets. Er starb kurze
<lb n="0008.15"/> Zeit nach der Geburth seines Sohnes, welchen
<lb n="0008.16"/> er unter der Vormundschaft seiner Mutter lie&#x00DF;.
<lb n="0008.17"/> Auch diese starb einige Jahre hernach, und der
<lb n="0008.18"/> junge Mahomet ward ohngefehr im achten
<lb n="0008.19"/> Jahre seines Alters eine Wayse, ohne das ge=
<lb n="0008.20"/> ringste Verm&#x00F6;gen.</p>
<lb n="0008.21"/> <note type="marginalie" place="links">Die ersten<lb/><hi rend="spaced">Jahre</hi> des<lb/>Mahomets.</note><p rend="indent">Abutaleb, seines Vaters Bruder, &#x00FC;bernahm
<lb n="0008.22"/> die Sorge seiner Erziehung, und behielt ihn bis
<lb n="0008.23"/> in das zwanzigste Jahr bey sich; worauf er ihn
<lb n="0008.24"/> zu einer Wittwe, mit Namen Cadhige, brachte,
<lb n="0008.25"/> welche eines sehr betr&#x00E4;chtlichen Verm&#x00F6;gens,
<lb n="0008.26"/> das ihr Mann durch den Handel erworben hat=
<lb n="0008.27"/> te, geno&#x00DF;, und noch selbst den Handel mit gu=
<lb n="0008.28"/> tem Gl&#x00FC;cke fortsetzte.</p>
<lb n="0008.29" rend="indent"/> <p>Der junge Mahomet ward anfangs zu den
<lb n="0008.30"/> allergeringsten Verrichtungen gebraucht, bis
<pb n="0009.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-70"/>
<lb n="0009.01"/> man ihm bald hernach die Aufsicht &#x00FC;ber alles,
<lb n="0009.02"/> was die Kameele betraf, anvertrauete. Dieses
<lb n="0009.03"/> Amt gab ihm Gelegenheit sich mit mehrern zu
<lb n="0009.04"/> besch&#x00E4;ftigen, wobey er allezeit so viel Sorgfalt
<lb n="0009.05"/> und Geschicklichkeit bewies, das Cadhige l&#x00E4;n=
<lb n="0009.06"/> ger nicht anstand, ihm die Aufsicht &#x00FC;ber ihren
<lb n="0009.07"/> Handel zu geben, und ihn also zum Herrn von
<lb n="0009.08"/> ihrem Gl&#x00FC;cke zu machen.</p>
<lb n="0009.09" rend="indent"/> <p>Mahomet that dem Vertrauen der Cadhige<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Cadhige<lb/>heyrathet<lb/>den</hi> Maho=<lb/>met.</note>
<lb n="0009.10"/> vollkommene Gn&#x00FC;ge. Der Handel ging unter
<lb n="0009.11"/> seinen H&#x00E4;nden wohl von statten, das Verm&#x00F6;=
<lb n="0009.12"/> gen wuchs sehr stark, und alles, was er unter=
<lb n="0009.13"/> nahm, gelang. Cadhige ward von Dankbarkeit
<lb n="0009.14"/> durchdrungen, und glaubte, ihn wegen seines
<lb n="0009.15"/> Eyfers und seiner Treue nicht besser belohnen
<lb n="0009.16"/> zu k&#x00F6;nnen, als durch das Geschenke ihrer Hand.
<lb n="0009.17"/> Sie beyrathete ihn.</p>
<lb n="0009.18" rend="indent"/> <p>Er setzte den Handel hierauf noch einige Jah=<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>denkt auf ei=<lb/>ne neue Re=<lb/>ligion.</note>
<lb n="0009.19"/> re fort, bis er endlich, da er sich im Besitze un=
<lb n="0009.20"/> endlicher Reichth&#x00FC;mer sahe, den allerk&#x00FC;hnsten
<lb n="0009.21"/> Entschlu&#x00DF; fa&#x00DF;te, den nur immer eine Privat=
<lb n="0009.22"/> person fassen kan. Diesen nehmlich, eine neue
<lb n="0009.23"/> Religion zu erdenken, und alle n&#x00F6;thige Maa&#x00DF;=
<lb n="0009.24"/> regeln zu ihrer Feststellung und Ausbreitung
<lb n="0009.25"/> zu nehmen.</p>
<lb n="0009.26" rend="indent"/> <p>Die ersten Gedanken zu dieser schw&#x00E4;rmeri=<note type="marginalie" place="rechts">Was ihn<lb/>auf diese Ge=<lb/><hi rend="spaced">danken</hi> ge=<lb/>bracht.</note>
<lb n="0009.27"/> schen Unternehmung, waren ihm in den letzten
<lb n="0009.28"/> Jahren seines Handels eingekommen. Die &#x00F6;f=
<lb n="0009.29"/> tern Reisen, die er nach Syrien, nach Jud&#x00E4;a
<lb n="0009.30"/> und in andre L&#x00E4;nder thun mu&#x00DF;te, hatten ihm
<pb n="0010.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-71"/>
<lb n="0010.01"/> Gelegenheit gegeben, sich von den Sitten, von
<lb n="0010.02"/> der Lehre und dem Gottesdienste der V&#x00F6;lker,
<lb n="0010.03"/> welche diese L&#x00E4;nder bewohnten, zu unterrichten.
<lb n="0010.04"/> Das Christenthum hatte vordem in aller seiner
<lb n="0010.05"/> Reinigkeit daselbst gebl&#x00FC;ht; nunmehr aber war
<lb n="0010.06"/> es durch die Ketzereyen von aller Art so ver=
<lb n="0010.07"/> stellt worden, da&#x00DF; es kaum mehr kenntlich war.
<lb n="0010.08"/> Man sahe da fast gar keine catholische Christen
<lb n="0010.09"/> mehr; die Einwohner dieser verschiedenen Ge=
<lb n="0010.10"/> genden waren entweder Arrianer, oder Nesto=
<lb n="0010.11"/> rianer, oder Manich&#x00E4;er, und jede von diesen
<lb n="0010.12"/> Secten hatte ihre Lehrer und Theologen. Ma=
<lb n="0010.13"/> homet machte sowohl mit den einen, als mit den
<lb n="0010.14"/> andern Freundschaft. Er machte sich das Ver=
<lb n="0010.15"/> gn&#x00FC;gen, sich mit ihnen oft zu unterhalten, und
<lb n="0010.16"/> bekam ihre Lehrs&#x00E4;tze und ihre Gr&#x00FC;nde, warum
<lb n="0010.17"/> sie sich von den Katholicken trennten, vollkom=
<lb n="0010.18"/> men inne. Alles dieses brachte ihn ganz un=
<lb n="0010.19"/> vermerkt auf ein neues Lehrgeb&#x00E4;ude der Reli=
<lb n="0010.20"/> gion, dem er sich ganz und gar &#x00FC;berlie&#x00DF;, nach=
<lb n="0010.21"/> dem er seinen Handel anfgegeben hatte.</p>
<lb n="0010.22" rend="indent"/> <p>Die Kenntni&#x00DF;, die er von dem Genie seiner
<lb n="0010.23"/> Nation hatte, versprach ihm bey der Ausf&#x00FC;h=
<lb n="0010.24"/> rung seines Unternehmens einen gl&#x00FC;cklichen
<lb n="0010.25"/> Fortgang. Er wu&#x00DF;te, da&#x00DF; die Araber von Na=
<lb n="0010.26"/> tur lebhaft und f&#x00FC;r alle Neuigkeiten eingenom=
<lb n="0010.27"/> men w&#x00E4;ren. Ueber dieses machte sie der hitzige
<lb n="0010.28"/> Himmelsstreich, unter welchem sie wohnten, ge=
<lb n="0010.29"/> schickt, die T&#x00E4;uschungen der Schw&#x00E4;rmerey leicht
<lb n="0010.30"/> anzunehmen. Er hatte den Beweis davon an
<lb n="0010.31"/> den verschiednen Secten vor den Augen, die sich
<pb n="0011.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-72"/>
<lb n="0011.01"/> unter diesen V&#x00F6;lkern eingeschlichen hatten, bey
<lb n="0011.02"/> welchen man eine n&#x00E4;rrische Vermischung von
<lb n="0011.03"/> Juden und Christen aller Arten wahrnahm, die
<lb n="0011.04"/> aber gleichwohl nur eine sehr geringe Zahl, in
<lb n="0011.05"/> Vergleichung mit dem Heidenthume ausmach=
<lb n="0011.06"/> ten, welches damals die herrschende Religion
<lb n="0011.07"/> zu seyn schien.</p>
<lb n="0011.08" rend="indent"/> <p>Nachdem Mahomet die vornehmsten Pun=<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>giebt Einge=<lb/>bungen vor.</note>
<lb n="0011.09"/> cte des Gottesdienstes, den er einf&#x00FC;hren wollte,
<lb n="0011.10"/> genau &#x00FC;berdacht hatte, so machte er die Probe
<lb n="0011.11"/> seiner Sendung in seiner eignen Familie; und
<lb n="0011.12"/> weil er wu&#x00DF;te, da&#x00DF; keine Religion f&#x00FC;r wahr
<lb n="0011.13"/> gehalten w&#x00FC;rde, wenn sie sich nicht auf Einge=
<lb n="0011.14"/> bungen gr&#x00FC;ndete, so fing er damit an, da&#x00DF; er
<lb n="0011.15"/> es seiner Frau &#x00FC;berredete, er habe sehr genaue
<lb n="0011.16"/> Verbindungen mit dem Himmel.</p>
<lb n="0011.17" rend="indent"/> <p>Sie desto leichter davon zu &#x00FC;berzeugen,
<lb n="0011.18"/> machte er sich auf eine geschickte Weise einen
<lb n="0011.19"/> Zufall, dem er unterworffen war, zu Nutze.
<lb n="0011.20"/> Dieser Zufall war die Epilepsie. Er suchte seine
<lb n="0011.21"/> Frau gleich anfangs deswegen einzunehmen,
<lb n="0011.22"/> indem er ihr sagte, sie solle sich nicht von den
<lb n="0011.23"/> Verzuckungen, in welchen er sich bef&#x00E4;nde, irre
<lb n="0011.24"/> machen lassen; es w&#x00E4;re nichts weniger als eine
<lb n="0011.25"/> Krankheit, es sey vielmehr eine von den aus=
<lb n="0011.26"/> nehmendsten Gunstbezeugungen des Himmels;
<lb n="0011.27"/> es sey die Wirkung der Gegenwart des Engels
<lb n="0011.28"/> Gabriel und der Eingebungen, deren ihn der
<lb n="0011.29"/> Allm&#x00E4;chtigste durch diesen Engel, w&#x00FC;rdigte.
<lb n="0011.30"/> Mahomet theilte es allezeit seiner Frau mit,
<pb n="0012.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-73"/>
<lb n="0012.01"/> was er in diesen vorgegebnen Offenbarungen
<lb n="0012.02"/> wollte gelernt haben, und erkl&#x00E4;rte ihr beyl&#x00E4;uf=
<lb n="0012.03"/> fig die vornehmsten Lehrs&#x00E4;tze seiner neuen Reli=
<lb n="0012.04"/> gion, nach welcher, wie er sagte, GOtt nun=
<lb n="0012.05"/> mehr unter den Menschen verehrt und bedient
<lb n="0012.06"/> seyn wollte.</p>
<lb n="0012.07"/> <note type="marginalie" place="links">Erster Fort=<lb/>gang der Leh=<lb/>re des Ma=<lb/>homets.</note><p rend="indent">Cadhige, welche entweder betrogen war, oder
<lb n="0012.08"/> sich stellte, als ob sie es w&#x00E4;re, streute &#x00FC;berall
<lb n="0012.09"/> aus, ihr Mann habe Eingebungen, und sey
<lb n="0012.10"/> ein Prophet. Eine so besondre Neuigkeit fand
<lb n="0012.11"/> anfangs nur in seinem Hause, und unter Leu=
<lb n="0012.12"/> ten von der niedrigsten Sorte, Glauben. Die=
<lb n="0012.13"/> sen machte die Freygebigkeit des Mahomets
<lb n="0012.14"/> Muth; sie wurden also gar bald die eyfrigsten
<lb n="0012.15"/> J&#x00FC;nger dieses neuen Apostels. Jhre erhitzte
<lb n="0012.16"/> Einbildungskraft, machte, da&#x00DF; sie alles glaub=
<lb n="0012.17"/> len, was sie geh&#x00F6;rt hatten; die Gemeinschaft
<lb n="0012.18"/> des Mahomets mit dem Himmel ward unter ih=
<lb n="0012.19"/> nen zur unwidersprechlichen Wahrheit, und
<lb n="0012.20"/> seine epileptischen Anf&#x00E4;lle wurden als die of=
<lb n="0012.21"/> fenbarsten Beweise seiner Eingebungen ange=
<lb n="0012.22"/> sehn. Es w&#x00E4;hrte nicht lange, so eignete man
<lb n="0012.23"/> ihm gar Wunder zu. Der unwissende P&#x00F6;bel,
<lb n="0012.24"/> welcher allezeit f&#x00FC;r das Wunderbare und Neue
<lb n="0012.25"/> eingenommen ist, nahm alles, was man ihm
<lb n="0012.26"/> ausserordentliches erzehlte, mit der gr&#x00F6;&#x00DF;ten Be=
<lb n="0012.27"/> gierde auf, und endlich wuchs die Anzahl der
<lb n="0012.28"/> Sch&#x00FC;ler des Mahomets unmerklicher Weise so
<lb n="0012.29"/> sehr, da&#x00DF; die Obrigkeit in Mecca sich mit ihrem
<lb n="0012.30"/> Ansehen darein zu legen beschlo&#x00DF;, um der
<lb n="0012.31"/> Schw&#x00E4;rmerey zu steuern.</p>
<pb n="0013.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-74"/>
<lb n="0013.01" rend="indent"/> <p>Der Rath fand, nach einer reiffen Ueberle=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Wie die</hi><lb/>Obrigkeit zu<lb/>Mecca ihren<lb/>Fortgang zu<lb/>hindern ge=<lb/>sucht.</note>
<lb n="0013.02"/> gung, kein besser Mittel, als sich des neuen
<lb n="0013.03"/> Lehrers zu versichern; ihn wegen seiner Lehre
<lb n="0013.04"/> zu befragen, und ihn, im Falle er sie gestehen
<lb n="0013.05"/> sollte, zur Wiederruffung zu zwingen, wo nicht,
<lb n="0013.06"/> ihn Zeit Lebens in Verwahrung zu behalten.</p>
<lb n="0013.07" rend="indent"/> <p>Der Entschlu&#x00DF; der Obrigkeit konnte nicht so
<lb n="0013.08"/> heimlich gehalten werden, da&#x00DF; er nicht vor den
<lb n="0013.09"/> Mahomet kommen sollte. Da unter der Anzahl
<lb n="0013.10"/> seiner Anh&#x00E4;nger, sich verschiedne Personen
<lb n="0013.11"/> von Stande befanden, die mit den vornehmsten
<lb n="0013.12"/> obrigkeitlichen Personen verbunden waren, so
<lb n="0013.13"/> kam die Berathschlagung des Magistrats aus,
<lb n="0013.14"/> und der neue Gesetzgeber kam durch eine schlei=
<lb n="0013.15"/> nige Flucht ihrer Ausf&#x00FC;hrung zuvor.</p>
<lb n="0013.16" rend="indent"/> <p>Er flohe in der Nacht aus Mecca, und ward<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>flieht.</note>
<lb n="0013.17"/> von verschiednen seiner Sch&#x00FC;ler, besonders von
<lb n="0013.18"/> dem Abubeker, welcher einer der vornehmsten
<lb n="0013.19"/> darunter war, begleitet. Als die Obrigkeit
<lb n="0013.20"/> von seiner Flucht Nachricht erhielt, lie&#x00DF; sie ihn
<lb n="0013.21"/> so gleich versolgen; Mahomet aber fand gleich=
<lb n="0013.22"/> wohl das Mittel zu entkommen, indem er nur
<lb n="0013.23"/> bey Nacht reisete und sich des Tags in den
<lb n="0013.24"/> H&#x00F6;hlen verkroch.</p>
<lb n="0013.25" rend="indent"/> <p>Die Verfolgung, welche gleichsam dazu be=<note type="marginalie" place="rechts">Er <hi rend="spaced">best&#x00E4;=<lb/>tiget</hi> seine<lb/><hi rend="spaced">J&#x00FC;nger</hi> in<lb/>seiner Lehre.</note>
<lb n="0013.26"/> stimmt ist, einen jeden Glauben zu best&#x00E4;tigen,
<lb n="0013.27"/> wachte, da&#x00DF; dieser fl&#x00FC;chtige Hauffe nunmehr
<lb n="0013.28"/> mit weit gr&#x00F6;sserm Eyfer die Schw&#x00E4;rmerey des
<lb n="0013.29"/> neuen Propheten aufnahm. Der geschickte Ge=
<lb n="0013.30"/> setzgeber, welcher sich alle Umst&#x00E4;nde zu Nutze
<pb n="0014.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-75"/>
<lb n="0014.01"/> zu machen wu&#x00DF;te, bediente sich auch dieses
<lb n="0014.02"/> Aufenthalts in den H&#x00F6;hlen, (<ref rend="footnote" n="14*"><hi rend="super">*</hi></ref>) seine J&#x00FC;nger
<lb n="0014.03"/> in seiner Lehre fester zu setzen. Da er von Na=
<lb n="0014.04"/> tur eine nachdr&#x00FC;ckliche Beredsamkeit besa&#x00DF;, so
<lb n="0014.05"/> hielt er ihnen die allernachdr&#x00FC;cklichsten Reden
<lb n="0014.06"/> &#x00FC;ber die Hindernisse, welche die List des b&#x00F6;sen
<lb n="0014.07"/> Geistes der Ausbreitung der Lehren in Weg
<lb n="0014.08"/> legte, die der Allm&#x00E4;chtige ihm durch seinen En=
<lb n="0014.09"/> gel offenbaret habe.</p>
<lb n="0014.10" rend="indent"/> <p>Das Feuer seiner Worte brachte die er=
<lb n="0014.11"/> hitzten Einbildungen vollends in Gluth, da sie
<lb n="0014.12"/> ohne dem schon durch die Stille und Dunkel=
<lb n="0014.13"/> heit der H&#x00F6;hlen, in welche sie ihr vermeinter
<lb n="0014.14"/> Religionseyfer zu fliehen n&#x00F6;thigte, in Bewe=
<lb n="0014.15"/> gung gebracht waren. Sie weyhten sich alle
<lb n="0014.16"/> seinem Willen, und schwuren einen feyerlichen
<lb n="0014.17"/> Eyd, sich g&#x00E4;nzlich f&#x00FC;r ihn und seine Lehre auf=
<lb n="0014.18"/> zuopfern.</p>
<lb n="0014.19"/> <note type="marginalie" place="links">Mahomet<lb/>begiebt sich<lb/>nach Medi=<lb/>na.</note><p rend="indent">Da Mahomet durch den Fortgang seiner
<lb n="0014.20"/> ersten Unternehmungen Muth bekommen hat=
<lb n="0014.21"/> te, so brachte er gl&#x00FC;cklich seine Reise zu Ende,
<lb n="0014.22"/> und begab sich mit seinem ganzen Gefolge
<lb n="0014.23"/> in eine Stadt des w&#x00FC;sten Arabiens, welche
<lb n="0014.24"/> <note type="footnote" n="14*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Dieser Aufenthalt in den H&#x00F6;hlen ist f&#x00FC;r die
<lb n="0014.25" rend="indent"/> Anh&#x00E4;nger des Mahomets eine unersch&#x00F6;pfliche
<lb n="0014.26" rend="indent"/> Materie geworden. Sie geben vor, er habe
<lb n="0014.27" rend="indent"/> eine Menge Wunder daselbst gethan, die
<lb n="0014.28" rend="indent"/> Wahrheit seiner Sendung zu beweisen. Ver=
<lb n="0014.29" rend="indent"/> schiedene von den erleuchtesten arabischen
<lb n="0014.30" rend="indent"/> Schriftstellern aber, melden uns, da&#x00DF; der
<lb n="0014.31" rend="indent"/> Prophet alle diese Wunder oftmals geleugnet
<lb n="0014.32" rend="indent"/> habe.</p></note>
<pb n="0015.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-76"/>
<lb n="0015.01"/> damals <hi rend="bold">Yatreb</hi> hie&#x00DF;, deren Namen man
<lb n="0015.02"/> aber hernach in <hi rend="bold">Medina al=Nabi</hi>, das ist,
<lb n="0015.03"/> <hi rend="bold">die Stadt des Propheten</hi>, verwandelte.
<lb n="0015.04"/> Man nennt sie auch schlecht weg Medina, das
<lb n="0015.05"/> ist, die <hi rend="bold">Stadt</hi>, gleich als ob sie diesen Namen
<lb n="0015.06"/> einzig und allein verdiene, weil sie dem neuen
<lb n="0015.07"/> Gesetzgeber zur Zuflucht gedient habe.</p>
<lb n="0015.08" rend="indent"/> <p>Diese Zeit ist es, nach welcher die Anh&#x00E4;nger<note type="marginalie" place="rechts">Anfang der<lb/><hi rend="spaced">Hegire.</hi></note>
<lb n="0015.09"/> des Mahomets ihre ber&#x00FC;hmte Epoche festge=
<lb n="0015.10"/> setzt haben, welche sie <hi rend="bold">Hegire</hi>, das ist, <hi rend="bold">die
<lb n="0015.11"/> Flucht</hi>, nennen. Nach diesem Zeitpuncte,
<lb n="0015.12"/> welcher in das Jahr 622. nach Christi Geburth
<lb n="0015.13"/> f&#x00E4;llt, rechnen sie ihre Jahre. Man mu&#x00DF; aber
<lb n="0015.14"/> wohl merken, da&#x00DF; ihre Jahre Mondenjahre,
<lb n="0015.15"/> und daher um eilf Tage k&#x00FC;rzer als die Sonnen=
<lb n="0015.16"/> jahre sind. Diese eilf Tage machen, nach ei=
<lb n="0015.17"/> ner Zeit von 33. Jahren, ein ganzes Sonnen=
<lb n="0015.18"/> jahr aus; da&#x00DF; also das 33ste Jahr der Hegire
<lb n="0015.19"/> erst das 32ste Sonnenjahr nach der Hegire
<lb n="0015.20"/> ist.</p>
<lb n="0015.21" rend="indent"/> <p>Als Mahomet in Medina ankam, fand er
<lb n="0015.22"/> eine grosse Anzahl Proselyten, welche ihm seine
<lb n="0015.23"/> Apostel gemacht hatten. Seine Gegenwart
<lb n="0015.24"/> gab seiner Lehre, die er schon daselbst hatte ver=
<lb n="0015.25"/> k&#x00FC;ndigen lassen, einen neuen Nachdruck. Die
<lb n="0015.26"/> Heftigkeit seiner Weissagungen, und der ver=
<lb n="0015.27"/> f&#x00FC;hrerische und prophetische Ton dieses neuen
<lb n="0015.28"/> Bekehrers, zogen ihm gar bald eine so unglaub=
<lb n="0015.29"/> liche Menge Sch&#x00FC;ler zu, da&#x00DF; er sich in kur=
<lb n="0015.30"/> zen in den Stand gesetzt sahe, Trupen unter
<lb n="0015.31"/> seinem Gebothe zu haben.</p>
<pb n="0016.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-77"/>
<lb n="0016.01"/> <note type="marginalie" place="links">Mahomet<lb/><hi rend="spaced">macht sich</hi><lb/>gefa&#x00DF;t, Mec=<lb/>ca zu &#x00FC;ber=<lb/>fallen.</note><p rend="indent">Sogleich dachte er darauf die Einwohner
<lb n="0016.02"/> von Mecca zu bestraffen, weil sie seine Lehre
<lb n="0016.03"/> verachtet und ihn gezwungen h&#x00E4;tten seinen Ge=
<lb n="0016.04"/> burthsort so schimpflich zu verlassen. Er be=
<lb n="0016.05"/> deckte seine Rache mit dem Mantel der Reli=
<lb n="0016.06"/> gion; und dieses war das Mittel, sie desto grau=
<lb n="0016.07"/> samer auszu&#x00FC;ben. Er erkl&#x00E4;rte sich also gegen
<lb n="0016.08"/> seine Sch&#x00FC;ler, da&#x00DF; er von dem Himmel beson=
<lb n="0016.09"/> ders zur Bekehrung der Araber gesendet sey;
<lb n="0016.10"/> da nun diese V&#x00F6;lker gr&#x00F6;sten Theils in die Fin=
<lb n="0016.11"/> sternisse der Abg&#x00F6;tterey versenkt w&#x00E4;ren, so m&#x00FC;s=
<lb n="0016.12"/> se man sie ie eher ie lieber daraus reissen, wel=
<lb n="0016.13"/> ches nicht besser geschehen k&#x00F6;nnte, als wenn
<lb n="0016.14"/> man, die Waffen in der Hand, gegen sie los
<lb n="0016.15"/> z&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0016.16" rend="indent"/> <p>Der Vortrag des Propheten fand Beyfall,
<lb n="0016.17"/> und er sahe gar bald eine Menge Sch&#x00FC;ler bey
<lb n="0016.18"/> seiner Fahne, welche bereit waren, &#x00FC;berall,
<lb n="0016.19"/> wohin er sie senden w&#x00FC;rde, mit Feuer und
<lb n="0016.20"/> Schwerdt zu dringen.</p>
<lb n="0016.21" rend="indent"/> <p>Dieser Eifer gefiel dem Mahomet; er woll-
<lb n="0016.22"/> te ihn also nicht erkalten lassen. Er versuchte
<lb n="0016.23"/> so gleich den Muth seiner Sch&#x00FC;ler, indem er
<lb n="0016.24"/> sie wider eine Parthey aussendete, welche die
<lb n="0016.25"/> Obrigkeit in Mecca, seit seiner Flucht, noch
<lb n="0016.26"/> immer nach ihm ausschickte. Er gab ihnen ei=
<lb n="0016.27"/> nen von seinen Vettern, Namens Hamza,
<lb n="0016.28"/> zum Anf&#x00FC;hrer, welcher ihm, wegen des Ey=
<lb n="0016.29"/> fers, den er f&#x00FC;r seine Lehre bezeigt hatte, seines
<lb n="0016.30"/> Vertrauens am w&#x00FC;rdigsten zu seyn schien.
<pb n="0017.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-78"/>
<lb n="0017.01"/> Hamza verband &#x00FC;brigens mit dem allerblinde=
<lb n="0017.02"/> sten Eyfer, den entschlossensten Muth, der ihn
<lb n="0017.03"/> ungemein geschickt machte einen Trup Schw&#x00E4;r=
<lb n="0017.04"/> mer anzuf&#x00FC;hren. Auf ihn also richtete Maho=
<lb n="0017.05"/> mer seine Augen, ihn an die Spitze seiner An=
<lb n="0017.06"/> h&#x00E4;nger zu stellen; er &#x00FC;bergab ihm in ihrer Ge=
<lb n="0017.07"/> genwart die Religionsfahne, und nachdem er
<lb n="0017.08"/> ihnen befohlen hatte, den Befehlen, welche ih=
<lb n="0017.09"/> nen Hamza an seiner Statt ertheilen w&#x00FC;rde,
<lb n="0017.10"/> auf das allergenaueste nachzukommen, so lie&#x00DF;
<lb n="0017.11"/> er sie gegen den Feind anr&#x00FC;cken.</p>
<lb n="0017.12" rend="indent"/> <p>Dieser Zug schlug nicht gl&#x00FC;cklich aus; die<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Die von<lb/>Mecca</hi> be=<lb/>halten <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Oberhand.</note>
<lb n="0017.13"/> von Mecca behielten die Oberhand, und schlu=
<lb n="0017.14"/> gen die Anh&#x00E4;nger des Mahomets so, da&#x00DF; sie
<lb n="0017.15"/> sich kaum in der gr&#x00F6;&#x00DF;ten Unordnung nach Me=
<lb n="0017.16"/> dina zur&#x00FC;ck ziehen konnten.</p>
<lb n="0017.17" rend="indent"/> <p>Doch dieser widrige Zufall schlug sie nicht
<lb n="0017.18"/> nieder; er ermunterte sie vielmehr, ein ander=
<lb n="0017.19"/> mal ihre Maa&#x00DF;regeln besser zu nehmen. Man
<lb n="0017.20"/> legte sich auf die Kriegszucht, man gab ihnen
<lb n="0017.21"/> bequemere Waffen, und als man sie gnugsam
<lb n="0017.22"/> im Stande zu seyn glaubte, so f&#x00FC;hrte man sie
<lb n="0017.23"/> zum andernmale aus.</p>
<lb n="0017.24" rend="indent"/> <p>Dieser Zug fiel so gl&#x00FC;cklich aus, als es Ma=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Die Ma=<lb/>hometaner<lb/>pl&#x00FC;ndern</hi><lb/>eine Kara=<lb/>vane.</note>
<lb n="0017.25"/> homet nur immer hoffen konnte. Seine Leu=
<lb n="0017.26"/> te traffen eine Karavane von Coreischiten an,
<lb n="0017.27"/> auf welche sie mit Wuth fielen; sie schlugen die
<lb n="0017.28"/> Bedeckung g&#x00E4;nzlich, und brachten eine reiche
<lb n="0017.29"/> Beute an G&#x00FC;tern und Gefangenen davon. Die
<lb n="0017.30"/> Beute wurde unter die Sieger getheilt. Was
<pb n="0018.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-79"/>
<lb n="0018.01"/> die Gefangenen anbelangt, so zwang man sie,
<lb n="0018.02"/> die Lehre des Mahomets anzunehmen, und die,
<lb n="0018.03"/> die sich dessen weigerten, wurden auf der Stel=
<lb n="0018.04"/> le niedergemacht. Dieser Sieg kostete den Ma=
<lb n="0018.05"/> hometanern nicht mehr als vierzehn Soldaten.
<lb n="0018.06"/> Der Prophet selbst, damit er seinen J&#x00FC;ngern
<lb n="0018.07"/> Muth machen m&#x00F6;chte, ertheilte denen, die bey
<lb n="0018.08"/> dieser Gelegenheit geblieben waren, die gr&#x00F6;&#x00DF;ten
<lb n="0018.09"/> Lobspr&#x00FC;che, und sie wurden auf die feyerlichste
<lb n="0018.10"/> Art f&#x00FC;r M&#x00E4;rtyrer des Glaubens erkl&#x00E4;rt. Arti=
<lb n="0018.11"/> ge M&#x00E4;rtyrer, Leute, die ihre Sendung durch
<lb n="0018.12"/> Stehlen und Rauben ank&#x00FC;ndigten, und ihre Leh=
<lb n="0018.13"/> ren mit dem Schwerdte in der Hand predigten!
<lb n="0018.14"/> Wie unterschieden sind sie von den M&#x00E4;rtyrern
<lb n="0018.15"/> in den ersten sch&#x00F6;nen Tagen der Kirche, welche
<lb n="0018.16"/> keine andere Waffen, als Predigt, Beyspiel und
<lb n="0018.17"/> Ermahnung hatten!</p>
<lb n="0018.18" rend="indent"/> <p>Der Vortheil, welchen die Anh&#x00E4;nger des Ma=
<lb n="0018.19"/> homets davon trugen, vermehrte seine Parthey
<lb n="0018.20"/> um ein grosses. Die Begierde, Beute zu ma=
<lb n="0018.21"/> chen, zog eine unz&#x00E4;hlige Menge R&#x00E4;uber herbey,
<lb n="0018.22"/> welche ihn so f&#x00FC;rchterlich machten, da&#x00DF; sich kei=
<lb n="0018.23"/> ne Karavane mehr auf den Weg wagte. Auch
<lb n="0018.24"/> die Obrigkeit von Mecca h&#x00F6;rte nunmehr auf
<lb n="0018.25"/> Trupen wider ihn auszuschicken.</p>
<lb n="0018.26" rend="indent"/> <p>Der Prophet h&#x00E4;tte nunmehr die Fr&#x00FC;chte sei=
<lb n="0018.27"/> nes Sieges ruhig geniessen k&#x00F6;nnen; weil er aber
<lb n="0018.28"/> wohl wuste, da&#x00DF; er diese Ruhe nur der Ohn=
<lb n="0018.29"/> macht seiner Feinde zu danken habe, so beschlo&#x00DF;
<lb n="0018.30"/> er, sich ihre Schw&#x00E4;che zu Nutze zu machen, und
<lb n="0018.31"/> sie unter seine Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit zu bringen.</p>
<pb n="0019.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-80"/>
<lb n="0019.01" rend="indent"/> <p>So bald er sich stark genug sahe, stellte er<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>erobert Mec=<lb/>ca, und f&#x00FC;h=<lb/>ret seine Re=<lb/><hi rend="spaced">ligion</hi> da=<lb/>selbst ein.</note>
<lb n="0019.02"/> sich selbst an die Spitze seiner Trupen, und zog
<lb n="0019.03"/> auf Mecca los, welches er belagerte. Bey die=
<lb n="0019.04"/> sem Zuge gieng ihm alles wohl von statten.
<lb n="0019.05"/> Die Stadt ward mit Gewalt eingenommen,
<lb n="0019.06"/> und die best&#x00FC;rzten Einwohner wurden gar bald
<lb n="0019.07"/> gezwungen, alles anzunehmen, was dem Ma=
<lb n="0019.08"/> homet, ihnen aufzulegen, gefallen w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0019.09" rend="indent"/> <p>Mahomet befahl die &#x00F6;ffentliche Aus&#x00FC;bung
<lb n="0019.10"/> seiner Religion. Er suchte unter seinen Sch&#x00FC;=
<lb n="0019.11"/> lern diejenigen aus, welche die meiste Einsicht
<lb n="0019.12"/> und die meiste Treue besassen, und befahl ihnen
<lb n="0019.13"/> die Gebothe und Gebr&#x00E4;uche seines Gesetzes zu
<lb n="0019.14"/> predigen, und &#x00FC;ber deren Aus&#x00FC;bung ein wach=
<lb n="0019.15"/> sam Auge zu haben.</p>
<lb n="0019.16" rend="indent"/> <p>Die Eroberung der Stadt Mecca h&#x00E4;tte die
<lb n="0019.17"/> Eitelkeit des Mahomets genugsam s&#x00E4;ttigen, und
<lb n="0019.18"/> ihn wegen des ihm angethanen Schimpfs, da
<lb n="0019.19"/> sie ihm die Flucht zu ergreiffen zwangen, v&#x00F6;llig
<lb n="0019.20"/> r&#x00E4;chen k&#x00F6;nnen; allein sein Ehrgeitz ging mit sei=
<lb n="0019.21"/> nen Absichten viel weiter. Als Herr von zwey
<lb n="0019.22"/> betr&#x00E4;chtlichen Pl&#x00E4;tzen, wo alles seinen Gesetzen
<lb n="0019.23"/> und seiner Lehre unterworffen war, glaubte er
<lb n="0019.24"/> nur den ersten Schritt in seinem Vorhaben ge=
<lb n="0019.25"/> than zu haben, wenn er das &#x00FC;brige Arabien
<lb n="0019.26"/> nicht auch unter sein Joch bringen k&#x00F6;nnte. Er
<lb n="0019.27"/> durchstreifte also ihr ganzes Reich mit den Waf=
<lb n="0019.28"/> fen in der Hand, und als er in der Ebene bey
<lb n="0019.29"/> Beder auf einen Theil ihrer Trupen stie&#x00DF;, so
<lb n="0019.30"/> both er ihm das Treffen an, und trug einen voll=
<lb n="0019.31"/> kommnen Sieg davon.</p>
<pb n="0020.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-81"/>
<lb n="0020.01" rend="indent"/> <p>Dieser neue Vortheil machte ihn noch k&#x00FC;h=
<lb n="0020.02"/> ner; er kehrte seine Waffen gegen die arabischen
<lb n="0020.03"/> Juden, und beschlo&#x00DF; sie g&#x00E4;nzlich auszurotten;
<lb n="0020.04"/> allein er ward in dem Lauffe seiner Siege durch
<lb n="0020.05"/> den ansehnlichen Verlust, den er in der
<lb n="0020.06"/> Schlacht bey Ohod litt, aufgehalten.</p>
<lb n="0020.07"/> <note type="marginalie" place="links">Mahomet<lb/>verliert <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Schlacht an<lb/>dem Gebir=<lb/>ge Ohod.</note><p rend="indent">Abu=Sofian, sein ganz besondrer Feind, stellte
<lb n="0020.08"/> sich an die Spitze der Coreischiten, r&#x00FC;ckte gegen
<lb n="0020.09"/> Medina an, und bem&#x00E4;chtigte sich des Gebir=
<lb n="0020.10"/> ges Ohod, welches kaum vier Meilen davon
<lb n="0020.11"/> entfernet ist. Mahomet, den seine vorigen
<lb n="0020.12"/> Siege k&#x00FC;hn machten, zog sogleich wider ihn
<lb n="0020.13"/> aus, um ihn von diesem Posten zu vertreiben.
<lb n="0020.14"/> Anfangs erhielt er einigen Vortheil; weil er aber
<lb n="0020.15"/> das Ungl&#x00FC;ck hatte, in dem Treffen verwundet
<lb n="0020.16"/> zu werden, so ward er gen&#x00F6;thiget sich zur&#x00FC;ck zu
<lb n="0020.17"/> machen. Da seine Leute sahen, da&#x00DF; er nicht
<lb n="0020.18"/> mehr an ihrer Spitze war, verloren sie den
<lb n="0020.19"/> Muth, und liessen den Feind in sich eindringen,
<lb n="0020.20"/> welcher sie auf eine entsetzliche Art niedermetzel=
<lb n="0020.21"/> te. Unterdessen entkamen dem Sieger doch
<lb n="0020.22"/> noch sehr viele, die nach Medina flohen, ohne
<lb n="0020.23"/> verfolgt zu werden. Die Coreischiten, anstatt
<lb n="0020.24"/> sich den Sieg zu Nutze zu machen, liessen die
<lb n="0020.25"/> Fl&#x00FC;chtigen entkommen, und besch&#x00E4;ftigten sich
<lb n="0020.26"/> mit einer eben so unn&#x00FC;tzen als viehischen Rache
<lb n="0020.27"/> an den K&#x00F6;rpern der in der Schlacht gebliebenen
<lb n="0020.28"/> Mahometaner.</p>
<lb n="0020.29"/> <note type="marginalie" place="links">Grausam=<lb/>keit der ara=<lb/>bischen Wei=<lb/>ber.</note><p rend="indent">Die Weiber selbst thaten sich bey dieser Ge=
<lb n="0020.30"/> legenheit durch die ihrem Geschlechte schimpflich=
<pb n="0021.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-82"/>
<lb n="0021.01"/> sten Ausschweiffungen hervor. Hendah, des
<lb n="0021.02"/> Abu = Sofian Frau, nebst ihrem gantzen Gefol=
<lb n="0021.03"/> ge, (<ref rend="footnote" n="21*"><hi rend="super">*</hi></ref>) waren die ersten, die das Beyspiel einer
<lb n="0021.04"/> recht blinden Wuth gaben. Man versichert,
<lb n="0021.05"/> da&#x00DF; unter andern Hendah, als sie den K&#x00F6;rper
<lb n="0021.06"/> des Hamza auf dem Schlachtfelde gefunden, ihn
<lb n="0021.07"/> mit eignen H&#x00E4;nden den Leib aufgerissen, und die
<lb n="0021.08"/> Leber daraus mit den Z&#x00E4;hnen zerfleischt habe.</p>
<lb n="0021.09" rend="indent"/> <p>Ein so blutiger Verlust, war f&#x00FC;r den Pro=
<lb n="0021.10"/> pheten ein grausamer Zufall: Weit schmertzli=
<lb n="0021.11"/> cher aber fielen ihm die Vorw&#x00FC;rffe derjenigen,
<lb n="0021.12"/> die ihre Aeltern oder Freunde in dem Treffen
<lb n="0021.13"/> eingeb&#x00FC;&#x00DF;t hatten. Dieses Murren, welches
<lb n="0021.14"/> allezeit gef&#x00E4;hrlich ist, besonders einer erst an=
<lb n="0021.15"/> wachsenden Gewalt, machte ihn eine zeitlang
<lb n="0021.16"/> weit unruhiger, als ihn selbst die Folgen seines
<lb n="0021.17"/> Verlusts machten: Jedoch seine Einbildungs=
<lb n="0021.18"/> kraft, die immer an Ausfl&#x00FC;chten fruchtbar war,
<lb n="0021.19"/> gab ihm gar bald Mittel an die Hand, die Kla=
<lb n="0021.20"/> gen der aufgebrachten Menge zu stillen.</p>
<lb n="0021.21" rend="indent"/> <p>Er legte ihnen die Lehre vor Augen, die er<note type="marginalie" place="rechts">Lehre <hi rend="spaced">des<lb/>Mahomets</hi><lb/>wegen <hi rend="spaced">der<lb/>Vorherbe=</hi><lb/>stimmung.</note>
<lb n="0021.22"/> ihnen so oftmals wegen des unver&#x00E4;nderlichen
<lb n="0021.23"/> Geschicks, welches einen von seinen vornehm=
<lb n="0021.24"/> sten Glaubensartickeln ausmachte, gegeben hat=
<lb n="0021.25"/> te; und schlo&#x00DF; endlich daraus, da&#x00DF; diejenigen,
<lb n="0021.26"/> welche in der Schlacht geblieben w&#x00E4;ren, ihr Le=
<lb n="0021.27"/> ben auf diejenige Art beschlossen h&#x00E4;tten, welche
<lb n="0021.28"/> <note type="footnote" n="21*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Die arabischen Weiber folgten ihren M&#x00E4;n=
<lb n="0021.29" rend="indent"/> nern in den Krieg, und schlugen an der Spitze
<lb n="0021.30" rend="indent"/> ihrer St&#x00E4;mme die Trommeln.</p></note>
<pb n="0022.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-83"/>
<lb n="0022.01"/> von den ewigen Rathschl&#x00FC;ssen ihnen von Ewig=
<lb n="0022.02"/> keit her w&#x00E4;re bestimmt gewesen. <hi rend="bold">Das Ende
<lb n="0022.03"/> unsere Tage</hi>, f&#x00FC;gte er hinzu, <hi rend="bold">ist gesetzt; wir
<lb n="0022.04"/> kommen durch Kranckheiten, in der
<lb n="0022.05"/> Schlacht, und durch andre ungl&#x00FC;ckliche
<lb n="0022.06"/> Zuf&#x00E4;lle um, welche das menschliche Le=
<lb n="0022.07"/> ben durchkreutzen; unser Tod wird uns
<lb n="0022.08"/> alle Augenblicke gedroht, und niemand
<lb n="0022.09"/> kan seine Tage &#x00FC;ber das ihm bestimmte
<lb n="0022.10"/> Ziel hinaus verl&#x00E4;ngern. Der Wille des
<lb n="0022.11"/> Himmels wird in Ansehung dieses Ziels
<lb n="0022.12"/> erf&#x00FC;llt; was liegt daran, auf was f&#x00FC;r
<lb n="0022.13"/> Art, an welchem Orte, und unter wel=
<lb n="0022.14"/> chen Umst&#x00E4;nden es geschicht</hi>?</p>
<lb n="0022.15" rend="indent"/> <p>Der Ton und das Aeusserliche des Mahomets,
<lb n="0022.16"/> welche noch weit mehr als seine Worte sagten,
<lb n="0022.17"/> brachten bey den Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten alle Wirkung
<lb n="0022.18"/> hervor, die er sich nur davon versprechen konn=
<lb n="0022.19"/> te. Weit gefehlt, da&#x00DF; sie l&#x00E4;nger die in der
<lb n="0022.20"/> Schlacht gebliebnen h&#x00E4;tten beweinen sollen; sie
<lb n="0022.21"/> betrachteten sie vielmehr als die wahren M&#x00E4;r=
<lb n="0022.22"/> tyrer des Glaubens, und schienen nunmehr
<lb n="0022.23"/> weit geneigter als jemals, der Lehre ihres Pro=
<lb n="0022.24"/> pheten alles aufzuopfern.</p>
<lb n="0022.25"/> <note type="marginalie" place="links">Mahomet<lb/>vertilgt ver=<lb/><hi rend="spaced">schiedne</hi><lb/>St&#x00E4;mme, die<lb/>sich <hi rend="spaced">wider</hi><lb/>ihn verbun=<lb/>den hatten.</note><p rend="indent">Sie beweisen es auch in der That, auf eine
<lb n="0022.26"/> ausnehmende Art, bey verschiednen Gelegen=
<lb n="0022.27"/> heiten, als Mahomet von einigen St&#x00E4;mmen,
<lb n="0022.28"/> die sich wider ihn verbunden hatten, angefallen
<lb n="0022.29"/> wurde. Sie wurden in unterschiednen Schlach=
<lb n="0022.30"/> ten g&#x00E4;nzlich geschlagen, und damit man allen
<pb n="0023.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-84"/>
<lb n="0023.01"/> Bewegungen, die sie etwa noch hernach h&#x00E4;tten
<lb n="0023.02"/> machen m&#x00F6;gen, zuvor kommen m&#x00F6;chte, so rot=
<lb n="0023.03"/> tete man sie beynahe ganz und gar aus, das
<lb n="0023.04"/> ist, man machte alle Mannspersonen davon
<lb n="0023.05"/> nieder; die Weiber und Kinder stie&#x00DF; man in
<lb n="0023.06"/> die Knechtschaft.</p>
<lb n="0023.07" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend der Zeit, da Mahomet die Araber, sei=<note type="marginalie" place="rechts">Seine V&#x00F6;l=<lb/>ker nehmen<lb/>Madian ein.</note>
<lb n="0023.08"/> ne Landsleute, unter seine Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit brach=
<lb n="0023.09"/> te, hatte er Feldherren, welche in entfernten
<lb n="0023.10"/> L&#x00E4;ndern Eroberungen in seinem Namen mach=
<lb n="0023.11"/> ten: und auf diese Art bem&#x00E4;chtigte er sich der
<lb n="0023.12"/> Stadt Madian, und verschiedener anderer Pl&#x00E4;=
<lb n="0023.13"/> tze, welche an den syrischen Grenzen lagen.</p>
<lb n="0023.14" rend="indent"/> <p>Der schleinige Fortgang seiner Waffen setzte<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>macht einen<lb/><hi rend="spaced">Stillstand</hi><lb/>mit den Co=<lb/>reischiten.</note>
<lb n="0023.15"/> ganz Arabien in Schrecken. Die meisten St&#x00E4;m=
<lb n="0023.16"/> me kamen, ihm zu huldigen, ausgenommen die
<lb n="0023.17"/> Coreischiten, welche noch immer Schwierigkei=
<lb n="0023.18"/> ten machten, sich ihm zu unterwerffen. End=
<lb n="0023.19"/> lich aber beschlossen sie doch die Waffen nieder=
<lb n="0023.20"/> zulegen, und einen Stillestand mit ihm einzuge=
<lb n="0023.21"/> hen. Mahomet willigte darein, und er ward
<lb n="0023.22"/> auf zehn Jahr geschlossen. Man wird sich ohne
<lb n="0023.23"/> Zweifel wundern, da&#x00DF; er, da er mitten in sei=
<lb n="0023.24"/> nen Siegen war, und alle erforderliche Kr&#x00E4;fte
<lb n="0023.25"/> hatte, nicht das &#x00E4;usserste wagte, die einzige Par=
<lb n="0023.26"/> they unter sich zu bringen, die sich seinem Ge=
<lb n="0023.27"/> setze zu unterwerffen weigerte; es ist aber sehr
<lb n="0023.28"/> wahrscheinlich, da&#x00DF; er lieber Zeit und Gelegen=
<lb n="0023.29"/> heit hat abwarten wollen. Da er &#x00FC;brigens
<lb n="0023.30"/> selbst aus diesem Stamme war, so wollte er viel=
<pb n="0024.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-85"/>
<lb n="0024.01"/> leicht mit Flei&#x00DF; s&#x00E4;uberlich mit ihm verfahren,
<lb n="0024.02"/> weil er auf diese Art eher zu seinem Zwecke zu
<lb n="0024.03"/> kommen glaubte, als wenn er alles durch die
<lb n="0024.04"/> Waffen zwingen m&#x00FC;ste.</p>
<lb n="0024.05"/> <note type="marginalie" place="links">Er legt die<lb/><hi rend="spaced">Wallfahrt</hi><lb/>nach Mecca<lb/>an.</note><p rend="indent">Er machte sich &#x00FC;brigens diesen Stillestand
<lb n="0024.06"/> zur Ausf&#x00FC;hrung eines Vorhabens zu Nutze,
<lb n="0024.07"/> mit welchem er schon l&#x00E4;ngst umgegangen war,
<lb n="0024.08"/> nehmlich eine Wallfahrt nach dem ber&#x00FC;hmten
<lb n="0024.09"/> Tempel in Mecca, <hi rend="bold">Caabah</hi>, anzulegen. Er
<lb n="0024.10"/> lie&#x00DF; derohalben an allen Orten seiner Bothm&#x00E4;s=
<lb n="0024.11"/> sigkeit bekandt machen, da&#x00DF; diejenigen, die seine
<lb n="0024.12"/> Lehre angenommen h&#x00E4;tten, nach Mecca reisen
<lb n="0024.13"/> k&#x00F6;nnten, ihre Andacht daselbst zu halten. Er
<lb n="0024.14"/> setzte die Zeit feste, die zu dieser Reise am be=
<lb n="0024.15"/> quemsten sey, und schrieb die Gebr&#x00E4;uche vor,
<lb n="0024.16"/> die man dabey beobachten solle. Damit er a=
<lb n="0024.17"/> ber den Coreischiten, mit welchen er einen Stil=
<lb n="0024.18"/> lestand geschlossen hatte, keinen Verdacht geben
<lb n="0024.19"/> m&#x00F6;chte, so befahl er, da&#x00DF; diejenigen, welche
<lb n="0024.20"/> nach der Caabah wallfahrten w&#x00FC;rden, ohne
<lb n="0024.21"/> Waffen kommen, und sich zu Mecca nicht l&#x00E4;n=
<lb n="0024.22"/> ger als drey Tage aufhalten sollten.</p>
<lb n="0024.23" rend="indent"/> <p>So bald der Ruf ausgebreitet war, da&#x00DF; sich
<lb n="0024.24"/> Mahomet mit seinen grausamsten Feinden ver=
<lb n="0024.25"/> tragen habe, so sahe man eine grosse Anzahl sei=
<lb n="0024.26"/> ner Sch&#x00FC;ler anlangen, die w&#x00E4;hrend der Verfol=
<lb n="0024.27"/> gung, die sich wider den Propheten erhoben hat=
<lb n="0024.28"/> te, nach Aethiopien geflohen waren.</p>
<lb n="0024.29" rend="indent"/> <p>Dieser Vertrag geschahe in dem siebenden
<lb n="0024.30"/> Jahre der Hegire, das ist, wie ich schon gesagt
<pb n="0025.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-86"/>
<lb n="0025.01"/> habe, sieben Jahr hernach, als Mahomet aus
<lb n="0025.02"/> Mecca nach Medina fl&#x00FC;chten muste.</p>
<lb n="0025.03" rend="indent"/> <p>Als der Prophet nicht mehr mit den Arabern,<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>unterwirft<lb/>sich die Ju=<lb/>den.</note>
<lb n="0025.04"/> seinen Landsleuten, kriegte, so ergriff er wieder
<lb n="0025.05"/> die Waffen gegen die Juden, und verfolgte sie
<lb n="0025.06"/> mit grosser Heftigkeit. Er nahm verschiedene
<lb n="0025.07"/> ihrer Pl&#x00E4;tze weg, und unter andern Kaibar,
<lb n="0025.08"/> welcher einer von den festesten war. Hier war
<lb n="0025.09"/> es, wo er bey einer von seinen sch&#x00F6;nsten Ero=
<lb n="0025.10"/> berungen beynahe das Leben eingeb&#x00FC;&#x00DF;t h&#x00E4;tte.
<lb n="0025.11"/> Er hatte seine Wohnung in dem Hause eines<note type="marginalie" place="rechts">Er <hi rend="spaced">wird</hi><lb/>vergiftet.</note>
<lb n="0025.12"/> der Vornehmsten der Stadt, Namens Hareth,
<lb n="0025.13"/> genommen: Bey der Mahlzeit, die man ihm
<lb n="0025.14"/> auftrug, war eine vergiftete Sch&#x00F6;pskeule, von
<lb n="0025.15"/> welcher der Prophet a&#x00DF;, und sich sehr &#x00FC;bel dar=
<lb n="0025.16"/> nach befand. Unterdessen brachte man ihn
<lb n="0025.17"/> doch wieder zurechte; ob man schon den Ein=
<lb n="0025.18"/> druck nicht g&#x00E4;nzlich vertilgen konnte, welchen
<lb n="0025.19"/> das Gift in ihm gemacht hatte, und wovon er
<lb n="0025.20"/> die ganzen drey Jahr durch, welche er noch
<lb n="0025.21"/> lebte, die Empfindung behielt.</p>
<lb n="0025.22" rend="indent"/> <p>Nach seinem Tode erfuhr man, von wem
<lb n="0025.23"/> dieses Gift gekommen war. Zainab, die Toch=
<lb n="0025.24"/> ter des Hareth, bey welchem Mahomet wohn=
<lb n="0025.25"/> te, gestand es, sie habe die Sch&#x00F6;pskeule vergif=
<lb n="0025.26"/> tet, in der Gesinnung, da&#x00DF;, wenn Mahomet
<lb n="0025.27"/> wircklich ein Prophete sey, so w&#x00FC;rde es ihm
<lb n="0025.28"/> nichts schaden, w&#x00E4;re er es aber nicht, so w&#x00FC;r=
<lb n="0025.29"/> de er unfehlbar daran sterben, und sie w&#x00FC;rde
<lb n="0025.30"/> ihr Vaterland von einem Tyrannen befreyt ha=
<lb n="0025.31"/> ben, der es verw&#x00FC;stete.</p>
<pb n="0026.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-87"/>
<lb n="0026.01"/> <note type="marginalie" place="links">Anfang des<lb/>Krieges zwi=<lb/><hi rend="spaced">schen den<lb/>Mahome=</hi><lb/>tanern <hi rend="spaced">und</hi><lb/>Griechen.</note><p rend="indent">Die Unp&#x00E4;&#x00DF;lichkeit, welche Mahomet, unge=
<lb n="0026.02"/> achtet der Mittel, die man wider das Gift ge=
<lb n="0026.03"/> braucht hatte, behielt, hinderte ihn nicht, die
<lb n="0026.04"/> Waffen wieder zu ergreiffen, und seine blutige
<lb n="0026.05"/> Sendung gl&#x00FC;cklich fortzusetzen. Er zog wider
<lb n="0026.06"/> die Griechen aus, und z&#x00FC;ndete die ersten Fun=
<lb n="0026.07"/> ken des schrecklichen Krieges an, welchen seine
<lb n="0026.08"/> Anh&#x00E4;nger mit so vielem Feuer, sieben bis acht
<lb n="0026.09"/> Jahrhunderte hindurch, fortgesetzt haben.</p>
<lb n="0026.10" rend="indent"/> <p>Die Meinungen wegen der Ursache dieses
<lb n="0026.11"/> Kriegs, sind getheilt. Einige behaupten, Ma=
<lb n="0026.12"/> homet habe ihn blo&#x00DF; unternommen, sich an dem
<lb n="0026.13"/> K&#x00E4;yser Heraclius, wegen der Untereue eines sei=
<lb n="0026.14"/> ner Stadthalter, welcher einen mahometani=
<lb n="0026.15"/> schen Abgesanden hatte umbringen lassen, zu
<lb n="0026.16"/> r&#x00E4;chen.</p>
<lb n="0026.17" rend="indent"/> <p>Andre sagen, da&#x00DF; Heraclius in dem Kriege,
<lb n="0026.18"/> welchen er gegen die Perser f&#x00FC;hrte, viel Araber
<lb n="0026.19"/> in seinen Diensten gehabt habe. Diese moch=
<lb n="0026.20"/> ten vielleicht dem Kriegsschatzmeister, des Gel=
<lb n="0026.21"/> des wegen, sehr grob begegnet seyn, so da&#x00DF; ih=
<lb n="0026.22"/> nen dieser antwortete, es sey keines da, und
<lb n="0026.23"/> wann welches da w&#x00E4;re, so w&#x00FC;rde er es lieber
<lb n="0026.24"/> den Christen, als den <hi rend="bold">arabischen Hunden</hi> ge=
<lb n="0026.25"/> ben. Kaum hatte Mahomet diese Antwort er=
<lb n="0026.26"/> fahren, als er sich deswegen zu r&#x00E4;chen, und mit
<lb n="0026.27"/> seinen Waffen bis in den Schoo&#x00DF; des griechi=
<lb n="0026.28"/> schen Reichs zu dringen, beschlo&#x00DF;.</p>
<lb n="0026.29" rend="indent"/> <p>Die Ursache dieses Krieges mag nun seyn,
<pb n="0027.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-88"/>
<lb n="0027.01"/> welche es will, so ist doch gewi&#x00DF;, da&#x00DF; er mit aller
<lb n="0027.02"/> Wuth angefangen wurde, deren nur die Ra=
<lb n="0027.03"/> che und Schw&#x00E4;rmerey f&#x00E4;hig sind. Mahomet
<lb n="0027.04"/> war bey diesem Feldzuge nicht pers&#x00F6;nlich zuge=
<lb n="0027.05"/> gen, sondern vertrauete die Anf&#x00FC;hrung seiner
<lb n="0027.06"/> V&#x00F6;lker einem Generale, dessen unerschrockene
<lb n="0027.07"/> Tapferkeit bekannt war.</p>
<lb n="0027.08" rend="indent"/> <p>Er hie&#x00DF; Khaled = ebn = Walid, (<ref rend="footnote" n="27*"><hi rend="super">*</hi></ref>) und war<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>wird Gene=<lb/>ral der ma=<lb/><hi rend="spaced">hometani=</hi><lb/>schen Armee.</note>
<lb n="0027.09"/> aus dem Stamme der Coreischiten, f&#x00FC;r wel=
<lb n="0027.10"/> chen er lange Zeit die Waffen gegen den Ma=
<lb n="0027.11"/> homet gef&#x00FC;hrt hatte. Er hatte so gar einen
<lb n="0027.12"/> Fl&#x00FC;gel ihres Heeres in der ber&#x00FC;hmten Schlacht
<lb n="0027.13"/> bey Ohod, wo die V&#x00F6;lker des Propheten in die
<lb n="0027.14"/> Flucht geschlagen wurden, commandiret. Kurz
<lb n="0027.15"/> darauf hatte er seinen Stamm verlassen, und
<lb n="0027.16"/> war ein Sch&#x00FC;ler des Mahomets geworden, des=
<lb n="0027.17"/> sen Lehren er hernach am allereyfrigsten mit ver=
<lb n="0027.18"/> theidigte. Er machte sich durch seine Tapfer=
<lb n="0027.19"/> keit und Einsicht in das Kriegswesen so f&#x00FC;rch=
<lb n="0027.20"/> terlich, da&#x00DF; ihm Mahomet den Zunamen <hi rend="bold">Sai=
<lb n="0027.21"/> stallah</hi>, das ist, <hi rend="bold">Degen Gottes</hi> beylegte.</p>
<lb n="0027.22" rend="indent"/> <p>Dieses war der General, welchen Mahomet<note type="marginalie" place="rechts">Er schl&#x00E4;gt<lb/><hi rend="spaced">die</hi> griechi=<lb/>sche Armee.</note>
<lb n="0027.23"/> wider die Griechen ausschickte. Er erschien blo&#x00DF;
<lb n="0027.24"/> an der Spitze von drey tausend Mann, und
<lb n="0027.25"/> hatte gleichwohl die K&#x00FC;hnheit mit einer Armee
<lb n="0027.26"/> zu schlagen, welche zwanzig tausend stark war.
<lb n="0027.27"/> Das Treffen fiel bey Muta in Syrien vor.
<lb n="0027.28"/> <note type="footnote" n="27*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) <hi rend="bold">Ebn</hi> bedeutet so viel als <hi rend="bold">Sohn</hi>, und folg=
<lb n="0027.29" rend="indent"/> lich <hi rend="bold">Khaled=ebn=Walid</hi> hei&#x00DF;t Khaled <hi rend="bold">ein
<lb n="0027.30" rend="indent"/> Sohn des Walid</hi>.</p></note>
<pb n="0028.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-89"/>
<lb n="0028.01"/> Beyde Theile stiessen mit einer gleichen Wuth
<lb n="0028.02"/> zusammen; die ungleiche Anzahl aber schien den
<lb n="0028.03"/> Mahometanern anfangs verderblich zu seyn. Der
<lb n="0028.04"/> gr&#x00F6;&#x00DF;te Theil der Anf&#x00FC;hrer wurde get&#x00F6;dtet, und
<lb n="0028.05"/> die Trupen, die ihren Muth sinken liessen, fin=
<lb n="0028.06"/> gen an zu weichen, als Khaled die Religions=
<lb n="0028.07"/> fahne ergriff, muthig an ihre Spitze trat und
<lb n="0028.08"/> sie durch seine Worte und sein Beyspiel auf=
<lb n="0028.09"/> munterte. Er ermahnte sie, sich mitten unter
<lb n="0028.10"/> die Griechen zu werffen, um ihnen entweder den
<lb n="0028.11"/> Sieg zn entreissen, oder die Martyrerkrone we=
<lb n="0028.12"/> nigstens zu erlangen.</p>
<lb n="0028.13" rend="indent"/> <p>Dieses entweder oder, welches f&#x00FC;r Schw&#x00E4;r=
<lb n="0028.14"/> mer gleich verf&#x00FC;hrerisch ist, machte den Maho=
<lb n="0028.15"/> metanern Muth. Der tapfere Khaled warf
<lb n="0028.16"/> sich am ersten unter die Feinde, worauf alle sei=
<lb n="0028.17"/> ne V&#x00F6;lker mit einer solchen Wuth auf die Grie=
<lb n="0028.18"/> chen lo&#x00DF; st&#x00FC;rzten, da&#x00DF; sie sogleich durchbrachen,
<lb n="0028.19"/> alles &#x00FC;ber den Hauffen warffen, und ein grau=
<lb n="0028.20"/> sames Gemetzle unter ihnen anfingen.</p>
<lb n="0028.21" rend="indent"/> <p>Khaled kehrte als Sieger zu dem Mahomet
<lb n="0028.22"/> nach Medina zur&#x00FC;ck; und da die Ehre eines so
<lb n="0028.23"/> r&#x00FC;hmlichen Feldzuges gr&#x00F6;stentheils auf den Pro=
<lb n="0028.24"/> pheten fiel, so wollte er derselben in dem Ange=
<lb n="0028.25"/> sichte seiner heimlichen Feinde, die er zu Mecca
<lb n="0028.26"/> hatte, geniessen. Er begab sich also mit einer
<lb n="0028.27"/> unz&#x00E4;hlbaren Menge Muselm&#x00E4;nner in diese
<lb n="0028.28"/> Stadt, und verrichtete mit ihnen seine erste
<lb n="0028.29"/> Wallfahrt nach der Caabah.</p>
<lb n="0028.30"/> <note type="marginalie" place="links">Erste Wall=<lb/><hi rend="spaced">fahrt</hi> des</note><p rend="indent">Hier &#x00FC;bte er die Gebr&#x00E4;uche aus, die er f&#x00FC;r
<pb n="0029.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-90"/>
<lb n="0029.01"/> diese Feyer bestimmt hatte, und die hernach<note type="marginalie" place="rechts">Mahomets<lb/>nach Mecca.</note>
<lb n="0029.02"/> von allen Mahometanern bey ihren Wallfahr=
<lb n="0029.03"/> ten sehr genau sind beobachtet worden. Er
<lb n="0029.04"/> ging in den Tempel, und k&#x00FC;&#x00DF;te daselbst den
<lb n="0029.05"/> schwarzen Stein. (<ref rend="footnote" n="29*"><hi rend="super">*</hi></ref>) Nach dieser Andachtsbe=
<lb n="0029.06"/> zeigung ging er wieder hinaus, und ging sieben=
<lb n="0029.07"/> mal um die Caabah herum. Diese Ceremonie,
<lb n="0029.08"/> welche an und f&#x00FC;r sich selbst sehr besonders ist,
<lb n="0029.09"/> ist es noch weit mehr, in Ansehung der Art,
<lb n="0029.10"/> mit welcher sie verrichtet wird. Dieses Her=
<lb n="0029.11"/> umgehen mu&#x00DF; durch S&#x00E4;tze und Spr&#x00FC;nge ge=
<lb n="0029.12"/> schehen, wovon die ersten drey ausnehmend
<lb n="0029.13"/> schnell, die &#x00FC;brigen vier aber ganz gelassen sind.
<lb n="0029.14"/> Mahomet verrichtete alle Ceremonien bey die=
<lb n="0029.15"/> ser Gelegenheit auf das genaueste, und kehrte
<lb n="0029.16"/> kurz darauf mit seinem ganzen Gefolge wieder
<lb n="0029.17"/> nach Medina zur&#x00FC;ck.</p>
<lb n="0029.18" rend="indent"/> <p>Der pr&#x00E4;chtige Aufzug des Mahomet bey sei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Die</hi> vor=<lb/>nehmsten <hi rend="spaced">Co=<lb/>reischiten</hi><lb/>nehmen die<lb/>Religion des<lb/>Mahomets<lb/>an.</note>
<lb n="0029.19"/> ner Reise nach Mecca, und die abergl&#x00E4;ubische
<lb n="0029.20"/> Sorgfalt, mit welcher er die Caabah besucht
<lb n="0029.21"/> hatte, machte bey den Einwohnern der Stadt,
<lb n="0029.22"/> und besonders bey den Coreischiten, einen so
<lb n="0029.23"/> starcken Eindruck, da&#x00DF; eine grosse Anzahl der=
<lb n="0029.24"/> <note type="footnote" n="29*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Dieser Stein lieget in einem Winkel der Caa=
<lb n="0029.25" rend="indent"/> bah, und er hei&#x00DF;t auf Arabisch Hagiar=al=
<lb n="0029.26" rend="indent"/> asuad. Es ist ohne Zweifel ein G&#x00F6;tze der al=
<lb n="0029.27" rend="indent"/> ten Araber gewesen, dessen Verehrung Maho=
<lb n="0029.28" rend="indent"/> met beyzubehalten f&#x00FC;r dienlich hielt, so wie
<lb n="0029.29" rend="indent"/> er verschiedne andre Ceremonien beybehielt,
<lb n="0029.30" rend="indent"/> die vor ihm in dem Tempel zu Mecca gebr&#x00E4;uch=
<lb n="0029.31" rend="indent"/> lich waren.</p></note>
<pb n="0030.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-91"/>
<lb n="0030.01"/> selben sich zu ihm nach Medina begaben, seine
<lb n="0030.02"/> Religion anzunehmen, und unter ihm zu strei=
<lb n="0030.03"/> ten. Was ihm bey dieser Gelegenheit am mei=
<lb n="0030.04"/> sten schmeichelte, war dieses, da&#x00DF; er unter der
<lb n="0030.05"/> Zahl seiner neuen Anh&#x00E4;nger die Vornehmsten
<lb n="0030.06"/> des Stammes sahe, der ihm am meisten zuwi=
<lb n="0030.07"/> der gewesen war. Ausser dem tapfern Kha=
<lb n="0030.08"/> led, der schon seit einiger Zeit zu ihm getreten
<lb n="0030.09"/> war, sahe er auch den Amru = ebn = al = As, ei=
<lb n="0030.10"/> nen ber&#x00FC;hmten Heerf&#x00FC;hrer, und den Othman=
<lb n="0030.11"/> ebn = Telhah, einen vornehmen Mann, welcher
<lb n="0030.12"/> damals die Aufsicht &#x00FC;ber die Caabah hatte, an=
<lb n="0030.13"/> kommen. Jch werde Gelegenheit haben, bey=
<lb n="0030.14"/> der mit mehrern zu gedencken, wenn ich die Ge=
<lb n="0030.15"/> schichte der ersten Califen beschreiben werde.</p>
<lb n="0030.16"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Verschie=</hi><lb/>dene M&#x00E4;nner<lb/>erregen einen<lb/>Aufstand und<lb/>werden ge=<lb/>schlagen.</note><p rend="indent">Das Beyspiel dieser ber&#x00FC;hmten M&#x00E4;nner,
<lb n="0030.17"/> welche alle dreye aus dem Stamme der Corei=
<lb n="0030.18"/> schiten waren, war dennoch nicht f&#x00E4;hig, die &#x00FC;=
<lb n="0030.19"/> brigen aus dem Stamme zu einem gleichen zu
<lb n="0030.20"/> bewegen, oder auch nur zu machen, da&#x00DF; sie ru=
<lb n="0030.21"/> hig geblieben w&#x00E4;ren. Sie machten eine Par=
<lb n="0030.22"/> they, und nachdem sie eine betr&#x00E4;chtliche An=
<lb n="0030.23"/> zahl ihrer Landsleute darein verwickelt hatten,
<lb n="0030.24"/> zogen sie aus Mecca aus, und kamen, dem Ma=
<lb n="0030.25"/> homet das Treffen anzubieten. Dieses Unter=
<lb n="0030.26"/> nehmen, anstatt, da&#x00DF; es so h&#x00E4;tte ausschlagen sol=
<lb n="0030.27"/> len, wie sie es hofften, ward vielmehr das un=
<lb n="0030.28"/> gl&#x00FC;ckliche Ende ihrer Freyheit.</p>
<lb n="0030.29" rend="indent"/> <p>Der Prophete ging ihnen mit zehen tausend
<lb n="0030.30"/> Mann entgegen. Der Anfall ward hefftig;
<pb n="0031.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-92"/>
<lb n="0031.01"/> endlich aber mu&#x00DF;ten die von Mecca dennoch
<lb n="0031.02"/> unterliegen, und wurden in die Flucht geschla=
<lb n="0031.03"/> gen. Mahomet, welchen ihr Aufstand aufge=
<lb n="0031.04"/> bracht, und ihre K&#x00FC;hnheit, den beschwornen
<lb n="0031.05"/> Stillstand zu brechen, in Wuth gesetzt hatte,
<lb n="0031.06"/> verfolgte die Fl&#x00FC;chtigen bis nach Mecca, und
<lb n="0031.07"/> nahm die Stadt ein.</p>
<lb n="0031.08" rend="indent"/> <p>Diesesmal verfuhr er gegen die Einwohner
<lb n="0031.09"/> nicht so gelinde, als er es bey der ersten Erobe=
<lb n="0031.10"/> rung gethan hatte. Er lie&#x00DF; alle umbringen,
<lb n="0031.11"/> von welchen er wuste, da&#x00DF; sie seine offenbaren
<lb n="0031.12"/> Feinde w&#x00E4;ren: Den &#x00FC;brigen, welche blo&#x00DF;, von
<lb n="0031.13"/> dem Strohme dahingerissen, die Waffen wider
<lb n="0031.14"/> ihn ergriffen hatten, stellte er es frey, ob sie
<lb n="0031.15"/> seine Religion, oder den Tod wehlen wollten.
<lb n="0031.16"/> Die, welche seine Religion annahmen, brach=
<lb n="0031.17"/> ten ihr Leben davon; die aber, welche sie aus=
<lb n="0031.18"/> schlugen, oder sich lange bedencken wollten, wur=
<lb n="0031.19"/> den auf der Stelle niedergemacht.</p>
<lb n="0031.20" rend="indent"/> <p>Nach diesem grausamen Siege, zog er tri=<note type="marginalie" place="rechts">Mahomet<lb/>l&#x00E4;&#x00DF;t sich zum<lb/>Herrn <hi rend="spaced">von<lb/>Mecca</hi> er=<lb/>kl&#x00E4;ren.</note>
<lb n="0031.21"/> umphirend in Mecca ein, und lie&#x00DF; sich zum un=
<lb n="0031.22"/> umschr&#x00E4;nkten Herrn, sowohl in geistlichen als
<lb n="0031.23"/> weltlichen Dingen, erkl&#x00E4;ren; es war auch keine
<lb n="0031.24"/> Seele in Mecca so k&#x00FC;hn, die sich dem Willen
<lb n="0031.25"/> des Siegers widersetzt h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0031.26" rend="indent"/> <p>Zu Anfange des folgenden Jahres aber, wel=<note type="marginalie" place="rechts">Er bringt<lb/><hi rend="spaced">die</hi> Araber<lb/>vollends un=<lb/>ter sich.</note>
<lb n="0031.27"/> ches das achte der Hegire war, machte ein
<lb n="0031.28"/> Rest von Rebellen, welche dem Schwerdte des
<lb n="0031.29"/> Propheten entkommen waren, heimlich eine
<lb n="0031.30"/> ansehnliche Parthey; und sobald sie sich stark
<pb n="0032.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-93"/>
<lb n="0032.01"/> genug sahen, machten sie sich zu Felde, und verw&#x00FC;=
<lb n="0032.02"/> steten die meisten Gegenden, die er sich unter=
<lb n="0032.03"/> w&#x00FC;rffig gemacht hatte. Mahomet ward durch
<lb n="0032.04"/> das tollk&#x00FC;hne Unternehmen dieser Aufr&#x00FC;hrer in
<lb n="0032.05"/> Wuth gebracht, und ging an der Spitze seiner
<lb n="0032.06"/> Trupen, wider sie los. Als sich die zwey Ar=
<lb n="0032.07"/> meen, bey einem Orte, welcher Honaim hie&#x00DF;,
<lb n="0032.08"/> fanden, so kam es zu einem so blutigen Treffen,
<lb n="0032.09"/> da&#x00DF; die Mahometaner, ob sie gleich an der An=
<lb n="0032.10"/> zahl weit st&#x00E4;rker waren, anfangs geschlagen und
<lb n="0032.11"/> beynahe in die Flucht getrieben wurden. Ma=
<lb n="0032.12"/> homet, der &#x00FC;ber diesen Zufall erstaunte, that
<lb n="0032.13"/> rechte Wunder der Tapferkeit, die Wuth der
<lb n="0032.14"/> Feinde aufzuhalten. W&#x00E4;hrend der Zeit, da
<lb n="0032.15"/> ein Theil seiner besten Trupen den Anfallenden
<lb n="0032.16"/> widerstand, lief er zu denen, die schon zur&#x00FC;ck=
<lb n="0032.17"/> gewichen waren, machte ihnen durch sein Zu=
<lb n="0032.18"/> reden und sein Beyspiel frischen Muth, spotte=
<lb n="0032.19"/> te &#x00FC;ber sie, f&#x00FC;hrte sie an den Feind von neuem
<lb n="0032.20"/> an, und trug endlich einen vollkommnen Sieg
<lb n="0032.21"/> davon.</p>
<lb n="0032.22" rend="indent"/> <p>Diese Schlacht war f&#x00FC;r die Araber das Ziel
<lb n="0032.23"/> ihrer Freyheit. Mahomet lie&#x00DF; sich zum unum=
<lb n="0032.24"/> schr&#x00E4;nkten Herrn &#x00FC;ber dieses ganze weite Reich
<lb n="0032.25"/> erkl&#x00E4;ren; und nachdem er &#x00FC;berall die G&#x00F6;tzen=
<lb n="0032.26"/> bilder und die &#x00FC;brigen Monumenta des Heiden=
<lb n="0032.27"/> thums hatte vernichten lassen, so f&#x00FC;hrte er seine
<lb n="0032.28"/> neue Religion ein, und machte sie zu der einzi=
<lb n="0032.29"/> gen, die man in Arabien &#x00FC;ben durfte.</p>
<lb n="0032.30"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Zweyte<lb/>Wallfahrt</hi></note><p rend="indent">Mahomet that hierauf, aus Dankbarkeit f&#x00FC;r
<pb n="0033.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-94"/>
<lb n="0033.01"/> diesen Sieg, welcher das Siegel auf seine ober=<note type="marginalie" place="rechts">des Maho=<lb/>mets</note>
<lb n="0033.02"/> ste Gewalt dr&#x00FC;ckte, eine zweyte Wallfahrt nach
<lb n="0033.03"/> Mecca, welche weit feyerlicher war, als die er=
<lb n="0033.04"/> ste. Er besuchte die Caabah, und beobachtete
<lb n="0033.05"/> alle Ceremonien mit vieler Andacht.</p>
<lb n="0033.06" rend="indent"/> <p>Er befand sich noch in dem Tempel, als ein<note type="marginalie" place="rechts">Gro&#x00DF;muth<lb/><hi rend="spaced">des</hi> Maho=<lb/>mets gegen<lb/>den Dichter<lb/>Caab.</note>
<lb n="0033.07"/> Dichter, Namens Caab, vor ihm gelassen zu
<lb n="0033.08"/> werden verlangte, um ihm ein Gedicht zu sei=
<lb n="0033.09"/> nem Lobe vorzulesen. Ob nun schon der Pro=
<lb n="0033.10"/> phet Ursach hatte auf den Dichter erz&#x00FC;rnt zu
<lb n="0033.11"/> seyn, weil er ihn vorher in einigen seiner Saty=
<lb n="0033.12"/> ren durchgezogen hatte, so glaubte er doch, da&#x00DF;
<lb n="0033.13"/> es seinem Ansehen gem&#x00E4;sser w&#x00E4;re, die Beleidi=
<lb n="0033.14"/> gung zu vergessen, f&#x00FC;r die man ihm Gnugthu=
<lb n="0033.15"/> ung zu geben kam. Er lie&#x00DF; also den Dichter
<lb n="0033.16"/> vor sich, und gab ihm Geh&#x00F6;r.</p>
<lb n="0033.17" rend="indent"/> <p>Caab fing damit an, da&#x00DF; er ihn um Ver=
<lb n="0033.18"/> zeihung seiner Verwegenheit, wider ihn geschrie=
<lb n="0033.19"/> ben zu haben, bat. Die Heiterkeit, welche auf
<lb n="0033.20"/> dem Gesichte des Propheten herrschte, versicher=
<lb n="0033.21"/> te ihn von der erhaltenen Gnade, worauf er so
<lb n="0033.22"/> gleich ein St&#x00FC;ck in so nachdr&#x00FC;cklichen und r&#x00FC;h=
<lb n="0033.23"/> renden Versen hersagte, da&#x00DF; ihm Mahomet
<lb n="0033.24"/> nicht nur alles vergab, sondern ihm auch noch
<lb n="0033.25"/> ein Geschenke machte, welches das Andenken
<lb n="0033.26"/> dieses Dichters unter den Arabern verewigt hat.
<lb n="0033.27"/> Mahomet nahm den Mantel, (<ref rend="footnote" n="33*"><hi rend="super">*</hi></ref>) welchen er
<lb n="0033.28"/> <note type="footnote" n="33*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Caab hob diesen Mantel bis an seinen Tod
<lb n="0033.29" rend="indent"/> heilig auf. Bey seinen Lebszeiten bot ihm
<lb n="0034.05" rend="indent"/> der Calife Mohawia zehn tausend Drachmen
<lb n="0034.06" rend="indent"/> daf&#x00FC;r, die er aber ausschlug. Als er starb,
<lb n="0034.07" rend="indent"/> schickte eben dieser Calif seinen Erben seinen
<lb n="0034.08" rend="indent"/> K&#x00F6;rper mit zwanzig tausend Drachmen,
<lb n="0034.09" rend="indent"/> (<hi rend="bold">Abulfeda sagt vierzig tausend</hi>) und er=
<lb n="0034.10" rend="indent"/> hielt von ihnen den Mantel. Nach der Zeit
<lb n="0034.11" rend="indent"/> haben die Califen, als Nachfolger des Pro=
<lb n="0034.12" rend="indent"/> pheten Gottes, die Gewohnheit gehabt, ihn
<lb n="0034.13" rend="indent"/> bey Umz&#x00FC;gen und andern feyerlichen Festen,
<lb n="0034.14" rend="indent"/> sie mochten nun sitzen oder reiten, anzulegen.
<lb n="0034.15" rend="indent"/> Almostasem = billah, der 36te und letzte Calif
<lb n="0034.16" rend="indent"/> aus dem Hause der Abassiden, hatte diesen
<lb n="0034.17" rend="indent"/> Mantel um, als er aus Bagdad dem Ero=
<lb n="0034.18" rend="indent"/> berer Holagu, einem tartarischen Kayser, ent=
<lb n="0034.19" rend="indent"/> gegen zog. Er f&#x00FC;hrte zugleich den Stock des
<lb n="0034.20" rend="indent"/> Propheten in der Hand; Holagu aber entri&#x00DF;
<lb n="0034.21" rend="indent"/> ihm so wohl den Stock, als den Mantel, ver=
<lb n="0034.22" rend="indent"/> brannte beydes in einer Pfanne, warf die
<lb n="0034.23" rend="indent"/> Asche davon in den Tigris, und sagte: &#x201E;<hi rend="bold">Jch
<lb n="0034.24" rend="indent"/> habe sie nicht aus Verachtung ver=
<lb n="0034.25" rend="indent"/> brannt, sondern vielmehr aus Hochach=
<lb n="0034.26" rend="indent"/> tung, um ihre Reinigkeit und Heiligkeit
<lb n="0034.27" rend="indent"/> zu erhalten, weil ich bef&#x00FC;rchte, sie m&#x00F6;ch=
<lb n="0034.28" rend="indent"/> ten von Gottlosen entheiliget werden</hi>.&#x201E;
<lb n="0034.29" rend="indent"/> S. Gagniers Leben des Mahomets Th. <hi rend="antiqua">III</hi>.
<lb n="0034.30" rend="indent"/> <hi rend="bold">s</hi>. 135. Dieser Mantel mu&#x00DF; schon ziemlich ab=
<lb n="0034.31" rend="indent"/> getragen gewesen seyn, denn als der Tartar
<lb n="0034.32" rend="indent"/> ihn verbrannte, hatte man ihn schon l&#x00E4;nger
<lb n="0034.33" rend="indent"/> als sechshundert Jahr getragen. Es geschah
<lb n="0034.34" rend="indent"/> nehmlich, nach Gagniers Rechnung, im 656
<lb n="0034.35" rend="indent"/> Jahr der Hegire.</p></note>
<pb n="0034.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-95"/>
<lb n="0034.01"/> auf seinen Schultern trug, ab, und hing ihn
<lb n="0034.02"/> selbst um die Schultern seines Panegyristen.</p>
<lb n="0034.03" rend="indent"/> <p>Er begab sich hierauf aus dem Tempel, und
<lb n="0034.04"/> nachdem er siebenmal um denselben herum ge=
<pb n="0035.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-96"/>
<lb n="0035.01"/> gangen war, und alle Pflichten seiner Religion
<lb n="0035.02"/> beobachtet hatte, so zeigte er sich auch als einen
<lb n="0035.03"/> Aus&#x00FC;ber der obersten Gewalt. Er legte Rich=
<lb n="0035.04"/> terst&#x00FC;hle an, die Gerechtigkeit zu handhaben,
<lb n="0035.05"/> und ernennte diejenigen, welche verschiedenen
<lb n="0035.06"/> Aemtern vorstehen sollten. Er erkl&#x00E4;rte zu=
<lb n="0035.07"/> gleich einen zum <hi rend="bold">Jman</hi>, das ist, zum Priester,
<lb n="0035.08"/> welcher das Volk unterrichten sollte. Alle
<lb n="0035.09"/> diese Einrichtungen machte er als ein Regente
<lb n="0035.10"/> und ruhiger Besitzer seiner Staaten: Er war
<lb n="0035.11"/> nicht mehr der f&#x00FC;rchterliche Eroberer, welcher
<lb n="0035.12"/> best&#x00E4;ndig das Schwerdt in den H&#x00E4;nden trug,
<lb n="0035.13"/> die V&#x00F6;lcker unter sein Joch zu bringen; &#x00FC;berall
<lb n="0035.14"/> sahe man nichts als die Spuren des Friedens
<lb n="0035.15"/> und der Ruhe. Die Araber, welche so tapfer
<lb n="0035.16"/> f&#x00FC;r ihre Freyheit und Religion gefochten hatten,
<lb n="0035.17"/> folgten nunmehr den Lehren des Mahomets mit
<lb n="0035.18"/> vieler Bereitwilligkeit; sie vergassen ihren alten
<lb n="0035.19"/> Gottesdienst gar bald, und fanden endlich eben
<lb n="0035.20"/> so viel Freyheit unter einem Monarchen, als
<lb n="0035.21"/> sie unter den H&#x00E4;uptern der St&#x00E4;mme gehabt
<lb n="0035.22"/> hatten, deren allzu viele waren, als da&#x00DF; sie
<lb n="0035.23"/> nicht oft traurige Streitigkeiten, die dem gemei=
<lb n="0035.24"/> nen Volke verderblich wurden, h&#x00E4;tten verursa=
<lb n="0035.25"/> chen sollen.</p>
<lb n="0035.26" rend="indent"/> <p>Die Provinzen an den Grenzen Arabiens,
<lb n="0035.27"/> folgten dem Exempel der Hauptstadt des Reichs.
<lb n="0035.28"/> Die F&#x00FC;rsten von Yemamah kamen, sich dem
<lb n="0035.29"/> Mahomet zu unterwerffen, und von ihm Ge=
<lb n="0035.30"/> setze und Religion anzunehmen. Diesen folgte
<lb n="0035.31"/> kurz darauf Mossellamah, F&#x00FC;rst von Hagerah,
<pb n="0036.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-97"/>
<lb n="0036.01"/> welcher gleichfalls dem Propheten Gehorsam
<lb n="0036.02"/> zu schw&#x00F6;ren kam. Was die &#x00FC;brigen Provin=
<lb n="0036.03"/> zen Arabiens anbelangte, deren H&#x00E4;upter nicht
<lb n="0036.04"/> selbst in Person erscheinen konnten, diese liessen
<lb n="0036.05"/> ihre Unterth&#x00E4;nigkeit durch Gesandten den Ma=
<lb n="0036.06"/> homet versichern.</p>
<lb n="0036.07" rend="indent"/> <p>Damals geno&#x00DF; Mahomet die Fr&#x00FC;chte seiner
<lb n="0036.08"/> Tapferkeit und Schw&#x00E4;rmerey am ruhigsten.
<lb n="0036.09"/> Als unumschr&#x00E4;nkter Herr &#x00FC;ber die Geister und
<lb n="0036.10"/> Herzen seiner V&#x00F6;lker, h&#x00F6;rte er weder von Be=
<lb n="0036.11"/> wegungen noch Aufst&#x00E4;nden auf Seiten der
<lb n="0036.12"/> Araber mehr reden. Diese gl&#x00FC;cklichen Umst&#x00E4;n=
<lb n="0036.13"/> de machte er sich zu Nutze, ein ansehnliches
<lb n="0036.14"/> Heer auf die Beine zu bringen, welches er selbst
<lb n="0036.15"/> abrichtete, und zu Zucht und Gehorsam ge=
<lb n="0036.16"/> w&#x00F6;hnte; zwey Eigenschaften, welche bey einem
<lb n="0036.17"/> Soldaten vielleicht n&#x00F6;thiger als Tapferkeit und
<lb n="0036.18"/> Unerschrockenheit sind.</p>
<lb n="0036.19" rend="indent"/> <p>Diese Vorsicht war nicht unn&#x00FC;tze angewandt.
<lb n="0036.20"/> Die Griechen, welche den Schimpf nicht ver=
<lb n="0036.21"/> dauen konnten, den sie in der Schlacht bey
<lb n="0036.22"/> Muta davon getragen hatten, beschlossen sich
<lb n="0036.23"/> zu r&#x00E4;chen, in der Meinung diesesmal ihre Maa&#x00DF;=
<lb n="0036.24"/> regeln schon besser zu nehmen, um Trupen &#x00FC;ber=
<lb n="0036.25"/> legen zu seyn, von welchen sie nicht glaubten
<lb n="0036.26"/> da&#x00DF; sie eingerichtet w&#x00E4;ren, und die sie f&#x00FC;r geschick=
<lb n="0036.27"/> ter hielten, mit blinder Wuth einen Einfall zu
<lb n="0036.28"/> wagen, als sich in einem regelm&#x00E4;&#x00DF;igen Treffen
<lb n="0036.29"/> vorsichtig aufzuf&#x00FC;hren.</p>
<lb n="0036.30"/> <note type="marginalie" place="links">Mahomet<lb/>zieht wider</note><p rend="indent">Jn dieser gewissen Zuversicht n&#x00E4;herten sich
<pb n="0037.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-98"/>
<lb n="0037.01"/> die Griechen also Balka, einer ziemlich ansehn=<note type="marginalie" place="rechts">die Griechen<lb/>aus.</note>
<lb n="0037.02"/> lichen Stadt, an den syrischen Grenzen. So=
<lb n="0037.03"/> bald Mahomet ihren Anzug vernahm, stellte
<lb n="0037.04"/> er seine Befehle aus, und in kurzem war alles
<lb n="0037.05"/> im Stande, dem Feinde entgegen zu gehen.
<lb n="0037.06"/> Weil er bey seinem Auszuge vermuthete, der
<lb n="0037.07"/> Feldzug werde vielleicht lange dauren, so ent=
<lb n="0037.08"/> schlo&#x00DF; er sich, das Regiment sichern H&#x00E4;nden
<lb n="0037.09"/> anzuvertrauen, welche die gute Ordnung, die er
<lb n="0037.10"/> in den Provinzen seiner Botm&#x00E4;&#x00DF;igkeit einge=
<lb n="0037.11"/> f&#x00FC;hrt hatte, zu erhalten, geschickt w&#x00E4;ren. Ali,
<lb n="0037.12"/> einer von seinen Vettern, schien ihm zu dieser
<lb n="0037.13"/> wichtigen Stelle der f&#x00E4;higste zu seyn, er legte also
<lb n="0037.14"/> sein Ansehen bey ihm nieder, und ernennte ihn,
<lb n="0037.15"/> w&#x00E4;hrend seiner Abwesenheit zum Regenten des
<lb n="0037.16"/> Staats. Hierauf zog er an der Spitze von
<lb n="0037.17"/> 30000 Mann aus, und r&#x00FC;ckte bis nach Ta=
<lb n="0037.18"/> buk, wo er auf den Feind l&#x00E4;nger als einen Mo=
<lb n="0037.19"/> nat wartete.</p>
<lb n="0037.20" rend="indent"/> <p>Doch umsonst: Die Griechen, welche ohne<note type="marginalie" place="rechts">Die Grie=<lb/>chen ziehen<lb/>sich zur&#x00FC;ck.</note>
<lb n="0037.21"/> Zweifel Nachricht bekommen hatten, was f&#x00FC;r
<lb n="0037.22"/> ein starkes Heer wider sie ausz&#x00F6;ge, und da&#x00DF; es
<lb n="0037.23"/> Mahomet selbst anf&#x00FC;hre, hielten es f&#x00FC;r gut, den
<lb n="0037.24"/> Weg wieder zur&#x00FC;ck zu nehmen, und getrauten
<lb n="0037.25"/> sich nicht, den arabischen Boden zu betreten.</p>
<lb n="0037.26" rend="indent"/> <p>Mahomet kehrte also nach Medina zur&#x00FC;ck,
<lb n="0037.27"/> wo er, bey seiner Ankunft, Abgesandte von ver=
<lb n="0037.28"/> schiednen benachbarten F&#x00FC;rsten antraf, die im
<lb n="0037.29"/> Namen ihrer Herren, ihm den Empfehl zu ma=
<lb n="0037.30"/> chen, und sich seine Freundschaft auszubitten,
<pb n="0038.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-99"/>
<lb n="0038.01"/> gekommen waren. Als sie wieder weg waren,
<lb n="0038.02"/> so besch&#x00E4;ftigte sich Mahomet den &#x00FC;brigen Theil
<lb n="0038.03"/> dieses Jahres hindurch, welches das zehende
<lb n="0038.04"/> der Hegire war, damit, da&#x00DF; er aufs neue die
<lb n="0038.05"/> Anordnungen untersuchte, die er so wohl in b&#x00FC;r=
<lb n="0038.06"/> gerlichen Angelegenheiten, als in dem Soldaten=
<lb n="0038.07"/> wesen gemacht hatte.</p>
<lb n="0038.08"/> <note type="marginalie" place="links">Nochmali=<lb/>ge Wallfahrt<lb/>des Maho=<lb/>mets <hi rend="spaced">nach</hi><lb/>Mecca.</note><p rend="indent">Er hielt f&#x00FC;r n&#x00F6;thig ein gleiches in Mecca zu
<lb n="0038.09"/> thun, welches ihn bewog eine nochmalige Wall=
<lb n="0038.10"/> fahrt nach dieser Stadt zu unternehmen. Die=
<lb n="0038.11"/> se Reise, welches seine letzte nach der Caabah
<lb n="0038.12"/> war, &#x00FC;bertraf die vorigen sehr weit, in Anse=
<lb n="0038.13"/> hung des pr&#x00E4;chtigen Gefolges, welches mit ihm
<lb n="0038.14"/> zog. Eine unz&#x00E4;hlbare Menge Volks, an des=
<lb n="0038.15"/> sen Spitze sich die Vornehmsten unter den Ara=
<lb n="0038.16"/> bern befanden, begleitete ihn. Auch seine
<lb n="0038.17"/> Weiber waren bey dieser letzten Wallfahrt, wel=
<lb n="0038.18"/> che in pr&#x00E4;chtigen S&#x00E4;nften, die von Kameelen
<lb n="0038.19"/> getragen wurden, die Reise thaten, und von
<lb n="0038.20"/> einer grossen Anzahl Personen, die in ihren
<lb n="0038.21"/> Diensten waren, begleitet wurden.</p>
<lb n="0038.22"/> <note type="marginalie" place="links">Er verwal=<lb/>tet daselbst<lb/>das Amt ei=<lb/>nes Priesters.</note><p rend="indent">Auf diese Art hielt Mahomet, bey seiner letz=
<lb n="0038.23"/> ten Reise, den Einzug in Mecca. Um dem
<lb n="0038.24"/> Volke nun desto mehr Ehrfurcht f&#x00FC;r seine Re=
<lb n="0038.25"/> ligion beyzubringen, und zugleich zu zeigen, da&#x00DF;
<lb n="0038.26"/> er ein unumschr&#x00E4;nkter Herr, so wohl in geistli=
<lb n="0038.27"/> chen als weltlichen Sachen sey, verrichtete er
<lb n="0038.28"/> selbst das Amt eines Priesters: er predigte in
<lb n="0038.29"/> dem Tempel, und schlo&#x00DF; seinen Unterricht durch
<lb n="0038.30"/> neue Anordnungen, die er, wegen der Ceremo=
<pb n="0039.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-100"/>
<lb n="0039.01"/> nien und der Aus&#x00FC;bung seiner neuen Religion,
<lb n="0039.02"/> bekannt machen lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0039.03" rend="indent"/> <p>Das merkw&#x00FC;rdigste in Ansehung seiner Reli=<note type="marginalie" place="rechts">Opfer der<lb/>Kameele.</note>
<lb n="0039.04"/> gion war dieses, da&#x00DF; Mahomet verschiedne
<lb n="0039.05"/> Kameele opfern lie&#x00DF;. Es sollte beynahe schei=
<lb n="0039.06"/> nen, er habe die Absicht gehabt, den Gebrauch
<lb n="0039.07"/> der Opfer, welche das mosaische Gesetz vor=
<lb n="0039.08"/> schreibt, beyzubehalten: unterdessen findet man
<lb n="0039.09"/> doch nicht, da&#x00DF; ihm die eyfrigsten Nachfolger
<lb n="0039.10"/> in seiner Lehre, in diesem Puncte nachgeahmet
<lb n="0039.11"/> haben; wenigstens hat dieser Gebrauch nicht lan=
<lb n="0039.12"/> ge gedauert, weil wir in keinem von ihren Ge=
<lb n="0039.13"/> schichtb&#x00FC;chern finden, da&#x00DF; man ihn jemals aus=
<lb n="0039.14"/> ge&#x00FC;bt habe.</p>
<lb n="0039.15" rend="indent"/> <p>Dieses Fest ward mit dem Abschiede beschlos=
<lb n="0039.16"/> sen, welchen der Prophet von dem Volke nahm.
<lb n="0039.17"/> Er sahe, da&#x00DF; es mit seiner Gesundheit immer
<lb n="0039.18"/> schlechter und schlechter wurde: Das Gift, welches
<lb n="0039.19"/> er einige Jahre vorher bekommen hatte, lie&#x00DF; ihn
<lb n="0039.20"/> seinen gemachten verderblichen Eindruck heftiger,
<lb n="0039.21"/> als sonst, empfinden. Er merkte hieraus, da&#x00DF;
<lb n="0039.22"/> sein Ende nicht mehr ferne seyn k&#x00F6;nne, und da&#x00DF;
<lb n="0039.23"/> er von Mecca wegreisen w&#x00FC;rde, ohne jemals
<lb n="0039.24"/> wieder hin zu kommen; er nahm also von dem
<lb n="0039.25"/> Volke, in den letzten Reden, die er an dasselbe
<lb n="0039.26"/> hielt, Abschied, und eben daher hat diese Reise
<lb n="0039.27"/> den Namen der <hi rend="bold">Abschieds Wallfahrt</hi> be=
<lb n="0039.28"/> kommen.</p>
<lb n="0039.29" rend="indent"/> <p>Als Mahomet nach Medina zur&#x00FC;ck kam, er=<note type="marginalie" place="rechts">Zwey ara=<lb/>bische <hi rend="spaced">F&#x00FC;r=<lb/>sten</hi> geben</note>
<lb n="0039.30"/> fuhr er mit Verdru&#x00DF;, da&#x00DF; sich zwey arabische
<pb n="0040.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-101"/>
<lb n="0040.01"/> <note type="marginalie" place="links">sich f&#x00FC;r Pro=<lb/>pheten aus.</note>F&#x00FC;rsten als Propheten aufgeworffen h&#x00E4;tten, und
<lb n="0040.02"/> da&#x00DF; sie in verschiedenen Provinzen Arabiens
<lb n="0040.03"/> grosse Unruhen anrichteten. Doch diese Be=
<lb n="0040.04"/> wegungen dauerten nicht lange; die verschiede=
<lb n="0040.05"/> nen Partheyen fanden von selbst ihr Ende, bald
<lb n="0040.06"/> nach ihrem Anfange.</p>
<lb n="0040.07"/> <note type="marginalie" place="links">Tod <hi rend="spaced">des</hi><lb/>Mahomets</note><p rend="indent">Der Prophet geno&#x00DF; nicht lange mehr das
<lb n="0040.08"/> Vergn&#x00FC;gen, die Ruhe in seinen Staaten wieder
<lb n="0040.09"/> hergestellt zu sehn. Er ward recht gef&#x00E4;hrlich
<lb n="0040.10"/> krank, als er sich eben bey einer von seinen
<lb n="0040.11"/> Weibern, Namens Zainab, befand: Denn er
<lb n="0040.12"/> hatte die Gewohnheit alle Tage seine Wohnung
<lb n="0040.13"/> zu ver&#x00E4;ndern, und wohnte nach der Reihe bey
<lb n="0040.14"/> jeder von seinen Weibern in ihrem eignen Hause.</p>
<lb n="0040.15" rend="indent"/> <p>Eine davon, Namens Aiesha, war die Lieb=
<lb n="0040.16"/> lingin des Propheten. Sobald er sich so stark
<lb n="0040.17"/> angegriffen f&#x00FC;hlte, da&#x00DF; er nicht wieder aufzu=
<lb n="0040.18"/> kommen hoffen konnte, lie&#x00DF; er sich zu ihr tragen,
<lb n="0040.19"/> damit er seine Tage bey ihr beschliessen m&#x00F6;ge.
<lb n="0040.20"/> Hier starb er auch in der That, in dem 63 Jah=
<lb n="0040.21"/> re seines Alters.</p>
<lb n="0040.22"/> <note type="marginalie" place="links">Man zwei=<lb/>selt an sei=<lb/>nem Tode.</note><p rend="indent">Die Schw&#x00E4;rmerey einiger von seinen Anh&#x00E4;n=
<lb n="0040.23"/> gern ging so weit, da&#x00DF; sie behaupten wollten, der
<lb n="0040.24"/> Prophet sey nicht gestorben, ja gar, er k&#x00F6;nne
<lb n="0040.25"/> nicht sterben. Omar, einer von seinen eyfrig=
<lb n="0040.26"/> sten Sch&#x00FC;lern, zeigte sich f&#x00FC;r dieses Vorurtheil
<lb n="0040.27"/> weit eingenommner, als alle andre, und drohte
<lb n="0040.28"/> so gar, den ersten den besten nieder zu hauen,
<lb n="0040.29"/> welcher sagen w&#x00FC;rde, Mahomet sey tod.</p>
<lb n="0040.30" rend="indent"/> <p>Es entstanden &#x00FC;ber diese Materie sehr hefti=
<pb n="0041.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-102"/>
<lb n="0041.01"/> ge Streitigkeiten, welche sehr &#x00FC;ble Folgen h&#x00E4;tten
<lb n="0041.02"/> haben k&#x00F6;nnen, wenn der kluge Abubeker nicht
<lb n="0041.03"/> Sorge getragen h&#x00E4;tte sie zu endigen. Er kam
<lb n="0041.04"/> also in die Versammlung, und nachdem er zu
<lb n="0041.05"/> reden verlangt hatte, legte die Achtung welche
<lb n="0041.06"/> er sich unter den Muselm&#x00E4;nnern erworben hat=
<lb n="0041.07"/> te, auch den allerunruhigsten, und selbst dem
<lb n="0041.08"/> Omar das Stillschweigen auf. Abubeker hielt
<lb n="0041.09"/> hierauf eine sehr starke und durchdringende Re=
<lb n="0041.10"/> de, in welcher er den Verlust, den jezt al=
<lb n="0041.11"/> le Rechtgl&#x00E4;ubige gelitten h&#x00E4;tten, beweinte, und
<lb n="0041.12"/> mit &#x00FC;berzeugenden Gr&#x00FC;nden, ja gar mit Be=
<lb n="0041.13"/> weisen aus dem Korane darthat, da&#x00DF; Maho=
<lb n="0041.14"/> met wie ein andrer Mensch sterblich gewesen
<lb n="0041.15"/> sey, und auch wirklich gestorben w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0041.16" rend="indent"/> <p>Als diese Streitigkeit beygelegt war, erhob<note type="marginalie" place="rechts">Trennun=<lb/>gen <hi rend="spaced">wegen</hi><lb/>des Orts, sei=<lb/>ner Beerdi=<lb/>gung.</note>
<lb n="0041.17"/> sich eine andre, wegen der Beerdigung des Pro=
<lb n="0041.18"/> pheten. Die Mohajerin (<ref rend="footnote" n="41*"><hi rend="super">*</hi></ref>) verlangten, er
<lb n="0041.19"/> sollte zu Mecca begraben werden, weil es sein
<lb n="0041.20"/> Geburthsort sey; die Ansaren, (<ref rend="footnote" n="41**"><hi rend="super">**</hi></ref>) zu Me=
<lb n="0041.21"/> dina, weil er seine Wohnung daselbst aufgeschla=
<lb n="0041.22"/> gen gehabt; andre endlich zu Jerusalem, wel=
<lb n="0041.23"/> ches die wahre Stadt der Propheten w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0041.24"/> <note type="footnote" n="41*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Der Name <hi rend="bold">Mohajerin</hi> wurde denjenigen
<lb n="0041.25" rend="indent"/> gegeben, die den Mahomet in seiner Flucht
<lb n="0041.26" rend="indent"/> nach Mecca begleitet hatten. Das Wort an
<lb n="0041.27" rend="indent"/> sich selbst bedeutet <hi rend="bold">Fl&#x00FC;chtlinge</hi>.</p></note>
<lb n="0041.28"/> <note type="footnote" n="41**"><p>(<hi rend="super">**</hi>) <hi rend="bold">Ansaren</hi> wurden die Einwohner von Medi=
<lb n="0041.29" rend="indent"/> na genennt, weil sie den Propheten bey sich
<lb n="0041.30" rend="indent"/> aufnahmen und ihm H&#x00FC;lffe leisteten. <hi rend="bold">Ansar</hi>
<lb n="0041.31" rend="indent"/> bedeutet <hi rend="bold">H&#x00FC;lffe</hi>.</p></note>
<pb n="0042.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-103"/>
<lb n="0042.01" rend="indent"/> <p>Auch diese neue Streitigkeiten legte Abube=
<lb n="0042.02"/> ker bey, indem er einen Ausspruch wiederhohl=
<lb n="0042.03"/> te, den er von dem Mahomet selbst geh&#x00F6;rt zu
<lb n="0042.04"/> haben, vorgab: Diesen nehmlich, da&#x00DF; ein je=
<lb n="0042.05"/> der Prophete an dem Orte m&#x00FC;sse begraben wer=
<lb n="0042.06"/> den, wo er gestorben sey. Dieser Entscheidung
<lb n="0042.07"/> des Abubekers fielen alle bey; und so gleich
<lb n="0042.08"/> ward in dem Hause der Aiesha, unter eben dem
<lb n="0042.09"/> Bette, worinnen der Prophet gestorben war,
<lb n="0042.10"/> ein Grab gemacht, in welchem sein K&#x00F6;rper be=
<lb n="0042.11"/> erdiget wurde.</p>
<lb n="0042.12" rend="indent"/> <p>Sein Grab ist also nicht zu Mecca, wie die
<lb n="0042.13"/> gemeine Meinung einiger Christen ist, welche
<lb n="0042.14"/> vorgeben, der K&#x00F6;rper des Mahomets sey in ei=
<lb n="0042.15"/> nen eisern Sarg gelegt worden, welcher vermit=
<lb n="0042.16"/> telst grosser in dem Gew&#x00F6;lbe der Moschee be=
<lb n="0042.17"/> festigter Magnete, schwebend in der Luft gehal=
<lb n="0042.18"/> ten w&#x00FC;rde. Dieses ist ein M&#x00E4;hrchen, das man
<lb n="0042.19"/> zum Zeitvertreibe erfunden hat, und welches nur
<lb n="0042.20"/> unter Unwissenden Beyfall finden kan.</p>
<lb n="0042.21" rend="indent"/> <p>Was ich bisher gesagt habe, kann, sollte ich
<lb n="0042.22"/> meinen, zureichend seyn, einen Begrif von dem
<lb n="0042.23"/> Erobrer und Propheten, dem Stifter der neu=
<lb n="0042.24"/> en Monarchie, zu machen, deren Geschichte
<lb n="0042.25"/> der Gegenstand dieses Werks ist. Ehe ich aber
<lb n="0042.26"/> hierauf komme, wird es, glaub ich, nicht un=
<lb n="0042.27"/> dienlich seyn, etwas von der Person des Ma=
<lb n="0042.28"/> homets selbst, und von seiner Lehre zu sagen.</p>
<lb n="0042.29" rend="indent"/> <p>Mahomet war von einer mittlern Statur,
<lb n="0042.30"/> aber wohl gebaut. Seine braune und zugleich
<pb n="0043.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-104"/>
<lb n="0043.01"/> lebhafte Gesichtsfarbe verrieth eine starke Na=
<lb n="0043.02"/> tur, die ihn bis zu dem h&#x00F6;chsten Alter vielleicht
<lb n="0043.03"/> w&#x00FC;rde gebracht haben, wenn das Gift nicht sei=
<lb n="0043.04"/> ne Tage verk&#x00FC;rzt h&#x00E4;tte. Niemand war ge=
<lb n="0043.05"/> schickter, mit einer wundersw&#x00FC;rdigen Stand=
<lb n="0043.06"/> haftigkeit, alle Nothd&#x00FC;rftigkeiten des Lebens,
<lb n="0043.07"/> und die beschwerlichsten Arbeiten l&#x00E4;nger auszu=
<lb n="0043.08"/> halten, als er.</p>
<lb n="0043.09" rend="indent"/> <p>Er besa&#x00DF; einen Geist, welcher zu den gr&#x00F6;&#x00DF;=
<lb n="0043.10"/> ten Unternehmungen geschickt war; und eine
<lb n="0043.11"/> Standhaftigkeit, die sich durch keine Hindernis=
<lb n="0043.12"/> se wankend machen lie&#x00DF;. Dem, was er sich
<lb n="0043.13"/> einmahl vorgenommen hatte, ging er unerm&#x00FC;det
<lb n="0043.14"/> nach, und fand in sich selbst eine unersch&#x00F6;pfliche
<lb n="0043.15"/> Qvelle von Mittel, darinne gl&#x00FC;cklich zu seyn.
<lb n="0043.16"/> Sein biegsamer, lebhafter und durchdringen=
<lb n="0043.17"/> der Geist regierte ihn in der Wahl dieser Mittel,
<lb n="0043.18"/> und er konnte, in Ansehung der Geschicklichkeit,
<lb n="0043.19"/> mit welcher er sich der Zeit, der Umst&#x00E4;nde und
<lb n="0043.20"/> besonders des Genies seines Volks zu bedienen
<lb n="0043.21"/> wu&#x00DF;te, fast allezeit wegen des Ausganges ge=
<lb n="0043.22"/> wi&#x00DF; seyn.</p>
<lb n="0043.23" rend="indent"/> <p>Mahomet, nach der gemeinen Meinung,
<lb n="0043.24"/> konnte weder lesen noch schreiben. Es kommen
<lb n="0043.25"/> Stellen in dem Korane vor, die es glaublich
<lb n="0043.26"/> machen; und &#x00FC;berdieses schien er es selbst nicht
<lb n="0043.27"/> in Abrede zu seyn, indem er sagte, er w&#x00E4;re
<lb n="0043.28"/> <hi rend="bold">Ommi</hi>, das ist, ein einf&#x00E4;ltiger, unwissender
<lb n="0043.29"/> Mensch, ohne die geringsten Wissenschaften.</p>
<lb n="0043.30" rend="indent"/> <p>Unterdessen redete doch niemand in seinem
<pb n="0044.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-105"/>
<lb n="0044.01"/> Volke besser als er. Er schien sich auf seine
<lb n="0044.02"/> Sprache ganz besonders gelegt zu haben; er
<lb n="0044.03"/> kannte allen ihren Nachdruck, St&#x00E4;rke, Reich=
<lb n="0044.04"/> thum und Reinigkeit. Er war von Natur be=
<lb n="0044.05"/> redt; seine Schreibart war stark und eindrin=
<lb n="0044.06"/> gend; seine Wendungen waren zierlich und sei=
<lb n="0044.07"/> ne Ausdr&#x00FC;cke ungemein lebhaft. Diese Leich=
<lb n="0044.08"/> tigkeit in der Rede war die Wirkung einer
<lb n="0044.09"/> fruchtbaren und feurigen Einbildungskraft, die
<lb n="0044.10"/> ihm, nach Gelegenheit, alle die Jdeen eingab,
<lb n="0044.11"/> die ihn zu seinem Zwecke zu bringen die geschick=
<lb n="0044.12"/> testen waren.</p>
<lb n="0044.13"/> <note type="marginalie" place="links">Von dem<lb/>Korane.</note><p rend="indent">Nichts kan mein Vorgeben mehr beweisen,
<lb n="0044.14"/> als das ber&#x00FC;chtigte Buch, das in der ganzen
<lb n="0044.15"/> Welt unter dem Namen des <hi rend="bold">Koran</hi> bekannt
<lb n="0044.16"/> ist, welches so viel sagen will als, das Buch,
<lb n="0044.17"/> eben so wie wir Christen die Bibel vorz&#x00FC;glicher
<lb n="0044.18"/> Weise also nennen. Hier nun, in den Kora=
<lb n="0044.19"/> ne sieht man, da&#x00DF; Mahomet, ohngeachtet der
<lb n="0044.20"/> wunderlichen Vermischung abgeschmackter Fa=
<lb n="0044.21"/> beln und grosser Wahrheiten, best&#x00E4;ndig seine
<lb n="0044.22"/> Absicht zu erreichen geschickt war. Er wu&#x00DF;te
<lb n="0044.23"/> wohl, da&#x00DF; in jeder andrer Gegend dieser Misch=
<lb n="0044.24"/> masch wenig Fortgang haben, und er Gegen=
<lb n="0044.25"/> theils bey allen gesetzten Leuten von Ueberlegung
<lb n="0044.26"/> f&#x00FC;r einen Betrieger gelten w&#x00FC;rde; er war aber
<lb n="0044.27"/> derjenigen allzu gewi&#x00DF;, unter welchen er lehr=
<lb n="0044.28"/> te. Er hatte ihre Einbildungskraft ersch&#x00FC;t=
<lb n="0044.29"/> tert und eingenommen, und also schien ihnen
<lb n="0044.30"/> alles an ihm gut zu seyn, und seine Ausschweif=
<lb n="0044.31"/> fungen selbst wurden von diesen Schw&#x00E4;rmern
<pb n="0045.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-106"/>
<lb n="0045.01"/> mit Ehrfurcht betrachtet. Es waren zwar wich=
<lb n="0045.02"/> tige Dinge genug darunter, die es wohl verdien=
<lb n="0045.03"/> ten, da&#x00DF; man sich dar&#x00FC;ber &#x00E4;rgerte; doch der
<lb n="0045.04"/> Prophet wu&#x00DF;te dem Uebel bald abzuhelffen: er
<lb n="0045.05"/> f&#x00FC;gte ein neues Kapitel zu dem Korane hinzu,
<lb n="0045.06"/> und auf einmal verschwand das Aergerni&#x00DF;, und
<lb n="0045.07"/> seine Verbrechen wurden zu Tugenden. Die=
<lb n="0045.08"/> ses wird man deutlich an zwey Beyspielen sehn,
<lb n="0045.09"/> die ich eben anf&#x00FC;hren will.</p>
<lb n="0045.10" rend="indent"/> <p>Zaid, einer der vornehmsten Officiers des<note type="marginalie" place="rechts">Mahonets<lb/>Neigung zu<lb/>den Weibern,<lb/>und wie er<lb/>sie rechtferti=<lb/>get.</note>
<lb n="0045.11"/> Mahomet, hatte eine sehr artige Frau gehey=
<lb n="0045.12"/> rathet, Namens Zainab. Weil nun der Pro=
<lb n="0045.13"/> phet sich heftig in sie verliebt hatte, so wurden
<lb n="0045.14"/> die Sachen so eingerichtet, das Zaid seiner Frau
<lb n="0045.15"/> den Scheidebrief gab, worauf sie Mahomet al=
<lb n="0045.16"/> so bald heyrathete.</p>
<lb n="0045.17" rend="indent"/> <p>Diese Heyrath nun mit einer Frau, deren
<lb n="0045.18"/> Mann noch lebte, verursachte um so viel mehr
<lb n="0045.19"/> Aergerni&#x00DF;, weil Mahomet den Zaid an Soh=
<lb n="0045.20"/> nes Statt angenommen hatte; we&#x00DF;wegen man
<lb n="0045.21"/> ihm ganz laut vorwarf, er habe die Frau seines
<lb n="0045.22"/> Sohnes geheyrathet. Doch alle diese Vorw&#x00FC;rf=
<lb n="0045.23"/> fe wurden vermittelst eine Offenbarung, geho=
<lb n="0045.24"/> ben, die man im 33. Kapitel v. 36. des Korans
<lb n="0045.25"/> folgender Gestalt ausgedr&#x00FC;ckt findet: <hi rend="bold">Nach=
<lb n="0045.26"/> dem nun Zaid in Ansehung seiner Frau,
<lb n="0045.27"/> das, was er beschlossen hatte, vollzogen,
<lb n="0045.28"/> so haben wir sie mit dir verbunden, um
<lb n="0045.29"/> deine Gattin zu seyn. = = Der Propher
<lb n="0045.30"/> hat keinen Fehler begangen, indem er</hi>
<pb n="0046.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-107"/>
<lb n="0046.01"/> <hi rend="bold">dasjenige gethan, was ihm Gott besoh=
<lb n="0046.02"/> len hat</hi>.</p>
<lb n="0046.03" rend="indent"/> <p>Und damit zugleich aller Vorwand des Aer=
<lb n="0046.04"/> gernisses, in Ansehung der Annehmung zum
<lb n="0046.05"/> Sohne, wegfallen m&#x00F6;ge, so erkl&#x00E4;rt eben diese
<lb n="0046.06"/> Offenbarung, da&#x00DF; Zaid Mahomets Sohn nicht
<lb n="0046.07"/> mehr seyn k&#x00F6;nne, und f&#x00FC;gt hinzu: <hi rend="bold">Mahomet
<lb n="0046.08"/> soll nicht mehr der Vater eines einzigen
<lb n="0046.09"/> unter euch seyn, sondern er soll der Apo=
<lb n="0046.10"/> stel Gottes und das Siegel der Prophe=
<lb n="0046.11"/> ten heissen</hi>.</p>
<lb n="0046.12" rend="indent"/> <p>Ein Jahr nachher, trug sich eine andre Be=
<lb n="0046.13"/> gebenheit zu, welche gleichfalls eine neue Of=
<lb n="0046.14"/> fenbarung verursachte. Makawcas, F&#x00FC;rst von
<lb n="0046.15"/> Alexandrien und Aegypten, machte dem Pro=
<lb n="0046.16"/> pheten reiche Geschenke, worunter sich auch
<lb n="0046.17"/> zwey sch&#x00F6;ne M&#x00E4;gdchen befanden, wovon die ei=
<lb n="0046.18"/> ne, Namens Maria, einen so lebhaften Ein=
<lb n="0046.19"/> druck auf sein Herz machte, da&#x00DF; er sie zu sei=
<lb n="0046.20"/> ner Beyschl&#x00E4;fferin zu machen beschlo&#x00DF;. Gleich=
<lb n="0046.21"/> wohl bem&#x00FC;hte er sich eine Zeitlang diesen Ein=
<lb n="0046.22"/> fall zu bestreiten, weil die Hurerey ausdr&#x00FC;klich
<lb n="0046.23"/> in dem Korane verbothen ist, wann es hei&#x00DF;t:
<lb n="0046.24"/> <note type="marginalie" place="links">Koran Kap.<lb/>17. v. 38.</note><hi rend="bold">Jhr sollt euch nicht der Hurerey nahen,
<lb n="0046.25"/> denn sie ist ein greuliches Verbrechen
<lb n="0046.26"/> und ein h&#x00E4;&#x00DF;licher Weg, und Gott hat ihr
<lb n="0046.27"/> schwere Straffen bereitet</hi>.</p>
<lb n="0046.28" rend="indent"/> <p>Endlich, als er m&#x00FC;de war sich selbst zu be=
<lb n="0046.29"/> k&#x00E4;mpfen, erdachte er eine Offenbarung, die
<lb n="0046.30"/> ihm seiner Neigung nachzuh&#x00E4;ngen erlaubte, wel=
<pb n="0047.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-108"/>
<lb n="0047.01"/> che Erlaubni&#x00DF; er sich auch zu Nutze machte,
<lb n="0047.02"/> ob er es gleich ganz heimlich that, um das Aer=
<lb n="0047.03"/> gerni&#x00DF; zu vermeiden. Zum Ungl&#x00FC;cke aber
<lb n="0047.04"/> mu&#x00DF;te ihn eine von seinen Weibern entdecken,
<lb n="0047.05"/> welche ein grosses Geschrey daraus machte, und
<lb n="0047.06"/> der er, um sie zu befriedigen, so gleich schwor,
<lb n="0047.07"/> niemals wieder mit der Maria etwas zu thun
<lb n="0047.08"/> zu haben. Doch weil es ihm sehr schwer w&#x00FC;r=
<lb n="0047.09"/> de geworden seyn, diesen Schwur zu halten, so
<lb n="0047.10"/> wurde er gar bald von dem Engel Gabriel dessel=
<lb n="0047.11"/> ben erlassen, welcher ihm diesen Vorw&#x00FC;rf zu
<lb n="0047.12"/> machen kam: <hi rend="bold">O Prophet, warum enth&#x00E4;lst
<lb n="0047.13"/> du dich, blo&#x00DF; deinen Weibern zu gefal=
<lb n="0047.14"/> len alles dessen, was dir Gott erlaubt
<lb n="0047.15"/> hat? Gott erkl&#x00E4;rt</hi>, f&#x00FC;gte er hinzu, <hi rend="bold">da&#x00DF; du
<lb n="0047.16"/> deines Eides los seyn sollst <choice><orig><g ref="#etcligchwabacher"/></orig><expan>et cetera</expan></choice> <choice><orig><g ref="#etcligchwabacher"/></orig><expan>et cetera</expan></choice></hi></p>
<lb n="0047.17" rend="indent"/> <p>Mahomet bekam also die Erlaubni&#x00DF;, an dem
<lb n="0047.18"/> Artikel in dem Korane, welcher die Hurerey ver=
<lb n="0047.19"/> bietet, sich nicht binden zu d&#x00FC;rffen; und die Leh=
<lb n="0047.20"/> rer seiner Religion haben diese Freyheit allezeit
<lb n="0047.21"/> als einen pers&#x00F6;nlichen Vorzug und als ein beson=
<lb n="0047.22"/> dres Privilegium angesehen, welches er damals,
<lb n="0047.23"/> mit Ausschliessung aller andern, genossen habe.</p>
<lb n="0047.24" rend="indent"/> <p>Aus diesen angef&#x00FC;hrten Beyspielen kan man
<lb n="0047.25"/> sehen, wie viel von einem Buche zu halten sey,
<lb n="0047.26"/> das auf eine so besondre Art, als der Koran, ent=
<lb n="0047.27"/> standen ist. Jn der That, man wird weder
<lb n="0047.28"/> Grunds&#x00E4;tze, noch Verbindung, noch Lehrgeb&#x00E4;u=
<lb n="0047.29"/> de, dem er etwa gefolgt w&#x00E4;re, darinne antreffen.
<lb n="0047.30"/> Die meisten Vorschriften die er enth&#x00E4;lt, sind,
<pb n="0048.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-109"/>
<lb n="0048.01"/> so zu reden, nur von einem Tage zum andern
<lb n="0048.02"/> gemacht worden, wie es Zeit und Umst&#x00E4;nde er=
<lb n="0048.03"/> fordert haben.</p>
<lb n="0048.04" rend="indent"/> <p>Mitten unter den kindischen Erzehlungen aber,
<lb n="0048.05"/> mitten unter den sabelhaften Wundern und
<lb n="0048.06"/> schw&#x00E4;rmerischen Erscheinungen, womit dieses
<lb n="0048.07"/> Buch angef&#x00FC;llt ist, entdeckt man doch zugleich
<lb n="0048.08"/> erhabne Wahrheiten, die mit einem erstau=
<lb n="0048.09"/> nungsw&#x00FC;rdigen Nachdrucke vorgetragen wer=
<lb n="0048.10"/> den. Was das g&#x00F6;ttliche Wesen und seine Ei=
<lb n="0048.11"/> genschaften anbelangt, das ist darinne auf eine
<lb n="0048.12"/> eben so edle als genaue Art abgehandelt: des=
<lb n="0048.13"/> gleichen auch die{??} Liebe des Nechsten und ver=
<lb n="0048.14"/> schiedne moralische Tugenden, wovon die Be=
<lb n="0048.15"/> griffe und Erkl&#x00E4;rungen mit vieler Einsicht und
<lb n="0048.16"/> Genauigkeit aus einander gesetzt sind.</p>
<lb n="0048.17" rend="indent"/> <p>Mahomet brachte mehr als 20 Jahre zu, die=
<lb n="0048.18"/> se wunderliche Sammlung zusammen zu schrei=
<lb n="0048.19"/> ben, welche wirklich an sich selbst ein best&#x00E4;ndi=
<lb n="0048.20"/> ges Galimathias, ohne Ordnung, ohne Me=
<lb n="0048.21"/> thode, ohne Verbindung ist. Der meiste Theil
<lb n="0048.22"/> der Lehrs&#x00E4;tze sind Ketzereyen, die er von dem
<lb n="0048.23"/> Arius, Nestorius, Sabellius und andern ge=
<lb n="0048.24"/> borgt hat. Dieses war die Frucht des Umgan=
<lb n="0048.25"/> ges, den Mahomet, wie ich schon gesagt ha=
<lb n="0048.26"/> be, mit den Lehrern der verschiednen Secten,
<lb n="0048.27"/> die damals in den Morgenl&#x00E4;ndern zerstreut
<lb n="0048.28"/> waren, gehabt hatte.</p>
<lb n="0048.29" rend="indent"/> <p>Anfangs hatte er bey dieser Unternehmung
<lb n="0048.30"/> einen Juden zum Mitarbeiter, und hernach
<pb n="0049.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-110"/>
<lb n="0049.01"/> lie&#x00DF; er sich von einem christlichen M&#x00F6;nche helf=
<lb n="0049.02"/> fen, den die orientalischen Schriftsteller <hi rend="bold">Bahi=
<lb n="0049.03"/> ra</hi>, und die occidentalischen <hi rend="bold">Sergius</hi> nennen.
<lb n="0049.04"/> Auch wurden noch einige andre Lehrer zu dieser
<lb n="0049.05"/> Arbeit genommen, um ihrer Sorgfalt, ohne
<lb n="0049.06"/> Zweifel hat Mahomet die vornehmsten Z&#x00FC;ge der
<lb n="0049.07"/> Theologie und Moral, die in dem Korane ent=
<lb n="0049.08"/> halten sind, zu danken.</p>
<lb n="0049.09" rend="indent"/> <p>Die zwey Grundartikel aber, auf welchen die=<note type="marginalie" place="rechts">Grundarti=<lb/>ckel der Leh=<lb/>re des Ma=<lb/>homets.</note>
<lb n="0049.10"/> ses Buch und die ganze mahometische Lehre ru=
<lb n="0049.11"/> het, sind diese. <hi rend="bold">Erstlich</hi>, alles was geschicht,
<lb n="0049.12"/> ist dermaassen in den ewigen Jdeen fest gesetzt,
<lb n="0049.13"/> da&#x00DF; es unm&#x00F6;glich durch etwas hintertrieben
<lb n="0049.14"/> werden kan. <hi rend="bold">Zweytens</hi>, die mahometanische
<lb n="0049.15"/> Religion soll ohne Wunderwerke ausgebreitet,
<lb n="0049.16"/> und ohne Streit und Widerspruch angenom=
<lb n="0049.17"/> men werden: folglich ist es erlaubt einen jeden
<lb n="0049.18"/> zu t&#x00F6;dten, der sich sie anzunehmen weigert, und
<lb n="0049.19"/> man macht sich des Paradieses w&#x00FC;rdig, wenn
<lb n="0049.20"/> man die Ungl&#x00E4;ubigen umbringt; eben wie man
<lb n="0049.21"/> die Martyrerkrone verdient, wenn man den
<lb n="0049.22"/> Waffen der Feinde der mahometanischen Lehre
<lb n="0049.23"/> unterliegen mu&#x00DF;.</p>
<lb n="0049.24" rend="indent"/> <p>Und diese Grunds&#x00E4;tze waren es, vermittelst
<lb n="0049.25"/> welcher es ihm in seinen Kriegen, die er mit den
<lb n="0049.26"/> Feinden seiner Religion zu f&#x00FC;hren hatte, so wohl
<lb n="0049.27"/> gelang; wie denn auch eben diese Lehre eine von
<lb n="0049.28"/> den vornehmsten Ursachen war, da&#x00DF; die Nach=
<lb n="0049.29"/> folger des Mahomets sich so bald einen betr&#x00E4;cht=
<lb n="0049.30"/> lichen Theil unsrer Halbkugel, welchen die Ma=
<pb n="0050.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-111"/>
<lb n="0050.01"/> hometaner noch bis jezt besitzen, zu unterwerf=
<lb n="0050.02"/> fen das Gl&#x00FC;ck hatten.</p>
<lb n="0050.03" rend="indent"/> <p>Es w&#x00FC;rde aber ganz vergebens gewesen seyn,
<lb n="0050.04"/> wann sich der neue Prophete vermittelst seiner
<lb n="0050.05"/> Lehre einen Anhang h&#x00E4;tte machen wollen. Wenn
<lb n="0050.06"/> man sie auch f&#x00FC;r noch so verf&#x00FC;hrerisch annimt,
<lb n="0050.07"/> so w&#x00FC;rde sie ihm doch nur sehr wenig geholffen
<lb n="0050.08"/> haben, wann er nicht vor allen Dingen die selt=
<lb n="0050.09"/> ne Gabe besessen h&#x00E4;tte, welche H&#x00E4;uptern einer
<lb n="0050.10"/> Parthey so unentbehrlich ist, nehmlich die erha=
<lb n="0050.11"/> bene Kunst, die Gem&#x00FC;ther zu lenken. Dieser
<lb n="0050.12"/> aber mu&#x00DF; er wohl in einem sehr vollkommenen
<lb n="0050.13"/> Grade m&#x00E4;chtig gewesen seyn, da er sich, ohnge=
<lb n="0050.14"/> achtet des Aergernisses, welches seine unordent=
<lb n="0050.15"/> liche Leidenschaft f&#x00FC;r das Frauenzimmer verur=
<lb n="0050.16"/> sachen mu&#x00DF;te, gleichwohl eine so betr&#x00E4;chtliche
<lb n="0050.17"/> Menge Anh&#x00E4;nger verschafft hat.</p>
<lb n="0050.18"/> <note type="marginalie" place="links">Charakter<lb/>des <hi rend="spaced">Maho=<lb/>mets.</hi></note><p rend="indent">Zwar ist es wahr, da&#x00DF; dieses Laster einiger=
<lb n="0050.19"/> maassen durch die grossen Eigenschaften, die man
<lb n="0050.20"/> an dem Propheten bemerkte, ersetzt wurde. Aus=
<lb n="0050.21"/> ser einem gl&#x00FC;cklichen Ged&#x00E4;chtnisse, einer lebhaf=
<lb n="0050.22"/> ten Fassungskraft und einem gl&#x00FC;cklichen Natu=
<lb n="0050.23"/> relle, besa&#x00DF; er einen aufger&#x00E4;umten Geist und
<lb n="0050.24"/> eine sich stets gleiche Gem&#x00FC;thsart. Er lie&#x00DF; sich
<lb n="0050.25"/> zu den niedrigsten Leuten herab, er that gegen
<lb n="0050.26"/> die Edeln gemein, er h&#x00F6;rte alle, die sich zu ihm
<lb n="0050.27"/> wendeten, g&#x00FC;tig an, und erf&#x00FC;llte jedes Verspre=
<lb n="0050.28"/> chen, das er that, auf das gewissenhafteste. Die
<lb n="0050.29"/> Armen fanden an ihm einen z&#x00E4;rtlichen Vater,
<lb n="0050.30"/> der gegen ihr Elend empfindlich und ungemein
<pb n="0051.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-112"/>
<lb n="0051.01"/> sreygebig war. Wenn wir dem Abulfeda glau=
<lb n="0051.02"/> ben d&#x00FC;rffen, so verband er mit diesen Eigenschaf=
<lb n="0051.03"/> ten auch eine nicht gemeine Enthaltung und
<lb n="0051.04"/> M&#x00E4;&#x00DF;igkeit.</p>
<lb n="0051.05" rend="indent"/> <p>Diese Arten von Tugend wurden durch die
<lb n="0051.06"/> regellose Neigung, welche er f&#x00FC;r das Frauen=
<lb n="0051.07"/> zimmer hatte, entsetzlich verstellet; unterdessen
<lb n="0051.08"/> aber war er doch geschickt genug, es so einzurich=
<lb n="0051.09"/> ten, da&#x00DF; dieses Laster seiner Lehre nicht nachthei=
<lb n="0051.10"/> lig wurde: er wu&#x00DF;te sich vielmehr ein Verdienst
<lb n="0051.11"/> daraus zu machen, indem er vorgab, es ermun=
<lb n="0051.12"/> tere zur Andacht. Dieses Mittel scheinet ohne
<lb n="0051.13"/> Zweifel sehr besonders, und ich gedenke dessel=
<lb n="0051.14"/> ben auch nur zu Folge eines ihrer Geschicht=
<lb n="0051.15"/> schreiber, des Anas = ben = Malek, welcher ihn
<lb n="0051.16"/> folgender Gestalt reden l&#x00E4;&#x00DF;t: <hi rend="bold">Es sind zwey
<lb n="0051.17"/> Sachen in der Welt, die mir sehr ange=
<lb n="0051.18"/> nehm sind</hi>, sagte der Prophete, <hi rend="bold">die Weiber
<lb n="0051.19"/> und der Weyhrauch; denn diese Sa=
<lb n="0051.20"/> chen erquicken das Auge, und erwecken
<lb n="0051.21"/> meinen Eyfer im Gebete</hi>.</p>
<lb n="0051.22" rend="indent"/> <p>Die Geschichtschreiber sind wegen der Zahl<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Wieviel<lb/>Mahomet<lb/>Weiber</hi> ge=<lb/>habt.</note>
<lb n="0051.23"/> der Weiber des Mahomets nicht einig. Ein
<lb n="0051.24"/> arabischer Schriftsteller z&#x00E4;hlt derer siebzehn, oh=
<lb n="0051.25"/> ne die Beyschl&#x00E4;fferinnen. Gentius, ein christ=
<lb n="0051.26"/> licher Schriftsteller, l&#x00E4;&#x00DF;t ihre Anzahl bis auf
<lb n="0051.27"/> sechs und zwanzig steigen. So viel wenigstens
<lb n="0051.28"/> ist gewi&#x00DF;, da&#x00DF; der Prophet deren weit mehrere
<lb n="0051.29"/> gehabt hat, als es nach seinem eignem Korane
<lb n="0051.30"/> erlaubt war, welcher den Muselm&#x00E4;nnern nicht
<pb n="0052.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-113"/>
<lb n="0052.01"/> mehr als vier Weiber zugleich verstattet. Al=
<lb n="0052.02"/> lein der Prophet hatte Freyheiten, die sich auf
<lb n="0052.03"/> die Offenbarung selbst gr&#x00FC;ndeten, und eben der
<lb n="0052.04"/> Koran, welcher den gemeinen Arabern etwas
<lb n="0052.05"/> verbot, nahm den Gesetzgeber davon aus.</p>
<lb n="0052.06" rend="indent"/> <p>Die ber&#x00FC;hmtesten unter diesen Weibern, und
<lb n="0052.07"/> zugleich die, die er am meisten liebte, waren
<lb n="0052.08"/> Cadhige, Aiesha und Hafsa. Der erstern ha=
<lb n="0052.09"/> be ich in dem vorhergehenden gedacht: Sie
<lb n="0052.10"/> starb zu Mecca, drey Jahr vor der Hegire, im
<lb n="0052.11"/> 65<hi rend="super">sten</hi> Jahre ihres Alters.</p>
<lb n="0052.12" rend="indent"/> <p>Aiesha lebte noch lange nach dem Maho=
<lb n="0052.13"/> met: Sie war damals, als sie verheyrathet
<lb n="0052.14"/> wurde, nicht &#x00E4;lter als sieben Jahr. Weil sie
<lb n="0052.15"/> die einzige von seinen Weibern war, die er als
<lb n="0052.16"/> Jungfer heyrathete, so nahm ihr Vater, welcher
<lb n="0052.17"/> Adolph hie&#x00DF;, auf Befehl des Propheten, den
<lb n="0052.18"/> Namen Abubeker, das ist, <hi rend="bold">Vater der Jung=
<lb n="0052.19"/> frau</hi>, an. Jhn und seine Tochter wird man
<lb n="0052.20"/> bald eine grosse Rolle in dieser Geschichte spie=
<lb n="0052.21"/> len sehen. Aiesha starb in dem 58<hi rend="super">sten</hi> Jahre
<lb n="0052.22"/> der Hegire, und in dem 67<hi rend="super">sten</hi> ihres Alters.</p>
<lb n="0052.23" rend="indent"/> <p>Hafsa war eine Tochter des Omars. Der
<lb n="0052.24"/> Prophet heyrathete sie im 30<hi rend="super">sten</hi> Jahre der He=
<lb n="0052.25"/> gire. Sie war es, bey welcher, nach dem To=
<lb n="0052.26"/> de des Mahomets, der Koran niedergelegt wur=
<lb n="0052.27"/> de. Sie starb in dem 45<hi rend="super">sten</hi> Jahre der Hegire,
<lb n="0052.28"/> in einem Alter von 60 Jahren.</p>
<lb n="0052.29"/> <note type="marginalie" place="links">Kinder des<lb/>Mahomets.</note><p rend="indent">Mahomet hatte acht Kinder von der Cadhi=
<lb n="0052.30"/> ge; vier S&#x00F6;hne, und vier T&#x00F6;chter. Sie stur=
<pb n="0053.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-114"/>
<lb n="0053.01"/> ben aber alle noch vor ihrem Vater, ausgenom=
<lb n="0053.02"/> men eine Tochter, Namens Fatime, welche ihn
<lb n="0053.03"/> einige Monate &#x00FC;berlebte. Sie hatte ihren Vet=
<lb n="0053.04"/> ter, den Ali, geheyrathet. Die &#x00FC;brigen Wei=
<lb n="0053.05"/> ber des Propheten, so viel derer auch waren,
<lb n="0053.06"/> brachten ihm keine Kinder. Denn der eine
<lb n="0053.07"/> Sohn, Namens Jbrahim, welchen er mit der
<lb n="0053.08"/> Maria, einer von seinen Beyschl&#x00E4;fferinnen, er=
<lb n="0053.09"/> zeugte, und der gleichfalls vor seinem Vater
<lb n="0053.10"/> starb, ist nicht zu rechnen.</p>
<lb n="0053.11" rend="indent"/> <p>Man mu&#x00DF; sich sehr wundern, da&#x00DF; der Pro=
<lb n="0053.12"/> phet, da er keinen m&#x00E4;nnlichen Erben hinterlie&#x00DF;,
<lb n="0053.13"/> nicht daran gedacht hat, einen Nachfolger zu
<lb n="0053.14"/> ernennen. Sollte er denn nicht die traurigen
<lb n="0053.15"/> Folgen voraus gesehen haben, die ein Jnterre=
<lb n="0053.16"/> gnum, besonders in einem Reiche, das erst ent=
<lb n="0053.17"/> standen war, nach sich ziehen k&#x00F6;nnte?</p>
<lb n="0053.18" rend="indent"/> <p>Es standen auch in der That, so bald als er<note type="marginalie" place="rechts">Es entste=<lb/>hen verschie=<lb/>dene Parthey=<lb/>en wegen ei=<lb/>nes Nachfol=<lb/>gers.</note>
<lb n="0053.19"/> todt war, verschiedene Partheyen auf, wovon je=
<lb n="0053.20"/> de ein ausschliessendes Recht, ihm einen Nach=
<lb n="0053.21"/> folger zu ernennen, zu haben glaubte. Die
<lb n="0053.22"/> ansehnlichsten darunter waren die Ansaren und
<lb n="0053.23"/> Mohajerin, die kurz vorher &#x00FC;ber die Ehre, den
<lb n="0053.24"/> Propheten in ihrer Stadt zu begraben, gestritten
<lb n="0053.25"/> hatten. Sie fanden sich bey der Versammlung,
<lb n="0053.26"/> die man wegen der Wahl beruffen hatte, ein.
<lb n="0053.27"/> Ein jeder behauptete seine Anspr&#x00FC;che mit einem
<lb n="0053.28"/> Feuer und einer Heftigkeit, welche mehr als ein=
<lb n="0053.29"/> mal f&#x00FC;rchten lie&#x00DF;, es werde zum Handgemenge
<lb n="0053.30"/> kommen.</p>
<pb n="0054.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-115"/>
<lb n="0054.01" rend="indent"/> <p>Dem Zustande nach, in welchem sich damals
<lb n="0054.02"/> die Gem&#x00FC;ther befanden, w&#x00FC;rde es schwer, ja gar
<lb n="0054.03"/> gef&#x00E4;hrlich gewesen seyn, die Ursachen, welche ein
<lb n="0054.04"/> jeder anf&#x00FC;hrte, lange zu untersuchen. Man
<lb n="0054.05"/> kam also auf den Einfall, um den Partheyen
<lb n="0054.06"/> ein Gn&#x00FC;ge zu thun, ihnen vorzuschlagen, man
<lb n="0054.07"/> solle den Staat in zwey Theile theilen, und
<lb n="0054.08"/> zwey H&#x00E4;upter erwehlen. Wann dieser Vor=
<lb n="0054.09"/> schlag statt gefunden h&#x00E4;tte, so w&#x00E4;re es um
<lb n="0054.10"/> das muselmannische Reich gethan gewesen.
<lb n="0054.11"/> Jeder von diesen H&#x00E4;uptern w&#x00FC;rde an der Spi=
<lb n="0054.12"/> tze seiner Parthey nicht ermangelt haben, den
<lb n="0054.13"/> andern zu bekriegen, um sich der ganzen Ge=
<lb n="0054.14"/> walt zu bem&#x00E4;chtigen und die reiche Verlassen=
<lb n="0054.15"/> schaft des Mahomets an einen Besitzer zu brin=
<lb n="0054.16"/> gen. Die Mohajerin merkten so gleich diese
<lb n="0054.17"/> &#x00FC;ble Folge, und verwarffen also den Vorschlag.</p>
<lb n="0054.18" rend="indent"/> <p>Abubeker, welcher sich bey allen Umst&#x00E4;nden
<lb n="0054.19"/> als einen Freund des Friedens erwie&#x00DF;, glaubte
<lb n="0054.20"/> ein Mittel zu finden, alle Unruhen beyzulegen,
<lb n="0054.21"/> wann er die Augen der Versammlung auf zwey
<lb n="0054.22"/> Personen richten k&#x00F6;nnte, unter welchen er sie
<lb n="0054.23"/> zu wehlen bat. Er schlug ihnen den Omar und
<lb n="0054.24"/> Abu = Obeid vor. Doch auch dieses fand nicht
<lb n="0054.25"/> statt; die Ansaren erkl&#x00E4;rten sich s&#x00E4;mtlich f&#x00FC;r
<lb n="0054.26"/> den einen; und der andre hatte alle Stimmen
<lb n="0054.27"/> der Mohajerin, so, da&#x00DF; es folglich zu keiner
<lb n="0054.28"/> Entscheidung kommen konnte, und der Streit
<lb n="0054.29"/> weit hitziger wurde, als er gewesen war.</p>
<lb n="0054.30"/> <note type="marginalie" place="links">Abubeker<lb/><hi rend="spaced">wird zum</hi></note><p rend="indent">Je l&#x00E4;nger diese Angelegenheit verzogen wur=
<pb n="0055.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-116"/>
<lb n="0055.01"/> de, je mehr hatte man sich f&#x00FC;r die hitzigen K&#x00F6;p=<note type="marginalie" place="rechts">Nachfolger<lb/>des Maho=<lb/>mets erweh=<lb/>let.</note>
<lb n="0055.02"/> fe zu f&#x00FC;rchten, welche nichts mehr zu w&#x00FC;nschen
<lb n="0055.03"/> schienen, als da&#x00DF; es zum Handgemenge kommen
<lb n="0055.04"/> m&#x00F6;chte. Omar, welchen seine Klugheit und Weis=
<lb n="0055.05"/> heit ungemein ehrw&#x00FC;rdig machte, that endlich
<lb n="0055.06"/> einen Schritt, der alle Schwierigkeiten auf ein=
<lb n="0055.07"/> mal hob. Er stand von seinem Platze auf,
<lb n="0055.08"/> nahte sich dem Abubeker, ergriff ihn bey der
<lb n="0055.09"/> Hand, k&#x00FC;&#x00DF;te sie, erkannte ihn laut f&#x00FC;r seinen
<lb n="0055.10"/> Herrn, und schwor ihm in dieser W&#x00FC;rde Treue
<lb n="0055.11"/> und Gehorsam. Dieses besondre Verfahren
<lb n="0055.12"/> machte anfangs alle stutzig, und endlich alle ei=
<lb n="0055.13"/> nig. Ein jeder folgte dem Beyspiel des Omars,
<lb n="0055.14"/> und Abubeker nahm die Huldigung von der
<lb n="0055.15"/> ganzen Versammlung an.</p>
<lb n="0055.16" rend="indent"/> <p>Auf diese Art opferte der gro&#x00DF;m&#x00FC;thige Omar
<lb n="0055.17"/> seinen eignen Vortheil dem gemeinen Besten
<lb n="0055.18"/> auf, um den Staat und die Religion von einem
<lb n="0055.19"/> g&#x00E4;nzlichen Untergange zu erretten. Weil aber
<lb n="0055.20"/> das, was er gethan hatte, zu einem gef&#x00E4;hrli=
<lb n="0055.21"/> chen Beyspiele werden, und schlimme Folgen
<lb n="0055.22"/> k&#x00FC;nftig nach sich ziehen konnte, so erkl&#x00E4;rte er
<lb n="0055.23"/> selbst, da&#x00DF;, wann k&#x00FC;nftig ihn jemand hierinne
<lb n="0055.24"/> nachahmen sollte, so w&#x00FC;rde nichts anders zu
<lb n="0055.25"/> thun seyn, als ihn, so wohl als den, welcher sei=
<lb n="0055.26"/> ne Huldigung angenommen, auf seine Seite zu
<lb n="0055.27"/> bringen.</p>
<lb n="0055.28" rend="indent"/> <p>Wann &#x00FC;brigens Abubeker seine W&#x00FC;rde der
<lb n="0055.29"/> Gegenwart des Geistes und der Uneigenn&#x00FC;tzig=
<lb n="0055.30"/> keit des Omars zu danken hatte, so ist zu ver=
<pb n="0056.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-117"/>
<lb n="0056.01"/> muthen, da&#x00DF; die Hoffnung, welche dieser hatte,
<lb n="0056.02"/> dennoch einmal zur Oberherrschafft zu gelangen,
<lb n="0056.03"/> auch das ihrige dazu beytrug. Jndem Omar
<lb n="0056.04"/> den Abubeker ernannte, welcher schon bey Jah=
<lb n="0056.05"/> ren war, so lief er blo&#x00DF; Gefahr, noch ein wenig
<lb n="0056.06"/> zu warten, wann er ihm in der Regierung fol=
<lb n="0056.07"/> gen wollte; dahingegen alles f&#x00FC;r ihn verlohren
<lb n="0056.08"/> war, wann die oberste Gewalt unter diejeni=
<lb n="0056.09"/> gen, welche Anspruch darauf machten, w&#x00E4;re
<lb n="0056.10"/> getheilt worden, weil sie alsdann ganz und gar
<lb n="0056.11"/> nicht mehr vorhanden gewesen w&#x00E4;re.</p></div2></div1>
<div1 type="teil">
<lb n="0056.12"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="0056.13"/> <head n="3"><hi rend="spaced">Abubeker</hi>.
<lb n="0056.14"/> <hi rend="antiqua">I</hi>. <hi rend="bold"><hi rend="spaced">Calife</hi></hi>.</head>
<lb n="0056.15"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. Chr. Geb.<lb/>632.</note><p><hi rend="initiale_kl">A</hi>ls Abubeker auf den arabischen Thron
<lb n="0056.16"/> stieg, wollte er weder den Titel eines K&#x00F6;=
<lb n="0056.17"/> nigs, noch eines F&#x00FC;rstens, noch eine andre stol=
<lb n="0056.18"/> ze Benennung annehmen. Der schmeichelhaf=
<lb n="0056.19"/> teste Titel war derjenige, welcher best&#x00E4;ndig das
<lb n="0056.20"/> Andenken des Propheten, als des Stifters des
<lb n="0056.21"/> Reichs, erneuern k&#x00F6;nne, und dieses brachte ihn
<lb n="0056.22"/> auf den Entschlu&#x00DF;, sich den Namen eines Calife
<lb n="0056.23"/> beyzulegen, welches in der arabischen Sprache
<lb n="0056.24"/> so viel hei&#x00DF;t, als ein <hi rend="bold">Nachfolger</hi>, ein <hi rend="bold">Ver=
<lb n="0056.25"/> walter</hi>. Dieser Name ist hernach auf alle
<lb n="0056.26"/> fortgepflanzet worden, welche &#x00FC;ber die Araber
<lb n="0056.27"/> regiert haben.</p>
<pb n="0057.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-118"/>
<lb n="0057.01" rend="indent"/> <p>Die Wahl des Abubeker, war nicht so gar<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0057.02"/> einm&#x00FC;thig gewesen, da&#x00DF; es nicht einige Mi&#x00DF;ver=
<lb n="0057.03"/> gn&#x00FC;gte gegeben h&#x00E4;tte. Sie sagten zwar in der
<lb n="0057.04"/> Versammlung nichts, weil sie der Mehrheit der<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Mi&#x00DF;ver=</hi><lb/>gn&#x00FC;gen der<lb/><hi rend="spaced">Anh&#x00E4;nger</hi><lb/>des Ali.</note>
<lb n="0057.05"/> Stimmen nachgeben mu&#x00DF;ten; doch bald darauf
<lb n="0057.06"/> fing man an zu murren, ob gleich nicht eigent=
<lb n="0057.07"/> lich wider den Calif, dessen Verdienste durch=
<lb n="0057.08"/> g&#x00E4;ngig bekandt waren; es wollten blo&#x00DF; einige
<lb n="0057.09"/> behaupten, die Nachfolge geh&#x00F6;re dem Ali, wel=
<lb n="0057.10"/> cher die Ehre hatte ein Vetter und Schwie=
<lb n="0057.11"/> gersohn des Mahomets zu seyn, und niemand
<lb n="0057.12"/> k&#x00F6;nne ein rechtm&#x00E4;&#x00DF;iger Besitzer der Oberherr=
<lb n="0057.13"/> schaft seyn, wenn er nicht aus der Familie des
<lb n="0057.14"/> Propheten w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0057.15" rend="indent"/> <p>Diejenigen, welche diese Klagen f&#x00FC;hrten,
<lb n="0057.16"/> waren einigermassen durch die Art dazu berech=
<lb n="0057.17"/> tiget, mit welcher Ali die Wahl des Abubekers
<lb n="0057.18"/> aufgenommen hatte. Er war bey der Ver=
<lb n="0057.19"/> sammlung nicht zugegen gewesen, in welcher
<lb n="0057.20"/> diese grosse Angelegenheit war entschieden wor=
<lb n="0057.21"/> den, und als man ihm den Ausschlag derselben
<lb n="0057.22"/> berichtete, so konnte er sich nicht enthalten, zu
<lb n="0057.23"/> bezeigen, wie wenig er damit zufrieden sey.</p>
<lb n="0057.24" rend="indent"/> <p>Sobald Abubeker von den Gesinnungen des
<lb n="0057.25"/> Ali Nachricht erhielt, entschlo&#x00DF; er sich, alles zu
<lb n="0057.26"/> versuchen, um ihn auf seine Seite zu bringen,
<lb n="0057.27"/> weil er bef&#x00FC;rchtete, das Murren einer Person
<lb n="0057.28"/> von seinem Stande m&#x00F6;chte einen allzunachthei=
<lb n="0057.29"/> ligen Eindruck auf die Gem&#x00FC;ther machen. Er
<lb n="0057.30"/> trug es also dem Omar auf, zu ihm zu gehen,
<pb n="0058.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-119"/>
<lb n="0058.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>uud alle Mittel anzuwenden, um ihn zu be=
<lb n="0058.02"/> s&#x00E4;nftigen.</p>
<lb n="0058.03"/> <note type="marginalie" place="links">Omar n&#x00F6;=<lb/>thiget <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Ali den Abu=<lb/>beker zu er=<lb/>kennen.</note><p rend="indent">Omar ging sogleich zur Fatime, wo er wu=
<lb n="0058.04"/> ste, da&#x00DF; Ali mit einer grossen Gesellschaft von
<lb n="0058.05"/> Anverwandten und Freunden war. Er erkl&#x00E4;r=
<lb n="0058.06"/> te ihnen die Ursache, warum er gekommen sey,
<lb n="0058.07"/> und wendete alles an, den Ali zu bewegen, ei=
<lb n="0058.08"/> ner Wahl beyzutreten, welche nach allen Re=
<lb n="0058.09"/> geln und mit Einstimmung der ganzen Nation
<lb n="0058.10"/> geschehen war. Ali, welcher den Vorstellun=
<lb n="0058.11"/> gen wenig Geh&#x00F6;r gab, die ihn bewegen sollten,
<lb n="0058.12"/> ein Recht fahren lassen, von welchem er glaub=
<lb n="0058.13"/> te, da&#x00DF; es ihm zukomme, antwortete blo&#x00DF; mit
<lb n="0058.14"/> neuen Klagen, welche es allzu deutlich zeigten,
<lb n="0058.15"/> da&#x00DF; man in gutem nichts von ihm erhalten
<lb n="0058.16"/> w&#x00FC;rde. Omar nahm hierauf den ernsthaften
<lb n="0058.17"/> Ton an, dessen er sich so wohl zu bedienen wu=
<lb n="0058.18"/> ste, und sagte zu dem Ali, da&#x00DF; er nothwendig
<lb n="0058.19"/> gehorchen m&#x00FC;sse. Er kehrte sich zugleich gegen
<lb n="0058.20"/> die Anwesenden, die mit ihm, dem Ali, bey der Fa=
<lb n="0058.21"/> time waren, und erkl&#x00E4;rte ihnen, da&#x00DF; er sogleich
<lb n="0058.22"/> das Haus wolle in Brand stecken lassen, wann
<lb n="0058.23"/> man sich noch l&#x00E4;nger weigerte, den Califen zu
<lb n="0058.24"/> erkennen.</p>
<lb n="0058.25" rend="indent"/> <p>Ali, welcher wohl wuste, da&#x00DF; Omar ein
<lb n="0058.26"/> Mann von Wort sey, hielt es nicht f&#x00FC;r rath=
<lb n="0058.27"/> sam, es darauf ankommen zu lassen, er schickte
<lb n="0058.28"/> sich vielmehr in Zeit und Umst&#x00E4;nde, und ging
<lb n="0058.29"/> sogleich hin, dem Abubeker zu huldigen.</p>
<lb n="0058.30"/> <note type="marginalie" place="links">Abubeker<lb/>und Ali un=<lb/>terreden sich.</note><p rend="indent">Er hatte hierauf eine sehr lange Unterre=
<pb n="0059.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-120"/>
<lb n="0059.01"/> dung mit dem Califen, in welcher er seine Ver=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0059.02"/> wunderung nicht bergen konnte, da&#x00DF; Abube=
<lb n="0059.03"/> ker das Regiment angenommen habe, ohne ihm
<lb n="0059.04"/> vorher das geringste davon zu sagen. Dieser
<lb n="0059.05"/> wuste nur allzuwohl, da&#x00DF; die Klagen des Ali
<lb n="0059.06"/> gegr&#x00FC;ndet w&#x00E4;ren, und bem&#x00FC;hte sich also ihn zu
<lb n="0059.07"/> bes&#x00E4;nftigen, indem er ihm mit vieler Sanft=
<lb n="0059.08"/> muth zuredete. Er machte ihm eine r&#x00FC;hrende
<lb n="0059.09"/> Beschreibung von den traurigen Umst&#x00E4;nden, in
<lb n="0059.10"/> welchen sich die Wahlversammlung befunden,
<lb n="0059.11"/> weil die Partheyen die Sachen auf das &#x00E4;usser=
<lb n="0059.12"/> ste getrieben h&#x00E4;tten. Er erzehlte ihm, wie er
<lb n="0059.13"/> sie mehr als einmal im Begriffe gesehen habe,
<lb n="0059.14"/> sich unter einander zu ermorden, und wie der
<lb n="0059.15"/> Tumult nach seiner Ernennung sogleich aufge=
<lb n="0059.16"/> h&#x00F6;ret habe, so da&#x00DF; er es f&#x00FC;r durchaus n&#x00F6;=
<lb n="0059.17"/> thig halten m&#x00FC;ste, sich, bey so gestalten Sa=
<lb n="0059.18"/> chen, den einm&#x00FC;thigen Gesinnungen der Ver=
<lb n="0059.19"/> sammlung zu &#x00FC;berlassen, aus Furcht, eine ab=
<lb n="0059.20"/> schl&#x00E4;gliche Antwort, oder nur ein Aufschub von
<lb n="0059.21"/> seiner Seite, m&#x00F6;chte das Feuer der Zwietracht
<lb n="0059.22"/> wieder anflammen, und Unruhen erwecken, wel=
<lb n="0059.23"/> che ohnfehlbar einen noch nicht befestigten
<lb n="0059.24"/> Staat &#x00FC;ber den Hauffen werffen k&#x00F6;nnten.</p>
<lb n="0059.25" rend="indent"/> <p>Als Ali diesen Ursachen nachzugeben schien,
<lb n="0059.26"/> f&#x00FC;gte der Calife hinzu, da&#x00DF;, da er die oberste
<lb n="0059.27"/> Gewalt blo&#x00DF; zum Besten des Staats &#x00FC;bernom=
<lb n="0059.28"/> men habe, er sie so gleich wieder niederlegen
<lb n="0059.29"/> wolle, so bald man ihm eine andre Person vor=
<lb n="0059.30"/> stellen w&#x00FC;rde, welche ein Freund des Volks
<lb n="0059.31"/> sey, und die Ruhe unter ihnen zu erhalten ge=
<pb n="0060.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-121"/>
<lb n="0060.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>schickt w&#x00E4;re. Es sey nun, da&#x00DF; Abubeker auf=
<lb n="0060.02"/> richtig redte, oder da&#x00DF; er blo&#x00DF; die Absicht hat=
<lb n="0060.03"/> te, den Ali durch Vorstellung seiner Uneigenn&#x00FC;=
<lb n="0060.04"/> tzigkeit zu gewinnen; genung, dieser Kunstgriff
<lb n="0060.05"/> gelang ihm. Anstatt da&#x00DF; sich Ali l&#x00E4;nger h&#x00E4;tte
<lb n="0060.06"/> beklagen sollen, brach er in Lobspr&#x00FC;che der gro&#x00DF;=
<lb n="0060.07"/> m&#x00FC;thigen Gesinnungen des Califen aus. Er
<lb n="0060.08"/> best&#x00E4;tigte die Huldigung, die er ihm kurz vor=
<lb n="0060.09"/> her geleistet hatte, (<ref rend="footnote" n="60*"><hi rend="super">*</hi></ref>) und ersuchte ihn an die
<lb n="0060.10"/> Niederlegung eines Ansehens nicht zu gedenken,
<lb n="0060.11"/> zu welchem ihm, sowohl sein eigenes Verdienst,
<lb n="0060.12"/> als die Wahl der Nation bestimme.</p>
<lb n="0060.13"/> <note type="marginalie" place="links">Verschied=<lb/>ne arabische<lb/>St&#x00E4;<expan>mm</expan>e ma=<lb/>chen <hi rend="spaced">einen</hi><lb/>Aufstand.</note><p rend="indent">Als diese Angelegenheit also gl&#x00FC;cklich beyge=
<lb n="0060.14"/> leget war, so that sich eine andere hervor, wel=
<lb n="0060.15"/> che dem Abubeker viel Unruhe verursachte. Ei=
<lb n="0060.16"/> ne ziemliche Anzahl Araber, welche von unru=
<lb n="0060.17"/> higen K&#x00F6;pfen (<ref rend="footnote" n="60**"><hi rend="super">**</hi></ref>) angef&#x00FC;hret wurden, die sich,
<lb n="0060.18"/> <note type="footnote" n="60*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Es giebt Schriftsteller, welche versichern,
<lb n="0060.19" rend="indent"/> die Aliden h&#x00E4;tten es best&#x00E4;ndig geleugnet, da&#x00DF;
<lb n="0060.20" rend="indent"/> Ali in die Wahl des Abubekers gewilliget
<lb n="0060.21" rend="indent"/> habe.</p></note>
<lb n="0060.22"/> <note type="footnote" n="60**"><p>(<hi rend="super">**</hi>) So grosse Hochachtung sich auch Maho=
<lb n="0060.23" rend="indent"/> met, f&#x00FC;r seine Person und Lehre, erworben
<lb n="0060.24" rend="indent"/> hatte, so entstanden die verschiednen Secten
<lb n="0060.25" rend="indent"/> doch nicht erst nach seinem Tode. Verschiedne
<lb n="0060.26" rend="indent"/> zeigten sich schon bey seinem Lebszeiten, und in
<lb n="0060.27" rend="indent"/> dem ersten Jahrhunderte der Hegire hat man
<lb n="0060.28" rend="indent"/> deren an die 72 gezehlt. Jn den folgenden
<lb n="0060.29" rend="indent"/> Zeiten ward es noch schlimmer, als die Ver=
<lb n="0060.30" rend="indent"/> nunftlehre und Metaphysick des Aristoteles in
<lb n="0060.31" rend="indent"/> das Arabische &#x00FC;bersetzt waren. Die rechtgl&#x00E4;u=
<lb n="0060.32" rend="indent"/> bige mahometanische Lehre bekam einen ge=
<lb n="0061.23" rend="indent"/> waltigen Sto&#x00DF;, durch die erstaunensw&#x00FC;rdige
<lb n="0061.24" rend="indent"/> Menge von Auslegungen, Meinungen und
<lb n="0061.25" rend="indent"/> Streitigkeiten, welche allm&#x00E4;lig das Feuer der
<lb n="0061.26" rend="indent"/> b&#x00FC;rgerlichen Kriege anflammten. Jede von
<lb n="0061.27" rend="indent"/> diesen Secten hatte ihre Anf&#x00FC;hrer, ihre An=
<lb n="0061.28" rend="indent"/> merkungsmacher, ihre Ausleger, ihre Leh=
<lb n="0061.29" rend="indent"/> rer, die sich recht um die Wette bestrebten, ein=
<lb n="0061.30" rend="indent"/> ander an ausschweiffenden Meinungen, und
<lb n="0061.31" rend="indent"/> Hartn&#x00E4;ckigkeit bey ihrer Vertheidigung, zu
<lb n="0061.32" rend="indent"/> &#x00FC;bertreffen.</p></note>
<pb n="0061.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-122"/>
<lb n="0061.01"/> eben so wie Mahomet, einen Namen vermit=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0061.02"/> telst der Religion machen wollten, war ent=
<lb n="0061.03"/> schlossen, das Joch des Nachfolgers des Pro=
<lb n="0061.04"/> pheten abzusch&#x00FC;tteln, und nach Gutd&#x00FC;nken eine
<lb n="0061.05"/> neue Regierungsform einzus&#x00FC;hren.</p>
<lb n="0061.06" rend="indent"/> <p>Jhre Trennung zeigte sich zuerst dadurch,
<lb n="0061.07"/> da&#x00DF; sie sich, den gew&#x00F6;hnlichen Zoll sowohl, als
<lb n="0061.08"/> den Dezen und die Beysteuern, zu bezahlen wei=
<lb n="0061.09"/> gerten, welche der Prophet vorgeschrieben hatte.
<lb n="0061.10"/> Umsonst ermahnte man sie, zu ihrer Schuldig=
<lb n="0061.11"/> keit zur&#x00FC;ck zu kehren, und das Ansehen des Ca=
<lb n="0061.12"/> lifen zu erkennen: sie ergriffen die Waffen,
<lb n="0061.13"/> und machten sich fertig ihren Aufstand zu ver=
<lb n="0061.14"/> theidigen. Man erfuhr so gar kurz darauf,
<lb n="0061.15"/> da&#x00DF; sie im Anzug w&#x00E4;ren, und sich der Stadt
<lb n="0061.16"/> Medina n&#x00E4;herten.</p>
<lb n="0061.17" rend="indent"/> <p>Diese Nachricht machte alles in der Stadt<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Maa&#x00DF;re=</hi><lb/>geln, die man<lb/><hi rend="spaced">wider die<lb/>Aufr&#x00FC;hrer<lb/>nimmt.</hi></note>
<lb n="0061.18"/> unruhig Die erschrocknen Einwohner glaub=
<lb n="0061.19"/> ten den Feind schon an ihren Thoren zu sehen,
<lb n="0061.20"/> und waren in der gr&#x00F6;&#x00DF;ten Best&#x00FC;rzung. Abube=
<lb n="0061.21"/> ker stellte so gleich seine Befehle aus, und brach=
<lb n="0061.22"/> te in aller Eil Trupen auf die Beine. Weil
<pb n="0062.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-123"/>
<lb n="0062.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>man aber bef&#x00FC;rchtete, da&#x00DF; der Feind w&#x00E4;hrend
<lb n="0062.02"/> diesen Anstalten, sich die Gelegenheit zu Nutze
<lb n="0062.03"/> machen und einen Ueberfall wagen m&#x00F6;chte; so
<lb n="0062.04"/> lie&#x00DF; der Calife die Weiber, Kinder und Alten;
<lb n="0062.05"/> kurtz alle, welche nicht im Stande waren, die
<lb n="0062.06"/> Waffen zu f&#x00FC;hren, in Sicherheit bringen. Als
<lb n="0062.07"/> diese Maa&#x00DF;regeln genommen waren, und die
<lb n="0062.08"/> Trupen sich fertig befanden, &#x00FC;bergab Abubeker
<lb n="0062.09"/> die Anf&#x00FC;hrung derselben dem Khaled, einem be=
<lb n="0062.10"/> r&#x00FC;hmten Krieger, welcher schon unter dem Ma=
<lb n="0062.11"/> homet mit Ehren gedienet hatte.</p>
<lb n="0062.12"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Sie</hi> wer=<lb/>den geschla=<lb/>gen.</note><p rend="indent">Khaled best&#x00E4;tigte bey dieser Gelegenheit den
<lb n="0062.13"/> Ruhm, den er sich zu Lebzeiten des Propheten
<lb n="0062.14"/> erworben hatte; er ging k&#x00FC;hn, blo&#x00DF; an der Spi=
<lb n="0062.15"/> tze von f&#x00FC;nftausend Mann, dem Feinde entge=
<lb n="0062.16"/> gen, und trug einen vollkommnen Sieg davon.
<lb n="0062.17"/> Man t&#x00F6;dtete eine grosse Anzahl, und eine ziem=
<lb n="0062.18"/> liche Menge machte man zu Gefangnen, unter
<lb n="0062.19"/> welchen sich fast alle vornehme Officiers befan=
<lb n="0062.20"/> den, wovon das Haupt des Aufruhrs, Malek=
<lb n="0062.21"/> ebn = Novairah, der vornehmste war.</p>
<lb n="0062.22" rend="indent"/> <p>Malek war unter den Arabern eine angese=
<lb n="0062.23"/> hene Person. Er verband mit einer hohen Ge=
<lb n="0062.24"/> burth eine nicht gemeine Tapferkeit, und hatte
<lb n="0062.25"/> sich &#x00FC;brigens bey seinem Volke durch eine be=
<lb n="0062.26"/> wundernsw&#x00FC;rdige Gabe zur Poesie hervorge=
<lb n="0062.27"/> than. Der Calife, welcher eine besondre Hoch=
<lb n="0062.28"/> achtung f&#x00FC;r diesen Heerf&#x00FC;hrer hatte, wollte es
<lb n="0062.29"/> anfangs versuchen, ihn im guten wieder zum
<lb n="0062.30"/> Gehorsam zu bringen; und weil man Grund
<pb n="0063.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-124"/>
<lb n="0063.01"/> zu muthmassen hatte, da&#x00DF; er mehr die Waffen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0063.02"/> ergriffen, um sich zum Haupte einer Parthey
<lb n="0063.03"/> zu machen, als um sich der Religion des Ma=
<lb n="0063.04"/> homets zu entschlagen, so trug er dem Khaled
<lb n="0063.05"/> auf, sich mit dem Malek zu unterreden, und
<lb n="0063.06"/> seine Gesinnungen in Ansehung der Lehre des
<lb n="0063.07"/> Propheten zu untersuchen.</p>
<lb n="0063.08" rend="indent"/> <p>Malek verstellte gleich anfangs seine Den=<note type="marginalie" place="rechts">Malek und<lb/>Khaled un=<lb/>terreden sich.</note>
<lb n="0063.09"/> kungsart in Ansehung der Religion nicht, und
<lb n="0063.10"/> erkl&#x00E4;rte, er glaube, da&#x00DF; das Gebet seiner An=
<lb n="0063.11"/> h&#x00E4;nger eben so gut, und Gott eben so angenehm
<lb n="0063.12"/> sey, als das Gebet der Muselm&#x00E4;nner, welche den
<lb n="0063.13"/> <hi rend="bold">Zegat</hi> bezahlen. (Dieses war eine Auflage, die
<lb n="0063.14"/> nach dem Gesetze des Mahomets befohlen war.)
<lb n="0063.15"/> Khaled antwortete ihm, da&#x00DF; das Gebet von den
<lb n="0063.16"/> Almosen m&#x00FC;sse begleitet werden, und da&#x00DF; es
<lb n="0063.17"/> weder den Zehnden, noch andre Auflagen, die da=
<lb n="0063.18"/> zu bestimmt w&#x00E4;ren, erlassen k&#x00F6;nnte. <hi rend="bold">Und
<lb n="0063.19"/> dieses</hi>, antwortete Malek, <hi rend="bold">sagt und ver=
<lb n="0063.20"/> langt euer Herr</hi>? Auf dieses Wort, wel=
<lb n="0063.21"/> ches nur allzuwohl zu verstehen gab, da&#x00DF; sich
<lb n="0063.22"/> der Gefangne f&#x00FC;r keinen Unterthanen des
<lb n="0063.23"/> Califen halte, erwiederte Khaled w&#x00FC;thend:
<lb n="0063.24"/> <hi rend="bold">Wie? ist mein Herr nicht auch der dei=
<lb n="0063.25"/> nige</hi>? und, ohne ihm Zeit zur Antwort zu las=
<lb n="0063.26"/> sen, drohte er ihm den Tod. Malek aber lie&#x00DF;
<lb n="0063.27"/> sich dadurch nicht irre machen, und sagte ganz
<lb n="0063.28"/> ruhig: <hi rend="bold">Jst das der Befehl, den euch eu=
<lb n="0063.29"/> er Herr gegeben hat</hi>? Khaled kam hierauf
<lb n="0063.30"/> ganz ausser sich, und sagte blo&#x00DF;: <hi rend="bold">Was? im=
<lb n="0063.31"/> mer eben dieselbe Verachtung gegen den</hi>
<pb n="0064.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-125"/>
<lb n="0064.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><hi rend="bold">Regenten</hi>? und sogleich befahl er seinen Leu=
<lb n="0064.02"/> ten ihn zu greiffen und zu t&#x00F6;dten.</p>
<lb n="0064.03"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>wird get&#x00F6;d=<lb/>tet.</note><p rend="indent">Einige Kriegsobersten, welche mit dem Kha=
<lb n="0064.04"/> led gekommen waren, thaten alles, was ihnen
<lb n="0064.05"/> m&#x00F6;glich war, da&#x00DF; er seinen gegebenen Befehl
<lb n="0064.06"/> zur&#x00FC;ckziehen sollte: allein er war unerbittlich.
<lb n="0064.07"/> Der ungl&#x00FC;ckliche Malek, als er sahe, da&#x00DF; er
<lb n="0064.08"/> zum Tode verdammt sey, konnte sich nicht ein=
<lb n="0064.09"/> bilden, da&#x00DF; man mit ihm, als einem Musel=
<lb n="0064.10"/> manne, welcher von den andern nur in eini=
<lb n="0064.11"/> gen gesetzlichen Gebr&#x00E4;uchen unterschieden sey,
<lb n="0064.12"/> so grausam verfahren k&#x00F6;nne. Er glaubte, die
<lb n="0064.13"/> Sch&#x00F6;nheit seines Weibes, welche zugegen war,
<lb n="0064.14"/> und die man ohne Zweifel zugleich gefangen ge=
<lb n="0064.15"/> nommen hatte, sey an seinem Verderben
<lb n="0064.16"/> Schuld. <hi rend="bold">Dieses Weib</hi>, schrie er, als die Leu=
<lb n="0064.17"/> te des Khaled sich seiner bem&#x00E4;chtigten, <hi rend="bold">ist die
<lb n="0064.18"/> einzige Ursache meines Todes. Nein</hi>,
<lb n="0064.19"/> versetzte Khaled, <hi rend="bold">nicht sie verursacht deinen
<lb n="0064.20"/> Tod, sondern Gott allein, dessen Re=
<lb n="0064.21"/> ligion du verlassen hast. Nein</hi>, erwieder=
<lb n="0064.22"/> te Malek, <hi rend="bold">denn ich bekenne sie</hi>. Mehr
<lb n="0064.23"/> konnte er nicht sagen, weil in dem Augenblicke
<lb n="0064.24"/> die Leute des Khaled ihm den Kopf vor die F&#x00FC;s=
<lb n="0064.25"/> se legten.</p>
<lb n="0064.26" rend="indent"/> <p>Abubeker kam f&#x00FC;r Zorn ganz ausser sich, als
<lb n="0064.27"/> er die Nachricht davon erfuhr. Er sch&#x00E4;tzte den
<lb n="0064.28"/> Malek hoch; seine Absicht war ihn mit G&#x00FC;te
<lb n="0064.29"/> zu gewinnen, und die Strenge nur im &#x00E4;usser=
<lb n="0064.30"/> sten Nothfalle anzuwenden, allein der &#x00FC;bertrie=
<pb n="0065.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-126"/>
<lb n="0065.01"/> bne Eyfer des Khaled war keiner Behutsam=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0065.02"/> keit f&#x00E4;hig. Es fehlte wenig, so h&#x00E4;tte er seine
<lb n="0065.03"/> K&#x00FC;hnheit theuer bezahlen m&#x00FC;ssen. Der Calife
<lb n="0065.04"/> wollte ihn mit aller Gewalt de&#x00DF;wegen bestraf=
<lb n="0065.05"/> fen, und durch seinen Tod den Tod eines be=
<lb n="0065.06"/> r&#x00FC;hmten Heerf&#x00FC;hrers r&#x00E4;chen, welcher es nicht
<lb n="0065.07"/> verdient hatte, so grausam mi&#x00DF;gehandelt zu
<lb n="0065.08"/> werden. Zu Khaleds Gl&#x00FC;cke, schlug sich Omar
<lb n="0065.09"/> f&#x00FC;r ihn ins Mittel, und redete dem Califen so
<lb n="0065.10"/> nachdr&#x00FC;cklich zu, da&#x00DF; er ihn endlich bes&#x00E4;nftigte,
<lb n="0065.11"/> und die Gnade des Schuldigen erhielt.</p>
<lb n="0065.12" rend="indent"/> <p>Die Niederlage des Malek und seiner An=
<lb n="0065.13"/> h&#x00E4;nger stellte die Ruhe in Medina wieder her.
<lb n="0065.14"/> Es waren zwar noch verschiedene Feinde zu
<lb n="0065.15"/> bestreiten; denn nach dem Tode des Maho=
<lb n="0065.16"/> mets hatten sich nicht wenig kleine Propheten
<lb n="0065.17"/> aufgeworffen, die um die Wette das Volk zu
<lb n="0065.18"/> verf&#x00FC;hren und sich Anh&#x00E4;nger zu machen, be=
<lb n="0065.19"/> m&#x00FC;ht waren: allein sie waren nicht sehr zu
<lb n="0065.20"/> f&#x00FC;rchten. So viel ihrer auch waren, so wa=
<lb n="0065.21"/> ren sie doch durch keine besondern Vortheile
<lb n="0065.22"/> mit einander verbunden, und man wuste wohl,
<lb n="0065.23"/> da&#x00DF; keiner dem andern beystehen w&#x00FC;rde; so da&#x00DF;
<lb n="0065.24"/> man mit Grunde hoffen konnte, sie mit leichter
<lb n="0065.25"/> M&#x00FC;he einzeln zu unterdr&#x00FC;cken.</p>
<lb n="0065.26" rend="indent"/> <p>Unter diesen verschiednen Partheyen war<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Mosseila=<lb/>mah</hi> wirft<lb/>sich zum Pro=<lb/>pheten auf.</note>
<lb n="0065.27"/> diejenige die f&#x00FC;rchterlichste, welche einen ber&#x00FC;hm=
<lb n="0065.28"/> ten Kriegsmann, Namens Mosseilamah, einen
<lb n="0065.29"/> Mann, der seinen Kopf so wohl als seine Faust
<lb n="0065.30"/> zu gebrauchen wu&#x00DF;te, zum Haupte hatte. Er
<pb n="0066.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-127"/>
<lb n="0066.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>war anfangs einer von den ersten Anh&#x00E4;ngern
<lb n="0066.02"/> des Mahomets gewesen, hatte sich aber gar bald,
<lb n="0066.03"/> noch bey Lebszeiten des Propheten, unterstanden,
<lb n="0066.04"/> seine Lehren zu verbessern, und einen neuen Koran
<lb n="0066.05"/> bekannt zu machen. Es wurde ihm sehr schwer,
<lb n="0066.06"/> sich in einiges Ansehen zu setzen, so lange Ma=
<lb n="0066.07"/> homet die oberste Gewalt in H&#x00E4;nden hatte; so
<lb n="0066.08"/> bald er aber todt war, hatte Mosseilamah mehr
<lb n="0066.09"/> Gl&#x00FC;ck; er brachte mit vielen Vorbereitungen
<lb n="0066.10"/> seine Lehre unter das Volk, und verschaffte sich
<lb n="0066.11"/> eine sehr betr&#x00E4;chtliche Anzahl Sch&#x00FC;ler. End=
<lb n="0066.12"/> lich griff er in der Provinz Yemamat so weit
<lb n="0066.13"/> um sich, da&#x00DF; der Calife schl&#x00FC;&#x00DF;ig ward, die Waf=
<lb n="0066.14"/> fen gegen ihn zu kehren.</p>
<lb n="0066.15" rend="indent"/> <p>Anfangs lie&#x00DF; Abubeker den Akramah und
<lb n="0066.16"/> Sergiabil, zwey erfahrne Krieger, wider ihn
<lb n="0066.17"/> mit einem ganz zahlreichen Heere ausziehen,
<lb n="0066.18"/> welches hernach durch neue Trupen, die der
<lb n="0066.19"/> Calife unter Anf&#x00FC;hrung des Khaled dazu stossen
<lb n="0066.20"/> lie&#x00DF;, vermehrt wurde. Diese Armee nun, wel=
<lb n="0066.21"/> che ohngefehr vierzig tausend Mann stark war,
<lb n="0066.22"/> schlug ihr Lager bey einem Orte, Namens Akre=
<lb n="0066.23"/> bah, auf.</p>
<lb n="0066.24"/> <note type="marginalie" place="links">Der Tod<lb/>des Mosseila=<lb/>mah wendet<lb/>den Sieg zu<lb/>den Musel=<lb/>m&#x00E4;nnern.</note><p rend="indent">Hier hatte Mosseilamah, ob er gleich weit
<lb n="0066.25"/> schw&#x00E4;cher war, dennoch die K&#x00FC;hnheit, die Mu=
<lb n="0066.26"/> selm&#x00E4;nner aufzusuchen, und ihnen eine Schlacht
<lb n="0066.27"/> zu liefern. Beynahe h&#x00E4;tte dieses verwegene
<lb n="0066.28"/> Unternehmen den sch&#x00F6;nsten Ausgang gehabt.
<lb n="0066.29"/> Die Muselm&#x00E4;nner wurden geschlagen, und bey
<lb n="0066.30"/> dem ersten Anfalle getrennt; die meisten woll=
<pb n="0067.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-128"/>
<lb n="0067.01"/> ten so gar schon die Flucht ergreiffen: doch al=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0067.02"/> les ward durch die gesch&#x00E4;ftige Tapferkeit der
<lb n="0067.03"/> Anf&#x00FC;hrer bald wieder gut gemacht; es gelang
<lb n="0067.04"/> ihnen, die Fl&#x00FC;chtigen von neuen zusammen zu
<lb n="0067.05"/> bringen, und ihnen frischen Muth zu machen,
<lb n="0067.06"/> so da&#x00DF; sie voll Wuth gegen den Feind zur&#x00FC;ck
<lb n="0067.07"/> kehrten, und fest entschlossen waren, die Schan=
<lb n="0067.08"/> de ihres Verlusts auszul&#x00F6;schen. Dieser neue
<lb n="0067.09"/> Angriff war auf beyden Seiten sehr feurig, so
<lb n="0067.10"/> da&#x00DF; der Sieg lange Zeit unentschieden blieb;
<lb n="0067.11"/> doch als Mosseilamah in dem dichtesten Treffen
<lb n="0067.12"/> get&#x00F6;dtet wurde, so zog sein Tod den Verlust
<lb n="0067.13"/> der Schlacht nach sich. Die Muselm&#x00E4;nner ver=
<lb n="0067.14"/> doppelten ihre Kr&#x00E4;fte, trieben die Araber zu=
<lb n="0067.15"/> r&#x00FC;ck, und brachten sie g&#x00E4;nzlich in Unordnung.
<lb n="0067.16"/> Sie wurden auf eine entsetzliche Art niederge=
<lb n="0067.17"/> metzelt; zehn tausend Mann blieben auf dem
<lb n="0067.18"/> Platze; eine grosse Anzahl der Fl&#x00FC;chtigen wur=
<lb n="0067.19"/> de von den Trupen, die man ihnen nachgeschickt
<lb n="0067.20"/> hatte, niedergehauen, und diejenigen, die dem
<lb n="0067.21"/> Schwerdte des Siegers entkamen, konnten ihr
<lb n="0067.22"/> Leben nicht anders retten, als damit, da&#x00DF; sie
<lb n="0067.23"/> sich von neuen der Religion des Mahomets un=
<lb n="0067.24"/> terwarffen.</p>
<lb n="0067.25" rend="indent"/> <p>Kaum war man hiemit fertig, als man dar=<note type="marginalie" place="rechts">Die <hi rend="spaced">Pro=<lb/>vinz Bar=<lb/>heim</hi> wird<lb/>wieder <hi rend="spaced">zum<lb/>Gehorsam</hi><lb/>gebracht.</note>
<lb n="0067.26"/> auf bedacht seyn muste, die Unruhen, die sich
<lb n="0067.27"/> in der Landschaft Barheim, einer Provinz Ara=
<lb n="0067.28"/> biens an dem persischen Meerbusen, ge&#x00E4;ussert
<lb n="0067.29"/> hatten, beyzulegen. Die Bewohner dieser Ge=
<lb n="0067.30"/> gend hatten ihre alte Religion wieder angenom=
<lb n="0067.31"/> men, und weigerten sich die Auflagen, welche
<pb n="0068.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-129"/>
<lb n="0068.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>das Gesetz des Mahomets verordnet hatte, zu
<lb n="0068.02"/> bezahlen. Abubeker schickte sogleich Mann=
<lb n="0068.03"/> schaft aus, diese Aufr&#x00FC;hrer zum Gehorsam zu
<lb n="0068.04"/> bringen. Doch hierzu war der blosse An=
<lb n="0068.05"/> marsch der Trupen genug. Das Beyspiel des
<lb n="0068.06"/> Mosseilamah, dessen Niederlage ganz Arabien
<lb n="0068.07"/> in Schrecken setzte, hatte sie furchtsam gemacht;
<lb n="0068.08"/> sie kehrten in den Schoo&#x00DF; der mahometischen
<lb n="0068.09"/> Religion zur&#x00FC;ck, und man h&#x00F6;rte lange Zeit un=
<lb n="0068.10"/> ter ihnen von keinem Aufstande mehr.</p>
<lb n="0068.11" rend="indent"/> <p>Nachdem der Calife die Unruhen beygelegt,
<lb n="0068.12"/> die Aufr&#x00FC;hrer &#x00FC;berwunden, und ganz Arabien
<lb n="0068.13"/> seiner Macht und Religion unterworffen hatte,
<lb n="0068.14"/> so nahm er sich vor die christlichen Staaten
<lb n="0068.15"/> mit Krieg zu &#x00FC;berziehen, und sie zu n&#x00F6;thigen,
<lb n="0068.16"/> entweder Muselm&#x00E4;nner zu werden, oder den
<lb n="0068.17"/> Mahometanern Tribut zu bezahlen. Uebrigens
<lb n="0068.18"/> mochte Abubeker wohl voraussehen, das aller=
<lb n="0068.19"/> sicherste Mittel des Aufruhrs ent&#x00FC;brigt zu seyn,
<lb n="0068.20"/> welchen die unruhigen K&#x00F6;pfe in seinen Provin=
<lb n="0068.21"/> zen anfangen k&#x00F6;nnten, sey dieses, wenn er sie
<lb n="0068.22"/> ausw&#x00E4;rts besch&#x00E4;ftigte, und ihnen einen gemei=
<lb n="0068.23"/> nen Feind g&#x00E4;be, dessen Reichth&#x00FC;mer sie begie=
<lb n="0068.24"/> rig machte, da er indessen seiner Schw&#x00E4;rmerey,
<lb n="0068.25"/> dem mahometanischen Glauben Proselyten zu
<lb n="0068.26"/> machen, genug thun k&#x00F6;nne. Doch dem sey
<lb n="0068.27"/> wie ihm wolle; der Vorschlag des Califen ward
<lb n="0068.28"/> von seinem Rathe einm&#x00FC;thig angenommen, und
<lb n="0068.29"/> man beschlo&#x00DF;, da&#x00DF; man alle Christen, die sich ei=
<lb n="0068.30"/> nes von beyden weigern w&#x00FC;rden, ohne Verscho=
<lb n="0068.31"/> nung niedermachen wolle.</p>
<pb n="0069.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-130"/>
<lb n="0069.01" rend="indent"/> <p>Da dieser Krieg die Ausbreitung der ma=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0069.02"/> hometischen Religion zum Grunde hatte, so
<lb n="0069.03"/> nennten ihn die Muselm&#x00E4;nner <hi rend="bold">den heiligen
<lb n="0069.04"/> Krieg</hi>. Mit eben diesem Titel haben sie alle
<lb n="0069.05"/> Feldz&#x00FC;ge beehret, die sie in folgenden Zeiten,
<lb n="0069.06"/> aus gleicher Absicht, unternahmen.</p>
<lb n="0069.07" rend="indent"/> <p>Der Calife schickte sogleich, dem Schlusse
<lb n="0069.08"/> seines Raths zu Folge, ein Umlaufschreiben an
<lb n="0069.09"/> alle arabische F&#x00FC;rsten und Befehlshaber der
<lb n="0069.10"/> Pl&#x00E4;ze, um ihnen zu befehlen, schleinig Trupen
<lb n="0069.11"/> auf die Beine zu bringen. Der Brief war
<lb n="0069.12"/> folgender maassen abgefa&#x00DF;t:</p>
<lb n="0069.13" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jm Namen GOttes des Erbarmers</hi>!<note type="marginalie" place="rechts">Schreiben<lb/>des Califen<lb/><hi rend="spaced">wegen</hi> Zu=<lb/>sa<expan>mm</expan>enberuf=<lb/>fung der Tru=<lb/>pen.</note>
<lb n="0069.14"/> <hi rend="bold_large">Abdallah=Ebn=Abu Kohaphas</hi> (<ref rend="footnote" n="69*"><hi rend="super">*</hi></ref>)
<lb n="0069.15"/> <hi rend="bold">allen wahren Gl&#x00E4;ubigen Gl&#x00FC;ck und See=
<lb n="0069.16"/> gen. Die Barmherzigkeit und der
<lb n="0069.17"/> Schutz Gottes sey mit euch. Jch prei=
<lb n="0069.18"/> se den allerweisesten Gott und bitte f&#x00FC;r
<lb n="0069.19"/> seinen Propheten</hi>. (<ref rend="footnote" n="69**"><hi rend="super">**</hi></ref>)</p>
<lb n="0069.20" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Dieses dient, euch zu berichten, da&#x00DF;
<lb n="0069.21"/> ich entschlossen bin, die wahren Gl&#x00E4;ubi=
<lb n="0069.22"/> gen nach Syrien zu senden, und dieses</hi>
<lb n="0069.23"/> <note type="footnote" n="69*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Dieses war der eigentliche Name des Abu=
<lb n="0069.24" rend="indent"/> bekers. Wir haben oben die Ursache ange=
<lb n="0069.25" rend="indent"/> f&#x00FC;hrt, warum ihn Mahomet in dem Namen
<lb n="0069.26" rend="indent"/> ver&#x00E4;nderte, unter welchem er in der Geschich=
<lb n="0069.27" rend="indent"/> te bekannt ist.</p></note>
<lb n="0069.28"/> <note type="footnote" n="69**"><p>(<hi rend="super">**</hi>) Dieses ist dem Vorurtheile einiger Christen
<lb n="0069.29" rend="indent"/> ganz zuwider, welche glauben, die Mahome=
<lb n="0069.30" rend="indent"/> taner richteten ihr Gebet an den Mahomet.</p></note>
<pb n="0070.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-131"/>
<lb n="0070.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><hi rend="bold">Land den Ungl&#x00E4;ubigen aus den H&#x00E4;nden
<lb n="0070.02"/> zu reissen. Jch will euch dabey erin=
<lb n="0070.03"/> nern, da&#x00DF; ihr Gott gehorchet, wenn ihr
<lb n="0070.04"/> f&#x00FC;r die Religion k&#x00E4;mpfet</hi>.</p>
<lb n="0070.05" rend="indent"/> <p>Sobald als dieser Brief bekannt wurde, sahe
<lb n="0070.06"/> man von allen Seiten, eine unglaubliche Men=
<lb n="0070.07"/> ge Muselm&#x00E4;nner anlangen, welche unter den
<lb n="0070.08"/> Fahnen der Religion fechten wollten. Nach=
<lb n="0070.09"/> dem die Trupen also in den Provinzen auf das
<lb n="0070.10"/> schleunigste zusammen gebracht waren, so sties=
<lb n="0070.11"/> sen sie bey Medina zusammen, wo sie ihr La=
<lb n="0070.12"/> ger aufschlugen. Jhrem Eyfer ein Gen&#x00FC;ge zu
<lb n="0070.13"/> thun, mu&#x00DF;te man bald Befehl zum Aufbruche
<lb n="0070.14"/> geben; und nachdem der Tag dazu fest gesetzt
<lb n="0070.15"/> war, stellte sie Yezid = ebn = Abi = Sofian, ein
<lb n="0070.16"/> ber&#x00FC;hmter General, welchem Mahomet das
<lb n="0070.17"/> Commando dieser Trupen anvertrauet hatte,
<lb n="0070.18"/> nicht weit von der Stadt in Schlachtordnung.</p>
<lb n="0070.19"/> <note type="marginalie" place="links">Abubeker<lb/>betet f&#x00FC;r das<lb/>Gl&#x00FC;ck seiner<lb/>Waffen.</note><p rend="indent">Abubeker war &#x00FC;ber die Bereitwilligkeit sei=
<lb n="0070.20"/> ner Unterthanen sehr vergn&#x00FC;gt, und ging aus
<lb n="0070.21"/> der Stadt, die Trupen zu besehen. Den pr&#x00E4;ch=
<lb n="0070.22"/> tigen Anblick aber einer in Schlachtordnung ge=
<lb n="0070.23"/> stellten Armee recht zu geniessen, stieg er mit ei=
<lb n="0070.24"/> nigen seiner Lieblinge auf die H&#x00F6;he eines H&#x00FC;=
<lb n="0070.25"/> gels, von welchem er alles &#x00FC;bersehen konnte.
<lb n="0070.26"/> Diese sch&#x00F6;ne Aussicht r&#x00FC;hrte ihn so sehr, da&#x00DF;
<lb n="0070.27"/> er sogleich zu beten anfing, und Gott anruffte,
<lb n="0070.28"/> er wolle seinen Soldaten Muth verleihen, und
<lb n="0070.29"/> nicht zugeben, da&#x00DF; V&#x00F6;lker, die sich, so gro&#x00DF;m&#x00FC;=
<lb n="0070.30"/> thiger weise, der Ehre seines Namens weihten,
<lb n="0070.31"/> ein Raub der Ungl&#x00E4;ubigen w&#x00FC;rden.</p>
<pb n="0071.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-132"/>
<lb n="0071.01" rend="indent"/> <p>Nach diesem Gebete stieg der Calife von<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0071.02"/> dem H&#x00FC;gel herab, stellte sich an die Spitze der
<lb n="0071.03"/> Armee, und befahl aufzubrechen. Weil er zu
<lb n="0071.04"/> Fusse war, so stiegen die Anf&#x00FC;hrer von ihren
<lb n="0071.05"/> Pferden, um ihn zu begleiten; Abubeker aber
<lb n="0071.06"/> befahl ihnen, wieder aufzusteigen, indem er sag=
<lb n="0071.07"/> te, er seines Theils habe besondere Ursachen zu
<lb n="0071.08"/> Fusse zu gehen, weil er die ersten Schritte, die
<lb n="0071.09"/> er an der Spitze einer so sch&#x00F6;nen Armee thue,
<lb n="0071.10"/> Gott opfern wolle, und weil er glaube, da&#x00DF; es
<lb n="0071.11"/> ihm Gott vergelten werde.</p>
<lb n="0071.12" rend="indent"/> <p>Solchergestalt ging der Calife bis auf eine<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Er mah=</hi><lb/>nung, welche<lb/><hi rend="spaced">Abubeker</hi><lb/>dem <hi rend="spaced">Yezid</hi><lb/>giebt.</note>
<lb n="0071.13"/> gewisse Weite zu Fusse mit fort, und nahm als=
<lb n="0071.14"/> denn von seinen Trupen Abschied, nachdem er
<lb n="0071.15"/> ihnen allen gl&#x00FC;cklichen Fortgang gew&#x00FC;nscht hat=
<lb n="0071.16"/> te. Zuletzt kehrte er sich gegen den Yezid, und
<lb n="0071.17"/> ermahnte ihn, mit den Trupen gelinde zu ver=
<lb n="0071.18"/> fahren; nichts besondres zu thun, ohne die vor=
<lb n="0071.19"/> nehmsten Officiers vorher um Rath zu fragen;
<lb n="0071.20"/> sich niemals von der Gerechtigkeit und Billig=
<lb n="0071.21"/> keit zu entfernen; den Soldaten Muth und
<lb n="0071.22"/> Unerschrockenheit beyzubringen; sich der Vor=
<lb n="0071.23"/> theile, die er etwa davon tragen w&#x00FC;rde, nicht
<lb n="0071.24"/> zu &#x00FC;berheben, und wenn er siegen sollte, die
<lb n="0071.25"/> Gesetze der Menschlichkeit best&#x00E4;ndig vor Augen
<lb n="0071.26"/> zu haben; vor allen Dingen ermahnte er ihn,
<lb n="0071.27"/> die Ermordung der Kinder, der Weiber und
<lb n="0071.28"/> der Alten zu verhindern. Eine gleiche Gelin=
<lb n="0071.29"/> digkeit aber rieth er ihm nicht gegen die Die=
<lb n="0071.30"/> ner und Lehrer des Christenthums, von welchen
<lb n="0071.31"/> er aber dennoch die M&#x00F6;nche ausnahm. <hi rend="bold">Las=</hi>
<pb n="0072.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-133"/>
<lb n="0072.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><hi rend="bold">set</hi>, sagte er, <hi rend="bold">die Geistlichen in Ruhe (<ref rend="footnote" n="72*"><hi rend="super">*</hi></ref>),
<lb n="0072.02"/> welche in ihren Kl&#x00F6;stern ein eingezoge=
<lb n="0072.03"/> nes Leben f&#x00FC;hren. Den andern aber,
<lb n="0072.04"/> welche geschorne Platten haben, und zu
<lb n="0072.05"/> des Satans Schule geh&#x00F6;ren, erzeiget
<lb n="0072.06"/> keine Gnade, wenn sie nicht Mahometa=
<lb n="0072.07"/> ner werden, oder Tribut bezahlen wol=
<lb n="0072.08"/> len</hi>.</p>
<lb n="0072.09"/> <note type="marginalie" place="links">Die Musel=<lb/>m&#x00E4;nner mar=<lb/>schiren nach<lb/>Syrien.</note><p rend="indent">Nach dieser Rede nahm Abubeker auch von
<lb n="0072.10"/> den Heerf&#x00FC;hrern Abschied, und kehrte nach Me=
<lb n="0072.11"/> dina zur&#x00FC;ck. Die Armee ihres Theils setzte ih=
<lb n="0072.12"/> ren Marsch fort, und zog gegen Syrien zu.</p>
<lb n="0072.13" rend="indent"/> <p>Diese Provinz befand sich damals ohne die
<lb n="0072.14"/> geringste Bedeckung. Der K&#x00E4;yser Heraclius
<lb n="0072.15"/> glaubte eben nicht, da&#x00DF; er viel von einem Rei=
<lb n="0072.16"/> che zu bef&#x00FC;rchten habe, welches erst entstehe,
<lb n="0072.17"/> und durch innerliche Unruhen zertheilt sey. Ue=
<lb n="0072.18"/> brigens schienen ihm die Eroberungen, die er
<lb n="0072.19"/> gegen ein so furchtbares Volk, als die Perser
<lb n="0072.20"/> waren, gemacht hatte, zu versprechen, da&#x00DF;
<lb n="0072.21"/> <note type="footnote" n="72*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Diese Aufmercksamkeit des Abubekers gegen
<lb n="0072.22" rend="indent"/> die M&#x00F6;nche kam vielleicht daher, weil man den
<lb n="0072.23" rend="indent"/> Mahomet in verschiednen Kl&#x00F6;stern von Sy=
<lb n="0072.24" rend="indent"/> rien sehr wohl aufgenommen hatte, besonders
<lb n="0072.25" rend="indent"/> in dem Kloster zu Bostra, wo er eine beson=
<lb n="0072.26" rend="indent"/> dre Bekanntschaft mit einem M&#x00F6;nche mach=
<lb n="0072.27" rend="indent"/> te, welchen die Orientaler Bahira, und die Oc=
<lb n="0072.28" rend="indent"/> cidentaler Sergius nennen. Man versichert,
<lb n="0072.29" rend="indent"/> wie ich schon gesagt, da&#x00DF; ihn dieser M&#x00F6;nch
<lb n="0072.30" rend="indent"/> bey Verfertigung des Korans vornehmlich ge=
<lb n="0072.31" rend="indent"/> holffen habe.</p></note>
<pb n="0073.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-134"/>
<lb n="0073.01"/> schwerlich eine Nation so k&#x00FC;hn seyn w&#x00FC;rde, ihn<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0073.02"/> in seinen eigenen Staaten anzufallen. Diese
<lb n="0073.03"/> ungl&#x00FC;ckliche Sicherheit war Ursache, da&#x00DF; er alle
<lb n="0073.04"/> Anstallten hinten ansetzte, die ihm die Klugheit
<lb n="0073.05"/> zu machen h&#x00E4;tte rathen k&#x00F6;nnen; so da&#x00DF; sich sei=
<lb n="0073.06"/> ne Grenzen, besonders auf der Seite gegen Sy=
<lb n="0073.07"/> rien, wo nicht der geringste feste Ort war, ohne
<lb n="0073.08"/> alle Vertheidigung befanden.</p>
<lb n="0073.09" rend="indent"/> <p>Er war zwar ein wenig best&#x00FC;rzt, als er ver=<note type="marginalie" place="rechts">Sie schla=<lb/>gen die Tru=<lb/>pen, welche<lb/><hi rend="spaced">der</hi> griechi=<lb/>sche K&#x00E4;yser<lb/>gegen sie aus=<lb/>schickt.</note>
<lb n="0073.10"/> nahm, da&#x00DF; die Araber im Anzuge w&#x00E4;ren, und
<lb n="0073.11"/> Syrien zu &#x00FC;berfallen ged&#x00E4;chten: doch sein letzt
<lb n="0073.12"/> gehabter Fortgang beruhigte ihn gar bald wie=
<lb n="0073.13"/> der, da&#x00DF; er ihr Unternehmen f&#x00FC;r h&#x00F6;chst un&#x00FC;ber=
<lb n="0073.14"/> legt hielt. Er begn&#x00FC;gte sich also damit, den
<lb n="0073.15"/> Arabern einige Trupen entgegen zu schicken,
<lb n="0073.16"/> welche ihnen den Weg verlegen, und sie zum
<lb n="0073.17"/> R&#x00FC;ckzuge n&#x00F6;thigen sollten.</p>
<lb n="0073.18" rend="indent"/> <p>Der General, welchem der K&#x00E4;yser das Com=
<lb n="0073.19"/> mando &#x00FC;ber diese Trupen gegeben hatte, ging
<lb n="0073.20"/> den Arabern k&#x00FC;hn entgegen, und lieferte ihnen
<lb n="0073.21"/> ein Treffen, so bald er sie antraf; doch es fehl=
<lb n="0073.22"/> te sehr viel, als da&#x00DF; der Ausgang mit seiner
<lb n="0073.23"/> Hoffnung &#x00FC;berein gekommen w&#x00E4;re. Die Grie=
<lb n="0073.24"/> chen wurden geschlagen; der General bem&#x00FC;hte
<lb n="0073.25"/> sich umsonst, die Fl&#x00FC;chtigen wieder zur&#x00FC;ck zu
<lb n="0073.26"/> bringen, er blieb auf der Wahlstatt, und sein
<lb n="0073.27"/> Tod machte die Niederlage seiner Armee voll=
<lb n="0073.28"/> st&#x00E4;ndig.</p>
<lb n="0073.29" rend="indent"/> <p>Die Nachricht von diesem Siege ward dem
<lb n="0073.30"/> Califen, nebst den Fahnen und andrer Beute
<pb n="0074.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-135"/>
<lb n="0074.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>der Christen, sogleich &#x00FC;berschickt. Abubeker
<lb n="0074.02"/> lie&#x00DF; sie &#x00F6;ffentlich aussetzen, und hielt denen eine
<lb n="0074.03"/> weitl&#x00E4;uftige Lobrede, die an diesem Siege, wel=
<lb n="0074.04"/> cher eine so schmeichelhafte Hoffnung machte,
<lb n="0074.05"/> Theil gehabt. Die Muselm&#x00E4;nner wurden durch
<lb n="0074.06"/> die Siegszeichen ihrer Landsleute und durch die
<lb n="0074.07"/> Lobeserhebungen ihrer Tapferkeit so sehr aufge=
<lb n="0074.08"/> muntert, da&#x00DF; sie das Schicksal derjenigen zu
<lb n="0074.09"/> beneiden schienen, welche einer so r&#x00FC;hmlichen
<lb n="0074.10"/> Ausf&#x00FC;hrung beygewohnt hatten. Der Calife
<lb n="0074.11"/> ward erfreut, diese ihre Gesinnungen wahrzu=
<lb n="0074.12"/> nehmen, und fuhr fort mit noch weit gr&#x00F6;sserm
<lb n="0074.13"/> Nachdrucke zu reden, damit er das Volk v&#x00F6;llig
<lb n="0074.14"/> bewegen, und zu seinem Zwecke lenken m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0074.15"/> <note type="marginalie" place="links">Der Calife<lb/>sendet neue<lb/>Trupen nach<lb/>Syrien.</note><p rend="indent">Nachdem er die Verdienste der Heerf&#x00FC;hrer
<lb n="0074.16"/> und der Soldaten, die ihrer Nation so viel Eh=
<lb n="0074.17"/> re gemacht, genugsam erhoben hatte, so fragte
<lb n="0074.18"/> er, ob es nicht wohl gethan sey, wenn man die=
<lb n="0074.19"/> se erhaltene Vortheile verfolgte, und ob sich das
<lb n="0074.20"/> Volk wohl weigern wollte, ihren tapfern Lands=
<lb n="0074.21"/> leuten beyzutreten, und mit vereinten Kr&#x00E4;ften
<lb n="0074.22"/> an der Eroberung Syriens arbeiten zu helffen.</p>
<lb n="0074.23" rend="indent"/> <p>Hierauf erhob sich eine allgemeine Bewe=
<lb n="0074.24"/> gung unter dem Volke; jeder wollte an der
<lb n="0074.25"/> Ehre eines solchen Unternehmens Theil nehmen;
<lb n="0074.26"/> so da&#x00DF; Abubeker in kurzer Zeit eine starke Armee
<lb n="0074.27"/> auf den Beinen hatte, welche weiter auf nichts
<lb n="0074.28"/> als auf den Befehl zum Aufbruche wartete.</p>
<lb n="0074.29"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Omar</hi><lb/>bringt <hi rend="spaced">den</hi></note><p rend="indent">Der Calife machte sich die gl&#x00FC;ckliche Bereit=
<lb n="0074.30"/> willigkeit zu Nutze, ertheilte so gleich die n&#x00F6;thi=
<pb n="0075.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-136"/>
<lb n="0075.01"/> ge Befehle zum Abmarsche der Trupen, und<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0075.02"/> vertraute einem von seinen liebsten Generalen,
<lb n="0075.03"/> dem Saed, des Commando dar&#x00FC;ber an. Doch
<lb n="0075.04"/> die Wahl dieses Generals ward von dem Omar<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Saed um</hi><lb/>das Co<expan>mm</expan>an=<lb/>do.</note>
<lb n="0075.05"/> hintertrieben, welcher sehr heftig anhielt, da&#x00DF;
<lb n="0075.06"/> man einen andern erwehlen solle. Die Ge=
<lb n="0075.07"/> schichtschreiber melden die Ursachen nicht, war=
<lb n="0075.08"/> um er sich dieser Wahl so sehr widersetzte. Abu=
<lb n="0075.09"/> beker ward dar&#x00FC;ber sehr verlegen, weil er we=
<lb n="0075.10"/> der den Saed durch die Wiederabnehmung des
<lb n="0075.11"/> Commandos beleidigen, noch auch den Omar sich
<lb n="0075.12"/> zum Feinde machen wollte. Jn dieser Unge=
<lb n="0075.13"/> wi&#x00DF;heit fragte er seine Tochter, die Aiesha, die
<lb n="0075.14"/> Wittwe des Mahomets, um Rath. Weil die=
<lb n="0075.15"/> ses Frauenzimmer die Geliebteste des Prophe=
<lb n="0075.16"/> ten gewesen war, so hatten die Muselm&#x00E4;nner ei=
<lb n="0075.17"/> ne ganz besondre Hochachtung f&#x00FC;r sie; man
<lb n="0075.18"/> nennte sie <hi rend="bold">die Mutter der Gl&#x00E4;ubigen</hi>; sie
<lb n="0075.19"/> war gleichsam die K&#x00F6;nigin &#x00FC;ber die andern
<lb n="0075.20"/> Weiber des Mahomets; man glaubte, sie sey
<lb n="0075.21"/> von seinem Geiste ganz erf&#x00FC;llet, und also sehr
<lb n="0075.22"/> geschickt, alle vorkommende Schwierigkeiten zu
<lb n="0075.23"/> entscheiden; man fragte sie auch allezeit bey den
<lb n="0075.24"/> wichtigsten Angelegenheiten um Rath.</p>
<lb n="0075.25" rend="indent"/> <p>Aiesha antwortete den Absichten des Abu=
<lb n="0075.26"/> bekers nicht gem&#x00E4;&#x00DF;; denn anstatt die Wahl des
<lb n="0075.27"/> Saed zu billigen, erkl&#x00E4;rte sie sich f&#x00FC;r die Mei=
<lb n="0075.28"/> nung des Omars, welcher, wie sie sagte, dieses=
<lb n="0075.29"/> mal keine andre Absicht, als das gemeine Be=
<lb n="0075.30"/> ste, habe.</p>
<pb n="0076.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-137"/>
<lb n="0076.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><p rend="indent">Die Auff&#x00FC;hrung des Saed, als er die Ent=
<lb n="0076.02"/> scheidung der Aiesha h&#x00F6;rte, war ein neuer Be=
<lb n="0076.03"/> <note type="marginalie" place="links">Uneigen=<lb/>n&#x00FC;tziakeit<lb/>des Saed.</note>weis, in was f&#x00FC;r Hochachtung diese Weibsper=
<lb n="0076.04"/> son bey den Muselm&#x00E4;nnern stand. Er murre=
<lb n="0076.05"/> te im geringsten nicht, sondern lieferte die Fah=
<lb n="0076.06"/> ne, welche ihm der Calise, zum Zeichen der ihm
<lb n="0076.07"/> anvertrauten Gewalt, gegeben hatte, so gleich
<lb n="0076.08"/> aus. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; er eben so bereitwil=
<lb n="0076.09"/> lig sey unter einem andern zu fechten, als wenn
<lb n="0076.10"/> man ihm das Commando gelassen h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0076.11"/> <note type="marginalie" place="links">Amru wird<lb/>General der<lb/>neuen Tru=<lb/>pen.</note><p rend="indent">Eben damals, als Saed eine so uneigenn&#x00FC;tzi=
<lb n="0076.12"/> ge Auff&#x00FC;hrung beobachtete, fand sich ein an=
<lb n="0076.13"/> drer Befehlshaber, Namens Amru = ebn = al = As,
<lb n="0076.14"/> welcher sich sehr viel M&#x00FC;he gab, zum Genera=
<lb n="0076.15"/> le ernennt zu werden. Er wandte sich an den
<lb n="0076.16"/> Omar, um durch dessen Vermittlung diese
<lb n="0076.17"/> W&#x00FC;rde zu erlangen. Omar hatte zwar in der
<lb n="0076.18"/> That Ansehen genug, sie ihm zu verschaffen, allein
<lb n="0076.19"/> er war zu gewissenhaft, einen zu dem Comman=
<lb n="0076.20"/> do zu verhelffen, welcher so begierig darnach zu
<lb n="0076.21"/> seyn schien. Er schlug ihm also seine Vermitte=
<lb n="0076.22"/> lung bey dem Califen ab.</p>
<lb n="0076.23" rend="indent"/> <p>Weil aber doch Amru, nach dem Saed, der
<lb n="0076.24"/> geschickteste zum Heerf&#x00FC;hrer war, so ernennte
<lb n="0076.25"/> ihn Abubeker von selbst; und Omar, ob er gleich
<lb n="0076.26"/> nicht f&#x00FC;r ihn hatte sprechen wollen, lie&#x00DF; den=
<lb n="0076.27"/> noch diese Ernennung gelten, ohne etwas dar=
<lb n="0076.28"/> wider einzuwenden.</p>
<lb n="0076.29" rend="indent"/> <p>Als nun also die Trupen marschfertig waren,
<lb n="0076.30"/> so kam Amru, die Befehle des Califen anzuneh=
<pb n="0077.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-138"/>
<lb n="0077.01"/> men, welcher ihm sehr weise Vorschriften er=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0077.02"/> theilte, wie er sich bey der ihm anvertrauten
<lb n="0077.03"/> W&#x00FC;rde verhalten solle. Er befahl ihm hierauf,
<lb n="0077.04"/> seinen Zug durch Palestina zu nehmen, und von
<lb n="0077.05"/> da aus dem Yezid seine Ankunft wissen zu las=
<lb n="0077.06"/> sen, damit er sich entweder, wenn seine H&#x00FC;lfe
<lb n="0077.07"/> n&#x00F6;thig seyn sollte, mit diesem Generale verbin=
<lb n="0077.08"/> den, oder andre Befehle erwarten k&#x00F6;nne. Abu=
<lb n="0077.09"/> beker ernannte zugleich einen obersten Befehls=
<lb n="0077.10"/> haber &#x00FC;ber die Armeen in Syrien, und ertheil=
<lb n="0077.11"/> te diese W&#x00FC;rde dem Abu = Obeidah. Dieser<note type="marginalie" place="rechts">Das Ober=<lb/>commando<lb/><hi rend="spaced">bek&#x00F6;mmt</hi><lb/>Abu = Obei=<lb/>dah.</note>
<lb n="0077.12"/> rei&#x00DF;te mit dem Amru fort, verlie&#x00DF; ihn aber in
<lb n="0077.13"/> Palestina, um sich je eher je lieber nach Sy=
<lb n="0077.14"/> rien zu begeben.</p>
<lb n="0077.15" rend="indent"/> <p>Hier fand er die Sachen sehr ver&#x00E4;ndert. Die
<lb n="0077.16"/> Muselm&#x00E4;nner waren nicht mehr die siegenden
<lb n="0077.17"/> Trupen, deren Tapferkeit man in Medina so
<lb n="0077.18"/> sehr erhoben hatte. Die Griechen hatten sie
<lb n="0077.19"/> zu verschiednen malen geschlagen, und sich so
<lb n="0077.20"/> f&#x00FC;rchterlich gemacht, da&#x00DF; sich die Araber nicht
<lb n="0077.21"/> mehr im offnen Felde zu zeigen wagten. Selbst
<lb n="0077.22"/> Obeidah lie&#x00DF; sich von dem allgemeinen Schre=
<lb n="0077.23"/> cken einnehmen; anstatt da&#x00DF; er die Vortheile,
<lb n="0077.24"/> welche die Muselm&#x00E4;nner &#x00FC;ber die Griechen vor=
<lb n="0077.25"/> her davon getragen hatten, wieder zu erlangen,
<lb n="0077.26"/> sich h&#x00E4;tte bestreben sollen, blieb er in v&#x00F6;lliger
<lb n="0077.27"/> Unth&#x00E4;tigkeit, und war auf nichts, als seine
<lb n="0077.28"/> Vertheidigung bedacht.</p>
<lb n="0077.29" rend="indent"/> <p>Kaum hatte Abubeker hiervon Nachricht er=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>k&#x00F6;<expan>mm</expan>t an die<lb/><hi rend="spaced">Stelle</hi> des<lb/>Obeidah.</note>
<lb n="0077.30"/> halten, als er sogleich den Obeidah zur&#x00FC;ck rief,
<pb n="0078.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-139"/>
<lb n="0078.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>und den Khaled an seine Stelle ernennt. Die=
<lb n="0078.02"/> ser Genelal befand sich damals in der Provinz
<lb n="0078.03"/> Yrak, wo er sehr viel Gl&#x00FC;ck hatte: er hatte die
<lb n="0078.04"/> Hauptstadt eingenommen, und wollte eben die=
<lb n="0078.05"/> ses ganze Land unterw&#x00FC;rffig machen, als er die
<lb n="0078.06"/> Befehle des Califen erhielt.</p>
<lb n="0078.07" rend="indent"/> <p>Er zog sogleich nach Syrien, allwo seine Ge=
<lb n="0078.08"/> genwart den Sachen gar bald eine andere Gestalt
<lb n="0078.09"/> gab. Sein Ansehen machte den Trupen fri=
<lb n="0078.10"/> schen Muth, welche unter Anf&#x00FC;hrung eines sol=
<lb n="0078.11"/> chen Generals nichts zu bef&#x00FC;rchten zu haben
<lb n="0078.12"/> glaubten. Die vorgegebene Klugheit des Obei=
<lb n="0078.13"/> dah, welcher von Natur sanft, stille und lang=
<lb n="0078.14"/> sam in seinem Unternehmen war, hatte die Sol=
<lb n="0078.15"/> daten ganz furchtsam gemacht, welchen das
<lb n="0078.16"/> ungest&#x00FC;me Feuer des Khaled weit lieber war.
<lb n="0078.17"/> Unterdessen schonte doch dieser General die Tru=
<lb n="0078.18"/> pen nicht; er stellte sie oft der Gefahr dar: al=
<lb n="0078.19"/> lein er schlo&#x00DF; sich niemals selbst davon aus; und
<lb n="0078.20"/> ob seine Unternehmungen gleich sehr verwegen
<lb n="0078.21"/> waren, so war er doch auch tapfer und gl&#x00FC;cklich,
<lb n="0078.22"/> und kam immer sehr gut davon.</p>
<lb n="0078.23"/> <note type="marginalie" place="links">Die Musel=<lb/>m&#x00E4;nner bela=<lb/>gern Bostra.</note><p rend="indent">Als er, das Commando &#x00FC;ber die Trupen
<lb n="0078.24"/> zu &#x00FC;bernehmen, anlangte, war Sergiabil, auf
<lb n="0078.25"/> Befehl des Obeidah, bis vor Bostra (<ref rend="footnote" n="78*"><hi rend="super">*</hi></ref>) ge=
<lb n="0078.26"/> <note type="footnote" n="78*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Bostra, vormals die Hauptstadt Arabiens,
<lb n="0078.27" rend="indent"/> ist eine sehr feste Stadt, welche starken Handel
<lb n="0078.28" rend="indent"/> treibt. Man mu&#x00DF; sie nicht mit Basrah, oder
<lb n="0078.29" rend="indent"/> Bassorah, einer Stadt an dem persischen Meer=
<lb n="0078.30" rend="indent"/> busen, verwechseln.</p></note>
<pb n="0079.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-140"/>
<lb n="0079.01"/> r&#x00FC;ckt; denn weil sich dieser durch eine g&#x00E4;nz=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0079.02"/> liche Unth&#x00E4;tigkeit nicht beschimpfen wollte, so
<lb n="0079.03"/> hatte er ihn mit einiger Mannschaft, die Bela=
<lb n="0079.04"/> gerung dieses Platzes zu unternehmen, ausge=
<lb n="0079.05"/> schickt. Sergiabil hatte anfangs, aus der Auf=
<lb n="0079.06"/> f&#x00FC;hrung des Befehlhabers daselbst, geschlossen,
<lb n="0079.07"/> da&#x00DF; er bald damit zu Stande kommen werde.
<lb n="0079.08"/> Dieser nemlich hatte sich, bey Ann&#x00E4;herung der
<lb n="0079.09"/> Muselm&#x00E4;nner, zu ihm begeben, und ihn gefragt,
<lb n="0079.10"/> was sein Begehren sey; Sergiabil hatte ihm hier=
<lb n="0079.11"/> auf geantwortet, die Stadt zu n&#x00F6;thigen, entwe=
<lb n="0079.12"/> der den mahometischen Glauben anzunehmen,
<lb n="0079.13"/> oder Tribut zu bezahlen. Bey dieser Antwort
<lb n="0079.14"/> hatte es der niedertr&#x00E4;chtige Befehlshaber bewen=
<lb n="0079.15"/> den lassen, war wieder in die Stadt zur&#x00FC;ck ge=
<lb n="0079.16"/> kommen, und hatte die Einwohner zur Ueberga=
<lb n="0079.17"/> be bewegen wollen.</p>
<lb n="0079.18" rend="indent"/> <p>Diese aber waren weit entfernt ihrem Befehls=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Sie</hi> wer=<lb/>den <hi rend="spaced">zur&#x00FC;ck</hi><lb/>geschlagen.</note>
<lb n="0079.19"/> haber zu gehorchen; sie beschlossen sich zu ver=
<lb n="0079.20"/> theidigen, und r&#x00FC;ckten sogar aus der Stadt, den
<lb n="0079.21"/> Belagern ein Treffen anzubieten. Sergiabil
<lb n="0079.22"/> nahm es an; ehe er es aber anfieng, betete er
<lb n="0079.23"/> folgender Gestalt zu Gott: <hi rend="bold">O Gott, der du
<lb n="0079.24"/> die Eroberung dieses Landes deinem Pro=
<lb n="0079.25"/> pheten Mahomet versprochen hast! gros=
<lb n="0079.26"/> ser Gott! herrlicher Gott! stehe uns bey
<lb n="0079.27"/> wider diejenigen, welche deine Einig=
<lb n="0079.28"/> keit verwerffen</hi>. Dieses Gebet ward nicht
<lb n="0079.29"/> erh&#x00F6;rt; die Muselm&#x00E4;nner wurden geschlagen und
<lb n="0079.30"/> in gr&#x00F6;&#x00DF;ter Unordnung zur&#x00FC;ck getrieben. Man
<lb n="0079.31"/> schickte in aller Eil zu dem Generale, ihm von
<pb n="0080.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-141"/>
<lb n="0080.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>dem schlechten Fortgange dieser Unternehmung
<lb n="0080.02"/> Nachricht zu geben; allein man fand den nicht
<lb n="0080.03"/> mehr, der sie befohlen hatte. Obeidah war
<lb n="0080.04"/> eben fortgereiset, und Khaled hatte an seiner
<lb n="0080.05"/> Statt das Commando &#x00FC;bernommen.</p>
<lb n="0080.06"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>kommt <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Belagerern<lb/>zu H&#x00FC;lffe.</note><p rend="indent">Dieser General zog auf das eiligste den Trupen
<lb n="0080.07"/> des Sergiabil zu H&#x00FC;lffe, und da er bey seiner
<lb n="0080.08"/> Ankunft sahe, wie wenig Leute dieser Heerf&#x00FC;hrer
<lb n="0080.09"/> bey sich hatte, so machte er ihm sehr hefftige
<lb n="0080.10"/> Vorw&#x00FC;rffe, da&#x00DF; er sich unterstanden habe, ei=
<lb n="0080.11"/> nen Ort, wie Bastra, mit so geringer Macht zu
<lb n="0080.12"/> belagern, und so gar das Treffen anzunehmen.
<lb n="0080.13"/> Sergiabil entschuldigte sich damit, da&#x00DF; er nichts
<lb n="0080.14"/> aus eignem Gutd&#x00FC;nken &#x00FC;bernommen, sondern
<lb n="0080.15"/> blo&#x00DF; den Befehlen des Obeidah, dem er unter=
<lb n="0080.16"/> geben gewesen sey, gehorcht habe. <hi rend="bold">Jch habe
<lb n="0080.17"/> also</hi>, erwiederte Khaled mit vieler Heftigkeit,
<lb n="0080.18"/> <hi rend="bold">nichts weiter gegen dich zu sagen; Obei=
<lb n="0080.19"/> dah ist ein vollkommen ehrlicher Mann;
<lb n="0080.20"/> aber wahrhaftig von der Kriegskunst
<lb n="0080.21"/> versteht er sehr wenig</hi>.</p>
<lb n="0080.22" rend="indent"/> <p>Man mu&#x00DF;te also neue Maa&#x00DF;regeln ergreif=
<lb n="0080.23"/> fen, und zusehen, wodurch man am leichtsten ei=
<lb n="0080.24"/> nen Platz gewinnen k&#x00F6;nne, dessen Einwohner
<lb n="0080.25"/> sich aufs beste zu vertheidigen, entschlossen zu
<lb n="0080.26"/> seyn schienen. Khaled erlaubte den Trupen,
<lb n="0080.27"/> die er mit sich gebracht hatte, nur einen einzigen
<lb n="0080.28"/> Rasttag, welchen er dazu anwandte, da&#x00DF; er in
<lb n="0080.29"/> eigner Person den Platz in genauen Augen=
<lb n="0080.30"/> schein nahm, und Befehl ertheilte, das Lager
<pb n="0081.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-142"/>
<lb n="0081.01"/> weit mehr zu befestigen. Er wollte hierauf<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0081.02"/> den Trupen zwar noch einen Tag auszuruhen
<lb n="0081.03"/> geben, weil er aber von seinen Spionen die
<lb n="0081.04"/> Nachricht bekam, da&#x00DF; man auf Seiten der
<lb n="0081.05"/> Stadt eine Bewegung wahrnehme, so stellte
<lb n="0081.06"/> er sogleich seine Armee in Schlachtordnung.
<lb n="0081.07"/> Die noch &#x00FC;brige Zeit wandte er zu den von
<lb n="0081.08"/> dem Mahomet befohlnen Reinigungen an, die
<lb n="0081.09"/> er durch ein &#x00F6;ffentliches Gebet, welches er an
<lb n="0081.10"/> der Spitze seiner Armee verrichtete, beschlo&#x00DF;.</p>
<lb n="0081.11" rend="indent"/> <p>Nunmehr sahe man die Belagerten, unter
<lb n="0081.12"/> Anf&#x00FC;hrung ihres Befehlshabers, einen Ausfall
<lb n="0081.13"/> thun. Khaled, welcher alle Anstallten gemacht
<lb n="0081.14"/> hatte, sie wohl zu empfangen, lie&#x00DF; seine Tru=
<lb n="0081.15"/> pen anr&#x00FC;cken, und gab sogleich das Zeichen zur
<lb n="0081.16"/> Schlacht. Mittlerweile aber, da alles eines
<lb n="0081.17"/> von den blutigsten Treffen zu verk&#x00FC;ndigen schien,
<lb n="0081.18"/> schickte der Befehlshaber der Stadt einen von
<lb n="0081.19"/> seinen Officiers zu dem Khaled, eine Unterre=
<lb n="0081.20"/> dung von ihm zu erbitten.</p>
<lb n="0081.21" rend="indent"/> <p>Als Khaled sie verwilliget hatte, traten die<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Unterre=<lb/>dung des</hi><lb/>Khaled und<lb/>des Befehl=<lb/>habers <hi rend="spaced">von</hi><lb/>Bostra.</note>
<lb n="0081.22"/> beyden Generals auf dem Platze, welcher die
<lb n="0081.23"/> beyden Armeen absonderte, zusammen. Der
<lb n="0081.24"/> Befehlshaber sagte dem Muselmanne, da&#x00DF; er
<lb n="0081.25"/> &#x00FC;beraus geneigt sey, seine Religion anzuneh=
<lb n="0081.26"/> men; da&#x00DF; er verschiedne Versuche gewagt habe,
<lb n="0081.27"/> die Einwohner von Bostra zu bewegen, seinem
<lb n="0081.28"/> Exempel zu folgen, da&#x00DF; aber bi&#x00DF;her alle seine
<lb n="0081.29"/> Bem&#x00FC;hungen vergebens gewesen w&#x00E4;ren. Un=
<lb n="0081.30"/> terdessen hoffe er doch noch in diesem St&#x00FC;cke
<pb n="0082.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-143"/>
<lb n="0082.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>gl&#x00FC;cklich zu seyn; vorher aber wolle er sich ge=
<lb n="0082.02"/> gen alle Zuf&#x00E4;lle aufs beste vorsehen; we&#x00DF;we=
<lb n="0082.03"/> gen er denn verlange, da&#x00DF; man ihm f&#x00FC;r sein Le=
<lb n="0082.04"/> ben, sein Verm&#x00F6;gen, und &#x00FC;berhaupt f&#x00FC;r seine
<lb n="0082.05"/> ganze Familie alle Sicherheit zukommen lasse.</p>
<lb n="0082.06" rend="indent"/> <p>Der niedertr&#x00E4;chtige Befehlshaber wurde
<lb n="0082.07"/> durch die Antwort, die ihm Khaled gab, ziem=
<lb n="0082.08"/> lich stutzig. <hi rend="bold">Du bist</hi>, sagte er zu ihm, <hi rend="bold">deinen
<lb n="0082.09"/> Trupen durch den Vorschlag, den du ih=
<lb n="0082.10"/> nen schon gethan hast, und durch die Un=
<lb n="0082.11"/> terredung, die du eben jetzt mit mir
<lb n="0082.12"/> h&#x00E4;ltst, verd&#x00E4;chtig geworden. Man wird
<lb n="0082.13"/> dich wegen Untreue anklagen, und dir
<lb n="0082.14"/> ein Verst&#x00E4;ndni&#x00DF; mit den Gl&#x00E4;ubigen
<lb n="0082.15"/> Schuld geben; deine B&#x00FC;rger werden al=
<lb n="0082.16"/> so wenig geneigt seyn, dir zu folgen, und
<lb n="0082.17"/> k&#x00F6;nnten dich vielleicht gar mi&#x00DF;handeln.
<lb n="0082.18"/> Jch wei&#x00DF; nicht mehr als ein einziges
<lb n="0082.19"/> Mittel, dir ihr Vertrauen wieder zu er=
<lb n="0082.20"/> werben, dieses nehmlich, zu thun, als
<lb n="0082.21"/> wollten wir beyde untereinander den ge=
<lb n="0082.22"/> meinen Streit ausmachen. Du must dich
<lb n="0082.23"/> also den Augenblick mit mir schlagen</hi>.</p>
<lb n="0082.24" rend="indent"/> <p>Romanus, so hie&#x00DF; der Befehlshaber, ward
<lb n="0082.25"/> &#x00FC;ber diesen Vorschlag best&#x00FC;rzt, und h&#x00E4;tte den
<lb n="0082.26"/> Zweykampf allzu gerne ausgeschlagen; allein in
<lb n="0082.27"/> Ansehung der Art, wie ihn Khaled von ihm ver=
<lb n="0082.28"/> langte, war es nicht m&#x00F6;glich. Die Armeen auf
<lb n="0082.29"/> beyden Seiten wurden gleich stutzig, als sie sa=
<lb n="0082.30"/> hen, da&#x00DF; ihre Generals handgemein wurden.
<pb n="0083.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-144"/>
<lb n="0083.01"/> Weil aber die Befehle sogleich gegeben wurden,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0083.02"/> da&#x00DF; beyderseitige Trupen keine Bewegung ma=
<lb n="0083.03"/> chen sollten, so erwarteten sie ruhig den Aus=
<lb n="0083.04"/> gang.</p>
<lb n="0083.05" rend="indent"/> <p>Dieser Zweykampf, welcher ein blosses
<lb n="0083.06"/> Spielgefechte, die Einwohner von Bostra zu
<lb n="0083.07"/> betriegen, seyn sollte, schien dem Befehlsha=
<lb n="0083.08"/> ber sehr ernstlich; er fragte also den Khaled,
<lb n="0083.09"/> welcher ohne Vorsicht auf ihn lo&#x00DF;ging, ob er
<lb n="0083.10"/> ihn t&#x00F6;dten wolle? Khaled, der sich ein Ver=
<lb n="0083.11"/> gn&#x00FC;gen daraus machte, die Augst seines furcht=
<lb n="0083.12"/> samen Gegners zu sehen, antwortete ihm l&#x00E4;ch=
<lb n="0083.13"/> lend, da&#x00DF; er nichts b&#x00F6;ses willens w&#x00E4;re; da&#x00DF; es
<lb n="0083.14"/> aber ihrer Ehre wegen, und zur Vermeidung
<lb n="0083.15"/> alles Argwohns, nothwendig sey, den Zuschau=
<lb n="0083.16"/> ern zu zeigen, als ob sie in allem Ernste zusam=
<lb n="0083.17"/> men gekommen w&#x00E4;ren.</p>
<lb n="0083.18" rend="indent"/> <p>Der Kampf dauerte also noch eine Zeitlang,
<lb n="0083.19"/> zum gr&#x00F6;sten Verdrusse des Befehlshabers, wel=
<lb n="0083.20"/> cher, als er sich verwundet und von verschiede=
<lb n="0083.21"/> nen Hieben zerfetzt f&#x00FC;hlte, die Wahlstatt ver=
<lb n="0083.22"/> lie&#x00DF;, und zu den Seinigen zur&#x00FC;ck floh. Er
<lb n="0083.23"/> kehrte hierauf mit ihnen in die Stadt, und wag=
<lb n="0083.24"/> te neue Vorstellungen, sie zu bewegen, da&#x00DF; sie
<lb n="0083.25"/> sich den Muselm&#x00E4;nnern unterwerffen m&#x00F6;chten.
<lb n="0083.26"/> Die Einwohner, welche jetzt gegen ihren Be=
<lb n="0083.27"/> fehlshaber weit aufgebrachter als jemals wa=
<lb n="0083.28"/> ren, machten ihm die heftigsten Vorw&#x00FC;rffe, da&#x00DF;
<lb n="0083.29"/> er noch Verr&#x00E4;therey zu der Niedertr&#x00E4;chtigkeit
<lb n="0083.30"/> f&#x00FC;gen wolle, welche er in dem Zweykamfe mit
<pb n="0084.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-145"/>
<lb n="0084.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>dem Khaled erwiesen habe. Sie fa&#x00DF;ten zu=
<lb n="0084.02"/> gleich den Entschlu&#x00DF;, ihn ausser Stand zu se=
<lb n="0084.03"/> tzen, sie nicht mehr, weder durch seine Hand=
<lb n="0084.04"/> lungen, noch Rathschl&#x00E4;ge, beschimfen zu k&#x00F6;n=
<lb n="0084.05"/> nen; sie schlossen ihn in seinem eigenen Hause
<lb n="0084.06"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ein=<lb/>wohner neh=<lb/>men ihm das<lb/>Commando.</note>ein, und setzten eine gute Wache davor. Sei=
<lb n="0084.07"/> ne Stelle wurde einm&#x00FC;thiglich dem Generale
<lb n="0084.08"/> der H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker, die ihnen Heraclius zugeschickt
<lb n="0084.09"/> hatte, gegeben: sie verlangten aber auch zu=
<lb n="0084.10"/> gleich von ihm, da&#x00DF; er sich mit dem Khaled in
<lb n="0084.11"/> einen Zweykampf einlassen solle.</p>
<lb n="0084.12"/> <note type="marginalie" place="links">Zweykampf<lb/>zwischen dem<lb/><hi rend="spaced">Abdarrah=<lb/>man, und</hi><lb/>dem <hi rend="spaced">neuen<lb/>Befehls=<lb/>haber.</hi></note><p rend="indent">Dieser General lie&#x00DF; sich den Vorschlag ge=
<lb n="0084.13"/> fallen, und schickte sogleich dem Khaled eine
<lb n="0084.14"/> Ausfoderung. Als man sie brachte, war Ab=
<lb n="0084.15"/> darrahman, der Sohn des Abubekers, gleich
<lb n="0084.16"/> zugegen. Dieser junge Mensch brannte recht
<lb n="0084.17"/> f&#x00FC;r Begierde sich hervorzuthun, und lag dem
<lb n="0084.18"/> Khaled so lange bittend an, bis er die Erlaub=
<lb n="0084.19"/> ni&#x00DF; erhielt, sich an seiner Statt schlagen zu
<lb n="0084.20"/> d&#x00FC;rffen.</p>
<lb n="0084.21" rend="indent"/> <p>Abdarrahman, welcher wohl beritten, und
<lb n="0084.22"/> wohl bewaffnet war, ritt dem griechischen Ge=
<lb n="0084.23"/> nerale entgegen, der sich gleichfalls seiner Seits
<lb n="0084.24"/> den halben Weg n&#x00E4;herte. Beyde Armeen wa=
<lb n="0084.25"/> ren gegenw&#x00E4;rtig, und vor ihren Augen wollten
<lb n="0084.26"/> nunmehro die zwey Ritter sich die Ehre des
<lb n="0084.27"/> Sieges streitig machen; doch auch diesesmal
<lb n="0084.28"/> war aller Vortheil auf der Seite der Musel=
<lb n="0084.29"/> m&#x00E4;nner. Der Griechische General lie&#x00DF; sich
<lb n="0084.30"/> durch das stolze und zuversichtliche Bezeigen des
<pb n="0085.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-146"/>
<lb n="0085.01"/> jungen Arabers, und durch die wunderbare Ge=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0085.02"/> schicklichkeit, mit welcher er die Lanze zu f&#x00FC;hren
<lb n="0085.03"/> wuste, ganz bet&#x00E4;uben. Dieser Anblick machte
<lb n="0085.04"/> einen so heftigen Eindruck auf ihn, da&#x00DF; er es
<lb n="0085.05"/> gar bald zu merken anfing, er habe sich in An=
<lb n="0085.06"/> sehung seines Muths betrogen, indem er in das
<lb n="0085.07"/> Verlangen der Griechen gewilliget h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0085.08" rend="indent"/> <p>Unterdessen that dieser General doch sein
<lb n="0085.09"/> &#x00E4;usserstes, und wagte den Anfall auf seinen Ge=
<lb n="0085.10"/> gner; allein gleich bey der ersten Wunde, die
<lb n="0085.11"/> er bekam, entfiel ihm der Muth ganz und gar,
<lb n="0085.12"/> und er glaubte seinen Kopf nur de&#x00DF;wegen noch
<lb n="0085.13"/> behalten zu haben, damit er sich schleinig aus
<lb n="0085.14"/> den H&#x00E4;nden seines Feindes retten m&#x00F6;ge. Er
<lb n="0085.15"/> machte eine falsche Wendung mit seinem Pfer=
<lb n="0085.16"/> de, und sprengte mit verh&#x00E4;ngtem Z&#x00FC;gel nach
<lb n="0085.17"/> der Stadt zu.</p>
<lb n="0085.18" rend="indent"/> <p>Abdarrahman verfolgte ihn sogleich; doch
<lb n="0085.19"/> das griechische Pferd, welches von einer ganz
<lb n="0085.20"/> ausserordentlichen Geschwindigkeit war, rettete
<lb n="0085.21"/> den General aus den H&#x00E4;nden des Muselman=
<lb n="0085.22"/> nes. Dieser, welcher durch den Zorn &#x00FC;ber eine
<lb n="0085.23"/> solche Niedertr&#x00E4;chtigkeit ganz ausser sich gekom=
<lb n="0085.24"/> men war, hatte die K&#x00FC;hnheit, sich ganz allein
<lb n="0085.25"/> bis an die griechische Armee zu wagen, wo er
<lb n="0085.26"/> Rechts und Links, alles was ihm unter die H&#x00E4;n=
<lb n="0085.27"/> de kam, niedermachte. Khaled, welcher &#x00FC;ber
<lb n="0085.28"/> die Gefahr, in die sich Abdarrahman st&#x00FC;rzte,
<lb n="0085.29"/> ausserordentlich erschrack, gab sogleich das Zei=
<lb n="0085.30"/> chen, worauf die Muselm&#x00E4;nner mit einer un=
<pb n="0086.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-147"/>
<lb n="0086.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>aussprechlichen Wuth in die Griechen einbra=
<lb n="0086.02"/> chen, um den Sohn des Califen zu retten.</p>
<lb n="0086.03"/> <note type="marginalie" place="links">Die <hi rend="spaced">Mu=<lb/>selm&#x00E4;nner</hi><lb/>behalten die<lb/><hi rend="spaced">Oberhand</hi><lb/>&#x00FC;ber die von<lb/>Bostra.</note><p rend="indent">Die Verwegenheit dieses jungen Kriegsober=
<lb n="0086.04"/> sten verursachte also ein allgemeines Treffen.
<lb n="0086.05"/> Die Muselm&#x00E4;nner wurden durch die Gefahr,
<lb n="0086.06"/> in der er sich befand, ermuntert, und schlugen
<lb n="0086.07"/> sich mit einer solchen Heftigkeit, da&#x00DF; die Grie=
<lb n="0086.08"/> chen auf allen Seiten getrennet, und in g&#x00E4;nzli=
<lb n="0086.09"/> che Unordnung gebracht wurden. Ein freudi=
<lb n="0086.10"/> ges Siegsgeschrey lie&#x00DF; sich &#x00FC;berall in der Ar=
<lb n="0086.11"/> mee der Muselm&#x00E4;nner vernehmen; indessen da
<lb n="0086.12"/> auf Seiten der Christen die wenigen, die dem
<lb n="0086.13"/> Schwerdte des Siegers entronnen waren, auf
<lb n="0086.14"/> nichts als auf die Flucht bedacht waren, und
<lb n="0086.15"/> sich in den festen Platz zur&#x00FC;ck zogen, wo sie es
<lb n="0086.16"/> noch f&#x00FC;r das gr&#x00F6;ste Gl&#x00FC;ck zu halten hatten, da&#x00DF;
<lb n="0086.17"/> sie in aller Geschwindigkeit die Thore hinter sich
<lb n="0086.18"/> zuschliessen konnten, damit der Feind nicht mit
<lb n="0086.19"/> den Fl&#x00FC;chtigen zugleich eindringen m&#x00F6;chte.</p>
<lb n="0086.20" rend="indent"/> <p>Diejenigen von den Christen, die ihres
<lb n="0086.21"/> Standes, ihres Geschlechts, oder anderer Ursa=
<lb n="0086.22"/> chen halben, bey diesem Ausfalle nicht hatten
<lb n="0086.23"/> seyn k&#x00F6;nnen, waren wenigstens von den Mau=
<lb n="0086.24"/> ern Zeugen desselben gewesen, und hatten das
<lb n="0086.25"/> Treffen und die Niederlage ihrer Trupen mit
<lb n="0086.26"/> angesehen. Diese ungl&#x00FC;ckliche Einwohner nun
<lb n="0086.27"/> liessen den Himmel von ihrem Seufzen, Schrey=
<lb n="0086.28"/> en und Beten wiederschallen: sie hatten mit ih=
<lb n="0086.29"/> ren Augen ihre Aeltern, Freunde oder Lands=
<lb n="0086.30"/> leute ermorden, oder in die Sclaverey bringen
<pb n="0087.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-148"/>
<lb n="0087.01"/> gesehen: sie selbst sahen nach diesem Verluste<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0087.02"/> allzudeutlich, da&#x00DF; sie ohne ein Wunderwerk ih=
<lb n="0087.03"/> rem Feinde nicht entkommen k&#x00F6;nnten, und da&#x00DF;
<lb n="0087.04"/> ihre Weiber, ihre Kinder und ihr Verm&#x00F6;gen,
<lb n="0087.05"/> dem Sieger zur Beute werden w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0087.06" rend="indent"/> <p>Gleichwohl muste man bey der Unordnung,
<lb n="0087.07"/> worinne sich die Sachen befanden, die &#x00E4;usser=
<lb n="0087.08"/> sten Kr&#x00E4;fte noch anwenden, einen so wichtigen
<lb n="0087.09"/> Platz, als Bostra, zu retten. Der Rath fand
<lb n="0087.10"/> bey diesen Umst&#x00E4;nden kein ander Mittel, als
<lb n="0087.11"/> schleinig an den Kayser zu schreiben, ihm von
<lb n="0087.12"/> dem Elende, worein sie gebracht w&#x00E4;ren, Nach=
<lb n="0087.13"/> richt zu geben, und um augenblickliche H&#x00FC;lffe
<lb n="0087.14"/> zu bitten. Uebrigens stellte man alle Befehle
<lb n="0087.15"/> aus, &#x00FC;ber die Sicherheit des Platzes zu wachen,
<lb n="0087.16"/> und sich wenigstens so lange, blo&#x00DF; vertheidi=
<lb n="0087.17"/> gungs weise, zu halten, bis die Antwort von
<lb n="0087.18"/> dem K&#x00E4;yser ank&#x00E4;me.</p>
<lb n="0087.19" rend="indent"/> <p>Doch mittlerweile, als diese ungl&#x00FC;cklichen<note type="marginalie" place="rechts">Romanus<lb/>&#x00FC;berliefert<lb/>den Musel=<lb/><hi rend="spaced">m&#x00E4;nnern</hi><lb/>die Stadt.</note>
<lb n="0087.20"/> Christen um eine H&#x00FC;lffe baten, deren Entfer=
<lb n="0087.21"/> nung sie zur Verzweiflung brachte, frohlockte
<lb n="0087.22"/> der verr&#x00E4;therische Befehlshaber, Romanus,
<lb n="0087.23"/> welchen sie in seinem Hause eingeschlossen hiel=
<lb n="0087.24"/> ten, &#x00FC;ber das gemeine Ungl&#x00FC;ck, und war eben
<lb n="0087.25"/> bem&#x00FC;ht sein niedertr&#x00E4;chtiges Verfahren auf das
<lb n="0087.26"/> &#x00E4;usserste zu treiben.</p>
<lb n="0087.27" rend="indent"/> <p>Das Haus dieses Verr&#x00E4;thers lag an einem
<lb n="0087.28"/> Ende der Stadt, so da&#x00DF; die Mauern der Stadt
<lb n="0087.29"/> Bostra seinen Garten umschlossen. Durch die=
<lb n="0087.30"/> se Mauern nun lie&#x00DF; er mit H&#x00FC;lffe seiner S&#x00F6;h=
<pb n="0088.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-149"/>
<lb n="0088.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>ne und Hau&#x00DF;genossen ein Loch brechen, durch
<lb n="0088.02"/> welches ein Mann ger&#x00E4;umlich durchkommen
<lb n="0088.03"/> konnte. Er selbst begab sich lange vor Tage
<lb n="0088.04"/> durch dieses Loch aus der Stadt, und war wil=
<lb n="0088.05"/> lens sich in das Lager der Araber zu begeben,
<lb n="0088.06"/> als er von einem mahometanischen Officier auf=
<lb n="0088.07"/> gehalten wurde, welcher mit gesenkter Lanze
<lb n="0088.08"/> auf ihn zusprengte.</p>
<lb n="0088.09" rend="indent"/> <p>Es war Abdarrahman, der Sohn des Ca=
<lb n="0088.10"/> lifen, welcher diese Nacht die Wache hatte.
<lb n="0088.11"/> Romanus erinnerte sich, da&#x00DF; er ihn bey dem
<lb n="0088.12"/> Khaled gesehen habe, gab sich ihm sogleich zu
<lb n="0088.13"/> erkennen, und bat, ihn alsobald zu dem Gene=
<lb n="0088.14"/> rale zu f&#x00FC;hren, dem er etwas sehr wichtiges
<lb n="0088.15"/> mitzutheilen habe. Khaled konnte sich des L&#x00E4;=
<lb n="0088.16"/> chelns nicht enthalten, als er den Romanus
<lb n="0088.17"/> ankommen sahe. Die wunderlichen Gebehr=
<lb n="0088.18"/> den, die er bey ihrem gehabten Zweykampffe
<lb n="0088.19"/> gemacht hatte, kamen ihm wieder in den Sinn,
<lb n="0088.20"/> worauf er sich mit einer ver&#x00E4;chtlichen Art nach
<lb n="0088.21"/> seinem Wohlseyn erkundigte.</p>
<lb n="0088.22" rend="indent"/> <p>Romanus lie&#x00DF; eine so empfindliche Frage,
<lb n="0088.23"/> &#x00FC;ber die er nothwendig err&#x00F6;then muste, unbe=
<lb n="0088.24"/> antwortet vorbey, und da ihm nichts so sehr am
<lb n="0088.25"/> Herzen lag, als seine Verr&#x00E4;therey zu vollzie=
<lb n="0088.26"/> hen, so meldete er sogleich dem Khaled die Ur=
<lb n="0088.27"/> sache seines Besuchs. Er erzehlte ihm, wie
<lb n="0088.28"/> sehr ihn die Einwohner von Bostra mi&#x00DF;gehan=
<lb n="0088.29"/> delt h&#x00E4;tten, und entdeckte ihm die Art, wie er
<lb n="0088.30"/> sich zu r&#x00E4;chen ged&#x00E4;chte. <hi rend="bold">Gieb mir</hi>, sagte der
<pb n="0089.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-150"/>
<lb n="0089.01"/> Verr&#x00E4;ther, <hi rend="bold">zweyhundert Mann, und ei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0089.02"/> nen von deinen Tapfersten zum Anf&#x00FC;h=
<lb n="0089.03"/> rer; ich stehe dir davor, noch ehe der
<lb n="0089.04"/> Tag anbricht, soll der Platz in deinen
<lb n="0089.05"/> H&#x00E4;nden seyn</hi>. Er erkl&#x00E4;rte ihm hierauf mit
<lb n="0089.06"/> wenigen Worten, wie er aus der Stadt gekom=
<lb n="0089.07"/> men sey, und zeigte ihm, da&#x00DF; nichts leichter
<lb n="0089.08"/> sey, als durch eben diesen Weg seine Leute hin=
<lb n="0089.09"/> ein zu bringen.</p>
<lb n="0089.10" rend="indent"/> <p>Khaled hielt die Sache f&#x00FC;r genehm; er lie&#x00DF;
<lb n="0089.11"/> sogleich zweyhundert auserlesene Mann sich
<lb n="0089.12"/> aufmachen, und schickte sie unter Anf&#x00FC;hrung
<lb n="0089.13"/> des Abdarrahman nach Bostra. Romanus
<lb n="0089.14"/> diente diesem Hauffen zum Wegweiser, und
<lb n="0089.15"/> nachdem er sie bis an die Oefnung gebracht,
<lb n="0089.16"/> die er in seine Gartenmauer, ohne da&#x00DF; jemand
<lb n="0089.17"/> das geringste gemerkt, gemacht hatte, so lie&#x00DF; er
<lb n="0089.18"/> sie insgesamt hinein. Er gab ihnen hierauf
<lb n="0089.19"/> griechische Kleider, damit sie sich in der Stadt
<lb n="0089.20"/> ausbreiten k&#x00F6;nnten, ohne den Einwohnern Ver=
<lb n="0089.21"/> dacht zu machen.</p>
<lb n="0089.22" rend="indent"/> <p>Abdarrahman theilte sogleich die Helfte sei=
<lb n="0089.23"/> ner Trupen in vier Hauffen, jeden von 25
<lb n="0089.24"/> Mann, damit sie sich aller vier Thor von Bo=
<lb n="0089.25"/> stra zu gleicher Zeit bemachtigen sollten. Die
<lb n="0089.26"/> &#x00FC;brige Helfte wurde gleichfalls in verschiedent
<lb n="0089.27"/> Hauffen getheilt, die auf dem grossen Markte
<lb n="0089.28"/> beysammen bleiben, und sich von da aus in die
<lb n="0089.29"/> verschiedenen Theile der Stadt zerstreuen soll=
<lb n="0089.30"/> ten, so bald sie das Zeichen dazu geh&#x00F6;rt h&#x00E4;tten.</p>
<pb n="0090.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-151"/>
<lb n="0090.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><p rend="indent">Alle diese Maa&#x00DF;regeln giengen zum Ungl&#x00FC;=
<lb n="0090.02"/> cke der Griechen nur allzuwohl von statten.
<lb n="0090.03"/> So bald der Anf&#x00FC;hrer der Hauffen das Zeichen
<lb n="0090.04"/> gegeben hatte, so vertheilte sich die Helfte, die
<lb n="0090.05"/> auf dem Markte wartete, auf alle Seiten der
<lb n="0090.06"/> Stadt, und schrie einh&#x00E4;llig: <hi rend="bold">Allah = achar</hi>, das
<lb n="0090.07"/> ist, <hi rend="bold">Gott ist sehr gro&#x00DF;</hi>. Auf dieses Geschrey
<lb n="0090.08"/> machten die Soldaten, die nach den vier Tho=
<lb n="0090.09"/> ren ausgeschickt waren, die Posten nieder, und
<lb n="0090.10"/> erw&#x00FC;rgten alles in den Wachh&#x00E4;usern. So
<lb n="0090.11"/> gleich wurden die Thore aufgemacht, die Mu=
<lb n="0090.12"/> selm&#x00E4;nner, welche diesen Augenblick mit Unge=
<lb n="0090.13"/> dult erwarteten, drungen in die Stadt, und er=
<lb n="0090.14"/> mordeten alles, was ihnen in die H&#x00E4;nde fiel.
<lb n="0090.15"/> Man schonte weder Alter noch Geschlecht. Der
<lb n="0090.16"/> w&#x00FC;thende Soldate, welcher an dem Morden sei=
<lb n="0090.17"/> ne Lust fand, wollte eben das Blutvergiessen
<lb n="0090.18"/> fortsetzen, als eine Menge Einwohner, die theils
<lb n="0090.19"/> aus den Kirchen, theils aus andern H&#x00E4;usern
<lb n="0090.20"/> heraus kamen, mit grossem Geschrey um Quar=
<lb n="0090.21"/> tier baten.</p>
<lb n="0090.22" rend="indent"/> <p>Khaled, welcher zu ihrem Gl&#x00FC;cke in der N&#x00E4;=
<lb n="0090.23"/> he war, da&#x00DF; er dieses Geschrey h&#x00F6;ren konnte,
<lb n="0090.24"/> lie&#x00DF; sogleich das Niedermetzeln aufh&#x00F6;ren. Der
<lb n="0090.25"/> Soldate gehorchte den Augenblick; und weil die
<lb n="0090.26"/> Barmherzigkeit des Khaled, besonders gegen die
<lb n="0090.27"/> Christen, ganz &#x00FC;bel angebracht zu seyn schien,
<lb n="0090.28"/> so f&#x00FC;hrte dieser General, seine Auff&#x00FC;hrung zu
<lb n="0090.29"/> rechtfertigen, an, da&#x00DF; Mahomet gewohnt gewe=
<lb n="0090.30"/> sen w&#x00E4;re, zu sagen: <hi rend="bold">Wann es geschicht, da&#x00DF;
<lb n="0090.31"/> einer get&#x00F6;dtet wird, nachdem er um Ge=</hi>
<pb n="0091.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-152"/>
<lb n="0091.01"/> <hi rend="bold">nade geschrien hat, so will ich keine<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0091.02"/> Schuld haben</hi>. Die Befehle des Khaled
<lb n="0091.03"/> wurden gar bald bis in die entlegenste Theile
<lb n="0091.04"/> der Stadt ausgebreitet, und das Morden lie&#x00DF;
<lb n="0091.05"/> auf allen Seiten nach.</p>
<lb n="0091.06" rend="indent"/> <p>Auf diese Art fiel Bostra, eine so reiche<note type="marginalie" place="rechts">Romanus<lb/>wird ein Ma=<lb/>hometaner.</note>
<lb n="0091.07"/> und bl&#x00FC;hende Stadt, in die H&#x00E4;nde der Musel=
<lb n="0091.08"/> m&#x00E4;nner, durch die Niedertr&#x00E4;chtigkeit nehmlich
<lb n="0091.09"/> und Untreue eines Verr&#x00E4;thers, welcher bald dar=
<lb n="0091.10"/> auf dem Christenthume &#x00F6;ffentlich absagte, und
<lb n="0091.11"/> die Religion des Mahomets vor aller Welt be=
<lb n="0091.12"/> kannte. Er zog hierauf, unter einer Bede=
<lb n="0091.13"/> ckung, die ihm Khaled gab, von Bostra weg,
<lb n="0091.14"/> und begab sich in das Gebiete der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0091.15"/> ner, wohin ihn die Verw&#x00FC;nschungen eines Volks
<lb n="0091.16"/> folgten, welches er auf eine so unw&#x00FC;rdige Art ver=
<lb n="0091.17"/> rathen hatte.</p>
<lb n="0091.18" rend="indent"/> <p>Khaled gab dem Abubeker auf das schleunig=
<lb n="0091.19"/> ste von seinem gl&#x00FC;cklichen Fortgange Nachricht,
<lb n="0091.20"/> und meldete ihm zu gleicher Zeit seinen Vorsatz,
<lb n="0091.21"/> sobald als m&#x00F6;glich, vor Damascus zu r&#x00FC;cken,
<lb n="0091.22"/> und die Belagerung dieses Platzes zu unter=
<lb n="0091.23"/> nehmen. Er schrieb zugleich an den Obeidah,<note type="marginalie" place="rechts">Die <hi rend="spaced">Mu=<lb/>selm&#x00E4;nner</hi><lb/>machen sich<lb/>gefa&#x00DF;t, Da=<lb/>mascus zu be=<lb/>lagern.</note>
<lb n="0091.24"/> und bat ihn, geschwind mit seinen Trupen zu
<lb n="0091.25"/> ihm zu stossen. Denn ob man gleich dem
<lb n="0091.26"/> Obeidah das Generalat, wie ich in dem vor=
<lb n="0091.27"/> hergehenden gesagt habe, genommen hatte,
<lb n="0091.28"/> so war er doch nicht ganz und gar in Ungnade
<lb n="0091.29"/> gefallen; und weil man glaubte, da&#x00DF; er zu klei=
<lb n="0091.30"/> nen Ausf&#x00FC;hrungen geschickter sey, als zu dem
<pb n="0092.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-153"/>
<lb n="0092.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>obersten Commando, so hatte man ihn unter=
<lb n="0092.02"/> dessen mit einem zahlreichen Heere an die Gren=
<lb n="0092.03"/> zen geschickt, mit dem Befehle, sich, sobald es
<lb n="0092.04"/> die Noth erfordre, zum Aufbruche fertig zu
<lb n="0092.05"/> halten.</p>
<lb n="0092.06" rend="indent"/> <p>So bald er den Brief des Khaled erhalten
<lb n="0092.07"/> hatte, machte er sich mit seinen V&#x00F6;lkern auf,
<lb n="0092.08"/> und zog nach Bostra. Diese Zusa<expan>mm</expan>enstossung
<lb n="0092.09"/> machte die Abreise gewi&#x00DF;. Khaled lie&#x00DF; in die=
<lb n="0092.10"/> sem Platze eine starke Besatzung, und marschir=
<lb n="0092.11"/> te hernach vor Damascus.</p>
<lb n="0092.12"/> <note type="marginalie" place="links">Der K&#x00E4;y=<lb/>ser <hi rend="spaced">schickt</hi><lb/>H&#x00FC;lffe da=<lb/>hin.</note><p rend="indent">Der griechische K&#x00E4;yser hatte sich, auf erhal=
<lb n="0092.13"/> tene Nachricht von den Unternehmungen seiner
<lb n="0092.14"/> Feinde, nach Antiochien begeben, wo er Tru=
<lb n="0092.15"/> pen versammeln lie&#x00DF; und sie der Stadt Da=
<lb n="0092.16"/> mascus zu H&#x00FC;lffe sendete. Unterdessen lie&#x00DF; er
<lb n="0092.17"/> doch nicht mehr als f&#x00FC;nftausend Mann aufbre=
<lb n="0092.18"/> chen, weil er glaubte, da&#x00DF; diese Anzahl hinrei=
<lb n="0092.19"/> chend seyn w&#x00FC;rde, einen Ort zu vertheidigen,
<lb n="0092.20"/> welcher sehr wohl befestiget war, und eine un=
<lb n="0092.21"/> glaubliche Menge Einwohner hatte, welche
<lb n="0092.22"/> Waffen f&#x00FC;hren konnten.</p>
<lb n="0092.23"/> <note type="marginalie" place="links">Uneinigkeit<lb/>zwischen dem<lb/>Befehls ha=<lb/>ber und dem<lb/>Heerf&#x00FC;hrer<lb/>der H&#x00FC;lfs=<lb/>v&#x00F6;lker.</note><p rend="indent">Ein Kriegsoberster, Namens Calous, erhielt
<lb n="0092.24"/> von dem Heraclius das Commando &#x00FC;ber diese
<lb n="0092.25"/> Trupen, welcher sogleich aufbrach und in kur=
<lb n="0092.26"/> zer Zeit zu Damascus eintraf. Seine An=
<lb n="0092.27"/> kunft war anfangs den Einwohnern sehr ange=
<lb n="0092.28"/> nehm, weil er H&#x00FC;lffsv&#x00F6;lcker mit sich brachte;
<lb n="0092.29"/> sie ward aber gar bald eine Ursache des Streits
<lb n="0092.30"/> und der Verwirrung, wegen verschiedener Fo=
<pb n="0093.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-154"/>
<lb n="0093.01"/> Foderungen, die er machte. Die Briefe, wo=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632{??}.</note>
<lb n="0093.02"/> mit ihn der K&#x00E4;yser nach Damascus geschickt
<lb n="0093.03"/> hatte, waren ohne Zweifel ein wenig zwey=
<lb n="0093.04"/> deutig, so da&#x00DF; dieser General sie weiter ausdeh=
<lb n="0093.05"/> nen konnte, als es eigentlich erlaubt war. Er
<lb n="0093.06"/> verlangte, da&#x00DF; er einzig und allein in der Stadt
<lb n="0093.07"/> befehlen m&#x00FC;ste, und da&#x00DF; man den bisherigen
<lb n="0093.08"/> Befehlshaber fortschicken solle.</p>
<lb n="0093.09" rend="indent"/> <p>Uber dieses Verlangen wurden die Einwoh=
<lb n="0093.10"/> ner von Damascus sehr stutzig. Sie liebten ihren
<lb n="0093.11"/> Befehlshaber, und betrachteten ihn, als einen
<lb n="0093.12"/> tapfern Officier, der ihres Vertrauens w&#x00FC;rdig,
<lb n="0093.13"/> und in einer Stadt, vor welcher man den Feind
<lb n="0093.14"/> alle Tage erwarten m&#x00FC;sse, weit n&#x00F6;thiger als je=
<lb n="0093.15"/> mals w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0093.16" rend="indent"/> <p>Das Lob, welches sie ihrem Befehlshaber
<lb n="0093.17"/> gaben, diente zu nichts, als die Eyfersucht des
<lb n="0093.18"/> Calous rege zu machen. Er wurde weit hart=
<lb n="0093.19"/> n&#x00E4;ckigker in seinem Verlangen, und versicherte
<lb n="0093.20"/> nimmermehr davon abzustehen. Und nunmehr
<lb n="0093.21"/> kam die Zwietracht unter die Einwohner, und je=
<lb n="0093.22"/> der trat entweder diesem oder jenem bey, so wie
<lb n="0093.23"/> es seine Absicht, sein Vortheil, oder sein Eigen=
<lb n="0093.24"/> sinn verlangte. Es schien, als wenn man recht
<lb n="0093.25"/> mit Gewalt in das Verderben rennen wollte,
<lb n="0093.26"/> so uneinig waren sowohl die H&#x00E4;upter, als die
<lb n="0093.27"/> B&#x00FC;rger.</p>
<lb n="0093.28" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend diesen Uneinigkeiten sahe man end=<note type="marginalie" place="rechts">Belagerung<lb/>der <hi rend="spaced">Stadt</hi><lb/>Damascus.</note>
<lb n="0093.29"/> lich den Feind anlangen, f&#x00FC;r welchem man sich
<lb n="0093.30"/> schon so lange gef&#x00FC;rchtet hatte. Khaled erschien
<pb n="0094.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-155"/>
<lb n="0094.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>an der Spitze von vierzigtausend Mann. Die
<lb n="0094.02"/> Einwohner wurden gen&#x00F6;thiget ihre Uneinigkeit
<lb n="0094.03"/> zu verschieben, und jezt auf ihre Vertheidigung
<lb n="0094.04"/> bedacht zu seyn, damit sie den Feind nicht all=
<lb n="0094.05"/> zu weit lossen m&#x00F6;chten. Sie liessen daher ei=
<lb n="0094.06"/> nigen Trupen einen Ausfall thun, welche ihm
<lb n="0094.07"/> verhindern sollten, der Stadt n&#x00E4;her zu kommen.</p>
<lb n="0094.08" rend="indent"/> <p>Khaled hielt es nicht f&#x00FC;r gut, auf diese Tru=
<lb n="0094.09"/> pen sogleich loszubrechen, und befahl blo&#x00DF; ihnen
<lb n="0094.10"/> durch kleine Scharm&#x00FC;tzel auf den Zahn zu f&#x00FC;h=
<lb n="0094.11"/> len. Er trug diese Verrichtung dem Derar
<lb n="0094.12"/> auf, einem Officier, den er sehr hoch sch&#x00E4;tzte,
<lb n="0094.13"/> und befahl ihm, einige Reuterey zu sich zu neh=
<lb n="0094.14"/> men, und mit seiner gew&#x00F6;hnlichen Tapferkeit
<lb n="0094.15"/> den Feind auf die Probe zu stellen. Derar
<lb n="0094.16"/> brach sogleich auf, und legte in der That sehr
<lb n="0094.17"/> grosse Beweise seiner Tapferkeit ab, weil ihm
<lb n="0094.18"/> aber der Feind an Anzahl weit &#x00FC;berlegen war,
<lb n="0094.19"/> so wurde er zur&#x00FC;ck getrieben, und zog sich wie=
<lb n="0094.20"/> der zur Armee zur&#x00FC;ck. Abdarrahman wollte
<lb n="0094.21"/> gleichfalls die Ehre haben den Feind zu necken;
<lb n="0094.22"/> er war aber nichts gl&#x00FC;cklicher als Derar; er
<lb n="0094.23"/> muste der Menge weichen und sich zur&#x00FC;cke zie=
<lb n="0094.24"/> hen. Unterdessen entzog man doch weder dem
<lb n="0094.25"/> einen, noch dem andern, das Lob, welches ihre
<lb n="0094.26"/> Tapferkeit verdiente.</p>
<lb n="0094.27" rend="indent"/> <p>Der General wollte gleichfalls einen Anfall
<lb n="0094.28"/> wagen, und weil er glaubte, da&#x00DF; seine W&#x00FC;rde
<lb n="0094.29"/> etwas besonders erfordere, so wollte er von kei=
<lb n="0094.30"/> nem einzigen begleitet seyn. Er ritt ganz alleine
<pb n="0095.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-156"/>
<lb n="0095.01"/> so nahe heran, da&#x00DF; er von dem Feinde konnte<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0095.02"/> verstanden werden, und forderte einen jeden auf,
<lb n="0095.03"/> welcher sich mit ihm in einen Zweykampf wa=
<lb n="0095.04"/> gen wollte.</p>
<lb n="0095.05" rend="indent"/> <p>Der Befehlshaber, welchen Calous hatte<note type="marginalie" place="rechts">Zweykampf<lb/>des Calous<lb/>und Khaled.</note>
<lb n="0095.06"/> verdrengen wollen, machte sich diese Ausforde=
<lb n="0095.07"/> rung zu Nutze, ihm seinen Ehrgeitz rege zu
<lb n="0095.08"/> machen. Er stellte ihm vor, weil er ganz allein
<lb n="0095.09"/> in der Stadt habe befehlen wollen, so k&#x00E4;me es
<lb n="0095.10"/> ihm vor allen andern zu, sich mit dem Genera=
<lb n="0095.11"/> le der Muselm&#x00E4;nner einzulassen.</p>
<lb n="0095.12" rend="indent"/> <p>Calous war dieser Meinung so recht nicht,
<lb n="0095.13"/> gleichwohl mu&#x00DF;te er Ehren halber die Ausforde=
<lb n="0095.14"/> rung annehmen, besonders da alle Einwohner, die
<lb n="0095.15"/> sie mit angeh&#x00F6;ret hatten, ein gleiches verlangten.
<lb n="0095.16"/> Er ritt also mit dem gr&#x00F6;&#x00DF;ten Widerwillen fort,
<lb n="0095.17"/> und weil er vielmehr die Absicht hatte, mit dem
<lb n="0095.18"/> Feinde Unterhandlung zu pflegen, als sich mit
<lb n="0095.19"/> ihm zu schlagen, so verga&#x00DF; er nicht, einen Doll=
<lb n="0095.20"/> metscher mit zu nehmen, weil er selbst nicht ara=
<lb n="0095.21"/> bisch konnte.</p>
<lb n="0095.22" rend="indent"/> <p>Auf dem Wege schlug Calous, der immer
<lb n="0095.23"/> furchtsamer ward, je n&#x00E4;her er dem Muselmanne
<lb n="0095.24"/> kam, dem Dollmetscher vor, ihm beyzustehen, wa<expan>nn</expan>
<lb n="0095.25"/> ihm der Feind etwa allzustarck zusetzen sollte.
<lb n="0095.26"/> Der Dollmetscher, welcher zu nichts weniger
<lb n="0095.27"/> Lust hatte, als sich zu schlagen, bat den Calous,
<lb n="0095.28"/> sich hierinne nicht auf ihn zu verlassen: er ver=
<lb n="0095.29"/> sicherte ihn, da&#x00DF; er ihm in seinem Gewerke al=
<lb n="0095.30"/> le m&#x00F6;glichen Diensten leisten, und alles treulich
<pb n="0096.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-157"/>
<lb n="0096.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>&#x00FC;bersetzen wolle, was er ihn, dem Muselmanne,
<lb n="0096.02"/> zu sagen heissen w&#x00FC;rde; was aber die th&#x00E4;tliche
<lb n="0096.03"/> H&#x00FC;lffe anbelangte, so habe er sich nicht das ge=
<lb n="0096.04"/> ringste von ihm zu versprechen, als wornach er
<lb n="0096.05"/> seine Sache, so wie er es f&#x00FC;r gut befinden w&#x00FC;r=
<lb n="0096.06"/> de, einrichten k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0096.07" rend="indent"/> <p>Eine so trockne Antwort war f&#x00FC;r den furcht=
<lb n="0096.08"/> samen Calous ein rechter Donnerschlag; unter=
<lb n="0096.09"/> dessen setzte er doch seinen Weg fort, und traf
<lb n="0096.10"/> auf den Khaled. Der Dollmetscher nahm
<lb n="0096.11"/> hierauf das Wort, und hielt dem Muselman=
<lb n="0096.12"/> ne eine Rede, die er mit dieser Fabel anfing.
<lb n="0096.13"/> <hi rend="bold">Ein Mann hatte eine Heerde Schaafe;
<lb n="0096.14"/> diese vertraute er einem nachl&#x00E4;&#x00DF;igen
<lb n="0096.15"/> Sch&#x00E4;fer, und die wilden Thiere frassen sie.
<lb n="0096.16"/> Der Eigenth&#x00FC;mer ward &#x00FC;ber diesen Ver=
<lb n="0096.17"/> lust zornig, jagte den Sch&#x00E4;fer weg, und
<lb n="0096.18"/> nahm einen andern, welcher wachsamer
<lb n="0096.19"/> war, und den Wolf das erstemal, als er
<lb n="0096.20"/> wieder kam, t&#x00F6;dtete. Dieses</hi>, f&#x00FC;gte der Dol=
<lb n="0096.21"/> metscher hinzu, <hi rend="bold">k&#x00F6;nnte gar recht das Bild
<lb n="0096.22"/> deiner Nation seyn. Es war ein ver&#x00E4;cht=
<lb n="0096.23"/> liches Volk, welches an allen Mangel
<lb n="0096.24"/> hatte; und nur jezt hat es sich in diesem
<lb n="0096.25"/> k&#x00F6;stlichen Lande aufgem&#x00E4;stet. Allein
<lb n="0096.26"/> der K&#x00E4;yser hat einen tapfern und klugen
<lb n="0096.27"/> Geneneral, mit vielem Volke, geschickt,
<lb n="0096.28"/> welcher die Heerde, die ihm der K&#x00E4;yser
<lb n="0096.29"/> anvertrauet hat, gewi&#x00DF; vertheidigen
<lb n="0096.30"/> wird</hi>.</p>
<pb n="0097.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-158"/>
<lb n="0097.01" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Dieses Volk</hi>, antwortete Khaled, <hi rend="bold">wel=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0097.02"/> chem man seine Armuth vorzuwerffen
<lb n="0097.03"/> sich unterstehet, ist aus seinem Lande ge=
<lb n="0097.04"/> kommen, euch eure Reichth&#x00FC;mer, eure
<lb n="0097.05"/> Felder und eure St&#x00E4;dte wegzunehmen.
<lb n="0097.06"/> Jch habe es schon in den benachbarten
<lb n="0097.07"/> Provinzen gezeigt, wie gro&#x00DF; die Macht
<lb n="0097.08"/> und Tapferkeit der Araber sey, und ich
<lb n="0097.09"/> will es auch in dieser Provinz zeigen.
<lb n="0097.10"/> Wann dein General der Vertheidiger
<lb n="0097.11"/> des griechischen Reichs ist, so bin ich der
<lb n="0097.12"/> Vertheidiger meiner Religion. Nicht
<lb n="0097.13"/> also weiter viel Redens; unsre Streitig=
<lb n="0097.14"/> keit mu&#x00DF; durch die Waffen ausgemacht
<lb n="0097.15"/> werden</hi>.</p>
<lb n="0097.16" rend="indent"/> <p>Obgleich Calous die Worte des Khaled nicht
<lb n="0097.17"/> verstand, so war doch schon der Ton seiner Re=
<lb n="0097.18"/> de und die Wildheit seines Betragens hinl&#x00E4;ng=
<lb n="0097.19"/> lich genug, ihm Schrecken einzujagen. Er be=
<lb n="0097.20"/> fahl also seinem Dollmetscher, dem Khaled den
<lb n="0097.21"/> Vorschlag zu thun, da&#x00DF; sie den Zweykamf bis
<lb n="0097.22"/> auf morgen verschieben wollten. Allein der
<lb n="0097.23"/> Muselmann, dem es ein viel zu grosses Ver=
<lb n="0097.24"/> gn&#x00FC;gen war, sich zu schlagen, als da&#x00DF; er es soll=
<lb n="0097.25"/> te verz&#x00F6;gert sehen, wollte diesen Vorschlag durch=
<lb n="0097.26"/> aus nicht annehmen, da er sich ohnedem, aus
<lb n="0097.27"/> der Verwirrung seines Gegners zu schliessen,
<lb n="0097.28"/> einen gewissen Sieg versprechen konnte. Aus
<lb n="0097.29"/> Furcht also, da&#x00DF; ihm der Feind nicht entfliehen
<lb n="0097.30"/> m&#x00F6;chte, machte er mit seinem Pferde eine Wen=
<pb n="0098.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-159"/>
<lb n="0098.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>dung, und stellte sich zwischen den Calous und
<lb n="0098.02"/> die griechische Armee.</p>
<lb n="0098.03" rend="indent"/> <p>Der Dollmetscher, als er sahe, da&#x00DF; die Sa=
<lb n="0098.04"/> che ernstlich zu werden anfing, und seine Dien=
<lb n="0098.05"/> ste nunmehr sehr unn&#x00F6;thig seyn w&#x00FC;rden, lie&#x00DF;
<lb n="0098.06"/> die Ritter ihren Streit ausmachen, und spreng=
<lb n="0098.07"/> te mit verhangenem Z&#x00FC;gel wieder nach Dama=
<lb n="0098.08"/> scus.</p>
<lb n="0098.09"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Calous</hi><lb/>wird zum Ge=<lb/><hi rend="spaced">fangenen</hi><lb/>gemacht.</note><p rend="indent">Da sich Calous also gezwungen sahe, hand=
<lb n="0098.10"/> gemein zu werden, so fa&#x00DF;te er wieder ein wenig
<lb n="0098.11"/> Muth, und schlug sich anfangs ziemlich tapfer.
<lb n="0098.12"/> Doch gegen einen so starken Feind, als Khaled
<lb n="0098.13"/> war, konnte er nicht lange aushalten, und er
<lb n="0098.14"/> fing gar bald an, sich blo&#x00DF; ganz schwach zu ver=
<lb n="0098.15"/> theidigen. Khaled wollte sich hierauf nicht ein=
<lb n="0098.16"/> mal die M&#x00FC;he nehmen, noch mehr in ihn zu
<lb n="0098.17"/> setzen, sondern ritt ihm ganz nahe auf den Leib,
<lb n="0098.18"/> schwung seinen Speer geschwind aus der Rech=
<lb n="0098.19"/> ten in die Linke, ergriff seinen Feind, und warff
<lb n="0098.20"/> ihn aus dem Sattel zu Boden. Sogleich erhob
<lb n="0098.21"/> die ganze arabische Armee ein lautes Freuden=
<lb n="0098.22"/> geschrey, welches unter die Christen ein allge=
<lb n="0098.23"/> meines Schrecken brachte.</p>
<lb n="0098.24" rend="indent"/> <p>Khaled kehrte nach erhaltenem Siege mit
<lb n="0098.25"/> seinem Gefangenen zu den Muselm&#x00E4;nnern zu=
<lb n="0098.26"/> r&#x00FC;ck. Und eben machte er sich gefa&#x00DF;t, wieder
<lb n="0098.27"/> vor die Stadt zu reiten, als ihn Calous um Ge=
<lb n="0098.28"/> h&#x00F6;r auf einige Augenblicke bitten lie&#x00DF;. Der Ge=
<lb n="0098.29"/> neral gestand es ihm zu, und der niedertr&#x00E4;chtige
<lb n="0098.30"/> Befehlshaber von Bostra, Romanus, vertrat
<pb n="0099.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-160"/>
<lb n="0099.01"/> bey dieser Unterredung die Stelle eines Dolmet=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0099.02"/> metschers.</p>
<lb n="0099.03" rend="indent"/> <p>Calous, welcher ohngeachtet des Verdrus=
<lb n="0099.04"/> ses und der Schaam, von welcher er ganz ein=
<lb n="0099.05"/> genommen seyn muste, dennoch seinen Ha&#x00DF; ge=
<lb n="0099.06"/> gen den alten Befehlshaber in Damascus bey=
<lb n="0099.07"/> behielt, sagte dem Khaled, da&#x00DF; er mit diesem
<lb n="0099.08"/> fechten m&#x00FC;sse, und da&#x00DF; es mit Damascus gesche=
<lb n="0099.09"/> hen w&#x00E4;re, wann er so gl&#x00FC;cklich seyn k&#x00F6;nnte, ihn
<lb n="0099.10"/> zu t&#x00F6;dten, oder wenigstens gefangen zu neh=
<lb n="0099.11"/> men.</p>
<lb n="0099.12" rend="indent"/> <p>Khaled schickte hierauf schleinig dem Befehls=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>schickt dem<lb/>Befehlsha=<lb/>ber in Da=<lb/>mascus eine<lb/><hi rend="spaced">Ausforde=<lb/>rung,</hi> wel=<lb/>cher sie auch<lb/>annimmt.</note>
<lb n="0099.13"/> haber eine Ausforderung, welcher sie auch an=
<lb n="0099.14"/> nahm, und sich sogleich auf dem Platze einfand.
<lb n="0099.15"/> Als sich der Muselmann ihm genahet hatte,
<lb n="0099.16"/> fragte er ihn zuerst nach seinem Namen. Er
<lb n="0099.17"/> antwortete ihm, er heisse <hi rend="bold">Jsrail</hi>. Hier mu&#x00DF;
<lb n="0099.18"/> man merken, da&#x00DF; dieses bey den Arabern der
<lb n="0099.19"/> Name desjenigen Engels ist, welcher Sorge f&#x00FC;r
<lb n="0099.20"/> die abgeschiedenen Seelen tr&#x00E4;gt. Khaled konn=
<lb n="0099.21"/> te sich des Lachens nicht enthalten, als er diesen
<lb n="0099.22"/> Namen h&#x00F6;rte. <hi rend="bold">Gut</hi>, sagte er ganz hastig,
<lb n="0099.23"/> <hi rend="bold">desto besser f&#x00FC;r dich, der Engel Jsrail
<lb n="0099.24"/> wird sich, in Ansehung deines Namens,
<lb n="0099.25"/> deiner Seele schon annehmen, und sie in
<lb n="0099.26"/> die H&#x00F6;lle bringen</hi>. Jsrail, dem es an Stand=
<lb n="0099.27"/> haftigkeit nicht mangelte, lie&#x00DF; sich durch das
<lb n="0099.28"/> Compliment des Khaled nicht irre machen; weil
<lb n="0099.29"/> er sich aber einbildete, dieser habe ihm dadurch
<lb n="0099.30"/> wollen zu verstehen geben, da&#x00DF; er dem Calous
<pb n="0100.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-161"/>
<lb n="0100.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>schlecht mitgespielt habe, so fragte er ihn, was er
<lb n="0100.02"/> mit ihm gemacht habe? Khaled antwortete, er
<lb n="0100.03"/> habe ihn binden lassen. <hi rend="bold">Warum</hi>, versetzte
<lb n="0100.04"/> Jsrail, <hi rend="bold">hast du ihn nicht get&#x00F6;dtet</hi>? Weil
<lb n="0100.05"/> ich, erwiederte der Muselmann, <hi rend="bold">gesonnen bin,
<lb n="0100.06"/> euch beyde mit einander zu t&#x00F6;dten</hi>.</p>
<lb n="0100.07" rend="indent"/> <p>Weiter ging dieses Gespr&#x00E4;ch nicht. Die
<lb n="0100.08"/> zwey Ritter giengen nunmehr einer auf den an=
<lb n="0100.09"/> dern los, und beyde zeigten sehr viel Geschick=
<lb n="0100.10"/> lichkeit und St&#x00E4;rke. Als Khaled mit Vergn&#x00FC;=
<lb n="0100.11"/> gen wahrnahm, da&#x00DF; er endlich einen w&#x00FC;rdigen
<lb n="0100.12"/> Gegner gefunden habe, so nahm er alle seine
<lb n="0100.13"/> Tapferkeit zusammen, den Vortheil auf seine
<lb n="0100.14"/> Seite zu bringen, worinne es ihm auch, nach=
<lb n="0100.15"/> dem er noch eine Zeitlang gefochten hatte, ge=
<lb n="0100.16"/> lang. Als Jsrail sahe, da&#x00DF; sich der Sieg f&#x00FC;r
<lb n="0100.17"/> den Khaled erkl&#x00E4;rte, so kehrte er den R&#x00FC;cken,
<lb n="0100.18"/> und flohe davon. Der Muselmann verfolgte
<lb n="0100.19"/> ihn anfangs sehr hitzig; der Grieche aber war
<lb n="0100.20"/> besser beritten, und entkam. Gleichwohl aber
<lb n="0100.21"/> hielt er in einer gewissen Entfernung stille, und
<lb n="0100.22"/> als er sahe, da&#x00DF; das Pferd des Khaled ungemein
<lb n="0100.23"/> matt sey, so kehrte er wieder zur&#x00FC;cke, den Mu=
<lb n="0100.24"/> selmann aufs neue anzugreiffen. Dieser stieg
<lb n="0100.25"/> sogleich ab, und eben als Jsrail auf ihn los st&#x00FC;r=
<lb n="0100.26"/> zen wollte, hatte er die Geschicklichkeit, dem
<lb n="0100.27"/> Pferde die Schenkel wegzuhauen, und sich auf
<lb n="0100.28"/> diese Art des Reuters zu bem&#x00E4;chtigen. Er &#x00FC;=
<lb n="0100.29"/> berlieferte ihn sogleich seinen Leuten, mit Be=
<lb n="0100.30"/> fehl, ihn nebst dem Calous in Banden zu
<lb n="0100.31"/> legen.</p>
<pb n="0101.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-162"/>
<lb n="0101.01" rend="indent"/> <p>Kurz darauf kam er selbst, sie beyde zu be=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0101.02"/> suchen, und lie&#x00DF; ihnen die Wahl, ob sie den
<lb n="0101.03"/> Glauben des Mahomets annehmen, oder ster=
<lb n="0101.04"/> ben wollten. So uneinig aber vorher diese<note type="marginalie" place="rechts">Jsrail und<lb/>Calous wer=<lb/>den get&#x00F6;dtet.</note>
<lb n="0101.05"/> zwey Anf&#x00FC;hrer aus Eyfersucht, Herrschbegier=
<lb n="0101.06"/> de und Ha&#x00DF; waren, so einig wurden sie nunmehr
<lb n="0101.07"/> auf einmal, an ihren Herzen und in ihren Ge=
<lb n="0101.08"/> sinnungen. Ein Strahl jenes g&#x00F6;ttlichen Lichts,
<lb n="0101.09"/> welches St&#x00E4;rke und Muth einem jeden geben
<lb n="0101.10"/> kan, wenn es will, hatte sie durchdrungen; sie
<lb n="0101.11"/> opferten ihr Gl&#x00FC;ck und Leben Christo gro&#x00DF;m&#x00FC;=
<lb n="0101.12"/> thig auf, und starben als M&#x00E4;rtyrer ihres Glau=
<lb n="0101.13"/> bens. Khaled lie&#x00DF; beyden den Kopf abschla=
<lb n="0101.14"/> gen, und befahl ihre H&#x00E4;upter &#x00FC;ber die Mauern
<lb n="0101.15"/> der Stadt Damascus zu werffeamit die Ein=
<lb n="0101.16"/> wohner das Schicksal ihr{??} Generale er=
<lb n="0101.17"/> f&#x00FC;hren.</p>
<lb n="0101.18" rend="indent"/> <p>Dieses ohngefehr ist alles, was sich merk=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Betrach=<lb/>tung &#x00FC;ber</hi><lb/>den <hi rend="spaced">arabi=<lb/>schen</hi> Ge=<lb/>schichtschrei=<lb/>ber.</note>
<lb n="0101.19"/> w&#x00FC;rdiges bey der Belagerung von Damascus
<lb n="0101.20"/> zutrug; oder vielmehr Alvakedi, ein arabischer
<lb n="0101.21"/> Geschichtschreiber, aus welchem ich diese Erzeh=
<lb n="0101.22"/> lung genommen habe, hat uns von dieser wich=
<lb n="0101.23"/> tigen Begebenheit nichts mehrers zu melden
<lb n="0101.24"/> f&#x00FC;r gut befunden. Es wird ohne Zweifel et=
<lb n="0101.25"/> was ausserordentliches zu seyn scheinen, da&#x00DF; ei=
<lb n="0101.26"/> ne zahlreiche Armee Muselm&#x00E4;nner, welche al=
<lb n="0101.27"/> les mit Feuer und Schwerdt verw&#x00FC;sten woll=
<lb n="0101.28"/> ten, vor einem festen Platz, in der Absicht, ihn
<lb n="0101.29"/> auf das heftigste zu be&#x00E4;ngstigen, ger&#x00FC;ckt sey, und
<lb n="0101.30"/> gleichwohl alles auf blosse Zweyk&#x00E4;mpfe hinaus
<lb n="0101.31"/> lauffe, welche nicht mehr als zwey oder drey
<pb n="0102.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-163"/>
<lb n="0102.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>Mann hinraften, und also zur Hauptsache gar
<lb n="0102.02"/> nichts beytrugen. Es ist daher zu vermuthen, da&#x00DF;
<lb n="0102.03"/> der romanenhafte Geschmak, welcher beynahe in
<lb n="0102.04"/> allen arabischen Werken herrscht, den Alvakedi
<lb n="0102.05"/> verf&#x00FC;hrt habe, sich bey Beschreibung der Zwey=
<lb n="0102.06"/> k&#x00E4;mpfe, und anderer Waffen&#x00FC;bungen, die ihm
<lb n="0102.07"/> etwas wunderbares zu seyn schienen, aufzuhal=
<lb n="0102.08"/> ten, anstatt uns, als ein getreuer Geschichtschrei=
<lb n="0102.09"/> ber, von allen Begebenheiten umst&#x00E4;ndliche Nach=
<lb n="0102.10"/> richt zu geben, die sich bey so critischen Umst&#x00E4;n=
<lb n="0102.11"/> den nothwendig ereignen mu&#x00DF;ten.</p>
<lb n="0102.12" rend="indent"/> <p>Es scheint also, diesem Schriftsteller zu Fol=
<lb n="0102.13"/> ge, da&#x00DF; nach dem Tode des Calous und Jsrail,
<lb n="0102.14"/> alles, was bey der Belagerung von Damascus
<lb n="0102.15"/> vorging, nicht erzehlt zu werden verdienet. Er
<lb n="0102.16"/> sagt zwar, da&#x00DF; verschiedne Treffen vorgefallen
<lb n="0102.17"/> w&#x00E4;ren, in welchen allen die Christen den k&#x00FC;r=
<lb n="0102.18"/> zern gezogen h&#x00E4;tten; mehr aber sagt er auch nicht
<lb n="0102.19"/> davon. Da ich derowegen blo&#x00DF; ihn zum F&#x00FC;h=
<lb n="0102.20"/> rer habe, so sehe ich mich gen&#x00F6;thiget, dasjenige
<lb n="0102.21"/> nur summarisch zu melden, was sonst weit um=
<lb n="0102.22"/> st&#x00E4;ndlicher h&#x00E4;tte sollen erzehlt werden.</p>
<lb n="0102.23" rend="indent"/> <p>Die Griechen waren also in allen Treffen,
<lb n="0102.24"/> die sie den Muselm&#x00E4;nnern lieferten, ungl&#x00FC;cklich.
<lb n="0102.25"/> Da ihre Mannschaft sehr merklich dadurch ver=
<lb n="0102.26"/> ringert wurde, so wagten sie weiter keine Aus=
<lb n="0102.27"/> f&#x00E4;lle. Sie schlossen sich in ihre Stadt ein, und
<lb n="0102.28"/> dachten auf weiter nichts, als sie auf das beste
<lb n="0102.29"/> zu vertheidigen, bis ihnen der K&#x00E4;yser H&#x00FC;lffe
<lb n="0102.30"/> schicken w&#x00FC;rde.</p>
<pb n="0103.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-164"/>
<lb n="0103.01" rend="indent"/> <p>Der K&#x00E4;yser, welcher wohl wu&#x00DF;te, wie viel<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0103.02"/> daran gelegen sey, eine so wichtige Stadt, als
<lb n="0103.03"/> Damascus, zu entsetzen, lie&#x00DF; sogleich in verschied=
<lb n="0103.04"/> nen Provinzen seiner Staaten Trupen werben,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Anstalten</hi><lb/>des K&#x00E4;ysers,<lb/>Damasc. zu<lb/>entsetzen.</note>
<lb n="0103.05"/> und bracht endlich beynahe ein Heer von hun=
<lb n="0103.06"/> derttausend Mann auf die Beine. Zum Un=
<lb n="0103.07"/> gl&#x00FC;ck aber, war diese entsetzliche Menge zu nichts
<lb n="0103.08"/> n&#x00FC;tze, als zum Ansehen; die Soldaten, woraus
<lb n="0103.09"/> sie bestand, waren ohne Zucht und Erfahrung;
<lb n="0103.10"/> es waren in Eil zusammengeraffte V&#x00F6;lker, wo=
<lb n="0103.11"/> von die meisten gezwungen marschirten, und an=
<lb n="0103.12"/> dre, auf die Nachrichten, die ihnen von den
<lb n="0103.13"/> Arabern bekannt wurden, mit Zittern ihnen ent=
<lb n="0103.14"/> gegen zogen. Eine solche Armee konnte nicht
<lb n="0103.15"/> viel Gl&#x00FC;ck versprechen, wie denn auch alles gar
<lb n="0103.16"/> bald in einen sehr mi&#x00DF;lichen Zustand gerieth.</p>
<lb n="0103.17" rend="indent"/> <p>Jndem der griechische K&#x00E4;yser alle diese
<lb n="0103.18"/> Maa&#x00DF;regeln nahm, hielt Khaled Damascus im=
<lb n="0103.19"/> mer in Furcht. Er hatte es einigemal verge=
<lb n="0103.20"/> bens versucht, mit dem oder jenen Christen eine
<lb n="0103.21"/> Lanze zu brechen, welcher seine Ausforderung
<lb n="0103.22"/> annehmen wollte; allein es wollte sich immer
<lb n="0103.23"/> niemand stellen. Der Muselmann, welcher
<lb n="0103.24"/> von Natur feurig und unruhig war, konnte es
<lb n="0103.25"/> kaum aushalten, l&#x00E4;nger in dieser Unth&#x00E4;tigkeit zu
<lb n="0103.26"/> schmachten; unterdessen entschlo&#x00DF; er sich doch die
<lb n="0103.27"/> Belagerung bis auf das &#x00E4;usserste fortzusetzen.
<lb n="0103.28"/> Nachdem er von allen Seiten die Stadt um=
<lb n="0103.29"/> schlossen hatte, nahm er seinen Stand auf der
<lb n="0103.30"/> Morgenseite, und stellte den Obeidah auf die
<lb n="0103.31"/> Westliche.</p>
<pb n="0104.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-165"/>
<lb n="0104.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><p rend="indent">W&#x00E4;hrend der Zeit, als Khaled in einer Ru=
<lb n="0104.02"/> he schmachtete, welche seinem Charakter so we=
<lb n="0104.03"/> nig gem&#x00E4;&#x00DF; war, erhielt er die Nachricht, da&#x00DF;
<lb n="0104.04"/> <note type="marginalie" place="links">Die arabi=<lb/>schen Gene=<lb/>tale berath=<lb/>schlag&#x0113;, ob sie<lb/><hi rend="spaced">die</hi> Besa=<lb/>tzung aufhe=<lb/>ben sollen.</note>Heraclius Anstalt mache, der Stadt H&#x00FC;lffe zu
<lb n="0104.05"/> senden, und bald darauf erfuhr er, da&#x00DF; die grie=
<lb n="0104.06"/> chische Armee schon im Anzuge sey. Er ver=
<lb n="0104.07"/> sammlete sogleich seinen Kriegsrath, und berath=
<lb n="0104.08"/> schlagte, was nunmehr zu thun sey. Seine
<lb n="0104.09"/> Meinung war, die Ankunft der Griechen nicht
<lb n="0104.10"/> zu erwarten, sondern ihnen sogleich entgegen zu
<lb n="0104.11"/> ziehen, in der gewissen Hoffnung, da&#x00DF; sie diese
<lb n="0104.12"/> H&#x00FC;lffe zur&#x00FC;ck schlagen w&#x00FC;rden, weil sich das
<lb n="0104.13"/> ganze Heer, wegen Bequemlichkeit des Mar=
<lb n="0104.14"/> sches, getheilet h&#x00E4;tte, und es also nicht schwer
<lb n="0104.15"/> fallen k&#x00F6;nne, diese einzeln Theile zu schlagen, da
<lb n="0104.16"/> ihnen sonst eine so zahlreiche Armee, wenn sie
<lb n="0104.17"/> nicht st&#x00FC;ckweise aufgerieben w&#x00FC;rde, viel zu
<lb n="0104.18"/> schaffen machen m&#x00F6;chte.</p>
<lb n="0104.19" rend="indent"/> <p>Obeidah war der gegenseitigen Meinung.
<lb n="0104.20"/> Er stellte vor, wie wichtig es sey, sich nicht von
<lb n="0104.21"/> Damascus zu entfernen, weil die Stadt durch
<lb n="0104.22"/> den Mangel der Lebensmittel auf das &#x00E4;usserste
<lb n="0104.23"/> gebracht w&#x00E4;re, und sich in wenig Tagen gewi&#x00DF;
<lb n="0104.24"/> ergeben m&#x00FC;&#x00DF;te; wann man hingegen die Be=
<lb n="0104.25"/> satzung aufh&#x00FC;be, so w&#x00FC;rden die Einwohner al=
<lb n="0104.26"/> les, was ihnen n&#x00F6;thig w&#x00E4;re, hinein bringen,
<lb n="0104.27"/> und das, was man bisher gethan habe, w&#x00FC;rde
<lb n="0104.28"/> umsonst gethan seyn. Unterdessen gab er es zu,
<lb n="0104.29"/> da&#x00DF; es ein grosser Vortheil seyn w&#x00FC;rde, wenn
<lb n="0104.30"/> man die Trupen schlagen k&#x00F6;nnte, welche der
<lb n="0104.31"/> K&#x00E4;yser nach Syrien schickte; allein er f&#x00FC;gte hin=
<pb n="0105.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-166"/>
<lb n="0105.01"/> zu, da&#x00DF;, wenn man auch an einem v&#x00F6;lligen Sie=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. G. C. 632.</note>
<lb n="0105.02"/> ge ganz und gar nicht zu zweifeln h&#x00E4;tte, woran
<lb n="0105.03"/> doch allerdings noch zu zweifeln w&#x00E4;re, man
<lb n="0105.04"/> dennoch wieder vor Damascus kommen m&#x00FC;ste,
<lb n="0105.05"/> welches, wann es Zeit gehabt h&#x00E4;tte sich zu verpro=
<lb n="0105.06"/> viantiren, im Stande seyn w&#x00FC;rde, einen sehr
<lb n="0105.07"/> langen Widerstand zu thun. Endlich, sagte
<lb n="0105.08"/> er, solle man bedenken, da&#x00DF; die H&#x00FC;lffe noch nicht
<lb n="0105.09"/> angekommen sey, und da&#x00DF; es also besser w&#x00E4;re,
<lb n="0105.10"/> wenn man die Belagerung zu Stande zu brin=
<lb n="0105.11"/> gen suchte; h&#x00E4;tte man sich einmal des Orts be=
<lb n="0105.12"/> m&#x00E4;chtiget, so w&#x00FC;rde es leichte seyn, sich darinne
<lb n="0105.13"/> zu halten, und er w&#x00FC;rde sogar den Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0105.14"/> nern zu einer Brustwehr dienen.</p>
<lb n="0105.15" rend="indent"/> <p>Diese Meinung schien so vern&#x00FC;nftig zu seyn,
<lb n="0105.16"/> da&#x00DF; sie gar bald in dem Rathe einm&#x00FC;thig angenom=
<lb n="0105.17"/> men, und von dem Khaled endlich selbst gebilliget
<lb n="0105.18"/> wurde. Die Damascener ihres Theils waren
<lb n="0105.19"/> best&#x00E4;ndig in der gr&#x00F6;&#x00DF;ten Angst, einen so furchte
<lb n="0105.20"/> baren Feind vor ihren Mauern zu sehen. Die
<lb n="0105.21"/> H&#x00FC;lffe &#x00FC;brigens, die ihnen Heraclius zuschickte,
<lb n="0105.22"/> marschirte sehr langsam, und es stand zu bef&#x00FC;rch=
<lb n="0105.23"/> ten, da&#x00DF; die Lebensmittel, welche schon sehr ab=
<lb n="0105.24"/> genommen hatten, mittlerweile ganz und gar
<lb n="0105.25"/> fehlen w&#x00FC;rden, da sie denn entweder vor Hun=
<lb n="0105.26"/> ger und Elend umkommen, oder sich dem Joche
<lb n="0105.27"/> der Muselm&#x00E4;nner unterwerffen m&#x00FC;&#x00DF;ten.</p>
<lb n="0105.28" rend="indent"/> <p>Der schreckliche Gedanke von einem so trau=<note type="marginalie" place="rechts">Die Dama=<lb/>scener thun<lb/>Vorschl&#x00E4;ge,<lb/>welche ver=<lb/>worffen wer=<lb/>den.</note>
<lb n="0105.29"/> rigen Ausgange, machte, da&#x00DF; sie auf verschied=
<lb n="0105.30"/> ne Mittel bedacht waren, sich aus den betr&#x00FC;b=
<pb n="0106.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-167"/>
<lb n="0106.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>ten Umst&#x00E4;nden, worinne sie sich befanden, zu
<lb n="0106.02"/> reissen. Sie fielen unter andern darauf,
<lb n="0106.03"/> den Khaled zu bestechen, damit er die Belage=
<lb n="0106.04"/> rung aufheben m&#x00F6;chte. Sie liessen also mit
<lb n="0106.05"/> ihm red{??}n, und boten ihm betr&#x00E4;chtliche Sum=
<lb n="0106.06"/> men und sehr reiche Geschenke an, wann er sich
<lb n="0106.07"/> von ihren Mauern entfernen wollte. Khaled
<lb n="0106.08"/> aber war gar kein Mann dergleichen Vorschl&#x00E4;ge
<lb n="0106.09"/> anzunehmen, und antwortete ganz trocken, da&#x00DF;
<lb n="0106.10"/> hier nicht mehr als zwey Wege w&#x00E4;ren, entwe=
<lb n="0106.11"/> der die Religion des Mahomets anzunehmen,
<lb n="0106.12"/> oder sich zin&#x00DF;bar zu machen; wann ihnen die=
<lb n="0106.13"/> se Bedingungen nicht anst&#x00FC;nden, so k&#x00F6;nnte ihr
<lb n="0106.14"/> Streit nicht anders als durch die Waffen aus=
<lb n="0106.15"/> gemacht werden.</p>
<lb n="0106.16" rend="indent"/> <p>Die Damascener wurden &#x00FC;ber die Stand=
<lb n="0106.17"/> haftigkeit des Khaled ganz best&#x00FC;rzt, und beschlos=
<lb n="0106.18"/> sen, weit mehr als jemals auf ihrer Hut zu seyn,
<lb n="0106.19"/> und einen Entsatz zu erwarten, welcher von Tag
<lb n="0106.20"/> zu Tage l&#x00E4;nger ausblieb. Nachdem sie einige
<lb n="0106.21"/> Wochen in best&#x00E4;ndiger Unruhe so zugebracht
<lb n="0106.22"/> hatten, so bekamen sie endlich Nachricht, da&#x00DF;
<lb n="0106.23"/> die so lange erwartete H&#x00FC;lfe im Anmarsche sey.
<lb n="0106.24"/> Diese Neuigkeit setzte die ganze Stadt in Freu=
<lb n="0106.25"/> den, so da&#x00DF; das laute Frohlocken der Einwoh=
<lb n="0106.26"/> ner bis in das Lager der Araber erscholl, welche
<lb n="0106.27"/> muthma&#x00DF;ten, da&#x00DF; nothwendig etwas ganz aus=
<lb n="0106.28"/> serordentliches bey ihnen m&#x00FC;&#x00DF;te vorgefallen
<lb n="0106.29"/> seyn.</p>
<lb n="0106.30" rend="indent"/> <p>Man erfuhr es gar bald, woher dieses
<pb n="0107.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-168"/>
<lb n="0107.01"/> Jauchzen gekommen sey. Die Spione, welche<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0107.02"/> Khaled ausgesendet hatte, kamen, und verk&#x00FC;n=
<lb n="0107.03"/> digten ihm, da&#x00DF; die griechische Armee im Anzuge
<lb n="0107.04"/> sey, und im kurzen bey Damascus eintreffen
<lb n="0107.05"/> w&#x00FC;rde. Man hielt hierauf eine neue Berath=
<lb n="0107.06"/> schlagung, in welcher Khaled seine erste Mei=
<lb n="0107.07"/> nung wieder vortrug, und durchaus diesen Tru=
<lb n="0107.08"/> pen entgegen gehen wollte, um sie zu zerstreuen,
<lb n="0107.09"/> ehe sie noch Damascus zu Gesichte bek&#x00E4;men.
<lb n="0107.10"/> Obeidah blieb gleichfalls bey der Meinung, die
<lb n="0107.11"/> er in der ersten Berathschlagung vorgetragen
<lb n="0107.12"/> hatte, und drang auf die Fortsetzung der Bela=
<lb n="0107.13"/> gerung.</p>
<lb n="0107.14" rend="indent"/> <p>Nachdem man diese verschiednen Meinun=
<lb n="0107.15"/> gen in dem Rathe &#x00FC;berlegt hatte, so fand man,
<lb n="0107.16"/> da&#x00DF; beyde von so starken Gr&#x00FC;nden unterst&#x00FC;tzt
<lb n="0107.17"/> waren, da&#x00DF; man sowohl der einen als der an=
<lb n="0107.18"/> dern zu folgen beschlo&#x00DF;. Man hielt also Da=
<lb n="0107.19"/> mascus noch immer von der Hauptarmee um=
<lb n="0107.20"/> setzt, und nahm nur einige auserlesene Mann=
<lb n="0107.21"/> schaft davon, welche die ankommenden H&#x00FC;lfs=
<lb n="0107.22"/> v&#x00F6;lker auf ihrem Marsche beunruhigen sollte.</p>
<lb n="0107.23" rend="indent"/> <p>Khaled stellte einen tapfern Mann, Namens<note type="marginalie" place="rechts">Einige ara=<lb/>bische Mann=<lb/>schaft wird<lb/>den Griechen<lb/>entgegen ge=<lb/>schickt.</note>
<lb n="0107.24"/> Derar, an die Spitze dieser Mannschaft. Die=
<lb n="0107.25"/> ser Anf&#x00FC;hrer war wegen seines Muths und sei=
<lb n="0107.26"/> ner Unerschrockenheit schon so bekandt, da&#x00DF; es
<lb n="0107.27"/> n&#x00F6;thiger war seine Tapferkeit im Zaume zu hal=
<lb n="0107.28"/> ten, als sie anzuspornen. Khaled befahl ihm
<lb n="0107.29"/> auch daher bey seinem Auf bruche, nicht allzu
<lb n="0107.30"/> verwegen zu seyn, sondern sich vielmehr ohne
<pb n="0108.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-169"/>
<lb n="0108.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi><lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>Schwierigkeit in die Umst&#x00E4;nde zu schicken, und
<lb n="0108.02"/> zu der Hauptarmee zur&#x00FC;ck zu kommen, wenn
<lb n="0108.03"/> es allzugef&#x00E4;hrlich seyn sollte, etwas zu unter=
<lb n="0108.04"/> nehmen.</p>
<lb n="0108.05" rend="indent"/> <p>Derar brach sogleich mit seiner Mannschaft
<lb n="0108.06"/> auf, und brannte recht f&#x00FC;r Verlangen, sich ge=
<lb n="0108.07"/> gen die Christen hervor zu thun. Es w&#x00E4;hrte
<lb n="0108.08"/> nicht lange, so entdekte er sie. Bey dem An=
<lb n="0108.09"/> blicke einer so entsetzlichen Menge wurden seine
<lb n="0108.10"/> Trupen ein wenig stutzig; doch Derar machte
<lb n="0108.11"/> ihnen bald, durch die Art, mit welcher er von
<lb n="0108.12"/> dem Feinde sprach, wieder Muth. Er erin=
<lb n="0108.13"/> nerte sie an die Siege, welche die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0108.14"/> davon getragen h&#x00E4;tten, ob sie gleich, der An=
<lb n="0108.15"/> zahl nach, allezeit schw&#x00E4;cher gewesen w&#x00E4;ren;
<lb n="0108.16"/> und wahrhaftig, setzte er hinzu, eine Hand voll
<lb n="0108.17"/> tapfrer Leute ist verm&#x00F6;gend eine grosse Armee
<lb n="0108.18"/> in Verwirrung zu bringen.</p>
<lb n="0108.19"/> <note type="marginalie" place="links">Tapferkeit<lb/>des Derar.</note><p rend="indent">Hierauf gab dieser unerschrockene Anf&#x00FC;hrer
<lb n="0108.20"/> selbst ein Beyspiel der allerentschlossensten Tap=
<lb n="0108.21"/> ferkeit, indem er auf den Feind lo&#x00DF; sprengte,
<lb n="0108.22"/> und sich mit aller Gewalt mit dem griechischen
<lb n="0108.23"/> Feldherrn schlagen wollte. Seine Leute unter=
<lb n="0108.24"/> st&#x00FC;tzten ihn, und das Treffen nahm seinen An=
<lb n="0108.25"/> fang. Mitten unter diesen Bewegungen war
<lb n="0108.26"/> Derar bis zu dem F&#x00E4;hndrich hindurch gedrun=
<lb n="0108.27"/> gen, welchen er angriff, und mit seiner Hand
<lb n="0108.28"/> niedermachte: er rief zugleich seinen Leuten zu,
<lb n="0108.29"/> sich der Fahne nur zu bem&#x00E4;chtigen, er wolle sie
<lb n="0108.30"/> schon gegen die Christen vertheidigen. Er
<pb n="0109.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-170"/>
<lb n="0109.01"/> schlug sich auch in der That mit einer so un=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0109.02"/> glaublichen Wuth herum, da&#x00DF; er alle zur&#x00FC;ck
<lb n="0109.03"/> trieb, die auf seine Soldaten fallen wollten,
<lb n="0109.04"/> und also die Fahne wirklich erobert wurde.</p>
<lb n="0109.05" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend der Zeit, als man so an einander<note type="marginalie" place="rechts">Die griechi=<lb/>sche Armee<lb/>erh&#x00E4;lt <hi rend="spaced">eine</hi><lb/>Verst&#x00E4;rkung.</note>
<lb n="0109.06"/> gekommen war, hatten die Griechen eine neue
<lb n="0109.07"/> Verst&#x00E4;rkung erhalten. Werdan, so hie&#x00DF; der
<lb n="0109.08"/> griechische General, hatte einen Sohn, welcher
<lb n="0109.09"/> Befehlshaber von Hemes, einer Stadt in Sy=
<lb n="0109.10"/> rien, zwischen Aleppo und Damascus gelegen,
<lb n="0109.11"/> war. Er stie&#x00DF; mit einem Heere von zehn tau=
<lb n="0109.12"/> send Mann zu seinem Vater, und langte eben
<lb n="0109.13"/> an, als sich Derar mit solcher Heftigkeit her=
<lb n="0109.14"/> um schlug. Dieser junge Krieger wurde von
<lb n="0109.15"/> der wunderbaren Tapferkeit des Muselmanns
<lb n="0109.16"/> ger&#x00FC;hrt, und suchte die Griechen von einem so
<lb n="0109.17"/> f&#x00FC;rchterlichen Feinde zu befreyen: er warf also
<lb n="0109.18"/> mit einem Wurffspiesse nach ihm, allein er ver=
<lb n="0109.19"/> fehlte ihn, das ist, an statt ihn zu t&#x00F6;dten, wie
<lb n="0109.20"/> er es hoffte verwundete er ihn blo&#x00DF; an dem
<lb n="0109.21"/> linken Arme. Derar wandte sich in voller
<lb n="0109.22"/> Wuth, und versetzte seinem jungen Gegner mit
<lb n="0109.23"/> der Lanze einen so heftigen Sto&#x00DF;, da&#x00DF; er ihn
<lb n="0109.24"/> auf der Stelle t&#x00F6;dtete, und das Eisen von der
<lb n="0109.25"/> Lanze in den Beinen stecken blieb.</p>
<lb n="0109.26" rend="indent"/> <p>Der Tod dieses jungen Kriegers erhitzte die<note type="marginalie" place="rechts">Derar wird<lb/>zum Gefan=<lb/>genen <hi rend="spaced">ge=</hi><lb/>macht.</note>
<lb n="0109.27"/> Griechen zur Rache; sie umringten den Derar
<lb n="0109.28"/> auf allen Seiten, sich seiner zu bem&#x00E4;chtigen.
<lb n="0109.29"/> Der Muselmann that hierauf rechte Wunder
<lb n="0109.30"/> der Tapferkeit, um sich aus dem Gewirre zu
<pb n="0110.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-171"/>
<lb n="0110.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>ziehen; doch endlich muste er der Anzahl nach=
<lb n="0110.02"/> geben, und er ward zum Gefangenen gemacht.</p>
<lb n="0110.03"/> <note type="marginalie" place="links">Rafi macht<lb/>den Arabern<lb/>wieder Muth.</note><p rend="indent">Da die Araber ihren Anf&#x00FC;hrer in der Ge=
<lb n="0110.04"/> walt der Christen sahen, so wandten sie alle ih=
<lb n="0110.05"/> re Kr&#x00E4;fte, aber vergeblich, an, ihn zu retten.
<lb n="0110.06"/> Die Christen hielten ihren Anfall mit aller m&#x00F6;g=
<lb n="0110.07"/> lichen Tapferkeit aus, und machten, da&#x00DF; die Mu=
<lb n="0110.08"/> selm&#x00E4;nner den Muth verlohren. Es waren so
<lb n="0110.09"/> gar einige darunter, welche entschlossen zu seyn
<lb n="0110.10"/> schienen, sich aus dem Treffen fortzumachen,
<lb n="0110.11"/> als Rafi = ebn = Omeirah, welcher es merkte, sie
<lb n="0110.12"/> wieder an den Feind f&#x00FC;hrte, indem er sie an die
<lb n="0110.13"/> Grunds&#x00E4;tze der Religion ihres Propheten Ma=
<lb n="0110.14"/> homets errinnerte. <hi rend="bold">Wi&#x00DF;t ihr nicht</hi>, sagte er,
<lb n="0110.15"/> <hi rend="bold">da&#x00DF; diejenigen, welche ihrem Feinde den
<lb n="0110.16"/> R&#x00FC;cken kehren, Gott und den Propheten
<lb n="0110.17"/> beleidigen; da&#x00DF; das Paradies nur denje=
<lb n="0110.18"/> nigen offen steht, welche bis an den Tod,
<lb n="0110.19"/> oder bis zum Siege k&#x00E4;mpfen? Was liegt
<lb n="0110.20"/> endlich daran, ob Derar get&#x00F6;dtet, oder
<lb n="0110.21"/> zum Gefangnen gemacht wird? Auf! la&#x00DF;t
<lb n="0110.22"/> uns seinen Tod entweder r&#x00E4;chen, oder
<lb n="0110.23"/> ihn befreyen, folgt mir, ich will euer Vor=
<lb n="0110.24"/> g&#x00E4;nger seyn</hi>. Sogleich st&#x00FC;rzte Rafi auf die
<lb n="0110.25"/> Griechen, und seine Leute folgten ihm mit un=
<lb n="0110.26"/> beschreiblicher Hitze.</p>
<lb n="0110.27" rend="indent"/> <p>Da Khaled gleich bey diesen Umst&#x00E4;nden da=
<lb n="0110.28"/> zu gekommen war, so war seine Gegenwart
<lb n="0110.29"/> dem wieder wachsenden Muthe der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0110.30"/> ner ein neuer Sporn. Er hatte von der Ge=
<pb n="0111.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-172"/>
<lb n="0111.01"/> fangennehmung des Derar Nachricht bekom=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0111.02"/> men, und hatte sich sogleich aufgemacht, ihm
<lb n="0111.03"/> zu H&#x00FC;lffe zu eilen. Dieser General fiel die
<lb n="0111.04"/> Christen mit einer Wuth an, wor&#x00FC;ber sie er=
<lb n="0111.05"/> schracken. Er hieb sich zu verschiednen malen
<lb n="0111.06"/> durch ihre Geschwader, und drang allezeit da=
<lb n="0111.07"/> hin, wo er die meisten Fahnen und Standarten
<lb n="0111.08"/> sah, in Hoffnung, da&#x00DF; er daselbst den Derar
<lb n="0111.09"/> antreffen w&#x00FC;rde. Allein vergebens; Derar war
<lb n="0111.10"/> schon weit fortgebracht.</p>
<lb n="0111.11" rend="indent"/> <p>Nachdem Khaled also verschiedne Anf&#x00E4;lle ge=
<lb n="0111.12"/> wagt hatte, ohne das geringste zu entdecken, so
<lb n="0111.13"/> erfuhr er endlich das Schicksal des Derar
<lb n="0111.14"/> von einigen christlichen Ueberl&#x00E4;uffern, welche
<lb n="0111.15"/> ihm berichteten, der griechische General habe ihn,
<lb n="0111.16"/> unter einer Bedeckung von hundert Reutern,
<lb n="0111.17"/> nach Hemes geschickt, und seine Absicht sey, ihm
<lb n="0111.18"/> dem K&#x00E4;yser als ein Geschencke zu senden, so=
<lb n="0111.19"/> bald der Feldzug zu Ende w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0111.20" rend="indent"/> <p>Khaled war froh, da&#x00DF; er nunmehr gewisse
<lb n="0111.21"/> Nachricht von diesem Gefangnen hatte, und
<lb n="0111.22"/> befahl, da&#x00DF; Rafi sogleich hundert auserlesene
<lb n="0111.23"/> Mann zu Pferde mit sich nehmen und auf das
<lb n="0111.24"/> geschwindeste sich gegen Hemes zu begeben sol=
<lb n="0111.25"/> le, um den Derar, es m&#x00F6;ge auch kosten, was
<lb n="0111.26"/> es wolle, wieder frey zu machen.</p>
<lb n="0111.27" rend="indent"/> <p>Rafi, welcher nichts mehr w&#x00FC;nschte, als al=<note type="marginalie" place="rechts">Rafi befrey=<lb/>et den Derar.</note>
<lb n="0111.28"/> les zu wagen, um den Derar aus den H&#x00E4;nden
<lb n="0111.29"/> der Griechen zu reissen, kam dem Befehle des
<lb n="0111.30"/> Khaled auf das genaueste nach. Er brach so=
<pb n="0112.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-173"/>
<lb n="0112.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>gleich auf, und da er seinen Weg auf da&#x00DF; schlei=
<lb n="0112.02"/> nigste verfolgte, so hohlte er bey Zeiten die Mann=
<lb n="0112.03"/> schaft ein, welche den Derar fortf&#x00FC;hrte.</p>
<lb n="0112.04" rend="indent"/> <p>Diese Trupen, welche nichts weniger glaub=
<lb n="0112.05"/> ten, als da&#x00DF; sie auf ihrem Marsche den Feind
<lb n="0112.06"/> antreffen w&#x00FC;rden, wurden in nicht geringes
<lb n="0112.07"/> Schrecken gesetzt, als sie den st&#x00FC;rmischen Rafi
<lb n="0112.08"/> mit seinem ganzen Gefolge auf sie einbrechen
<lb n="0112.09"/> sahen. Die Griechen thaten einen nur sehr
<lb n="0112.10"/> schwachen Widerstand; die meisten sprengten
<lb n="0112.11"/> mit verhangenem Z&#x00FC;gel davon, und diejenigen,
<lb n="0112.12"/> welche Stand halten wollten, wurden in St&#x00FC;=
<lb n="0112.13"/> cken gehauen. Derar sahe sich also gl&#x00FC;cklich
<lb n="0112.14"/> wieder befreyet, und kam auf das eiligste mit
<lb n="0112.15"/> dem Rafi zur&#x00FC;ck, dem Khaled von seiner gl&#x00FC;ck=
<lb n="0112.16"/> lichen Erl&#x00F6;sung Nachricht zu geben.</p>
<lb n="0112.17" rend="indent"/> <p>Sie kamen gleich zu rechte, diesem Genera=
<lb n="0112.18"/> le zu den Vortheilen Gl&#x00FC;ck zu w&#x00FC;nschen, die er
<lb n="0112.19"/> w&#x00E4;hrend der kurzen Zeit, da man den Derar
<lb n="0112.20"/> frey machte, davon getragen hatte. Khaled
<lb n="0112.21"/> war nicht m&#x00FC;de geworden, die Griechen unter=
<lb n="0112.22"/> dessen zu beunruhigen, und hatte seine Sachen
<lb n="0112.23"/> mit solcher Geschicklichkeit gemacht, da&#x00DF;, nach=
<lb n="0112.24"/> dem er die verschiedenen Hauffen der Christen,
<lb n="0112.25"/> einen nach dem andern, geschlagen, die ganze
<lb n="0112.26"/> Armee nicht l&#x00E4;nger im Stande war, sich zu
<lb n="0112.27"/> vertheidigen. Auch diejenigen, welche nicht ge=
<lb n="0112.28"/> schlagen waren, und sich dem Feinde noch h&#x00E4;t=
<lb n="0112.29"/> ten zeigen k&#x00F6;nnen, liessen sich durch die &#x00FC;ber=
<lb n="0112.30"/> triebene Erzehlung von dem immer neuen Mu=
<pb n="0113.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-174"/>
<lb n="0113.01"/> the der Muselm&#x00E4;nner furchtsam machen. Sie<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0113.02"/> glaubten, er m&#x00FC;sse nothwendig die Frucht neuer
<lb n="0113.03"/> Trupen, wie sie immer nach einander anr&#x00FC;ck=
<lb n="0113.04"/> ten, seyn; und wahrscheinlicher weise habe sich
<lb n="0113.05"/> die ganze Macht der Muselm&#x00E4;nner vereinet, sie
<lb n="0113.06"/> zu bestreiten. Dieser schreckliche Gedanke
<lb n="0113.07"/> machte die Flucht unter den Griechen allgemein.
<lb n="0113.08"/> Auf diese Art wurde, zur Schande des christli=
<lb n="0113.09"/> chen Namens, eine H&#x00FC;lffe von hundert tausend
<lb n="0113.10"/> Mann durch die Tapferkeit eines unerschrocke=
<lb n="0113.11"/> nen Anf&#x00FC;hrers aufgerieben, welcher dadurch,
<lb n="0113.12"/> da&#x00DF; er seinen Trupen den schw&#x00E4;rmerischen
<lb n="0113.13"/> Muth, von welchem er selbst belebet wurde,
<lb n="0113.14"/> beyzubringen wuste, fast immer, auch in den
<lb n="0113.15"/> verwegensten Unternehmungen, gl&#x00FC;cklich war.</p>
<lb n="0113.16" rend="indent"/> <p>Damit endlich die Niederlage dieses betr&#x00E4;cht=
<lb n="0113.17"/> lichen Heers recht vollst&#x00E4;ndig seyn m&#x00F6;ge, so
<lb n="0113.18"/> schickte Khaled Trupen, zu Verfolgung der
<lb n="0113.19"/> Fl&#x00FC;chtigen, aus. Diese ungl&#x00FC;ckliche Christen,
<lb n="0113.20"/> welche in der gr&#x00F6;sten Unordnung flohen, wur=
<lb n="0113.21"/> den nunmehr grausam ermordet, ohne da&#x00DF; sie
<lb n="0113.22"/> sich vertheidigen konnten, ja es nicht einmal zu
<lb n="0113.23"/> thun wagten. Diejenigen, welche das Ger&#x00E4;=
<lb n="0113.24"/> the, den Schatz und andere Nothwendigkeiten
<lb n="0113.25"/> begleiteten, &#x00FC;berliessen alles dem Sieger, und
<lb n="0113.26"/> so gar ihre Waffen, damit sie desto geschwinder
<lb n="0113.27"/> fliehen k&#x00F6;nnten. Endlich h&#x00F6;rten die des Nie=
<lb n="0113.28"/> dermetzelns m&#x00FC;den und auf die Beute begieri=
<lb n="0113.29"/> gen Muselm&#x00E4;nner auf, die Griechen zu verfol=
<lb n="0113.30"/> gen, und legten sich einzig auf das pl&#x00FC;ndern.
<lb n="0113.31"/> Sie machten bey dieser Gelegenheit unerm&#x00E4;&#x00DF;=
<pb n="0114.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-175"/>
<lb n="0114.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>liche Beute an Silber, an Waffen, an Pfer=
<lb n="0114.02"/> den, und kehrten triumphirend zur Belagerung
<lb n="0114.03"/> der Stadt Damascus zur&#x00FC;ck.</p>
<lb n="0114.04" rend="indent"/> <p>Die Best&#x00FC;rzung der ungl&#x00FC;cklichen Dama=
<lb n="0114.05"/> scener &#x00FC;ber die Nachricht einer so schrecklichen
<lb n="0114.06"/> Niederlage, ist leichter zu empfinden, als zu be=
<lb n="0114.07"/> schreiben. Unterdessen thaten die Befehlsha=
<lb n="0114.08"/> ber, der allgemeinen Niedergeschlagenheit ohn=
<lb n="0114.09"/> geachtet, alles m&#x00F6;gliche, ihnen wieder Muth zu
<lb n="0114.10"/> machen, um sie zur Vertheidigung eines Platzes
<lb n="0114.11"/> anzufrischen, welcher sich nunmehr auf nichts
<lb n="0114.12"/> als ihre Unachtsamkeit und Th&#x00E4;tigkeit verlassen
<lb n="0114.13"/> konnte. Sie hofften in der That zwar neue
<lb n="0114.14"/> H&#x00FC;lffe von dem K&#x00E4;yser; unterdessen aber mu=
<lb n="0114.15"/> sten sie doch best&#x00E4;ndig auf ihrer Hut seyn, um
<lb n="0114.16"/> alle Ueberraschung zu vermeiden.</p>
<lb n="0114.17"/> <note type="marginalie" place="links">Der K&#x00E4;y=<lb/>ser schickt ei=<lb/>ne neue Ar=<lb/>mee gegen<lb/>die Araber.</note><p rend="indent">Heraclius, welcher durch die bedr&#x00E4;ngten
<lb n="0114.18"/> Umst&#x00E4;nde der Stadt, und durch die Niederlage
<lb n="0114.19"/> seiner ausgeschickten H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker gleich stark ge=
<lb n="0114.20"/> r&#x00FC;hrt war, wandte nochmals alle Kr&#x00E4;fte an,
<lb n="0114.21"/> diesen Platz zu retten. Er lie&#x00DF; neue Werbun=
<lb n="0114.22"/> gen anstellen, und brachte mit dem Reste der
<lb n="0114.23"/> geschlagenen Armee ein Heer von siebenzig tau=
<lb n="0114.24"/> send Mann auf die Beine, welches er seinem
<lb n="0114.25"/> Generale, dem Werdan, der nach Ainadin in
<lb n="0114.26"/> Syrien geflohen war, zuschickte. Er befahl
<lb n="0114.27"/> ihm nichts zu vers&#x00E4;umen, um Damascus zu ent=
<lb n="0114.28"/> setzen, und so gar eine Schlacht zu liefern,
<lb n="0114.29"/> wenn es nicht anders geschehen k&#x00F6;nnte.</p>
<lb n="0114.30" rend="indent"/> <p>Als Khaled von diesen Anstalten Nachricht
<pb n="0115.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-176"/>
<lb n="0115.01"/> erhielt, glaubte er, da&#x00DF; er nun noch mehr Sorg=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0115.02"/> falt anzuwenden habe, als vordem. Diese
<lb n="0115.03"/> neue H&#x00FC;lffe war in der That zwar so stark nicht,
<lb n="0115.04"/> als die vorige; sie konnte aber gleichwohl desto
<lb n="0115.05"/> f&#x00FC;rchterlicher seyn, es sey nun, da&#x00DF; sie aus
<lb n="0115.06"/> tapfferern Leuten bestunde, oder da&#x00DF; die Gene=
<lb n="0115.07"/> rals durch die Fehler, welche ihre letzte Nieder=
<lb n="0115.08"/> lage verursacht hatten, kl&#x00FC;ger geworden waren,
<lb n="0115.09"/> und also bessere Maa&#x00DF;regeln ergriffen, welche
<lb n="0115.10"/> der ganzen Sache ein anderes Ansehen schaff=
<lb n="0115.11"/> ten.</p>
<lb n="0115.12" rend="indent"/> <p>Obeidah, welchen Khaled bey dieser Gele=<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber versa<expan>mm</expan>=<lb/>len alle ihre<lb/>V&#x00F6;lker.</note>
<lb n="0115.13"/> genheit zu Rathe zog, kam mit den Absichten
<lb n="0115.14"/> des Generals &#x00FC;berein, und war der Meynung,
<lb n="0115.15"/> man solle an die vornehmsten Anf&#x00FC;hrer, welche
<lb n="0115.16"/> in den verschiedenen Gegenden zerstreuet wa=
<lb n="0115.17"/> ren, schreiben, da&#x00DF; sie so gleich mit den Trupen,
<lb n="0115.18"/> die sie unter ihrer Aussicht h&#x00E4;tten, auf brechen
<lb n="0115.19"/> und zu der Hauptarmee stossen sollten.</p>
<lb n="0115.20" rend="indent"/> <p>Diesem Entschlusse zu Folge schrieb Khaled
<lb n="0115.21"/> ein Umlaufschreiben, welches folgendergestalt
<lb n="0115.22"/> abgefa&#x00DF;t war: <hi rend="bold">Eure Br&#x00FC;der, die Musel=
<lb n="0115.23"/> m&#x00E4;nner, stehen in grosser Gefahr, von
<lb n="0115.24"/> einer neuen griechischen Armee angefal=
<lb n="0115.25"/> len zu werden. Kommt ihnen daher ei=
<lb n="0115.26"/> lig zu H&#x00FC;lffe, und findet euch mit euren
<lb n="0115.27"/> Trupen bey Ainadin ein, wo ihr uns an=
<lb n="0115.28"/> treffen werdet</hi>.</p>
<lb n="0115.29" rend="indent"/> <p>Man schickte sogleich L&#x00E4;uffer ab, welche auf
<lb n="0115.30"/> das schleunigste den Generalen, die in den ver=
<pb n="0116.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-177"/>
<lb n="0116.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>schiedenen Gegenden des arabischen Gebietes
<lb n="0116.02"/> vertheilet waren, diese Befehle &#x00FC;berbringen
<lb n="0116.03"/> musten. Die vornehmsten davon waren Ye=
<lb n="0116.04"/> zid, Sergiabil, Meag, Noman und Amru.
<lb n="0116.05"/> Der erste commandirte in Balka, einem Gebie=
<lb n="0116.06"/> te an den Syrischen Grenzen Sergiabil in Pa=
<lb n="0116.07"/> lestina; Mead in Harran; Noman zu Tadmar,
<lb n="0116.08"/> oder Palmyra; und Amru in Jrack. So bald
<lb n="0116.09"/> sie den Befehl erhielten, brach ein jeder zur
<lb n="0116.10"/> Vertheidigung der gemeinen Sache auf.</p>
<lb n="0116.11"/> <note type="marginalie" place="links">Die  Ara=<lb/>ber heben die<lb/>Belagerung<lb/>von Dama=<lb/>scus auf.</note><p rend="indent">Nachdem Khaled auch seiner Seits alle An=
<lb n="0116.12"/> stallten zum Aufbruche gemacht hatte, so hoben
<lb n="0116.13"/> die Muselm&#x00E4;nner endlich die Belagerung der
<lb n="0116.14"/> Stadt Damascus auf, und zogen mit Waffen
<lb n="0116.15"/> und Ger&#x00E4;th den Griechen entgegen.</p>
<lb n="0116.16" rend="indent"/> <p>Die aufgehabne Belagerung setzte die Da=
<lb n="0116.17"/> mascener in ungemeine Freude: ihr durch so
<lb n="0116.18"/> manchen Verlust niedergeschlagener Muth
<lb n="0116.19"/> schien sich wieder zu erheben, und sie wollten
<lb n="0116.20"/> so gar Beweise davon ablegen, indem sie den
<lb n="0116.21"/> Muselm&#x00E4;nnern nachsetzten. Dieses k&#x00FC;hne Un=
<lb n="0116.22"/> ternehmen war eine Folge der Vorstellungen
<lb n="0116.23"/> zweyer Br&#x00FC;der, die sich bey den Griechen, durch
<lb n="0116.24"/> ihre Tapferkeit und Einsicht in das Kriegswe=
<lb n="0116.25"/> sen, in grosse Achtung gesetzt hatten. So bald
<lb n="0116.26"/> sie sahen, da&#x00DF; die Araber Bewegungen zum Ab=
<lb n="0116.27"/> marsche machten, so schlugen sie vor, sie woll=
<lb n="0116.28"/> ten es selbst auf sich nehmen, den Feind zu be=
<lb n="0116.29"/> unruhigen, und verlangten de&#x00DF;wegen sechs tau=
<lb n="0116.30"/> send Mann zu Pferde, und zehn tausend Mann
<pb n="0117.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-178"/>
<lb n="0117.01"/> zu Fu&#x00DF;. Paulus, so hie&#x00DF; der eine Bruder,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0117.02"/> stellte sich an die Spitze der Reuterey, und der
<lb n="0117.03"/> andre Bruder, Petrus, f&#x00FC;hrte das Fu&#x00DF;volck an.</p>
<lb n="0117.04" rend="indent"/> <p>Sobald sie also den Feind auf dem Mar=<note type="marginalie" place="rechts">Die Dama=<lb/>scener verfol=<lb/>gen sie.</note>
<lb n="0117.05"/> sche sahen, so thaten sie einen Ausfall, und fie=
<lb n="0117.06"/> len mit grosser Heftigkeit auf das Hintertreffen
<lb n="0117.07"/> der Muselm&#x00E4;nner, bey welchem sich das Ge=
<lb n="0117.08"/> r&#x00E4;the, ihre Reichth&#x00FC;mer, ihre Weiber, ja so gar
<lb n="0117.09"/> ihre Kinder befanden. Khaled hatte anfangs
<lb n="0117.10"/> den Obeidah das Vordertreffen wollen anf&#x00FC;hren
<lb n="0117.11"/> lassen, um diesen Theil der Armee, welchen das=
<lb n="0117.12"/> jenige, was er enthielt, so kostbar machte, selbst
<lb n="0117.13"/> zu commandiren; da ihm aber Obeidah vorstellte,
<lb n="0117.14"/> da&#x00DF; es anst&#x00E4;ndiger w&#x00E4;re, wann er, als Gene=
<lb n="0117.15"/> ral, an der Spitze bliebe, und da&#x00DF; er gerne das
<lb n="0117.16"/> Hintertreffen f&#x00FC;hren wolle, so wollte ihm Kha=
<lb n="0117.17"/> led hierinne nicht zuwider seyn.</p>
<lb n="0117.18" rend="indent"/> <p>Doch diese H&#x00F6;flichkeit reuete dem Generale<note type="marginalie" place="rechts">Sie schla=<lb/>gen das Hin=<lb/>tertreffen der<lb/>Araber.</note>
<lb n="0117.19"/> gar bald. Paulus fiel, an der Spitze seiner
<lb n="0117.20"/> Reuterey, auf den Obeidah, und fing ein sehr
<lb n="0117.21"/> ernstliches Treffen an. Petrus unterdessen
<lb n="0117.22"/> warf sich mit seinem Fu&#x00DF;volke auf das Ger&#x00E4;the,
<lb n="0117.23"/> und f&#x00FC;hrte die Weiber, die Kinder, den Schatz,
<lb n="0117.24"/> und alle die Beute, welche die Araber von den
<lb n="0117.25"/> Griechen gemacht hatten, davon.</p>
<lb n="0117.26" rend="indent"/> <p>Da Petrus so grosse Reichth&#x00FC;mer in seiner
<lb n="0117.27"/> Gewalt sahe, so dachte er darauf, sie in Sicherheit
<lb n="0117.28"/> zu bringen; er nahm also eine gute Bedeckung
<lb n="0117.29"/> zu sich, mit welcher er den Weg nach Dama=
<lb n="0117.30"/> scus verfolgte, seinen Raub dahin zu bringen,
<pb n="0118.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-179"/>
<lb n="0118.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>und lie&#x00DF; seinen Bruder mit den &#x00FC;brigen Tru=
<lb n="0118.02"/> pen das Gefechte wider die Muselm&#x00E4;nner fort=
<lb n="0118.03"/> setzen. Dieser blieb best&#x00E4;ndig in seiner ersten
<lb n="0118.04"/> Hitze, und that solche Wunder der Tapferkeit,
<lb n="0118.05"/> da&#x00DF; es ihm endlich gelang, das Hintertreffen
<lb n="0118.06"/> der Muselm&#x00E4;nner g&#x00E4;nzlich zu schlagen. Pau=
<lb n="0118.07"/> lus lie&#x00DF; sich mit diesem Vortheile begn&#x00FC;gen, und
<lb n="0118.08"/> zog sich in guter Ordnung zur&#x00FC;ck, um wieder
<lb n="0118.09"/> zu seinem Bruder zu stossen.</p>
<lb n="0118.10" rend="indent"/> <p>Khaled erhielt von diesem Verluste nicht
<lb n="0118.11"/> eher Nachricht, als bis es zu sp&#x00E4;te war, ihn zu
<lb n="0118.12"/> verhindern. Er wu&#x00DF;te es sich nunmehr sehr
<lb n="0118.13"/> wenig Danck, da&#x00DF; er auf den Obeidah so viel
<lb n="0118.14"/> Vertrauen gesetzt hatte; unterdessen bes&#x00E4;nftigte
<lb n="0118.15"/> er sich doch, und ob er gleich ungemein zornig
<lb n="0118.16"/> war, so sagte er gleichwohl nichts mehr, als:
<lb n="0118.17"/> <hi rend="bold">Der Wille Gottes geschehe; ich habe das
<lb n="0118.18"/> Hintertreffen selbst anf&#x00FC;hren wollen, al=
<lb n="0118.19"/> lein Obeidah hat nicht gewollt; nun seht
<lb n="0118.20"/> ihr, was daraus erfolgt ist</hi>.</p>
<lb n="0118.21" rend="indent"/> <p>Damit er aber unterdessen den Christen
<lb n="0118.22"/> nicht die Ehre lassen m&#x00F6;ge, die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0118.23"/> geschlagen zu haben, so schickte er so gleich eini=
<lb n="0118.24"/> ge Geschwader nach, welchen er befahl, ihr m&#x00F6;g=
<lb n="0118.25"/> lichstes zu thun, den Feind noch vor Damascus
<lb n="0118.26"/> einzuhohlen. Kais=ebn=Obeirah, Abdarrhaman,
<lb n="0118.27"/> Derar und andre auserlesene Officiere wurden
<lb n="0118.28"/> an die Spitzen dieser Geschwader gestellt, und
<lb n="0118.29"/> Khaled selbst begab sich kurz darauf, mit einem
<lb n="0118.30"/> guten Theile seiner Armee, auf den Marsch.</p>
<pb n="0119.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-180"/>
<lb n="0119.01" rend="indent"/> <p>Dem Derar war besonders sehr viel daran<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0119.02"/> gelegen, die Christen auf das schleunigste einzu=
<lb n="0119.03"/> hohlen. Seine Schwester war mit unter den
<lb n="0119.04"/> Gefangenen, die man weggef&#x00FC;hret hatte, und
<lb n="0119.05"/> er liebte sie allzusehr, als da&#x00DF; er ihre Befreyung
<lb n="0119.06"/> h&#x00E4;tte verschieben sollen. Er langte auch in der
<lb n="0119.07"/> That zuerst an, und &#x00FC;berfiel den Paulus in seinem
<lb n="0119.08"/> R&#x00FC;ckzuge. Der Muselmann k&#x00E4;mpfte mit ei=
<lb n="0119.09"/> ner solchen Wuth, da&#x00DF; er gar bald alle vor sich
<lb n="0119.10"/> weggeschlagen hatte, die sich um den christli=
<lb n="0119.11"/> chen General befanden. Er fiel ihn eben selbst
<lb n="0119.12"/> an, und wollte ihn mit seiner Lanze durchrennen,
<lb n="0119.13"/> als Paulus ihm zuschrie: <hi rend="bold">Haltet! haltet!
<lb n="0119.14"/> wann ihr mich verschonet, so rettet ihr
<lb n="0119.15"/> euern Weibern und Kindern, die wir nach
<lb n="0119.16"/> Damascus f&#x00FC;hren, das Leben</hi>.</p>
<lb n="0119.17" rend="indent"/> <p>Derar hielt in der That inne, damit er den
<lb n="0119.18"/> Christen keine Gelegenheit geben wollte, an den
<lb n="0119.19"/> Gefangenen, die sie in H&#x00E4;nden hatten, gleiches
<lb n="0119.20"/> mit gleichen zu vergelten. Er gab den Gene=
<lb n="0119.21"/> ral einigen von seinen Soldaten zur Bewah=
<lb n="0119.22"/> rung, und sprengte sogleich weiter, seine Schwe=
<lb n="0119.23"/> ster und die andern Gefangnen frey zu machen.</p>
<lb n="0119.24" rend="indent"/> <p>Der Muselmann w&#x00FC;rde vergebens so geei=<note type="marginalie" place="rechts">Unvorsich=<lb/>tigket des Ge=<lb/>neral Peters.</note>
<lb n="0119.25"/> let haben, wenn Petrus auf seinem Marsche
<lb n="0119.26"/> eben die Klugheit und Vorsichtigkeit gehabt h&#x00E4;t=
<lb n="0119.27"/> te, die er in der That erwies, als er sich zur&#x00FC;ck=
<lb n="0119.28"/> zog. Der Streit, welchen Paulus fortgesetzt
<lb n="0119.29"/> hatte, h&#x00E4;tte ihm Zeit genug lassen k&#x00F6;nnen, nach
<lb n="0119.30"/> Damascus zu gelangen. Allein eine ungl&#x00FC;ck=
<pb n="0120.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-181"/>
<lb n="0120.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>liche Neugierigkeit machte, da&#x00DF; er sich in eini=
<lb n="0120.02"/> ger Entfernung von der Stadt, auf einer sehr
<lb n="0120.03"/> anmuthigen Ebene, verweilte.</p>
<lb n="0120.04" rend="indent"/> <p>Es ist wahr, seine Trupen, die sich unge=
<lb n="0120.05"/> mein erm&#x00FC;det hatten, war eine kurtze Rast sehr
<lb n="0120.06"/> n&#x00F6;thig; doch anstatt, da&#x00DF; er nur von Zeit zu Zeit,
<lb n="0120.07"/> um sie zu Athem kommen zu lassen, h&#x00E4;tte stille
<lb n="0120.08"/> halten sollen, so verweilte er sich an diesem Orte
<lb n="0120.09"/> allzulange, und schlug so gar ein Lager auf.
<lb n="0120.10"/> W&#x00E4;hrend der Zeit, da man die Zelter aufrichte=
<lb n="0120.11"/> te, wollte er die reiche Beute, die er den Ara=
<lb n="0120.12"/> bern abgenommen hatte, etwas genauer besehen:
<lb n="0120.13"/> Die vornehmste Absicht aber war wohl, seiner
<lb n="0120.14"/> Neugierigkeit, in Ansehung der Muselm&#x00E4;nnin,
<lb n="0120.15"/> die er zu Gefangenen gemacht, ein Gn&#x00FC;ge zu
<lb n="0120.16"/> thun. Man hatte ihm so viel Ungemeines von
<lb n="0120.17"/> der Sch&#x00F6;nheit der meisten unter ihnen gesagt,
<lb n="0120.18"/> da&#x00DF; es ihm unm&#x00F6;glich war, bis nach Damascus
<lb n="0120.19"/> zu reisen, ohne sie vorher gesehen zu haben.</p>
<lb n="0120.20" rend="indent"/> <p>Er mu&#x00DF;te aber diese ungl&#x00FC;ckliche Neugierde,
<lb n="0120.21"/> die so sehr zur unrechten Zeit angebracht, und ei=
<lb n="0120.22"/> nem christlichen Generale, welcher f&#x00FC;r die Reli=
<lb n="0120.23"/> gion stritt, so unanst&#x00E4;ndig war, sehr theuer be=
<lb n="0120.24"/> zahlen. Unter diesen Frauenspersonen fand
<lb n="0120.25"/> sich eine, die von einer recht bezaubernden Sch&#x00F6;n=
<lb n="0120.26"/> heit war: Der General ward von ihr einge=
<lb n="0120.27"/> nommen, und in der Heftigkeit seiner Leiden=
<lb n="0120.28"/> schaft erkl&#x00E4;rte er sich, da&#x00DF; er den andern Raub
<lb n="0120.29"/> herzlich gerne wollte fahren lassen, wann er nur
<lb n="0120.30"/> diese Person besitzen k&#x00F6;nnte. Die &#x00FC;brigen Wei=
<pb n="0121.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-182"/>
<lb n="0121.01"/> ber wurden verschiedenen Officiers zu Theile,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0121.02"/> welche zugleich den andern Raub unter sich
<lb n="0121.03"/> theilten.</p>
<lb n="0121.04" rend="indent"/> <p>Als diese Eintheilungen gemacht waren, so
<lb n="0121.05"/> begaben sich die Officiers unter ihre Zelte, um
<lb n="0121.06"/> einige Erfrischung zu sich zu nehmen. Dieses
<lb n="0121.07"/> alles ging so ruhig zu, als ob man nicht das
<lb n="0121.08"/> geringste von einem Feinde zu bef&#x00FC;rchten habe,
<lb n="0121.09"/> welcher doch gar nicht weit entfernt war.</p>
<lb n="0121.10" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend dieser Zeit berathschlagten sich die<note type="marginalie" place="rechts">Tapfre Ent=<lb/><hi rend="spaced">schl&#x00FC;ssung</hi><lb/>der gefang=<lb/>nen musel=<lb/>m&#x00E4;nnischen<lb/>Weiber.</note>
<lb n="0121.11"/> gefangnen Weiber, die man alle auf einen Hauf=
<lb n="0121.12"/> fen gebracht hatte, &#x00FC;ber die wunderliche Thei=
<lb n="0121.13"/> lung, die man in ihrer Gegenwart vorgenom=
<lb n="0121.14"/> men hatte. Eine von den vornehmsten, Na=
<lb n="0121.15"/> mens Caulah fing also an zu reden: <hi rend="bold">Habt
<lb n="0121.16"/> ihr wohl die unversch&#x00E4;mte Verwegen=
<lb n="0121.17"/> heit der Sieger wahrgenommen, die
<lb n="0121.18"/> uns als eine Beute, welche ihnen nicht
<lb n="0121.19"/> entwischen k&#x00F6;nnte, in Augenschein zu
<lb n="0121.20"/> nehmen kamen? Was sagt ihr zu dem
<lb n="0121.21"/> schrecklichen Schicksale, welches uns dro=
<lb n="0121.22"/> het? Sollten wir uns wohl den Ungl&#x00E4;u=
<lb n="0121.23"/> bigen so &#x00FC;berliefern lassen, um ihre L&#x00FC;=
<lb n="0121.24"/> ste zu stillen? Warum sollten wir nicht
<lb n="0121.25"/> lieber sterben, als Sclavinnen von die=
<lb n="0121.26"/> sen Abg&#x00F6;ttern werden wollen? Wann
<lb n="0121.27"/> ihr meinem Exempel folgen wollt, so bin
<lb n="0121.28"/> ich gewi&#x00DF; versichert, da&#x00DF; wir uns aus ih=
<lb n="0121.29"/> ren H&#x00E4;nden reissen, oder wenigstens un=
<lb n="0121.30"/> ser Leben auf eine r&#x00FC;hmliche Art be=
<lb n="0121.31"/> schliessen werden</hi>.</p>
<pb n="0122.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-183"/>
<lb n="0122.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note><p rend="indent"><hi rend="bold">Die Gleichg&#x00FC;ltigkeit, mit welcher wir
<lb n="0122.02"/> dieses unser Ungl&#x00FC;ck zu ertragen scheinen</hi>,
<lb n="0122.03"/> antwortete eine von den gefangnen Weibern,
<lb n="0122.04"/> Namens Offeirah, <hi rend="bold">ist blo&#x00DF; die Folge der
<lb n="0122.05"/> Nothwendigkeit, und nicht des mangeln=
<lb n="0122.06"/> den Muths. Aber, ach! was k&#x00F6;nnen
<lb n="0122.07"/> wir thun? Wir sind ganz und gar ohne
<lb n="0122.08"/> Vertheidigung, und haben nicht einmal
<lb n="0122.09"/> die n&#x00F6;thigen Waffen in unserer Gewalt</hi>.</p>
<lb n="0122.10" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Wie</hi>, antwortete die tapfre Caulah heftig?
<lb n="0122.11"/> <hi rend="bold">Was hindert uns, in Ermanglung an=
<lb n="0122.12"/> drer Waffen, uns der Zeltstangen zu be=
<lb n="0122.13"/> dienen, und die Ungl&#x00E4;ubigen damit zu=
<lb n="0122.14"/> r&#x00FC;ck zu treiben? Auf, la&#x00DF;t uns eiligst diese
<lb n="0122.15"/> einzigen Waffen, die wir vorietzo haben
<lb n="0122.16"/> k&#x00F6;nnen, ergreiffen: La&#x00DF;t uns feste an
<lb n="0122.17"/> einander schlieff{??}en, und in einen Kreys
<lb n="0122.18"/> stellen, damit wir auf allen Seiten ge=
<lb n="0122.19"/> fa&#x00DF;t stehen. Vielleicht, da&#x00DF; uns der
<lb n="0122.20"/> Himmel beysteht, unsre Feinde schlagen zu
<lb n="0122.21"/> k&#x00F6;nnen; und wenn dieser Wunsch nicht
<lb n="0122.22"/> erh&#x00F6;rt wird, so wollen wir wenigstens
<lb n="0122.23"/> mit Ehren sterben</hi>.</p>
<lb n="0122.24" rend="indent"/> <p>Dieser tapfere Entschlu&#x00DF; entstand nicht aus
<lb n="0122.25"/> einem ohnm&#x00E4;chtigen Zorne. Die meisten von
<lb n="0122.26"/> diesen Weibern waren gut soldatisch, besonders
<lb n="0122.27"/> die aus dem Stamme Himiar, oder der Home=
<lb n="0122.28"/> riten. Man lehrte sie sehr fr&#x00FC;h reiten, den
<lb n="0122.29"/> Bogen und die Lanze f&#x00FC;hren, und mit dem
<lb n="0122.30"/> Wurfspiesse umgehen. Sie waren in ihrer
<pb n="0123.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-184"/>
<lb n="0123.01"/> Wuth beynahe eben so f&#x00FC;rchterlich, als die al=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0123.02"/> leraufgebrachtesten Soldaten; und man darf
<lb n="0123.03"/> sich also nicht wundern, da&#x00DF; diese, bey so criti=
<lb n="0123.04"/> schen Umst&#x00E4;nden, einen so verzweifelten End=
<lb n="0123.05"/> schlu&#x00DF; fa&#x00DF;ten.</p>
<lb n="0123.06" rend="indent"/> <p>Der Vorsatz der Caulah ward von allen ge=
<lb n="0123.07"/> fangenen Weibern einm&#x00FC;thig gebilliget. Sie
<lb n="0123.08"/> rissen auf das geschwindeste die Zeltstangen
<lb n="0123.09"/> aus, und machten sich fertig, jeden, welcher sich
<lb n="0123.10"/> sie anzugreiffen unterstehen w&#x00FC;rde, auf das ge=
<lb n="0123.11"/> waltsamste zur&#x00FC;ck zu treiben.</p>
<lb n="0123.12" rend="indent"/> <p>Ein griechischer Soldate war der erste,
<lb n="0123.13"/> welcher ihre Wuth empfand. Weil er sich
<lb n="0123.14"/> nicht einbilden konnte, da&#x00DF; sich die Weiber im
<lb n="0123.15"/> Ernste zu einer th&#x00E4;tlichen Gegenwehr gefa&#x00DF;t
<lb n="0123.16"/> machten, so wollte er &#x00FC;ber diese besondre Kriegs=
<lb n="0123.17"/> zur&#x00FC;stnng seinen Scherz treiben; zu seinem Un=
<lb n="0123.18"/> gl&#x00FC;cke aber hatte er sich allzunahe hinzu gemacht,
<lb n="0123.19"/> da&#x00DF; ihm Caulah mit ihrer Stange den Kopf
<lb n="0123.20"/> einschlug.</p>
<lb n="0123.21" rend="indent"/> <p>Einige Kameraden von diesem erstern woll=
<lb n="0123.22"/> ten seinen Tod r&#x00E4;chen, und kamen mit blossem
<lb n="0123.23"/> Degen auf die Weiber los. Diese tapfern
<lb n="0123.24"/> Amazoninnen wehrten sich mit so ausserordent=
<lb n="0123.25"/> licher Hitze, da&#x00DF; sie den Soldaten die Degen zer=
<lb n="0123.26"/> schlugen und verschiedne auf der Stelle t&#x00F6;d=
<lb n="0123.27"/> teten.</p>
<lb n="0123.28" rend="indent"/> <p>Auf dieses Lermen kamen Petrus und die
<lb n="0123.29"/> vornehmsten Officirer aus den Zeltern, und
<lb n="0123.30"/> stiegen schleinig zu Pferde, weil sie nicht wu&#x00DF;ten,
<pb n="0124.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-185"/>
<lb n="0124.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>was es eigentlich sey. Sie wurden nicht we=
<lb n="0124.02"/> nig stutzig, als sie diese Weiber in Schlachtord=
<lb n="0124.03"/> nung fanden, welche jeden, der sich ihnen nahen
<lb n="0124.04"/> w&#x00FC;rde, zu erschlagen drohten. Petrus bem&#x00FC;h=
<lb n="0124.05"/> te sich umsonst, sie zu bes&#x00E4;nftigen, indem er der
<lb n="0124.06"/> Caulah zuredete, einen so wunderlichen Ent=
<lb n="0124.07"/> schlu&#x00DF; fahren zu lassen: Dieses Weib begegne=
<lb n="0124.08"/> te ihm auf das ver&#x00E4;chtlichste, und versicherte,
<lb n="0124.09"/> ihm selbst eines zu versetzen, sobald sie ihn errei=
<lb n="0124.10"/> chen k&#x00F6;nnte.</p>
<lb n="0124.11" rend="indent"/> <p>Der General ward ein wenig unentschl&#x00FC;&#x00DF;ig,
<lb n="0124.12"/> glaubte aber doch, da&#x00DF; er mit diesen Weibern
<lb n="0124.13"/> gar bald zu Stande kommen wolle, wann er sie
<lb n="0124.14"/> umringen liesse. Er befahl daher, da&#x00DF; einige
<lb n="0124.15"/> Reuterey einen blinden Anfall auf sie thun soll=
<lb n="0124.16"/> te, um sie furchtsam zu machen; allein gleich
<lb n="0124.17"/> die ersten, welche anr&#x00FC;ckten, wurden das Opfer
<lb n="0124.18"/> der Wuth dieser Weiber; sie versetzten den Pfer=
<lb n="0124.19"/> den heftige Schl&#x00E4;ge unter die Beine, so da&#x00DF; die
<lb n="0124.20"/> meisten entweder st&#x00FC;rzten, oder sich b&#x00E4;umten,
<lb n="0124.21"/> und ihre Reuter herab warffen, welche unter
<lb n="0124.22"/> den H&#x00E4;nden dieser Kriegerinnen elendiglich um=
<lb n="0124.23"/> kamen.</p>
<lb n="0124.24" rend="indent"/> <p>Da Petrus sahe, da&#x00DF; sich diese Weiber mit
<lb n="0124.25"/> so vielem Nachdrucke verheidigten, so &#x00FC;berlie&#x00DF;
<lb n="0124.26"/> er sich einem recht blinden Zorne; er befahl sei=
<lb n="0124.27"/> nen Leuten, da&#x00DF; sie absteigen und mit blossem Se=
<lb n="0124.28"/> bel auf sie einbrechen sollten. Er wollte ihnen
<lb n="0124.29"/> selbst mit seinem Exempel vorgehen, stieg ab,
<lb n="0124.30"/> und r&#x00FC;ckte mit dem Degen in der Hand an, die
<pb n="0125.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-186"/>
<lb n="0125.01"/> ersten Hiebe anzubringen. Sie hielten diesen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0125.02"/> Anfall mit dem Muthe der allerunerschrocken=
<lb n="0125.03"/> sten Soldaten aus. Die Griechen sch&#x00E4;hmten
<lb n="0125.04"/> sich, da&#x00DF; sie zur&#x00FC;ck getrieben waren, und woll=
<lb n="0125.05"/> ten eben noch einmal auf sie los gehen, als man
<lb n="0125.06"/> pl&#x00F6;tzlich auf dem Felde ein grosses Lermen ver=
<lb n="0125.07"/> nahm. Jndem Petrus mit dem Kampfe so=
<lb n="0125.08"/> gleich inne halten lie&#x00DF;, um zu wissen, was es ei=
<lb n="0125.09"/> gentlich sey, sahe man von ferne eine entsetzliche
<lb n="0125.10"/> Wolke von Staub aufsteigen, welche von Reu=<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber kommen<lb/>den gefange=<lb/>nen Weibern<lb/>zu H&#x00FC;lffe.</note>
<lb n="0125.11"/> terey verursacht wurde, die man in gr&#x00F6;&#x00DF;tem Ga=
<lb n="0125.12"/> lop herzu sprengen h&#x00F6;rte. Es waren die Ara=
<lb n="0125.13"/> ber, welche herbey eilten, sich der Gefangnen
<lb n="0125.14"/> und der Beute wieder zu bem&#x00E4;chtigen: und so=
<lb n="0125.15"/> gleich stiegen Petrus und sein ganzes Gefolge
<lb n="0125.16"/> wieder zu Pferde.</p>
<lb n="0125.17" rend="indent"/> <p>Die unvermuthete Ankunft der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0125.18"/> ner setzte die Griechen in das &#x00E4;usserste Schre=
<lb n="0125.19"/> cken; der General selbst, ob er gleich tapfer ge=
<lb n="0125.20"/> nung war, wurde &#x00FC;ber diesen Zufall best&#x00FC;rzt:
<lb n="0125.21"/> noch mehr aber wurde er es, als er an der Spi=
<lb n="0125.22"/> tze der Muselm&#x00E4;nner den f&#x00FC;rchterlichen Khaled
<lb n="0125.23"/> mit dem Derar, dem Bruder der Caulah, an=
<lb n="0125.24"/> kommen sahe. Er konnte es im voraus mer=
<lb n="0125.25"/> ken, da&#x00DF; man ihm schlecht begegnen w&#x00FC;rde;
<lb n="0125.26"/> gleichwohl aber wollte er sich noch, mit einer
<lb n="0125.27"/> Art von Gro&#x00DF;muth, aus diesem gef&#x00E4;hrlichen
<lb n="0125.28"/> Handel ziehen. Er sprach mit der Caulah,
<lb n="0125.29"/> und sagte ihr, da&#x00DF; sie frey seyn sollte. Er hof=
<lb n="0125.30"/> te durch dieses Mittel sich um sie verdient zu
<lb n="0125.31"/> machen, und sie zu bewegen, da&#x00DF; sie bey den
<pb n="0126.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-187"/>
<lb n="0126.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>arabischen Heerf&#x00FC;hrern f&#x00FC;r ihn spr&#x00E4;che; doch die=
<lb n="0126.02"/> ser Anschlag gelang ihm sehr &#x00FC;bel. Die stolze
<lb n="0126.03"/> Araberin antwortete ihm mit nichts als Verach=
<lb n="0126.04"/> tung und Schimpfworten.</p>
<lb n="0126.05"/> <note type="marginalie" place="links">Petrus wird<lb/>get&#x00F6;dtet.</note><p rend="indent">Endlich langte Derar mit dem Khaled an.
<lb n="0126.06"/> Der griechische General zwang sich, so viel ihm
<lb n="0126.07"/> m&#x00F6;glich war, ganz gelassen zu thun, indem er
<lb n="0126.08"/> ihn ziemlich vertraut anredete, er hoffte, es
<lb n="0126.09"/> w&#x00FC;rde ihm nicht unangenehm seyn, wann er
<lb n="0126.10"/> ihm seine Schwester wieder g&#x00E4;be. Der Mu=
<lb n="0126.11"/> selmann sahe den Griechen mit Verachtung
<lb n="0126.12"/> an, dankte ihm und sagte: <hi rend="bold">ich bin dir f&#x00FC;r ein
<lb n="0126.13"/> so kostbares Geschenke verbunden; es
<lb n="0126.14"/> thut mir aber leid, da&#x00DF; ich dir zur Dank=
<lb n="0126.15"/> barkeit nichts als die Spitze meiner Lan=
<lb n="0126.16"/> ze darbieten kan</hi>.</p>
<lb n="0126.17" rend="indent"/> <p>Als Caulah ihren Bruder dieses reden
<lb n="0126.18"/> h&#x00F6;rte, so wollte sie ihm zuvorkommen, und an
<lb n="0126.19"/> der Rache Theil nehmen. Sie versetzte dem
<lb n="0126.20"/> Pferde des Peters einen so heftigen Schmi&#x00DF; un=
<lb n="0126.21"/> ter die Beine, da&#x00DF; sie ihn herab brachte. De=
<lb n="0126.22"/> rar durchrennte ihn sogleich mit der Lanze, stieg
<lb n="0126.23"/> hierauf ab, und hieb ihm den Kopf ab.</p>
<lb n="0126.24"/> <note type="marginalie" place="links">Die Grie=<lb/>chen werden<lb/>niedergehau=<lb/>en.</note><p rend="indent">Diese That war, so zu reden, das Zeichen
<lb n="0126.25"/> zur Niedermetzlung der Griechen. Die Ara=
<lb n="0126.26"/> ber fielen auf sie los, und hieben alle erb&#x00E4;rmlich
<lb n="0126.27"/> nieder, welche nicht geschwind genug waren die
<lb n="0126.28"/> Flucht zu ergreiffen. Nachdem die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0126.29"/> ner also ihre tapfern Weibespersonen befreyet
<lb n="0126.30"/> und alle Beute wieder beko<expan>mm</expan>en hatten, so kehr=
<pb n="0127.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-188"/>
<lb n="0127.01"/> ten sie auf das eiligste zur&#x00FC;ck, sich wieder mit<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. G. C. 632.</note>
<lb n="0127.02"/> dem Obeidah zu verbinden. Dieser hatte in
<lb n="0127.03"/> der That zwar Sorge getragen, sich in dem La=
<lb n="0127.04"/> ger, wohin er sich nach seinem Verluste gezogen
<lb n="0127.05"/> hatte, wohl zu verschanzen; es war aber doch
<lb n="0127.06"/> noch immer zu bef&#x00FC;rchten, Werdan, welcher an
<lb n="0127.07"/> der Spitze der neuen H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker war, die der
<lb n="0127.08"/> K&#x00E4;yser den Griechen schickte, m&#x00F6;chte in Abwe=
<lb n="0127.09"/> senheit des Khaled und der &#x00FC;brigen vornehm=
<lb n="0127.10"/> sten Officierer, die ihm gefolgt waren, einigen
<lb n="0127.11"/> Versuch wagen, das Lager zu erobern.</p>
<lb n="0127.12" rend="indent"/> <p>Zum Gl&#x00FC;cke f&#x00FC;r die Araber hatte Werdan<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Werdan</hi><lb/>vers&#x00E4;umt die<lb/>Gelegenheit,<lb/><hi rend="spaced">die</hi> Araber<lb/>anzugreiffen.</note>
<lb n="0127.13"/> nicht einmal daran gedacht, etwas zu unterneh=
<lb n="0127.14"/> men. Er hatte sich in einiger Entfernung von
<lb n="0127.15"/> den Muselm&#x00E4;nnern gelagert, und lie&#x00DF; die H&#x00FC;lfs=
<lb n="0127.16"/> v&#x00F6;lker, die er bekommen hatte, rasten. Der
<lb n="0127.17"/> Verlust der erstern machte ihn vorsichtig, damit
<lb n="0127.18"/> diese nicht ein gleiches Schicksal haben m&#x00F6;chten;
<lb n="0127.19"/> er wollte daher nicht eher an den Feind r&#x00FC;cken, als
<lb n="0127.20"/> bis sich seine Trupen hinl&#x00E4;nglich von ihren aus=
<lb n="0127.21"/> gestandenen Beschwerlichkeiten erhohlet h&#x00E4;tten.
<lb n="0127.22"/> Er w&#x00FC;rde unterdessen die Gelegenheit, die Ara=
<lb n="0127.23"/> ber anzugreiffen, gewi&#x00DF; nicht vers&#x00E4;umt haben,
<lb n="0127.24"/> wann er gute Spione gehabt h&#x00E4;tte, um von den
<lb n="0127.25"/> verschiednen Bewegungen der Feinde Nachricht
<lb n="0127.26"/> zu haben; nichts war leichter, als die Armee der
<lb n="0127.27"/> Muselm&#x00E4;nner, w&#x00E4;hrend der Zeit, da ein Theil
<lb n="0127.28"/> derselben den Griechen die Beute und die Ge=
<lb n="0127.29"/> fangenen wieder abjagte, zu ruiniren: allein
<lb n="0127.30"/> es schien, als ob eine unsichtbare Hand den un=
<pb n="0128.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-189"/>
<lb n="0128.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>gl&#x00FC;cklichen Christen bey allen Vorf&#x00E4;llen schwer
<lb n="0128.02"/> fiel, die zu ihrem Vortheile h&#x00E4;tten gereichen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0128.03" rend="indent"/> <p>Khaled vernahm also bey seiner Ankunft
<lb n="0128.04"/> mit Vergn&#x00FC;gen, da&#x00DF; w&#x00E4;hrend seiner Abwesen=
<lb n="0128.05"/> heit nichts vorgefallen sey; und es schien nicht
<lb n="0128.06"/> einmal, da&#x00DF; die Christen nur die geringste Be=
<lb n="0128.07"/> wegung gemacht h&#x00E4;tten, etwas zu unternehmen.
<lb n="0128.08"/> Der General der Muselm&#x00E4;nner machte sich die=
<lb n="0128.09"/> sen Zwischenraum zu Nutze, seine Trupen ein
<lb n="0128.10"/> wenig ausruhen zu lassen. Nunmehr zeigte
<lb n="0128.11"/> alles in dem Lager der Araber von nichts als
<lb n="0128.12"/> von Freude. Diejenigen, welche mit dem Kha=
<lb n="0128.13"/> led und Derar die Christen verfolgt hatten,
<lb n="0128.14"/> erzehlten ihren Kamaraden die wunderbaren
<lb n="0128.15"/> Thaten der tapfern Weiber, wie sie sich mit
<lb n="0128.16"/> so vielem Muthe vertheidiget h&#x00E4;tten. Der
<lb n="0128.17"/> Ruhm dieser Heldinnen erschall durch das gan=
<lb n="0128.18"/> ze Lager, sowohl die Officierer, als die Soldaten
<lb n="0128.19"/> wurden durch die Erzehlung so r&#x00FC;hmlicher und
<lb n="0128.20"/> erstaunensw&#x00FC;rdiger Handlungen ganz entzuckt,
<lb n="0128.21"/> und f&#x00FC;hlten sich von einem neuen Muthe belebt,
<lb n="0128.22"/> welcher sie nach einer Gelegenheit, sich gleich=
<lb n="0128.23"/> falls wider die Christen hervorzuthun, recht
<lb n="0128.24"/> ungedultig seufzen lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0128.25"/> <note type="marginalie" place="links">Paulus will<lb/>kein Maho=<lb/>metaner wer=<lb/>den, u. wird<lb/>gek&#x00F6;pft.</note><p rend="indent">Paulus, dieser tapfre griechische Heerf&#x00FC;h=
<lb n="0128.26"/> rer, welcher zum Gefangnen gemacht worden
<lb n="0128.27"/> war, nachdem er bey der Niederlage des ara=
<lb n="0128.28"/> bischen Hintertreffens Proben von einer recht
<lb n="0128.29"/> heldenm&#x00E4;&#x00DF;igen Tapferkeit abgelegt hatte, erhielt
<lb n="0128.30"/> von dem Gl&#x00FC;cke seiner Feinde und von dem
<pb n="0129.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-190"/>
<lb n="0129.01"/> Schicksale seines Bruders gar bald Nachricht.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>
<lb n="0129.02"/> Khaled k&#x00FC;ndigte ihm diese traurige Neuigkeit
<lb n="0129.03"/> selbst an. Er lie&#x00DF; ihn vor sich kommen, und
<lb n="0129.04"/> sagte ihm, da&#x00DF; er entweder sogleich ein Maho=
<lb n="0129.05"/> metaner werden m&#x00FC;sse, oder ein gleiches Schick=
<lb n="0129.06"/> sal mit seinem Bruder erwarten k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0129.07" rend="indent"/> <p>Paulus wurde &#x00FC;ber diese Rede best&#x00FC;rzt,
<lb n="0129.08"/> und fragte den General, was seinem Bruder
<lb n="0129.09"/> begegnet sey. <hi rend="bold">Er ist todt</hi>, antwortete Kha=
<lb n="0129.10"/> led, <hi rend="bold">und siehe hier seinen Kopf</hi>. Man
<lb n="0129.11"/> zeigte zu gleicher Zeit diesem ungl&#x00FC;cklichen Grie=
<lb n="0129.12"/> chen das Haupt seines Bruders: Derar hatte
<lb n="0129.13"/> es auf der Spitze seiner Lanze mitgebracht,
<lb n="0129.14"/> und war mit diesem blutigen Siegszeichen in
<lb n="0129.15"/> das Lager gekommen.</p>
<lb n="0129.16" rend="indent"/> <p>Ein so r&#x00FC;hrender Anblick machte einen sehr
<lb n="0129.17"/> schmerzhaften Eindruck auf den Paulus; er
<lb n="0129.18"/> konnte sich der Thr&#x00E4;nen bey dem Verluste ei=
<lb n="0129.19"/> nes Bruders, den er allezeit z&#x00E4;rtlich geliebt
<lb n="0129.20"/> hatte, nicht enthalten. Doch er nahm gar
<lb n="0129.21"/> bald seinen Muth wieder zusammen, und ant=
<lb n="0129.22"/> wortete dem Khaled ganz trotzig, da&#x00DF; er weder
<lb n="0129.23"/> ein Mahometaner werden, noch seinen Bruder
<lb n="0129.24"/> &#x00FC;berleben wolle. Sogleich ward Befehl er=
<lb n="0129.25"/> theilt, und es wurde ihm der Kopf abgeschla=
<lb n="0129.26"/> gen.</p>
<lb n="0129.27" rend="indent"/> <p>Alles dieses trug sich, so zu sagen, im An=
<lb n="0129.28"/> gesichte einer H&#x00FC;lffe von siebenzig tausend
<lb n="0129.29"/> Mann zu, von welcher es schiene, als ob sie
<lb n="0129.30"/> Werdan selbst durch die Vorsicht, sich ihrer
<pb n="0130.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-191"/>
<lb n="0130.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 11.<lb/>n. C. G. 632.</note>mit rechtem Vortheile zu bedienen, unn&#x00FC;tze ma=
<lb n="0130.02"/> chen wollte. Dieses Uebel war nicht das ein=
<lb n="0130.03"/> zige, welches er den Griechen, durch seine so
<lb n="0130.04"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ara=<lb/>ber beko<expan>mm</expan>en<lb/>Verst&#x00E4;rkung.</note>&#x00FC;bel angebrachte Langsamkeit, zuzog. Die
<lb n="0130.05"/> Verst&#x00E4;rkung, die Khaled von allen Seiten ver=
<lb n="0130.06"/> schrieben hatte, konnte gem&#x00E4;chlich anlangen,
<lb n="0130.07"/> und diese Vermehrung der V&#x00F6;lker setzte die
<lb n="0130.08"/> Muselm&#x00E4;nner in den Stand, alles gegen die
<lb n="0130.09"/> Christen zu unternehmen. Das wunderbarste
<lb n="0130.10"/> hierbey war dieses, da&#x00DF; diese verschiedenen
<lb n="0130.11"/> H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker, welche gleichwohl nicht von einem
<lb n="0130.12"/> Orte kamen, sondern ziemlich weit von einan=
<lb n="0130.13"/> der entfernt waren, dennoch alle zugleich an
<lb n="0130.14"/> einem Tage in Ainadin eintraffen. Die Ara=
<lb n="0130.15"/> ber machten aus diesem Zufalle ein Wunder=
<lb n="0130.16"/> werk; und der Gedanke, den sie nunmehr be=
<lb n="0130.17"/> kamen, da&#x00DF; sich der Himmel auf eine so offen=
<lb n="0130.18"/> bare Weise f&#x00FC;r sie erkl&#x00E4;rte, trug noch ein vie=
<lb n="0130.19"/> les zu Vermehrung ihres Muths und ihrer
<lb n="0130.20"/> Schw&#x00E4;rmerey bey.</p>
<lb n="0130.21"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><p rend="indent">Khaled wollte sich diese Hitze zu Nutze ma=
<lb n="0130.22"/> chen, um mit den Christen anzubinden, und
<lb n="0130.23"/> schickte de&#x00DF;wegen vorher Spione aus. Der
<lb n="0130.24"/> tapfre Derar, welchen seine Faust schon so be=
<lb n="0130.25"/> r&#x00FC;hmt gemacht hatte, wollte sich mit dieser
<lb n="0130.26"/> Verrichtung selbst abgeben. Khaled willigte
<lb n="0130.27"/> darein; er befahl ihm aber, ja nichts weiter zu
<lb n="0130.28"/> thun, als den Feind zu beobachten, und sich
<lb n="0130.29"/> durchaus keiner Gefahr auszusetzen.</p>
<lb n="0130.30"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Ausser=</hi><lb/>ordentliche<lb/>Herzhaftig=</note><p rend="indent">Derar machte sich also den Augenblick auf,
<lb n="0130.31"/> und umstrich das Lager, um gewisse Nachrich=
<pb n="0131.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-192"/>
<lb n="0131.01"/> ten von den Umst&#x00E4;nden der Christen einzuziehen.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0131.02"/> Werdan hatte ihn wahrgenommen, und schickte
<lb n="0131.03"/> drey&#x00DF;ig Reuter auf ihn, welchen er befahl, sich
<lb n="0131.04"/> seiner zu bem&#x00E4;chtigen, und ihn zu ihm zu brin=<note type="marginalie" place="rechts">keit des De=<lb/>rar.</note>
<lb n="0131.05"/> gen. Als Derar sie kommen sahe, so that er,
<lb n="0131.06"/> als ob er fl&#x00F6;he, in Hoffnung, da&#x00DF; sie ihn wohl
<lb n="0131.07"/> verfolgen w&#x00FC;rden. Die griechischen Reuter
<lb n="0131.08"/> setzten ihm auch in der That hitzig nach. Der
<lb n="0131.09"/> Muselmann, welcher mit verhangenem Z&#x00FC;gel
<lb n="0131.10"/> auszureissen schien, wandte sich auf einmal,
<lb n="0131.11"/> senkte seine Lanze, und durchrannte den ersten
<lb n="0131.12"/> Reuter, welcher ihm vor die Hand kam. Auf
<lb n="0131.13"/> diesen ersten Sto&#x00DF; folgte ein andrer, welcher
<lb n="0131.14"/> eben so ausfiel; kurz, er schlug sich mitten un=
<lb n="0131.15"/> ter diesem Hauffen, welcher ihn zu umringen
<lb n="0131.16"/> suchte, mit folcher Wuth herum, da&#x00DF; er sieb=
<lb n="0131.17"/> zehn t&#x00F6;dtete, oder doch aus dem Sattel warf.
<lb n="0131.18"/> Die &#x00FC;brigen erschracken &#x00FC;ber einen so ausser=
<lb n="0131.19"/> ordentlichen Widerstand dermassen, da&#x00DF; sie es
<lb n="0131.20"/> nicht mehr wagten, sich einem so furchtbaren
<lb n="0131.21"/> Feinde zu nahen. Derar, welcher sich seiner
<lb n="0131.22"/> Seits ganz erm&#x00FC;det f&#x00FC;hlte, dachte kl&#x00FC;glich auf
<lb n="0131.23"/> seinen R&#x00FC;ckmarsch, und kam wieder zum Kha=
<lb n="0131.24"/> led.</p>
<lb n="0131.25" rend="indent"/> <p>Jch mu&#x00DF; es gestehen, da&#x00DF; es in der That<note type="marginalie" place="rechts">Anmerkung<lb/>&#x00FC;ber <hi rend="spaced">diese<lb/>That.</hi></note>
<lb n="0131.26"/> sehr schwer zu begreiffen steht, wie ein einziger
<lb n="0131.27"/> Mann, wenn man ihn auch noch so tapfer an=
<lb n="0131.28"/> nimmt, drey&#x00DF;ig Reutern Widerstand thun, sieb=
<lb n="0131.29"/> zehn darvon t&#x00F6;dten, und dennoch gl&#x00FC;cklich ohne
<lb n="0131.30"/> die geringste Wunde aus einem so erstaunlichen
<pb n="0132.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-193"/>
<lb n="0132.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>Streite kommen k&#x00F6;nne. Eine solche That,
<lb n="0132.02"/> und einige andre, die ich gleichfalls erzehlt ha=
<lb n="0132.03"/> be, w&#x00FC;rden, solte ich denken, in einem Roma=
<lb n="0132.04"/> ne weit besser stehen, als in einer Historie.
<lb n="0132.05"/> Doch dieses ist der Charackter der arabischen
<lb n="0132.06"/> Schriftsteller; sie &#x00FC;berlassen sich blindlings der
<lb n="0132.07"/> Hitze ihrer Einbildungskraft, und weil sie von
<lb n="0132.08"/> Natur bessre Dichter als Geschichtschreiber sind,
<lb n="0132.09"/> so bringen sie &#x00FC;berall das ausserordentliche an,
<lb n="0132.10"/> und scheinen sich mit dem Wunderbaren weit
<lb n="0132.11"/> lieber zu besch&#x00E4;ftigen, als mit dem einfachen,
<lb n="0132.12"/> welches die Wahrheit haben will. Jch habe
<lb n="0132.13"/> diese That nach dem Alvakedi erzehlt, welches
<lb n="0132.14"/> einer von den vornehmsten arabischen Geschicht=
<lb n="0132.15"/> schreibern ist. Jch h&#x00E4;tte sie unterdr&#x00FC;cken k&#x00F6;n=
<lb n="0132.16"/> nen, wie ich es in Ansehung verschiedner an=
<lb n="0132.17"/> drer von gleichem Schlage gethan habe; ich
<lb n="0132.18"/> glaubte aber doch, da&#x00DF; es gut seyn w&#x00FC;rde, sie
<lb n="0132.19"/> nicht alle zu &#x00FC;bergehen, damit man wenigstens
<lb n="0132.20"/> den Charackter des Geschichtschreibers daraus
<lb n="0132.21"/> erkennen m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0132.22" rend="indent"/> <p>Doch dem sey wie ihm wolle. Als Derar
<lb n="0132.23"/> zur&#x00FC;ck gekommen war, so gab er dem Khaled
<lb n="0132.24"/> von allem Nachricht, was er sowohl in Anse=
<lb n="0132.25"/> hung der Zahl, der Stellung und der Gesin=
<lb n="0132.26"/> nung des Feindes hatte entdecken k&#x00F6;nnen; er
<lb n="0132.27"/> versicherte ihm, da&#x00DF; alles den Muselm&#x00E4;nnern
<lb n="0132.28"/> einen unfehlbaren Sieg zu versprechen scheine.</p>
<lb n="0132.29"/> <note type="marginalie" place="links">Die ara=<lb/>bische <hi rend="spaced">und</hi><lb/>christliche Ar=</note><p rend="indent">Khaled beschlo&#x00DF; folglich, den Feind anzu=
<lb n="0132.30"/> greiffen. Er stellte seine Armee in Schlacht=
<pb n="0133.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-194"/>
<lb n="0133.01"/> ordnung, und wie&#x00DF; den vornehmsten Officierern<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0133.02"/> ihre Pl&#x00E4;tze an. Mead und Noman bekamen
<lb n="0133.03"/> den rechten Fl&#x00FC;gel zu commandiren; Saed
<lb n="0133.04"/> und Sergiabil den linken, und die Bedeckung<note type="marginalie" place="rechts">mee machen<lb/>sich zum Tref=<lb/>fen gefa&#x00DF;t.</note>
<lb n="0133.05"/> des Ger&#x00E4;ths, der Weiber und Kinder, ward
<lb n="0133.06"/> dem Yezid anvertrauet.</p>
<lb n="0133.07" rend="indent"/> <p>Dieser General bediente sich auch der tap=
<lb n="0133.08"/> fern Weiber, die sich in dem Kampffe wider die
<lb n="0133.09"/> Griechen so sehr hervor gethan hatten. Er
<lb n="0133.10"/> machte zwey Hauffen daraus, wovon er den ei=
<lb n="0133.11"/> nen der Caulah, den andern der Offeirah anzu=
<lb n="0133.12"/> f&#x00FC;hren gab.</p>
<lb n="0133.13" rend="indent"/> <p>Khaled durchrennte hierauf alle Glieder,
<lb n="0133.14"/> um seine Soldaten aufzumuntern, da&#x00DF; sie alle
<lb n="0133.15"/> ihre Tapferkeit nunmehr, da ihr Gl&#x00FC;ck entschie=
<lb n="0133.16"/> den werden m&#x00FC;&#x00DF;te, zusammen nehmen sollten.
<lb n="0133.17"/> Er hielt sich auch einige Augenblicke bey den
<lb n="0133.18"/> Hauffen der arabischen Weiber auf; er wie=
<lb n="0133.19"/> derhohlte die Lobspr&#x00FC;che, die er ihnen wegen ih=
<lb n="0133.20"/> rer bewiesenen Tapferkeit schon gegeben hatte;
<lb n="0133.21"/> er sagte, da&#x00DF; er sich in Ansehung des Ausgan=
<lb n="0133.22"/> ges der Schlacht sehr auf sie verlasse; er be=
<lb n="0133.23"/> fahl ihnen besonders auf die Fehler seiner Tru=
<lb n="0133.24"/> pen Acht zu geben, und den ersten auf der Stel=
<lb n="0133.25"/> le niederzumachen, welcher dem Feinde den
<lb n="0133.26"/> R&#x00FC;cken kehren w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0133.27" rend="indent"/> <p>Nachdem nun der General auf diese Weise
<lb n="0133.28"/> alle Vorsicht gebraucht hatte, so stellte er sich
<lb n="0133.29"/> selbst vor das Haupttreffen, und behielt den Am=
<lb n="0133.30"/> ru, Abdarrahman, Kais, Rafi, und verschiede=
<pb n="0134.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-195"/>
<lb n="0134.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>ne andere vornehme Officirer, in die er Ver=
<lb n="0134.02"/> trauen setzte, und auf deren Genauigkeit und
<lb n="0134.03"/> Einsicht er in Ausf&#x00FC;hrung seiner Befehle Rech=
<lb n="0134.04"/> nung machen konnte, bey sich.</p>
<lb n="0134.05" rend="indent"/> <p>Werdan seines Theils nahm gleichfalls alle
<lb n="0134.06"/> Maa&#x00DF;regeln, sich mit Vortheile zu schlagen.
<lb n="0134.07"/> Er stellte seine Trupen in Schlachtordnung, und
<lb n="0134.08"/> redete hernach gegen seine Soldaten, welchen er
<lb n="0134.09"/> vorstellte, wie wichtig es sey, ja nicht bey einer
<lb n="0134.10"/> Gelegenheit feige zu werden, welche von dem
<lb n="0134.11"/> Schicksale Syriens den Ausschlag geben sollte.
<lb n="0134.12"/> Er sagte ihnen alles, was er am f&#x00E4;higsten zu
<lb n="0134.13"/> seyn hielt, ihren Muth zu st&#x00E4;rken, und schlo&#x00DF;
<lb n="0134.14"/> endlich damit, da&#x00DF; er ihnen zeigte, mit was f&#x00FC;r
<lb n="0134.15"/> Zuversicht sie fechten k&#x00F6;nnten, da sie dem Fein=
<lb n="0134.16"/> de an der Anzahl weit &#x00FC;berlegen w&#x00E4;ren, und
<lb n="0134.17"/> also nur ein wenig Tapferkeit und Standhaftig=
<lb n="0134.18"/> keit bezeigen d&#x00FC;rften, einen gewissen Sieg da=
<lb n="0134.19"/> von zu tragen.</p>
<lb n="0134.20"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Unterre=<lb/>dung des</hi><lb/>Khaled mit<lb/>einem Abge=<lb/>schickten von<lb/><hi rend="spaced">der</hi> christli=<lb/>chen Armee.</note><p rend="indent">Da die zwey Armeen einander also gegen&#x00FC;ber
<lb n="0134.21"/> standen, so erwartete man nun weiter nichts, als
<lb n="0134.22"/> das Zeichen zum Treffen, als man aus den Glie=
<lb n="0134.23"/> dern der griechischen Armee einen ehrw&#x00FC;rdigen
<lb n="0134.24"/> Greis hervortreten sahe, welcher sich den Ara=
<lb n="0134.25"/> bern nahete, und mit ihrem Generale zu reden
<lb n="0134.26"/> verlangte. Man stellte ihn sogleich dem Kha=
<lb n="0134.27"/> led vor, zu welchem er sagte: <hi rend="bold">Bist du der Ge=
<lb n="0134.28"/> neral von dieser Armee? Ja</hi>, antwortete
<lb n="0134.29"/> Khaled, <hi rend="bold">daf&#x00FC;r h&#x00E4;lt man mich, so lange
<lb n="0134.30"/> ich Gott, den Gesetzen und der Lehre des</hi>
<pb n="0135.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-196"/>
<lb n="0135.01"/> <hi rend="bold">Propheten treu bleiben werde; so lange<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0135.02"/> ich meiner Schuldigkeit nachleben und
<lb n="0135.03"/> meinen Eyfer f&#x00FC;r mein Volk beweisen
<lb n="0135.04"/> werde; ausserdem habe ich keine Gewalt
<lb n="0135.05"/> &#x00FC;ber sie</hi>.</p>
<lb n="0135.06" rend="indent"/> <p>Du bist gekommen, erwiederte der Alte,
<lb n="0135.07"/> <hi rend="bold">die Christen auzufallen, ihre L&#x00E4;nder zu
<lb n="0135.08"/> verw&#x00FC;sten, auch dich von ihrer Beute
<lb n="0135.09"/> zu bereichern, ohne da&#x00DF; sie dich durch die
<lb n="0135.10"/> geringste feindselige Handlung beleidiget
<lb n="0135.11"/> haben. Sey auf dein gehabtes Gl&#x00FC;ck
<lb n="0135.12"/> nicht so stolz; die Armee, mit welcher du
<lb n="0135.13"/> streiten mu&#x00DF;t, ist weit zahlreicher, und
<lb n="0135.14"/> vielleicht von besserer Zucht, als deine.
<lb n="0135.15"/> Was braucht es einer Schlacht zu wa=
<lb n="0135.16"/> gen, welche den Arabern und Griechen
<lb n="0135.17"/> so viel Blut kosten wird? Du kanst, wann
<lb n="0135.18"/> du dich zur&#x00FC;ck ziehen wilst, dem Ungl&#x00FC;=
<lb n="0135.19"/> cke, welches beyden Nationen drohet, zu=
<lb n="0135.20"/> vor kommen. Wann du dich dazu ent=
<lb n="0135.21"/> schliessest, so habe ich Befehl dir, zur
<lb n="0135.22"/> Dankbarkeit, betr&#x00E4;chtliche Geschenke an=
<lb n="0135.23"/> zubieten, nicht allein dir, sondern auch
<lb n="0135.24"/> dem Califen, deinem Herrn, allen deinen
<lb n="0135.25"/> Officierern, und sogar jedem von deinen
<lb n="0135.26"/> Soldaten</hi>.</p>
<lb n="0135.27" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Es ist kein Friede zu hoffen</hi>, versetzte
<lb n="0135.28"/> Khaled trozig, <hi rend="bold">wann die Griechen nicht
<lb n="0135.29"/> entweder die Lehre des Mahomets an=
<lb n="0135.30"/> nehmen, oder Tribut zahlen wollen.</hi>
<pb n="0136.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-197"/>
<lb n="0136.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><hi rend="bold">Was die reichen Geschenke anbelangt, de=
<lb n="0136.02"/> ren du erw&#x00E4;hnt hast, so sey versichert,
<lb n="0136.03"/> da&#x00DF; wir in kurzen Herren davon seyn
<lb n="0136.04"/> werden</hi>.</p>
<lb n="0136.05"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ar=<lb/>meen werden<lb/>handgemein.</note><p rend="indent">Der Alte nahm seinen Abschied und brach=
<lb n="0136.06"/> te dem Feldherrn der Griechen die Antwort, wel=
<lb n="0136.07"/> cher sich folglich die Schlacht zu wagen ent=
<lb n="0136.08"/> schlo&#x00DF;. Das Treffen fing sich mit den Arme=
<lb n="0136.09"/> nischen Bogensch&#x00FC;tzen an, welche, nachdem sie
<lb n="0136.10"/> sich den Muselm&#x00E4;nnern schu&#x00DF;weit gen&#x00E4;hert hat=
<lb n="0136.11"/> ten, nicht wenige von ihnen t&#x00F6;dteten, oder ver=
<lb n="0136.12"/> wundeten. Khaled, welcher seine Absichten
<lb n="0136.13"/> hatte, hielt diesen Anfall geruhig aus, und be=
<lb n="0136.14"/> fahl so gar den Arabern, keine Bewegung zu
<lb n="0136.15"/> machen.</p>
<lb n="0136.16" rend="indent"/> <p>Doch der st&#x00FC;rmische Derar, welcher vor Un=
<lb n="0136.17"/> gedult, mit dem Feinde handgemein zu werden,
<lb n="0136.18"/> brannte, nahte sich dem Generale, und lag ihm
<lb n="0136.19"/> auf das inst&#x00E4;ndigste an, ihn wider die Bogen=
<lb n="0136.20"/> sch&#x00FC;tzen anr&#x00FC;cken zu lassen. Sobald Khaled
<lb n="0136.21"/> seinem Ansuchen Geh&#x00F6;r gegeben hatte, so fiel
<lb n="0136.22"/> Derar an der Spitze mit einiger Reuterey mit
<lb n="0136.23"/> solcher Wuth auf die Armenier, da&#x00DF; sie eben
<lb n="0136.24"/> weichen wollten, als sie von neuen Trupen un=
<lb n="0136.25"/> terst&#x00FC;tzt wurden, deren Tapferkeit ihrem Mu=
<lb n="0136.26"/> the wieder aufhalf. Weil der General der Mu=
<lb n="0136.27"/> selm&#x00E4;nner gleichfalls einige Trupen dem Derar
<lb n="0136.28"/> zu H&#x00FC;lffe hatte anr&#x00FC;cken lassen, so ward der An=
<lb n="0136.29"/> fall sehr m&#x00F6;rderisch. Es blieben auf beyden
<lb n="0136.30"/> Seiten zwar sehr viele, doch war der gr&#x00F6;&#x00DF;te Ver=
<lb n="0136.31"/> lust auf Seiten der Christen.</p>
<pb n="0137.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-198"/>
<lb n="0137.01" rend="indent"/> <p>Khaled wollte gleich den Rest seiner Trupen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0137.02"/> anr&#x00FC;cken lassen, und die Schlacht sollte auf al=
<lb n="0137.03"/> len Seiten angehen, als der griechische General
<lb n="0137.04"/> bef&#x00FC;rchtete, es m&#x00F6;chte endlich alles zu seinem<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Werdan</hi><lb/>verlangt ei=<lb/>ne Unterre=<lb/>dung, um<lb/>den Khaled<lb/>zu ber&#x00FC;cken.</note>
<lb n="0137.05"/> Nachtheile ausschlagen, und deswegen beschlo&#x00DF;,
<lb n="0137.06"/> eine niedertr&#x00E4;chtige Kriegslist anzuwenden, die
<lb n="0137.07"/> er seit einiger Zeit mit seinen vornehmsten Kriegs=
<lb n="0137.08"/> r&#x00E4;then &#x00FC;berlegt hatte. Er schickte zu dem Kha=
<lb n="0137.09"/> led, und bat um einen Waffenstillestand, und zu=
<lb n="0137.10"/> gleich um eine Unterredung, weil er ihn etwas
<lb n="0137.11"/> sehr wichtiges zu melden habe. Khaled verwil=
<lb n="0137.12"/> ligte die Bitte, so da&#x00DF; man, zum gr&#x00F6;&#x00DF;ten Er=
<lb n="0137.13"/> staunen der Officirer, und so gar der gemeinen
<lb n="0137.14"/> arabischen Soldaten, zum R&#x00FC;ckzuge blasen lie&#x00DF;,
<lb n="0137.15"/> gleich zu einer Zeit, als alles einen gewissen
<lb n="0137.16"/> Sieg &#x00FC;ber die Griechen zu versprechen schien.</p>
<lb n="0137.17" rend="indent"/> <p>Werdan ward &#x00FC;ber den Fortgang seiner Un=
<lb n="0137.18"/> terhandlung sehr froh, und glaubte schon, da&#x00DF;
<lb n="0137.19"/> ihn sein unw&#x00FC;rdiger Entwurf gelingen m&#x00FC;rde;
<lb n="0137.20"/> doch der treulose General wu&#x00DF;te nicht, da&#x00DF; sein
<lb n="0137.21"/> Geheimni&#x00DF; ausgekommen war, und da&#x00DF; Khaled
<lb n="0137.22"/> nur deswegen seiner Bitte so leicht Geh&#x00F6;r gege=
<lb n="0137.23"/> ben hatte, damit das sch&#x00E4;ndliche Verfahren der
<lb n="0137.24"/> Griechen desto besser an den Tag k&#x00E4;me, und er
<lb n="0137.25"/> sich hernach auf eine recht ausnehmende Art r&#x00E4;=
<lb n="0137.26"/> chen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0137.27" rend="indent"/> <p>Werdan hatte die Absicht, den Khaled um=
<lb n="0137.28"/> bringen zu lassen. Dieser tapfre Muselmann
<lb n="0137.29"/> war die Geissel der Christen, und Mahomet hat=
<lb n="0137.30"/> te ihm nicht ohne Grund den Namen <hi rend="bold">Schwerdt</hi>
<pb n="0138.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-199"/>
<lb n="0138.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><hi rend="bold">Gottes</hi> gegeben. Weil es aber nichts leichtes
<lb n="0138.02"/> war, diesen General durch Tapferkeit aus den
<lb n="0138.03"/> Wege zu schaffen, so unternahm Werdan, es
<lb n="0138.04"/> durch Verr&#x00E4;therey zu thun. Er hatte sich nehm=
<lb n="0138.05"/> lich vorgenommen, so bald Khaled sein Wort
<lb n="0138.06"/> zur Unterredung, welche auf den folgenden Tag
<lb n="0138.07"/> fest gesetzt war, w&#x00FC;rde gegeben haben, zehn
<lb n="0138.08"/> Reuter nicht weit von dem Orte, wo die Un=
<lb n="0138.09"/> terhaltung vor sich gehen sollte, des Nachts in
<lb n="0138.10"/> Hinterhalt zu legen, welche w&#x00E4;hrend dieser vor=
<lb n="0138.11"/> gegebnen Unterredung, auf das erste festgesetzte
<lb n="0138.12"/> Zeichen, den Khaled ermorden sollten. Dieses
<lb n="0138.13"/> nannten die Griechen eine Kriegslist, als ob
<lb n="0138.14"/> diese Benennung der niedertr&#x00E4;chtigsten Verr&#x00E4;=
<lb n="0138.15"/> therey, die man sich nur einbilden kan, zukomme.</p>
<lb n="0138.16" rend="indent"/> <p>Khaled aber erfuhr alles von einem Grie=
<lb n="0138.17"/> chen, Namens David, welches eben der war,
<lb n="0138.18"/> dem es Werdan aufgetragen hatte, diese Unter=
<lb n="0138.19"/> redung auszuwirken. Khaled schickte ihn zu
<lb n="0138.20"/> seinem Herrn zur&#x00FC;ck, mit dem Befehl, ihm zu
<lb n="0138.21"/> sagen, da&#x00DF; er am bestimmten Orte erscheinen
<lb n="0138.22"/> werde.</p>
<lb n="0138.23" rend="indent"/> <p>Der General erzehlte die ganzen Umst&#x00E4;nde
<lb n="0138.24"/> seinen vornehmsten Officieren, da sie nach an=
<lb n="0138.25"/> gek&#x00FC;ndigten Waffenstillestande hauffenweise her=
<lb n="0138.26"/> zukamen, die Ursache von ihm zu erfahren,
<lb n="0138.27"/> warum er mitten auf dem Wege zum Siege
<lb n="0138.28"/> stille gestanden sey. Jedermann wurde wider
<lb n="0138.29"/> das sch&#x00E4;ndliche Verfahren der Griechen auf=
<lb n="0138.30"/> gebracht, und jeder schlug verschiedne Mittel
<pb n="0139.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-200"/>
<lb n="0139.01"/> zur Rache vor. Khaled aber sagte, eine so<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0139.02"/> unw&#x00FC;rdige Niedertr&#x00E4;chtigkeit w&#x00E4;re es nicht
<lb n="0139.03"/> werth, viele Maa&#x00DF;regeln darwider zu nehmen;
<lb n="0139.04"/> er wolle ganz allein an den bestimmten Ort ge=
<lb n="0139.05"/> hen, und indem er sich stark genug glaube, die
<lb n="0139.06"/> K&#x00F6;pfe aller im Hinterhalt gelegten Reuter mit
<lb n="0139.07"/> bringen.</p>
<lb n="0139.08" rend="indent"/> <p>Die Officierer setzten sich sehr hitzig wider
<lb n="0139.09"/> dieses Vorhaben; sie stellten ihrem Generale
<lb n="0139.10"/> vor, da&#x00DF; sie ihn in der That zwar f&#x00FC;r f&#x00E4;hig ge=
<lb n="0139.11"/> nug hielten, ein solches Unternehmen auszuf&#x00FC;h=
<lb n="0139.12"/> ren, da&#x00DF; es aber der Klugheit gem&#x00E4;&#x00DF; sey, sich
<lb n="0139.13"/> der Gefahr nicht allzusehr auszusetzen; und
<lb n="0139.14"/> wann er sich also ja durchaus auf dem bestim=
<lb n="0139.15"/> ten Platze einfinden wollte, so solle er wenig=
<lb n="0139.16"/> stens eine Bedeckung mit sich nehmen, wann
<lb n="0139.17"/> sie auch aus nicht mehrern Personen, als der
<lb n="0139.18"/> Hinterhalt, bestehen sollte.</p>
<lb n="0139.19" rend="indent"/> <p>Derar widersetzte sich gleichfalls dem Vor=
<lb n="0139.20"/> haben des Khaled; er war aber nicht der Mei=
<lb n="0139.21"/> nung, da&#x00DF; man bis morgen warten solle, wider
<lb n="0139.22"/> diesen Hinterhalte zu streiten, und bat den
<lb n="0139.23"/> General, ihm zu erlauben, da&#x00DF; er, wann die
<lb n="0139.24"/> Nacht einbrechen w&#x00FC;rde, diese Gegend aus=
<lb n="0139.25"/> kundschaften d&#x00FC;rffe. Nachdem Khaled darein
<lb n="0139.26"/> gewilliget hatte, so nahm Derar des Abends
<lb n="0139.27"/> zehn Soldaten zu sich, auf deren Tapferkeit
<lb n="0139.28"/> er sich verlassen konnte, und ging nach dem
<lb n="0139.29"/> Hinterhalte zu. Er lie&#x00DF; seine Leute nicht weit
<lb n="0139.30"/> von dem Orte zur&#x00FC;ck, und nachdem er seine
<pb n="0140.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-201"/>
<lb n="0140.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi><lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>Kleider ausgezogen, und nichts als das Schwerdt
<lb n="0140.02"/> behalten hatte, so kroch er ganz sachte auf der
<lb n="0140.03"/> Erde hin, damit man ihn nicht merken m&#x00F6;ge.
<lb n="0140.04"/> Als er sich auf diese Art ohne Ger&#x00E4;usche gen&#x00E4;=
<lb n="0140.05"/> hert hatte, so h&#x00F6;rte er Leute, welche schnarchten,
<lb n="0140.06"/> und endlich, da er noch n&#x00E4;her gekommen war,
<lb n="0140.07"/> ward er, so viel es die Nacht leiden wollte,
<lb n="0140.08"/> zehn M&#x00E4;nner gewahr, welche in tieffen Schlaf=
<lb n="0140.09"/> fe lagen. Sie hatten sich auf die Erde ge=
<lb n="0140.10"/> streckt, und die Waffen unter den Kopf gelegt.</p>
<lb n="0140.11" rend="indent"/> <p>Er hatte anfangs Lust, sich die Gelegenheit
<lb n="0140.12"/> zu Nutze zu machen, und ganz alleine den
<lb n="0140.13"/> ganzen Hauffen zu erw&#x00FC;rgen; weil er aber
<lb n="0140.14"/> &#x00FC;berlegte, da&#x00DF;, indem er den einen umbr&#x00E4;chte,
<lb n="0140.15"/> die andern aufwachen k&#x00F6;nnten, so kehrte er zu=
<lb n="0140.16"/> r&#x00FC;ck, und hohlte seine Leute, welchen er befahl,
<lb n="0140.17"/> ihm so viel m&#x00F6;glich, ohn alles Ger&#x00E4;usche, zu
<lb n="0140.18"/> folgen. Als sie ankamen, nahm jeder seinen
<lb n="0140.19"/> Mann vor sich, und in einem Augenblicke war
<lb n="0140.20"/> der ganze Hinterhalt hingerichtet.</p>
<lb n="0140.21"/> <note type="marginalie" place="links">Zehn Ara=<lb/>ber legen sich<lb/>anstatt <hi rend="spaced">der</hi><lb/>Griechen in<lb/>Hinterhalt.</note><p rend="indent">Derar kam sogleich auf den Einfall, die
<lb n="0140.22"/> er mitgebracht hatte, an diesem Orte zu las=
<lb n="0140.23"/> sen, und damit sie durch ihre Kleidung nicht
<lb n="0140.24"/> m&#x00F6;chten verrathen werden, wenn etwa Wer=
<lb n="0140.25"/> dan einen Spion hinschickte, so lie&#x00DF; er sie die
<lb n="0140.26"/> Kleider der Ermordeten anziehen. Er schickte
<lb n="0140.27"/> sogleich zu dem Generale, ihm von allem, was
<lb n="0140.28"/> vorgegangen sey, und zugleich von den Maa&#x00DF;=
<lb n="0140.29"/> regeln Nachricht zu geben, die er in Anse=
<lb n="0140.30"/> hung der auf morgen festgesetzten Unterredung,
<pb n="0141.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-202"/>
<lb n="0141.01"/> genommen habe. Khaled billigte diese Anschl&#x00E4;=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0141.02"/> ge, und erwartete den Tag mit Ungedult, um
<lb n="0141.03"/> sich an dem bestimmten Orte einzufinden.</p>
<lb n="0141.04" rend="indent"/> <p>Unterdessen stellte doch Khaled mit Anbruch
<lb n="0141.05"/> des Tages seine Armee in Schlachtordnung.
<lb n="0141.06"/> Als Werdan mit Best&#x00FC;rzung sahe, da&#x00DF; man
<lb n="0141.07"/> dem eingegangenen Waffenstillestande so zuwi=
<lb n="0141.08"/> der handle, so schickte er sogleich einen Officier,
<lb n="0141.09"/> welcher sich beklagen mu&#x00DF;te, da&#x00DF; man ihm so
<lb n="0141.10"/> schlecht Wort halte. Khaled aber lie&#x00DF; ihm
<lb n="0141.11"/> antworten, er solle sich keine Gedancken ma=
<lb n="0141.12"/> chen; er wisse nicht einmal, was das sey, sein
<lb n="0141.13"/> Wort nicht halten, und er wolle den Augenblick
<lb n="0141.14"/> erscheinen.</p>
<lb n="0141.15" rend="indent"/> <p>Er machte sich auch in der That so gleich auf,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Unterre=<lb/>dung des</hi><lb/>Werdan und<lb/>Khaled.</note>
<lb n="0141.16"/> und langte mit dem griechischen Generale fast
<lb n="0141.17"/> zu gleicher Zeit an. Sie stiegen beyde ab, und
<lb n="0141.18"/> nachdem sie sich einander gegen&#x00FC;ber gesetzt hat=
<lb n="0141.19"/> ten, fing Khaled die Unterredung an, indem er
<lb n="0141.20"/> den Werdan fragte, was er ihn f&#x00FC;r Vorschl&#x00E4;ge
<lb n="0141.21"/> zu thun habe? <hi rend="bold">Mache uns</hi>, antwortete ihm
<lb n="0141.22"/> Werdan, <hi rend="bold">billige Bedingungen, so wollen
<lb n="0141.23"/> wir sie eingehen. Wir sind keine Feinde
<lb n="0141.24"/> von deinem Volke, und da wir wohl
<lb n="0141.25"/> wissen, da&#x00DF; es ein armes Volk ist, so wol=
<lb n="0141.26"/> len wir ihm gerne gutes erzeigen</hi>.</p>
<lb n="0141.27" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Armseliger Christe</hi>, antwortete Khaled
<lb n="0141.28"/> trotzig, <hi rend="bold">so weit hat uns Gott nicht verstos=
<lb n="0141.29"/> sen, da&#x00DF; wir von der Gnade der Grie=
<lb n="0141.30"/> chen leben m&#x00FC;&#x00DF;ten. Er hat vielmehr un=</hi>
<pb n="0142.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-203"/>
<lb n="0142.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><hi rend="bold">sern Waffen eure Weiber, eure Kinder
<lb n="0142.02"/> und L&#x00E4;nder &#x00FC;bergeben. Was brauchen
<lb n="0142.03"/> wir eurer Geschenke, da alles unser ist?
<lb n="0142.04"/> Jhr Griechen m&#x00FC;&#x00DF;t</hi>, setzte er hinzu, indem
<lb n="0142.05"/> er hitzig aufstand, <hi rend="bold">entweder Muselm&#x00E4;nner,
<lb n="0142.06"/> oder zinsbar werden. Das sind die Vor=
<lb n="0142.07"/> schl&#x00E4;ge alle, die ich dir thun kan; wann
<lb n="0142.08"/> sie ausgeschlagen werden, so m&#x00FC;ssen die
<lb n="0142.09"/> Waffen unsern Streit entscheiden</hi>. Er
<lb n="0142.10"/> sagte hierauf zu dem Werdan, er wolle nicht
<lb n="0142.11"/> glauben, da&#x00DF; er diese Unterredung nur deswegen
<lb n="0142.12"/> verlangt habe, damit er schon so oft verworffene
<lb n="0142.13"/> Vorschl&#x00E4;ge wieder thun k&#x00F6;nne; seine Absicht
<lb n="0142.14"/> w&#x00FC;rde ohne Zweifel gewesen seyn, sich mit ihm
<lb n="0142.15"/> allein zu finden, um unter einander die Entschei=
<lb n="0142.16"/> dung des Streis anzufangen.</p>
<lb n="0142.17" rend="indent"/> <p>Sogleich entbl&#x00F6;&#x00DF;te Khaled den Sebel. Der
<lb n="0142.18"/> griechische General, welcher bis jezt sitzen geblie=
<lb n="0142.19"/> ben war, stand schleinig auf, und sahe, anstatt
<lb n="0142.20"/> sich zur Gegenwehr gefa&#x00DF;t zu machen, auf al=
<lb n="0142.21"/> len Seiten herum, indem er die Ankunft seiner
<lb n="0142.22"/> Leute erwartete. Diese Niedertr&#x00E4;chtigkeit ver=
<lb n="0142.23"/> dro&#x00DF; den Khaled, er fa&#x00DF;te ihn also bey dem
<lb n="0142.24"/> Kleide, und sch&#x00FC;ttelte ihn auf eine ver&#x00E4;chtliche
<lb n="0142.25"/> Art. Werdan schrie um H&#x00FC;lfe, und glaubte
<lb n="0142.26"/> nunmehr aus aller Gefahr zu seyn, indem er
<lb n="0142.27"/> griechisch gekleidete Soldaten ankommen sahe.
<lb n="0142.28"/> Doch sein Jrrthum verlohr sich gar bald, als
<lb n="0142.29"/> er den Derar mit dem Sebel in der Hand
<lb n="0142.30"/> wahrnahm. Dieser wollte ihn sogleich erw&#x00FC;r=
<pb n="0143.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-204"/>
<lb n="0143.01"/> gen, da er aber von dem Khaled daran verhin=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0143.02"/> dert wurde, so begn&#x00FC;gte er sich damit, den Grie=
<lb n="0143.03"/> chen die allerschimpflichsten Vorw&#x00FC;rffe zu ma=
<lb n="0143.04"/> men. <hi rend="bold">Du Elender</hi>, sagte er, <hi rend="bold">was ist nun
<lb n="0143.05"/> aus deinem Hinterhalte geworden, durch
<lb n="0143.06"/> welchen du den General der Gl&#x00E4;ubigen
<lb n="0143.07"/> aus dem Wege r&#x00E4;umen wolltest</hi>?</p>
<lb n="0143.08" rend="indent"/> <p>Werdan war f&#x00FC;r Schaam und Furcht ganz
<lb n="0143.09"/> ausser sich, warf sich dem Khaled zu F&#x00FC;ssen, und
<lb n="0143.10"/> bat um Gnade. <hi rend="bold">Du sprachst also von Frie=
<lb n="0143.11"/> den</hi>, erwiederte der Muselmann, <hi rend="bold">um Gele=
<lb n="0143.12"/> genheit zu haben, mich zu verrathen, und
<lb n="0143.13"/> zu erw&#x00FC;rgen? Einem Treulosen kan kei=
<lb n="0143.14"/> ne Gnade wiederfahren</hi>. Auf diese Worte
<lb n="0143.15"/> legte Derar dem griechischen Generale mit ei=
<lb n="0143.16"/> nem Hiebe den Kopf vor die F&#x00FC;sse. Man
<lb n="0143.17"/> steckte ihn auf eine Lanze, und trug ihn trium=
<lb n="0143.18"/> phirend zur Armee der Muselm&#x00E4;nner.</p>
<lb n="0143.19" rend="indent"/> <p>Die Araber wurden durch den Anblick die=<note type="marginalie" place="rechts">Die grie=<lb/>chische Armee<lb/>wird geschla=<lb/>gen.</note>
<lb n="0143.20"/> ses blutigen Siegszeichens ermuntert, und ver=
<lb n="0143.21"/> langten inst&#x00E4;ndigst, da&#x00DF; man sie wider die Un=
<lb n="0143.22"/> gl&#x00E4;ubigen, deren Haupt seine Straffe bekom=
<lb n="0143.23"/> men habe, anf&#x00FC;hren m&#x00F6;ge. Khaled hielt f&#x00FC;r gut,
<lb n="0143.24"/> sich ihrer Hitze zu bedienen, und lie&#x00DF; sie den Au=
<lb n="0143.25"/> genblick gegen den Feind anr&#x00FC;cken. Nunmehr
<lb n="0143.26"/> hub sich ein Treffen, oder vielmehr ein entsetzli=
<lb n="0143.27"/> ches Nieder metzeln an, welches bis an den Abend
<lb n="0143.28"/> dauerte. Die Griechen waren &#x00FC;ber den Tod
<lb n="0143.29"/> ihres Anf&#x00FC;hrers erschrocken, und hatten g&#x00E4;nz=
<lb n="0143.30"/> lich allen Muth verlohren, als sie die Araber
<pb n="0144.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-205"/>
<lb n="0144.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>mit solcher Unerschrockenheit auf sie los kommen
<lb n="0144.02"/> sahen. Sie bem&#x00FC;hten sich nicht einmal, ihnen
<lb n="0144.03"/> den Sieg streitig zu machen; denn gleich bey
<lb n="0144.04"/> dem ersten Anfalle war die ganze christliche
<lb n="0144.05"/> Armee schon in einer unbeschreiblichen Unord=
<lb n="0144.06"/> nung. Die Fl&#x00FC;chtigen waren einer dem an=
<lb n="0144.07"/> dern im Wege, fielen also dem Feinde in die
<lb n="0144.08"/> H&#x00E4;nde und wurden grausamlich umgebracht.
<lb n="0144.09"/> Die Muselm&#x00E4;nner machten bey dieser Gelegen=
<lb n="0144.10"/> heit betr&#x00E4;chtliche Beute, welche aber Khaled
<lb n="0144.11"/> nicht eher, als bis sie Damascus w&#x00FC;rden ein=
<lb n="0144.12"/> genommen haben, theilen wolte; denn seine Ab=
<lb n="0144.13"/> sicht war, auf das geschwindeste wieder vor die=
<lb n="0144.14"/> sen Platz zu r&#x00FC;cken, um sich das Entsetzen der
<lb n="0144.15"/> Einwohner zu Nutze zu machen, und sie zur
<lb n="0144.16"/> Uebergabe zu zwingen. Nachdem er also seinen
<lb n="0144.17"/> Trupen nur eine sehr kurze Rast verstattet hat=
<lb n="0144.18"/> te, ertheilte er Befehl zum Aufbruche. Ehe er
<lb n="0144.19"/> sich aber auf den Marsch begab, schickte er ei=
<lb n="0144.20"/> nen Bothen an den Califen, um ihm von dem
<lb n="0144.21"/> gl&#x00FC;cklichen Fortgange seiner Waffen Nachricht
<lb n="0144.22"/> zu bringen. Der Brief, den er ihm deswegen
<lb n="0144.23"/> schrieb, war folgender:</p>
<lb n="0144.24" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jm Namen Gottes des Erbarmers.
<lb n="0144.25"/> Der Diener Gottes Khaled=ebn=Walid
<lb n="0144.26"/> dem Nachfolger des Gesandten Gottes.
<lb n="0144.27"/> Jch bete den einigen Gott an, und bitte
<lb n="0144.28"/> f&#x00FC;r seinen Propheten Mahomet, auf
<lb n="0144.29"/> welchem der g&#x00F6;ttliche Seegen ruhe. Jch
<lb n="0144.30"/> dancke Gott unaufh&#x00F6;rlich, da&#x00DF; er die
<lb n="0144.31"/> wahren Gl&#x00E4;ubigen errettet, die G&#x00F6;tzen=</hi>
<pb n="0145.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-206"/>
<lb n="0145.01"/> <hi rend="bold">diener vertilgt, und das Licht derer, die<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegir</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0145.02"/> im Jrrthume waren, ausgel&#x00F6;scht hat</hi>.</p>
<lb n="0145.03" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jch melde dir, Haupt der Gl&#x00E4;ubi=
<lb n="0145.04"/> gen, da&#x00DF; wir die griechische Armee bey
<lb n="0145.05"/> Ainadin, unter Anf&#x00FC;hrung des Wer=
<lb n="0145.06"/> dans, Befehlshabers von Hemes, ange=
<lb n="0145.07"/> troffen, und unsre Feinde &#x00FC;berwunden
<lb n="0145.08"/> haben. Mehr als funfzigtausend Mann
<lb n="0145.09"/> sind in zwey Schlachten umgekommen;
<lb n="0145.10"/> und wir haben nicht mehr als vierhun=
<lb n="0145.11"/> dert und zwey und siebzig Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0145.12"/> verlohren. Jetzt kehren wir vor Da=
<lb n="0145.13"/> mascus zur&#x00FC;ck. Bitte Gott, da&#x00DF; er uns
<lb n="0145.14"/> Gl&#x00FC;ck gebe</hi>.</p>
<lb n="0145.15" rend="indent"/> <p>Diesen Brief nach Medina zu bringen, und
<lb n="0145.16"/> den Ruhm der Muselm&#x00E4;nner zu verk&#x00FC;ndigen,
<lb n="0145.17"/> ward Abdarrahman, der Sohn des Califen,
<lb n="0145.18"/> ausersehen. Abubeker, welcher vor Freuden
<lb n="0145.19"/> ganz ausser sich kam, als er eine so schmeichel=
<lb n="0145.20"/> hafte Nachricht, durch einen jungen Kriegsheld,
<lb n="0145.21"/> den er so z&#x00E4;rtlich liebte, erhielt, warf er sich zur
<lb n="0145.22"/> Erde, und dankte GOtt f&#x00FC;r den gl&#x00FC;cklichen Fort=
<lb n="0145.23"/> gang seiner Waffen. Er machte den Brief,
<lb n="0145.24"/> den ihm der General geschrieben hatte, bekannt.
<lb n="0145.25"/> Man stellte zu Medina grosse Freudenfeste an,
<lb n="0145.26"/> welche gar bald auch in andern Provinzen Ara=
<lb n="0145.27"/> biens, in welchen diese Neuigkeit schleunig aus=
<lb n="0145.28"/> gebreitet wurde, erfolgten.</p>
<lb n="0145.29" rend="indent"/> <p>Eine grosse Menge Araber, welche nach<note type="marginalie" place="rechts">Die arabi=<lb/>schen V&#x00F6;lker<lb/>verlangen n.<lb/><hi rend="spaced">Syrien</hi> zu<lb/>gehen.</note>
<lb n="0145.30"/> Ehre, weit mehr aber nach Beute, begierig wa=
<pb n="0146.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-207"/>
<lb n="0146.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>ren, reiseten von Mecca aus, und kamen zu
<lb n="0146.02"/> dem Califen, ihn inst&#x00E4;ndigst um Erlaubni&#x00DF; zu
<lb n="0146.03"/> ersuchen, nach Syrien zur Armee gehen zu d&#x00FC;rf=
<lb n="0146.04"/> fen. Abubeker schien willig genug zu seyn, ihre
<lb n="0146.05"/> Bitte, die sie mit so viel Eyfer zu thun schienen,
<lb n="0146.06"/> Statt finden zu lassen; Omar aber, den er de&#x00DF;=
<lb n="0146.07"/> wegen zu Rathe zog, war anderer Meinung.</p>
<lb n="0146.08"/> <note type="marginalie" place="links">Omar setzt<lb/>fich <hi rend="spaced">darwi=<lb/>der.</hi></note><p rend="indent">Er lie&#x00DF; den Califen &#x00FC;berlegen, da&#x00DF; die mei=
<lb n="0146.09"/> sten von denen, welche so viel Begierde, nach
<lb n="0146.10"/> Syrien zu ziehen, bezeigten, eben diejenigen
<lb n="0146.11"/> w&#x00E4;ren, welche kurz vorher die Waffen wider
<lb n="0146.12"/> die Sch&#x00FC;ler des Propheten so lange gef&#x00FC;hrt h&#x00E4;t=
<lb n="0146.13"/> ten, als sie stark genung, ihnen die Spitze zu
<lb n="0146.14"/> bieten, und ihre Religion zu unterdr&#x00FC;cken, ge=
<lb n="0146.15"/> wesen w&#x00E4;ren: ietzo sey weder das Verlangen
<lb n="0146.16"/> dem Staate, noch der Religion zu dienen, die
<lb n="0146.17"/> Ursache warum sie um Erlaubni&#x00DF; anhielten, zur
<lb n="0146.18"/> Armee gehen zu k&#x00F6;nnen, blo&#x00DF; die Beute reitze sie
<lb n="0146.19"/> an, und die Hoffnung, nach der Eroberung von
<lb n="0146.20"/> Damascus den Raub mit theilen zu k&#x00F6;nnen:
<lb n="0146.21"/> Jhre Ankunft w&#x00FC;rde ganz gewi&#x00DF; Unruhe bey der
<lb n="0146.22"/> Armee verursachen, weil es billig sey, da&#x00DF; man
<lb n="0146.23"/> diejenigen, welche schon in den Waffen w&#x00E4;ren,
<lb n="0146.24"/> die Fr&#x00FC;chte ihrer Siege ruhig geniessen liesse, be=
<lb n="0146.25"/> sonders bey gegenw&#x00E4;rtigen Umst&#x00E4;nden, da sie
<lb n="0146.26"/> starck genug w&#x00E4;ren, ihre Eroberungen, ohne
<lb n="0146.27"/> neue H&#x00FC;lffe n&#x00F6;thig zu haben, zu vollziehen.</p>
<lb n="0146.28"/> <note type="marginalie" place="links">Jhre Ge=<lb/>genvorstel=<lb/>lungen.</note><p rend="indent">Abubeker ward von den Ursachen, die ihm
<lb n="0146.29"/> Omar anf&#x00FC;hrte, ger&#x00FC;hret, trat seiner Meinung
<lb n="0146.30"/> bey, und schlug ihnen die Erlaubni&#x00DF;, um die sie
<pb n="0147.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-208"/>
<lb n="0147.01"/> so eyfrig anhielten, ab. Diese abschl&#x00E4;gliche Ant=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0147.02"/> wort machte viel Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gte. Unter an=
<lb n="0147.03"/> dern machten die Einwohner von Mecca, und
<lb n="0147.04"/> besonders der Stamm der Coreischiten, Ge=
<lb n="0147.05"/> genvorstellungen, und gaben dem Califen zu
<lb n="0147.06"/> bedenken, da&#x00DF; man sie unter dem Vorwan=
<lb n="0147.07"/> de, weil sie das Ungl&#x00FC;ck gehabt h&#x00E4;tten, die
<lb n="0147.08"/> Sch&#x00FC;ler des Gesandten Gottes zu verfol=
<lb n="0147.09"/> gen, ganz mit Unrecht abhalte, die Waf=
<lb n="0147.10"/> fen f&#x00FC;r die Religion zu f&#x00FC;hren; da&#x00DF; man ihnen
<lb n="0147.11"/> die unseligen Tage nicht vorwerffen d&#x00FC;rffe, da
<lb n="0147.12"/> sie in den Schatten der Unwissenheit vergraben
<lb n="0147.13"/> gewesen w&#x00E4;ren, und geglaubt h&#x00E4;tten, der Wahr=
<lb n="0147.14"/> heit zu dienen, indem sie wider sie gestritten;
<lb n="0147.15"/> da&#x00DF; sie nunmehr unter einer Religion, und un=
<lb n="0147.16"/> ter einem Glauben an Herze und Geist verei=
<lb n="0147.17"/> net w&#x00E4;ren, und man sie also als Br&#x00FC;der anse=
<lb n="0147.18"/> hen m&#x00FC;sse, da sie ohnedem, ausser der Glaubens=
<lb n="0147.19"/> vereinigung, gr&#x00F6;&#x00DF;ten Theils unter einander
<lb n="0147.20"/> durch die Banden des Bluts vereinet w&#x00E4;ren,
<lb n="0147.21"/> da&#x00DF; zwar in der That die Einwohner von Me=
<lb n="0147.22"/> dina die wahre Religion eher bekannt h&#x00E4;tten,
<lb n="0147.23"/> und in Ansehung dessen den Vorzug vor andern
<lb n="0147.24"/> Muselm&#x00E4;nnern verlangen k&#x00F6;nnten, da&#x00DF; sie aber
<lb n="0147.25"/> de&#x00DF;wegen kein Recht h&#x00E4;tten, diejenigen von dem
<lb n="0147.26"/> Dienste auszuschliessen, welche erst nach ihnen
<lb n="0147.27"/> die Lehre des Propheten ergriffen h&#x00E4;tten, gleich=
<lb n="0147.28"/> wohl aber sich r&#x00FC;hmten, eben so viel Eifer als
<lb n="0147.29"/> sie f&#x00FC;r die Ausbreitung der Religion zu haben.</p>
<lb n="0147.30" rend="indent"/> <p>Der Calife h&#x00F6;rte diese Gegenvorstellungen<note type="marginalie" place="rechts">Der Calife<lb/>gew&#x00E4;hrt ih=<lb/>nen ihre Bit=<lb/>te.</note>
<lb n="0147.31"/> g&#x00FC;tig an; er berathschlagte sich mit dem Ali und
<pb n="0148.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-209"/>
<lb n="0148.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>Omar dar&#x00FC;ber, und sie beschlossen endlich, da&#x00DF;
<lb n="0148.02"/> man die Bitte der Coreischiten m&#x00FC;sse Statt fin=
<lb n="0148.03"/> den lassen. Es ward ihnen also erlaubt zur
<lb n="0148.04"/> Armee aufzubrechen. Abubeker nahm es auf
<lb n="0148.05"/> sich, sie bey dem Khaled in dem Briefe, durch
<lb n="0148.06"/> welchen er ihm zu seinem gehabten Fortgange
<lb n="0148.07"/> Gl&#x00FC;ck w&#x00FC;nschen wollte, anzumelden. Abdar=
<lb n="0148.08"/> rahman, welchen der Calife w&#x00E4;hrend der Zeit
<lb n="0148.09"/> bey sich behalten hatte, muste die Antwort dem
<lb n="0148.10"/> General &#x00FC;berbringen. Er fand ihn auf dem
<lb n="0148.11"/> Zuge nach Damascus, wovon er sich in kur=
<lb n="0148.12"/> tzen Herr zu machen hoffte.</p>
<lb n="0148.13" rend="indent"/> <p>Die Damascener ihres Theils, ob sie gleich
<lb n="0148.14"/> durch die traurige Nachricht von der Niederlage
<lb n="0148.15"/> der k&#x00E4;yserlichen Trupen sehr niedergeschlagen
<lb n="0148.16"/> waren, beschlossen gleichwohl, dem Feinde
<lb n="0148.17"/> noch zu widerstehen. Sie hatten sich die Ab=
<lb n="0148.18"/> wesenheit der Muselm&#x00E4;nner zu Nutze gemacht,
<lb n="0148.19"/> ihre Stadt mit Lebensmitteln zu versehen: die
<lb n="0148.20"/> meisten Einwohner der benachbarten Flecken,
<lb n="0148.21"/> waren in diesen Platz gefl&#x00FC;chtet, und hatten
<lb n="0148.22"/> alle ihre Habseligkeiten mitgebracht, um sie dem
<lb n="0148.23"/> Feinde, dessen Ankunft man alle Tage erwarte=
<lb n="0148.24"/> te, zu entreissen. Es befanden sich also damals
<lb n="0148.25"/> eine sehr grosse Menge Menschen in Damascus,
<lb n="0148.26"/> wovon aber die wenigsten Soldaten waren, so
<lb n="0148.27"/> da&#x00DF; man gleich im voraus bef&#x00FC;rchten mu&#x00DF;te, es
<lb n="0148.28"/> werde sehr schwer halten, sich wider kriegerische
<lb n="0148.29"/> Trupen zu vertheidigen, deren Muth und Hoff=
<lb n="0148.30"/> nung t&#x00E4;glich durch den Fortgang, den sie hatten,
<lb n="0148.31"/> verst&#x00E4;rket wurde.</p>
<pb n="0149.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-210"/>
<lb n="0149.01" rend="indent"/> <p>Khaled erschien endlich vor diesem Platze.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0149.02"/> Er wie&#x00DF; seinen vornehmsten Heerf&#x00FC;hrern ihre
<lb n="0149.03"/> Posten an, und sich selbst lie&#x00DF; er vor dem Morgen=
<lb n="0149.04"/> thore nieder. Die Bewachung des Lagers ver=<note type="marginalie" place="rechts">Khaled ni<expan>mm</expan>t<lb/><hi rend="spaced">die</hi> Belage=<lb/><hi rend="spaced">rung der</hi><lb/>Stadt Da=<lb/>mascus wie=<lb/>der vor.</note>
<lb n="0149.05"/> traute er dem Derar, und gab ihm in dieser Ab=
<lb n="0149.06"/> sicht zehntausend Mann zu Pferde, mit welchen
<lb n="0149.07"/> er ihm das Lager sorgf&#x00E4;ltig zu umreiten befahl,
<lb n="0149.08"/> damit sie von den Griechen nicht m&#x00F6;chten &#x00FC;ber=
<lb n="0149.09"/> fallen werden.</p>
<lb n="0149.10" rend="indent"/> <p>Man nahete sich hierauf den Aussenwerken
<lb n="0149.11"/> der Stadt, welche anfangs von den Belagerten
<lb n="0149.12"/> sehr muthig vertheidiget wurden. Sie erlegten
<lb n="0149.13"/> eine grosse Menge Muselm&#x00E4;nner mit Pfeilen,
<lb n="0149.14"/> und noch weit mehrere mit Maschienen, die sie
<lb n="0149.15"/> auf die Mauren gestellt hatten, und durch die
<lb n="0149.16"/> sie einen Hagel von Steinen, welcher die Bela=
<lb n="0149.17"/> gerer zerschmetterte, herabfallen liessen. Jn
<lb n="0149.18"/> den Ausf&#x00E4;llen aber, welche die Damascener
<lb n="0149.19"/> wagten, hatten sie nicht gleiches Gl&#x00FC;ck. Die
<lb n="0149.20"/> Muselm&#x00E4;nner behielten allezeit die Oberhand,
<lb n="0149.21"/> so da&#x00DF; sich die armen Einwohner kaum ausser ih=
<lb n="0149.22"/> rer Stadt mehr zeigen durften. Da sie nun
<lb n="0149.23"/> endlich sahen, da&#x00DF; sie auf das &#x00E4;usserste ge=
<lb n="0149.24"/> bracht waren, so fingen sie an, an die Ueber=
<lb n="0149.25"/> gabe zu denken; sie beschlossen so gar, sie zu be=
<lb n="0149.26"/> schleinigen, damit der Feind durch einen l&#x00E4;n=
<lb n="0149.27"/> gern Verschub wegen der Bedingungen nicht
<lb n="0149.28"/> schwieriger werden m&#x00F6;chte.</p>
<lb n="0149.29" rend="indent"/> <p>Man versammlete sich, wegen dieser Sa=<note type="marginalie" place="rechts">Thomas &#x00FC;=<lb/>berredet die<lb/>Damascener<lb/><hi rend="spaced">zu einem</hi><lb/>Ausfalle.</note>
<lb n="0149.30"/> che zu Rathe zu gehen. Alle schienen darinnen
<pb n="0150.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-211"/>
<lb n="0150.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>&#x00FC;bereinzukommen, da&#x00DF; man sich ergeben m&#x00FC;sse,
<lb n="0150.02"/> als ein Mann von dem vornehmsten Range in
<lb n="0150.03"/> Damascus, der aber keine Bedienung hatte,
<lb n="0150.04"/> sich heftig wider diese Meinung setzte. Dieser
<lb n="0150.05"/> Mann war Thomas, ein Eydam des K&#x00E4;ysers
<lb n="0150.06"/> Heraclius. Er gab sich lange Zeit alle M&#x00FC;he,
<lb n="0150.07"/> den Damascenern Muth zu machen, doch es
<lb n="0150.08"/> war umsonst; die Unerschrockenheit der Araber
<lb n="0150.09"/> hatte sie so niedergeschlagen gemacht, da&#x00DF; sie kei=
<lb n="0150.10"/> ne andre Zuflucht sahen, als sich mit dem Fein=
<lb n="0150.11"/> de zu vergleichen.</p>
<lb n="0150.12" rend="indent"/> <p>Thomas that endlich den Vorschlag, sich
<lb n="0150.13"/> selbst aufzumachen und an ihre Spitze zu treten,
<lb n="0150.14"/> wenn sie noch einen Ausfall wagen wollten.
<lb n="0150.15"/> Dieser Vorschlag that seine Wirkung; die Da=
<lb n="0150.16"/> mascener wurden durch das Beyspiel eines so
<lb n="0150.17"/> verehrungsw&#x00FC;rdigen Anf&#x00FC;hrers aufgemuntert,
<lb n="0150.18"/> versprachen unter ihm zu streiten; und machten
<lb n="0150.19"/> sich sogleich bereit auf den Feind los zu gehen.
<lb n="0150.20"/> Die Mahometaner ihres Theils machten sich
<lb n="0150.21"/> eben gefa&#x00DF;t, einen neuen Sturm zu wagen, als
<lb n="0150.22"/> sie die Damascener in Schlachtordnung anr&#x00FC;=
<lb n="0150.23"/> cken sahen.</p>
<lb n="0150.24" rend="indent"/> <p>Die Araber w&#x00FC;rden ihnen vielleicht nicht
<lb n="0150.25"/> Zeit gelassen haben, diesen Ausfall mit Ordnung
<lb n="0150.26"/> zu thun, wann die Damascener nicht zugleich
<lb n="0150.27"/> ihre Kriegsmaschienen h&#x00E4;tten spielen lassen, wel=
<lb n="0150.28"/> che den Feind genugsam verhinderten sich zu n&#x00E4;=
<lb n="0150.29"/> hern. Als Thomas seine Trupen gestellt hatte,
<lb n="0150.30"/> so gab er das Zeichen zum Treffen, indem er
<pb n="0151.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-212"/>
<lb n="0151.01"/> einen Pfeil gegen den Feind losscho&#x00DF;. So=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0151.02"/> gleich ward man auf verschiedenen Seiten hand=
<lb n="0151.03"/> gemein, und der Anfall war anfangs auf beyden
<lb n="0151.04"/> Theilen gleich blutig.</p>
<lb n="0151.05" rend="indent"/> <p>Mitten im Streite sahen die Damascener,
<lb n="0151.06"/> zu ihrem Erstaunen, eine wohlbewaffnete Wei=
<lb n="0151.07"/> besperson, welche sich bis in die ersten Glieder
<lb n="0151.08"/> der Araber hervor drang, daselbst zu sechten.
<lb n="0151.09"/> Mit dem ersten Pfeile, welchen sie abdr&#x00FC;ckte,
<lb n="0151.10"/> verwundete sie die Hand desjenigen, welcher die
<lb n="0151.11"/> feindliche Fahne trug. Als diese Fahne fiel, so
<lb n="0151.12"/> brachen die Araber mit Wuth auf dieser Seite
<lb n="0151.13"/> ein, um sich derselben zu bem&#x00E4;chtigen; sie er=
<lb n="0151.14"/> oberten sie auch in der That, und warffen sie
<lb n="0151.15"/> aus einer Hand in die andere, um sie in die hin=
<lb n="0151.16"/> tersten Glieder in Sicherheit zu bringen.</p>
<lb n="0151.17" rend="indent"/> <p>Thomas, welcher es gesehen hatte, wie die
<lb n="0151.18"/> Araber sich der Fahne bem&#x00E4;chtiget, brach mit
<lb n="0151.19"/> seinem Gefolge so hitzig in ihre Glieder ein,
<lb n="0151.20"/> da&#x00DF; er sich bis zu dem Sergiabil hindurch
<lb n="0151.21"/> drang, in dessen H&#x00E4;nden sich die Fahne befand.
<lb n="0151.22"/> Der Streit ward an diesem Orte sehr heftig.
<lb n="0151.23"/> Der christliche General schlug sich mit einer
<lb n="0151.24"/> Tapferkeit, von welcher es schien, da&#x00DF; sie die
<lb n="0151.25"/> sch&#x00F6;nsten Folgen nach sich ziehen m&#x00FC;sse, als er
<lb n="0151.26"/> pl&#x00F6;tzlich durch einen Pfeil, welcher ihm das Au=
<lb n="0151.27"/> ge traf, ausser Stand gesetzt wurde, weiter zu
<lb n="0151.28"/> k&#x00E4;mpfen. Der Schmertz machte ihn wan=
<lb n="0151.29"/> kend; seine Leute unterst&#x00FC;tzten ihn, und alles,
<lb n="0151.30"/> was man nunmehr thun konnte, war die Fahne
<pb n="0152.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-213"/>
<lb n="0152.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>und die Vortheile, die man beynahe erlangt hat=
<lb n="0152.02"/> te, im Stiche zu lassen, um den General auf
<lb n="0152.03"/> das schleinigste nach Damascus zu bringen.</p>
<lb n="0152.04" rend="indent"/> <p>Dieser den Damascenern so verderbliche
<lb n="0152.05"/> Schu&#x00DF; kam von eben der arabischen Weibes=
<lb n="0152.06"/> person, welche bereits den F&#x00E4;hndrich durchschos=
<lb n="0152.07"/> sen hatte. Sie war mit der ersten That we=
<lb n="0152.08"/> nig zufrieden, und suchte keinen geringern, als
<lb n="0152.09"/> den General, zu t&#x00F6;dten, weil sie einzig diesen als
<lb n="0152.10"/> den M&#x00F6;rder ihres Mannes betrachtete. Jn
<lb n="0152.11"/> der That hatte auch der erste Pfeil, welchen
<lb n="0152.12"/> Thomas abscho&#x00DF;, das Zeichen zum Treffen da=
<lb n="0152.13"/> mit zu geben, einen Officier durchbohrt, wel=
<lb n="0152.14"/> cher dieses Weib vorkurzen geheyrathet hat=
<lb n="0152.15"/> te, und was noch an Seiten des christlichen
<lb n="0152.16"/> Generals das sch&#x00E4;ndlichste darbey war, so war
<lb n="0152.17"/> der Pfeil vergiftet gewesen, und zwar war der
<lb n="0152.18"/> Gift so fein, da&#x00DF; der Officier, welcher davon ge=
<lb n="0152.19"/> troffen wurde, fast auf der Stelle blieb, ob die
<lb n="0152.20"/> Wunde gleich vor sich selbst nicht t&#x00F6;dtlich war.</p>
<lb n="0152.21" rend="indent"/> <p>Die junge Wittwe, anstatt sich der Traurig=
<lb n="0152.22"/> keit und den Thr&#x00E4;nen zu &#x00FC;berlassen, hatte blo&#x00DF;
<lb n="0152.23"/> ihrer Rache Geh&#x00F6;r gegeben; und so bald als sie
<lb n="0152.24"/> erfahren hatte, da&#x00DF; der Schu&#x00DF;, durch welchen
<lb n="0152.25"/> ihr Mann geblieben, von dem christlichen Gene=
<lb n="0152.26"/> rale gekommen sey, hatte sie den gro&#x00DF;m&#x00FC;thigen
<lb n="0152.27"/> Entschlu&#x00DF; gefa&#x00DF;t, ihm das Leben zu nehmen,
<lb n="0152.28"/> oder auf der Wahlstatt zu bleiben.</p>
<lb n="0152.29" rend="indent"/> <p>Jhrer Rache aber ward nur zum Theil Ge=
<lb n="0152.30"/> n&#x00FC;ge gethan. Der General ward verwundet,
<pb n="0153.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-214"/>
<lb n="0153.01"/> man erfuhr aber, da&#x00DF; er sich gar bald w&#x00FC;r=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0153.02"/> de wieder zeigen k&#x00F6;nnen. Und in der That,
<lb n="0153.03"/> sobald er verbunden war, befand er sich auch
<lb n="0153.04"/> besser, und wollte sogleich wieder zur&#x00FC;ck kehren,
<lb n="0153.05"/> um die noch immer mit Hitze wider die Musel=
<lb n="0153.06"/> m&#x00E4;nner streitenden Christen durch seine Gegen=
<lb n="0153.07"/> genwart aufzumuntern. Die Einwohner von
<lb n="0153.08"/> Damascus aber lagen ihm so heftig an, sich sei=
<lb n="0153.09"/> ner Hitze nicht zu &#x00FC;berlassen, da&#x00DF; er endlich dar=
<lb n="0153.10"/> ein willigte, sich nicht an die Spitze der Tru=
<lb n="0153.11"/> pen zu stellen; dennoch aber wollte er an dem
<lb n="0153.12"/> Thore der Stadt bleiben, vor welchem das Tref=
<lb n="0153.13"/> fen vorfiel, damit er, was vorgehe, sehen und
<lb n="0153.14"/> seine Befehle darnach ertheilen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0153.15" rend="indent"/> <p>Er hatte Ursache mit der Tapferkeit der
<lb n="0153.16"/> Damascener zufrieden zu seyn. Wann sie schon
<lb n="0153.17"/> keine grossen Vortheile &#x00FC;ber den Feind davon
<lb n="0153.18"/> trugen, so verhinderten sie wenigstens, da&#x00DF; die
<lb n="0153.19"/> Araber &#x00FC;ber sie keine erhielten. Das Treffen
<lb n="0153.20"/> ward auf beyden Theilen sehr hitzig fortgesetzt, und
<lb n="0153.21"/> man lie&#x00DF; nicht eher von einander ab, als bis sie
<lb n="0153.22"/> die Nacht an den R&#x00FC;ckzug zu denken n&#x00F6;thigte.</p>
<lb n="0153.23" rend="indent"/> <p>Thomas wollte sich den Muth seiner Tru=
<lb n="0153.24"/> pen zu Nutze machen, und unternahm es, gleich
<lb n="0153.25"/> in der darauf folgenden Nacht, ein Vorhaben
<lb n="0153.26"/> auszuf&#x00FC;hren, welches er seit seiner Verwundung
<lb n="0153.27"/> ausgedacht hatte. Dieses bestand darinne,
<lb n="0153.28"/> durch die verschiedenen Stadtthore, einen all=
<lb n="0153.29"/> gemeinen Ausfall zu wagen, und pl&#x00F6;tzlich das
<lb n="0153.30"/> Lager der Araber zu &#x00FC;berfallen. Er glaubte,
<pb n="0154.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-215"/>
<lb n="0154.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>sie, besonders nach einem so blutigen Tage, ge=
<lb n="0154.02"/> wi&#x00DF; zu &#x00FC;berraschen.</p>
<lb n="0154.03"/> <note type="marginalie" place="links">Die Dama=<lb/>scener wagen<lb/>einen zwey=<lb/>ten Ausfall.</note><p rend="indent">Die Damascener stimmten dem Vorhaben
<lb n="0154.04"/> des Generals um die Wette bey, und machten
<lb n="0154.05"/> sich gesa&#x00DF;t, es mit aller Tapferkeit, die bey der=
<lb n="0154.06"/> gleichen Umst&#x00E4;nden nothwendig war, auszuf&#x00FC;h=
<lb n="0154.07"/> ren. So bald sie den Schall einer Klocke ver=
<lb n="0154.08"/> nahmen, welches das abgeredete Zeichen war,
<lb n="0154.09"/> so fielen sie durch die verschiedenen Stadtthore
<lb n="0154.10"/> aus, und st&#x00FC;rzten sich auf die feindlichen Quar=
<lb n="0154.11"/> tiere, die diesen Thoren gegen&#x00FC;ber standen.</p>
<lb n="0154.12" rend="indent"/> <p>Dieser pl&#x00F6;tzliche Ausfall war den Damasce=
<lb n="0154.13"/> nern anfangs sehr vortheilhaft. Sie ermorde=
<lb n="0154.14"/> ten ohne M&#x00FC;he eine grosse Anzahl Araber,
<lb n="0154.15"/> welche an nichts weniger als an ein solches Un=
<lb n="0154.16"/> ternehmen dachten; sobald man aber anfing Ler=
<lb n="0154.17"/> men zu blasen, bekamen die Sachen ein ganz
<lb n="0154.18"/> ander Ansehen.</p>
<lb n="0154.19" rend="indent"/> <p>Khaled ertheilte auf das schleinigste Befehl,
<lb n="0154.20"/> und alle Trupen von seinem Quartiere waren
<lb n="0154.21"/> gar bald im Stande den Christen die Spitze zu
<lb n="0154.22"/> bieten. Er begab sich in Person nach dem Quar=
<lb n="0154.23"/> tiere des Sergiabil, wo es die h&#x00F6;chste Zeit war.
<lb n="0154.24"/> Thomas hatte daselbst alles in Unordnung ge=
<lb n="0154.25"/> bracht. Die junge arabische Wittwe, welche
<lb n="0154.26"/> daselbst bey den Trupen geblieben war, hatte
<lb n="0154.27"/> sich mit aller Tapferkeit des unerschrockensten
<lb n="0154.28"/> Soldaten herumgeschlagen; endlich aber war
<lb n="0154.29"/> sie doch zum Kriegsgefangenen gemacht wor=
<lb n="0154.30"/> den, nachdem sie verschiedene griechische Solda=
<pb n="0155.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-216"/>
<lb n="0155.01"/> ten, die sich ihrer bem&#x00E4;chtigen wollten, mit ei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0155.02"/> gner Hand umgebracht hatte. Sergiabil hatte
<lb n="0155.03"/> sich gleichfalls mit vieler Unerschrockenheit ge=
<lb n="0155.04"/> gen den Thomas selbst vertheidiget, welcher eben
<lb n="0155.05"/> bey dem zweyten Angriffe ihn entweder t&#x00F6;dten
<lb n="0155.06"/> oder zum Gefangenen machen wollte, als Kha=
<lb n="0155.07"/> led, von dem Abdarrahman und andern Offi=
<lb n="0155.08"/> ciers unterst&#x00FC;tzt, zur rechten Zeit anlangte, ihn
<lb n="0155.09"/> frey zu machen: auch die junge Wittwe ward
<lb n="0155.10"/> durch dieses Mittel in Freyheit gesetzt, und der
<lb n="0155.11"/> griechische General, welcher sich von allen Sei=
<lb n="0155.12"/> ten angefallen sahe, mu&#x00DF;te es noch vor ein
<lb n="0155.13"/> Gl&#x00FC;ck sch&#x00E4;tzen, da&#x00DF; er eiligst davon und in seine
<lb n="0155.14"/> Stadt kommen konnte.</p>
<lb n="0155.15" rend="indent"/> <p>Der Einbruch der Damascener ward ih=<note type="marginalie" place="rechts">Die christli=<lb/>che <hi rend="spaced">Armee</hi><lb/>wird in St&#x00FC;=<lb/>cken gehau=<lb/>en.</note>
<lb n="0155.16"/> nen, auf der Seite, wo Obeidah commandirte,
<lb n="0155.17"/> weit nachtheiliger. Dieser General lie&#x00DF; den
<lb n="0155.18"/> ersten Ausfall durch einen Hauffen auserlesener
<lb n="0155.19"/> Soldaten aushalten, und w&#x00E4;hrend da&#x00DF; man sie
<lb n="0155.20"/> durch einen tapsern Widerstand besch&#x00E4;ftigte,
<lb n="0155.21"/> lie&#x00DF; er einen andern Hauffen aufbrechen, wel=
<lb n="0155.22"/> cher in m&#x00F6;glichster Eil einen Umschweif nehmen,
<lb n="0155.23"/> und den Christen in den R&#x00FC;cken fallen mu&#x00DF;te,
<lb n="0155.24"/> wodurch sie denn auf allen Seiten umringt
<lb n="0155.25"/> wurden.</p>
<lb n="0155.26" rend="indent"/> <p>Diese Anordnung verursachte auf dieser
<lb n="0155.27"/> Seite die Niederlage der Damascener. Sie
<lb n="0155.28"/> wandten zwar alle ihre Kr&#x00E4;fte an, und schlugen
<lb n="0155.29"/> sich mit aller Tapferkeit, welche Wuth und Ver=
<lb n="0155.30"/> zweiflung nur geben kan; doch der Sieg erkl&#x00E4;rte
<pb n="0156.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-217"/>
<lb n="0156.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>sich f&#x00FC;r die Araber. Die Christen wurden auf
<lb n="0156.02"/> das grausamste niedergemacht, und es kam
<lb n="0156.03"/> nicht ein einziger von denen, die bey diesem An=
<lb n="0156.04"/> griffe gewesen waren, davon. Die, welche
<lb n="0156.05"/> durch die andern Thore ausgefallen waren, wur=
<lb n="0156.06"/> den gleichfalls sehr mi&#x00DF;gehandelt, so da&#x00DF; die Da=
<lb n="0156.07"/> mascener, diesem ungl&#x00FC;cklichen Ausfalle zu Fol=
<lb n="0156.08"/> ge, mit aller Gewalt zu kapituliren beschlossen.
<lb n="0156.09"/> Umsonst bath Thomas um einigen Aufschub, da=
<lb n="0156.10"/> mit er an den K&#x00E4;yser um H&#x00FC;lffe schreiben k&#x00F6;n=
<lb n="0156.11"/> ne; die Einwohner wollten ihn nicht mehr h&#x00F6;=
<lb n="0156.12"/> ren, und dachten nunmehr desto eifriger auf ei=
<lb n="0156.13"/> ne schleinige Uebergabe, als sie erfuhren, da&#x00DF;
<lb n="0156.14"/> Khaled in den Waffenstillestand nicht habe wil=
<lb n="0156.15"/> ligen wollen, um welchen ihn ihr General ge=
<lb n="0156.16"/> beten hatte.</p>
<lb n="0156.17"/> <note type="marginalie" place="links">Der <hi rend="spaced">ver=<lb/>schiedene</hi><lb/>Charakter<lb/>des Khaleds<lb/>u. Obeidah.</note><p rend="indent">Die Damascener waren sehr unschl&#x00FC;&#x00DF;ig,
<lb n="0156.18"/> wie sie diese Unterhandlung angreiffen sollten.
<lb n="0156.19"/> Khaled wurde s&#x00FC;r einen unerbittlichen Mann
<lb n="0156.20"/> gehalten, welcher keine andre Absicht habe, als
<lb n="0156.21"/> den Platz mit Gewalt zu erobern, und ihn mit
<lb n="0156.22"/> Schwerdt und Feuer zu verw&#x00FC;sten. Obeidah
<lb n="0156.23"/> war weit m&#x00E4;&#x00DF;iger, er war nicht nach Christen=
<lb n="0156.24"/> blute begierig, seine einzige Absicht war, sie zu
<lb n="0156.25"/> n&#x00F6;thigen, entweder Mahometaner zu werden,
<lb n="0156.26"/> oder Tribut zu bezahlen. An ihn also beschlos=
<lb n="0156.27"/> sen die Damascener sich zu wenden. Unterdes=
<lb n="0156.28"/> sen war dieses doch sehr viel gewagt; denn da
<lb n="0156.29"/> Khaled General war, so konnten nun mit ihm
<lb n="0156.30"/> die Unterhandlungen sicher gepflogen werden.
<lb n="0156.31"/> Weil aber die rauhe Gem&#x00FC;thsart dieses stoltzen
<pb n="0157.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-218"/>
<lb n="0157.01"/> Arabers auf seiner Seite wenig Hoffnung zu ei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0157.02"/> nem Vergleiche machte, so beschlo&#x00DF; man, es
<lb n="0157.03"/> m&#x00F6;ge nun daraus erfolgen was da wolle, die Sa=
<lb n="0157.04"/> che mit dem Obeidah zu unternehmen.</p>
<lb n="0157.05" rend="indent"/> <p>Anfangs lie&#x00DF; man seine Gesinnung durch<note type="marginalie" place="rechts">Die Dama=<lb/>scener fang&#x0113;<lb/><hi rend="spaced">mit dem</hi><lb/>Obeidah ei=<lb/><hi rend="spaced">ne Unter=<lb/>handlung<lb/>an.</hi></note>
<lb n="0157.06"/> Abgeordnete ausforschen, welche man bey Nacht=
<lb n="0157.07"/> zeit zu dem Thore, welches seinem Quartiere ge=
<lb n="0157.08"/> gen&#x00FC;ber war, hinaus lie&#x00DF;. Man erhielt gar
<lb n="0157.09"/> bald eine sehr vortheilhafte Antwort. Obeidah
<lb n="0157.10"/> lie&#x00DF; den Damascenern wissen, da&#x00DF; sie der Un=
<lb n="0157.11"/> terhandlung wegen vollkommen sicher zu ihn
<lb n="0157.12"/> kommen k&#x00F6;nnten; er schickte sogar einen von sei=
<lb n="0157.13"/> nen vornehmsten Hauptleuten, den Abu=Obei=
<lb n="0157.14"/> rah, zu ihnen, um die Unterh&#x00E4;ndler, die man zu
<lb n="0157.15"/> ihm schicken wollte, mit zu bringen.</p>
<lb n="0157.16" rend="indent"/> <p>Die Damascener wurden &#x00FC;ber einen so
<lb n="0157.17"/> gl&#x00FC;cklichen Anfang erfreut, und liessen sogleich
<lb n="0157.18"/> verschiedene von den vornehmsten Einwohnern
<lb n="0157.19"/> abgehen, welchen sie ihre Entschliessungen an=
<lb n="0157.20"/> vertrauten. Die H&#x00F6;fligkeit und Leutseligkeit
<lb n="0157.21"/> des Obeidah, machte den Unterh&#x00E4;ndlern die
<lb n="0157.22"/> sch&#x00F6;nste Hofnung. Sie wurden mit Achtung
<lb n="0157.23"/> empfangen, und als sie ihre Vergleichungspun=
<lb n="0157.24"/> cte vortrugen, so fanden sie einen General, wel=
<lb n="0157.25"/> cher ihnen beynahe alles einzugehen bereit war.
<lb n="0157.26"/> Der vornehmste Punct, worauf sie bestanden,
<lb n="0157.27"/> betraf die Kirchen, um deren Erhaltung sie ba=
<lb n="0157.28"/> ten. Obeidah machte anfangs Schwierigkeiten,
<lb n="0157.29"/> endlich aber willigte er mit einigen Einschr&#x00E4;n=
<lb n="0157.30"/> kungen in ihr Verlangen: er machte ihnen sieben
<pb n="0158.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-219"/>
<lb n="0158.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>Kirchen aus, in welchen sie die freye Aus&#x00FC;=
<lb n="0158.02"/> bung ihre Religion sollten geniessen k&#x00F6;nnen.
<lb n="0158.03"/> Da man also der verschiedenen Artikel wegen
<lb n="0158.04"/> einig geworden war, so gab Obeidah sie ihnen
<lb n="0158.05"/> schriftlich. Was aber die Ausf&#x00FC;hrung anbe=
<lb n="0158.06"/> langte, so m&#x00FC;&#x00DF;te man sich auf sein Wort ver=
<lb n="0158.07"/> lassen; denn da er nicht der oberste Feldherr war,
<lb n="0158.08"/> so konnte er diesen Tractat nicht unterzeichnen.
<lb n="0158.09"/> Unterdessen foderte er doch, da&#x00DF; man ihn von
<lb n="0158.10"/> dem Augenblicke an die Stadt solle in Besitz
<lb n="0158.11"/> nehmen lassen, in die er mit nicht mehr als
<lb n="0158.12"/> hundert Leuten einziehen wolle. Er verlangte
<lb n="0158.13"/> seiner Sicherheit wegen auch Geissel, und so=
<lb n="0158.14"/> bald er sie empfangen hatte, zog er in die Stadt
<lb n="0158.15"/> ein.</p>
<lb n="0158.16" rend="indent"/> <p>Von diesem allen bekam Khaled nicht das
<lb n="0158.17"/> geringste zu erfahren. Er sann damals gleich auf
<lb n="0158.18"/> einen neuen Sturm, welcher auf der Morgen=
<lb n="0158.19"/> seite, wo sein Quartier war, vor sich gehen sollte.
<lb n="0158.20"/> W&#x00E4;hrend da&#x00DF; er die n&#x00F6;thigen Anstalten zu die=
<lb n="0158.21"/> sem Unternehmen machte, ward er von einem
<lb n="0158.22"/> griechischen Priester, Namens Josias, angere=
<lb n="0158.23"/> det, welcher Gelegenheit gefunden hatte, aus
<lb n="0158.24"/> Damascus zu entkommen, und bis in sein Quar=
<lb n="0158.25"/> tier zu gelangen. Er erbot sich, den Khaled in
<lb n="0158.26"/> die Stadt zu f&#x00FC;hren, ohne da&#x00DF; es ihm einen
<lb n="0158.27"/> neuen Sturm kosten solle, und bat daf&#x00FC;r zur
<lb n="0158.28"/> Belohlung, ihm und seinen Anverwandten alle
<lb n="0158.29"/> Sicherheit zuverschaffen, und sie in dem Be=
<lb n="0158.30"/> sitze der G&#x00FC;ter, welche sie in dem Gebiete von
<lb n="0158.31"/> Damascus hatten, zu erhalten.</p>
<pb n="0159.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-220"/>
<lb n="0159.01" rend="indent"/> <p>Nachdem der Vorschlag angenommen wor=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0159.02"/> den, so schickte Khaled unter Anf&#x00FC;hrung des Jo=
<lb n="0159.03"/> sias einen Hauffen von hundert Mann, welchen
<lb n="0159.04"/> er befahl, sich des Morgenthores zu bem&#x00E4;chti=
<lb n="0159.05"/> gen, die Ketten zu zersprengen, und <hi rend="bold">Alla=achar</hi>
<lb n="0159.06"/> zu ruffen, sobald sie es inne haben w&#x00FC;rden. Der
<lb n="0159.07"/> Verr&#x00E4;ther Josias hielt sein Wort; die Araber
<lb n="0159.08"/> wurden in die Stadt gebracht, und gaben bald
<lb n="0159.09"/> dadurch das abgeredete Zeichen.</p>
<lb n="0159.10" rend="indent"/> <p>So gleich drang Khaled an der Spitze sei=
<lb n="0159.11"/> ner Trupen herein, und fing an alle Einwohner,
<lb n="0159.12"/> die ihm unter die H&#x00E4;nde kamen, auf das grau=
<lb n="0159.13"/> samste nieder machen zu lassen. Durch lau=
<lb n="0159.14"/> ter Morden gelangte er bis an den Platz vor
<lb n="0159.15"/> der Hauptkirche. Aber wie erstaunte er nicht,
<lb n="0159.16"/> als er sahe, da&#x00DF; Obeidah davon im Besitze war!
<lb n="0159.17"/> Er schien mitten in dem Lerm, welchen die An=
<lb n="0159.18"/> kunft des Khaled in der Stadt erregt hatte, ru=
<lb n="0159.19"/> hig zu seyn; er war so wohl als seine Officiers
<lb n="0159.20"/> entwaffnet, und man sahe eine grosse Menge
<lb n="0159.21"/> M&#x00E4;nner und Weiber um ihn versammlet, wel=
<lb n="0159.22"/> che unter dem Schutze dieses Heerf&#x00FC;hrers sicher
<lb n="0159.23"/> zu seyn glaubten.</p>
<lb n="0159.24" rend="indent"/> <p>Obeidah merkte in den Augen des Khaled<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Streitig=</hi><lb/>keit zwischen<lb/>Khaled und<lb/>Obeidah, we=<lb/>gen der Ein=<lb/>wohner von<lb/>Damascus.</note>
<lb n="0159.25"/> seine Verwirrung und sein Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gen,
<lb n="0159.26"/> ging dem Generale entgegen, und sagte, um ihn
<lb n="0159.27"/> zu bes&#x00E4;nftigen, Gott habe aus Barmherzigkeit
<lb n="0159.28"/> das Blut der Mahometaner sparen wollen, und
<lb n="0159.29"/> ihnen deswegen die M&#x00FC;he sich zu schlagen be=
<lb n="0159.30"/> nommen, indem sich die Stadt gutwillig &#x00FC;ber=
<pb n="0160.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-221"/>
<lb n="0160.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>geben habe. <hi rend="bold">Und ich, ich habe sie mit
<lb n="0160.02"/> Gewalt erobert</hi>, antwortete Khaled w&#x00FC;thend;
<lb n="0160.03"/> <hi rend="bold">keine Gnade also f&#x00FC;r die Einwohner</hi>.</p>
<lb n="0160.04" rend="indent"/> <p>Diese schrecklichen Worte setzten die Da=
<lb n="0160.05"/> mascener in die &#x00E4;usserste Best&#x00FC;rtzung. Obei=
<lb n="0160.06"/> dah wollte best&#x00E4;ndig den General zur G&#x00FC;te
<lb n="0160.07"/> bringen, indem er ihm vorstellte, da&#x00DF; eine Ka=
<lb n="0160.08"/> pitulation da sey, da&#x00DF; er sie mit eigener Hand
<lb n="0160.09"/> geschrieben habe, und da&#x00DF; sie ihm die Einwoh=
<lb n="0160.10"/> ner, wann er es erlaubte, zeigen wollten. <hi rend="bold">Ey</hi>,
<lb n="0160.11"/> versetzte Khaled, <hi rend="bold">wie hat es dir einkommen
<lb n="0160.12"/> k&#x00F6;nnen, eine Uebergabe zu verwilligen,
<lb n="0160.13"/> ohne mich deswegen zu befragen? Bin
<lb n="0160.14"/> ich nicht General, und kan man ohne mich
<lb n="0160.15"/> das geringste schl&#x00FC;ssen? Damit ich es al=
<lb n="0160.16"/> so zeige, da&#x00DF; ich Herr bin, so will ich al=
<lb n="0160.17"/> le Einwohner &#x00FC;ber die Klinge springen
<lb n="0160.18"/> lassen</hi>?</p>
<lb n="0160.19" rend="indent"/> <p>Obeidah, welcher es wohl einsahe, da&#x00DF; der
<lb n="0160.20"/> Generahl Recht habe, und da&#x00DF; er in der That
<lb n="0160.21"/> nicht gehalten sey, einen Vergleich nachzuko<expan>mm</expan>en,
<lb n="0160.22"/> welchen man ohne seine Einwilligung geschlos=
<lb n="0160.23"/> sen habe, versuchte ihn durch die Grunds&#x00E4;tze sei=
<lb n="0160.24"/> ner Religion zu bewegen. Er stellte ihm vor,
<lb n="0160.25"/> da&#x00DF; die Uebergabe im Namen Gottes und des
<lb n="0160.26"/> Propheten sey gemacht worden; da&#x00DF; alle Mu=
<lb n="0160.27"/> selm&#x00E4;nner, welche damals bey ihm gewesen w&#x00E4;=
<lb n="0160.28"/> ren, sie gebilliget h&#x00E4;tten; und da&#x00DF; er &#x00FC;brigens
<lb n="0160.29"/> nicht geglaubt habe, in einer Sache, welche ihrem
<lb n="0160.30"/> Volke so viel Ehre mache, auf seiner Seite eine
<lb n="0160.31"/> so besondre Widersetzung anzutreffen.</p>
<pb n="0161.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-222"/>
<lb n="0161.01" rend="indent"/> <p>Eine grosse Anzahl vornehmer Muselm&#x00E4;n=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 11.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0161.02"/> ner trat hierauf des Obeidah Meinung bey,
<lb n="0161.03"/> und that dem Khaled die &#x00E4;ussersten Vorstellun=
<lb n="0161.04"/> gen, ihn zu bewegen. Unterdessen aber setzten
<lb n="0161.05"/> die Araber, welche dem Generale gefolgt waren,
<lb n="0161.06"/> doch noch immer das Morden fort, und so gar
<lb n="0161.07"/> verschiedene, die bey ihm waren, verliessen ihn,
<lb n="0161.08"/> und gingen der Pl&#x00FC;ndrung, wie die andern, nach.
<lb n="0161.09"/> Als Obeidah von dieser Unordnung Nachricht er=
<lb n="0161.10"/> hielt, so stieg er zu Pferde, verlie&#x00DF; den Khaled auf
<lb n="0161.11"/> einen Augenblick, und sprengte durch die ver=
<lb n="0161.12"/> schiedene Theile der Stadt, wo die nach Beute
<lb n="0161.13"/> und Blut begierigen Soldaten ihre Wuth aus=
<lb n="0161.14"/> &#x00FC;bten. Er befahl ihnen im Namen des Pro=
<lb n="0161.15"/> pheten, mit dem Pl&#x00FC;ndern so lange inne zu hal=
<lb n="0161.16"/> ten, bis der Streit, welchen er mit Khaled ha=
<lb n="0161.17"/> be, zur Richtigkeit gebracht sey.</p>
<lb n="0161.18" rend="indent"/> <p>Jm Namen des Mahomets lie&#x00DF; das Lermen
<lb n="0161.19"/> allm&#x00E4;hlig nach. Obeidah kehrte zu dem Kha=
<lb n="0161.20"/> led zur&#x00FC;ck, welchen er noch immer entschlossen
<lb n="0161.21"/> fand, von seiner einmal gefa&#x00DF;ten Gesinnung
<lb n="0161.22"/> nicht im geringsten abzugehen. Unterdessen
<lb n="0161.23"/> schien er doch durch einige Vorstellungen ger&#x00FC;hrt
<lb n="0161.24"/> zu seyn, die man ihm wegen der Wichtigkeit
<lb n="0161.25"/> that, von der es in der Folge seyn k&#x00F6;nne, wenn
<lb n="0161.26"/> er sich iezt zur G&#x00FC;te geneigt finden liesse. Man
<lb n="0161.27"/> stellte ihm vor, da&#x00DF; noch eine grosse Anzahl Pl&#x00E4;=
<lb n="0161.28"/> tze zu erobern w&#x00E4;ren; da&#x00DF;, wenn man die Da=
<lb n="0161.29"/> mascener nach einer, ob gleich mangelhafften,
<lb n="0161.30"/> Kapitulation, so sehr mi&#x00DF;handeln wollte, die
<lb n="0161.31"/> Mahometaner sich verha&#x00DF;t machen w&#x00FC;rden;
<pb n="0162.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-223"/>
<lb n="0162.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>und da&#x00DF; andre St&#x00E4;dte, welche die Umst&#x00E4;nde
<lb n="0162.02"/> nicht so genau w&#x00FC;&#x00DF;ten, sie als Leute ohne Treu
<lb n="0162.03"/> und Glauben ansehen, und also den Entschlu&#x00DF;
<lb n="0162.04"/> fassen w&#x00FC;rden, sich bis auf das &#x00E4;usserste zu ver=
<lb n="0162.05"/> theidigen, welches alsdann der ganzen Nation
<lb n="0162.06"/> sehr viel Blut kosten m&#x00FC;sse?</p>
<lb n="0162.07"/> <note type="marginalie" place="links">Khaled be=<lb/>st&#x00E4;tiget <hi rend="spaced">die</hi><lb/>den Dama=<lb/>scenern ver=<lb/>willigte Ue=<lb/>bergabe.</note><p rend="indent">Diese letztern Vorstellungen machten bey
<lb n="0162.08"/> dem Khaled Eindruck, da&#x00DF; er endlich den Tra=
<lb n="0162.09"/> ctat, welchen Obeidah mit den Damascenern ge=
<lb n="0162.10"/> macht hatte, genehm hielt; er wollte aber doch
<lb n="0162.11"/> vorher, da&#x00DF; man ihm ihren General Thomas,
<lb n="0162.12"/> und noch einen andern vornehmen Officier, Na=
<lb n="0162.13"/> mens Herbis, welchen er durchaus keine Gna=
<lb n="0162.14"/> de wollte wiederfahren lassen, ausliefern sollte.
<lb n="0162.15"/> Unterdessen lie&#x00DF; er doch die neuen Vorstellun=
<lb n="0162.16"/> gen, die ihm Obeidah, in Ansehung dieser zwey
<lb n="0162.17"/> Officiers, that, Statt finden. Er sagte ihm,
<lb n="0162.18"/> da&#x00DF; sie in der Kapitulation nahmentlich begriffen
<lb n="0162.19"/> w&#x00E4;ren, und da&#x00DF; er ihnen also die Gnade, die
<lb n="0162.20"/> er den &#x00FC;brigen Einwohnern wiederfahren liesse,
<lb n="0162.21"/> gleichfalls m&#x00FC;sse wiederfahren lassen.</p>
<lb n="0162.22" rend="indent"/> <p>Die Damascener wurden also s&#x00E4;mtlich in
<lb n="0162.23"/> den Tractat, vermittelst welchen die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0162.24"/> ner sie Vergleichsweise &#x00FC;bernahmen, eingeschlos=
<lb n="0162.25"/> sen, und man machte sogleich durch die ganze
<lb n="0162.26"/> Stadt bekannt, da&#x00DF; die Einwohner unter dem
<lb n="0162.27"/> Schutze der Araber in Damascus bleiben, oder
<lb n="0162.28"/> sich einen andern Ort zu ihrem Aufenthalt aus=
<lb n="0162.29"/> ersehen k&#x00F6;nnten, im Falle sie die Stadt zu verlas=
<lb n="0162.30"/> sen f&#x00FC;r gut befinden sollten.</p>
<pb n="0163.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-224"/>
<lb n="0163.01" rend="indent"/> <p>Die Christen, welche zu Damascus bleiben<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0163.02"/> wollten, erhielten vermittelst eines Tributs, wel=
<lb n="0163.03"/> chen sie dem Sieger zu bezahlen versprachen,
<lb n="0163.04"/> ihre freye Religions&#x00FC;bung. Es fand sich aber
<lb n="0163.05"/> doch eine grosse Anzahl, die den Entschlu&#x00DF; fa&#x00DF;=
<lb n="0163.06"/> ten, dem Thomas, ihrem Generale, zu folgen,
<lb n="0163.07"/> welcher sich mit den vornehmsten Einwohnern
<lb n="0163.08"/> der Stadt Damascus nach Antiochia begeben
<lb n="0163.09"/> wollte.</p>
<lb n="0163.10" rend="indent"/> <p>Thomas hielt hierzu um eine Bedeckung<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Die</hi> den<lb/>aus Dama=<lb/>scus ziehen=<lb/>den Christen<lb/>verwilligte<lb/>Bedingung&#x0113;.</note>
<lb n="0163.11"/> an, und als Khaled Schwierigkeiten machte,
<lb n="0163.12"/> ihm eine so starke, als er verlangte, zu verwilli=
<lb n="0163.13"/> gen, so bat der Damascenische General blo&#x00DF;, ihm
<lb n="0163.14"/> drey oder vier Tage hindurch, welches ohngefehr
<lb n="0163.15"/> so lange war, als sein Marsch w&#x00E4;hren konnte,
<lb n="0163.16"/> alle Sicherheit zu versprechen. Khaled willig=
<lb n="0163.17"/> te darein, er f&#x00FC;gte aber die Bedingung hinzu,
<lb n="0163.18"/> da&#x00DF; die Damascener nichts mit sich wegnehmen
<lb n="0163.19"/> sollten, als die Lebensmittel, welche sie die kur=
<lb n="0163.20"/> ze Zeit &#x00FC;ber n&#x00F6;thig haben k&#x00F6;nnten.</p>
<lb n="0163.21" rend="indent"/> <p>Obeidah war in der Kapitulation, die er ver=
<lb n="0163.22"/> williget hatte, weit g&#x00FC;tiger gewesen; denn es
<lb n="0163.23"/> befand sich ein Artikel darinne, welcher den
<lb n="0163.24"/> Damascenern ausdr&#x00FC;cklich erlaubte, ihre Hab=
<lb n="0163.25"/> seligkeiten und Gelder mit fort zu nehmen. Sie
<lb n="0163.26"/> wandten sich also abermals an diesen General,
<lb n="0163.27"/> und baten ihn, sein Ansehen bey dem Khaled
<lb n="0163.28"/> zu gebrauchen, damit man sie die wenigen Vor=
<lb n="0163.29"/> theile, die ihnen in der Kapitulation verstattet
<lb n="0163.30"/> w&#x00E4;ren, ganz geniessen liesse. Obeidah, welcher
<pb n="0164.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-225"/>
<lb n="0164.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. G. C. 633.</note>nach seiner Gem&#x00FC;thsart so gar von dem Ungl&#x00FC;=
<lb n="0164.02"/> cke seiner Feinde auf das heftigste ger&#x00FC;hrt ward,
<lb n="0164.03"/> brachte endlich den Khaled dahin, auch in die=
<lb n="0164.04"/> sem Puncte nachzugeben.</p>
<lb n="0164.05" rend="indent"/> <p>Zu gleicher Zeit aber zeigte sich eine neue
<lb n="0164.06"/> Schwierigkeit. Der General der Mahometa=
<lb n="0164.07"/> ner, welcher nur mit dem gr&#x00F6;&#x00DF;ten Widerstreben
<lb n="0164.08"/> in dasjenige willigte, was den Christen etwa
<lb n="0164.09"/> angenehm seyn konnte, verlangte wenigstens,
<lb n="0164.10"/> da&#x00DF; alle diejenigen, welche fortz&#x00F6;gen, unbewaff=
<lb n="0164.11"/> net seyn sollten. Es kostete neue Vorstellun=
<lb n="0164.12"/> gen, hierbey einige Linderung auszuwircken; und
<lb n="0164.13"/> dieses war abermals das Werk des Obeidah,
<lb n="0164.14"/> welcher dem Khaled zu &#x00FC;berlegen gab, da&#x00DF;, da
<lb n="0164.15"/> man den Damascenern alle Sicherheit ver=
<lb n="0164.16"/> sprochen habe, so sey es auch nothwendig, sie in
<lb n="0164.17"/> den Stand zu setzen, da&#x00DF; sie auf ihrer Reise,
<lb n="0164.18"/> so wohl von Seiten der das Land durchstreif=
<lb n="0164.19"/> fenden Partheyen, als von Seiten der wilden
<lb n="0164.20"/> Thiere, die sie etwa anfallen k&#x00F6;nnten, nichts
<lb n="0164.21"/> zu bef&#x00FC;rchten haben d&#x00FC;rften. Nach vielen
<lb n="0164.22"/> Schwierigkeiten erhielt man endlich Waffen f&#x00FC;r
<lb n="0164.23"/> die Christen; allein es wurde ausgemacht, da&#x00DF;
<lb n="0164.24"/> ein jeder nicht mehr als eine Art davon haben soll=
<lb n="0164.25"/> te, so da&#x00DF; derjenige z. E. welcher einen Degen ha=
<lb n="0164.26"/> be, weder Bogen, noch Lanze, und derjenige, welcher
<lb n="0164.27"/> einen Bogen habe, weder Lanze noch Degen f&#x00FC;h=
<lb n="0164.28"/> ren solle. Dieses war alles, was man von dem
<lb n="0164.29"/> General der Muselm&#x00E4;nner erlangen konnte.</p>
<lb n="0164.30"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Die</hi> Chri=<lb/>sten begeben<lb/><hi rend="spaced">sich unter</hi></note><p rend="indent">Nach diesen verschiedenen Vorbereitungen,
<lb n="0164.31"/> machte man sich endlich auf den Weg. Es
<pb n="0165.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-226"/>
<lb n="0165.01"/> war ein sehr r&#x00FC;hrender Anblick, die vornehmen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0165.02"/> Damascener, in Begleitung alles dessen, was
<lb n="0165.03"/> sie betr&#x00E4;chtliches hatten, diese angenehme Stadt,
<lb n="0165.04"/> wo sie waren erzogen worden, und diese pr&#x00E4;ch=<note type="marginalie" place="rechts">Anf&#x00FC;hrung<lb/>des Thomas<lb/>und Herbis<lb/>auf den Weg.</note>
<lb n="0165.05"/> tigen Pall&#x00E4;ste verlassen zu sehen, wo sie so lan=
<lb n="0165.06"/> ge ein so angenehmes Leben gef&#x00FC;hret hatten.
<lb n="0165.07"/> Sie hatten ihre Weiber und Kinder bey sich,
<lb n="0165.08"/> deren nat&#x00FC;rliche Schwachheit sich durch alle die
<lb n="0165.09"/> Bequemlichkeiten, die sie in dem Schoosse der
<lb n="0165.10"/> Wollust und des Ueberflusses genossen hatten,
<lb n="0165.11"/> um vieles vergr&#x00F6;ssert befand. Sie sahen sich
<lb n="0165.12"/> gen&#x00F6;thiget, eine m&#x00FC;hselige Reise anzutreten,
<lb n="0165.13"/> mitten durch abscheuliche W&#x00FC;sten, unbebaute
<lb n="0165.14"/> W&#x00E4;lder, und &#x00FC;ber rauhe Berge, wo sie viel=
<lb n="0165.15"/> leicht an dem allernothwendigsten w&#x00FC;rden Man=
<lb n="0165.16"/> gel leiden m&#x00FC;ssen.</p>
<lb n="0165.17" rend="indent"/> <p>Thomas, der Schwiegersohn des Kaysers
<lb n="0165.18"/> Heraclius, stellte sich an die Spitze dieser un=
<lb n="0165.19"/> gl&#x00FC;cklichen Fl&#x00FC;chtlinge; und Herbis, ein Offi=
<lb n="0165.20"/> cier von dem vornehmsten Range, theilte mit
<lb n="0165.21"/> ihm die Sorge und Verwirrung, die sie bey Ein=
<lb n="0165.22"/> richtung dieses Zuges fanden. Man bem&#x00FC;h=
<lb n="0165.23"/> te sich, alles so anzuordnen, da&#x00DF; die Weiber
<lb n="0165.24"/> und Kinder, und das Ger&#x00E4;the, welches uner=
<lb n="0165.25"/> me&#x00DF;lich war, wider die Anf&#x00E4;lle der R&#x00E4;uber,
<lb n="0165.26"/> die das Land durchstreiften, gesichert w&#x00E4;ren.
<lb n="0165.27"/> Man machte also verschiedene Hauffen Reute=
<lb n="0165.28"/> rey, welche diese ungl&#x00FC;ckliche Vertriebene wider
<lb n="0165.29"/> das, was ihnen etwa begegnen k&#x00F6;nnte, besch&#x00FC;=
<lb n="0165.30"/> tzen sollten.</p>
<pb n="0166.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-227"/>
<lb n="0166.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><p rend="indent">Der Unwille, welchen Khaled gegen die Da=
<lb n="0166.02"/> mascener, bey Schl&#x00FC;ssung des Tractats, den
<lb n="0166.03"/> <note type="marginalie" place="links">Khaled will<lb/>den Christen<lb/>nachsetzen.</note>Obeidah mit ihnen gemacht, bezeigt hatte,
<lb n="0166.04"/> schien noch weit heftiger zu werden, als sie fort=
<lb n="0166.05"/> gezogen waren. Er konnte es nicht ohne Aer=
<lb n="0166.06"/> gerni&#x00DF; ansehen, da&#x00DF; sie ihm so entgehen sollten.
<lb n="0166.07"/> Der Verdru&#x00DF;, den er dar&#x00FC;ber hatte, brachte
<lb n="0166.08"/> ihn auf einen Einfall, welcher seiner Grausam=
<lb n="0166.09"/> keit und Ungerechtigkeit w&#x00FC;rdig war. Er be=
<lb n="0166.10"/> stand darinne, diesen ungl&#x00FC;cklichen Christen
<lb n="0166.11"/> nachzusetzen, sie g&#x00E4;nzlich auszurotten, und sich
<lb n="0166.12"/> der Reichth&#x00FC;mer, die sie mitgenommen, zu be=
<lb n="0166.13"/> m&#x00E4;chtigen.</p>
<lb n="0166.14" rend="indent"/> <p>Unterdessen da die Beobachtung der Frie=
<lb n="0166.15"/> densschl&#x00FC;sse ein Punct ist, welcher in dem Gese=
<lb n="0166.16"/> tze des Mahomets ausdr&#x00FC;cklich gebothen ist, so
<lb n="0166.17"/> machte er sich einiges Bedenken, welches er a=
<lb n="0166.18"/> ber gar bald zu unterdr&#x00FC;cken wuste. Er hatte
<lb n="0166.19"/> den Damascenern zwar in der That alle Si=
<lb n="0166.20"/> cherheit auf ihrem Wege versprochen, es war
<lb n="0166.21"/> aber auch ausgemacht worden, da&#x00DF; diese Si=
<lb n="0166.22"/> cherheit nicht l&#x00E4;nger als drey Tage dauern solle.
<lb n="0166.23"/> Diese Zeit also lie&#x00DF; er verstreichen, und bediente
<lb n="0166.24"/> sich derselben unterdessen, die n&#x00F6;thigen Befeh=
<lb n="0166.25"/> le an viertausend auserlesene Mann zu stellen,
<lb n="0166.26"/> um sich fertig zu halten, Tag und Nacht die
<lb n="0166.27"/> Christen zu verfolgen, sobald die drey Tage um
<lb n="0166.28"/> seyn w&#x00FC;rden.</p>
<lb n="0166.29"/> <note type="marginalie" place="links">Streit zwi=<lb/>schen <hi rend="spaced">dem</hi><lb/>Khaled <hi rend="spaced">und</hi></note><p rend="indent">Jn diesem Zwischenraume erhob sich ein
<lb n="0166.30"/> Streit wegen des Getreides, welches sich zu
<pb n="0167.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-228"/>
<lb n="0167.01"/> Damascus befand. Khaled behauptete, da&#x00DF; es<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0167.02"/> den Muselm&#x00E4;nnern, verm&#x00F6;ge des Rechts der Er=
<lb n="0167.03"/> oberung geh&#x00F6;re. Auf der andern Seite aber
<lb n="0167.04"/> stellten diejenigen Damascener, welche lieber<note type="marginalie" place="rechts">Obeidah we=<lb/>gen des Ge=<lb/>treides, wel=<lb/>ches zu Da=<lb/>mascus war.</note>
<lb n="0167.05"/> zinsbar werden, als sich fortmachen wollten,
<lb n="0167.06"/> vor, da&#x00DF; dieses Getreide ihnen bleiben m&#x00FC;ste,
<lb n="0167.07"/> und da&#x00DF; auch dieses noch ein Punct der Kapi=
<lb n="0167.08"/> tulation sey? Der General der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0167.09"/> ner, welcher schon die &#x00FC;brigen mit gr&#x00F6;&#x00DF;tem Wi=
<lb n="0167.10"/> derwillen eingegangen war, stritt wider diesen
<lb n="0167.11"/> ungemein heftig; umsonst nahmen Obeidah so
<lb n="0167.12"/> wohl, als verschiedene andere arabische Officiers,
<lb n="0167.13"/> die Vertheidigung der Damascener &#x00FC;ber sich;
<lb n="0167.14"/> Khaled kam bis zur Wuth ausser sich, und man
<lb n="0167.15"/> konnte ihn nicht eher bes&#x00E4;nftigen, als bis man
<lb n="0167.16"/> ihm vorschlug, die Entscheidung dieses Streits
<lb n="0167.17"/> an den Califen gelangen zu lassen. Der Gene=
<lb n="0167.18"/> ral willigte darein, und sogleich ward ein Cu=
<lb n="0167.19"/> rier nach Medina abgeschickt, dem Abubeker
<lb n="0167.20"/> von allem, was bisher vorgegangen, Nachricht
<lb n="0167.21"/> zu geben.</p>
<lb n="0167.22" rend="indent"/> <p>Diese Streitigkeit h&#x00E4;tte bald gemacht, da&#x00DF;
<lb n="0167.23"/> Khaled seinen Entschlu&#x00DF; wegen des Nachsetzens
<lb n="0167.24"/> vergessen h&#x00E4;tte. Die Damascener waren schon
<lb n="0167.25"/> vier Tage unterwegens, und es war zu vermu=
<lb n="0167.26"/> then, da&#x00DF; sie in dieser Zeit einen Zufluchtsort
<lb n="0167.27"/> w&#x00FC;rden gefunden haben.</p>
<lb n="0167.28" rend="indent"/> <p>Weil aber Khaled die Beschwerlichkeit des
<lb n="0167.29"/> Weges, die Menge der Alten, der Weiber und
<lb n="0167.30"/> Kinder, welche unter diesen Fl&#x00FC;chtigen waren,
<pb n="0168.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-229"/>
<lb n="0168.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>und das &#x00FC;ble Wetter, das sie seit ihrer Abreise
<lb n="0168.02"/> gehabt hatten, &#x00FC;berlegte, so bildete er sich ein,
<lb n="0168.03"/> da&#x00DF; sie vielleicht w&#x00FC;rden seyn aufgehalten wor=
<lb n="0168.04"/> den, und er sie wohl noch einhohlen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0168.05"/> <note type="marginalie" place="links">Begeben=<lb/>heit <hi rend="spaced">eines</hi><lb/>Christen, Na=<lb/>mens Jonas.</note><p rend="indent">Gleichwohl war er noch zweifelhaft, was
<lb n="0168.06"/> er thun solle; doch das heftige Anliegen eines
<lb n="0168.07"/> christlichen Renegaten bewegte ihn endlich, sei=
<lb n="0168.08"/> nen Vorsatz auszuf&#x00FC;hren. Dieser Renegate
<lb n="0168.09"/> hie&#x00DF; Jonas. Es war ein junger Mensch von
<lb n="0168.10"/> Stande, welcher eine junge Damascenerin aus
<lb n="0168.11"/> einer vornehmen Familie geheyrathet hatte.
<lb n="0168.12"/> Als die Heyrath geschlossen war, hatten die Ael=
<lb n="0168.13"/> tern des jungen Frauenzimmers pl&#x00F6;tzlich ihre
<lb n="0168.14"/> Gesinnungen ge&#x00E4;ndert, und als Jonas seine
<lb n="0168.15"/> Frau verlangt hatte, sie in sein Haus zu f&#x00FC;h=
<lb n="0168.16"/> ren, so hatte man sie ihm abgeschlagen, und hat=
<lb n="0168.17"/> te ihm sogar verbothen, zu ihr zu kommen.
<lb n="0168.18"/> Weil die Araber damals vor Damascus gekom=
<lb n="0168.19"/> men waren, so muste man an etwas anders,
<lb n="0168.20"/> als an die Ausf&#x00FC;hrung dieser Angelegenheit,
<lb n="0168.21"/> denken. Jonas, welcher seinen Gegenstand
<lb n="0168.22"/> nicht aus den Augen lie&#x00DF;, machte sich den Ler=
<lb n="0168.23"/> men, welchen die Belagerung verursachte, zu
<lb n="0168.24"/> Nutze, sich eine Unterredung mit seiner jungen
<lb n="0168.25"/> Frau zu verschaffen; sie wurden mit einander
<lb n="0168.26"/> einig, aus Damascus zu fliehen. Sie machten
<lb n="0168.27"/> sich auch in der That beyde gefa&#x00DF;t, bey Nacht=
<lb n="0168.28"/> zeit fortzugehen, und vermittelst etwas Geldes,
<lb n="0168.29"/> welches sie unter die Wachen vertheilten, ge=
<lb n="0168.30"/> lang es ihnen, aus Damascus zu entkommen.</p>
<pb n="0169.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-230"/>
<lb n="0169.01" rend="indent"/> <p>Jonas, welcher voran ging, ward gar bald<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0169.02"/> von den Arabern angehalten, die das Umreiten
<lb n="0169.03"/> hatten. Die junge Frau, welche alles h&#x00F6;rte,
<lb n="0169.04"/> was vorging, hatte Zeit ihren Weg wieder zu=
<lb n="0169.05"/> r&#x00FC;ck zu nehmen, und nach Damascus zu kom=
<lb n="0169.06"/> men, wo man sie wieder einlie&#x00DF;. Jonas wur=
<lb n="0169.07"/> de von dem Officier, welcher ihn angehalten
<lb n="0169.08"/> hatte, befragt, und erzehlte seine ganze Ge=
<lb n="0169.09"/> schichte. Man schmeichelte ihn mit der Hoff=
<lb n="0169.10"/> nung, da&#x00DF; er seine Frau bald wieder solle zu
<lb n="0169.11"/> sehen bekommen, weil die Stadt in kurzen wer=
<lb n="0169.12"/> de eingenommen werden; man f&#x00FC;gte aber als
<lb n="0169.13"/> eine Bedingung hinzu, da&#x00DF; er den Augenblick
<lb n="0169.14"/> ein Mahometaner werden m&#x00FC;sse, oder da&#x00DF; man
<lb n="0169.15"/> ihn widrigen Falls umbringen wolle.</p>
<lb n="0169.16" rend="indent"/> <p>Diese schreckliche Drohung machte bey die=
<lb n="0169.17"/> sem ungl&#x00FC;cklichen Christen einen solchen Ein=
<lb n="0169.18"/> druck, da&#x00DF; er den Augenblick die mahometa=
<lb n="0169.19"/> nische Religion anzunehmen bewilligte. Da
<lb n="0169.20"/> dieser erste Schritt gethan war, so kostete ihm
<lb n="0169.21"/> das &#x00FC;brige alles wenig, oder nichts. Jndem
<lb n="0169.22"/> er seine Religion verga&#x00DF;, verga&#x00DF; er auch sein
<lb n="0169.23"/> Vaterland; er nahm Dienste bey den Maho=
<lb n="0169.24"/> metanern, und gab sich bey der Eroberung von
<lb n="0169.25"/> Damascus viel M&#x00FC;he, in Hoffnung den Ge=
<lb n="0169.26"/> genstand, welcher ihn bezauberte, daselbst wie=
<lb n="0169.27"/> der anzutreffen.</p>
<lb n="0169.28" rend="indent"/> <p>Seine erste Sorge war auch in der That,
<lb n="0169.29"/> so bald die Araber die Stadt &#x00FC;berkommen hat=
<lb n="0169.30"/> ten, sich nach seiner jungen Frau zu erkundi=
<pb n="0170.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-231"/>
<lb n="0170.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>gen. Als er vernahm, da&#x00DF; sie in ein Klo=
<lb n="0170.02"/> ster gefl&#x00FC;chtet sey, so ging er hin, sie zu suchen.
<lb n="0170.03"/> Seine Freude, sie wieder zu sehen, war unbe=
<lb n="0170.04"/> schreiblich. Er erzehlte ihr endlich, was er f&#x00FC;r
<lb n="0170.05"/> Gefahr ihrentwegen ausgestanden, und zu was
<lb n="0170.06"/> er sich habe entschliessen m&#x00FC;ssen, dem Ungl&#x00FC;cke
<lb n="0170.07"/> vorzukommen, auf ewig von ihr getrennt zu
<lb n="0170.08"/> werden.</p>
<lb n="0170.09" rend="indent"/> <p>Die Geschichte seines Abfalls verursachte
<lb n="0170.10"/> in dem Gem&#x00FC;the dieses jungen Frauenzim=
<lb n="0170.11"/> mers eine sehr pl&#x00F6;tzliche Ver&#x00E4;nderung. Die
<lb n="0170.12"/> Liebe f&#x00FC;r die Religion erhielt die Oberhand &#x00FC;ber
<lb n="0170.13"/> die Neigung, welche sie zu den Jonas gehabt
<lb n="0170.14"/> hatte; sie begegnete ihm mit der &#x00E4;ussersten Ver=
<lb n="0170.15"/> achtung, sie entfernte sich, und versicherte ihn,
<lb n="0170.16"/> da&#x00DF; sie nimmermehr mit einem Menschen, wel=
<lb n="0170.17"/> cher die Schwachheit gehabt habe, das Chri=
<lb n="0170.18"/> stenthum abzuschw&#x00F6;ren, etwas wolle zu thun
<lb n="0170.19"/> haben; und als die Damascener endlich die Er=
<lb n="0170.20"/> laubni&#x00DF; erhalten hatten, die Stadt zu verlas=
<lb n="0170.21"/> sen, so begab sie sich mit der Tochter des Hera=
<lb n="0170.22"/> clius und andern Frauenzimmer weg, um sich
<lb n="0170.23"/> nach Antiochia zu wenden.</p>
<lb n="0170.24" rend="indent"/> <p>Jonas, welcher mit den meisten mahome=
<lb n="0170.25"/> tanischen Hauptleuten, und besonders mit dem
<lb n="0170.26"/> Khaled, Freundschaft gemacht hatte, hielt bey
<lb n="0170.27"/> diesem Generale inst&#x00E4;ndigst an, da&#x00DF; er sein An=
<lb n="0170.28"/> sehen brauchen und seine Frau zur&#x00FC;ck halten
<lb n="0170.29"/> m&#x00F6;ge. Khaled aber, welcher schon wegen der
<lb n="0170.30"/> Kapitulation &#x00FC;berhaupt Streit gehabt hatte,
<pb n="0171.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-232"/>
<lb n="0171.01"/> wollte sich, einer einzeln Person wegen, kei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0171.02"/> nen neuen machen, so da&#x00DF; er ihm also seine
<lb n="0171.03"/> Bitte g&#x00E4;nzlich abschlug.</p>
<lb n="0171.04" rend="indent"/> <p>Weil sein Anliegen nichts gefruchtet, so<note type="marginalie" place="rechts">Jonas be=<lb/>wegt <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Khaled, die<lb/>Christen zu<lb/>verfolgen.</note>
<lb n="0171.05"/> machte er sich den Anschlag zu Nutze, wel=
<lb n="0171.06"/> chen Khaled, die Damascener zu verfolgen ge=
<lb n="0171.07"/> macht hatte, und erbot sich sogar bey diesem
<lb n="0171.08"/> unseligen Unternehmen zum Wegweiser zu die=
<lb n="0171.09"/> nen. Weil der mahometanische General, wie
<lb n="0171.10"/> ich gesagt habe, bald darauf alles dieses ver=
<lb n="0171.11"/> gessen zu haben schien; so lag Jonas, welcher
<lb n="0171.12"/> bis zur Verzweiflung getrieben ward, da&#x00DF; ihm
<lb n="0171.13"/> das einzige Mittel, seine Frau wieder zu se=
<lb n="0171.14"/> hen, entgehen sollte, dem Khaled so inst&#x00E4;ndigst
<lb n="0171.15"/> an, da&#x00DF; er ihn endlich bewegte, seinen fast
<lb n="0171.16"/> vergessenen Anschlag wieder vorzunehmen. Auf
<lb n="0171.17"/> diese Art machte also dieser unw&#x00FC;rdige Abtr&#x00FC;n=
<lb n="0171.18"/> nige, in dem Vorsatze seiner Neigung Gen&#x00FC;ge
<lb n="0171.19"/> zu thun, keine Schwierigkeit, sich zum Werk=
<lb n="0171.20"/> zeuge brauchen zu lassen, um eine unz&#x00E4;hlige
<lb n="0171.21"/> Menge seiner Landsleute, welche durch die
<lb n="0171.22"/> M&#x00FC;hseligkeiten einer langen Belagerung, und
<lb n="0171.23"/> noch mehr durch die Beschwerlichkeiten der Rei=
<lb n="0171.24"/> se, entkr&#x00E4;ftet waren, der Grausamkeit der Ara=
<lb n="0171.25"/> ber zu &#x00FC;berliefern.</p>
<lb n="0171.26" rend="indent"/> <p>Khaled nahm also, auf Anhalten dieses Re=
<lb n="0171.27"/> negaten, seinen Anschlag wieder vor. Er brach
<lb n="0171.28"/> mit vier tausend Mann auf, die er ausgelesen
<lb n="0171.29"/> und auf griechische Weise, nach dem Rathe des
<lb n="0171.30"/> Jonas, gekleidet hatte, um die Damascener
<pb n="0172.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-233"/>
<lb n="0172.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>desto leichter zu betriegen, welche vielleicht ein
<lb n="0172.02"/> Mittel h&#x00E4;tten finden k&#x00F6;nnen, sich in Sicherheit
<lb n="0172.03"/> zu setzen, wann sie geh&#x00F6;rt h&#x00E4;tten, da&#x00DF; eine so
<lb n="0172.04"/> betr&#x00E4;chtliche Menge Araber ihnen nachsetze.</p>
<lb n="0172.05" rend="indent"/> <p>Der General der Muselm&#x00E4;nner that seinen
<lb n="0172.06"/> Marsch so eilig, da&#x00DF; er gar bald im Stande
<lb n="0172.07"/> war, die Damascener zu erreichen. Es schien
<lb n="0172.08"/> &#x00FC;brigens alles ihr Ungl&#x00FC;ck zu wollen. Wann
<lb n="0172.09"/> es nur darauf angekommen w&#x00E4;re, sich nach An=
<lb n="0172.10"/> tiochia, wie man es anfangs vorhatte, zu bege=
<lb n="0172.11"/> ben, so h&#x00E4;tten sie leicht vor Ankunft der Araber
<lb n="0172.12"/> diesen Ort erreichen k&#x00F6;nnen; weil aber der K&#x00E4;y=
<lb n="0172.13"/> ser von ihrem Vorhaben Nachricht erhielt, so
<lb n="0172.14"/> schickte er ihnen schleinig einen Bothen entge=
<lb n="0172.15"/> gen, welcher ihnen in seinem Namen befehlen
<lb n="0172.16"/> mu&#x00DF;te, sich nach Constantinopel zu wenden.
<lb n="0172.17"/> Heraclius bef&#x00FC;rchtete mit Grund, da&#x00DF; die An=
<lb n="0172.18"/> kunft der Damascener in Antiochia, diese Stadt
<lb n="0172.19"/> in die gr&#x00F6;&#x00DF;te Best&#x00FC;rzung setzen w&#x00FC;rde, und da&#x00DF;
<lb n="0172.20"/> die Erzehlung von den Thaten der Araber die
<lb n="0172.21"/> Einwohner vielleicht so furchtsam machen k&#x00F6;n=
<lb n="0172.22"/> ne, da&#x00DF; sie den Ort g&#x00E4;nzlich verliessen.</p>
<lb n="0172.23" rend="indent"/> <p>Diese Ver&#x00E4;nderung verursachte den Ver=
<lb n="0172.24"/> lust der Damascener, welche sonst ganz leicht
<lb n="0172.25"/> sicher nach Antiochia h&#x00E4;tten kommen k&#x00F6;nnen.
<lb n="0172.26"/> Allein die Nothwendigkeit, welche ihnen der
<lb n="0172.27"/> K&#x00E4;yser auflegte, einen so weiten Zufluchtsort
<lb n="0172.28"/> zu suchen, brachte sie den Arabern in die H&#x00E4;n=
<lb n="0172.29"/> de. Dieses aber geschah doch erst nach einem
<lb n="0172.30"/> Marsche von etlichen Tagen; der Umweg, wel=
<pb n="0173.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-234"/>
<lb n="0173.01"/> chen sie genommen hatten, um auf den Weg<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0173.02"/> nach Constantinopel zu kommen, machte, da&#x00DF;
<lb n="0173.03"/> das Nachsetzen der Araber ein wenig nachlie&#x00DF;;
<lb n="0173.04"/> weil aber eine so grosse Menge nirgends durch=
<lb n="0173.05"/> ziehen konnte, ohne Spuren von sich zu hin=
<lb n="0173.06"/> terlassen, so kostete es den Arabern wenig M&#x00FC;=
<lb n="0173.07"/> he sie anzutreffen. Sie entdeckten sie in einer
<lb n="0173.08"/> Ebene, wo sie sich ein wenig auszuruhen, nie=
<lb n="0173.09"/> dergelassen hatten.</p>
<lb n="0173.10" rend="indent"/> <p>Dieser f&#x00FC;r die Damascener so ungl&#x00FC;ckliche
<lb n="0173.11"/> Tag, war &#x00FC;brigens der hellste und sch&#x00F6;nste, den
<lb n="0173.12"/> sie auf ihrer Reise gehabt hatten. Es war be=
<lb n="0173.13"/> st&#x00E4;ndig sehr st&#x00FC;rmisches Wetter gewesen, und
<lb n="0173.14"/> noch den Tag vor der schrecklichen Einholung
<lb n="0173.15"/> der Araber, hatte es unaufh&#x00F6;rlich, bis die
<lb n="0173.16"/> Nacht hindurch, geregnet.</p>
<lb n="0173.17" rend="indent"/> <p>Als den Morgen darauf die Sonne aufge=
<lb n="0173.18"/> gangen war, hattte das Wetter den sch&#x00F6;nsten
<lb n="0173.19"/> Tag zu versprechen geschienen. Sie hielten da=
<lb n="0173.20"/> her auf einer anmuthigen Wiese stille, um nur
<lb n="0173.21"/> ein wenig auszuruhen, und auf dem Grase ei=
<lb n="0173.22"/> nen Theil ihres Ger&#x00E4;ths und ihrer Kleider aus=
<lb n="0173.23"/> zubreiten und zu trocknen.</p>
<lb n="0173.24" rend="indent"/> <p>Als sie Khaled in dieser Stellung von wei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled<lb/>hohlt die</hi><lb/>Christen ein,<lb/>f&#x00E4;llt sie an,<lb/>und hauet sie<lb/>in St&#x00FC;cken.</note>
<lb n="0173.25"/> ten sahe, merkte er wohl, da&#x00DF; es ihm nicht viel
<lb n="0173.26"/> M&#x00FC;he kosten w&#x00FC;rde, sich dieser ganzen Menge
<lb n="0173.27"/> zu bem&#x00E4;chtigen, welche durch die Beschwerlich=
<lb n="0173.28"/> keiten des Weges entkr&#x00E4;ftet, und nicht einmal
<lb n="0173.29"/> mit den n&#x00F6;thigen Waffen versehen war, einen
<lb n="0173.30"/> nur ein wenig hitzigen Anfall auszuhalten. Er
<pb n="0174.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-235"/>
<lb n="0174.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>theilte seine Leute sogleich in vier Hauffen. Ei=
<lb n="0174.02"/> nen wollte er selbst anf&#x00FC;hren, und die &#x00FC;brigen
<lb n="0174.03"/> gab er dreyen von seinen vornehmsten Haupt=
<lb n="0174.04"/> leuten, dem Derar, Rafi und Abdarrahman.</p>
<lb n="0174.05" rend="indent"/> <p>Da der Anfall, nach der Einrichtung des
<lb n="0174.06"/> Generals, nur nach und nach von diesen ver=
<lb n="0174.07"/> schiedenen Hauffen geschehen sollte, so behielt
<lb n="0174.08"/> es sich Khaled vor, zuerst anzur&#x00FC;cken. Er fiel
<lb n="0174.09"/> die Christen sehr hitzig an, allein er fand mehr
<lb n="0174.10"/> Widerstand, als er geglaubt hatte. Thomas
<lb n="0174.11"/> hatte ihn von weiten kommen sehen, und hatte
<lb n="0174.12"/> sich gefa&#x00DF;t gemacht ihn zu empfangen, obschon
<lb n="0174.13"/> nicht als einen Feind, weil dieser General und
<lb n="0174.14"/> seine Araber, wie ich schon gesagt habe, grie=
<lb n="0174.15"/> chisch gekleidet waren, und er also eben nichts
<lb n="0174.16"/> gef&#x00E4;hrliches vermuthen konnte; unterdessen hat=
<lb n="0174.17"/> te er doch seine Maa&#x00DF;regeln auf allen Fall ge=
<lb n="0174.18"/> nommen, und alle zu sich geruffen, die im
<lb n="0174.19"/> Stande waren, sich einigermaassen zu verthei=
<lb n="0174.20"/> digen.</p>
<lb n="0174.21"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Thomas</hi><lb/>bleibt.</note><p rend="indent">Er blieb nicht lange in der Ungewi&#x00DF;heit,
<lb n="0174.22"/> mit wem er zu thun habe; er erkannte den
<lb n="0174.23"/> Khaled, und hielt seinen Anfall mit vieler Tap=
<lb n="0174.24"/> ferkeit aus; da aber die Anf&#x00FC;hrer der andern
<lb n="0174.25"/> Hauffen dazu kamen, so war es ihm nicht m&#x00F6;g=
<lb n="0174.26"/> lich, l&#x00E4;nger zu widerstehen. Die Araber, wel=
<lb n="0174.27"/> che vortheilhafter bewaffnet waren, machten
<lb n="0174.28"/> die ungl&#x00FC;cklichen Christen auf das grausamste
<lb n="0174.29"/> nieder. Thomas selbst war unter denen, wel=
<lb n="0174.30"/> che zuerst umkamen. Nachdem er durch einen
<pb n="0175.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-236"/>
<lb n="0175.01"/> gewaltsamen Hieb war zu Boden gest&#x00FC;rzt wor=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0175.02"/> den, hieb ihm Abdarrahman den Kopf ab, steck=
<lb n="0175.03"/> te ihn auf die Spitze der Creutzfahne, die er
<lb n="0175.04"/> von den Damascenern erobert hatte, und schrie:
<lb n="0175.05"/> <hi rend="bold">Wehe euch, ihr Christenhunde; sehet da,
<lb n="0175.06"/> das Haupt eures Anf&#x00FC;hrers</hi>:</p>
<lb n="0175.07" rend="indent"/> <p>Dieser schreckliche Anblick beschleinigte die<note type="marginalie" place="rechts">Herbis hat<lb/><hi rend="spaced">gleiches</hi><lb/>Schicksal.</note>
<lb n="0175.08"/> Flucht der ungl&#x00FC;cklichen Damascener. Bald
<lb n="0175.09"/> darauf kam auch Herbis, einer von ihren vor=
<lb n="0175.10"/> nehmsten Generalen durch das Schwerdt der
<lb n="0175.11"/> Muselm&#x00E4;nner um. Nun war auf Seiten der
<lb n="0175.12"/> Christen kein Widerstand mehr, sie liessen sich
<lb n="0175.13"/> todt machen, ohne sich im geringsten zu ver=
<lb n="0175.14"/> theidigen.</p>
<lb n="0175.15" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend des Treffens stritt Jonas zwar<note type="marginalie" place="rechts">Des Jonas<lb/>Frau t&#x00F6;dtet<lb/>sich selbst.</note>
<lb n="0175.16"/> auch, allein auf eine ganz andere Art. Er
<lb n="0175.17"/> freuete sich, da&#x00DF; die Damascener gnugsam mit
<lb n="0175.18"/> den Arabern zu thun hatten, und war bis an
<lb n="0175.19"/> den Ort eingedrungen, wo sich die Weiber be=
<lb n="0175.20"/> fanden, um sich seiner Frau zu bem&#x00E4;chtigen.
<lb n="0175.21"/> Er fand sie auch endlich, und wollte sie er=
<lb n="0175.22"/> greiffen; allein diese gro&#x00DF;m&#x00FC;thige Christin ver=
<lb n="0175.23"/> theidigte sich mit einer erstaunlichen Herzhaftig=
<lb n="0175.24"/> keit. Unterdessen gelang es ihm doch, sie ge=
<lb n="0175.25"/> fangen zu nehmen; indem er aber glaubte, sie
<lb n="0175.26"/> in seiner v&#x00F6;lligen Gewalt zu haben, zog sie, ohne
<lb n="0175.27"/> da&#x00DF; er es merkte, ein Messer heraus, womit sie
<lb n="0175.28"/> sich die Brust durchstie&#x00DF;, und todt zu seinen
<lb n="0175.29"/> F&#x00FC;ssen fiel.</p>
<lb n="0175.30" rend="indent"/> <p>Es ist nicht zu beschreiben, wie gro&#x00DF; der
<pb n="0176.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-237"/>
<lb n="0176.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>Schmerz des Jonas bey einem so grausamen
<lb n="0176.02"/> Zufalle war. Er wollte sich in seiner Ver=
<lb n="0176.03"/> zweiflung selbst umbringen; allein er ward von
<lb n="0176.04"/> einigen Offcieren daran verhindert, welche
<lb n="0176.05"/> eben zu rechter Zeit dazu kamen. Die
<lb n="0176.06"/> Heftigkeit seines Schmerzes wich endlich
<lb n="0176.07"/> den Vorstellungen, die ihm die Generale der
<lb n="0176.08"/> Muselm&#x00E4;nner machten. Sie brauchten die
<lb n="0176.09"/> Lehre des Propheten dazu, vor welche dieser
<lb n="0176.10"/> Abtr&#x00FC;nnige allezeit sehr viel Achtung bezeiget
<lb n="0176.11"/> hatte, und stellten ihm vor, da&#x00DF; dieser sich ietzt
<lb n="0176.12"/> ereignete Zufall von Ewigkeit her in der Ord=
<lb n="0176.13"/> nung der Dinge fest bestimmt sey, da&#x00DF; es das
<lb n="0176.14"/> ewige Schicksal nicht vor gut befunden, ihn mit
<lb n="0176.15"/> dieser Frau jemals leben zu lassen, und da&#x00DF; es
<lb n="0176.16"/> ihn vielleicht zu einer bessern Verbindung auf=
<lb n="0176.17"/> behalte.</p>
<lb n="0176.18"/> <note type="marginalie" place="links">Die Toch=<lb/>ter des He=<lb/>raclius wird<lb/>dem Thomas<lb/>gegeben.</note><p rend="indent">Beynahe h&#x00E4;tte auch nicht viel gefehlt, so
<lb n="0176.19"/> w&#x00E4;re die Wittwe des Thomas, die Tochter des
<lb n="0176.20"/> K&#x00E4;ysers Heraclius, diesem Renegaten &#x00FC;berlas=
<lb n="0176.21"/> sen worden, um ihn wegen des Verlusts seiner
<lb n="0176.22"/> Frau zu tr&#x00F6;sten. Rafi, einer von den maho=
<lb n="0176.23"/> metanischen Generalen, in dessen Gewalt diese
<lb n="0176.24"/> Prinze&#x00DF;in geko<expan>mm</expan>en war, machte diesem Nichts=
<lb n="0176.25"/> w&#x00FC;rdigen ein Geschenke damit, und dieser hat=
<lb n="0176.26"/> te auch die Unversch&#x00E4;mtheit sie anzunehmen,
<lb n="0176.27"/> ohne viel zu &#x00FC;berlegen, da&#x00DF; der Vater dieser
<lb n="0176.28"/> Prinze&#x00DF;in sein gebietender Herr gewesen sey.
<lb n="0176.29"/> Khaled selbst bewilligte eine so schimpfliche Ue=
<lb n="0176.30"/> berlassung,{??} er f&#x00FC;gte aber doch die Bedingung
<pb n="0177.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-238"/>
<lb n="0177.01"/> hinzu, da&#x00DF; sie Jonas nicht anders, als in dem<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0177.02"/> Falle, wenn sie der K&#x00E4;yser nicht frey kauffen
<lb n="0177.03"/> wollte, in Besitz nehmen sollte.</p>
<lb n="0177.04" rend="indent"/> <p>Hierauf verweilte dieser General nicht l&#x00E4;n=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled<lb/>kehrt</hi> nach<lb/><hi rend="spaced">Damascus</hi><lb/>zur&#x00FC;ck.</note>
<lb n="0177.05"/> ger, sich wieder auf den R&#x00FC;ckweg nach Dama=
<lb n="0177.06"/> scus zu begeben: er war wegen der Folgen,
<lb n="0177.07"/> die dieses letzte Unternehmen haben k&#x00F6;nnte, und
<lb n="0177.08"/> zwar mit Recht, unruhig. Er konnte sich
<lb n="0177.09"/> leicht einbilden, da&#x00DF; es nicht so heimlich
<lb n="0177.10"/> habe k&#x00F6;nnen gehalten werden, da&#x00DF; der
<lb n="0177.11"/> Ruf davon nicht bis an den k&#x00E4;yserlichen
<lb n="0177.12"/> Hof sollte gekommen seyn. Es war zu
<lb n="0177.13"/> bef&#x00FC;rchten, dieser Monarch m&#x00F6;chte von den
<lb n="0177.14"/> wenigen Trupen Nachricht bekommen ha=
<lb n="0177.15"/> ben, mit welchen er den Damascenern nachge=
<lb n="0177.16"/> setzt, und folglich schleinige Maa&#x00DF;regeln neh=
<lb n="0177.17"/> men, ihm den Weg nach Damascus abzu=
<lb n="0177.18"/> schneiden, und sich wegen der Grausamkeit, die
<lb n="0177.19"/> er an den elenden Einwohnern dieser Stadt
<lb n="0177.20"/> ausge&#x00FC;bt, zu r&#x00E4;chen.</p>
<lb n="0177.21" rend="indent"/> <p>Khaled zog sich also, mit den wenigen Ge=
<lb n="0177.22"/> fangenen, welche dem Niedermetzeln entgangen
<lb n="0177.23"/> waren, schleinig zur&#x00FC;ck, und lie&#x00DF; alles Ger&#x00E4;the,
<lb n="0177.24"/> welches er bey diesem Unternehmen erbeutet
<lb n="0177.25"/> hatte, nach Damascus bringen. Mitten auf
<lb n="0177.26"/> dem Marsche brachte man ihm die Nachricht,
<lb n="0177.27"/> da&#x00DF; man eine grosse Wolke von Staub aufstei=
<lb n="0177.28"/> gen sehe, welche die Ann&#x00E4;herung einer grossen
<lb n="0177.29"/> Mannschafft zu verk&#x00FC;ndigen schiene. Der Mu=
<lb n="0177.30"/> selmann war anfangs ein wenig besorgt, was
<pb n="0178.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-239"/>
<lb n="0178.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>es wohl seyn k&#x00F6;nne, doch seine Furcht verlohr
<lb n="0178.02"/> sich, als ihm die Reuter, die er darnach aus=
<lb n="0178.03"/> geschickt hatte, die wahre Beschaffenheit zu
<lb n="0178.04"/> melden kamen.</p>
<lb n="0178.05"/> <note type="marginalie" place="links">Der K&#x00E4;y=<lb/>ser bittet um<lb/>die Freyheit<lb/>seiner Toch=<lb/>ter, und er=<lb/>h&#x00E4;lt sie.</note><p rend="indent">Man sagte ihm, es sey ein Bischof, wel=
<lb n="0178.06"/> chen eine grosse Menge Christen begleiteten; er
<lb n="0178.07"/> komme bey ihn, um Geh&#x00F6;r zu bitten. Als
<lb n="0178.08"/> Khaled hierauf sogleich Halte machte, so kam
<lb n="0178.09"/> der Bischof heran, und bat ihn im Namen des
<lb n="0178.10"/> K&#x00E4;ysers, ihme die Wittwe des Thomas, die
<lb n="0178.11"/> Tochter dieses Monarchen, auszuliefern. Der
<lb n="0178.12"/> General machte keine Schwierigkeit die Prin=
<lb n="0178.13"/> ze&#x00DF;in frey zu geben, er wandte sich aber auch
<lb n="0178.14"/> zugleich mit folgenden Worten an den Bischof:
<lb n="0178.15"/> <hi rend="bold">Sage deinem Herrn, da&#x00DF; zwischen mir
<lb n="0178.16"/> und ihm niemals Friede werden wird;
<lb n="0178.17"/> und da&#x00DF;, wenn ich ihm heute seine Toch=
<lb n="0178.18"/> ter wieder gegeben, es nur in der Hoff=
<lb n="0178.19"/> nung geschehen sey, ihn selbst bald ge=
<lb n="0178.20"/> fangen zu bekommen</hi>.</p>
<lb n="0178.21" rend="indent"/> <p>Nachdem sich der Bischof mit dieser Ant=
<lb n="0178.22"/> wort zur&#x00FC;ck begeben, setzte Khaled seinen Weg
<lb n="0178.23"/> nach Damascus fort, allwo seine Ankunft die
<lb n="0178.24"/> Trupen, die er daselbst gelassen hatte, in gros=
<lb n="0178.25"/> se Freude setzte: denn man fing allm&#x00E4;lig an,
<lb n="0178.26"/> seines Schicksals wegen besorgt zu seyn, und
<lb n="0178.27"/> die meisten bef&#x00FC;rchteten, die verwegene Tapfer=
<lb n="0178.28"/> keit dieses Generals werde den Verlust seiner
<lb n="0178.29"/> ganzen Mannschaft verursacht haben.</p>
<lb n="0178.30"/> <note type="marginalie" place="links">Man theilt<lb/>die Beute.</note><p rend="indent">Gleich nach seiner Ankunft lie&#x00DF; er alles
<pb n="0179.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-240"/>
<lb n="0179.01"/> theilen, was man den Damascenern abgenom=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0179.02"/> men hatte. Man theilte alles in f&#x00FC;nf Theile,
<lb n="0179.03"/> wovon vier unter die Anf&#x00FC;hrer und Soldaten
<lb n="0179.04"/> vertheilt, der f&#x00FC;nfte aber aufbehalten wurde,
<lb n="0179.05"/> um in den &#x00F6;ffentlichen Schatz gethan zu wer=
<lb n="0179.06"/> den. Khaled schickte ihn mit einem Briefe an
<lb n="0179.07"/> den Califen, worinne er ihm alles umst&#x00E4;nd=
<lb n="0179.08"/> lich meldete, was bey der Eroberung von Da=
<lb n="0179.09"/> mascus vorgefallen war. Er bestand besonders
<lb n="0179.10"/> auf die Entscheidung der Streitigkeiten, die er
<lb n="0179.11"/> mit dem Obeidah gehabt, und beschlo&#x00DF; endlich
<lb n="0179.12"/> seinen Brief mit der Erzehlung, wie er den
<lb n="0179.13"/> wegziehenden Damascenern nachgesetzt habe.</p>
<lb n="0179.14" rend="indent"/> <p>Abubeker erhielt diesen Brief nicht; eben<note type="marginalie" place="rechts">Tod des<lb/>Califen Abu=<lb/>beker.</note>
<lb n="0179.15"/> so wenig als er den vorhergehenden erhalten
<lb n="0179.16"/> hatte, in welchem man ihn um Beilegung des
<lb n="0179.17"/> Streits, der sich zu Damascus wegen des Ge=
<lb n="0179.18"/> treides erhoben hatte, bat. Er hatte nicht ein=
<lb n="0179.19"/> mal die Nachricht von Eroberung dieser Stadt be=
<lb n="0179.20"/> kommen k&#x00F6;nnen; denn er war eben an dem Ta=
<lb n="0179.21"/> ge gestorben, als sich Khaled derselben bem&#x00E4;chti=
<lb n="0179.22"/> get hatte. Die arabischen Schriftsteller sind we=
<lb n="0179.23"/> gen der Umst&#x00E4;nde seines Todes nicht einig. Ei=
<lb n="0179.24"/> nige versichern, er sey von den Juden vergiftet
<lb n="0179.25"/> worden. Andre behaupten, er habe sich an ei=
<lb n="0179.26"/> nem sehr kalten Tage gebadet, worauf er von ei=
<lb n="0179.27"/> nem hitzigen Fieber &#x00FC;berfallen worden, welches
<lb n="0179.28"/> ihn in vierzehn Tagen ins Grab gebracht: auf
<lb n="0179.29"/> diese Art erzehlt es Aiesha, seine Tochter, in den
<lb n="0179.30"/> Uberlieferungen, die unter ihrem Namen herum
<lb n="0179.31"/> gehen.</p>
<pb n="0180.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-241"/>
<lb n="0180.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><p rend="indent">Als Abubeker krank ward, so trug er dem
<lb n="0180.02"/> Omar auf, an seiner Statt das &#x00F6;ffentliche Ge=
<lb n="0180.03"/> bet zu verrichten; und als seine Krankheit ge=
<lb n="0180.04"/> <note type="marginalie" place="links">Abubeker<lb/>ernennt den<lb/><hi rend="spaced">Omar</hi> zum<lb/>Nachfolger.</note>f&#x00E4;hrlicher ward, so lie&#x00DF; er seinen geheimen
<lb n="0180.05"/> Schreiber ruffen, welchem er folgendes, als
<lb n="0180.06"/> eine Art eines Testaments, vorsagte.</p>
<lb n="0180.07" rend="indent"/> <p><hi rend="bold_large">Jm Namen Gottes des Er=
<lb n="0180.08"/> barmers. Abubeker=ebn=Ali=Co=
<lb n="0180.09"/> hofa</hi> <hi rend="bold">machte sein Testament, da er be=
<lb n="0180.10"/> reit war aus der Welt zu gehen, in dem
<lb n="0180.11"/> Augenblicke, da die Ungl&#x00E4;ubigen glau=
<lb n="0180.12"/> ben, da die Gottlosen keine Zweifel mehr
<lb n="0180.13"/> haben, und die L&#x00FC;gner die Wahrheit
<lb n="0180.14"/> reden. Jch ernenne den</hi> <hi rend="bold_large">Omar=ebn=
<lb n="0180.15"/> Al=Khetab</hi> <hi rend="bold">zum Regenten nach mir,
<lb n="0180.16"/> weil ich wei&#x00DF;, da&#x00DF; er rechtschaffen ist.
<lb n="0180.17"/> Jch hoffe, da&#x00DF; er der Gerechtigkeit ge=
<lb n="0180.18"/> m&#x00E4;&#x00DF; regieren wird; wann er aber an=
<lb n="0180.19"/> ders thut, so wird ihm nach seinen Wer=
<lb n="0180.20"/> ken vergolten werden; ich habe mein
<lb n="0180.21"/> m&#x00F6;glichstes gethan, allein die geheime
<lb n="0180.22"/> Gedanken kan ich nicht wissen; das ist
<lb n="0180.23"/> gewi&#x00DF;, da&#x00DF; die, welche Uebels thun, da=
<lb n="0180.24"/> f&#x00FC;r werden bestraft werden. Lebet
<lb n="0180.25"/> wohl; Die Barmherzigkeit und der
<lb n="0180.26"/> Seegen des Himmels sey &#x00FC;ber euch</hi>.</p>
<lb n="0180.27"/> <note type="marginalie" place="links">Omarschl&#x00E4;gt<lb/>die Nachfol=<lb/>ge aus.</note><p rend="indent">Omar erfuhr das, was der Calife zu seinem
<lb n="0180.28"/> Besten verordnet habe, mit vieler Gleichg&#x00FC;ltig=
<lb n="0180.29"/> keit. Er war zwar gegen die Freundschaft des
<lb n="0180.30"/> Abubekers, und das Vertrauen, welches er in
<pb n="0181.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-242"/>
<lb n="0181.01"/> ihn gesetzt hatte, nicht unempfindlich; allein er<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0181.02"/> begn&#x00FC;gte sich ein Privatleben zu f&#x00FC;hren, und
<lb n="0181.03"/> bek&#x00FC;mmerte sich wenig um hohe Ehrenstellen,
<lb n="0181.04"/> welche allezeit ihre Verwirrungen und Unan=
<lb n="0181.05"/> nehmlichkeiten haben. Er hatte deswegen mit
<lb n="0181.06"/> dem Califen eine lange Unterredung. Er that
<lb n="0181.07"/> sein m&#x00F6;glichstes, ihn dahin zu bringen, da&#x00DF; er
<lb n="0181.08"/> seinen Entschlu&#x00DF; &#x00E4;ndere, und bat ihn zu &#x00FC;berle=
<lb n="0181.09"/> gen, da&#x00DF; er bey seiner Denkungsart keine W&#x00FC;r=
<lb n="0181.10"/> den n&#x00F6;thig habe, gl&#x00FC;cklich und zufrieden zu le=
<lb n="0181.11"/> ben.</p>
<lb n="0181.12" rend="indent"/> <p>Abubeker antwortete ihm verbindlicher wei=
<lb n="0181.13"/> se, da&#x00DF; aber die W&#x00FC;rde seiner ben&#x00F6;thigt sey;
<lb n="0181.14"/> da&#x00DF; es kein Geschenke sey, welches er einzig als
<lb n="0181.15"/> ein Zeichen seiner Freundschaft ansehen m&#x00FC;sse,
<lb n="0181.16"/> es sey vielmehr der letzte Beweis seines Eyfers
<lb n="0181.17"/> und seiner Z&#x00E4;rtlichkeit f&#x00FC;r das Volk. Omar
<lb n="0181.18"/> unterstand sich nicht, mehr Schwierigkeiten zu
<lb n="0181.19"/> machen. Die &#x00FC;brige Unterredung bestand aus
<lb n="0181.20"/> guten Lehren, die ihm Abubeker, wegen der Re=
<lb n="0181.21"/> gierung des Staats, zu ertheilen f&#x00FC;r n&#x00F6;thig er=
<lb n="0181.22"/> achtete.</p>
<lb n="0181.23" rend="indent"/> <p>Als die Unterredung aus war, begab sich<note type="marginalie" place="rechts">Gebet des<lb/>Abubeker.</note>
<lb n="0181.24"/> Omar weg. Sogleich hob Abubeker Augen
<lb n="0181.25"/> und H&#x00E4;nde gen Himmel, und betete mit vieler
<lb n="0181.26"/> Jnnbrunst. <hi rend="bold">O Gott</hi>, schrie er, <hi rend="bold">du siehest,
<lb n="0181.27"/> da&#x00DF; ich nichts als das Wohl der V&#x00F6;lker
<lb n="0181.28"/> vor Augen habe; gieb, da&#x00DF; Omar wohl re=
<lb n="0181.29"/> giere; breite die Lehre des Propheten un=
<lb n="0181.30"/> ter seiner Regierung aus; gieb aber auch,</hi>
<pb n="0182.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-243"/>
<lb n="0182.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/>Hegire 12.<lb/>n. C. G. 633.</note><hi rend="bold">da&#x00DF; seine Anh&#x00E4;nger rechtschaffne Leute
<lb n="0182.02"/> seyn m&#x00F6;gen</hi>. Er starb kurze Zeit darauf,
<lb n="0182.03"/> und ward von allen seinen Unterthanen unge=
<lb n="0182.04"/> mein beklagt. Seine Regierung hatte nicht
<lb n="0182.05"/> l&#x00E4;nger als zehn Jahr, drey Monate und zehn
<lb n="0182.06"/> Tage gedauert. (<ref rend="footnote" n="182*"><hi rend="super">*</hi></ref>)</p>
<lb n="0182.07"/> <note type="marginalie" place="links">Charakter<lb/>des Abube=<lb/>ker.</note><p rend="indent">So war das Ende des ersten Califen der
<lb n="0182.08"/> Araber; eines Regenten, der in der That we=
<lb n="0182.09"/> gen seiner Keuschheit, M&#x00E4;&#x00DF;igkeit, Bescheiden=
<lb n="0182.10"/> heit und N&#x00FC;chternheit viel Lob verdiente. Er
<lb n="0182.11"/> lebte best&#x00E4;ndig in einer bewundernsw&#x00FC;rdigen
<lb n="0182.12"/> Entsagung aller G&#x00FC;ter, aller Ehren, und alles
<lb n="0182.13"/> dessen, was hiernieden die Gl&#x00FC;ckseligkeit der
<lb n="0182.14"/> Menschen ausmacht. Sogar die oberste Ge=
<lb n="0182.15"/> walt hatte f&#x00FC;r ihn wenig Reitze, und man hat
<lb n="0182.16"/> gesehen, da&#x00DF; die Liebe f&#x00FC;r das gemeine Beste
<lb n="0182.17"/> und die Ruhe des Staats der einzige Bewe=
<lb n="0182.18"/> gungsgrund war, den Thron zu besteigen, wel=
<lb n="0182.19"/> chen er allezeit wieder zu verlassen bereit war,
<lb n="0182.20"/> wenn es das gemeine Beste erfordern sollte.</p>
<lb n="0182.21" rend="indent"/> <p>Er trug seiner Tochter, der Aiesha, auf, al=
<lb n="0182.22"/> les unter die Armen auszutheilen, was er seit
<lb n="0182.23"/> seiner Regierung k&#x00F6;nnte erworben haben. Er
<lb n="0182.24"/> war allezeit sehr aufmerksam gewesen, den Un=
<lb n="0182.25"/> gl&#x00FC;cklichen unter die Armen zu greiffen, und
<lb n="0182.26"/> besonders Leuten von Verdienst, welche sich in
<lb n="0182.27"/> D&#x00FC;rftigkeit befanden. Alle Wochen theilte er
<lb n="0182.28"/> <note type="footnote" n="182*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Man mu&#x00DF; nicht vergessen, da&#x00DF; man allezeit
<lb n="0182.29" rend="indent"/> Mondenjahre meinet, welche 29. Tage k&#x00FC;rzer
<lb n="0182.30" rend="indent"/> als die unsrigen sind.</p></note>
<pb n="0183.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-244"/>
<lb n="0183.01"/> das Geld aus, welches sich in dem gemeinen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>
<lb n="0183.02"/> Schatze befand. Einen Theil davon gab er den
<lb n="0183.03"/> Kriegsleuten, und das &#x00FC;brige theilte er unter
<lb n="0183.04"/> rechtschaffne Leute, von welchen er wu&#x00DF;te, da&#x00DF;
<lb n="0183.05"/> sie Noth litten. Diese Austheilung geschah al=
<lb n="0183.06"/> le Freytage Abends. Es geschahe sehr selten,
<lb n="0183.07"/> da&#x00DF; er etwas f&#x00FC;r sich behielt. Er begn&#x00FC;gte sich
<lb n="0183.08"/> mit dem, was er von seinen Vor&#x00E4;ltern geerbt
<lb n="0183.09"/> hatte, und lebte allezeit von seinem Eigenthu=
<lb n="0183.10"/> me; so da&#x00DF; er die zwey Jahre seiner Regierung
<lb n="0183.11"/> nicht mehr als drey Drachmen aus dem Scha=
<lb n="0183.12"/> tze nahm, welche er, wie er sagte, als die Be=
<lb n="0183.13"/> lohnung seiner Dienste betrachtete.</p>
<lb n="0183.14" rend="indent"/> <p>Man erzehlt bey dieser Gelegenheit, da&#x00DF;
<lb n="0183.15"/> Omar, als er den Abubeker wegen seiner be=
<lb n="0183.16"/> wundernsw&#x00FC;rdigen Uneigenn&#x00FC;tzigkeit hatte lo=
<lb n="0183.17"/> ben h&#x00F6;ren, solle gesagt haben, dieser Calife
<lb n="0183.18"/> habe seinen Nachfolgern ein Muster hinterlas=
<lb n="0183.19"/> sen, welchem sehr schwer zu folgen sey.</p>
<lb n="0183.20" rend="indent"/> <p>Die arabischen Geschichtschreiber, welche
<lb n="0183.21"/> diesen grossen Mann geschildert haben, haben
<lb n="0183.22"/> ihm eine ansehnliche Gestalt beygelegt; etwas
<lb n="0183.23"/> hager, von sehr lebhafter Farbe, mit einem
<lb n="0183.24"/> lichten Baarte, welchen er, nach orientalischer
<lb n="0183.25"/> Gewohnheit, schm&#x00FC;nckte und mahlte.</p>
<lb n="0183.26" rend="indent"/> <p>Es behaupten einige, er sey es gewesen,
<lb n="0183.27"/> welcher die verschiednen Hauptst&#x00FC;cke des Korans,
<lb n="0183.28"/> welche zu Zeiten des Mahomets auf einzeln
<lb n="0183.29"/> Bl&#x00E4;ttern enthalten waren, in einen Band ge=
<pb n="0184.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-245"/>
<lb n="0184.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Abubeker</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 12.<lb/>n. C. G. 633.</note>sammlet habe. Dieser Band wurde der Haf=
<lb n="0184.02"/> sah, einer Tochter des Omars, welche eine
<lb n="0184.03"/> von den Weibern des Propheten gewesen
<lb n="0184.04"/> war, aufzuheben gegeben.</p></div1>
<div1 type="teil">
<lb n="0184.05"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="0184.06"/> <head n="3"><hi rend="spaced">Omar</hi>.
<lb n="0184.07"/> <hi rend="bold"><hi rend="spaced">zweyter Calife</hi></hi>.</head>
<lb n="0184.08"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note><p><hi rend="initiale_kl">O</hi>mar ward ohne dem geringsten Wider=
<lb n="0184.09"/> spruch als Calife erka<expan>nn</expan>t. Die Sorgfalt,
<lb n="0184.10"/> welche Abubeker gehabt hatte, ihn zu sei=
<lb n="0184.11"/> <note type="marginalie" place="links">Omar wird<lb/>Calife.</note>nem Nachfolger zu ernennen, kam allen Un=
<lb n="0184.12"/> ordnungen zuvor, welche deswegen h&#x00E4;tten ent=
<lb n="0184.13"/> stehen k&#x00F6;nnen; so da&#x00DF; Ali, welcher bey der
<lb n="0184.14"/> Wahl des ersten Califen einigen Anspruch auf
<lb n="0184.15"/> diese W&#x00FC;rde gemacht hatte, bey dieser Erweh=
<lb n="0184.16"/> lung nicht die geringste Bewegung machte.</p>
<lb n="0184.17" rend="indent"/> <p>Man gab ihm Anfangs den Titel eines
<lb n="0184.18"/> Califen des Califen des Apostels Gottes, das
<lb n="0184.19"/> ist, eines Nachfolgers des Nachfolgers des
<lb n="0184.20"/> Mahomets. Da aber Omar der Versamm=
<lb n="0184.21"/> lung vorstellte, da&#x00DF; in den folgenden Zeiten
<lb n="0184.22"/> das Wort <hi rend="bold">Calife</hi>, eine Wiederhohlung leiden
<lb n="0184.23"/> w&#x00FC;rde, welche mit der Nachfolge bis in das
<lb n="0184.24"/> Unendliche hinaus gehen m&#x00FC;&#x00DF;te, (<ref rend="footnote" n="184*"><hi rend="super">*</hi></ref>) so nahm
<lb n="0184.25"/> <note type="footnote" n="184*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Es scheint, als ob die Araber, in Ansehung
<lb n="0185.25" rend="indent"/> dessen, sich &#x00FC;ber etwas sehr geringes bek&#x00FC;m=
<lb n="0185.26" rend="indent"/> mert h&#x00E4;tten. Denn anstatt der Wiederhoh=
<lb n="0185.27" rend="indent"/> lungen <hi rend="bold">Calife des Califen</hi>, welche sie ver=
<lb n="0185.28" rend="indent"/> meiden wollten, h&#x00E4;tten sie ja nur, wie wir
<lb n="0185.29" rend="indent"/> es thun, die Ordnung der Zahlen gebrauchen
<lb n="0185.30" rend="indent"/> k&#x00F6;nnen; so w&#x00E4;re alle Schwierigkeit gehoben
<lb n="0185.31" rend="indent"/> gewesen.</p></note>
<pb n="0185.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-246"/>
<lb n="0185.01"/> Mogairah = ebn = Schaad das Wort, und schlug<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0185.02"/> ein Mittel vor, dieser Unbequemlichkeit vorzu=
<lb n="0185.03"/> kommen. <hi rend="bold">Herr</hi>, sagte er, <hi rend="bold">du bist unser</hi>
<lb n="0185.04"/> <hi rend="bold_large">Emir</hi>; (das ist, Befehlshaber) <hi rend="bold">wir, durch
<lb n="0185.05"/> Gottes Gnade, sind alle</hi> <hi rend="bold_large">Mumenins</hi>;
<lb n="0185.06"/> (das ist, Gl&#x00E4;ubige) <hi rend="bold">ni<expan>mm</expan> also den Titel an,
<lb n="0185.07"/> welchen wir dir geben</hi>, <hi rend="bold_large">Emir=al=Mu=
<lb n="0185.08"/> menin</hi>. Die ganze Versammlung bezeigte
<lb n="0185.09"/> wegen de&#x00DF;, was Mogairah gesagt hatte, ihre
<lb n="0185.10"/> Freude; und Omar war also der erste Calife,
<lb n="0185.11"/> welcher den Beynamen: Haupt der Gl&#x00E4;ubigen,
<lb n="0185.12"/> der hernach auf seine Nachfolger gekommen ist,
<lb n="0185.13"/> erhalten hat.</p>
<lb n="0185.14" rend="indent"/> <p>Sobald Omar zum Regenten war erkl&#x00E4;rt
<lb n="0185.15"/> worden, begab er sich in die Moschee, wo er
<lb n="0185.16"/> auf die Canzel stieg, und zu dem Volke redete.
<lb n="0185.17"/> Er gab ihnen zu verstehen, er habe die Regie=
<lb n="0185.18"/> rung blo&#x00DF; in der guten Meinung von ihrer Un=
<lb n="0185.19"/> terth&#x00E4;nigkeit, Treue und Liebe gegen das Va=
<lb n="0185.20"/> terland, und besonders von ihrem Eyfer gegen
<lb n="0185.21"/> die mahometanische Religion, &#x00FC;bernommen;
<lb n="0185.22"/> und schlo&#x00DF; mit einigen moralischen Ermahnun=
<lb n="0185.23"/> gen. Auf diese Art endigten sich die Ceremo=
<lb n="0185.24"/> nien seiner Besteigung des Thrones.</p>
<pb n="0186.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-247"/>
<lb n="0186.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note><p rend="indent">Da also der neue Calife sich die Regie=
<lb n="0186.02"/> rungs = Gesch&#x00E4;fte aufgetragen sahe, so nahm
<lb n="0186.03"/> er solche Maa&#x00DF;regeln, welche er f&#x00FC;r das ge=
<lb n="0186.04"/> meine Beste, und f&#x00FC;r die Bef&#x00F6;rderung der Re=
<lb n="0186.05"/> ligionssache am dienlichsten zu seyn erachtete.</p>
<lb n="0186.06"/> <note type="marginalie" place="links">Omar giebt<lb/>dem Obeidah<lb/><hi rend="spaced">das</hi> oberste<lb/>Commando.</note><p rend="indent">Weil der Brief, welcher die Eroberung der
<lb n="0186.07"/> Stat Damascus meldete, erst einige Zeit nach
<lb n="0186.08"/> dem Absterben des Abubekers nach Medina ge=
<lb n="0186.09"/> kommen war, so ward er dem Omar &#x00FC;berlie=
<lb n="0186.10"/> fert, und sobald er ihn gelesen hatte, beschlo&#x00DF;
<lb n="0186.11"/> er, dem Khaled das Commando der Trupen zu
<lb n="0186.12"/> nehmen und es dem Obeidah zu geben. Diese
<lb n="0186.13"/> Ver&#x00E4;nderung konnte ohne Widerspruch von
<lb n="0186.14"/> Seiten der Muselm&#x00E4;nner nicht geschehen. Kha=
<lb n="0186.15"/> led hatte in Medina einen betr&#x00E4;chtlichen An=
<lb n="0186.16"/> hang, der ihn f&#x00FC;r den allergr&#x00F6;&#x00DF;ten General
<lb n="0186.17"/> hielt; so da&#x00DF; Omar kaum sein Vorhaben in der
<lb n="0186.18"/> Versammlung entdeckt hatte, als sich ein Mur=
<lb n="0186.19"/> ren erhob, welches nur allzuwohl zeigte, da&#x00DF;
<lb n="0186.20"/> nicht jedermann wie der Calife denke.</p>
<lb n="0186.21" rend="indent"/> <p>Ein junger Muselmann nahm im Namen
<lb n="0186.22"/> aller, die f&#x00FC;r den Khaled waren, das Wort,
<lb n="0186.23"/> und stellte sehr lebhaft vor, da&#x00DF; dieser Gene=
<lb n="0186.24"/> ral das Werkzeug gewesen sey, dessen sich der
<lb n="0186.25"/> Himmel bedient habe, die Eroberungen der
<lb n="0186.26"/> Nation zu erweitern, und die Religion auszu=
<lb n="0186.27"/> breiten und ehrw&#x00FC;rdig zu machen; da&#x00DF; man
<lb n="0186.28"/> ihm also das Commando nicht nehmen k&#x00F6;nne,
<lb n="0186.29"/> ohne sich vor Gott des Nachtheils schuldig zu
<lb n="0186.30"/> machen, welches diese Ver&#x00E4;nderung dem Staa=
<pb n="0187.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-248"/>
<lb n="0187.01"/> te &#x00FC;berhaupt, und der mahometanischen Reli=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0187.02"/> gion insbesondre, unfehlbar bringen werde.</p>
<lb n="0187.03" rend="indent"/> <p>Diese Vorstellungen, welche in der That
<lb n="0187.04"/> gegr&#x00FC;ndet genug waren, machten bey dem Ca=
<lb n="0187.05"/> lifen einigen Eindruck; gleichwohl aber hinder=
<lb n="0187.06"/> ten sie ihn nicht, sein Vorhaben auszuf&#x00FC;hren.
<lb n="0187.07"/> Statt aller Gr&#x00FC;nde f&#x00FC;hrte er an, Obeidah sey
<lb n="0187.08"/> von einer sanften, gem&#x00E4;&#x00DF;igten und gegen die
<lb n="0187.09"/> Soldaten mitleidigen Gem&#x00FC;thsart; Khaled hin=
<lb n="0187.10"/> gegen sey auffahrend, und gebe blo&#x00DF; seiner
<lb n="0187.11"/> Wuth Geh&#x00F6;r, so da&#x00DF; der Fortgang vielmehr
<lb n="0187.12"/> ein Werck seines guten Gl&#x00FC;cks, als seiner Klug=
<lb n="0187.13"/> heit sey.</p>
<lb n="0187.14" rend="indent"/> <p>Omar folgte also seinem Vorsatze; er ant=
<lb n="0187.15"/> wortete auf das Schreiben, worinne ihm die Er=
<lb n="0187.16"/> oberung von Damascus berichtet wurde, und
<lb n="0187.17"/> richtete diesen Brief an den Obeidah, dem er
<lb n="0187.18"/> den Tod des Abubeker, seine Erwehlung zum
<lb n="0187.19"/> Nachfolger, und den Entschlu&#x00DF; meldete, da&#x00DF; er
<lb n="0187.20"/> k&#x00FC;nstig anstatt des Khaleds das oberste Com=
<lb n="0187.21"/> mando f&#x00FC;hren solle.</p>
<lb n="0187.22" rend="indent"/> <p>Obeidah erhielt diesen Brief, gleich als<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Verwir=<lb/>rung des</hi><lb/>Obeidah we=<lb/>g&#x0113; seiner Be=<lb/>f&#x00F6;rderung.</note>
<lb n="0187.23"/> Khaled den Damascenern nachsetzte. Er ward
<lb n="0187.24"/> nicht wenig &#x00FC;ber alle die Neuigkeiten stutzig, die
<lb n="0187.25"/> er enthielt, am meisten aber &#x00FC;ber das ihm auf=
<lb n="0187.26"/> getragene oberste Commando. Die Beschei=
<lb n="0187.27"/> denheit, welche ihm eigen war, und sein weni=
<lb n="0187.28"/> ger Ehrgeitz machten ihn gegen hohe Stellen
<lb n="0187.29"/> sehr gleichg&#x00FC;ltig, und &#x00FC;brigens fiel es ihm h&#x00F6;chst
<lb n="0187.30"/> schmerzlich, den Khaled von der W&#x00FC;rde, die er
<pb n="0188.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-249"/>
<lb n="0188.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>besa&#x00DF;, zu verdringen. Er war also sehr be=
<lb n="0188.02"/> k&#x00FC;mmert, wie er den Brief, den er erhalten hat=
<lb n="0188.03"/> te, gebrauchen solle. Da ihm die Abwesenheit
<lb n="0188.04"/> des Generals Zeit genug zur Ueberlegung lie&#x00DF;,
<lb n="0188.05"/> so fa&#x00DF;te er den Entschlu&#x00DF;, von dem Briefe des
<lb n="0188.06"/> Califen nichts zu erw&#x00E4;hnen. Da Khaled also
<lb n="0188.07"/> wieder zur&#x00FC;ck geko<expan>mm</expan>en war, so lie&#x00DF; ihn Obeidah
<lb n="0188.08"/> nochmals nach Medina schreiben, um seine letzten
<lb n="0188.09"/> Thaten zu melden; und da von der Ver&#x00E4;nde=
<lb n="0188.10"/> rung des Califen unter den Trupen noch nichts
<lb n="0188.11"/> ausgekommen war, so ward der Brief an den
<lb n="0188.12"/> Abubeker gerichtet.</p>
<lb n="0188.13" rend="indent"/> <p>Als Omar diesen Brief erhielt, so erstaun=
<lb n="0188.14"/> te er sehr, da&#x00DF; man die vorgefallene Staatsver=
<lb n="0188.15"/> &#x00E4;nderung in Syrien noch nicht wisse. Das
<lb n="0188.16"/> Stillschweigen des Obeidah schien ihm &#x00FC;brigens
<lb n="0188.17"/> ein so viel seltsamer Geheimni&#x00DF;, da er vermit=
<lb n="0188.18"/> telst des Briefes, welcher ihn zum obersten
<lb n="0188.19"/> Feldherrn ernennte, alle mit dem Khaled ge=
<lb n="0188.20"/> habten Streitigkeiten, um deren Entscheidung
<lb n="0188.21"/> dieser nachmals bat, leichtlich h&#x00E4;tte beylegen k&#x00F6;n=
<lb n="0188.22"/> nen.</p>
<lb n="0188.23"/> <note type="marginalie" place="links">Der neue<lb/>Calife mel=<lb/>det der Ar=<lb/>mee seine Er=<lb/>hebung.</note><p rend="indent">Omar antwortete so gleich auf diesen Brief,
<lb n="0188.24"/> und richtete die Antwort wiederum an den Obei=
<lb n="0188.25"/> dah. Damit es aber dieser General, entweder
<lb n="0188.26"/> aus Bescheidenheit, oder aus andern Ursachen,
<lb n="0188.27"/> mit diesem zweyten Briefe nicht wie mit dem
<lb n="0188.28"/> ersten machen m&#x00F6;ge, so mu&#x00DF;te ihn ein vornehmer
<lb n="0188.29"/> Kriegsbedienter, Namens Schaddad=ebn=Aus,
<lb n="0188.30"/> nach Damascus bringen, ihn in Gegenwart der
<lb n="0188.31"/> Muselm&#x00E4;nner ablesen, und den Omar unter den
<lb n="0188.32"/> Trupen zum Califen ausruffen lassen.</p>
<pb n="0189.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-250"/>
<lb n="0189.01" rend="indent"/> <p>Nachdem Schaddad eiligst nach Damascus<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0189.02"/> gekommen war, ging er gleich gleich anfangs zu
<lb n="0189.03"/> dem Khaled, welchem er den Tod des Abubekers
<lb n="0189.04"/> und die Erwehlung des Omars meldete. Er
<lb n="0189.05"/> sagte ihm hierauf, da&#x00DF; er einen Brief von dem
<lb n="0189.06"/> neuen Califen an den Obeidah habe, da&#x00DF; ihm
<lb n="0189.07"/> aber befohlen sey, ihn in Gegenwart der Gl&#x00E4;u=
<lb n="0189.08"/> bigen abzulesen. Khaled, welcher bey dem Omar
<lb n="0189.09"/> nicht wohl stand, konnte leichte vermuthen, da&#x00DF;,
<lb n="0189.10"/> da dieser Brief nicht an ihn gerichtet sey, er Be=
<lb n="0189.11"/> fehle enthalten m&#x00FC;sse, die ihm nicht g&#x00FC;nstig seyn
<lb n="0189.12"/> w&#x00FC;rden: Er erfuhr sein Schicksal auch gar bald
<lb n="0189.13"/> von dem Abgeschickten des Califen selbst, welcher
<lb n="0189.14"/> ihm aus der Ver&#x00E4;nderung, die ihm pers&#x00F6;nlich
<lb n="0189.15"/> anging, kein Geheimni&#x00DF; machte.</p>
<lb n="0189.16" rend="indent"/> <p>Sobald der Brief verlesen war, schien man<note type="marginalie" place="rechts">Die Armee<lb/>bezeugt <hi rend="spaced">ih</hi>=<lb/>ren Schmerz<lb/>&#x00FC;ber den Tod<lb/><hi rend="spaced">des</hi> Abube=<lb/>kers.</note>
<lb n="0189.17"/> auf nichts weiter gemerkt zu haben, als auf die
<lb n="0189.18"/> Nachricht von dem Tode des Abubekers. Die=
<lb n="0189.19"/> ser Verlust setzte die ganze Armee in Betr&#x00FC;bni&#x00DF;:
<lb n="0189.20"/> Der verstorbne Calife war in der That von al=
<lb n="0189.21"/> len seinen Unterthanen geliebt und verehrt wor=
<lb n="0189.22"/> den. Man wu&#x00DF;te, da&#x00DF; er seiner Seits sie alle
<lb n="0189.23"/> als seine Kinder betrachtet; er ward daher auch
<lb n="0189.24"/> von den Muselm&#x00E4;nnern so beklagt, als wenn ein
<lb n="0189.25"/> jeder von ihnen seinen Vater verlohren habe.</p>
<lb n="0189.26" rend="indent"/> <p>Was den Khaled anbelangt, so hatten ihn<note type="marginalie" place="rechts">Khaled em=<lb/>pf&#x00E4;ngt <hi rend="spaced">die<lb/>Nachricht</hi><lb/>von <hi rend="spaced">seiner<lb/>Absetzung</hi><lb/>mit Gelassen=<lb/>heit.</note>
<lb n="0189.27"/> seine Thaten und kriegerischen Eigenschaften nie=
<lb n="0189.28"/> mals so gro&#x00DF; gezeigt, als ihn die Auff&#x00FC;hrung,
<lb n="0189.29"/> die er bey dieser Gelegenheit beobachtete, zeig=
<lb n="0189.30"/> te. Er h&#x00E4;tte den Unwillen, welchen seine Ab=
<pb n="0190.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-251"/>
<lb n="0190.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>setzung bey vielen Officieren und Soldaten zu
<lb n="0190.02"/> erwecken schien, mit Wohlgefallen bemerken
<lb n="0190.03"/> k&#x00F6;nnen; allein er lie&#x00DF; nichts als viel Beschei=
<lb n="0190.04"/> denheit, viel M&#x00E4;&#x00DF;igung und eine grosse Unter=
<lb n="0190.05"/> w&#x00FC;rfigkeit gegen die Befehle des Califen blicken.</p>
<lb n="0190.06" rend="indent"/> <p>Er lie&#x00DF; ihn zu Damascus ausruffen, und
<lb n="0190.07"/> legte nach dieser feyerlichen Handlung das Com=
<lb n="0190.08"/> mando in die H&#x00E4;nde des Obeidah nieder. Die=
<lb n="0190.09"/> ser neue General befand sich bey diesen Um=
<lb n="0190.10"/> st&#x00E4;nden in grosser Verwirrung. Er wu&#x00DF;te,
<lb n="0190.11"/> wie n&#x00F6;thig ihm ein Oberster, wie Khaled, zu ei=
<lb n="0190.12"/> nem gl&#x00FC;cklichen Fortgange seiner Waffen sey,
<lb n="0190.13"/> und f&#x00FC;rchtete mit Grund, da&#x00DF; dieser tapfere
<lb n="0190.14"/> Muselmann, aus Verdru&#x00DF;, sich mitten in sei=
<lb n="0190.15"/> nen Eroberungen abgesetzt zu sehen, des Dien=
<lb n="0190.16"/> stes &#x00FC;berdr&#x00FC;&#x00DF;ig werden, und die Armee ganz
<lb n="0190.17"/> und gar verlassen m&#x00F6;ge; doch Khaled beruhigte
<lb n="0190.18"/> ihn gar bald.</p>
<lb n="0190.19" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jch wuste wohl</hi>, sagte er, <hi rend="bold">da&#x00DF; mir
<lb n="0190.20"/> Omar nicht g&#x00FC;nstig sey; doch er ist un=
<lb n="0190.21"/> ser Calif, und ich unterwerffe mich sei=
<lb n="0190.22"/> nen Befehlen. Man soll meinen Eyfer
<lb n="0190.23"/> nicht erkalten sehen, und ich will ihn
<lb n="0190.24"/> bey aller Gelegenheit, wo man mich
<lb n="0190.25"/> brauchen wird, beweisen</hi>.</p>
<lb n="0190.26" rend="indent"/> <p>Eine so bewundernsw&#x00FC;rdige Unterw&#x00FC;rffig=
<lb n="0190.27"/> keit, konnte aus nichts anders, als aus einer
<lb n="0190.28"/> wahrhaftig grossen Seele entstehen, und brach=
<lb n="0190.29"/> te dem Khaled mehr Ehre, als ihm der sch&#x00F6;n=
<lb n="0190.30"/> ste Sieg w&#x00FC;rde gebracht haben. Obeidah sei=
<pb n="0191.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-252"/>
<lb n="0191.01"/> ner Seits, welcher es wohl einsahe, was ein<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0191.02"/> so heldenm&#x00FC;thiges Beyspiel f&#x00FC;r Nutzen stiften
<lb n="0191.03"/> m&#x00FC;sse, erneuerte seine Hochachtung gegen die=
<lb n="0191.04"/> sen General, und glaubte nicht besser thun zu
<lb n="0191.05"/> k&#x00F6;nnen, als wenn er sein ganzes Vertrauen
<lb n="0191.06"/> auf einen Mann von so edler Denkungsart
<lb n="0191.07"/> setze.</p>
<lb n="0191.08" rend="indent"/> <p>Sobald Obeidah das Commando der Tru=<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber &#x00FC;berfal=<lb/>len ein Klo=<lb/>ster, wo ein<lb/>ansehnlicher<lb/>Markt gehal=<lb/>ten wird.</note>
<lb n="0191.09"/> pen &#x00FC;bernommen hatte, dachte er auf Erobe=
<lb n="0191.10"/> rungen. Er &#x00FC;berlegte eben, wo er seine Waf=
<lb n="0191.11"/> fen hinwenden solle, als ein Christe, welcher
<lb n="0191.12"/> mit den Arabern im Verst&#x00E4;ndnisse war, ihm zu
<lb n="0191.13"/> melden kam, da&#x00DF; das den Christen so feyerliche
<lb n="0191.14"/> Osterfest eine sch&#x00F6;ne Gelegenheit darbiete, den
<lb n="0191.15"/> Griechen eine reiche Beute abzunehmen. Er
<lb n="0191.16"/> berichtete ihm, da&#x00DF; einige Meilen von Dama=
<lb n="0191.17"/> scus ein ber&#x00FC;hmtes Kloster sey, wo alle Jahre
<lb n="0191.18"/> um die Osterzeit ein ansehnlicher Markt gehal=
<lb n="0191.19"/> ten w&#x00FC;rde; da&#x00DF; man gemeiniglich unerme&#x00DF;li=
<lb n="0191.20"/> che Reichth&#x00FC;mer an Waaren von aller Art da=
<lb n="0191.21"/> hin bringe; und da&#x00DF; es ihm so viel leichter wer=
<lb n="0191.22"/> den m&#x00FC;sse, sich derselben zu bem&#x00E4;chtigen, da
<lb n="0191.23"/> man fast niemals eine Bedeckung, oder wenig=
<lb n="0191.24"/> stens nur eine sehr schwache, dabey habe.</p>
<lb n="0191.25" rend="indent"/> <p>Obeidah beschlo&#x00DF; sogleich einige Mannschaft
<lb n="0191.26"/> zu diesem Unternehmen aufbrechen zu lassen,
<lb n="0191.27"/> und fragte verschiedne von seinen Hauptleuten,
<lb n="0191.28"/> die um ihn waren, welcher von ihnen das Com=
<lb n="0191.29"/> mando &#x00FC;ber sich nehmen wolle. Er warf zu=
<lb n="0191.30"/> gleich einen Blick auf den Khaled, welcher zu=
<pb n="0192.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-253"/>
<lb n="0192.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>gegen war, allein er unterstand sich nicht ihn
<lb n="0192.02"/> f&#x00F6;rmlich darum zu bitten: Khaled seiner Seits,
<lb n="0192.03"/> war auch nicht mit Anbietung seiner Dienste
<lb n="0192.04"/> allzugeschwind, so da&#x00DF; dem Abdallah=ebn=Gia=
<lb n="0192.05"/> far, welcher sich antrug, diese Ausf&#x00FC;hrung auf=
<lb n="0192.06"/> getragen ward, wozu ihm f&#x00FC;nfhundert Reuter
<lb n="0192.07"/> zugegeben wurden. Der Christe, welcher die=
<lb n="0192.08"/> sen Vorschlag gethan hatte, trieb seine Verr&#x00E4;=
<lb n="0192.09"/> therey auf das &#x00E4;usserste, indem er dieser Mann=
<lb n="0192.10"/> schaft zum Wegweiser diente. Er f&#x00FC;hrte sie
<lb n="0192.11"/> bis zu einiger Entfernung von dem Kloster, und
<lb n="0192.12"/> hie&#x00DF; den Abdallah mit seinen Trupen stille hal=
<lb n="0192.13"/> ten, bis er ausgekundschaftet habe, wie es mit
<lb n="0192.14"/> dem Orte stehe.</p>
<lb n="0192.15" rend="indent"/> <p>Die Sachen fanden sich in einem ganz an=
<lb n="0192.16"/> dern Zustande, als er sie zu finden geglaubt
<lb n="0192.17"/> hatte. Niemals war so viel Volck auf diesem
<lb n="0192.18"/> Markte gewesen. Was den Zulauf um ein
<lb n="0192.19"/> grosses vermehrt hatte, war dieses, da&#x00DF; der
<lb n="0192.20"/> Befehlshaber von Tripoli mit seiner Tochter,
<lb n="0192.21"/> welche vor kurzem mit einem vornehmen Herrn
<lb n="0192.22"/> war verheyrathet worden, in dem Kloster ange=
<lb n="0192.23"/> kommen war. Er hatte sich von einem zahl=
<lb n="0192.24"/> reichen Gefolge begleiten lassen, und man rech=
<lb n="0192.25"/> nete auf f&#x00FC;nf tausend wohlbewaffnete Mann,
<lb n="0192.26"/> die er bey sich hatte.</p>
<lb n="0192.27" rend="indent"/> <p>Die Ursache zur Reise des Befehlshabers
<lb n="0192.28"/> war, einen ehrw&#x00FC;rdigen Alten, welcher in die=
<lb n="0192.29"/> sem Kloster wohnte, zu bitten, den Seegen &#x00FC;=
<lb n="0192.30"/> ber die j&#x00FC;ngst vollzogene Heyrath seiner Tochter
<pb n="0193.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-254"/>
<lb n="0193.01"/> zu sprechen. Dieser Alte war ein M&#x00F6;nch, wel=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0193.02"/> cher wegen seiner Heiligkeit und strengen Le=
<lb n="0193.03"/> bensart in grossem Ruhme war. Er hatte sich
<lb n="0193.04"/> einen solchen Namen gemacht, da&#x00DF; man von
<lb n="0193.05"/> allen Orten herzu kam, ihn um den Beystand
<lb n="0193.06"/> seines Gebets zu bitten, und es wurde keine
<lb n="0193.07"/> nur etwas betr&#x00E4;chtliche Heyrath geschlossen, da&#x00DF;
<lb n="0193.08"/> ihn die Neuverehlichten nicht um seinen See=
<lb n="0193.09"/> gen angesprochen h&#x00E4;tten.</p>
<lb n="0193.10" rend="indent"/> <p>Nachdem der Christe alles wohl ausgekund=
<lb n="0193.11"/> schaftet hatte, so kam er, dem Abdallah Bericht
<lb n="0193.12"/> davon abzustatten, und er war der erste, der
<lb n="0193.13"/> es sagte, da&#x00DF; in Gegenwart einer so grossen
<lb n="0193.14"/> Menge Menschen nichts anzufangen sey. Die
<lb n="0193.15"/> Officier waren gleichfalls dieser Meinung, und
<lb n="0193.16"/> sagten zu ihrem Anf&#x00FC;hrer, es w&#x00FC;rde das sicher=
<lb n="0193.17"/> ste seyn, wann sie zur&#x00FC;ck kehrten; Doch Ab=
<lb n="0193.18"/> dallah antwortete auf eine unerschrockne Art:
<lb n="0193.19"/> <hi rend="bold">Jch wenigstens will gewi&#x00DF; nicht, ohne
<lb n="0193.20"/> gefochten zu haben, zur&#x00FC;ck gehen; es
<lb n="0193.21"/> folge mir, wer will; ich will es den an=
<lb n="0193.22"/> dern, was sie thun wollen, nicht ver=
<lb n="0193.23"/> wehren</hi>.</p>
<lb n="0193.24" rend="indent"/> <p>Die Araber wurden durch diese Rede auf=
<lb n="0193.25"/> gemuntert, und versicherten ihrem Anf&#x00FC;hrer,
<lb n="0193.26"/> da&#x00DF; sie bereit w&#x00E4;ren ihm zu folgen, um mit
<lb n="0193.27"/> ihm Gefahr und Ruhm bey diesem Unterneh=
<lb n="0193.28"/> men zu theilen. Als der Christ sahe, da&#x00DF; der
<lb n="0193.29"/> Anfall beschlossen sey, rieth er dem Anf&#x00FC;hrer,
<lb n="0193.30"/> sich nicht zu &#x00FC;bereilen; sondern bis auf den
<pb n="0194.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-255"/>
<lb n="0194.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>Morgen des andern Tages zu warten, wann
<lb n="0194.02"/> die Waaren w&#x00FC;rden ausgelegt seyn.</p>
<lb n="0194.03" rend="indent"/> <p>Abdallah folgte diesem Rathe, und machte
<lb n="0194.04"/> sich die Zeit, die er noch vor sich hatte, zu Nu=
<lb n="0194.05"/> tze, um alle n&#x00F6;thige Maa&#x00DF;regeln, in seinem
<lb n="0194.06"/> Unternehmen gl&#x00FC;cklich zu seyn, zu ergreiffen.
<lb n="0194.07"/> Er theilte seine Leute in f&#x00FC;nf Hauffen, und be=
<lb n="0194.08"/> fahl ihnen, nicht an das Pl&#x00FC;ndern zu denken,
<lb n="0194.09"/> sondern blo&#x00DF; alles niederzumachen, was ihnen
<lb n="0194.10"/> vorkommen w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0194.11" rend="indent"/> <p>Den Morgen drauf, als Abdallah das Zei=
<lb n="0194.12"/> chen gegeben hatte, fielen seine Leute an f&#x00FC;nf
<lb n="0194.13"/> verschiedenen Orten auf die Marktleute. Eine
<lb n="0194.14"/> ziemliche Zeitlang richteten die Araber ein ent=
<lb n="0194.15"/> setzliches Blutbad an, ohne den geringsten Wi=
<lb n="0194.16"/> derstand zu finden; doch nachdem sich die Sol=
<lb n="0194.17"/> daten, welche der Befehlshaber mitgebracht,
<lb n="0194.18"/> versammlet hatten, so r&#x00FC;ckten sie in Schlacht=
<lb n="0194.19"/> Ordnung wider die Araber an, und machten
<lb n="0194.20"/> sich fertig, sie zu umringen.</p>
<lb n="0194.21" rend="indent"/> <p>Ein Officier von den Muselm&#x00E4;nnern er=
<lb n="0194.22"/> rieth diese Absicht, und sahe sogleich voraus,
<lb n="0194.23"/> da&#x00DF; die ganze arabische Mannschaft in tausend
<lb n="0194.24"/> St&#x00FC;cke w&#x00FC;rde zerhauen werden, wenn sie nicht
<lb n="0194.25"/> schleinige H&#x00FC;lffe bekomme. Er fa&#x00DF;te also den
<lb n="0194.26"/> Entschlu&#x00DF; zu entwischen, und sprengte auf das
<lb n="0194.27"/> eiligste zu dem Obeidah, ihm von der &#x00E4;ussersten
<lb n="0194.28"/> Gefahr seiner Trupen Nachricht zu geben.</p>
<lb n="0194.29"/> <note type="marginalie" place="links">Khaled eilt<lb/>den Arabern</note><p rend="indent">Weil die Umst&#x00E4;nde sehr dringend waren,
<pb n="0195.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-256"/>
<lb n="0195.01"/> so glaubte Obeidah nicht besser thun zu k&#x00F6;nnen,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/>Hegire 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0195.02"/> als sich an den Khaled zu wenden: <hi rend="bold">um Got=
<lb n="0195.03"/> tes Willen</hi>, sagte er, <hi rend="bold">entstehe mir ietzo
<lb n="0195.04"/> nicht, und eile unsern Br&#x00FC;dern zu H&#x00FC;lf=<note type="marginalie" place="rechts">zu H&#x00FC;lffe und<lb/>schl&#x00E4;gt <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Trupen, wel=<lb/>che das Klo=<lb/>ster verthei=<lb/>digen.</note>
<lb n="0195.05"/> fe</hi>. Khaled gehorchte so gleich. Er nahm den
<lb n="0195.06"/> Derar und einige andre Hauptleute mit sich, de=
<lb n="0195.07"/> ren Tapferkeit ihm bekannt war, und nachdem
<lb n="0195.08"/> er sich an die Spitze einer anserlesenen Mann=
<lb n="0195.09"/> schaft gestellt, so begab er sich mit ausnehmen=
<lb n="0195.10"/> der Eilfertigkeit an den Ort, wo man handge=
<lb n="0195.11"/> mein war.</p>
<lb n="0195.12" rend="indent"/> <p>Es war hohe Zeit, da&#x00DF; er zu H&#x00FC;lffe kam.
<lb n="0195.13"/> Die Araber waren durch den anhaltenden
<lb n="0195.14"/> Kampf ganz entkr&#x00E4;ftet, und eben entschlossen
<lb n="0195.15"/> sich zu ergeben, als Khaled mit seiner gew&#x00F6;hn=
<lb n="0195.16"/> lichen Wuth auf die Griechen st&#x00FC;rzte, durch die
<lb n="0195.17"/> Umringung, die sie um die Muselm&#x00E4;nner ge=
<lb n="0195.18"/> macht hatten, brach, und sich endlich mit diesen
<lb n="0195.19"/> vereinigte. Seine Gegenwart hatte eine er=
<lb n="0195.20"/> staunliche W&#x00FC;rkung: Die Araber sch&#x00F6;pften
<lb n="0195.21"/> neuen Muth, und indem sie durch die H&#x00FC;lffe,
<lb n="0195.22"/> welche Khaled mitbrachte, unterst&#x00FC;tzt wurden,
<lb n="0195.23"/> so trieben sie die Griechen zur&#x00FC;ck, und schlugen
<lb n="0195.24"/> sie endlich in die Flucht. Es blieben eine sehr
<lb n="0195.25"/> betr&#x00E4;chtliche Menge Christen auf dem Platze,
<lb n="0195.26"/> unter welchen sich der Befehlshaber von Tripo=
<lb n="0195.27"/> li befand, welchen Derar niedergemacht hatte.</p>
<lb n="0195.28" rend="indent"/> <p>Man bem&#x00E4;chtigte sich hierauf des Klosters,<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber bem&#x00E4;chti=<lb/>gen sich des<lb/>Klosters.</note>
<lb n="0195.29"/> wo man unerme&#x00DF;liche Reichth&#x00FC;mer, die man
<lb n="0195.30"/> wegen des Markts dahin gebracht hatte, erbeu=
<pb n="0196.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-257"/>
<lb n="0196.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>tete. Die Anzahl der Gefangenen war gleich=
<lb n="0196.02"/> falls sehr ansehnlich, worunter sich unter an=
<lb n="0196.03"/> dern die junge Ehefrau, und vierzig Weiber von
<lb n="0196.04"/> ihrem Gefolge, befanden, welche Khaled nach
<lb n="0196.05"/> Damascus bringen lie&#x00DF;. Ehe er aber abreisete,
<lb n="0196.06"/> lie&#x00DF; er noch den ehrw&#x00FC;rdigen M&#x00F6;nch, das syri=
<lb n="0196.07"/> sche Orakel, dessen Gebete man sich, wie ich
<lb n="0196.08"/> schon gesagt habe, von allen Orten zu empfeh=
<lb n="0196.09"/> len kam, vor sich bringen. Er wollte ihn ver=
<lb n="0196.10"/> schiedenes fragen; doch alles, was der Alte zu
<lb n="0196.11"/> ihm sagte, war, da&#x00DF; er ihm seine Grausamkeit
<lb n="0196.12"/> vorwarf, und ihm die Rache des Himmels dro=
<lb n="0196.13"/> hete. <hi rend="bold">Warum sollte ich die f&#x00FC;rchten</hi>, sag=
<lb n="0196.14"/> te Khaled, <hi rend="bold">da es Gott seinem Propheten
<lb n="0196.15"/> befohlen hat, die Christen zu bekriegen?
<lb n="0196.16"/> Jch w&#x00FC;rde dich selbst eben so wenig wie
<lb n="0196.17"/> die andern verschont haben, wenn uns
<lb n="0196.18"/> der Apostel GOttes nicht Leute deines
<lb n="0196.19"/> gleichen zufrieden zu lassen befohlen h&#x00E4;t=
<lb n="0196.20"/> te</hi>. Nach diesen wenigen Worten lie&#x00DF; ihn Kha=
<lb n="0196.21"/> led vonsich, und verwilligte ihm die Freyheit
<lb n="0196.22"/> in dem Kloster zu bleiben.</p>
<lb n="0196.23"/> <note type="marginalie" place="links">Man theilt<lb/>die den Chri=<lb/><hi rend="spaced">sten abge=</hi><lb/>no<expan>mm</expan>ene Beu=<lb/>te.</note><p rend="indent">Die Araber kehrten sogleich, mit allen den
<lb n="0196.24"/> Reichth&#x00FC;mern, die sie den Griechen abgenom=
<lb n="0196.25"/> men hatten, nach Damascus zur&#x00FC;ck. Man
<lb n="0196.26"/> theilte sie unter die Soldaten, nachdem man den
<lb n="0196.27"/> f&#x00FC;nften Theil f&#x00FC;r den &#x00F6;ffentlichen Schatz davon
<lb n="0196.28"/> genommen hatte. Man theilte auch die Gefan=
<lb n="0196.29"/> genen, und weil Abdallah um die Tochter des
<lb n="0196.30"/> Befehlshabers von Tripoli bat, so ward sie ihm
<lb n="0196.31"/> &#x00FC;berlassen; doch geschahe es nicht eher, als bis
<pb n="0197.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-258"/>
<lb n="0197.01"/> man die Einwilligung des Califen dazu erhalten<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0197.02"/> hatte.</p>
<lb n="0197.03" rend="indent"/> <p>Die umst&#x00E4;ndliche Beschreibung von dieser<note type="marginalie" place="rechts">Brief des<lb/>Obeidah an<lb/>den Califen.</note>
<lb n="0197.04"/> Ausf&#x00FC;hrung ward ohne Zeitverlust nach Medi=
<lb n="0197.05"/> na geschickt. Obeidah verga&#x00DF; nicht, den Ab=
<lb n="0197.06"/> dallah heraus zu streichen, welcher dieses Un=
<lb n="0197.07"/> ternehmen angefangen, eben so wohl als den
<lb n="0197.08"/> Khaled, dessen Th&#x00E4;tigkeit man alles zu danken
<lb n="0197.09"/> hatte. Er bestand auf der Verbindlichkeit,
<lb n="0197.10"/> die man gegen diesen letztern habe, vornemlich,
<lb n="0197.11"/> und bat den Califen, an diesen tapfern Kriegs=
<lb n="0197.12"/> mann ins besondre zu schreiben, und ihm den
<lb n="0197.13"/> Wohlgefallen &#x00FC;ber seine Dienste zu erkennen
<lb n="0197.14"/> zu geben. Er fragte ihn zugleich um seine
<lb n="0197.15"/> Meinung, was er mit verschiedenen Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0197.16"/> nern machen solle, welche bey dieser Ausf&#x00FC;h=
<lb n="0197.17"/> rung das Gesetz des Propheten &#x00FC;bertreten, und
<lb n="0197.18"/> Wein getrunken h&#x00E4;tten. (<ref rend="footnote" n="197*"><hi rend="super">*</hi></ref>) Schl&#x00FC;&#x00DF;lich bat
<lb n="0197.19"/> <note type="footnote" n="197*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Der Gebrauch des Weins ist den Anh&#x00E4;n=
<lb n="0197.20" rend="indent"/> gern des Mahomets verboten: <hi rend="bold">Man wird
<lb n="0197.21" rend="indent"/> dich fragen wegen des Weins und der
<lb n="0197.22" rend="indent"/> Gl&#x00FC;cksspiele</hi>; spricht Gott in dem Korane
<lb n="0197.23" rend="indent"/> zu Mahomet: <hi rend="bold">Sage ihnen, es ist bey bey=
<lb n="0197.24" rend="indent"/> den ein grosses Verbrechen</hi>. Und an ei=
<lb n="0197.25" rend="indent"/> nem andern Orte dieses Buchs: <hi rend="bold">Gewi&#x00DF;, o
<lb n="0197.26" rend="indent"/> ihr Gl&#x00E4;ubigen, der Wein, die Gl&#x00FC;cks=
<lb n="0197.27" rend="indent"/> spiele, die Bildseulen, und die Gl&#x00FC;cks=
<lb n="0197.28" rend="indent"/> pfeile, sind verabscheuungsw&#x00FC;rdige Wer=
<lb n="0197.29" rend="indent"/> ke des Satans. Enthaltet euch dersel=
<lb n="0197.30" rend="indent"/> ben, damit ihr gl&#x00FC;cklich seyn m&#x00F6;get</hi>.</p>
<lb n="0197.31" rend="indent(+2)"/> <p>Gleichwohl haben sich Ausleger gefunden,
<lb n="0198.13" rend="indent"/> welche die Strenge dieses Verboths gelindert
<lb n="0198.14" rend="indent"/> haben, indem sie vorgegeben, da&#x00DF; blo&#x00DF; und allein
<lb n="0198.15" rend="indent"/> die Unm&#x00E4;&#x00DF;igkeit verbothen werde. Sie f&#x00FC;hren
<lb n="0198.16" rend="indent"/> deswegen einen andern Ort aus dem Korane
<lb n="0198.17" rend="indent"/> an, wo der Wein erlaubt zu seyn scheinet.
<lb n="0198.18" rend="indent"/> <hi rend="bold">Was die Fr&#x00FC;chte des Palmenbaums und
<lb n="0198.19" rend="indent"/> des Weinstocks anbelangt, so werdet
<lb n="0198.20" rend="indent"/> ihr einen Saft, welcher trunken macht,
<lb n="0198.21" rend="indent"/> und eine gute Nahrung daraus ma=
<lb n="0198.22" rend="indent"/> chen: und gewi&#x00DF;lich hierinne liegt ein
<lb n="0198.23" rend="indent"/> Zeichen f&#x00FC;r die, die es verstehen</hi>.</p>
<lb n="0198.24" rend="indent(+2)"/> <p>Man giebt vor, Mahomet habe den Wein
<lb n="0198.25" rend="indent"/> verboten, weil er Gefahr gelauffen, sein Leben
<lb n="0198.26" rend="indent"/> bey einem Gastmahle, welches ihm die Juden
<lb n="0198.27" rend="indent"/> einsmals gaben, und wobey sehr stark ge=
<lb n="0198.28" rend="indent"/> trunken wurde, zu verlieren. Andere schrei=
<lb n="0198.29" rend="indent"/> ben es einer politischen Ursache zu; er habe
<lb n="0198.30" rend="indent"/> nehmlich den Wein und die Gl&#x00FC;cksspiele ver=
<lb n="0198.31" rend="indent"/> boten, weil sie die gew&#x00F6;hnlichen Quellen aller
<lb n="0198.32" rend="indent"/> H&#x00E4;ndel w&#x00E4;ren. <hi rend="bold">Gagnier, im Leben des
<lb n="0198.33" rend="indent"/> Mahomets, Th</hi>. <hi rend="antiqua">II</hi>. <hi rend="bold">B</hi>. 3.</p></note>
<pb n="0198.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-259"/>
<lb n="0198.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>er ihn um Rath, wie er sich ferner in diesem Feld=
<lb n="0198.02"/> zuge verhalten, und ob er die Eroberung An=
<lb n="0198.03"/> tiochiens, oder Jerusalems, unternehmen solle.</p>
<lb n="0198.04" rend="indent"/> <p>Omar antwortete auf alle Puncte dieses
<lb n="0198.05"/> Briefs, ausgenommen auf den, welcher den
<lb n="0198.06"/> Khaled betraf; Nichts war verm&#x00F6;gend, ihn we=
<lb n="0198.07"/> gen dieses Kriegsbedienten auf bessere Gedan=
<lb n="0198.08"/> ken zu bringen, &#x00FC;ber den man doch nicht sa=
<lb n="0198.09"/> gen kan, da&#x00DF; er Ursache sich zu beklagen gehabt
<lb n="0198.10"/> habe. Wegen der Uebertretung des Gesetzes,
<lb n="0198.11"/> befahl der Calif, da&#x00DF; die, welche Wein getrun=
<lb n="0198.12"/> ken h&#x00E4;tten, mit zwanzig Stockschl&#x00E4;gen auf die
<pb n="0199.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-260"/>
<lb n="0199.01"/> Fu&#x00DF;sohlen sollten bestraft werden. Diesem<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0199.02"/> ward nachgekommen, und es fanden sich so gar
<lb n="0199.03"/> einige, die, ob sie gleich nicht angegeben wa=
<lb n="0199.04"/> ren, dennoch sich selbst, aus Religionseyfer, an=
<lb n="0199.05"/> klagten, und sich dieser harten Strafe gutwillig
<lb n="0199.06"/> unterzogen. Was die Kriegsunternehmungen
<lb n="0199.07"/> anbelange, darinne wollte er nichts entscheiden,
<lb n="0199.08"/> sondern lie&#x00DF; dem Generale die Freyheit, seine
<lb n="0199.09"/> Waffen hinzuwenden, wohin er es f&#x00FC;r das
<lb n="0199.10"/> dienlichste erachte.</p>
<lb n="0199.11" rend="indent"/> <p>Obeidah versammlete sogleich den Kriegs=
<lb n="0199.12"/> rath, und es ward beschlossen, da&#x00DF; man als=
<lb n="0199.13"/> bald vor Aleppo r&#x00FC;cken, und alsdenn die Bela=
<lb n="0199.14"/> gerung von Antiochia unternehmen wolle. Er
<lb n="0199.15"/> gab dem Khaled eine betr&#x00E4;chtliche Mannschaft,
<lb n="0199.16"/> und hie&#x00DF; ihn damit voraus ziehen. Er folgte
<lb n="0199.17"/> ihm kurz darauf, und lie&#x00DF; in Damascus eine
<lb n="0199.18"/> Besatzung von f&#x00FC;nfhundert Reutern. Als er
<lb n="0199.19"/> wieder zu dem Khaled gestossen war, trug er
<lb n="0199.20"/> ihm auf, das Gebiete von Hemes und Ken=
<lb n="0199.21"/> nesrin zu durchstreiffen, w&#x00E4;hrend dessen er selbst
<lb n="0199.22"/> Baalbec, eine sonst unter dem Namen Helio=
<lb n="0199.23"/> polis bekannte Stadt, angreiffen wolle.</p>
<lb n="0199.24" rend="indent"/> <p>Doch da er eben auf dem Marsche begriffen<note type="marginalie" place="rechts">Der Calife<lb/>befiehlt He=<lb/>mes zu bela=<lb/>gern.</note>
<lb n="0199.25"/> war, erhielt er einen Curier, welcher ihm einen
<lb n="0199.26"/> Befehl von dem Califen brachte, die Eroberun=
<lb n="0199.27"/> gen mit der Stadt Hemes anzufangen. Die
<lb n="0199.28"/> Ursachen, warum Omar diesen Entschlu&#x00DF; fa&#x00DF;te,
<lb n="0199.29"/> waren in dem Briefe, welchen er dem Obeidah
<lb n="0199.30"/> schickte, angef&#x00FC;hrt. Nach der gew&#x00F6;hnlichen
<pb n="0200.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-261"/>
<lb n="0200.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>Formel: <hi rend="bold">im Namen Gottes des Erbar=
<lb n="0200.02"/> mers <choice><orig><g ref="#etcligchwabacher"/></orig><expan>et cetera</expan></choice></hi> las man folgendes:</p>
<lb n="0200.03" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Giabalah = ebn = Aihan, aus dem
<lb n="0200.04"/> Stamm Gassan, kam vor einiger Zeit,
<lb n="0200.05"/> mit seinen Anverwandten und andern
<lb n="0200.06"/> Vornehmen des Stammes, uns zu be=
<lb n="0200.07"/> suchen; ich empfing sie mit H&#x00F6;flichkeit,
<lb n="0200.08"/> und sie verrichteten mit mir die Wall=
<lb n="0200.09"/> fahrt nach Mecca, wo sie alle gew&#x00F6;hn=
<lb n="0200.10"/> liche Gebr&#x00E4;uche beobachteten, und sie=
<lb n="0200.11"/> benmal um den Tempel herum gingen.
<lb n="0200.12"/> Fezarah, welcher hinter ihm war, trat
<lb n="0200.13"/> von ohngefehr auf sein Oberkleid, und
<lb n="0200.14"/> machte, da&#x00DF; es ihm von der Schulter
<lb n="0200.15"/> fiel; er versicherte aber gleich, da&#x00DF; es
<lb n="0200.16"/> ihm leid thue, und da&#x00DF; er es nicht gerne
<lb n="0200.17"/> gethan habe. Giabalah, ohne auf die=
<lb n="0200.18"/> se Entschuldigung zu achten, versetzte
<lb n="0200.19"/> ihm einen so gewaltigen Schlag mit der
<lb n="0200.20"/> Faust, da&#x00DF; er ihm die Nase einschlug,
<lb n="0200.21"/> und vier Z&#x00E4;hne einschmi&#x00DF;. Fezarah kam
<lb n="0200.22"/> sogleich zu mir. Jch nahm seine Kla=
<lb n="0200.23"/> gen an, und lie&#x00DF; folglich den Giabalah
<lb n="0200.24"/> zu mir fordern, und fragte ihn, warum
<lb n="0200.25"/> er einem Muselmanne, der sich entschul=
<lb n="0200.26"/> digt habe, so &#x00FC;bel begegne{??}? Er ant=
<lb n="0200.27"/> wortete mir, wann er nicht vor dem
<lb n="0200.28"/> Tempel Scheu getragen h&#x00E4;tte, so w&#x00FC;rde
<lb n="0200.29"/> er den Fezarah get&#x00F6;dtet haben, weil er
<lb n="0200.30"/> ihm die Schulter entbl&#x00F6;&#x00DF;t, indem er auf
<lb n="0200.31"/> sein Kleid getreten. Du zeugest also wi=</hi>
<pb n="0201.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-262"/>
<lb n="0201.01"/> <hi rend="bold">der dich selbst, sagte ich zu ihm, und<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0201.02"/> wann dir der Beleidigte nicht vergeben
<lb n="0201.03"/> will, so werde ich gen&#x00F6;thiget seyn, dich
<lb n="0201.04"/> nach dem Rechte der gleichen Vergel=
<lb n="0201.05"/> tung (<ref rend="footnote" n="201*"><hi rend="super">*</hi></ref>) zu bestraffen. Bedenke, ant=
<lb n="0201.06"/> wortete er, da&#x00DF; ich K&#x00F6;nig bin, und der
<lb n="0201.07"/> andre nichts als ein Bauer. Dieses
<lb n="0201.08"/> thut nichts, sagte ich, zwey Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0201.09"/> ner sind dem Stande nach vor Gott,
<lb n="0201.10"/> welchen sie anbeten, gleich. Er bat mich
<lb n="0201.11"/> die Genugthuung, die man von ihm
<lb n="0201.12"/> fordre, bis auf Morgen zu verschieben,
<lb n="0201.13"/> und ich hatte schon die Einwilligung des
<lb n="0201.14"/> Beleidigten erhalten; doch in der Nacht
<lb n="0201.15"/> hat sich Giabalah mit seinen Freunden
<lb n="0201.16"/> davon gemacht, und ich h&#x00F6;re, da&#x00DF; sie
<lb n="0201.17"/> nach Hemes gefl&#x00FC;chtet sind. Gehe also,
<lb n="0201.18"/> und belagre diesen Ort, um ihn wegen
<lb n="0201.19"/> seines Ungehorsams zu bestraffen</hi>.</p>
<lb n="0201.20" rend="indent"/> <p>Obeidah zog also gleich auf Hemes zu, und
<lb n="0201.21"/> lie&#x00DF; dem Khaled, welcher in der Gegend daher=
<lb n="0201.22"/> um streifte, sagen, sogleich die Belagerung die=
<lb n="0201.23"/> ses Orts vorzunehmen. Die Umst&#x00E4;nde waren
<lb n="0201.24"/> dabey so vortheilhaft, als man sie nur w&#x00FC;nschen
<lb n="0201.25"/> konnte. Auf das Ger&#x00FC;chte, die Araber w&#x00E4;ren
<lb n="0201.26"/> <note type="footnote" n="201*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Mahomet hatte das Gesetze der gleichen
<lb n="0201.27" rend="indent"/> Vergeltung angenommen, verm&#x00F6;ge dessen
<lb n="0201.28" rend="indent"/> ein Mensch eben das Uebel zu erdulden ver=
<lb n="0201.29" rend="indent"/> dammt wird, welches er einem andern er=
<lb n="0201.30" rend="indent"/> wiesen hat.</p></note>
<pb n="0202.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-263"/>
<lb n="0202.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>vor Baalbec ger&#x00FC;ckt, hatten die Einwohner von
<lb n="0202.02"/> Hemes ihre Stadt zu befestigen unterlassen,
<lb n="0202.03"/> weil sie glaubten, der Feind werde sobald noch
<lb n="0202.04"/> nicht zu ihnen kommen. Uebrigens starb der
<lb n="0202.05"/> Befehlshaber gleich an eben dem Tage, als
<lb n="0202.06"/> Khaled sich vor seinen Mauern niedergelassen
<lb n="0202.07"/> hatte, und es war niemand im Stande, bey so
<lb n="0202.08"/> gef&#x00E4;hrlichen Umst&#x00E4;nden, seine Stelle zu vertre=
<lb n="0202.09"/> ten. Man kam daher auf den Anschlag, den
<lb n="0202.10"/> Ort der Gefahr, die ihm drohete, zu entreis=
<lb n="0202.11"/> sen; anstatt sich zu vertheidigen, nahmen die
<lb n="0202.12"/> Einwohner von Hemes ihre Zuflucht zur Un=
<lb n="0202.13"/> terhandlung, und dieses Mittel ging von Stat=
<lb n="0202.14"/> ten.</p>
<lb n="0202.15" rend="indent"/> <p>Es war ohne Zweifel Giabalah, welcher ih=
<lb n="0202.16"/> nen diesen Rath gab; und in der That war
<lb n="0202.17"/> ihm mehr, als allen andern daran gelegen, da&#x00DF;
<lb n="0202.18"/> der Ort nicht mit Gewalt von dem Feinde ein=
<lb n="0202.19"/> genommen w&#x00FC;rde. Da er den sanftm&#x00FC;thigen
<lb n="0202.20"/> und gem&#x00E4;&#x00DF;igten Charakter des Obeidah kannte,
<lb n="0202.21"/> und also einen Vergleich hoffen konnte, so ist
<lb n="0202.22"/> es wahrscheinlich, da&#x00DF; er die Heme&#x00DF;iner bere=
<lb n="0202.23"/> det, mit diesem Generale eine Unterhandlung
<lb n="0202.24"/> zu pflegen.</p>
<lb n="0202.25" rend="indent"/> <p>Zu allem Gl&#x00FC;cke langte er kurz nach dem
<lb n="0202.26"/> Khaled an; denn wenn dieser noch eine Zeit
<lb n="0202.27"/> lang l&#x00E4;nger Herr alleine geblieben w&#x00E4;re, so w&#x00E4;=
<lb n="0202.28"/> re es um die Stadt Hemes geschehen gewesen:
<lb n="0202.29"/> die Ungest&#x00FC;mmigkeit dieses Generals machte
<lb n="0202.30"/> ihn zu einem Feinde aller Unterhandlungen.
<pb n="0203.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-264"/>
<lb n="0203.01"/> Obeidah empfing also die Abgeordneten der He=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0203.02"/> me&#x00DF;iner; er h&#x00F6;rte ihre Vorschl&#x00E4;ge g&#x00FC;tig an, und
<lb n="0203.03"/> auf das Anerbieten eines betr&#x00E4;chtlichen Tributs,
<lb n="0203.04"/> verwilligte er ihnen endlich einen Waffenstille=
<lb n="0203.05"/> stand auf ein Jahr.</p>
<lb n="0203.06" rend="indent"/> <p>Dieser General legte bey einer Begeben=<note type="marginalie" place="rechts">Leutselig=<lb/>keit des O=<lb/>beidah.</note>
<lb n="0203.07"/> heit, die sich damals ereignete, einen neuen Be=
<lb n="0203.08"/> weis seiner Leutseligkeit ab. Ein Officier von
<lb n="0203.09"/> den Muselm&#x00E4;nnern war mit einer Mannschaft
<lb n="0203.10"/> das Land zu durchstreiffen ausgegangen, und
<lb n="0203.11"/> brachte eine unerme&#x00DF;liche Beute mit, so wohl
<lb n="0203.12"/> an Vieh als an Gelde, besonders aber an Ge=
<lb n="0203.13"/> fangenen, deren Anzahl sich bis auf vierhun=
<lb n="0203.14"/> dert belief. Das Heulen und Schreyen dieser
<lb n="0203.15"/> Ungl&#x00FC;cklichen, als sie in dem Lager der Araber
<lb n="0203.16"/> ankamen, machte bey dem Obeidah einen sol=
<lb n="0203.17"/> chen Eindruck, da&#x00DF; er ihnen ihre Freyheit wie=
<lb n="0203.18"/> der zu geben beschlo&#x00DF;; doch wollte er es nicht
<lb n="0203.19"/> auf seine eigne Rechnung nehmen, sondern zog
<lb n="0203.20"/> die vornehmsten Kriegs = Bedienten zu Rathe.
<lb n="0203.21"/> Diese konnten es gleich zum voraus merken,
<lb n="0203.22"/> da&#x00DF; sie dem Generale einen Gefallen erweisen
<lb n="0203.23"/> w&#x00FC;rden, wann sie sich zur G&#x00FC;te geneigt zeig=
<lb n="0203.24"/> ten, und waren also der Meinung, die Gefan=
<lb n="0203.25"/> genen, vermittelst eines Tributs von vier Gold=
<lb n="0203.26"/> st&#x00FC;cken, die sie f&#x00FC;r jeden Kopf zu bezahlen ver=
<lb n="0203.27"/> sprachen, frey zu lassen. Man nahm die n&#x00F6;=
<lb n="0203.28"/> thigen Versichrungen wegen dieser Zahlung,
<lb n="0203.29"/> und Obeidah lie&#x00DF; folglich die Gefangnen fortzie=
<lb n="0203.30"/> hen, und befahl sogar ihnen alles, was man
<lb n="0203.31"/> ihnen abgenommen hatte, wiederzugeben.</p>
<pb n="0204.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-265"/>
<lb n="0204.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note><p rend="indent">Dieses g&#x00FC;tige Betragen brachte die Angele=
<lb n="0204.02"/> genheiten der Muselm&#x00E4;nner weiter, als sie ein
<lb n="0204.03"/> strengres Bezeigen w&#x00FC;rde gebracht haben. Die
<lb n="0204.04"/> <note type="marginalie" place="links">Die Leutse=<lb/>ligkeit <hi rend="spaced">des</hi><lb/>Obeidah be=<lb/><hi rend="spaced">wegt ver=<lb/>schiedene</hi><lb/>St&#x00E4;dte sich<lb/>zu unterwerf=<lb/>fen.</note>H&#x00E4;rte des Khaleds hatte die Muselm&#x00E4;nner ver=
<lb n="0204.05"/> ha&#x00DF;t gemacht; und dieses war vielleicht das,
<lb n="0204.06"/> was den Califen wider ihn aufgebracht hatte.
<lb n="0204.07"/> Obeidah Gegentheils wu&#x00DF;te sich alle Gem&#x00FC;ther
<lb n="0204.08"/> durch seine Gelindigkeit und M&#x00E4;&#x00DF;igung zu ver=
<lb n="0204.09"/> binden. Es fanden sich sogar verschiedne St&#x00E4;d=
<lb n="0204.10"/> te, die sich von selbst der Herrschaft der Mu=
<lb n="0204.11"/> selm&#x00E4;nner zu unterwerffen kamen, und es f&#x00FC;r
<lb n="0204.12"/> ein Gl&#x00FC;ck hielten, sich ihrer Freyheit und der
<lb n="0204.13"/> ungest&#x00F6;rten Aus&#x00FC;bung ihrer Religion vermit=
<lb n="0204.14"/> telst eines Tributs versichern zu k&#x00F6;nnen.</p>
<lb n="0204.15" rend="indent"/> <p>Diese neue Schutzverwandten waren den
<lb n="0204.16"/> Muselm&#x00E4;nnern sehr n&#x00FC;tzlich, und halffen ihnen
<lb n="0204.17"/> oft mit ihren Rathschl&#x00E4;gen, wann Christen zu
<lb n="0204.18"/> verrathen waren. Diesen Fortgang hatte die
<lb n="0204.19"/> Sanftmuth und Wei&#x00DF;heit, oder vielmehr, wenn
<lb n="0204.20"/> man will, die Staatskunst des Obeidah, dessen
<lb n="0204.21"/> Plan darinne bestand, alle Einwohner der ero=
<lb n="0204.22"/> berten Pl&#x00E4;tze sich zu verbinden und zu erhalten.</p>
<lb n="0204.23"/> <note type="marginalie" place="links">Der Be=<lb/>fehlshaber v.<lb/><hi rend="spaced">Kennesrin</hi><lb/>l&#x00E4;&#x00DF;t <hi rend="spaced">einen</hi><lb/>Stillstand<lb/>vorschlagen.</note><p rend="indent">Kennesrin, eine Stadt in Syrien, welche
<lb n="0204.24"/> nicht weit von Aleppo lag, war eine von denen,
<lb n="0204.25"/> die sich mit denen Arabern vertrugen. Dieser
<lb n="0204.26"/> Ort war befestiget genug, und im Stande ei=
<lb n="0204.27"/> nen langen Widerstand zu thun; doch die Ein=
<lb n="0204.28"/> wohner, welche sich einzig und allein mit dem
<lb n="0204.29"/> Handel besch&#x00E4;ftigten, wollten sich gegen den
<lb n="0204.30"/> Einbruch der Araber lieber durch einen Ver=
<pb n="0205.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-266"/>
<lb n="0205.01"/> trag, als durch den Weg der Waffen in Si=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0205.02"/> cherheit setzen. Der Befehlshaber war dieser
<lb n="0205.03"/> Meinung nicht; unterdessen da er sahe, da&#x00DF; die
<lb n="0205.04"/> Einwohner durchaus dazu entschlossen waren,
<lb n="0205.05"/> trat er ihren Gesinnungen bey, und schickte zu
<lb n="0205.06"/> dem Feinde, um einen Waffenstillstand zu er=
<lb n="0205.07"/> bitten, er machte aber dabey aus, da&#x00DF; er nicht
<lb n="0205.08"/> l&#x00E4;nger dauern sollte, als bis die H&#x00FC;lffe, welche
<lb n="0205.09"/> der K&#x00E4;yser zu schicken versprochen habe, ange=
<lb n="0205.10"/> kommen sey.</p>
<lb n="0205.11" rend="indent"/> <p>Diese Verrichtung ward dem Astackhar, ei=
<lb n="0205.12"/> nem gelehrten griechischen Priester, welcher die
<lb n="0205.13"/> arabische Sprache sehr wohl redete, aufgetra=
<lb n="0205.14"/> gen. Er ging also nach Hemes zu dem Obei=
<lb n="0205.15"/> dah, und nachdem er die St&#x00E4;rke der Stadt
<lb n="0205.16"/> Kennesrin und die Tapferkeit ihres Befehlsha=
<lb n="0205.17"/> bers nur mehr als zu sehr heraus gestrichen
<lb n="0205.18"/> hatte, sagte er ihm, da&#x00DF; man gleichwohl einen
<lb n="0205.19"/> Stillestand auf ein Jahr von ihm bitte, zugleich
<lb n="0205.20"/> aber w&#x00FC;nsche, da&#x00DF; man die Grenzen fest setze,
<lb n="0205.21"/> &#x00FC;ber welche es den Arabern, in das Gebiete
<lb n="0205.22"/> dieses Orts zu kommen, nicht erlaubt seyn solle.
<lb n="0205.23"/> Er f&#x00FC;gte noch hinzu, der Befehlshaber w&#x00FC;rde
<lb n="0205.24"/> es gerne sehen, wann diese Unterhandlung ge=
<lb n="0205.25"/> heim gehalten w&#x00FC;rde, damit er sich nicht den
<lb n="0205.26"/> Unwillen des Kaysers, welcher ihm schleinige
<lb n="0205.27"/> H&#x00FC;lffe versprochen habe, zuziehen m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0205.28" rend="indent"/> <p>Obeidah, welcher diesen Abgeordneten mit<note type="marginalie" place="rechts">Vorstellun=<lb/>gen des Cha=<lb/>leds <hi rend="spaced">hier&#x00FC;=<lb/>ber.</hi></note>
<lb n="0205.29"/> seiner gew&#x00F6;hnlichen Leutseligkeit empfangen hat=
<lb n="0205.30"/> te, war geneigt genug ihm seine Bitte, ohne
<pb n="0206.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-267"/>
<lb n="0206.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>die geringste Einschr&#x00E4;nkung, zu verwilligen;
<lb n="0206.02"/> allein Khaled war &#x00FC;ber das, was der Abgesand=
<lb n="0206.03"/> te von der St&#x00E4;rke der Stadt Kennesrin, und
<lb n="0206.04"/> von der Tapferkeit ihres Befehlshabers gesagt
<lb n="0206.05"/> hatte, empfindlich geworden, und stellte dem
<lb n="0206.06"/> Obeidah vor, da&#x00DF; man sich mit den Christen
<lb n="0206.07"/> vorzusehen habe; da&#x00DF; sie nichts als zu betriegen
<lb n="0206.08"/> und aufzuhalten suchten, bis sie gewi&#x00DF; versi=
<lb n="0206.09"/> chert seyn k&#x00F6;nnten, den Vortheil auf ihrer Sei=
<lb n="0206.10"/> te zu haben; da&#x00DF; man hier nichts anders thun
<lb n="0206.11"/> k&#x00F6;nne, als sogleich wider sie auszuziehen; da&#x00DF;
<lb n="0206.12"/> er in Ansehung des Widerstandes, welchen sie
<lb n="0206.13"/> sich thun zu k&#x00F6;nnen, ber&#x00FC;hmten, sich schmeichle
<lb n="0206.14"/> das Gegentheil th&#x00E4;tlich zu erweisen; und da&#x00DF;,
<lb n="0206.15"/> wenn man es ihm erlaubte, er es auf sich neh=
<lb n="0206.16"/> men wollte, sich der Stadt zu bem&#x00E4;chtigen, und
<lb n="0206.17"/> ein Beyspiel an ihr zu ver&#x00FC;ben, welches alle er=
<lb n="0206.18"/> schrecken sollte, die an einen Widerstand ged&#x00E4;ch=
<lb n="0206.19"/> ten.</p>
<lb n="0206.20" rend="indent"/> <p>Der Abgeordnete ward &#x00FC;ber die H&#x00E4;rte des
<lb n="0206.21"/> Khaled stutzig, und machte ihn deswegen Vor=
<lb n="0206.22"/> w&#x00FC;rffe: <hi rend="bold">Jch komme</hi>, sagte er, <hi rend="bold">euch Frieden
<lb n="0206.23"/> anzubieten, und du verwirfst die Vor=
<lb n="0206.24"/> schl&#x00E4;ge, die ich thue? So hat man uns
<lb n="0206.25"/> also betrogen, wenn man gesagt, die A=
<lb n="0206.26"/> raber w&#x00E4;ren gegen die voller Leutselig=
<lb n="0206.27"/> keit, die sich ihrem Schutze unterw&#x00FC;rf=
<lb n="0206.28"/> fen</hi>? Khaled antwortete ihm hierauf ganz tro=
<lb n="0206.29"/> tzig, er liebe die Leute nicht, die nur zu hinter=
<lb n="0206.30"/> gehen suchten. Er w&#x00FC;rde mehr gesagt haben,
<lb n="0206.31"/> allein Obeidah fiel ihm ins Wort, und stellte
<pb n="0207.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-268"/>
<lb n="0207.01"/> ihm mit vieler Sanftmuth vor, da&#x00DF; da er de=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>
<lb n="0207.02"/> nen, die seine Gnade anfleheten, g&#x00FC;nstig seyn
<lb n="0207.03"/> wolle, so m&#x00FC;sse man auch ihren Abgeordne=
<lb n="0207.04"/> ten eine Antwort ertheilen, die sie zufrieden
<lb n="0207.05"/> stellte, ohne dem Besten der Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0207.06"/> nachtheilig zu seyn.</p>
<lb n="0207.07" rend="indent"/> <p>Nachdem sie sich noch eine Zeitlang mitein=<note type="marginalie" place="rechts">Man bewil=<lb/>liget den Ein=<lb/>wohnern von<lb/>Kennesrin<lb/>einen Stille=<lb/>stand.</note>
<lb n="0207.08"/> ander besprochen hatten, so verwilligte man end=
<lb n="0207.09"/> lich den Einwohnern von Kennesrin einen Stil=
<lb n="0207.10"/> lestand auf ein Jahr; man versprach ihnen auch,
<lb n="0207.11"/> ihr Gebiete nach Maa&#x00DF;gebung der Grenzen,
<lb n="0207.12"/> die sie ehstens fest setzen wollten, zu schonen;
<lb n="0207.13"/> man machte aber dabey aus, da&#x00DF; wenn der
<lb n="0207.14"/> Kayser Trupen wider die Araber schicken sollte,
<lb n="0207.15"/> die Einwohner sich nicht mit ihnen verbinden,
<lb n="0207.16"/> sondern in ihrer Stadt eingeschlossen bleiben
<lb n="0207.17"/> m&#x00FC;&#x00DF;ten, ohne das geringste wider die Musel=
<lb n="0207.18"/> m&#x00E4;nner zu unternehmen.</p>
<lb n="0207.19" rend="indent"/> <p>Nachdem diese Bedingungen angenommen
<lb n="0207.20"/> waren, so kam es nur noch darauf an, die
<lb n="0207.21"/> Grenzen fest zu setzen. Anstatt da&#x00DF; die Ein=
<lb n="0207.22"/> wohner sie durch gezogene Graben h&#x00E4;tten be=
<lb n="0207.23"/> merken sollen, so richteten sie blo&#x00DF; an dem En=
<lb n="0207.24"/> de ihres Gebietes eine Bildseule des Heraclius
<lb n="0207.25"/> auf, welche diesen Kayser auf dem Throne si=
<lb n="0207.26"/> tzend vorstellte.</p>
<lb n="0207.27" rend="indent"/> <p>Diese Bildseule verursachte zwischen den<note type="marginalie" place="rechts">Durch ei=<lb/>nen Zufall<lb/>w&#x00E4;re bey na=<lb/>he der Stille=<lb/>stand gebro=<lb/>chen worden.</note>
<lb n="0207.28"/> Einwohnern und Arabern neue Streitigkeiten.
<lb n="0207.29"/> Zwey muselm&#x00E4;nnische Ritter, die mit einander
<lb n="0207.30"/> das Feld durchstreiften, hielten bey den Gren=
<pb n="0208.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-269"/>
<lb n="0208.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 13.<lb/>n. C. G. 634.</note>zen von Kennesrin stille, und machten gegen
<lb n="0208.02"/> einander ihre Uebungen mit der Lanze. Einer
<lb n="0208.03"/> von ihnen versetzte entweder von ohngefehr, o=
<lb n="0208.04"/> der vielleicht mit Flei&#x00DF;, der Bildseule einen
<lb n="0208.05"/> Sto&#x00DF;, und verletzte sie an dem Auge. Die
<lb n="0208.06"/> Griechen machten hier&#x00FC;ber ein grosses Lermen.
<lb n="0208.07"/> Sie gaben vor, man habe den Kayser selbst da=
<lb n="0208.08"/> mit beschimpfen wollen, und schickten endlich ei=
<lb n="0208.09"/> nen Abgeordneten an den Obeidah, welcher
<lb n="0208.10"/> ihnen Gnugthuung de&#x00DF;wegen verschaffen sollte.</p>
<lb n="0208.11" rend="indent"/> <p>Dieser kluge General hatte die Gef&#x00E4;lligkeit,
<lb n="0208.12"/> sich bey ihnen wegen dieses Zufalles entschuldi=
<lb n="0208.13"/> gen zu lassen. Er versicherte, da&#x00DF; er Erkundi=
<lb n="0208.14"/> gung davon eingezogen habe, und da&#x00DF; derjeni=
<lb n="0208.15"/> ge, welcher den Sto&#x00DF; gethan, es ihm zuge=
<lb n="0208.16"/> schworen habe, da&#x00DF; es ein blosser Zufall gewe=
<lb n="0208.17"/> sen sey, und da&#x00DF; er nicht die geringste Absicht
<lb n="0208.18"/> gehabt habe, die Bildseule des Kaysers zu tref=
<lb n="0208.19"/> fen.</p>
<lb n="0208.20" rend="indent"/> <p>Die Sanftmuth, womit Obeidah den Ab=
<lb n="0208.21"/> geordneten antwortete, machte sie trotzig; sie
<lb n="0208.22"/> fingen an, sich ungemessener auszudr&#x00FC;cken, als
<lb n="0208.23"/> sie anfangs gethan hatten; so da&#x00DF; sie, als ih=
<lb n="0208.24"/> nen der General alle Gnugthuung, die sie nur
<lb n="0208.25"/> w&#x00FC;nschen k&#x00F6;nnten, de&#x00DF;wegen zu geben ver=
<lb n="0208.26"/> sprach, die Anwendung des Vergeltungsrechts
<lb n="0208.27"/> zu fordern sich unterstanden, und in allem
<lb n="0208.28"/> Ernste begehrten, da&#x00DF; man dem Califen ein
<lb n="0208.29"/> Auge ausstossen solle.</p>
<lb n="0208.30" rend="indent"/> <p>Diese l&#x00E4;cherliche Forderung, setzte die Araber
<pb n="0209.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-270"/>
<lb n="0209.01"/> in eine solche Wuth, da&#x00DF; sie die Abgeordneten<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0209.02"/> zu Opfern derselben w&#x00FC;rden gemacht haben,
<lb n="0209.03"/> wann Obeidah nicht Sorge getragen h&#x00E4;tte, sei=
<lb n="0209.04"/> ne Leute zu bes&#x00E4;nftigen. Er hatte aber allzu=
<lb n="0209.05"/> viel Gegenwart des Geistes, als da&#x00DF; er aus dem
<lb n="0209.06"/> seltsamen Verlangen der Abgeordneten nicht
<lb n="0209.07"/> h&#x00E4;tte einen Scherz machen sollen, so da&#x00DF; er
<lb n="0209.08"/> die Nothwendigkeit, sich hier des Vergeltungs=
<lb n="0209.09"/> rechts zu bedienen, zugab, und ihnen also rieth
<lb n="0209.10"/> eine Bildseule des Califen machen zu lassen, und
<lb n="0209.11"/> gleichfalls an ihr ein Auge zu verderben, wie
<lb n="0209.12"/> man es an der Bildseule des K&#x00E4;ysers gethan
<lb n="0209.13"/> habe. Mit dieser Antwort kehrten die Abge=
<lb n="0209.14"/> ordneten zur&#x00FC;ck, und es kam mit der ganzen
<lb n="0209.15"/> Sache nicht weiter.</p>
<lb n="0209.16" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend da&#x00DF; Obeidah vor Hemes liegen<note type="marginalie" place="rechts">Dem Obei=<lb/>dah wird sei=<lb/>ne Unth&#x00E4;tig=<lb/>keit <hi rend="spaced">vorge=<lb/>worffen.</hi></note>
<lb n="0209.17"/> blieb, schrieb der Calif, welcher eine Zeitlang
<lb n="0209.18"/> nichts von kriegerischen Verrichtungen geh&#x00F6;rt
<lb n="0209.19"/> hatte, an ihn, sich &#x00FC;ber sein Stillschweigen und
<lb n="0209.20"/> seine Unth&#x00E4;tigkeit zu beklagen. Obeidah ward
<lb n="0209.21"/> &#x00FC;ber diese Vorw&#x00FC;rffe empfindlich, und es ver=
<lb n="0209.22"/> dro&#x00DF; ihn einigermaa&#x00DF;en, da&#x00DF; er den Griechen
<lb n="0209.23"/> so leicht den Waffenstillestand zugestanden habe.
<lb n="0209.24"/> Da er aber gleichwohl sein Wort nicht brechen
<lb n="0209.25"/> wollte, so lie&#x00DF; er die Einwohner von Hemes,
<lb n="0209.26"/> und der &#x00FC;brigen Oerter, mit welchen er einen
<lb n="0209.27"/> Vergleich gemacht hatte, in Ruhe, und kehrte
<lb n="0209.28"/> seine Waffen gegen eine andre Gegend. Gleich=
<lb n="0209.29"/> wohl lie&#x00DF; er einige Mannschaft vor Hemes, um
<lb n="0209.30"/> diesen Ort, w&#x00E4;hrend des Stillestandes, in
<lb n="0209.31"/> Furcht zu erhalten.</p>
<pb n="0210.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-271"/>
<lb n="0210.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note><p rend="indent">Die Armee der Muselm&#x00E4;nner brach also
<lb n="0210.02"/> auf, und nahm den Weg nach Aleppo; sie zog
<lb n="0210.03"/> bey Arrestan vorbey, und begab sich von dan=
<lb n="0210.04"/> nen nach Hamah, einem Orte, welcher in den
<lb n="0210.05"/> folgenden Zeiten der Sitz des Abulfeda wurde,
<lb n="0210.06"/> eines Mannes, der in seiner Person den F&#x00FC;r=
<lb n="0210.07"/> sten, und den geschickten Schriftsteller in der
<lb n="0210.08"/> Geschichte und Erdbeschreibung sehr wohl zu
<lb n="0210.09"/> verbinden wu&#x00DF;te.</p>
<lb n="0210.10"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Der Be=</hi><lb/>fehlshaber v.<lb/>Kennesrin<lb/>bricht <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Stillestand.</note><p rend="indent">Von Hamah nahm man den Weg nach
<lb n="0210.11"/> Schaizar, wo Obeidah, auf erhaltne Nachricht,
<lb n="0210.12"/> da&#x00DF; der Befehlshaber von Kennesrin den K&#x00E4;y=
<lb n="0210.13"/> ser inst&#x00E4;ndigst um H&#x00FC;lffe ersucht habe, und die=
<lb n="0210.14"/> ser auch ohne Zeitverlust ein ansehnliches Heer,
<lb n="0210.15"/> unter Anf&#x00FC;hrung des Giabalah, werde auf=
<lb n="0210.16"/> brechen lassen, stille hielt. Dieser Giabalah
<lb n="0210.17"/> war eben derjenige, dessenwegen der Calife He=
<lb n="0210.18"/> mes zu belagern befohlen hatte, woraus er sich
<lb n="0210.19"/> aber sogleich fortgemacht, zu dem K&#x00E4;yser gekom=
<lb n="0210.20"/> men war, und ihm seine Dienste wider die Mu=
<lb n="0210.21"/> selm&#x00E4;nner angetragen hatte.</p>
<lb n="0210.22"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Er wird</hi><lb/>an der Spi=<lb/>tze seiner Tru=<lb/>pen nieder=<lb/>gemacht.</note><p rend="indent">Da Obeidah zugleich Nachricht bekam, da&#x00DF;
<lb n="0210.23"/> der Befehlshaber von Kennesrin Anstalt mache,
<lb n="0210.24"/> dieser H&#x00FC;lffe entgegen zu gehen, so beschlo&#x00DF; er
<lb n="0210.25"/> sogleich, keinen einzigen mehr zu schonen, wel=
<lb n="0210.26"/> cher so offenbar wider den bewilligten Stille=
<lb n="0210.27"/> stand handeln w&#x00FC;rde. Er trug dem Khaled
<lb n="0210.28"/> auf, wider ihn aufzubrechen, und ihm den
<lb n="0210.29"/> Weg abzuschneiden. Dieser tapfre Krieger
<lb n="0210.30"/> richtete die ihm aufgetragne Verrichtung voll=
<pb n="0211.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-272"/>
<lb n="0211.01"/> kommen wohl aus. Nachdem er den Befehls=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0211.02"/> haber auf dem Marsche angetroffen, griff er
<lb n="0211.03"/> ihn an, schlug seine Leute in die Flucht, und
<lb n="0211.04"/> t&#x00F6;dtete ihm mit eigner Hand.</p>
<lb n="0211.05" rend="indent"/> <p>Der Tod dieses Anf&#x00FC;hrers entscheidete das<note type="marginalie" place="rechts">Die Ein=<lb/>wohner von<lb/>Kennesrin<lb/>werden zins=<lb/>bar.</note>
<lb n="0211.06"/> Schicksal von Kennesrin; die Einwohner tha=
<lb n="0211.07"/> ten l&#x00E4;nger keinen Widerstand, sie unterwarf=
<lb n="0211.08"/> fen sich den Arabern, und verwilligten Tribut
<lb n="0211.09"/> zu bezahlen. Nachdem Obeidah diese Neuig=
<lb n="0211.10"/> keit dem Califen gemeldet, so antwortete ihm
<lb n="0211.11"/> Omar alsbald, um ihm Gl&#x00FC;ck zu w&#x00FC;nschen,
<lb n="0211.12"/> und befahl zugleich, da&#x00DF; man, dem Tribute un=
<lb n="0211.13"/> beschadet, von einem jeden Einwohner vier
<lb n="0211.14"/> Ducaten ohne Unterscheid fordern solle.</p>
<lb n="0211.15" rend="indent"/> <p>Nach dieser Eroberung ward es dem Kha=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Obeidah</hi><lb/>pl&#x00FC;ndert ei=<lb/>ne Caravan=<lb/>ne.</note>
<lb n="0211.16"/> led aufgetragen, Hemes mit einem Theile der
<lb n="0211.17"/> Armee anzugreiffen. Obeidah mit den &#x00FC;brigen
<lb n="0211.18"/> Trupen nahm den Weg nach Baalbec, um
<lb n="0211.19"/> diesen Ort zu belagern. Er stie&#x00DF; w&#x00E4;hrend des
<lb n="0211.20"/> Marsches auf eine Caravanne, deren er sich
<lb n="0211.21"/> bem&#x00E4;chtigte. Da die Kaufleute, aus welchen
<lb n="0211.22"/> sie bestand, den General um Erlaubni&#x00DF; baten,
<lb n="0211.23"/> sich los kauffen zu d&#x00FC;rffen, so verwilligte er es,
<lb n="0211.24"/> und gab ihnen, nachdem er ansehnliche Sum=
<lb n="0211.25"/> men erhalten hatte, ihre Freyheit wieder.</p>
<lb n="0211.26" rend="indent"/> <p>Weil einige noch von ihnen nach Baalbec
<lb n="0211.27"/> gefl&#x00FC;chtet waren, so ertheilten sie dem Befehls=
<lb n="0211.28"/> haber von dem Zufalle, welcher der Caravan=
<lb n="0211.29"/> ne zugestossen, Nachricht; und da an diesem
<lb n="0211.30"/> Orte die Vertheilung der muselm&#x00E4;nnischen Tru=
<pb n="0212.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-273"/>
<lb n="0212.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>pen nicht unbekandt war, so glaubte Herbis
<lb n="0212.02"/> (so hie&#x00DF; der Befehlshaber) starck genug zu
<lb n="0212.03"/> seyn, den Theil der Armee, welchen Obeidah
<lb n="0212.04"/> f&#x00FC;hrte, anzugreiffen. Er beschlo&#x00DF; also dieses
<lb n="0212.05"/> Unternehmen zu beschleinigen, in Hoffnung, die
<lb n="0212.06"/> reiche Beute wieder zu bekommen, die sie der
<lb n="0212.07"/> Caravanne abgenommen hatten: allein es fehl=
<lb n="0212.08"/> te sehr viel, da&#x00DF; der Ausgang mit seiner Hof=
<lb n="0212.09"/> nung &#x00FC;berein gekommen w&#x00E4;re. Er wurde
<lb n="0212.10"/> g&#x00E4;nzlich geschlagen; ein grosser Theil seiner
<lb n="0212.11"/> Trupen ward niedergehauen: er selbst konnte
<lb n="0212.12"/> nicht anders als mit gr&#x00F6;&#x00DF;ter Noth entkommen,
<lb n="0212.13"/> nachdem er verschiedne betr&#x00E4;chtliche Wunden be=
<lb n="0212.14"/> kommen hatte.</p>
<lb n="0212.15"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Belage=<lb/>rung von</hi><lb/>Baalbec.</note><p rend="indent">Obeidah verfolgte sein Gl&#x00FC;ck, und belagerte
<lb n="0212.16"/> Baalbec; ehe er aber den Angriff that, schrieb
<lb n="0212.17"/> er an die Einwohner, um sie zu bewegen, sich
<lb n="0212.18"/> in der G&#x00FC;te zu ergeben. Er hoffte, der letzte
<lb n="0212.19"/> Zufall werde bey ihnen Eindruck gemacht ha=
<lb n="0212.20"/> ben, so, da&#x00DF; wenn ein f&#x00FC;rchterlicher Feind vor
<lb n="0212.21"/> ihren Mauern erschiene, sie mit Freuden einen
<lb n="0212.22"/> Vertrag bewilligen w&#x00FC;rden: Doch die Bela=
<lb n="0212.23"/> gerten liessen ganz andre Gesinnungen blicken,
<lb n="0212.24"/> als Obeidah vermuthet hatte. Unterdessen la&#x00DF;
<lb n="0212.25"/> man doch den Brief ab; allein der Befehlsha=
<lb n="0212.26"/> ber schickte den, welcher ihn gebracht hatte, oh=
<lb n="0212.27"/> ne Antwort wieder zur&#x00FC;ck.</p>
<lb n="0212.28" rend="indent"/> <p>Dieses schimpfliche Verfahren verdro&#x00DF; den
<lb n="0212.29"/> arabischen General; er beschlo&#x00DF; sich deswegen
<lb n="0212.30"/> zu r&#x00E4;chen, und grif den Platz mit aller m&#x00F6;gli=
<pb n="0213.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-274"/>
<lb n="0213.01"/> chen Gewalt an. Diese Belagerung wurde<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/>Hegire 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0213.02"/> den Muselm&#x00E4;nnern ausserordentlich sauer. Das
<lb n="0213.03"/> Wetter, welches damals sehr rauh war, mu&#x00DF;te
<lb n="0213.04"/> die Trupen weit h&#x00E4;rter angreiffen, die unter
<lb n="0213.05"/> Zeltern gelagert waren, und &#x00FC;brigens an allem
<lb n="0213.06"/> Mangel litten, was sie wider diese ausserordent=
<lb n="0213.07"/> liche K&#x00E4;lte h&#x00E4;tte verwahren k&#x00F6;nnen. Unter=
<lb n="0213.08"/> dessen setzten sie den Angrif doch mit einer er=
<lb n="0213.09"/> staunensw&#x00FC;rdigen Hitze fort; und die Belager=
<lb n="0213.10"/> ten vertheidigten sich mit einer Tapferkeit, die
<lb n="0213.11"/> alle Anf&#x00E4;lle der St&#x00FC;rmenden zu nichte machte.</p>
<lb n="0213.12" rend="indent"/> <p>Der Befehlshaber war in kurzem von den<note type="marginalie" place="rechts">Die Bela=<lb/>gerten thun<lb/>einen Aus=<lb/>fall, der ih=<lb/>nen gelingt.</note>
<lb n="0213.13"/> Wunden wieder geheilt worden, die er bey dem
<lb n="0213.14"/> Angriffe der Araber vor ihrer Ankunft bey Baal=
<lb n="0213.15"/> bec bekommen hatte, und beschlo&#x00DF; einen Ausfall
<lb n="0213.16"/> zu wagen. Er hoffte ihn mit desto gr&#x00F6;sserm
<lb n="0213.17"/> Gl&#x00FC;cke thun zu k&#x00F6;nnen, da der General der
<lb n="0213.18"/> Muselm&#x00E4;nner, welcher nur einen Theil der Tru=
<lb n="0213.19"/> pen mit sich f&#x00FC;hrte, auch diesen noch in ver=
<lb n="0213.20"/> schiedene Hauffen getrennet hatte, um die Kr&#x00E4;f=
<lb n="0213.21"/> te der Belagerten zu schw&#x00E4;chen, wann er sie
<lb n="0213.22"/> dieselben zu theilen n&#x00F6;thigte.</p>
<lb n="0213.23" rend="indent"/> <p>Herbis, welcher den Stand der feindlichen
<lb n="0213.24"/> Trupen wohl bemerkt hatte, nahm sich vor, sie
<lb n="0213.25"/> blo&#x00DF; von einer Seite anzugreiffen, und den Aus=
<lb n="0213.26"/> fall durch das Thor zu thun, welches dem Quar=
<lb n="0213.27"/> tiere des Obeidah entgegen stand. Er wehlte
<lb n="0213.28"/> zu diesem Unternehmen einen Morgen; und der
<lb n="0213.29"/> Ausfall geschahe gleich zu der Zeit, als die Mu=
<lb n="0213.30"/> selm&#x00E4;nner, auf Befehl ihres Generals, mit ih=
<pb n="0214.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-275"/>
<lb n="0214.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>rer Mahlzeit besch&#x00E4;ftigt waren. Obeidah, wel=
<lb n="0214.02"/> cher ohne Zweifel diesen Tag etwas vorzuneh=
<lb n="0214.03"/> men entschlossen war, hatte befohlen, da&#x00DF; ein
<lb n="0214.04"/> jeder, sogleich nach dem Gebete, etwas Nah=
<lb n="0214.05"/> rung zu sich zu nehmen bedacht seyn solle.</p>
<lb n="0214.06" rend="indent"/> <p>Dieses Unternehmen fiel f&#x00FC;r die Araber un=
<lb n="0214.07"/> gl&#x00FC;cklich aus. Die Einwohner von Baalbec
<lb n="0214.08"/> &#x00FC;berfielen sie zu einer Zeit, da sie es am wenig=
<lb n="0214.09"/> sten vermutheten, und richteten ein entsetzlich
<lb n="0214.10"/> Blutbad unter ihnen an; worauf sie sich eiligst
<lb n="0214.11"/> wieder in die Stadt zogen, und sehr viel Gefan=
<lb n="0214.12"/> gene mit sich fort f&#x00FC;hrten.</p>
<lb n="0214.13" rend="indent"/> <p>Dem Obeidah ging dieser Verlust unge=
<lb n="0214.14"/> mein nahe; er nahm daher die n&#x00F6;thigen Maa&#x00DF;=
<lb n="0214.15"/> regeln, k&#x00FC;nftig dergleichen Ueberf&#x00E4;llen vorzu=
<lb n="0214.16"/> beugen. Er glaubte, er habe sich allzunahe an
<lb n="0214.17"/> den Mauern niedergelassen, und diese N&#x00E4;he
<lb n="0214.18"/> w&#x00E4;re ihm nachtheilig gewesen, weil man in der
<lb n="0214.19"/> That in Gefahr stehe, den Feind alle Augen=
<lb n="0214.20"/> blicke auf dem Nacken zu haben. Es war noch
<lb n="0214.21"/> eine andere Unbequemlichkeit dabey, welche dar=
<lb n="0214.22"/> inne bestand, da&#x00DF; seine Reuterey nicht Platz
<lb n="0214.23"/> genug hatte, sich th&#x00E4;tig zu erzeigen.</p>
<lb n="0214.24"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Zweyter</hi><lb/>Ausfall derer<lb/>von Baalbec.</note><p rend="indent">Die von Baalbec bekamen durch den Vor=
<lb n="0214.25"/> theil, welchen sie davon getragen hatten, Muth,
<lb n="0214.26"/> und beschlossen den Tag darauf einen zweyten
<lb n="0214.27"/> Ausfall zu wagen. Der Befehlshaber trat an
<lb n="0214.28"/> ihre Spitze, und fiel mit aller Hitze auf das
<lb n="0214.29"/> Quartier des Obeidah, wo er beynahe eben so=
<lb n="0214.30"/> gl&#x00FC;cklich war, als den Tag vorher. Sie warf=
<pb n="0215.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-276"/>
<lb n="0215.01"/> fen alles &#x00FC;ber den Hauffen, was sich ihnen ent=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0215.02"/> gegen stellte, und trieben den Muselmann sehr
<lb n="0215.03"/> weit zur&#x00FC;ck. Doch die Belagerten vergassen
<lb n="0215.04"/> bey ihrer Hitze, da&#x00DF; sie sich allzusehr von ihrem
<lb n="0215.05"/> Orte entfernten, sie gingen immer weiter vor=
<lb n="0215.06"/> w&#x00E4;rts, und w&#x00E4;ren beynahe so gl&#x00FC;cklich gewesen,
<lb n="0215.07"/> das ganze Quartire des Obeidah v&#x00F6;llig in die
<lb n="0215.08"/> Flucht zu schlagen, als ein Araber durch seine
<lb n="0215.09"/> Gegenwart des Geistes in kurzen den Sachen
<lb n="0215.10"/> ein ander Ansehen gab.</p>
<lb n="0215.11" rend="indent"/> <p>Sohaid=ebn=Sabah, welcher gleich zu An=
<lb n="0215.12"/> fange dieses Ausfalls war verwundet worden,
<lb n="0215.13"/> hatte sich zu allem Gl&#x00FC;cke von dem Schlacht=
<lb n="0215.14"/> felde fortgemacht, und hatte mit M&#x00FC;he und
<lb n="0215.15"/> Noth die H&#x00F6;he eines H&#x00FC;gels erreicht, welcher
<lb n="0215.16"/> &#x00FC;ber das Lager der Araber hing, und von wel=
<lb n="0215.17"/> chem er leicht die Bewegungen beyder Armeen
<lb n="0215.18"/> bemerken konnte.</p>
<lb n="0215.19" rend="indent"/> <p>Als er sahe, da&#x00DF; das Quartier des Obeidah
<lb n="0215.20"/> zur&#x00FC;ck wich, so kam er von selbst auf den Ein=
<lb n="0215.21"/> fall, einen gewissen Hauffen Holtz, welchen er
<lb n="0215.22"/> auf diesem H&#x00FC;gel fand, anzuz&#x00FC;nden; und erreg=
<lb n="0215.23"/> te durch dieses Mittel einen grossen Rauch, wel=
<lb n="0215.24"/> ches das gew&#x00F6;hnliche Zeichen war, dessen sich die
<lb n="0215.25"/> Araber bedienen, wenn sie w&#x00E4;hrend des Tages
<lb n="0215.26"/> ihre Truven versammlen wollten, so wie sie des
<lb n="0215.27"/> Nachts das Feuer dazu brauchten.</p>
<lb n="0215.28" rend="indent"/> <p>Als Derar und Said, welche auf ihren Po=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Obeidah<lb/>bek&#x00F6;mmt<lb/>H&#x00FC;lffe.</hi></note>
<lb n="0215.29"/> sten ruhig waren, diesen Rauch bemerkten, so
<lb n="0215.30"/> vermutheten sie sogleich, da&#x00DF; etwas wichtiges
<pb n="0216.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-277"/>
<lb n="0216.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635</note>in dem Quartiere des Obeidah vorgehen und
<lb n="0216.02"/> er schleinige H&#x00FC;lffe n&#x00F6;thig haben m&#x00FC;sse. Sie
<lb n="0216.03"/> brachen also mit ihren Leuten sogleich auf, und
<lb n="0216.04"/> langten zu gelegner Zeit an, auf die Griechen,
<lb n="0216.05"/> welche einen vollst&#x00E4;ndigen Sieg schon gewi&#x00DF; in
<lb n="0216.06"/> H&#x00E4;nden zu haben glaubten, loszufallen.</p>
<lb n="0216.07" rend="indent"/> <p>Jndem Derar und Said die Griechen an=
<lb n="0216.08"/> fielen, so stellten sie sich zwischen sie und die
<lb n="0216.09"/> Stadt, so da&#x00DF; sie ihnen den Weg zum R&#x00FC;ckzu=
<lb n="0216.10"/> ge abschnitten. Als Herbis sahe, da&#x00DF; man ihm
<lb n="0216.11"/> so scharf zusetze, und den R&#x00FC;ckweg nach Baal=
<lb n="0216.12"/> bec verlegt habe, stellte er sogleich seine Tru=
<lb n="0216.13"/> pen in ein Viereck, und schlug sich, alles Wi=
<lb n="0216.14"/> derstandes der Araber ohngeachtet, mit einer
<lb n="0216.15"/> erstaunensw&#x00FC;rdigen Tapferkeit durch. Er er=
<lb n="0216.16"/> reichte in aller Eil eine Anh&#x00F6;he, wo er die Rui=
<lb n="0216.17"/> nen eines alten Klosters fand; er zog sich hin=
<lb n="0216.18"/> ein, und setzte sich sogleich in wehrhaften Stand.</p>
<lb n="0216.19" rend="indent"/> <p>Obeidah, welcher es noch nicht wuste, da&#x00DF;
<lb n="0216.20"/> man ihm zu H&#x00FC;lffe gekommen war, glaubte
<lb n="0216.21"/> das schleinige zur&#x00FC;ckziehen der Griechen, zu ei=
<lb n="0216.22"/> ner Zeit, da sie allen Vortheil zu haben schie=
<lb n="0216.23"/> nen, sey eine List, um die Muselm&#x00E4;nner an ei=
<lb n="0216.24"/> nen Hinterhalt zu locken. Er verbot daher sei=
<lb n="0216.25"/> nen Leuten, sie zu verfolgen.</p>
<lb n="0216.26" rend="indent"/> <p>Doch Said, welcher die Befehle des Gene=
<lb n="0216.27"/> rals nicht wissen konnte, fuhr best&#x00E4;ndig fort,
<lb n="0216.28"/> die Griechen zu beunruhigen, und verfolgte sie
<lb n="0216.29"/> bis auf die H&#x00F6;he, wo er die Zug&#x00E4;nge mit Tru=
<lb n="0216.30"/> pen besetzte. Er selbst stieg mit einigen zwan=
<pb n="0217.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-278"/>
<lb n="0217.01"/> zig Mann wieder hinab, und brachte dem Ge=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0217.02"/> nerale von dem Stande der Feinde Nachricht.</p>
<lb n="0217.03" rend="indent"/> <p>Obeidah erstaunte, den Said mit so wenig
<lb n="0217.04"/> Volke bey sich zu sehen, und bef&#x00FC;rchtete an=
<lb n="0217.05"/> fangs, man m&#x00F6;chte auch ihn in seinem Quar=
<lb n="0217.06"/> tiere &#x00FC;berfallen haben, so da&#x00DF; die Soldaten, die
<lb n="0217.07"/> er bey sich habe, der ganze Rest von seiner
<lb n="0217.08"/> Niederlage w&#x00E4;ren: er fragte ihn also ganz un=
<lb n="0217.09"/> ruhig, wo seine Trupen hingekommen w&#x00E4;ren.
<lb n="0217.10"/> Nachdem ihm Said geantwortet, da&#x00DF; er sie auf
<lb n="0217.11"/> dem H&#x00FC;gel, wo er die Griechen belagert halte,
<lb n="0217.12"/> postirt habe, so fragte ihn Obeidah, was er hier
<lb n="0217.13"/> mache, und warum er seinen Posten verlassen
<lb n="0217.14"/> habe. Said berichtete ihm hierauf von dem gege=
<lb n="0217.15"/> benen Zeichen, welches er als einen Befehl an=
<lb n="0217.16"/> gesehen habe, ihm schleunig zu H&#x00FC;lffe zu kom=
<lb n="0217.17"/> men.</p>
<lb n="0217.18" rend="indent"/> <p>Der General gestand, da&#x00DF; er bey den ge=
<lb n="0217.19"/> f&#x00E4;hrlichen Umst&#x00E4;nden, in welchen er sich befun=
<lb n="0217.20"/> den, allerdings gew&#x00FC;nscht habe, ein Zeichen ge=
<lb n="0217.21"/> ben zu k&#x00F6;nnen; da&#x00DF; es ihm aber nicht m&#x00F6;glich
<lb n="0217.22"/> gewesen w&#x00E4;re. Uebrigens danckte er dem De=
<lb n="0217.23"/> rar und Said wegen der H&#x00FC;lffe, die sie ihm ge=
<lb n="0217.24"/> leistet; doch wollte er aber auch wissen, wer
<lb n="0217.25"/> derjenige sey, der das Zeichen gegeben, und lie&#x00DF;
<lb n="0217.26"/> in dem Lager kund machen, da&#x00DF; sich derjenige, dem
<lb n="0217.27"/> man diese Verbindlichkeit zu danken habe, zeigen
<lb n="0217.28"/> solle. Sohaid erschien hierauf und gestand, was
<lb n="0217.29"/> er gethan habe. Obeidah lobte seinen geschwin=
<lb n="0217.30"/> den Entschlu&#x00DF;; gleichwohl aber verbot er aus=
<pb n="0218.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-279"/>
<lb n="0218.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>dr&#x00FC;cklich, da&#x00DF; sich k&#x00FC;nftig niemand mehr unter=
<lb n="0218.02"/> stehen solle, dergleichen ohne ausdr&#x00FC;cklichen
<lb n="0218.03"/> Befehl des Generals zu thun. Jn der That
<lb n="0218.04"/> konnte es auch sehr &#x00FC;ble Folgen habe.</p>
<lb n="0218.05" rend="indent"/> <p>Jndem Said mit dem Obeidah in Unterre=
<lb n="0218.06"/> dung war, so kam man, Verst&#x00E4;rkung zu for=
<lb n="0218.07"/> dern, um die Griechen, die man auf dem H&#x00FC;=
<lb n="0218.08"/> gel umringt hatte, zur&#x00FC;ck zu halten. Herbis
<lb n="0218.09"/> hatte es an der Spitze seiner Leute unternom=
<lb n="0218.10"/> men, sich wieder nach Baalbec zu ziehen, und
<lb n="0218.11"/> war schon auf die Araber losgefallen, sich eine
<lb n="0218.12"/> Oefnung durch sie zu machen. Man stritt auf
<lb n="0218.13"/> beyden Theilen, ohne zu weichen; gleichwohl
<lb n="0218.14"/> stellte man dem Generale vor, da&#x00DF; alles zu be=
<lb n="0218.15"/> f&#x00FC;rchten stehe, wann er nicht mehr Trupen an=
<lb n="0218.16"/> r&#x00FC;cken liesse.</p>
<lb n="0218.17" rend="indent"/> <p>Obeidah befahl dem Said, sich alsbald wie=
<lb n="0218.18"/> der zu seinen Leuten zu begeben; er gab ihm ei=
<lb n="0218.19"/> nige Mannschaft zur Begleitung mit, und ver=
<lb n="0218.20"/> sprach, ihm sogleich neue Verst&#x00E4;rkung, unter
<lb n="0218.21"/> Anf&#x00FC;hrung des Derars, nachzuschicken.</p>
<lb n="0218.22"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Der Be=</hi><lb/>fehlshaber v.<lb/><hi rend="spaced">Baalbec</hi><lb/>f&#x00E4;ngt an Un=<lb/>terhandlung<lb/>zu pflegen.</note><p rend="indent">Die Ankunft dieser Trupen schlug die Hitze
<lb n="0218.23"/> der Griechen nieder; sie machten sich aus dem
<lb n="0218.24"/> Treffen zur&#x00FC;ck, und zogen sich in die verfallnen
<lb n="0218.25"/> Mauern ihres Klosters. Die Araber schlossen
<lb n="0218.26"/> sie so genau ein, da&#x00DF; Herbis kein Mittel vor sich
<lb n="0218.27"/> sahe durchzukommen, und also den Entschlu&#x00DF;
<lb n="0218.28"/> fa&#x00DF;te, mit dem Feinde Unterhandlung zu pfle=
<lb n="0218.29"/> gen. Er unterredete sich mit dem Said &#x00FC;ber
<lb n="0218.30"/> die Bedingungen, welche er verlangte, ihm, sei=
<pb n="0219.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-280"/>
<lb n="0219.01"/> nen Leuten, und der ganzen Stadt Baalbec alle<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0219.02"/> Sicherheit wiederfahren zu lassen.</p>
<lb n="0219.03" rend="indent"/> <p>Said antwortete ihm, er vor sich k&#x00F6;nne
<lb n="0219.04"/> mit der Unterhandlung nicht weiter gehen, als
<lb n="0219.05"/> so weit sie die Person des Befehlshabers und
<lb n="0219.06"/> seine Begleiter betreffe; in so weit verlange er
<lb n="0219.07"/> von ihm, da&#x00DF; entweder er und alle seine Leute
<lb n="0219.08"/> Muselm&#x00E4;nner werden, oder sich wenigstens an=
<lb n="0219.09"/> heischig machen sollten, niemals wieder gegen
<lb n="0219.10"/> die Araber Waffen zu f&#x00FC;hren. Was die Ein=
<lb n="0219.11"/> wohner von Baalbec betreffe, f&#x00FC;gte er hinzu,
<lb n="0219.12"/> das geh&#x00F6;re f&#x00FC;r den General, und wann er mit
<lb n="0219.13"/> diesem Unterhandlung pflegen wolle, so wolle er
<lb n="0219.14"/> ihn dem Obeidah vorstellen.</p>
<lb n="0219.15" rend="indent"/> <p>Als Herbis darein gewilliget hatte, f&#x00FC;hrte
<lb n="0219.16"/> ihn Said zu dem Generale. Jndem er durch
<lb n="0219.17"/> das Lager der Araber ging, erstaunte er nicht
<lb n="0219.18"/> wenig, da&#x00DF; die Trupen nicht so zahlreich w&#x00E4;=
<lb n="0219.19"/> ren, als er es sich eingebildet. Er konnte sich
<lb n="0219.20"/> nicht enthalten, seine Verwunderung, als er
<lb n="0219.21"/> den Obeidah anredete, dar&#x00FC;ber zu bezeigen.
<lb n="0219.22"/> Der General antwortete ihm, da&#x00DF; sich die Chri=
<lb n="0219.23"/> sten de&#x00DF;wegen doch immer betr&#x00FC;gen w&#x00FC;rden,
<lb n="0219.24"/> weil die Engel dieser geringen Anzahl von Gl&#x00E4;u=
<lb n="0219.25"/> bigen allezeit zu H&#x00FC;lffe k&#x00E4;men, so wie es in der
<lb n="0219.26"/> Schlacht bey Beber (<ref rend="footnote" n="219*"><hi rend="super">*</hi></ref>) und in allen Feldz&#x00FC;=
<lb n="0219.27"/> gen des Propheten geschehen sey?</p>
<lb n="0219.28"/> <note type="footnote" n="219*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Man lieset hiervon in dem 3ten Hauptst&#x00FC;cke
<lb n="0219.29" rend="indent"/> des Korans: <hi rend="bold">GOtt hat uns in der Schlacht</hi>
<lb n="0220.13" rend="indent"/> <hi rend="bold">bey Beber beygestanden, als ihr weit
<lb n="0220.14" rend="indent"/> schw&#x00E4;cher waret, als eure Feinde. War
<lb n="0220.15" rend="indent"/> es nicht genug, da&#x00DF; er euch eine Verst&#x00E4;r=
<lb n="0220.16" rend="indent"/> kung von dreytausend Engeln, die vom
<lb n="0220.17" rend="indent"/> Himmel stiegen, schickte? Wann diese
<lb n="0220.18" rend="indent"/> nicht hinreichend gewesen w&#x00E4;ren, so
<lb n="0220.19" rend="indent"/> w&#x00FC;rde er deren wohl f&#x00FC;nftausend ge=
<lb n="0220.20" rend="indent"/> schickt haben, welche alle nach verschiede=
<lb n="0220.21" rend="indent"/> nen Fahnen geordnet gewesen w&#x00E4;ren</hi>.
<lb n="0220.22" rend="indent"/> &#x201E;Ein arabischer Schriftsteller versichert, da&#x00DF; die
<lb n="0220.23" rend="indent"/> streitenden Engel auf wei&#x00DF; und schwarz ge=
<lb n="0220.24" rend="indent"/> sprengten Pferden geritten w&#x00E4;ren, und gelb
<lb n="0220.25" rend="indent"/> und weisse Tiaren auf dem Haupte gehabt h&#x00E4;t=
<lb n="0220.26" rend="indent"/> ten, von welchen bis auf die Schultern
<lb n="0220.27" rend="indent"/> B&#x00E4;nder herabgehangen, mit welchen der
<lb n="0220.28" rend="indent"/> Wind gespielt. An ihrer Spitze war Ga=
<lb n="0220.29" rend="indent"/> briel, welcher auf seinem Zelter, Namens
<lb n="0220.30" rend="indent"/> <hi rend="bold">Haisum</hi>, das ist, der muntre, ritt, und in
<lb n="0220.31" rend="indent"/> einer Wolke eingeh&#x00FC;llet &#x00FC;berall eine entsetzli=
<lb n="0220.32" rend="indent"/> che Niederlage unter den G&#x00F6;tzendienern an=
<lb n="0220.33" rend="indent"/> richtete. <hi rend="bold">Gagnier Leben des Maho=
<lb n="0220.34" rend="indent"/> mets B</hi>. <hi rend="antiqua">III</hi>.&#x201E;</p></note>
<pb n="0220.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-281"/>
<lb n="0220.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note><p rend="indent">Der Befehlshaber war vorjetzo in den Um=
<lb n="0220.02"/> st&#x00E4;nden nicht einer Erscheinung von dieser Art
<lb n="0220.03"/> sicher widersprechen zu k&#x00F6;nnen, und schritt zu
<lb n="0220.04"/> den Vergleichspuncten. Er bot im Namen
<lb n="0220.05"/> der Einwohner des Orts eine betr&#x00E4;chtliche
<lb n="0220.06"/> Summe, und eine Menge kostbarer Kleider an.
<lb n="0220.07"/> Der Muselmann fiel ihm ins Wort, ihm zu sa=
<lb n="0220.08"/> gen, da&#x00DF; man die Summe und die Geschenke
<lb n="0220.09"/> verdoppeln m&#x00FC;sse. Er f&#x00FC;gte alsdenn die Be=
<lb n="0220.10"/> dingung hinzu, da&#x00DF; sich die Einwohner zinsbar
<lb n="0220.11"/> machen, da&#x00DF; sie alle Waffen, die sie etwa ha=
<lb n="0220.12"/> ben k&#x00F6;nnten, ausliefern, da&#x00DF; sie niemals die
<pb n="0221.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-282"/>
<lb n="0221.01"/> Araber weder mittelbar, noch unmittelbar, an=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0221.02"/> greiffen, da&#x00DF; sie keine Dienste wider sie bey
<lb n="0221.03"/> dem Kayser nehmen, und endlich, da&#x00DF; sie we=
<lb n="0221.04"/> der Kirchen noch Kl&#x00F6;ster bauen sollten.</p>
<lb n="0221.05" rend="indent"/> <p>Herbis fand diese Bedingungen ein wenig
<lb n="0221.06"/> harte, doch da der General nicht geneigt zu seyn
<lb n="0221.07"/> schien, nur das geringste nachzugeben, so muste
<lb n="0221.08"/> er sich denselben unterwerffen. Alles was der
<lb n="0221.09"/> General noch als eine Gef&#x00E4;lligkeit erhalten konn=
<lb n="0221.10"/> te, war dieses, da&#x00DF; der, welcher den Tribut
<lb n="0221.11"/> einzufordern w&#x00FC;rde ernennt werden, nicht in die
<lb n="0221.12"/> Stadt kommen, sondern sich ausserhalb dersel=
<lb n="0221.13"/> ben aufhalten solle. Man erw&#x00E4;hnte dieses
<lb n="0221.14"/> Puncts ausdr&#x00FC;cklich in dem Tractate, und der
<lb n="0221.15"/> Befehlshaber begab sich sogleich in die Stadt,
<lb n="0221.16"/> von den Einwohnern die Genehmhaltung des=
<lb n="0221.17"/> selben zu bewirken.</p>
<lb n="0221.18" rend="indent"/> <p>Dieser Tractat verursachte in der Stadt
<lb n="0221.19"/> grosses Lermen. Man fand, da&#x00DF; man dem
<lb n="0221.20"/> Feinde zu viel einger&#x00E4;umt; und niemand wollte
<lb n="0221.21"/> seine Einwilligung dazu geben. Gleichwohl zo=
<lb n="0221.22"/> gen die Einwohner gelindre Saiten auf, als ih=
<lb n="0221.23"/> nen der Befehlshaber zu verstehen gab, da&#x00DF;
<lb n="0221.24"/> sie anders nicht ihr Leben und ihre Freyheit ret=
<lb n="0221.25"/> ten k&#x00F6;nnten; und da&#x00DF; sie, wenn sie sich weiger=
<lb n="0221.26"/> ten, Feuer und Schwerdt &#x00FC;ber ihre Stadt brin=
<lb n="0221.27"/> gen w&#x00FC;rden, weil dieser f&#x00FC;rchterliche Feind doch,
<lb n="0221.28"/> &#x00FC;ber lang oder kurz, seinen Anschlag ausf&#x00FC;hren
<lb n="0221.29"/> werde. Er f&#x00FC;gte hinzu, in Ansehung der
<lb n="0221.30"/> Summe, welche man den Arabern bezahlen
<pb n="0222.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-283"/>
<lb n="0222.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>solle, wolle er sich nicht weigern, ihnen eine Er=
<lb n="0222.02"/> leichterung zu machen, und den vierten Theil
<lb n="0222.03"/> davon auf sich zu nehmen. Dieser Vorschlag
<lb n="0222.04"/> brachte alle und jede auf gute Wege, uu{!D}d der
<lb n="0222.05"/> Tractat ward angenommen.</p>
<lb n="0222.06" rend="indent"/> <p>Herbis kehrte zu dem Obeidah zur&#x00FC;ck, ihm
<lb n="0222.07"/> von allem, was vorgegangen war, Nachricht
<lb n="0222.08"/> zu geben, und bat wegen Bezahlung des Gel=
<lb n="0222.09"/> des um einige Tage Nachsicht, damit er es zu=
<lb n="0222.10"/> sammen bringen k&#x00F6;nne. Der General verwil=
<lb n="0222.11"/> ligte sie, und trug dem Befehlshaber auf, die=
<lb n="0222.12"/> sen Tribut selbst einzutreiben; die Griechen
<lb n="0222.13"/> aber, welche ihn begleiteten, behielt er unter=
<lb n="0222.14"/> dessen zu Geisseln. Herbis kam zu bestimmter
<lb n="0222.15"/> Zeit wieder, und &#x00FC;berbrachte die verwilligten
<lb n="0222.16"/> Summen, worauf ihm die Geisseln zur&#x00FC;ckge=
<lb n="0222.17"/> geben wurden, mit welchen er wieder nach
<lb n="0222.18"/> der Stadt kehrte.</p>
<lb n="0222.19"/> <note type="marginalie" place="links">Rafi wird<lb/>Befehlsha=<lb/>ber v. Baal=<lb/>bec.</note><p rend="indent">Obeidah brach, sogleich auf, sich nach He=
<lb n="0222.20"/> mes zu wenden; vorher aber machte er den
<lb n="0222.21"/> Rafi = ebn = Adallah, einen von seinen besten
<lb n="0222.22"/> Kriegsobersten, zum Befehlshaber von Baal=
<lb n="0222.23"/> bec. Unterdessen, damit er nicht wider den dem
<lb n="0222.24"/> Herbis verwilligten Punct handeln m&#x00F6;ge, be=
<lb n="0222.25"/> fahl er dem Rafi, nicht in die Stadt hinein zu
<lb n="0222.26"/> gehen, sondern blo&#x00DF; ein wachsames Auge auf
<lb n="0222.27"/> alles, was in dem Gebiete derselben vorgehen
<lb n="0222.28"/> w&#x00FC;rde, zu haben; vornehmlich befahl er ihm,
<lb n="0222.29"/> da&#x00DF; die Trupen, welche statt der Besatzung die=
<lb n="0222.30"/> nen sollten, in der umliegenden Gegend keinen
<pb n="0223.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-284"/>
<lb n="0223.01"/> Schaden thun sollten. Jn Ansehung der &#x00FC;bri=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0223.02"/> gen Pl&#x00E4;tze, welche mit den Muselm&#x00E4;nnern noch
<lb n="0223.03"/> in keinen Vergleich getreten waren, gab er ihm
<lb n="0223.04"/> alle Freyheit, sie zu verheeren, wie er wolle.</p>
<lb n="0223.05" rend="indent"/> <p>Rafi kam diesen Befehlen mit aller Treue
<lb n="0223.06"/> nach. Da die Einwohner von Baalbec sahen,
<lb n="0223.07"/> da&#x00DF; sie unter einem solchen Kriegsobersten nichts
<lb n="0223.08"/> zu bef&#x00FC;rchten h&#x00E4;tten, so kamen sie, ihm in sei=
<lb n="0223.09"/> nem Lager ihre Aufwartung zu machen, und
<lb n="0223.10"/> man sahe damals die Araber und Griechen in
<lb n="0223.11"/> dem vollkommensten Verst&#x00E4;ndnisse miteinander
<lb n="0223.12"/> leben. Sie erwiesen einander sehr grosse Dien=
<lb n="0223.13"/> ste; denn die Araber, welche das Land durch=
<lb n="0223.14"/> streisten, kamen oft mit sehr ansehnlicher Beu=
<lb n="0223.15"/> te zur&#x00FC;ck, deren gr&#x00F6;&#x00DF;ter Theil ihnen manchmal
<lb n="0223.16"/> nichts n&#x00FC;tze war. Sie fanden alsdenn Mittel,
<lb n="0223.17"/> durch die Gemeinschaft, die sie mit den Ein=
<lb n="0223.18"/> wohnern unterhielten, desselben los zu werden;
<lb n="0223.19"/> diese kauften ihnen das, was sie zuviel hatten,
<lb n="0223.20"/> ab, und dieser Handel ward endlich f&#x00FC;r beyde
<lb n="0223.21"/> Theile sehr vortheilhaft.</p>
<lb n="0223.22" rend="indent"/> <p>Da Herbis den ansehnlichen Gewinst, wel=<note type="marginalie" place="rechts">Herbis wird<lb/><hi rend="spaced">in einem<lb/>Aufstande</hi><lb/>get&#x00F6;dtet.</note>
<lb n="0223.23"/> cher den Einwohnern zufiel, sahe, wollte er
<lb n="0223.24"/> gleichfalls in Betracht dessen, da&#x00DF; er sich fast
<lb n="0223.25"/> f&#x00FC;r sie aufgeopffert, und ganz allein ein Vier=
<lb n="0223.26"/> theil des Tributs bezahlet hatte, Theil daran
<lb n="0223.27"/> nehmen. Er stellte ihnen vor, da&#x00DF; sie ihm Eh=
<lb n="0223.28"/> renhalber, und aus Dankbarkeit, den zehnten
<lb n="0223.29"/> Theil ihres Gewinstes m&#x00FC;sten zukommen lassen.
<lb n="0223.30"/> Die Einwohner bewilligten es einm&#x00FC;thig. Doch
<pb n="0224.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-285"/>
<lb n="0224.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>als der Befehlshaber sahe, wie leicht seine Bit=
<lb n="0224.02"/> te Statt gefunden habe, und zugleich &#x00FC;berleg=
<lb n="0224.03"/> te, da&#x00DF; er sobald nicht zu seinem vorgeschosse=
<lb n="0224.04"/> nen Gelde kommen m&#x00F6;chte, so ging er weiter,
<lb n="0224.05"/> und verlangte, an statt des zehnten Theils, den
<lb n="0224.06"/> vierdten. Die Einwohner verwarffen diese
<lb n="0224.07"/> Forderung. Herbis erz&#x00FC;rnte sich; die Gem&#x00FC;=
<lb n="0224.08"/> ther wurden aufgebracht, und endlich entstand
<lb n="0224.09"/> ein Aufruhr, in welchem der Befehlshaber um=
<lb n="0224.10"/> gebracht wurde.</p>
<lb n="0224.11"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Die Ein=</hi><lb/>wohner von<lb/>Baalbee neh=<lb/>men die Ein=<lb/>nehmer in ih=<lb/>re <hi rend="spaced">Stadt<lb/>auf.</hi></note><p rend="indent">Der Aufstand, welchen dieser Handel in der
<lb n="0224.12"/> Stadt verursachte, war so gro&#x00DF;, da&#x00DF; man ihn
<lb n="0224.13"/> in dem Lager der Araber h&#x00F6;rte. Rafi schickte
<lb n="0224.14"/> schleinigst hinein, um zu vernehmen, was vor=
<lb n="0224.15"/> gehe, und trug seinem Abgeschickten zugleich
<lb n="0224.16"/> auf, seine Vermittelung anzubieten, wann sie
<lb n="0224.17"/> von einigem Nutzen seyn k&#x00F6;nne. Die Einwoh=
<lb n="0224.18"/> ner liessen ihm von der Auff&#x00FC;hrung ihres Be=
<lb n="0224.19"/> fehlshabers Nachricht geben: sie sprachen von
<lb n="0224.20"/> ihm, als von einem Tyrannen, den sie sich gl&#x00FC;ck=
<lb n="0224.21"/> lich vom Halse geschafft h&#x00E4;tten, und boten es
<lb n="0224.22"/> dem Rafi an, ihn in ihre Stadt aufzunehmen,
<lb n="0224.23"/> und, wann er wollte, an die Stelle des Be=
<lb n="0224.24"/> fehlshabers einzusetzen.</p>
<lb n="0224.25" rend="indent"/> <p>Dem Rafi war die Ehre, die sie ihm erzeig=
<lb n="0224.26"/> ten, sehr schmeichelhaft; er lie&#x00DF; ihnen aber sa=
<lb n="0224.27"/> gen, da&#x00DF; er ihr Anerbieten nicht anders als mit
<lb n="0224.28"/> Verwilligung seines Generals annehmen k&#x00F6;n=
<lb n="0224.29"/> ne. Er schickte sogleich an den Obeidah, ihm
<lb n="0224.30"/> von diesem Vorfalle Nachricht zu geben. Die
<pb n="0225.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-286"/>
<lb n="0225.01"/> Antwort fiel dem Verlangen der Einwohner<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0225.02"/> vollkommen gem&#x00E4;&#x00DF; aus; der General erlaubte
<lb n="0225.03"/> dem Rafi die W&#x00FC;rde eines Befehlshabers von
<lb n="0225.04"/> Baalbec anzunehmen, und lobte seine kluge Auf=
<lb n="0225.05"/> f&#x00FC;hrung, welche so viel Eindruck bey den Grie=
<lb n="0225.06"/> chen gemacht h&#x00E4;tte, da&#x00DF; sie unter der Herrschaft
<lb n="0225.07"/> der Muselm&#x00E4;nner zu leben w&#x00FC;nschten.</p>
<lb n="0225.08" rend="indent"/> <p>Der General war damals vor Hemes, und<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Belage=<lb/>rung von<lb/>Hemes.</hi></note>
<lb n="0225.09"/> fing die Belagerung, sobald als der Stillestand
<lb n="0225.10"/> aus war, an. Er lie&#x00DF; sie vorher auffordern,
<lb n="0225.11"/> entweder die Religion des Mahomets anzuneh=
<lb n="0225.12"/> men, oder Tribut zu bezahlen, oder auch ihren
<lb n="0225.13"/> Streit durch eine Schlacht auszumachen. Da
<lb n="0225.14"/> alle diese Vorschl&#x00E4;ge verworffen wurden, so fing
<lb n="0225.15"/> man mit aller Hitze an, die Stadt zu best&#x00FC;r=
<lb n="0225.16"/> men; Doch die Belagerten vertheidigten sich
<lb n="0225.17"/> mit einer Tapferkeit, welche die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0225.18"/> ganz verwirrt machte, es geschahen sogar einige
<lb n="0225.19"/> Ausf&#x00E4;lle, welche alle f&#x00FC;r die Heme&#x00DF;iner gl&#x00FC;ck=
<lb n="0225.20"/> lich ausschlugen.</p>
<lb n="0225.21" rend="indent"/> <p>Dieser hartn&#x00E4;ckige Widerstand zeigte im
<lb n="0225.22"/> voraus an, da&#x00DF; die Belagerung lange und blu=
<lb n="0225.23"/> tig werden w&#x00FC;rde. Obeidah h&#x00E4;tte de&#x00DF;wegen
<lb n="0225.24"/> gerne gew&#x00FC;nscht, da&#x00DF; er nicht so bald an dieses
<lb n="0225.25"/> Unternehmen gedacht h&#x00E4;tte. Als ihn einer
<lb n="0225.26"/> von seinen Hauptleuten in dieser Bek&#x00FC;mmerni&#x00DF;
<lb n="0225.27"/> sahe, so rieth er ihm, sich einer Kriegslist zu
<lb n="0225.28"/> bedienen, die ihm vielleicht sehr n&#x00FC;tzlich seyn
<lb n="0225.29"/> k&#x00F6;nte. Sie bestand darinne, den Einwohnern
<lb n="0225.30"/> vorzuschlagen, er wolle die Belagerung aufhe=
<pb n="0226.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-287"/>
<lb n="0226.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>ben, wenn sie seiner Armee Lebensmittel f&#x00FC;r ei=
<lb n="0226.02"/> nen Marsch von f&#x00FC;nf bis sechs Tagen, die er
<lb n="0226.03"/> zu seinem R&#x00FC;ckzuge n&#x00F6;thig zu haben glaubte,
<lb n="0226.04"/> liefern wollten. Nachdem Obeidah diesen Rath
<lb n="0226.05"/> f&#x00FC;r genehm gehalten, so lie&#x00DF; er mit den Hemes=
<lb n="0226.06"/> sinern reden, und versprach ihnen, vermittelst
<lb n="0226.07"/> dieser Bedingung, sogleich abzuziehen, und sich
<lb n="0226.08"/> nach andern Eroberungen umzuthun.</p>
<lb n="0226.09" rend="indent"/> <p>Die Heme&#x00DF;iner, welche nichts mehr w&#x00FC;nsch=
<lb n="0226.10"/> ten, als die Muselm&#x00E4;nner los zu seyn, nahmen
<lb n="0226.11"/> diesen Vorschlag willig an, und schickten sogleich
<lb n="0226.12"/> allen Vorrath, welchen man nur verlangen
<lb n="0226.13"/> konnte. Als dieses geschehen war, lie&#x00DF; ihnen
<lb n="0226.14"/> Obeidah sagen, da&#x00DF;, da der Marsch, welchen
<lb n="0226.15"/> er zu thun habe, vielleicht l&#x00E4;nger, als er iezt
<lb n="0226.16"/> glaubte, dauern k&#x00F6;nnte, er ihnen auch gerne
<lb n="0226.17"/> noch ihre &#x00FC;brigen Lebensmittel abkauffen wolle,
<lb n="0226.18"/> wann sie ihm dieselben zu lassen geneigt w&#x00E4;ren.
<lb n="0226.19"/> Die Heme&#x00DF;iner liessen sich auch in diese Falle
<lb n="0226.20"/> ziehen, und verkauften alles, was sie an Vor=
<lb n="0226.21"/> rathe hatten. Der General handelte nicht lan=
<lb n="0226.22"/> ge um den Prei&#x00DF;, sondern gab ihnen, was sie
<lb n="0226.23"/> verlangten.</p>
<lb n="0226.24"/> <note type="marginalie" place="links">Die <hi rend="spaced">Ara=</hi><lb/>ber nehmen<lb/>Arestan durch<lb/>eine Kriegs=<lb/>list weg.</note><p rend="indent">Er zog auch in der That, wie er es verspro=
<lb n="0226.25"/> chen hatte, ab, und marschirte auf Arestan los,
<lb n="0226.26"/> welchen Ort er auffordern lie&#x00DF;. Weil diese
<lb n="0226.27"/> Aufforderung verworffen wurde, so that Obei=
<lb n="0226.28"/> dah, als ob er sich voriezo mit Belagerung die=
<lb n="0226.29"/> ses Platzes nicht aufhalten wollte, und lie&#x00DF; blo&#x00DF;
<lb n="0226.30"/> den Befehlshaber ersuchen, zu erlauben, da&#x00DF; er
<pb n="0227.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-288"/>
<lb n="0227.01"/> etwas von seinem grossen Ger&#x00E4;the, welches ihm<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>
<lb n="0227.02"/> auf dem Marsche allzu beschwerlich seyn m&#x00F6;ch=
<lb n="0227.03"/> te, bey ihm einsetzen d&#x00FC;rffe. Dieser Vorschlag
<lb n="0227.04"/> ward mit Vergn&#x00FC;gen angenommen. Obeidah
<lb n="0227.05"/> lie&#x00DF; sogleich zwanzig Kisten hinein schaffen, in
<lb n="0227.06"/> welchen zwanzig auserlesene Mann verschlossen
<lb n="0227.07"/> waren. Diese Kisten schienen von aussen mit
<lb n="0227.08"/> starken Schl&#x00F6;ssern wohl verwahrt zu seyn; inn=
<lb n="0227.09"/> wendig aber waren sie so zubereitet, da&#x00DF; die,
<lb n="0227.10"/> welche darinne verschlossen waren, leichtlich her=
<lb n="0227.11"/> aus kommen konnten.</p>
<lb n="0227.12" rend="indent"/> <p>Obeidah zog mit seinen Trupen sogleich fort;
<lb n="0227.13"/> in einiger Entfernung von der Stadt aber lie&#x00DF;
<lb n="0227.14"/> er den Khaled mit einiger Mannschaft, auf die
<lb n="0227.15"/> man sich bey dem Fortgange der Kriegslist,
<lb n="0227.16"/> welche man anwenden wolte, verlassen konnte,
<lb n="0227.17"/> im Hinterhalte. Der Befehlshaber und die Ein=
<lb n="0227.18"/> wohner wurden &#x00FC;ber die Entfernung der Araber
<lb n="0227.19"/> h&#x00F6;chst erfreut, und gingen in die Kirche, dem
<lb n="0227.20"/> H&#x00F6;chsten wegen der Erl&#x00F6;sung von einem so
<lb n="0227.21"/> f&#x00FC;rchterlichen Feinde zu danken. Doch da sie
<lb n="0227.22"/> eben mit dem Gebete besch&#x00E4;ftiget waren, mach=
<lb n="0227.23"/> ten sich die zwanzig verschlossenen Soldaten her=
<lb n="0227.24"/> aus, bem&#x00E4;chtigten sich der Gemahlin des Be=
<lb n="0227.25"/> fehlshabers, welche zu Hause geblieben war, und
<lb n="0227.26"/> zwangen sie, ihnen die Schl&#x00FC;ssel zu der Festung
<lb n="0227.27"/> zu geben. Sie lieffen hierauf schleinig zu dem
<lb n="0227.28"/> Thore, welches dem Hinterhalte gegen &#x00FC;ber lag,
<lb n="0227.29"/> schlossen es auf, und schrien insgesammt <hi rend="bold">Alla
<lb n="0227.30"/> achar</hi>. Auf dieses Geschrey kam Khaled mit
<lb n="0227.31"/> seinen Leuten herbey, und machten sich gefa&#x00DF;t,
<pb n="0228.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-289"/>
<lb n="0228.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 14.<lb/>n. C. G. 635.</note>alles niederzusebeln, was ihnen etwa widerste=
<lb n="0228.02"/> hen wollte; doch die Best&#x00FC;rzung, welche ein sol=
<lb n="0228.03"/> cher Zufall verursachte, war so gro&#x00DF;, da&#x00DF; nie=
<lb n="0228.04"/> mand daran gedachte, die Waffen zu ergreiffen.</p>
<lb n="0228.05"/> <note type="marginalie" place="links">Die Stadt<lb/>Schaizar er=<lb/>giebt sich.</note><p rend="indent">Diese Unth&#x00E4;tigkeit befreyte die Einwohner
<lb n="0228.06"/> von einem Blutbade. Man bem&#x00E4;chtigte sich
<lb n="0228.07"/> blo&#x00DF; des Orts, ohne einige Gewaltsamkeit aus=
<lb n="0228.08"/> zu&#x00FC;ben. Obeidah lie&#x00DF; eine Besatzung von zwey
<lb n="0228.09"/> tausend Mann darinne, und zog sich hernach
<lb n="0228.10"/> vor Schaizar, die Belagerung dieses Orts vor=
<lb n="0228.11"/> zunehmen. Die Muselm&#x00E4;nner wurden der
<lb n="0228.12"/> M&#x00FC;he &#x00FC;berhoben, ihn anzugreiffen, weil er sich
<lb n="0228.13"/> von selbst ergab. Der Befehlshaber hatte sich
<lb n="0228.14"/> zwar vertheidigen wollen, und hatte sogar sein
<lb n="0228.15"/> Ansehen sehr ernstlich gebraucht, sie zu Er=
<lb n="0228.16"/> greiffung der Waffen zu n&#x00F6;thigen; allein sein
<lb n="0228.17"/> gewaltsames Verfahren machte ihn nur den
<lb n="0228.18"/> Einwohnern verha&#x00DF;t. Sie warffen sich auf
<lb n="0228.19"/> ihn, machten ihn mit einigen von seinen Anh&#x00E4;n=
<lb n="0228.20"/> gern nieder, und &#x00F6;fneten hernach dem Obeidah
<lb n="0228.21"/> die Thore.</p>
<lb n="0228.22" rend="indent"/> <p>Diesem Generale gefiel ihre Unterw&#x00FC;rfig=
<lb n="0228.23"/> keit so wohl, da&#x00DF; er erkl&#x00E4;rte, keinen zu An=
<lb n="0228.24"/> nehmung der mahometanischen Religion zwin=
<lb n="0228.25"/> gen zu wollen. Gleichwohl aber f&#x00FC;gte er hin=
<lb n="0228.26"/> zu, da&#x00DF; die, welche ihr dennoch beytreten w&#x00FC;r=
<lb n="0228.27"/> den, auf zwey Jahr tributfrey seyn sollten; die
<lb n="0228.28"/> aber, welche bey dem Christenthume verharre=
<lb n="0228.29"/> ten, sollten diese Freyheit nicht l&#x00E4;nger als ein
<lb n="0228.30"/> Jahr geniessen.</p>
<pb n="0229.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-290"/>
<lb n="0229.01" rend="indent"/> <p>Nach diesen Eroberungen glaubte Obeidah<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0229.02"/> wieder vor Hemes r&#x00FC;cken zu k&#x00F6;nnen. Er hat=
<lb n="0229.03"/> te sich davon zu entfernen versprochen, und hat=
<lb n="0229.04"/> te es auch gethan; er glaubte also sein Wort<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber kommen<lb/>wieder <hi rend="spaced">vor</hi><lb/>Hemes.</note>
<lb n="0229.05"/> nicht zu verletzen, wann er nunmehr wieder vor
<lb n="0229.06"/> diesem Orte erschiene. So aber dachte der Be=
<lb n="0229.07"/> fehlshaber nicht, und machte daher dem Mu=
<lb n="0229.08"/> selmanne die heftigsten Vorw&#x00FC;rffe, da&#x00DF; er seine
<lb n="0229.09"/> Tractaten so schlecht beobachte. Er schickte die=
<lb n="0229.10"/> fertwegen eine Gesandtschaft an ihn, welcher
<lb n="0229.11"/> aber Obeidah zu seiner Rechtfertigung antwor=
<lb n="0229.12"/> tete, da&#x00DF; er zwar sich von Hemes zu entfernen,
<lb n="0229.13"/> aber im geringsten nicht, niemals wieder davor
<lb n="0229.14"/> zu erscheinen, versprochen habe.</p>
<lb n="0229.15" rend="indent"/> <p>Der Befehlshaber merkte nunmehr, was<note type="marginalie" place="rechts">Sie wer=<lb/>den bey ei=<lb/>nem Ausfal=<lb/>le geschlagen.</note>
<lb n="0229.16"/> er f&#x00FC;r einen Fehler begangen, da er die Lebens=
<lb n="0229.17"/> mittel, die er zu Vertheidigung des Orts ge=
<lb n="0229.18"/> sammlet hatte, verkauft habe; weil es aber sehr
<lb n="0229.19"/> th&#x00F6;richt gewesen w&#x00E4;re, die Zeit mit unn&#x00FC;tzen
<lb n="0229.20"/> Bereuungen zu verlieren, so beschlo&#x00DF; er, sich
<lb n="0229.21"/> mit aller m&#x00F6;glichen Tapferkeit zu vertheidigen.
<lb n="0229.22"/> Er wollte sogar sein Gl&#x00FC;ck auf offnem Felde
<lb n="0229.23"/> versuchen. Seine erste Unternehmungen fie=
<lb n="0229.24"/> len ungemein gl&#x00FC;cklich aus. Ob er gleich nur
<lb n="0229.25"/> mit f&#x00FC;nf tausend Mann aus der Stadt brach,
<lb n="0229.26"/> so fiel er doch die Araber, welche ihm an An=
<lb n="0229.27"/> zahl weit &#x00FC;berlegen waren, k&#x00FC;hnlich an. Er
<lb n="0229.28"/> warff die ersten Glieder &#x00FC;ber den Hauffen,
<lb n="0229.29"/> und setzte die &#x00FC;brigen alle in Schrecken. Es
<lb n="0229.30"/> kam eine betr&#x00E4;chtliche Menge Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0229.31"/> durch das Schwerdt der Heme&#x00DF;iner um, und
<pb n="0230.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-291"/>
<lb n="0230.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>ihre Armee w&#x00FC;rde g&#x00E4;nzlich seyn in die Flucht
<lb n="0230.02"/> geschlagen worden, wann sich nicht Khaled auf
<lb n="0230.03"/> eine so erstaunliche Art gehalten h&#x00E4;tte. Er
<lb n="0230.04"/> brachte die Fl&#x00FC;chtigen wieder zusammen, und
<lb n="0230.05"/> machte bey dieser wichtigen Gelegenheit so klu=
<lb n="0230.06"/> ge Anordnungen, da&#x00DF; er den Feind gl&#x00FC;cklich zu=
<lb n="0230.07"/> r&#x00FC;cke hielt, und ihn weiter zu kommen verhin=
<lb n="0230.08"/> derte.</p>
<lb n="0230.09" rend="indent"/> <p>Dieser tapfre Anf&#x00FC;hrer kam mehr als ein=
<lb n="0230.10"/> mal dabey in die gr&#x00F6;&#x00DF;te Gefahr. Er ward
<lb n="0230.11"/> unter andern von einem griechischen Ritter an=
<lb n="0230.12"/> gefallen, gegen welchen er sich sehr muthig ver=
<lb n="0230.13"/> theidigte. Er legte sogar bey dieser Gelegen=
<lb n="0230.14"/> heit einen ausnehmenden Beweis von seiner Ge=
<lb n="0230.15"/> schicklichkeit und St&#x00E4;rke ab. Sein Schwerdt
<lb n="0230.16"/> war in dem Kampffe zerbrochen, und gleich=
<lb n="0230.17"/> wohl wuste er mit vieler Fertigkeit den Strei=
<lb n="0230.18"/> chen seines Gegners auszuweichen; endlich er=
<lb n="0230.19"/> fa&#x00DF;te er ihn, und dr&#x00FC;ckte ihn mit solcher Ge=
<lb n="0230.20"/> walt an sich, da&#x00DF; er ihn erstickte, und todt zu
<lb n="0230.21"/> Boden warff.</p>
<lb n="0230.22" rend="indent"/> <p>Die Heme&#x00DF;iner, ob sie gleich Sieger blie=
<lb n="0230.23"/> ben, befanden sich durch einen so hitzigen An=
<lb n="0230.24"/> griff so entkr&#x00E4;ftet, da&#x00DF; sie sich in die Stadt mit
<lb n="0230.25"/> dem festen Entschlusse zur&#x00FC;cke zogen, ihren
<lb n="0230.26"/> Sieg, sobald die Trupen ausgeruhet h&#x00E4;tten,
<lb n="0230.27"/> weiter zu verfolgen. Sie erschienen auch in
<lb n="0230.28"/> der That des Tages drauf, und boten den Mu=
<lb n="0230.29"/> selm&#x00E4;nnern eine zweyte Schlacht an, welche
<lb n="0230.30"/> aber ganz anders ausfiel.</p>
<pb n="0231.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-292"/>
<lb n="0231.01" rend="indent"/> <p>Obeidah hatte sich mit dem Khaled weit=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0231.02"/> l&#x00E4;uftig von den Mitteln unterredet, die Schan=
<lb n="0231.03"/> de des vorigen Tages auszul&#x00F6;schen; denn man
<lb n="0231.04"/> konnte leicht voraus sehen, da&#x00DF; der Feind, wel=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Zweyter</hi><lb/>Ausfall, bey<lb/>welchem die<lb/>Heme&#x00DF;iner<lb/>geschlagen<lb/>werden.</note>
<lb n="0231.05"/> cher durch einen Sieg aufgemuntert worden,
<lb n="0231.06"/> die erste beste Gelegenheit, einen zweyten davon
<lb n="0231.07"/> zu tragen, ergreiffen w&#x00FC;rde. Nachdem man
<lb n="0231.08"/> alles wohl &#x00FC;berlegt hatte, fiel die Meinung des
<lb n="0231.09"/> Khaled dahin aus, da&#x00DF; Obeidah den Feind sol=
<lb n="0231.10"/> le anr&#x00FC;cken lassen; da&#x00DF; er bey seiner Ann&#x00E4;he=
<lb n="0231.11"/> rung thun solle, als ob er weiche, und die Flucht
<lb n="0231.12"/> ergreiffen wolle; da&#x00DF; der General seine Tru=
<lb n="0231.13"/> pen auf ein gegebenes Zeichen schnell gegen
<lb n="0231.14"/> den Feind wieder solle umkehren lassen; und da&#x00DF;
<lb n="0231.15"/> Khaled auf eben dieses gegebene Zeichen, wann
<lb n="0231.16"/> die Heme&#x00DF;iner von vorne besch&#x00E4;ftiget w&#x00E4;ren,
<lb n="0231.17"/> sich mit seiner zur&#x00FC;ckbehaltenen Mannschaft
<lb n="0231.18"/> zwischen die Stadt und den Feind stellen, den
<lb n="0231.19"/> Heme&#x00DF;inern in R&#x00FC;cken fallen, und sie also aus=
<lb n="0231.20"/> ser Stand setzen solle, l&#x00E4;nger zu widerstehen.</p>
<lb n="0231.21" rend="indent"/> <p>Diese Kriegslist gelang vollkommen. Die
<lb n="0231.22"/> Heme&#x00DF;iner wagten ihren Ausfall, und hat=
<lb n="0231.23"/> ten ihren Befehlshaber an der Spitze, welcher
<lb n="0231.24"/> sich diesen Tag durch seine reichen Kleider,
<lb n="0231.25"/> noch mehr aber durch sein zuversichtliches
<lb n="0231.26"/> Ansehen, das ihm der Gedanke von einem
<lb n="0231.27"/> Siege gab, den er schon f&#x00FC;r ganz gewi&#x00DF;
<lb n="0231.28"/> hielt, vor allen andern merklich machte. Es
<lb n="0231.29"/> w&#x00E4;hrte nicht lange, so ging der Streit an.
<lb n="0231.30"/> Obeidah lie&#x00DF; seine Trupen, nach einem kleinen
<lb n="0231.31"/> Widerstande, sachte und sachte zur&#x00FC;ck weichen.
<pb n="0232.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-293"/>
<lb n="0232.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>Die Heme&#x00DF;iner st&#x00FC;rzten, weit hitziger als vor=
<lb n="0232.02"/> her, auf sie; in dem Augenblicke aber fiel ihnen
<lb n="0232.03"/> Khaled in den R&#x00FC;cken, und n&#x00F6;thigte sie, sich
<lb n="0232.04"/> auf allen Seiten zu vertheidigen. Die Hemes=
<lb n="0232.05"/> siner hielten diesen Anfall mit vieler Unerschro=
<lb n="0232.06"/> ckenheit aus; doch als ihr Befehlshaber und
<lb n="0232.07"/> viel andre tapffere Anf&#x00FC;hrer gefallen, oder wehr=
<lb n="0232.08"/> los gemacht waren, verlohren die Trupen g&#x00E4;nz=
<lb n="0232.09"/> lich allen Muth, und liessen sich fast ohne dem
<lb n="0232.10"/> geringsten Widerstand todt machen.</p>
<lb n="0232.11" rend="indent"/> <p>Das Blutbad w&#x00FC;rde noch lange gew&#x00E4;hrt
<lb n="0232.12"/> haben, wenn nicht noch einige Mannschaft ei=
<lb n="0232.13"/> nen Ausfall gethan h&#x00E4;tte, und ihren Landsleu=
<lb n="0232.14"/> ten zu H&#x00FC;lffe gekommen w&#x00E4;re. Die Musel=
<lb n="0232.15"/> m&#x00E4;nner wurden dadurch gen&#x00F6;thigt, sich wieder
<lb n="0232.16"/> zu verbinden, um diesen neuen Trupen wider=
<lb n="0232.17"/> stehen zu k&#x00F6;nnen. Doch diese wollten keinen
<lb n="0232.18"/> Anfall thun, und begn&#x00FC;gten sich blo&#x00DF; eine Zeit
<lb n="0232.19"/> lang festen Fu&#x00DF; zu halten, die Fl&#x00FC;chtigen wie=
<lb n="0232.20"/> der zusammen zu bringen, und die, welche dem
<lb n="0232.21"/> Schwerdte des Feindes entkommen waren,
<lb n="0232.22"/> aufzunehmen.</p>
<lb n="0232.23"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Die He=</hi><lb/>me&#x00DF;iner ka=<lb/>pituliren.</note><p rend="indent">Dieser Verlust machte die Heme&#x00DF;iner so
<lb n="0232.24"/> verwirrt, da&#x00DF; sie an keine l&#x00E4;ngere Vertheidi=
<lb n="0232.25"/> gung gedachten. Sie beschlossen vielmehr ein=
<lb n="0232.26"/> m&#x00FC;thig, mit dem Feinde in Unterhandlung zu
<lb n="0232.27"/> treten. Sie erhielten die vortheilhaftesten Be=
<lb n="0232.28"/> dingungen. Es war dem Obeidah genug, da&#x00DF;
<lb n="0232.29"/> sie sich zinsbar machten; er lie&#x00DF; ihnen &#x00FC;brigens
<lb n="0232.30"/> alle Freyheit, und ihnen zu zeigen, wie gro&#x00DF;
<pb n="0233.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-294"/>
<lb n="0233.01"/> sein Vertrauen auf ihr Wort sey, wollte er we=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0233.02"/> der sich in die Stadt begeben, noch auch einige
<lb n="0233.03"/> Besatzung darinne lassen.</p>
<lb n="0233.04" rend="indent"/> <p>Es ist wahr, er hatte Ursache genug, keine<note type="marginalie" place="rechts">Der grie=<lb/>chische Kay=<lb/>ser schickt ei=<lb/>ne <hi rend="spaced">Armee</hi><lb/>wider die A=<lb/>raber.</note>
<lb n="0233.05"/> darinne zu lassen, ja nicht einmal mit Besitz=
<lb n="0233.06"/> nehmung derselben die Zeit zu verlieren. Die
<lb n="0233.07"/> Nachricht kam, da&#x00DF; der Kayser eine zahlreiche
<lb n="0233.08"/> Armee wider die Muselm&#x00E4;nner ausschicke, und
<lb n="0233.09"/> da&#x00DF; man eine Schlacht zu erwarten habe, die
<lb n="0233.10"/> den v&#x00F6;lligen Ausschlag geben k&#x00F6;nne. Es war
<lb n="0233.11"/> also sehr n&#x00F6;thig, sich nicht von Trupen zu ent=
<lb n="0233.12"/> bl&#x00F6;ssen, und sie best&#x00E4;ndig in Bereitschaft zu er=
<lb n="0233.13"/> halten, einem Feinde sich entgegen zu stellen,
<lb n="0233.14"/> welcher, wie man sagte, sein &#x00E4;usserstes gethan
<lb n="0233.15"/> habe, ein Heer zusammen zu bringen, welches
<lb n="0233.16"/> alle vorhergehende &#x00FC;bertreffe. Heraclius hatte
<lb n="0233.17"/> das Commando einem Manne gegeben, wel=
<lb n="0233.18"/> chen die arabischen Geschichtschreiber Mahan
<lb n="0233.19"/> nennen. Wenn man aber aus den Umst&#x00E4;nden
<lb n="0233.20"/> der Zeit schliessen darf, so kan es fast kein an=
<lb n="0233.21"/> drer seyn, als der, welchen die Griechen Ma=
<lb n="0233.22"/> nuel nennen, einer von den gr&#x00F6;&#x00DF;ten Feldher=
<lb n="0233.23"/> ren seiner Zeit.</p>
<lb n="0233.24" rend="indent"/> <p>Diese Armee ward auf ihrem Marsche von
<lb n="0233.25"/> Trupen verst&#x00E4;rkt, die Giabalah mitbrachte,
<lb n="0233.26"/> welches eben der war, der, wie ich oben erzehlt
<lb n="0233.27"/> habe, in die Ungnade des Omars fiel. Mahan
<lb n="0233.28"/> stellte diese Trupen an die Spitze der seinigen.
<lb n="0233.29"/> Er hofte, da&#x00DF; sie ihm um so viel n&#x00FC;tzlicher seyn
<lb n="0233.30"/> w&#x00FC;rden, da die Soldaten, aus welchen diese
<pb n="0234.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-295"/>
<lb n="0234.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>Verst&#x00E4;rkung bestand, gebohrne Araber, und
<lb n="0234.02"/> also aus einem Lande mit den Muselm&#x00E4;nnern
<lb n="0234.03"/> waren, deren Art zu streiten sie am besten ken=
<lb n="0234.04"/> nen mu&#x00DF;ten. Diese Araber waren Christen,
<lb n="0234.05"/> und bekannten einerley Religion mit den kay=
<lb n="0234.06"/> serlichen Trupen.</p>
<lb n="0234.07" rend="indent"/> <p>Doch diese Armee, welche die Christen zu
<lb n="0234.08"/> sch&#x00FC;tzen und sie von der Unterdr&#x00FC;ckung der Mu=
<lb n="0234.09"/> selm&#x00E4;nner zu befreyen ankam, machte das Elend
<lb n="0234.10"/> der Provinzen, durch welche sie zog, vollends
<lb n="0234.11"/> vollkommen. Die Soldaten pl&#x00FC;nderten und
<lb n="0234.12"/> mi&#x00DF;handelten die Einwohner, und ihre unge=
<lb n="0234.13"/> z&#x00E4;hmte Frechheit ward so unertr&#x00E4;glich, da&#x00DF; sich
<lb n="0234.14"/> das Volk gen&#x00F6;thiget sahe, die Herrschaft der
<lb n="0234.15"/> Mahometaner vorzuziehen. Und das war es
<lb n="0234.16"/> auch, was diesen ihre Eroberungen um ein gros=
<lb n="0234.17"/> ses erleichterte.</p>
<lb n="0234.18"/> <note type="marginalie" place="links">Die Araber<lb/>berathschla=<lb/>gen sich, was<lb/>sie thun sol=<lb/>len.</note><p rend="indent">Unterdessen waren die Muselm&#x00E4;nner doch
<lb n="0234.19"/> anfangs, wegen Ann&#x00E4;herung der kayserlichen
<lb n="0234.20"/> Armee, besorgt. Es fanden sich einige, welche
<lb n="0234.21"/> vorschlugen, sich nach Arabien zur&#x00FC;ck zu begeben,
<lb n="0234.22"/> und ihre Trupen daselbst zu erg&#x00E4;nzen. Dieses
<lb n="0234.23"/> war beynahe auch die Meynung des Obeidah;
<lb n="0234.24"/> doch die Furcht, von dem Califen &#x00FC;bel angese=
<lb n="0234.25"/> hen zu werden, verhinderte ihn, diese Gesin=
<lb n="0234.26"/> nung zu unterst&#x00FC;tzen. Uebrigens wollte der
<lb n="0234.27"/> gr&#x00F6;&#x00DF;te Theil der Muselm&#x00E4;nner bleiben, wo er
<lb n="0234.28"/> war, und den Angriff erwarten. Sie konnten
<lb n="0234.29"/> sich nicht entschliessen Syrien, eine so reiche und
<lb n="0234.30"/> sruchtbare Provinz, welche auf allen Seiten
<pb n="0235.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-296"/>
<lb n="0235.01"/> mit pr&#x00E4;chtigen St&#x00E4;dten bebauet war, deren<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0235.02"/> gr&#x00F6;&#x00DF;ten Theil sie mit der Spitze ihres Degens
<lb n="0235.03"/> erobert h&#x00E4;tten, zu verlassen, um in ein armes
<lb n="0235.04"/> und w&#x00FC;stes Land zur&#x00FC;ck zu kehren, welches un=
<lb n="0235.05"/> ter einem brennenden Himmelsstriche und in
<lb n="0235.06"/> einer d&#x00FC;rren Gegend lag.</p>
<lb n="0235.07" rend="indent"/> <p>Nachdem man diese verschiedenen Meinun=
<lb n="0235.08"/> gen in einer Versammlung erwogen hatte, ging
<lb n="0235.09"/> Khaled einen Mittelweg, welcher von allen ge=
<lb n="0235.10"/> billiget wurde. Nachdem er vorgestellt, da&#x00DF;
<lb n="0235.11"/> es sehr unanst&#x00E4;ndig seyn w&#x00FC;rde, sich als Fl&#x00FC;ch=
<lb n="0235.12"/> tige wieder nach Arabien zu wenden, zeigte er,
<lb n="0235.13"/> da&#x00DF; es nur allzugef&#x00E4;hrlich seyn werde, an dem
<lb n="0235.14"/> Orte, wo sie sich voriezo bef&#x00E4;nden, zu bleiben,
<lb n="0235.15"/> weil des Kaysers Sohn Constantinus, welcher
<lb n="0235.16"/> sich damals zu C&#x00E4;sarea, an der Spitze von vier=
<lb n="0235.17"/> zigtausend Mann, befand, allzu nahe sey; da&#x00DF;
<lb n="0235.18"/> Mahan mit der Kayserlichen Armee zu diesem
<lb n="0235.19"/> Prinzen zu stossen bereit sey, indem auf der an=
<lb n="0235.20"/> dern Seite Giabalah sich gleichfalls mit den
<lb n="0235.21"/> Kayserlichen verbinden wolle; da&#x00DF; es also das
<lb n="0235.22"/> beste seyn w&#x00FC;rde, wenn sie sich nach Yermuk (<ref rend="footnote" n="235*"><hi rend="super">*</hi></ref>)
<lb n="0235.23"/> z&#x00F6;gen, wo sie sich alsdann in einem Lande, das
<lb n="0235.24"/> ihnen zugeh&#x00F6;re, und nicht weit von Arabien be=
<lb n="0235.25"/> f&#x00E4;nden, von wannen sie die H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker, die
<lb n="0235.26"/> man ihnen schicken wolle, leicht erhalten, oder
<lb n="0235.27"/> wohin sie sich gar zur&#x00FC;ck ziehen k&#x00F6;nnten, wenn
<lb n="0235.28"/> ihnen das Schicksal der Waffen zuwider seyn
<lb n="0235.29"/> sollte.</p>
<lb n="0235.30"/> <note type="footnote" n="235*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Eine Stadt in Syrien, an dem Flusse gleiches
<lb n="0235.31" rend="indent"/> Namens.</p></note>
<pb n="0236.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-297"/>
<lb n="0236.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note><p rend="indent">Dieser Rath ward so weise befunden, da&#x00DF;
<lb n="0236.02"/> sich alle Stimmen f&#x00FC;r ihn erkl&#x00E4;rten. Die Be=
<lb n="0236.03"/> fehle wurden sogleich ausgestellt, und die musel=
<lb n="0236.04"/> m&#x00E4;nnische Armee begab sich auf den Marsch
<lb n="0236.05"/> nach Yermuk, wohin sie sich so ruhig zog, als
<lb n="0236.06"/> wenn sie im geringsten keinen Feind zu besorgen
<lb n="0236.07"/> h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0236.08" rend="indent"/> <p>Kaum hatte Constantinus den R&#x00FC;ckzug der
<lb n="0236.09"/> Araber vernommen, als er dem Kayserlichen
<lb n="0236.10"/> Generale Vorw&#x00FC;rffe machen lie&#x00DF;, da&#x00DF; er sie
<lb n="0236.11"/> nicht auf ihrem Zuge angegriffen habe. Er
<lb n="0236.12"/> erstaunte aber sehr, als ihm Mahan wissen lie&#x00DF;,
<lb n="0236.13"/> da&#x00DF; er hierinne den Befehlen des Kaysers nach=
<lb n="0236.14"/> gekommen sey, verm&#x00F6;ge welcher er nichts gegen
<lb n="0236.15"/> die Muselm&#x00E4;nner unternehmen d&#x00FC;rffte, ohne
<lb n="0236.16"/> vorher alles m&#x00F6;gliche, mit ihnen Friede zu ma=
<lb n="0236.17"/> chen, versucht zu haben.</p>
<lb n="0236.18" rend="indent"/> <p>Dieser General fing auch in der That mit
<lb n="0236.19"/> dem Obeidah eine Unterhandlung an, und lie&#x00DF;
<lb n="0236.20"/> ihm verschiedne Vorschl&#x00E4;ge thun, welche alle
<lb n="0236.21"/> verworffen wurden. Die Muselm&#x00E4;nner ihrer
<lb n="0236.22"/> Seits wollten sich gleichfalls mit dem Giabalah
<lb n="0236.23"/> vergleichen, oder ihn wenigstens neutral zu blei=
<lb n="0236.24"/> ben, bewegen; doch dieser wollte durchaus von
<lb n="0236.25"/> keinem Vergleiche etwas wissen.</p>
<lb n="0236.26"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>schl&#x00E4;gt <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Trupen des<lb/>Giabalah.</note><p rend="indent">Khaled ward zornig, einen Araber wider
<lb n="0236.27"/> seine Landsleute so aufgebracht zu sehen, und
<lb n="0236.28"/> rieth dem Obeidah, ihn schleinig angreiffen zu
<lb n="0236.29"/> lassen, ehe er sich mit der kayserlichen Armee
<lb n="0236.30"/> verbinden k&#x00F6;nne. Er nahm dieses Unterneh=
<pb n="0237.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-298"/>
<lb n="0237.01"/> men selbst auf sich, und verlangte blo&#x00DF; eine<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0237.02"/> kleine Mannschaft zu desselben Ausf&#x00FC;hrung.
<lb n="0237.03"/> Sobald Obeidah seine Einwilligung ertheilt,
<lb n="0237.04"/> gieng Khaled den Giabalah aufzusuchen, und
<lb n="0237.05"/> nachdem er mit seiner gew&#x00F6;hnlichen Unerschro=
<lb n="0237.06"/> ckenheit auf ihn gest&#x00FC;rzt, schmie&#x00DF; er seine Tru=
<lb n="0237.07"/> pen &#x00FC;ber den Hauffen, und zwang ihn die
<lb n="0237.08"/> Flucht zu ergreiffen. Doch geschahe es nicht
<lb n="0237.09"/> eher, als nach einem tapfern Widerstande, wel=
<lb n="0237.10"/> cher den Muselm&#x00E4;nnern sehr theuer zu stehen
<lb n="0237.11"/> kam; denn ausser den tapfern Soldaten, welche
<lb n="0237.12"/> bey dieser Gelegenheit blieben, machte man
<lb n="0237.13"/> auch viele Gefangene, unter welchen sich Yesid,
<lb n="0237.14"/> Rafi und Derar befanden, alles Leute von Ver=
<lb n="0237.15"/> dienst, die man als den Kern der Officirer be=
<lb n="0237.16"/> trachten konnte.</p>
<lb n="0237.17" rend="indent"/> <p>Die Niederlage des Giabalah war eine f&#x00FC;r
<lb n="0237.18"/> den Califen zu wichtige Neuigkeit, als da&#x00DF; man
<lb n="0237.19"/> sie ihm h&#x00E4;tte lange verschweigen sollen. Obeidah
<lb n="0237.20"/> schrieb sogleich an den Omar, ihm von seinem
<lb n="0237.21"/> Gl&#x00FC;cke Nachricht zu geben, und bat ihn zugleich
<lb n="0237.22"/> um schleinige H&#x00FC;lffe wider die christliche Armee.</p>
<lb n="0237.23" rend="indent"/> <p>Omar lie&#x00DF; sogleich acht tausend Mann auf=<note type="marginalie" place="rechts">Der Calife<lb/>schickt <hi rend="spaced">eine</hi><lb/>Verst&#x00E4;rkung,<lb/>welche eine<lb/>griechis. Par=<lb/>they schl&#x00E4;gt.</note>
<lb n="0237.24"/> brechen, welche er dem Said=ebn=Amir anzu=
<lb n="0237.25"/> f&#x00FC;hren gab. Dieser Feldherr wandte seinen
<lb n="0237.26"/> erhaltenen Befehlen gem&#x00E4;&#x00DF;, alles an, in
<lb n="0237.27"/> m&#x00F6;glichster Eil zu dem Obeidah zu stossen;
<lb n="0237.28"/> weil er sich aber auf seinem Zuge verirret hatte,
<lb n="0237.29"/> stie&#x00DF; er auf eine griechische Parthey, welche von
<lb n="0237.30"/> dem Befehlshaber von Amman angef&#x00FC;hrt wur=
<pb n="0238.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-299"/>
<lb n="0238.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>de. Dieser Zufall hielt seinen Marsch einige
<lb n="0238.02"/> Zeit auf, so viel er nemlich ein Treffen zu hal=
<lb n="0238.03"/> ten brauchte, in welchem das ganze griechische
<lb n="0238.04"/> Fu&#x00DF;volk in St&#x00FC;cken gehauen wurde. Der Be=
<lb n="0238.05"/> fehlshaber war dem Blutbade mit seiner Reu=
<lb n="0238.06"/> terey zwar entkommen, doch kurz darauf ward
<lb n="0238.07"/> er von einer arabischen Parthey, welche um
<lb n="0238.08"/> zu pl&#x00FC;ndern das Land durchstreifte, angegriffen.
<lb n="0238.09"/> Hier fiel eine neue Schlacht vor, in welcher der
<lb n="0238.10"/> Befehlshaber und der gr&#x00F6;ste Theil seiner Reu=
<lb n="0238.11"/> terey auf dem Platze blieben.</p>
<lb n="0238.12" rend="indent"/> <p>Said und seine Leute, welche die Fl&#x00FC;chti=
<lb n="0238.13"/> gen verfolgten, wurden &#x00FC;ber eine Begegnung
<lb n="0238.14"/> gedoppelt entz&#x00FC;ckt, welche nicht allein ihren
<lb n="0238.15"/> Sieg vollst&#x00E4;ndig machte, sondern ihnen auch
<lb n="0238.16"/> Gelegenheit gab, sich nach dem n&#x00E4;chsten We=
<lb n="0238.17"/> ge zu der Hauptarmee zu erkundigen. Ehe sie
<lb n="0238.18"/> sich aber wieder auf den Marsch begaben, hie=
<lb n="0238.19"/> ben sie einer grossen Menge Reutern, die in
<lb n="0238.20"/> dem Treffen geblieben waren, die K&#x00F6;pffe ab,
<lb n="0238.21"/> welchen sie die Haut abzogen, und sie auf ihre
<lb n="0238.22"/> Lanzen steckten. Mit diesen schrecklichen Siegs=
<lb n="0238.23"/> zeichen kamen sie in dem Lager an.</p>
<lb n="0238.24" rend="indent"/> <p>Die Ankunft dieser Verst&#x00E4;rkung, und die
<lb n="0238.25"/> Vortheile, welche die Muselm&#x00E4;nner eben jetzt
<lb n="0238.26"/> davon getragen hatten, machten dem griechi=
<lb n="0238.27"/> schen Generale vielerley Gedanken. So frucht=
<lb n="0238.28"/> los seine erste Unterhandlung auch abgelauffen
<lb n="0238.29"/> war, so beschlo&#x00DF; er doch, noch eine zweyte zu
<lb n="0238.30"/> versuchen, und lie&#x00DF; den Obeidah bitten, einen
<pb n="0239.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-300"/>
<lb n="0239.01"/> von seinen Vertrauten zu ihm zu schicken, sich<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0239.02"/> mit ihm zu besprechen.</p>
<lb n="0239.03" rend="indent"/> <p>Weil sich Khaled hierzu selbst anbot, und
<lb n="0239.04"/> Obeidah mit Vergn&#x00FC;gen darein willigte, so be=
<lb n="0239.05"/> gab er sich mit einigen angesehenen Hauptleu=
<lb n="0239.06"/> ten in das griechische Lager. Mahan empfing
<lb n="0239.07"/> sie in seinem Zelte, wo er auf einer Art von
<lb n="0239.08"/> Throne sa&#x00DF;, neben welchem er St&#x00FC;hle f&#x00FC;r den
<lb n="0239.09"/> Khaled und sein Gefolge hatte setzen lassen;
<lb n="0239.10"/> doch diese stiessen die St&#x00FC;hle weg, und setzten
<lb n="0239.11"/> sich auf die Erde. Der griechische General
<lb n="0239.12"/> wunderte sich, da&#x00DF; sie die Sitze, die er ihnen
<lb n="0239.13"/> bestimmt hatte, verschm&#x00E4;heten, Khaled aber
<lb n="0239.14"/> sagte ihm, da&#x00DF; der Gebrauch der Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0239.15"/> in diesem St&#x00FC;cke weit edler sey, als der Ge=
<lb n="0239.16"/> brauch der Christen; da&#x00DF; die Erde der Stuhl
<lb n="0239.17"/> sey, welchen Gott seinem Propheten, dem Ma=
<lb n="0239.18"/> homet, bestimmt, und der Prophet den Musel=
<lb n="0239.19"/> m&#x00E4;nnern, seinen Sch&#x00FC;lern, hinterlassen habe.</p>
<lb n="0239.20" rend="indent"/> <p>Der arabische Geschichtschreiber, welcher
<lb n="0239.21"/> uns diesen und andre Umst&#x00E4;nde erzehlt, die alle
<lb n="0239.22"/> gleich wenig wichtig sind, sagt uns von dem
<lb n="0239.23"/> vornehmsten Gegenstande dieser Unterredung
<lb n="0239.24"/> nichts. Aus seiner Erzehlung erhellet nur so
<lb n="0239.25"/> viel, da&#x00DF; die Unterhaltung dieser beyden Heer=
<lb n="0239.26"/> f&#x00FC;hrer mit H&#x00F6;flichkeiten und Scheltworten ab=
<lb n="0239.27"/> wechselte, welche mit der Sache, die sie h&#x00E4;tten
<lb n="0239.28"/> vorhaben sollen, nicht die geringste Verwandt=
<lb n="0239.29"/> schaft hatten.</p>
<lb n="0239.30" rend="indent"/> <p>Mahan sagte anfangs dem Khaled viel ver=
<pb n="0240.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-301"/>
<lb n="0240.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>bindliches. Nachdem er ihn einige Zeit hatte
<lb n="0240.02"/> reden h&#x00F6;ren, so sagte er ihm, da&#x00DF; er bi&#x00DF; iezt
<lb n="0240.03"/> die Araber als ein rauhes und ungesittetes Volk
<lb n="0240.04"/> betrachtet habe; da&#x00DF; aber die Unterredung, die
<lb n="0240.05"/> er eben iezt mit ihm habe, dieses Vorurtheil
<lb n="0240.06"/> g&#x00E4;nzlich niederschlage, und ihm einen ganz an=
<lb n="0240.07"/> dern Begrif von ihnen mache, als die Grie=
<lb n="0240.08"/> chen sonst zu haben pflegten.</p>
<lb n="0240.09" rend="indent"/> <p>Khaled gab es in der That zu, da&#x00DF; man die
<lb n="0240.10"/> Araber allezeit vor grob gehalten habe, und da&#x00DF;
<lb n="0240.11"/> sie es auch damals noch gewesen w&#x00E4;ren, als
<lb n="0240.12"/> Mahomet unter ihnen aufgestanden; da&#x00DF; aber,
<lb n="0240.13"/> seit dem der Prophet sie mit dem himmlischen
<lb n="0240.14"/> Lichte erleuchtet, um sie den Weg des Lebens
<lb n="0240.15"/> und der Wahrheit zu f&#x00FC;hren, die Sachen ein
<lb n="0240.16"/> ganz ander Ansehen bekommen h&#x00E4;tten.</p>
<lb n="0240.17" rend="indent"/> <p>Doch er zeigte es gar bald selbst, da&#x00DF; die=
<lb n="0240.18"/> se vorgegebene Ver&#x00E4;nderung so gar gegr&#x00FC;ndet
<lb n="0240.19"/> nicht sey, als er behauptet. Denn da die Un=
<lb n="0240.20"/> terredung ein wenig hitzig geworden war, sagte
<lb n="0240.21"/> Khaled ohne Umst&#x00E4;nde zu dem griechischen Ge=
<lb n="0240.22"/> nerale, da&#x00DF; er ihn noch einmal mit dem Stri=
<lb n="0240.23"/> cke um den Hals vor den Omar wolle gef&#x00FC;hrt
<lb n="0240.24"/> sehen, um in Gegenwart des Califen enthauptet
<lb n="0240.25"/> zu werden. Es ist zu vermuthen, da&#x00DF; Khaled zu
<lb n="0240.26"/> dieser Heftigkeit blo&#x00DF; durch die verschiedenen Ar=
<lb n="0240.27"/> tikel verleitet wurde, welche der Gegenstand die=
<lb n="0240.28"/> ser Unterredung waren. Der arabische Schrift=
<lb n="0240.29"/> steller giebt bey dieser Sache kein Licht, welche
<lb n="0240.30"/> doch allerdings Aufmerksamkeit verdienete.</p>
<pb n="0241.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-302"/>
<lb n="0241.01" rend="indent"/> <p>Mahan ward mit Recht &#x00FC;ber die Reden<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0241.02"/> des Khaled unwillig, und antwortete ihm im Zor=
<lb n="0241.03"/> ne, da&#x00DF; wenn er das V&#x00F6;lkerrecht nicht in seiner
<lb n="0241.04"/> Person scheuete, er ihn diese unversch&#x00E4;mte Re=
<lb n="0241.05"/> de mit dem Kopfe wollte bezahlen lassen; weil
<lb n="0241.06"/> er sich aber an ihm, in Ansehung seiner gesandt=
<lb n="0241.07"/> schaftlichen W&#x00FC;rde, nicht r&#x00E4;chen m&#x00F6;ge, so wol=
<lb n="0241.08"/> le er es an den Gefangenen thun, die er in sei=
<lb n="0241.09"/> nen H&#x00E4;nden habe; und sogleich gab er Befehl,
<lb n="0241.10"/> sie ihm her zu bringen.</p>
<lb n="0241.11" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Ueberlege es ja wohl, was du thun
<lb n="0241.12"/> willst</hi>, versetzte der Muselmann voller Wuth,
<lb n="0241.13"/> <hi rend="bold">denn ich schw&#x00F6;re dir bey dem Mahomet,
<lb n="0241.14"/> da&#x00DF;, wenn du das thust, was du gesagt
<lb n="0241.15"/> hast, ich dich mit eigner Hand umbrin=
<lb n="0241.16"/> gen will</hi>. Hiermit zog er mit einem drohen=
<lb n="0241.17"/> den Blicke den Sebel, und die Araber, welche
<lb n="0241.18"/> bey ihm waren, thaten ein gleiches.</p>
<lb n="0241.19" rend="indent"/> <p>Mahan hielt nicht f&#x00FC;r dienlich, die Sache
<lb n="0241.20"/> weiter zu treiben. Er bes&#x00E4;nftigte sich vielmehr
<lb n="0241.21"/> g&#x00E4;nzlich, und setzte die Unterredung so ruhig
<lb n="0241.22"/> fort, als ob er keine Ursache zum Verdrusse ge=
<lb n="0241.23"/> habt h&#x00E4;tte. Sie beschlossen so gar die Unter=
<lb n="0241.24"/> haltung mit verbindlichen Worten und beyder=
<lb n="0241.25"/> seitigen Geschenken. Khaled hatte bemerkt,
<lb n="0241.26"/> da&#x00DF; dem Mahan ein Zelt von Scharlach, wel=
<lb n="0241.27"/> ches er in dem griechischen Lager f&#x00FC;r sich hatte
<lb n="0241.28"/> aufschlagen lassen, gefallen; er schenkte es ihm
<lb n="0241.29"/> also auf eine sehr verbindliche Art. Der grie=
<lb n="0241.30"/> chische General nahm es an, und schenkte ihm
<pb n="0242.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-303"/>
<lb n="0242.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>daf&#x00FC;r die Gefangenen, welchen er kurz vorher
<lb n="0242.02"/> die K&#x00F6;pfe hatte wollen abschlagen lassen. Er
<lb n="0242.03"/> wollte noch andere Geschenke hinzuf&#x00FC;gen, doch
<lb n="0242.04"/> Khaled schlug sie aus. Er war zufrieden gnug,
<lb n="0242.05"/> die Gefangenen, die man ihm geschenkt hatte,
<lb n="0242.06"/> wieder erhalten zu haben. Es waren eben die=
<lb n="0242.07"/> selben, welche Giabalah gemacht, und sogleich
<lb n="0242.08"/> in das k&#x00E4;yserliche Lager geschickt hatte.</p>
<lb n="0242.09" rend="indent"/> <p>Der arabische Schriftsteller, welcher sich
<lb n="0242.10"/> mit Kleinigkeiten abgiebt, hat es nicht f&#x00FC;r werth
<lb n="0242.11"/> geachtet, uns etwas von dem wesentlichen die=
<lb n="0242.12"/> ser Unterhandlung zu melden. So viel ist ge=
<lb n="0242.13"/> wi&#x00DF;, da&#x00DF; kein Vergleich statt fand, und da&#x00DF;
<lb n="0242.14"/> man auf beyden Theilen Anstalt machte, den
<lb n="0242.15"/> Streit durch die ber&#x00FC;hmte Schlacht bey Yer=
<lb n="0242.16"/> muk, welche kurz darauf vorfiel, zu entschei=
<lb n="0242.17"/> den.</p>
<lb n="0242.18"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Obeidah<lb/>tritt dem</hi><lb/>Khaled das<lb/>Commando<lb/><hi rend="spaced">der</hi> Armee<lb/>ab.</note><p rend="indent">Obeidah legte bey dieser Gelegenheit einen
<lb n="0242.19"/> unwidersprechlichen Beweis von seiner Gro&#x00DF;=
<lb n="0242.20"/> muth und seinem Eyfer f&#x00FC;r das gemeine Beste
<lb n="0242.21"/> ab. Er verstand zwar die Anordnung eines
<lb n="0242.22"/> Marsches, und eines Lagers, und die Stellung
<lb n="0242.23"/> einer Armee; &#x00FC;brigens aber war er derjenige
<lb n="0242.24"/> nicht, welcher sich in der Schlacht selbst h&#x00E4;tte
<lb n="0242.25"/> sonderlich hervor thun k&#x00F6;nnen. Dieses kam
<lb n="0242.26"/> nicht daher, als ob es ihm ganz und gar am
<lb n="0242.27"/> Muthe gefehlt h&#x00E4;tte; allein ein andrer konnte
<lb n="0242.28"/> leichtlich mehr haben als er; und was ihm von
<lb n="0242.29"/> andern, die ihm etwa gleich seyn konnten,
<lb n="0242.30"/> g&#x00E4;nzlich unterschied, war dieses, da&#x00DF; er sich in
<lb n="0242.31"/> diesem St&#x00FC;cke Gerechtigkeit wiederfahren lie&#x00DF;.</p>
<pb n="0243.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-304"/>
<lb n="0243.01" rend="indent"/> <p>Da er also sahe, da&#x00DF; die instehende Schlacht<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0243.02"/> von dem Schicksaale Syriens den Ausschlag ge=
<lb n="0243.03"/> ben m&#x00FC;sse, erkannte er &#x00F6;ffentlich, da&#x00DF; ihm Kha=
<lb n="0243.04"/> led an Muthe weit &#x00FC;berlegen sey, indem er ihm
<lb n="0243.05"/> das Commando der Armee abtrat. Er selbst
<lb n="0243.06"/> stellte sich vor das Hintertreffen, unter die gel=
<lb n="0243.07"/> be Fahne, die ihm Abubeker bey seiner Abreise
<lb n="0243.08"/> nach Syrien gegeben hatte, und welches eben
<lb n="0243.09"/> dieselbe war, unter welcher Mahomet in seinem
<lb n="0243.10"/> Kriege wider die syrischen Juden gestritten
<lb n="0243.11"/> hatte.</p>
<lb n="0243.12" rend="indent"/> <p>Uebrigens war es sehr nothwendig, da&#x00DF; sich
<lb n="0243.13"/> ein Anf&#x00FC;hrer in dem Hintertreffen bef&#x00E4;nde,
<lb n="0243.14"/> der durch sein Ansehen die Araber zur&#x00FC;ckhal=
<lb n="0243.15"/> ten und ihre Flucht verhindern k&#x00F6;nne; denn in
<lb n="0243.16"/> den letztern Treffen, welche zwischen ihnen und
<lb n="0243.17"/> den Griechen vorgefallen waren, hatte man be=
<lb n="0243.18"/> merkt, da&#x00DF; die ersten Anf&#x00E4;lle sehr schwer auszu=
<lb n="0243.19"/> halten w&#x00E4;ren.</p>
<lb n="0243.20" rend="indent"/> <p>Eben dieses geschah auch in der Schlacht<note type="marginalie" place="rechts">Die Araber<lb/>gewinnen die<lb/>Schlacht bey<lb/>Yermuk.</note>
<lb n="0243.21"/> vor Yermuk. Der rechte Fl&#x00FC;gel der musel=
<lb n="0243.22"/> m&#x00E4;nnischen Reuterey ward &#x00FC;ber den Hauffen
<lb n="0243.23"/> geworffen; die meisten ergriffen die Flucht,
<lb n="0243.24"/> man zwang sie aber gar bald, wieder in das
<lb n="0243.25"/> Treffen zur&#x00FC;ck zu kehren. Die arabischen Wei=
<lb n="0243.26"/> ber, die sich in dem Hintertreffen befanden,
<lb n="0243.27"/> hielten die Fl&#x00FC;chtigen auf. Sie mi&#x00DF;handelten
<lb n="0243.28"/> einige sogar auf eine grausame Art, welche
<lb n="0243.29"/> durch sie durchzudringen versucht hatten. Sie
<lb n="0243.30"/> sahen dabey keine Person an, und Sofian selbst,
<pb n="0244.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-305"/>
<lb n="0244.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>einer von den tapfersten Hauptleuten, welche
<lb n="0244.02"/> die Muselm&#x00E4;nner unter sich hatten, und der
<lb n="0244.03"/> der Gewalt zu weichen war gen&#x00F6;thiget worden,
<lb n="0244.04"/> da&#x00DF; er sich auf eine Art zur&#x00FC;ckziehen muste, die
<lb n="0244.05"/> der Flucht sehr &#x00E4;hnlich war, wurde von diesen
<lb n="0244.06"/> tapfern Kriegerinnen eben so wenig als ein an=
<lb n="0244.07"/> drer verschonet. Eine von ihnen hatte gleich
<lb n="0244.08"/> keine Waffen bey der Hand, und ergriff also
<lb n="0244.09"/> eine Zeltstange, mit welcher sie ihm einen so ge=
<lb n="0244.10"/> waltigen Schlag versetzte, da&#x00DF; er weiter zu flie=
<lb n="0244.11"/> hen verga&#x00DF;.</p>
<lb n="0244.12" rend="indent"/> <p>Die Muselm&#x00E4;nner hatten an diesem ersten
<lb n="0244.13"/> Tage (denn man schlug sich verschiedene Tage
<lb n="0244.14"/> hintereinander) vielen Verlust; Doch die fol=
<lb n="0244.15"/> genden Tage fa&#x00DF;ten sie neuen Muth; und nach
<lb n="0244.16"/> verschiednen blutigen Treffen, in welchen sich
<lb n="0244.17"/> die Griechen mit aller Wuth, welche die Ver=
<lb n="0244.18"/> zweiflung einfl&#x00F6;ssen kann, herumschlugen, mu=
<lb n="0244.19"/> sten sie doch endlich der Tapferkeit der Araber
<lb n="0244.20"/> weichen, welche sich sch&#x00E4;mten, da&#x00DF; sie bey den
<lb n="0244.21"/> ersten Anf&#x00E4;llen des Feindes zur&#x00FC;ckgewichen wa=
<lb n="0244.22"/> ren, und also in der Folge die Fehler, die sie
<lb n="0244.23"/> etwa zu Anfange des Treffens begangen hatten,
<lb n="0244.24"/> wieder gut machten.</p>
<lb n="0244.25" rend="indent"/> <p>Obeidah, welcher bey diesen Umst&#x00E4;nden
<lb n="0244.26"/> gleich anfangs die Sorgfalt gehabt hatte, alle
<lb n="0244.27"/> militarische Anordnungen dem Khaled zu &#x00FC;ber=
<lb n="0244.28"/> lassen, that bey allen diesen auf einander fol=
<lb n="0244.29"/> genden Schlachten ein gleiches. Er vor sich
<lb n="0244.30"/> trug Sorge, das Gebet in dem Lager unausge=
<pb n="0245.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-306"/>
<lb n="0245.01"/> setzt zu verrichten, und die Verwundeten zu be=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0245.02"/> suchen, von welchen er einige so gar mit eige=
<lb n="0245.03"/> nen H&#x00E4;nden verband. Uebrigens mischte er
<lb n="0245.04"/> sich in nichts, was die Verrichtungen eines o=
<lb n="0245.05"/> bersten Feldherrn betraff; als welche W&#x00FC;rde ihm
<lb n="0245.06"/> in der That nichts mehr anging, weil er sie kl&#x00FC;g=
<lb n="0245.07"/> lich einem andern abgetreten hatte.</p>
<lb n="0245.08" rend="indent"/> <p>Da also die Griechen g&#x00E4;nzlich in die Flucht
<lb n="0245.09"/> geschlagen waren, blieben die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0245.10"/> Herren von der Wahlstatt, und glaubten wei=
<lb n="0245.11"/> ter keine Hindernisse anzutreffen, die sie in dem
<lb n="0245.12"/> Besitze der reichen Provinzen Syriens st&#x00F6;ren
<lb n="0245.13"/> k&#x00F6;nnten. Obeidah &#x00FC;bernahm nunmehr das
<lb n="0245.14"/> Commando der Trupen wieder, und nachdem er
<lb n="0245.15"/> sie einige Zeit in Yermuk hatte ausrasten lassen,
<lb n="0245.16"/> f&#x00FC;hrte er sie nach Damascus, von wannen er an
<lb n="0245.17"/> den Califen schrieb, ihm das Gl&#x00FC;cke der Musel=
<lb n="0245.18"/> m&#x00E4;nner zu benachrichten.</p>
<lb n="0245.19" rend="indent"/> <p>Nach der ausf&#x00FC;hrlichen Beschreibung die=<note type="marginalie" place="rechts">Brief <hi rend="spaced">des</hi><lb/>Obeidah <hi rend="spaced">an</hi><lb/>den Califen.</note>
<lb n="0245.20"/> ses Briefes zu urtheilen, so war es nicht zu ver=
<lb n="0245.21"/> wundern, da&#x00DF; die Araber v&#x00F6;llig von dem gan=
<lb n="0245.22"/> zen Syrien Herren blieben. Nach der schrek=
<lb n="0245.23"/> lichen Niederlage der Griechen, konnten keine
<lb n="0245.24"/> Trupen, es zu vertheidigen, mehr &#x00FC;brig seyn.
<lb n="0245.25"/> Die Zahl der Todten belief sich ihrer Seits auf
<lb n="0245.26"/> funfzigtausend Mann, und vierzigtausend Mann
<lb n="0245.27"/> machte man von ihnen zu Gefangenen, unter
<lb n="0245.28"/> welchen sich auch ihr General Mahan, welcher
<lb n="0245.29"/> kurz darauf zu Damascus ermordet wurde, be=
<lb n="0245.30"/> fand. Von Seiten der Muselm&#x00E4;nner blieben
<pb n="0246.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-307"/>
<lb n="0246.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>nicht mehr als viertausend und drey&#x00DF;ig Mann
<lb n="0246.02"/> auf dem Platze.</p>
<lb n="0246.03" rend="indent"/> <p>Ausser der entsetzlichen Anzahl Griechen,
<lb n="0246.04"/> welche auf dem Schlachtfelde geblieben waren,
<lb n="0246.05"/> machten die Muselm&#x00E4;nner auch alles auf dem
<lb n="0246.06"/> Lande nieder, was sie in ihren Eroberungen
<lb n="0246.07"/> h&#x00E4;tte beunruhigen k&#x00F6;nnen. <hi rend="bold">Wir haben</hi>,
<lb n="0246.08"/> sagt Obeidah zu dem Califen, <hi rend="bold">diejenigen g&#x00E4;nz=
<lb n="0246.09"/> lich aufgerieben, welche auf die Berge
<lb n="0246.10"/> und in die W&#x00FC;sten gefl&#x00FC;chtet waren.
<lb n="0246.11"/> Wir haben alle Zug&#x00E4;nge verschlossen,
<lb n="0246.12"/> und Gott hat uns zu Herren &#x00FC;ber die
<lb n="0246.13"/> Christen, &#x00FC;ber ihre Reichth&#x00FC;mer und
<lb n="0246.14"/> Kinder gemacht</hi>. Der Brief schlo&#x00DF; sich al=
<lb n="0246.15"/> so: <hi rend="bold">Geschrieben zu Damascus, wohin wir
<lb n="0246.16"/> uns nach unserm Siege gewendet haben,
<lb n="0246.17"/> und wo ich deine Befehle wegen Thei=
<lb n="0246.18"/> lung der Beute erwarte</hi>.</p>
<lb n="0246.19" rend="indent"/> <p>So wichtige Nachrichten konnten den Ein=
<lb n="0246.20"/> wohnern von Medina, und insbesondre dem
<lb n="0246.21"/> Califen, welcher sogleich an den Obeidah, ihm
<lb n="0246.22"/> wegen seines Sieges Gl&#x00FC;ck zu w&#x00FC;nschen, schrieb,
<lb n="0246.23"/> nicht anders als h&#x00F6;chst erfreulich seyn. Der
<lb n="0246.24"/> Calife trug ihm auf, allen Muselm&#x00E4;nnern von
<lb n="0246.25"/> seiner Armee zu erkennen zu geben, wie erkennt=
<lb n="0246.26"/> lich er gegen die Dienste, die sie dem Vaterlan=
<lb n="0246.27"/> de geleistet h&#x00E4;tten, w&#x00E4;re; schl&#x00FC;&#x00DF;lich rieth er dem
<lb n="0246.28"/> Generale, seine Trupen bis zu Erhaltung neu=
<lb n="0246.29"/> er Befehle, zu Damascus ausruhen zu lassen.
<lb n="0246.30"/> Wegen der Beute schrieb er gar nichts.</p>
<pb n="0247.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-308"/>
<lb n="0247.01" rend="indent"/> <p>Obeidah nahm es auf sich, die Theilung der=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0247.02"/> selben mit der m&#x00FC;glichsten Billigkeit zu verrich=
<lb n="0247.03"/> ten; und er hatte das Vergn&#x00FC;gen, den Beyfall
<lb n="0247.04"/> des Califen zu erhalten, als er ihm seine gemach=
<lb n="0247.05"/> te Einrichtung meldete. Nachdem er ungefehr
<lb n="0247.06"/> einen Monat seine Trupen hatte ausruhen
<lb n="0247.07"/> lassen, schrieb er an den Califen um Vorhal=
<lb n="0247.08"/> tungsbefehle zu seinen k&#x00FC;nftigen Unternehmun=
<lb n="0247.09"/> gen.</p>
<lb n="0247.10" rend="indent"/> <p>Die Antwort kam unverz&#x00FC;glich zur&#x00FC;ck.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Die</hi> Ara=<lb/>ber belagern<lb/>Jerusalem.</note>
<lb n="0247.11"/> Omar befahl, mit Beystimmung seines Raths,
<lb n="0247.12"/> die Belagerung Jerusalems, eines Ortes, wo=
<lb n="0247.13"/> von die Araber schon vorl&#x00E4;ngst gerne Besitzer
<lb n="0247.14"/> gewesen w&#x00E4;ren, weil eine grosse Anzahl Pro=
<lb n="0247.15"/> pheten daselbst begraben lagen, und Mahomet
<lb n="0247.16"/> allezeit gew&#x00FC;nscht hatte, da&#x00DF; man sich dieses
<lb n="0247.17"/> Orts bem&#x00E4;chtigen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0247.18" rend="indent"/> <p>Obeidah lie&#x00DF; sogleich seine Trupen nach der
<lb n="0247.19"/> Gegend Jerusalems nach und nach aufbrechen.
<lb n="0247.20"/> Die erste Abtheilung, welche sich auf den Weg
<lb n="0247.21"/> begab, bestand aus f&#x00FC;nftausend Mann, welche
<lb n="0247.22"/> der Feldherr dem Abu=Sofian anzuf&#x00FC;hren gab,
<lb n="0247.23"/> und dem er bald darauf verschiedene andere Ab=
<lb n="0247.24"/> theilungen des Heers folgen lie&#x00DF;, welche alle
<lb n="0247.25"/> bey den Mauern dieser Stadt zusa<expan>mm</expan>en stossen
<lb n="0247.26"/> sollten. Sofian lie&#x00DF; anfangs den Platz auffor=
<lb n="0247.27"/> dern, und that sogar verschiedene Vorschl&#x00E4;ge,
<lb n="0247.28"/> welche alle verworffen wurden. Er beschlo&#x00DF;
<lb n="0247.29"/> also den Angriff vorzunehmen, und best&#x00FC;rmte
<lb n="0247.30"/> auch in der That die Stadt ganzer zehn Tage
<pb n="0248.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-309"/>
<lb n="0248.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>hinter einander. Doch die Belagerten verthei=
<lb n="0248.02"/> digten sich so tapfer, da&#x00DF; die Muselm&#x00E4;nner kei=
<lb n="0248.03"/> nen Vortheil davon tragen konnten.</p>
<lb n="0248.04" rend="indent"/> <p>Obeidah, welcher w&#x00E4;hrend der Zeit mit den
<lb n="0248.05"/> &#x00FC;brigen Trupen angekommen war, bildete sich
<lb n="0248.06"/> anfangs ein, da&#x00DF; der Anblick eines so zahlrei=
<lb n="0248.07"/> chen Heeres bey den Belagerten Eindruck ma=
<lb n="0248.08"/> chen w&#x00FC;rde, da&#x00DF; sie sich zu einem Vergleiche
<lb n="0248.09"/> williger bezeigten. Er entschlo&#x00DF; sich daher,
<lb n="0248.10"/> einen Brief an sie zu schreiben, in welchem er
<lb n="0248.11"/> sich, nach den gew&#x00F6;hnlichen Anfangs Worten,
<lb n="0248.12"/> folgender maassen ausdr&#x00FC;ckte:</p>
<lb n="0248.13" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Wir fordern von euch, zu bekennen,
<lb n="0248.14"/> da&#x00DF; nur ein Gott, und Mahomet sein
<lb n="0248.15"/> Prophete ist; da&#x00DF; ein Gerichte seyn wird,
<lb n="0248.16"/> und da&#x00DF; Gott die Todten aus ihren Gr&#x00E4;=
<lb n="0248.17"/> bern wird hervor gehen lassen</hi>.</p>
<lb n="0248.18" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Sobald ihr dieses Bekenntni&#x00DF; wer=
<lb n="0248.19"/> det gethan haben, wird es uns nicht er=
<lb n="0248.20"/> laubt seyn euer Blut zu vergiessen, noch
<lb n="0248.21"/> eure G&#x00FC;ter und Kinder wegzuf&#x00FC;hren.
<lb n="0248.22"/> Wann ihr es euch aber zu thun weigert,
<lb n="0248.23"/> so werdet zinsbar; wo nicht, so will ich
<lb n="0248.24"/> Leute wider euch ausschicken, die den
<lb n="0248.25"/> Tod mehr lieben, als ihr das Trinken
<lb n="0248.26"/> des Weins, und das Essen des Schwei=
<lb n="0248.27"/> nefleisches; (<ref rend="footnote" n="248*"><hi rend="super">*</hi></ref>) und will euch nicht eher</hi>
<lb n="0248.28"/> <note type="footnote" n="248*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Sowohl der Gebrauch des Weins, als das
<lb n="0248.29" rend="indent"/> Essen des Schweinefleisches ist im Korane ver=
<lb n="0248.30" rend="indent"/> boten.</p></note>
<pb n="0249.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-310"/>
<lb n="0249.01"/> <hi rend="bold">verlassen, als bis ich, wenn es Gott ge=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0249.02"/> f&#x00E4;llt, euch und eure Kinder in die Knecht=
<lb n="0249.03"/> schaft gestossen, und alle ausgerottet ha=
<lb n="0249.04"/> be, welche f&#x00FC;r euch streiten</hi>.</p>
<lb n="0249.05" rend="indent"/> <p>Dieser Brief hatte zur Aufschrift: <hi rend="bold">Den
<lb n="0249.06"/> vornehmsten Einwohnern zu Aelia</hi>. So
<lb n="0249.07"/> nennte man Jerusalem, seit dem es der K&#x00E4;yser
<lb n="0249.08"/> Aelius Hadrianus hatte wieder aufbauen lassen.</p>
<lb n="0249.09" rend="indent"/> <p>Die Drohungen des muselm&#x00E4;nnischen Ge=
<lb n="0249.10"/> nerals waren nicht verm&#x00F6;gend, die Einwohner
<lb n="0249.11"/> zu Jerusalem furchtsam zu machen. Sie fuh=
<lb n="0249.12"/> ren fort, den allertapfersten Widerstand zu
<lb n="0249.13"/> thun; welches sie ganzer vier Monate aushiel=
<lb n="0249.14"/> ten, w&#x00E4;hrend welcher Zeit verschiedene sehr hi=
<lb n="0249.15"/> tzige Treffen vorfielen, die die Belagerten end=
<lb n="0249.16"/> lich ungemein schw&#x00E4;chten. Die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0249.17"/> ihres Theils erschienen best&#x00E4;ndig mit gleicher
<lb n="0249.18"/> Hitze, und es schien so gar, als wann sie durch
<lb n="0249.19"/> die Schwierigkeiten nur vermehrt w&#x00FC;rde. Aus=
<lb n="0249.20"/> ser den best&#x00E4;ndigen Ausf&#x00E4;llen, wider die sie
<lb n="0249.21"/> sich in Acht zu nehmen hatten, hatten sie noch
<lb n="0249.22"/> die scharfe Witterung, welche beynahe uner=
<lb n="0249.23"/> tr&#x00E4;glich geworden war, auszuhalten. Der
<lb n="0249.24"/> Winter war dieses Jahr sehr hart, und beson=
<lb n="0249.25"/> ders f&#x00FC;r Leute, welche sich im Lager befanden.
<lb n="0249.26"/> Doch alle diese Beschwerlichkeiten hinderten sie
<lb n="0249.27"/> nicht, sich allezeit mit gleicher Unerschrockenheit
<lb n="0249.28"/> zu zeigen, in dem festen Entschlusse, entweder
<lb n="0249.29"/> sich des Orts zu bem&#x00E4;chtigen, oder vor seinen
<lb n="0249.30"/> Mauern umzukommen.</p>
<pb n="0250.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-311"/>
<lb n="0250.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note><p rend="indent">Eine so anhaltende Hartn&#x00E4;ckigkeit verur=
<lb n="0250.02"/> sachte bey den Einwohnern traurige Gedan=
<lb n="0250.03"/> ken. Sie sahen voraus, da&#x00DF; die Araber &#x00FC;ber
<lb n="0250.04"/> kurz oder lang zu sie eindringen, und, wann
<lb n="0250.05"/> die Stadt mit Sturm sollte erobert werden,
<lb n="0250.06"/> sich wegen der Beschwerlichkeiten und Strapa=
<lb n="0250.07"/> zen, die sie ausstehen m&#x00FC;sten, r&#x00E4;chen w&#x00FC;rden.
<lb n="0250.08"/> Diese schreckliche Gedanken machten bey den
<lb n="0250.09"/> vornehmsten Einwohnern einen solchen Ein=
<lb n="0250.10"/> druck, da&#x00DF; sie sich endlich entschlossen, Vor=
<lb n="0250.11"/> schl&#x00E4;ge zu thun.</p>
<lb n="0250.12"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Unterre=</hi><lb/>dung zwisch&#x0113;<lb/>dem Obeidah<lb/>und Patriar<lb/>chen von Je=<lb/>rusalem.</note><p rend="indent">Sophronius, Patriarch von Jerusalem,
<lb n="0250.13"/> ein wegen seines Alters, seiner W&#x00FC;rde und sei=
<lb n="0250.14"/> ner pers&#x00F6;nlichen Verdienste ehrw&#x00FC;rdiger Pr&#x00E4;la=
<lb n="0250.15"/> te, ward ersucht, sich zu dem Obeidah zu bege=
<lb n="0250.16"/> ben, und mit ihm Unterhandlung zu pflegen.
<lb n="0250.17"/> Der Patriarch nahm diese Verrichtung willig
<lb n="0250.18"/> &#x00FC;ber sich, und hatte mit dem Generale der Mu=
<lb n="0250.19"/> selm&#x00E4;nner eine lange Unterredung. Nach ver=
<lb n="0250.20"/> schiednen Vorschl&#x00E4;gen stellte er ihm vor, da&#x00DF;
<lb n="0250.21"/> Jerusalem die heilige Stadt sey, und da&#x00DF; der
<lb n="0250.22"/> Himmel demjenigen seinen Zorn drohe, welcher
<lb n="0250.23"/> sich unterstehen w&#x00FC;rde, als Feind hinein zu
<lb n="0250.24"/> kommen.</p>
<lb n="0250.25" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Wir wissen es wohl</hi>, versetzte Obeidah,
<lb n="0250.26"/> <hi rend="bold">da&#x00DF; in Jerusalem eine grosse Menge
<lb n="0250.27"/> Propheten gebohren worden, und da=
<lb n="0250.28"/> selbst begraben liegen. Jn dieser be=
<lb n="0250.29"/> r&#x00FC;hmten Stadt war es, wo Maho=</hi>
<pb n="0251.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-312"/>
<lb n="0251.01"/> <hi rend="bold">met (<ref rend="footnote" n="251*"><hi rend="super">*</hi></ref>) unser Prophete, zur Nachtzeit,<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0251.02"/> bis in den Himmel entz&#x00FC;ckt wurde, und
<lb n="0251.03"/> sich dem Herrn bis auf zwey Bogen=</hi>
<lb n="0251.04"/> <note type="footnote" n="251*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Die Muselm&#x00E4;nner glauben, Mahomet sey
<lb n="0251.05" rend="indent"/> einmal in der Nacht von dem Engel Gabriel
<lb n="0251.06" rend="indent"/> von Mecca nach Jerusalem, und von da in
<lb n="0251.07" rend="indent"/> den Himmel gef&#x00FC;hret worden, wo er die
<lb n="0251.08" rend="indent"/> wunderbarsten Dinge gesehen habe, die man
<lb n="0251.09" rend="indent"/> in des Gagniers Lebensbeschreibung dieses
<lb n="0251.10" rend="indent"/> Propheten, ausf&#x00FC;hrlich beschrieben findet.
<lb n="0251.11" rend="indent"/> Diese Geschichte, welche nichts weiter ent=
<lb n="0251.12" rend="indent"/> h&#x00E4;lt, als das, was Mahomet in einer einzi=
<lb n="0251.13" rend="indent"/> gen Nacht gesehen hat, nimmt die zw&#x00F6;lf er=
<lb n="0251.14" rend="indent"/> sten Hauptst&#x00FC;cke des zweyten Buchs ein. Um
<lb n="0251.15" rend="indent"/> einen Begrif von dem Geschmacke zu machen,
<lb n="0251.16" rend="indent"/> welcher in dieser Erzehlung herrscht, will ich
<lb n="0251.17" rend="indent"/> nur das anf&#x00FC;hren, was der Prophet von den
<lb n="0251.18" rend="indent"/> Vorbereitungen zu seiner Reise erzehlt.</p>
<lb n="0251.19" rend="indent(+2)"/> <p><hi rend="bold">Jn einer gewissen Nacht</hi>, sagt er, <hi rend="bold">war
<lb n="0251.20" rend="indent"/> ich zwischen den beyden H&#x00FC;geln Safa
<lb n="0251.21" rend="indent"/> und Werwa eingeschlafen. Diese Nacht
<lb n="0251.22" rend="indent"/> war sehr finster; aber so stille, da&#x00DF; man
<lb n="0251.23" rend="indent"/> weder die Hunde bellen, noch die H&#x00E4;hne
<lb n="0251.24" rend="indent"/> kr&#x00E4;en h&#x00F6;rte. Auf einmal stand der En=
<lb n="0251.25" rend="indent"/> gel Gabriel in der Gestalt, wie ihn der
<lb n="0251.26" rend="indent"/> Allerh&#x00F6;chste erschaffen hat, vor mir. Sei=
<lb n="0251.27" rend="indent"/> ne Gesichtsfarbe war wei&#x00DF; wie der
<lb n="0251.28" rend="indent"/> Schnee; seine Haare waren wei&#x00DF;licht,
<lb n="0251.29" rend="indent"/> sehr wunderbar zu rechte gemacht, und
<lb n="0251.30" rend="indent"/> fielen ihm auf die Schulter. Er hatte
<lb n="0251.31" rend="indent"/> eine majest&#x00E4;tische, und heitre Stimme;
<lb n="0251.32" rend="indent"/> die Z&#x00E4;hne waren sch&#x00F6;n und gl&#x00E4;nzend;
<lb n="0251.33" rend="indent"/> die Beine waren von einer gelblichten
<lb n="0251.34" rend="indent"/> Saphirfarbe. Seine Kleider waren aus
<lb n="0251.35" rend="indent"/> lauter Perlen und F&#x00E4;den des feinsten
<lb n="0252.04" rend="indent"/> Goldes gewirkt. Auf seiner Stirne trug
<lb n="0252.05" rend="indent"/> er ein g&#x00FC;ldnes Blech, auf welchem zwey
<lb n="0252.06" rend="indent"/> Zeilen, die zu brennen schienen, geschrie=
<lb n="0252.07" rend="indent"/> ben waren. Die erste Zeile enthielt die
<lb n="0252.08" rend="indent"/> Worte</hi>: <hi rend="bold">Es ist kein Gott ausser Gott</hi>.
<lb n="0252.09" rend="indent"/> <hi rend="bold">Jn der andern stand</hi>: <hi rend="bold">Mahomet ist
<lb n="0252.10" rend="indent"/> der Apostel Gottes</hi>. <hi rend="bold">Bey diesem An=
<lb n="0252.11" rend="indent"/> blicke ward ich erschrockner und ver=
<lb n="0252.12" rend="indent"/> wirrter, als nur ein Mensch seyn kan.
<lb n="0252.13" rend="indent"/> Um ihn herum ward ich siebenzig tau=
<lb n="0252.14" rend="indent"/> send kleine Gef&#x00E4;sse oder Beutel voller
<lb n="0252.15" rend="indent"/> Bisam und Saffran gewahr: er hatte
<lb n="0252.16" rend="indent"/> f&#x00FC;nfhundert Paar Fl&#x00FC;gel, und von ei=
<lb n="0252.17" rend="indent"/> nem Fl&#x00FC;gel bis zu dem andern war eine
<lb n="0252.18" rend="indent"/> Entfernung von f&#x00FC;nfhundert Jahren We=
<lb n="0252.19" rend="indent"/> ges</hi>. Hierauf erzehlt Mahomet die Einla=
<lb n="0252.20" rend="indent"/> dung, welche der Engel Gabriel an ihn erge=
<lb n="0252.21" rend="indent"/> hen lassen, nemlich sich fertig zu halten, dem
<lb n="0252.22" rend="indent"/> Herrn einen Besuch abzustatten, und damit
<lb n="0252.23" rend="indent"/> er diese Reise bequemlich thun k&#x00F6;nne, lie&#x00DF; er
<lb n="0252.24" rend="indent"/> ihn auf ein ganz besondres Lastthier steigen,
<lb n="0252.25" rend="indent"/> welches sich der Engel selbst bey dem Z&#x00FC;gel
<lb n="0252.26" rend="indent"/> zu f&#x00FC;hren erbot. Hier ist die Beschreibung,
<lb n="0252.27" rend="indent"/> welche Mahomet von diesem Lastthiere macht.
<lb n="0252.28" rend="indent"/> <hi rend="bold">Jhr m&#x00FC;&#x00DF;t wissen</hi>, sagt der Prophet, <hi rend="bold">da&#x00DF;
<lb n="0252.29" rend="indent"/> dieses Thier keinem einzigen von unsern
<lb n="0252.30" rend="indent"/> Thieren nur in einem St&#x00FC;cke gleich
<lb n="0252.31" rend="indent"/> k&#x00F6;mt. Seine Gestalt ist ohngefehr diese:
<lb n="0252.32" rend="indent"/> Es ist gr&#x00F6;sser als ein Esel, und kleiner
<lb n="0252.33" rend="indent"/> als ein Maulesel. Es ist wei&#x00DF;; es hat
<lb n="0252.34" rend="indent"/> ein menschliches Gesicht, und Kinnba=
<lb n="0252.35" rend="indent"/> cken wie ein Pferd. Die M&#x00E4;hne seines
<lb n="0253.05" rend="indent"/> Halses ist von feinen Perlen, mit Hya=
<lb n="0253.06" rend="indent"/> cinthen durchwebt, und mit Licht durch=
<lb n="0253.07" rend="indent"/> st&#x00FC;ckt. Seine Ohren sind von Sma=
<lb n="0253.08" rend="indent"/> ragd; seine Augen sind zwey grosse Hya=
<lb n="0253.09" rend="indent"/> cinthen, welche gleich den Sternen des
<lb n="0253.10" rend="indent"/> Firmaments brennen, und durchdrin=
<lb n="0253.11" rend="indent"/> gende Strahlen von sich schiessen, welche
<lb n="0253.12" rend="indent"/> den Strahlen der Sonne gleich sind.
<lb n="0253.13" rend="indent"/> Sein rechter Schlaf ist mit eingefa&#x00DF;ten
<lb n="0253.14" rend="indent"/> Perlen &#x00FC;berstreuet, und der linke ist mit
<lb n="0253.15" rend="indent"/> Goldbleche eingefa&#x00DF;t. Der Hals, die
<lb n="0253.16" rend="indent"/> Brust, der R&#x00FC;cken sind insgesamt mit
<lb n="0253.17" rend="indent"/> kostbaren Steinen belegt, welche alle
<lb n="0253.18" rend="indent"/> gleich der Sternen an dem Firmamente
<lb n="0253.19" rend="indent"/> durch den weiten Himmel, einen Glanz
<lb n="0253.20" rend="indent"/> von sich werffen, oder gleich einem schim=
<lb n="0253.21" rend="indent"/> mernden Blitze, oder einer Feuerflam=
<lb n="0253.22" rend="indent"/> me. Sein Schwanz ist aus Schma=
<lb n="0253.23" rend="indent"/> ragden zusammen gesetzt. Die M&#x00E4;hne
<lb n="0253.24" rend="indent"/> ist von einer sch&#x00F6;nen L&#x00E4;nge, so da&#x00DF; er
<lb n="0253.25" rend="indent"/> damit auf beyden Seiten um sich schla=
<lb n="0253.26" rend="indent"/> gen kan. Er hat zwey Fl&#x00FC;gel, wie die
<lb n="0253.27" rend="indent"/> Fl&#x00FC;gel eines Adlers, von dem Umfange
<lb n="0253.28" rend="indent"/> eines grossen Wasserbeh&#x00E4;lters, mit Per=
<lb n="0253.29" rend="indent"/> len und kostbaren Steinen besetzt, so
<lb n="0253.30" rend="indent"/> bunt als eine bl&#x00FC;hende Wiese. Er hau=
<lb n="0253.31" rend="indent"/> chet einen angenehmen Geruch von Bie=
<lb n="0253.32" rend="indent"/> sam und Saffran von sich. Er hat eine
<lb n="0253.33" rend="indent"/> Seele, wie die Seelen der Menschen
<lb n="0253.34" rend="indent"/> sind. Er versteht alles, was man sagt,
<lb n="0253.35" rend="indent"/> allein er kan nicht antworten. Die Rie=
<lb n="0254.22" rend="indent"/> men seines Z&#x00FC;gels sind von zusammen
<lb n="0254.23" rend="indent"/> gereihten Perlen mit untermengten Edel=
<lb n="0254.24" rend="indent"/> steinen und Hyacinthen. Seine Ketten
<lb n="0254.25" rend="indent"/> sind von Golde und Silber, sein Zaum
<lb n="0254.26" rend="indent"/> ist von rothen Hyacinthen. Seine zwey
<lb n="0254.27" rend="indent"/> Fl&#x00FC;gel sind ganz mit Licht besetzt und
<lb n="0254.28" rend="indent"/> er fliegt damit so wie andre V&#x00F6;gel <choice><orig><g ref="#etcligchwabacher"/></orig><expan>et cetera</expan></choice> <choice><orig><g ref="#etcligchwabacher"/></orig><expan>et cetera</expan></choice></hi>
<lb n="0254.29" rend="indent"/> Gagnier im Leben des Mahomets Th. <hi rend="antiqua">I</hi>.
<lb n="0254.30" rend="indent"/> B. <hi rend="antiqua">II</hi>.</p></note>
<pb n="0252.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-313"/>
<lb n="0252.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note><hi rend="bold">sch&#x00FC;sse nahete. Wir sind seine Sch&#x00FC;ler,
<lb n="0252.02"/> und also w&#x00FC;rdiger als ihr, sie zu besitzen.
<lb n="0252.03"/> Wir werden die Belagerung nicht eher</hi>
<pb n="0253.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-314"/>
<lb n="0253.01"/> <hi rend="bold">aufheben, bis es Gott gefallen wird,<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0253.02"/> uns die Stadt in unsere H&#x00E4;nde zu geben,
<lb n="0253.03"/> wie er es mit so vielen andern St&#x00E4;dten
<lb n="0253.04"/> gethan hat</hi>.</p>
<pb n="0254.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-315"/>
<lb n="0254.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note><p rend="indent">Der Patriarch, welcher Macht hatte den
<lb n="0254.02"/> Vergleich zu schliessen, es m&#x00F6;ge auch kosten
<lb n="0254.03"/> was es wolle, verwilligte endlich die Uebergabe
<lb n="0254.04"/> der Stadt, und nun kam es nur darauf an, so
<lb n="0254.05"/> viel m&#x00F6;glich, die besten Bedingungen zu erlan=
<lb n="0254.06"/> gen. Nachdem er mit dem Obeidah wegen der
<lb n="0254.07"/> vornehmsten Puncte der Kapitulation einig ge=
<lb n="0254.08"/> worden war, so verlangte er, da&#x00DF; man ihm,
<lb n="0254.09"/> eines so betr&#x00E4;chtlichen Platzes zu Ehren, noch
<lb n="0254.10"/> eine Bedingung eingehen m&#x00F6;ge, diese nemlich,
<lb n="0254.11"/> da&#x00DF; der Calife selbst ihn in Besitz zu nehmen,
<lb n="0254.12"/> kommen solle.</p>
<lb n="0254.13" rend="indent"/> <p>Auch dieser Punct ward von dem Obeidah
<lb n="0254.14"/> verwilligt, das ist, er versprach dem Patriar=
<lb n="0254.15"/> chen schleinigst einen Curier nach Medina zu
<lb n="0254.16"/> schicken, welcher dem Califen von dieser ver=
<lb n="0254.17"/> langten Bedingung Nachricht geben solle.</p>
<lb n="0254.18"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Obeidah</hi><lb/>ladet den O=<lb/>mar ein, Be=<lb/>sitz von Je=<lb/>rusalem zu<lb/>nehmen.</note><p rend="indent">Obeidah schrieb auch in der That sogleich
<lb n="0254.19"/> an den Califen, ihm die wichtige Neuigkeit
<lb n="0254.20"/> von der Uebergabe Jerusalems zu melden; er
<lb n="0254.21"/> bat ihn zugleich, ihm seine Gesinnungen, we=
<pb n="0255.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-316"/>
<lb n="0255.01"/> gen des letzten Puncts, auf welchem man zu<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0255.02"/> bestehen scheine, zu entdecken.</p>
<lb n="0255.03" rend="indent"/> <p>Omar berief sogleich seinen Rath, um zu<note type="marginalie" place="rechts">Omar h&#x00E4;lt<lb/><hi rend="spaced">deswegen<lb/>Rath.</hi></note>
<lb n="0255.04"/> &#x00FC;berlegen, was hier f&#x00FC;r ein Entschlu&#x00DF; zu fassen
<lb n="0255.05"/> sey. Othman, einer von den vornehmsten des
<lb n="0255.06"/> Raths, welchen wir bald auf dem Throne der
<lb n="0255.07"/> Muselm&#x00E4;nner sehen werden, war der Meinung,
<lb n="0255.08"/> da&#x00DF; der Calife diese Reise nicht thun solle. Er
<lb n="0255.09"/> stellte vor, da&#x00DF; dieses eine Gelegenheit sey, den
<lb n="0255.10"/> Christen zu zeigen, wie sehr man sie verachte,
<lb n="0255.11"/> indem man sie der Gegenwart des Califen nicht
<lb n="0255.12"/> w&#x00FC;rdig sch&#x00E4;tze.</p>
<lb n="0255.13" rend="indent"/> <p>Ali, welcher nach diesem seine Meinung
<lb n="0255.14"/> sagte, ergriff die gegenseitige Meinung. Er
<lb n="0255.15"/> behauptete, wenn man den Christen diese Ehre
<lb n="0255.16"/> abschl&#x00FC;ge, welche sie einzig und allein, sich
<lb n="0255.17"/> g&#x00E4;nzlich zu unterwerffen, erwarteten, so w&#x00FC;r=
<lb n="0255.18"/> de man sie den Krieg fortzusetzen zwingen, und
<lb n="0255.19"/> die St&#x00FC;rme w&#x00FC;rden den Gl&#x00E4;ubigen noch viel
<lb n="0255.20"/> Blut kosten. Uebrigens stellte er vor, da&#x00DF; die
<lb n="0255.21"/> Gegenwart des Califen seinen Trupen ein un=
<lb n="0255.22"/> endliches Vergn&#x00FC;gen machen werde, und da&#x00DF;
<lb n="0255.23"/> dieses der einzige Trost w&#x00E4;re, den sie, nach so
<lb n="0255.24"/> vielen bey dieser langen Belagerung ausgestan=
<lb n="0255.25"/> denen Beschwerlichkeiten, haben k&#x00F6;nnten. End=
<lb n="0255.26"/> lich gr&#x00FC;ndete er sich auf die W&#x00FC;rde Jerusa=
<lb n="0255.27"/> lems, eines Ortes, welcher sowohl von den
<lb n="0255.28"/> Christen, als Muselm&#x00E4;nnern, verehret w&#x00FC;rde,
<lb n="0255.29"/> we&#x00DF;wegen er es denn f&#x00FC;r ganz zutr&#x00E4;glich hielte,
<lb n="0255.30"/> wenn der Calife einige Proben seiner Achtung
<lb n="0255.31"/> f&#x00FC;r ihn geben wollte.</p>
<pb n="0256.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-317"/>
<lb n="0256.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note><p rend="indent">Nachdem diese Meinung im Rathe die O=
<lb n="0256.02"/> berhand behalten, so ward die Reise beschlossen.
<lb n="0256.03"/> <note type="marginalie" place="links">Omar tr&#x00E4;gt<lb/>dem Ali das<lb/>Regiment<lb/>auf, u. rei&#x00DF;t<lb/>nach Jerusa=<lb/>lem.</note>Omar trug dem Ali das Regiment in seiner Ab=
<lb n="0256.04"/> wesenheit auf, und begab sich mit einem sehr
<lb n="0256.05"/> kleinen Gefolge, und mit einer Ausr&#x00FC;stung,
<lb n="0256.06"/> welche im geringsten nichts &#x00E4;hnliches mit dem
<lb n="0256.07"/> pr&#x00E4;chtigen Stolze der alten Asiater hatte, wel=
<lb n="0256.08"/> che in der Geschichte wegen ihrer Schwelgerey
<lb n="0256.09"/> und Weichlichkeit so bekannt sind, auf den
<lb n="0256.10"/> Weg.</p>
<lb n="0256.11" rend="indent"/> <p>Der Calif ritt auf einem rothen Kameele,
<lb n="0256.12"/> auf welches zwey S&#x00E4;cke gepackt waren; in dem
<lb n="0256.13"/> einen war Weitzen, Rei&#x00DF; und ausgeh&#x00FC;lsete
<lb n="0256.14"/> Gerste; der andre war mit Fr&#x00FC;chten angef&#x00FC;llt.
<lb n="0256.15"/> Zugleich nahm er einen Schlauch voll Wasser
<lb n="0256.16"/> mit sich, und eine grosse Schaale, welche von
<lb n="0256.17"/> blossem Holze war. Wann er stille hielt, ein
<lb n="0256.18"/> wenig auszuruhen, oder etwas Nahrung zu sich
<lb n="0256.19"/> zu nehmen, so war die Mahlzeit gar bald fer=
<lb n="0256.20"/> tig: der Calif lie&#x00DF; seine Mundkost, die er bey
<lb n="0256.21"/> sich hatte, hervorlangen, und seine Reisegefehr=
<lb n="0256.22"/> ten assen mit ihm aus einer Sch&#x00FC;ssel. Unter ei=
<lb n="0256.23"/> nem so einf&#x00E4;ltigen Aufzuge w&#x00FC;rde es, nach un=
<lb n="0256.24"/> sern Sitten, sehr schwer gewesen seyn, den
<lb n="0256.25"/> Regenten eines der gr&#x00F6;&#x00DF;ten Reiche, und den
<lb n="0256.26"/> Ueberwinder der Griechen zu erkennen. Doch
<lb n="0256.27"/> die damaligen Muselm&#x00E4;nner machten sich aus
<lb n="0256.28"/> dem nichtigen Schimmer eines pr&#x00E4;chtigen Pu=
<lb n="0256.29"/> tzes wenig, und erkannten ihre Anf&#x00FC;hrer blo&#x00DF;
<lb n="0256.30"/> an ihrer Tapferkeit, Tugend und Liebe f&#x00FC;r das
<lb n="0256.31"/> gemeine Beste.</p>
<pb n="0257.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-318"/>
<lb n="0257.01" rend="indent"/> <p>Der schlechte Aufzug des Omars erweckte<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0257.02"/> ihm in allen Gegenden, wo er durchzog, Hoch=
<lb n="0257.03"/> achtung. Man bat ihn sogar an mehr als ei=
<lb n="0257.04"/> nem Orte, sich zu verweilen, um verschiedene
<lb n="0257.05"/> Sachen zu entscheiden, welche entweder die Po=
<lb n="0257.06"/> licey, oder die guten Sitten betraffen.</p>
<lb n="0257.07" rend="indent"/> <p>Unter andern klagte man bey ihm einen<note type="marginalie" place="rechts">Der Calif<lb/>f&#x00E4;llet auf sei=<lb/>ner Reise ver=<lb/>schiedene bil=<lb/>lige Urtheile.</note>
<lb n="0257.08"/> Mann an, welcher zwey Schwestern geheyra=
<lb n="0257.09"/> thet hatte. Eine solche Ehe war seit langer
<lb n="0257.10"/> Zeit unter den Arabern sehr gebr&#x00E4;uchlich gewe=
<lb n="0257.11"/> sen, allein der Prophet hatte sie in seinem Ko=
<lb n="0257.12"/> rane ausdr&#x00FC;cklich verbothen. Nachdem der
<lb n="0257.13"/> Calif den Schuldigen vor sich gefodert, befahl
<lb n="0257.14"/> er ihm, dem Gesetze des Mahomets gem&#x00E4;&#x00DF;, ei=
<lb n="0257.15"/> ne von seinen Weibern zu verlassen. Dieser
<lb n="0257.16"/> Ausspruch verursachte bey dem, welchen er an=
<lb n="0257.17"/> ging, sehr bittere Klagen; er murrete unge=
<lb n="0257.18"/> scheut wider die muselm&#x00E4;nnische Religion, und
<lb n="0257.19"/> sagte sogar, es &#x00E4;rgere ihn bis zur Verzweife=
<lb n="0257.20"/> lung, da&#x00DF; er sie angenommen habe. Der Ca=
<lb n="0257.21"/> lif ward dar&#x00FC;ber unwillig, schlug ihn mit seinem
<lb n="0257.22"/> Stocke auf den Kopf, und sagte: <hi rend="bold">Wie? du
<lb n="0257.23"/> unterstehest dich Jslam zu verachten,
<lb n="0257.24"/> welches die Religion Gottes, seiner En=
<lb n="0257.25"/> gel, und seiner Apostel ist? Wisse, da&#x00DF;
<lb n="0257.26"/> es dem den Kopf kostet, der ihrer ent=
<lb n="0257.27"/> saget</hi>.</p>
<lb n="0257.28" rend="indent"/> <p>Da das Murren bey dieser Drohung nach=
<lb n="0257.29"/> lie&#x00DF;, so kam es nur noch darauf an, dem Cali=
<lb n="0257.30"/> fen zu gehorchen, und eine von den zwey Wei=
<pb n="0258.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-319"/>
<lb n="0258.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>bern zu w&#x00E4;hlen. Da aber der Beklagte so wohl
<lb n="0258.02"/> die eine als die andre z&#x00E4;rtlich liebte, so fiel ihm
<lb n="0258.03"/> die Entschliessung sehr schwer. Omar hob die
<lb n="0258.04"/> Schwierigkeit vermittelst des Loses, und da die=
<lb n="0258.05"/> ses dreymal auf eben dieselbe Frau fiel, so ward
<lb n="0258.06"/> diese behalten, und die andere bekam ihren Ab=
<lb n="0258.07"/> schied.</p>
<lb n="0258.08" rend="indent"/> <p>Als der Calif seinen Weg verfolgte, traf er
<lb n="0258.09"/> verschiedene Ungl&#x00FC;ckliche an, welche an B&#x00E4;ume
<lb n="0258.10"/> gebunden, und den Sonnenstrahlen ausgestellet
<lb n="0258.11"/> waren; eine Strafe, die in diesen hitzigen Ge=
<lb n="0258.12"/> genden sehr schrecklich ist. Da er sich bey ih=
<lb n="0258.13"/> nen nach der Ursache dieser harten Z&#x00FC;chtigung
<lb n="0258.14"/> erkundigte, so antworteten sie ihm, da&#x00DF; sie ar=
<lb n="0258.15"/> me Schuldner w&#x00E4;ren, welche kein Mittel w&#x00FC;&#x00DF;=
<lb n="0258.16"/> ten, ihre Schulden abzutragen, we&#x00DF;wegen sie
<lb n="0258.17"/> denn von ihren Herren so mi&#x00DF;gehandelt w&#x00FC;rden.
<lb n="0258.18"/> Der Calif lie&#x00DF; sie sogleich losbinden, forderte ih=
<lb n="0258.19"/> re Gl&#x00E4;ubiger vor sich, und sagte zu ihnen: <hi rend="bold">Las=
<lb n="0258.20"/> set diese arme Leute zufrieden, und fodert
<lb n="0258.21"/> nicht mehr von ihnen, als sie geben k&#x00F6;n=
<lb n="0258.22"/> nen: Denn ich habe den Propheten oft
<lb n="0258.23"/> sagen h&#x00F6;ren: Plaget die Menschen nicht;
<lb n="0258.24"/> denn die, welche sie in dieser Welt pla=
<lb n="0258.25"/> gen, werden in der H&#x00F6;lle daf&#x00FC;r gestraft
<lb n="0258.26"/> werden</hi>.</p>
<lb n="0258.27" rend="indent"/> <p>Kurz darauf f&#x00E4;llte er noch ein ander Urtheil
<lb n="0258.28"/> &#x00FC;ber einen alten Mann, welcher eine junge Frau
<lb n="0258.29"/> geheyrathet hatte, und einem jungen Menschen,
<lb n="0258.30"/> der in seinen Diensten war, erlaubte, mit ihr
<pb n="0259.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-320"/>
<lb n="0259.01"/> Gemeinschaft zu haben, so da&#x00DF; beyde wechsels=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0259.02"/> weise einen Tag um den andern sie besassen.
<lb n="0259.03"/> Nachdem ihm der Calif vorgestellt, da&#x00DF; ein sol=
<lb n="0259.04"/> cher Umgang an und vor sich selbst etwas
<lb n="0259.05"/> sch&#x00E4;ndliches sey, und da&#x00DF; er in dem Korane
<lb n="0259.06"/> ausdr&#x00FC;cklich untersagt werde, so befahl er dem
<lb n="0259.07"/> jungen Menschen, dieser Frauen g&#x00E4;nzlich zu
<lb n="0259.08"/> entsagen, und f&#x00FC;gte sogar die Drohung hinzu,
<lb n="0259.09"/> ihm den Kopf vor die F&#x00FC;sse legen zu lassen,
<lb n="0259.10"/> wann er erfahren sollte, da&#x00DF; er seinen Befehl
<lb n="0259.11"/> &#x00FC;bertrete.</p>
<lb n="0259.12" rend="indent"/> <p>Nach verschiedenen andern Anordnungen,<note type="marginalie" place="rechts">Der Calif<lb/>langt in dem<lb/><hi rend="spaced">Lager</hi> der<lb/>Araber an,<lb/>wo er <hi rend="spaced">ver=<lb/>schiedene</hi><lb/>Mi&#x00DF;br&#x00E4;uche<lb/>abschaft.</note>
<lb n="0259.13"/> die er auf dieser Reise zu machen Gelegenheit
<lb n="0259.14"/> fand, langte er endlich an den Grenzen Syri=
<lb n="0259.15"/> ens an, und fand sich kurz darauf in dem La=
<lb n="0259.16"/> ger der Araber ein. Den Tag nach seiner An=
<lb n="0259.17"/> kunft verrichtete er des Morgens das &#x00F6;ffentli=
<lb n="0259.18"/> che Gebet, auf welches eine Ermahnung folgte.
<lb n="0259.19"/> Hierauf besah er das Lager, und schafte verschie=
<lb n="0259.20"/> dene Mi&#x00DF;br&#x00E4;uche ab, die unter den Trupen ein=
<lb n="0259.21"/> gerissen waren. Er bemerkte unter andern,
<lb n="0259.22"/> da&#x00DF; sehr viele reiche seidene Kleider trugen, wel=
<lb n="0259.23"/> che sie von den Christen erbeutet hatten. Die=
<lb n="0259.24"/> ser Uebermuth mi&#x00DF;fiel ihm so sehr, da&#x00DF; er den
<lb n="0259.25"/> Augenblick den Schuldigen eine harte Strafe
<lb n="0259.26"/> auflegte, und ihre Kleider in St&#x00FC;cken zerreissen
<lb n="0259.27"/> lie&#x00DF;. Er bef&#x00FC;rchtete mit Grund, dieser Ge=
<lb n="0259.28"/> schmack an Pracht m&#x00F6;chte sich nach und nach
<lb n="0259.29"/> vermehren, die Einfalt und Bescheidenheit der
<lb n="0259.30"/> Muselm&#x00E4;nner verderben, und den Eyfer f&#x00FC;r die
<lb n="0259.31"/> Religion erk&#x00E4;lten.</p>
<pb n="0260.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-321"/>
<lb n="0260.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note><p rend="indent">Sobald als man zu Jerusalem von der An=
<lb n="0260.02"/> kunft des Califen Nachricht bekam, schickte
<lb n="0260.03"/> man ihm Abgeordnete entgegen, ihn zu bewill=
<lb n="0260.04"/> kommen, und zugleich die Puncte der Ueberga=
<lb n="0260.05"/> be abzureden. Nach einigen Unterredungen
<lb n="0260.06"/> setzte Omar folgende Schrift selbst auf, welche,
<lb n="0260.07"/> so zu reden, bey andern den Christen von den
<lb n="0260.08"/> Muselm&#x00E4;nnern verwilligten Kapitulationen,
<lb n="0260.09"/> zum Muster gedient hat.</p>
<lb n="0260.10"/> <note type="marginalie" place="links">Die <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Einwohnern<lb/>von Jerusa=<lb/>lem verwil=<lb/>ligte Kapitu=<lb/>lation.</note><p rend="indent"><hi rend="bold">Die Christen sollen keine neue Kirchen
<lb n="0260.11"/> weder in der Stadt, noch in ihrem Gebiete
<lb n="0260.12"/> bauen. Sie sollen den Muselm&#x00E4;nnern
<lb n="0260.13"/> nicht verwehren in ihre Kirchen zu ge=
<lb n="0260.14"/> hen, es sey bey Tage, oder bey Nacht.
<lb n="0260.15"/> Die Th&#x00FC;ren derselben sollen allen Frem=
<lb n="0260.16"/> den und Reisenden offen stehen. Wann
<lb n="0260.17"/> ein Muselmann durch ihre Stadt reiset,
<lb n="0260.18"/> und sich daselbst aufh&#x00E4;lt, sollen sie ver=
<lb n="0260.19"/> bunden seyn, ihn drey Tage nach seiner
<lb n="0260.20"/> Ankunft frey zu halten</hi>.</p>
<lb n="0260.21" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Sie sollen ihre Kinder den Koran
<lb n="0260.22"/> nicht lehren. Sie sollen von ihrer Re=
<lb n="0260.23"/> ligion nicht &#x00F6;ffentlich reden. Sie sollen
<lb n="0260.24"/> niemanden dazu bereden, noch ihre An=
<lb n="0260.25"/> verwandte abhalten, Mahometaner zu
<lb n="0260.26"/> werden</hi>.</p>
<lb n="0260.27" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Sie sollen nicht wie die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0260.28"/> ner gekleidet seyn; sie sollen keine Turba=
<lb n="0260.29"/> ne und Beinkleider, wie ihre sind, tragen;
<lb n="0260.30"/> sie sollen ihre Haare nicht nach ihrer Art</hi>
<pb n="0261.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-322"/>
<lb n="0261.01"/> <hi rend="bold">scheideln. Sie sollen die arabische Spra=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>
<lb n="0261.02"/> che nicht reden, und nicht einerley Na=
<lb n="0261.03"/> men mit ihnen f&#x00FC;hren</hi>.</p>
<lb n="0261.04" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Sie sollen vor den Muselm&#x00E4;nnern
<lb n="0261.05"/> aus Ehrerbietung aufstehen, und sich
<lb n="0261.06"/> nicht eher setzen, bis sie sich niedergesetzt
<lb n="0261.07"/> haben. Sie sollen sich zu Pferde keiner
<lb n="0261.08"/> Sattel bedienen, und keine Waffen tra=
<lb n="0261.09"/> gen. Sie sollen keinen Wein schenken,
<lb n="0261.10"/> und G&#x00FC;rtel um ihren Leib tragen. Sie
<lb n="0261.11"/> sollen auf ihre Kirchen keine Kreutze setzen,
<lb n="0261.12"/> noch sie in den Gassen der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0261.13"/> ner herum tragen. Sie sollen ihre Glo=
<lb n="0261.14"/> cken nicht lauten, sondern nur anschlagen.
<lb n="0261.15"/> Sie sollen keinen Knecht haben, welcher
<lb n="0261.16"/> vordem bey einem Muselmanne gedient</hi>.</p>
<lb n="0261.17" rend="indent"/> <p>Nachdem diese verschiedne Puncte von bey=<note type="marginalie" place="rechts">Der Calif<lb/>zieht zu Je=<lb/>rusalem ein,<lb/>und besucht<lb/>die Kirchen.</note>
<lb n="0261.18"/> den Theilen waren unterzeichnet worden, so zog
<lb n="0261.19"/> der Calif mit einem zahlreichen Gefolge in die
<lb n="0261.20"/> Stadt hinein. Der Patriarch war ihm entge=
<lb n="0261.21"/> gen gegangen, und Omar fragte ihn verschied=
<lb n="0261.22"/> nes wegen der Alterth&#x00FC;mer dieser Stadt, und
<lb n="0261.23"/> verlangte die sch&#x00F6;nsten Kirchen zu besehen. Jn
<lb n="0261.24"/> der ersten, in welche er kam, fragte er, ob er
<lb n="0261.25"/> nicht sein Gebet darinne verrichten k&#x00F6;nne. Als
<lb n="0261.26"/> ihm aber der Patriarch hierauf antwortete, da&#x00DF;
<lb n="0261.27"/> er Herr sey, und thun k&#x00F6;nne, was ihm beliebe,
<lb n="0261.28"/> so begab sich der Calif den Augenblick, ohne zu
<lb n="0261.29"/> beten, hinaus. Eben so machte er es mit den
<lb n="0261.30"/> andern Kirchen, die man ihm sehen lie&#x00DF;, und
<pb n="0262.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-323"/>
<lb n="0262.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 15.<lb/>n. C. G. 636.</note>blo&#x00DF; in der Constantinuskirche hielt er sich et=
<lb n="0262.02"/> was auf. Nachdem er die Sch&#x00F6;nheit dieses
<lb n="0262.03"/> Geb&#x00E4;udes genau betrachtet, kniete er auf den
<lb n="0262.04"/> Stuffen des Morgenthores nieder, und verblieb
<lb n="0262.05"/> einige Zeit daselbst im Gebete.</p>
<lb n="0262.06" rend="indent"/> <p>Als er fertig war, stand er auf, und sagte
<lb n="0262.07"/> zu dem Patriarchen: <hi rend="bold">Jhr denkt vielleicht,
<lb n="0262.08"/> da&#x00DF; ich mich aus Eigensinn so bezeigt ha=
<lb n="0262.09"/> be; allein ihr m&#x00FC;&#x00DF;t wissen, da&#x00DF; ich die=
<lb n="0262.10"/> se Auff&#x00FC;hrung blo&#x00DF; in Ansehung eurer,
<lb n="0262.11"/> beobachtet habe; um euch nemlich in dem
<lb n="0262.12"/> ungest&#x00F6;rten Besitze aller eurer Kirchen zu
<lb n="0262.13"/> lassen; denn wenn ich in einer mein Ge=
<lb n="0262.14"/> bet verrichtet h&#x00E4;tte, so w&#x00FC;rde es nicht
<lb n="0262.15"/> mehr in meiner Gewalt gestanden haben,
<lb n="0262.16"/> euch solche zu erhalten: Die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0262.17"/> ner w&#x00FC;rden sie euch streitig gemacht und
<lb n="0262.18"/> sich derselben, bem&#x00E4;chtiget haben, weil sie
<lb n="0262.19"/> berechtiget sind, eben daselbst beten zu
<lb n="0262.20"/> k&#x00F6;nnen, wo der Calif gebetet hat</hi>.</p>
<lb n="0262.21"/> <note type="marginalie" place="links">Ein Arti=<lb/>kel, welcher<lb/>wegen <hi rend="spaced">der</hi><lb/>Kirchen noch<lb/>zur Capitula=<lb/>tion hinzuge=<lb/>f&#x00FC;get wird.</note><p rend="indent">Gleichwohl aber sahe Omar voraus, da&#x00DF;
<lb n="0262.22"/> folglich die Araber ihr Gebet, wenn es ihnen ge=
<lb n="0262.23"/> fiele, auf den Stuffen der Constantinuskirche,
<lb n="0262.24"/> wo er sich aufgehalten habe, w&#x00FC;rden verrich=
<lb n="0262.25"/> ten wollen; er lie&#x00DF; sich also die Kapitulation wie=
<lb n="0262.26"/> dergeben, und f&#x00FC;gte den Punct mit seiner ei=
<lb n="0262.27"/> genen Hand hinzu, da&#x00DF; die Muselm&#x00E4;nner, wann
<lb n="0262.28"/> sie auf den Stuffen der christlichen Kirchen be=
<lb n="0262.29"/> ten wollten, es nicht anders, als einer nach dem
<lb n="0262.30"/> andern thun sollten; auch sollten sich die Muez=
<pb n="0263.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-324"/>
<lb n="0263.01"/> zin, das ist, die &#x00F6;ffentlichen Ruffer, welche das<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0263.02"/> Volck zum Gebete ruffen, niemals daselbst auf=
<lb n="0263.03"/> halten.</p>
<lb n="0263.04" rend="indent"/> <p>Nachdem er die vornehmsten Orte der
<lb n="0263.05"/> Stadt in Augenschein genommen hatte, so ver=
<lb n="0263.06"/> langte Omar, da&#x00DF; man ihm den Platz zeigen
<lb n="0263.07"/> solle, auf welchem ehedem Salomon einen Tem=
<lb n="0263.08"/> pel dem HErrn aufgerichtet habe. Diesen
<lb n="0263.09"/> Platz erw&#x00E4;hlte er, eine pr&#x00E4;chtige Moschee dar=
<lb n="0263.10"/> auf bauen zu lassen, in welcher sich die Musel=
<lb n="0263.11"/> m&#x00E4;nner, zu Aus&#x00FC;bung ihrer Religion, versamm=
<lb n="0263.12"/> len k&#x00F6;nnten.</p>
<lb n="0263.13" rend="indent"/> <p>Alle Geschichtschreiber erzehlen einm&#x00FC;thig<note type="marginalie" place="rechts">Besondere<lb/>Hochachtung<lb/>der Musel=<lb/>m&#x00E4;<expan>nn</expan>er gegen<lb/>die Patriar=<lb/>chen. 1. B. M.<lb/>28, 11. 12.</note>
<lb n="0263.14"/> eine besondere That des Califen, da man ihm
<lb n="0263.15"/> den Stein gezeiget, auf welchem Jacob einge=
<lb n="0263.16"/> schlafen, als er die geheimni&#x00DF;volle Leiter gesehen.
<lb n="0263.17"/> Dieser Ort war von den Christen g&#x00E4;nzlich ver=
<lb n="0263.18"/> nachl&#x00E4;&#x00DF;iget worden, und so gar mit so viel Un=
<lb n="0263.19"/> reinigkeiten besch&#x00FC;ttet, da&#x00DF; man den Stein fast
<lb n="0263.20"/> gar nicht sehen konnte. Omar &#x00E4;rgerte sich &#x00FC;=
<lb n="0263.21"/> ber die wenige Achtung, die man gegen ein so
<lb n="0263.22"/> ehrw&#x00FC;rdiges Denkmahl hatte, und wollte die=
<lb n="0263.23"/> sen Ort selbst reinigen; er nahm also in den Zi=
<lb n="0263.24"/> pfel seines Kleides so viel Unreinigkeiten, als er
<lb n="0263.25"/> fassen konnte, und trug sie weit davon weg.
<lb n="0263.26"/> Die Muselm&#x00E4;nner, welche ihn begleiteten, mach=
<lb n="0263.27"/> ten sich eine Ehre daraus, ihm nachzuahmen, so
<lb n="0263.28"/> da&#x00DF; der Stein und der Platz daherum in kur=
<lb n="0263.29"/> zen ges&#x00E4;ubert waren, und besucht werden konn=
<lb n="0263.30"/> ten. Der Calif befahl seinen Leuten, diesen
<pb n="0264.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-325"/>
<lb n="0264.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>Stein zu waschen; er selbst kniete dabey nieder,
<lb n="0264.02"/> und verrichtete sein Gebet. Man sieht hier ein
<lb n="0264.03"/> sehr merkw&#x00FC;rdiges Beyspiel von der Hochach=
<lb n="0264.04"/> tung, welche die ersten Muselm&#x00E4;nner gegen das
<lb n="0264.05"/> Andenken der alten Patriarchen hatten.</p>
<lb n="0264.06"/> <note type="marginalie" place="links">Omar theilt<lb/>die Verwal=<lb/>tung der syri=<lb/>schen Pro=<lb/>vinzen aus.</note><p rend="indent">Omar blieb einige Zeit zu Jerusalem. Er
<lb n="0264.07"/> hielt daselbst verschiedene Berathschlagungen,
<lb n="0264.08"/> und besch&#x00E4;ftigte sich w&#x00E4;hrend dieses Aufenthalts
<lb n="0264.09"/> mit den Staatsgesch&#x00E4;ften, sowohl was die Ein=
<lb n="0264.10"/> richtung dieses Orts, als auch des Reichs der
<lb n="0264.11"/> Muselm&#x00E4;nner &#x00FC;berhaupt, und insbesondere der
<lb n="0264.12"/> uneroberten L&#x00E4;nder betraf. Dem Abu = Obei=
<lb n="0264.13"/> dah gab er die Regierung des mittern&#x00E4;chtlichen
<lb n="0264.14"/> Syriens, in welchem die St&#x00E4;dte Aleppo, Haw=
<lb n="0264.15"/> ran <choice><orig><g ref="#etcligchwabacher"/></orig><expan>et cetera</expan></choice> lagen. Abu = Sofian bekam die Ver=
<lb n="0264.16"/> waltung des mitt&#x00E4;glichen Theils, in welchem sich
<lb n="0264.17"/> Palestina und andere Provinzen an dem Meere
<lb n="0264.18"/> befinden. Weil Aegypten von den Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0264.19"/> nern noch nicht war angegriffen worden, so
<lb n="0264.20"/> ward es dem Amru = ebn = Alas aufgetragen,
<lb n="0264.21"/> dieses Land zu erobern.</p>
<lb n="0264.22" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend der Zeit, als sich der Calif zu Je=
<lb n="0264.23"/> rusalem aufhielt, kam ein Jude, Namens Caab
<lb n="0264.24"/> zu ihm, um sich wegen der mahometanischen
<lb n="0264.25"/> Religion, die er, wie er sagte, annehmen woll=
<lb n="0264.26"/> te, mit ihm zu besprechen, weil er seinen Vater,
<lb n="0264.27"/> welches ein in dem Gesetze Mosis wohlerfahr=
<lb n="0264.28"/> ner Rabbi gewesen war, oft habe sagen h&#x00F6;ren,
<lb n="0264.29"/> da&#x00DF; Mahomet der letzte unter den Propheten
<lb n="0264.30"/> seyn w&#x00FC;rde. Er bat also den Omar, ihm eini=
<pb n="0265.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-326"/>
<lb n="0265.01"/> gen Unterricht von der mahometanischen Reli=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0265.02"/> gion zu geben.</p>
<lb n="0265.03" rend="indent"/> <p>Der Calif that es mit Vergn&#x00FC;gen, und
<lb n="0265.04"/> f&#x00FC;hrte ihm verschiedne Stellen aus dem Kora=
<lb n="0265.05"/> ne an, welche einem in dem Judenthume erzo=
<lb n="0265.06"/> genen Menschen schmeichelhaft seyn mu&#x00DF;ten.
<lb n="0265.07"/> Er sagte, da&#x00DF; Abraham diese Religion seinen
<lb n="0265.08"/> Kindern empfohlen habe, und da&#x00DF; Jacob ein
<lb n="0265.09"/> gleiches gethan; da&#x00DF; Abraham weder ein Jude
<lb n="0265.10"/> noch ein Christe gewesen sey, sondern ein recht=
<lb n="0265.11"/> gl&#x00E4;ubiger Muselmann, und nicht aus der Zahl
<lb n="0265.12"/> derer, welche Gott Gefehrten zugeben. Er
<lb n="0265.13"/> f&#x00FC;hrte ihm endlich an, was Mahomet seinen
<lb n="0265.14"/> Sch&#x00FC;lern oft wiederhohlt habe. <hi rend="bold">Eure Reli=
<lb n="0265.15"/> gion</hi>, sagte dieser Prophete, <hi rend="bold">ist keine andre,
<lb n="0265.16"/> als die Religion eures Vaters, des Abra=
<lb n="0265.17"/> hams; und er ist es, welcher euch den
<lb n="0265.18"/> Namen Muselm&#x00E4;nner gegeben hat. Jhr
<lb n="0265.19"/> glaubt einen einigen Gott; die Christen
<lb n="0265.20"/> glauben deren drey, den Vater, den
<lb n="0265.21"/> Sohn und den H. Geist; das hei&#x00DF;t Gott
<lb n="0265.22"/> Gefehrten geben, und verschiedne G&#x00F6;t=
<lb n="0265.23"/> ter glauben: R&#x00FC;hmt euch, da&#x00DF; ihr nur
<lb n="0265.24"/> einen Gott glaubt, und gebet keinen
<lb n="0265.25"/> mehr zu, so wie euer Vater Abraham</hi>.</p>
<lb n="0265.26" rend="indent"/> <p>Der Jude wollte mit diesen Beweisen zu=
<lb n="0265.27"/> frieden seyn, und bekehrte sich sogleich zu der
<lb n="0265.28"/> mahometanischen Religion, und legte bey dem
<lb n="0265.29"/> Califen sein Glaubensbekenntni&#x00DF; ab. Diese
<lb n="0265.30"/> Bekehrung machte bey dem Omar einen unge=
<pb n="0266.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-327"/>
<lb n="0266.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>meinen Eindruck; er sagte unverhohlen, da&#x00DF;
<lb n="0266.02"/> ihm dieser Proselyte eben so viel Vergn&#x00FC;gen,
<lb n="0266.03"/> als die Eroberung von Jerusalem, mache. Um
<lb n="0266.04"/> diesen neuen Muselmann immer mehr und
<lb n="0266.05"/> mehr in seinem Glauben zu best&#x00E4;rken, schlug
<lb n="0266.06"/> er ihm vor, die Reise nach Medina mit ihm zu
<lb n="0266.07"/> thun, und das Grab des Propheten zu besu=
<lb n="0266.08"/> chen.</p>
<lb n="0266.09"/> <note type="marginalie" place="links">Omarkehrt<lb/>nach Medina<lb/>zur&#x00FC;ck.</note><p rend="indent">Omar begab sich auch in der That ohne
<lb n="0266.10"/> Zeitverlust wieder nach Medina, wo man ihn
<lb n="0266.11"/> mit so viel gr&#x00F6;sserer Freude empfing, weil man
<lb n="0266.12"/> bef&#x00FC;rchtet hatte, er m&#x00F6;chte seinen Sitz ganz
<lb n="0266.13"/> und gar zu Jerusalem aufschlagen. Man wu=
<lb n="0266.14"/> ste, da&#x00DF; er diese Stadt unendlich hochsch&#x00E4;tze,
<lb n="0266.15"/> und &#x00FC;brigens lie&#x00DF; die Sch&#x00F6;nheit des Landes,
<lb n="0266.16"/> die Fruchtbarkeit der umliegenden Gegend, die
<lb n="0266.17"/> gesunde und angenehme Luft, mit Recht besor=
<lb n="0266.18"/> gen, der Calif m&#x00F6;chte diesen Aufenthalt einem
<lb n="0266.19"/> jeden andern vorziehen. Doch Omar war ge=
<lb n="0266.20"/> gen das, was blo&#x00DF; das Vergn&#x00FC;gen der Sinne
<lb n="0266.21"/> betraf, wenig empfindlich, und stand nicht ei=
<lb n="0266.22"/> nen Augenblick an, wieder nach Medina zur&#x00FC;ck
<lb n="0266.23"/> zu kehren, welchen Ort er f&#x00FC;r die Wiege des
<lb n="0266.24"/> mahometanischen Glaubens und f&#x00FC;r den Mit=
<lb n="0266.25"/> telpunct der Religion hielt.</p>
<lb n="0266.26"/> <note type="marginalie" place="links">Obeidah be=<lb/><hi rend="spaced">m&#x00E4;chtiget</hi><lb/>sich verschie=<lb/>dener Pl&#x00E4;tze.</note><p rend="indent">Obeidah begab sich gleichfalls, kurz nach
<lb n="0266.27"/> dem Omar, von Jerusalem weg, und zog in
<lb n="0266.28"/> die Provinz, die ihm der Calif anvertrauet
<lb n="0266.29"/> hatte. Seine erste Sorge war, verschiedene
<lb n="0266.30"/> Pl&#x00E4;tze unterw&#x00FC;rffig zu machen, welche die Chri=
<pb n="0267.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-328"/>
<lb n="0267.01"/> sten noch inne hatten. Gleich anfangs bekam<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0267.02"/> er die St&#x00E4;dte Kennesrin und Alhadir durch
<lb n="0267.03"/> Uebergabe, und zog sehr ansehnliche Summen
<lb n="0267.04"/> daraus. Hierauf beschlo&#x00DF; er, sich Aleppo zu
<lb n="0267.05"/> n&#x00E4;hern, um diese Stadt ein gleiches Schicksal
<lb n="0267.06"/> wiederfahren zu lassen.</p>
<lb n="0267.07" rend="indent"/> <p>Die Stadt war schon in der gr&#x00F6;sten Be=
<lb n="0267.08"/> st&#x00FC;rzung. Die meisten Einwohner, welche un=
<lb n="0267.09"/> endliche Reichth&#x00FC;mer besassen, die sie durch den
<lb n="0267.10"/> Handel gewonnen hatten, waren geneigt genug,
<lb n="0267.11"/> sich mit dem Feinde zu vertragen, um einer
<lb n="0267.12"/> schrecklichen Belagerung vorzubeugen, welche
<lb n="0267.13"/> ihre Stadt und ihr Gl&#x00FC;ck ruiniren k&#x00F6;nnte. Sie
<lb n="0267.14"/> theilten verschiednen Hauptleuten von der Be=
<lb n="0267.15"/> satzung des Schlosses ihren Anschlag mit; doch
<lb n="0267.16"/> die Stimmen waren getheilt, und endlich be=
<lb n="0267.17"/> schlo&#x00DF; man, sich zu vertheidigen.</p>
<lb n="0267.18" rend="indent"/> <p>Dieses Schlo&#x00DF;, welches einer von den<note type="marginalie" place="rechts">Uneinigkeit<lb/>zwischen den<lb/>zweyen Be=<lb/>fehlshabern<lb/><hi rend="spaced">in dieser</hi><lb/>Stadt.</note>
<lb n="0267.19"/> festesten Pl&#x00E4;tzen in Syrien war, hatte einen
<lb n="0267.20"/> von den vornehmsten Kriegsobersten des K&#x00E4;y=
<lb n="0267.21"/> sers Haraclius, welcher ihm zugleich die Ver=
<lb n="0267.22"/> waltung des ganzen zwischen Aleppo und dem
<lb n="0267.23"/> Euphrat gelegenen Landes anvertrauet hatte,
<lb n="0267.24"/> zum Befehlshaber gehabt. Dieser Kriegsober=
<lb n="0267.25"/> ste war vor kurzem gestorben, und hatte zwey
<lb n="0267.26"/> S&#x00F6;hne hinterlassen, die sich in dem Dienste
<lb n="0267.27"/> schon hervorgethan hatten. Der eine hie&#x00DF; Yu=
<lb n="0267.28"/> kinna, und der andre Johann. Sie hatten
<lb n="0267.29"/> beyde ihren Sitz auf dem Schlosse, und waren
<lb n="0267.30"/> auch beyde zugleich die Befehlshaber davon;
<pb n="0268.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-329"/>
<lb n="0268.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>doch Yukinna hatte den vornehmsten Antheil
<lb n="0268.02"/> an den Angelegenheiten, denn sein Bruder Jo=
<lb n="0268.03"/> hann lebte sehr eingezogen, und seine vornehm=
<lb n="0268.04"/> ste Besch&#x00E4;ftigung war beten und lesen; &#x00FC;bri=
<lb n="0268.05"/> gens gab er sich mit den Gesch&#x00E4;ften, die ihm
<lb n="0268.06"/> als Befehlshaber zugekommen w&#x00E4;ren, wenig ab.</p>
<lb n="0268.07" rend="indent"/> <p>Gleichwohl, da er die Einnahme der Stadt
<lb n="0268.08"/> Kennesrin erfuhr, und h&#x00F6;rte, da&#x00DF; die Musel=
<lb n="0268.09"/> m&#x00E4;nner ihre Eroberungen weiter verfolgen woll=
<lb n="0268.10"/> ten, war er der erste, welcher seine Meinung,
<lb n="0268.11"/> dem Anschlage der Einwohner zu Aleppo ge=
<lb n="0268.12"/> m&#x00E4;&#x00DF;, er&#x00F6;ffnete. Weil man sich vermittelst des
<lb n="0268.13"/> Geldes gegen die Araber in Sicherheit setzen
<lb n="0268.14"/> k&#x00F6;nne, so behauptete er, da&#x00DF; es die Klugheit
<lb n="0268.15"/> erfordere, sich mit ihnen zu vergleichen, um so
<lb n="0268.16"/> gut davon zu kommen, als es m&#x00F6;glich sey.</p>
<lb n="0268.17" rend="indent"/> <p>Yukinna, welcher von einer sehr kriegri=
<lb n="0268.18"/> schen Gem&#x00FC;thsverfassung war, ward &#x00FC;ber den
<lb n="0268.19"/> Vorschlag seines Bruders unwillig. Er warff
<lb n="0268.20"/> ihm seine Schw&#x00E4;che, und seinen Mangel an
<lb n="0268.21"/> Muthe vor, und f&#x00FC;gte hinzu, um seine Lebens=
<lb n="0268.22"/> art zu verspotten, nur ein M&#x00F6;nch k&#x00F6;nne solche
<lb n="0268.23"/> Reden f&#x00FC;hren; er wenigstens werde nimmer=
<lb n="0268.24"/> mehr an einen Vergleich denken, und sey ent=
<lb n="0268.25"/> schlossen, sich bis auf das &#x00E4;usserste zu vertheidi=
<lb n="0268.26"/> gen.</p>
<lb n="0268.27"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Yukinna<lb/>thut</hi> einen<lb/>Ausfall, wel=<lb/>cher ihm ge=<lb/>linget.</note><p rend="indent">Er lie&#x00DF; hierauf alle seine Leute zusammen
<lb n="0268.28"/> kommen. Er fand sogar eine m&#x00E4;chtige H&#x00FC;lffe
<lb n="0268.29"/> unter den christlichen Arabern, welche ihm sehr
<lb n="0268.30"/> ansehnliche Verst&#x00E4;rkungen zuschickten. So
<pb n="0269.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-330"/>
<lb n="0269.01"/> bald er sich bey Kr&#x00E4;ften sahe, beschlo&#x00DF; er, et=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0269.02"/> was zu wagen, und den Muselm&#x00E4;nnern auf
<lb n="0269.03"/> das schleinigste entgegen zu gehen, um sie anzu=
<lb n="0269.04"/> greiffen. Was ihn zu diesem Entschlusse be=
<lb n="0269.05"/> wog, war dieses, weil er erfahren hatte, da&#x00DF;
<lb n="0269.06"/> die Feinde ihre Trupen in drey Hauffen ver=
<lb n="0269.07"/> theilet hatten, und er also hoffen k&#x00F6;nnte, einen
<lb n="0269.08"/> von diesen Hauffen, wenn er den Anfall wag=
<lb n="0269.09"/> te, zu schlagen.</p>
<lb n="0269.10" rend="indent"/> <p>Dieser Anschlag gelang ihm ziemlich wohl.
<lb n="0269.11"/> Bey seinem ersten Ausfalle stie&#x00DF; er auf tausend
<lb n="0269.12"/> Mann, welche Obeidah voraus geschickt hatte,
<lb n="0269.13"/> um die Stellung der Christen auszukundschaf=
<lb n="0269.14"/> ten. Yukinna fiel mit voller Wuth auf die
<lb n="0269.15"/> Muselm&#x00E4;nner, welche sich anfangs mit ihrer
<lb n="0269.16"/> gew&#x00F6;hnlichen Tapferkeit vertheidigten; doch der
<lb n="0269.17"/> Befehlshaber, welcher ihnen an Kr&#x00E4;ften weit
<lb n="0269.18"/> &#x00FC;berlegen war, fand gar bald Mittel, den Sieg
<lb n="0269.19"/> auf seine Seite zu lenken. Die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0269.20"/> wurden &#x00FC;ber den Hauffen geworffen; ein gros=
<lb n="0269.21"/> ser Theil ward in St&#x00FC;cken zerhauen, und viel=
<lb n="0269.22"/> leicht w&#x00FC;rde kein einziger davon gekommen
<lb n="0269.23"/> seyn, wann nicht die Nacht eingebrochen w&#x00E4;re,
<lb n="0269.24"/> und den Streit geendet h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0269.25" rend="indent"/> <p>Yukinna, welcher auf seinen Sieg stolz
<lb n="0269.26"/> war, h&#x00E4;tte ihn gerne durch Verfolgung der
<lb n="0269.27"/> Fl&#x00FC;chtigen vollkommen gemacht; allein die
<lb n="0269.28"/> Furcht, in einen Hinterhalt zu fallen, hielt
<lb n="0269.29"/> ihn zur&#x00FC;ck. Er lie&#x00DF; seine Leute sogleich zur&#x00FC;ck
<lb n="0269.30"/> ruffen, und verschanzte sich in der Eil auf eben
<pb n="0270.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-331"/>
<lb n="0270.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>dem Platze, wo er sich befand. Sein Vorsatz
<lb n="0270.02"/> war, sich mit anbrechendem Tage auf den Weg
<lb n="0270.03"/> zu begeben, um vollends den Rest dieses feind=
<lb n="0270.04"/> lichen Hauffens aufzureiben.</p>
<lb n="0270.05" rend="indent"/> <p>Man h&#x00E4;tte glauben sollen, eine so muthige
<lb n="0270.06"/> That w&#x00FC;rde den Einwohnern von Aleppo Muth
<lb n="0270.07"/> gemacht haben, da&#x00DF; sie auf keine Unterhand=
<lb n="0270.08"/> lung ferner gedacht h&#x00E4;tten; doch eben zu der
<lb n="0270.09"/> Zeit, da sie wu&#x00DF;ten, da&#x00DF; er sich die Musel=
<lb n="0270.10"/> m&#x00E4;nner zu schlagen bem&#x00FC;hete, fiengen die furcht=
<lb n="0270.11"/> samen Einwohner an, einen Vergleich mit ih=
<lb n="0270.12"/> nen zu treffen.</p>
<lb n="0270.13"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ein=<lb/>wohner von<lb/>Aleppo pfle=<lb/>gen mit dem<lb/>Obeidah Un=<lb/>terhandlung.</note><p rend="indent">Drey&#x00DF;ig von den Vornehmsten der Stadt
<lb n="0270.14"/> wurden an den Obeidah, nach Kennesrin, wo
<lb n="0270.15"/> er sich seit einiger Zeit aufhielt, abgeschickt.
<lb n="0270.16"/> Als diese Abgeordnete in dem Lager der Araber
<lb n="0270.17"/> anlangten, baten sie gleich anfangs um Gnade,
<lb n="0270.18"/> als wann sie schon unter der feindlichen Gewalt
<lb n="0270.19"/> gewesen w&#x00E4;ren. Man hohlte sie an der Spitze
<lb n="0270.20"/> des Lagers ab, um sie zu dem General zu f&#x00FC;h=
<lb n="0270.21"/> ren, und sie erstaunten nicht wenig &#x00FC;ber die
<lb n="0270.22"/> Ruhe, die sie unter den Muselm&#x00E4;nnern herr=
<lb n="0270.23"/> schen sahen; einige waren im Gebete begriffen;
<lb n="0270.24"/> andre schwatzten miteinander. Die Einwoh=
<lb n="0270.25"/> ner von Aleppo wurden dar&#x00FC;ber so stutzig, da&#x00DF;
<lb n="0270.26"/> sie sich einbildeten, der Hauffe, wider welchen
<lb n="0270.27"/> Yukinna ausgezogen sey, m&#x00FC;sse gesiegt haben.
<lb n="0270.28"/> Es fand sich so gar einer, welcher es dem an=
<lb n="0270.29"/> dern in Vertrauen sagen wollte, allein er rede=
<lb n="0270.30"/> te so laut, da&#x00DF; es ein Muselmann h&#x00F6;rte, wel=
<pb n="0271.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-332"/>
<lb n="0271.01"/> cher sogleich zu dem Obeidah lief, ihm davon<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0271.02"/> vorher Nachricht zu geben.</p>
<lb n="0271.03" rend="indent"/> <p>Der General, welcher seiner Seits von
<lb n="0271.04"/> der geschlagnen Mannschaft nichts erfahren
<lb n="0271.05"/> hatte, ward &#x00FC;ber die Nachricht, die man ihm
<lb n="0271.06"/> brachte, anfangs ein wenig unruhig. Unterdes=
<lb n="0271.07"/> sen gab er den Abgeordneten gleichwohl Geh&#x00F6;r,
<lb n="0271.08"/> welche ihm im Namen aller Einwohner von A=
<lb n="0271.09"/> leppo sagten, da&#x00DF; sie f&#x00FC;r die Stadt insbesondre
<lb n="0271.10"/> Unterhandlung zu pflegen k&#x00E4;men, und da&#x00DF; sie
<lb n="0271.11"/> dieses wider Willen des Yukinna, ihres Be=
<lb n="0271.12"/> fehlshabers, th&#x00E4;ten, welcher sich als einen un=
<lb n="0271.13"/> ertr&#x00E4;glichen Tyrannen gegen sie bezeigte. Sie
<lb n="0271.14"/> h&#x00E4;tten ihm zwar vorgeschlagen, sich mit den
<lb n="0271.15"/> Muselm&#x00E4;nnern zu vertragen, allein er habe
<lb n="0271.16"/> diesen Vorschlag g&#x00E4;nzlich verworffen, und es
<lb n="0271.17"/> vielmehr f&#x00FC;r seine Schuldigkeit gehalten, wider
<lb n="0271.18"/> sie auszuziehen.</p>
<lb n="0271.19" rend="indent"/> <p>Obeidah ward immer unruhiger, und weil
<lb n="0271.20"/> er sich einbildete, da&#x00DF; seine Trupen vielleicht w&#x00E4;=
<lb n="0271.21"/> ren geschlagen worden, so wollte er anfangs sich
<lb n="0271.22"/> mit den Abgeordneten nicht einlassen. Er ward
<lb n="0271.23"/> in seiner abschl&#x00E4;glichen Antwort durch die An=
<lb n="0271.24"/> merkung best&#x00E4;rkt, die ihm einer von seinen vor=
<lb n="0271.25"/> nehmsten Hauptleuten machen lie&#x00DF;, da&#x00DF; nem=
<lb n="0271.26"/> lich das Schlo&#x00DF; und die Stadt Aleppo nahe ge=
<lb n="0271.27"/> nug beysammen l&#x00E4;gen, da&#x00DF; die Einwohner ganz
<lb n="0271.28"/> wohl wissen k&#x00F6;nnten, was vorgegangen sey;
<lb n="0271.29"/> da&#x00DF; ihre vorgegebene Unwissenheit nichts als
<lb n="0271.30"/> ein Fallstrick sey, in welchen sie die Muselm&#x00E4;n=
<pb n="0272.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-333"/>
<lb n="0272.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>ner locken wollten; da&#x00DF; diese Abgeordneten nicht
<lb n="0272.02"/> aufrichtig zu Werke gingen, und da&#x00DF; man sei=
<lb n="0272.03"/> nen Trupen ganz gewi&#x00DF; &#x00FC;bel mitgespielet habe.</p>
<lb n="0272.04" rend="indent"/> <p>Die Abgeordneten von Aleppo hielten so in=
<lb n="0272.05"/> st&#x00E4;ndig an, und schienen so offenherzig zu ver=
<lb n="0272.06"/> fahren, da&#x00DF; Obeidah, welcher von Natur em=
<lb n="0272.07"/> pfindlich war, endlich beschlo&#x00DF;, sie zu vergn&#x00FC;=
<lb n="0272.08"/> gen. Er sahe &#x00FC;brigens, da&#x00DF;, wenn er diesen
<lb n="0272.09"/> Entschlu&#x00DF; fa&#x00DF;te, die Muselm&#x00E4;nner grosse Vor=
<lb n="0272.10"/> theile davon haben, und Lebensmittel in Men=
<lb n="0272.11"/> ge daselbst finden w&#x00FC;rden. Er sagte daher zu
<lb n="0272.12"/> seinen Hauptleuten, welche noch immer &#x00FC;ber=
<lb n="0272.13"/> zeugt zu seyn schienen, da&#x00DF; die Abgeordneten
<lb n="0272.14"/> sie nur zu hintergehen suchten: <hi rend="bold">Macht euch
<lb n="0272.15"/> doch von Gott einen edlern Begriff, wel=
<lb n="0272.16"/> cher uns gewi&#x00DF; nicht betriegen, noch die
<lb n="0272.17"/> Herrschaft &#x00FC;ber die Muselm&#x00E4;nner, den
<lb n="0272.18"/> Christen geben wird</hi>.</p>
<lb n="0272.19"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Die</hi> den<lb/>Einwohnern<lb/>von Aleppo<lb/>verwilligten<lb/>Bedingung&#x0113;.</note><p rend="indent">Endlich trat man der Meinung des Obei=
<lb n="0272.20"/> dah bey, und fing an mit den Abgeordneten ei=
<lb n="0272.21"/> nen Vergleich zu treffen. Es wurde ihnen ei=
<lb n="0272.22"/> ne gewisse Summe aufgelegt, wozu man noch
<lb n="0272.23"/> dieses hinzu f&#x00FC;gte, den Muselm&#x00E4;nnern Lebens=
<lb n="0272.24"/> mittel zu schaffen, ihnen alles zu entdecken, was
<lb n="0272.25"/> ihnen nachtheilig seyn k&#x00F6;nne, und dem Yukin=
<lb n="0272.26"/> na die R&#x00FC;ckkehr in sein Schlo&#x00DF; zu verhindern.</p>
<lb n="0272.27" rend="indent"/> <p>Die Abgeordneten nahmen diese Bedin=
<lb n="0272.28"/> gungen an, ausgenommen die letzte. Sie stell=
<lb n="0272.29"/> ten vor, da&#x00DF; sie sich dazu unm&#x00F6;glich anheischig
<lb n="0272.30"/> machen k&#x00F6;nnten, weil der Befehlshaber von
<pb n="0273.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-334"/>
<lb n="0273.01"/> ansehnlichen und tapfern Trupen unterst&#x00FC;tzt<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0273.02"/> w&#x00FC;rde, und sie also nicht stark genug w&#x00E4;ren,
<lb n="0273.03"/> etwas wider ihn zu unternehmen. Obeidah
<lb n="0273.04"/> drang weiter auf diesen Punct nicht; er lie&#x00DF; sie
<lb n="0273.05"/> blo&#x00DF; die Beobachtung der &#x00FC;brigen beschw&#x00F6;ren,
<lb n="0273.06"/> und gab ihnen hierauf ihren Abschied.</p>
<lb n="0273.07" rend="indent"/> <p>Als sie nach Aleppo zur&#x00FC;ck kamen, fanden
<lb n="0273.08"/> sie die ganze Stadt, wegen der Drohungen des
<lb n="0273.09"/> Befehlshabers, in gr&#x00F6;ster Unruhe. Eben da
<lb n="0273.10"/> er sich fertig gemacht hatte, neue Vortheile &#x00FC;=
<lb n="0273.11"/> ber die Muselm&#x00E4;nner davon zu tragen, bekam
<lb n="0273.12"/> er von dem Verfahren der Stadt Nachricht.
<lb n="0273.13"/> Diese Neuigkeit machte, da&#x00DF; er seinen Ent=
<lb n="0273.14"/> schlu&#x00DF; fahren lie&#x00DF;, und sich schleinig in das
<lb n="0273.15"/> Schlo&#x00DF; zog, weil er bef&#x00FC;rchtete, man m&#x00F6;chte
<lb n="0273.16"/> ihm den Weg dahin abschneiden. Als er aber
<lb n="0273.17"/> die Artikel, wor&#x00FC;ber die Abgeordneten einig ge=
<lb n="0273.18"/> worden waren, umst&#x00E4;ndlich erfuhr, gerieth er
<lb n="0273.19"/> in solche Wuth, da&#x00DF; er sogleich beschlo&#x00DF;, einen
<lb n="0273.20"/> Versuch zu thun, die Einwohner zum Bruche
<lb n="0273.21"/> dieses Vergleichs zu bewegen.</p>
<lb n="0273.22" rend="indent"/> <p>Er begab sich an der Spitze seiner Trupen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Yukinna</hi><lb/>will die Ein=<lb/>wohner <hi rend="spaced">n&#x00F6;=<lb/>thigen,</hi> ih=<lb/>ren Vergleich<lb/>zu brechen.</note>
<lb n="0273.23"/> aus dem Schlosse, und nachdem er in die Stadt
<lb n="0273.24"/> gekommen war, stellte er sie in Schlachtord=
<lb n="0273.25"/> nung, und drohte alles mit Feuer und Schwerdt
<lb n="0273.26"/> zu verw&#x00FC;sten, wenn man sich seinem Verlan=
<lb n="0273.27"/> gen nicht gem&#x00E4;&#x00DF; bezeigen wolle. Vor allen
<lb n="0273.28"/> Dingen verlangte er, da&#x00DF; man ihm denjenigen
<lb n="0273.29"/> ausliefern solle, welcher es ihnen zuerst einge=
<lb n="0273.30"/> geben, sich mit dem Feinde zu vergleichen, und
<pb n="0274.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-335"/>
<lb n="0274.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>hernach wollte er, die Einwohner sollten sich
<lb n="0274.02"/> verbinden, unter seiner Anf&#x00FC;hrung wider die
<lb n="0274.03"/> Muselm&#x00E4;nner zu streiten.</p>
<lb n="0274.04"/> <note type="marginalie" place="links">Er t&#x00F6;dtet<lb/>seinen Bru=<lb/>der.</note><p rend="indent">Da diese Forderungen sehr &#x00FC;bel aufgenom=
<lb n="0274.05"/> men wurden, so kostete es beynahe dreyhun=
<lb n="0274.06"/> dert Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten, welche Yukinna auf dem
<lb n="0274.07"/> Platze erw&#x00FC;rgen lie&#x00DF;, das Leben. Johann, sein
<lb n="0274.08"/> Bruder, versuchte es vergebens, diesen Rasen=
<lb n="0274.09"/> den zu bes&#x00E4;nftigen; er ward selbst das Opfer
<lb n="0274.10"/> seiner Vermittelung. Yukinna schlug ihm auf
<lb n="0274.11"/> einem Hieb mit dem Sebel den Kopf herun=
<lb n="0274.12"/> ter. Das Niedermetzeln w&#x00FC;rde noch weiter ge=
<lb n="0274.13"/> gangen seyn, wenn die Einwohner nicht auf
<lb n="0274.14"/> das schleinigste an den Obeidah geschickt h&#x00E4;t=
<lb n="0274.15"/> ten, ihn bey solchen Umst&#x00E4;nden um H&#x00FC;lffe zu
<lb n="0274.16"/> bitten.</p>
<lb n="0274.17" rend="indent"/> <p>Der General der Muselm&#x00E4;nner schickte ih=
<lb n="0274.18"/> nen sogleich den tapfern Khaled, welcher sich
<lb n="0274.19"/> schleinig in die Stadt verf&#x00FC;gte, aber Yukinna
<lb n="0274.20"/> war nicht mehr da. Der Verdacht, den er
<lb n="0274.21"/> aus einigen Bewegungen von Seiten der Ara=
<lb n="0274.22"/> ber gesch&#x00F6;pft, hatte ihn bewogen, sich wieder
<lb n="0274.23"/> in das Schlo&#x00DF; zu ziehen, damit er nicht in ei=
<lb n="0274.24"/> nem Platze von den Muselm&#x00E4;nnern eingeschlos=
<lb n="0274.25"/> sen w&#x00FC;rde, wo jeder von den Einwohnern nun=
<lb n="0274.26"/> mehr sein pers&#x00F6;nlicher Feind geworden war.</p>
<lb n="0274.27" rend="indent"/> <p>Weil ihn Khaled nicht mehr in der Stadt
<lb n="0274.28"/> antraf, so beschlo&#x00DF; er, ihn sogleich in dem
<lb n="0274.29"/> Schlosse zu belagern; allein er fand mehr Wi=
<lb n="0274.30"/> derstand, als er sich eingebildet hatte. Der un=
<pb n="0275.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-336"/>
<lb n="0275.01"/> erschrockne Yukinna that Wunder der Tapfer=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0275.02"/> keit. Khaled, welcher durch eine so hitzige Ver=
<lb n="0275.03"/> theidigung nur immer aufgebrachter wurde, &#x00FC;=
<lb n="0275.04"/> berlie&#x00DF; sich g&#x00E4;nzlich seinem ungest&#x00FC;men Muthe,
<lb n="0275.05"/> und auf beyden Seiten fielen die heldenm&#x00E4;&#x00DF;ig=
<lb n="0275.06"/> sten Thaten vor. Diese zwey Anf&#x00FC;hrer erlang=
<lb n="0275.07"/> ten bey diesen Anf&#x00E4;llen unendlichen Ruhm. Es
<lb n="0275.08"/> w&#x00E4;hrte lange Zeit, eh einer dem andern einigen
<lb n="0275.09"/> Vortheil abgewinnen konnte; endlich aber er=
<lb n="0275.10"/> hielt Yukinna unvermerkt die Oberhand, und
<lb n="0275.11"/> Khaled ward gezwungen mit den hitzigen Be=
<lb n="0275.12"/> st&#x00FC;rmungen innezuhalten, damit sich seine Tru=
<lb n="0275.13"/> pen ein wenig erhohlen k&#x00F6;nnten.</p>
<lb n="0275.14" rend="indent"/> <p>Der Befehlshaber bekam bey Erblickung ei=<note type="marginalie" place="rechts">Er <hi rend="spaced">wagt</hi><lb/>verschiedene<lb/>Ausf&#x00E4;lle.</note>
<lb n="0275.15"/> nes Feindes, welcher ihn zu f&#x00FC;rchten schien, im=
<lb n="0275.16"/> mer mehr Muth, und wagte es, sein Gl&#x00FC;ck zu
<lb n="0275.17"/> verfolgen, und ihn in seinen Verschanzungen
<lb n="0275.18"/> anzugreiffen. Dieser Anschlag gelang. Er
<lb n="0275.19"/> that des Nachts einen Ausfall, an der Spitze
<lb n="0275.20"/> seiner Tapfersten, st&#x00FC;rzte auf ein Theil des La=
<lb n="0275.21"/> gers, wo er erfahren hatte, da&#x00DF; die Wache ein
<lb n="0275.22"/> wenig schwach sey, machte auf sechzig Musel=
<lb n="0275.23"/> m&#x00E4;nner todt, und eben so viele zu Gefangenen,
<lb n="0275.24"/> die er mit sich in das Schlo&#x00DF; schleppte. Um
<lb n="0275.25"/> dem Khaled zu zeigen, wie wenig er sich f&#x00FC;rch=
<lb n="0275.26"/> te, lie&#x00DF; er den Tag darauf die Gefangenen auf
<lb n="0275.27"/> die W&#x00E4;lle f&#x00FC;hren, und ihnen vor den Augen
<lb n="0275.28"/> der Muselm&#x00E4;nner die K&#x00F6;pffe abschlagen.</p>
<lb n="0275.29" rend="indent"/> <p>Kurz darauf wagte der Befehlshaber aber=
<lb n="0275.30"/> mals eine sehr k&#x00FC;hne That. Er hatte von sei=
<pb n="0276.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-337"/>
<lb n="0276.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>nen Kundschaftern erfahren, da&#x00DF; eine grosse An=
<lb n="0276.02"/> zahl Muselm&#x00E4;nner, an einem von dem Schlosse
<lb n="0276.03"/> ziemlich entlegenen Orte, auf Lebensmittel aus
<lb n="0276.04"/> w&#x00E4;ren, und sogleich brach er mit den Auserle=
<lb n="0276.05"/> sensten von seinen Trupen auf, und fiel diese
<lb n="0276.06"/> Proviantsammler an. Er t&#x00F6;dtete ohngefehr
<lb n="0276.07"/> hundert und drey&#x00DF;ig davon, zerstreute die &#x00FC;bri=
<lb n="0276.08"/> gen, bem&#x00E4;chtigte sich ihrer besten Lastthiere,
<lb n="0276.09"/> lie&#x00DF; den andern die Kniekehlen zerschneiden,
<lb n="0276.10"/> und zog sich in das Geb&#x00FC;rge zur&#x00FC;ck, um die
<lb n="0276.11"/> Nacht daselbst zu erwarten, und im Dunkeln
<lb n="0276.12"/> sich wieder in sein Schlo&#x00DF; zu werffen.</p>
<lb n="0276.13"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>schneidet ihm<lb/>den Weg ab,<lb/><hi rend="spaced">und</hi> schl&#x00E4;gt<lb/>ihn.</note><p rend="indent">Khaled hatte nicht zeitig gnug Nachricht
<lb n="0276.14"/> bekommen, diesem Uebel abzuhelffen, und be=
<lb n="0276.15"/> schlo&#x00DF; also, es wenigstens einiger maassen wie=
<lb n="0276.16"/> der gut zu machen, indem er den Feind in dem
<lb n="0276.17"/> Geb&#x00FC;rge, wohin er sich gezogen hatte, einschlo&#x00DF;.
<lb n="0276.18"/> Er machte sich die Nachrichten zu Nutze, die ihm
<lb n="0276.19"/> einige Christen aus dasiger Gegend, welche den
<lb n="0276.20"/> Yukinna verabscheuten, gaben. Diese Ver=
<lb n="0276.21"/> r&#x00E4;ther hatten ihm den engen Weg gezeigt, wel=
<lb n="0276.22"/> ches der einzige war, den der Befehlshaber zu
<lb n="0276.23"/> seiner R&#x00FC;ckkehr nehmen konnte. Auf diesem
<lb n="0276.24"/> Wege &#x00FC;berraschte ihn Khaled, und der Ueber=
<lb n="0276.25"/> fall war einer von den blutigsten, weil beyde
<lb n="0276.26"/> Theile gleiche Proben von der allerentschlossen=
<lb n="0276.27"/> sten Tapferkeit ablegten. Yukinna &#x00FC;berstieg
<lb n="0276.28"/> endlich alle Hindernisse, und hatte das Gl&#x00FC;ck,
<lb n="0276.29"/> wieder in sein Schlo&#x00DF; zu kommen; doch dieses
<lb n="0276.30"/> Gl&#x00FC;ck war mit einem betr&#x00E4;chtlichen Verluste
<pb n="0277.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-338"/>
<lb n="0277.01"/> verbunden, welcher von einer Niederlage we=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0277.02"/> nig unterschieden war. Ein Theil seiner tapfer=
<lb n="0277.03"/> sten Soldaten blieben auf der Wahlstatt. Die
<lb n="0277.04"/> Muselm&#x00E4;nner machten &#x00FC;ber dieses dreyhundert
<lb n="0277.05"/> Gefangene, welche Khaled vor den Augen des
<lb n="0277.06"/> Befehlshabers ermorden lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0277.07" rend="indent"/> <p>Die Muselm&#x00E4;nner nahmen hierauf die Be=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>nimmt <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Belagerung<lb/><hi rend="spaced">des</hi> Schlos=<lb/>ses <hi rend="spaced">wieder</hi><lb/>vor.</note>
<lb n="0277.08"/> st&#x00FC;rmung des Schlosses wieder vor; doch das,
<lb n="0277.09"/> was von den Trupen noch &#x00FC;brig war, war
<lb n="0277.10"/> hinl&#x00E4;nglich genug, alle Anf&#x00E4;lle der Belagerer
<lb n="0277.11"/> zunichte zu machen. Khaled sahe mit Ver=
<lb n="0277.12"/> dru&#x00DF;, da&#x00DF; er mit Gewalt wenig ausrichten w&#x00FC;r=
<lb n="0277.13"/> de, und wollte also eine Kriegslist versuchen.
<lb n="0277.14"/> Er lie&#x00DF; seine Trupen auf brechen und entfernte
<lb n="0277.15"/> sie von dem Schlosse, als ob er Lust h&#x00E4;tte die
<lb n="0277.16"/> Belagerung aufzuheben. Er legte zugleich
<lb n="0277.17"/> starke Hinterhalte an, in Hoffnung, den Feind
<lb n="0277.18"/> darein zu locken. Er hoffte, der Befehlshaber
<lb n="0277.19"/> w&#x00FC;rde mit seinen Trnpen hervorkommen, um
<lb n="0277.20"/> auf die Muselm&#x00E4;nner zu st&#x00FC;rzen, und sie in ih=
<lb n="0277.21"/> rem R&#x00FC;ckzuge zu beunruhigen; doch Yukinna
<lb n="0277.22"/> fiel in diese Falle nicht. Er hielt sich wei&#x00DF;lich
<lb n="0277.23"/> in seinen W&#x00E4;llen eingeschlossen, und bediente
<lb n="0277.24"/> sich der Entfernung des Feindes dazu, da&#x00DF; er
<lb n="0277.25"/> seine Befestigungswerke wieder in Stand brin=
<lb n="0277.26"/> gen lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0277.27" rend="indent"/> <p>Die Muselm&#x00E4;nner erstaunten &#x00FC;ber die Be=
<lb n="0277.28"/> hutsamkeit, welche der Befehlshaber bey dieser
<lb n="0277.29"/> Gelegenheit beobachtete, und kamen auf den
<lb n="0277.30"/> Einfall, es m&#x00FC;sse eine verborgene Verr&#x00E4;therey
<pb n="0278.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-339"/>
<lb n="0278.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>dahinter stecken, welche alle Mittel, die sie den
<lb n="0278.02"/> Feind zu &#x00FC;berraschen anwendeten, fruchtlos
<lb n="0278.03"/> mache. Dieser Argwohn ward Schuld, da&#x00DF;
<lb n="0278.04"/> man sehr genaue Untersuchungen anstellte, und
<lb n="0278.05"/> endlich einen Christen einzog, welcher nach vie=
<lb n="0278.06"/> len Ausfl&#x00FC;chten endlich gestand, da&#x00DF; er es w&#x00E4;re,
<lb n="0278.07"/> welcher dem Befehlshaber von dem, was bey
<lb n="0278.08"/> den Muselm&#x00E4;nnern vorgehe, Nachricht gege=
<lb n="0278.09"/> ben. Sein Urtheil ward gar bald gesprochen,
<lb n="0278.10"/> und man verdammte ihn zum Tode: Unterdes=
<lb n="0278.11"/> sen weil er ein Christe war, so bot man ihm sei=
<lb n="0278.12"/> ne Gnade an, wann er die mahometanische Re=
<lb n="0278.13"/> ligion annehmen wolle. Dieser Ungl&#x00FC;ckselige
<lb n="0278.14"/> ward den Augenblick, ohne sich lange zu besin=
<lb n="0278.15"/> nen, ein Muselmann, und rettete sein Leben.</p>
<lb n="0278.16" rend="indent"/> <p>Man merkte dem Yukinna den Verlust die=
<lb n="0278.17"/> ses Kundschafters eben nicht an. Dieser ta=
<lb n="0278.18"/> pfre Befehlshaber fuhr fort, sich mit einer sol=
<lb n="0278.19"/> chen Tapferkeit zu vertheidigen, da&#x00DF; der unge=
<lb n="0278.20"/> duldige Khaled, welcher einen so hartn&#x00E4;ckigen
<lb n="0278.21"/> Widerstand nicht gewohnt war, gleichwohl bey
<lb n="0278.22"/> nahe f&#x00FC;nf Monate vor dem Schlosse liegen mu=
<lb n="0278.23"/> ste, ohne sich desselben bem&#x00E4;chtigen zu k&#x00F6;nnen.</p>
<lb n="0278.24"/> <note type="marginalie" place="links">Omar <hi rend="spaced">be=<lb/>zeigt sein</hi><lb/>Mi&#x00DF;fallen &#x00FC;=<lb/>ber das Still=<lb/>schweig&#x0113; des<lb/>Obeidah.</note><p rend="indent">Die Hoffnung, die man von Tag zu Tage
<lb n="0278.25"/> hatte, diesen Platz zu erobern, hatte den Obei=
<lb n="0278.26"/> dah abgehalten, an den Califen zu schreiben.
<lb n="0278.27"/> Omar ward unruhig, da&#x00DF; er so lange Zeit keine
<lb n="0278.28"/> Nachricht bekommen hatte, und schrieb an den
<lb n="0278.29"/> General, ihm auf das baldigste zu melden, wie
<lb n="0278.30"/> es mit den Angelegenheiten der Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0278.31"/> stehe.</p>
<pb n="0279.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-340"/>
<lb n="0279.01" rend="indent"/> <p>Obeidah antwortete dem Califen sogleich,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0279.02"/> und entschuldigte sein Stillschweigen damit, da&#x00DF;
<lb n="0279.03"/> er sich zwar ohne M&#x00FC;he der St&#x00E4;dte Kennesrin,
<lb n="0279.04"/> Alhadir und Aleppo bem&#x00E4;chtiget h&#x00E4;tte, jezt aber
<lb n="0279.05"/> durch ein blosses Schlo&#x00DF; in seinen Eroberungen
<lb n="0279.06"/> aufgehalten w&#x00FC;rde, welches sich bisher so wohl
<lb n="0279.07"/> vertheidiget habe, da&#x00DF; man wahrscheinlicher
<lb n="0279.08"/> Weise gen&#x00F6;thiget werden w&#x00FC;rde, die Belage=
<lb n="0279.09"/> rung aufzuheben. Er f&#x00FC;gte hinzu, seine Absicht
<lb n="0279.10"/> sey, alsdenn sogleich auf Antiochia los zu gehen,
<lb n="0279.11"/> und bat ihn, wegen dieses Anschlages, um seine
<lb n="0279.12"/> Meinung.</p>
<lb n="0279.13" rend="indent"/> <p>Omar erhielt diesen Brief gleich zu der Zeit,<note type="marginalie" place="rechts">Er schickt<lb/>dem Obeidah<lb/>eine Verst&#x00E4;r=<lb/>kung.</note>
<lb n="0279.14"/> als verschiedne arabische St&#x00E4;mme nach Medina
<lb n="0279.15"/> gekommen waren, und um Dienste wider die
<lb n="0279.16"/> Christen gebeten hatten. Die Nachrichten, die
<lb n="0279.17"/> er erhielt, machten, da&#x00DF; er ihren Antrag an=
<lb n="0279.18"/> nahm; er lie&#x00DF; sie sogleich zur Armee aufbre=
<lb n="0279.19"/> chen, und gab ihnen einen Brief an den Obei=
<lb n="0279.20"/> dah mit. Er schrieb diesem Heerf&#x00FC;hrer, da&#x00DF;
<lb n="0279.21"/> er &#x00FC;ber den Fortgang seiner Waffen, in Anse=
<lb n="0279.22"/> hung der unterw&#x00FC;rffig gemachten St&#x00E4;dte, sehr
<lb n="0279.23"/> vergn&#x00FC;gt sey, da&#x00DF; er aber diese Vortheile durch
<lb n="0279.24"/> die Eroberung des Schlosses kr&#x00F6;nen m&#x00FC;sse, des=
<lb n="0279.25"/> sen Belagerung er ihm fortzusetzen befahl, bis
<lb n="0279.26"/> es der Vorsicht gefallen w&#x00FC;rde, den Ausschlag
<lb n="0279.27"/> zu geben.</p>
<lb n="0279.28" rend="indent"/> <p>Kaum hatte Obeidah diesen Brief erhalten,
<lb n="0279.29"/> als er neue Befehle gab, die Belagerung, wel=
<lb n="0279.30"/> che man unterbrochen hatte, wieder vorzuneh=
<pb n="0280.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-341"/>
<lb n="0280.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>men. Er wandte die H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lcker, die man
<lb n="0280.02"/> ihm geschickt hatte, dazu an, und jeder Musel=
<lb n="0280.03"/> mann bezeigte dabey einen Eifer und eine Tapfer=
<lb n="0280.04"/> keit, welche sich mehr als einmal die Lobspr&#x00FC;che
<lb n="0280.05"/> des Generals erwarben. Dem ohngeachtet blie=
<lb n="0280.06"/> ben die Sachen beynahe immer in einerley Um=
<lb n="0280.07"/> st&#x00E4;nden, und die Belagerten liessen sich nicht
<lb n="0280.08"/> den geringsten Vortheil abgewinnen.</p>
<lb n="0280.09"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ara=<lb/>ber <hi rend="spaced">&#x00FC;ber=<lb/>fallen</hi> das<lb/>Schlo&#x00DF;.</note><p rend="indent">Auf diese Art verflossen fast zwey Monate,
<lb n="0280.10"/> ohne da&#x00DF; man weiter kam, als sich ein Musel=
<lb n="0280.11"/> mann aufwarf, welcher dem Generale ver=
<lb n="0280.12"/> sprach, das Schlo&#x00DF; in seine H&#x00E4;nde zu liefern,
<lb n="0280.13"/> wenn man g&#x00E4;nzlich dem Plane, den er sich aus=
<lb n="0280.14"/> gedacht habe, folgen wolle. Dieser Musel=
<lb n="0280.15"/> mann hie&#x00DF; Dames, es war ein Mann, welchen
<lb n="0280.16"/> sowohl seine riesenm&#x00E4;&#x00DF;ige Gestalt, als seine
<lb n="0280.17"/> Tapferkeit und Unerschrockenheit merkw&#x00FC;rdig
<lb n="0280.18"/> machte. Er hatte mit dem Obeidah eine Un=
<lb n="0280.19"/> terredung, in welcher er ihm die erstaunlichen
<lb n="0280.20"/> Thaten, die er in Arabien verrichtet, erzehlte,
<lb n="0280.21"/> und in Ansehung des Schlosses, das man bis=
<lb n="0280.22"/> her vergebens belagert hatte, es auf sich nahm,
<lb n="0280.23"/> sich desselben in kurzen zu bem&#x00E4;chtigen, wel=
<lb n="0280.24"/> ches Unternehmen auszuf&#x00FC;hren, er nicht mehr
<lb n="0280.25"/> als drey&#x00DF;ig Mann verlangte.</p>
<lb n="0280.26" rend="indent"/> <p>Obeidah beschlo&#x00DF; diese Erfahrung zu ma=
<lb n="0280.27"/> chen. Er gab dem Dames die Leute, die er
<lb n="0280.28"/> verlangt hatte; und dieser, ehe er etwas un=
<lb n="0280.29"/> ternahm, bewegte den General, die Belagerung
<lb n="0280.30"/> aufzuheben, und sich eine ganze Meile von dem
<pb n="0281.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-342"/>
<lb n="0281.01"/> Schlosse zu entfernen. Er selbst hielt sich mit<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0281.02"/> seinen Leuten an einem Orte, der dazu sehr ge=
<lb n="0281.03"/> legen war, verborgen. Die Sorgfalt, die er
<lb n="0281.04"/> vorher anwendete, den Platz genau zu erfor=
<lb n="0281.05"/> schen, und die Nachrichten, die er von einem
<lb n="0281.06"/> Griechen erhielt, den man an eben dem Tage
<lb n="0281.07"/> gefangen genommen hatte, setzten ihn in den
<lb n="0281.08"/> Stand, seinen Anschlag schleinig auszuf&#x00FC;hren,
<lb n="0281.09"/> und weil er voraus sahe, da&#x00DF; sein Unternehmen
<lb n="0281.10"/> noch in derselben Nacht gelingen k&#x00F6;nne, so
<lb n="0281.11"/> schickte er zu dem Obeidah, und lie&#x00DF; ihn bitten,
<lb n="0281.12"/> einige Reuterey an einen Ort, den er ihm an=
<lb n="0281.13"/> wie&#x00DF;, anr&#x00FC;cken zu lassen. Er ersuchte ihn, nur
<lb n="0281.14"/> solche Leute zu senden, auf deren Tapferkeit und
<lb n="0281.15"/> Treue man Rechnung machen k&#x00F6;nne, und f&#x00FC;gte
<lb n="0281.16"/> hinzu, da&#x00DF; sich diese Mannschaft fertig halten
<lb n="0281.17"/> m&#x00FC;sse, bey anbrechendem Tage die n&#x00F6;thige H&#x00FC;lf=
<lb n="0281.18"/> fe zu leisten, zu welcher Zeit er ihr ein gewisses
<lb n="0281.19"/> Zeichen, welches er ihm sagte, geben wolle.</p>
<lb n="0281.20" rend="indent"/> <p>Als es nun ein wenig sp&#x00E4;te in der Nacht
<lb n="0281.21"/> war, verh&#x00FC;llete sich Dames in ein Kleid, wel=
<lb n="0281.22"/> ches von einer Ziegenhaut verfertiget war. Er
<lb n="0281.23"/> machte sich aus dem Orte, wo er sich verbor=
<lb n="0281.24"/> gen gehalten hatte, hervor, kroch auf den H&#x00E4;n=
<lb n="0281.25"/> den und F&#x00FC;ssen, und gelangte ohne Ger&#x00E4;usch
<lb n="0281.26"/> an den Fu&#x00DF; der Mauer, wo er wuste, da&#x00DF; sie
<lb n="0281.27"/> am schw&#x00E4;chsten besetzt und am leichtesten zu er=
<lb n="0281.28"/> steigen war. Seine Leute folgten ihm, dem
<lb n="0281.29"/> erhaltenen Befehle gem&#x00E4;&#x00DF;, einer nach dem an=
<lb n="0281.30"/> dern, und brauchten eben die Vorsichtigkeit,
<lb n="0281.31"/> die ihr Anf&#x00FC;hrer gebraucht hatte.</p>
<pb n="0282.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-343"/>
<lb n="0282.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note><p rend="indent">So bald sie alle wieder beysammen waren,
<lb n="0282.02"/> setzte sich Dames an dem Fusse der Mauer nie=
<lb n="0282.03"/> der, und lie&#x00DF; einen auf seine Schultern steigen;
<lb n="0282.04"/> der zweyte stieg auf diesen, und endlich gelang
<lb n="0282.05"/> es ihnen, die H&#x00F6;he der Mauer zu erreichen.
<lb n="0282.06"/> Nachdem der oberste eine Zeitlang gehorcht,
<lb n="0282.07"/> und an diesem Orte nicht die geringste Bewe=
<lb n="0282.08"/> gung geh&#x00F6;rt hatte, sprang er auf der andern
<lb n="0282.09"/> Seite der Mauer herab, wo er eine eingeschla=
<lb n="0282.10"/> fene Wache fand, welche er ermordete und &#x00FC;ber
<lb n="0282.11"/> die Mauer hin&#x00FC;ber warf.</p>
<lb n="0282.12" rend="indent"/> <p>Als der Muselmann sich nunmehr im Stan=
<lb n="0282.13"/> de befand, ungehinderter zu Werke zu gehen,
<lb n="0282.14"/> so warf man ihm ein starkes Seil zu, welches
<lb n="0282.15"/> er an die Zinnen der Mauer befestigte. Die
<lb n="0282.16"/> &#x00FC;brigen Soldaten bedienten sich dieses Seils,
<lb n="0282.17"/> die Mauer zu erklettern, und Dames stieg zu
<lb n="0282.18"/> allerletzt hinan. Ein wenig weiter von dem Or=
<lb n="0282.19"/> te, wo sie sich befanden, entdeckten sie zwey
<lb n="0282.20"/> andre Wachen, welche betrunken oder einge=
<lb n="0282.21"/> schlafen waren; sie bem&#x00E4;chtigten sich ihrer, in=
<lb n="0282.22"/> dem sie sie durchbohrten, und &#x00FC;ber die Mauer
<lb n="0282.23"/> hin&#x00FC;ber warffen.</p>
<lb n="0282.24" rend="indent"/> <p>Nach dieser That befahl Dames seinen Leu=
<lb n="0282.25"/> ten, ruhig an ihrem Orte zu bleiben, w&#x00E4;hrend
<lb n="0282.26"/> dessen er sich selbst so nahe, als m&#x00F6;glich, heran
<lb n="0282.27"/> machen und sehen wolle, wie es in dem Schlos=
<lb n="0282.28"/> se stehe. Er entdeckte fast &#x00FC;berall eine grosse
<lb n="0282.29"/> Stille, ausgenommen in der Wohnung des
<lb n="0282.30"/> Befehlshabers. Yukinna war in zahlreicher
<pb n="0283.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-344"/>
<lb n="0283.01"/> Gesellschaft seiner Hauptleute bey Tische, wo<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0283.02"/> sie sich mit einander erfreuten, da&#x00DF; die Musel=
<lb n="0283.03"/> m&#x00E4;nner endlich die Belagerung aufzuheben w&#x00E4;=
<lb n="0283.04"/> ren gen&#x00F6;thiget worden. Gleich nach dem Ab=
<lb n="0283.05"/> zuge dieser Trupen hatte der Befehlshaber den
<lb n="0283.06"/> Soldaten Wein geben lassen, und da sich die
<lb n="0283.07"/> meisten besoffen, so war diese Unordnung Ur=
<lb n="0283.08"/> sache, da&#x00DF; man die Wachen vernachl&#x00E4;&#x00DF;igte.</p>
<lb n="0283.09" rend="indent"/> <p>Dames kam zu seinen Leuten zur&#x00FC;ck, ihnen
<lb n="0283.10"/> von dem, was er entdeckt hatte, Nachricht zu
<lb n="0283.11"/> geben. Er befahl ihnen noch ferner an ihrem
<lb n="0283.12"/> Orte zu bleiben, und sagte, er wolle selbst an
<lb n="0283.13"/> das Thor, welches dem Orte des Hinterhalts
<lb n="0283.14"/> gegen &#x00FC;ber liege, zu kommen suchen, und wenn
<lb n="0283.15"/> auch da die Wachen so schlecht bestellt w&#x00E4;ren,
<lb n="0283.16"/> als &#x00FC;berall, so hoffte er, sich ganz allein dieses
<lb n="0283.17"/> Posten bem&#x00E4;chtigen zu k&#x00F6;nnen.</p>
<lb n="0283.18" rend="indent"/> <p>Er begab sich in der That dahin, und fand
<lb n="0283.19"/> alles in dem Stande, wie er es w&#x00FC;nschte. Er
<lb n="0283.20"/> durchbohrte einige Soldaten, die dieses Thor
<lb n="0283.21"/> bewachten, und kam eiligst zu seinen Leuten
<lb n="0283.22"/> zur&#x00FC;ck, ihnen den guten Fortgang seines Unter=
<lb n="0283.23"/> nehmens zu melden. Endlich brach der Tag
<lb n="0283.24"/> an, und Dames ward von einer Wache be=
<lb n="0283.25"/> merkt, welche Lermen machte. Der Befehls=
<lb n="0283.26"/> haber bekam sogleich von dem, was man arg=
<lb n="0283.27"/> wohnte, Nachricht, und ging selbst, an der
<lb n="0283.28"/> Spitze einiger Trupen, sich davon zu versichern.
<lb n="0283.29"/> Sobald die Wache Lermen gemacht, hatte Da=
<lb n="0283.30"/> mes mit seinen Leuten das Thor, dessen er sich
<pb n="0284.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-345"/>
<lb n="0284.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>vorher bem&#x00E4;chtiget, zu erreichen gesucht. Noch
<lb n="0284.02"/> kam er zeitig genug dahin, da&#x00DF; er der H&#x00FC;lffe,
<lb n="0284.03"/> die er erwartete, das Zeichen geben konnte.
<lb n="0284.04"/> Doch ehe sie noch ankam, traf Yukinna den
<lb n="0284.05"/> Dames und seine drey&#x00DF;ig Leute an, und st&#x00FC;rzte
<lb n="0284.06"/> mit unbeschreiblicher Wuth auf sie los. Die
<lb n="0284.07"/> Muselm&#x00E4;nner thaten ihrer Seits den allertap=
<lb n="0284.08"/> fersten Widerstand, doch da sie von der Men=
<lb n="0284.09"/> ge &#x00FC;berw&#x00E4;ltiget wurden, so h&#x00E4;tten sie endlich
<lb n="0284.10"/> den Christen unterliegen m&#x00FC;ssen, wenn die
<lb n="0284.11"/> H&#x00FC;lffe nicht eben angekommen w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0284.12"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Yukinna<lb/>nimmt</hi> die<lb/>mahometa=<lb/>nische Reli=<lb/>gion an.</note><p rend="indent">Khaled war an der Spitze derselben. Sei=
<lb n="0284.13"/> ne Gegenwart, und die zahlreiche Mannschaft,
<lb n="0284.14"/> die er anf&#x00FC;hrte, erretteten den Dames von dem
<lb n="0284.15"/> Blutbade, welches ihm drohte, und machten,
<lb n="0284.16"/> da&#x00DF; die Christen die Waffen niederlegen mu=
<lb n="0284.17"/> sten. Als Yukinna seinen Platz offen, und
<lb n="0284.18"/> die Thore von den Muselm&#x00E4;nnern besetzt sahe,
<lb n="0284.19"/> so glaubte er, da&#x00DF; die &#x00FC;brige Armee nicht weit
<lb n="0284.20"/> seyn m&#x00FC;sse: er hielt es also nicht f&#x00FC;r dienlich
<lb n="0284.21"/> einen l&#x00E4;ngern Widerstand zu thun; er bat um
<lb n="0284.22"/> Gnade, und erhielt sie auch, vermittelst seines
<lb n="0284.23"/> Anerbietens, den mahometanischen Glauben
<lb n="0284.24"/> anzunehmen. Khaled ward entz&#x00FC;ckt, da&#x00DF; ein
<lb n="0284.25"/> so vornehmer Christe den ersten Schritt zur
<lb n="0284.26"/> Ver&#x00E4;nderung seiner Religion that, und gab da=
<lb n="0284.27"/> her auf das schleinigste Befehl, nichts anzur&#x00FC;h=
<lb n="0284.28"/> ren, was ihm etwa angeh&#x00F6;ren k&#x00F6;nne. Die
<lb n="0284.29"/> Schwachheit dieses Abtr&#x00FC;nnigen, und die Auf=
<lb n="0284.30"/> merksamkeit, welche Khaled f&#x00FC;r ihn bezeigte,
<pb n="0285.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-346"/>
<lb n="0285.01"/> machte bey den meisten dieser ungl&#x00FC;ckseligen<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0285.02"/> Christen einen erstaunlichen Eindruck. Sie
<lb n="0285.03"/> folgten dem Exempel des Yukinna, und opfer=
<lb n="0285.04"/> ten ihre Religion auf, f&#x00FC;r deren Erhaltung sie
<lb n="0285.05"/> bis jetzt, mit der gr&#x00F6;sten Unerschrockenheit, ge=
<lb n="0285.06"/> stritten zu haben schienen.</p>
<lb n="0285.07" rend="indent"/> <p>Obeidah, welcher eben mit der &#x00FC;brigen Ar=
<lb n="0285.08"/> mee anlangte, ward von dieser, seiner Religion
<lb n="0285.09"/> so zutr&#x00E4;glichen Ver&#x00E4;nderung, ungemein ger&#x00FC;hrt;
<lb n="0285.10"/> er wollte sogleich seine Dankbarkeit daf&#x00FC;r be=
<lb n="0285.11"/> zeigen, indem er allen Proselyten, die sich un=
<lb n="0285.12"/> ter den Kriegsgefangenen befanden, ihre Frey=
<lb n="0285.13"/> heit wiedergab.</p>
<lb n="0285.14" rend="indent"/> <p>Was den Dames anbelangt, so ertheilte
<lb n="0285.15"/> ihm Obeidah die gr&#x00F6;sten Lobspr&#x00FC;che, und ver=
<lb n="0285.16"/> sprach, ihn mit n&#x00E4;chsten zu den obersten Kriegs=
<lb n="0285.17"/> stuffen steigen zu lassen. Er hatte zugleich die
<lb n="0285.18"/> Gef&#x00E4;lligkeit, seine Armee da, wo sie sich be=
<lb n="0285.19"/> fand, so lange stille liegen zu lassen, bis dieser
<lb n="0285.20"/> Anf&#x00FC;hrer und seine tapferen Gef&#x00E4;hrten vollkom=
<lb n="0285.21"/> men von den Wunden geheilet waren, die sie
<lb n="0285.22"/> bey dem heftigen Anfalle, vor Khaleds An=
<lb n="0285.23"/> kunft, bekommen hatten.</p>
<lb n="0285.24" rend="indent"/> <p>So bald sie wieder genesen waren, zog Obei=
<lb n="0285.25"/> dah auf Antiochia los, die Belagerung dieses
<lb n="0285.26"/> Orts zu unternehmen. Die Eroberung dessel=
<lb n="0285.27"/> ben war um so viel wichtiger, weil es einer von
<lb n="0285.28"/> den vornehmsten St&#x00E4;dten Syriens war, und
<lb n="0285.29"/> der Kayser seinen gew&#x00F6;hnlichen Sitz daselbst
<lb n="0285.30"/> hatte. Der Marsch der Muselm&#x00E4;nner ward
<pb n="0286.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-347"/>
<lb n="0286.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>durch eine Anmerkung unterbrochen, welche
<lb n="0286.02"/> Yukinna machen lie&#x00DF;. Dieser Abtr&#x00FC;nnige war
<lb n="0286.03"/> jetzt wider die Christen eben so heftig eingenom=
<lb n="0286.04"/> men, als er es, vor seinem Abfalle, f&#x00FC;r diesel=
<lb n="0286.05"/> ben gewesen war, und schlug also dem Obeidah
<lb n="0286.06"/> vor, nicht eher weiter zu gehen, als bis er sich
<lb n="0286.07"/> eines Schlosses, welches Aazaz hie&#x00DF;, bem&#x00E4;chti=
<lb n="0286.08"/> get habe. Der Platz war an sich selbst feste,
<lb n="0286.09"/> und es war zu bef&#x00FC;rchten, die Einwohner m&#x00F6;ch=
<lb n="0286.10"/> ten durch h&#x00E4;ufige Ausf&#x00E4;lle die Muselm&#x00E4;nner auf
<lb n="0286.11"/> ihrem Marsche beunruhigen.</p>
<lb n="0286.12"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ara=<lb/>ber <hi rend="spaced">suchen</hi><lb/>sich von Aa=<lb/>zaz Meister<lb/>zu machen.</note><p rend="indent">Weil Yukinna diese ganze Gegend vollkom=
<lb n="0286.13"/> men wohl kannte, so glaubte Obeidah, da&#x00DF; er
<lb n="0286.14"/> seinem Rathe folgen m&#x00FC;sse, und that es um so
<lb n="0286.15"/> viel williger, weil es dieser Abtr&#x00FC;nnige selbst
<lb n="0286.16"/> &#x00FC;ber sich nahm, das Schlo&#x00DF; zu &#x00FC;berrumpeln.
<lb n="0286.17"/> Er verlangte nicht mehr als hundert Mann,
<lb n="0286.18"/> nach griechischer Art gekleidet, welchen ein
<lb n="0286.19"/> Geschwader von tausend Reutern allm&#x00E4;lig fol=
<lb n="0286.20"/> gen sollte.</p>
<lb n="0286.21" rend="indent"/> <p>Vermittelst dieser Einrichtung glaubte er ei=
<lb n="0286.22"/> nes gl&#x00FC;cklichen Ausganges bey seinem Unterneh=
<lb n="0286.23"/> men gewi&#x00DF; zu seyn. Da der Befehlshaber
<lb n="0286.24"/> von Aazaz einer von seinen n&#x00E4;chsten Anver=
<lb n="0286.25"/> wandten war, so schmeichelte er sich, sein Zu=
<lb n="0286.26"/> trauen leichtlich zu gewinnen, und ihn ohne
<lb n="0286.27"/> M&#x00FC;he zu &#x00FC;berreden, da&#x00DF; er die mahometanische
<lb n="0286.28"/> Religion nur aus Zwang angenommen, und
<lb n="0286.29"/> also best&#x00E4;ndig eine g&#x00FC;nstige Gelegenheit erwar=
<lb n="0286.30"/> tet habe, den H&#x00E4;nden der Muselm&#x00E4;nner zu ent=
<pb n="0287.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-348"/>
<lb n="0287.01"/> kommen; da&#x00DF; sie sich jetzo gl&#x00FC;cklich darbiete,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0287.02"/> und da&#x00DF; er sogar Mittel gefunden habe, ein
<lb n="0287.03"/> hundert Griechen, welche die Muselm&#x00E4;nner zu
<lb n="0287.04"/> Gefangenen gemacht, mit sich fort zubringen.
<lb n="0287.05"/> Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; man ihn ohne Zweifel in
<lb n="0287.06"/> das Schlo&#x00DF; aufnehmen werde, und da&#x00DF; er sich
<lb n="0287.07"/> alsdann die Nachtzeit zu Nutze machen, und
<lb n="0287.08"/> sich der Wachen und Thore bem&#x00E4;chtigen wolle,
<lb n="0287.09"/> bis die tausend Reuter ihm, auf das erste gege=
<lb n="0287.10"/> bene Zeichen, zu H&#x00FC;lffe kommen k&#x00F6;nnten.</p>
<lb n="0287.11" rend="indent"/> <p>Khaled, den man wegen dieses Anschlags
<lb n="0287.12"/> befragte, wollte ihn anfangs nicht billigen. Er
<lb n="0287.13"/> war zwar mit dem Obeidah darinne einig, da&#x00DF;
<lb n="0287.14"/> es ein sehr gl&#x00FC;cklicher Streich seyn w&#x00FC;rde, wenn
<lb n="0287.15"/> man dieses Schlo&#x00DF; &#x00FC;berrumpeln k&#x00F6;nnte; allein
<lb n="0287.16"/> er wisse nicht, ob man dem Yukinna trauen
<lb n="0287.17"/> d&#x00FC;rffe, welcher sich vielleicht diese Gelegenheit
<lb n="0287.18"/> zu Nutze machen, und die Mahometaner ver=
<lb n="0287.19"/> rathen wolle, um sich wieder mit den Christen
<lb n="0287.20"/> auszus&#x00F6;hnen. Dieses war es, was den Kha=
<lb n="0287.21"/> led zur&#x00FC;ck hielt; endlich aber gab er doch der
<lb n="0287.22"/> Meinung der vornehmsten Kriegsbedienten
<lb n="0287.23"/> nach, welche behaupteten, da&#x00DF; es Yukinna al=
<lb n="0287.24"/> lerdings redlich meyne, und da&#x00DF; man dieses Un=
<lb n="0287.25"/> ternehmen doch immer versuchen m&#x00FC;sse, es m&#x00F6;=
<lb n="0287.26"/> ge nun ausschlagen, wie es wolle.</p>
<lb n="0287.27" rend="indent"/> <p>Yukinna brach also mit einem Hauffen von
<lb n="0287.28"/> hundert Mann, wie er es verlangt hatte, auf.
<lb n="0287.29"/> Kurz darauf lie&#x00DF; ihm Obeidah ein Geschwader
<lb n="0287.30"/> von tausend Reutern folgen, welches er dem
<pb n="0288.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-349"/>
<lb n="0288.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>Malek = Alaschtari anzuf&#x00FC;hren gab, mit dem
<lb n="0288.02"/> Befehle, in einem nicht weit von Aazaz entle=
<lb n="0288.03"/> genem Flecken stille zu halten, und die Nacht
<lb n="0288.04"/> &#x00FC;ber daselbst verborgen zu bleiben. Als Ma=
<lb n="0288.05"/> lek in diesen Flecken r&#x00FC;ckte, traf er einen christ=
<lb n="0288.06"/> lichen Araber an, welchen er von seinen Leuten
<lb n="0288.07"/> greiffen lie&#x00DF;, und nachdem er ihn ausgefragt,
<lb n="0288.08"/> erfuhr er, da&#x00DF; man in Aazaz den Anschlag des
<lb n="0288.09"/> Yukinna wisse; da&#x00DF; dieses Geheimni&#x00DF; von ei=
<lb n="0288.10"/> nem Kundschafter sey entdeckt worden, welchen
<lb n="0288.11"/> die Christen bey der arabischen Armee h&#x00E4;tten;
<lb n="0288.12"/> da&#x00DF; der Besehlshaber zu Aazaz diese Neuigkeit
<lb n="0288.13"/> durch einen Brief erfahren habe, welchen der
<lb n="0288.14"/> Christe unter die Fl&#x00FC;gel einer Taube (<ref rend="footnote" n="288*"><hi rend="super">*</hi></ref>) ge=
<lb n="0288.15"/> <note type="footnote" n="288*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Man wei&#x00DF; verschiedne Beyspiele von dieser
<lb n="0288.16" rend="indent"/> Art, vermittelst der Tauben einem andern
<lb n="0288.17" rend="indent"/> Nachricht zu geben. Plinius erzehlt, da&#x00DF; man
<lb n="0288.18" rend="indent"/> sich dieses Mittels bedienet habe, Briefe nach
<lb n="0288.19" rend="indent"/> Modena zu bringen, als dieser Platz von dem
<lb n="0288.20" rend="indent"/> Marcus Antonius belagert wurde. Jn Sy=
<lb n="0288.21" rend="indent"/> rien, Arabien, Aegypten hat man diesen Ge=
<lb n="0288.22" rend="indent"/> brauch beybehalten, und man versichert, da&#x00DF;
<lb n="0288.23" rend="indent"/> der Mogol Tauben halten l&#x00E4;&#x00DF;t, welche im
<lb n="0288.24" rend="indent"/> Nothfalle zu Ueberbringern schleiniger Nach=
<lb n="0288.25" rend="indent"/> richten gebraucht werden. Thuanus erzehlt,
<lb n="0288.26" rend="indent"/> da&#x00DF; im Jahre 1573. bey der Belagerung von
<lb n="0288.27" rend="indent"/> Harlem, die Einwohner dieser Stadt Tauben
<lb n="0288.28" rend="indent"/> gebraucht h&#x00E4;tten, um von ihren Bundesge=
<lb n="0288.29" rend="indent"/> nossen Nachricht zu bekommen. Die Einwoh=
<lb n="0288.30" rend="indent"/> ner zu Leyden thaten 1575. ein gleiches, und
<lb n="0288.31" rend="indent"/> als die Belagerung aufgehoben wurde, soll
<lb n="0288.32" rend="indent"/> der Prinz von Oranien, wie man sagt, den
<lb n="0288.33" rend="indent"/> Tauben &#x00F6;ffentliche Merkmahle der Dankbar=
<lb n="0289.25" rend="indent"/> keit zu erweisen befohlen haben, indem er sie
<lb n="0289.26" rend="indent"/> auf Unkosten der Stadt, in einem ausdr&#x00FC;ck=
<lb n="0289.27" rend="indent"/> lich dazu verfertigten Taubenhause, ern&#x00E4;hren,
<lb n="0289.28" rend="indent"/> und nach dem Tode einbalsamiren lassen, um
<lb n="0289.29" rend="indent"/> sie auf ewig auf dem Rathhause auf heben zu
<lb n="0289.30" rend="indent"/> k&#x00F6;nnen.</p></note>
<pb n="0289.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-350"/>
<lb n="0289.01"/> bunden; und da&#x00DF; er selbst, dieser Nachricht zu<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0289.02"/> Folge, an den Befehlshaber von Arrawendan
<lb n="0289.03"/> sey geschickt worden, ihn im Namen des Theo=
<lb n="0289.04"/> dors, so hie&#x00DF; der Befehlshaber von Aazaz, um
<lb n="0289.05"/> H&#x00FC;lffe zu bitten.</p>
<lb n="0289.06" rend="indent"/> <p>Zum Ungl&#x00FC;cke f&#x00FC;r den Yukinna, war es dem
<lb n="0289.07"/> Malek unm&#x00F6;glich, ihm von dem, was er erfah=
<lb n="0289.08"/> ren, Nachricht zu geben. Da er also in den
<lb n="0289.09"/> Platz hinein kam, und Theodor ihm, gleichsam
<lb n="0289.10"/> Ehren halber, entgegen gieng, so lie&#x00DF; ihn dieser
<lb n="0289.11"/> von seinen Leuten umringen, und nahm ihn mit
<lb n="0289.12"/> seinem ganzen Gefolge gefangen. Er warff
<lb n="0289.13"/> ihm seine Untreue auf das empfindlichste vor,
<lb n="0289.14"/> und drohete ihm mit nichts geringern, als ihn
<lb n="0289.15"/> an den K&#x00E4;yser zu schicken, damit ihn dieser we=
<lb n="0289.16"/> gen seiner vorgehabten niedertr&#x00E4;chtigen Verr&#x00E4;=
<lb n="0289.17"/> therey zur Strafe ziehen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0289.18" rend="indent"/> <p>Eben als sich die Griechen Gl&#x00FC;ck w&#x00FC;nsch=
<lb n="0289.19"/> ten, da&#x00DF; sie den Anschlag ihrer Feinde zunichte
<lb n="0289.20"/> gemacht, erlitten sie einen Verlust, dessen Fol=
<lb n="0289.21"/> gen den Verlust des Platzes nach sich zogen.
<lb n="0289.22"/> Der Befehlshaber von Arrawendan, welcher,
<lb n="0289.23"/> so bald er die Nachricht bekommen hatte, aufge=
<lb n="0289.24"/> brochen war, dem Theodor zu H&#x00FC;lffe zu kom=
<pb n="0290.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-351"/>
<lb n="0290.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>men, ward von dem Malek w&#x00E4;hrend der Nacht
<lb n="0290.02"/> &#x00FC;berfallen, und mit seiner ganzen Mannschaft
<lb n="0290.03"/> zu Gefangenen gemacht.</p>
<lb n="0290.04" rend="indent"/> <p>Die Sieger zogen, auf Befehl ihres An=
<lb n="0290.05"/> f&#x00FC;hrers, die Kleider derer, die sie gefangen ge=
<lb n="0290.06"/> nommen hatten, an. Die Absicht, welche Ma=
<lb n="0290.07"/> lek bey Verkleidung seiner Leute hatte, war, die
<lb n="0290.08"/> Einwohner zu Aazaz zu verf&#x00FC;hren, da&#x00DF; sie glau=
<lb n="0290.09"/> ben sollten, es w&#x00E4;ren die Trupen, die ihnen
<lb n="0290.10"/> der Befehlshaber von Arrawendan schicke, und
<lb n="0290.11"/> damit er sie desto besser betr&#x00FC;gen m&#x00F6;ge, so be=
<lb n="0290.12"/> diente er sich eben desselben Kundschafters, wel=
<lb n="0290.13"/> cher diese H&#x00FC;lffe hatte herbey hohlen m&#x00FC;ssen.</p>
<lb n="0290.14" rend="indent"/> <p>Dieser Kundschafter hatte lange Zeit in der ma=
<lb n="0290.15"/> hometanischen Religion gelebt; bey dem oben er=
<lb n="0290.16"/> w&#x00E4;hnten Aufruhre des Giabalah aber, war er ihm
<lb n="0290.17"/> als ein Anh&#x00E4;nger gefolgt, und hatte nach seinem
<lb n="0290.18"/> Beyspiele die christliche Religion angenommen.
<lb n="0290.19"/> Weil er aber von den Muselm&#x00E4;nnern nunmeh=
<lb n="0290.20"/> ro war gefangen genommen worden, so bef&#x00FC;rch=
<lb n="0290.21"/> tete er sehr &#x00E4;ngstlich, man m&#x00F6;chte das Gesetze
<lb n="0290.22"/> des Mahomets an ihm vollstrecken, welches de=
<lb n="0290.23"/> nen die Todesstrafe bestimmt, die von der Re=
<lb n="0290.24"/> ligion abfallen w&#x00FC;rden. Er entdeckte seine Un=
<lb n="0290.25"/> ruhe dem Malek, und fragte ihn, ob ihm eine
<lb n="0290.26"/> ernstliche Reue nicht das Leben retten k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0290.27" rend="indent"/> <p>Malek, welchem es sehr lieb war, da&#x00DF; er
<lb n="0290.28"/> sich bey dieser Gelegenheit die Furcht des Kund=
<lb n="0290.29"/> schafters zu Nutze machen konnte, antwortete
<lb n="0290.30"/> ihm, da&#x00DF; er nur ein einziges sicheres Mittel
<pb n="0291.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-352"/>
<lb n="0291.01"/> habe, seine Gnade zu verdienen, und da&#x00DF; diese<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0291.02"/> von einem Dienste abhangen w&#x00FC;rde, um wel=
<lb n="0291.03"/> chen er ihn ersuche. Der Kundschafter that
<lb n="0291.04"/> die sch&#x00F6;nsten Versprechungen, und machte sich
<lb n="0291.05"/> verbindlich, alles, was man von ihm verlan=
<lb n="0291.06"/> gen w&#x00FC;rde, getreulich zu erf&#x00FC;llen. Malek lie&#x00DF;
<lb n="0291.07"/> ihn hierauf ein neues Glaubensbekenntni&#x00DF; ab=
<lb n="0291.08"/> legen, und sagte ihm, da&#x00DF; er nunmehr gleich
<lb n="0291.09"/> zu dem Befehlshaber von Aazaz gehen, und
<lb n="0291.10"/> ihm die Ankunft der von Arrawendan erwar=
<lb n="0291.11"/> teten H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker melden m&#x00FC;sse. Der Kund=
<lb n="0291.12"/> schafter nahm diese Verrichtung mit Vergn&#x00FC;=
<lb n="0291.13"/> gen auf sich, und machte sich sogleich auf, sie
<lb n="0291.14"/> ins Werk zu stellen.</p>
<lb n="0291.15" rend="indent"/> <p>Doch diese Kriegslist war unn&#x00F6;thig. Alles<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Der</hi> Be=<lb/>fehlshaber<lb/>von Aazaz<lb/>wird von<lb/>zweyen sei=<lb/>ner S&#x00F6;hne<lb/>get&#x00F6;dtet.</note>
<lb n="0291.16"/> hatte in Aazaz ein ander Ansehen gewonnen.
<lb n="0291.17"/> Der Befehlshaber war von seinen S&#x00F6;hnen ge=
<lb n="0291.18"/> t&#x00F6;dtet worden, welche dem Yukinna und seinem
<lb n="0291.19"/> Gefolge sogleich die Freyheit wiedergegeben hat=
<lb n="0291.20"/> ten. Die Ursache zu dieser That war mit we=
<lb n="0291.21"/> nig Worten folgende: Der Befehlshaber hat=
<lb n="0291.22"/> te zwey S&#x00F6;hne, wovon der eine Leon, und der
<lb n="0291.23"/> andere Lucas hie&#x00DF;. Der erste ward seit langer
<lb n="0291.24"/> Zeit in die Tochter des Yukinna verliebt; er
<lb n="0291.25"/> hatte sie so gar zur Ehe begehrt; allein bis jetzt
<lb n="0291.26"/> hatte er die Einwilligung des Vaters von die=
<lb n="0291.27"/> sem Frauenzimmer nicht erlangen k&#x00F6;nnen.
<lb n="0291.28"/> Weil es seit der letzten Begebenheit wahrschein=
<lb n="0291.29"/> lich war, da&#x00DF; nunmehr die gr&#x00F6;ste Widersetzung
<lb n="0291.30"/> vielmehr auf Seiten des Theodors, als des Yu=
<pb n="0292.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-353"/>
<lb n="0292.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>kinna, seyn w&#x00FC;rde, so beschlo&#x00DF; er, zuerst mit
<lb n="0292.02"/> dem letzten eins zu werden.</p>
<lb n="0292.03" rend="indent"/> <p>Die Sache war um soviel leichter, da man
<lb n="0292.04"/> ihm selbst die Bewachung des Yukinna und
<lb n="0292.05"/> seiner Leute, nachdem man sie gefangen genom=
<lb n="0292.06"/> men, aufgetragen hatte; er konnte sich also so
<lb n="0292.07"/> oft mit ihm unterhalten, als er nur wollte. Er
<lb n="0292.08"/> erneuerte also seine Bitte, und versprach dem
<lb n="0292.09"/> Yukinna, wenn er seine Tochter zur Ehe be=
<lb n="0292.10"/> kommen sollte, ihn sogleich in Freyheit zu se=
<lb n="0292.11"/> tzen, und hernach die mahometanische Religion
<lb n="0292.12"/> anzunehmen.</p>
<lb n="0292.13" rend="indent"/> <p>Yukinna, welcher nach seinem Abfalle ei=
<lb n="0292.14"/> ner von den eifrigsten Muselm&#x00E4;nnern geworden
<lb n="0292.15"/> war, ward &#x00FC;ber den letzten Vorschlag so erfreut,
<lb n="0292.16"/> da&#x00DF; er mit Vergn&#x00FC;gen in das Verlangen des
<lb n="0292.17"/> jungen Menschen willigte. Ehe aber noch et=
<lb n="0292.18"/> was geschlossen wurde, wollte sich dieser gegen
<lb n="0292.19"/> den Zorn seines Vaters in Sicherheit setzen,
<lb n="0292.20"/> und fa&#x00DF;te also, seine Schandthaten auf das
<lb n="0292.21"/> h&#x00F6;chste zu treiben, den entsetzlichen Entschlu&#x00DF;,
<lb n="0292.22"/> ihn umzubringen: Doch als er eben die That
<lb n="0292.23"/> zu begehen kam, fand er, da&#x00DF; ihm Lucas schon
<lb n="0292.24"/> zuvor gekommen war. Er war von eben den
<lb n="0292.25"/> Bewegungsgr&#x00FC;nden getrieben worden, als Leo,
<lb n="0292.26"/> und hatte damit angefangen, da&#x00DF; er die einzige
<lb n="0292.27"/> Hindernisse, die er bey Erlangung seiner Absicht zu
<lb n="0292.28"/> finden glaubte, aus dem Wege r&#x00E4;umte.</p>
<lb n="0292.29" rend="indent"/> <p>Dieser erschreckliche Vatermord brachte in
<lb n="0292.30"/> Aazaz alles in Bewegung. Yukinna mit sei=
<pb n="0293.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-354"/>
<lb n="0293.01"/> nen Leuten, und den zwey Br&#x00FC;dern, welche ei=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0293.02"/> nen starken Anhang hatten, fielen mit dem Se=
<lb n="0293.03"/> bel in der Faust auf diejenigen von den Grie=
<lb n="0293.04"/> chen, die sich den Muselm&#x00E4;nnern zu unterwerf=
<lb n="0293.05"/> fen weigerten. Die Griechen vertheidigten
<lb n="0293.06"/> sich sehr tapfer, und man befand sich in einem
<lb n="0293.07"/> sehr hitzigen Handgemenge, als der Kundschaf=
<lb n="0293.08"/> ter anlangte, dem Theodor, welcher nicht mehr
<lb n="0293.09"/> da war, die falsche Nachricht von der Ankunft der
<lb n="0293.10"/> H&#x00FC;lffsv&#x00F6;lker zu bringen.</p>
<lb n="0293.11" rend="indent"/> <p>Der Kundschafter kehrte auf das schleinig=<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber <hi rend="spaced">machen</hi><lb/>sich Meister<lb/>von Aazaz.</note>
<lb n="0293.12"/> ste zu dem Malek zur&#x00FC;ck, ihm zu sagen, da&#x00DF;
<lb n="0293.13"/> es nunmehr Zeit sey, anzur&#x00FC;cken, und da&#x00DF; er
<lb n="0293.14"/> sich des Platzes gewi&#x00DF; bem&#x00E4;chtigen w&#x00FC;rde,
<lb n="0293.15"/> wenn er geschwind genug w&#x00E4;re, den Yukinna
<lb n="0293.16"/> und seinen Anhang zu unterst&#x00FC;tzen. Malek
<lb n="0293.17"/> brach sogleich mit seinen Leuten auf, und kam
<lb n="0293.18"/> noch zu rechter Zeit an, den Sieg auf die Sei=
<lb n="0293.19"/> te der Muselm&#x00E4;nner zu lenken. Auf diese Art
<lb n="0293.20"/> ward Aazaz erobert. Malek wollte sich bey
<lb n="0293.21"/> dem Yukinna, wegen des gl&#x00FC;cklichen Ausgan=
<lb n="0293.22"/> ges, weitl&#x00E4;ufig bedanken; doch dieser stellte ihm
<lb n="0293.23"/> seinen Anverwandten, den Leon, vor, und sagte
<lb n="0293.24"/> zu dem Anf&#x00FC;hrer, da&#x00DF; man nur ihm die gr&#x00F6;&#x00DF;te
<lb n="0293.25"/> Verbindlichkeit schuldig sey, worauf er alles,
<lb n="0293.26"/> was vorgegangen war, umst&#x00E4;ndlich erzehlte.
<lb n="0293.27"/> Malek konnte anfangs den Eindruck nicht ver=
<lb n="0293.28"/> bergen, welchen ein so h&#x00E4;&#x00DF;liches Bezeigen
<lb n="0293.29"/> zweyer S&#x00F6;hne gegen ihren Vater, bey ihm
<lb n="0293.30"/> machte; doch als er endlich von ihnen selbst
<pb n="0294.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-355"/>
<lb n="0294.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16<lb/>n. C. G. 637.</note>h&#x00F6;rte, da&#x00DF; die Liebe zur mahometanischen Re=
<lb n="0294.02"/> ligion die vornehmste Triebfeder ihrer Auff&#x00FC;h=
<lb n="0294.03"/> rung gewesen sey, so dankte dieser Schw&#x00E4;rmer
<lb n="0294.04"/> dem Himmel daf&#x00FC;r, und schrie in der Hitze
<lb n="0294.05"/> seines Eyfers: <hi rend="bold">Wann Gott will, da&#x00DF; et=
<lb n="0294.06"/> was geschehen soll, so bereitet er selbst
<lb n="0294.07"/> die Mittel dazu</hi>.</p>
<lb n="0294.08" rend="indent"/> <p>Nach der Eroberung von Aazaz wollte Ma=
<lb n="0294.09"/> lek wieder zu der Hauptarmee stossen; er ver=
<lb n="0294.10"/> ordnete also den Said = ebn = Amer zum Be=
<lb n="0294.11"/> fehlshaber dieses Platzes, und gab ihm eine gute
<lb n="0294.12"/> Besatzung zu. Er machte sich hierauf fertig
<lb n="0294.13"/> mit einer grossen Anzahl von Gefangnen und
<lb n="0294.14"/> einer reiche Beute, die er denen, die sich nicht
<lb n="0294.15"/> unterwerffen wollten, abgenommen hatte, fort
<lb n="0294.16"/> zuziehen.</p>
<lb n="0294.17" rend="indent"/> <p>Den Augenblick als er aufbrechen wollte,
<lb n="0294.18"/> fiel etwas vor, welches den Marsch, obgleich
<lb n="0294.19"/> nur auf sehr kurze Zeit, aufhielt. Man war
<lb n="0294.20"/> zu dem Malek gekommen und hatte ihm ge=
<lb n="0294.21"/> meldet, da&#x00DF; man eine grosse Wolke von Staub
<lb n="0294.22"/> aufsteigen sehe, welche die Ankunft einer star=
<lb n="0294.23"/> ken Mannschaft zu verkundigen scheine. Er
<lb n="0294.24"/> glaubte anfangs, da&#x00DF; es vielleicht Trupen w&#x00E4;=
<lb n="0294.25"/> ren, welche der K&#x00E4;yser dem Schlosse zu H&#x00FC;lffe
<lb n="0294.26"/> schicke, und sendete daher, sich davon zu versi=
<lb n="0294.27"/> chern, einige Reuter darnach aus. Diese ka=
<lb n="0294.28"/> men sogleich wieder, und meldeten ihm, da&#x00DF; es
<lb n="0294.29"/> eine Schaar Muselm&#x00E4;nner w&#x00E4;re, welche das
<lb n="0294.30"/> Gebiete von Membege gepl&#x00FC;ndert h&#x00E4;tten, und
<pb n="0295.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-356"/>
<lb n="0295.01"/> mit einer reichen Beute zu der Armee des<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0295.02"/> Obeidah zur&#x00FC;ckkehrten; Alfadi = ebn = Abbas sey
<lb n="0295.03"/> ihr Anf&#x00FC;hrer.</p>
<lb n="0295.04" rend="indent"/> <p>Malek erwartete ihn auf dem Wege, und<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Yukinna</hi><lb/>nimmt sich<lb/>vor, die Chri=<lb/>sten zu ver=<lb/>rathen.</note>
<lb n="0295.05"/> nach abgelegtem Gl&#x00FC;ckwunsche, erzehlte er ihm
<lb n="0295.06"/> alles, was zu Aazaz vorgegangen war, und
<lb n="0295.07"/> schlug ihm endlich vor, zusammen zu dem Obei=
<lb n="0295.08"/> dah zur&#x00FC;ckzukehren. Als es Alfadi verwilligt,
<lb n="0295.09"/> so wollten sie den Yukinna bereden, gleichfalls
<lb n="0295.10"/> diesen Weg mit ihnen zu nehmen; doch dieser
<lb n="0295.11"/> Abtr&#x00FC;nnige, welchen es hefftig verdro&#x00DF;, da&#x00DF;
<lb n="0295.12"/> die Eroberung von Aazaz nicht, wie er gehoft,
<lb n="0295.13"/> so recht zu seiner Ehre ausgeschlagen war, sag=
<lb n="0295.14"/> te zu ihnen, da&#x00DF; er nicht eher zu der Armee der
<lb n="0295.15"/> Muselm&#x00E4;nner zur&#x00FC;ckkehren wolle, als bis er
<lb n="0295.16"/> sich durch eine recht merkw&#x00FC;rdige That w&#x00FC;rde
<lb n="0295.17"/> hervor gethan haben. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; er
<lb n="0295.18"/> in dem Sitze des K&#x00E4;ysers selbst etwas vorzuneh=
<lb n="0295.19"/> men Willens sey; da&#x00DF; er nach Antiochia gehen
<lb n="0295.20"/> wolle, und da&#x00DF; er zu Ausf&#x00FC;hrung seines An=
<lb n="0295.21"/> schlages keine andre H&#x00FC;lffe, als zweyhundert
<lb n="0295.22"/> Abtr&#x00FC;nnige von seiner Bekanntschaft, die er
<lb n="0295.23"/> unter den Truyen des Alfadi bemerkt hatte,
<lb n="0295.24"/> verlange.</p>
<lb n="0295.25" rend="indent"/> <p>Dieser und Malek gingen &#x00FC;ber den Anschlag
<lb n="0295.26"/> des Yukinna zu Rathe, und fanden keine
<lb n="0295.27"/> Schwierigkeit, ihm das, was er w&#x00FC;nschte, zu
<lb n="0295.28"/> verwilligen; der Handel ward also gar bald ge=
<lb n="0295.29"/> schlossen. Sie verliessen ihn mit Anerw&#x00FC;n=
<lb n="0295.30"/> schung eines gl&#x00FC;cklichen Ausganges, und sties=
<lb n="0295.31"/> sen darauf gleich zu dem Obeidah.</p>
<pb n="0296.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-357"/>
<lb n="0296.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note><p rend="indent">Yukinna seines Theils nahm mit seinem Ge=
<lb n="0296.02"/> folge den Weg nach Antiochia. Als er nicht
<lb n="0296.03"/> weit mehr davon entfernt war, hielt er stille,
<lb n="0296.04"/> und &#x00FC;berlegte mit einigen von seinen Freun=
<lb n="0296.05"/> den, auf was Weise sie nunmehr ihren An=
<lb n="0296.06"/> schlag ausf&#x00FC;hren m&#x00FC;&#x00DF;ten. Sie hielten es f&#x00FC;r
<lb n="0296.07"/> dienlich, nicht mit allen ihren Gefehrten nach
<lb n="0296.08"/> Antiochia zu kommen, sondern Yukinna befahl
<lb n="0296.09"/> den zwey hundert Abtr&#x00FC;nnigen, immer auf der
<lb n="0296.10"/> Heerstrasse, welche die Karavannen zu ziehen
<lb n="0296.11"/> pflegten, voraus zu gehen, und wenn sie nach
<lb n="0296.12"/> Antiochia k&#x00E4;men, sich f&#x00FC;r fl&#x00FC;chtige Christen
<lb n="0296.13"/> auszugeben, welche die Muselm&#x00E4;nner ver=
<lb n="0296.14"/> folgten.</p>
<lb n="0296.15"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Yukinna<lb/>wird</hi> ange=<lb/>halten, <hi rend="spaced">und</hi><lb/>zu dem K&#x00E4;y=<lb/>ser gef&#x00FC;hrt.</note><p rend="indent">Er selbst nahm mit vier Freunden einen
<lb n="0296.16"/> Nebenweg, und reisete lange Zeit, ohne einige
<lb n="0296.17"/> Hinderung anzutreffen; endlich aber wurden
<lb n="0296.18"/> diese f&#x00FC;nf Ritter von einigen kayserlichen Tru=
<lb n="0296.19"/> pen bemerkt, von ihnen angehalten, und befragt,
<lb n="0296.20"/> wer sie w&#x00E4;ren. Nachdem sie Yukinna als den
<lb n="0296.21"/> alten Befehlshaber von Aleppo entdeckt, so be=
<lb n="0296.22"/> m&#x00E4;chtigte man sich seiner und seiner Freunde,
<lb n="0296.23"/> und schickte sie unter einer guten Bedeckung
<lb n="0296.24"/> von Reutern nach Antiochia.</p>
<lb n="0296.25"/> <note type="marginalie" place="links">Er k&#x00F6;mmt<lb/><hi rend="spaced">bey dem</hi><lb/>K&#x00E4;yser wie=<lb/>der in Gna=<lb/>den.</note><p rend="indent">Weil man an dem Hofe meistentheils al=
<lb n="0296.26"/> les wu&#x00DF;te, was dem Yukinna begegnet war, so
<lb n="0296.27"/> wollte ihn der Kayser sehen: So bald er ihn er=
<lb n="0296.28"/> blickte, konnte er sich nicht enthalten, die Unruhe
<lb n="0296.29"/> auf eine r&#x00FC;hrende Art an den Tag zu legen,
<lb n="0296.30"/> welche ihm seine Ver&#x00E4;nderung der Religion ver=
<pb n="0297.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-358"/>
<lb n="0297.01"/> ursachte: doch Yukinna, welcher viel Geist und<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0297.02"/> noch mehr Verschlagenheit und Untreue besa&#x00DF;,
<lb n="0297.03"/> sprach mit dem Kayser auf eine so verf&#x00FC;hrerische
<lb n="0297.04"/> Art, da&#x00DF; er ihn g&#x00E4;nzlich f&#x00FC;r sich einnahm. Er
<lb n="0297.05"/> sagte zu dem Heraclius, da&#x00DF; man nicht nach
<lb n="0297.06"/> dem Scheine urtheilen m&#x00FC;ste, ja da&#x00DF;, wenn
<lb n="0297.07"/> man sich auch an den Schein halten wolle, er
<lb n="0297.08"/> v&#x00F6;llig f&#x00FC;r ihn seyn werde; er wolle keinen an=
<lb n="0297.09"/> dern Beweis anf&#x00FC;hren, als die Art, womit er
<lb n="0297.10"/> die Belagerung des Schlosses von Aleppo aus=
<lb n="0297.11"/> gehalten, und die Standhaftigkeit, mit welcher
<lb n="0297.12"/> er sich allezeit dem Entschlusse der Einwohner,
<lb n="0297.13"/> den Mahometanern zinsbar zu werden, wider=
<lb n="0297.14"/> setzt habe. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; er freylich der
<lb n="0297.15"/> Gewalt habe weichen m&#x00FC;ssen, und da&#x00DF; die Ver=
<lb n="0297.16"/> &#x00E4;nderung, die man ihm vorwerffe, eine Folge
<lb n="0297.17"/> von dieser Gewalt sey; da&#x00DF; es ihm niemals ein
<lb n="0297.18"/> Ernst gewesen w&#x00E4;re, die mahometanische Reli=
<lb n="0297.19"/> gion anzunehmen, und da&#x00DF; er durch diese Ver=
<lb n="0297.20"/> stellung blo&#x00DF; ein Leben zu erhalten gesucht ha=
<lb n="0297.21"/> be, welches er, die christliche Religion zu ver=
<lb n="0297.22"/> theidigen, und dem K&#x00E4;yser minder zweydeutige
<lb n="0297.23"/> Beweise seines Eyfers und seiner Treue zu ge=
<lb n="0297.24"/> ben, aufopfern wolle.</p>
<lb n="0297.25" rend="indent"/> <p>Der K&#x00E4;yser ward durch die Rede des Yu=
<lb n="0297.26"/> kinna so ger&#x00FC;hrt, da&#x00DF; er ihm weiter keine Vor=
<lb n="0297.27"/> w&#x00FC;rffe zu machen wagte; er nahm ihn viel=
<lb n="0297.28"/> mehr an seinen Hof, und gab ihm gar bald
<lb n="0297.29"/> Merkmahle eines ganz besondern Zutrauens.
<lb n="0297.30"/> Er wollte ihm so gar ein kleines Heer geben,
<pb n="0298.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-359"/>
<lb n="0298.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Om{??}ar</hi><lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>welches unter ihm streiten sollte, und fing damit
<lb n="0298.02"/> an, da&#x00DF; er ihn den zweyhundert Abtr&#x00FC;nnigen,
<lb n="0298.03"/> die vor kurzen angelangt waren, und sich, so
<lb n="0298.04"/> wie ihnen Yukinna befohlen, f&#x00FC;r fl&#x00FC;chtige Chri=
<lb n="0298.05"/> sten, welche unter den k&#x00E4;yserlichen Trupen
<lb n="0298.06"/> Dienste nehmen wollten, ausgegeben hatten,
<lb n="0298.07"/> als Anf&#x00FC;hrer vorsetzte.</p>
<lb n="0298.08"/> <note type="marginalie" place="links">Der K&#x00E4;y=<lb/>ser tr&#x00E4;gt ihm<lb/><hi rend="spaced">die Bede=<lb/>ckung sei=<lb/>ner</hi> Tochter<lb/>auf.</note><p rend="indent">Es w&#x00E4;hrte nicht lange, so ward Yukinna
<lb n="0298.09"/> auch gebraucht. Die j&#x00FC;ngste Tochter des He=
<lb n="0298.10"/> raclius war Willens, nach Antiochia zu dem
<lb n="0298.11"/> Kayser ihren Vater zu kommen, und lie&#x00DF; ihn
<lb n="0298.12"/> also um eine Bedeckung ersuchen. Heraclius
<lb n="0298.13"/> glaubte nicht, da&#x00DF; er das, was ihm das liebste
<lb n="0298.14"/> sey, bessern H&#x00E4;nden anvertrauen k&#x00F6;nnen, als
<lb n="0298.15"/> den H&#x00E4;nden des Yukinna; er ward daher beor=
<lb n="0298.16"/> dert, und brach mit seinen Leuten sogleich auf,
<lb n="0298.17"/> die Prince&#x00DF;in abzuhohlen, und nach Antiochia
<lb n="0298.18"/> zu bringen.</p>
<lb n="0298.19" rend="indent"/> <p>Er f&#x00FC;hrte diese aufgetragene Verrichtung
<lb n="0298.20"/> mit ziemlicher Treue aus. Gleichwohl aber fiel
<lb n="0298.21"/> unter Wegens etwas vor, welches seine sch&#x00E4;nd=
<lb n="0298.22"/> liche Verr&#x00E4;therey h&#x00E4;tte entdecken k&#x00F6;nnen, wann
<lb n="0298.23"/> blo&#x00DF; die zwey hundert Abtr&#x00FC;nnige, die von sei=
<lb n="0298.24"/> ner Rotte waren, die Bedeckung ausgemacht
<lb n="0298.25"/> h&#x00E4;tten; doch es befanden sich weit mehr christ=
<lb n="0298.26"/> liche Soldaten und getreue Anf&#x00FC;hrer dabey,
<lb n="0298.27"/> die ihn auf diesem Marsche nicht wenig zur&#x00FC;ck
<lb n="0298.28"/> hielten.</p>
<lb n="0298.29" rend="indent"/> <p>Als die Prinze&#x00DF;in unter Wegens eine Nacht
<lb n="0298.30"/> &#x00FC;ber stille halten lie&#x00DF;, damit sich ihre Bedeckung
<pb n="0299.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-360"/>
<lb n="0299.01"/> ein wenig erhohlen k&#x00F6;nne, so liessen die Wachen,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0299.02"/> welche Yukinna in der umliegenden Gegend
<lb n="0299.03"/> ausgestellet hatte, ihm melden, da&#x00DF; sich nicht
<lb n="0299.04"/> weit davon einige mahometanische Trupen be=
<lb n="0299.05"/> f&#x00E4;nden, welche wenig auf ihrer Hut w&#x00E4;ren, so
<lb n="0299.06"/> da&#x00DF; sie so gar ihre Pferde verlassen h&#x00E4;tten, und
<lb n="0299.07"/> auf den Wiesen weiden liessen.</p>
<lb n="0299.08" rend="indent"/> <p>Die Officire, welche mit dem Yukinna wa=
<lb n="0299.09"/> ren, hielten daf&#x00FC;r, da&#x00DF; man sich diese Gelegen=
<lb n="0299.10"/> heit zu Nutze machen m&#x00FC;sse; sie riethen ihm
<lb n="0299.11"/> daher, die Prinze&#x00DF;in unter einem Theile der Be=
<lb n="0299.12"/> deckung in Sicherheit bringen zu lassen, und
<lb n="0299.13"/> mit dem &#x00FC;brigen Theile auf die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0299.14"/> zu fallen, mit welchen man, der erhaltenen
<lb n="0299.15"/> Nachricht zu folge, bald fertig werden k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0299.16" rend="indent"/> <p>Yukinna wollte sich anfangs diesem An=
<lb n="0299.17"/> schlage widersetzen; als er aber sahe, da&#x00DF; man
<lb n="0299.18"/> seine angef&#x00FC;hrte Gr&#x00FC;nde verwarf, so war er der
<lb n="0299.19"/> erste, welcher seine Leute aufmunterte, und zum
<lb n="0299.20"/> Angriffe alles bereit machte. Damit er aber
<lb n="0299.21"/> doch den Muselm&#x00E4;nnern alle Dienste leisten m&#x00F6;=
<lb n="0299.22"/> ge, die bey diesen Umst&#x00E4;nden in seinem Verm&#x00F6;=
<lb n="0299.23"/> gen st&#x00FC;nden, so befahl er, wann es m&#x00F6;glich sey,
<lb n="0299.24"/> nicht einen einzigen von ihnen zu t&#x00F6;dten. Er
<lb n="0299.25"/> gebot, da&#x00DF; man sich blo&#x00DF; bem&#x00FC;hen solle, sie zu
<lb n="0299.26"/> umringen und gefangen zu nehmen, damit man
<lb n="0299.27"/> sie hernach, wie er sagte, mit christlichen Ge=
<lb n="0299.28"/> fangenen auswechseln k&#x00F6;nne. Diese Ursache
<lb n="0299.29"/> bewog die k&#x00E4;yserlichen Officier seiner Meynung
<lb n="0299.30"/> beyzutreten.</p>
<pb n="0300.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-361"/>
<lb n="0300.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note><p rend="indent">Doch alle diese Vorsicht ward durch die
<lb n="0300.02"/> Entdeckung, die man eben, als der Angriff ge=
<lb n="0300.03"/> schehen sollte, machte, unn&#x00FC;tze. Yukinna hat=
<lb n="0300.04"/> te einige von seinen Leuten ausgeschickt, die
<lb n="0300.05"/> Stellung des Feindes nochmals auszukund=
<lb n="0300.06"/> schaften, und diese kamen mit der Nachricht zu=
<lb n="0300.07"/> r&#x00FC;ck, da&#x00DF; es ein Hauffe arabischer Christen
<lb n="0300.08"/> w&#x00E4;re. Da diese Nachricht gar bald best&#x00E4;rkt
<lb n="0300.09"/> wurde, so dachte man weiter an kein Schlagen;
<lb n="0300.10"/> man sprach mit ihnen, und w&#x00FC;nschte sich un=
<lb n="0300.11"/> tereinander wegen dieser gl&#x00FC;cklichen Begegnung
<lb n="0300.12"/> Gl&#x00FC;ck.</p>
<lb n="0300.13" rend="indent"/> <p>Diese Trupen, wider welche man sich fer=
<lb n="0300.14"/> tig gehalten hatte, waren schon vor einiger Zeit
<lb n="0300.15"/> aus Antiochia ger&#x00FC;ckt, das Land zu durchstreif=
<lb n="0300.16"/> fen. Jhr Anf&#x00FC;hrer war Haim, ein Sohn des
<lb n="0300.17"/> Giabalah, welcher in k&#x00E4;yserlichen Diensten
<lb n="0300.18"/> war, seit dem sich sein Vater mit dem Omar,
<lb n="0300.19"/> wie ich oben erzehlt habe, &#x00FC;berworffen hatte.
<lb n="0300.20"/> Haim wollte eben nach Antiochia zur&#x00FC;ckkehren,
<lb n="0300.21"/> nachdem er mit einer Mannschaft zusammen
<lb n="0300.22"/> gekommen war, welche Obeidah, den mitter=
<lb n="0300.23"/> n&#x00E4;chtlichen Theil Syriens zu verw&#x00FC;sten, aus=
<lb n="0300.24"/> geschickt hatte. Die Muselm&#x00E4;nner waren ge=
<lb n="0300.25"/> schlagen worden, und Haim brachte eine be=
<lb n="0300.26"/> tr&#x00E4;chtliche Beute und sehr viel Gefangene mit
<lb n="0300.27"/> sich, unter welchen sich auch der beruffene De=
<lb n="0300.28"/> rar befand, den er dem K&#x00E4;yser als einen Raub
<lb n="0300.29"/> vorstellen wollte, welcher alleine einen Sieg
<lb n="0300.30"/> werth sey.</p>
<pb n="0301.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-362"/>
<lb n="0301.01" rend="indent"/> <p>Dem Yukinna ging der Verlust, welchen die<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0301.02"/> Muselm&#x00E4;nner erlitten hatten, sehr nahe; un=
<lb n="0301.03"/> terdessen hatte er doch die Geschicklichkeit sich zu
<lb n="0301.04"/> verstellen, und war sogar einer, welcher sich
<lb n="0301.05"/> am eyfrigsten bezeigte, dem Haim wegen sei=
<lb n="0301.06"/> nes Sieges Gl&#x00FC;ck zu w&#x00FC;nschen. Sie zogen
<lb n="0301.07"/> bald darauf mit ihrem ganzen Gefolge wieder
<lb n="0301.08"/> fort, und kamen mit einander nach Antiochia.</p>
<lb n="0301.09" rend="indent"/> <p>Die gl&#x00FC;ckliche Ankunft der Prinze&#x00DF;in verur=
<lb n="0301.10"/> sachte dem K&#x00E4;yser sehr viel Freude. Das Ver=
<lb n="0301.11"/> gn&#x00FC;gen breitete sich in der ganzen Stadt aus,
<lb n="0301.12"/> und man wollte sogar aus dieser Begebenheit
<lb n="0301.13"/> eine gl&#x00FC;ckliche Vorbedeutung ziehen, weil die
<lb n="0301.14"/> Prinze&#x00DF;in unter Begleitung des Sieges ange=
<lb n="0301.15"/> kommen sey.</p>
<lb n="0301.16" rend="indent"/> <p>Heraclius empfing den Haim, so wie es<note type="marginalie" place="rechts">Der K&#x00E4;y=<lb/>ser unterh&#x00E4;lt<lb/>sich mit den<lb/>arabischen<lb/>Gefangenen.</note>
<lb n="0301.17"/> sein gehabtes Gl&#x00FC;ck verdiente; er lobte seine
<lb n="0301.18"/> Tapferkeit und Unerschrockenheit, und als ihm
<lb n="0301.19"/> Haim den Derar vorstellte, so empfing diesen
<lb n="0301.20"/> der K&#x00E4;yser mit vieler Achtung, und bezeigte sich
<lb n="0301.21"/> auch sogar gegen die andern Muselm&#x00E4;nner, die
<lb n="0301.22"/> mit ihm waren gefangen genommen worden,
<lb n="0301.23"/> sehr gn&#x00E4;dig. Er unterhielt sich lange Zeit mit
<lb n="0301.24"/> ihnen, ihres Propheten Mahomets, seiner Re=
<lb n="0301.25"/> ligion und seiner Wunder wegen; er sprach her=
<lb n="0301.26"/> nach mit ihnen von dem Omar ins besondere,
<lb n="0301.27"/> und that verschiedene Fragen, wegen seines Pri=
<lb n="0301.28"/> vatlebens an sie.</p>
<lb n="0301.29" rend="indent"/> <p>Von dieser Unterredung nach dem zu ur=
<lb n="0301.30"/> theilen, was Alvakedi davon erzehlt, so war in
<pb n="0302.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-363"/>
<lb n="0302.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>den Fragen eben so wenig Geschmack und ge=
<lb n="0302.02"/> sunder Verstand, als in den Antworten. (<ref rend="footnote" n="302*"><hi rend="super">*</hi></ref>)
<lb n="0302.03"/> <note type="footnote" n="302*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Hier ist ein kurzer Begrif von der Unterre=
<lb n="0302.04" rend="indent"/> dung, welche Heraclius mit den gefangenen
<lb n="0302.05" rend="indent"/> Muselm&#x00E4;nnern hatte. Der Kayser fragte ei=
<lb n="0302.06" rend="indent"/> nen von ihnen, auf was Weise Mahomet
<lb n="0302.07" rend="indent"/> die Eingebung empfangen habe: man ant=
<lb n="0302.08" rend="indent"/> wortete ihm, da&#x00DF; sie oft dem Schalle einer
<lb n="0302.09" rend="indent"/> Glocke gleich gewesen w&#x00E4;re, oft aber sich mit
<lb n="0302.10" rend="indent"/> einem etwas st&#x00E4;rkern und hellern Klange ha=
<lb n="0302.11" rend="indent"/> be h&#x00F6;ren lassen. Als sich der Kayser nach
<lb n="0302.12" rend="indent"/> den Wundern, die Mahomet gethan habe,
<lb n="0302.13" rend="indent"/> erkundigte, so sagte man ihm, der Prophet
<lb n="0302.14" rend="indent"/> habe einem sehr grossen Baume befohlen, f&#x00FC;r
<lb n="0302.15" rend="indent"/> seine Lehre ein Zeugni&#x00DF; abzulegen; der Baum
<lb n="0302.16" rend="indent"/> habe sich hierauf mit seinen Wurzeln aus der
<lb n="0302.17" rend="indent"/> Erde gerissen, und dreymal zu ihm gesagt:
<lb n="0302.18" rend="indent"/> <hi rend="bold">Du bist der Gesandte Gottes</hi>. Heraclius
<lb n="0302.19" rend="indent"/> erkundigte sich ferner, ob es wahr sey, das
<lb n="0302.20" rend="indent"/> den Muselm&#x00E4;nnern das Gute nach dem Ver=
<lb n="0302.21" rend="indent"/> h&#x00E4;ltnisse wie zehne zu eins vergolten, da&#x00DF;
<lb n="0302.22" rend="indent"/> B&#x00F6;se aber wie eins zu eins bestraft werden
<lb n="0302.23" rend="indent"/> solle; man sagte ihm, da&#x00DF; es allerdings also
<lb n="0302.24" rend="indent"/> sey. Der Kayser fragte auch verschiednes
<lb n="0302.25" rend="indent"/> wegen der Reise, welche Mahomet in den
<lb n="0302.26" rend="indent"/> Himmel gethan, wegen der Unterredung, die
<lb n="0302.27" rend="indent"/> er mit Gott gehabt, und andere solche nichts=
<lb n="0302.28" rend="indent"/> w&#x00FC;rdige Dinge. Diese Unterredung schlo&#x00DF; sich
<lb n="0302.29" rend="indent"/> auf die allerl&#x00E4;cherlichste Art. Ein Bischof,
<lb n="0302.30" rend="indent"/> welcher zugegen war, widersprach dem De=
<lb n="0302.31" rend="indent"/> rar; dieser strafte ihn L&#x00FC;gen; die Scheltworte
<lb n="0302.32" rend="indent"/> wurden auf beyden Theilen fortgesetzt, und
<lb n="0302.33" rend="indent"/> endlich kam es zu einer Schl&#x00E4;gerey. Alles
<lb n="0302.34" rend="indent"/> dieses ging in Gegenwart des Kaysers vor,
<lb n="0302.35" rend="indent"/> und zu der Zeit, als sich der Feind eines Po=
<lb n="0302.36" rend="indent"/> sten bem&#x00E4;chtigte, der ihn den Weg nach An=
<lb n="0302.37" rend="indent"/> tiochia &#x00F6;ffnete.</p></note>
<pb n="0303.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-364"/>
<lb n="0303.01"/> Uebrigens konnte nichts so sehr zur Unzeit seyn,<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0303.02"/> als eine solche Unterredung, besonders da man
<lb n="0303.03"/> alle Tage die Ankunft des Feindes bef&#x00FC;rchten
<lb n="0303.04"/> muste.</p>
<lb n="0303.05" rend="indent"/> <p>Eben als Heraclius seine Zeit mit Anh&#x00F6;=<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber bem&#x00E4;ch=<lb/>tigen sich ei=<lb/>nes wichti=<lb/>gen Postens.</note>
<lb n="0303.06"/> rung der mahometanischen Tr&#x00E4;ume zubrachte,
<lb n="0303.07"/> kam die Nachricht, da&#x00DF; die Muselm&#x00E4;nner sich
<lb n="0303.08"/> eines sehr wichtigen Postens, welchen man die
<lb n="0303.09"/> eiserne Br&#x00FC;cke nennte, bem&#x00E4;chtiget h&#x00E4;tten, so
<lb n="0303.10"/> da&#x00DF; sie nun nichts mehr aufhalten k&#x00F6;nne, gra=
<lb n="0303.11"/> den Weges vor Antiochia zu r&#x00FC;cken. Die gan=
<lb n="0303.12"/> ze H&#x00FC;lffe des K&#x00E4;ysers bestand damals in weiter
<lb n="0303.13"/> nichts, als in der Armee, welche er bey sich
<lb n="0303.14"/> hatte. Nun war sie zwar sehr sch&#x00F6;ne, zahl=
<lb n="0303.15"/> reich und im Stande, dem Feinde die Spitze
<lb n="0303.16"/> zu bieten; we&#x00DF;wegen man auch beschlo&#x00DF;, auf
<lb n="0303.17"/> das eheste eine Schlacht zu wagen, von wel=
<lb n="0303.18"/> cher das Schicksal Antiochiens abhangen m&#x00FC;sse.</p>
<lb n="0303.19" rend="indent"/> <p>Jndem man sich also gefa&#x00DF;t machte, das<note type="marginalie" place="rechts">Giabalah<lb/>giebt den An=<lb/>schlag, <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Califen <hi rend="spaced">er=<lb/>morden</hi> zu<lb/>lassen.</note>
<lb n="0303.20"/> letzte Mittel zu ergreiffen, um eine von den vor=
<lb n="0303.21"/> nehmsten St&#x00E4;dten Syriens zu retten, kam Gia=
<lb n="0303.22"/> balah zu dem K&#x00E4;yser, ihm einen Vorschlag zu
<lb n="0303.23"/> thun, welcher nicht allein, nach seiner Mei=
<lb n="0303.24"/> nung, Antiochia retten, sondern es auch sehr
<lb n="0303.25"/> leicht machen w&#x00FC;rde, den Muselm&#x00E4;nnern alles,
<lb n="0303.26"/> was man bisher verlohren habe, wieder abzu=
<lb n="0303.27"/> nehmen. Sein Entwurff war dieser, die Mu=
<lb n="0303.28"/> selm&#x00E4;nner so lange in Furcht zu halten, bis man
<lb n="0303.29"/> einen Mann, auf den man sich verlassen k&#x00F6;nne,
<lb n="0303.30"/> nach Medina abgeschickt habe, welcher den Ca=
<pb n="0304.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-365"/>
<lb n="0304.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>lifen ermorden solle. Giabalah behauptete,
<lb n="0304.02"/> da&#x00DF; der Tod dieses Regenten ohnfehlbar den
<lb n="0304.03"/> ganzen Staat trennen und in Unruhe setzen
<lb n="0304.04"/> m&#x00FC;sse, so da&#x00DF; man w&#x00FC;rde gen&#x00F6;thiget seyn, die
<lb n="0304.05"/> auswerts zerstreueten Trupen in den Mittel=
<lb n="0304.06"/> punct des Reichs zur&#x00FC;ck zu ziehen, und den
<lb n="0304.07"/> Griechen Zeit zu lassen, ihre Sachen wieder in
<lb n="0304.08"/> guten Stand zu setzen, ehe der Feind wieder
<lb n="0304.09"/> ins Feld r&#x00FC;cken k&#x00F6;nne. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF;
<lb n="0304.10"/> er einen Mann habe, welcher zu diesem Unter=
<lb n="0304.11"/> nehmen v&#x00F6;llig bereit sey, und den Augenblick
<lb n="0304.12"/> abreisen wolle, wenn es der K&#x00E4;yser erlaube.</p>
<lb n="0304.13" rend="indent"/> <p>Der K&#x00E4;yser hatte die Schwachheit, in die=
<lb n="0304.14"/> sen niedertr&#x00E4;chtigen Anschlag zu willigen, und
<lb n="0304.15"/> sogleich ward Vathek=eben=Mossafer, welcher
<lb n="0304.16"/> des Giabalah Vertrauter war, eiligst nach Me=
<lb n="0304.17"/> dina geschickt, um die gelegene Zeit abzupassen,
<lb n="0304.18"/> den Califen aus dem Wege zu r&#x00E4;umen.</p>
<lb n="0304.19" rend="indent"/> <p>Dieser Anschlag gelang nicht, und zwar,
<lb n="0304.20"/> wie Alvakedi meldet, durch ein Wunderwerk.
<lb n="0304.21"/> Vathek wuste, da&#x00DF; der Calif gemeiniglich nach
<lb n="0304.22"/> dem Morgengebete auszugehen pflege, und da&#x00DF;
<lb n="0304.23"/> er ganz allein ausser der Stadt spatzieren gehe;
<lb n="0304.24"/> er erwartete ihn also an dem Orte, wo er sei=
<lb n="0304.25"/> nen Spatziergang zu thun gewohnt war, und
<lb n="0304.26"/> damit er nicht m&#x00F6;ge gemerkt werden, so stieg
<lb n="0304.27"/> er auf einen sehr dichten Baum, und verbarg
<lb n="0304.28"/> sich zwischen den Aesten.</p>
<lb n="0304.29"/> <note type="marginalie" place="links">Der M&#x00F6;r=<lb/>der verfehlt<lb/>die Gelegen=</note><p rend="indent">Bald darauf sahe er den Califen ankom=
<lb n="0304.30"/> men, welcher eine Zeitlang auf und nieder ging,
<pb n="0305.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-366"/>
<lb n="0305.01"/> sich endlich nicht weit von diesem Baume auf<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0305.02"/> die Erde legte, und einschlief. Vathek wollte
<lb n="0305.03"/> sich sogleich eine so sch&#x00F6;ne Gelegenheit zu Nutze
<lb n="0305.04"/> machen, doch eben als er herab stieg, ward er<note type="marginalie" place="rechts">heit, den O=<lb/>mar zu t&#x00F6;d=<lb/>ten.</note>
<lb n="0305.05"/> einen L&#x00F6;wen gewahr. Er erstaunte &#x00FC;ber diesen
<lb n="0305.06"/> Anblick, stieg auf das schleinigste wieder hin=
<lb n="0305.07"/> auf, um den Ausgang mit anzusehen.</p>
<lb n="0305.08" rend="indent"/> <p>Er erstaunte nicht wenig, als er dieses wil=
<lb n="0305.09"/> de Thier ganz ruhig um den Califen herum ge=
<lb n="0305.10"/> hen sahe, gleich als ob es ihn bewache; es leckte
<lb n="0305.11"/> ihm sogar die Beine, und entfernte sich nicht
<lb n="0305.12"/> eher, als bis der Calif wieder aufgewacht war.
<lb n="0305.13"/> Vathek ward von der Ehrerbietigkeit gegen einen
<lb n="0305.14"/> Regenten, welchen der Himmel, auf eine so of=
<lb n="0305.15"/> fenbare Art, besch&#x00FC;tzte, durchdrungen, stieg
<lb n="0305.16"/> schleinig herab, und warff sich zu den F&#x00FC;ssen
<lb n="0305.17"/> des Califen. Er entdeckte ihm das h&#x00E4;&#x00DF;liche
<lb n="0305.18"/> Unternehmen, das man ihm aufgetragen, be=
<lb n="0305.19"/> zeigte seine Reue, bat um Gnade, und versi=
<lb n="0305.20"/> cherte, da&#x00DF; er den Augenblick ein Muselmann
<lb n="0305.21"/> werden wolle. Auf diese Art ward Omar,
<lb n="0305.22"/> nach der Erzehlung des arabischen Geschicht=
<lb n="0305.23"/> schreibers, von dem Ungl&#x00FC;cke, welches ihm die
<lb n="0305.24"/> verr&#x00E4;therischen Griechen gedroht hatten, be=
<lb n="0305.25"/> freyet.</p>
<lb n="0305.26" rend="indent"/> <p>Unterdessen da man versucht hatte, den Ca=
<lb n="0305.27"/> lifen aus dem Wege zu r&#x00E4;umen, hatte man,
<lb n="0305.28"/> dem Rathe des Giabalah gem&#x00E4;&#x00DF;, die Sachen
<lb n="0305.29"/> in die L&#x00E4;nge verschoben, und alle m&#x00F6;gliche
<lb n="0305.30"/> Maa&#x00DF;regeln ergriffen, die Schlacht auszuschla=
<pb n="0306.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-367"/>
<lb n="0306.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>gen. Doch als Obeidah endlich mit allen sei=
<lb n="0306.02"/> nen Trupen vor Antiochia angelangt war, so
<lb n="0306.03"/> erschienen die Griechen gleichfalls, und die bey=
<lb n="0306.04"/> den Heere stellten sich einander gegen&#x00FC;ber in
<lb n="0306.05"/> Schlachtordnung.</p>
<lb n="0306.06"/> <note type="marginalie" place="links">Zweykampf<lb/>zwischen dem<lb/>Nestorius u.<lb/><hi rend="spaced">verschiede=</hi><lb/>nen Arabern.</note><p rend="indent">Nachdem die christliche Armee dem Feinde
<lb n="0306.07"/> n&#x00E4;her ger&#x00FC;ckt war, trat der Feldherr aus den
<lb n="0306.08"/> Gliedern, und bot demjenigen von den Musel=
<lb n="0306.09"/> m&#x00E4;nnern einen Zweykampf an, welcher ihn an=
<lb n="0306.10"/> nehmen wollte. Dieser Anf&#x00FC;hrer, welchen die
<lb n="0306.11"/> Geschichtschreiber Nestorius nennen, verband
<lb n="0306.12"/> mit einer sehr vortheilhaften &#x00E4;usserlichen Ge=
<lb n="0306.13"/> stalt, eine nicht gemeine Unerschrockenheit und
<lb n="0306.14"/> Tapferkeit. Seine Gesichtsbildung k&#x00FC;ndigte
<lb n="0306.15"/> von selbst seine grosse Eigenschaften an; so da&#x00DF;
<lb n="0306.16"/> man ihm keinen Gegner geben durfte, auf den
<lb n="0306.17"/> man sich nicht verlassen konnte. Dames, die=
<lb n="0306.18"/> ser tapfre Soldate, welcher sich bey der Ein=
<lb n="0306.19"/> nahme des Schlosses von Aleppo so sehr hervor=
<lb n="0306.20"/> gethan hatte, und nunmehr h&#x00F6;her gestiegen
<lb n="0306.21"/> war, bat, da&#x00DF; er den Zweykampf des christli=
<lb n="0306.22"/> chen Feldherrn annehmen d&#x00FC;rffe, und erhielt
<lb n="0306.23"/> die Erlaubni&#x00DF;.</p>
<lb n="0306.24"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Dames<lb/>wird zum</hi><lb/>Gefangenen<lb/>gemacht.</note><p rend="indent">Die zwey Ritter kamen auf einander los,
<lb n="0306.25"/> und schlugen sich lange Zeit mit solcher St&#x00E4;rke
<lb n="0306.26"/> und Geschicklichkeit herum, da&#x00DF; man nicht vor=
<lb n="0306.27"/> aussehen konnte, auf welche Seite sich der
<lb n="0306.28"/> Sieg lenken w&#x00FC;rde. Doch eben da sie am hi=
<lb n="0306.29"/> tzigsten waren, stolperte das Pferd des Dames,
<lb n="0306.30"/> und Nestorius machte sich diesen Augenblick mit
<pb n="0307.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-368"/>
<lb n="0307.01"/> solcher Schnelligkeit zu Nutze, da&#x00DF; er sich sei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0307.02"/> nes Gegners bem&#x00E4;chtigte und ihn zum Gefang=
<lb n="0307.03"/> nen machte. Er f&#x00FC;hrte ihn selbst in das Lager,
<lb n="0307.04"/> und befahl seinen Leuten, ihn in seinem Zelte
<lb n="0307.05"/> zu binden.</p>
<lb n="0307.06" rend="indent"/> <p>Nestorius erschien hierauf wieder, und
<lb n="0307.07"/> schlug dem Feinde einen zweyten Zweykampf
<lb n="0307.08"/> vor, welcher von einem Muselmanne, Namens
<lb n="0307.09"/> Dehak, der unter den Arabern in grossem An=
<lb n="0307.10"/> sehen stand, angenommen wurde. Er behaup=
<lb n="0307.11"/> tete seinen Ruhm bey dieser Gelegenheit vor=
<lb n="0307.12"/> treflich: er trug zwar keinen Vortheil &#x00FC;ber
<lb n="0307.13"/> den Nestorius davon; allein auch das war schon
<lb n="0307.14"/> genug, da&#x00DF; er sich gegen einen so f&#x00FC;rchterlichen
<lb n="0307.15"/> Feind erhalten konnte. Dieser Kampf w&#x00E4;hrte
<lb n="0307.16"/> ausserordentlich lange, und endlich wurden bey=
<lb n="0307.17"/> de Ritter, weil sie gleich entkr&#x00E4;ftet waren, eins,
<lb n="0307.18"/> sich beyderseits zur&#x00FC;ck zu ziehen.</p>
<lb n="0307.19" rend="indent"/> <p>Diese Art eines Turniers, war f&#x00FC;r beyde
<lb n="0307.20"/> Armeen ein sehr anz&#x00FC;glicher Anblick gewesen,
<lb n="0307.21"/> und hatte bey den Christen einige Unordnung
<lb n="0307.22"/> verursacht. Die meisten verliessen ihre Glie=
<lb n="0307.23"/> der, um dem Kampfe desto besser zusehen zu
<lb n="0307.24"/> k&#x00F6;nnen. Die Bewegungen, welche ein jeder
<lb n="0307.25"/> n&#x00E4;her zu kommen machte, theilten sich weiter
<lb n="0307.26"/> und weiter mit, so da&#x00DF; das Zelt, in welchem
<lb n="0307.27"/> Dames bewacht wurde, gar bald umgeschmis=
<lb n="0307.28"/> sen ward. Die Neugierde war Ursache gewe=
<lb n="0307.29"/> sen, da&#x00DF; die Bedienten des Feldherrn das Zelt
<lb n="0307.30"/> verlassen hatten, und nicht mehr als deren drey
<pb n="0308.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-369"/>
<lb n="0308.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>zugegen waren, welche auf den Dames Acht
<lb n="0308.02"/> gaben; doch auch diese drey waren hinl&#x00E4;nglich,
<lb n="0308.03"/> weil man die Vorsicht gebraucht hatte, den
<lb n="0308.04"/> Dames zu binden.</p>
<lb n="0308.05"/> <note type="marginalie" place="links">Er setzt sich<lb/>in Freyheit.</note><p rend="indent">Die Bedienten konnten das Zelt des Feld=
<lb n="0308.06"/> herrn nicht sogleich wieder aufrichten, als sie
<lb n="0308.07"/> gerne wollten, weil sie sich f&#x00FC;r der Strafe f&#x00FC;rch=
<lb n="0308.08"/> teten, da&#x00DF; sie dieser Unordnung nicht vorgebeugt
<lb n="0308.09"/> h&#x00E4;tten; sie thaten also dem Dames den Vor=
<lb n="0308.10"/> schlag, ihnen zu helffen. Er schien ihnen mit
<lb n="0308.11"/> Vergn&#x00FC;gen willfahren zu wollen, und sogleich
<lb n="0308.12"/> banden sie ihn los. Kaum aber sahe er sich in
<lb n="0308.13"/> Freyheit, als er seine erstaunliche St&#x00E4;rke ge=
<lb n="0308.14"/> gen diese ungl&#x00FC;cklichen Bedienten anwendete,
<lb n="0308.15"/> und alle drey ermordete: er nahm hierauf ein
<lb n="0308.16"/> griechisches Kleid von den Kleidern des Nesto=
<lb n="0308.17"/> rius, stieg auf eines von den Pferden dieses
<lb n="0308.18"/> Feldherrn, und flohe zu den Muselm&#x00E4;nnern.</p>
<lb n="0308.19" rend="indent"/> <p>Die Entkommung dieses Gefangenen ver=
<lb n="0308.20"/> ursachte unter den Griechen ein grosses Lermen.
<lb n="0308.21"/> Der K&#x00E4;yser selbst ward dar&#x00FC;ber so erz&#x00FC;rnt, da&#x00DF;
<lb n="0308.22"/> er Befehl gab, dem Derar und den &#x00FC;brigen
<lb n="0308.23"/> Gefangnen die K&#x00F6;pfe abschlagen zu lassen. Zu
<lb n="0308.24"/> ihrem Gl&#x00FC;cke that Yukinna, welcher sich bey
<lb n="0308.25"/> dem K&#x00E4;yser immer mehr und mehr eingeschmei=
<lb n="0308.26"/> chelt hatte, eine so kr&#x00E4;ftige Vorbitte f&#x00FC;r sie,
<lb n="0308.27"/> da&#x00DF; er endlich ihre Gnade erlangte. Er stell=
<lb n="0308.28"/> te dem K&#x00E4;yser vor, da&#x00DF; es f&#x00FC;r Christen eine
<lb n="0308.29"/> unvergebliche Grausamkeit seyn w&#x00FC;rde, wenn
<lb n="0308.30"/> man so strenge gegen ungl&#x00FC;ckliche Gefangene
<pb n="0309.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-370"/>
<lb n="0309.01"/> verfahren wollte, welche doch unschuldig w&#x00E4;=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0309.02"/> ren; da&#x00DF; ein solches Bezeigen die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0309.03"/> ner in Wuth setzen m&#x00FC;&#x00DF;te, so, da&#x00DF; sie keinem
<lb n="0309.04"/> Christen mehr Quartier geben w&#x00FC;rden.</p>
<lb n="0309.05" rend="indent"/> <p>Diese Vorstellungen thaten ihre W&#x00FC;rckung.
<lb n="0309.06"/> Heraclius schenkte den Gefangenen nicht nur
<lb n="0309.07"/> das Leben, sondern er bezeigte sich auch, auf
<lb n="0309.08"/> die Empfehlung des Yukinna, weit g&#x00FC;tiger ge=
<lb n="0309.09"/> gen sie, als sie es hoffen konnten. Sie hatten
<lb n="0309.10"/> beynahe eine g&#x00E4;nzliche Freyheit, obschon unter
<lb n="0309.11"/> Aufsicht des Yukinna, welchem der K&#x00E4;yser auf
<lb n="0309.12"/> sie Acht zu haben befahl. Auf diese Art be=
<lb n="0309.13"/> schleinigte dieser unvorsichtige Regente sein Ver=
<lb n="0309.14"/> derben, indem er sein gr&#x00F6;stes Vertrauen auf
<lb n="0309.15"/> einen Verr&#x00E4;ther setzte, welcher nur eine g&#x00FC;nsti=
<lb n="0309.16"/> ge Gelegenheit erwartete, seine T&#x00FC;cke auszu=
<lb n="0309.17"/> f&#x00FC;hren.</p>
<lb n="0309.18" rend="indent"/> <p>Die Gemeinschaft, welche dieser Abtr&#x00FC;n=
<lb n="0309.19"/> nige insgeheim mit der Armee der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0309.20"/> ner unterhielt, war ohne Zweifel die Ursa=
<lb n="0309.21"/> che, da&#x00DF; Obeidah an der Spitze seiner Trupen
<lb n="0309.22"/> ruhig blieb, ohne etwas weiter zu unternehmen,
<lb n="0309.23"/> als alle Tage einen Theil seines Heers auszu=
<lb n="0309.24"/> schicken, welches die Gegend um Antiochia ver=
<lb n="0309.25"/> w&#x00FC;sten mu&#x00DF;te. Die meisten von den Land=
<lb n="0309.26"/> leuten, welche ausgepl&#x00FC;ndert waren, flohen in
<lb n="0309.27"/> die Stadt, wo sie durch die Erzehlung von der
<lb n="0309.28"/> Grausamkeit der Muselm&#x00E4;nner, &#x00FC;berall das
<lb n="0309.29"/> Schrecken ausbreiteten.</p>
<lb n="0309.30" rend="indent"/> <p>Diese traurige Nachrichten setzten den K&#x00E4;y=<note type="marginalie" place="rechts">Der K&#x00E4;yser<lb/>wird <hi rend="spaced">durch</hi></note>
<pb n="0310.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-371"/>
<lb n="0310.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>ser in eine t&#x00F6;dtliche Angst, welche der Verr&#x00E4;=
<lb n="0310.02"/> ther Yukinna auf eine listige Weise unterhielt,
<lb n="0310.03"/> um ihm den Muth g&#x00E4;nzlich zu rauben und den
<lb n="0310.04"/> <note type="marginalie" place="links">einen Traum<lb/>erschreckt, u.<lb/>wendet <hi rend="spaced">sich<lb/>nach</hi> Con=<lb/>stantinopel.</note>Ausschlag einer Schlacht f&#x00FC;rchterlich zu ma=
<lb n="0310.05"/> chen. Zum gr&#x00F6;sten Ungl&#x00FC;cke hatte Heraclius,
<lb n="0310.06"/> welcher ganz ausser sich war, noch einen Traum,
<lb n="0310.07"/> welcher ihn vollends um alle Ueberlegung brach=
<lb n="0310.08"/> te. Es tr&#x00E4;umte ihm, als ob seine Krone auf
<lb n="0310.09"/> die Erde fiel, und ihn ein Mann von dem Thro=
<lb n="0310.10"/> ne stiesse. Mehr brauchte er nicht, den ver=
<lb n="0310.11"/> zweifelten Entschlu&#x00DF; zu ergreiffen, Antiochia zu
<lb n="0310.12"/> verlassen, und nach Constantinopel zu fliehen.
<lb n="0310.13"/> Alles dieses ward den Tag darauf ins Werk ge=
<lb n="0310.14"/> stellet; er begab sich in der Stille in einen nicht
<lb n="0310.15"/> weit von Antiochia gelegenen Hafen, wo er sich
<lb n="0310.16"/> einschiffte, und mit vollen Segeln davon ging.</p>
<lb n="0310.17" rend="indent"/> <p>Diese schleinige Abreise vermehrte die Be=
<lb n="0310.18"/> st&#x00FC;rzung um ein grosses. Die vornehmsten
<lb n="0310.19"/> Kriegsbedienten bem&#x00FC;heten sich umsonst, dem
<lb n="0310.20"/> Volke Muth zu machen; man sahe Antiochia
<lb n="0310.21"/> als verlohren an, weil selbst der K&#x00E4;yser nicht
<lb n="0310.22"/> geglaubt hatte, sicher darinne zu seyn. Die,
<lb n="0310.23"/> welchen die Regierung aufgetragen war, tha=
<lb n="0310.24"/> ten unterdessen ihr m&#x00F6;glichstes, die niederge=
<lb n="0310.25"/> schlagenen Gem&#x00FC;ther aufzurichten, und als
<lb n="0310.26"/> endlich die Trupen wieder aufgemuntert waren,
<lb n="0310.27"/> so beschlo&#x00DF; man eine Schlacht zu wagen.</p>
<lb n="0310.28" rend="indent"/> <p>Des Verfalls der christlichen Angelegen=
<lb n="0310.29"/> heiten ohngeachtet, h&#x00E4;tte man noch einige Hoff=
<lb n="0310.30"/> nung auf die Trupen setzen k&#x00F6;nnen, welche ihr
<pb n="0311.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-372"/>
<lb n="0311.01"/> &#x00E4;usserstes thun zu wollen schienen, um ihre Re=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 16.<lb/>n. C. G. 637.</note>
<lb n="0311.02"/> ligion und Freyheit zu retten, und den wichtig=
<lb n="0311.03"/> sten Platz, welchen der K&#x00E4;yser in dieser Pro=
<lb n="0311.04"/> vinz hatte, zu erhalten: doch eben als der An=
<lb n="0311.05"/> griff geschahe, und die Christen mit aller Wuth
<lb n="0311.06"/> stritten, deren die Tapferkeit f&#x00E4;hig ist, wenn
<lb n="0311.07"/> sie von der Verzweiflung getrieben wird, lenkte
<lb n="0311.08"/> Yukinna den Sieg auf die Seite der Musel=
<lb n="0311.09"/> m&#x00E4;nner.</p>
<lb n="0311.10" rend="indent"/> <p>Dieser Verr&#x00E4;ther, welchem es von dem K&#x00E4;y=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Yukinna</hi><lb/>verr&#x00E4;th <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Christen.</note>
<lb n="0311.11"/> ser aufgetragen war, die Gefangenen zu bewa=
<lb n="0311.12"/> chen, lie&#x00DF; ihnen heimlich Waffen geben, und
<lb n="0311.13"/> befahl dem Derar, mit ihnen einen Ausfall zu
<lb n="0311.14"/> thun, wann jene mit den Muselm&#x00E4;nnern hand=
<lb n="0311.15"/> gemein seyn w&#x00FC;rden; er versicherte ihn, da&#x00DF;
<lb n="0311.16"/> ihm eine grosse Anzahl Vornehmer, welche die
<lb n="0311.17"/> mahometanische Religion anzunehmen gesonnen
<lb n="0311.18"/> w&#x00E4;ren, sobald er erscheinen w&#x00FC;rde, beystehen
<lb n="0311.19"/> wollten.</p>
<lb n="0311.20" rend="indent"/> <p>Alles dieses ward w&#x00E4;hrend des Treffens<note type="marginalie" place="rechts">Antiochia<lb/>ergiebt sich.</note>
<lb n="0311.21"/> ins Werk gestellet. Alle angewandte Kr&#x00E4;fte
<lb n="0311.22"/> der Christen waren vergebens: Sie wurden<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0311.23"/> von hinten angefallen, da sie mit dem Feinde
<lb n="0311.24"/> von vorne zu thun hatten, und sahen eine gros=
<lb n="0311.25"/> se Menge ihrer Anf&#x00FC;hrer sich niedertr&#x00E4;chtiger
<lb n="0311.26"/> weise ergeben. Nunmehr dachten sie an kei=
<lb n="0311.27"/> nen weitern Widerstand, und die Einwohner
<lb n="0311.28"/> von Antiochia, welche von den Fl&#x00FC;chtigen die
<lb n="0311.29"/> Nachricht von der verlohrnen Schlacht erhiel=
<lb n="0311.30"/> ten, fa&#x00DF;ten sogleich den Entschlu&#x00DF;, sich nicht
<pb n="0312.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-373"/>
<lb n="0312.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>belagern zu lassen. Sie schickten auf das schlei=
<lb n="0312.02"/> nigste Abgeordnete an den Obeidah, um sich we=
<lb n="0312.03"/> gen der Uebergabe mit ihm zu besprechen. Nach=
<lb n="0312.04"/> dem die Artickel geschlossen waren, so zog der
<lb n="0312.05"/> Feldherr der Muselm&#x00E4;nner, an der Spitze sei=
<lb n="0312.06"/> ner Trupen, den 21. August im 17<hi rend="super">ten</hi> Jahr
<lb n="0312.07"/> der Hegire, oder im 638<hi rend="super">sten</hi> nach Christi Ge=
<lb n="0312.08"/> burth, triumphirend in Antiochia ein. Auf
<lb n="0312.09"/> solche Weise fiel diese alte, ber&#x00FC;hmte Stadt,
<lb n="0312.10"/> welche unter den Persern, unter den Seleuci=
<lb n="0312.11"/> den, unter den R&#x00F6;mern, und unter der Re=
<lb n="0312.12"/> gierung der Griechen so sch&#x00F6;n, so reich, so bl&#x00FC;=
<lb n="0312.13"/> hend gewesen war, in die H&#x00E4;nde der Musel=
<lb n="0312.14"/> m&#x00E4;nner.</p>
<lb n="0312.15"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Obeidah</hi><lb/>zieht <hi rend="spaced">seine</hi><lb/>Trupen aus<lb/>Antiochia.</note><p rend="indent">So bald Obeidah die Stadt in Besitz ge=
<lb n="0312.16"/> nommen hatte, lie&#x00DF; er seine Trupen wieder auf=
<lb n="0312.17"/> brechen. Die Ueberlegung, welche dieser weise
<lb n="0312.18"/> Feldherr machte, da&#x00DF; ein so verf&#x00FC;hrerischer Auf=
<lb n="0312.19"/> enthalt den Muselm&#x00E4;nnern gef&#x00E4;hrlich sey, war
<lb n="0312.20"/> Ursache, da&#x00DF; er sie auf das schleinigste heraus
<lb n="0312.21"/> zog. Jn der That konnte auch die angenehme
<lb n="0312.22"/> Lage von Antiochia, die s&#x00FC;sse Luft, die man da
<lb n="0312.23"/> sch&#x00F6;pfte, die woll&#x00FC;stigen Sitten der Einwoh=
<lb n="0312.24"/> ner, ihre Ausschweiffungen, ihre Schwelgerey,
<lb n="0312.25"/> nicht anders als den Muth schw&#x00E4;chen, und den
<lb n="0312.26"/> Geist der Bescheidenheit, der Einfalt, der Un=
<lb n="0312.27"/> eigenn&#x00FC;tzigkeit unterdr&#x00FC;cken, welcher ehedem
<lb n="0312.28"/> der vornehmste Charakter der Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0312.29"/> gewesen war, und seit ihrer Ankunft in Syrien
<lb n="0312.30"/> schon nach und nach abgenommen hatte. Sie
<lb n="0312.31"/> waren auf ihre Vortheile stolz geworden; sie
<pb n="0313.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-374"/>
<lb n="0313.01"/> fanden einen Geschmack an den reichen Klei=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0313.02"/> dern, die sie von den Griechen erbeutet hatten;
<lb n="0313.03"/> und es war zu bef&#x00FC;rchten, sie m&#x00F6;chten sich durch
<lb n="0313.04"/> den Umgang mit fremden Weibern, noch mehr
<lb n="0313.05"/> aber durch das sch&#x00E4;ndliche Beyspiel der Grie=
<lb n="0313.06"/> chen, ganz und gar verderben.</p>
<lb n="0313.07" rend="indent"/> <p>Diese ungl&#x00FC;ckliche Christen, deren Geist
<lb n="0313.08"/> eben so schlecht beschaffen war, als das Herz,
<lb n="0313.09"/> hatten seit langer Zeit alle Liebe und alle Ehr=
<lb n="0313.10"/> furcht f&#x00FC;r die Religion verlohren. Das Chri=
<lb n="0313.11"/> stenthum, womit sie sich noch schm&#x00FC;ckten, war
<lb n="0313.12"/> f&#x00FC;r sie nichts mehr als ein leerer Name. Sie
<lb n="0313.13"/> waren von ihren unseligen Gewohnheiten, wel=
<lb n="0313.14"/> che sie in eine unempfindliche Dummheit st&#x00FC;rz=
<lb n="0313.15"/> ten, so verblendet, da&#x00DF; sie &#x00FC;ber ihre Ausschweif=
<lb n="0313.16"/> fungen nicht mehr erstaunten, und zum Aer=
<lb n="0313.17"/> gernisse der Muselm&#x00E4;nner recht aufbehalten zu
<lb n="0313.18"/> seyn schienen.</p>
<lb n="0313.19" rend="indent"/> <p>Obeidah lie&#x00DF; also seine Trupen aus einem<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Obeidah</hi><lb/>fragt den O=<lb/>mar verschie=<lb/>dener Sachen<lb/><hi rend="spaced">wegen um</hi><lb/>Rath.</note>
<lb n="0313.20"/> so gef&#x00E4;hrlichen Orte auf das schleinigste ziehen,
<lb n="0313.21"/> und gab Befehl, da&#x00DF; sie ihr Lager weit davon
<lb n="0313.22"/> aufschlagen sollten. Er schrieb hierauf an den
<lb n="0313.23"/> Califen, ihm die Eroberung, und die Maa&#x00DF;re=
<lb n="0313.24"/> geln zu melden, welche er habe anwenden m&#x00FC;s=
<lb n="0313.25"/> sen, um die Muselm&#x00E4;nner zur&#x00FC;ckzuhalten, wel=
<lb n="0313.26"/> che sich in Syrien niederzulassen geneigt gewe=
<lb n="0313.27"/> sen w&#x00E4;ren, und sogar um Erlaubni&#x00DF; gebeten
<lb n="0313.28"/> h&#x00E4;tten, fremde Weiber zu heyrathen. Schl&#x00FC;&#x00DF;=
<lb n="0313.29"/> lich bat er um weitere Verhaltungsbefehle bey
<lb n="0313.30"/> Fortsetzung dieses Feldzuges.</p>
<pb n="0314.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-375"/>
<lb n="0314.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note><p rend="indent">Omar erhielt diese Nachricht, gleich da er
<lb n="0314.02"/> mit den Weibern des Propheten sich von Me=
<lb n="0314.03"/> dina aufmachen, und eine Wallfahrt nach Mec=
<lb n="0314.04"/> ca thun wollte. Er verzog so gleich, und er&#x00F6;ff=
<lb n="0314.05"/> nete den Brief des Obeidah. So bald er ihn
<lb n="0314.06"/> gelesen hatte, warf er sich auf die Erde, und
<lb n="0314.07"/> dankte Gott f&#x00FC;r die Gnade, welche er den Mu=
<lb n="0314.08"/> selm&#x00E4;nnern erwiesen habe. Er antwortete dem
<lb n="0314.09"/> Obeidah gleich darauf, und nachdem er ihn we=
<lb n="0314.10"/> gen seiner Verrichtungen Gl&#x00FC;ck gew&#x00FC;nscht, so
<lb n="0314.11"/> erkl&#x00E4;rte er sich &#x00FC;ber die Auff&#x00FC;hrung, die er ge=
<lb n="0314.12"/> gen die Muselm&#x00E4;nner beobachtet, indem er sie
<lb n="0314.13"/> von Antiochia entfernet habe.</p>
<lb n="0314.14"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Antwort</hi><lb/>des Califen.</note><p rend="indent">Es scheint, als ob sich der Calife in diesem
<lb n="0314.15"/> St&#x00FC;cke nicht mehr errinnerte, was er im vori=
<lb n="0314.16"/> gen Jahre selbst gethan hatte, indem er die
<lb n="0314.17"/> seidenen R&#x00F6;cke zerreissen lassen, womit sich die
<lb n="0314.18"/> Muselm&#x00E4;nner zur Zeit der Belagerung Jeru=
<lb n="0314.19"/> salems bekleideten. Er schrieb dem Obeidah
<lb n="0314.20"/> aus einem ganz anderm Tone; er mi&#x00DF;billigte
<lb n="0314.21"/> die Strenge dieses Feldherrn, und behauptete,
<lb n="0314.22"/> da&#x00DF; er die Muselm&#x00E4;nner einige Zeit in Antio=
<lb n="0314.23"/> chia h&#x00E4;tte lassen sollen, um ihnen ihre Beschwer=
<lb n="0314.24"/> lichkeiten zu vergelten. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF;
<lb n="0314.25"/> der Gebrauch der G&#x00FC;ter dieser Welt den Gl&#x00E4;u=
<lb n="0314.26"/> bigen nicht verboten sey, und da&#x00DF; er es denen,
<lb n="0314.27"/> welche in Arabien keine G&#x00FC;ter h&#x00E4;tten, erlaube,
<lb n="0314.28"/> sich in Syrien niederzulassen, sich zu verheyra=
<lb n="0314.29"/> then, und so viel Sclavinnen zu Weibern zu
<lb n="0314.30"/> nehmen, als sie nach ihren Mitteln haben
<lb n="0314.31"/> k&#x00F6;nnten. Schl&#x00FC;&#x00DF;lich befahl er ihm, seine Ero=
<pb n="0315.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-376"/>
<lb n="0315.01"/> berungen in den Gebirgen des Landes weiter<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0315.02"/> fortzusetzen.</p>
<lb n="0315.03" rend="indent"/> <p>Obeidah ward ein wenig stutzig, als er sahe,<note type="marginalie" place="rechts">Die Musel=<lb/>m&#x00E4;nner las=<lb/>sen in ihrem<lb/>ersten Eyfer<lb/>nach.</note>
<lb n="0315.04"/> da&#x00DF; der strenge Omar Nachsichten billige, wel=
<lb n="0315.05"/> che mit der Zeit die Sitten verz&#x00E4;rteln, und die
<lb n="0315.06"/> Kriegszucht nach und nach verderben w&#x00FC;rden.
<lb n="0315.07"/> Dieser Feldherr fing so gar an, bey seinen Tru=
<lb n="0315.08"/> pen eine Verminderung ihres Eyfers zu sp&#x00FC;=
<lb n="0315.09"/> ren, und bekam einen abermaligen Beweis da=
<lb n="0315.10"/> von, als er, dem Befehle des Califen gem&#x00E4;&#x00DF;,
<lb n="0315.11"/> neue Eroberungen in dem Gebirge machen soll=
<lb n="0315.12"/> te. Damit Obeidah die Gem&#x00FC;thsart der Mu=
<lb n="0315.13"/> selm&#x00E4;nner noch besser m&#x00F6;ge einsehen lernen, so
<lb n="0315.14"/> wollte er diejenigen, die er zu diesem Zuge f&#x00FC;r
<lb n="0315.15"/> geschickt hielt, nicht selbst ernennen. Er schlug
<lb n="0315.16"/> dieses Unternehmen nur &#x00FC;berhaupt vor, und
<lb n="0315.17"/> fragte seine Kriegsobersten, welcher es von ih=
<lb n="0315.18"/> nen &#x00FC;bernehmen wolle.</p>
<lb n="0315.19" rend="indent"/> <p>Der Ausgang rechtfertigte es, was Obei=
<lb n="0315.20"/> dah von diesem angenehmen Orte Syriens be=
<lb n="0315.21"/> f&#x00FC;rchtet hatte. Weil die Araber geh&#x00F6;rt, da&#x00DF;
<lb n="0315.22"/> diese Gebirge zwar nicht weit entfernt, aber
<lb n="0315.23"/> sehr schwer, wegen des Eises und Schnees,
<lb n="0315.24"/> womit sie fast das ganze Jahr hindurch bedeckt
<lb n="0315.25"/> l&#x00E4;gen, zu ersteigen w&#x00E4;ren, so wollte niemand
<lb n="0315.26"/> auf die Einladung des Generals antworten.
<lb n="0315.27"/> Er wiederhohlte diesen Antrag nochmals, al=
<lb n="0315.28"/> lein auch sogar die Tapfersten machten nicht die
<lb n="0315.29"/> geringste Bewegung. Endlich aber fand er
<lb n="0315.30"/> doch einen, welcher sich nebst dem Dames zu
<pb n="0316.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-377"/>
<lb n="0316.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>dieser Ausf&#x00FC;hrung anbot. Er hie&#x00DF; Meissarah=
<lb n="0316.02"/> ebn = Mesru. Obeidah nahm seinen Antrag
<lb n="0316.03"/> mit vielem Danke an; er lobte seinen Eyfer
<lb n="0316.04"/> &#x00F6;ffentlich, und vertraute ihm sogleich die Reli=
<lb n="0316.05"/> gionsfahne, auf welcher dieser Sinnspruch
<lb n="0316.06"/> stand: <hi rend="bold">Es ist kein Gott, ausser Gott, und
<lb n="0316.07"/> Mahomet ist sein Apostel</hi>.</p>
<lb n="0316.08"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Obeidah</hi><lb/>schickt Tru=<lb/>pen in <hi rend="spaced">das</hi><lb/>Gebirge.</note><p rend="indent">Der Feldherr gab ihm eine zahlreiche
<lb n="0316.09"/> Mannschaft zu, und Dames, welcher ihn be=
<lb n="0316.10"/> gleitete, hatte tausend schwarze Sklaven unter
<lb n="0316.11"/> seinem Befehle. Diese Trupen hatten nicht
<lb n="0316.12"/> wenig auszustehen, sobald sie in dem Gebirge
<lb n="0316.13"/> angelangt waren. Und in der That hie&#x00DF; dieses
<lb n="0316.14"/> auch von einem Aeussersten auf das andere
<lb n="0316.15"/> kommen; der Himmel in dem ebenen Lande
<lb n="0316.16"/> war warm und angenehm, auf den Gebirgen
<lb n="0316.17"/> hingegen war es ausserordentlich kalt. Gleich=
<lb n="0316.18"/> wohl drungen sie mit vieler Tapferkeit durch die
<lb n="0316.19"/> Zug&#x00E4;nge hindurch, und fanden &#x00FC;brigens keine
<lb n="0316.20"/> Hindernisse, als die rauhe Witterung und sehr
<lb n="0316.21"/> beschwerliche Wege. Die wenigen D&#x00F6;rfer,
<lb n="0316.22"/> welche sie auf ihrem Wege antraffen, waren
<lb n="0316.23"/> g&#x00E4;nzlich verlassen. Die Bauern, welche von
<lb n="0316.24"/> ihrer Ann&#x00E4;herung Wind bekommen hatten,
<lb n="0316.25"/> waren weiter hinein gefl&#x00FC;chtet, und sie fanden
<lb n="0316.26"/> nicht mehr als einen einzigen, welchen sie an=
<lb n="0316.27"/> hielten, um ihn zu fragen, ob sie in der umlie=
<lb n="0316.28"/> genden Gegend nichts zu f&#x00FC;rchten h&#x00E4;tten.</p>
<lb n="0316.29" rend="indent"/> <p>Diese Begegnung war f&#x00FC;r die Araber sehr
<lb n="0316.30"/> gl&#x00FC;cklich: sie erhielten von diesem Gefangenen
<pb n="0317.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-378"/>
<lb n="0317.01"/> Nachrichten, ohne welche sie ohne Zweifel w&#x00FC;r=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0317.02"/> den in St&#x00FC;cken seyn gehauen worden. Sie er=
<lb n="0317.03"/> fuhren, da&#x00DF; nicht weit davon eine feindliche Ar=
<lb n="0317.04"/> mee, von drey&#x00DF;ig tausend Mann stehe. Der
<lb n="0317.05"/> Gefangene f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; sie nicht besser thun
<lb n="0317.06"/> k&#x00F6;nnten, als wenn sie da blieben, wo sie w&#x00E4;ren;
<lb n="0317.07"/> denn wenn sie noch ein wenig weiter r&#x00FC;ckten, so
<lb n="0317.08"/> w&#x00FC;rden sie gar zu blo&#x00DF; stehen, und also nicht
<lb n="0317.09"/> im Stande seyn sich gegen eine so zahlreiche
<lb n="0317.10"/> Mannschaft zu vertheidigen; dahingegen der Po=
<lb n="0317.11"/> sten, wo sie sich iezt bef&#x00E4;nden, der vortheilhafte=
<lb n="0317.12"/> ste sey, den sie nur w&#x00FC;nschen k&#x00F6;nnten; sie d&#x00FC;rff=
<lb n="0317.13"/> ten zwar nicht hoffen, da&#x00DF; sie den geringsten
<lb n="0317.14"/> Vortheil davon tragen w&#x00FC;rden, wann sie soll=
<lb n="0317.15"/> ten angegriffen werden, doch w&#x00FC;rde man aber
<lb n="0317.16"/> auch ihnen keinen abgewinnen k&#x00F6;nnen.</p>
<lb n="0317.17" rend="indent"/> <p>Dieser ungl&#x00FC;ckliche Christe ward f&#x00FC;r seine
<lb n="0317.18"/> gute Nachricht schlecht belohnt. Die Araber
<lb n="0317.19"/> wollten ihn, nach ihrer Gewohnheit, zwingen,
<lb n="0317.20"/> die mahometanische Religion anzunehmen; al=
<lb n="0317.21"/> lein er hatte die Herzhaftigkeit, ihren Zumu=
<lb n="0317.22"/> thungen zu widerstehen. Die Furcht vor dem
<lb n="0317.23"/> Tode war nicht einmal verm&#x00F6;gend, ihn zur
<lb n="0317.24"/> Verstellung zu bewegen, so da&#x00DF; die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0317.25"/> ner &#x00FC;ber seine Best&#x00E4;ndigkeit unwillig wurden,
<lb n="0317.26"/> und den grausamen Entschlu&#x00DF; fa&#x00DF;ten, ihn zu
<lb n="0317.27"/> ermorden.</p>
<lb n="0317.28" rend="indent"/> <p>Meissarah hielt sich also, der Nachricht des<note type="marginalie" place="rechts">Die Araber<lb/>werden um=<lb/>ringt.</note>
<lb n="0317.29"/> Christen gem&#x00E4;&#x00DF;, in dem Gebirge versteckt, und
<lb n="0317.30"/> war blo&#x00DF; bedacht, sich zu vertheidigen. Er
<pb n="0318.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-379"/>
<lb n="0318.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>schickte zu gleicher Zeit einen Bothen an den
<lb n="0318.02"/> Obeidah, ihm seinen Stand melden zu lassen,
<lb n="0318.03"/> und um schleinige H&#x00FC;lffe zu bitten. W&#x00E4;hrend
<lb n="0318.04"/> dieser Zeit hatten die Griechen Nachricht be=
<lb n="0318.05"/> kommen, da&#x00DF; sich eine feindliche Mannschaft in
<lb n="0318.06"/> der N&#x00E4;he befinde, sie r&#x00FC;ckten daher n&#x00E4;her an,
<lb n="0318.07"/> und es gelang ihnen, sie einzuschliessen; weiter
<lb n="0318.08"/> aber konnten sie keinen Vortheil erlangen, weil
<lb n="0318.09"/> die Muselm&#x00E4;nner immer in ihren Verschanzun=
<lb n="0318.10"/> gen blieben. Gleichwohl fielen verschiedene hi=
<lb n="0318.11"/> tzige Scharm&#x00FC;tzel vor, in welchen die Griechen
<lb n="0318.12"/> viele Gefangene machten, worunter sich auch
<lb n="0318.13"/> ein vertrauter Freund des Califen, Namens
<lb n="0318.14"/> Abdallah = ebn = Hodafah befand, welcher nicht
<lb n="0318.15"/> allein wegen seiner pers&#x00F6;nlichen Verdienste in
<lb n="0318.16"/> besonderer Achtung stand, sondern auch die Eh=
<lb n="0318.17"/> re hatte, ein leiblicher Vetter des Mahomets
<lb n="0318.18"/> zu seyn.</p>
<lb n="0318.19"/> <note type="marginalie" place="links">Vortheile<lb/><hi rend="spaced">der</hi> Musel=<lb/>m&#x00E4;nner jen=<lb/>seit des Eu=<lb/>phrats.</note><p rend="indent">Die Muselm&#x00E4;nner, welche auf diese Weise
<lb n="0318.20"/> von einem betr&#x00E4;chtlichen Heere eingeschlossen
<lb n="0318.21"/> waren, w&#x00FC;rden sich ohnfehlbar haben ergeben
<lb n="0318.22"/> m&#x00FC;ssen, entweder durch Aushungerung, oder
<lb n="0318.23"/> auf eine andere Art, wenn ihnen Obeidah nicht
<lb n="0318.24"/> schleinige H&#x00FC;lffe geschickt h&#x00E4;tte. Eben als der
<lb n="0318.25"/> Feldherr diesen Brief des Meissarah bekam,
<lb n="0318.26"/> langte der beruffene Khaled an, welcher mit un=
<lb n="0318.27"/> erme&#x00DF;licher Beute, die er in den Pl&#x00E4;tzen jenseit
<lb n="0318.28"/> des Euphrats, wohin er war geschickt worden,
<lb n="0318.29"/> gemacht hatte, zur&#x00FC;ck kam. Nachdem er einen
<lb n="0318.30"/> Theil dieses Landes erobert, hatte er starke Be=
<lb n="0318.31"/> satzungen eingelegt, und war selbst gekommen,
<pb n="0319.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-380"/>
<lb n="0319.01"/> seinen Sieg zu verk&#x00FC;ndigen, und seine Dienste<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0319.02"/> zu andern Eroberungen anzubieten.</p>
<lb n="0319.03" rend="indent"/> <p>Die Ankunft dieses tapfern Muselmanns<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Khaled</hi><lb/>k&#x00F6;mmt <hi rend="spaced">den</hi><lb/>eingeschlosse=<lb/>nen Arabern<lb/>zu H&#x00FC;lffe.</note>
<lb n="0319.04"/> setzte das ganze Lager in Freuden. Obeidah
<lb n="0319.05"/> ward entz&#x00FC;ckt, da&#x00DF; er ihn als Sieger wieder=
<lb n="0319.06"/> kommen sahe, und ersuchte ihn, zu seinem Tri=
<lb n="0319.07"/> umphe noch die Ehre hinzuzuf&#x00FC;gen, seine Br&#x00FC;=
<lb n="0319.08"/> der, welche von dem Feinde in dem Gebirge
<lb n="0319.09"/> eingeschlossen w&#x00E4;ren, zu erretten. Der uner=
<lb n="0319.10"/> m&#x00FC;dete Khaled brach sogleich mit einer Mann=
<lb n="0319.11"/> schaft von drey tausend Mann auf, welchen
<lb n="0319.12"/> bald darauf andre zehn tausend Mann folg=
<lb n="0319.13"/> ten, die den Aiad = ebn = Ganam an ihrer Spitze
<lb n="0319.14"/> hatten.</p>
<lb n="0319.15" rend="indent"/> <p>Die Griechen bekamen gar bald von der<note type="marginalie" place="rechts">Die Grie=<lb/>chen ziehen<lb/>sich zur&#x00FC;ck.</note>
<lb n="0319.16"/> anr&#x00FC;ckenden H&#x00FC;lffe Nachricht; und es sey nun
<lb n="0319.17"/> da&#x00DF; sie diese H&#x00FC;lffe f&#x00FC;r st&#x00E4;rker hielten, als sie
<lb n="0319.18"/> in der That war, oder da&#x00DF; der blosse Name des
<lb n="0319.19"/> Khaled, welcher den Christen so schrecklich war,
<lb n="0319.20"/> seinen Eindruck machte, genug, die Musel=
<lb n="0319.21"/> m&#x00E4;nner, die bisher von dem Feinde so enge
<lb n="0319.22"/> eingeschlossen gewesen waren, fanden an einem
<lb n="0319.23"/> Morgen, zu ihrem gr&#x00F6;&#x00DF;ten Erstaunen, da&#x00DF;
<lb n="0319.24"/> sich die Griechen in der Nacht mit einer Eilfer=
<lb n="0319.25"/> tigkeit zur&#x00FC;ck gezogen hatten, welche einer
<lb n="0319.26"/> Flucht sehr &#x00E4;hnlich war; so da&#x00DF; sie so gar ihre
<lb n="0319.27"/> Zelte und einen guten Theil ihres Ger&#x00E4;ths zu=
<lb n="0319.28"/> r&#x00FC;ckgelassen hatten.</p>
<lb n="0319.29" rend="indent"/> <p>Khaled &#x00E4;rgerte sich &#x00FC;ber diesen Abzug nicht<note type="marginalie" place="rechts">Die Ara=<lb/>ber <hi rend="spaced">stossen</hi><lb/>wieder <hi rend="spaced">zur</hi></note>
<lb n="0319.30"/> wenig: er hatte gehofft, sich in diesem Zuge be=
<pb n="0320.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-381"/>
<lb n="0320.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>sonders hervorzuthun, und wenigstens die Ge=
<lb n="0320.02"/> fangenen wieder zu bekommen, die sie den Mu=
<lb n="0320.03"/> selm&#x00E4;nnern abgenommen hatten. Er wollte
<lb n="0320.04"/> <note type="marginalie" place="links">Armee <hi rend="spaced">des</hi><lb/>Obeidah.</note>so gar dem Feind auf das schleinigste nachsetzen,
<lb n="0320.05"/> und ihn auf seinem R&#x00FC;ckzuge beunruhigen;
<lb n="0320.06"/> doch Meissarah und andre vornehme Kriegsbe=
<lb n="0320.07"/> diente, welche Zeit gehabt hatten, die Gegend,
<lb n="0320.08"/> wo sie sich befanden, kennen zu lernen, stell=
<lb n="0320.09"/> ten dem Khaled vor, da&#x00DF; er sich der offenbar=
<lb n="0320.10"/> sten Gefahr aussetzen w&#x00FC;rde, wenn er weiter
<lb n="0320.11"/> r&#x00FC;cken wollte, und da&#x00DF; es das beste sey, vor=
<lb n="0320.12"/> jetzo ein Unternehmen bey Seite zu setzen, wel=
<lb n="0320.13"/> ches beynahe so &#x00FC;ble Folgen gehabt h&#x00E4;tte. Kha=
<lb n="0320.14"/> led war also gen&#x00F6;thiget, der allgemeinen Mei=
<lb n="0320.15"/> nung nachzugeben, welche dahinaus lief, da&#x00DF;
<lb n="0320.16"/> man sich in guter Ordnung zur&#x00FC;ckziehen, und
<lb n="0320.17"/> wieder zu der Armee des Obeidah stossen solle.</p>
<lb n="0320.18" rend="indent"/> <p>Der Feldherr schrieb hierauf an den Cali=
<lb n="0320.19"/> fen, ihm das, was vorgegangen war, und die
<lb n="0320.20"/> wenige Wahrscheinlichkeit zu melden, da&#x00DF; man
<lb n="0320.21"/> alle die Schwierigkeiten wegen der Zug&#x00E4;nge
<lb n="0320.22"/> in das Gebirge, werde &#x00FC;bersteigen k&#x00F6;nnen.
<lb n="0320.23"/> Er nennte ihm zugleich die Gefangenen, und
<lb n="0320.24"/> unter andern den Abdallah, welchen man durch=
<lb n="0320.25"/> aus nicht lange in den H&#x00E4;nden der Christen
<lb n="0320.26"/> lassen m&#x00FC;sse, die sich dieses Raubes als eine
<lb n="0320.27"/> grosse Eroberung ger&#x00FC;hmt, und de&#x00DF;wegen den
<lb n="0320.28"/> Muselmann auf das schleinigste nach Constan=
<lb n="0320.29"/> tinopel geschickt h&#x00E4;tten, damit sie ihn nicht
<lb n="0320.30"/> wieder verlieren m&#x00F6;chten.</p>
<pb n="0321.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-382"/>
<lb n="0321.01" rend="indent"/> <p>So bald der Calif diese Nachricht erhielt,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0321.02"/> schrieb er geschwind an den Heraclius, diesen
<lb n="0321.03"/> Gefangnen wieder zu fordern. Sein Brief
<lb n="0321.04"/> war folgender:</p>
<lb n="0321.05" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jm Namen Gottes des Erbarmers.<note type="marginalie" place="rechts">Brief des<lb/><hi rend="spaced">Omars</hi> an<lb/>den Heracli=<lb/>us.</note>
<lb n="0321.06"/> Preis sey Gott, dem Herrn dieser und
<lb n="0321.07"/> der zuk&#x00FC;nftigen Welt, ihm, der weder
<lb n="0321.08"/> Gefehrten, noch Frau, noch Kinder
<lb n="0321.09"/> hat. (<ref rend="footnote" n="321*"><hi rend="super">*</hi></ref>) Sein Seegen ruhe auf seinem
<lb n="0321.10"/> Apostel. Der Knecht Gottes Omar, dem
<lb n="0321.11"/> Heraclius, griechischen K&#x00E4;yser. Sobald
<lb n="0321.12"/> du diesen meinen Brief bek&#x00F6;mmst, so
<lb n="0321.13"/> schicke mir den Gefangenen zur&#x00FC;ck, wel=
<lb n="0321.14"/> chen du bey dir hast, Namens Abdal=
<lb n="0321.15"/> lah = ebn = Hodafah. Wann du es thun
<lb n="0321.16"/> wirst, so will ich hoffen, da&#x00DF; dich Gott
<lb n="0321.17"/> noch den rechten Weg leiten wird: wann
<lb n="0321.18"/> du dich dessen aber weigerst, so will ich
<lb n="0321.19"/> Leute schicken, welche die Kaufmann=
<lb n="0321.20"/> schaft und das Gewerbe nicht verhindert,
<lb n="0321.21"/> an Gott zu denken. Gesundheit und
<lb n="0321.22"/> Gl&#x00FC;ck sey mit dem, welcher den rechten
<lb n="0321.23"/> Weg wandelt</hi>.</p>
<lb n="0321.24" rend="indent"/> <p>Der stolze Ton dieses Briefes mu&#x00DF; dem
<lb n="0321.25"/> K&#x00E4;yser sehr empfindlich gewesen seyn. Unter=
<lb n="0321.26"/> dessen beklagte er sich gar nicht dar&#x00FC;ber, son=
<lb n="0321.27"/> <note type="footnote" n="321*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Dieses ist ein Vorwurf, welchen der Calife
<lb n="0321.28" rend="indent"/> den Christen wegen des Geheimnisses der
<lb n="0321.29" rend="indent"/> Dreyeinigkeit, und der W&#x00FC;rde einer Mutter
<lb n="0321.30" rend="indent"/> Gottes, welche sie der Maria beylegen, macht.</p></note>
<pb n="0322.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-383"/>
<lb n="0322.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>dern suchte blo&#x00DF; dem Verlangen des Califen zu
<lb n="0322.02"/> willfahren; er schickte ihm nicht nur den Ge=
<lb n="0322.03"/> fangnen zur&#x00FC;ck, sondern schenkte auch dem O=
<lb n="0322.04"/> mar einen sehr kostbaren Diamant. Der Ca=
<lb n="0322.05"/> life sch&#x00E4;tzte dieses Geschenke nicht werth, es zu
<lb n="0322.06"/> behalten, sondern lie&#x00DF; es verkauffen und das
<lb n="0322.07"/> Geld daf&#x00FC;r in die &#x00F6;ffentliche Schatzkammer
<lb n="0322.08"/> bringen. Er hatte mit dem Gefangnen eine
<lb n="0322.09"/> lange Unterredung, den k&#x00E4;yserlichen Hof be=
<lb n="0322.10"/> treffend. Abdallah erzehlte ihm hierauf, wie
<lb n="0322.11"/> sehr man ihm zugesetzt, seine Religion zu ver=
<lb n="0322.12"/> &#x00E4;ndern; doch weder Versprechungen noch Dro=
<lb n="0322.13"/> hungen w&#x00E4;ren verm&#x00F6;gend gewesen, seine Stand=
<lb n="0322.14"/> haftigkeit wankend zu machen. Er f&#x00FC;gte hin=
<lb n="0322.15"/> zu, da&#x00DF; ihn der K&#x00E4;yser sogar habe einschliessen
<lb n="0322.16"/> lassen, ohne ihm andre Speisen zu geben, als
<lb n="0322.17"/> Wein und Schweinefleisch, welches beydes
<lb n="0322.18"/> nach dem Gesetze des Mahomets verboten ist;
<lb n="0322.19"/> allein er habe nichts anger&#x00FC;hrt, und nachdem
<lb n="0322.20"/> er drey Tage, ohne das geringste zu sich zu neh=
<lb n="0322.21"/> men, so zugebracht, sey Heraclius &#x00FC;ber seine
<lb n="0322.22"/> Best&#x00E4;ndigkeit erstaunt, und habe ihm weiter
<lb n="0322.23"/> nichts zugemuthet.</p>
<lb n="0322.24" rend="indent"/> <p>Der Calife hatte zugleich mit dem Briefe
<lb n="0322.25"/> an den K&#x00E4;yser, wegen Befreyung des Gefan=
<lb n="0322.26"/> genen, an den Obeidah geschrieben, um ihm zu
<lb n="0322.27"/> befehlen, die Eroberungen der Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0322.28"/> weiter fortzusetzen. Er bestand nicht l&#x00E4;nger
<lb n="0322.29"/> darauf, das Gebirge anzugreiffen, wovon man
<lb n="0322.30"/> ihm die Schwierigkeiten vorgestellt hatte; son=
<lb n="0322.31"/> dern drang nur in den General, auf das schlei=
<pb n="0323.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-384"/>
<lb n="0323.01"/> nigste die n&#x00F6;thigen Befehle auszustellen, um<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0323.02"/> auch den &#x00FC;brigen Theil Syriens unterw&#x00FC;rffig
<lb n="0323.03"/> zu machen.</p>
<lb n="0323.04" rend="indent"/> <p>Da Obeidah also Vollmacht von dem Cali=
<lb n="0323.05"/> fen bekommen hatte, so beschlo&#x00DF; er, seine Tru=
<lb n="0323.06"/> pen ein wenig ausruhen zu lassen, weil sie aus=
<lb n="0323.07"/> serordentlich entkr&#x00E4;ftet waren. Damit aber
<lb n="0323.08"/> doch die Eroberungen der Muselm&#x00E4;nner nicht
<lb n="0323.09"/> ins Stecken kommen m&#x00F6;chten, so schickte er ei=
<lb n="0323.10"/> nen Bothen an den Amru = ebn = Alas, ihm zu
<lb n="0323.11"/> befehlen, mit der Armee, die er f&#x00FC;hrte, weiter
<lb n="0323.12"/> fortzur&#x00FC;cken.</p>
<lb n="0323.13" rend="indent"/> <p>Amru war damals in Pal&#x00E4;stina, wo er ver=<note type="marginalie" place="rechts">Eroberung<lb/>der Araber in<lb/>Pal&#x00E4;stina.</note>
<lb n="0323.14"/> schiedene Pl&#x00E4;tze unter die Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit der
<lb n="0323.15"/> Muselm&#x00E4;nner gebracht hatte. So bald er die
<lb n="0323.16"/> Befehle des Obeidah erhalten hatte, brach er
<lb n="0323.17"/> auf, und ging auf C&#x00E4;sarea los, wo man sagte,
<lb n="0323.18"/> da&#x00DF; Constantinus, des Heraclius Sohn, mit
<lb n="0323.19"/> einer betr&#x00E4;chtlichen Armee stehe. Als er aber
<lb n="0323.20"/> in diese Gegend einr&#x00FC;ckte, fand er sie so wohl
<lb n="0323.21"/> bedeckt, da&#x00DF; er nicht weiter kommen konnte,
<lb n="0323.22"/> ohne eine Schlacht zu wagen. Constantin hat=
<lb n="0323.23"/> te sich ungemein wohl verschanzt, und schien ge=
<lb n="0323.24"/> sonnen zu seyn, ihm den Weg streitig zu ma=
<lb n="0323.25"/> chen. Amru schlug sein Lager gleichfalls nicht
<lb n="0323.26"/> weit von dem Lager des Prinzen auf, und mach=
<lb n="0323.27"/> te Anstalten, den Feind auf das baldigste anzu=
<lb n="0323.28"/> greiffen.</p>
<lb n="0323.29" rend="indent"/> <p>Man merkte gar bald, da&#x00DF; Constantinus,
<lb n="0323.30"/> des guten Standes ohngeachtet, welchen er zu
<pb n="0324.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-385"/>
<lb n="0324.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>halten schien, nicht gesonnen sey, es zur Schlacht
<lb n="0324.02"/> kommen zu lassen. Er suchte anfangs die Mu=
<lb n="0324.03"/> selm&#x00E4;nner zu &#x00FC;berraschen. Er schickte de&#x00DF;wegen
<lb n="0324.04"/> einen christlichen Araber aus, Kundschaft von der
<lb n="0324.05"/> St&#x00E4;rke und der Stellung des Feindes einzuzie=
<lb n="0324.06"/> hen. Dieser Araber wuste sich so wohl zu verklei=
<lb n="0324.07"/> den, da&#x00DF; er sich in das Lager einschliche, und ver=
<lb n="0324.08"/> schiedene Tage hindurch, alles, was daselbst
<lb n="0324.09"/> vorging, in Augenschein nahm. Da aber ei=
<lb n="0324.10"/> ner von ungefehr auf sein Kleid trat, so da&#x00DF; er
<lb n="0324.11"/> beynahe gefallen w&#x00E4;re, so entfuhr ihm, ohne
<lb n="0324.12"/> da&#x00DF; er daran dachte, der Schwur <hi rend="bold">bey Chri=
<lb n="0324.13"/> sto</hi>! Die Muselm&#x00E4;nner merkten so gleich, da&#x00DF;
<lb n="0324.14"/> er ein christlicher Spion sey, und hieben ihn
<lb n="0324.15"/> auf der Stelle nieder.</p>
<lb n="0324.16" rend="indent"/> <p>Als Amru dieses erfuhr, so ward er &#x00FC;ber
<lb n="0324.17"/> dieses &#x00FC;bereilte Verfahren mit dem Kundschaf=
<lb n="0324.18"/> ter sehr unwillig. Er machte den Officiers, die
<lb n="0324.19"/> dabey zugegen gewesen waren, heftige Vorw&#x00FC;rf=
<lb n="0324.20"/> fe, weil sie sich dadurch eines Mittels beraubet,
<lb n="0324.21"/> welches ihnen die Vorsicht, die Umst&#x00E4;nde der
<lb n="0324.22"/> Christen zu erfahren, angeboten. Er lie&#x00DF; hier=
<lb n="0324.23"/> auf durch das ganze Lager bekannt machen, da&#x00DF;
<lb n="0324.24"/> man alle Kundschafter, die man etwa entdecken
<lb n="0324.25"/> w&#x00FC;rde, vorher zu ihm bringen solle.</p>
<lb n="0324.26" rend="indent"/> <p>Kurz darauf sahe man einen griechischen
<lb n="0324.27"/> Priester anlangen, welcher mit dem Heerf&#x00FC;h=
<lb n="0324.28"/> rer, in Namen des Constantinus, zu sprechen
<lb n="0324.29"/> verlangte. Er ward sogleich zu dem Amru ge=
<lb n="0324.30"/> f&#x00FC;hrt, welchem er sagte, da&#x00DF; der Prinz geneigt
<pb n="0325.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-386"/>
<lb n="0325.01"/> sey, sich mit ihm zu vergleichen, da&#x00DF; er ihm al=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0325.02"/> so einen Vertrauten schicken m&#x00F6;ge, mit welchem
<lb n="0325.03"/> er de&#x00DF;wegen Abrede nehmen k&#x00F6;nne. Amru
<lb n="0325.04"/> entschlo&#x00DF; sich, selbst zu ihm zu gehen, damit die
<lb n="0325.05"/> Sache desto geschwinder zum Schlusse kommen
<lb n="0325.06"/> m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0325.07" rend="indent"/> <p>Der griechische Prinz empfing den Musel=
<lb n="0325.08"/> mann auf das ehrw&#x00FC;rdigste. Nach den ersten
<lb n="0325.09"/> Ehrenbezeigungen lie&#x00DF; er ihm einen Stuhl se=
<lb n="0325.10"/> tzen, doch Amru schlug ihn aus, und setzte sich
<lb n="0325.11"/> nach Gewohnheit der Muselm&#x00E4;nner mit &#x00FC;ber=
<lb n="0325.12"/> einander geschlagenen Beinen auf die Erde, mit
<lb n="0325.13"/> dem Sebel an der Seite, und die Lanze quer vor
<lb n="0325.14"/> sich hingelegt. Er hatte hierauf eine sehr son=
<lb n="0325.15"/> derbare Unterredung mit dem Constantinus,
<lb n="0325.16"/> wann sie anders so gewesen ist, als sie der ara=
<lb n="0325.17"/> bische Geschichtschreiber erzehlt.</p>
<lb n="0325.18" rend="indent"/> <p>Constantinus fing damit an, da&#x00DF; er dem<note type="marginalie" place="rechts">Unterredung<lb/>des <hi rend="spaced">Amru</hi><lb/>und Constan=<lb/>tinus.</note>
<lb n="0325.19"/> Amru vorstellte, die Araber und Griechen th&#x00E4;=
<lb n="0325.20"/> ten sehr &#x00FC;bel, da&#x00DF; sie mit einander Krieg f&#x00FC;h=
<lb n="0325.21"/> reten, weil sie Br&#x00FC;der w&#x00E4;ren. <hi rend="bold">Wie sollten
<lb n="0325.22"/> sie Br&#x00FC;der seyn</hi>, versetzte Amru, <hi rend="bold">da sie von
<lb n="0325.23"/> einer so verschiedenen Religion sind? Und
<lb n="0325.24"/> welches sind denn die Beweise der Ver=
<lb n="0325.25"/> wandtschaft zwischen den Coreischiten
<lb n="0325.26"/> und den Griechen</hi>. Der Prinz glaubte es
<lb n="0325.27"/> zu beweisen, indem er in einer langen Rede ih=
<lb n="0325.28"/> re gemeinschaftliche Absta<expan>mm</expan>ung von dem Adam
<lb n="0325.29"/> herrechnete.</p>
<lb n="0325.30" rend="indent"/> <p>Amru antwortete ihm, es sey zwar wahr,
<pb n="0326.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-387"/>
<lb n="0326.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>da&#x00DF; die Araber und Griechen von dem Abra=
<lb n="0326.02"/> ham und Noah abstammten; da&#x00DF; Noah das
<lb n="0326.03"/> Land unter seine drey S&#x00F6;hne getheilet habe;
<lb n="0326.04"/> da&#x00DF; Sem Syrien, nebst den benachbarten L&#x00E4;n=
<lb n="0326.05"/> dern bekommen, und also die Araber, welche
<lb n="0326.06"/> von dem Sem abstammeten, seine Nachfolger
<lb n="0326.07"/> seyn m&#x00FC;&#x00DF;ten. <hi rend="bold">Uebrigens</hi>, f&#x00FC;gte er hinzu, <hi rend="bold">ge=
<lb n="0326.08"/> h&#x00F6;rt die Erde Gott, und er giebt sie zum
<lb n="0326.09"/> Erbtheile, wem er will; wir sind seine
<lb n="0326.10"/> Diener; er schenkt sie unsern Waffen;
<lb n="0326.11"/> und wir nehmen nur unser altes Erbe
<lb n="0326.12"/> wieder in Besitz, welches uns weit eher
<lb n="0326.13"/> geh&#x00F6;rt als euch. Wir haben unsre un=
<lb n="0326.14"/> fruchtbaren und heissen W&#x00FC;sten lange ge=
<lb n="0326.15"/> nug bewohnt; wir wollen daher dieses
<lb n="0326.16"/> angenehme Land geniessen, und es uns
<lb n="0326.17"/> vollends unterwerffen. Es ist billig, da&#x00DF;
<lb n="0326.18"/> wir es endlich auch einmal besitzen</hi>.</p>
<lb n="0326.19" rend="indent"/> <p>Der Muselmann wandte sich hierauf zu
<lb n="0326.20"/> den Griechen, welche gegenw&#x00E4;rtig waren, und
<lb n="0326.21"/> sagte ihnen, das einzige Mittel, sich in dem Be=
<lb n="0326.22"/> sitze dieses Landes zu erhalten, sey, den mahome=
<lb n="0326.23"/> tanischen Glauben anzunehmen, oder den Sch&#x00FC;=
<lb n="0326.24"/> lern des Mahomets zinsbar zu werden, oder
<lb n="0326.25"/> auch den Streit mit den Waffen auszumachen.
<lb n="0326.26"/> <hi rend="bold">Jch habe euch die Mittel</hi>, f&#x00FC;gte er schl&#x00FC;&#x00DF;=
<lb n="0326.27"/> lich hinzu, <hi rend="bold">euch zu erretten, gezeigt; ihr
<lb n="0326.28"/> aber seyd so wiederspenstig als euer Va=
<lb n="0326.29"/> ter Esau. Jhr sagt, wir w&#x00E4;ren eure
<lb n="0326.30"/> Anverwandte; allein wir m&#x00F6;gen mit euch
<lb n="0326.31"/> keine Gemeinschaft haben, so lange ihr</hi>
<pb n="0327.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-388"/>
<lb n="0327.01"/> <hi rend="bold">in dem Unglauben verharret: Wir<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0327.02"/> stammen von dem Jsmael ab, und unser
<lb n="0327.03"/> Prophet Mahomet hat Eingebungen
<lb n="0327.04"/> von dem Engel Gabriel gehabt, um uns
<lb n="0327.05"/> das Licht der heiligen Wahrheit, durch
<lb n="0327.06"/> Aus&#x00FC;bung der Lehre, die ihn GOtt
<lb n="0327.07"/> selbst gelehret hat, mitzutheilen</hi>.</p>
<lb n="0327.08" rend="indent"/> <p>Nach dieser Rede stand Amru auf, und so
<lb n="0327.09"/> endigte sich diese Unterredung, ohne die gering=
<lb n="0327.10"/> ste Hoffnung eines Vergleichs. Man machte
<lb n="0327.11"/> sich nunmehr auf beyden Theilen gefa&#x00DF;t, es auf
<lb n="0327.12"/> ein entscheidendes Treffen ankommen zu lassen.</p>
<lb n="0327.13" rend="indent"/> <p>Wann die Geschichte zwey zahlreiche in
<lb n="0327.14"/> Schlachtordnung gestellte Armeen zeigt, so hoft
<lb n="0327.15"/> der Leser, da&#x00DF; man ihm von den guten oder
<lb n="0327.16"/> schlechten Anstalten etwas sagen werde, welche
<lb n="0327.17"/> die Anf&#x00FC;hrer auf beyden Theilen gemacht, er
<lb n="0327.18"/> erwartet, gleich als auf einer Karte, die ver=
<lb n="0327.19"/> schiednen Bewegungen dieser wieder einander
<lb n="0327.20"/> aufgebrachten Heere zu sehen, und endlich den
<lb n="0327.21"/> Ausschlag zu erfahren, welchen der Sieg zwi=
<lb n="0327.22"/> schen beyden Theilen gegeben habe. Von die=
<lb n="0327.23"/> sem allen findet man bey den arabischen Ge=
<lb n="0327.24"/> schichtschreibern nichts; wenigstens hat es Al=
<lb n="0327.25"/> vakedi, den ich in meiner Erzehlung bisher ge=
<lb n="0327.26"/> folgt bin, nicht werth geachtet, die geringste
<lb n="0327.27"/> Erleuterung deswegen zu geben. Alles l&#x00E4;uft
<lb n="0327.28"/> auf einen Zweykampf, oder vielmehr ein Lanzen=
<lb n="0327.29"/> brechen zweyer oder dreyer Ritter hinaus, wor=
<lb n="0327.30"/> auf die Entlauffung oder Flucht unter die Chri=
<pb n="0328.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-389"/>
<lb n="0328.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>sten k&#x00F6;mmt, da&#x00DF; sie ihr Lager und Ger&#x00E4;the im
<lb n="0328.02"/> Stiche lassen. Beyspiele von solcher Art hat
<lb n="0328.03"/> man in dieser Geschichte schon gesehen. Man
<lb n="0328.04"/> wird sich also nicht wundern, wenn man auch
<lb n="0328.05"/> bey den jetzigen Umst&#x00E4;nden ein gleiches gesche=
<lb n="0328.06"/> hen siehet.</p>
<lb n="0328.07"/> <note type="marginalie" place="links">Zweykampf<lb/>zwischen ei=<lb/>nem Christen<lb/>und verschie=<lb/>denen Ara=<lb/>bern.</note><p rend="indent">Nachdem sich also beyde Armeen einander
<lb n="0328.08"/> gegen &#x00FC;ber in Schlachtordnung gestellt hatten,
<lb n="0328.09"/> n&#x00E4;herte sich ein Officier von dem Heere des
<lb n="0328.10"/> Constantinus den Muselm&#x00E4;nnern, und fragte,
<lb n="0328.11"/> wer von ihnen einen Zweykampf annehmen
<lb n="0328.12"/> wolle. Verschiedene Muselm&#x00E4;nner hielten hier=
<lb n="0328.13"/> auf inst&#x00E4;ndigst um den Vorzug an, welcher aber
<lb n="0328.14"/> einem jungen Araber gegeben wurde, der einen
<lb n="0328.15"/> recht feurigen Eifer f&#x00FC;r die mahometanische Re=
<lb n="0328.16"/> ligion hatte, und nach Syrien Kriegsdienste zu
<lb n="0328.17"/> nehmen gekommen war, in Absicht, entweder
<lb n="0328.18"/> Proselyten zu machen, oder die M&#x00E4;rtyrerkrone
<lb n="0328.19"/> zu erlangen. Doch er war noch viel zu jung,
<lb n="0328.20"/> einen so heftigen Anfall, als dieser war, aus=
<lb n="0328.21"/> zuhalten, und seine Kr&#x00E4;fte kamen weder seinem
<lb n="0328.22"/> Muthe, noch seinem Eyfer gleich; der griechische
<lb n="0328.23"/> Officier fertigte ihn bald ab, und versetzte ihm
<lb n="0328.24"/> einen Hieb, der ihn todt zur Erde streckte.</p>
<lb n="0328.25" rend="indent"/> <p>Hierauf stellten sich noch zwey oder drey an=
<lb n="0328.26"/> dre Muselm&#x00E4;nner, welche einer nach dem an=
<lb n="0328.27"/> dern gleiches Schicksal hatten. Endlich erschien
<lb n="0328.28"/> Sergiabil, und mit ihm endigte sich der Kampf.
<lb n="0328.29"/> Anfangs schien es, als ob er f&#x00FC;r den Musel=
<lb n="0328.30"/> mann sehr schlecht ausfallen w&#x00FC;rde: weil er
<pb n="0329.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-390"/>
<lb n="0329.01"/> ausserordentlich and&#x00E4;chtig, und einer von den<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0329.02"/> strengsten Beobachtern seiner Religion war, so
<lb n="0329.03"/> hatten ihn die Fasten und das Wachen so aus=
<lb n="0329.04"/> gezehrt, da&#x00DF; es nicht das Ansehen hatte, da&#x00DF; er
<lb n="0329.05"/> dem Christen lange w&#x00FC;rde Stand halten k&#x00F6;n=
<lb n="0329.06"/> nen. Jn der That warf ihn auch dieser bey dem
<lb n="0329.07"/> ersten Anfalle zu Boden, sprang von seinem
<lb n="0329.08"/> Pferde, und wollte ihn eben ermorden, als ein
<lb n="0329.09"/> Reuter von der griechischen Armee aus dem
<lb n="0329.10"/> Gliede hervor kam, mit verhangenem Z&#x00FC;gel her=
<lb n="0329.11"/> zu sprengte, und noch zeitig genug anlangte,
<lb n="0329.12"/> dem christlichen Officiere den Kopf abzuschla=
<lb n="0329.13"/> gen; er flohe hierauf zur muselm&#x00E4;nnischen Ar=
<lb n="0329.14"/> mee, wo er den Sergiabil mit hin nahm. Er
<lb n="0329.15"/> gab sich nunmehr f&#x00FC;r einem von denen zu er=
<lb n="0329.16"/> kennen, welche sich ehedem wider den Maho=
<lb n="0329.17"/> met zu emp&#x00F6;ren unterstanden hatten. (<ref rend="footnote" n="329*"><hi rend="super">*</hi></ref>) Er
<lb n="0329.18"/> gestand, da&#x00DF; ihn die Furcht, nachdr&#x00FC;cklich dieses
<lb n="0329.19"/> Verbrechens wegen gestraft zu werden, bewo=
<lb n="0329.20"/> <note type="footnote" n="329*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Dieser Muselmann hie&#x00DF; <hi rend="bold">Tuleihah = ebn =
<lb n="0329.21" rend="indent"/> Khovailed</hi>. Er war bey seinen Landsleu=
<lb n="0329.22" rend="indent"/> ten so verabscheut, weil er sich wider den Ma=
<lb n="0329.23" rend="indent"/> homet hatte emp&#x00F6;ren wollen, da&#x00DF;, als ihn
<lb n="0329.24" rend="indent"/> Amru mit einem Empfehlungsschreiben an
<lb n="0329.25" rend="indent"/> den Omar schickte, der Calife vor Entsetzen
<lb n="0329.26" rend="indent"/> ganz ausser sich zu seyn schien, als er vor ihn
<lb n="0329.27" rend="indent"/> kam. Doch die lebhafte Reue des Tuleihah,
<lb n="0329.28" rend="indent"/> und der Dienst, welchen er dem Sergiabil
<lb n="0329.29" rend="indent"/> erwiesen, brachte ihn endlich bey dem Cali=
<lb n="0329.30" rend="indent"/> fen vollkommen wieder in Gunst, da&#x00DF; er ihm
<lb n="0329.31" rend="indent"/> seinen Fehler vergab, und ihn unter den Tru=
<lb n="0329.32" rend="indent"/> pen bef&#x00F6;rderte.</p></note>
<pb n="0330.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-391"/>
<lb n="0330.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>gen habe, bey den Christen Dienste zu nehmen,
<lb n="0330.02"/> wo er schon lange eine g&#x00FC;nstige Gelegenheit er=
<lb n="0330.03"/> wartet h&#x00E4;tte, sich mit den Muselm&#x00E4;nnern wie=
<lb n="0330.04"/> der auszus&#x00F6;hnen.</p>
<lb n="0330.05" rend="indent"/> <p>Der Verlust des griechischen Officiers brach=
<lb n="0330.06"/> te das Schrecken und die Best&#x00FC;rzung unter die
<lb n="0330.07"/> Trupen des Constantinus. Es fand sich eine
<lb n="0330.08"/> grosse Menge, welche durchzugehen beschlossen
<lb n="0330.09"/> hatte, und viele von ihren Kammeraden mit=
<lb n="0330.10"/> nahm. Die, welche noch Muth genug hatten
<lb n="0330.11"/> zu bleiben, hatten dennoch nicht Muth genug,
<lb n="0330.12"/> dem Feinde Gegenstand zu halten. Sie be=
<lb n="0330.13"/> haupteten, es sey unm&#x00F6;glich, den Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0330.14"/> nern die Spitze zu bieten, deren Kr&#x00E4;ffte mit je=
<lb n="0330.15"/> dem Augenblicke w&#x00FC;chsen, und fa&#x00DF;ten also von
<lb n="0330.16"/> selbst den Entschlu&#x00DF;, sich in ihr Lager zu zie=
<lb n="0330.17"/> hen und wohl zu verschanzen.</p>
<lb n="0330.18"/> <note type="marginalie" place="links">Constanti=<lb/>nus wendet<lb/>sich nach C&#x00E4;=<lb/>sarea.</note><p rend="indent">Unterdessen blieben sie auch da nicht lange.
<lb n="0330.19"/> Nachdem Constantinus sich in folgender Nacht
<lb n="0330.20"/> aufgemacht hatte, nach C&#x00E4;sarea zu fliehen; so
<lb n="0330.21"/> zog das Beyspiel des Feldherrn die Menge nach
<lb n="0330.22"/> sich, und die Griechen verliessen gleich den Tag
<lb n="0330.23"/> darauf das Lager, um ihrem Prinzen nachzueilen.</p>
<lb n="0330.24" rend="indent"/> <p>Da Amru dem Obeidah sogleich von dem,
<lb n="0330.25"/> was vorgegangen war, Nachricht gab, so befahl
<lb n="0330.26"/> ihm der Feldherr, ohne Verzug nach C&#x00E4;sarea
<lb n="0330.27"/> aufzubrechen, allwo er mit ehestem zu ihm stos=
<lb n="0330.28"/> sen wolle, um alsdann gemeinschaftlich die Be=
<lb n="0330.29"/> lagerung von Tripoli, Acre und Tyrus vorzu=
<lb n="0330.30"/> nehmen.</p>
<pb n="0331.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-392"/>
<lb n="0331.01" rend="indent"/> <p>Doch eben als Obeidah diese Befehle aus=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0331.02"/> stellte, erfuhr er, da&#x00DF; ihm Yukinna einer grossen
<lb n="0331.03"/> Arbeit &#x00FC;berhoben habe, indem er sich der Stadt<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Yukinna</hi><lb/>nimmt Tri=<lb/>poli f&#x00FC;r <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Muselm&#x00E4;n=<lb/>ner ein.</note>
<lb n="0331.04"/> Tripoli bem&#x00E4;chtiget. Der Feldherr ward &#x00FC;ber
<lb n="0331.05"/> diese Nachricht ungemein erfreut, und schickte
<lb n="0331.06"/> sogleich den Khaled mit einigen Trupen zu ihm,
<lb n="0331.07"/> weil er sich leicht einbilden konnte, da&#x00DF; er H&#x00FC;lffe
<lb n="0331.08"/> vonn&#x00F6;then haben w&#x00FC;rde, um sich in dem Platze
<lb n="0331.09"/> zu erhalten.</p>
<lb n="0331.10" rend="indent"/> <p>Khaled kam zu gelegner Zeit an. Kaum
<lb n="0331.11"/> fing Yukinna an, das Vergn&#x00FC;gen &#x00FC;ber seine
<lb n="0331.12"/> Eroberung zu geniessen, als er Schiffe in dem
<lb n="0331.13"/> Hafen ankommen sahe, welche f&#x00FC;r die Armee
<lb n="0331.14"/> des Constantinus, deren schimpfliche Flucht
<lb n="0331.15"/> noch unbekant war, Lebensmittel und Waffen
<lb n="0331.16"/> brachte. Yukinna befand sich bey dem Aus=
<lb n="0331.17"/> schiffen, und empfing den Obersten und die Of=
<lb n="0331.18"/> ficiers, als ob er von ihrer Parthey sey. Un=
<lb n="0331.19"/> terdessen war er doch wegen der Folgen dieser
<lb n="0331.20"/> Begebenheit, welche sich nothwendig gar bald
<lb n="0331.21"/> aufkl&#x00E4;ren mu&#x00DF;te, sehr unruhig; zu seinem Gl&#x00FC;=
<lb n="0331.22"/> cke aber erfuhr er die Ankunft des Khaled.
<lb n="0331.23"/> Diese Verst&#x00E4;rkung befreyte ihn von aller Un=
<lb n="0331.24"/> ruhe. Er nahm die Officiers auf den Schiffen
<lb n="0331.25"/> gefangen, und nachdem er den gr&#x00F6;&#x00DF;ten Theil der
<lb n="0331.26"/> Lebensmittel in die Stadt hatte bringen lassen,
<lb n="0331.27"/> so bat er den Khaled, die Stadt zu besetzen,
<lb n="0331.28"/> mittlerweile er eben diesen Anschlag, welcher
<lb n="0331.29"/> ihm mit Tripoli gegl&#x00FC;ckt sey, auch mit Tyrus
<lb n="0331.30"/> ausf&#x00FC;hren wolle.</p>
<pb n="0332.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-393"/>
<lb n="0332.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note><p rend="indent">Yukinna machte sich also gleich auf, und
<lb n="0332.02"/> kam auf den Schiffen, deren er sich bem&#x00E4;chti=
<lb n="0332.03"/> get hatte, nach Tyrus; und als er in dem Ha=
<lb n="0332.04"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Yukinna</hi><lb/>will sich der<lb/>Stadt Ty=<lb/>rus bem&#x00E4;ch=<lb/>tigen, <hi rend="spaced">und<lb/>wird</hi> ent=<lb/>decket.</note>fen angelangt war, lie&#x00DF; er dem Befehlshaber
<lb n="0332.05"/> sagen, da&#x00DF; er f&#x00FC;r seine und des Constantinus
<lb n="0332.06"/> Trupen Erfrischungen bringe. Man empfing
<lb n="0332.07"/> ihn folglich auf das allerfreundlichste, und legte
<lb n="0332.08"/> ihn mit seinen neunhundert bey sich habenden
<lb n="0332.09"/> Soldaten in die Stadt. Doch endlich erkannte
<lb n="0332.10"/> ein christlicher Officier den Yukinna, und steckte
<lb n="0332.11"/> es schleinig dem Befehlshaber, damit er auf
<lb n="0332.12"/> seiner Hut seyn solle. Dieser nahm auch so
<lb n="0332.13"/> gute Maa&#x00DF;regeln, da&#x00DF; er, ohne das geringste
<lb n="0332.14"/> Lermen, sich durch die Besatzung des Yukinna
<lb n="0332.15"/> und seines Gefolges bem&#x00E4;chtigte, und sie in
<lb n="0332.16"/> Ketten werffen lie&#x00DF;. Diejenigen, die auf dem
<lb n="0332.17"/> Schiffe geblieben waren, lie&#x00DF; er vorjetzo zufrie=
<lb n="0332.18"/> den, und hoffte ihnen gar bald eben so zu be=
<lb n="0332.19"/> gegnen, als ihrem Anf&#x00FC;hrer. Doch pl&#x00F6;tzlich sahe
<lb n="0332.20"/> man, w&#x00E4;hrend dieser Zeit, eine Schaar Araber
<lb n="0332.21"/> vor Tyrus erscheinen, welche der Stadt zu dro=
<lb n="0332.22"/> hen schienen. Nachdem der Befehlshaber, die=
<lb n="0332.23"/> ser Trupen wegen, Kundschast hatte einziehen
<lb n="0332.24"/> lassen, erfuhr er, da&#x00DF; es eine Parthey Araber
<lb n="0332.25"/> sey, welche von dem Yesid = ebn = Abi = Sofian,
<lb n="0332.26"/> einem der besten Feldherren der Muselm&#x00E4;nner,
<lb n="0332.27"/> angef&#x00FC;hrt w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0332.28" rend="indent"/> <p>Da der Befehlshaber sahe, da&#x00DF; die feindli=
<lb n="0332.29"/> che Parthey eben nicht sehr stark sey, beschlo&#x00DF;
<lb n="0332.30"/> er einen Anfall zu wagen, um sich von ihr zu
<lb n="0332.31"/> befreyen, ehe neue H&#x00FC;lffe anlangte; vorher
<pb n="0333.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-394"/>
<lb n="0333.01"/> aber lie&#x00DF; er den Yukinna und die &#x00FC;brigen Gefan=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0333.02"/> genen auf das Schlo&#x00DF; bringen, dessen Bewa=
<lb n="0333.03"/> chung er einem Griechen, Namens Basilius,
<lb n="0333.04"/> anvertraute.</p>
<lb n="0333.05" rend="indent"/> <p>Dieser Grieche war ein Verr&#x00E4;ther, welcher
<lb n="0333.06"/> schon lange Willens war, zu den Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0333.07"/> nern &#x00FC;ber zu gehen. Allein er wollte seinen
<lb n="0333.08"/> Uebergang mit einer wichtigen That begleiten,
<lb n="0333.09"/> damit er sich sogleich in das beste Ansehen setzen
<lb n="0333.10"/> m&#x00F6;ge. Der gegenw&#x00E4;rtige Vorfall schien ihm
<lb n="0333.11"/> darzu sehr g&#x00FC;nstig zu seyn; er theilte also dem
<lb n="0333.12"/> Yukinna seine Absicht mit, und gab ihm, so=
<lb n="0333.13"/> wohl als seinem ganzen Gefolge, zum ersten
<lb n="0333.14"/> Beweise seines Eifers f&#x00FC;r die mahometanische
<lb n="0333.15"/> Religion, die Freyheit.</p>
<lb n="0333.16" rend="indent"/> <p>So bald sich Yukinna aus den Ketten sahe,<note type="marginalie" place="rechts">Tyrus mu&#x00DF;<lb/>sich ergeben.</note>
<lb n="0333.17"/> lie&#x00DF; er seinen Leuten, welche auf dem Schiffe
<lb n="0333.18"/> geblieben waren, von seiner Befreyung schlei=
<lb n="0333.19"/> nige Nachricht geben, und ertheilte Befehl,
<lb n="0333.20"/> da&#x00DF; sie sich an einem bestimmten Orte bey ihm
<lb n="0333.21"/> einfinden sollten; eben dieses lie&#x00DF; er hernach dem
<lb n="0333.22"/> Yesid sagen, welcher eben mit dem Befehlsha=
<lb n="0333.23"/> ber handgemein war. Diese Nachricht machte
<lb n="0333.24"/> den Muselm&#x00E4;nnern neuen Muth: sie hielten
<lb n="0333.25"/> den Anfall der Tyrer mit der gr&#x00F6;&#x00DF;ten Tapfer=
<lb n="0333.26"/> keit aus, und endlich lenkte sich der Sieg, durch
<lb n="0333.27"/> eine Bewegung, welche Yukinna machte, g&#x00E4;nz=
<lb n="0333.28"/> lich auf ihre Seite. Er brach aus der Stadt,
<lb n="0333.29"/> und fiel den Tyrern in R&#x00FC;cken, indem sie vor
<lb n="0333.30"/> sich mit den Arabern zu thun hatten; und durch
<pb n="0334.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-395"/>
<lb n="0334.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>diesen Ueberfall wurden die Trupen des Befehls=
<lb n="0334.02"/> habers fast g&#x00E4;nzlich in St&#x00FC;cken gehauen. Die
<lb n="0334.03"/> Sieger begaben sich hierauf in die Stadt und
<lb n="0334.04"/> machten anfangs alles nieder, was ihnen ent=
<lb n="0334.05"/> gegen kam; doch endlich lie&#x00DF; ihre Wuth nach,
<lb n="0334.06"/> und man erzeigte denjenigen Gnade, welche
<lb n="0334.07"/> die mahometanische Religion anzunehmen ver=
<lb n="0334.08"/> sprachen.</p>
<lb n="0334.09"/> <note type="marginalie" place="links">Constanti=<lb/><hi rend="spaced">nus flieht<lb/>nach</hi> Con=<lb/>stantinopel.</note><p rend="indent">Die Einnahme von Tyrus setzte die Ein=
<lb n="0334.10"/> wohner zu C&#x00E4;sarea, welche sich von den Mu=
<lb n="0334.11"/> selm&#x00E4;nnern schon belagert sahen, in die gr&#x00F6;ste
<lb n="0334.12"/> Best&#x00FC;rzung. Unterdessen nahmen sie doch ei=
<lb n="0334.13"/> nige Maa&#x00DF;regeln, ihren Platz gegen einen so
<lb n="0334.14"/> f&#x00FC;rchterlichen Feind zu vertheidigen; doch ein
<lb n="0334.15"/> neuer Zufall machte alle ihre Anstallten zunich=
<lb n="0334.16"/> te. Der furchtsame Constantinus kam &#x00FC;ber
<lb n="0334.17"/> den Verlust der Stadt Tyrus ausser sich, und
<lb n="0334.18"/> glaubte den Feind schon als Meister von C&#x00E4;sa=
<lb n="0334.19"/> rea zu sehen, so da&#x00DF; er, ohne die St&#x00E4;rke seines
<lb n="0334.20"/> Platzes, die Anzahl seiner Trupen, und die
<lb n="0334.21"/> Wirckung, welche seine Gegenwart bey solchen
<lb n="0334.22"/> Umst&#x00E4;nden haben m&#x00FC;sse, zu &#x00FC;berlegen, auf
<lb n="0334.23"/> nichts, als sich in Sicherheit zu setzen, bedacht
<lb n="0334.24"/> war. Er begab sich also verstohlner weise, mit
<lb n="0334.25"/> seiner Familie aus der Stadt, erlangte schleinig
<lb n="0334.26"/> den Hafen, und schifte sich nach Constantinopel
<lb n="0334.27"/> ein.</p>
<lb n="0334.28"/> <note type="marginalie" place="links">C&#x00E4;sarea er=<lb/>giebt sich den<lb/>Arabern.</note><p rend="indent">Die schimpfliche Entfliehung des Constanti=
<lb n="0334.29"/> nus entschied das Schicksal der Stadt C&#x00E4;sarea.
<lb n="0334.30"/> Die Einwohner hatten wenig Lust, sich einem
<pb n="0335.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-396"/>
<lb n="0335.01"/> Prinzen zu gefallen aufzuopfern, welcher sie so<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 17.<lb/>n. C. G. 638.</note>
<lb n="0335.02"/> sch&#x00E4;ndlich verlassen hatte, und beschlossen ein=
<lb n="0335.03"/> m&#x00FC;thig, sich zu ergeben. Sie liessen also dem
<lb n="0335.04"/> Amru wissen, da&#x00DF; sie ihm die Stadt &#x00FC;berlie=
<lb n="0335.05"/> fern und zugleich alles geben wollten, was dem
<lb n="0335.06"/> Constantinus daselbst eigenth&#x00FC;mlich zugeh&#x00F6;re.
<lb n="0335.07"/> Uebrigens aber verlangten sie alle Sicherheit
<lb n="0335.08"/> f&#x00FC;r sich, und erhielten sie auch, vermittelst einer
<lb n="0335.09"/> Summe von zwey hundert tausend St&#x00FC;ck Sil=
<lb n="0335.10"/> ber. Amru begab sich unverz&#x00FC;glich in die
<lb n="0335.11"/> Stadt, und nahm sie, im Namen des Califen
<lb n="0335.12"/> in Besitz.</p>
<lb n="0335.13" rend="indent"/> <p>Nach dieser Begebenheit war keine einzige
<lb n="0335.14"/> Stadt mehr, welche sich, den Muselm&#x00E4;nnern
<lb n="0335.15"/> die Thore zu &#x00F6;ffnen, geweigert h&#x00E4;tte: sie beka=
<lb n="0335.16"/> men also gar bald Ramlah, Acrah, Joppe, A=
<lb n="0335.17"/> scalon, Gaza, Sichem und Tiberias in Pal&#x00E4;=
<lb n="0335.18"/> stina, und Brirut, Sidon, Jabalah und Lao=
<lb n="0335.19"/> dicea in dem am Meere gelegenen Theile Syri=
<lb n="0335.20"/> ens, unter ihre Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit. Diese Erobe=
<lb n="0335.21"/> rung geschahe so schleinig, da&#x00DF; sie eher einer
<lb n="0335.22"/> Reise als einem Kriegszuge &#x00E4;hnlich sahe.</p>
<lb n="0335.23" rend="indent"/> <p>Auf alle diese Vortheile folgte kurz darauf<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Tod ver=<lb/>schiedener<lb/>mahome=<lb/>tanischen</hi><lb/>Kriegsober=<lb/>sten.</note>
<lb n="0335.24"/> eine grausame Landplage, welche diese ganze
<lb n="0335.25"/> Provinz und die umliegende Gegend verw&#x00FC;ste=
<lb n="0335.26"/> te. Die Pest verheerete beynahe das ganze
<lb n="0335.27"/> Syrien, und raffte so viel Menschen weg, da&#x00DF;<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0335.28"/> man dieses Jahr, das <hi rend="bold">Jahr der Vertil=
<lb n="0335.29"/> gung</hi> nennte. Obeidah, Sergiabil, Yesid,
<lb n="0335.30"/> und verschiedene andre vornehme mahometani=
<pb n="0336.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-397"/>
<lb n="0336.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>sche Kriegsoberste sturben an dieser Kranckheit.
<lb n="0336.02"/> Der beruffne Khaled hatte das Gl&#x00FC;ck, dem ge=
<lb n="0336.03"/> meinen Umfalle zu entrinnen; daher &#x00FC;berlebte
<lb n="0336.04"/> er die tapfern Officiere, die er vor seinen Au=
<lb n="0336.05"/> gen hatte umkommen sehen, auch nur sehr kur=
<lb n="0336.06"/> ze Zeit. Er starb ohngefehr drey Jahr darauf.
<lb n="0336.07"/> Die Geschichtschreiber haben uns nichts weder
<lb n="0336.08"/> von der Art, noch dem Orte seines Todes etwa
<lb n="0336.09"/> gemeldet.</p>
<lb n="0336.10"/> <note type="marginalie" place="links">Amru &#x00FC;ber=<lb/>nimmt das<lb/>Commando<lb/>der Armee.</note><p rend="indent">Gleich nach dem Tode des Obeidah, &#x00FC;ber=
<lb n="0336.11"/> nahm Amru das oberste Commando &#x00FC;ber die
<lb n="0336.12"/> Truppen, und schrieb zugleich an den Califen,
<lb n="0336.13"/> ihm die Verheerung zu melden, welche die Pest
<lb n="0336.14"/> unter den Trupen angerichtet habe: und weil es
<lb n="0336.15"/> allzugef&#x00E4;hrlich gewesen w&#x00E4;re, seine Befehle in
<lb n="0336.16"/> Syrien zu erwarten, so meldete er dem Omar,
<lb n="0336.17"/> da&#x00DF; er sich, seiner ersten Bestimmung nach,
<lb n="0336.18"/> immer auf den Marsch nach Aegypten begeben
<lb n="0336.19"/> wolle, und da&#x00DF; er ihm, dieser Unternehmung
<lb n="0336.20"/> wegen, seine Gesinnungen auf das schleinigste
<lb n="0336.21"/> melden m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0336.22"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Othman<lb/>will den</hi><lb/>Omar bewe=<lb/>gen, den Am=<lb/>ru das Com=<lb/><hi rend="spaced">mando zu</hi><lb/>nehmen.</note><p rend="indent">Omar ward durch den Verlust, welchen der
<lb n="0336.23"/> muselm&#x00E4;nnische Staat, durch den Tod so viel
<lb n="0336.24"/> tapferer Anf&#x00FC;hrer, erlitten, auf das empfindlich=
<lb n="0336.25"/> ste ger&#x00FC;hrt. Nachdem er ihrem Andencken die
<lb n="0336.26"/> verdienten Lobspr&#x00FC;che ertheilt, &#x00FC;berlegte er mit
<lb n="0336.27"/> den Vornehmsten seines Raths den Feldzug
<lb n="0336.28"/> nach Aegypten. Hierinne kamen alle Meinun=
<lb n="0336.29"/> gen &#x00FC;berein, da&#x00DF; man das Unternehmen fortse=
<lb n="0336.30"/> tzen m&#x00FC;sse; allein wegen des Feldherrn trenne=
<pb n="0337.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-398"/>
<lb n="0337.01"/> ten sie sich. Es sey nun, da&#x00DF; die Thaten des<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0337.02"/> Amru ihm Neider erweckt hatten, oder da&#x00DF; man
<lb n="0337.03"/> ihn in der That f&#x00FC;r unf&#x00E4;hig hielt, dieses Unter=
<lb n="0337.04"/> nehmen auszuf&#x00FC;hren; genug, Othmann, wel=
<lb n="0337.05"/> cher alles bey dem Omar vermochte, wollte
<lb n="0337.06"/> ihn bereden, das Commando der Trupen dem
<lb n="0337.07"/> Amru nicht zu lassen.</p>
<lb n="0337.08" rend="indent"/> <p>Der Calif unterdessen war dieser Meinung<note type="marginalie" place="rechts">Wie sich<lb/>der Calif da=<lb/>bey bezeigt.</note>
<lb n="0337.09"/> nicht; damit er aber doch den Othmann nicht
<lb n="0337.10"/> unwillig machen m&#x00F6;ge, so gebrauchte er eine
<lb n="0337.11"/> Wendung, welche ihm gelang. Er schrieb an
<lb n="0337.12"/> den Amru, nicht eben ausdr&#x00FC;cklich ihm das
<lb n="0337.13"/> Commando zu nehmen, sondern ihm blo&#x00DF; zu
<lb n="0337.14"/> befehlen, mit seinen Trupen wieder zur&#x00FC;ck zu
<lb n="0337.15"/> kommen, im Fall er noch in Syrien sey, wann
<lb n="0337.16"/> er diesen Brief erhalte; und weil zu vermuthen
<lb n="0337.17"/> stand, dieser Feldherr w&#x00FC;rde unterdessen Zeit
<lb n="0337.18"/> genug gehabt haben, wenigstens an die Grenzen
<lb n="0337.19"/> von Aegypten zu gelangen, so f&#x00FC;gte Omar
<lb n="0337.20"/> hinzu, da&#x00DF; er in diesem Falle seinen Marsch
<lb n="0337.21"/> fortsetzen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0337.22" rend="indent"/> <p>Die Ausdr&#x00FC;cke des Califen waren folgende:
<lb n="0337.23"/> <hi rend="bold">Wann du diesen Brief bek&#x00F6;mmst, ehe
<lb n="0337.24"/> du nach Aegypten gelangt bist, so kehre
<lb n="0337.25"/> zur&#x00FC;ck; bist du aber schon in Aegypten,
<lb n="0337.26"/> wann ihn dir der Bothe einh&#x00E4;ndiget, so
<lb n="0337.27"/> setze deinen Weg unter dem Segen Got=
<lb n="0337.28"/> tes fort; und sey versichert, da&#x00DF; ich dir
<lb n="0337.29"/> Verst&#x00E4;rkung schicken wil, so bald du sie
<lb n="0337.30"/> n&#x00F6;thig haben wirst</hi>.</p>
<pb n="0338.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-399"/>
<lb n="0338.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note><p rend="indent">Es ist sehr wahrscheinlich, da&#x00DF; der Calife
<lb n="0338.02"/> dem Amru, indem er ihm diesen Brief geschickt,
<lb n="0338.03"/> zugleich habe stecken lassen, wie er sich verhal=
<lb n="0338.04"/> ten solle, damit alles nach beyder Wunsche aus=
<lb n="0338.05"/> schlage. Und in der That, als der Brief an=
<lb n="0338.06"/> kam, war Amru noch auf dem syrischen Ge=
<lb n="0338.07"/> biete. Er sagte daher zu dem Bothen, da&#x00DF; er
<lb n="0338.08"/> jetzo nicht Zeit habe seine Briefe zu lesen; und
<lb n="0338.09"/> da&#x00DF; er ihm nur folgen solle, damit er ihn abfer=
<lb n="0338.10"/> tigen k&#x00F6;nne, wann er mehr Zeit haben werde.
<lb n="0338.11"/> Amru lie&#x00DF; sogleich seine Trupen ihren Marsch
<lb n="0338.12"/> verdoppeln, und r&#x00FC;ckte an die Grenzen von
<lb n="0338.13"/> Aegypten. Sobald er angekommen war, lie&#x00DF;
<lb n="0338.14"/> er stille halten, und nachdem er seine vornehm=
<lb n="0338.15"/> sten Hauptleute um sich versammlet, er&#x00F6;ffnete
<lb n="0338.16"/> er das Schreiben des Califen, und las es &#x00F6;f=
<lb n="0338.17"/> fentlich vor. Hierauf lie&#x00DF; er, al&#x00DF; ob er es
<lb n="0338.18"/> nicht gewu&#x00DF;t h&#x00E4;tte, wo er sich bef&#x00E4;nde, einige
<lb n="0338.19"/> Einwohner kommen, und fragte sie, zu welcher
<lb n="0338.20"/> Provinz der Ort, wo er jetzo stehe, geh&#x00F6;re: da
<lb n="0338.21"/> ihm die Einwohner antworteten, da&#x00DF; er zu Ae=
<lb n="0338.22"/> gypten geh&#x00F6;re, so sagte der Feldherr ganz ernst=
<lb n="0338.23"/> lich: <hi rend="bold">Wann dem so ist, so m&#x00FC;ssen wir un=
<lb n="0338.24"/> sern Weg wohl fortsetzen</hi>.</p>
<lb n="0338.25"/> <note type="marginalie" place="links">Eroberun=<lb/>gen der Mu=<lb/>selm&#x00E4;nner in<lb/>Aegypten.</note><p rend="indent">Er setzte ihn auch in der That fort, und
<lb n="0338.26"/> langte endlich vor einem Platze an, Namens
<lb n="0338.27"/> Pharmah, welchen er belagerte. Er bem&#x00E4;ch=
<lb n="0338.28"/> tigte sich desselben nach Monatsfrist, und ging
<lb n="0338.29"/> <note type="marginalie" place="links">Belagerung<lb/>von Mesrah.</note>hierauf nach Mesrah zu, wovor er beynahe sie=
<lb n="0338.30"/> ben. Monate liegen mu&#x00DF;te. Die Belagerten
<lb n="0338.31"/> vertheidigten sich mit erstaunlicher Tapferkeit, so
<pb n="0339.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-400"/>
<lb n="0339.01"/> da&#x00DF; Armu einigen Vortheil zu gewinnen ver=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0339.02"/> zweifelte, wann er nicht m&#x00E4;chtig unterst&#x00FC;tzt
<lb n="0339.03"/> w&#x00FC;rde. Er schrieb daher an den Califen, und
<lb n="0339.04"/> bat ihn, um schleinige Verst&#x00E4;rkung, so, wie er
<lb n="0339.05"/> sie ihm versprochen habe.</p>
<lb n="0339.06" rend="indent"/> <p>Der Calif lie&#x00DF; schleinig eine zahlreiche Mann=
<lb n="0339.07"/> schaft aufbrechen, welche gar bald in dem Lager
<lb n="0339.08"/> des Amru anlangte, und den Muth und die
<lb n="0339.09"/> Hoffnung der Belagerer um ein grosses ver=
<lb n="0339.10"/> mehrte. Unterdessen w&#x00FC;rde sich dieser Platz, der
<lb n="0339.11"/> Verst&#x00E4;rkung ohngeachtet, noch lange gehalten
<lb n="0339.12"/> haben, wann der Befehlshaber nicht ein Verr&#x00E4;=
<lb n="0339.13"/> ther gewesen w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0339.14" rend="indent"/> <p>Er hie&#x00DF; Makaukas, und war von der Secte
<lb n="0339.15"/> der Jacobiten (<ref rend="footnote" n="339*"><hi rend="super">*</hi></ref>), und folglich ein Feind der
<lb n="0339.16"/> rechtgl&#x00E4;ubigen Christen. Da er &#x00FC;brigens den
<lb n="0339.17"/> Heraclius beleidiget hatte, indem er sich der Ein=
<lb n="0339.18"/> k&#x00FC;nfte von Aegypten, deren Einnahme er be=
<lb n="0339.19"/> sorgte, bem&#x00E4;chtiget, und dem K&#x00E4;yser alle Geld=
<lb n="0339.20"/> h&#x00FC;lffe, zu der Zeit, als dessen Angelegenheiten
<lb n="0339.21"/> in Syrien ziemlich in Verfall gekommen waren,
<lb n="0339.22"/> abgeschlagen, so bef&#x00FC;rchtete er mit Recht, de&#x00DF;=
<lb n="0339.23"/> wegen zu harter Strafe gezogen zu werden,
<lb n="0339.24"/> wann es den Griechen gelingen sollte, die Ober=
<lb n="0339.25"/> hand &#x00FC;ber die Muselm&#x00E4;nner endlich zu erlangen.
<lb n="0339.26"/> <note type="footnote" n="339*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Die Jacobiten sind eine orientalische Secte,
<lb n="0339.27" rend="indent"/> welche nur eine Natur in J. C. erkennen. Sie
<lb n="0339.28" rend="indent"/> haben ihren Namen von dem Jacob Bardai,
<lb n="0339.29" rend="indent"/> welcher in dem 5<hi rend="super">ten</hi> Jahrhunderte diesen Jrr=
<lb n="0339.30" rend="indent"/> thum in Gang brachte.</p></note>
<pb n="0340.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-401"/>
<lb n="0340.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>Er beschlo&#x00DF; also sich die Zeit zu Nutze zu ma=
<lb n="0340.02"/> chen, den K&#x00E4;yser um diesen Platz zu bringen,
<lb n="0340.03"/> und ihn den Muselm&#x00E4;nnern, unter ihm vortheil=
<lb n="0340.04"/> haften Bedingungen zu &#x00FC;berliefern.</p>
<lb n="0340.05" rend="indent"/> <p>Die Ankunft der Verst&#x00E4;rkung, welche Am=
<lb n="0340.06"/> ru erhalten hatte, gab dem Makaukas eine g&#x00FC;n=
<lb n="0340.07"/> stige Gelegenheit, die St&#x00E4;rcke der Belagerer zu
<lb n="0340.08"/> vergr&#x00F6;ssern. Er stellte den Griechen die Un=
<lb n="0340.09"/> m&#x00F6;glichkeit vor, l&#x00E4;nger Widerstand zu halten;
<lb n="0340.10"/> und da&#x00DF; er nichts bessers thun k&#x00F6;nne, als das
<lb n="0340.11"/> Schlo&#x00DF; zu verlassen, und sich auf eine kleine
<lb n="0340.12"/> Jnsel zu ziehen, die sich mitten auf dem Nile,
<lb n="0340.13"/> zwischen Mesrah und dem gegenseitigen Ufer, be=
<lb n="0340.14"/> fand. Er war der erste, welcher sich dahin begab;
<lb n="0340.15"/> alle Cophten (<ref rend="footnote" n="340*"><hi rend="super">*</hi></ref>) folgten ihm, de&#x00DF;gleichen auch
<lb n="0340.16"/> eine Anzahl Griechen, von welchen aber gleich=
<lb n="0340.17"/> <note type="footnote" n="340*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Der Name Cophten, oder Copten, k&#x00F6;mmt, wie
<lb n="0340.18" rend="indent"/> man glaubt, von dem Griechischen <emph rend="greek">&#x0391;&#x1F30;&#x03B3;&#x03C5;&#x03C0;&#x03C4;&#x03BF;&#x03C2;</emph>,
<lb n="0340.19" rend="indent"/> ein Aegyptier her. Es waren auch in der
<lb n="0340.20" rend="indent"/> That die wirklichen Einwohner Aegyptens,
<lb n="0340.21" rend="indent"/> welche man so nennte, um sie von den Grie=
<lb n="0340.22" rend="indent"/> chen zu unterscheiden, die sich in diesem Lan=
<lb n="0340.23" rend="indent"/> de, zu Zeiten Alexanders des Grossen, nieder=
<lb n="0340.24" rend="indent"/> gelassen hatten. Nachdem diese V&#x00F6;lker das
<lb n="0340.25" rend="indent"/> Christenthum angenommen, so schlich sich
<lb n="0340.26" rend="indent"/> der Jrrthum der Jacobiten unter ihnen ein;
<lb n="0340.27" rend="indent"/> die Cophten nahmen ihn an, die Griechen
<lb n="0340.28" rend="indent"/> aber blieben rechtgl&#x00E4;ubig. Diese wurden in
<lb n="0340.29" rend="indent"/> den gegenw&#x00E4;rtigen Umst&#x00E4;nden vertrieben, die
<lb n="0340.30" rend="indent"/> Cophten aber vertrugen sich mit den Musel=
<lb n="0340.31" rend="indent"/> m&#x00E4;nnern, und bewohnen noch bis jetzt die=
<lb n="0340.32" rend="indent"/> ses Land.</p></note>
<pb n="0341.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-402"/>
<lb n="0341.01"/> wohl noch viele, in dem festen Vorsatze zur&#x00FC;ck=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0341.02"/> blieben, das Schlo&#x00DF; aus allen Kr&#x00E4;fften zu ver=
<lb n="0341.03"/> theidigen.</p>
<lb n="0341.04" rend="indent"/> <p>Noch vermuthete niemand die Verr&#x00E4;therey
<lb n="0341.05"/> des Befehlshabers, da&#x00DF; seine Absicht blo&#x00DF; da=
<lb n="0341.06"/> hin gehe, die Besatzung des Schlosses zu schw&#x00E4;=
<lb n="0341.07"/> chen, und die Eroberung dadurch zu erleich=
<lb n="0341.08"/> tern. Er schien so gar, nach seinem R&#x00FC;ckzuge,
<lb n="0341.09"/> in der Unterhandlung ziemlich redlich zu Wer=
<lb n="0341.10"/> ke zu gehen. Er schickte Abgeordnete an den
<lb n="0341.11"/> Amru, um von ihm zu erfahren, was seine Ab=
<lb n="0341.12"/> sicht sey, und warum er Leute anzufallen kom=
<lb n="0341.13"/> me, die ihn niemals im geringsten beleidiget
<lb n="0341.14"/> h&#x00E4;tten; er lie&#x00DF; ihm vorstellen, da&#x00DF; er bey ei=
<lb n="0341.15"/> nem solchen Unternehmen sehr viel wage, in=
<lb n="0341.16"/> dem der Nil mit ehestem austreten, und die Mu=
<lb n="0341.17"/> selm&#x00E4;nner in ihrem Lager &#x00FC;berschwemmen w&#x00FC;r=
<lb n="0341.18"/> de, da sie denn nothwendig den Griechen in die
<lb n="0341.19"/> H&#x00E4;nde m&#x00FC;sten. Gleichwohl, f&#x00FC;gte er hinzu,
<lb n="0341.20"/> sey er bereit, Vergleichungsvorschl&#x00E4;ge anzuh&#x00F6;=
<lb n="0341.21"/> ren, wenn ihm der Feldherr einen Abgeordneten
<lb n="0341.22"/> mit Vollmacht zuschicken wolle.</p>
<lb n="0341.23" rend="indent"/> <p>Amru schickte sogleich einen Vertrauten, Na=
<lb n="0341.24"/> mens Abadah, zu dem Befehlshaber, welcher
<lb n="0341.25"/> ihm die Gesinnungen der Muselm&#x00E4;nner entde=
<lb n="0341.26"/> cken mu&#x00DF;te. Dieser Abgeordnete that eben die
<lb n="0341.27"/> Vorschl&#x00E4;ge, welche die Muselm&#x00E4;nner sonst ih=
<lb n="0341.28"/> ren Feinden zu thun pflegten; nehmlich entwe=
<lb n="0341.29"/> der Mahometaner zu werden, oder Tribut zu
<lb n="0341.30"/> bezahlen, oder auch ihren Streit mit den Waf=
<lb n="0341.31"/> fen auszumachen.</p>
<pb n="0342.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-403"/>
<lb n="0342.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note><p rend="indent">Makaukas antwortete dem Abgeordneten,
<lb n="0342.02"/> da&#x00DF; die Griechen keine von den ersten zwey Be=
<lb n="0342.03"/> dingungen eingehen w&#x00FC;rden; was die dritte
<lb n="0342.04"/> aber anbelange, nehmlich es zu den Waffen
<lb n="0342.05"/> kommen zu lassen, so hielte er sie nicht f&#x00FC;r stark
<lb n="0342.06"/> genug, den Muselm&#x00E4;nnern zu widerstehen, weil
<lb n="0342.07"/> ihnen weder er, noch seine Cophten, beystehen
<lb n="0342.08"/> w&#x00FC;rden, indem er mit seinem Anhange zinsbar
<lb n="0342.09"/> zu werden beschlossen habe; &#x00FC;brigens aber be=
<lb n="0342.10"/> k&#x00FC;mmere er sich wenig, wie es den Griechen
<lb n="0342.11"/> ergehen w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0342.12" rend="indent"/> <p>Als Abadah wieder zur&#x00FC;ck kam, und von
<lb n="0342.13"/> seiner gehabten Unterhandlung Bericht abstat=
<lb n="0342.14"/> tete, so merkte Amru die Absicht des Befehls=
<lb n="0342.15"/> habers gar bald. Der Entschlu&#x00DF;, den er ge=
<lb n="0342.16"/> nommen hatte, sich zur&#x00FC;ck zu ziehen, und eine
<lb n="0342.17"/> grosse Anzahl von seinen Trupen mit fortzuf&#x00FC;h=
<lb n="0342.18"/> ren, und &#x00FC;ber dieses der wenige Antheil, wel=
<lb n="0342.19"/> chen er an dem, was die Griechen betreffe, zu
<lb n="0342.20"/> nehmen schien, bewogen endlich den Feldherrn
<lb n="0342.21"/> der Muselm&#x00E4;nner, die Best&#x00FC;rmung des Schlos=
<lb n="0342.22"/> ses von Mesrah wieder vorzunehmen.</p>
<lb n="0342.23" rend="indent"/> <p>Die Sache ward bey dem ersten Sturme
<lb n="0342.24"/> entschieden. Die Muselm&#x00E4;nner waren gewi&#x00DF;,
<lb n="0342.25"/> da&#x00DF; der Platz von Trupen ersch&#x00F6;pft sey, legten
<lb n="0342.26"/> daher Leitern an, und erstiegen die Mauern
<lb n="0342.27"/> mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Einer
<lb n="0342.28"/> von ihnen, Namens Zabeir, war der erste,
<lb n="0342.29"/> welcher hinein kam, und nachdem er, wie der
<lb n="0342.30"/> Gebrauch war, <hi rend="bold">Alla = achar</hi> geschrien, so ka=
<pb n="0343.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-404"/>
<lb n="0343.01"/> men die andern h&#x00E4;uffig herzu, ihm beyzustehen.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0343.02"/> Mittlerweile, als dieser Einbruch geschah, be=
<lb n="0343.03"/> gab sich ein grosser Theil der Griechen, welche
<lb n="0343.04"/> in dem Schlosse waren, aus demselben hinaus,
<lb n="0343.05"/> um den Nil zu erreichen, wo sie sich in die K&#x00E4;h=
<lb n="0343.06"/> ne, die sie daselbst fanden, warffen, und auf
<lb n="0343.07"/> die Jnsel flohen. Die, welche in dem Schlosse
<lb n="0343.08"/> blieben, wurden entweder ermordet, oder zu
<lb n="0343.09"/> Gefangnen gemacht.</p>
<lb n="0343.10" rend="indent"/> <p>Die Griechen, welche auf die Jnsel, wo
<lb n="0343.11"/> Makaukas war, geflohen waren, entdeckten
<lb n="0343.12"/> nunmehr, aber zu sp&#x00E4;te, da&#x00DF; sie die Opfer der
<lb n="0343.13"/> Verr&#x00E4;therey des Befehlshabers w&#x00E4;ren. Sie
<lb n="0343.14"/> h&#x00E4;tten sich sehr gerne r&#x00E4;chen m&#x00F6;gen, gleichwohl
<lb n="0343.15"/> aber unterstunden sie sich nicht, etwas wider ihn
<lb n="0343.16"/> zu unternehmen, weil er allzuviel Cophten um
<lb n="0343.17"/> sich hatte. Uebrigens durften sie es auch nicht
<lb n="0343.18"/> wagen, l&#x00E4;nger bey ihm zu bleiben, weil sie be=
<lb n="0343.19"/> f&#x00FC;rchten mu&#x00DF;ten, er m&#x00F6;chte seine Verr&#x00E4;therey
<lb n="0343.20"/> vollkommen machen, und sie an die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0343.21"/> ner ausliefern. Sie stiegen also wieder in ihre
<lb n="0343.22"/> K&#x00E4;hne, machten sich an das andere Ufer, und
<lb n="0343.23"/> zogen sich nach Keramol, einem Platze, welcher
<lb n="0343.24"/> zwischen Mesrah und Alexandria lag.</p>
<lb n="0343.25" rend="indent"/> <p>Sie handelten sehr kl&#x00FC;glich, da&#x00DF; sie sich so
<lb n="0343.26"/> eilig fortbegaben; denn der treulose Makaukas
<lb n="0343.27"/> trat mit den Muselm&#x00E4;nnern kurz darauf, als sie
<lb n="0343.28"/> sich des Schlosses bem&#x00E4;chtiget hatten, in Ver=
<lb n="0343.29"/> gleich. Er bedingte sich vors erste f&#x00FC;r sich und
<lb n="0343.30"/> seine Sch&#x00E4;tze alle Sicherheit, und nahm sich
<pb n="0344.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-405"/>
<lb n="0344.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>auch hernach der Cophten an, in Ansehung
<lb n="0344.02"/> welcher ausgemacht wurde, da&#x00DF; sie j&#x00E4;hrlich f&#x00FC;r
<lb n="0344.03"/> jeden Kopf zwey Ducaten bezahlen sollten. Ma=
<lb n="0344.04"/> kaukas verlangte, da&#x00DF; er in eben diese Taxe,
<lb n="0344.05"/> auf dem Fu&#x00DF; wie die andern Cophten einge=
<lb n="0344.06"/> schlossen, und best&#x00E4;ndig als ein Glied von ihnen
<lb n="0344.07"/> betrachtet werden solle: was aber die Griechen
<lb n="0344.08"/> anbelangte, so erkl&#x00E4;rte er sich, da&#x00DF; er niemals
<lb n="0344.09"/> mit ihnen etwas gemein haben wolle, weil er
<lb n="0344.10"/> weder aus ihrem Volke, noch von ihrer Reli=
<lb n="0344.11"/> gion sey. Er gestand, da&#x00DF; er sich aus Furcht
<lb n="0344.12"/> lange Zeit habe verstellen m&#x00FC;ssen; da&#x00DF; er sich
<lb n="0344.13"/> aber jetzt, weil sich eine gute Gelegenheit zeige,
<lb n="0344.14"/> ein Vergn&#x00FC;gen daraus mache, seine Gesinnun=
<lb n="0344.15"/> gen zu entdecken. Er bat hierauf den Feld=
<lb n="0344.16"/> herrn der Muselm&#x00E4;nner, niemals mit den Grie=
<lb n="0344.17"/> chen Friede zu machen, sondern sie vielmehr so
<lb n="0344.18"/> lange zu verfolgen, bis er sie g&#x00E4;nzlich ausgerot=
<lb n="0344.19"/> tet habe.</p>
<lb n="0344.20" rend="indent"/> <p>Alle diese Bedingungen wurden von dem
<lb n="0344.21"/> Amru angenommen; allein er f&#x00FC;gte noch hinzu,
<lb n="0344.22"/> da&#x00DF; die Cophten verbunden seyn sollten, die Mu=
<lb n="0344.23"/> selm&#x00E4;nner, welche bey ihnen durchreisen w&#x00FC;r=
<lb n="0344.24"/> den, drey Tage frey zu halten, die Br&#x00FC;cken und
<lb n="0344.25"/> &#x00F6;ffentlichen Wege auszubessern, die Soldaten
<lb n="0344.26"/> bey sich einzunehmen, und die Armee der Mu=
<lb n="0344.27"/> selm&#x00E4;nner mit Lebensmitteln und Kriegsvorrath
<lb n="0344.28"/> zu versehen, wof&#x00FC;r sie aber bezahlt werden soll=
<lb n="0344.29"/> ten.</p>
<lb n="0344.30"/> <note type="marginalie" place="links">Einnahme<lb/><hi rend="spaced">von Kera=<lb/>mol.</hi></note><p rend="indent">Nachdem diese verschiedenen Artikel auf
<pb n="0345.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-406"/>
<lb n="0345.01"/> beyden Seiten festgesetzt waren, brach Amru<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0345.02"/> so gleich auf, den Griechen nachzusetzen. Er kam
<lb n="0345.03"/> nach Keramol, sie daselbst anzugreiffen, und
<lb n="0345.04"/> fand ganzer drey Tage einen sehr tapfern Wi=
<lb n="0345.05"/> derstand; endlich aber ward der Platz dennoch er=
<lb n="0345.06"/> obert, und eine grosse Menge Griechen mu&#x00DF;ten
<lb n="0345.07"/> ihr Leben lassen. Unterdessen waren doch noch
<lb n="0345.08"/> viele, welche dem Schwerdte des Siegers entka=
<lb n="0345.09"/> men. Diese fl&#x00FC;chteten nach Alexandria, welchen
<lb n="0345.10"/> Ort die Muselm&#x00E4;nner ohne Verzug belagerten.</p>
<lb n="0345.11" rend="indent"/> <p>Diese Belagerung dauerte sehr lange, und<note type="marginalie" place="rechts">Belagerung<lb/>von Alexan=<lb/>dria.</note>
<lb n="0345.12"/> fiel ungemein blutig aus. Die Griechen em=
<lb n="0345.13"/> pfingen die Anf&#x00E4;lle mit der gr&#x00F6;sten Unerschro=
<lb n="0345.14"/> ckenheit, und thaten h&#x00E4;ufige Ausf&#x00E4;lle, in wel=
<lb n="0345.15"/> chen weder der eine noch der andere Theil eini=
<lb n="0345.16"/> gen Vortheil erhielt; nur blieb auf beyden Sei=
<lb n="0345.17"/> ten immer sehr viel Volk. Die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0345.18"/> ner glaubten es sehr weit gebracht zu haben,
<lb n="0345.19"/> als sie sich eines von den Hauptth&#x00FC;rmen, wel=
<lb n="0345.20"/> cher die Zug&#x00E4;nge zu der Stadt bedeckte, be=
<lb n="0345.21"/> m&#x00E4;chtiget hatten; allein sie wurden nach einem
<lb n="0345.22"/> heftigen Kampfe, welcher beynahe sehr ungl&#x00FC;ck=
<lb n="0345.23"/> liche Folgen gehabt h&#x00E4;tte, wieder hinaus ge=
<lb n="0345.24"/> schlagen.</p>
<lb n="0345.25" rend="indent"/> <p>Der tapfre Amru, welcher sich nicht we=
<lb n="0345.26"/> niger als einer von den gemeinen Soldaten
<lb n="0345.27"/> der Gefahr aussetzte, war bey dem Angriffe
<lb n="0345.28"/> dieses Thurms, und hielt, nachdem er sich des=
<lb n="0345.29"/> selben bem&#x00E4;chtiget hatte, alle Anf&#x00E4;lle mit einer
<lb n="0345.30"/> bewundernsw&#x00FC;rdigen Tapferkeit aus. Doch
<pb n="0346.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-407"/>
<lb n="0346.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>die Griechen trieben ihn so sehr in die Enge,
<lb n="0346.02"/> da&#x00DF; er sich nicht wieder durchschlagen konnte:
<lb n="0346.03"/> er blieb also mit dem Moslemah = ebn = Makha=
<lb n="0346.04"/> led, einem von seinen vornehmsten Kriegsober=
<lb n="0346.05"/> sten, und einem seiner Sklaven, Namens Wer=
<lb n="0346.06"/> dan, welcher best&#x00E4;ndig an der Seite seines
<lb n="0346.07"/> Herrn gestritten hatte, gefangen.</p>
<lb n="0346.08" rend="indent"/> <p>Diese Gefangenen wurden sogleich zu dem
<lb n="0346.09"/> Befehlshaber gef&#x00FC;hrt, welcher zu allem Gl&#x00FC;cke
<lb n="0346.10"/> nicht wu&#x00DF;te, da&#x00DF; die beyden ersten so vornehme
<lb n="0346.11"/> Personen waren. Unterdessen argwohnte er
<lb n="0346.12"/> doch etwas, als er fragte, was denn die Absicht
<lb n="0346.13"/> der Muselm&#x00E4;nner sey, da&#x00DF; sie die Welt so durch=
<lb n="0346.14"/> streiften, und ihre Nachbarn beunruhigten, und
<lb n="0346.15"/> ihm Amru ganz trozig antwortete, ihre Absicht
<lb n="0346.16"/> sey, andre V&#x00F6;lker zu n&#x00F6;thigen Mahometaner zu
<lb n="0346.17"/> werden, oder Tribut zu bezahlen.</p>
<lb n="0346.18" rend="indent"/> <p>Dieser k&#x00FC;hne Ton lie&#x00DF; den Befehlshaber
<lb n="0346.19"/> muthmassen, da&#x00DF; der, welcher rede, kein gemeiner
<lb n="0346.20"/> Mensch seyn m&#x00FC;sse, er rufte daher einen von seinen
<lb n="0346.21"/> Leuten, und befahl, ihm den Kopf abzuschlagen.
<lb n="0346.22"/> Da dieser Befehl in griechischer Sprache, welche
<lb n="0346.23"/> Werdan verstand, war gegeben worden, so hat=
<lb n="0346.24"/> te dieser Sklave Gegenwart des Geistes ge=
<lb n="0346.25"/> nug, eine List zu erdenken, welche seinem Herrn
<lb n="0346.26"/> das Leben rettete: Er gab dem Amru eine Ohr=
<lb n="0346.27"/> feige, und sagte ihm ganz zornig, da&#x00DF; er wohl
<lb n="0346.28"/> sehr unversch&#x00E4;mt seyn m&#x00FC;sse, in seiner Gegenwart
<lb n="0346.29"/> das Wort zu ergreiffen. Weil Werdan, ohne
<lb n="0346.30"/> Zweifel, darnach aussah, was er war, so fiel der
<pb n="0347.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-408"/>
<lb n="0347.01"/> Befehlshaber in diese Falle; er glaubte diese<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>
<lb n="0347.02"/> Gefangne w&#x00E4;ren nichts als gemeine Soldaten,
<lb n="0347.03"/> wovon der eine vielleicht eine kleine Stelle h&#x00F6;=
<lb n="0347.04"/> her stehe, als die beyden andern, und sich also
<lb n="0347.05"/> sehen lassen wolle. Dieser Jrrthum machte,
<lb n="0347.06"/> da&#x00DF; der Befehlshaber den Befehl, welchen er
<lb n="0347.07"/> gegeben hatte, wiederrufte.</p>
<lb n="0347.08" rend="indent"/> <p>Moslemah nahm hierauf das Wort, und
<lb n="0347.09"/> wandte gleichfalls eine List an, welche vollkom=
<lb n="0347.10"/> men gl&#x00FC;cklich ausschlug. Er sagte zu dem Be=
<lb n="0347.11"/> fehlshaber, da&#x00DF; sein Platz gar bald von den
<lb n="0347.12"/> Muselm&#x00E4;nnern w&#x00FC;rde befreyet werden; da&#x00DF; er
<lb n="0347.13"/> von guter Hand wisse, der Calif habe an den Ge=
<lb n="0347.14"/> neral geschrieben, und ihm befohlen, die Belage=
<lb n="0347.15"/> rung aufzuheben; und da&#x00DF; sich Omar, an statt
<lb n="0347.16"/> mit den Waffen in der Hand zu erscheinen, ge=
<lb n="0347.17"/> fa&#x00DF;t mache, ihm eine Gesandtschaft von an=
<lb n="0347.18"/> sehnlichen Personen zu schicken, mit welchen
<lb n="0347.19"/> man die Streitigkeit zwischen beyden V&#x00F6;lkern
<lb n="0347.20"/> friedlich beylegen k&#x00F6;nne. Er f&#x00FC;gte hinzu, wenn
<lb n="0347.21"/> man ihnen die Freyheit wiedergeben, oder erlau=
<lb n="0347.22"/> ben wolle, da&#x00DF; sie dem Feldherrn von dem g&#x00FC;=
<lb n="0347.23"/> tigen Bezeigen der Griechen gegen die Gefan=
<lb n="0347.24"/> genen Nachricht geben d&#x00FC;rften, so getraue
<lb n="0347.25"/> er sich, zu versichern, da&#x00DF; der Vergleich weit
<lb n="0347.26"/> geschwinder, auf eine den Christen sehr vortheil=
<lb n="0347.27"/> hafte Art, zu Stande kommen werde.</p>
<lb n="0347.28" rend="indent"/> <p>Der Befehlshaber, welcher allem Ansehen
<lb n="0347.29"/> nach, ein sehr einf&#x00E4;ltiger Mann war, glaubte
<lb n="0347.30"/> ohne Bedenken alles, was ihm Moslemah ge=
<pb n="0348.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-409"/>
<lb n="0348.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 18.<lb/>n. C. G. 639.</note>sagt hatte, und gab ihnen ihre Freyheit. Kaum
<lb n="0348.02"/> waren die Gefangenen aus dem Platze, als sie
<lb n="0348.03"/> insgesamt <hi rend="bold">Allah achar</hi> schrien. Sogleich
<lb n="0348.04"/> lie&#x00DF; die ganze muselm&#x00E4;nnische Armee dieses
<lb n="0348.05"/> Freudengeschrey wiederschallen. Die Griechen,
<lb n="0348.06"/> welche auf den Mauern waren, merkten aus die=
<lb n="0348.07"/> ser allgemeinen Freude &#x00FC;ber die Zur&#x00FC;ckkunft der
<lb n="0348.08"/> drey Gefangenen, nun wohl, da&#x00DF; sich einer von
<lb n="0348.09"/> dem ersten Range darunter befinden m&#x00FC;sse. Sie
<lb n="0348.10"/> erfuhren es auch gar bald, und der Befehlsha=
<lb n="0348.11"/> ber mu&#x00DF;te zu seinem gr&#x00F6;&#x00DF;ten Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gen h&#x00F6;=
<lb n="0348.12"/> ren, da&#x00DF; er den Feldherrn der Muselm&#x00E4;nner in
<lb n="0348.13"/> seinen H&#x00E4;nden gehabt, und man ihn, auf ei=
<lb n="0348.14"/> ne recht l&#x00E4;cherliche Art, durch ganz unwahr=
<lb n="0348.15"/> scheinliche Reden betrogen habe, die man wenig=
<lb n="0348.16"/> stens vorher reiflich h&#x00E4;tte &#x00FC;berlegen sollen.</p>
<lb n="0348.17"/> <note type="marginalie" place="links">Alexandria<lb/>wird einge=<lb/>nommen.</note><p rend="indent">Die Zur&#x00FC;ckkunft des Feldherrn machte den
<lb n="0348.18"/> Muselm&#x00E4;nnern wieder Muth. Man nahm
<lb n="0348.19"/> die Best&#x00FC;rmungen wieder vor, und wieder=
<lb n="0348.20"/> holte sie so oft, und mit solcher Heftigkeit, da&#x00DF;
<lb n="0348.21"/> sich die Christen, deren Trupen von Tag zu
<lb n="0348.22"/> Tag abnahmen, endlich ausser Stand sahen,
<lb n="0348.23"/> l&#x00E4;nger einen eben so tapfern Widerstand zu
<lb n="0348.24"/> thun. Endlich, nach einer Belagerung von
<lb n="0348.25"/> 14 Monaten, welche den Muselm&#x00E4;nnern bey=
<lb n="0348.26"/> nahe drey und zwanzig tausend Mann kostete,
<lb n="0348.27"/> machten sie sich von Alexandria Meister.</p>
<lb n="0348.28"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note><p rend="indent">Das Blutbad war bey Eroberung dieses
<lb n="0348.29"/> Platzes eben nicht sehr gro&#x00DF;, weil die Griechen,
<lb n="0348.30"/> welche ihn zu verlassen beschlossen, solche Maa&#x00DF;=
<pb n="0349.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-410"/>
<lb n="0349.01"/> regeln genommen hatten, da&#x00DF; sie sicher fliehen<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>
<lb n="0349.02"/> konnten. Einige flohen zu Meere, und andere
<lb n="0349.03"/> zu Lande, welche sich in Oerter begaben, die ge=
<lb n="0349.04"/> gen einen pl&#x00F6;tzlichen Ueberfall feste genug wa=
<lb n="0349.05"/> ren.</p>
<lb n="0349.06" rend="indent"/> <p>So bald Amru sich im Besitze von Alexan=
<lb n="0349.07"/> dria sahe, hielt er f&#x00FC;r zutr&#x00E4;glich, die Fl&#x00FC;chtigen
<lb n="0349.08"/> zu verfolgen, und so viele, als nur immer m&#x00F6;g=
<lb n="0349.09"/> lich, auszurotten; denn wenn er ihnen Zeit
<lb n="0349.10"/> lie&#x00DF;, sich wieder zu setzen, so war zu f&#x00FC;rchten,
<lb n="0349.11"/> da&#x00DF; sie wider die Muselm&#x00E4;nner aufs neue an=
<lb n="0349.12"/> r&#x00FC;cken und sie unaufh&#x00F6;rlich beunruhigen m&#x00F6;ch=
<lb n="0349.13"/> ten.</p>
<lb n="0349.14" rend="indent"/> <p>Da der Feldherr die Stadt g&#x00E4;nzlich verlas=
<lb n="0349.15"/> sen sahe, so hielt er es nicht f&#x00FC;r n&#x00F6;thig, eine
<lb n="0349.16"/> starke Besatzung hinein zu legen; er lie&#x00DF; daher
<lb n="0349.17"/> nur eine sehr geringe Anzahl Muselm&#x00E4;nner dar=
<lb n="0349.18"/> inne, und setzte mit seinen &#x00FC;brigen Trupen den
<lb n="0349.19"/> ungl&#x00FC;cklichen Christen nach.</p>
<lb n="0349.20" rend="indent"/> <p>Allein in ihrer Abwesenheit erfuhren die<note type="marginalie" place="rechts">Die Grie=<lb/>chen nehmen<lb/>Alexandria<lb/>wieder ein.</note>
<lb n="0349.21"/> Griechen, welche sich eingeschifft hatten, auf
<lb n="0349.22"/> den benachbarten K&#x00FC;sten von Alexandria, da&#x00DF;
<lb n="0349.23"/> dieser Platz von allen Trupen g&#x00E4;nzlich entbl&#x00F6;sset
<lb n="0349.24"/> sey. Sie kehrten daher sogleich in den Hafen
<lb n="0349.25"/> dieser Stadt zur&#x00FC;ck, stiegen bey finsterer Nacht=
<lb n="0349.26"/> zeit aus, warffen die Wachen &#x00FC;bern Hauffen,
<lb n="0349.27"/> gelangten in die Stadt, und liessen alle Musel=
<lb n="0349.28"/> m&#x00E4;nner von der Besatzung &#x00FC;ber die Klinge
<lb n="0349.29"/> springen.</p>
<lb n="0349.30" rend="indent"/> <p>Einige Araber, welche gl&#x00FC;cklich genug gewe=<note type="marginalie" place="rechts">Sie werden<lb/>von den Grie=</note>
<pb n="0350.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-411"/>
<lb n="0350.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>sen waren, dem Blutbade zu entkommen, flo=
<lb n="0350.02"/> hen eiligst zu dem Amru, und erzehlten ihm das
<lb n="0350.03"/> <note type="marginalie" place="links">chen aber=<lb/>mals daraus<lb/>vertrieben.</note>ihnen begegnete Ungl&#x00FC;ck. Der Feldherr kehrte
<lb n="0350.04"/> den Augenblick zur&#x00FC;ck, in Hoffnung, den Platz
<lb n="0350.05"/> im ersten Anlauffe wieder wegzunehmen; doch
<lb n="0350.06"/> die Griechen hatten sich in dem Schlosse festge=
<lb n="0350.07"/> setzt, und er fand sie so wohl verschanzt, da&#x00DF; er
<lb n="0350.08"/> eine neue Belagerung vornehmen mu&#x00DF;te. An=
<lb n="0350.09"/> fangs wurde sie eben so tapfer ausgehalten, als
<lb n="0350.10"/> die erste, allein sie dauerte nicht so lange. Nach=
<lb n="0350.11"/> dem sich die Griechen einige Tage hintereinan=
<lb n="0350.12"/> der auf eine recht heldenm&#x00E4;&#x00DF;ige Art vertheidiget
<lb n="0350.13"/> hatten, so zogen sie sich ganz sachte aus dem
<lb n="0350.14"/> Schlosse, begaben sich in den Hafen, gingen
<lb n="0350.15"/> wieder zu Schiffe, und liessen die Muselm&#x00E4;nner
<lb n="0350.16"/> Alexandria ruhig besitzen. Amru blieb einige
<lb n="0350.17"/> Zeit daselbst, um sich feste zu setzen, und den
<lb n="0350.18"/> Griechen alle Lust zum Wiederkommen zu be=
<lb n="0350.19"/> nehmen.</p>
<lb n="0350.20"/> <note type="marginalie" place="links">Die Stadt<lb/>wird von der<lb/>Pl&#x00FC;nderung<lb/>errettet.</note><p rend="indent">Was bey der Eroberung von Alexandria
<lb n="0350.21"/> am allermerkw&#x00FC;rdigsten war, war der strenge
<lb n="0350.22"/> Gehorsam, den man dem Feldherrn leistete,
<lb n="0350.23"/> welcher die Pl&#x00FC;nderung verbothen hatte. Die
<lb n="0350.24"/> Soldaten r&#x00FC;hrten nicht das geringste an: sie la=
<lb n="0350.25"/> gen zwar, als sie das zweytemal diese Stadt ein=
<lb n="0350.26"/> nahmen, dem Amru heftig an, seinen Befehl
<lb n="0350.27"/> zu wiederruffen, und ihnen zu erlauben, da&#x00DF;
<lb n="0350.28"/> sie sich die Vortheile, die sie durch ihre Dienste
<lb n="0350.29"/> erworben h&#x00E4;tten, zu Nutze machen d&#x00FC;rften;
<lb n="0350.30"/> doch da ihnen der Feldherr befahl, diesertwegen
<lb n="0350.31"/> den Willen des Califen, an welchen er gleich
<pb n="0351.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-412"/>
<lb n="0351.01"/> nach der Einnahme des Platzes geschrieben ha=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>
<lb n="0351.02"/> be, zu erwarten, so machten sie weiter nicht die
<lb n="0351.03"/> geringste Bewegung, und jeder blieb in den
<lb n="0351.04"/> Grenzen seiner Schuldigkeit.</p>
<lb n="0351.05" rend="indent"/> <p>Die Antwort des Califen blieb nicht lange
<lb n="0351.06"/> aussen. Nachdem Omar dem Amru alle Er=
<lb n="0351.07"/> kenntlichkeit f&#x00FC;r seine Dienste bezeigt, dankte
<lb n="0351.08"/> er ihm sehr, da&#x00DF; er bedacht gewesen sey, die
<lb n="0351.09"/> Soldaten zur&#x00FC;ck zu halten, und ihnen das Pl&#x00FC;n=
<lb n="0351.10"/> dern zu verwehren. Er bat ihn, seine Sorg=
<lb n="0351.11"/> falt zu erneuern, damit kein Schade geschehe,
<lb n="0351.12"/> und empfohl ihm zugleich, alle Reichth&#x00FC;mer, so
<lb n="0351.13"/> wohl an Ger&#x00E4;the und Edelsteinen, als an Gold
<lb n="0351.14"/> und Silber, flei&#x00DF;ig zu sammlen, um sich einen
<lb n="0351.15"/> Schatz davon zu machen, dessen er sich bey Ge=
<lb n="0351.16"/> legenheit zur Nothdurft der Muselm&#x00E4;nner, und
<lb n="0351.17"/> zu Bestreitung der Kriegsunkosten bedienen
<lb n="0351.18"/> k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0351.19" rend="indent"/> <p>Die Eroberung von Alexandria entschied
<lb n="0351.20"/> das Schicksal des ganzen Aegyptens. Das
<lb n="0351.21"/> ganze weite Land unterwarf sich den Musel=
<lb n="0351.22"/> m&#x00E4;nnern, welche einen unerme&#x00DF;lichen Tribut
<lb n="0351.23"/> daraus zogen. Ein jeder Einwohner, er moch=
<lb n="0351.24"/> te reich oder arm seyn, ward j&#x00E4;hrlich auf zwey
<lb n="0351.25"/> Ducaten gesch&#x00E4;tzt. Die, welche L&#x00E4;ndereyen oder
<lb n="0351.26"/> andere liegende G&#x00FC;ter besassen, mu&#x00DF;ten noch
<lb n="0351.27"/> &#x00FC;ber dieses eine ihren j&#x00E4;hrlichen Eink&#x00FC;nften ge=
<lb n="0351.28"/> m&#x00E4;sse Summe erlegen. Aegypten, welches da=
<lb n="0351.29"/> mals ausserordentlich bev&#x00F6;lkert war, vermehrte
<lb n="0351.30"/> also den Schatz der Muselm&#x00E4;nner mit erstaun=
<pb n="0352.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-413"/>
<lb n="0352.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>lichen Reichth&#x00FC;mern, deren Quelle f&#x00FC;r Leute,
<lb n="0352.02"/> welche nach der allerstrengsten Oeconomie leb=
<lb n="0352.03"/> ten, f&#x00FC;r unersch&#x00F6;pflich seyn mu&#x00DF;te.</p>
<lb n="0352.04"/> <note type="marginalie" place="links">Sparsam=<lb/>keit <hi rend="spaced">der</hi> Mu=<lb/>selm&#x00E4;nner.</note><p rend="indent">Die Muselm&#x00E4;nner machten auch in der
<lb n="0352.05"/> That, sowohl zu Kriegs als Friedenszeiten, sehr
<lb n="0352.06"/> wenig Aufwand. Sie lebten best&#x00E4;ndig mit
<lb n="0352.07"/> der gr&#x00F6;sten Sparsamkeit. Der Gebrauch des
<lb n="0352.08"/> Weines war unter ihnen eben so unbekandt,
<lb n="0352.09"/> als die ausgesuchten Leckerspeisen; ihr gew&#x00F6;hn=
<lb n="0352.10"/> licher Tranck war Wasser. Jn Ansehung der
<lb n="0352.11"/> Speisen assen sie nichts, als was am gemein=
<lb n="0352.12"/> sten war, und ihre liebste Nahrung war oft
<lb n="0352.13"/> nichts, als Milch, Reis und Fr&#x00FC;chte. Der
<lb n="0352.14"/> Aufwand, welchen sie in Kleidern machten, be=
<lb n="0352.15"/> lief sich gleichfalls auf etwas sehr weniges; so
<lb n="0352.16"/> da&#x00DF; sich der Schatz t&#x00E4;glich, so gar w&#x00E4;hrend des
<lb n="0352.17"/> Krieges, vermehrte, weil die Summen, die man
<lb n="0352.18"/> aus den neueroberten L&#x00E4;ndern zog, mehr als hin=
<lb n="0352.19"/> l&#x00E4;nglich waren, die Trupen zu unterhalten.</p>
<lb n="0352.20"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Sie</hi> ver=<lb/>brennen <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Bibliothek<lb/>zu Alexan=<lb/>dria.</note><p rend="indent">Unter den Reichth&#x00FC;mern, welche sich zu A=
<lb n="0352.21"/> lexandria befanden, war auch ein sehr kostbarer
<lb n="0352.22"/> Schatz, welchen die Muselm&#x00E4;nner gleichwohl ih=
<lb n="0352.23"/> rer Aufmerksamkeit nicht w&#x00FC;rdig sch&#x00E4;tzten. Es
<lb n="0352.24"/> war nehmlich eine unerme&#x00DF;liche Sammlung
<lb n="0352.25"/> von B&#x00FC;chern, welche, beynahe in der ganzen
<lb n="0352.26"/> Welt, unter dem Namen <hi rend="bold">der Bibliothek zu
<lb n="0352.27"/> Alexandria</hi> (<ref rend="footnote" n="352*"><hi rend="super">*</hi></ref>) bekandt ist. Die Araber,
<lb n="0352.28"/> <note type="footnote" n="352*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Ptolom&#x00E4;us Soter legte, als er das <hi rend="bold">Mu=
<lb n="0352.29" rend="indent"/> seum</hi>, oder die Akademie zu Alexandria stif=
<lb n="0353.05" rend="indent"/> tete, zugleich eine Bibliothek daselbst an, wel=
<lb n="0353.06" rend="indent"/> che nicht weit von seinem Pallaste in einem
<lb n="0353.07" rend="indent"/> Geb&#x00E4;ude, das <hi rend="bold">Bruchion</hi> hie&#x00DF;, aufgestellet
<lb n="0353.08" rend="indent"/> wurde. Diese Bibliothek ward von seinen
<lb n="0353.09" rend="indent"/> Nachfolgern ansehnlich vermehret. Unter
<lb n="0353.10" rend="indent"/> dem Philadelphus, seinem Sohne, belief sie
<lb n="0353.11" rend="indent"/> sich schon auf hundert tausend B&#x00E4;nde, und
<lb n="0353.12" rend="indent"/> bald darauf z&#x00E4;hlte man deren viertausend.
<lb n="0353.13" rend="indent"/> Nachdem die Zahl noch auf dreytausend ge=
<lb n="0353.14" rend="indent"/> wachsen war, so stellte man diese in das <hi rend="bold">Se=
<lb n="0353.15" rend="indent"/> rapeon</hi>, einen Tempel, welcher von der Bild=
<lb n="0353.16" rend="indent"/> s&#x00E4;ule des Serapis, die Ptolom&#x00E4;us ehedem von
<lb n="0353.17" rend="indent"/> Sinope hatte bringen lassen, also genennet
<lb n="0353.18" rend="indent"/> wurde. Jn dem Kriege, welchen C&#x00E4;sar mit
<lb n="0353.19" rend="indent"/> denen von Alexandria hatte, ward das <hi rend="bold">Bru=
<lb n="0353.20" rend="indent"/> chion</hi>, mit den viertausend B&#x00E4;nden, die sich
<lb n="0353.21" rend="indent"/> daselbst befanden, verbrannt, doch das Sera=
<lb n="0353.22" rend="indent"/> peon ward erhalten. Cleopatra, wie man
<lb n="0353.23" rend="indent"/> daf&#x00FC;r h&#x00E4;lt, lie&#x00DF; die Bibliothek von Perga=
<lb n="0353.24" rend="indent"/> me, die ihr Antonius geschenckt hatte, dahin
<lb n="0353.25" rend="indent"/> bringen, welches eine Vermehrung von zwey=
<lb n="0353.26" rend="indent"/> hunderttausend B&#x00E4;nden ausmachte, zu wel=
<lb n="0353.27" rend="indent"/> chen man hernach noch viele andere sammle=
<lb n="0353.28" rend="indent"/> te, so da&#x00DF; diese letztere Bibliothek weit zahl=
<lb n="0353.29" rend="indent"/> reicher als die erste wurde. Sie litt mehr
<lb n="0353.30" rend="indent"/> als einmal, bey verschiedenen Ver&#x00E4;nderungen,
<lb n="0353.31" rend="indent"/> grossen Schaden, sie ward aber immer wieder
<lb n="0353.32" rend="indent"/> in ihrem alten Glanze hergestellt, und hatte sich
<lb n="0353.33" rend="indent"/> bis auf die Zeit der arabischen Kriege, da sie v&#x00F6;l=
<lb n="0353.34" rend="indent"/> lig vernichtet wurde, vollko<expan>mm</expan>en wohl erhalten.</p></note>
<pb n="0353.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-414"/>
<lb n="0353.01"/> welche sich damals den Wissenschaften noch nicht<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>
<lb n="0353.02"/> ergeben hatten, &#x00FC;berlegten es wenig, zu was
<lb n="0353.03"/> man einen so erstaunlichen Hauffen B&#x00FC;cher brau=
<lb n="0353.04"/> chen k&#x00F6;nne.</p>
<pb n="0354.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-415"/>
<lb n="0354.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note><p rend="indent">Ein eifriger Anh&#x00E4;nger des Aristoteles, Na=
<lb n="0354.02"/> mens <hi rend="bold">Johann</hi>, welcher den Zunahmen der
<lb n="0354.03"/> <hi rend="bold">Grammatiker</hi> f&#x00FC;hrte, sahe mit Vergn&#x00FC;gen,
<lb n="0354.04"/> da&#x00DF; man die Bibliothek so gar nichts achte. Die
<lb n="0354.05"/> Gleichg&#x00FC;ltigkeit der Mahometaner brachte ihn
<lb n="0354.06"/> daher auf den Einfall, sich dieselbe von dem
<lb n="0354.07"/> Amru, welcher ihn sehr hoch sch&#x00E4;tzte, schenken
<lb n="0354.08"/> zu lassen.</p>
<lb n="0354.09" rend="indent"/> <p>Dieser General war nicht gelehrt; allein er
<lb n="0354.10"/> hatte einen Geist, und einen nat&#x00FC;rlichen Ge=
<lb n="0354.11"/> schmack, welcher seine Neugierde zu den Wissen=
<lb n="0354.12"/> schaften reitzte; so da&#x00DF; er sich ein Vergn&#x00FC;gen
<lb n="0354.13"/> daraus machte, wenn er geschickte und ihn zu
<lb n="0354.14"/> unterrichten f&#x00E4;hige Leute antraf, mit ihnen um=
<lb n="0354.15"/> zugehen, und ihnen mancherley Fragen vorzule=
<lb n="0354.16"/> gen. Von allen denen, welche zu Alexandria
<lb n="0354.17"/> geblieben waren, war Johannes Grammaticus
<lb n="0354.18"/> derjenige, mit welchem er sich am meisten abgab;
<lb n="0354.19"/> es vergingen wenig Tage, da&#x00DF; er ihn nicht be=
<lb n="0354.20"/> suchte, und er schien best&#x00E4;ndig ein neues Ver=
<lb n="0354.21"/> gn&#x00FC;gen, ihn zu h&#x00F6;ren, mitzubringen.</p>
<lb n="0354.22" rend="indent"/> <p>Johannes ward durch das Vertrauen, wo=
<lb n="0354.23"/> mit ihn dieser Feldherr beehrte, aufgemuntert,
<lb n="0354.24"/> und wagte es endlich, mit ihm von dieser Biblio=
<lb n="0354.25"/> thek zu reden, welche der Gegenstand seiner
<lb n="0354.26"/> W&#x00FC;nsche sey. Er sagte, er habe die grosse Gleich=
<lb n="0354.27"/> g&#x00FC;ltigkeit seines Volkes gegen die B&#x00FC;cher be=
<lb n="0354.28"/> merkt, die ihm auch in der That nichts n&#x00FC;tze seyn
<lb n="0354.29"/> k&#x00F6;nnten, weil man, sie zu verstehen, verschied=
<lb n="0354.30"/> ne Sprachen, worinne sie geschrieben w&#x00E4;ren,
<pb n="0355.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-416"/>
<lb n="0355.01"/> vollkommen inne haben m&#x00FC;sse; und b&#x00E4;te also sie<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>
<lb n="0355.02"/> ihm in Gnaden zu schenken. Er f&#x00FC;gte hinzu,
<lb n="0355.03"/> da&#x00DF; er niemals so unvorsichtig w&#x00FC;rde gewesen
<lb n="0355.04"/> seyn, eine solche Bitte zu wagen, wann er ge=
<lb n="0355.05"/> glaubt h&#x00E4;tte, da&#x00DF; diese Bibliothek den Musel=
<lb n="0355.06"/> m&#x00E4;nnern nur im geringsten n&#x00FC;tzlich seyn k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0355.07" rend="indent"/> <p>Amru, welcher diesem Gelehrten in der That
<lb n="0355.08"/> wohlwollte, antwortete ihm sehr freundschafft=
<lb n="0355.09"/> lich, da&#x00DF; er von Grund des Herzens w&#x00FC;nsche,
<lb n="0355.10"/> &#x00FC;ber diese B&#x00FC;cher etwas zu sprechen zu haben,
<lb n="0355.11"/> um ihm mit dem gr&#x00F6;&#x00DF;ten Vergn&#x00FC;gen ein Ge=
<lb n="0355.12"/> schenke damit machen zu k&#x00F6;nnen; allein dieses
<lb n="0355.13"/> hange unumg&#x00E4;nglich einzig von dem Califen ab.
<lb n="0355.14"/> Diesertwegen aber, versicherte er ihm, solle er
<lb n="0355.15"/> noch nicht verzweifeln, weil er so gleich an den
<lb n="0355.16"/> Omar auf eine solche Art deswegen schreiben
<lb n="0355.17"/> wolle, da&#x00DF; er gewi&#x00DF; eine geneigte Antwort zu
<lb n="0355.18"/> erhalten glaube. Er that es auch in der That,
<lb n="0355.19"/> und unterlie&#x00DF; nicht die Verdienste des Johannes
<lb n="0355.20"/> zu erheben, und vorzustellen, da&#x00DF; ein solches
<lb n="0355.21"/> Geschenk vollkommen wohl bey ihm aufgehoben
<lb n="0355.22"/> seyn w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0355.23" rend="indent"/> <p>Die Vorsicht, welche Amru brauchte, war
<lb n="0355.24"/> an dem Untergange dieser reichen Bibliothek
<lb n="0355.25"/> Schuld. Omar that den Ausspruch, in seiner
<lb n="0355.26"/> Antwort an den Feldherrn, in folgenden Aus=
<lb n="0355.27"/> dr&#x00FC;cken: <hi rend="bold">Das, was in den B&#x00FC;chern, de=
<lb n="0355.28"/> ren du gedenkest, enthalten ist, stimmt
<lb n="0355.29"/> entweder mit dem &#x00FC;berein, was in dem
<lb n="0355.30"/> Buche Gottes</hi> (dem Korane) <hi rend="bold">geschrieben</hi>
<pb n="0356.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-417"/>
<lb n="0356.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note><hi rend="bold">ist, oder es stimmt nicht damit &#x00FC;berein:
<lb n="0356.02"/> stimmt es damit &#x00FC;berein, so ist der Ko=
<lb n="0356.03"/> ran hinl&#x00E4;nglich; stimmt es nicht damit
<lb n="0356.04"/> &#x00FC;berein, so m&#x00FC;ssen sie vertilget werden</hi>.</p>
<lb n="0356.05" rend="indent"/> <p>So bald dieser Brief eingeh&#x00E4;ndigt war,
<lb n="0356.06"/> ward der Befehl des Califen ausgef&#x00FC;hrt, und
<lb n="0356.07"/> die B&#x00FC;cher wurden zum Feuer verdammt. Die
<lb n="0356.08"/> erstaunliche Menge derselben kan man aus der
<lb n="0356.09"/> Zeit schliessen, die man zu ihrer Verbrennung
<lb n="0356.10"/> brauchte. Nachdem sie Amru in der ganzen
<lb n="0356.11"/> Stadt hatte austheilen lassen, die B&#x00E4;der, deren
<lb n="0356.12"/> vier tausend an der Zahl waren, damit zu hei=
<lb n="0356.13"/> tzen, so brachte man ganzer sechs Monate zu,
<lb n="0356.14"/> ehe sie alle verzehrt wurden. Dieses war das
<lb n="0356.15"/> zweytemal, da&#x00DF; Alexandria eine unerme&#x00DF;liche
<lb n="0356.16"/> Menge gelehrter Reichth&#x00FC;mer, deren Verlust
<lb n="0356.17"/> hernach selbst von den Arabern bedauert wur=
<lb n="0356.18"/> de, als sich der Geschmack an den Wissenschaf=
<lb n="0356.19"/> ten unter ihnen zeigte, von der Flamme verzeh=
<lb n="0356.20"/> ren sah.</p>
<lb n="0356.21"/> <note type="marginalie" place="links">Theurung<lb/>in Arabien.</note><p rend="indent">Einige Zeit nach dieser traurigen Verbren=
<lb n="0356.22"/> nung, bekam Amru Briefe, in welchen ihm
<lb n="0356.23"/> die grausame Theurung gemeldet wurde, welche
<lb n="0356.24"/> Arabien verheerte, und auch schon in Medina,
<lb n="0356.25"/> und in den umliegenden Gegenden versp&#x00FC;rt w&#x00FC;r=
<lb n="0356.26"/> de. Der Calife befahl ihm daher, so sehr als
<lb n="0356.27"/> m&#x00F6;glich zu eilen, eine ansehnliche H&#x00FC;lffe an Le=
<lb n="0356.28"/> bensmitteln dahin zu schicken.</p>
<lb n="0356.29" rend="indent"/> <p>Da Aegypten ein Land von einer erstaunli=
<lb n="0356.30"/> chen Fruchtbarkeit ist, so fiel es dem Amru nicht
<pb n="0357.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-418"/>
<lb n="0357.01"/> schwer, dem Verlangen des Califen ein Gn&#x00FC;ge<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>
<lb n="0357.02"/> zu thun. So bald er die Nachricht erhielt, lies
<lb n="0357.03"/> er Kameele, mit Korn beladen, abgehen; den
<lb n="0357.04"/> Tag darauf gingen deren eben so viele ab, wel=
<lb n="0357.05"/> ches alle Tage hintereinander fort dauerte; so
<lb n="0357.06"/> da&#x00DF; zwischen Alexandria und Medina, welche
<lb n="0357.07"/> beynahe hundert Meilen von einander liegen,
<lb n="0357.08"/> eine Kette war, wovon das eine &#x00E4;usserste Ende
<lb n="0357.09"/> in Medina war, indem sich das andre noch in
<lb n="0357.10"/> Alexandria befand.</p>
<lb n="0357.11" rend="indent"/> <p>Auf diese Art stellte Amru den Ueberflu&#x00DF;
<lb n="0357.12"/> in ganz Arabien wieder her. Weil aber der
<lb n="0357.13"/> Weg lang und beschwerlich war, so dachte er
<lb n="0357.14"/> auf ein Mittel, ihn k&#x00FC;rzer und weniger kostbar
<lb n="0357.15"/> zu machen. Er hatte geh&#x00F6;rt, da&#x00DF; ein gewisser
<lb n="0357.16"/> r&#x00F6;mischer K&#x00E4;yser (<ref rend="footnote" n="357*"><hi rend="super">*</hi></ref>) ehedem einen Kanal bey
<lb n="0357.17"/> Mesrah hatte graben lassen, welcher bis in das
<lb n="0357.18"/> rothe Meer ging; er unternahm es daher, ihn
<lb n="0357.19"/> wieder zu erneuern. Zu dieser grossen Arbeit
<lb n="0357.20"/> brauchte er einen Theil seiner Trupen, und in
<lb n="0357.21"/> kurzer Zeit ward ein sehr bequemer Kanal fer=
<lb n="0357.22"/> tig, welchen er durch das Wasser des Nils,
<lb n="0357.23"/> das er hinein leitete, schifbar machte. Man
<lb n="0357.24"/> nennte ihn <hi rend="bold">Khalige Emir al Mumenin</hi>,
<lb n="0357.25"/> das ist, <hi rend="bold">den Kanal des Anf&#x00FC;hrers der
<lb n="0357.26"/> Gl&#x00E4;ubigen</hi>. Er war so wohl den Aegyptern,
<lb n="0357.27"/> als den Arabern, wegen leichter Vertreibung
<lb n="0357.28"/> der Lebensmittel, ausserordentlich n&#x00FC;tzlich. Heut
<lb n="0357.29"/> zu Tage ist er nicht mehr vorhanden: man
<lb n="0357.30"/> <note type="footnote" n="357*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Trajanus.</p></note>
<pb n="0358.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-419"/>
<lb n="0358.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 19.<lb/>n. C. G. 640.</note>sagt, die T&#x00FC;rken h&#x00E4;tten ihn verfallen lassen, als
<lb n="0358.02"/> sie sich Aegyptens bem&#x00E4;chtigten.</p>
<lb n="0358.03"/> <note type="marginalie" place="links">Hegire 21. 22<lb/>n. C. G. 641.<lb/>642.</note><p rend="indent">So bald es die Umst&#x00E4;nde erlaubten, wende=
<lb n="0358.04"/> te Amru seine Waffen nach Africa, w&#x00E4;hrend
<lb n="0358.05"/> der Zeit da&#x00DF; die andern Feldherren Eroberun=
<lb n="0358.06"/> gen in Asien machten. Beyde L&#x00E4;nder wurden
<lb n="0358.07"/> beynahe g&#x00E4;nzlich dem muselm&#x00E4;nnischen Joche
<lb n="0358.08"/> unterw&#x00FC;rffig, und die mahometanische Religion
<lb n="0358.09"/> ward gar bald die Religion dieser weiten Reiche.</p>
<lb n="0358.10"/> <note type="marginalie" place="links">Hegire 23.<lb/>n. C. G. 643.</note><p rend="indent">Omar geno&#x00DF; das Vergn&#x00FC;gen, welches ihm
<lb n="0358.11"/> der schleinige Fortgang seiner Waffen machen
<lb n="0358.12"/> <note type="marginalie" place="links">Omar wird<lb/>umgebracht.</note>muste, nicht lange. Er ward ungl&#x00FC;cklicher
<lb n="0358.13"/> weise zu Medina von einem Perser, Namens
<lb n="0358.14"/> Firuz, ermordet. Dieser Elende war bey ei=
<lb n="0358.15"/> nem Muselmanne Sklave. Sein Herr hatte
<lb n="0358.16"/> ihm befohlen, t&#x00E4;glich zwey Silberst&#x00FC;cken zu er=
<lb n="0358.17"/> legen, weil er die mahometanische Religion
<lb n="0358.18"/> nicht hatte annehmen wollen; er kam also zu
<lb n="0358.19"/> dem Omar, seine Klagen bey ihm anzubringen,
<lb n="0358.20"/> und ersuchte ihn, eine seinem Stande so wenig
<lb n="0358.21"/> gem&#x00E4;sse Auflage zu mindern.</p>
<lb n="0358.22" rend="indent"/> <p>Der Calif fragte ihn, was er denn arbeiten
<lb n="0358.23"/> k&#x00F6;nne; der Sklave antwortete, da&#x00DF; er in ver=
<lb n="0358.24"/> schiedenen Profe&#x00DF;ionen geschickt sey; da&#x00DF; er ein
<lb n="0358.25"/> Zimmermann, ein Bildhauer und zugleich ein
<lb n="0358.26"/> Baumeister w&#x00E4;re. Omar antwortete ihm hier=
<lb n="0358.27"/> auf, da&#x00DF; also seine Auflage nicht &#x00FC;berm&#x00E4;&#x00DF;ig sey,
<lb n="0358.28"/> und da&#x00DF; er genug verdienen k&#x00F6;nne, sie abzutra=
<lb n="0358.29"/> gen. Mit dieser Antwort schickte er ihn fort,
<pb n="0359.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-420"/>
<lb n="0359.01"/> und sagte ihm bey dem Abschiede, da&#x00DF; er Wil=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Omar</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0359.02"/> lens sey, ehestens Windm&#x00FC;hlen bauen zu lassen,
<lb n="0359.03"/> und da&#x00DF; er ihn zu dieser Arbeit brauchen wolle.</p>
<lb n="0359.04" rend="indent"/> <p>Der Sklave ward von dem Versprechen
<lb n="0359.05"/> des Califen wenig ger&#x00FC;hrt, und nur die Aufla=
<lb n="0359.06"/> ge war ihm empfindlich, die man ihn seinem
<lb n="0359.07"/> Herrn zu bezahlen n&#x00F6;thigte. Er beschlo&#x00DF; also,
<lb n="0359.08"/> sich an dem Omar selbst zu r&#x00E4;chen, da&#x00DF; er ihm
<lb n="0359.09"/> eine so ung&#x00FC;nstige Antwort gegeben habe. Als
<lb n="0359.10"/> daher der Calife an einem Morgen sein Gebet
<lb n="0359.11"/> in der Moschee verrichtete, so ging er ihm nach,
<lb n="0359.12"/> und verwundete ihn mit drey t&#x00F6;dtlichen Dolch=
<lb n="0359.13"/> stichen.</p>
<lb n="0359.14" rend="indent"/> <p>Die Muselm&#x00E4;nner, welche bey dem Omar
<lb n="0359.15"/> waren, fielen sogleich auf den Firuz, sich seiner
<lb n="0359.16"/> zu bem&#x00E4;chtigen. Doch dieser Sklave, welcher
<lb n="0359.17"/> jung und stark war, fand Mittel, sich von ih=
<lb n="0359.18"/> nen los zu reissen; er verwundete deren drey=
<lb n="0359.19"/> zehn, wovon sieben auf der Stelle blieben.
<lb n="0359.20"/> Endlich konnte man diesen W&#x00FC;thenden nicht e=
<lb n="0359.21"/> her b&#x00E4;ndigen, als bis man ihm ein Kleid &#x00FC;ber
<lb n="0359.22"/> den Kopff warff, welches ihn sich zu vertheidi=
<lb n="0359.23"/> gen hinderte. Man bem&#x00E4;chtigte sich seiner,
<lb n="0359.24"/> weil man ihn aber nicht zeitig genug entwaff=
<lb n="0359.25"/> net hatte, so ermordete er sich mit seinem Dol=
<lb n="0359.26"/> che selbst.</p>
<lb n="0359.27" rend="indent"/> <p>Omar starb erst drey Tage hernach an sei=<note type="marginalie" place="rechts">Omar will<lb/>sich keinen<lb/>Nach folger<lb/>ernennen.</note>
<lb n="0359.28"/> nen Wunden. W&#x00E4;hrend dieser Zeit bat man
<lb n="0359.29"/> ihn inst&#x00E4;ndig, sich einen Nachfolger zu ernen=
<lb n="0359.30"/> nen; allein er gab keine gewisse Antwort dar=
<pb n="0360.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-421"/>
<lb n="0360.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>auf. Er sagte blo&#x00DF;: <hi rend="bold">wenn Salem noch
<lb n="0360.02"/> lebte, so w&#x00FC;rde ich ihn allen andern vor=
<lb n="0360.03"/> gezogen haben</hi>. Die vornehmsten Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0360.04"/> ner wiederhohlten ihre Bitte nochmals, und
<lb n="0360.05"/> schlugen ihm verschiedene vor; doch er wollte,
<lb n="0360.06"/> unter dem Vorwande verschiedener Fehler, die
<lb n="0360.07"/> sie dazu ungeschickt machten, keinen erw&#x00E4;hlen.
<lb n="0360.08"/> Auf diese Art entfernte er den Ali, welcher als
<lb n="0360.09"/> ein naher Anverwandter des Mahomets eini=
<lb n="0360.10"/> ges Recht zur Nachfolge haben konnte. Allein
<lb n="0360.11"/> Omar befand ihn zu einer so wichtigen Stelle
<lb n="0360.12"/> nicht gesetzt und ernsthaft genug. Auf gleiche
<lb n="0360.13"/> Weise ward Othman = ebn = Affan ausgeschlos=
<lb n="0360.14"/> sen, weil der Calife bemerkt hatte, da&#x00DF; er sich an
<lb n="0360.15"/> seine Anverwandte und Freunde allzusehr ge=
<lb n="0360.16"/> bunden habe.</p>
<lb n="0360.17" rend="indent"/> <p>Weil sich niemand darauf besonnen hatte,
<lb n="0360.18"/> ihm seinen Sohn zum Nachfolger vorzuschla=
<lb n="0360.19"/> gen, so bildete man sich ein, da&#x00DF; der Calife viel=
<lb n="0360.20"/> leicht nur diesen, sich zu entschliessen, erwarte.
<lb n="0360.21"/> Doch als man ihm denselben vorschlug, sagte er
<lb n="0360.22"/> statt aller Antwort, da&#x00DF; es genug w&#x00E4;re, wenn
<lb n="0360.23"/> in einer Familie einer, vor so etwas wichtiges,
<lb n="0360.24"/> als die Regierung der Muselm&#x00E4;nner sey, Re=
<lb n="0360.25"/> chenschaft geben m&#x00FC;sse.</p>
<lb n="0360.26"/> <note type="marginalie" place="links">Er tr&#x00E4;gt<lb/>die <hi rend="spaced">Wahl</hi><lb/>desselben, ge=<lb/>wissen Per=<lb/>sonen auf.</note><p rend="indent">Nachdem also einige Zeit vergangen war,
<lb n="0360.27"/> ohne da&#x00DF; Omar sich zu etwas entschliessen woll=
<lb n="0360.28"/> te, so erkl&#x00E4;rte er endlich seinen letzten Willen.
<lb n="0360.29"/> Er ernennte sechs Personen, welchen er die
<lb n="0360.30"/> Wahl auftrug, und welches folgende waren:
<pb n="0361.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-422"/>
<lb n="0361.01"/> Othman = ebn = Affan, Ali = ebn = Abi = Taleb, Tel=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0361.02"/> lah, Zobeir = ebn = Abdallmotaleb, Abdarrahman=
<lb n="0361.03"/> ebn = Auf, und Saed = ebn = Abi = Wakkas. Alle
<lb n="0361.04"/> diese waren die vornehmsten aus dem Volke,
<lb n="0361.05"/> welche mit dem Propheten gelebt hatten, und
<lb n="0361.06"/> seine getreuesten Gef&#x00E4;hrten gewesen waren.</p>
<lb n="0361.07" rend="indent"/> <p>Kurz nach diesen Anstalten, verstarb der<note type="marginalie" place="rechts">Lobspruch<lb/>des Omars.</note>
<lb n="0361.08"/> Calif, in dem drey und sechzigsten Jahre seines
<lb n="0361.09"/> Alters, und in dem zehnten seiner Regierung.
<lb n="0361.10"/> Er ward von den Muselm&#x00E4;nnern ungemein be=
<lb n="0361.11"/> tauert, die er best&#x00E4;ndig mit besonderer M&#x00E4;&#x00DF;i=
<lb n="0361.12"/> gung und Klugheit regieret hatte. Da er sich
<lb n="0361.13"/> bey guter Zeit an eine schlechte und einfache Le=
<lb n="0361.14"/> bensart gew&#x00F6;hnt, so hatte der Glanz des Thro=
<lb n="0361.15"/> nes seine Lebensart im geringsten nicht ver&#x00E4;n=
<lb n="0361.16"/> dert. Seine Kleidung, seine Wohnung, seine
<lb n="0361.17"/> Kost, alles war geringe. Wasser, Gersten=
<lb n="0361.18"/> brod und Rei&#x00DF; waren seine gew&#x00F6;hnliche Nah=
<lb n="0361.19"/> rung. Nie war ein Muselmann eifriger ge=
<lb n="0361.20"/> gen der Religion, und freygebiger gegen die Ar=
<lb n="0361.21"/> men gewesen. Alle Freytage theilte er betr&#x00E4;cht=
<lb n="0361.22"/> liche Summen unter sie aus. Wir haben an=
<lb n="0361.23"/> gemerkt, da&#x00DF; auch Abubeker diesen Tag zu
<lb n="0361.24"/> Austheilung seines Almosens erw&#x00E4;hlt hatte;
<lb n="0361.25"/> allein er war sehr aufmerksam, seine Wohl=
<lb n="0361.26"/> thaten den Verdiensten derjenigen, welche sie
<lb n="0361.27"/> erhielten, gem&#x00E4;&#x00DF; einzurichten. Omar hinge=
<lb n="0361.28"/> gen gab allen, welche Mangel litten, ohne Un=
<lb n="0361.29"/> terscheid. Seine Meinung war, da&#x00DF; die Tu=
<lb n="0361.30"/> gend in jenem Leben hinl&#x00E4;nglich werde vergol=
<lb n="0361.31"/> ten werden; und da&#x00DF; in diesem die G&#x00FC;ter zu
<pb n="0362.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-423"/>
<lb n="0362.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">mar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 634.</note>nichts angewendet werden m&#x00FC;&#x00DF;ten, als den zeit=
<lb n="0362.02"/> lichen Bed&#x00FC;rfnissen damit vorzukommen.</p>
<lb n="0362.03" rend="indent"/> <p>Was die &#x00E4;usserlichen Eigenschaften dieses
<lb n="0362.04"/> Califen anbelangt, so mahlen ihn die Geschicht=
<lb n="0362.05"/> schreiber, als einen langen und wohlgestalteten
<lb n="0362.06"/> Mann ab. Er war von brauner Farbe, und
<lb n="0362.07"/> hatte einen kahlen Kopf. Sein Ansehen war
<lb n="0362.08"/> sanft und dabey edel; &#x00FC;berhaupt hatte er eine
<lb n="0362.09"/> majest&#x00E4;tische Gesichtsbildung, welche Furcht und
<lb n="0362.10"/> Ehrerbietung erweckte, und ihm die Herzen de=
<lb n="0362.11"/> rer, welche unter seiner Herrschaft lebten, ge=
<lb n="0362.12"/> wann.</p>
<lb n="0362.13"/> <note type="marginalie" place="links">Ursprung<lb/>des Namens<lb/>der Sarace=<lb/>nen.</note><p rend="indent">Unter die Zeiten dieses Califen rechne ich
<lb n="0362.14"/> (doch ohne etwas gewisses zu bestimmen) den
<lb n="0362.15"/> Ursprung des Namens <hi rend="bold_large">Saracene</hi>, oder viel=
<lb n="0362.16"/> mehr den gew&#x00F6;hnlichern Gebrauch dieser Be=
<lb n="0362.17"/> nennung, unter welcher die arabischen Musel=
<lb n="0362.18"/> m&#x00E4;nner in der Geschichte bekandt sind.</p>
<lb n="0362.19" rend="indent"/> <p>Die Meinungen sind, wegen Abstammung
<lb n="0362.20"/> dieses Worts, sehr getheilt. Einige Schrift=
<lb n="0362.21"/> stellen behaupten, die Araber h&#x00E4;tten sich so ge=
<lb n="0362.22"/> nennet, weil sie vorgeben wollen, da&#x00DF; sie von
<lb n="0362.23"/> der <hi rend="bold">Sara</hi>, der Frau des Abrahams, entsprun=
<lb n="0362.24"/> gen w&#x00E4;ren. Doch es ist nicht zu erweisen, da&#x00DF; es
<lb n="0362.25"/> diesem Volke jemals in die Gedanken gekommen
<lb n="0362.26"/> sey. Sie sagten vielmehr selbst, da&#x00DF; sie von
<lb n="0362.27"/> dem <hi rend="bold">Jsmael</hi>, dem Sohne der <hi rend="bold">Hagar</hi>, der
<lb n="0362.28"/> Magd dieses Patriarchen, abstammten, und
<lb n="0362.29"/> nennten sich daher oft <hi rend="bold">Hagarener</hi>, oder <hi rend="bold">Jsmae=
<lb n="0362.30"/> liten</hi>.</p>
<pb n="0363.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-424"/>
<lb n="0363.01" rend="indent"/> <p>Andere haben das Wort <hi rend="bold">Saracene</hi> von<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Omar</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0363.02"/> dem arabischen Zeitworte <hi rend="bold">scharaca</hi>, welches
<lb n="0363.03"/> aufgehen, oriri, hei&#x00DF;t, abgetheilet; weil diese V&#x00F6;l=
<lb n="0363.04"/> ker gegen Morgen wohnten, und von den abend=
<lb n="0363.05"/> l&#x00E4;ndischen V&#x00F6;lkern in der That Orientaler ge=
<lb n="0363.06"/> nennet wurden.</p>
<lb n="0363.07" rend="indent"/> <p>Noch andere bemerkten, da&#x00DF; das Wort
<lb n="0363.08"/> <hi rend="bold">Sarak</hi> im Arabischen einen <hi rend="bold">R&#x00E4;uber</hi> bedeutet,
<lb n="0363.09"/> und nach dem Hebr&#x00E4;ischen <hi rend="bold">W&#x00FC;ste und Ar=
<lb n="0363.10"/> muth</hi>; sie bildeten sich daher ein, da&#x00DF; man
<lb n="0363.11"/> vielleicht den Namen <hi rend="bold">Saracene</hi> daraus ge=
<lb n="0363.12"/> macht, der sich in der That sehr wohl f&#x00FC;r ein
<lb n="0363.13"/> Volk schickte, welches an allem Mangel hatte,
<lb n="0363.14"/> und nur von dem leben mu&#x00DF;te, was es hier und
<lb n="0363.15"/> da raubte.</p>
<lb n="0363.16" rend="indent"/> <p>Es giebt einige, welche dieser Abstam=
<lb n="0363.17"/> mung gem&#x00E4;&#x00DF;, versichern, da&#x00DF; diese V&#x00F6;lcker &#x00FC;=
<lb n="0363.18"/> berhaupt den Namen <hi rend="bold">Araber</hi> allezeit behalten
<lb n="0363.19"/> haben, und da&#x00DF; der Name <hi rend="bold">Saracenen</hi>, nur
<lb n="0363.20"/> dem Volke einer gewissen Gegend sey gegeben
<lb n="0363.21"/> worden, welches in der That aus nichts, als aus
<lb n="0363.22"/> Dieben und R&#x00E4;ubern bestand.</p>
<lb n="0363.23" rend="indent"/> <p>Da sich aber das ganze Volk bey andern
<lb n="0363.24"/> V&#x00F6;lkern, anfangs durch die Einf&#x00E4;lle in das Ge=
<lb n="0363.25"/> biete ihrer Nachbarn, und durch das Auspl&#x00FC;n=
<lb n="0363.26"/> dern derselben, endlich aber durch die Ueber=
<lb n="0363.27"/> schwemmung der entlegensten Provinzen und
<lb n="0363.28"/> Reiche, f&#x00FC;rchterlich machte, so haben die Abend=
<lb n="0363.29"/> l&#x00E4;nder diesen V&#x00F6;lkern ohne Unterscheid den Na=
<lb n="0363.30"/> men <hi rend="bold">Saracenen</hi> beygelegt.</p>
<pb n="0364.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-425"/>
<lb n="0364.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note><p rend="indent">Jch werde mich k&#x00FC;nftig dieses Namens of=
<lb n="0364.02"/> te bedienen, um mich nach der Sprache der Ge=
<lb n="0364.03"/> schichtschreiber, welche ihn gemeiniglich ge=
<lb n="0364.04"/> braucht haben, zu richten. Uebrigens ist die=
<lb n="0364.05"/> se Benennung sehr n&#x00FC;tzlich, die arabischen Mu=
<lb n="0364.06"/> selm&#x00E4;nner, welchen sie eigentlich zukommt, von
<lb n="0364.07"/> den christlichen Arabern zu unterscheiden, wel=
<lb n="0364.08"/> che mit ihnen best&#x00E4;ndig Krieg gef&#x00FC;hret haben.</p></div1>
<div1 type="teil">
<lb n="0364.09"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="0364.10"/> <head n="3"><hi rend="spaced">Othman</hi>.
<lb n="0364.11"/> <hi rend="bold"><hi rend="spaced">Dritter Calif</hi></hi>.</head>
<lb n="0364.12"/> <note type="marginalie" place="links">Versamm=<lb/>lung <hi rend="spaced">einen<lb/>Califen</hi> zu<lb/>w&#x00E4;hlen.</note><p><hi rend="initiale_kl">S</hi>o bald als der Tod des Omars bekandt
<lb n="0364.13"/> geworden war, versammleten sich dieje=
<lb n="0364.14"/> nigen Personen, welche das Recht, den
<lb n="0364.15"/> Nachfolger zu w&#x00E4;hlen, erhalten hatten. Jn
<lb n="0364.16"/> der ersten Versammlung, welche diesertwegen
<lb n="0364.17"/> angestellt wurde, that Abdarrahman seinen Ge=
<lb n="0364.18"/> h&#x00FC;lffen zwey Vorschl&#x00E4;ge. Zuerst verlangte er,
<lb n="0364.19"/> da&#x00DF; derjenige, welcher sich seine eigne Stimme
<lb n="0364.20"/> geben w&#x00FC;rde, von der Nachfolge ausgeschlossen
<lb n="0364.21"/> seyn sollte. Hierauf schlug er vor, vor sich selbst
<lb n="0364.22"/> allen Anspr&#x00FC;chen, die er etwa zu dieser W&#x00FC;rde
<lb n="0364.23"/> haben k&#x00F6;nnte, zu entsagen, wenn man ihm die
<lb n="0364.24"/> Wahl eines Califen einzig und allein &#x00FC;berlassen
<lb n="0364.25"/> wollte.</p>
<lb n="0364.26" rend="indent"/> <p>Diese Vorschl&#x00E4;ge wurden von allen Wahl=
<lb n="0364.27"/> gliedern angenommen. Ali war der einzige,
<lb n="0364.28"/> welcher der allgemeinen Einwilligung nicht bey=
<pb n="0365.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-426"/>
<lb n="0365.01"/> treten wollte, weil er schon zweymal in der Nach=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0365.02"/> folge &#x00FC;bergangen war, und bef&#x00FC;rchte, da&#x00DF; er
<lb n="0365.03"/> durch diese Anstalten nochmals davon ausge=
<lb n="0365.04"/> schlossen werden m&#x00F6;chte. Gleichwohl gab er
<lb n="0365.05"/> den &#x00FC;brigen endlich nach, weil er wohl sahe, da&#x00DF;
<lb n="0365.06"/> seine Widersetzung bey der Mehrheit der Stim=
<lb n="0365.07"/> men von keinem Gewichte seyn w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0365.08" rend="indent"/> <p>Da also Abdarrahman die Wahl in seine<note type="marginalie" place="rechts">Ali schl&#x00E4;gt<lb/>die Nachfol=<lb/>ge aus.</note>
<lb n="0365.09"/> Gewalt gestellt sahe, so dachte er anfangs auf
<lb n="0365.10"/> den Ali. Er besuchte ihn daher, und versprach,
<lb n="0365.11"/> ihn zu ernennen, wann er ihm angelobte, da&#x00DF;
<lb n="0365.12"/> er nach der in dem Buche Gottes (<ref rend="footnote" n="365*"><hi rend="super">*</hi></ref>) enthal=
<lb n="0365.13"/> tenem Lehre, regieren, und nichts ohne den Rath
<lb n="0365.14"/> der Aeltesten thun wolle.</p>
<lb n="0365.15" rend="indent"/> <p>So gro&#x00DF; nun die Begierde des Ali nach
<lb n="0365.16"/> der h&#x00F6;chsten W&#x00FC;rde seyn mochte, so war er
<lb n="0365.17"/> doch offenherzig genug, seine Gesinnungen nicht
<lb n="0365.18"/> zu verstellen. Er antwortete, da&#x00DF; er sich in
<lb n="0365.19"/> allem nach dem richten w&#x00FC;rde, was in dem Bu=
<lb n="0365.20"/> che Gottes geschrieben w&#x00E4;re, da&#x00DF; er aber kei=
<lb n="0365.21"/> nesweges, seine Regierung nach der Meinung
<lb n="0365.22"/> der Aeltesten einzurichten, wolle gehalten seyn.
<lb n="0365.23"/> Diese Antwort machte den Abdarrahman schl&#x00FC;s=
<lb n="0365.24"/> sig, und er gedachte nicht weiter auf den Ali.
<lb n="0365.25"/> Othman, welchen er nach diesem besuchte, war<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Othman</hi><lb/>wird Calif.</note>
<lb n="0365.26"/> bereitwilliger; er unterwarf sich allen Bedin=
<lb n="0365.27"/> gungen, die man ihm vorlegte, und ward folg=
<lb n="0365.28"/> lich erw&#x00E4;hlt.</p>
<lb n="0365.29"/> <note type="footnote" n="365*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) dem Korane.</p></note>
<pb n="0366.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-427"/>
<lb n="0366.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note><p rend="indent">Othman fing seine Regierung mit dem Krie=
<lb n="0366.02"/> ge wider die Perser an, welche hernach g&#x00E4;nzlich
<lb n="0366.03"/> unterw&#x00FC;rfig gemacht und gezwungen wurden,
<lb n="0366.04"/> sich der Herrschaft der Muselm&#x00E4;nner zu unter=
<lb n="0366.05"/> werffen.</p>
<lb n="0366.06"/> <note type="marginalie" place="links">Die Araber<lb/>bringen Per=<lb/>sien <hi rend="spaced">unter</hi><lb/>sich.</note><p rend="indent">Dieser Krieg war die Folge desjenigen Krie=
<lb n="0366.07"/> ges, welcher unter der vorigen Regierung hitzig
<lb n="0366.08"/> genug war gef&#x00FC;hret worden. Als Omar auf
<lb n="0366.09"/> den Thron gestiegen war, hatte er in den Theil
<lb n="0366.10"/> von Chald&#x00E4;a, welcher das persische Jrack genen=
<lb n="0366.11"/> net wurde, weil es die Perser noch besassen,
<lb n="0366.12"/> Trupen geschickt: Weil nun dieser Calif sich die=
<lb n="0366.13"/> ses Landes bem&#x00E4;chtigen wollte, so brachte er ein
<lb n="0366.14"/> zahlreiches Heer auf die Beine, das er unter
<lb n="0366.15"/> Anf&#x00FC;hrung des Abu = Obeid, welchem er den
<lb n="0366.16"/> Almothana, den Amru und Salit als Unter=
<lb n="0366.17"/> feldherren beygesellte, aufbrechen lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0366.18" rend="indent"/> <p>Obeidah zog gegen den Euphrat zu, lie&#x00DF; ei=
<lb n="0366.19"/> ne Br&#x00FC;cke dar&#x00FC;ber werffen, und ging im Ange=
<lb n="0366.20"/> sichte der Perser, welche nicht die geringste Be=
<lb n="0366.21"/> wegung, es zu verhindern, machten, hin&#x00FC;ber.
<lb n="0366.22"/> Sie thaten auch eher nichts, als bis sie seine Ar=
<lb n="0366.23"/> mee nach dem Uebergange in Schlachtordnung
<lb n="0366.24"/> gestellt sahen. Nunmehr fingen sie an, sie
<lb n="0366.25"/> ziemlich heftig zu beunruhigen, und t&#x00F6;dteten
<lb n="0366.26"/> nicht wenige; doch der Feldherr lie&#x00DF; gar bald
<lb n="0366.27"/> das Zeichen geben, st&#x00FC;rzte voller Wuth auf die
<lb n="0366.28"/> Perser, und brachte sie zum weichen. Diese
<lb n="0366.29"/> fa&#x00DF;ten wieder Muth, setzten sich aufs neue, und
<lb n="0366.30"/> kehrten gegen die Muselm&#x00E4;nner zur&#x00FC;ck; und
<pb n="0367.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-428"/>
<lb n="0367.01"/> nunmehr hatten sie auch das Gl&#x00FC;ck ihren Feind<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0367.02"/> zu schlagen, und v&#x00F6;llig in die Flucht zu treiben.
<lb n="0367.03"/> Obeid blieb in dem Treffen; Almathana, der
<lb n="0367.04"/> erste von seinen Unterfeldherren, that sein &#x00E4;us=
<lb n="0367.05"/> serstes sich aus den H&#x00E4;nden des Feindes zu reis=
<lb n="0367.06"/> sen, und endlich gelang es ihm auch, mit einer
<lb n="0367.07"/> geringen Anzahl Muselm&#x00E4;nner wieder &#x00FC;ber den
<lb n="0367.08"/> Flu&#x00DF; zu kommen. Er lie&#x00DF; sogleich die Br&#x00FC;cke
<lb n="0367.09"/> abbrechen, um sich sicher zur&#x00FC;ckziehen zu k&#x00F6;nnen,
<lb n="0367.10"/> und schlug sein Lager nicht weit von dem Flusse
<lb n="0367.11"/> auf, wo er sich auf das sorgf&#x00E4;ltigste verschanzte,
<lb n="0367.12"/> die H&#x00FC;lffe sicher erwarten zu k&#x00F6;nnen, um die er
<lb n="0367.13"/> den Califen auf das schleinigste bitten lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0367.14" rend="indent"/> <p>Omar unterlie&#x00DF; nicht, ansehnliche H&#x00FC;lffs=
<lb n="0367.15"/> V&#x00F6;lker zu schicken, mit welchen man den Feld=
<lb n="0367.16"/> zug wieder anfing, und das ganze an dem Eu=
<lb n="0367.17"/> phrat gelegene Jrak verw&#x00FC;stete.</p>
<lb n="0367.18" rend="indent"/> <p>Arzemidokht, welche damals K&#x00F6;nigin von
<lb n="0367.19"/> Persien war, lie&#x00DF; Trupen anr&#x00FC;cken, die Araber
<lb n="0367.20"/> zur&#x00FC;ck zu treiben. Die zwey Heere wurden
<lb n="0367.21"/> handgemein; und nach einem langen Streite,
<lb n="0367.22"/> in welchem das Gl&#x00FC;ck lange zweifelhaft schien,
<lb n="0367.23"/> lenkte endlich der Tod des persischen Feldherrn
<lb n="0367.24"/> den Sieg auf die Seite der Muselm&#x00E4;nner.</p>
<lb n="0367.25" rend="indent"/> <p>Die Perser gaben ihrer K&#x00F6;nigin diese Nie=
<lb n="0367.26"/> derlage Schuld, und setzten sie ab, um die Krone
<lb n="0367.27"/> einem jungen Prinzen, Namens Jzdegerd, zu
<lb n="0367.28"/> geben, welcher von den Cosroes, den S&#x00F6;hnen
<lb n="0367.29"/> des Hormisdas, abstammte. Unter der Regie=
<lb n="0367.30"/> rung dieses Prinzen hatten sie weit mehr Un=
<pb n="0368.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-429"/>
<lb n="0368.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>gl&#x00FC;ck auszustehen, als unter der Arzemidokht.
<lb n="0368.02"/> Die Armeen, welche er wider die Araber aus=
<lb n="0368.03"/> schickte, wurden zu verschiedenen malen geschla=
<lb n="0368.04"/> gen, und er konnte einer g&#x00E4;nzlichen Niederla=
<lb n="0368.05"/> ge nicht anders entkommen, als da&#x00DF; er sich in
<lb n="0368.06"/> die festen Pl&#x00E4;tze legte, welche den Feind aufhal=
<lb n="0368.07"/> ten konnten.</p>
<lb n="0368.08" rend="indent"/> <p>Die Eroberungen, welche die Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0368.09"/> ner in andern L&#x00E4;ndern machten, verhinderten
<lb n="0368.10"/> sie, alle ihre Kr&#x00E4;fte auf dieser Seite anzuwen=
<lb n="0368.11"/> den; so da&#x00DF; die Perser einige Jahre ziemlich ru=
<lb n="0368.12"/> hig gelassen wurden. Doch eben zu der Zeit,
<lb n="0368.13"/> als Jerusalem belagert wurde, trug es Omar
<lb n="0368.14"/> einem von seinen vornehmsten Kriegsobersten
<lb n="0368.15"/> auf, die Feindseligkeiten in Persien wieder anzu=
<lb n="0368.16"/> fangen, und nunmehr ward die Eroberung die=
<lb n="0368.17"/> ses Landes ziemlich weit getrieben. Saed = ebn=
<lb n="0368.18"/> Abi=Vakkas (so hie&#x00DF; der Feldherr, welchen Omar
<lb n="0368.19"/> ausschickte) that einen Einfall, welcher so wohl
<lb n="0368.20"/> unterst&#x00FC;tzt ward, da&#x00DF; er bis in die Hauptstadt
<lb n="0368.21"/> drang, sich derselben bem&#x00E4;chtigte, und alle
<lb n="0368.22"/> Sch&#x00E4;tze und Reichth&#x00FC;mer, welche seit der Re=
<lb n="0368.23"/> gierung der Cosroes daselbst auf behalten wur=
<lb n="0368.24"/> den, daraus wegnahm.</p>
<lb n="0368.25" rend="indent"/> <p>Der Feldherr der Muselm&#x00E4;nner r&#x00FC;ckte im=
<lb n="0368.26"/> mer weiter und weiter; endlich aber ward er
<lb n="0368.27"/> von einer zahlreichen Armee aufgehalten, wel=
<lb n="0368.28"/> che ihm die Schlacht anboth. Auch bey dieser
<lb n="0368.29"/> Gelegenheit trugen die Araber allen Vortheil
<lb n="0368.30"/> davon; und da der K&#x00F6;nig Jzdegerd den trauri=
<pb n="0369.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-430"/>
<lb n="0369.01"/> gen Zustand seines Reiches sahe, so flohe er in<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0369.02"/> einen festen Platz, Namens Ferganah, wo er
<lb n="0369.03"/> die letzten Jahre der Regierung des Omars
<lb n="0369.04"/> ziemlich ruhig blieb.</p>
<lb n="0369.05" rend="indent"/> <p>Doch so bald als Othman auf dem Throne
<lb n="0369.06"/> war, schickte er eine starke Armee dahin, ver=
<lb n="0369.07"/> mittelst welcher man alles gar bald wegnahm,
<lb n="0369.08"/> was noch etwa zu erobern &#x00FC;brig war. Die
<lb n="0369.09"/> Muselm&#x00E4;nner nahmen gleich anfangs einige
<lb n="0369.10"/> feste Pl&#x00E4;tze ein, welche den Ort vertheidigten,
<lb n="0369.11"/> wohin Jzdegerd gefl&#x00FC;chtet war. Da dieser sa=
<lb n="0369.12"/> he, da&#x00DF;  man ihm auf allen Seiten so heftig
<lb n="0369.13"/> zusetze, nahm er seine Zuflucht zu einem t&#x00FC;rki=
<lb n="0369.14"/> schen F&#x00FC;rsten, Namens Tarkan, welcher an
<lb n="0369.15"/> der Spitze einer grossen Armee zu ihm stie&#x00DF;.
<lb n="0369.16"/> Der K&#x00F6;nig &#x00FC;berwarff sich gar bald mit diesem
<lb n="0369.17"/> F&#x00FC;rsten, und beleidigte ihn, we&#x00DF;wegen dieser
<lb n="0369.18"/> wieder zur&#x00FC;ck zog, ohne sich de&#x00DF;wegen r&#x00E4;chen
<lb n="0369.19"/> zu wollen. Doch ein vornehmer Perser, Na=
<lb n="0369.20"/> mens Mahua, welcher den Jzdegerd seit langer
<lb n="0369.21"/> Zeit ha&#x00DF;te, machte sich diese Gelegenheit zu
<lb n="0369.22"/> Nutze, die allergrausamste Rache wider ihn
<lb n="0369.23"/> auszu&#x00FC;ben. Er begab sich zu dem Tarkan,
<lb n="0369.24"/> und sprach mit solcher Heftigkeit wider den K&#x00F6;=
<lb n="0369.25"/> nig, da&#x00DF; er endlich seinen Zorn rege machte,
<lb n="0369.26"/> und ihn bewog, sich mit ihm, zu des Jzdegerds
<lb n="0369.27"/> Untergange, zu verbinden.</p>
<lb n="0369.28" rend="indent"/> <p>Jndem also dieser ungl&#x00FC;ckliche K&#x00F6;nig in sei=
<lb n="0369.29"/> nen eigenen Staaten gleichsam fl&#x00FC;chtig war, um
<lb n="0369.30"/> sich vor den Arabern, welche sein ganzes Land
<pb n="0370.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-431"/>
<lb n="0370.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>verheerten, in Sicherheit zu setzen, ward er
<lb n="0370.02"/> auch so gar denjenigen eine Beute, auf deren
<lb n="0370.03"/> H&#x00FC;lffe er sich h&#x00E4;tte verlassen k&#x00F6;nnen, wann er
<lb n="0370.04"/> sich mit einiger Klugheit aufgef&#x00FC;hrt h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0370.05" rend="indent"/> <p>Der von dem Mahua aufgebrachte Tarkan
<lb n="0370.06"/> kam also wieder nach Persien zur&#x00FC;ck, fand den
<lb n="0370.07"/> K&#x00F6;nig mit einigen Trupen, griff ihn an, und
<lb n="0370.08"/> schlug ihn g&#x00E4;nzlich in die Flucht. Mahua ver=
<lb n="0370.09"/> folgte die Fl&#x00FC;chtigen, hieb einen Theil davon
<lb n="0370.10"/> nieder, und suchte &#x00FC;berall den Jzdegerd, um
<lb n="0370.11"/> seine Rache zu vergn&#x00FC;gen. Dieser hatte sich
<lb n="0370.12"/> gl&#x00FC;cklich von dem st&#x00E4;rksten Hauffen der Fl&#x00FC;ch=
<lb n="0370.13"/> tigen entfernt, und war auf eine M&#x00FC;hle zuge=
<lb n="0370.14"/> flohen, wo er wider die Verfolgung seiner Fein=
<lb n="0370.15"/> de Zuflucht zu finden hoffte; doch der, welcher
<lb n="0370.16"/> die Aufsicht &#x00FC;ber diese M&#x00FC;hle hatte, wollte zu=
<lb n="0370.17"/> vor mit dem K&#x00F6;nige handeln, ehe er ihn hinein
<lb n="0370.18"/> lie&#x00DF;, und verursachte also, da&#x00DF; ihn einige Reu=
<lb n="0370.19"/> ter des Mahua entdeckten, und auf der Stelle
<lb n="0370.20"/> niedermachten. (<ref rend="footnote" n="370*"><hi rend="super">*</hi></ref>)</p>
<lb n="0370.21"/> <note type="footnote" n="370*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Der Tod dieses K&#x00F6;nigs wird in der orien=
<lb n="0370.22" rend="indent"/> talischen Bibliothek des Herbelot mit andern
<lb n="0370.23" rend="indent"/> Umst&#x00E4;nden erzehlt. Man sagt daselbst, Jzde=
<lb n="0370.24" rend="indent"/> gerd sey bis zu einem Flusse geflohen, durch
<lb n="0370.25" rend="indent"/> welchen keine Fuhrt gewesen, und habe da=
<lb n="0370.26" rend="indent"/> her einem Schiffer ein Armband von gros=
<lb n="0370.27" rend="indent"/> sem Werthe angebothen, ihn &#x00FC;ber den Flu&#x00DF; zu
<lb n="0370.28" rend="indent"/> setzen. Allein der Schiffer soll geantwortet
<lb n="0370.29" rend="indent"/> haben, er frage viel nach seinem Armbande,
<lb n="0370.30" rend="indent"/> wann er hin&#x00FC;ber wolle, m&#x00FC;sse er ihn vier Hel=
<lb n="0371.27" rend="indent"/> ler geben. W&#x00E4;hrend dieses Streits sollen
<lb n="0371.28" rend="indent"/> ihn die Reuter eingehohlt und niedergemacht
<lb n="0371.29" rend="indent"/> haben.</p></note>
<pb n="0371.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-432"/>
<lb n="0371.01" rend="indent"/> <p>Jn der Person dieses K&#x00F6;nigs nahm das per=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>
<lb n="0371.02"/> sische Reich ein Ende, und alle seine Provinzen
<lb n="0371.03"/> wurden gar bald der Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit der Musel=
<lb n="0371.04"/> m&#x00E4;nner unterworffen. Diese grosse Ver&#x00E4;nde=
<lb n="0371.05"/> rung ereignete sich im 31<hi rend="super">sten</hi> Jahre der Hegi=
<lb n="0371.06"/> re, im 651<hi rend="super">sten</hi> nach Christi Geburth, und ohn=
<lb n="0371.07"/> gefehr im siebenden der Regierung des Oth=
<lb n="0371.08"/> mans. Man sieht, da&#x00DF; ich diese Begebenheit
<lb n="0371.09"/> ein wenig voraus weggenommen habe; ich habe
<lb n="0371.10"/> mich aber dazu berechtiget gehalten, um die Un=
<lb n="0371.11"/> terbrechungen zu vermeiden, welche die ver=
<lb n="0371.12"/> schiednen Abs&#x00E4;tze dieses Krieges in meiner Er=
<lb n="0371.13"/> zehlung w&#x00FC;rden gemacht haben. Aus eben
<lb n="0371.14"/> diesem Grunde habe ich auch dasjenige, was
<lb n="0371.15"/> diesertwegen unter der Regierung des Omars
<lb n="0371.16"/> vorging, zu melden verschoben, damit alles in
<lb n="0371.17"/> einer Reihe auf einander folgen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0371.18" rend="indent"/> <p>Zu der Zeit, als der persische Krieg unter<note type="marginalie" place="rechts">Eroberun=<lb/>gen der Mu=<lb/>selm&#x00E4;nner in<lb/>Africa.</note>
<lb n="0371.19"/> dem Othman wieder vorgenommen wurde, hat=
<lb n="0371.20"/> ten die Saracenen ihre Eroberungen auf den
<lb n="0371.21"/> africanischen K&#x00FC;sten, von Aegypten bis an die
<lb n="0371.22"/> Meerenge von Gibraltar, fortgesetzt. Sie wa=
<lb n="0371.23"/> ren aber zu verschiedenen malen nicht allzu
<lb n="0371.24"/> gl&#x00FC;cklich gewesen, woran der Calif selbst Schuld
<lb n="0371.25"/> gewesen war.</p>
<lb n="0371.26" rend="indent"/> <p>Omar hatte die Gem&#x00FC;thsart des Othmans<note type="marginalie" place="rechts">Uebele Auf=<lb/>f&#x00FC;hrung des<lb/>Othmans.</note>
<pb n="0372.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-433"/>
<lb n="0372.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 23.<lb/>n. C. G. 643.</note>sehr wohl gekannt, da er ihm die Nachfolge
<lb n="0372.02"/> de&#x00DF;wegen abgesprochen, weil er seiner Familie
<lb n="0372.03"/> allzuergeben sey? Und in der That, die allzu=
<lb n="0372.04"/> merkliche Zuneigung, die er gegen seine Anver=
<lb n="0372.05"/> wandten hatte, verursachte in dem Staate nicht
<lb n="0372.06"/> wenig Unordnung, welche er endlich selbst aus=
<lb n="0372.07"/> b&#x00FC;ssen muste.</p>
<lb n="0372.08" rend="indent"/> <p>Er beging die Unvorsichtigkeit, den Amru
<lb n="0372.09"/> zur&#x00FC;ck zu ruffen, dessen Tapferkeit man die Ero=
<lb n="0372.10"/> berungen in Aegypten zu danken hatte; und
<lb n="0372.11"/> gab dem Abdallah = ebn = Said, welcher kein an=
<lb n="0372.12"/> der Verdienst hatte, als da&#x00DF; er sein Halbbru=
<lb n="0372.13"/> der war, die Verwaltung dieses Landes.</p>
<lb n="0372.14" rend="indent"/> <p>Diese Ver&#x00E4;nderung h&#x00E4;tte den Saracenen
<lb n="0372.15"/> beynahe den gr&#x00F6;sten Theil Aegyptens gekostet.
<lb n="0372.16"/> Amru ward von dem Volke geliebet und hoch=
<lb n="0372.17"/> geachtet. Er hatte sich nach den Sitten und
<lb n="0372.18"/> dem Genie der Aegypter zu richten gewust, und
<lb n="0372.19"/> hatte sie so gewonnen, da&#x00DF; er sie, bey den klei=
<lb n="0372.20"/> nen Unruhen, die sich von Zeit zu Zeit erho=
<lb n="0372.21"/> ben, immer mehr durch die Liebe, die man zu
<lb n="0372.22"/> ihm trug, als durch Furcht, wieder auf den
<lb n="0372.23"/> rechten Weg brachte.</p>
<lb n="0372.24"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 24.<lb/>n. C. G. 644.</note><p rend="indent">Abdallah, welcher weder den Geist noch die
<lb n="0372.25"/> Tapferkeit dieses Feldherrn besa&#x00DF;, ward von
<lb n="0372.26"/> dem Volke gar bald f&#x00FC;r das, was er war, er=
<lb n="0372.27"/> kannt. Man murrete wider diese Ver&#x00E4;nde=
<lb n="0372.28"/> rung; verschiedene Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gte machten
<lb n="0372.29"/> heimliche Anschl&#x00E4;ge, und endlich meldete man
<lb n="0372.30"/> dem K&#x00E4;yser, wenn er schleinig einige Trupen
<pb n="0373.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-434"/>
<lb n="0373.01"/> schicken wollte, so k&#x00F6;nnte er sich in kurzem des<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 24.<lb/>n. C. G. 644.</note>
<lb n="0373.02"/> Landes wieder bem&#x00E4;chtigen, und ins besondere
<lb n="0373.03"/> Alexandriens, f&#x00FC;r dessen Einnahme man ihm
<lb n="0373.04"/> gut seyn k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0373.05" rend="indent"/> <p>Eine so schmeichelhafte Nachricht machte<note type="marginalie" place="rechts">Die Mi&#x00DF;=<lb/>vergn&#x00FC;gten<lb/>&#x00FC;berliefern<lb/>dem K&#x00E4;yser<lb/>Alexandria.</note>
<lb n="0373.06"/> den Griechen wieder Muth. Der K&#x00E4;yser lie&#x00DF;
<lb n="0373.07"/> eine ansehnliche Flotte ausr&#x00FC;sten, und bald dar=
<lb n="0373.08"/> auf sahe man auf den Aegyptischen Ufern eine
<lb n="0373.09"/> zahlreiche Armee aussteigen, welche graden We=
<lb n="0373.10"/> ges auf Alexandria los ging. Es kostete nicht
<lb n="0373.11"/> viel M&#x00FC;he, sich dieses Platzes zu bem&#x00E4;chtigen.
<lb n="0373.12"/> So bald als die Griechische Armee erschien, bra=
<lb n="0373.13"/> chen diejenigen in der Stadt, welche den Plan
<lb n="0373.14"/> zu dieser Emp&#x00F6;rung gemacht hatten, aus. Ab=
<lb n="0373.15"/> dallah, welcher nicht einmal geschickt war, ei=
<lb n="0373.16"/> nen ruhigen Staat zu regieren, verlohr unter
<lb n="0373.17"/> diesen Bewegungen allen Verstand, und der
<lb n="0373.18"/> Platz ward eingenommen.</p>
<lb n="0373.19" rend="indent"/> <p>Die Eroberung Alexandriens setzte ganz<note type="marginalie" place="rechts">Amru ni<expan>mm</expan>t<lb/><hi rend="spaced">die</hi> Stadt<lb/>Alexandria<lb/>wieder ein,<lb/><hi rend="spaced">und</hi> schleift<lb/>sie.</note>
<lb n="0373.20"/> Medina in Best&#x00FC;rzung. Othmann merkte
<lb n="0373.21"/> nunmehr, was er f&#x00FC;r einen Fehler begangen,
<lb n="0373.22"/> indem er den Amru abgesetzt, und glaubte, da&#x00DF;
<lb n="0373.23"/> er ihn nicht anders verbessern k&#x00F6;nne, als wenn
<lb n="0373.24"/> er diesen Feldherrn schleinig in die Stadthalter=
<lb n="0373.25"/> schaft von Aegypten wieder einsetze.</p>
<lb n="0373.26" rend="indent"/> <p>Amru brach also sogleich mit neuen Trupen<note type="marginalie" place="rechts">Hegire 25.<lb/>n. C. G. 645.</note>
<lb n="0373.27"/> von Medina wieder auf, und marschirte in gr&#x00F6;=
<lb n="0373.28"/> ster Eil. Seine Ankunft war denjenigen Ae=
<lb n="0373.29"/> gyptern sehr angenehm, welche keinen Theil an
<lb n="0373.30"/> der Verschw&#x00F6;rung hatten. Sie erkl&#x00E4;rten sich
<pb n="0374.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-435"/>
<lb n="0374.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 25.<lb/>n. C. G. 645.</note>auch so gleich f&#x00FC;r ihn, so bald sie ihn nur an=
<lb n="0374.02"/> kommen sahen.</p>
<lb n="0374.03" rend="indent"/> <p>Der Neigung aber ohngeachtet, welche das
<lb n="0374.04"/> Volk f&#x00FC;r ihn hatte, brauchte es einige Zeit, A=
<lb n="0374.05"/> lexandrien wieder einzunehmen. Die Griechen
<lb n="0374.06"/> thaten einen tapfern Widerstand, und schlugen
<lb n="0374.07"/> sich mit solcher Hartn&#x00E4;ckigkeit, da&#x00DF; der sarace=
<lb n="0374.08"/> nische Feldherr &#x00FC;ber ihre Vertheidigung erbit=
<lb n="0374.09"/> tert wurde, und schwur, wann sich der Sieg
<lb n="0374.10"/> f&#x00FC;r ihn erkl&#x00E4;rte, die Mauern schleiffen zu lassen,
<lb n="0374.11"/> und die Stadt auf allen Seiten so offen zu ma=
<lb n="0374.12"/> chen, da&#x00DF; man ohne Hinderung hinein kommen
<lb n="0374.13"/> k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0374.14"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 26.<lb/>n. C. G. 646.</note><p rend="indent">Es w&#x00E4;hrte nicht lange, so sahe er sich im
<lb n="0374.15"/> Stande, sein Wort halten zu k&#x00F6;nnen. Die
<lb n="0374.16"/> Saracenen nahmen die Stadt mit Gewalt ein,
<lb n="0374.17"/> und richteten anfangs ein solches Blutbad an,
<lb n="0374.18"/> da&#x00DF; Amru, mit alle seinem Ansehen, M&#x00FC;he
<lb n="0374.19"/> hatte, es zu stillen. Endlich erlangte er seinen
<lb n="0374.20"/> Zweck doch, und rettete einer grossen Menge
<lb n="0374.21"/> das Leben. Er gab sogar Befehl, die Fl&#x00FC;ch=
<lb n="0374.22"/> tigen nicht allzuhitzig zu verfolgen, wodurch der
<lb n="0374.23"/> griechische Feldherr Zeit gewann, mit dem Ue=
<lb n="0374.24"/> berbleibsel seiner Trupen, die Schiffe zu errei=
<lb n="0374.25"/> chen, auf welche er sich eiligst einschifte und
<lb n="0374.26"/> nach Constantinopel flohe. Auf diese Art kam
<lb n="0374.27"/> Alexandria wieder unter die Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit der
<lb n="0374.28"/> Muselm&#x00E4;nner, nachdem es ohngefehr ein Jahr
<lb n="0374.29"/> in den H&#x00E4;nden seiner alten Besitzer gewesen
<lb n="0374.30"/> war.</p>
<pb n="0375.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-436"/>
<lb n="0375.01" rend="indent"/> <p>Amru lie&#x00DF; die Festungswerke der Stadt<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 26.<lb/>n. C. G. 646.</note>
<lb n="0375.02"/> schleiffen, so wie er es geschworen hatte: und
<lb n="0375.03"/> seit der Zeit, ist diese durch Alexandern, ihren
<lb n="0375.04"/> Stifter, und durch so viele durchlauchtige Re=
<lb n="0375.05"/> genten, welche pr&#x00E4;chtige Denkm&#x00E4;hler ihrer Gr&#x00F6;s=
<lb n="0375.06"/> se daselbst hinterlassen hatten, so ber&#x00FC;hmte Stadt,
<lb n="0375.07"/> nichts als eine Art eines Fleckens, in welchem
<lb n="0375.08"/> man gleichwohl noch leichte Spuren seines
<lb n="0375.09"/> alten Glanzes hin und wieder antrift.</p>
<lb n="0375.10" rend="indent"/> <p>Mittlerweile als man diese pr&#x00E4;chtige Stadt<note type="marginalie" place="rechts">Hegire 27.<lb/>u. folgende.<lb/>n. C. G. 647.<lb/>und folg.</note>
<lb n="0375.11"/> einzu&#x00E4;schern besch&#x00E4;ftiget war, arbeitete Moavi=
<lb n="0375.12"/> as, Statthalter von Syrien, an einer See=
<lb n="0375.13"/> macht, welche die Saracenen in Stand setzte,<note type="marginalie" place="rechts">Die Sara=<lb/>cenen neh=<lb/>men Cyprus<lb/>ein, und wer=<lb/>den wieder<lb/>daraus ver=<lb/>trieben.</note>
<lb n="0375.14"/> k&#x00FC;nftig weit gr&#x00F6;&#x00DF;re Eroberungen zu machen,
<lb n="0375.15"/> als sie bisher gemacht hatten. Seinen Ver=
<lb n="0375.16"/> such machte er mit der Jnsel Cyprus, welche
<lb n="0375.17"/> er einzunehmen das Gl&#x00FC;ck hatte; allein er ko<expan>nn</expan>=
<lb n="0375.18"/> te sich nicht l&#x00E4;nger als zwey Jahr darinne er=
<lb n="0375.19"/> halten, w&#x00E4;hrend welcher Zeit die Christen ihn
<lb n="0375.20"/> verschiednemal wieder zu vertreiben suchten,
<lb n="0375.21"/> und endlich, weil sie nicht nachliessen, ihren
<lb n="0375.22"/> Zweck erreichten, die Jnsel wieder in Besitz
<lb n="0375.23"/> nahmen, und die Muselm&#x00E4;nner daraus verjag=
<lb n="0375.24"/> ten.</p>
<lb n="0375.25" rend="indent"/> <p>Die folgenden Jahre war Moavias gl&#x00FC;ckli=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Sie</hi> ero=<lb/>bern die Jn=<lb/>sel Rhodus.</note>
<lb n="0375.26"/> cher. Er suchte den griechischen K&#x00E4;yser, wel=
<lb n="0375.27"/> cher mit einer zahlreichen Flotte auf dem ph&#x00F6;ni=
<lb n="0375.28"/> zischen Meere kreutzte, auf, fiel ihn an, zer=
<lb n="0375.29"/> streuete seine Schiffe, und n&#x00F6;thigte ihn, die
<lb n="0375.30"/> Flucht zu ergreiffen. Dieses geschahe ohnge=
<pb n="0376.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-437"/>
<lb n="0376.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 34.<lb/>n. C. G. 654.</note>fehr im 34<hi rend="super">sten</hi> Jahre der Hegire, oder im 654<hi rend="super">sten</hi>
<lb n="0376.02"/> nach Christi Geburth. Das Jahr darauf be=
<lb n="0376.03"/> m&#x00E4;chtigte sich Moavias der Jnsel Rhodus, und
<lb n="0376.04"/> warf die beruffene Bildseule der Sonne, wel=
<lb n="0376.05"/> che mit unter die Wunderwerke der Welt ge=
<lb n="0376.06"/> rechnet wurde, um. Er lie&#x00DF; sie in St&#x00FC;cken
<lb n="0376.07"/> zerbrechen, und schickte sie nach Alexandria.</p>
<lb n="0376.08"/> <note type="marginalie" place="links">Allgemei=<lb/>ner Aufstand<lb/><hi rend="spaced">wider den</hi><lb/>Othman.</note><p rend="indent">Das Jahr dieser Eroberung war der Zeit=
<lb n="0376.09"/> punct der innerlichen Unruhen, welche der Re=
<lb n="0376.10"/> gierung des Othmans ein Ende machten. Die=
<lb n="0376.11"/> ser Calif hatte gute Eigenschaften genug; er
<lb n="0376.12"/> w&#x00FC;rde sogar lobensw&#x00FC;rdig gewesen seyn, wann
<lb n="0376.13"/> er eine blosse Privatperson geblieben w&#x00E4;re; al=
<lb n="0376.14"/> lein zur Regierung war er gar nicht geschickt.
<lb n="0376.15"/> Er beging, es sey nun aus Mangel der Ein=
<lb n="0376.16"/> sicht, oder aus Eigensinn, verschiedne unvor=
<lb n="0376.17"/> sichtige Streiche, welche ihm die Verachtung
<lb n="0376.18"/> des Volks zuzogen, und welche seinen Feinden
<lb n="0376.19"/> Gelegenheit gaben, ihn zu verschreyen, und
<lb n="0376.20"/> endlich gar sich &#x00F6;ffentlich wider ihn zu verschw&#x00F6;=
<lb n="0376.21"/> ren.</p>
<lb n="0376.22" rend="indent"/> <p>Nicht nur in Medina lie&#x00DF; sich das Mur=
<lb n="0376.23"/> ren vernehmen; eine jede Provinz hatte ver=
<lb n="0376.24"/> schiedne Ursachen, sich &#x00FC;ber den Califen zu be=
<lb n="0376.25"/> klagen. Dieses Feuer breitete sich nach und nach
<lb n="0376.26"/> aus; die Gem&#x00FC;ther wurden erbittert, und endlich
<lb n="0376.27"/> erscholl das ganze Reich der Muselm&#x00E4;nner von
<lb n="0376.28"/> nichts als Beschwerden, die man &#x00FC;ber die Ver=
<lb n="0376.29"/> waltung des Othmans f&#x00FC;hrte.</p>
<pb n="0377.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-438"/>
<lb n="0377.01" rend="indent"/> <p>Man warf ihm unter andern vor, da&#x00DF; er<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 34.<lb/>n. C. G. 654.</note>
<lb n="0377.02"/> die Aeltesten nicht zu Rathe z&#x00F6;ge, wie er es
<lb n="0377.03"/> gleichwohl, vor seiner Ernennung zum Califen,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Ursachen</hi><lb/>dieses Auf=<lb/>standes.</note>
<lb n="0377.04"/> versprochen habe; da&#x00DF; er den Hakam = ebn = Al=
<lb n="0377.05"/> As nach Medina wieder zur&#x00FC;ckkommen lassen,
<lb n="0377.06"/> welchen doch Mahomet verbannt habe, und
<lb n="0377.07"/> den sich die Califen seine Vorfahren nicht zu=
<lb n="0377.08"/> r&#x00FC;ckzuruffen unterstanden h&#x00E4;tten; da&#x00DF; er dem
<lb n="0377.09"/> Said = ebn = Abi = Vakkas, einem von den sechs
<lb n="0377.10"/> Wahlgliedern, seine Statthalterschaft genom=
<lb n="0377.11"/> men, und seine Stelle einem Manne von ei=
<lb n="0377.12"/> ner &#x00E4;rgerlichen Auff&#x00FC;hrung gegeben habe; da&#x00DF;
<lb n="0377.13"/> er an dem Verluste Aegyptens beynahe Schuld
<lb n="0377.14"/> gewesen w&#x00E4;re, indem er den Amru zur&#x00FC;ck be=
<lb n="0377.15"/> ruffen, um seinen Halbbruder diese Statthal=
<lb n="0377.16"/> terschaft geben zu k&#x00F6;nnen, welche Ver&#x00E4;nderung
<lb n="0377.17"/> einer betr&#x00E4;chtlichen Anzahl Muselm&#x00E4;nner, bey
<lb n="0377.18"/> der zweyten Belagerung Alexandriens, das Le=
<lb n="0377.19"/> ben gekostet; da&#x00DF; er die Gelder des gemeinen
<lb n="0377.20"/> Schatzes unter seine Anverwandten vertheile;
<lb n="0377.21"/> und da&#x00DF; er endlich die Verwegenheit habe, in
<lb n="0377.22"/> der Moschee den Sitz des Propheten einzuneh=
<lb n="0377.23"/> men, anstatt da&#x00DF; seine Vorfahren, aus Ehrer=
<lb n="0377.24"/> bietung gegen den Mahomet, sich dieses nie=
<lb n="0377.25"/> mals unterstanden h&#x00E4;tten. Abubeker hatte sich
<lb n="0377.26"/> allezeit eine Stuffe niedriger gesetzt, und O=
<lb n="0377.27"/> mar, welcher noch bescheidener gewesen war,
<lb n="0377.28"/> so gar zwey Stuffen.</p>
<lb n="0377.29" rend="indent"/> <p>Dieses waren die Vorw&#x00FC;rffe, welche man<note type="marginalie" place="rechts">Othman er=<lb/>bittert <hi rend="spaced">die</hi><lb/>Gem&#x00FC;ther<lb/>der Mi&#x00DF;ver=<lb/>gn&#x00FC;gten.</note>
<lb n="0377.30"/> dem Califen ungescheuet machte. Die Maa&#x00DF;=
<lb n="0377.31"/> regeln, welche er, dieses Murren zu stillen, er=
<pb n="0378.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-439"/>
<lb n="0378.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>griff, machten ihn bey seinen Unterthanen vol=
<lb n="0378.02"/> lends verha&#x00DF;t. Er lie&#x00DF; sich einsmals in der
<lb n="0378.03"/> Moschee wegen der Klagen, die man wider ihn
<lb n="0378.04"/> f&#x00FC;hrte, und besonders wegen seines Gebrauchs
<lb n="0378.05"/> des &#x00F6;ffentlichen Schatzes, aus. Er behaupte=
<lb n="0378.06"/> te als eine ausgemachte Sache, da&#x00DF; der &#x00F6;ffent=
<lb n="0378.07"/> liche Schatz etwas heiliges sey, welches Gott
<lb n="0378.08"/> zugeh&#x00F6;re, und da&#x00DF; ihn die W&#x00FC;rde eines Cali=
<lb n="0378.09"/> fen berechtige, sich desselben nach Gefallen zu
<lb n="0378.10"/> bedienen. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; er alle diejeni=
<lb n="0378.11"/> gen mit seinem Fluche belege, welche seine Auf=
<lb n="0378.12"/> f&#x00FC;hrung mit Murren und Stachelreden anzu=
<lb n="0378.13"/> greiffen sich unterst&#x00FC;nden, und da&#x00DF; er dem,
<lb n="0378.14"/> welcher seine Stimme wider ihn erheben w&#x00FC;r=
<lb n="0378.15"/> de, nachdr&#x00FC;cklich wolle bestrafen lassen.</p>
<lb n="0378.16" rend="indent"/> <p>Den Augenblick stand ein Muselmann, wel=
<lb n="0378.17"/> cher k&#x00FC;hn genug war, in der Versammlung
<lb n="0378.18"/> auf, und widersprach der willk&#x00FC;hrlichen Herr=
<lb n="0378.19"/> schaft, die sich Othman anmassen wollte. Der
<lb n="0378.20"/> Calif befahl, ihn zu straffen, und sein Befehl
<lb n="0378.21"/> wurde auf der Stelle vollzogen. Man mi&#x00DF;han=
<lb n="0378.22"/> delte den Muselmann dermassen, da&#x00DF; man ihn
<lb n="0378.23"/> vor todt liegen lie&#x00DF;.</p>
<lb n="0378.24"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Was f&#x00FC;r</hi><lb/>Mittel <hi rend="spaced">der<lb/>Calife</hi> er=<lb/>greift, sich in<lb/>seiner W&#x00FC;rde<lb/>zu erhalten.</note><p rend="indent">Dieses neue Bezeigen war gleichsam das
<lb n="0378.25"/> Zeichen zum Aufstande. Die Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten
<lb n="0378.26"/> versammleten sich, ergriffen die Waffen, und
<lb n="0378.27"/> liessen sich nicht weit von Medina nieder, von
<lb n="0378.28"/> wannen sie Abgeordnete an den Califen schickten,
<lb n="0378.29"/> welche ihm vorschlagen musten, entweder seine
<lb n="0378.30"/> W&#x00FC;rde niederzulegen, oder sich so aufzuf&#x00FC;hren,
<pb n="0379.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-440"/>
<lb n="0379.01"/> wie sich seine Vorfahren in der Regierung auf=<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/>Hegire 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0379.02"/> gef&#x00FC;hret h&#x00E4;tten.</p>
<lb n="0379.03" rend="indent"/> <p>Dieser doppelte Vorschlag bet&#x00E4;ubte den Ca=
<lb n="0379.04"/> lifen; er verlohr auf einmal die Entschlossenheit,
<lb n="0379.05"/> welche er bey dem ersten Murren gezeigt hatte,
<lb n="0379.06"/> und lie&#x00DF; sich zu Entschuldigungen herab, welche
<lb n="0379.07"/> ihm die Verachtung seiner meisten Unterthanen
<lb n="0379.08"/> zuzogen.</p>
<lb n="0379.09" rend="indent"/> <p>Er erkl&#x00E4;rte also feyerlich in der Moschee,
<lb n="0379.10"/> da&#x00DF; ihn die Fehler reueten, welche er in der Re=
<lb n="0379.11"/> gierung begangen habe, und da&#x00DF; er Gott zum
<lb n="0379.12"/> Zeugen nehme, wie aufrichtig er gesonnen sey,
<lb n="0379.13"/> seine Auff&#x00FC;hrung ins k&#x00FC;nftige zu &#x00E4;ndern.</p>
<lb n="0379.14" rend="indent"/> <p>Ein so kriechendes Bezeigen konnte die Ge=
<lb n="0379.15"/> m&#x00FC;ther ohnm&#x00F6;glich wieder gewinnen; es erbit=
<lb n="0379.16"/> terte sie vielmehr noch heftiger, und man hielt
<lb n="0379.17"/> einen Mann f&#x00FC;r unw&#x00FC;rdig des Thrones, wel=
<lb n="0379.18"/> cher sich durch Niedertr&#x00E4;chtigkeiten darauf er=
<lb n="0379.19"/> halten wollte.</p>
<lb n="0379.20" rend="indent"/> <p>Die heimlichen Feinde des Califen gaben<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Der</hi> Auf=<lb/>stand nimmt<lb/>zu.</note>
<lb n="0379.21"/> sich kr&#x00E4;ftige M&#x00FC;he, das Volk immer mehr und
<lb n="0379.22"/> mehr aufzubringen, und hierinne wurden sie von
<lb n="0379.23"/> ihren Ausgeschickten in den Provinzen nach=
<lb n="0379.24"/> dr&#x00FC;cklich unterst&#x00FC;tzt, so, da&#x00DF; das Feuer des Auf=
<lb n="0379.25"/> standes gar bald in dem ganzen Reiche aus=
<lb n="0379.26"/> brach. Die Trupen der Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten, wel=
<lb n="0379.27"/> che sich ohnweit Medina niedergelassen hatten,
<lb n="0379.28"/> wurden durch die Ankunft neuer Verst&#x00E4;rkun=
<lb n="0379.29"/> gen ungemein vermehrt, und beschlossen endlich
<pb n="0380.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-441"/>
<lb n="0380.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>in die Stadt zu r&#x00FC;cken, und den Califen mit
<lb n="0380.02"/> offner Gewalt anzugreiffen.</p>
<lb n="0380.03" rend="indent"/> <p>Othman wu&#x00DF;te nicht, was er f&#x00FC;r einen
<lb n="0380.04"/> Entschlu&#x00DF; bey diesen &#x00E4;ussersten Verdr&#x00FC;&#x00DF;lichkei=
<lb n="0380.05"/> ten nehmen sollte, und trug seine Sache dem
<lb n="0380.06"/> Mogairah = ebn = Schabah und dem Amru = ebn=
<lb n="0380.07"/> al = As, welche damals nach Medina zur&#x00FC;ck
<lb n="0380.08"/> gekommen waren, auf. Er bat beyde, sich sei=
<lb n="0380.09"/> ner bey den Rebellen anzunehmen, und wenig=
<lb n="0380.10"/> stens so viel zu erhalten, da&#x00DF; man bey dem Pro=
<lb n="0380.11"/> cesse, welchen man ihm machen wolle, einige
<lb n="0380.12"/> Regeln beobachte, und ihn nach den Grunds&#x00E4;=
<lb n="0380.13"/> tzen des Korans richte.</p>
<lb n="0380.14" rend="indent"/> <p>Diese Abgeordneten konnten nichts ausrich=
<lb n="0380.15"/> ten. Die Hitze des Volks war so hoch gestie=
<lb n="0380.16"/> gen, da&#x00DF; man nicht das geringste von ihm er=
<lb n="0380.17"/> halten konnte; man wollte so gar die Abgeord=
<lb n="0380.18"/> neten nicht einmal h&#x00F6;ren, so da&#x00DF; diese unver=
<lb n="0380.19"/> richter Sachen wieder zur&#x00FC;ck kehren mu&#x00DF;ten.</p>
<lb n="0380.20"/> <note type="marginalie" place="links">Ali <hi rend="spaced">stillet</hi><lb/>den Aufruhr.</note><p rend="indent">Dem Califen ward immer mehr und mehr
<lb n="0380.21"/> bange; er nahm daher seine Zuflucht zu dem
<lb n="0380.22"/> Ali, welchen er bat, ihn bey so gef&#x00E4;hrlichen
<lb n="0380.23"/> Umst&#x00E4;nden nicht zu verlassen. Die Vermitte=
<lb n="0380.24"/> lung des Ali hatte mehr Fortgang, als die vori=
<lb n="0380.25"/> ge. Die Hochachtung, welche man f&#x00FC;r seine
<lb n="0380.26"/> Person, und noch mehr f&#x00FC;r den Eydam des
<lb n="0380.27"/> Mahomets hatte, machte die Gem&#x00FC;ther willig,
<lb n="0380.28"/> die Vergleichsvorschl&#x00E4;ge anzunehmen, die er ih=
<lb n="0380.29"/> nen vorlegen wolle.</p>
<pb n="0381.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-442"/>
<lb n="0381.01" rend="indent"/> <p>Ali hatte die Vorsicht gebraucht, von dem<note type="marginalie" place="rechts">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0381.02"/> Othman eine Schrift unterschreiben zu lassen,
<lb n="0381.03"/> in welcher er allen Beschwerden, die man bis=
<lb n="0381.04"/> her wider ihn gehabt, abzuhelffen versprach.
<lb n="0381.05"/> Diese Schrift enthielt nichts mehr, als was der
<lb n="0381.06"/> Calif selbst in der letzten Versammlung gesagt
<lb n="0381.07"/> hatte; weil sie aber sowohl von dem Othman,
<lb n="0381.08"/> als Ali unterzeichnet war, so glaubte man, ei=
<lb n="0381.09"/> nem so verehrungsw&#x00FC;rdigen B&#x00FC;rgen einige
<lb n="0381.10"/> Nachsicht schuldig zu seyn.</p>
<lb n="0381.11" rend="indent"/> <p>Man fing also die Unterhandlung an, und
<lb n="0381.12"/> alles ward ruhig, als Ali gleich ihr erstes Ver=
<lb n="0381.13"/> langen bewilligte. Sie wollten, Abdallah sollte
<lb n="0381.14"/> zur&#x00FC;ck gerufft, und die Statthalterschaft von Ae=
<lb n="0381.15"/> gypten dem Sohne des Abubekers, Mahomet,
<lb n="0381.16"/> gegeben werden. Dieser Abdallah war eben
<lb n="0381.17"/> derjenige, welcher Alexandria hatte wegnehmen
<lb n="0381.18"/> lassen, und welchen man zur&#x00FC;ck gefordert hatte,
<lb n="0381.19"/> um den Amru wieder dahin zu senden. Doch
<lb n="0381.20"/> sobald dieser Alexandria wieder eingenommen
<lb n="0381.21"/> und die Ruhe in Aegypten wieder hergestellt
<lb n="0381.22"/> hatte, bekam er Befehl, nach Medina zu kom=
<lb n="0381.23"/> men, und der Calif besetzte seine Stelle aber=
<lb n="0381.24"/> mals mit dem Abdallah.</p>
<lb n="0381.25" rend="indent"/> <p>Doch diesesmal fiel alle Hoffnung weg, da&#x00DF;
<lb n="0381.26"/> er ihn w&#x00FC;rde in dieser Statthalterschaft erhalten
<lb n="0381.27"/> k&#x00F6;nnen. Der Calif mu&#x00DF;te es so gar noch f&#x00FC;r
<lb n="0381.28"/> ein Gl&#x00FC;ck sch&#x00E4;tzen, da&#x00DF; er durch dieses Opffer
<lb n="0381.29"/> die Gunst seiner Unterthanen wieder erlangen
<lb n="0381.30"/> konnte. Er rufte also den Abdallah wieder zu=
<pb n="0382.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-443"/>
<lb n="0382.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>r&#x00FC;ck, und setzte den Mahomet an seine Stelle.
<lb n="0382.02"/> Diese Bereitwilligkeit stillte den Aufruhr, und
<lb n="0382.03"/> jeder begab sich wieder in die Grenzen seiner
<lb n="0382.04"/> Schuldigkeit. Weil aber der Calif viel heimli=
<lb n="0382.05"/> che Feinde hatte, so war man gleichwohl unter
<lb n="0382.06"/> der Hand bem&#x00FC;ht, ihn zu verderben, und der
<lb n="0382.07"/> ungl&#x00FC;ckliche Othman mu&#x00DF;te endlich ein Opfer
<lb n="0382.08"/> ihrer Erbitterung werden.</p>
<lb n="0382.09"/> <note type="marginalie" place="links">Aiesha un=<lb/>terni<expan>mm</expan>t, den<lb/><hi rend="spaced">Othman</hi><lb/>vom Throne<lb/>zu stossen.</note><p rend="indent">Man wird sich ohne Zweifel verwundern,
<lb n="0382.10"/> unter der Zahl der Feinde des Califen die beruf=
<lb n="0382.11"/> fene Aiesha zu finden, noch viel mehr aber,
<lb n="0382.12"/> wenn man ihre Anschl&#x00E4;ge wider ihn lesen wird.
<lb n="0382.13"/> Dieses Frauenzimmer, welches sich durch ihre
<lb n="0382.14"/> Klugheit und ihre Verdienste die gr&#x00F6;&#x00DF;te Hoch=
<lb n="0382.15"/> achtung unter den Muselm&#x00E4;nnern erworben
<lb n="0382.16"/> hatte, hegte einen unbeschreiblichen Abscheu ge=
<lb n="0382.17"/> gen den Othman. Die Geschichtschreiber mel=
<lb n="0382.18"/> den nicht, worauf er sich gegr&#x00FC;ndet hatte; sie
<lb n="0382.19"/> sagen uns blo&#x00DF;, da&#x00DF; sie den Abdallah = ebn = Zo=
<lb n="0382.20"/> beir gerne auf den Thron habe setzen wollen,
<lb n="0382.21"/> und damit sie desto eher zu ihrem Zwecke gelan=
<lb n="0382.22"/> gen m&#x00F6;ge, so habe sie ihn beredet, sich den Ca=
<lb n="0382.23"/> lifen aus dem Wege zu schaffen.</p>
<lb n="0382.24" rend="indent"/> <p>Es ist sehr schwer, einen so niedertr&#x00E4;chtigen
<lb n="0382.25"/> Anschlag mit den Lobspr&#x00FC;chen zu vergleichen,
<lb n="0382.26"/> welche die Geschichtschreiber dieser ber&#x00FC;hmten
<lb n="0382.27"/> Muselm&#x00E4;nnin ertheilt haben. Was aber das
<lb n="0382.28"/> wunderbarste dabey ist, ist dieses, da&#x00DF;, da sie
<lb n="0382.29"/> den Entschlu&#x00DF; gefa&#x00DF;t hatte, den Califen abzuse=
<lb n="0382.30"/> tzen, sie nicht vielmehr den Mahomet, den
<pb n="0383.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-444"/>
<lb n="0383.01"/> Sohn des Abubekers, und also ihren leiblichen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0383.02"/> Bruder, zu seinem Nachfolger ausersehen habe,
<lb n="0383.03"/> als den Abdallah, welcher gar kein Anverwand=
<lb n="0383.04"/> ter von ihr war.</p>
<lb n="0383.05" rend="indent"/> <p>Die R&#x00E4;nke der Aiesha zogen sehr viele zu<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Othman</hi><lb/>wird von sei=<lb/>nem Schrei=<lb/>ber <hi rend="spaced">verra=<lb/>then.</hi></note>
<lb n="0383.06"/> ihrer Parthey; gleichwohl aber kam der Unter=
<lb n="0383.07"/> gang des Califen nicht von dieser Seite her. Er
<lb n="0383.08"/> hatte in seinem Hause einen grausamen Feind,
<lb n="0383.09"/> welcher um so gef&#x00E4;hrlicher seyn mu&#x00DF;te, weil er
<lb n="0383.10"/> sein Vertrauter war, auf den er sich bey Aus=
<lb n="0383.11"/> f&#x00FC;hrung der meisten Angelegenheiten verlie&#x00DF;.</p>
<lb n="0383.12" rend="indent"/> <p>Mervan = ebn = Hakem (so hie&#x00DF; dieser Ver=
<lb n="0383.13"/> r&#x00E4;ther) war geheimer Schreiber bey dem Oth=
<lb n="0383.14"/> man: alle Briefschaften mu&#x00DF;ten durch seine
<lb n="0383.15"/> H&#x00E4;nde gehen; er war es, welcher die Antworten
<lb n="0383.16"/> verfertigte: der Calif billigte alles, ohne das
<lb n="0383.17"/> geringste von diesem Verr&#x00E4;ther zu besorgen.</p>
<lb n="0383.18" rend="indent"/> <p>Als Mervan der Verschw&#x00F6;rung beygetre=
<lb n="0383.19"/> ten war, so machte er sich das Vertrauen, in
<lb n="0383.20"/> dessen Besitze er war, zu Nutze, den Califen
<lb n="0383.21"/> g&#x00E4;nzlich zu verderben. Von allen R&#x00E4;nken, die
<lb n="0383.22"/> er, seine Absicht zu erlangen, anwendete, war
<lb n="0383.23"/> keiner, welcher eine t&#x00F6;dtlichere Wirkung hatte,
<lb n="0383.24"/> als ein Brief, den er eben zu der Zeit erdachte,
<lb n="0383.25"/> als Ali durch seine Vermittelung die Gem&#x00FC;ther
<lb n="0383.26"/> wieder zu dem Othman gelenkt zu haben schien.</p>
<lb n="0383.27" rend="indent"/> <p>Als der Friede durch dieses Mittel ein we=
<lb n="0383.28"/> nig wieder war hergestellet worden, so hatten
<lb n="0383.29"/> die Rebellen die Waffen niedergelegt, und die,
<lb n="0383.30"/> welche aus den Provinzen zu ihnen gekommen
<pb n="0384.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-445"/>
<lb n="0384.01"/> <note type="marginalie" place="links">O<hi rend="bold">thman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>waren, hatten sich wieder zur&#x00FC;ck begeben. Ma=
<lb n="0384.02"/> homet, der Sohn des Abubekers, war gleich=
<lb n="0384.03"/> fals nach seiner Stadthalterschaft in Aegypten
<lb n="0384.04"/> abgereiset, wo er an der Stelle des Abdallah=
<lb n="0384.05"/> ebn = Said, nach Maa&#x00DF;gebung des Vergleichs,
<lb n="0384.06"/> welcher den Frieden veranla&#x00DF;t hatte, treten soll=
<lb n="0384.07"/> te. Als Mahomet mit einem zahlreichen Ge=
<lb n="0384.08"/> folge von Aegypten, die sich bey seiner Abreise
<lb n="0384.09"/> zu Medina befunden hatten, unterwegens war,
<lb n="0384.10"/> sahe er einen Bothen vorbey gehen, welcher
<lb n="0384.11"/> Briefschaften von dem Califen hatte. Der neue
<lb n="0384.12"/> Statthalter lie&#x00DF; ihn anhalten, und als er von
<lb n="0384.13"/> ihm erfuhr, da&#x00DF; er nach Alexandria gehe, so
<lb n="0384.14"/> trieb ihn seine Neugierde an, sich der Brief=
<lb n="0384.15"/> schaften zu bem&#x00E4;chtigen, um den Jnnhalt da=
<lb n="0384.16"/> von zu wissen.</p>
<lb n="0384.17" rend="indent"/> <p>Wie sehr aber ward er best&#x00FC;rzt, als er dar=
<lb n="0384.18"/> innen sahe, da&#x00DF; der Calif dem Abdallah Befehl
<lb n="0384.19"/> ertheilte, ihn, so bald er auf das Gebiete von
<lb n="0384.20"/> Aegypten treten w&#x00FC;rde, ohne Umst&#x00E4;nde, so wohl
<lb n="0384.21"/> als die Officiere von seinem Gefolge, anhalten,
<lb n="0384.22"/> an H&#x00E4;nden und F&#x00FC;ssen verst&#x00FC;mmeln, und her=
<lb n="0384.23"/> nach spiessen zu lassen.</p>
<lb n="0384.24" rend="indent"/> <p>Dieses waren die Befehle, welche die Brief=
<lb n="0384.25"/> schaften des Othmans enthielten. Dieser un=
<lb n="0384.26"/> gl&#x00FC;ckliche Calif wuste nicht das geringste davon.
<lb n="0384.27"/> Der untreue Mervan war der einzige Urheber
<lb n="0384.28"/> davon; allein man gab sich nicht die M&#x00FC;he, die
<lb n="0384.29"/> geringste Untersuchung de&#x00DF;wegen anzustellen.
<lb n="0384.30"/> Die Briefschaften f&#x00FC;hrten den Namen des Ca=
<pb n="0385.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-446"/>
<lb n="0385.01"/> lifen, sie waren mit seinem Siegel untersiegelt;<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0385.02"/> mehr brauchte es nicht, das Feuer des Aufstan=
<lb n="0385.03"/> des in den Gem&#x00FC;thern wieder anzublasen, wel=
<lb n="0385.04"/> ches ohnedem nicht recht gel&#x00F6;scht war.</p>
<lb n="0385.05" rend="indent"/> <p>Mahomet kam in Wuth, kehrte mit sei=<note type="marginalie" place="rechts">Der Auf=<lb/>ruhr gehet<lb/>wieder an.</note>
<lb n="0385.06"/> nem Gefolge wieder zur&#x00FC;ck, und zeigte in Me=
<lb n="0385.07"/> dina die Briefe einem jeden, welcher sie sehen
<lb n="0385.08"/> wollte: zugleich lie&#x00DF; er Abschriften in den be=
<lb n="0385.09"/> nachbarten Provinzen austheilen. Die Erbit=
<lb n="0385.10"/> terung bem&#x00E4;chtigte sich aller Gem&#x00FC;ther, und
<lb n="0385.11"/> man sprach von nichts, als von der Treulosig=
<lb n="0385.12"/> keit des Califen, und von der Nothwendigkeit,
<lb n="0385.13"/> ihn abzusetzen.</p>
<lb n="0385.14" rend="indent"/> <p>Othman versicherte umsonst, da&#x00DF; er an die=
<lb n="0385.15"/> sen grausamen Befehlen, die man unter seinem
<lb n="0385.16"/> Namen ausgefertigt, keinen Antheil habe; es
<lb n="0385.17"/> war ihm nicht m&#x00F6;glich, sich Geh&#x00F6;r zu verschaf=
<lb n="0385.18"/> fen. Er mu&#x00DF;te gar bald sein Haus mit gewaff=
<lb n="0385.19"/> neten Leuten umgeben sehen, welche alles mit
<lb n="0385.20"/> Feuer und Schwerdt bedroheten, wenn man ihn
<lb n="0385.21"/> ihnen nicht in die H&#x00E4;nde liefre.</p>
<lb n="0385.22" rend="indent"/> <p>Othman nahm, bey diesen grausamen Um=
<lb n="0385.23"/> st&#x00E4;nden, seine Zuflucht abermals zu dem Ali,
<lb n="0385.24"/> welcher auf das schleinigste zwey von seinen
<lb n="0385.25"/> S&#x00F6;hnen, den Hassan und Hossein, mit einer
<lb n="0385.26"/> Bedeckung abschickte, das Haus des Califen zu
<lb n="0385.27"/> vertheidigen. Doch es sey nun, da&#x00DF; sie nicht
<lb n="0385.28"/> Leute gnug bey sich hatten, die Anf&#x00E4;lle auszu=
<lb n="0385.29"/> halten, oder da&#x00DF; es ihnen selbst nicht unange=
<lb n="0385.30"/> nehm war, wann der Thron ledig w&#x00FC;rde, weil
<pb n="0386.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-447"/>
<lb n="0386.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>Ali Hoffnung hatte, denselben endlich zu be=
<lb n="0386.02"/> steigen; kurz, sie thaten nur einen schwachen
<lb n="0386.03"/> Widerstand, und die Verschwornen hatten nicht
<lb n="0386.04"/> viel M&#x00FC;he, sich mit Gewalt in das Haus zu
<lb n="0386.05"/> dringen.</p>
<lb n="0386.06"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Othman</hi><lb/>wird ermor=<lb/>det.</note><p rend="indent">Als der Calif sahe, da&#x00DF; es nicht l&#x00E4;nger m&#x00F6;g=
<lb n="0386.07"/> lich war, durch die Gewalt der Waffen der Ra=
<lb n="0386.08"/> che seiner Feinde zu entgehen, so glaubte er, da&#x00DF;
<lb n="0386.09"/> er wenigstens durch Gr&#x00FC;nde der Religion ihrer
<lb n="0386.10"/> Wuth werde Einhalt thun k&#x00F6;nnen. So bald
<lb n="0386.11"/> er also die Aufr&#x00FC;hrer zu sich hinein brechen h&#x00F6;r=
<lb n="0386.12"/> te, ergrif er den Koran, legte ihn auf seinen
<lb n="0386.13"/> Schoo&#x00DF;, und stellte sich damit denen, die ihn
<lb n="0386.14"/> zu ermorden kamen, dar. Er glaubte, dieses
<lb n="0386.15"/> ber&#x00FC;hmte und von den Muselm&#x00E4;nnern so hoch=
<lb n="0386.16"/> geachtete Buch w&#x00FC;rde ihn statt einer Bedeckung
<lb n="0386.17"/> dienen, da&#x00DF; er also Zeit gewinnen k&#x00F6;nne, den
<lb n="0386.18"/> Betrug, welcher an allen diesen Verwirrun=
<lb n="0386.19"/> gen Schuld war, klar an den Tag zu bringen;
<lb n="0386.20"/> doch diese Vorsicht war g&#x00E4;nzlich vergebens.
<lb n="0386.21"/> Weil man blo&#x00DF; an seine Person wollte, so sa=
<lb n="0386.22"/> he man auch sonst nichts, als ihn, so bald man
<lb n="0386.23"/> ihn gewahr wurde. Man bek&#x00FC;mmerte sich im
<lb n="0386.24"/> geringsten nicht, ob er unter dem Schutze des
<lb n="0386.25"/> Korans sey, oder nicht, und brachte ihm mit
<lb n="0386.26"/> Schwerdt und Pfeil verschiedene Wunden bey,
<lb n="0386.27"/> welche ihn todt zur Erde st&#x00FC;rzten.</p>
<lb n="0386.28" rend="indent"/> <p>Auf diese Art starb der ungl&#x00FC;ckliche Othman,
<lb n="0386.29"/> der dritte Calif. Er war damals achtzig Jahr
<lb n="0386.30"/> alt, und hatte ohngefehr zw&#x00F6;lf Jahr regieret.
<pb n="0387.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-448"/>
<lb n="0387.01"/> Die Rache seiner Feinde ward durch diesen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Othman</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0387.02"/> grausamen Tod noch nicht ges&#x00E4;ttiget, sondern
<lb n="0387.03"/> man versagte auch noch seinem K&#x00F6;rper die Ehre
<lb n="0387.04"/> der Beerdigung. Er blieb drey Tage, ohne
<lb n="0387.05"/> da&#x00DF; man an ein Begr&#x00E4;bni&#x00DF; dachte, und als
<lb n="0387.06"/> man sich endlich entschlo&#x00DF;, ihm die letzte Eh=
<lb n="0387.07"/> re zu erzeigen, so geschahe es ohne alle Cere=
<lb n="0387.08"/> monien, welche sonst bey Personen von sei=
<lb n="0387.09"/> nem Range gew&#x00F6;hnlich waren, und er ward
<lb n="0387.10"/> in eben den Kleidern begraben, in welchen er
<lb n="0387.11"/> war ermordet worden.</p>
<lb n="0387.12" rend="indent"/> <p>Othman war von Person lang, und hatte
<lb n="0387.13"/> ein edles Ansehen. Der Farbe nach war er
<lb n="0387.14"/> schwarzbraun, und trug einen sehr starken Bart.
<lb n="0387.15"/> Was seine Sitten anbelangte, so waren sie un=
<lb n="0387.16"/> tadelhaft; er hatte &#x00FC;brigens viel Eyfer f&#x00FC;r seine
<lb n="0387.17"/> Religion, und beobachtete alles, was sie vor=
<lb n="0387.18"/> schrieb, genau; er las und &#x00FC;berdachte den Ko=
<lb n="0387.19"/> ran mit vieler Emsigkeit, und war gegen die Ar=
<lb n="0387.20"/> men ungemein freygebig.</p>
<lb n="0387.21" rend="indent"/> <p>Man hat ihm eine allzugrosse Neigung f&#x00FC;r
<lb n="0387.22"/> seine Familie vorgeworffen, welche Schuld war,
<lb n="0387.23"/> da&#x00DF; er oft M&#x00E4;nner von den gr&#x00F6;&#x00DF;ten Verdien=
<lb n="0387.24"/> sten absetzte, um Leuten ohne Einsicht und Ga=
<lb n="0387.25"/> be ihre Stellen zu geben.</p>
<lb n="0387.26" rend="indent"/> <p>Es scheint auch, da&#x00DF; er sich wenig M&#x00FC;he
<lb n="0387.27"/> m&#x00FC;sse gegeben haben, die Gem&#x00FC;thsart derjeni=
<lb n="0387.28"/> gen zu erforschen, welchen er sich vertraute,
<lb n="0387.29"/> und da&#x00DF; er sich gar zu leicht auf ihre Redlichkeit
<lb n="0387.30"/> verlassen hat, woraus die traurigen Begeben=
<pb n="0388.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-449"/>
<lb n="0388.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>heiten entsprangen, welche alle seine Untertha=
<lb n="0388.02"/> nen wider ihn erbitterten, und endlich seinen
<lb n="0388.03"/> Untergang verursachten.</p></div1>
<div1 type="teil">
<lb n="0388.04"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="0388.05"/> <head n="3"><hi rend="spaced">Ali</hi>.
<lb n="0388.06"/> <hi rend="bold"><hi rend="spaced">Vierter Calif</hi></hi>.</head>
<lb n="0388.07"/> <p><hi rend="initiale_kl">B</hi>is hieher hat man gesehen, da&#x00DF; die Ara=
<lb n="0388.08"/> ber einzig bedacht waren, Eroberun=
<lb n="0388.09"/> gen zu machen, und ihren Degen zu
<lb n="0388.10"/> Ausbreitung ihrer schw&#x00E4;rmerischen Lehrs&#x00E4;tze in
<lb n="0388.11"/> allen L&#x00E4;ndern ihrer Bothm&#x00E4;&#x00DF;igkeit, n&#x00FC;tzlich zu
<lb n="0388.12"/> f&#x00FC;hren: nunmehr aber bek&#x00F6;mmt alles ein ganz
<lb n="0388.13"/> andres Ansehen.</p>
<lb n="0388.14" rend="indent"/> <p>Das Feuer des Aufruhrs hatte sich unter
<lb n="0388.15"/> der Regierung des ungl&#x00FC;cklichen Othmans ent=
<lb n="0388.16"/> z&#x00FC;ndet; die Unruhe nahm unter seinem Nach=
<lb n="0388.17"/> folger zu. Die Muselm&#x00E4;nner kehrten ihre
<lb n="0388.18"/> Waffen gegen sich selbst; und daher entstand
<lb n="0388.19"/> eine grausame Spaltung, welche mit der Zeit
<lb n="0388.20"/> zunahm, und noch jetzt unter den Anh&#x00E4;ngern
<lb n="0388.21"/> des Mahomets bestehet.</p>
<lb n="0388.22" rend="indent"/> <p>Diese innerliche Zwistigkeiten w&#x00FC;rden hin=
<lb n="0388.23"/> l&#x00E4;nglich gewesen seyn, ein noch nicht befestigtes
<lb n="0388.24"/> Reich g&#x00E4;nzlich umzust&#x00FC;rzen; doch jene gewalti=
<lb n="0388.25"/> ge Hand, welche mit den Kronen schaltet, wie
<lb n="0388.26"/> es ihr gef&#x00E4;llt, besch&#x00FC;tzte dieses Volk im Zorne,
<pb n="0389.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-450"/>
<lb n="0389.01"/> und bestimmte es zu dem Werkzeuge, womit<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0389.02"/> sie die Ausschweiffungen der Griechen und das
<lb n="0389.03"/> Aergerni&#x00DF; der Christen bestrafen wollte.</p>
<lb n="0389.04" rend="indent"/> <p>Gleich an dem Sterbetage des Othmans<note type="marginalie" place="rechts">Ali wird<lb/>durch Zuruf<lb/>zum Califen<lb/>ernennet.</note>
<lb n="0389.05"/> war in Medina wegen der Wahl eines Nach=
<lb n="0389.06"/> folgers nicht mehr als eine Stimme. Man
<lb n="0389.07"/> nahm sich keine Zeit zum Ueberlegen; Ali ward
<lb n="0389.08"/> durch allgemeinen Zuruff erw&#x00E4;hlt.</p>
<lb n="0389.09" rend="indent"/> <p>Es scheint, da&#x00DF; es diesem ber&#x00FC;hmten Mu=
<lb n="0389.10"/> selmanne sehr schmeichelhaft m&#x00FC;sse gewesen seyn,
<lb n="0389.11"/> endlich einmal zu einer W&#x00FC;rde zu gelangen, die
<lb n="0389.12"/> er ehedem so heftig zu w&#x00FC;nschen geschienen hat=
<lb n="0389.13"/> te. Gleichwohl machte er viel Schwierigkei=
<lb n="0389.14"/> ten, sie anzunehmen, und als die Abgeordneten
<lb n="0389.15"/> ihm seine Erw&#x00E4;hlung zu verk&#x00FC;ndigen kamen,
<lb n="0389.16"/> versicherte er, da&#x00DF; er wenig Neigung habe, sich
<lb n="0389.17"/> mit der Regierung zu belustigen, und da&#x00DF; es
<lb n="0389.18"/> ihm genug seyn w&#x00FC;rde, wenn man ihm den
<lb n="0389.19"/> zweyten Rang einr&#x00E4;umen wolle.</p>
<lb n="0389.20" rend="indent"/> <p>Die Abgeordneten verdoppelten ihr Anhal=<note type="marginalie" place="rechts">Ali macht<lb/><hi rend="spaced">Schwie=<lb/>rigkeiten,<lb/>die</hi> W&#x00FC;rde<lb/>anzunehmen.</note>
<lb n="0389.21"/> ten, und redeten im Namen des Volks so
<lb n="0389.22"/> nachdr&#x00FC;cklich, da&#x00DF; endlich Ali nachzugeben
<lb n="0389.23"/> versprach. Er versicherte aber zugleich, da&#x00DF;
<lb n="0389.24"/> er es nicht anders, als nach geschehener Be=
<lb n="0389.25"/> rathschlagung der Wahlglieder, thun wolle;
<lb n="0389.26"/> weil es diesen allein zukomme, einen Califen zu
<lb n="0389.27"/> ernennen, und eine jede andre Wahl wider die
<lb n="0389.28"/> Gesetze sey.</p>
<lb n="0389.29" rend="indent"/> <p>Ali konnte bey diesen wichtigen Umst&#x00E4;nden
<lb n="0389.30"/> nicht vorsichtig genug seyn, alle n&#x00F6;thige For=
<pb n="0390.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-451"/>
<lb n="0390.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>malit&#x00E4;ten beobachten zu lassen. Er benahm
<lb n="0390.02"/> dadurch seinen Feinden alle Ursache, seine Wahl
<lb n="0390.03"/> zu wiederruffen, welches sie gewi&#x00DF; nicht w&#x00FC;r=
<lb n="0390.04"/> den unterlassen haben, wann sich etwas man=
<lb n="0390.05"/> gelhaftes dabey befunden h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0390.06"/> <note type="marginalie" place="links">Verschiede=<lb/>ne Parthey=<lb/>en wider den<lb/>Ali.</note><p rend="indent">Ali hatte in der That eine sehr f&#x00FC;rchterliche
<lb n="0390.07"/> Parthey wieder sich, welche nichts als ihm zu
<lb n="0390.08"/> schaden suchte. Besonders hatte ihn seit lan=
<lb n="0390.09"/> ger Zeit die ber&#x00FC;hmte Aiesha, die Wittwe des
<lb n="0390.10"/> Mahomets, verabscheuet. Sie hatte ihm eine
<lb n="0390.11"/> Beleidigung vorzuwerffen, welche eine Frau
<lb n="0390.12"/> nimmermehr zu vergeben pflegt, (<ref rend="footnote" n="390*"><hi rend="super">*</hi></ref>) sie gab
<lb n="0390.13"/> daher bey aller Gelegenheit ihren Ha&#x00DF; gegen
<lb n="0390.14"/> ihn zu erkennen, und brachte es allezeit, so oft
<lb n="0390.15"/> ein Calif sollte ernennet werden, dahin, da&#x00DF; er
<lb n="0390.16"/> ausgeschlossen wurde.</p>
<lb n="0390.17"/> <note type="footnote" n="390*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Aiesha, welche des Propheten liebste Frau
<lb n="0390.18" rend="indent"/> gewesen war, war eben nicht die getreueste ge=
<lb n="0390.19" rend="indent"/> wesen. Sie ward des Ehebruchs wegen an=
<lb n="0390.20" rend="indent"/> geklagt; und bey den Untersuchungen, die man
<lb n="0390.21" rend="indent"/> de&#x00DF;wegen anstellte, war Ali so unvorsichtig
<lb n="0390.22" rend="indent"/> gewesen, sich darein zu mengen, und hatte so
<lb n="0390.23" rend="indent"/> gar einige Zeugnisse wider sie abgelegt. Ma=
<lb n="0390.24" rend="indent"/> homet konnte &#x00FC;berzeugt genug seyn, da&#x00DF; seine
<lb n="0390.25" rend="indent"/> Frau schuldig sey; allein er war zu witzig,
<lb n="0390.26" rend="indent"/> als da&#x00DF; er es h&#x00E4;tte zugestehen sollen. Er
<lb n="0390.27" rend="indent"/> that so gar noch mehr, indem er das Gegen=
<lb n="0390.28" rend="indent"/> theil durch eine deswegen ausdr&#x00FC;cklich ge=
<lb n="0390.29" rend="indent"/> schehene Offenbarung erwie&#x00DF;. Sie stehet in
<lb n="0390.30" rend="indent"/> dem 24<hi rend="super">sten</hi> Kapitel des Korans, welches <hi rend="bold">das
<lb n="0390.31" rend="indent"/> Licht</hi> &#x00FC;berschrieben ist, wegen des Lichts nehm=
<lb n="0390.32" rend="indent"/> lich, das sie bey einem so k&#x00FC;tzlichen Handel
<lb n="0390.33" rend="indent"/> gab.</p></note>
<pb n="0391.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-452"/>
<lb n="0391.01" rend="indent"/> <p>Es war schon nichts geringes, eine Frau<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0391.02"/> von solchem Ansehen wider sich zu haben; al=
<lb n="0391.03"/> lein es fand sich auch noch eine andre Parthey,
<lb n="0391.04"/> welche sich ausdr&#x00FC;cklich wider den Ali erkl&#x00E4;rte.
<lb n="0391.05"/> Tellah und Zobeir, zwey der Vornehmsten un=
<lb n="0391.06"/> ter den Muselm&#x00E4;nnern, machten auf die Nach=
<lb n="0391.07"/> folge Anspruch, und hatten sich einen sehr zahl=
<lb n="0391.08"/> reichen Anhang verschaft. Ausser diesen hatte
<lb n="0391.09"/> sich noch ein dritter, schon vor dem Tode des
<lb n="0391.10"/> letztern Califen, aufgeworffen, welchem es auch
<lb n="0391.11"/> an Hoffnung nicht fehlte, gl&#x00FC;cklich zu seyn,
<lb n="0391.12"/> oder wenigstens grausame Unruhen anzufan=
<lb n="0391.13"/> gen, wenn man ihn ausschliessen sollte. Die=
<lb n="0391.14"/> ses war der ber&#x00FC;hmte Moavias, Statthalter
<lb n="0391.15"/> von Syrien, welcher verm&#x00F6;ge seiner wichtigen
<lb n="0391.16"/> Bedienung, und seiner unerme&#x00DF;lichen Reich=
<lb n="0391.17"/> th&#x00FC;mer, grosse Bewegungen machen konnte,
<lb n="0391.18"/> wenn man ihn vor den Kopf stie&#x00DF;.</p>
<lb n="0391.19" rend="indent"/> <p>Ali, welcher vollkommen die Umst&#x00E4;nde und
<lb n="0391.20"/> das Ansehen eines jeden dieser Mitbuhler ka<expan>nn</expan>te,
<lb n="0391.21"/> hoffte zwar, sich wider sie zu erhalten, wenn
<lb n="0391.22"/> er auf den Thron kommen sollte; gleichwohl
<lb n="0391.23"/> aber wollte er nur auf dem gew&#x00F6;hnlichen We=
<lb n="0391.24"/> ge dazu gelangen, damit er ihnen wenigstens
<lb n="0391.25"/> den Vorwand, sich wider seine Wahl zu setzen,
<lb n="0391.26"/> benehmen m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0391.27" rend="indent"/> <p>Dieses war die Ursache, warum er verlang=<note type="marginalie" place="rechts">Ali <hi rend="spaced">wird</hi><lb/>zum Califen<lb/>erw&#x00E4;hlt.</note>
<lb n="0391.28"/> te, da&#x00DF; sich die Wahlglieder versammlen, und
<lb n="0391.29"/> gesetzm&#x00E4;&#x00DF;ig verfahren sollten. Die Versamm=
<lb n="0391.30"/> lung geschah auch in der That. Tellah und Zo=
<pb n="0392.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-453"/>
<lb n="0392.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>beir fanden sich als Mitglieder dabey ein, und
<lb n="0392.02"/> vereinigten sich mit den &#x00FC;brigen wegen der Er=
<lb n="0392.03"/> w&#x00E4;hlung des Ali. Ob sie gleich seine Mitbuh=
<lb n="0392.04"/> ler waren, so unterstanden sie sich doch nicht,
<lb n="0392.05"/> etwas wider die einstimmige Meinung zu unter=
<lb n="0392.06"/> nehmen, weil sie wohl merkten, da&#x00DF; sie nicht
<lb n="0392.07"/> die St&#x00E4;rksten in Medina seyn w&#x00FC;rden, und da&#x00DF;
<lb n="0392.08"/> sich die Einwohner dieser Stadt an ihnen r&#x00E4;chen
<lb n="0392.09"/> k&#x00F6;nnten, ehe ihnen ihre Anh&#x00E4;nger, wegen ih=
<lb n="0392.10"/> rer Entfernung, beyzustehen im Stande w&#x00E4;ren.</p>
<lb n="0392.11" rend="indent"/> <p>So bald die Wahl geschehen war, begaben
<lb n="0392.12"/> sich die Vornehmsten von den Medinern zu dem
<lb n="0392.13"/> Ali, ihm den Eid der Treue zu leisten; doch
<lb n="0392.14"/> der neue Calif wollte nicht zugeben, da&#x00DF; die=
<lb n="0392.15"/> ses in seinem Hause geschehen solle. Er sagte,
<lb n="0392.16"/> eine so wesentliche Ceremonie m&#x00FC;sse &#x00F6;ffentlich
<lb n="0392.17"/> vollzogen werden, und er werde also ihre Hul=
<lb n="0392.18"/> digung nirgends anders, als in der Moschee, in
<lb n="0392.19"/> Gegenwart des Volks, annehmen.</p>
<lb n="0392.20" rend="indent"/> <p>Als der Tag zu dieser feyerlichen Handlung
<lb n="0392.21"/> angesetzt war, begab sich Ali, in einem lan=
<lb n="0392.22"/> gen Rocke von d&#x00FC;nner Baumwolle, des Mor=
<lb n="0392.23"/> gens aus seinem Hause in die Moschee; auf
<lb n="0392.24"/> dem Haupte hatte er einen groben Turban, in
<lb n="0392.25"/> einer Hand hielt er seine Pantoffeln, und mit
<lb n="0392.26"/> der andern st&#x00FC;tzte er sich auf einen Bogen, als
<lb n="0392.27"/> auf einen Stab. Die Muselm&#x00E4;nner kamen
<lb n="0392.28"/> Hauffenweise herzu, ihrem neuen Gebiether zu
<lb n="0392.29"/> huldigen; ehe sie aber damit anfingen, bemerkte
<lb n="0392.30"/> Ali, da&#x00DF; Tellah und Zobeir, nicht zugegen w&#x00E4;=
<pb n="0393.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-454"/>
<lb n="0393.01"/> ren, er schickte also, und lie&#x00DF; sie ersuchen, sich<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0393.02"/> gleichfalls einzufinden.</p>
<lb n="0393.03" rend="indent"/> <p>Sie kamen so gleich, und so bald sie Ali ge=<note type="marginalie" place="rechts">Ali l&#x00E4;&#x00DF;t sich<lb/><hi rend="spaced">von den</hi><lb/>H&#x00E4;uptern<lb/>seiner Gegen=<lb/>parthey hul=<lb/>digen.</note>
<lb n="0393.04"/> wahr ward, fragte er sie, ob sie wider seine
<lb n="0393.05"/> Wahl etwas zu erinnern h&#x00E4;tten, und ob sie ge=
<lb n="0393.06"/> sonnen w&#x00E4;ren, ihm den Eid der Treue zu lei=
<lb n="0393.07"/> sten: er f&#x00FC;gte hinzu, er verlange, da&#x00DF; sie auf=
<lb n="0393.08"/> richtig reden sollten, weil er an die W&#x00FC;rde, mit
<lb n="0393.09"/> welcher man ihn beehren wolle, nicht gebun=
<lb n="0393.10"/> den, sondern bereit sey, derselben sogleich zu
<lb n="0393.11"/> entsagen, und bey der geringsten Widersetzung
<lb n="0393.12"/> sie demjenigen von ihnen beyden zu &#x00FC;berlassen,
<lb n="0393.13"/> welcher sie annehmen wolle.</p>
<lb n="0393.14" rend="indent"/> <p>Sie ward von dem einen sowohl, als von
<lb n="0393.15"/> dem andern ausgeschlagen, und jeder versicher=
<lb n="0393.16"/> te dem Califen, da&#x00DF; sie im geringsten seinen
<lb n="0393.17"/> Platz nicht beneideten, sondern da&#x00DF; sie vielmehr
<lb n="0393.18"/> alles beytragen wollten, ihn darauf fest zu er=
<lb n="0393.19"/> halten, we&#x00DF;wegen sie sogleich, mit der gr&#x00F6;sten
<lb n="0393.20"/> Aufrichtigkeit und Unterth&#x00E4;nigkeit, ihm den Eid
<lb n="0393.21"/> der Treue, welchen Unterthanen ihrem Herrn
<lb n="0393.22"/> schuldig sind, abzulegen willens w&#x00E4;ren.</p>
<lb n="0393.23" rend="indent"/> <p>Jederman, und Ali selbst, wu&#x00DF;ten es mehr
<lb n="0393.24"/> als zu wohl, was an den Versicherungen dieser
<lb n="0393.25"/> zwey Muselm&#x00E4;nner w&#x00E4;re; allein man that,
<lb n="0393.26"/> als ob man an ihrer Aufrichtigkeit im geringsten
<lb n="0393.27"/> nicht zweifle, und lie&#x00DF; die Ablegung des Eides
<lb n="0393.28"/> vor sich gehen.</p>
<lb n="0393.29" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend dieser Ceremonie sagte einer in
<lb n="0393.30"/> der Versammlung ganz laut einen Einfall, wel=
<pb n="0394.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-455"/>
<lb n="0394.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>cher zu erkennen gab, wie wenige Rechnung
<lb n="0394.02"/> man sich auf das Versprechen des Tallah zu
<lb n="0394.03"/> machen habe. Man mu&#x00DF; wissen, da&#x00DF; bey den
<lb n="0394.04"/> Arabern der Gebrauch war, demjenigen die
<lb n="0394.05"/> Hand zu geben, welchem man den Eid ablegte.
<lb n="0394.06"/> Tallah, dessen rechte Hand, wegen einer Wun=
<lb n="0394.07"/> de, die er in einem Treffen bekommen hatte,
<lb n="0394.08"/> etwas verk&#x00FC;rzt war, konnte mit seiner Hand
<lb n="0394.09"/> nicht so weit reichen, als die andern. Bey
<lb n="0394.10"/> dieser Gelegenheit nun, sagte einer von den
<lb n="0394.11"/> Zuschauern, da&#x00DF; die Treue dieses Muselmanns
<lb n="0394.12"/> eben so verk&#x00FC;rzt als sein Arm seyn w&#x00FC;rde. Es
<lb n="0394.13"/> w&#x00E4;hrte nicht lange, so ward diese Art von Pro=
<lb n="0394.14"/> phezeyung erf&#x00FC;llt.</p>
<lb n="0394.15" rend="indent"/> <p>Tellah und Zobeir verbanden sich, und be=
<lb n="0394.16"/> schlossen, den Califen zu verderben: ehe sie aber
<lb n="0394.17"/> offenbare Gewalt brauchen wollten, suchten sie
<lb n="0394.18"/> ihn in irgend eine Falle zu locken, um ihm seine
<lb n="0394.19"/> Anh&#x00E4;nger abspenstig zu machen, und diejeni=
<lb n="0394.20"/> gen, die ihm am ergebensten zu seyn schienen,
<lb n="0394.21"/> wider ihn aufzubringen.</p>
<lb n="0394.22"/> <note type="marginalie" place="links">Tellah u.<lb/>Zobeir wol=<lb/>len den Ali<lb/>bereden, den<lb/><hi rend="spaced">Tod des</hi><lb/>Othmans zu<lb/>r&#x00E4;chen.</note><p rend="indent">Kurz darauf, als er in den Besitz der ober=
<lb n="0394.23"/> sten Gewalt getreten war, kamen sie zu ihm,
<lb n="0394.24"/> ihm ihre Unterth&#x00E4;nigkeit zu erneuern und ihre
<lb n="0394.25"/> Dienste anzubieten. Nach diesen allgemeinen
<lb n="0394.26"/> Unterredungen, liessen sie sich etwas weitl&#x00E4;ufti=
<lb n="0394.27"/> ger &#x00FC;ber dasjenige ein, was sie f&#x00FC;r n&#x00F6;thig er=
<lb n="0394.28"/> achteten, wann er sein Regiment dem Volke
<lb n="0394.29"/> angenehm machen wollte. Sie schlugen ihm
<lb n="0394.30"/> unter andern vor, den Tod des Othmans zu
<pb n="0395.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-456"/>
<lb n="0395.01"/> r&#x00E4;chen, und versprachen, ihm bey diesem Un=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0395.02"/> ternehmen, mit welchem seine Ehre und die
<lb n="0395.03"/> W&#x00FC;rde seines Amtes verbunden w&#x00E4;ren, mit
<lb n="0395.04"/> dem gr&#x00F6;&#x00DF;ten Eifer zu dienen.</p>
<lb n="0395.05" rend="indent"/> <p>Ali mochte nun seine Antwort drehen, wie
<lb n="0395.06"/> er wollte, so konnten sie dennoch hoffen, da&#x00DF;
<lb n="0395.07"/> sie sich derselben zu Beschleinigung seines Un=
<lb n="0395.08"/> terganges w&#x00FC;rden bedienen k&#x00F6;nnen. Antwor=
<lb n="0395.09"/> tete er nein, so best&#x00E4;rkte er den Argwohn, den
<lb n="0395.10"/> man &#x00F6;ffentlich von ihm hatte, als habe er an
<lb n="0395.11"/> der Ermordung des Califen Antheil gehabt.
<lb n="0395.12"/> Gab er aber zur Bestrafung der M&#x00F6;rder und
<lb n="0395.13"/> Mitschuldigen seine Einwilligung, so zog er den
<lb n="0395.14"/> Ha&#x00DF; aller Feinde des Othmans auf sich, wel=
<lb n="0395.15"/> che sehr zahlreich, und sehr m&#x00E4;chtig, und daher
<lb n="0395.16"/> f&#x00E4;hig genug waren, dem Califen einen schlech=
<lb n="0395.17"/> ten Streich zu spielen, um sich seinen Verfol=
<lb n="0395.18"/> gungen zu entziehen.</p>
<lb n="0395.19" rend="indent"/> <p>Allein Ali wu&#x00DF;te dieser Schwierigkeit auf<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Antwort</hi><lb/>des Ali.</note>
<lb n="0395.20"/> eine geschickte Art auszuweichen. Anfangs
<lb n="0395.21"/> that er, als ob er sehr geneigt sey, die M&#x00F6;rder
<lb n="0395.22"/> des Othmans zu bestrafen: er sprach von ih=
<lb n="0395.23"/> rer Verschw&#x00F6;rung, als von der allersch&#x00E4;ndlich=
<lb n="0395.24"/> sten Lasterthat, welche auf das sch&#x00E4;rfste ger&#x00E4;=
<lb n="0395.25"/> chet zu werden verdiene; allein er bestand auf
<lb n="0395.26"/> der Schwierigkeit dieser Rache, weil die Anzahl
<lb n="0395.27"/> der Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten, welche alle diesen Tod gebilli=
<lb n="0395.28"/> get, ja wohl gar gerathen hatten, allzugro&#x00DF; sey;
<lb n="0395.29"/> so da&#x00DF; er nicht allein diejenigen, welche ihre
<lb n="0395.30"/> str&#x00E4;flichen H&#x00E4;nde an den Othman gelegt h&#x00E4;tten,
<pb n="0396.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-457"/>
<lb n="0396.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>sondern auch alle Mitschuldige auf das h&#x00E4;rteste
<lb n="0396.02"/> bestrafen m&#x00FC;sse, welches ohnfehlbar grosse Un=
<lb n="0396.03"/> ruhen, ja wohl gar b&#x00FC;rgerliche Kriege, erre=
<lb n="0396.04"/> gen w&#x00FC;rde, die den Untergang des Staats ver=
<lb n="0396.05"/> ursachen k&#x00F6;nnten.</p>
<lb n="0396.06" rend="indent"/> <p>Doch, f&#x00FC;gte er hinzu, wann sie ihm dieje=
<lb n="0396.07"/> gen nennen k&#x00F6;nnten, welche dem Othman die
<lb n="0396.08"/> Stiche versetzt, oder wann sie es &#x00FC;ber sich neh=
<lb n="0396.09"/> men wollten, dieselben zu entdecken, so wolle er
<lb n="0396.10"/> thun, was ihm zukomme, und die Schuldigen be=
<lb n="0396.11"/> strafen.</p>
<lb n="0396.12" rend="indent"/> <p>Tellah und Zobeir, welche in eine so wichti=
<lb n="0396.13"/> ge Sache namentlich nicht vermischt seyn woll=
<lb n="0396.14"/> ten, hielten es nicht f&#x00FC;r gut, l&#x00E4;nger darauf zu
<lb n="0396.15"/> bestehen. Sie thaten, als wenn sie mit der klu=
<lb n="0396.16"/> gen Auff&#x00FC;hrung des Califen sehr wohl zufrieden
<lb n="0396.17"/> w&#x00E4;ren, und begaben sich weg; in der That
<lb n="0396.18"/> aber waren sie ein wenig &#x00E4;rgerlich, da&#x00DF; es ih=
<lb n="0396.19"/> nen nicht gegl&#x00FC;ckt war, ihn in die Falle zu brin=
<lb n="0396.20"/> gen, die sie ihm gelegt hatten.</p>
<lb n="0396.21" rend="indent"/> <p>Nichts konnte kl&#x00FC;ger gethan seyn, als da&#x00DF;
<lb n="0396.22"/> er anfangs die Gem&#x00FC;ther zu gewinnen, und al=
<lb n="0396.23"/> le Ursachen zu Unruhen aus dem Wege zu r&#x00E4;u=
<lb n="0396.24"/> men suchte, besonders zu einer Zeit, da alle
<lb n="0396.25"/> Glieder des Staats nur allzusehr geneigt zu
<lb n="0396.26"/> seyn schienen, es auf das &#x00E4;usserste ankommen
<lb n="0396.27"/> zu lassen. Ali h&#x00E4;tte hoffen k&#x00F6;nnen hierinne
<lb n="0396.28"/> gl&#x00FC;cklich zu seyn, wann er sich best&#x00E4;ndig mit e=
<lb n="0396.29"/> ben der Klugheit aufgef&#x00FC;hret h&#x00E4;tte, die er bey
<lb n="0396.30"/> der wegen der Ermordung des Othmanns ge=
<pb n="0397.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-458"/>
<lb n="0397.01"/> gebenen Antwort beobachtete; allein er verleug=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0397.02"/> nete sein Betragen gar bald, und so zur&#x00FC;ckhal=
<lb n="0397.03"/> tend und aufmerksam er vorher geschienen hat=
<lb n="0397.04"/> te, die Gem&#x00FC;ther mit G&#x00FC;te zu gewinnen, so
<lb n="0397.05"/> hurtig war er hernach, alles zu thun, was das
<lb n="0397.06"/> Feuer des b&#x00FC;rgerlichen Krieges anblasen ko<expan>nn</expan>te.</p>
<lb n="0397.07" rend="indent"/> <p>Er beschlo&#x00DF;, allen denen die Stadthalter=<note type="marginalie" place="rechts">Ali fa&#x00DF;t den<lb/>Entschlu&#x00DF;,<lb/>die Statthal=<lb/>ter <hi rend="spaced">in den<lb/>Provinzen</hi><lb/>abzusetzen.</note>
<lb n="0397.08"/> schaften in den Provinzen zu nehmen, welche
<lb n="0397.09"/> seine Vorfahren damit versehen hatten. Er
<lb n="0397.10"/> berathschlagte sich de&#x00DF;wegen mit dem Magai=
<lb n="0397.11"/> rah = ebn = Said, einem von den Vornehmsten
<lb n="0397.12"/> unter den Arabern, welcher ihm sogleich mit
<lb n="0397.13"/> vieler Lebhaftigkeit vorstellte, da&#x00DF; alles verloh=
<lb n="0397.14"/> ren gehen w&#x00FC;rde, wann er diesen Anschlag aus=
<lb n="0397.15"/> f&#x00FC;hrte; er bat ihn inst&#x00E4;ndig, sich in einer so
<lb n="0397.16"/> wichtigen Sache nicht zu &#x00FC;bereilen, und we=
<lb n="0397.17"/> nigstens so lange zu warten, bis sein Ansehen
<lb n="0397.18"/> auf festerm Grunde stehen w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0397.19" rend="indent"/> <p>Ali nahm diesen Rath ungerne an; unter=
<lb n="0397.20"/> dessen aber brauchte er doch die Behutsamkeit,
<lb n="0397.21"/> da&#x00DF; er seine Befehle nicht so geschwind gab, als
<lb n="0397.22"/> er sich es vorgenommen hatte. Als Mogairah
<lb n="0397.23"/> einige Tage darauf wiederum bey dem Califen
<lb n="0397.24"/> war, so kam eben diese Sache abermals auf
<lb n="0397.25"/> das Tapet. Ali schien auf seinem ersten An=
<lb n="0397.26"/> schlage zu bestehen, und sprach mit dem Mo=
<lb n="0397.27"/> gairah als von einem Unternehmen davon, wel=
<lb n="0397.28"/> ches er schleinig ausf&#x00FC;hren m&#x00FC;sse.</p>
<lb n="0397.29" rend="indent"/> <p>Mogairah, welcher kurz vorher so viel
<lb n="0397.30"/> Schwierigkeiten eines Anschlages wegen gemacht
<pb n="0398.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-459"/>
<lb n="0398.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note>hatte, dessen Folgen dem Staate und dem Ca=
<lb n="0398.02"/> lifen insbesondre sehr nachtheilig seyn konnten,
<lb n="0398.03"/> &#x00E4;nderte auf einmal seine Meinung, und sagte zu
<lb n="0398.04"/> dem Ali, da&#x00DF; er diese Sache, seitdem sie das er=
<lb n="0398.05"/> stemal davon geredet, reiflicher &#x00FC;berlegt, und al=
<lb n="0398.06"/> lerdings gefunden habe, da&#x00DF; sein Entschlu&#x00DF;, die
<lb n="0398.07"/> Bedienungen nur mit solchen Personen zu be=
<lb n="0398.08"/> setzen, auf die er sich verlassen k&#x00F6;nne, das beste
<lb n="0398.09"/> sey, um sein Ansehen auf einen festen Grund
<lb n="0398.10"/> zu setzen, und sich in allen Provinzen des mu=
<lb n="0398.11"/> selm&#x00E4;nnischen Reichs Ehrerbietung zu verschaf=
<lb n="0398.12"/> fen.</p>
<lb n="0398.13" rend="indent"/> <p>Mittlerweile war Abdallah = ebn = Abbas,
<lb n="0398.14"/> ein sehr angesehener Mann, dazu gekommen,
<lb n="0398.15"/> we&#x00DF;wegen Mogairah fort ging, ihn mit dem Ca=
<lb n="0398.16"/> lifen alleine zu lassen. Ali entdeckte dem Ab=
<lb n="0398.17"/> dallah sein Vorhaben, die Statthalter zu ver&#x00E4;n=
<lb n="0398.18"/> dern, und sagte ihm zugleich, Mogairah habe
<lb n="0398.19"/> sich anfangs wider diesen Anschlag sehr gesetzt,
<lb n="0398.20"/> endlich aber habe er ihn gebilliget, und ihm sei=
<lb n="0398.21"/> nen Beyfall bey dem eben jetzt abgelegten Be=
<lb n="0398.22"/> suche entdeckt.</p>
<lb n="0398.23" rend="indent"/> <p>Abdallah erschrack, da&#x00DF; der Calif den Fall=
<lb n="0398.24"/> strick nicht merckte, welchen ihn dieser Musel=
<lb n="0398.25"/> mann gelegt hatte, und sagte zu dem Ali, da&#x00DF; er
<lb n="0398.26"/> sich bey dem, was er zu thun willens sey, ja
<lb n="0398.27"/> wohl versehen solle; da&#x00DF; der erste Rath, welchen
<lb n="0398.28"/> ihm Mogairah gegeben, der Rath eines treuen
<lb n="0398.29"/> B&#x00FC;rgers sey, der die Ruhe des Staats und
<lb n="0398.30"/> des Regenten liebe; da&#x00DF; hingegen die Ueberle=
<pb n="0399.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-460"/>
<lb n="0399.01"/> gung, welche ihn in seiner Meinung ge&#x00E4;ndert,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 53.<lb/>n. C. G. 655.</note>
<lb n="0399.02"/> von einem Verr&#x00E4;ther herkomme, der ohne Zwei=
<lb n="0399.03"/> fel seinen Nutzen dabey f&#x00E4;nde, wann er den
<lb n="0399.04"/> Staat in Unruhe setzen k&#x00F6;nnte.</p>
<lb n="0399.05" rend="indent"/> <p>Er f&#x00FC;gte hinzu, was ihn selbst anbelange,
<lb n="0399.06"/> so sey seine Meinung, da&#x00DF; man durchaus keine
<lb n="0399.07"/> Neuerungen vornehmen m&#x00FC;sse; und weil er
<lb n="0399.08"/> wu&#x00DF;te, da&#x00DF; der Calif besonders sein Absehen
<lb n="0399.09"/> auf den Statthalter von Syrien, den Moavi=
<lb n="0399.10"/> as hatte, so bestand er darauf, da&#x00DF; man ihn
<lb n="0399.11"/> in dieser Statthalterschaft lassen solle, weil man
<lb n="0399.12"/> ihn unm&#x00F6;glich w&#x00FC;rde absetzen k&#x00F6;nnen, ohne,
<lb n="0399.13"/> da&#x00DF; ganz Syrien, wo dieser Muselmann eine
<lb n="0399.14"/> unerme&#x00DF;liche Menge Anh&#x00E4;nger hatte, zu den
<lb n="0399.15"/> Waffen griffe.</p>
<lb n="0399.16" rend="indent"/> <p>Abdallah erkl&#x00E4;rte sich hierauf gegen den
<lb n="0399.17"/> Ali auch wegen der Gesinnungen des Tellah
<lb n="0399.18"/> und Zobeir. Er warnte ihn, sich f&#x00FC;r diesen
<lb n="0399.19"/> zwey Muselm&#x00E4;nnern in Acht zu nehmen, weil
<lb n="0399.20"/> er ganz sicher wisse, da&#x00DF; sie sehr &#x00FC;ble Absichten
<lb n="0399.21"/> hegten, und gewi&#x00DF; die ersten seyn w&#x00FC;rden, die
<lb n="0399.22"/> bey entstandener Unruhe die Waffen wider ihn
<lb n="0399.23"/> ergriffen. Er beschlo&#x00DF; seine Unterredung mit
<lb n="0399.24"/> dem Califen mit nochmaligen Vorstellungen we=
<lb n="0399.25"/> gen des Moavias. Er beschwor den Ali noch=
<lb n="0399.26"/> mals, sich in nichts zu &#x00FC;bereilen, und wenigstens
<lb n="0399.27"/> so lange zu warten, bis dieser Statthalter er=
<lb n="0399.28"/> kl&#x00E4;ret habe, ob er ihn f&#x00FC;r den Califen erkennen
<lb n="0399.29"/> wolle, oder nicht. <hi rend="bold">Alsdann</hi>, setzte er hinzu,
<lb n="0399.30"/> <hi rend="bold">ist es Zeit, wider ihn zu verfahren, und</hi>
<pb n="0400.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-461"/>
<lb n="0400.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 35.<lb/>n. C. G. 655.</note><hi rend="bold">ich will es selbst auf mich nehmen, ihn
<lb n="0400.02"/> dir, an H&#x00E4;nden und F&#x00FC;ssen gebunden, zu
<lb n="0400.03"/> &#x00FC;berliefern, so bald du mir nur einen
<lb n="0400.04"/> Wink geben wirst</hi>.</p>
<lb n="0400.05" rend="indent"/> <p>Alle diese Vorstellungen waren nicht ver=
<lb n="0400.06"/> m&#x00F6;gend, den Ali zu einer klugen Ueberlegung
<lb n="0400.07"/> zu bringen: er folgte seinem ersten Anschlage,
<lb n="0400.08"/> und ver&#x00E4;nderte alle Statthalter, durch welche
<lb n="0400.09"/> ausserordentliche Ver&#x00E4;nderung in dem Staa=
<lb n="0400.10"/> te der Muselm&#x00E4;nner die verderblichsten Tu=
<lb n="0400.11"/> multe entstanden, welche ihn die gantze Zeit
<lb n="0400.12"/> seiner Regierung hindurch auf das grausamste
<lb n="0400.13"/> beunruhigten.</p>
<lb n="0400.14" rend="indent"/> <p>Die Statthalter, welche an die Stelle der
<lb n="0400.15"/> abgesetzten kamen, waren folgende: Othman=
<lb n="0400.16"/> ebn = Hanif ward nach Basrah geschickt; Am=
<lb n="0400.17"/> marah = ebn = Sahal nach Cuffah; Abidallah nach
<lb n="0400.18"/> Yemen; Sahel = ebn = Hanif nach Syrien; und
<lb n="0400.19"/> Saed = ebn = Kais nach Aegypten.</p>
<lb n="0400.20"/> <note type="marginalie" place="links">Die neuen<lb/>Statthalter<lb/>werden nicht<lb/>angeno<expan>mm</expan>en.</note><p rend="indent">Von allen diesen Statthaltern wurde nicht
<lb n="0400.21"/> mehr als einer in seiner Provinz angenommen;
<lb n="0400.22"/> die &#x00FC;brigen konnten zu keinem Besitze gelangen,
<lb n="0400.23"/> oder, wann sie ja endlich dazu gelangten, so
<lb n="0400.24"/> war es ihnen gewi&#x00DF; sauer genug geworden.
<lb n="0400.25"/> Sahel unter andern traf auf seiner Reise nach
<lb n="0400.26"/> Syrien eine Parthey bey Tabuk an, welche ihn
<lb n="0400.27"/> anhielt. Der Befehlshaber hatte erfahren,
<lb n="0400.28"/> da&#x00DF; er zum Statthalter von Syrien ernennet
<lb n="0400.29"/> sey, und entdeckte ihm daher den Zustand dieser
<lb n="0400.30"/> Provinz so rund heraus, da&#x00DF; es Sahel nicht
<pb n="0401.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-462"/>
<lb n="0401.01"/> f&#x00FC;r gut hielt, weiter zu gehen. <hi rend="bold">Wann dich<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0401.02"/> ein anderer als Othman geschickt hat</hi>,
<lb n="0401.03"/> sagte ihn der Befehlshaber, <hi rend="bold">so kanst du nur
<lb n="0401.04"/> gleich wieder umkehren</hi>. Sahel verlangte
<lb n="0401.05"/> keine weitre Erkl&#x00E4;rungen, sondern kehrte sogleich
<lb n="0401.06"/> nach Medina zur&#x00FC;ck.</p>
<lb n="0401.07" rend="indent"/> <p>Eben diese Bewillkommung liessen die Ae=
<lb n="0401.08"/> gypter dem Saed machen, und ihm sagen, da&#x00DF;
<lb n="0401.09"/> sie den Ali nicht eher erkennen, und die, welche
<lb n="0401.10"/> er abschickte, nicht eher annehmen w&#x00FC;rden, bis
<lb n="0401.11"/> er den Tod des Othmans ger&#x00E4;chet habe. Eben
<lb n="0401.12"/> so begegneten die Gemeinden von Basrah und
<lb n="0401.13"/> Cuffah ihren neuen Statthaltern, und woll=
<lb n="0401.14"/> ten sie durchaus keinen Fu&#x00DF; auf ihr Gebiete se=
<lb n="0401.15"/> tzen lassen.</p>
<lb n="0401.16" rend="indent"/> <p>Abidallah war also der einzige, welcher sich
<lb n="0401.17"/> in Yemen fest setzte; allein es w&#x00E4;re besser gewe=
<lb n="0401.18"/> sen, wenn man ihm eben so begegnet h&#x00E4;tte, als
<lb n="0401.19"/> den &#x00FC;brigen; denn Yahi, welchen er abl&#x00F6;sete,
<lb n="0401.20"/> nahm alles Geld, das sich in dem &#x00F6;ffentlichen
<lb n="0401.21"/> Schatze befand, als er seinen Platz verlie&#x00DF;, mit
<lb n="0401.22"/> sich, und legte es zu Mecca in die H&#x00E4;nde der
<lb n="0401.23"/> Aiesha, des Tallah und des Zobeir nieder.</p>
<lb n="0401.24" rend="indent"/> <p>Diese zwey letztern hatten sich von dem Ho=<note type="marginalie" place="rechts">Ali schl&#x00E4;gt<lb/><hi rend="spaced">dem</hi> Tellad<lb/><hi rend="spaced">und</hi> Zobeir<lb/>die Statthal=<lb/>terschaften,<lb/><hi rend="spaced">welche sie</hi><lb/>verlangen,<lb/>ab.</note>
<lb n="0401.25"/> fe des Califen wegbegeben, weil er sie, bey der
<lb n="0401.26"/> Ver&#x00E4;nderung der Statthalterschaften, vor den
<lb n="0401.27"/> Kopf gestossen hatte. Der eine hatte wollen
<lb n="0401.28"/> nach Cuffah, und der andre nach Basrah ge=
<lb n="0401.29"/> schickt seyn. Ali aber, welcher sie allzuwohl
<lb n="0401.30"/> kannte, als da&#x00DF; er ihnen einen Platz h&#x00E4;tte ver=
<pb n="0402.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-463"/>
<lb n="0402.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>trauen sollen, brauchte bey seiner abschl&#x00E4;glichen
<lb n="0402.02"/> Antwort eine sehr listige Wendung. Er sagte,
<lb n="0402.03"/> er sey bey den jetzigen Umst&#x00E4;nden ihrer Einsicht
<lb n="0402.04"/> und ihres Raths ausserordentlich ben&#x00F6;thiget,
<lb n="0402.05"/> und ersuche sie daher inst&#x00E4;ndigst, bey ihm zu
<lb n="0402.06"/> bleiben. Er f&#x00FC;gte hinzu, die Zeit solle f&#x00FC;r sie
<lb n="0402.07"/> nicht verlohren seyn, die sie bey ihm zubringen
<lb n="0402.08"/> w&#x00FC;rden, sondern er wolle sie gewi&#x00DF; zur rechten
<lb n="0402.09"/> Zeit auf eine Art belohnen, welche ihren Ver=
<lb n="0402.10"/> diensten gem&#x00E4;&#x00DF; seyn solle.</p>
<lb n="0402.11" rend="indent"/> <p>Die Versprechungen des Ali machten bey
<lb n="0402.12"/> diesen zwey Muselm&#x00E4;nnern wenig Eindruck.
<lb n="0402.13"/> Sie konnten leicht voraus sehen, da&#x00DF; sie der
<lb n="0402.14"/> Calif nur bey sich behalten wolle, damit er ih=
<lb n="0402.15"/> re Auff&#x00FC;hrung beobachten und sie vielleicht gar
<lb n="0402.16"/> zur Rechenschaft ziehen k&#x00F6;nne, wann sich etwa
<lb n="0402.17"/> in Medina einige Unruhen &#x00E4;ussern sollten. Un=
<lb n="0402.18"/> terdessen verstellten sie sich doch eine Zeitlang;
<lb n="0402.19"/> und als sie erfuhren, da&#x00DF; sich Aiesha nach Mec=
<lb n="0402.20"/> ca begeben habe, so baten sie um Erlaubni&#x00DF;,
<lb n="0402.21"/> gleichfalls dahin zu reisen, unter dem Vorwan=
<lb n="0402.22"/> de, einer and&#x00E4;chtigen Wallfahrt. Hier nun
<lb n="0402.23"/> machten sie gemeinschaftlich mit der Wittwe des
<lb n="0402.24"/> Propheten, eine f&#x00FC;rchterliche Parthey, gegen
<lb n="0402.25"/> die der Calif hernach vergebens alle seine Kr&#x00E4;f=
<lb n="0402.26"/> te anwendete. Das Geld, welches ihnen der
<lb n="0402.27"/> Statthalter von Yemen gebracht hatte, that ihnen
<lb n="0402.28"/> ungemein grosse Dienste, Verst&#x00E4;ndnisse an al=
<lb n="0402.29"/> len Orten zu unterhalten; und sie wu&#x00DF;ten ihre
<lb n="0402.30"/> H&#x00E4;ndel so wohl einzurichten, da&#x00DF; sich der Auf=
<lb n="0402.31"/> stand in kurzen &#x00FC;berall, und besonders in Syri=
<lb n="0402.32"/> en, sp&#x00FC;ren lie&#x00DF;.</p>
<pb n="0403.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-464"/>
<lb n="0403.01" rend="indent"/> <p>Sie verhetzten besonders die Mothazeliten,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0403.02"/> das ist, die Ketzer. Man gab diesen Namen
<lb n="0403.03"/> denjenigen, die sich wider die Wahl des Ali er=
<lb n="0403.04"/> kl&#x00E4;rt hatten. Diese hatten durch ihre Ausge=<note type="marginalie" place="rechts">Sie erregen<lb/><hi rend="spaced">einen</hi> Auf=<lb/>stand wider<lb/>den Ali.</note>
<lb n="0403.05"/> schickte Mittel gefunden, den Othman ausgra=
<lb n="0403.06"/> ben, und ihm das Hemde ausziehen zu lassen,
<lb n="0403.07"/> welches er bey der Ermordung angehabt hatte.
<lb n="0403.08"/> Aus diesem Hemde nun machten sie eine Art
<lb n="0403.09"/> von Fahnen, womit sie die vornehmsten St&#x00E4;d=
<lb n="0403.10"/> te Syriens durchzogen, und sie so gar in den
<lb n="0403.11"/> Moscheen, wenn sich das Volk versammlet hat=
<lb n="0403.12"/> te, ausstellten.</p>
<lb n="0403.13" rend="indent"/> <p>Dieser scheu&#x00DF;liche Anblick machte gr&#x00F6;ssern
<lb n="0403.14"/> Eindruck, als die allernachdr&#x00FC;cklichste Rede
<lb n="0403.15"/> w&#x00FC;rde gemacht haben. Die Syrer, welche
<lb n="0403.16"/> Othman mit Wohlthaten &#x00FC;berh&#x00E4;uft hatte, lief=
<lb n="0403.17"/> fen zu den Waffen, den Tod ihres Wohlth&#x00E4;ters
<lb n="0403.18"/> zu r&#x00E4;chen: und es kam nur noch darauf an,
<lb n="0403.19"/> da&#x00DF; man ihnen das Opfer zeigte, welches sie
<lb n="0403.20"/> seinem Andenken aufopfern sollten.</p>
<lb n="0403.21" rend="indent"/> <p>Als Ali von dem, was in dieser Provinz<note type="marginalie" place="rechts">Ali ersucht<lb/>den Moavias<lb/>ihn f&#x00FC;r den<lb/>Califen zu<lb/>erkennen.</note>
<lb n="0403.22"/> vorging, Nachricht erhielt, so schrieb er an den
<lb n="0403.23"/> Moavias auf eine sehr gem&#x00E4;&#x00DF;igte Art. Ohne
<lb n="0403.24"/> etwas von den Unruhen zu gedenken, die man
<lb n="0403.25"/> in Syrien zu erregen bem&#x00FC;ht war, ermahnte er
<lb n="0403.26"/> ihn blo&#x00DF;, ein Merkmahl seiner Unterth&#x00E4;nigkeit
<lb n="0403.27"/> abzulegen, und ihn f&#x00FC;r den Califen zu erken=
<lb n="0403.28"/> nen, welche Erkennung, f&#x00FC;gte er hinzu, ihm
<lb n="0403.29"/> um so viel leichter fallen m&#x00FC;sse, da die Wahl
<lb n="0403.30"/> nach allen Regeln geschehen sey, und alle Stim=
<lb n="0403.31"/> men einm&#x00FC;thig f&#x00FC;r ihn gewesen w&#x00E4;ren.</p>
<pb n="0404.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-465"/>
<lb n="0404.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><p rend="indent">Moavias, welcher wohl wu&#x00DF;te, wie Ali ge=
<lb n="0404.02"/> gen ihn gesinnet sey, ward von diesem Briefe
<lb n="0404.03"/> wenig ger&#x00FC;hrt: er schrieb die M&#x00E4;&#x00DF;igung des
<lb n="0404.04"/> Califen seinem Unverm&#x00F6;gen und seiner Schwach=
<lb n="0404.05"/> heit zu, und, um ihm zu zeigen, wie wenig er
<lb n="0404.06"/> sich aus seinen Vorstellungen mache, so ant=
<lb n="0404.07"/> wortete er ihm auf die allerempfindlichste Art.
<lb n="0404.08"/> Er machte einen Brief zusammen, worinne
<lb n="0404.09"/> nicht ein einziges Wort zu lesen war, und setz=
<lb n="0404.10"/> te statt aller Aufschrift darauf: <hi rend="bold">Moavias dem
<lb n="0404.11"/> Ali</hi>. Er gab diesen Brief einem von seinen
<lb n="0404.12"/> Leuten, welchem seine Absichten nicht unbe=
<lb n="0404.13"/> kannt waren. Dieser ging mit dem Bothen des
<lb n="0404.14"/> Ali ab, und brauchte die Vorsicht, nicht eher
<lb n="0404.15"/> nach Medina hinein zu kommen, als nach der
<lb n="0404.16"/> Sonnen Untergang. Dieses ist die Zeit, da
<lb n="0404.17"/> sich in diesen heissen Gegenden viele Einwohner
<lb n="0404.18"/> auf den Gassen befinden, um frische Luft zu
<lb n="0404.19"/> sch&#x00F6;pfen.</p>
<lb n="0404.20" rend="indent"/> <p>Als er in die Stadthinein kam, steckte er
<lb n="0404.21"/> den Brief des Moavias auf eine Lanze, damit
<lb n="0404.22"/> es jederman wissen k&#x00F6;nne, da&#x00DF; der Statthalter
<lb n="0404.23"/> von Syrien an den Califen geschrieben habe.
<lb n="0404.24"/> Die Ankunft dieses Bothen war anfangs allen
<lb n="0404.25"/> denen sehr angenehm, welche den Frieden lieb=
<lb n="0404.26"/> ten: man bildete sich ein, da&#x00DF; er Befehl habe,
<lb n="0404.27"/> den Brief solcher Gestalt zu weisen, und da&#x00DF;
<lb n="0404.28"/> er ohne Zweifel einen Vorschlag zum Vergleich
<lb n="0404.29"/> enthalte, welcher alles Mi&#x00DF;verst&#x00E4;ndni&#x00DF; zwi=
<lb n="0404.30"/> schen dem Moavias und dem Califen aufheben
<lb n="0404.31"/> w&#x00FC;rde.</p>
<pb n="0405.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-466"/>
<lb n="0405.01" rend="indent"/> <p>Man gab sich also noch demselben Abend al=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0405.02"/> le M&#x00FC;he, den Jnnhalt dieses Briefes zu wis=
<lb n="0405.03"/> sen. Ali seiner Seits w&#x00FC;nschte nichts mehr,
<lb n="0405.04"/> als mit dem Moavias einen Vergleich zu tref=
<lb n="0405.05"/> fen, besonders bey den Umst&#x00E4;nden, da das Feu=
<lb n="0405.06"/> er des Aufruhrs aller Orten ausbrach; allein
<lb n="0405.07"/> er erstaunte nicht wenig, als er diesen Brief er=
<lb n="0405.08"/> &#x00F6;fnete, und ausser der Aufschrift, nichts darin=
<lb n="0405.09"/> ne geschrieben fand; er wurde mit Recht wider
<lb n="0405.10"/> diese Beschimpfung aufgebracht, und sahe sie
<lb n="0405.11"/> als eine unversch&#x00E4;mte Ausforderung an, die er
<lb n="0405.12"/> auf das schleinigste r&#x00E4;chen m&#x00FC;sse.</p>
<lb n="0405.13" rend="indent"/> <p>Unterdessen vermochte der Calif doch so viel
<lb n="0405.14"/> &#x00FC;ber sich, da&#x00DF; er keine allzugrosse Ver&#x00E4;ndrung
<lb n="0405.15"/> auf seinem Gesichte blicken lie&#x00DF;; er besprach
<lb n="0405.16"/> sich so gar mit dem Bothen, und fragte, ob et=
<lb n="0405.17"/> was neues in Syrien vorgefallen sey. Der
<lb n="0405.18"/> Bothe antwortete ihm, da&#x00DF; alles daselbst in der
<lb n="0405.19"/> gr&#x00F6;&#x00DF;ten Bewegung w&#x00E4;re, da&#x00DF; schon mehr als
<lb n="0405.20"/> sechzigtausend Mann zu den Waffen gegriffen
<lb n="0405.21"/> h&#x00E4;tten, welche nichts als den Befehl zum Auf=
<lb n="0405.22"/> bruche erwarteten. Er f&#x00FC;gte hinzu, da&#x00DF; diese
<lb n="0405.23"/> Unruhen zu Damascus ausgebrochen w&#x00E4;ren,
<lb n="0405.24"/> wo man in der Moschee in Gegenwart des
<lb n="0405.25"/> Volks ein blutiges Hemde ausgesetzt, und es
<lb n="0405.26"/> f&#x00FC;r dasjenige ausgegeben habe, welches Oth=
<lb n="0405.27"/> man, als man ihn ermordet, getragen h&#x00E4;tte;
<lb n="0405.28"/> und da&#x00DF; dieses Hemde noch ietzt vor dem Lager,
<lb n="0405.29"/> anstatt einer Fahne, ausgestellt sey.</p>
<lb n="0405.30" rend="indent"/> <p>Bey dieser Erzehlung konnte Ali nicht l&#x00E4;n=
<pb n="0406.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-467"/>
<lb n="0406.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>ger an sich halten, sondern sagte ganz hitzig:
<lb n="0406.02"/> <hi rend="bold">Und also wollen diese Leute den Tod des
<lb n="0406.03"/> Othman mir zur Last legen? Jch neh=
<lb n="0406.04"/> me den Himmel zum Zeugen, da&#x00DF; ich un=
<lb n="0406.05"/> schuldig bin, und ich hoffe, da&#x00DF; er mir
<lb n="0406.06"/> beystehen wird</hi>.</p>
<lb n="0406.07"/> <note type="marginalie" place="links">Aisha stellt<lb/>sich an <hi rend="spaced">die<lb/>Spitze</hi> der<lb/>Aufr&#x00FC;hrer.</note><p rend="indent">Auf diese erhaltene Erkl&#x00E4;rungen war nichts
<lb n="0406.08"/> anders zu thun, als schleinig die Trupen zu be=
<lb n="0406.09"/> waffnen, um diese Aufr&#x00FC;hrer im Zaume zu
<lb n="0406.10"/> halten. Doch eben da er sich gegen einen Feind,
<lb n="0406.11"/> welcher noch weit entfernt war, in Sicherheit
<lb n="0406.12"/> zu setzen bem&#x00FC;ht war, entstand in Arabien selbst
<lb n="0406.13"/> eine Parthey, welche um so viel mehr zu f&#x00FC;rch=
<lb n="0406.14"/> ten war, da sie die ber&#x00FC;hmte Aiesha, eine ge=
<lb n="0406.15"/> schworne Feindin des Califen, an ihrer Spitze
<lb n="0406.16"/> hatte. Sie war die Seele und die Triebfeder
<lb n="0406.17"/> von allem, was wider den Ali vorgenommen
<lb n="0406.18"/> wurde; und bey ihr versammleten sich die Auf=
<lb n="0406.19"/> r&#x00FC;hrer, um die n&#x00F6;thigen Maa&#x00DF;regeln zum Fort=
<lb n="0406.20"/> gange ihres Aufstandes abzureden. Bey ihr
<lb n="0406.21"/> fanden sich entweder selbst, oder durch ihre Ab=
<lb n="0406.22"/> geordnete, alle diejenigen ein, welche zu der Fa=
<lb n="0406.23"/> milie des Ommiah geh&#x00F6;rten, und sich allesamt
<lb n="0406.24"/> verschworen hatten, den Tod des Othmans zu
<lb n="0406.25"/> r&#x00E4;chen, welcher selbst aus diesem Geschlechte
<lb n="0406.26"/> war.</p>
<lb n="0406.27" rend="indent"/> <p>Die Ommiaden schienen berechtiget zu seyn,
<lb n="0406.28"/> den Tod ihres Anverwandten an dem Califen
<lb n="0406.29"/> zu r&#x00E4;chen: sie glaubten in der That, da&#x00DF; Ali
<lb n="0406.30"/> desselben Urheber sey, und man hatte nichts un=
<pb n="0407.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-468"/>
<lb n="0407.01"/> terlassen, sie in dieser Meinung zu best&#x00E4;rken.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0407.02"/> Was aber die Aiesha, den Tellah und Zobeir
<lb n="0407.03"/> anbelangte, die an der Spitze dieser Verschw&#x00F6;=
<lb n="0407.04"/> rung waren, so war ihr Betragen bey diesen
<lb n="0407.05"/> Umst&#x00E4;nden eine Folge der allerabscheulichsten
<lb n="0407.06"/> Verr&#x00E4;therey.</p>
<lb n="0407.07" rend="indent"/> <p>Wenn man dem Zeugnisse des Ebn = Athir,
<lb n="0407.08"/> eines arabischen Geschichtschreibers, glauben
<lb n="0407.09"/> darf, so waren Aiesha, und ihre zwey Helf=
<lb n="0407.10"/> fershelffer, die wahren Urheber, oder wenig=
<lb n="0407.11"/> stens Mitschuldige der Ermordung des Oth=
<lb n="0407.12"/> mans. Sie allein verdienten eine ihrem Ver=
<lb n="0407.13"/> brechen gem&#x00E4;sse Strafe, doch verm&#x00F6;ge einer
<lb n="0407.14"/> Abscheulichkeit, wozu vielleicht gemeine Ver=
<lb n="0407.15"/> brecher unf&#x00E4;hig gewesen w&#x00E4;ren, suchten sie den
<lb n="0407.16"/> ganzen Greuel ihrer Schandthat auf den Ali
<lb n="0407.17"/> zu welzen, damit sie ihn desto sichrer verderben
<lb n="0407.18"/> k&#x00F6;nnten. Dieses nun ist die tugendhafte Aies=
<lb n="0407.19"/> ha, welche unter ihrem Volke so ber&#x00FC;hmt, und
<lb n="0407.20"/> in der Geschichte der Muselm&#x00E4;nner unter dem
<lb n="0407.21"/> Namen der <hi rend="bold">Mutter der Gl&#x00E4;ubigen</hi> so bekannt
<lb n="0407.22"/> ist. Verm&#x00F6;ge dieses verehrungsw&#x00FC;rdigen Titels,
<lb n="0407.23"/> h&#x00E4;tte sie, sollte man glauben, sich aller Klagen
<lb n="0407.24"/> gegen irgend einem dieser vorgegebenen Gl&#x00E4;ubi=
<lb n="0407.25"/> gen, wann er auch noch so strafbar gewesen w&#x00E4;=
<lb n="0407.26"/> re, enthalten sollen; allein ein Verbrechen zu be=
<lb n="0407.27"/> gehen, um es auf einen andern zu welzen, auf
<lb n="0407.28"/> den Regenten, und so zu reden auf den ganzen
<lb n="0407.29"/> Staat, welchen man dadurch den grausamsten
<lb n="0407.30"/> Zwistigkeiten aussetzt, das ist die allerentsetzlich=
<lb n="0407.31"/> ste Schandthat.</p>
<pb n="0408.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-469"/>
<lb n="0408.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><p rend="indent">Da aber die Verschw&#x00F6;rung einmal ange=
<lb n="0408.02"/> fangen war, so kam es nur noch darauf an,
<lb n="0408.03"/> wegen der Mittel, sie zu ihrer Vollkommenheit
<lb n="0408.04"/> <note type="marginalie" place="links">Verschied=<lb/>ne Anschl&#x00E4;ge<lb/>der Aufr&#x00FC;h=<lb/>rer.</note>zu bringen, zu Rathe zu gehen, und dahin
<lb n="0408.05"/> lieffen alle Versammlungen aus, welche bey
<lb n="0408.06"/> der Aiesha gehalten wurden. Dieses rachgie=
<lb n="0408.07"/> rige Weib wollte, da&#x00DF; man geraden Weges
<lb n="0408.08"/> auf Medina losgehen solle. Man mu&#x00DF;, sagte
<lb n="0408.09"/> sie, das Uebel in seiner Quelle angreiffen. An=
<lb n="0408.10"/> dre hielten davor, da&#x00DF; man sich nach Syrien
<lb n="0408.11"/> begeben, und zu den zahlreichen Trupen stossen
<lb n="0408.12"/> m&#x00FC;sse, die Moavias in dieser Provinz aufge=
<lb n="0408.13"/> bracht habe.</p>
<lb n="0408.14" rend="indent"/> <p>Man machte &#x00FC;ber diese zwey verschiedne
<lb n="0408.15"/> Meinungen einige Betrachtungen, und nach=
<lb n="0408.16"/> dem man sie genau &#x00FC;berlegt hatte, so folgte man
<lb n="0408.17"/> keiner von beyden. Man gab zu &#x00FC;berlegen,
<lb n="0408.18"/> da&#x00DF; der Calif beynahe ganz Medina f&#x00FC;r sich
<lb n="0408.19"/> habe, und da&#x00DF; es schwer seyn w&#x00FC;rde, ihn in ei=
<lb n="0408.20"/> ner Stadt, die ihm ergeben sey, anzugreiffen.
<lb n="0408.21"/> Was die Reise nach Syrien anbelangte, so
<lb n="0408.22"/> merkte man an, da&#x00DF; Moavias stark genug sey,
<lb n="0408.23"/> sich in seiner Statthalterschaft zu erhalten, und
<lb n="0408.24"/> da&#x00DF; man sich wegen Vertheidigung dieser Pro=
<lb n="0408.25"/> vinz g&#x00E4;nzlich auf ihn verlassen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0408.26" rend="indent"/> <p>Man kam auf einen andern Vorschlag;
<lb n="0408.27"/> nehmlich auf diesen, den Krieg an solche Orte
<lb n="0408.28"/> zu bringen, wo man leichter damit fortkommen
<lb n="0408.29"/> k&#x00F6;nne, und sich gleich anfangs einiger Pl&#x00E4;tze zu
<lb n="0408.30"/> bem&#x00E4;chtigen. Tellah, welcher bey dieser Ver=
<pb n="0409.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-470"/>
<lb n="0409.01"/> sammlung zugegen war, schlug sogleich vor,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0409.02"/> Basrah anzugreiffen, f&#x00FC;r deren Eroberung er,
<lb n="0409.03"/> in Ansehung des Verst&#x00E4;ndnisses, welches er mit
<lb n="0409.04"/> dieser Stadt unterhielt, stehen wolle. Dieser
<lb n="0409.05"/> Anschlag ward gebilliget, und sogleich gab man
<lb n="0409.06"/> den Bundsgenossen, durch folgendes Umlauf
<lb n="0409.07"/> Schreiben davon Nachricht.</p>
<lb n="0409.08" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Die Mutter der Gl&#x00E4;ubigen, Tellah
<lb n="0409.09"/> und Zobeir gehen in eigner Person nach
<lb n="0409.10"/> Basrah; wer also die Religion zu ver=
<lb n="0409.11"/> theidigen, und den Tod des Othmans zu
<lb n="0409.12"/> r&#x00E4;chen Willens ist, der kan sich stellen.
<lb n="0409.13"/> Wem es an den n&#x00F6;thigen Bequemlichkei=
<lb n="0409.14"/> ten zur Reise fehlt, der soll sie bekom=
<lb n="0409.15"/> men</hi>.</p>
<lb n="0409.16" rend="indent"/> <p>Als die Trupen gar bald zusammen gekom=<note type="marginalie" place="rechts">Ein beson=<lb/>drer <hi rend="spaced">Zufall</hi><lb/>h&#x00E4;lt sie auf<lb/>ihrem Zuge<lb/>auf.</note>
<lb n="0409.17"/> men waren, machte man sich zu dem Aufbru=
<lb n="0409.18"/> che gefa&#x00DF;t. Aiesha stieg auf ein Kameel, stell=
<lb n="0409.19"/> te sich an die Spitze der Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten, und
<lb n="0409.20"/> nahm den Weg nach Basrah. Als man an ei=
<lb n="0409.21"/> nen Ort, Namens <hi rend="bold">Giuab</hi>, gekommen war,
<lb n="0409.22"/> hielt man einige Zeit stille, um die Trupen sich
<lb n="0409.23"/> erhohlen zu lassen. Dieses Anhalten h&#x00E4;tte bey=
<lb n="0409.24"/> nahe das ganze Unternehmen, welches man
<lb n="0409.25"/> ausf&#x00FC;hren wollte, in Unordnung gebracht. Aies=
<lb n="0409.26"/> ha war von ihrem Kameele gestiegen, worauf
<lb n="0409.27"/> sich eine grosse Menge Hunde, welche in dem
<lb n="0409.28"/> Flecken zerstreuet waren, um sie herum versa<expan>mm</expan>=
<lb n="0409.29"/> leten, und sie eine lange Zeit ohne Unterla&#x00DF; an=
<lb n="0409.30"/> bellten. Dieser Zufall schien ihr eine so &#x00FC;ble
<pb n="0410.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-471"/>
<lb n="0410.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>Vorbedeutung zu seyn, da&#x00DF; sie durchaus nicht
<lb n="0410.02"/> weiter reisen wollte.</p>
<lb n="0410.03" rend="indent"/> <p>Die H&#x00E4;upter wurden &#x00FC;ber diesen Entschlu&#x00DF;,
<lb n="0410.04"/> welcher alles zunichte machte, stutzig, und la=
<lb n="0410.05"/> gen ihr auf das inst&#x00E4;ndigste an, sie nicht zu ver=
<lb n="0410.06"/> lassen. Allein je mehr Aiesha diesem wichtigen
<lb n="0410.07"/> Anbellen nachdachte, je weniger schien sie ent=
<lb n="0410.08"/> schlossen, dieses Unternehmen fortzusetzen. Noch
<lb n="0410.09"/> &#x00E4;rger aber ward es, als sie nach dem Namen
<lb n="0410.10"/> dieses Fleckens fragte, und h&#x00F6;rte, da&#x00DF; er <hi rend="bold">Giuab</hi>
<lb n="0410.11"/> heisse. <hi rend="bold">Ach</hi>! schrie sie, <hi rend="bold">das ist eben der
<lb n="0410.12"/> Name, welchen mir der Prophet nenn=
<lb n="0410.13"/> te, als er mit mir eines Tages von einem
<lb n="0410.14"/> Orte sprach, wo eine von seinen Weibern
<lb n="0410.15"/> bey ihrer Ankunft von einer Menge bel=
<lb n="0410.16"/> lender Hunde umgeben werden w&#x00FC;rde.
<lb n="0410.17"/> Er sagte mir, er wisse nicht, welcher von
<lb n="0410.18"/> seinen Weibern dieses begegnen werde;
<lb n="0410.19"/> allein das wisse er, da&#x00DF; sie alsdann in ei=
<lb n="0410.20"/> ner offenbaren Gefahr seyn werde, und
<lb n="0410.21"/> sich nichts gutes von dem Unternehmen
<lb n="0410.22"/> zu versprechen habe, womit sie zu der
<lb n="0410.23"/> Zeit umgehe</hi>.</p>
<lb n="0410.24" rend="indent"/> <p>Es war nichts leichtes, ein solches Vorur=
<lb n="0410.25"/> theil in dem Gem&#x00FC;the einer Frau zu vertilgen,
<lb n="0410.26"/> welche von ihrer Kindheit an, in der Schw&#x00E4;r=
<lb n="0410.27"/> merey und in dem Aberglauben erzogen war:
<lb n="0410.28"/> gleichwohl aber erdachten die H&#x00E4;upter dieses
<lb n="0410.29"/> Heers, welche die Wichtigkeit eines solchen wi=
<lb n="0410.30"/> drigen Zufalls nur allzuwohl einsahen, ein
<pb n="0411.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-472"/>
<lb n="0411.01"/> Mittel, der Aiesha ihre Furcht zu benehmen.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0411.02"/> Sie schickten eine Menge Bauern ab, welche
<lb n="0411.03"/> um eine Belohnung sagen mu&#x00DF;ten, da&#x00DF; man
<lb n="0411.04"/> sich geirrt habe, und da&#x00DF; ihr Flecken nicht <hi rend="bold">Giu=
<lb n="0411.05"/> ab</hi> heisse, und auch niemals so geheissen habe;
<lb n="0411.06"/> sie nennten vielmehr einen andern Namen, wel=
<lb n="0411.07"/> cher, ohne Zweifel, von einer bessern Vorbe=
<lb n="0411.08"/> deutung war. Die H&#x00E4;upter kamen sogleich zu
<lb n="0411.09"/> der Aiesha zur&#x00FC;ck, und erzehlten ihr, was sie
<lb n="0411.10"/> geh&#x00F6;rt h&#x00E4;tten. Man lie&#x00DF; so gar die Zeugen vor
<lb n="0411.11"/> sie kommen, und diese versicherten mit einem
<lb n="0411.12"/> Eide alles, was man ihnen eingegeben hatte.
<lb n="0411.13"/> Gleichwohl ward es der Aiesha noch sehr schwer
<lb n="0411.14"/> sich zu entschliessen, und weil sie, ihrer ersten
<lb n="0411.15"/> Furcht zu Folge, beschlossen hatte, die Nacht
<lb n="0411.16"/> in diesem Flecken zuzubringen, um den Morgen
<lb n="0411.17"/> darauf wieder zur&#x00FC;ck zu kehren, so wollte sie
<lb n="0411.18"/> wenigstens da schlafen, wo sie war, und die
<lb n="0411.19"/> Nacht zur Bedenkzeit nehmen.</p>
<lb n="0411.20" rend="indent"/> <p>Doch einige von den H&#x00E4;uptern, welche ver=
<lb n="0411.21"/> dr&#x00FC;&#x00DF;lich wurden, da&#x00DF; ihr Marsch durch so l&#x00E4;=
<lb n="0411.22"/> cherliche Schwierigkeiten aufgehalten werden
<lb n="0411.23"/> sollte, erdachten ein Mittel, welches gar bald
<lb n="0411.24"/> alle Hindernisse aus dem Wege r&#x00E4;umte. Sie
<lb n="0411.25"/> redeten es mit einigen Reutern ab, welche sich
<lb n="0411.26"/> etwas von dem Flecken entfernen, und kurz dar=
<lb n="0411.27"/> auf mit verhangenem Z&#x00FC;gel zur&#x00FC;ck kommen,
<lb n="0411.28"/> und aus allen Kr&#x00E4;ften schreyen musten: <hi rend="bold">Auf!
<lb n="0411.29"/> Auf! Ali mit seinen Trupen ist da</hi>.</p>
<lb n="0411.30" rend="indent"/> <p>Diese List gelang. Bey einer so gegenw&#x00E4;r=
<pb n="0412.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-473"/>
<lb n="0412.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>tigen Gefahr verschwanden alle Prophezeyun=
<lb n="0412.02"/> gen; jederman eilte, sich davon zu machen,
<lb n="0412.03"/> und die abergl&#x00E4;ubische Aiesha sprang geschwind
<lb n="0412.04"/> auf ihr Kameel, und war gar bald die erste an
<lb n="0412.05"/> der Spitze des Zuges. Man marschirte hierauf
<lb n="0412.06"/> so geschwind, da&#x00DF; man in kurzer Zeit vor Ba=
<lb n="0412.07"/> srah anlangte.</p>
<lb n="0412.08"/> <note type="marginalie" place="links">Die Auf=<lb/>r&#x00FC;hrer zeigen<lb/>sich vor Ba=<lb/>srah.</note><p rend="indent">Man glaubte, da&#x00DF; dieser Platz wenig Wi=
<lb n="0412.09"/> derstand thun w&#x00FC;rde. Tellah, wie ich schon
<lb n="0412.10"/> gesagt habe, hatte ein Verst&#x00E4;ndni&#x00DF; und einen
<lb n="0412.11"/> Anhang darinne, welcher den Othman = ebn=
<lb n="0412.12"/> Hanif sehr schlecht empfangen hatte, als er die
<lb n="0412.13"/> von dem Ali ihm gegebene Statthalterschaft in
<lb n="0412.14"/> Besitz nehmen und den Statthalter des vorigen
<lb n="0412.15"/> Califen abl&#x00F6;sen wollte. Othman war also ge=
<lb n="0412.16"/> n&#x00F6;thiget worden wieder nach Medina zur&#x00FC;ckzu=
<lb n="0412.17"/> kehren; weil aber die Einwohner von Basrah
<lb n="0412.18"/> uneins unter einander waren, so wuste er sich
<lb n="0412.19"/> der H&#x00FC;lffe derjenigen, welche sich f&#x00FC;r den Ali
<lb n="0412.20"/> erkl&#x00E4;rten, so wohl zu bedienen, da&#x00DF; er endlich
<lb n="0412.21"/> in die Stadt zur&#x00FC;ck geruffen wurde. Er kehrte
<lb n="0412.22"/> also wieder nach Basrah, nahm von der Statt=
<lb n="0412.23"/> halterschaft Besitz, und that sein m&#x00F6;glichstes,
<lb n="0412.24"/> das Feuer der Zwietracht auszul&#x00F6;schen. Viel=
<lb n="0412.25"/> leicht h&#x00E4;tte er mit der Zeit seine Absicht erreicht,
<lb n="0412.26"/> allein die sch&#x00E4;dlichen Verhetzungen des Tellah
<lb n="0412.27"/> unterhielten best&#x00E4;ndig eine Parthey, welche sich
<lb n="0412.28"/> allen Vertr&#x00E4;gen widersetzte.</p>
<lb n="0412.29"/> <note type="marginalie" place="links">Die Ein=<lb/>wohner wer=<lb/>den geschla=<lb/>gen.</note><p rend="indent">Sobald Aiesha mit ihrer Armee erschien,
<lb n="0412.30"/> r&#x00FC;ckte der Statthalter an der Spitze seiner Tru=
<pb n="0413.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-474"/>
<lb n="0413.01"/> pen aus, um ihr die weitere Ann&#x00E4;herung zu<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0413.02"/> verwehren. Weil er aber weit schw&#x00E4;cher als
<lb n="0413.03"/> seine Feinde war, mu&#x00DF;te er bey dem ersten An=
<lb n="0413.04"/> falle unterliegen; die meisten von seinen Leuten
<lb n="0413.05"/> blieben auf der Stelle, und er selbst ward zum
<lb n="0413.06"/> Gefangnen gemacht. Man mi&#x00DF;handelte ihn
<lb n="0413.07"/> auf das allerschimpflichste. Die Araber haben
<lb n="0413.08"/> allezeit eine alte Hochachtung f&#x00FC;r den Bart ge=
<lb n="0413.09"/> habt, so da&#x00DF; es der &#x00E4;rgste Schimpf war, wenn
<lb n="0413.10"/> man denselben einem abschnitt; dieses nun tha=
<lb n="0413.11"/> ten die Anh&#x00E4;nger der Aiesha diesem ungl&#x00FC;cklichen
<lb n="0413.12"/> Statthalter, wozu sie noch eine Art von Mar=
<lb n="0413.13"/> ter f&#x00FC;gten, indem sie ihm denselben Haar vor
<lb n="0413.14"/> Haar ausrissen, welches sie auch mit den Au=
<lb n="0413.15"/> genbraunen thaten. Man behielt ihn noch eine
<lb n="0413.16"/> Zeitlang gefangen, worauf man ihm die Frey=
<lb n="0413.17"/> heit wieder gab, damit er allen denen zum Bey=
<lb n="0413.18"/> spiele dienen k&#x00F6;nne, welche etwa Widerstand
<lb n="0413.19"/> thun wollten.</p>
<lb n="0413.20" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrend der Zeit, als Othmann gefangen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Ammar</hi><lb/>versammlet<lb/>die Einwoh=<lb/>ner, um ih=<lb/>re Gesinnun=<lb/>gen zu erfor=<lb/>schen.</note>
<lb n="0413.21"/> war, nahm sein Unterbefehlshaber Ammar die
<lb n="0413.22"/> Vertheidigung des Platzes &#x00FC;ber sich, und mach=
<lb n="0413.23"/> te alle Anstalten, dem Feinde die Spitze zu bie=
<lb n="0413.24"/> ten. Weil ihm aber die Uneinigkeit, welche
<lb n="0413.25"/> unter den Einwohnern herrschte, nicht unbe=
<lb n="0413.26"/> kandt war, so wollte er zuvor ihre Gesinnun=
<lb n="0413.27"/> gen gegen ihre eigne Landsleute, die sie mit
<lb n="0413.28"/> den Waffen in der Hand anzufallen kamen, er=
<lb n="0413.29"/> forschen.</p>
<lb n="0413.30" rend="indent"/> <p>Er versammlete also die Einwohner in der
<pb n="0414.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-475"/>
<lb n="0414.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>Moschee, um mit ihnen zu Rathe zu gehen,
<lb n="0414.02"/> was sie bey diesen Umst&#x00E4;nden f&#x00FC;r das thulichste
<lb n="0414.03"/> hielten. Einer von ihnen stand auf, und fing
<lb n="0414.04"/> also an zu reden: <hi rend="bold">Wann diese Leute, wel=
<lb n="0414.05"/> che uns zu beunruhigen kommen, den Tod
<lb n="0414.06"/> des Othmans r&#x00E4;chen wollen, warum
<lb n="0414.07"/> wenden sie sich deswegen an uns? Haben
<lb n="0414.08"/> wir einigen Antheil daran gehabt?
<lb n="0414.09"/> Glaubt mir, Muselm&#x00E4;nner, schicket diese
<lb n="0414.10"/> Leute zur&#x00FC;ck; sie haben andre Absichten,
<lb n="0414.11"/> als die, welche sie vorgeben</hi>.</p>
<lb n="0414.12" rend="indent"/> <p>Dieser Redner w&#x00FC;rde sich ohne Zweifel &#x00FC;ber
<lb n="0414.13"/> die Absichten, welche Aiesha und ihre Bunds=
<lb n="0414.14"/> genossen haben k&#x00F6;nnten, weiter ausgelassen ha=
<lb n="0414.15"/> ben; allein die Versammlung lie&#x00DF; ihm keine Zeit
<lb n="0414.16"/> dazu. Es entstand ein so unruhiges Gemur=
<lb n="0414.17"/> re, da&#x00DF; es unm&#x00FC;glich war, einen Schlu&#x00DF; zu
<lb n="0414.18"/> fassen. Alles, was man schliessen konnte, war
<lb n="0414.19"/> dieses, da&#x00DF; die Einwohner selbst untereinander
<lb n="0414.20"/> uneins w&#x00E4;ren.</p>
<lb n="0414.21"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Sie</hi> schi=<lb/>cken <hi rend="spaced">Abge=<lb/>ordnete</hi> an<lb/>die Aiesha.</note><p rend="indent">Unterdessen als Aiesha und ihr Gefolge der
<lb n="0414.22"/> Stadt n&#x00E4;her ger&#x00FC;ckt waren, kamen einige noch
<lb n="0414.23"/> von den Ruhigsten zu ihr, um sich nach den Ur=
<lb n="0414.24"/> sachen zu erkundigen, warum sie solche Unruhen
<lb n="0414.25"/> unter ihrem eignem Volke angerichtet habe.
<lb n="0414.26"/> Sie wollte gegen sie reden, und redete auch in
<lb n="0414.27"/> der That eine Zeit lang; allein es sey nun, da&#x00DF;
<lb n="0414.28"/> sie sich nicht deutlich genug ausdr&#x00FC;ckte, oder
<lb n="0414.29"/> da&#x00DF; man bey den Verwirrungen, worinnen sich
<lb n="0414.30"/> die Gem&#x00FC;ther befanden, nicht geneigt war, sie
<pb n="0415.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-476"/>
<lb n="0415.01"/> ordentlich anzuh&#x00F6;ren; genug, die Meinungen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0415.02"/> &#x00FC;ber ihre gehaltene Rede waren getheilt. Eini=
<lb n="0415.03"/> ge behaupteten, sie habe Recht; andre, sie ha=
<lb n="0415.04"/> be Unrecht; und endlich ward man gar handge=
<lb n="0415.05"/> mein. Unterdessen war es doch eben kein ge=
<lb n="0415.06"/> f&#x00E4;hrliches Treffen: Die Einwohner liessen es
<lb n="0415.07"/> damit gut seyn, da&#x00DF; sie einander Sand und
<lb n="0415.08"/> Steine in die Gesichter warffen.</p>
<lb n="0415.09" rend="indent"/> <p>Als dieser Zank ein wenig wieder beygelegt
<lb n="0415.10"/> war, nahte sich einer von ihnen der Aiesha,
<lb n="0415.11"/> und redete mit ihr auf eine sehr vern&#x00FC;nftige
<lb n="0415.12"/> Art von dem unternommenen Handel. <hi rend="bold">Mut=
<lb n="0415.13"/> ter der Gl&#x00E4;ubigen</hi>, sagte er, <hi rend="bold">hat dir es
<lb n="0415.14"/> der Himmel aufgetragen, den Tod des
<lb n="0415.15"/> Othmans zu r&#x00E4;chen? Warum verl&#x00E4;s=
<lb n="0415.16"/> sest du dein Haus, und k&#x00F6;<expan>mm</expan>st mit einer
<lb n="0415.17"/> Armee zu uns? Du warest von GOtt
<lb n="0415.18"/> besch&#x00FC;tzet und von allen Gl&#x00E4;ubigen hoch=
<lb n="0415.19"/> gesch&#x00E4;tzet; jezo verlierst du diese zwey
<lb n="0415.20"/> Vorz&#x00FC;ge. Warum nimmst du dich ei=
<lb n="0415.21"/> nes Zankes an, welcher so viel Unheil
<lb n="0415.22"/> anrichtet, und den Muselm&#x00E4;nnern Blut
<lb n="0415.23"/> kosten wird? Wann du dieses Unterneh=
<lb n="0415.24"/> men angesponnen hast, so la&#x00DF; es fahren,
<lb n="0415.25"/> und kehre wieder zur&#x00FC;ck, dein Beyspiel
<lb n="0415.26"/> wird einen jeden zum Frieden geneigt
<lb n="0415.27"/> machen. Hat man dich aber dazu ge=
<lb n="0415.28"/> zwungen, so soll dich unser und aller
<lb n="0415.29"/> frommer Muselm&#x00E4;nner Beystand sicher
<lb n="0415.30"/> wieder heim bringen</hi>.</p>
<pb n="0416.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-477"/>
<lb n="0416.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><p rend="indent">Ein andrer Einwohner wollte der Aiesha
<lb n="0416.02"/> gleichfalls Vorw&#x00FC;rffe machen, weil sie sich,
<lb n="0416.03"/> wieder die Schamhaftigkeit ihres Geschlechts,
<lb n="0416.04"/> unterstanden habe, sich an die Spitze einer Ar=
<lb n="0416.05"/> mee zu stellen; er fragte daher den Tellah und
<lb n="0416.06"/> Zobeir ganz laut, ob die H&#x00E4;upter und Solda=
<lb n="0416.07"/> ten gleichfalls ihre Weiber mit in diesen Feld=
<lb n="0416.08"/> zug genommen h&#x00E4;tten.</p>
<lb n="0416.09" rend="indent"/> <p>Das ganze Gefolge der Aiesha merkte nur
<lb n="0416.10"/> allzuwohl, was dieser Vorwurf sagen wolle,
<lb n="0416.11"/> und weil man schon &#x00FC;ber die erste Rede ver=
<lb n="0416.12"/> dr&#x00FC;&#x00DF;lich war, und weder auf die eine noch auf
<lb n="0416.13"/> die andre eine gute Antwort zu geben wu&#x00DF;te,
<lb n="0416.14"/> so kam man zu Scheltworten, und von den
<lb n="0416.15"/> Scheltworten zum Sebel. Das Handgemen=
<lb n="0416.16"/> ge war blutig und es blieben auf beyden Sei=
<lb n="0416.17"/> ten nicht wenige auf dem Platze. Des Mor=
<lb n="0416.18"/> gens darauf fing man mit eben so vieler Wuth
<lb n="0416.19"/> wieder an. Auch bey diesem zweyten Kampfe
<lb n="0416.20"/> kamen verschiedne von den Streitern um, den
<lb n="0416.21"/> gr&#x00F6;&#x00DF;ten Verlust aber litten die Anh&#x00E4;nger der
<lb n="0416.22"/> Aiesha.</p>
<lb n="0416.23" rend="indent"/> <p>Man kan mit Grunde sagen, da&#x00DF; bis jetzt
<lb n="0416.24"/> beyde Theile sich geschlagen h&#x00E4;tten, ohne eigent=
<lb n="0416.25"/> lich zu wissen, warum. Endlich verlangten
<lb n="0416.26"/> diejenigen Einwohner von Basrah, welche
<lb n="0416.27"/> wahrscheinlicher Weise noch das meiste kalte
<lb n="0416.28"/> Blut behalten hatten, einen Waffenstillestand
<lb n="0416.29"/> bis zur R&#x00FC;ckkunft der Abgeordneten, welche
<lb n="0416.30"/> sie nach Medina schicken wollten, um von den
<pb n="0417.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-478"/>
<lb n="0417.01"/> gegenw&#x00E4;rtigen Uneinigkeiten Nachricht einzu=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0417.02"/> ziehen.</p>
<lb n="0417.03" rend="indent"/> <p>Die Anh&#x00E4;nger der Aiesha nahmen den<note type="marginalie" place="rechts">Die Auf=<lb/>r&#x00FC;hrer versu=<lb/>chen verge=<lb/>bens, <hi rend="spaced">den</hi><lb/>Statthalter<lb/>von Basrah<lb/>zu <hi rend="spaced">&#x00FC;berra=<lb/>schen.</hi></note>
<lb n="0417.04"/> Vorschlag der Einwohner an; allein der Geist
<lb n="0417.05"/> des Aufruhrs, welcher sie belebte, lie&#x00DF; sie nicht
<lb n="0417.06"/> lange ruhig. Sie machten den Anschlag, Ba=
<lb n="0417.07"/> srah zu &#x00FC;berraschen, und wollten sich daher,
<lb n="0417.08"/> um sicher zu gehen, zuerst des Befehlshabers
<lb n="0417.09"/> bem&#x00E4;chtigen. Dieses war eben der Othman=
<lb n="0417.10"/> ebn = Hanif, welchen sie so mi&#x00DF;gehandelt hat=
<lb n="0417.11"/> ten, als er bey dem ersten Kampfe vor Basrah
<lb n="0417.12"/> war gefangen genommen worden. Sie hatten
<lb n="0417.13"/> ihn bald darauf wieder frey gelassen, und er
<lb n="0417.14"/> hatte sich wieder in seinen Platz gezogen, wel=
<lb n="0417.15"/> chen er auf das beste zu vertheidigen bedacht
<lb n="0417.16"/> war.</p>
<lb n="0417.17" rend="indent"/> <p>Sie schickten also zu ihm, und liessen ihn in
<lb n="0417.18"/> das Lager einladen, um sich mit der Aiesha zu
<lb n="0417.19"/> besprechen. Man kan sich leicht einbilden, da&#x00DF;
<lb n="0417.20"/> er, nach den erlittenen Beschimpfungen, we=
<lb n="0417.21"/> nig Lust haben konnte, dieser Einladung zu fol=
<lb n="0417.22"/> gen, welche er als eine neue Verr&#x00E4;therey seiner
<lb n="0417.23"/> Feinde ansahe. Unterdessen lie&#x00DF; er in der Ant=
<lb n="0417.24"/> wort, welche er gab, doch keinen Argwohn sp&#x00FC;=
<lb n="0417.25"/> ren, so da&#x00DF; er die Unterredung, um welche man
<lb n="0417.26"/> ihn ersuchte, zwar ausschlug, zur Entschuldi=
<lb n="0417.27"/> gung aber die Abrede, die man genommen ha=
<lb n="0417.28"/> be, vorwandte, auf beyden Theilen nichts eher
<lb n="0417.29"/> wieder vorzunehmen, bis die Abgeordneten zu=
<lb n="0417.30"/> r&#x00FC;ck gekommen w&#x00E4;ren.</p>
<pb n="0418.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-479"/>
<lb n="0418.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><p rend="indent">Tellah und Zobeir, welche unter dem Vor=
<lb n="0418.02"/> wande einer Unterredung, sich des Statthalters
<lb n="0418.03"/> bem&#x00E4;chtigen wollten, waren sehr verdr&#x00FC;&#x00DF;lich,
<lb n="0418.04"/> da&#x00DF; ihre List nicht besser ausschlagen wollte.
<lb n="0418.05"/> Sie beschlossen daher, sich an der Stadt selbst
<lb n="0418.06"/> de&#x00DF;wegen schadlos zu halten, und einen so wich=
<lb n="0418.07"/> tigen Posten, welcher ihrer Parthey zum Waf=
<lb n="0418.08"/> fenplatze dienen k&#x00F6;nnte, zu &#x00FC;berraschen.</p>
<lb n="0418.09"/> <note type="marginalie" place="links">Die Auf=<lb/>r&#x00FC;hrer <hi rend="spaced">be=<lb/>m&#x00E4;chtigen<lb/>sich der</hi><lb/>Stadt Ba=<lb/>srah.</note><p rend="indent">Eine sehr st&#x00FC;rmische Nacht gab ihnen die
<lb n="0418.10"/> erw&#x00FC;nschte Gelegenheit dazu an die Hand; sie
<lb n="0418.11"/> &#x00FC;berrumpelten den Platz, und setzten sich in der
<lb n="0418.12"/> Moschee feste. Der Befehlshaber wandte sei=
<lb n="0418.13"/> ne &#x00E4;ussersten Kr&#x00E4;fte an, sie wieder hinaus zu
<lb n="0418.14"/> jagen; da er aber nicht von genugsamen Tru=
<lb n="0418.15"/> pen unterst&#x00FC;tzt wurde, so ward er gen&#x00F6;thiget,
<lb n="0418.16"/> sich zur&#x00FC;ck zu ziehen. Die Anh&#x00E4;nger der Aies=
<lb n="0418.17"/> ha wurden durch dieses erste Gl&#x00FC;ck muthig, und
<lb n="0418.18"/> verfolgten ihn mit ausnehmender Heftigkeit.
<lb n="0418.19"/> Der Befehlshaber, welcher nur eine Handvoll
<lb n="0418.20"/> Volks um sich hatte, vertheidigte sich lange Zeit
<lb n="0418.21"/> sehr tapfer; endlich aber ward er von dem Fein=
<lb n="0418.22"/> de gefangen genommen, nachdem vierzig von
<lb n="0418.23"/> seinen Leuten auf der Stelle geblieben waren.</p>
<lb n="0418.24" rend="indent"/> <p>Man sendete ihn so gleich zu der Aiesha,
<lb n="0418.25"/> welche sein Schicksal entscheiden sollte. Sie
<lb n="0418.26"/> befahl den Augenblick, da&#x00DF; man ihm das Leben
<lb n="0418.27"/> nehmen solle; doch zum Gl&#x00FC;cke f&#x00FC;r den Be=
<lb n="0418.28"/> fehlshaber waren einige Personen zugegen, wel=
<lb n="0418.29"/> chen seine Umst&#x00E4;nde nahe giengen. Sie baten
<lb n="0418.30"/> f&#x00FC;r ihn um Gnade, und wendeten so gar den
<pb n="0419.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-480"/>
<lb n="0419.01"/> Namen des Propheten dazu an, bis Aiesha<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0419.02"/> endlich die Todesstrafe in vierzig Stockschl&#x00E4;ge
<lb n="0419.03"/> auf die Fu&#x00DF;sohlen verwandelte.</p>
<lb n="0419.04" rend="indent"/> <p>Hierauf hielt Aiesha mit den zwey vornehm=
<lb n="0419.05"/> sten R&#x00E4;delsf&#x00FC;hrern, dem Tellah und Zobeir,
<lb n="0419.06"/> den Einzug in ihre neue Eroberung. Nach=
<lb n="0419.07"/> dem sie von dem Platze Besitz genommen hat=
<lb n="0419.08"/> ten, so gaben sie sich M&#x00FC;he die Gem&#x00FC;ther zu
<lb n="0419.09"/> gewinnen, und sich die Gunst der Einwohner
<lb n="0419.10"/> zu verschaffen, um sie dahin zu verm&#x00F6;gen, da&#x00DF;
<lb n="0419.11"/> sie sich insgesamt wider den Ali erkl&#x00E4;rten, dessen
<lb n="0419.12"/> Untergang sie beschlossen hatten.</p>
<lb n="0419.13" rend="indent"/> <p>Der Calif war gleichfals seiner Seits be=<note type="marginalie" place="rechts">Aliermahnt<lb/>die Einwoh=<lb/>ner von Me=<lb/>dina, <hi rend="spaced">seine</hi><lb/>Vertheidi=<lb/>gung zu &#x00FC;=<lb/>bernehmen.</note>
<lb n="0419.14"/> m&#x00FC;ht, sich die Einwohner von Medina immer
<lb n="0419.15"/> mehr und mehr zu verbinden. Auf sie hatte
<lb n="0419.16"/> er sich auch am meisten zu verlassen. Seine
<lb n="0419.17"/> Erw&#x00E4;hlung war ihr Werk; es kam also auch ih=
<lb n="0419.18"/> nen zu, sie zu unterst&#x00FC;tzen. Ali hielt ihnen die=
<lb n="0419.19"/> sertwegen in der Moschee, bey allgemeiner Ver=
<lb n="0419.20"/> sammlung, eine sehr nachdr&#x00FC;ckliche Rede. Er
<lb n="0419.21"/> redete sehr heftig wider die k&#x00FC;hnen Unterneh=
<lb n="0419.22"/> mungen der Rebellen, welche seine Gewalt nicht
<lb n="0419.23"/> erkennen wollten, und sich dadurch offenbar das
<lb n="0419.24"/> Recht anma&#x00DF;ten, die Krone nach ihrem Gefal=
<lb n="0419.25"/> len auszutheilen. Er ermahnte sie, eine solche
<lb n="0419.26"/> Beschimpfung nicht zu dulden, und versicherte
<lb n="0419.27"/> sie, da&#x00DF; sich der Himmel ihrer Sache anneh=
<lb n="0419.28"/> men w&#x00FC;rde, wann sie die Waffen zu seiner Ver=
<lb n="0419.29"/> theidigung ergreiffen wollten.</p>
<lb n="0419.30" rend="indent"/> <p>Die Rede des Califen hatte die Wirkung
<pb n="0420.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-481"/>
<lb n="0420.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>nicht, die man sich von ihr h&#x00E4;tte versprechen
<lb n="0420.02"/> k&#x00F6;nnen. Da er der Zuneigung des Volks ge=
<lb n="0420.03"/> wi&#x00DF; war, so konnte er auch gewi&#x00DF; glauben, da&#x00DF;
<lb n="0420.04"/> man nicht einen Augenblick anstehen w&#x00FC;rde,
<lb n="0420.05"/> sich f&#x00FC;r ihn zu erkl&#x00E4;ren; gleichwohl aber hielten
<lb n="0420.06"/> die Einwohner von Medina g&#x00E4;nzlich damit zu=
<lb n="0420.07"/> r&#x00FC;ck. Die Furcht vor einem b&#x00FC;rgerlichen Krie=
<lb n="0420.08"/> ge schien sie in ein finsteres Stillschweigen zu
<lb n="0420.09"/> st&#x00FC;rzen, welches in der That f&#x00FC;r den Califen
<lb n="0420.10"/> ein sehr betr&#x00FC;bter Umstand war, indem es bey
<lb n="0420.11"/> dem Anfange dieser Unruhen unumg&#x00E4;nglich
<lb n="0420.12"/> nothwendig war, ein wenig hitzig zu seyn, um
<lb n="0420.13"/> dem Fortgange derselben vorzubauen.</p>
<lb n="0420.14" rend="indent"/> <p>Ziad = ebn = Hontelah, ein Mann, welcher
<lb n="0420.15"/> wegen seines Ranges und seiner Tapferkeit in
<lb n="0420.16"/> grossem Ansehen stand, ward von der Kaltsin=
<lb n="0420.17"/> nigkeit der Einwohner von Medina so empfind=
<lb n="0420.18"/> lich ger&#x00FC;hrt, da&#x00DF; er hitzig aufstand, und sich
<lb n="0420.19"/> dem Califen mit den Worten n&#x00E4;herte: <hi rend="bold">Wehe
<lb n="0420.20"/> dem, welcher sich weigert die gerechte
<lb n="0420.21"/> Sache mit Tapferkeit zu vertheidigen!
<lb n="0420.22"/> Jch wenigstens verspreche dir, da&#x00DF; du
<lb n="0420.23"/> mich allezeit voller Eyfer dir zu dienen
<lb n="0420.24"/> finden sollst</hi>.</p>
<lb n="0420.25" rend="indent"/> <p>Das Verfahren dieses Muselmanns mach=
<lb n="0420.26"/> te bey allen Gem&#x00FC;thern sehr viel Eindruck.
<lb n="0420.27"/> Ein jeder warf sich es heimlich vor, da&#x00DF; er nicht
<lb n="0420.28"/> eben so viel Muth als Ziad habe. Nach und
<lb n="0420.29"/> nach erhob sich in der Versammlung ein Ge=
<lb n="0420.30"/> murre, zum Vortheile des Califs; man such=
<pb n="0421.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-482"/>
<lb n="0421.01"/> te sich selbst aufzumuntern, seine Vertheidigung<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Ali</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0421.02"/> zu &#x00FC;bernehmen; doch die meisten wurden durch
<lb n="0421.03"/> das Ger&#x00FC;chte zur&#x00FC;ckgehalten, welches Aiesha
<lb n="0421.04"/> und ihre Anh&#x00E4;nger von dem Tode des letztern
<lb n="0421.05"/> Califen ausgebreitet hatten. Sie beschuldig=
<lb n="0421.06"/> ten den Ali, da&#x00DF; er an dieser Ermordung Theil
<lb n="0421.07"/> habe, und diese h&#x00E4;&#x00DF;liche Beschuldigung machte
<lb n="0421.08"/> ihm die Gem&#x00FC;ther abwendig. Zwar waren
<lb n="0421.09"/> die meisten weit davon entfernt, den Califen
<lb n="0421.10"/> f&#x00FC;r schuldig zu halten; gleichwohl aber ward
<lb n="0421.11"/> es ihnen schwer, sich f&#x00FC;r einen Mann zu er=
<lb n="0421.12"/> kl&#x00E4;ren, den man dieses Verbrechens wegen in
<lb n="0421.13"/> Verdacht hatte.</p>
<lb n="0421.14" rend="indent"/> <p>Diese Verwirrung ward bald gehoben.
<lb n="0421.15"/> Zwey Mediner, welche als M&#x00E4;nner von unta=
<lb n="0421.16"/> delhaften Sitten, und als Lehrer des muselm&#x00E4;n=
<lb n="0421.17"/> nischen Gesetzes in grosser Hochachtung standen,
<lb n="0421.18"/> standen mitten in der Versammlung auf, und
<lb n="0421.19"/> erkl&#x00E4;rten vor allem Volke, da&#x00DF; der Calif wegen
<lb n="0421.20"/> der Ermordung mit Unrecht in Verdacht gezo=
<lb n="0421.21"/> gen w&#x00FC;rde. <hi rend="bold">Der Herr der zwey Zeugnis=
<lb n="0421.22"/> se</hi> (<ref rend="footnote" n="421*"><hi rend="super">*</hi></ref>), sagten sie, <hi rend="bold">hat an dem Tode des
<lb n="0421.23"/> Jmans (<ref rend="footnote" n="421**"><hi rend="super">**</hi></ref>) Othman keine Schuld ge=
<lb n="0421.24"/> habt</hi>.</p>
<lb n="0421.25"/> <note type="footnote" n="421*"><p>(<hi rend="super">*</hi>) Der Herr der zwey Zeugnisse bedeutet den
<lb n="0421.26" rend="indent"/> Califen, als das Haupt der muselm&#x00E4;nnischen
<lb n="0421.27" rend="indent"/> Religion, welche in diesen zwey Hauptarti=
<lb n="0421.28" rend="indent"/> ckeln bestehet: <hi rend="bold">Es ist kein andrer Gott,
<lb n="0421.29" rend="indent"/> als Gott, und Mahomet ist sein Pro=
<lb n="0421.30" rend="indent"/> phet</hi>.</p></note>
<lb n="0421.31"/> <note type="footnote" n="421**"><p>(<hi rend="super">**</hi>) <hi rend="bold">Jman</hi> hei&#x00DF;t im arabischen ein <hi rend="bold">Vorsteher</hi>,
<lb n="0422.26" rend="indent"/> ein <hi rend="bold">Priester</hi>. Er ist unter den Mahometa=
<lb n="0422.27" rend="indent"/> nern das, was ein Bischof unter den Chri=
<lb n="0422.28" rend="indent"/> sten ist. Man gab auch den Califen diesen
<lb n="0422.29" rend="indent"/> Namen, weil sie Herren aller geistlichen und
<lb n="0422.30" rend="indent"/> weltlichen Sachen waren.</p></note>
<pb n="0422.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-483"/>
<lb n="0422.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><p rend="indent">Diese Entscheidung schlug allen Verdacht
<lb n="0422.02"/> nieder. Abu = Kotadad, ein vornehmer Medi=
<lb n="0422.03"/> ner, zog sogleich sein Schwerd, zeigte es dem
<lb n="0422.04"/> Volke, und rufte: <hi rend="bold">Dieses Schwerd habe
<lb n="0422.05"/> ich von der Hand des Apostels: es ist
<lb n="0422.06"/> Zeit, da&#x00DF; ich mich desselben wider dieje=
<lb n="0422.07"/> nigen bediene, welche unter den treuen
<lb n="0422.08"/> Unterthanen Trennungen stisten, sie
<lb n="0422.09"/> verf&#x00FC;hren, und sie n&#x00F6;thigen, sich unter
<lb n="0422.10"/> einander zu ermorden</hi>.</p>
<lb n="0422.11" rend="indent"/> <p>Hierauf war weiter keine Uneinigkeit zwi=
<lb n="0422.12"/> schen den Einwohnern von Medina, und ein
<lb n="0422.13"/> jeder erbot sich, zur Vertheidigung des Califen
<lb n="0422.14"/> auszuziehen. Ali ward &#x00FC;ber diese gl&#x00FC;ckliche
<lb n="0422.15"/> Bereitwilligkeit des Volks entz&#x00FC;ckt, und wollte
<lb n="0422.16"/> sich dieselbe sogleich zu Nutze machen, um der
<lb n="0422.17"/> Stadt Basrah zu H&#x00FC;lffe zu eilen, damit sich
<lb n="0422.18"/> die Aufr&#x00FC;hrer nicht derselben bem&#x00E4;chtigen m&#x00F6;ch=
<lb n="0422.19"/> ten. Er brach also auf, und hatte nicht mehr
<lb n="0422.20"/> als etwa neunhundert Mann bey sich: weil er
<lb n="0422.21"/> aber unter Wegens h&#x00F6;rte, da&#x00DF; seine Feinde die
<lb n="0422.22"/> Stadt schon eingenommen h&#x00E4;tten, so hielt er
<lb n="0422.23"/> zu Arrabdah stille, und schrieb von da aus an
<lb n="0422.24"/> verschiedne Orte um H&#x00FC;lffe.</p>
<lb n="0422.25"/> <note type="marginalie" place="links">Der Statt=<lb/>halter <hi rend="spaced">von</hi></note><p rend="indent">Zugleich lie&#x00DF; er den Mahomet, den Sohn
<pb n="0423.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-484"/>
<lb n="0423.01"/> des Abubekers, und den Mahomet, den Sohn<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0423.02"/> des Giaffars, sich aufmachen, und trug ihnen
<lb n="0423.03"/> auf, die Einwohner von Cuffah zu einer Ver=
<lb n="0423.04"/> st&#x00E4;rkung seiner Trupen zu bewegen; allein ih=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Cuffah</hi><lb/>schl&#x00E4;gt dem<lb/>Ali H&#x00FC;lffs=<lb/>v&#x00F6;lker ab.</note>
<lb n="0423.05"/> re aufgetragne Verrichtung hatte keinen Fort=
<lb n="0423.06"/> gang. Der Statthalter, welcher zu Anfange
<lb n="0423.07"/> der Zwistigkeit an den Ali geschrieben hatte,
<lb n="0423.08"/> da&#x00DF; die Cuffahner ihm sehr geneigt zu seyn schie=
<lb n="0423.09"/> nen, war auf einmal kaltsinnig geworden, nach=
<lb n="0423.10"/> dem er geh&#x00F6;rt, da&#x00DF; die Aufr&#x00FC;hrer Basrah ein=
<lb n="0423.11"/> genommen h&#x00E4;tten. Er empfing die Abgesand=
<lb n="0423.12"/> ten des Ali ganz nachl&#x00E4;&#x00DF;ig, und so stark sie ihm
<lb n="0423.13"/> auch anlagen, so war es doch nicht m&#x00F6;glich,
<lb n="0423.14"/> ihn wieder auf die Seite des Califen zu brin=
<lb n="0423.15"/> gen. Da die Abgesandten durch G&#x00FC;te nichts
<lb n="0423.16"/> gewinnen konnten, so suchten sie ihn durch die
<lb n="0423.17"/> heftigsten Vorw&#x00FC;rffe seiner Undankbarkeit und
<lb n="0423.18"/> Ungerechtigkeit zu ersch&#x00FC;ttern; allein dieses dien=
<lb n="0423.19"/> te zu nichts weiter, als da&#x00DF; er seine schlechte
<lb n="0423.20"/> Gesinnung gegen den Califen nur mehr an
<lb n="0423.21"/> Tag legte. <hi rend="bold">Jch versichere mit einem Ei=
<lb n="0423.22"/> de</hi>, sagte er, indem er sie von sich lie&#x00DF;, <hi rend="bold">da&#x00DF;
<lb n="0423.23"/> weder ich, noch die Einwohner dieser
<lb n="0423.24"/> Stadt sich in diese Streitigkeit mischen
<lb n="0423.25"/> werden, sondern da&#x00DF; sie sich alle f&#x00FC;r
<lb n="0423.26"/> verbunden erachten, den Tod des Oth=
<lb n="0423.27"/> mans zu r&#x00E4;chen</hi>. Eine andre Antwort er=
<lb n="0423.28"/> hielten die Abgesandten nicht, und kehrten vol=
<lb n="0423.29"/> ler Zorn und Unwillen zur&#x00FC;ck.</p>
<lb n="0423.30" rend="indent"/> <p>Sie gingen in das Lager bey Arrabdah,
<lb n="0423.31"/> und glaubten den Califen noch daselbst zu fin=
<pb n="0424.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-485"/>
<lb n="0424.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>den; allein er war aufgebrochen und hatte sich
<lb n="0424.02"/> mit der Verst&#x00E4;rkung, die ihm der Stamm Thai
<lb n="0424.03"/> unter Anf&#x00FC;hrung des Said = ebn = Obeid schick=
<lb n="0424.04"/> te, der Stadt Basrah gen&#x00E4;hert. Kurz darauf
<lb n="0424.05"/> bekam er unter Wegens noch eine Verst&#x00E4;rkung
<lb n="0424.06"/> von dem Stamme Assed; welches seine kleine
<lb n="0424.07"/> Armee nach und nach so vermehrte, da&#x00DF; er we=
<lb n="0424.08"/> gen des guten Fortgangs starke Hoffnung ha=
<lb n="0424.09"/> ben konnte.</p>
<lb n="0424.10" rend="indent"/> <p>Die Abgesandten, welche von Cuffah zur&#x00FC;ck
<lb n="0424.11"/> kamen, stiessen endlich zu Dulkar wieder zu ihm,
<lb n="0424.12"/> wo sie eben zu der Zeit anlangten, als der
<lb n="0424.13"/> Statthalter von Basrah den Califen zu begr&#x00FC;s=
<lb n="0424.14"/> sen kam. Nachdem er in dem Gef&#x00E4;ngnisse, in
<lb n="0424.15"/> welchem man ihn einige Zeit verschlossen gehal=
<lb n="0424.16"/> ten, viel ausgestanden hatte, war er endlich
<lb n="0424.17"/> wieder auf freyen Fu&#x00DF; gesetzt worden, und zu
<lb n="0424.18"/> dem Ali gekommen, ihm von allen, was zu Ba=
<lb n="0424.19"/> srah vorgegangen, Nachricht zu geben. Der
<lb n="0424.20"/> Calif, welcher an seinem Gesichte die Merkmah=
<lb n="0424.21"/> le der grausamen Beschimpfung, welche ihm die
<lb n="0424.22"/> Anh&#x00E4;nger der Aiesha angethan hatten, sahe,
<lb n="0424.23"/> beklagte sein Ungl&#x00FC;ck, und lobte &#x00F6;ffentlich seine
<lb n="0424.24"/> Treue und Standhaftigkeit.</p>
<lb n="0424.25" rend="indent"/> <p>Hierauf vernahm er den Bericht, welchen
<lb n="0424.26"/> ihm die Abgesandten, die er nach Cuffah ge=
<lb n="0424.27"/> schickt hatte, abstatteten. Das, was sie ihm
<lb n="0424.28"/> von den Gesinnungen des Statthalters melde=
<lb n="0424.29"/> ten, machte einen empfindlichen Eindruck bey
<lb n="0424.30"/> ihm; gleichwohl aber lie&#x00DF; er sich durch eine so
<pb n="0425.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-486"/>
<lb n="0425.01"/> grobe abschl&#x00E4;gliche Antwort nicht abschrecken,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0425.02"/> sondern schickte andere Gesandten ab, welche a=
<lb n="0425.03"/> ber eben so wenig ausrichteten. Endlich be=
<lb n="0425.04"/> schlo&#x00DF; er noch einen Versuch zu wagen, und
<lb n="0425.05"/> trug seinem &#x00E4;ltesten Sohne, dem Hassan, auf,
<lb n="0425.06"/> sich mit dem Ammar = ebn = Yasser, welchen er
<lb n="0425.07"/> ihm zum Geh&#x00FC;lffen mit gab, nach Cuffah zu be=
<lb n="0425.08"/> geben, mit Befehl, alles m&#x00F6;gliche anzuwenden,
<lb n="0425.09"/> den Statthalter und die Einwohner dieses Pla=
<lb n="0425.10"/> tzes auf seine Seite zu bringen.</p>
<lb n="0425.11" rend="indent"/> <p>Hassan ward zu Cuffah mit vieler Achtung<note type="marginalie" place="rechts">Bem&#x00FC;hung<lb/>des Hassans,<lb/>bey den Cuf=<lb/>fahnern<lb/>H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker<lb/>auszuwirken.</note>
<lb n="0425.12"/> empfangen; allein bey dem Statthalter konnte
<lb n="0425.13"/> er de&#x00DF;wegen nichts mehr ausrichten; dieser
<lb n="0425.14"/> f&#x00FC;hrte mit ihm eben die Sprache, die er mit
<lb n="0425.15"/> den vorigen Abgesandten gef&#x00FC;hret hatte. Un=
<lb n="0425.16"/> terdessen bekamen die Sachen doch gar bald ein
<lb n="0425.17"/> ander Ansehen, und zwar bey Gelegenheit ei=
<lb n="0425.18"/> ner Versammlung, in welcher man zwey Brie=
<lb n="0425.19"/> fe abla&#x00DF;, welche Aiesha, die gegenw&#x00E4;rtigen An=
<lb n="0425.20"/> gelegenheiten betreffend, geschrieben hatte. Zeid=
<lb n="0425.21"/> ebn = Saukan, welcher sie in H&#x00E4;nden hatte,
<lb n="0425.22"/> kam in die Versa<expan>mm</expan>lung, und sagte zu den Cuf=
<lb n="0425.23"/> fahnern: <hi rend="bold">Hier ist ein Brief von der Aies=
<lb n="0425.24"/> ha, welche mir befiehlt, mich in Cuffah
<lb n="0425.25"/> ruhig zu halten, oder, wenn ich an die=
<lb n="0425.26"/> sen Uneinigkeiten Theil nehmen wollte,
<lb n="0425.27"/> auf keine andre Seite, als auf die ihre
<lb n="0425.28"/> zu treten, und ihr zu H&#x00FC;lffe zu kommen.
<lb n="0425.29"/> Hier ist noch einer, f&#x00FC;gte er hinzu, wel=
<lb n="0425.30"/> cher an die Versammlung der Cuffahner</hi>
<pb n="0426.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-487"/>
<lb n="0426.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><hi rend="bold">gerichtet ist, und welcher eben dieselben
<lb n="0426.02"/> Befehle in sich h&#x00E4;lt</hi>.</p>
<lb n="0426.03" rend="indent"/> <p>Man la&#x00DF; diese zwey Briefe ab, worauf
<lb n="0426.04"/> Zeid das Wort nahm, und zu dem Volke sag=
<lb n="0426.05"/> te: <hi rend="bold">Der Aiesha war befohlen, ruhig in
<lb n="0426.06"/> ihrem Hause zu bleiben, uns aber war
<lb n="0426.07"/> befohlen, zu streiten, bis kein Aufruhr
<lb n="0426.08"/> mehr seyn w&#x00FC;rde. Nun aber befiehlt
<lb n="0426.09"/> uns diese Mutter der Gl&#x00E4;ubigen das,
<lb n="0426.10"/> was sie thun sollte, und thut das, was
<lb n="0426.11"/> wir thun sollten</hi>.</p>
<lb n="0426.12" rend="indent"/> <p>Die Freyheit, welche sich Zeid nahm, die
<lb n="0426.13"/> Auff&#x00FC;hrung der Aiesha zu tadeln, verursachte
<lb n="0426.14"/> anfangs unter den Cuffahnern einiges Gemurre,
<lb n="0426.15"/> man fing so gar an Scheltworte zu gebrauchen.
<lb n="0426.16"/> Doch weil Hassan zu dem Volke reden wollte,
<lb n="0426.17"/> so ward es nach und nach stiller, und endlich
<lb n="0426.18"/> machte man sich bereit ihn zu h&#x00F6;ren: <hi rend="bold">Euer
<lb n="0426.19"/> Haupt</hi>, sagte er, <hi rend="bold">spricht euch um H&#x00FC;lffe
<lb n="0426.20"/> an, und so wohl euer Nutzen, als eure
<lb n="0426.21"/> Schuldigkeit erfordern es, sie ihm nicht
<lb n="0426.22"/> zu versagen. Und warum solltet ihr sie
<lb n="0426.23"/> ihm auch versagen? Hat er jemanden
<lb n="0426.24"/> Unrecht gethan? Sollte man wohl sa=
<lb n="0426.25"/> gen, da&#x00DF; er seine W&#x00FC;rde erschlichen ha=
<lb n="0426.26"/> be, oder derselben unwerth sey? Die Re=
<lb n="0426.27"/> bellen geben best&#x00E4;ndig vor, den Tod des
<lb n="0426.28"/> Othmans zu r&#x00E4;chen; und diesertwegen
<lb n="0426.29"/> wollen sie die Waffen ergriffen haben;
<lb n="0426.30"/> allein, ihr Cuffahner, trauet ihnen nicht;</hi>
<pb n="0427.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-488"/>
<lb n="0427.01"/> <hi rend="bold">sie wollen nicht den Othman r&#x00E4;chen,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0427.02"/> sondern den Ali absetzen. Und gleich=
<lb n="0427.03"/> wohl ist es eben der Ali, welchen man
<lb n="0427.04"/> einm&#x00FC;thig zu Medina erw&#x00E4;hlt hat, und
<lb n="0427.05"/> dem Tellah und Zobeir den Eid der
<lb n="0427.06"/> Treue geleistet haben, sie, die man jetzt
<lb n="0427.07"/> an der Spitze der Rebellen sieht</hi>.</p>
<lb n="0427.08" rend="indent"/> <p>Diese Rede war von gr&#x00F6;&#x00DF;rer Wirkung,
<lb n="0427.09"/> als alle Unterhandlungen, die man bisher ver=
<lb n="0427.10"/> sucht hatte. Die Einwohner von Cuffah schie=
<lb n="0427.11"/> nen von der Verfolgung, die man dem Califen
<lb n="0427.12"/> erweckte, ungemein ger&#x00FC;hrt zu seyn. Hassan,
<lb n="0427.13"/> welcher auf alle Bewegungen, die in der Ver=
<lb n="0427.14"/> sammlung vorfielen, aufmerksam war, nahm
<lb n="0427.15"/> die Gesinnungen der Cuffahner gar bald wahr,
<lb n="0427.16"/> und brachte sie endlich, durch die gef&#x00E4;llige Auf=
<lb n="0427.17"/> f&#x00FC;hrung, die er, so lange er in ihrer Stadt
<lb n="0427.18"/> blieb, beobachtete, v&#x00F6;llig auf seine Seite. Als
<lb n="0427.19"/> er Abschied von ihnen nahm, sagte er, da&#x00DF; er
<lb n="0427.20"/> sich wieder zu seinem Vater begeben wolle, ihm
<lb n="0427.21"/> ihre Denkungsart, in Ansehung seiner, zu mel=
<lb n="0427.22"/> den und ihm Hoffnung zu machen, da&#x00DF; sie ihm
<lb n="0427.23"/> ohne Zeitverlust th&#x00E4;tige Merkmahle davon ge=
<lb n="0427.24"/> ben w&#x00FC;rden. Da sich nun die Cuffahner er=
<lb n="0427.25"/> boten; sogleich zur Vertheidigung ihres Haupts
<lb n="0427.26"/> aufzubrechen, so bezeigte Hassan, wie empfind=
<lb n="0427.27"/> lich er gegen ihren guten Willen sey, und ver=
<lb n="0427.28"/> sicherte, da&#x00DF; diejenigen, die ihm folgen wollten,
<lb n="0427.29"/> dem Staate einen wesentlichen Dienst leisten
<lb n="0427.30"/> w&#x00FC;rden, wie er sich denn ein Vergn&#x00FC;gen dar=
<pb n="0428.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-489"/>
<lb n="0428.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>ausmachen w&#x00FC;rde, sich an ihrer Spitze zu
<lb n="0428.02"/> stellen.</p>
<lb n="0428.03"/> <note type="marginalie" place="links">Die Cuf=<lb/>fahner <hi rend="spaced">ver=</hi><lb/>willigen dem<lb/>Califen Tru=<lb/>pen.</note><p rend="indent">Die Cuffahner brachten ihre Versprechun=
<lb n="0428.04"/> gen gar bald in Erf&#x00FC;llung, und fast neun tau=
<lb n="0428.05"/> send Mann begaben sich auf den Marsch.
<lb n="0428.06"/> Hassan, welcher &#x00FC;ber den gl&#x00FC;cklichen Fortgang
<lb n="0428.07"/> seiner Unterhandlung eben so erstaunt als freu=
<lb n="0428.08"/> dig war, schickte auf das schleinigste einen Bo=
<lb n="0428.09"/> then an den Califen, ihm diese schmeichelnde
<lb n="0428.10"/> Begebenheit zu melden.</p>
<lb n="0428.11" rend="indent"/> <p>Diese wichtige Neuigkeit verbreitete die
<lb n="0428.12"/> Freude unter allen Anh&#x00E4;ngern des Ali. Man
<lb n="0428.13"/> machte den Cuffahnern wegen ihres Eifers die
<lb n="0428.14"/> gr&#x00F6;sten Lobeserhebungen, der Calif selbst woll=
<lb n="0428.15"/> te ihnen seine Erkenntlichkeit de&#x00DF;wegen bezei=
<lb n="0428.16"/> gen, und ging ihnen entgegen. So bald er sie
<lb n="0428.17"/> erreicht hatte, redete er sie mit der edeln Bered=
<lb n="0428.18"/> samkeit, die ihm so nat&#x00FC;rlich war, an. Nach=
<lb n="0428.19"/> dem er ihre Tapferkeit gelobt, die sie so oft, und
<lb n="0428.20"/> besonders bey den persischen Eroberungen be=
<lb n="0428.21"/> wiesen hatten, erkl&#x00E4;rte er sich wegen der jetzigen
<lb n="0428.22"/> Angelegenheiten in folgenden Ausdr&#x00FC;cken.</p>
<lb n="0428.23" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jch habe euch, ihr tapfern Cuffah=
<lb n="0428.24"/> ner</hi>, sagte er, <hi rend="bold">ruffen lassen, um Zeugen
<lb n="0428.25"/> meiner Auff&#x00FC;hrung gegen unsre Br&#x00FC;der
<lb n="0428.26"/> zu Basrah zu seyn. Meine Absicht ist,
<lb n="0428.27"/> sie durch G&#x00FC;te dahin zu verm&#x00F6;gen, da&#x00DF;
<lb n="0428.28"/> sie wieder zu ihrer Schuldigkeit zur&#x00FC;ck=
<lb n="0428.29"/> kehren, damit das Blut der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0428.30"/> ner unvergossen bleibe; das ist es alles,</hi>
<pb n="0429.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-490"/>
<lb n="0429.01"/> <hi rend="bold">was ich verlange. Jch ersuche diejeni=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0429.02"/> gen unter euch, welche in diesem Orte et=
<lb n="0429.03"/> wa einige Verwandtschaft oder einiges
<lb n="0429.04"/> Ansehen haben, mit mir gemeinschaftlich
<lb n="0429.05"/> an einem Vergleiche zu arbeiten: denn
<lb n="0429.06"/> ich will es hiermit &#x00F6;ffentlich erkl&#x00E4;rt ha=
<lb n="0429.07"/> ben, da&#x00DF; ich den Frieden allen Vorthei=
<lb n="0429.08"/> len vorziehe, die man von dem gl&#x00FC;ckli=
<lb n="0429.09"/> chen Fortgange der Waffen erwarten
<lb n="0429.10"/> kan. Der Krieg ist den Unterthanen al=
<lb n="0429.11"/> lezeit verderblich</hi>.</p>
<lb n="0429.12" rend="indent"/> <p>Ueber diese Rede bezeigte jederman seinen
<lb n="0429.13"/> Beyfall durch Zuruffungen, welche genugsam
<lb n="0429.14"/> zeigten, wie viel der Calife von einem ihm so
<lb n="0429.15"/> geneigten Volke zu erwarten habe. Ali begab
<lb n="0429.16"/> sich kurz darauf auf den Marsch, die Rebellen
<lb n="0429.17"/> aufzusuchen.</p>
<lb n="0429.18" rend="indent"/> <p>Der Ruf von diesem Marsche, und die Ver=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Ali</hi> k&#x00F6;<expan>mm</expan>t<lb/>vor Basrah.</note>
<lb n="0429.19"/> bindung der Cuffahner mit den Medinern, setz=
<lb n="0429.20"/> ten die Anh&#x00E4;nger der Aiesha in grosse Unruhe.
<lb n="0429.21"/> Noch best&#x00FC;rzter aber waren sie, als man den
<lb n="0429.22"/> Califen mit seinen Trupen vor Basrah erschei=
<lb n="0429.23"/> nen, und sein Lager unter den Mauern dieser
<lb n="0429.24"/> Stadt aufschlagen sahe.</p>
<lb n="0429.25" rend="indent"/> <p>Nach verschiednen Ueberlegungen, welche
<lb n="0429.26"/> die Rebellen auf eine ziemlich lermende Art an=
<lb n="0429.27"/> stellten, beschlossen Tellah und Zobeir, sich mit
<lb n="0429.28"/> dem Ali zu unterreden, um sich aus diesem &#x00FC;=
<lb n="0429.29"/> beln Handel so gut, als m&#x00F6;glich, zu ziehen.</p>
<lb n="0429.30" rend="indent"/> <p>Ali welcher nichts als den Frieden w&#x00FC;nsch=<note type="marginalie" place="rechts">Unterredung<lb/>zwischen dem<lb/>Ali u. Zobeir.</note>
<pb n="0430.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-491"/>
<lb n="0430.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>te, verwilligte eine Unterhandlung mit ihnen
<lb n="0430.02"/> sehr gerne. Bey der ersten Zusammenkunft re=
<lb n="0430.03"/> dete der Calif mit beyden mit vieler M&#x00E4;&#x00DF;igung;
<lb n="0430.04"/> gleichwohl aber mit einer Art, die ihnen ihre
<lb n="0430.05"/> Untreue und Ungerechtigkeit, und endlich ihren
<lb n="0430.06"/> Aufstand, zu welchem er seines Theils nicht den
<lb n="0430.07"/> geringsten Anla&#x00DF; gegeben habe, ziemlich leb=
<lb n="0430.08"/> haft vorwarf.</p>
<lb n="0430.09" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Erinnere dich</hi>, sagte er zu dem Zobeir,
<lb n="0430.10"/> <hi rend="bold">was zwischen dem Propheten, dir und
<lb n="0430.11"/> mir vorging, als er dich fragte, ob du
<lb n="0430.12"/> seinen werthen Sohn den Ali liebtest.
<lb n="0430.13"/> Du gabst ihm zur Antwort: ja; er aber
<lb n="0430.14"/> versetzte sogleich: Dennoch wirst du dich
<lb n="0430.15"/> wider ihn emp&#x00F6;ren, und den Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0430.16"/> nern grosses Ungemach verursachen</hi>.</p>
<lb n="0430.17"/> <note type="marginalie" place="links">Zobeir fa&#x00DF;t<lb/><hi rend="spaced">den Ent=<lb/>schlu&#x00DF;,</hi> die<lb/>Waffen wi=<lb/>der dem Ali<lb/>nicht l&#x00E4;nger<lb/>zu f&#x00FC;hren.</note><p rend="indent">Zobeir, ward von der Gelindigkeit des Ca=
<lb n="0430.18"/> lifen, und von dem Vorwurffe, eine Freund=
<lb n="0430.19"/> schaft gebrochen zu haben, die er ihm, so zu
<lb n="0430.20"/> reden, in Gegenwart des Mahomets geschwo=
<lb n="0430.21"/> ren, gleich stark ger&#x00FC;hrt, und sagte mit vieler
<lb n="0430.22"/> Bewegung: <hi rend="bold">Es ist wahr; ich besinne mich;
<lb n="0430.23"/> wann ich mich eher darauf besonnen h&#x00E4;t=
<lb n="0430.24"/> te, so w&#x00FC;rde ich nimmermehr die Waf=
<lb n="0430.25"/> fen wider dich ergriffen haben</hi>. Er be=
<lb n="0430.26"/> gab sich hierauf zur&#x00FC;ck, und beschlo&#x00DF;, es m&#x00F6;ge
<lb n="0430.27"/> auch kommen wie es wolle, gegen den Ali die
<lb n="0430.28"/> Waffen weiter nicht zu f&#x00FC;hren.</p>
<lb n="0430.29" rend="indent"/> <p>Doch die aufr&#x00FC;hrische Aiesha brauchte so
<lb n="0430.30"/> viel Wendungen, da&#x00DF; sie gar bald den Zobeir
<pb n="0431.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-492"/>
<lb n="0431.01"/> wieder auf die ersten Gedanken, die sie ihm<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0431.02"/> beygebracht hatte, brachte: und damit sie von
<lb n="0431.03"/> diesem Muselmanne weiter nichts m&#x00F6;ge zu be=
<lb n="0431.04"/> f&#x00FC;rchten habe, so lie&#x00DF; sie ihn keine Zusammen=
<lb n="0431.05"/> kunft mehr mit dem Califen halten. Weil aber
<lb n="0431.06"/> Zobeir immer wegen des Eides unruhig blieb,
<lb n="0431.07"/> den er dem Ali, bey seiner Ernennung zum Ca=
<lb n="0431.08"/> lifen, geleistet hatte; so sprach ihn Aiesha von
<lb n="0431.09"/> aller Verbindung los, indem sie ihn einem Skla=
<lb n="0431.10"/> ven die Freyheit geben lie&#x00DF;. Dieses nehmlich<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Die Art<lb/>der</hi> Musel=<lb/>m&#x00E4;nner, sich<lb/>von <hi rend="spaced">ihrem</hi><lb/>Eide lo&#x00DF; zu<lb/>machen.</note>
<lb n="0431.11"/> war die Art, wie die Muselm&#x00E4;nner einen Eid
<lb n="0431.12"/> auss&#x00F6;hnten, von welchem sie nicht l&#x00E4;nger woll=
<lb n="0431.13"/> ten gebunden seyn. Durch dieses Mittel trat
<lb n="0431.14"/> Zobeit wieder auf die Seite der Rebellen, und
<lb n="0431.15"/> f&#x00FC;hrte in dem Treffen, welches kurz darauf vor=
<lb n="0431.16"/> fiel, die Waffen wider den Ali.</p>
<lb n="0431.17" rend="indent"/> <p>Denn alle Unterhandlungen waren verge=
<lb n="0431.18"/> bens. Der Calif, welcher die gerechteste Sa=
<lb n="0431.19"/> che f&#x00FC;r sich hatte, und dem es &#x00FC;brigens auch an
<lb n="0431.20"/> Kr&#x00E4;ften nicht fehlte, suchte vergebens alle Mit=
<lb n="0431.21"/> tel hervor, die Gem&#x00FC;ther wieder zum guten zu
<lb n="0431.22"/> lenken; Aiesha machte alle Maa&#x00DF;regeln, welche
<lb n="0431.23"/> man anwenden wollte, zu nichte, und endlich
<lb n="0431.24"/> mu&#x00DF;te man es nothwendig auf eine entscheiden=
<lb n="0431.25"/> de Schlacht ankommen lassen.</p>
<lb n="0431.26" rend="indent"/> <p>Die beyden Kriegsheere stellten sich also in<note type="marginalie" place="rechts">Schlacht<lb/>zwischen der<lb/>Armee <hi rend="spaced">des<lb/>Ali, und<lb/>der</hi> Armee<lb/>der Rebellen.</note>
<lb n="0431.27"/> Schlachtordnung. Aiesha erschien selbst an der
<lb n="0431.28"/> Spitze der Rebellen: sie ritt auf ihrem Kamee=
<lb n="0431.29"/> le durch alle Glieder, und ermunterte die Sol=
<lb n="0431.30"/> daten, ihre Schuldigkeit auf das beste zu beob=
<pb n="0432.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-493"/>
<lb n="0432.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>achten. So bald man das Zeichen gegeben
<lb n="0432.02"/> hatte, gingen beyde Theile mit gleicher Wuth
<lb n="0432.03"/> und gleicher Tapferkeit auf einander los. Die=
<lb n="0432.04"/> ses Handgemenge war sehr schrecklich, und man
<lb n="0432.05"/> wu&#x00DF;te lange Zeit nicht, auf welche Seite sich
<lb n="0432.06"/> das Gl&#x00FC;ck lenken w&#x00FC;rde. Unterdessen bekamen
<lb n="0432.07"/> die Trupen des Ali doch nach und nach, durch
<lb n="0432.08"/> den Verlust verschiedner feindlicher Generale,
<lb n="0432.09"/> die Oberhand.</p>
<lb n="0432.10"/> <note type="marginalie" place="links">Tellah wird<lb/>get&#x00F6;dtet.</note><p rend="indent">Tellah, welcher einer von den Vornehmsten
<lb n="0432.11"/> war, gab sich unglaubliche M&#x00FC;he, seine Trupen
<lb n="0432.12"/> wieder in Ordnung zu bringen, welche allm&#x00E4;=
<lb n="0432.13"/> lig anfingen, sich mit weniger Eifer zu schla=
<lb n="0432.14"/> gen. Mervan Hakem, welcher ihn beobachtete,
<lb n="0432.15"/> sagte zu dem Califen, an dessen Seite er sich
<lb n="0432.16"/> befand: <hi rend="bold">Siehe da, den Verr&#x00E4;ther; den
<lb n="0432.17"/> Augenblick will ich ihn umbringen</hi>. So
<lb n="0432.18"/> gleich scho&#x00DF; er einen Pfeil ab, und brachte ihm
<lb n="0432.19"/> in dem Schenkel eine t&#x00F6;dtliche Wunde bey.
<lb n="0432.20"/> Man zog ihn geschwind aus dem Gedrenge,
<lb n="0432.21"/> um Mittel zu seiner Rettung anzuwenden, doch
<lb n="0432.22"/> alle Sorgfalt war vergebens, und er empfand
<lb n="0432.23"/> es gar bald selbst, da&#x00DF; er sterben werde. Jn
<lb n="0432.24"/> diesen seinen letzten Augenblicken ward er einen
<lb n="0432.25"/> von den Leuten des Ali gewahr, welcher ohne
<lb n="0432.26"/> Zweifel zum Gefangenen war gemacht worden;
<lb n="0432.27"/> diesen ruffte er zu sich, und sagte, indem er die
<lb n="0432.28"/> Hand in seine Hand legte: <hi rend="bold">Sage deinem
<lb n="0432.29"/> Herrn, dem Califen, da&#x00DF; ich hiermit den
<lb n="0432.30"/> Eid der Treue, den ich ihm bereits gelei=</hi>
<pb n="0433.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-494"/>
<lb n="0433.01"/> <hi rend="bold">stet, erneure, und da&#x00DF; es mich reuet, ihn<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0433.02"/> so sch&#x00E4;ndlich gebrochen zu haben</hi>. Nach=
<lb n="0433.03"/> dem er diese letzte Worte gesagt, verschied er.</p>
<lb n="0433.04" rend="indent"/> <p>Als dem Ali dieser Zufall hinterbracht
<lb n="0433.05"/> wurde, dankte er Gott daf&#x00FC;r. <hi rend="bold">Der HErr</hi>,
<lb n="0433.06"/> sagte er, <hi rend="bold">hat ihn nicht eher in den Him=
<lb n="0433.07"/> mel ruffen wollen, als bis er seine Un=
<lb n="0433.08"/> treue durch diese letzte Bezeugung einer
<lb n="0433.09"/> aufrichtigen Reue ausgetilget habe</hi>.</p>
<lb n="0433.10" rend="indent"/> <p>Jn eben dem Augenblicke erfuhr Ali, da&#x00DF;<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Tod</hi> des<lb/>Zobeir.</note>
<lb n="0433.11"/> auch Zobeir, das andere Haupt der Rebellen,
<lb n="0433.12"/> elendiglich umgekommen sey. Man hat gese=
<lb n="0433.13"/> hen, wie er sich nach seiner mit dem Califen gehab=
<lb n="0433.14"/> ten Unterredung, dennoch wieder von der Aies=
<lb n="0433.15"/> ha verf&#x00FC;hren lassen, die Waffen gegen den Ali
<lb n="0433.16"/> nicht nieder zu legen; doch eben, als man hand=
<lb n="0433.17"/> gemein werden wollte, hatte er neue Gewissens=
<lb n="0433.18"/> bisse gef&#x00FC;hlt. Weil man ihm berichtete, da&#x00DF;
<lb n="0433.19"/> ein angesehener Muselmann, Namens Amar=
<lb n="0433.20"/> ebn = Yasser, sich unter der Armee des Ali be=
<lb n="0433.21"/> f&#x00E4;nde; so  erinnerte er sich, wie er den Maho=
<lb n="0433.22"/> met habe sagen h&#x00F6;ren, da&#x00DF; dieser Muselmann
<lb n="0433.23"/> der Billigkeit und Gerechtigkeit dergestalt erge=
<lb n="0433.24"/> ben sey, da&#x00DF; er niemals eine andre, als diejeni=
<lb n="0433.25"/> ge Parthey ergreiffen w&#x00FC;rde, welche Recht ha=
<lb n="0433.26"/> be. Dieser Gedanke r&#x00FC;hrte ihn so lebhaft,
<lb n="0433.27"/> da&#x00DF; er sich ganz in der Stille zur&#x00FC;ck zog. Er
<lb n="0433.28"/> nahm seinen Weg in ein Thal, wo er eine
<lb n="0433.29"/> Schaar Araber antraf, welche von dem Hanaf=
<lb n="0433.30"/> ebn = Kais angef&#x00FC;hret wurde. Dieser hatte sich
<pb n="0434.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-495"/>
<lb n="0434.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>bey der allgemeinen Uneinigkeit auf keine Seite
<lb n="0434.02"/> geschlagen, sondern, weil er h&#x00F6;rte, da&#x00DF; es ehe=
<lb n="0434.03"/> stens zum Treffen kommen w&#x00FC;rde, den Aus=
<lb n="0434.04"/> gang abwarten wollen, um alsdann der st&#x00E4;rk=
<lb n="0434.05"/> sten Parthey beyzutreten.</p>
<lb n="0434.06" rend="indent"/> <p>Gleichwohl aber erhellt aus der Erzehlung
<lb n="0434.07"/> eines persischen Geschichtschreibers, des Mir=
<lb n="0434.08"/> kud, da&#x00DF; dieser Muselmann mehr f&#x00FC;r den Cali=
<lb n="0434.09"/> fen, als f&#x00FC;r seine Gegner eingenommen war:
<lb n="0434.10"/> Denn als er den Zobeir, dessen Verr&#x00E4;therey
<lb n="0434.11"/> ihm bekandt war, von weiten kommen sahe, so
<lb n="0434.12"/> fragte er seine Leute, ob einer von ihnen diesen
<lb n="0434.13"/> Mann kenne, und es auf sich nehmen wolle,
<lb n="0434.14"/> ihm seinen Kopf zu bringen.</p>
<lb n="0434.15" rend="indent"/> <p>Amru = ebn = Giarmuz trat so gleich hervor,
<lb n="0434.16"/> dieses Gesch&#x00E4;fte auf sich zu nehmen, und spreng=
<lb n="0434.17"/> te auch den Augenblick auf den Zobeir los. Als
<lb n="0434.18"/> dieser einen Reuter auf sich zukommen sahe,
<lb n="0434.19"/> rief er ihm zu, in einer gewissen Entfernung zu
<lb n="0434.20"/> bleiben. Unterdessen machten sie doch gar bald
<lb n="0434.21"/> mit einander Bekandtschaft, und stiegen von ih=
<lb n="0434.22"/> ren Pferden, sich mit einander zu unterreden.
<lb n="0434.23"/> Eben als sie mit einander von dem, was bey
<lb n="0434.24"/> der Armee des Califen vorgehe, sprachen, kam
<lb n="0434.25"/> die Stunde des Gebets. Zobeir k&#x00FC;ndigte sie
<lb n="0434.26"/> an, indem er <hi rend="bold">Salat</hi>, das ist: <hi rend="bold">zum Gebete</hi>,
<lb n="0434.27"/> rief, und warff sich auch so gleich zur Erden.
<lb n="0434.28"/> Amru ergriff diese Gelegenheit, und schlug ihm
<lb n="0434.29"/> mit einem Streiche den Kopf ab.</p>
<pb n="0435.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-496"/>
<lb n="0435.01" rend="indent"/> <p>Der Muselmann, an statt seinem Anf&#x00FC;hrer,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0435.02"/> dem erhaltenen Befehle gem&#x00E4;&#x00DF;, dieses Haupt
<lb n="0435.03"/> zu bringen, begab sich zur Armee des Cali=
<lb n="0435.04"/> fen, und kam eben zu der Zeit an, als sich<note type="marginalie" place="rechts">Gesinnung<lb/>des Ali we=<lb/>gen des To=<lb/>des des Zo=<lb/>beir.</note>
<lb n="0435.05"/> das Gl&#x00FC;ck f&#x00FC;r den Ali zu erkl&#x00E4;ren anfing. Am=
<lb n="0435.06"/> ru glaubte die Vortheile, welche der Calif
<lb n="0435.07"/> davon getragen hatte, um ein grosses zu ver=
<lb n="0435.08"/> mehren, wenn er ihm den Kopf seines Feindes
<lb n="0435.09"/> darreichte. Doch Ali war weit entfernt, das
<lb n="0435.10"/> geringste Vergn&#x00FC;gen dar&#x00FC;ber zu bezeigen, son=
<lb n="0435.11"/> dern das Schicksal des Zobeir gieng ihm viel=
<lb n="0435.12"/> mehr nahe. Er machte dem Amru sehr harte
<lb n="0435.13"/> Vorw&#x00FC;rffe, und bedrohete ihn so gar mit der
<lb n="0435.14"/> H&#x00F6;lle. Dieser hatte sich auf eine gute Beloh=
<lb n="0435.15"/> nung gespitzt, und erstaunte also nicht wenig,
<lb n="0435.16"/> da&#x00DF; ganz das Gegentheil erfolgte; er konnte sich
<lb n="0435.17"/> nicht enthalten, seinen Zorn wider den Califen
<lb n="0435.18"/> ausbrechen zu lassen, und sagte ihm unter an=
<lb n="0435.19"/> dern: <hi rend="bold">Du bist das ungl&#x00FC;ckliche Schicksal
<lb n="0435.20"/> der Muselm&#x00E4;nner. Wann dich jemand
<lb n="0435.21"/> von deinem Feinde befreyet, so drohest
<lb n="0435.22"/> du ihm mit der H&#x00F6;lle; und wenn man
<lb n="0435.23"/> einen von den deinigen t&#x00F6;dtet, so ist man
<lb n="0435.24"/> den Augenblick ein Geselle des Teufels</hi>.</p>
<lb n="0435.25" rend="indent"/> <p>Der Tod des Tellah und Zobeir, und die
<lb n="0435.26"/> g&#x00E4;nzliche Flucht der Rebellen, verschaften dem
<lb n="0435.27"/> Ali einen vollkommenen Sieg. Er hatte in
<lb n="0435.28"/> dem Schoo&#x00DF;e des Staats keinen Feind mehr
<lb n="0435.29"/> zu f&#x00FC;rchten; Aiesha war selbst gefangen ge=
<lb n="0435.30"/> nommen worden; sie hatte vergebens mit den
<pb n="0436.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-497"/>
<lb n="0436.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>Fl&#x00FC;chtigen davon zu kommen gesucht; ihrem
<lb n="0436.02"/> Kameele waren in der Hitze des Treffens die
<lb n="0436.03"/> Schenkel abgehauen worden, da&#x00DF; es also noth=
<lb n="0436.04"/> wendig auf dem Platze bleiben mu&#x00DF;te. Hier
<lb n="0436.05"/> war es, wo der Calif eine Unterredung mit ihr
<lb n="0436.06"/> hatte.</p>
<lb n="0436.07" rend="indent"/> <p>Die Unterredung fing sich durch beyderseiti=
<lb n="0436.08"/> ge Vorw&#x00FC;rffe an. Doch Ali, welcher sich sei=
<lb n="0436.09"/> ne Vortheile eben nicht zu Nutze machen woll=
<lb n="0436.10"/> te, nahm gar bald einen sanftm&#x00FC;thigen Ton an.
<lb n="0436.11"/> Er begegnete der Aiesha sehr h&#x00F6;flich, und er=
<lb n="0436.12"/> wie&#x00DF; ihr die Ehre, sie unter Begleitung seiner
<lb n="0436.13"/> zwey S&#x00F6;hne, nach Medina zur&#x00FC;ck zu senden.
<lb n="0436.14"/> Ehe er sie verlie&#x00DF;, rieth er ihr auf eine h&#x00F6;fliche
<lb n="0436.15"/> aber doch ernsthafte Art an, sich nicht weiter in
<lb n="0436.16"/> Staatsgesch&#x00E4;fte zu mischen, und besonders kei=
<lb n="0436.17"/> ne Partheyen mehr zu machen, damit man ihr
<lb n="0436.18"/> keine solche Unruhen mehr vorzuwerffen habe.</p>
<lb n="0436.19"/> <note type="marginalie" place="links">Ali theilet<lb/>den Raub.</note><p rend="indent">Nachdem Aiesha weg war, gab Ali Befehl
<lb n="0436.20"/> die Beute zusammen zu bringen, und war dar=
<lb n="0436.21"/> auf bedacht, sie zu theilen. Er machte bey
<lb n="0436.22"/> dieser Gelegenheit eine sehr weise Anordnung,
<lb n="0436.23"/> welche ihm die Gem&#x00FC;ther seiner Trupen gewin=
<lb n="0436.24"/> nen mu&#x00DF;te; er lie&#x00DF; nehmlich bey der Theilung
<lb n="0436.25"/> einen Theil bey Seite legen, welcher unter die
<lb n="0436.26"/> vertheilt werden sollte, deren Anverwandte in
<lb n="0436.27"/> dem Treffen geblieben waren. Kurz darauf
<lb n="0436.28"/> begab er sich von Basrah wieder weg, und lie&#x00DF;
<lb n="0436.29"/> den Abdallah = ebn = Abbas als Statthalter da=
<lb n="0436.30"/> selbst.</p>
<pb n="0437.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-498"/>
<lb n="0437.01" rend="indent"/> <p>Der Calif erwehlte nunmehr Cuffah zu dem<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0437.02"/> Sitze seines Reiches. Er wollte der Stadt
<lb n="0437.03"/> durch diesen r&#x00FC;hmlichen Vorzug seine Dankbar=
<lb n="0437.04"/> keit gegen die Dienste bezeugen, welche ihm die<note type="marginalie" place="rechts">Ali nimmt<lb/>seinen <hi rend="spaced">Sitz</hi><lb/>zu Cuffah.</note>
<lb n="0437.05"/> Einwohner geleistet hatten, deren Beystande
<lb n="0437.06"/> und Tapferkeit er seinen ganzen Sieg zu dan=
<lb n="0437.07"/> ken hatte.</p>
<lb n="0437.08" rend="indent"/> <p>Als Ali sein Ansehen wieder ein wenig be=<note type="marginalie" place="rechts">Er ersucht<lb/><hi rend="spaced">den</hi> Moa=<lb/>vias, ihn f&#x00FC;r<lb/>den Califen<lb/>zu erkennen.</note>
<lb n="0437.09"/> festiget sahe, so fing er an, die H&#x00E4;ndel des
<lb n="0437.10"/> Moavias etwas weniger zu bef&#x00FC;rchten. Un=
<lb n="0437.11"/> terdessen beschlo&#x00DF; er doch, nicht mit offenbarer
<lb n="0437.12"/> Gewalt wider ihn zu verfahren. Er verga&#x00DF;
<lb n="0437.13"/> also die Beleidigung, die ihm dieser Muselmann,
<lb n="0437.14"/> durch die ungeziemende Antwort auf seinen
<lb n="0437.15"/> Brief, erwiesen hatte, und beschlo&#x00DF; noch einen
<lb n="0437.16"/> zweyten Brief an ihn zu schreiben, und ihn zur
<lb n="0437.17"/> Unterw&#x00FC;rfigkeit anzuhalten.</p>
<lb n="0437.18" rend="indent"/> <p>Moavias blieb die Antwort lange Zeit<note type="marginalie" place="rechts">Amru ni<expan>mm</expan>t<lb/>an dem Auf=<lb/>stande <hi rend="spaced">des<lb/>Moavias</hi><lb/>Theil.</note>
<lb n="0437.19"/> schuldig, weil er nichts unternehmen wollte,
<lb n="0437.20"/> bevor er nicht den Amru = ebn = al = As, den be=
<lb n="0437.21"/> r&#x00FC;hmten Eroberer Aegyptens, um Rath ge=
<lb n="0437.22"/> fragt. Dieser war von dem Omar zum Statt=
<lb n="0437.23"/> halter dieser Provinz eingesetzt, von dem Oth=
<lb n="0437.24"/> man abgesetzt, und wieder eingesetzt, und end=
<lb n="0437.25"/> lich von dem Ali zur&#x00FC;ck beruffen worden. Moa=
<lb n="0437.26"/> vias hatte nicht unterlassen sich mit einem so
<lb n="0437.27"/> vornehmen Mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten genau zu verbinden,
<lb n="0437.28"/> und jeder war darauf bedacht, die Unruhen
<lb n="0437.29"/> fort dauren zu lassen, um den Califen nach und
<lb n="0437.30"/> nach bey dem Volke verha&#x00DF;t zu machen. Nach=
<pb n="0438.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-499"/>
<lb n="0438.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>dem also Moavias den Brief des Ali erhalten
<lb n="0438.02"/> hatte, so gab er sogleich dem Amru davon Nach=
<lb n="0438.03"/> richt, und bat ihn, seine Meinung auf das
<lb n="0438.04"/> schleinigste davon zu melden. Uebrigens ver=
<lb n="0438.05"/> sicherte er ihm, da&#x00DF; sein Wille noch immer sey,
<lb n="0438.06"/> den Tod des Othmans zu r&#x00E4;chen, da&#x00DF; ganz
<lb n="0438.07"/> Syrien eben so ged&#x00E4;chte, und da&#x00DF; er alles an=
<lb n="0438.08"/> wenden w&#x00FC;rde, das Volk bey diesen Gesinnun=
<lb n="0438.09"/> gen zu erhalten.</p>
<lb n="0438.10" rend="indent"/> <p>Amru erhielt den Brief des Moavias in Pa=
<lb n="0438.11"/> lestina, wo er sich damals befand: er freute sich
<lb n="0438.12"/> ungemein, da&#x00DF; dieser Statthalter noch immer
<lb n="0438.13"/> gesonnen sey, sich dem Ali zu widersetzen. Er
<lb n="0438.14"/> lie&#x00DF; ihm sagen, da&#x00DF; er sich in kurzen mit ihm
<lb n="0438.15"/> zu verbinden hoffte, um den Tod des Califen ge=
<lb n="0438.16"/> meinschaftlich zu r&#x00E4;chen.</p>
<lb n="0438.17" rend="indent"/> <p>Er erinnerte sich nicht mehr, da&#x00DF; Othman
<lb n="0438.18"/> ehedem nicht aufgeh&#x00F6;rt habe, ihn zu verschrey=
<lb n="0438.19"/> en, da&#x00DF; er ihm, als er den Thron bestiegen, die
<lb n="0438.20"/> Statthalterschaft Aegyptens genommen, und
<lb n="0438.21"/> da&#x00DF; er ihn nur aus Zwang wieder eingesetzt,
<lb n="0438.22"/> weil sich ganz Aegypten f&#x00FC;r ihn erkl&#x00E4;rt hatte.
<lb n="0438.23"/> Ali hatte, bey Antritt seiner Regierung, ihn
<lb n="0438.24"/> aufs neue abgesetzt; und dieses war genug, sich
<lb n="0438.25"/> wider ihn aufzuwerffen, und mit dem Moavi=
<lb n="0438.26"/> as in ein verderbliches B&#x00FC;ndni&#x00DF; zu treten, wel=
<lb n="0438.27"/> ches das muselm&#x00E4;nnische Reich zerri&#x00DF;, und end=
<lb n="0438.28"/> lich dem Califen Kron und Leben kostete.</p>
<lb n="0438.29" rend="indent"/> <p>Der Sieg, welchen Ali davon getragen hat=
<lb n="0438.30"/> te, kn&#x00FC;pfte das Band der Freundschaft zwischen
<pb n="0439.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-500"/>
<lb n="0439.01"/> dem Amru und Moavias noch immer fester.<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0439.02"/> Sie begriffen leicht, da&#x00DF; Ali, da er durch die=
<lb n="0439.03"/> sen Sieg weit m&#x00E4;chtiger geworden w&#x00E4;re, leicht
<lb n="0439.04"/> so wohl mit dem einem, als mit dem andern fer=
<lb n="0439.05"/> tig werden w&#x00FC;rde, wann sie sich von einander
<lb n="0439.06"/> trennten. Wann sie aber ihre Kr&#x00E4;fte vereinten,
<lb n="0439.07"/> so w&#x00FC;rde das Unternehmen schwerer, und man
<lb n="0439.08"/> k&#x00F6;nnte so gar hoffen, da&#x00DF; zwey Heerf&#x00FC;hrer, wel=
<lb n="0439.09"/> che so wohl ihre Eroberungen als ihre Staats=
<lb n="0439.10"/> klugheit ber&#x00FC;hmt gemacht hatten, dem Ansehen
<lb n="0439.11"/> des Califen das Gleichgewichte halten, und ihn
<lb n="0439.12"/> endlich gar zu Grunde richten w&#x00FC;rden.</p>
<lb n="0439.13" rend="indent"/> <p>Jndem Moavias die Ankunft des Amru er=<note type="marginalie" place="rechts">Moavias<lb/><hi rend="spaced">bringt</hi> die<lb/><hi rend="spaced">Syrer</hi> auf<lb/>seine Seite.</note>
<lb n="0439.14"/> wartete, bem&#x00FC;hete er sich die Syrer immer
<lb n="0439.15"/> mehr und mehr wider den Ali aufzuhetzen und
<lb n="0439.16"/> auf seine Seite zu bringen. Er schrie ihn als
<lb n="0439.17"/> den M&#x00F6;rder des Othmans aus, dessen Tod er
<lb n="0439.18"/> r&#x00E4;chen m&#x00FC;ste, weil er mit ihm aus dem Ge=
<lb n="0439.19"/> schlechte des Ommiah herstamme, und grosse
<lb n="0439.20"/> Wohlthaten von ihm genossen habe, indem er die
<lb n="0439.21"/> Statthalterschaft Syriens, die ihm der neue Ca=
<lb n="0439.22"/> lif wieder nehmen wollen, von ihm erhalten.</p>
<lb n="0439.23" rend="indent"/> <p>Man hat gesehen, da&#x00DF; Moavias schon ein be=
<lb n="0439.24"/> tr&#x00E4;chtliches Heer auf die Beine gebracht, welches
<lb n="0439.25"/> mehr als hinl&#x00E4;nglich gewesen w&#x00E4;re, dem Califen,
<lb n="0439.26"/> w&#x00E4;hrend der ersten Unruhen, die sich in Medi=
<lb n="0439.27"/> na erhoben, die Spitze zu bieten. Doch seit
<lb n="0439.28"/> dem Siege, welchen Ali &#x00FC;ber die Rebellen da=
<lb n="0439.29"/> von getragen, waren seine Kr&#x00E4;fte so sehr gewach=
<lb n="0439.30"/> sen, da&#x00DF; man, ohne vorher die gr&#x00F6;&#x00DF;te Vorsicht
<pb n="0440.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-501"/>
<lb n="0440.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>angewandt zu haben, nicht wider ihn ausziehen
<lb n="0440.02"/> konnte. Uebrigens war der Anschlag, welchen
<lb n="0440.03"/> Moavias hatte, so gro&#x00DF;, da&#x00DF; er nothwendig
<lb n="0440.04"/> sehr zahlreiche Trupen haben muste, wenn er
<lb n="0440.05"/> seine ehrgeitzige Absicht erreichen wollte.</p>
<lb n="0440.06" rend="indent"/> <p>Er gab sich also jetzt mehr M&#x00FC;he, als je=
<lb n="0440.07"/> mahls, die Gem&#x00FC;ther des Volks zu gewinnen,
<lb n="0440.08"/> und schien, ohne seine heimliche Absichten im
<lb n="0440.09"/> geringsten merken zu lassen, keinen andern
<lb n="0440.10"/> Zweck zu haben, als den Tod des Othmans zu
<lb n="0440.11"/> r&#x00E4;chen. Das Volk, welches seine Liebe gegen
<lb n="0440.12"/> diesen Califen schon damals, als man sein bluti=
<lb n="0440.13"/> ges Gewand &#x00F6;ffentlich zur Schau gestellt, be=
<lb n="0440.14"/> zeigt hatte, legte neue Beweise seiner Z&#x00E4;rtlich=
<lb n="0440.15"/> keit ab, als Moavias in der grossen Moschee
<lb n="0440.16"/> zu Damascus eine Rede dieserwegen hielt.</p>
<lb n="0440.17" rend="indent"/> <p>Er beschuldigte den Ali &#x00F6;ffentlich, da&#x00DF; er
<lb n="0440.18"/> den Othman seinem Ehrgeitze aufgeopfert habe,
<lb n="0440.19"/> um den Thron an sich zu bringen. Er gab vor,
<lb n="0440.20"/> da&#x00DF; die Erw&#x00E4;hlung des neuen Califen von dem
<lb n="0440.21"/> Volke nicht sey best&#x00E4;tiget worden; da&#x00DF; er ver=
<lb n="0440.22"/> schiedne Muselm&#x00E4;nner gezwungen habe, ihn zu
<lb n="0440.23"/> huldigen; da&#x00DF; er den Zobeir und Tellah, weil
<lb n="0440.24"/> sie sich wider seine Wahl gesetzt, mit den Waf=
<lb n="0440.25"/> fen verfolgt; da&#x00DF; er, nach erhaltenem Siege
<lb n="0440.26"/> &#x00FC;ber diese gro&#x00DF;m&#x00FC;thigen Vertheidiger des Oth=
<lb n="0440.27"/> mannischen Bluts und der Freyheit des Volks,
<lb n="0440.28"/> die Wittwe des Propheten beschimpft habe;
<lb n="0440.29"/> da&#x00DF; er zwar diese Mutter der Gl&#x00E4;ubigen bey
<lb n="0440.30"/> dem Leben gelassen, da&#x00DF; dieses aber blo&#x00DF; aus
<pb n="0441.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-502"/>
<lb n="0441.01"/> Furcht eines allgemeinen Aufstandes geschehen<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0441.02"/> sey; und da&#x00DF; endlich dieser triumphirende Ca=
<lb n="0441.03"/> lif im Anzuge sey, nach Syrien zu kommen,
<lb n="0441.04"/> und ihm die Statthalterschaft zu nehmen.</p>
<lb n="0441.05" rend="indent"/> <p>Diese Rede, welche mit vieler Heftigkeit ab=
<lb n="0441.06"/> gelegt wurde, machte bey den Gem&#x00FC;thern Ein=
<lb n="0441.07"/> druck, so da&#x00DF; sich in der Versammlung ein Mur=
<lb n="0441.08"/> ren erhob, welches ihm einen allgemeinen Bey=
<lb n="0441.09"/> fall zu versprechen schien. Er machte sich die=
<lb n="0441.10"/> sen Augenblick zu Nutze, seine Zuh&#x00F6;rer noch
<lb n="0441.11"/> mehr zu bewegen, und sprach: <hi rend="bold">Solltet ihr
<lb n="0441.12"/> wohl, ihr Syrer, mich bey einer so ge=
<lb n="0441.13"/> rechten Sache verlassen? Wann ich
<lb n="0441.14"/> auch, mit Vergiessung meines Bluts,
<lb n="0441.15"/> den Tod des Othmans r&#x00E4;che, werde ich
<lb n="0441.16"/> dadurch nicht euern Gebieter, euren
<lb n="0441.17"/> Wohlth&#x00E4;ter, euren Vater r&#x00E4;chen</hi>?</p>
<lb n="0441.18" rend="indent"/> <p>Das Ende dieser Rede ward durch die An=<note type="marginalie" place="rechts">Amru k&#x00F6;<expan>mm</expan>t<lb/>nach Dama=<lb/>scus.</note>
<lb n="0441.19"/> kunft des Amru unterbrochen, welcher unver=
<lb n="0441.20"/> hoft an der Spitze der H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lker, die er dem
<lb n="0441.21"/> Califen zuf&#x00FC;hrte, in Damascus erschien. Man
<lb n="0441.22"/> will, da&#x00DF; diese unvermuthete Ankunft von die=
<lb n="0441.23"/> sen zwey Feldherren auf eine geschickte Art sey
<lb n="0441.24"/> verabredet worden, damit das Volk, welches
<lb n="0441.25"/> durch die Rede des Moavias schon ger&#x00FC;hrt wor=
<lb n="0441.26"/> den, von sich selbst durch seinen Zuruff dasje=
<lb n="0441.27"/> nige, was nunmehr vorgehen solle, billigen
<lb n="0441.28"/> m&#x00F6;ge.</p>
<lb n="0441.29" rend="indent"/> <p>So bald man die Ankunft des Amru gemel=
<lb n="0441.30"/> det hatte, war Moavias von seinem Redner=
<pb n="0442.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-503"/>
<lb n="0442.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold">Ali</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>stuhle gestiegen, und ihm entgegen gegangen.
<lb n="0442.02"/> Alle, die in der Moschee waren, begaben sich
<lb n="0442.03"/> gleichfalls heraus, und folgten ihrem Statthalter,
<lb n="0442.04"/> welcher, indem er dem Amru entgegen ging, zu
<lb n="0442.05"/> denen, die um ihn waren, sagte, da&#x00DF; diese An=
<lb n="0442.06"/> kunft ein Wunder sey, und da&#x00DF; man eine so
<lb n="0442.07"/> grosse Geschwindigkeit fast gar nicht glauben
<lb n="0442.08"/> k&#x00F6;nne. Unter diesen Reden war er bis auf
<lb n="0442.09"/> den grossen Platz der Moschee gegen &#x00FC;ber ge=
<lb n="0442.10"/> kommen, als er den Amru antraf.</p>
<lb n="0442.11"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Moavias</hi><lb/>wird zum Ca=<lb/>lifen erkl&#x00E4;rt.</note><p rend="indent">Das ganze Volk schien vor Erstaunen aus=
<lb n="0442.12"/> ser sich zu seyn, als es sahe, da&#x00DF; sich dieser dem
<lb n="0442.13"/> Moavias zu F&#x00FC;ssen warf; das Erstaunen aber
<lb n="0442.14"/> ward noch weit gr&#x00F6;sser, als man den Amru ihm
<lb n="0442.15"/> den Eid der Treue leisten und erkl&#x00E4;ren h&#x00F6;rte,
<lb n="0442.16"/> da&#x00DF; er ihn f&#x00FC;r seinen Califen erkenne. Die Zu=
<lb n="0442.17"/> schauer waren allzuwohl vorbereitet, als da&#x00DF; sie
<lb n="0442.18"/> diesem Beyspiele nicht h&#x00E4;tten folgen sollen. Man
<lb n="0442.19"/> ging dabey auf eine recht unsinnige Art zu Wer=
<lb n="0442.20"/> ke, und ganz Damascus erscholl von dem Freu=
<lb n="0442.21"/> dengeschreye und den lermenden Zuruffungen
<lb n="0442.22"/> des Volks, welches sich f&#x00FC;r den neuen Califen
<lb n="0442.23"/> erkl&#x00E4;rte. Das Ger&#x00FC;chte von dieser sonderba=
<lb n="0442.24"/> ren Wahl verbreitete sich gar bald durch alle
<lb n="0442.25"/> St&#x00E4;dte Syriens, und eine jede beneidete das
<lb n="0442.26"/> Schicksal der Stadt Damascus, welche durch
<lb n="0442.27"/> diesen Zufall der Sitz des muselm&#x00E4;nnischen
<lb n="0442.28"/> Reichs werden sollte.</p>
<lb n="0442.29"/> <note type="marginalie" place="links">Er <hi rend="spaced">giebt</hi><lb/>dem Ali von<lb/>diesem Zu=</note><p rend="indent">Es w&#x00E4;hrte nicht lange, so bekam Ali von
<lb n="0442.30"/> dieser verdrie&#x00DF;lichen Begebenheit Nachricht;
<pb n="0443.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-504"/>
<lb n="0443.01"/> was ihm aber dabey am empfindlichsten seyn<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0443.02"/> mu&#x00DF;te, war die beleidigende Art, mit welcher
<lb n="0443.03"/> ihm Moavias das vorgegangene berichtete.
<lb n="0443.04"/> Dieser Statthalter hatte bis jetzt den Bothen<note type="marginalie" place="rechts">falle Nach=<lb/>richt.</note>
<lb n="0443.05"/> des Califens bey sich behalten, ohne ihm eine
<lb n="0443.06"/> Antwort zu ertheilen; so bald sich aber diese gros=
<lb n="0443.07"/> se Ver&#x00E4;nderung ereignet hatte, lie&#x00DF; er ihn vor
<lb n="0443.08"/> sich ruffen, und gab ihm den Brief, worinne er
<lb n="0443.09"/> seinem Herrn diesen ungl&#x00FC;cklichen Streich mel=
<lb n="0443.10"/> dete, welchen man seinem Ansehen beygebracht
<lb n="0443.11"/> habe.</p>
<lb n="0443.12" rend="indent"/> <p>Dieser Aufstand war um so viel mehr zu
<lb n="0443.13"/> bef&#x00FC;rchten, je gr&#x00F6;sser die Hochachtung war, in
<lb n="0443.14"/> welcher Moavias bey dem Volke, welches er re=
<lb n="0443.15"/> gierte, stand. Ubrigens war Syrien eine sehr
<lb n="0443.16"/> grosse Provinz, eben so reich als m&#x00E4;chtig, und
<lb n="0443.17"/> verm&#x00F6;ge der H&#x00E4;fens, welche es an dem mittel=
<lb n="0443.18"/> l&#x00E4;ndischen Meer hatte, im Stande, fremde
<lb n="0443.19"/> H&#x00FC;lffe zu bekommen.</p>
<lb n="0443.20" rend="indent"/> <p>Ali versuchte anfangs, auf alle m&#x00F6;gliche<note type="marginalie" place="rechts">Ali zieht<lb/>wider die Re=<lb/>bellen aus.</note>
<lb n="0443.21"/> Art, die Gem&#x00FC;ther wieder mit guten auf den
<lb n="0443.22"/> rechten Weg zu lenken. Ermahnungen, Ver=
<lb n="0443.23"/> sprechungen, ein ewiges Vergessen alles vor=
<lb n="0443.24"/> gegangenen, Vorstellungen; mit einem Worte,
<lb n="0443.25"/> alles ward von dem Califen angewandt; aber
<lb n="0443.26"/> vergebens. Er mu&#x00DF;te also ein ander Mittel
<lb n="0443.27"/> ergreiffen, und dasjenige mit Gewalt zu erlan=
<lb n="0443.28"/> gen suchen, was er durch G&#x00FC;te und M&#x00E4;&#x00DF;igung
<lb n="0443.29"/> nicht erhalten konnte. Er brach von Cuffah
<lb n="0443.30"/> an der Spitze von achtzigtausend Mann auf,
<lb n="0443.31"/> und zog gegen Syrien los.</p>
<pb n="0444.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-505"/>
<lb n="0444.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note><p rend="indent">Als er an den Grenzen dieser Provinz an=
<lb n="0444.02"/> langte, so hielt er eine Weile daselbst stille, um
<lb n="0444.03"/> seine Trupen, welche auf dem Marsche sehr viel
<lb n="0444.04"/> Beschwerlichkeiten ausgestanden hatten, sich
<lb n="0444.05"/> erhohlen zu lassen. Hier nun war es, wo sich,
<lb n="0444.06"/> wie die arabischen Geschichtschreiber erzehlen,
<lb n="0444.07"/> eine besondre Begebenheit ereignete, welche die
<lb n="0444.08"/> Muselm&#x00E4;nner in die gr&#x00F6;&#x00DF;te Verwunderung setz=
<lb n="0444.09"/> te, und ihre Ergebenheit und Hochachtung ge=
<lb n="0444.10"/> gen den Califen um ein grosses vermehrte.</p>
<lb n="0444.11"/> <note type="marginalie" place="links">Er entdeckt<lb/>einen Brun=<lb/>nen, welcher<lb/>seine Armee<lb/>mit Wasser<lb/>versorgt.</note><p rend="indent">Weil das Wasser in dem Lager des Ali zu
<lb n="0444.12"/> fehlen anfieng, so schickte er Leute aus, welche
<lb n="0444.13"/> in der Gegend eine Quelle oder Cisterne auf=
<lb n="0444.14"/> suchen sollten, die seine V&#x00F6;lcker versorgen k&#x00F6;nn=
<lb n="0444.15"/> te. Man brachte einen alten Einsiedler dasi=
<lb n="0444.16"/> gen Landes, den man unweit von dem Lager in
<lb n="0444.17"/> der H&#x00F6;le gefunden hatte, zu ihm; als dieser Ein=
<lb n="0444.18"/> siedler von dem Califen gefraget ward, antwor=
<lb n="0444.19"/> tete er: da&#x00DF; nicht mehr als eine Cisterne in der
<lb n="0444.20"/> Gegend befindlich w&#x00E4;re, welche nicht mehr als
<lb n="0444.21"/> zwey oder drey Eimer hielte; allein er gab ihm
<lb n="0444.22"/> zu erkennen, da&#x00DF; er ein Mittel wisse, weit er=
<lb n="0444.23"/> giebigere Quellen zu finden. Hierauf sagte ihm
<lb n="0444.24"/> der Calif: Es sey ihm nicht unbekannt, da&#x00DF; die
<lb n="0444.25"/> alten Patriarchen in dieser Gegend viele Brun=
<lb n="0444.26"/> nen gegraben h&#x00E4;tten; allein es sey sehr schwer,
<lb n="0444.27"/> sie zu entdecken.</p>
<lb n="0444.28" rend="indent"/> <p>Der Einsiedler versetzte: Er habe immer
<lb n="0444.29"/> erzehlen h&#x00F6;ren, da&#x00DF; an dem Orte selbst, wo er
<lb n="0444.30"/> sich ietzt bef&#x00E4;nde, eine sehr reiche Quelle seyn
<pb n="0445.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-506"/>
<lb n="0445.01"/> solle, deren Zugang aber mit einem ausseror=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 36.<lb/>n. C. G. 656.</note>
<lb n="0445.02"/> dentlich grossen Steine verschlossen w&#x00E4;re; und
<lb n="0445.03"/> da&#x00DF; man dieserwegen von undenklichen Zeiten
<lb n="0445.04"/> her eine gemeine Sage h&#x00E4;tte: als ob nur ein
<lb n="0445.05"/> Prophet, oder dessen Anverwandtet, diesen Stein
<lb n="0445.06"/> hinweg heben k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0445.07" rend="indent"/> <p>Ali lie&#x00DF; so gleich an dem Orte, wo er sich
<lb n="0445.08"/> befand, eingraben, und man fand w&#x00FC;rklich in
<lb n="0445.09"/> einer sehr geringen Tiefe diesen ungew&#x00F6;hnlichen
<lb n="0445.10"/> grossen Stein, dessen der Einsiedler erw&#x00E4;hnet
<lb n="0445.11"/> hatte. Der Calif trat herzu, r&#x00FC;hrete den Stein
<lb n="0445.12"/> an, und hub ihn ohne Schwierigkeit in die H&#x00F6;he.
<lb n="0445.13"/> Der Einsiedler ward von einem so erstaunlichen
<lb n="0445.14"/> Wunder ger&#x00FC;hret, und warf sich dem Ali zum
<lb n="0445.15"/> F&#x00FC;ssen; Er erkannte ihn f&#x00FC;r einen Propheten,
<lb n="0445.16"/> und lief, zur Best&#x00E4;tigung dieser dem Califen bey=
<lb n="0445.17"/> gelegten W&#x00FC;rde, auf das schleunigste zu seiner
<lb n="0445.18"/> Einsiedlerey, von welcher er den Augenblick wie=
<lb n="0445.19"/> der zur&#x00FC;ck kam, und die Beweise seines Vorge=
<lb n="0445.20"/> bens mitbrachte; diese bestunden in einem al=
<lb n="0445.21"/> ten Pergamente, welches Simeon = Ben = Sa=
<lb n="0445.22"/> fa (das ist: Simon, der Sohn des Cephas) ei=
<lb n="0445.23"/> ner von den Aposteln JEsu Christi, mit eigner
<lb n="0445.24"/> Hand solle geschrieben haben, und auf dem man
<lb n="0445.25"/> an einer sehr besch&#x00E4;digten Stelle dieses la&#x00DF;: Da&#x00DF;
<lb n="0445.26"/> zur Zeit des letzten Propheten der Brunnen
<lb n="0445.27"/> entdeckt und der Stein solle aufgehoben werden.
<lb n="0445.28"/> Die leichtgl&#x00E4;ubigen Muselm&#x00E4;nner sahen dieses
<lb n="0445.29"/> Denkmal als ein glaubw&#x00FC;rdiges Document an,
<lb n="0445.30"/> wieder das man ohne Ruchlosigkeit nichts ein=
<pb n="0446.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-507"/>
<lb n="0446.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>wenden k&#x00F6;nne, und danketen nebst dem Ali dem
<lb n="0446.02"/> Himmel f&#x00FC;r eine so wunderbare Schickung.</p>
<lb n="0446.03"/> <note type="marginalie" place="links">Scharm&#x00FC;=<lb/>tzel zwischen<lb/>den zwo Ar=<lb/>meen.</note><p rend="indent">Nachdem die Trupen eine zeitlang ausge=
<lb n="0446.04"/> rastet hatten: So begab sich Ali wieder auf den
<lb n="0446.05"/> Marsch, und r&#x00FC;ckete auf Saffein los, wo er wu=
<lb n="0446.06"/> ste, da&#x00DF; der Feind sich gelagert hatte. Dieser
<lb n="0446.07"/> Ann&#x00E4;herung ungeachtet fiel doch ein ganzes Jahr
<lb n="0446.08"/> hindurch kein sonderliches Treffen vor; ausser
<lb n="0446.09"/> einigen Scharm&#x00FC;tzeln und kleinen Handgemen=
<lb n="0446.10"/> gen zwischen verschiedenen Geschwadern, die von
<lb n="0446.11"/> Zeit zu Zeit das Land durchstreiffeten. Es
<lb n="0446.12"/> schien, als ob die H&#x00E4;upter auf beyden Theilen die
<lb n="0446.13"/> Entscheidung ihres Schiksals dem Eigensinne
<lb n="0446.14"/> des Gl&#x00FC;cks nicht gern &#x00FC;berlassen wollten.</p>
<lb n="0446.15" rend="indent"/> <p>Unterdessen raffeten diese verschiedenen
<lb n="0446.16"/> Scharm&#x00FC;tzel in einer gewissen Zeit beynahe
<lb n="0446.17"/> eben so viel Leute hin, als ob man eine ordent=
<lb n="0446.18"/> liche Schlacht geliefert h&#x00E4;tte. Ali verlohr mehr
<lb n="0446.19"/> als f&#x00FC;nf tausend Mann, unter denen man dreys=
<lb n="0446.20"/> sig z&#x00E4;hlete, welche Gef&#x00E4;hrten des Mahomets
<lb n="0446.21"/> gewesen waren. Der vornehmste unter diesen
<lb n="0446.22"/> war Ammar = Ebn = Yasser, welcher die Reute=
<lb n="0446.23"/> rey des Califen anf&#x00FC;hrete. Er hatte den Pro=
<lb n="0446.24"/> pheten in verschiednen Schlachten sehr wichti=
<lb n="0446.25"/> ge Dienste geleistet und sich unter den Musel=
<lb n="0446.26"/> m&#x00E4;nnern ein sehr grosses Ansehen erworben.
<lb n="0446.27"/> Er war ungefehr neunzig Jahr alt, da er um
<lb n="0446.28"/> das Leben kam.</p>
<lb n="0446.29"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Moavias</hi><lb/>schl&#x00E4;get den<lb/>Zweykampf<lb/>mit dem Ali<lb/>aus.</note><p rend="indent">Ali hatte versuchet, das Blut seiner V&#x00F6;lker
<lb n="0446.30"/> zu schonen, indem er dem Moavias vorgeschla=
<pb n="0447.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-508"/>
<lb n="0447.01"/> gen ihren Streit durch einen Zweykampf aus=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>
<lb n="0447.02"/> zumachen: Allein dieser verwarf den Vorschlag,
<lb n="0447.03"/> ob ihn gleich Amru Vorstellungen genug that,
<lb n="0447.04"/> da&#x00DF; er ihn nothwendig annehmen m&#x00FC;sse. Moa=
<lb n="0447.05"/> vias antwortete ihm: Es sey dem Ali allezeit
<lb n="0447.06"/> bey solchen Gelegenheiten gegl&#x00FC;cket, seinen
<lb n="0447.07"/> Mann zu t&#x00F6;dten; Er wolle sich also einer glei=
<lb n="0447.08"/> chen Begegnung nicht aussetzen. Amru be=
<lb n="0447.09"/> stand mit Gewalt darauf, und lie&#x00DF; ihn &#x00FC;berle=
<lb n="0447.10"/> gen, da&#x00DF; diese abschl&#x00E4;gliche Antwort ihn be=
<lb n="0447.11"/> schimpfen w&#x00FC;rde. Moavias gerieth in Zorn,
<lb n="0447.12"/> da&#x00DF; man ihm so sehr zusetze, und beschlo&#x00DF; die
<lb n="0447.13"/> Unterredung damit, da&#x00DF; er zu dem Amru mit
<lb n="0447.14"/> einer sehr bittern Art sagete; Er w&#x00FC;nsche sei=
<lb n="0447.15"/> nen Tod vielleicht nur de&#x00DF;wegen, damit er sich
<lb n="0447.16"/> selbst hernach zum Califen aufwerffen k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0447.17" rend="indent"/> <p>Moavias lies also lieber seine Leute sich
<lb n="0447.18"/> schlagen, als da&#x00DF; er sich selbst h&#x00E4;tte herumschla=
<lb n="0447.19"/> gen sollen, und war sehr sorgf&#x00E4;ltig, bey den
<lb n="0447.20"/> h&#x00E4;uffigen Scharm&#x00FC;tzeln, die seit des Ali An=
<lb n="0447.21"/> kunft vorfielen, sich der Gefahr nicht allzusehr
<lb n="0447.22"/> auszusetzen. Sie waren alle f&#x00FC;r den Moavi=
<lb n="0447.23"/> as ausserordentlich nachtheilig, so, da&#x00DF; sich sein
<lb n="0447.24"/> Verlust, wie die arabischen Geschichtschreiber
<lb n="0447.25"/> melden, bey nahe auf f&#x00FC;nf und vierzigtausend
<lb n="0447.26"/> Mann belief.</p>
<lb n="0447.27" rend="indent"/> <p>Ali ward durch die t&#x00E4;glich davon getragnen
<lb n="0447.28"/> Vortheile angefeuert, und machete sich n&#x00E4;chstens
<lb n="0447.29"/> auf einen Hauptsieg die Rechnung, wenn ent=
<lb n="0447.30"/> weder der Feind das Treffen annehmen, oder
<pb n="0448.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-509"/>
<lb n="0448.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>sich zum R&#x00FC;ckzuge entschl&#x00FC;ssen wollte. Doch
<lb n="0448.02"/> nachdem Moavias &#x00FC;ber die Maa&#x00DF;regeln, die
<lb n="0448.03"/> man bey so traurigen Umst&#x00E4;nden ergreiffen m&#x00FC;s=
<lb n="0448.04"/> se, zu Rathe gegangen war: So erdachte man
<lb n="0448.05"/> ein Mittel, ihn aus der Verwirrung zu reissen,
<lb n="0448.06"/> indem man die Uneinigkeit unter die Trupen
<lb n="0448.07"/> des Ali brachte.</p>
<lb n="0448.08"/> <note type="marginalie" place="links">Kriegslist,<lb/><hi rend="spaced">deren sich</hi><lb/>Moavias, die<lb/>Trupen des<lb/>Ali abzuhal=<lb/>ten, bedienet.</note><p rend="indent">Man lie&#x00DF; nehmlich an die Piken Korane
<lb n="0448.09"/> mit dieser Unterschrift binden: <hi rend="bold">Die&#x00DF; ist das
<lb n="0448.10"/> Buch, welches unsre Streitigkeiten ent=
<lb n="0448.11"/> scheiden soll, und welches das Blut der
<lb n="0448.12"/> Muselm&#x00E4;nner, wie jetzt geschieht, ohne
<lb n="0448.13"/> Ursache zu vergiessen, verbiethet</hi>. Den=
<lb n="0448.14"/> jenigen, welche diese Piken trugen, war be=
<lb n="0448.15"/> fohlen, zugleich diese Unterschrift auszuruffen,
<lb n="0448.16"/> wenn sie wider den Feind anr&#x00FC;cken w&#x00FC;rden.
<lb n="0448.17"/> Moavias, welcher sich von dem guten Fortgan=
<lb n="0448.18"/> ge dieser Kriegslist viel versprach, bedienete sich
<lb n="0448.19"/> derselben in einem Treffen, in welchem seine
<lb n="0448.20"/> Trupen, durch die Wuth, mit der man sie ver=
<lb n="0448.21"/> folgete, beynahe g&#x00E4;nzlich in die Pfanne w&#x00E4;ren
<lb n="0448.22"/> gehauen worden. Damals nun lie&#x00DF; er die
<lb n="0448.23"/> Soldaten, welche die beschriebnen Piken tru=
<lb n="0448.24"/> gen, anr&#x00FC;cken; und sogleich h&#x00F6;reten die Araber
<lb n="0448.25"/> aus dem arabischen Jrak, die den Kern der
<lb n="0448.26"/> Armee des Ali ausmacheten, g&#x00E4;nzlich zu strei=
<lb n="0448.27"/> ten auf, und verlangeten von dem Feldherrn,
<lb n="0448.28"/> er solle zum Abzuge blasen lassen. Ali wandte
<lb n="0448.29"/> alles m&#x00F6;gliche an, seine Soldaten wieder zu
<lb n="0448.30"/> recht zu bringen, indem er ihnen vorstellete,
<lb n="0448.31"/> da&#x00DF; es nur eine von dem Feinde aus Verzweife=
<pb n="0449.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-510"/>
<lb n="0449.01"/> lung erfundne Kriegslist w&#x00E4;re. Alle seine<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>
<lb n="0449.02"/> Vorstellungen wurden nicht angeh&#x00F6;ret, und
<lb n="0449.03"/> man sagte ihm rund heraus: Wann er nicht
<lb n="0449.04"/> im Guten zum Abzuge wolle blasen lassen; so
<lb n="0449.05"/> w&#x00FC;rde man die Waffen selbst niederlegen.</p>
<lb n="0449.06" rend="indent"/> <p>Man muste sich also dem lermenden Ge=
<lb n="0449.07"/> schreye der aufr&#x00FC;hrischen Soldaten unterwerf=
<lb n="0449.08"/> fen, und eben zu einer Zeit zum Abzuge blasen
<lb n="0449.09"/> lassen, da man ohne viel M&#x00FC;he einen vollkom=
<lb n="0449.10"/> menen Sieg h&#x00E4;tte davon tragen k&#x00F6;nnen.</p>
<lb n="0449.11" rend="indent"/> <p>Da der Streit also unterbrochen ward; so
<lb n="0449.12"/> fing man an Unterhandlungen zu pflegen, um
<lb n="0449.13"/> Mittel ausfindig zu machen, den Streit, den
<lb n="0449.14"/> man nicht mit den Waffen schlichten wollte, in
<lb n="0449.15"/> der G&#x00FC;te beyzulegen. Man schlug dem Gese=
<lb n="0449.16"/> tze des Mahomets gem&#x00E4;&#x00DF; vor, die Entscheidung
<lb n="0449.17"/> zween Schiedsrichtern zu &#x00FC;berlassen, von de=
<lb n="0449.18"/> nen Moavias den einen, und Ali den andern
<lb n="0449.19"/> erw&#x00E4;hlen sollte.</p>
<lb n="0449.20" rend="indent"/> <p>Da man diese Einrichtung, ohne den Ali zu<note type="marginalie" place="rechts">Man &#x00FC;ber=<lb/><hi rend="spaced">l&#x00E4;sset den</hi><lb/>Streit der<lb/><hi rend="spaced">Entschei=</hi><lb/>dung zweer<lb/>Schiedsrich=<lb/>ter.</note>
<lb n="0449.21"/> Rathe zu ziehen, gemacht hatte; so kam man
<lb n="0449.22"/> endlich, und fragte ihn um seinen Beyfall. Er
<lb n="0449.23"/> antwortete ganz kaltsinnig: <hi rend="bold">Derjenige, der
<lb n="0449.24"/> seine Freyheit nicht hat, kan keinen Rath
<lb n="0449.25"/> geben</hi>. Diese Antwort, die seinen Widerwil=
<lb n="0449.26"/> len zur Gn&#x00FC;ge entdeckete, war Ursache, da&#x00DF;
<lb n="0449.27"/> diejenigen, welche die Unterhandlung mit dem
<lb n="0449.28"/> Moavias angefangen hatten, von selbst darinn
<lb n="0449.29"/> fortfuhren, um es zu einem Vergleiche zu brin=
<lb n="0449.30"/> gen. Sie ernenneten daher, aus eigener Macht,
<pb n="0450.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-511"/>
<lb n="0450.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>auf Seiten des Ali, den Abu = Mussa = al = Ascha=
<lb n="0450.02"/> ri, einen Muselmann, der wegen seiner Red=
<lb n="0450.03"/> lichkeit sehr ber&#x00FC;hmt, aber auch sehr leicht zu
<lb n="0450.04"/> hintergehen war, zum Schiedsrichter.</p>
<lb n="0450.05" rend="indent"/> <p>Ali willigte mit Verdrusse in diese Ernen=
<lb n="0450.06"/> nung ein; Er redete so gar davon mit dem An=
<lb n="0450.07"/> f&#x00FC;hrer der Soldaten aus Jrak, die die Aus=
<lb n="0450.08"/> f&#x00FC;hrung dieser Angelegenheit &#x00FC;bernommen hat=
<lb n="0450.09"/> ten, und schlug ihm vor, den Mussa zur&#x00FC;ck zu
<lb n="0450.10"/> ruffen, und den Abdallah = ebn = Abbas an seine
<lb n="0450.11"/> Statt zu schicken. Allein man antwortete ihm,
<lb n="0450.12"/> da&#x00DF; dieser sein naher Anverwandter sey, und al=
<lb n="0450.13"/> so bey einer Sache nicht k&#x00F6;nne gebrauchet wer=
<lb n="0450.14"/> den, die durchaus unpartheyische Richter ver=
<lb n="0450.15"/> lange.</p>
<lb n="0450.16" rend="indent"/> <p>Von Seiten des Moavias ernennete man
<lb n="0450.17"/> den ber&#x00FC;hmten Amru = ebn = al = As zum Schieds=
<lb n="0450.18"/> richter, der mit Recht f&#x00FC;r den geschiktesten und
<lb n="0450.19"/> spitzfindigsten unter den Arabern gehalten ward.
<lb n="0450.20"/> Diesem so wohl, als dem Mussa, gab man eine
<lb n="0450.21"/> von dem Ali, von dem Moavias, und von den
<lb n="0450.22"/> vornehmsten Anf&#x00FC;hrern beyder Kriegsheere eine
<lb n="0450.23"/> unterzeichnete Schrift in die H&#x00E4;nde, in der man
<lb n="0450.24"/> sich von beyden Theilen anheischig machete, al=
<lb n="0450.25"/> les, was von den Schiedsrichtern gesprochen
<lb n="0450.26"/> w&#x00FC;rde, treulich in das Werk zu richten.</p>
<lb n="0450.27" rend="indent"/> <p>Als man &#x00FC;ber diesen Punct einig war, so
<lb n="0450.28"/> machete man einen Entwurff, dessen Ausdr&#x00FC;cke
<lb n="0450.29"/> beynahe einige Zerr&#x00FC;ttung verursachet h&#x00E4;tten.
<lb n="0450.30"/> Derjenige, welcher ihn aufgesetzet, hatte mit
<pb n="0451.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-512"/>
<lb n="0451.01"/> diesen Worten angefangen: <hi rend="bold">Ali, Haupt und<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>
<lb n="0451.02"/> Beherrscher der Muselm&#x00E4;nner, verwil=
<lb n="0451.03"/> liget dem Moavias unter folgenden Be=
<lb n="0451.04"/> dingungen den Frieden, u. s. w</hi>. Als Moa=
<lb n="0451.05"/> vias diesen Titel gelesen hatte, wollte er durch=
<lb n="0451.06"/> aus nichts unterzeichnen; weil er den Ali in die=
<lb n="0451.07"/> ser W&#x00FC;rde nie erkannt h&#x00E4;tte. <hi rend="bold">Jch m&#x00FC;ste ein
<lb n="0451.08"/> sehr bo&#x00DF;hafter Mann seyn</hi>, sagete er, <hi rend="bold">wenn
<lb n="0451.09"/> ich mit dem Krieg f&#x00FC;hrete, den ich f&#x00FC;r
<lb n="0451.10"/> das Haupt und f&#x00FC;r den Beherrscher der
<lb n="0451.11"/> Muselm&#x00E4;nner erkennete</hi>. Amru = ebn = al=
<lb n="0451.12"/> As setzete sich gleichfalls wider diesen Titel, und
<lb n="0451.13"/> drang mit Nachdruck auf desselben Ausstrei=
<lb n="0451.14"/> chung. Auf der andern Seite aber riethen
<lb n="0451.15"/> dem Ali seine Anh&#x00E4;nger, nicht nachzugeben, und
<lb n="0451.16"/> diese ruhmvolle W&#x00FC;rde durchaus nicht unter=
<lb n="0451.17"/> dr&#x00FC;cken zu lassen.</p>
<lb n="0451.18" rend="indent"/> <p>Ali war anfangs sehr unentschlossen; doch
<lb n="0451.19"/> bequemete er sich endlich, diesen Titel dem Be=
<lb n="0451.20"/> sten des Friedens aufzuopfern. Er entdeckete
<lb n="0451.21"/> die Ursachen seiner Auff&#x00FC;hrung in einer Unter=
<lb n="0451.22"/> redung, die er mit dem Hanaf = ebn = Kais, wel=
<lb n="0451.23"/> cher einer andern Meinung war, dieserwegen
<lb n="0451.24"/> hatte.</p>
<lb n="0451.25" rend="indent"/> <p><hi rend="bold">Jch erinnere mich</hi>, sagte Ali, <hi rend="bold">da&#x00DF;, als
<lb n="0451.26"/> ich Schreiber bey dem Mahomet war,
<lb n="0451.27"/> der Prophet, mein Swiegervater, sich in
<lb n="0451.28"/> dem Friedensschlusse, den er mit dem So=
<lb n="0451.29"/> hail, welcher sich wider ihn emp&#x00F6;ret
<lb n="0451.30"/> hatte, einen Apostel und Gesandten
<lb n="0451.31"/> Gottes nennete. Als Sohail diesen Ti=</hi>
<pb n="0452.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-513"/>
<lb n="0452.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note><hi rend="bold">tel sah, wollte er den Frieden nicht un=
<lb n="0452.02"/> terzeichnen, und sagete zu mir: Wenn ich
<lb n="0452.03"/> deinen Schwiegervater daf&#x00FC;r hielte;
<lb n="0452.04"/> so w&#x00FC;rde ich ihn wahrhaftig nicht be=
<lb n="0452.05"/> krieget haben. Streiche diese Benen=
<lb n="0452.06"/> nung also nur so gleich aus! Mahomet
<lb n="0452.07"/> sagete hierauf zu mir: da&#x00DF; dieser Titel
<lb n="0452.08"/> von dem Friedensschlusse im geringsten
<lb n="0452.09"/> nicht abhienge, da&#x00DF; es auf die Zeit an=
<lb n="0452.10"/> kommen w&#x00FC;rde, seine Wahrhaftigkeit
<lb n="0452.11"/> zu best&#x00E4;tigen; und da&#x00DF; ich ihn also nur
<lb n="0452.12"/> hinweg lassen k&#x00F6;nnte. Er kehrete sich
<lb n="0452.13"/> hierauf zu mir, und sprach; Denke einmal
<lb n="0452.14"/> hieran, wenn du dich in gleichen Um=
<lb n="0452.15"/> st&#x00E4;nden befinden wirst</hi>. Ali lie&#x00DF; dem Ha=
<lb n="0452.16"/> naf also &#x00FC;berlegen, da&#x00DF; der Friede diese Auf=
<lb n="0452.17"/> opferung seiner W&#x00FC;rde nothwendig erfordre,
<lb n="0452.18"/> und da&#x00DF; er also ganz wohl darein willigen k&#x00F6;n=
<lb n="0452.19"/> ne, da er das verehrungsw&#x00FC;rdige Beyspiel des
<lb n="0452.20"/> Propheten vor sich h&#x00E4;tte.</p>
<lb n="0452.21" rend="indent"/> <p>So bald diese Schwierigkeit gehoben war,
<lb n="0452.22"/> unterzeichnete man den Friedensschlu&#x00DF;; und
<lb n="0452.23"/> gleich darauf begab sich Ali nach Cuffah, und
<lb n="0452.24"/> Moavias nach Damascus. Sie liessen ihren
<lb n="0452.25"/> Feldherren die Aufsicht &#x00FC;ber die Trupen, und
<lb n="0452.26"/> zu Verwaltung der geistlichen Verrichtungen
<lb n="0452.27"/> ernennete sich jeder einen Jman.</p>
<lb n="0452.28"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Wie sich<lb/>die</hi> beyden<lb/>Schiedsrich=<lb/>t{??}er bey dieser</note><p rend="indent">Nachdem den Schiedsrichtern der Ort, an
<lb n="0452.29"/> welchem sie ihre gemeinschaftlichen Ueberlegun=
<lb n="0452.30"/> gen anstellen sollten, angezeiget war, begaben sie
<pb n="0453.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-514"/>
<lb n="0453.01"/> sich kurz nach der Abreise des Ali und des Mo=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>
<lb n="0453.02"/> avias dahin. Amru, welcher die Gem&#x00FC;ths=
<lb n="0453.03"/> art seines Mitgeh&#x00FC;lfen kannte, &#x00FC;berh&#x00E4;ufete
<lb n="0453.04"/> ihn gleich anfangs mit H&#x00F6;flichkeiten und freund=<note type="marginalie" place="rechts">Gelegenheit<lb/>verhalten.</note>
<lb n="0453.05"/> schaftlichen Versicherungen; und durch dieses
<lb n="0453.06"/> Mittel gelang es ihm, denselben zu &#x00FC;berreden,
<lb n="0453.07"/> das beste, was man bey der Sache thun k&#x00F6;nne,
<lb n="0453.08"/> sey dieses, wenn man alle beyde Califen absetze,
<lb n="0453.09"/> und einen neuen erw&#x00E4;hle, der dem ganzen Vol=
<lb n="0453.10"/> ke angenehm sey.</p>
<lb n="0453.11" rend="indent"/> <p>Nachdem sie sich solcher gestallt mit einan=
<lb n="0453.12"/> der verabredet, begab sich jeder wieder in sein
<lb n="0453.13"/> Lager; und als der Tag der Entscheidung her=
<lb n="0453.14"/> an kam; r&#x00FC;cketen die Armeen des Ali und des
<lb n="0453.15"/> Moavias einander n&#x00E4;her; worauf man in der
<lb n="0453.16"/> Mitte eine Art von Richterstuhl aufrichtete,
<lb n="0453.17"/> auf welchem die beyden Schiedsrichter ihre Ent=
<lb n="0453.18"/> scheidung bekannt machen sollten.</p>
<lb n="0453.19" rend="indent"/> <p>Gleich anfangs stritten sie mit einander auf
<lb n="0453.20"/> das h&#x00F6;flichste, welcher von ihnen beyden zuerst
<lb n="0453.21"/> das Wort nehmen sollte. Mussa wollte dem
<lb n="0453.22"/> Amru diese Ehre lassen; dieser aber, der seine
<lb n="0453.23"/> Ursachen hatte, weigerte sich derselben so sehr,
<lb n="0453.24"/> da&#x00DF; Mussa endlich nachgeben muste. Er stieg
<lb n="0453.25"/> also auf den Richterstuhl, und sagete mit lauter
<lb n="0453.26"/> Stimme diese wenigen Worte: <hi rend="bold">Jch setze den
<lb n="0453.27"/> Ali und den Moavias von der Regie=
<lb n="0453.28"/> rung, auf die sie Anspruch machen, ab,
<lb n="0453.29"/> und nehme ihnen diese W&#x00FC;rde auf eben
<lb n="0453.30"/> die Art, wie ich diesen Ring von mei=</hi>
<pb n="0454.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-515"/>
<lb n="0454.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note><hi rend="bold">nem Finger ziehe</hi>. Er zog den Ring auch in
<lb n="0454.02"/> der That ab, und stieg sogleich von dem Richter=
<lb n="0454.03"/> stuhle herunter.</p>
<lb n="0454.04" rend="indent"/> <p>Als Amru hierauf eben den Platz einnahm,
<lb n="0454.05"/> zog er seinen Ring, ehe er noch zu reden an=
<lb n="0454.06"/> fieng, ab, und sprach zu der Versammlung:
<lb n="0454.07"/> <hi rend="bold">Jhr habt geh&#x00F6;ret, da&#x00DF; Abu = Mussa den
<lb n="0454.08"/> Ali abgesetzet hat: Jch f&#x00FC;r mein Theil
<lb n="0454.09"/> setze ihn gleichfalls ab, und ertheile dem
<lb n="0454.10"/> Moavias die Califenw&#x00FC;rde, mit der ich
<lb n="0454.11"/> ihn auf eben die Art bekleide, wie ich die=
<lb n="0454.12"/> sen Ring an meinen Finger stecke. Jch
<lb n="0454.13"/> thue dieses mit desto gr&#x00F6;&#x00DF;rem Vergn&#x00FC;=
<lb n="0454.14"/> gen und Rechte, jemehr er des Oth=
<lb n="0454.15"/> mans Erbe, und sein Blut zu r&#x00E4;chen
<lb n="0454.16"/> entschlossen ist</hi>.</p>
<lb n="0454.17" rend="indent"/> <p>Die Anh&#x00E4;nger des Ali, welche &#x00FC;ber den
<lb n="0454.18"/> Mussa sehr ungehalten geworden waren, als er
<lb n="0454.19"/> ihren Califen abgesetzet hatte, wurden es noch
<lb n="0454.20"/> weit mehr &#x00FC;ber den Amru, welcher die Einfalt
<lb n="0454.21"/> seines Mitgeh&#x00FC;lfen gemi&#x00DF;brauchet hatte, diese
<lb n="0454.22"/> Absetzung zu best&#x00E4;tigen und seinen Todfeind an
<lb n="0454.23"/> seine Stelle zu setzen. Mussa beklagete sich
<lb n="0454.24"/> gleichfalls sehr heftig, da&#x00DF; Amru wider ihre Ab=
<lb n="0454.25"/> rede gehandelt habe; Allein die Anh&#x00E4;nger des
<lb n="0454.26"/> Moavias betrachteten diese Sache nichts desto
<lb n="0454.27"/> weniger, als geschlichtet, wollten sich daher in
<lb n="0454.28"/> keine Untersuchung einlassen, und macheten sich
<lb n="0454.29"/> gefa&#x00DF;t, die G&#x00FC;ltigkeit ihres Hauptes zu verthei=
<lb n="0454.30"/> digen.</p>
<pb n="0455.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-516"/>
<lb n="0455.01" rend="indent"/> <p>Die zwo Partheyen fiengen nunmehr die<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>
<lb n="0455.02"/> unter den Mahometanern so bekannte Tren=
<lb n="0455.03"/> nung an, indem sie vermittelst einer gewissen
<lb n="0455.04"/> Formel, die man mit lauter Stimme aussprach,<note type="marginalie" place="rechts">Ursprung<lb/><hi rend="spaced">der Tren=</hi><lb/>nung unter<lb/>den Musel=<lb/>m&#x00E4;nnern.</note>
<lb n="0455.05"/> so oft in den Moscheen Reden gegen das Volk
<lb n="0455.06"/> gehalten wurden, einander beyderseits verfluch=
<lb n="0455.07"/> ten. Hieraus nun sind die zwo ber&#x00FC;chtigten
<lb n="0455.08"/> Secten entstanden, von denen die eine Aliden,
<lb n="0455.09"/> von dem Califen dieses Namens, und die ande=
<lb n="0455.10"/> re Ommiaden genennet wurden, weil Othman
<lb n="0455.11"/> und Moavias, die Feinde des Ali, aus dem Hau=
<lb n="0455.12"/> se des Ommiah waren.</p>
<lb n="0455.13" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrender Zeit, als man in Syrien war<note type="marginalie" place="rechts">Die Khare=<lb/>giten verlas=<lb/>sen die Par=<lb/>they des Ali.</note>
<lb n="0455.14"/> besch&#x00E4;ftiget gewesen, die Ruhe unter den Mu=
<lb n="0455.15"/> selm&#x00E4;nnern wieder herzustellen, muste sich Ali
<lb n="0455.16"/> mit gr&#x00F6;stem Verdrusse von einer Sekte verlassen
<lb n="0455.17"/> sehen, welche ihm bisher ziemlich war ergeben
<lb n="0455.18"/> gewesen. Man nennete diese Sekte <hi rend="bold">Khare=
<lb n="0455.19"/> giten</hi>. Sie waren die ausgelassensten Schw&#x00E4;r=
<lb n="0455.20"/> mer, welche keine oberste Gewalt erkannten,
<lb n="0455.21"/> als so fern sie ihren Nutzen bey der einen Par=
<lb n="0455.22"/> they mehr, als bey der andern fanden.</p>
<lb n="0455.23" rend="indent"/> <p>Als sich Ali nach Cuffah gezogen hatte, ka=
<lb n="0455.24"/> men einige von diesen Sektirern zu ihm, und
<lb n="0455.25"/> macheten ihm die heftigsten Vorw&#x00FC;rffe, da&#x00DF; er
<lb n="0455.26"/> bey einer so wichtigen Sache, als er mit dem
<lb n="0455.27"/> Moavias gehabt h&#x00E4;tte, seine Einwilligung zu
<lb n="0455.28"/> der Wahl der zween Schiedsrichter so leicht ge=
<lb n="0455.29"/> geben habe.</p>
<lb n="0455.30" rend="indent"/> <p>Sie stelleten ihm vor, dieses heisse eine Sa=
<pb n="0456.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-517"/>
<lb n="0456.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>che muthwillig verlieren wollen, wenn man die
<lb n="0456.02"/> Entscheidung, die Gott allein zuk&#x00E4;me, zween
<lb n="0456.03"/> Menschen &#x00FC;berliesse. Sie f&#x00FC;geten hinzu: da&#x00DF;
<lb n="0456.04"/> ob er gleich den Friedensschlu&#x00DF;, in welchem die
<lb n="0456.05"/> Wahl dieser zween Schiedsrichter genehm ge=
<lb n="0456.06"/> halten werde, unterzeichnet habe, er dennoch
<lb n="0456.07"/> nicht gehalten sey, sich ihrem Ausspruche zu
<lb n="0456.08"/> unterwerffen: da&#x00DF; es vielmehr das r&#x00FC;hmlichste
<lb n="0456.09"/> f&#x00FC;r ihn seyn w&#x00FC;rde, wenn er sich an die Spitze
<lb n="0456.10"/> seiner Trupen stellete, und den Feind ohne Ver=
<lb n="0456.11"/> schonung verfolgete.</p>
<lb n="0456.12" rend="indent"/> <p>Ali antwortete auf diese Vorstellungen:
<lb n="0456.13"/> Da&#x00DF; es wider seine Ehre seyn w&#x00FC;rde, ihren An=
<lb n="0456.14"/> schl&#x00E4;gen zu folgen, weil er die Friedensunter=
<lb n="0456.15"/> handlung unterzeichnet, und sie mit einem Eyde
<lb n="0456.16"/> zu halten versprochen habe, wodurch er schlech=
<lb n="0456.17"/> terdings verbunden sey, sein Wort so zu halten;
<lb n="0456.18"/> wie es das g&#x00F6;ttliche Gesetze gebiethe. Er f&#x00FC;ge=
<lb n="0456.19"/> te hinzu, durch sein Verfehen sey es nicht ge=
<lb n="0456.20"/> schehen, da&#x00DF; die Sache so &#x00FC;bel ausgeschlagen
<lb n="0456.21"/> w&#x00E4;re, da&#x00DF; an dem ganzen Ungl&#x00FC;cke die V&#x00F6;lker
<lb n="0456.22"/> von Jrak Schuld h&#x00E4;tten, welche die Waffen
<lb n="0456.23"/> niederzulegen gedrohet, wenn man das Treffen
<lb n="0456.24"/> fortdauern liesse, nachdem der Feind den Ko=
<lb n="0456.25"/> ran an der Spitze seiner Trupen aufgestellet;
<lb n="0456.26"/> da&#x00DF; er sie dazumal f&#x00FC;r diesem Fallstricke gewar=
<lb n="0456.27"/> net, da&#x00DF; aber seiner Vorstellungen ungeachtet, die
<lb n="0456.28"/> von Jrak zu streiten aufgeh&#x00F6;ret h&#x00E4;tten; da&#x00DF; ihn
<lb n="0456.29"/> ihre Meutereyen und Drohungen endlich gen&#x00F6;=
<lb n="0456.30"/> thiget h&#x00E4;tten, sich dem richterlichen Ausspruche
<lb n="0456.31"/> zu unterwerffen, &#x00FC;ber den sie sich ietzt beschwe=
<pb n="0457.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-518"/>
<lb n="0457.01"/> reten, und da&#x00DF; er, diesem Ausspruche zu Folge,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 37.<lb/>n. C. G. 657.</note>
<lb n="0457.02"/> sich ietzt in der That die H&#x00E4;nde gebunden habe,
<lb n="0457.03"/> und, ohne eydbr&#x00FC;chig zu werden, unm&#x00F6;glich da=
<lb n="0457.04"/> wider handeln k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0457.05" rend="indent"/> <p>Die Entschuldigungen des Califen wollten
<lb n="0457.06"/> den Kharegiten nicht in den Kopf; Sie mach=
<lb n="0457.07"/> ten Einwendungen dagegen, und endlich schlug
<lb n="0457.08"/> die Unterredung in einen Streit aus, welcher
<lb n="0457.09"/> sich mit einem &#x00F6;ffentlichen Aufstande wider den
<lb n="0457.10"/> Ali schlo&#x00DF;. Sie erw&#x00E4;hleten den Abdallah=ebn=
<lb n="0457.11"/> Vaheb zu ihrem Haupte, der ihnen eine Stadt,
<lb n="0457.12"/> Namens Naharvan zu ihrem Versammlungs=
<lb n="0457.13"/> orte ernennete, in der die Anzahl der Aufr&#x00FC;h=
<lb n="0457.14"/> rer in kurzer Zeit durch den Beytritt der Mi&#x00DF;=
<lb n="0457.15"/> vergn&#x00FC;gten von Cuffah, Basrah und andern
<lb n="0457.16"/> arabischen Orten, sehr stark anwuchs.</p>
<lb n="0457.17" rend="indent"/> <p>Ali war damals mit den Verdr&#x00FC;&#x00DF;lichkeiten,<note type="marginalie" place="rechts">Sie predi=<lb/>gen eine neue<lb/>Lehre.</note>
<lb n="0457.18"/> die ihm Moavias machete, allzusehr besch&#x00E4;fti=
<lb n="0457.19"/> get, als da&#x00DF; er auf diese neue Parthey viel Auf=
<lb n="0457.20"/> merksamkeit h&#x00E4;tte wenden k&#x00F6;nnen. Er dachte
<lb n="0457.21"/> daher nicht eher daran, dieser Unordnung abzu=
<lb n="0457.22"/> helfen, als bis diese Meuterey schon mehr, als
<lb n="0457.23"/> f&#x00FC;nf und zwanzigtausend Mann, unter ihren
<lb n="0457.24"/> Fahnen hatte. Sie breiteten sich in kurzer
<lb n="0457.25"/> Zeit in verschiednen Gegenden Arabiens aus,
<lb n="0457.26"/> wo sie mit den Waffen in der Hand eine Lehre
<lb n="0457.27"/> predigten, die der mahometanischen Religion
<lb n="0457.28"/> schnurstracks zuwider war.</p>
<lb n="0457.29" rend="indent"/> <p>Der schleunige Fortgang einer so gef&#x00E4;hrli=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>
<lb n="0457.30"/> chen Sekte bewegete endlich den Califen, es
<pb n="0458.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-519"/>
<lb n="0458.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>nicht l&#x00E4;nger zu verschieben, diesem Unheile ab=
<lb n="0458.02"/> zuhelfsen. Nachdem er es vergebens versuchet
<lb n="0458.03"/> hatte, sie durch G&#x00FC;te zurecht zu bringen, zog
<lb n="0458.04"/> er mit den Waffen in der Faust wider sie aus,
<lb n="0458.05"/> und schlug sein Lager unweit dem Orte auf, an
<lb n="0458.06"/> dem die Rebellen versammlet waren.</p>
<lb n="0458.07"/> <note type="marginalie" place="links">Ali zerstreu=<lb/>et die Par=<lb/>they der Kha=<lb/>regiten.</note><p rend="indent">W&#x00E4;hrender Zeit als seine Trupen ausraste=
<lb n="0458.08"/> ten, ersann er ein Mittel, welches er f&#x00FC;r f&#x00E4;=
<lb n="0458.09"/> hig hielt, die Rebellen zu r&#x00FC;hren, und sie zu
<lb n="0458.10"/> ihrer Schuldigkeit zur&#x00FC;ck zu bringen, ohne da&#x00DF;
<lb n="0458.11"/> er das Blut der Gl&#x00E4;ubigen dadurch vergiessen
<lb n="0458.12"/> d&#x00FC;rffe. Er lie&#x00DF; neben der Fahne, die an der
<lb n="0458.13"/> Spitze des Lagers stund, eine Pike aufrichten,
<lb n="0458.14"/> an der eine Schrift befestiget war, in welcher
<lb n="0458.15"/> der Calife allen denen Gnade und Sicherheit
<lb n="0458.16"/> versprach, welche sich zu ihm in sein Lager, oder
<lb n="0458.17"/> nach Cuffah, wenden wollten.</p>
<lb n="0458.18" rend="indent"/> <p>Ein gleiches lie&#x00DF; er unter dem Schalle der
<lb n="0458.19"/> Trompeten bekannt machen, und sah mit Ver=
<lb n="0458.20"/> gn&#x00FC;gen, da&#x00DF; er sich in seiner Hoffnung nicht be=
<lb n="0458.21"/> trogen habe. Die rebellischen Trupen zerstreue=
<lb n="0458.22"/> ten sich in sehr kurzer Zeit, so da&#x00DF; von dieser
<lb n="0458.23"/> zahlreichen Parthey nicht mehr, als ungefehr
<lb n="0458.24"/> viertausend &#x00FC;brig blieben, mit denen Abdallah
<lb n="0458.25"/> ihr Anf&#x00FC;hrer dem Califen die Spitze biethen
<lb n="0458.26"/> wollte. Allein, er ward seines k&#x00FC;hnen Unter=
<lb n="0458.27"/> nehmens wegen gar bald bestrafet: Er blieb
<lb n="0458.28"/> bey dem ersten Anfalle; und alle seine V&#x00F6;lker
<lb n="0458.29"/> wurden in die Pfanne gehauen; so, da&#x00DF; nicht
<lb n="0458.30"/> mehr, als neun Mann von den viertausenden,
<pb n="0459.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-520"/>
<lb n="0459.01"/> die das Treffen angefangen hatten, &#x00FC;brig blie=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>
<lb n="0459.02"/> ben.</p>
<lb n="0459.03" rend="indent"/> <p>Dieser Sieg machete, da&#x00DF; sehr viele Araber,
<lb n="0459.04"/> welche die Rebellen gegen den Ali erbittert hat=
<lb n="0459.05"/> ten, wieder zu ihm kamen; und kurz darauf
<lb n="0459.06"/> sah er seine Gewalt unter ihnen so befestiget,
<lb n="0459.07"/> da&#x00DF; er, nichts bef&#x00FC;rchten zu d&#x00FC;rfen, glaubete.
<lb n="0459.08"/> Es war genug, da&#x00DF; er so f&#x00FC;rchterliche Feinde,
<lb n="0459.09"/> als die Syrer waren, hatte, welche den Moa=
<lb n="0459.10"/> vias, als ihrem Califen, best&#x00E4;ndig treu blieben
<lb n="0459.11"/> und in ihrem Aufruhre verharreten.</p>
<lb n="0459.12" rend="indent"/> <p>Ali hatte den Anschlag gefasset, wieder nach<note type="marginalie" place="rechts">Ali machet<lb/><hi rend="spaced">sich fertig,<lb/>wider</hi> den<lb/><hi rend="spaced">Moavias</hi><lb/>auszuziehen.</note>
<lb n="0459.13"/> Syrien zu kehren, in Hoffnung, sein &#x00FC;ber die
<lb n="0459.14"/> Kharegiten davon getragner Sieg w&#x00FC;rde die
<lb n="0459.15"/> Anh&#x00E4;nger des Moavias wankend machen, und
<lb n="0459.16"/> ihm den Weg zu gr&#x00F6;ssern Vortheilen er&#x00F6;ffnen.
<lb n="0459.17"/> Als ihm aber seine Heerf&#x00FC;hrer vorstelleten,
<lb n="0459.18"/> da&#x00DF;, da die Trupen der Ruhe ben&#x00F6;thiget w&#x00E4;ren,
<lb n="0459.19"/> und der Krieg, den er vorh&#x00E4;tte, ohne Zweifel
<lb n="0459.20"/> anhaltend seyn w&#x00FC;rde, es der Klugheit gem&#x00E4;&#x00DF;
<lb n="0459.21"/> sey, sich zu den diesfalls erforderlichen Anstal=
<lb n="0459.22"/> ten, die geh&#x00F6;rige Zeit zu nehmen; So gab er
<lb n="0459.23"/> endlich nach, und nahm alle Maa&#x00DF;regeln, seine
<lb n="0459.24"/> Trupen in den Stand zu setzen, da&#x00DF; sie sich
<lb n="0459.25"/> mit Ehren bey dem vorhabenden Unternehmen
<lb n="0459.26"/> zeigen k&#x00F6;nnten. Er versammlete alle seine
<lb n="0459.27"/> Trupen bey Nakilah unweit Cuffah. Hier er=
<lb n="0459.28"/> richtete er ein Lager, in dem sich seine Trupen
<lb n="0459.29"/> erhohlen und durch die neue Mannschaft, die
<lb n="0459.30"/> er in Arabien werben und in den Kriegs&#x00FC;bun=
<lb n="0459.31"/> gen abrichten lassen, verst&#x00E4;rken konnten.</p>
<pb n="0460.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-521"/>
<lb n="0460.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note><p rend="indent">W&#x00E4;hrender Zeit, da der Calife seine Kr&#x00E4;f=
<lb n="0460.02"/> te wider den Moavias zusammen zog, vers&#x00E4;ume=
<lb n="0460.03"/> te dieser f&#x00FC;rchterliche Mitbuhler nichts, sich wi=
<lb n="0460.04"/> der den Ali zu erhalten, und das Volk, das ihm
<lb n="0460.05"/> noch ergeben war, abspenstig zu machen. Er
<lb n="0460.06"/> unternahm unter andern in Aegypten einen
<lb n="0460.07"/> Aufstand zu erwecken, und kam auf eine sehr
<lb n="0460.08"/> geschickte Art damit zu Stande.</p>
<lb n="0460.09" rend="indent"/> <p>Aegypten war dem Ali best&#x00E4;ndig treu ge=
<lb n="0460.10"/> blieben. Zwar hatte diese Provinz im Anfan=
<lb n="0460.11"/> ge seiner Regierung grosse Bewegungen gema=
<lb n="0460.12"/> chet, und verlanget, da&#x00DF; er den Tod des Oth=
<lb n="0460.13"/> mans r&#x00E4;chen solle. Sie hatte so gar, als er
<lb n="0460.14"/> Schwierigkeiten machete, sich in ein so kitzliches
<lb n="0460.15"/> Unternehmen einzulassen, den Saad = ebn = Kais,
<lb n="0460.16"/> welchen er statt des Amru zum Statthalter
<lb n="0460.17"/> eingesetzet hatte, nicht aufnehmen wollen.</p>
<lb n="0460.18"/> <note type="marginalie" place="links">Saad setzt<lb/>sich in Aegy=<lb/>pten f&#x00FC;r den<lb/>Ali feste.</note><p rend="indent">Da aber bald darauf die Angelegenheiten
<lb n="0460.19"/> ein wenig ruhiger geworden waren, hatte
<lb n="0460.20"/> Saad versuchet, wieder nach Aegypten zu keh=
<lb n="0460.21"/> ren, wo es ihm endlich gegl&#x00FC;cket war, sich, als
<lb n="0460.22"/> Statthalter, festzusetzen. Dieser Muselmann
<lb n="0460.23"/> war ein Mann von der vollkommensten Klug=
<lb n="0460.24"/> heit und der unverbr&#x00FC;chlichsten Treue. Er wu=
<lb n="0460.25"/> ste in diesem Posten sich so geschickt und vor=
<lb n="0460.26"/> sichtig aufzuf&#x00FC;hren, da&#x00DF; er, der grossen An=
<lb n="0460.27"/> zahl ungeachtet, die dem Moavias durchaus
<lb n="0460.28"/> ergeben war, Mittel fand, das Beste des Ali
<lb n="0460.29"/> zu besorgen, ohne der gegenseitigen Parthey
<lb n="0460.30"/> mi&#x00DF;zufallen. Er erwarb sich so gar bey den
<pb n="0461.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-522"/>
<lb n="0461.01"/> meisten unter ihr die gr&#x00F6;sten Lobeserhe=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>
<lb n="0461.02"/> bungen.</p>
<lb n="0461.03" rend="indent"/> <p>Als der verschlagne Moavias sahe, da&#x00DF; es<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Moavias<lb/>macht ihn</hi><lb/>bey dem Ali<lb/>verd&#x00E4;chtig.</note>
<lb n="0461.04"/> schwer seyn w&#x00FC;rde, in diesem Lande einen Auf=
<lb n="0461.05"/> stand zu erregen, so lange es ein so kluger Mann
<lb n="0461.06"/> regierete: so nahm er sich vor, ihn zur&#x00FC;ck ruf=
<lb n="0461.07"/> fen zu lassen, wobey er auf folgende Art zu
<lb n="0461.08"/> Werke ging. Er sprengete in ganz Syrien
<lb n="0461.09"/> aus, da&#x00DF; er von Aegypten nichts zu bef&#x00FC;rchten
<lb n="0461.10"/> habe, weil er gewi&#x00DF; wisse, da&#x00DF; sich diese Pro=
<lb n="0461.11"/> vinz, so bald es Zeit seyn, f&#x00FC;r ihn erkl&#x00E4;ren
<lb n="0461.12"/> w&#x00FC;rde; da&#x00DF; Saad einer von seinen eifrigsten
<lb n="0461.13"/> Anh&#x00E4;ngern sey, auf den er sich um so viel mehr
<lb n="0461.14"/> verlassen k&#x00F6;nne, je ungemeiner die Klugheit
<lb n="0461.15"/> sey, mit welcher er sich auff&#x00FC;hre, so da&#x00DF; man
<lb n="0461.16"/> ihn sicher die gr&#x00F6;sten Geheimnisse anvertrauen
<lb n="0461.17"/> k&#x00F6;nne.</p>
<lb n="0461.18" rend="indent"/> <p>Dieses Ger&#x00FC;chte, welches mit einer Art von
<lb n="0461.19"/> Behutsamkeit ausgebreitet ward, kam gar bald
<lb n="0461.20"/> &#x00FC;berall herum. Moavias, der heimliche Kund=
<lb n="0461.21"/> schafter und Anh&#x00E4;nger an des Ali Hofe hatte,
<lb n="0461.22"/> fand Mittel, diesen Statthalter verd&#x00E4;chtig zu
<lb n="0461.23"/> machen. Man &#x00FC;bertrieb seine M&#x00E4;&#x00DF;igung, die
<lb n="0461.24"/> er gegen die Feinde des Ali zeigete, und unterlie&#x00DF;
<lb n="0461.25"/> nichts, ihn auf alle m&#x00F6;gliche Art bey dem Cali=
<lb n="0461.26"/> fen zu verschw&#x00E4;rzen.</p>
<lb n="0461.27" rend="indent"/> <p>Die Stelle, welche Ali bekleidete, war an
<lb n="0461.28"/> und f&#x00FC;r sich selbst gl&#x00E4;nzend genug, den Neid
<lb n="0461.29"/> der Hofleute zu erwecken, und es fanden sich
<lb n="0461.30"/> verschiedene darunter, welche dieses Ger&#x00FC;ch=
<pb n="0462.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-523"/>
<lb n="0462.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>te zu best&#x00E4;tigen sucheten, um den Statthalter
<lb n="0462.02"/> zu st&#x00FC;rzen, und sein Ungl&#x00FC;ck in ihren Nutzen
<lb n="0462.03"/> zu verwandeln. Ali lie&#x00DF; sich durch diese R&#x00E4;n=
<lb n="0462.04"/> ke &#x00FC;berlisten. Man schilderte ihm dem Saad
<lb n="0462.05"/> als einen Schuldigen ab. Anfangs zwar wollte
<lb n="0462.06"/> er nichts glauben; diejenigen aber, welche ih=
<lb n="0462.07"/> ren Vortheil darunter sucheten, wusten ihn so
<lb n="0462.08"/> oft damit zu &#x00FC;bert&#x00E4;uben, da&#x00DF; er ihn endlich zu=
<lb n="0462.09"/> r&#x00FC;ck zu ruffen beschlo&#x00DF;, und den Mahomet, den
<lb n="0462.10"/> Sohn des Abubekers, in seine Stelle einsetzete.</p>
<lb n="0462.11"/> <note type="marginalie" place="links">Saad wird<lb/>zur&#x00FC;ck geruf=<lb/>fen, und sei=<lb/>ne Statthal=<lb/>terschaft dem<lb/><hi rend="spaced">Mahomet</hi><lb/>gegeben.</note><p rend="indent">Die Auff&#x00FC;hrung, die dieser neue Statthal=
<lb n="0462.12"/> ter beobachtete, hatte alle Wirkungen, die sich
<lb n="0462.13"/> Moavias von dieser Ver&#x00E4;nderung versprach.
<lb n="0462.14"/> Mahomet glaubete, sich bey dem Ali einzuschmei=
<lb n="0462.15"/> cheln, wenn er seine Feinde auf das h&#x00E4;rteste
<lb n="0462.16"/> verfolgete, und besonders die Anh&#x00E4;nger des
<lb n="0462.17"/> Moavias nicht im geringsten verschonete. Die=
<lb n="0462.18"/> ser unbedachtsame Eifer erbitterte die Aegypter
<lb n="0462.19"/> wider den Mahomet; und selbst die, welche dem
<lb n="0462.20"/> Ali am ergebensten waren, konnten sich nicht
<lb n="0462.21"/> enthalten, die Sch&#x00E4;rfe, die man wider die Ge=
<lb n="0462.22"/> genparthey brauchete, zu verdammen. Sie sa=
<lb n="0462.23"/> hen mit Schmerzen voraus, da&#x00DF; ein solches
<lb n="0462.24"/> Verfahren das Ansehen des Califen g&#x00E4;nzlich zu
<lb n="0462.25"/> Boden werfen, und nach der Ruhe, die man
<lb n="0462.26"/> unter dem Saad genossen hatte, nichts als Un=
<lb n="0462.27"/> ruhen verursachen w&#x00FC;rde.</p>
<lb n="0462.28"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Uschstut,<lb/>welcher</hi> an<lb/>seine Stelle<lb/>k&#x00F6;mmt, wird<lb/>vergiftet.</note><p rend="indent">Als Ali schleunig von der Gefahr Nachricht
<lb n="0462.29"/> bekam, mit welcher sein Ansehen in Aegypten
<lb n="0462.30"/> bedrohet w&#x00FC;rde, wenn er dem Mahomet die
<pb n="0463.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-524"/>
<lb n="0463.01"/> Statthalterschaft l&#x00E4;nger liesse; so ernennete er<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>
<lb n="0463.02"/> den Uschstut = Malek, ihn abzul&#x00F6;sen. Dieser
<lb n="0463.03"/> Muselmann stund ohne Zweifel in einem allzu=
<lb n="0463.04"/> grossen Ansehen, als da&#x00DF; Moavias sich f&#x00FC;r sei=
<lb n="0463.05"/> ner Ankunft nicht h&#x00E4;tte f&#x00FC;rchten sollen. Er
<lb n="0463.06"/> schickete ihm daher, so bald er seine Ernennung
<lb n="0463.07"/> erfuhr, einen Mann entgegen, auf den er sich
<lb n="0463.08"/> verlassen konnte, und dem er auftrug, diesen neu=
<lb n="0463.09"/> en Statthalter zu vergiften. Dieser sch&#x00E4;ndliche
<lb n="0463.10"/> Anschlag ward nur allzuwohl ausgef&#x00FC;hret, und
<lb n="0463.11"/> man erfuhr gar bald, das Malek an einem Or=
<lb n="0463.12"/> te, an dem er unter Weges Rasttag gehalten
<lb n="0463.13"/> hatte, am Gifte gestorben w&#x00E4;re.</p>
<lb n="0463.14" rend="indent"/> <p>Moavias, der diese Nachricht mit Unge=<note type="marginalie" place="rechts">Amru ni<expan>mm</expan>t<lb/>Aegypten f&#x00FC;r<lb/>den Moavias<lb/>ein.</note>
<lb n="0463.15"/> dult erwartete, schickete hiera uf den mru = ebn=
<lb n="0463.16"/> al = As mit sechstausend Reutern aus, sich der
<lb n="0463.17"/> Statthalterschaft von Aegypten in seinem Na=
<lb n="0463.18"/> men zu bem&#x00E4;chtigen. Dieser Feldherr legete sei=
<lb n="0463.19"/> nen Weg in der gr&#x00F6;sten Geschwindigkeit zur&#x00FC;ck,
<lb n="0463.20"/> und kam in wenig Tagen unweit der Hauptstadt
<lb n="0463.21"/> dieses Landes an, wo er den Ben = Scharig, das
<lb n="0463.22"/> Haupt der Anh&#x00E4;nger des Othmanns, antraf, der
<lb n="0463.23"/> nichts, als eine g&#x00FC;nstige Gelegenheit, erwartete,
<lb n="0463.24"/> sich an dem Mahomet, wegen der Gewaltth&#x00E4;=
<lb n="0463.25"/> tigkeiten, die er ihm zugef&#x00FC;get hatte, zu r&#x00E4;chen.
<lb n="0463.26"/> Diese zween Feldherren vereinigten ihre Trupen,
<lb n="0463.27"/> und sucheten den Feind gemeinschaftlich auf.</p>
<lb n="0463.28" rend="indent"/> <p>Mahomet, der in Erwartung desjenigen,
<lb n="0463.29"/> der ihn abl&#x00F6;sen sollte, noch immer das Amt ei=
<lb n="0463.30"/> nes Statthalters verwaltete, hatte sich mit Tru=
<pb n="0464.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-525"/>
<lb n="0464.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>pen, die Rebellen der Provinz im Zaume zu hal=
<lb n="0464.02"/> ten, versehen; allein er war nicht stark genug,
<lb n="0464.03"/> so betr&#x00E4;chtlichen H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lkern, die Amru und
<lb n="0464.04"/> Scharig den Aufr&#x00FC;hrern zuf&#x00FC;hreten, die Spi=
<lb n="0464.05"/> tze zu biethen. Als er daher die beyden Feld=
<lb n="0464.06"/> herren aufgesuchet, um ihnen eine Schlacht zu
<lb n="0464.07"/> liefern, noch ehe sie tiefer in die Statthalter=
<lb n="0464.08"/> schaft eingedrungen w&#x00E4;ren: so ward er geschla=
<lb n="0464.09"/> gen, und was das betr&#x00FC;bteste dabey war, so fiel
<lb n="0464.10"/> <note type="marginalie" place="links">Mahomet<lb/>wird get&#x00F6;d=<lb/>tet.</note>er den Feinden in die H&#x00E4;nde. Die Anh&#x00E4;nger
<lb n="0464.11"/> des Othmans bestrafeten ihn nunmehr mit der
<lb n="0464.12"/> &#x00E4;usersten Grausamkeit, wegen der &#x00FC;blen Bege=
<lb n="0464.13"/> gnungen, die sie von ihm hatten erdulden m&#x00FC;s=
<lb n="0464.14"/> sen. Sie ermordeten ihn, nahmen die Einge=
<lb n="0464.15"/> weide aus einem Esel, stecketen den K&#x00F6;rper des
<lb n="0464.16"/> Mahomets hinein, und warffen ihn also in das
<lb n="0464.17"/> Feuer.</p>
<lb n="0464.18" rend="indent"/> <p>Diese neue Ver&#x00E4;nderung machete bey dem
<lb n="0464.19"/> Ali den allertraurigsten Eindruck. Er schickete
<lb n="0464.20"/> so gleich nach Basrah, und lie&#x00DF; dem Abdallah =
<lb n="0464.21"/> ebn = Abbas, der daselbst Statthalter war, sa=
<lb n="0464.22"/> gen: da&#x00DF; er schleunigst zu ihm nach Cuffah kom=
<lb n="0464.23"/> men solle, die bey diesen Umst&#x00E4;nden n&#x00F6;thigen
<lb n="0464.24"/> Maa&#x00DF;regeln berathschlagen zu helffen.</p>
<lb n="0464.25" rend="indent"/> <p>Das k&#x00FC;rzeste Mittel w&#x00E4;re ohne Zweifel die=
<lb n="0464.26"/> ses gewesen, wenn er sich der zahlreichen Ar=
<lb n="0464.27"/> mee bedienet h&#x00E4;tte, die sich bey Nakilah gela=
<lb n="0464.28"/> gert hatte, und genugsam ausgerastet haben
<lb n="0464.29"/> konnte; und wenn er mit derselben dem unge=
<lb n="0464.30"/> mein gesch&#x00E4;ftigen Feind entgegen gezogen w&#x00E4;re,
<pb n="0465.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-526"/>
<lb n="0465.01"/> welcher sich alle Augenblicke zu Nutze machete,<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 38.<lb/>n. C. G. 658.</note>
<lb n="0465.02"/> und nach der Eroberung Aegyptens ohne Zeit=
<lb n="0465.03"/> verlust seine Siege weiter ausbreiten wollte.
<lb n="0465.04"/> Allein Ali verdarb seine Zeit mit unn&#x00F6;thigen
<lb n="0465.05"/> Berathschlagungen; Moavias hingegen mache=
<lb n="0465.06"/> te sich derselben desto besser zu Nutze, indem er
<lb n="0465.07"/> auf das schleunigste zweytausend Reuter unter
<lb n="0465.08"/> Anf&#x00FC;hrung Hadrami aufbrechen lies. Dieser<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Habrami</hi><lb/>bem&#x00E4;chtiget<lb/>sich d. Stadt<lb/>Basrah.</note>
<lb n="0465.09"/> Feldherr gieng auf Basrah los, und &#x00FC;berra=
<lb n="0465.10"/> schete die Stadt w&#x00E4;hrender Abwesenheit des
<lb n="0465.11"/> Abdallah. Dieser Befehlshaber hatte das
<lb n="0465.12"/> Regiment in diesem Platze einem seiner Freun=
<lb n="0465.13"/> de, Namens Ziad, anvertrauet. Weil die=
<lb n="0465.14"/> ser nicht stark genug war, sich zu erhalten, so
<lb n="0465.15"/> verlies er Basrah bey Ankunft des Feindes, und
<lb n="0465.16"/> schickete zugleich an den Ali, ihm von seinen Um=
<lb n="0465.17"/> st&#x00E4;nden Nachricht geben zu lassen, in welchen
<lb n="0465.18"/> er schleinige Verst&#x00E4;rkung n&#x00F6;thig habe, wenn er
<lb n="0465.19"/> sich in freyem Felde sollte zeigen d&#x00FC;rfen.</p>
<lb n="0465.20" rend="indent"/> <p>Der Calife lies den Augenblick eine ansehn=<note type="marginalie" place="rechts">Er wird ge=<lb/>schlagen, und<lb/>die <hi rend="spaced">Stadt</hi><lb/>wieder ero=<lb/>bert.</note>
<lb n="0465.21"/> liche Mannschafft aufbrechen, mit welcher Ziad
<lb n="0465.22"/> dem Hadrami entgegen zog, und ihn in einem
<lb n="0465.23"/> Treffen, welches nicht weit von Basrah vorfiel,
<lb n="0465.24"/> g&#x00E4;ntzlich schlug. Er kam hierauf wieder in die
<lb n="0465.25"/> Stadt, welche sich ohne Schwierigkeit der ober=
<lb n="0465.26"/> sten Gewalt des Ali wieder unterwarf. Die=
<lb n="0465.27"/> ser nach so manchem Verluste erstrittene Vor=
<lb n="0465.28"/> theil beruhigte den Califen wieder ein wenig.
<lb n="0465.29"/> Er beurlaubete kurz darauf den Abdallah, der
<lb n="0465.30"/> wieder in seine Statthalterschaft zur&#x00FC;ck kehre=
<lb n="0465.31"/> te, und seine Stadt in solchen Stand der Ver=
<pb n="0466.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-527"/>
<lb n="0466.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 39.<lb/>n. C. G. 659.</note>theidigung setzete, da&#x00DF; er dergleichen Ueberra=
<lb n="0466.02"/> schung nicht mehr besorgen d&#x00FC;rfe.</p>
<lb n="0466.03" rend="indent"/> <p>Mit dieser Begebenheit gieng das acht und
<lb n="0466.04"/> drey&#x00DF;igste Jahr der Hegire und das 658. nach
<lb n="0466.05"/> Christi Geburth zu Ende. Jn dem folgenden
<lb n="0466.06"/> Jahre fiel nichts merkw&#x00FC;rdiges vor; die Syrer
<lb n="0466.07"/> waren durch den Krieg abgemattet, und liessen
<lb n="0466.08"/> die Araber in Ruhe, welche ihrer Seits auf
<lb n="0466.09"/> nichts, als auf ihre Vertheidigung bedacht wa=
<lb n="0466.10"/> ren.</p>
<lb n="0466.11"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note><p rend="indent">Mit dem Anfange des vierzigsten Jahres
<lb n="0466.12"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Moavias</hi><lb/>bem&#x00E4;chtiget<lb/>sich der Pro=<lb/>vinz Hegiaz.</note>der Hegire that sich Moavias mit neuen Unter=
<lb n="0466.13"/> nehmungen hervor. Das heimliche Verst&#x00E4;nd=
<lb n="0466.14"/> ni&#x00DF;, welches er in der Provinz Hegiaz unter=
<lb n="0466.15"/> halten hatte, brachte ihn auf den Entschlu&#x00DF;,
<lb n="0466.16"/> V&#x00F6;lker dahin zu schicken, um sich der vornehm=
<lb n="0466.17"/> sten St&#x00E4;dte des Landes zu bem&#x00E4;chtigen, und
<lb n="0466.18"/> sich dadurch den Weg zur Eroberung von Ye=
<lb n="0466.19"/> men zu bahnen.</p>
<lb n="0466.20" rend="indent"/> <p>Die Eroberung der Provinz Hegiaz kostete
<lb n="0466.21"/> den syrischen Trupen nichts, als eine Reise.
<lb n="0466.22"/> Die Araber, welche Zeit genug gehabt h&#x00E4;tten,
<lb n="0466.23"/> ihre Pl&#x00E4;tze in wehrhaften Stand zu setzen, und
<lb n="0466.24"/> Mannschaft auf die Beine zu bringen, hatten
<lb n="0466.25"/> weder an das eine, noch an das andere ge=
<lb n="0466.26"/> dacht; so da&#x00DF; auf die erste Nachricht von dem
<lb n="0466.27"/> Anzuge der Syrer die Befehlshaber der vor=
<lb n="0466.28"/> nehmsten St&#x00E4;dte in Hegiaz ihre Pl&#x00E4;tze verlies=
<lb n="0466.29"/> sen. Die Feldherren des Moavias bem&#x00E4;chtig=
<lb n="0466.30"/> ten sich also derselben ohne Schwierigkeit, und
<pb n="0467.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-528"/>
<lb n="0467.01"/> nahmen besonders Medina und Mecca ein, de=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0467.02"/> ren Einwohner dem Moavias den Eyd der
<lb n="0467.03"/> Treue zu leisten gezwungen wurden.</p>
<lb n="0467.04" rend="indent"/> <p>Als sich hierauf die syrischen Trupen ge=<note type="marginalie" place="rechts">Seine Tru=<lb/>pen verw&#x00FC;=<lb/>sten Yemen.</note>
<lb n="0467.05"/> fa&#x00DF;t macheten, ihre Waffen wider Yemen zu
<lb n="0467.06"/> richten; so zog ihnen Abidallah, der Statthal=
<lb n="0467.07"/> ter dieses Landes, bis an die Grenze entgegen,
<lb n="0467.08"/> in Hofnung, sie zu schlagen, damit sie nicht
<lb n="0467.09"/> tieffer eindringen m&#x00F6;chten; allein der Ausgang
<lb n="0467.10"/> kam mit seiner Vermuthung gar nicht &#x00FC;berein.
<lb n="0467.11"/> Er ward geschlagen und v&#x00F6;llig in die Flucht ge=
<lb n="0467.12"/> trieben. Zwey von seinen Kindern, die noch
<lb n="0467.13"/> ganz jung waren, fielen in die H&#x00E4;nde der Sy=
<lb n="0467.14"/> rer, und wurden von ihnen auf eine grausame
<lb n="0467.15"/> Weise mi&#x00DF;gehandelt und endlich get&#x00F6;dtet.</p>
<lb n="0467.16" rend="indent"/> <p>Die arabischen Geschichtschreiber erzehlen,
<lb n="0467.17"/> Ali w&#x00E4;re von dem Schicksale dieser zwey un=
<lb n="0467.18"/> gl&#x00FC;cklichen Kinder so ger&#x00FC;hret worden, da&#x00DF; er
<lb n="0467.19"/> den allerschrecklichsten Fluch wider den Urheber
<lb n="0467.20"/> dieser Unmenschlichkeiten ausgesprochen, und
<lb n="0467.21"/> Gott gebeten, ihn der Vernunft zu berauben.
<lb n="0467.22"/> Jn der That f&#x00FC;gen die Geschichtschreiber hinzu,
<lb n="0467.23"/> verlohr auch Arthah, (so hie&#x00DF; der Feldherr des
<lb n="0467.24"/> Moovias, der an diesen Grausamkeiten Schuld
<lb n="0467.25"/> gehabt hatte,) wenig Jahre darauf den Ber=
<lb n="0467.26"/> stand, und verfiel in eine Raserey, die in kurzer
<lb n="0467.27"/> Zeit ihn um das Leben brachte.</p>
<lb n="0467.28" rend="indent"/> <p>W&#x00E4;hrender Zeit als die Syrer in Yemen
<lb n="0467.29"/> waren, schickete Ali verschiedene Geschwader
<lb n="0467.30"/> unter Anf&#x00FC;hrung eines Feldherrn, Namens Gia=
<pb n="0468.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-529"/>
<lb n="0468.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>riah, in diese Provinz. Diese H&#x00FC;lfe war den
<lb n="0468.02"/> Einwohnern des Landes wenig n&#x00FC;tze. Als die
<lb n="0468.03"/> Syrer hinein gefallen waren, hatten sie sich blos
<lb n="0468.04"/> damit besch&#x00E4;ftiget, es in der Geschwindigkeit zu
<lb n="0468.05"/> verw&#x00FC;sten, und waren hernach in aller Eil wie=
<lb n="0468.06"/> der zur&#x00FC;ck gezogen, so da&#x00DF; sie ihr Land schon
<lb n="0468.07"/> wieder erreichet hatten, als Giariah nach
<lb n="0468.08"/> Yemen kam.</p>
<lb n="0468.09"/> <note type="marginalie" place="links">Okail tritt<lb/>auf die Seite<lb/>des Moavi=<lb/>as.</note><p rend="indent">Mitten unter diesen ungl&#x00FC;cklichen Zuf&#x00E4;llen
<lb n="0468.10"/> bekam Ali noch eine neue Ursache des Verdrus=
<lb n="0468.11"/> ses, der ihm dadurch so viel empfindlicher war,
<lb n="0468.12"/> weil er von seinem eigenen Bruder ihm verur=
<lb n="0468.13"/> sachet ward. Okail, so nennete sich dieser Mu=
<lb n="0468.14"/> selmann, hatte die Niedertr&#x00E4;chtigkeit, den Ali zu
<lb n="0468.15"/> verlassen, und sich auf die Seite des Moavias
<lb n="0468.16"/> zu schlagen; zur Ursach dieses schimpflichen Ab=
<lb n="0468.17"/> falles wuste er nichts anders anzuf&#x00FC;hren, als da&#x00DF;
<lb n="0468.18"/> ihm sein Bruder nicht genug g&#x00E4;be, dem Range,
<lb n="0468.19"/> den er unter seinem Volke habe, gem&#x00E4;s zu
<lb n="0468.20"/> leben.</p>
<lb n="0468.21"/> <note type="marginalie" place="links">Es wird ein<lb/>Anschlag ge=<lb/>macht, alle<lb/>H&#x00E4;upter der<lb/>Partheyen<lb/>um das Le=<lb/>ben zu brin=<lb/>gen.</note><p rend="indent">Zu eben der Zeit entstund eine Verschw&#x00F6;=
<lb n="0468.22"/> rung, die zur Absicht hatte, alle H&#x00E4;upter der
<lb n="0468.23"/> Partheyen zugleich aus dem Wege zu r&#x00E4;umen.
<lb n="0468.24"/> Dieser Anschlag ward von drey Kharegiten ge=
<lb n="0468.25"/> machet, die in Mecca waren, und sich &#x00FC;ber
<lb n="0468.26"/> die Schlacht bey Naharvan, wo viertausend
<lb n="0468.27"/> von ihren Leuten von den Trupen des Ali waren
<lb n="0468.28"/> in die Pfanne gehauen worden, mit einander
<lb n="0468.29"/> besprachen.</p>
<lb n="0468.30" rend="indent"/> <p>Nachdem sie die tapfern Soldaten, die da=
<pb n="0469.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-530"/>
<lb n="0469.01"/> bey umgekommen, genungsam bedauert, gien=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0469.02"/> gen sie zu der Quelle der b&#x00FC;rgerlichen Kriege
<lb n="0469.03"/> zur&#x00FC;ck, welche den Staat seit einiger Zeit zer=
<lb n="0469.04"/> rissen hatten; und als sie endlich &#x00FC;berlegeten,
<lb n="0469.05"/> da&#x00DF; Ali, Moavias, und Amru, die vornehmste
<lb n="0469.06"/> Ursache dieser Unruhen w&#x00E4;ren: so ward be=
<lb n="0469.07"/> schlossen, sie alle drey aus dem Wege zu r&#x00E4;u=
<lb n="0469.08"/> men, und durch ihren Untergang ihr Vaterland
<lb n="0469.09"/> wieder in Ruhe zu setzen.</p>
<lb n="0469.10" rend="indent"/> <p>Der eine von den Kharegiten hie&#x00DF; Abdal=
<lb n="0469.11"/> rahman = ebn = Melgen; der zweyte Barac = ebn=
<lb n="0469.12"/> Abdallah; und der dritte Amru = ebn = Beker.
<lb n="0469.13"/> Nachdem sie sich in ihrer gegenseitigen Ver=
<lb n="0469.14"/> traulichkeit ein wenig erhitzet hatten: so nahm
<lb n="0469.15"/> es der erste auf sich, nach Cuffah zu gehen, und
<lb n="0469.16"/> den Ali zu ermorden; der zweyte versprach ein
<lb n="0469.17"/> gleiches mit dem Moavias, und der dritte mit
<lb n="0469.18"/> dem Amru zu thun. <hi rend="bold">Diese</hi>, schlossen sie, <hi rend="bold">sind
<lb n="0469.19"/> die drey Tyrannen des Vaterlandes,
<lb n="0469.20"/> und die Urheber aller Uebel, welche es
<lb n="0469.21"/> zerr&#x00FC;tten</hi>.</p>
<lb n="0469.22" rend="indent"/> <p>Nachdem dieser Entschlu&#x00DF; gefasset war;
<lb n="0469.23"/> so setzete man den Tag zu der Ausf&#x00FC;hrung fest,
<lb n="0469.24"/> und man beschlo&#x00DF;, da&#x00DF; man die Zeit der feyerli=
<lb n="0469.25"/> chen Versammlung der Muselm&#x00E4;nner zu Mec=
<lb n="0469.26"/> ca dazu erw&#x00E4;hlen wolle; weil w&#x00E4;hrend dersel=
<lb n="0469.27"/> ben diese drey H&#x00E4;upter nicht ausk&#x00E4;men, und
<lb n="0469.28"/> von weniger Leuten, als zu irgend einer Zeit,
<lb n="0469.29"/> umgeben w&#x00E4;ren. Diese drey Verschwohrnen
<lb n="0469.30"/> wollten ihres Fortganges recht gewi&#x00DF; seyn, und
<pb n="0470.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-531"/>
<lb n="0470.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>vergifteten daher ihre Schwerdter, worauf sich
<lb n="0470.02"/> jeder nach seinen bestimmten Ort begab.</p>
<lb n="0470.03"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Moavias</hi><lb/>bek&#x00F6;mmt ei=<lb/>ne Wunde,<lb/>von welcher<lb/>er aber gene=<lb/>set.</note><p rend="indent">Als Barak zu Damascus angekommen
<lb n="0470.04"/> war, machete er sich unter das Gefolge des
<lb n="0470.05"/> Moavias. An dem bestimmten Tage sah er
<lb n="0470.06"/> sich einen g&#x00FC;nstigen Augenblick ab, und brach=
<lb n="0470.07"/> te ihm in den Lenden eine sehr gef&#x00E4;hrliche Wun=
<lb n="0470.08"/> de bey. Durch diese That geriethen die An=
<lb n="0470.09"/> h&#x00E4;nger des Moavias in die &#x00E4;usserste Best&#x00FC;rzung;
<lb n="0470.10"/> zu allem Gl&#x00FC;cke aber fand man, da&#x00DF; die Wun=
<lb n="0470.11"/> de nicht t&#x00F6;dtlich sey; und obgleich der Degen
<lb n="0470.12"/> vergiftet gewesen war: So brachte man es den=
<lb n="0470.13"/> noch durch schleinige und sichre Mittel dahin,
<lb n="0470.14"/> da&#x00DF; der Kranke in kurzer Zeit wieder hergestellet
<lb n="0470.15"/> ward. Man saget, der Wundarzt, der den
<lb n="0470.16"/> Moavias verband, habe ihm die Wahl gelassen,
<lb n="0470.17"/> seine Wunde entweder ausbrennen zu lassen,
<lb n="0470.18"/> welches ihm, obschon ohne &#x00FC;ble Folgen, grau=
<lb n="0470.19"/> same Schmerzen verursachen w&#x00FC;rde; oder einen
<lb n="0470.20"/> Trank zu sich zu nehmen, welcher ihn zwar ge=
<lb n="0470.21"/> sund, aber auch zugleich zum Kinderzeugen un=
<lb n="0470.22"/> t&#x00FC;chtig machen w&#x00FC;rde. Moavias soll das letz=
<lb n="0470.23"/> te erw&#x00E4;hlet haben, und in der That hat er auch
<lb n="0470.24"/> keine andern Kinder hinterlassen, als die er da=
<lb n="0470.25"/> mals schon hatte.</p>
<lb n="0470.26"/> <note type="marginalie" place="links">Bestrafung<lb/><hi rend="spaced">des</hi> Meu=<lb/>chelm&#x00F6;rders.</note><p rend="indent">Was den Meuchelm&#x00F6;rder anbelanget; so
<lb n="0470.27"/> bem&#x00E4;chtigte man sich seiner ohne M&#x00FC;he, weil
<lb n="0470.28"/> dieser Schw&#x00E4;rmer weder davon zu kommen,
<lb n="0470.29"/> noch sich zu vertheidigen suchete. Er entdeck=
<lb n="0470.30"/> te die ganze Verschw&#x00F6;hrung mit einer Uner=
<pb n="0471.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-532"/>
<lb n="0471.01"/> schrockenheit, &#x00FC;ber welche diejenigen, die ihn fra=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold">Ali</hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0471.02"/> gen musten, erstauneten. Man lie&#x00DF; ihm zur
<lb n="0471.03"/> Strafe H&#x00E4;nde und F&#x00FC;sse abhauen, und weiter
<lb n="0471.04"/> that man ihm nichts. Es wollen so gar einige
<lb n="0471.05"/> versichern, da&#x00DF; er nach dieser Marter noch lange
<lb n="0471.06"/> Zeit gelebet habe.</p>
<lb n="0471.07" rend="indent"/> <p>Amru = ebn = Beker, der es auf sich genom=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="spaced">Ein</hi> Jrr=<lb/>thum erret=<lb/>tet dem Am=<lb/>ru <hi rend="spaced">das</hi> Le=<lb/>ben.</note>
<lb n="0471.08"/> men hatte, den Amru zu ermorden, verfehlete
<lb n="0471.09"/> durch Jrrthum seinen Mann. Amru war eben
<lb n="0471.10"/> von einer heftigen Colic beschwehret worden,
<lb n="0471.11"/> da&#x00DF; er sich an dem Tage, der zu seiner Ermor=
<lb n="0471.12"/> dung bestimmet war, in der Moschee nicht ein=
<lb n="0471.13"/> finden konnte. Er schickete einen Freund an
<lb n="0471.14"/> seine Stelle, den er bath, das Amt des Jmams
<lb n="0471.15"/> statt seiner zu verrichten. Der Meuchelm&#x00F6;r=
<lb n="0471.16"/> der, der ihn nicht kannte, gieng auf den Jmam
<lb n="0471.17"/> los, und t&#x00F6;dtete ihn auf der Stelle, in der Mei=
<lb n="0471.18"/> nung, da&#x00DF; es Amru sey. Er ward auf dem
<lb n="0471.19"/> Platze ergriffen, ohne da&#x00DF; er Mine machete,
<lb n="0471.20"/> zu entfliehen; und als er erfuhr, da&#x00DF; er sich ge=
<lb n="0471.21"/> irret habe, sagete er ganz kaltsinnig: <hi rend="bold">Jch
<lb n="0471.22"/> meinete den Amru; Gott aber meinete ei=
<lb n="0471.23"/> nen andern</hi>.</p>
<lb n="0471.24" rend="indent"/> <p>Abdalrahman, der der dritte von den Ver=<note type="marginalie" place="rechts">Abdalrah=<lb/>man verbin=<lb/>det sich mit<lb/>einer Frau,<lb/>die <hi rend="spaced">ihn in<lb/>dem</hi> Vor=<lb/>satze, den A=<lb/>li zu t&#x00F6;dten,<lb/>best&#x00E4;rket.</note>
<lb n="0471.25"/> schwohrnen war, hatte bey seinem Unternehmen
<lb n="0471.26"/> mehr Gl&#x00FC;ck, als die andern; als er zu Cuffah
<lb n="0471.27"/> anlangete, herbergete er bey einer Frau, wel=
<lb n="0471.28"/> che verschiedene nahe Anverwandte in der Nie=
<lb n="0471.29"/> derlage der Kharegiten bey Naharvan verloh=
<lb n="0471.30"/> ren hatte. Dieser Verlust war ihr best&#x00E4;ndig
<pb n="0472.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-533"/>
<lb n="0472.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/>Hegire 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>sehr empfindlich gewesen; so, da&#x00DF; sie bey aller
<lb n="0472.02"/> Gelegenheit heftig wider den Califen loszog,
<lb n="0472.03"/> weil Abdalrahman Gelegenheit bekam, die Ge=
<lb n="0472.04"/> sinnung dieser Frau zu ergr&#x00FC;nden: So lie&#x00DF; er
<lb n="0472.05"/> sich weitl&#x00E4;uftiger mit ihr ein, und gestund ihr
<lb n="0472.06"/> endlich: Die Absicht seiner Reise sey keine an=
<lb n="0472.07"/> dre, als {??}n Urheber so vieler Uebel aus dem
<lb n="0472.08"/> Wege zu r&#x00E4;umen.</p>
<lb n="0472.09" rend="indent"/> <p>Diese Frau schien &#x00FC;ber den Entschlu&#x00DF; ent=
<lb n="0472.10"/> z&#x00FC;cket zu seyn, und versprach, ihn auf alle m&#x00F6;g=
<lb n="0472.11"/> liche Weise zu unterst&#x00FC;tzen. Abdalrahman
<lb n="0472.12"/> verband sich noch n&#x00E4;her mit ihr, und schlug ihr
<lb n="0472.13"/> endlich vor, sie zu heyrathen; sie warf diesen
<lb n="0472.14"/> Vorschlag nicht weit weg; allein sie f&#x00FC;gete hin=
<lb n="0472.15"/> zu: da&#x00DF; derjenige, welcher sie zur Frau haben
<lb n="0472.16"/> wolle, ihr dreytausend Drachmen, einen Skla=
<lb n="0472.17"/> ven, und eine Magd, und den Kopf mitbringen
<lb n="0472.18"/> m&#x00FC;sse.</p>
<lb n="0472.19" rend="indent"/> <p>Abdalrahman willigte in diese Bedingung,
<lb n="0472.20"/> und weil die Zeit zur Ausf&#x00FC;hrung seines Unter=
<lb n="0472.21"/> nehmens herannahete; so fieng er an, darauf
<lb n="0472.22"/> bedacht zu seyn, wie er den Ali aus dem We=
<lb n="0472.23"/> ge r&#x00E4;umen m&#x00F6;ge Die Frau, welche sehr viel
<lb n="0472.24"/> Vergn&#x00FC;gen dar&#x00FC;ber bezeugete, gab ihm zwey
<lb n="0472.25"/> M&#x00E4;nner zu Gef&#x00E4;hrten, und wenn es n&#x00F6;thig
<lb n="0472.26"/> w&#x00E4;re, zu Mitgeh&#x00FC;lfen.</p>
<lb n="0472.27" rend="indent"/> <p>Als endlich der traurige Tag herbey kam:
<lb n="0472.28"/> so machete sich Abdalrahman gefa&#x00DF;t, zu Cuffah
<lb n="0472.29"/> eben dasjenige Verbrechen zu begehen, welches
<lb n="0472.30"/> die zween andern B&#x00F6;sewichter zu Alexandria
<pb n="0473.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-534"/>
<lb n="0473.01"/> und zu Damascus begiengen: Man saget, da&#x00DF;<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0473.02"/> dem Califen sein schreckliches Schicksal geahnet
<lb n="0473.03"/> habe; man sah ihn lange Zeit vorher traurig
<lb n="0473.04"/> und tiefsinnig; oft redete er mit sich allein, und<note type="marginalie" place="rechts">Ahnen des<lb/><hi rend="spaced">Ali</hi> wegen<lb/>seines Todes.</note>
<lb n="0473.05"/> was er sprach, zeugete von der allerfinstersten
<lb n="0473.06"/> Schwermuth. Unterdessen suchte er doch diese
<lb n="0473.07"/> d&#x00FC;stern Beneblungen zu zerstreuen, welches
<lb n="0473.08"/> aber nicht anders, als durch die Ermunterung
<lb n="0473.09"/> seines Muthes geschehen konnte, einem Ungl&#x00FC;=
<lb n="0473.10"/> cke, das ihm stets vor Augen schwebete, die Stir=
<lb n="0473.11"/> ne zu biethen. Man h&#x00F6;rete ihn einsmals f&#x00FC;r
<lb n="0473.12"/> sich selbst sagen, als er ganz traurig herum
<lb n="0473.13"/> gieng: <hi rend="bold">Gedult! mein Hertz! Gedult! Es
<lb n="0473.14"/> ist doch kein Mittel wider den Tod, den
<lb n="0473.15"/> uns der Himmel bestimmet</hi>.</p>
<lb n="0473.16" rend="indent"/> <p>An dem Tage selbst, der der letzte f&#x00FC;r die=
<lb n="0473.17"/> sen ungl&#x00FC;cklichen Califen seyn sollte, begab er
<lb n="0473.18"/> sich sehr fr&#x00FC;h aus seinem Palaste, um in die
<lb n="0473.19"/> Moschee zu gehen. Als er &#x00FC;ber den Hof ging,
<lb n="0473.20"/> so fing das Hau&#x00DF;vieh, welches daselbst war, ein
<lb n="0473.21"/> entsetzliches Geschrey, jedes nach seiner Art, an.
<lb n="0473.22"/> Einer von den Sklaven warff mit einem Pr&#x00FC;=
<lb n="0473.23"/> gel unter sie, um sie zu zerstreuen und still zu
<lb n="0473.24"/> machen: Allein der Calife sagete zu ihm: <hi rend="bold">La&#x00DF;
<lb n="0473.25"/> sie schreyen! ihr Geschrey sind die Kla=
<lb n="0473.26"/> gen und die Trauerges&#x00E4;nge &#x00FC;ber meinen
<lb n="0473.27"/> Tod</hi>. Er gieng hierauf fort, und begab sich in
<lb n="0473.28"/> die Moschee.</p>
<lb n="0473.29" rend="indent"/> <p>Die drey M&#x00F6;rder erwarteten seiner an dem<note type="marginalie" place="rechts">Ali wird er=<lb/>mordet.</note>
<lb n="0473.30"/> Thore: Als er eben hinein treten wollte, thaten
<lb n="0473.31"/> sie, als ob sie sich mit einander zanketen, und
<pb n="0474.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-535"/>
<lb n="0474.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>zogen die Schwerdter. Einer von ihnen, Na=
<lb n="0474.02"/> mens Darvan, hieb nach ihm, und verfehlte
<lb n="0474.03"/> ihn. Jn eben dem Augenblicke aber traf ihn
<lb n="0474.04"/> Abdalrahman, und versetzte ihm eine grosse
<lb n="0474.05"/> Wunde &#x00FC;ber den Kopf, gleich an eben dem Or=
<lb n="0474.06"/> te, an welchem er in der Schlacht, der er ehe=
<lb n="0474.07"/> mals unter dem Mahomet beygewohnet, war
<lb n="0474.08"/> verwundet worden.</p>
<lb n="0474.09"/> <note type="marginalie" place="links">Zween von<lb/><hi rend="spaced">den Meu=</hi><lb/>chelm&#x00F6;rdern,{??}<lb/>werden ge=<lb/>fangen.</note><p rend="indent">Nach diesem Hiebe entflohen die Meuchel=
<lb n="0474.10"/> m&#x00F6;rder, und einer von ihnen wuste sich so wohl
<lb n="0474.11"/> zu verstecken, da&#x00DF; man ihn niemals finden
<lb n="0474.12"/> konnte. Darvan suchete im geringsten nicht zu
<lb n="0474.13"/> entkommen. Er gieng ganz ruhig nach Hau=
<lb n="0474.14"/> se, als ob ganz und gar nichts vorgegangen w&#x00E4;=
<lb n="0474.15"/> re. Eben aber, da er in das Haus treten
<lb n="0474.16"/> wollte, ward er von einem, der ihn den Degen
<lb n="0474.17"/> wider den Ali ziehen sah, auf der Schwelle der
<lb n="0474.18"/> Th&#x00FC;re niedergemachet.</p>
<lb n="0474.19" rend="indent"/> <p>Was den Abdalrahman anbelangete, so
<lb n="0474.20"/> schien er sich anfangs selbst &#x00FC;ber sein begange=
<lb n="0474.21"/> nes Verbrechen zu entsetzen. Er wollte sich in
<lb n="0474.22"/> einem Winkel der Moschee verbergen; allein er
<lb n="0474.23"/> ward gar bald entdecket, und nachdem er eini=
<lb n="0474.24"/> ge Zeit gel&#x00E4;ugnet, so gestand er endlich, und
<lb n="0474.25"/> ward dem Ali ausgeliefert, welcher ihn seinem
<lb n="0474.26"/> Sohne, dem Hassan, zu bewachen gab, wel=
<lb n="0474.27"/> chem er befahl, ihn an nichts Noth leiden zu
<lb n="0474.28"/> lassen. Er befahl noch &#x00FC;ber dieses, da&#x00DF; man
<lb n="0474.29"/> ihn, wenn seine Wunde t&#x00F6;dtlich seyn sollte,
<lb n="0474.30"/> nicht lange martere, sondern schleinig von dem
<lb n="0474.31"/> Leben zum Tode bringe. Ali starb den f&#x00FC;nften
<pb n="0475.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-536"/>
<lb n="0475.01"/> Tag nach seiner Wunde, und dem, was er we=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0475.02"/> gen seines M&#x00F6;rders befohlen hatte, ward ge=
<lb n="0475.03"/> nau nachgelebet.</p>
<lb n="0475.04" rend="indent"/> <p>Dieser Calif war von einer etwas weniger,<note type="marginalie" place="rechts">Abbildung<lb/>des Califen<lb/>Ali.</note>
<lb n="0475.05"/> als mittelm&#x00E4;&#x00DF;igen Leibesl&#x00E4;nge. Er hatte ein
<lb n="0475.06"/> sehr rothes Angesicht, grosse Augen, einen kah=
<lb n="0475.07"/> len Kopf, und einen starken Bart. Seine Ge=
<lb n="0475.08"/> sichtsz&#x00FC;ge waren annehmlich, seine Mienen la=
<lb n="0475.09"/> chend, und seine Gem&#x00FC;thsart sehr aufger&#x00E4;umt.</p>
<lb n="0475.10" rend="indent"/> <p>Unter den ruhmvollen Titeln, welche die Mu=<note type="marginalie" place="rechts">Die diesem<lb/>Califen bey=<lb/>gelegten Ti=<lb/>tel.</note>
<lb n="0475.11"/> selm&#x00E4;nner dem Ali beylegen, sind die zwey vor=
<lb n="0475.12"/> nehmsten, <hi rend="bold">Va&#x00DF;i</hi> und <hi rend="bold">Morthadi</hi>. Der erste be=
<lb n="0475.13"/> deutet: einen Erben oder Vollzieher des Testa=
<lb n="0475.14"/> ments des Mahomets. Der zweyte will so viel
<lb n="0475.15"/> sagen, als Gotthold. Seine Anh&#x00E4;nger haben
<lb n="0475.16"/> ihm noch andre W&#x00FC;rden beygeleget: Die <hi rend="bold">Sch&#x00FC;=
<lb n="0475.17"/> ten</hi>, zum Exempel, nennen ihn <hi rend="bold">Faiz = al = Ano=
<lb n="0475.18"/> var</hi>, das ist, ein Austheiler des Lichts und der
<lb n="0475.19"/> Gnade. Die Perser nennen ihn: <hi rend="bold">Schad=Mar=
<lb n="0475.20"/> duman</hi>, oder den K&#x00F6;nig der Menschen. Die
<lb n="0475.21"/> Verehrung, welche ihm seine Anh&#x00E4;nger bezeuge=
<lb n="0475.22"/> ten, hat nicht verhindern k&#x00F6;nnen, da&#x00DF; sein Na=
<lb n="0475.23"/> me und der Name aller seiner Nachkommen
<lb n="0475.24"/> nicht viel Jahre hindurch ein Fluch gewesen,
<lb n="0475.25"/> unter der Regierung nemlich der ommiadischen
<lb n="0475.26"/> Califen, von dem Moavias an, bi&#x00DF; auf den Omar,
<lb n="0475.27"/> den achten Califen aus diesem Hause, welcher
<lb n="0475.28"/> aus den &#x00F6;ffentlichen Gebeten die Verw&#x00FC;nschun=
<lb n="0475.29"/> gen wegzulassen befahl, die man bey feyerlichen
<lb n="0475.30"/> Versammlungen in den Moscheen auszuspre=
<lb n="0475.31"/> chen pflegete.</p>
<pb n="0476.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-537"/>
<lb n="0476.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note><p rend="indent">Auch von den Abbassidischen Califen bezeu=
<lb n="0476.02"/> geten verschiedene einen grossen Abscheu gegen
<lb n="0476.03"/> den Ali und sein Geschlecht. Die F&#x00FC;rsten hin=
<lb n="0476.04"/> gegen, welche in Aegypten unter dem Namen
<lb n="0476.05"/> der <hi rend="bold">Fatimitischen Califen</hi> regiereten, liessen
<lb n="0476.06"/> seinen Namen mit dem Namen des Mahomets
<lb n="0476.07"/> in den &#x00F6;ffentlichen Einladungen zum Gebete
<lb n="0476.08"/> verbinden, welche von der H&#x00F6;he der Th&#x00FC;rme,
<lb n="0476.09"/> oder <hi rend="bold">Miuarets</hi>, die neben den Moscheen sind,
<lb n="0476.10"/> geschehen.</p>
<lb n="0476.11"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="spaced">Ort des</hi><lb/>Begr&#x00E4;bnisses<lb/>des Ali.</note><p rend="indent">Ali ward bey Cuffah begraben; allein, man
<lb n="0476.12"/> verbarg den Ort seines Begr&#x00E4;bnisses; und er ist
<lb n="0476.13"/> unter der Regierung der Ommiaden auch be=
<lb n="0476.14"/> st&#x00E4;ndig verborgen geblieben. Er ward erst in
<lb n="0476.15"/> dem dreyhundert und siebensechzigsten Jahre
<lb n="0476.16"/> der Hegire durch den Addedullat, einen F&#x00FC;r=
<lb n="0476.17"/> sten aus dem Hause der Buiden, welcher unter
<lb n="0476.18"/> dem Thai, dem Califen zu Bagdat regierete,
<lb n="0476.19"/> entdecket. Er lies &#x00FC;ber dieses Grabmal ein
<lb n="0476.20"/> pr&#x00E4;chtiges Geb&#x00E4;ude auff&#x00FC;hren, welches die Per=
<lb n="0476.21"/> ser <hi rend="bold">Kunbud = Faiz = al = Anovar</hi>, das ist, den
<lb n="0476.22"/> Thum des Austheilers des Lichts, nennen.</p>
<lb n="0476.23" rend="indent"/> <p>Es hat Leute von der Secte des Ali gege=
<lb n="0476.24"/> ben, welche aus diesem Califen eine Gottheit
<lb n="0476.25"/> haben machen wollen. Sie haben daher eine
<lb n="0476.26"/> Menge l&#x00E4;cherlicher Erzehlungen und sonderba=
<lb n="0476.27"/> rer Erscheinungen erfunden, welche zu nichts
<lb n="0476.28"/> gedienet haben, als die Ausschweifung ihrer Er=
<lb n="0476.29"/> finder zu verrathen.</p>
<lb n="0476.30"/> <note type="marginalie" place="links">Die Schrif=<lb/>ten des Ali.</note><p rend="indent">Uebrigens ist Ali unter seinem Volke best&#x00E4;n=
<pb n="0477.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-538"/>
<lb n="0477.01"/> dig f&#x00FC;r einen sehr gelehrten Mann gehalten wor=<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0477.02"/> den. Man hat von ihm Centiloqvium, das ist,
<lb n="0477.03"/> eine Sammlung von hundert Sittenspr&#x00FC;chen,
<lb n="0477.04"/> die man aus dem arabischen in das t&#x00FC;rkische, in
<lb n="0477.05"/> das persische und in andre Sprachen Arabiens
<lb n="0477.06"/> &#x00FC;bersetzt hat.</p>
<lb n="0477.07" rend="indent"/> <p>Dasjenige von seinen Werken, welches am
<lb n="0477.08"/> meisten gesch&#x00E4;tzet wird, heist <hi rend="bold">Gefe</hi>, oder <hi rend="bold">Gia=
<lb n="0477.09"/> me</hi>. Es ist in Geheimni&#x00DF;vollen und hierogly=
<lb n="0477.10"/> phischen Zeichen geschrieben; es handelt von
<lb n="0477.11"/> den grossen Begebenheiten, welche sich in dem
<lb n="0477.12"/> muselm&#x00E4;nnischen Reiche er&#x00E4;ugen sollen. Gia=
<lb n="0477.13"/> fer = Sadec hat einen grossen Theil desselben er=
<lb n="0477.14"/> kl&#x00E4;ret: Allein die Perser behaupten, da&#x00DF; die v&#x00F6;l=
<lb n="0477.15"/> lige Erkl&#x00E4;rung dem zw&#x00F6;lften Jman, mit dem
<lb n="0477.16"/> Zunamen <hi rend="bold">Mahadi</hi>, das ist, dem grossen Dire=
<lb n="0477.17"/> ctor vorbehalten sey. Dieser Jman ist zwar
<lb n="0477.18"/> unter ihnen aufgestanden; allein sie glauben,
<lb n="0477.19"/> da&#x00DF; ihn Gott, zu der Zeit, da er von dem Ca=
<lb n="0477.20"/> lifen zu Bagdat verfolget worden, in Schutz
<lb n="0477.21"/> genommen und an einen Ort gebracht habe,
<lb n="0477.22"/> den man nicht wissen, und von wannen er nicht
<lb n="0477.23"/> eher, als bi&#x00DF; am Ende der Welt wiederkommen
<lb n="0477.24"/> werde, um alle und jede zu der mahometanischen
<lb n="0477.25"/> Religion zu bekehren.</p>
<lb n="0477.26" rend="indent"/> <p>Die arabischen Geschichtschreiber f&#x00FC;hren<note type="marginalie" place="rechts">Sittenspr&#x00FC;=<lb/>che des Ali.</note>
<lb n="0477.27"/> meistentheils in ihren Werken eine Menge sehr
<lb n="0477.28"/> nachdenklicher Spr&#x00FC;che an, welche sowohl der
<lb n="0477.29"/> G&#x00FC;te seines Herzens, als der Richtigkeit und
<lb n="0477.30"/> Lebhaftigkeit seines Geistes, und Reinigkeit sei=
<lb n="0477.31"/> ner Sitten Ehre machen.</p>
<pb n="0478.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-539"/>
<lb n="0478.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note><p rend="indent">Man findet in einem arabischen Buche,
<lb n="0478.02"/> welches <hi rend="bold">der Fr&#x00FC;hling der Gerechten</hi> &#x00FC;ber=
<lb n="0478.03"/> schrieben ist, folgenden Sinnspruch des Ali:
<lb n="0478.04"/> <hi rend="bold">Derjenige, welcher reich ohne G&#x00FC;ter,
<lb n="0478.05"/> m&#x00E4;chtig ohne Unterthanen, und unter=
<lb n="0478.06"/> than ohne Herrn seyn will, darf nur die
<lb n="0478.07"/> S&#x00FC;nde verlassen, und Gott dienen, so wird
<lb n="0478.08"/> er alle diese drey St&#x00FC;cke in ihm finden</hi>.</p>
<lb n="0478.09" rend="indent"/> <p>Er gab einsmals eine Antwort, welche den=
<lb n="0478.10"/> jenigen zur Lehre dienen sollte, die ihm die Un=
<lb n="0478.11"/> ruhen des Staats, welche unter seiner Regie=
<lb n="0478.12"/> rung vorfielen, zur Last legten. Einer von sei=
<lb n="0478.13"/> nen Heerf&#x00FC;hrern fragte ihn nehmlich, warum
<lb n="0478.14"/> die Regierung des Abubekers und Omars so ru=
<lb n="0478.15"/> hig gewesen, da hingegen unter seiner und des
<lb n="0478.16"/> Othmans Regierung so viel Zerr&#x00FC;ttungen vor=
<lb n="0478.17"/> gegangen? <hi rend="bold">Die Ursache ist sehr deutlich</hi>,
<lb n="0478.18"/> antwortete Ali, <hi rend="bold">Othman und ich dienten
<lb n="0478.19"/> dem Abubeker und Omar treulich; wir
<lb n="0478.20"/> aber, Othman und ich, fanden unter un=
<lb n="0478.21"/> srer Regierung niemanden, als euch und
<lb n="0478.22"/> eures gleichen</hi>.</p>
<lb n="0478.23" rend="indent"/> <p>Man hat noch einen andern Sittenspruch
<lb n="0478.24"/> von dem Ali, welchen man auf diejenigen ziehen
<lb n="0478.25"/> kan, welche aus Meuterey hernach die Secte
<lb n="0478.26"/> der Aliden aufrichteten. Diese Sectirer er=
<lb n="0478.27"/> w&#x00E4;hlten, zum Unterscheide von andern Musel=
<lb n="0478.28"/> m&#x00E4;nnern, einen Turban von besondrer Farbe
<lb n="0478.29"/> und Figur, und trugen auch ihre Haare auf ei=
<lb n="0478.30"/> ne ganz andere Art, als die &#x00FC;brigen Sch&#x00FC;ler
<pb n="0479.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-540"/>
<lb n="0479.01"/> des Mahomets. <hi rend="bold">Nehmet euch wohl in<note type="marginalie" place="rechts"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>
<lb n="0479.02"/> Acht</hi>, sagt Ali: <hi rend="bold">da&#x00DF; ihr euch nicht von der
<lb n="0479.03"/> Gemeinschaft der Muselm&#x00E4;nner abson=
<lb n="0479.04"/> dert; denn derjenige, welcher sich abson=
<lb n="0479.05"/> dern wird, geh&#x00F6;ret dem Teufel zu, so
<lb n="0479.06"/> wie ein Schaf, welches die Heerde ver=
<lb n="0479.07"/> l&#x00E4;&#x00DF;t, dem Wolfe zugeh&#x00F6;ret. Erzeigt
<lb n="0479.08"/> demjenigen keine Gnade, welcher unter
<lb n="0479.09"/> der Fahne der Zwietracht marschiret, und
<lb n="0479.10"/> wann er auch meinen Turban auf seinem
<lb n="0479.11"/> Kopfe haben sollte; denn er f&#x00FC;hrt das
<lb n="0479.12"/> unfehlbare Zeichen eines Mannes, wel=
<lb n="0479.13"/> cher nicht den rechten Weg wandelt</hi>.</p>
<lb n="0479.14" rend="indent"/> <p>Dieser Ausspruch verdammet offenbar die
<lb n="0479.15"/> Auff&#x00FC;hrung derjenigen, welche von der Secte
<lb n="0479.16"/> des Ali zu seyn, sich r&#x00FC;hmen, dergleichen noch
<lb n="0479.17"/> ietzt die Perser, ein Theil der Usbekischen F&#x00FC;r=
<lb n="0479.18"/> sten, jenseit des Flusses Gihon, und verschiede=
<lb n="0479.19"/> ne m&#x00E4;chtige Monarchen in Jndien sind, wel=
<lb n="0479.20"/> che den Turban des Ali beybehalten, und also
<lb n="0479.21"/> sich von den &#x00FC;brigen Muselm&#x00E4;nnern abgeson=
<lb n="0479.22"/> dert haben.</p>
<lb n="0479.23" rend="indent"/> <p>Sie gaben sich von beyden Seiten den Na=
<lb n="0479.24"/> men <hi rend="bold">Sch&#x00FC;ten</hi>, das ist, verworffene und nichts=
<lb n="0479.25"/> w&#x00FC;rdige Sectirer. Jnsbesondre aber nennte
<lb n="0479.26"/> man die Anh&#x00E4;nger des Ali so, welche oft sehr
<lb n="0479.27"/> heftige Unruhen in dem muselmannischen Rei=
<lb n="0479.28"/> che erregt haben, um die Nachkommen dieses
<lb n="0479.29"/> Califen auf den Thron zu bringen, welchen er
<lb n="0479.30"/> nach ihrem Vorgeben einzig und allein zugeh&#x00F6;=
<pb n="0480.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-541"/>
<lb n="0480.01"/> <note type="marginalie" place="links"><hi rend="bold"><hi rend="spaced">Ali</hi></hi>.<lb/><hi rend="spaced">Hegire</hi> 40.<lb/>n. C. G. 660.</note>ren soll. Man wird in der Folge dieser Ge=
<lb n="0480.02"/> schichte sehr h&#x00E4;ufige Exempel davon finden,
<lb n="0480.03"/> wenn wir von den Dynastien handeln werden,
<lb n="0480.04"/> welche sie unter den verschiednen Benennungen
<lb n="0480.05"/> der Aliden, Fatimiten, Edri&#x00DF;iten, und Jsmae=
<lb n="0480.06"/> liten errichtet.</p>
<lb n="0480.07" rend="indent"/> <p>Ali, wie wir in dem Leben des Mahomets
<lb n="0480.08"/> gesehen haben, hatte die Tochter des Prophe=
<lb n="0480.09"/> ten, die Fatime, geheyrathet. Nach dem Tode
<lb n="0480.10"/> seiner Frau, hat er verschiedne andre gehabt,
<lb n="0480.11"/> aus welchen verschiednen Ehen er funfzehn
<lb n="0480.12"/> S&#x00F6;hne und achtzehn M&#x00E4;gdchen hinterlie&#x00DF;. Fa=
<lb n="0480.13"/> time zeugte ihm drey S&#x00F6;hne, den Hassan,
<lb n="0480.14"/> Hassein, und Mohassan. Dieser starb in sei=
<lb n="0480.15"/> ner Kindheit. Die andern zwey sind in der
<lb n="0480.16"/> muselm&#x00E4;nnischen Geschichte durch die grossen
<lb n="0480.17"/> M&#x00E4;nner bekannt, welche aus ihnen entspros=
<lb n="0480.18"/> sen, und durch die Unruhen, die ihre Nach=
<lb n="0480.19"/> <hi rend="center">kommen, zu verschiednen Zeiten des ma=
<lb n="0480.20"/> hometanischen Reichs, er=
<lb n="0480.21"/> regt haben.</hi></p></div1>
<lb n="0480.22"/> <trailer>Ende des ersten Theils.</trailer>
<lb n="0480.23"/> <!-- #(image) --></body>
<back>
<div type="inhalt">
<pb n="0481.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-542"/>
<lb n="0481.01"/> <head n="4"><hi rend="spaced">Register</hi></head>
<lb n="0481.02"/> <head n="3">Der vornehmsten Sachen und Namen.</head>
<list>
<lb n="0481.03"/> <item><list><head n="2">A.</head>
<lb n="0481.04"/> <item><hi rend="initiale_kl">A</hi><hi rend="bold">bdallah = ebn = Abbas</hi>, wird Statthalter von
<lb n="0481.05" rend="indent"/> Basrah, <hi rend="right">436</hi></item>
<lb n="0481.06"/> <item><hi rend="bold">Abdallah = ebn = Giaffar</hi>, wird ein Kloster zu
<lb n="0481.07" rend="indent"/> &#x00FC;berfallen ausgeschickt, und was bey diesem Un=
<lb n="0481.08" rend="indent"/> ternehmen vorgefallen <hi rend="right">192. u. folg.</hi></item>
<lb n="0481.09"/> <item><hi rend="bold">Abdallah = ebn = Hodafah</hi>, wird gefangen genom=
<lb n="0481.10" rend="indent"/> men, 320. Omar l&#x00E4;&#x00DF;t ihn in Freyheit setzen <hi rend="right">321</hi></item>
<lb n="0481.11"/> <item><hi rend="bold">Abdallah = ebn = Said</hi>, wird Statthalter von Ae=
<lb n="0481.12" rend="indent"/> gypten, 372. wird wieder abgesetzt, und warum,
<lb n="0481.13" rend="indent"/> <hi rend="right">373</hi></item>
<lb n="0481.14"/> <item><hi rend="bold">Abdarrahman</hi>, des Abubekers Sohn, seine vor=
<lb n="0481.15" rend="indent"/> nehmsten Thaten <hi rend="right">84. 88. 361</hi></item>
<lb n="0481.16"/> <item><hi rend="bold">Abubeker</hi>, Calif dieses Namens <hi rend="right">56. 184</hi></item>
<lb n="0481.17"/> <item><hi rend="bold">Abu = Obeidah</hi>, siehe <hi rend="bold">Obeidah</hi>.</item>
<lb n="0481.18"/> <item><hi rend="bold">Abu = Sofian</hi>, siehe <hi rend="bold">Sofian</hi>.</item>
<lb n="0481.19"/> <item><hi rend="bold">Abraham</hi>, die Muselm&#x00E4;nner halten ihn f&#x00FC;r den
<lb n="0481.20" rend="indent"/> Urheber ihrer Religion <hi rend="right">265</hi></item>
<lb n="0481.21"/> <item><hi rend="bold">Aelia</hi>, ein Name der Stadt Jerusalem <hi rend="right">249</hi></item>
<lb n="0481.22"/> <item><hi rend="bold">Aiesha</hi>, des Mahomets liebste Frau, 390. wenn
<lb n="0481.23" rend="indent"/> sie mit ihm verheyrathet worden, und wenn sie
<lb n="0481.24" rend="indent"/> gestorben, 52. ihre Verschw&#x00F6;rung wider den
<lb n="0481.25" rend="indent"/> Othman, 382. und den Ali, 406. und folg.
<lb n="0481.26" rend="indent"/> wird gefangen genommen <hi rend="right">435</hi></item>
<pb n="0482.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-543"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0482.01"/> <item><hi rend="bold">Alexandria</hi>, wird von den Arabern erobert, wie=
<lb n="0482.02" rend="indent"/> der eigenommen, und wieder erobert, 348. u. f.
<lb n="0482.03" rend="indent"/> die Bibliothek daselbst, von wem sie gestiftet
<lb n="0482.04" rend="indent"/> worden, 352. die Geschichte ihrer Verbren=
<lb n="0482.05" rend="indent"/> nung <hi rend="right">356. u. folg.</hi></item>
<lb n="0482.06"/> <item><hi rend="bold">Ali</hi>, Geschichte unter seiner Regierung, 388. bis
<lb n="0482.07" rend="indent"/> zu Ende.</item>
<lb n="0482.08"/> <item><hi rend="bold">Alla = Achar</hi>, Freudengeschrey der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0482.09" rend="indent"/> ner <hi rend="right">90</hi></item>
<lb n="0482.10"/> <item><hi rend="bold">Alvakedi</hi>, ein arabischer Geschichtschreiber, Be=
<lb n="0482.11" rend="indent"/> trachtungen &#x00FC;ber denselben <hi rend="right">101</hi></item>
<lb n="0482.12"/> <item><hi rend="bold">Amru = ebn = al = As</hi>, seine vornehmsten Thaten,
<lb n="0482.13" rend="indent"/> 76. 323. 337. 345. 372. 373. 380. wird Statt=
<lb n="0482.14" rend="indent"/> halter in Aegypten <hi rend="right">463</hi></item>
<lb n="0482.15"/> <item><hi rend="bold">Ansaren</hi>, woher sie diesen Namen haben <hi rend="right">41</hi></item>
<lb n="0482.16"/> <item><hi rend="bold">Arabien</hi>, geographische Beschreibung dieses Lan=
<lb n="0482.17" rend="indent"/> des <hi rend="right">3 = 6</hi></item>
<lb n="0482.18"/> <item><hi rend="bold">Aretas</hi>, Name der Gassanidischen K&#x00F6;nige <hi rend="right">5</hi></item>
<lb n="0482.19"/> <item><hi rend="bold">Arzemidokht</hi>, K&#x00F6;nigin von Persien <hi rend="right">867</hi></item>
<lb n="0482.20"/> <item><hi rend="bold">Astakar</hi>, griechischer Priester <hi rend="right">205</hi></item></list></item>
<lb n="0482.21"/> <item><list><head n="2">B.</head>
<lb n="0482.22"/> <item><hi rend="bold">Bahire</hi>, siehe <hi rend="bold">Sergius</hi>.</item>
<lb n="0482.23"/> <item><hi rend="bold">Basilius</hi>, seine Verr&#x00E4;therey <hi rend="right">339</hi></item>
<lb n="0482.24"/> <item><hi rend="bold">Bostra</hi>, wird von den Muselm&#x00E4;nnern belagert,
<lb n="0482.25" rend="indent"/> 78. und eingenommen <hi rend="right">87</hi></item></list></item>
<lb n="0482.26"/> <item><list><head n="2">C.</head>
<lb n="0482.27"/> <item><hi rend="bold">Caab</hi>, ein arabischer Dichter, k&#x00F6;mmt bey dem Ma=
<lb n="0482.28" rend="indent"/> homet wieder in Gnaden, 33. Mahomet schenkt
<pb n="0483.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-544"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0483.01" rend="indent"/> ihm seinen Mantel, 33. Geschichte dieses Man=
<lb n="0483.02" rend="indent"/> tels <hi rend="right">34</hi></item>
<lb n="0483.03"/> <item><hi rend="bold">Caab</hi>, ein Jude, welcher sich zu der mahometani=
<lb n="0483.04" rend="indent"/> schen Religion bekehrt <hi rend="right">264</hi></item>
<lb n="0483.05"/> <item><hi rend="bold">Caabah</hi>, die, was sie ist, 7. wer die Aufsicht dar=
<lb n="0483.06" rend="indent"/> &#x00FC;ber gehabt <hi rend="right">7</hi></item>
<lb n="0483.07"/> <item><hi rend="bold">Cadhige</hi>, des Mahomets Frau, tritt seiner neuen
<lb n="0483.08" rend="indent"/> Lehre bey, 12. ihr Tod <hi rend="right">52</hi></item>
<lb n="0483.09"/> <item><hi rend="bold">Calif</hi>, Erkl&#x00E4;rung dieses Titels <hi rend="right">58</hi></item>
<lb n="0483.10"/> <item><hi rend="bold">Calous</hi>, 92. mu&#x00DF; die Ausforderung des Khaleds
<lb n="0483.11" rend="indent"/> annehmen, 95. wird von dem Khaled &#x00FC;ber=
<lb n="0483.12" rend="indent"/> wunden und gefangen genommen, 98. Khaled
<lb n="0483.13" rend="indent"/> l&#x00E4;&#x00DF;t ihm den Kopf abschlagen <hi rend="right">101</hi></item>
<lb n="0483.14"/> <item><hi rend="bold">Caulah</hi>, Schwester des Derars, ihre und des &#x00FC;bri=
<lb n="0483.15" rend="indent"/> gen arabischen Frauenzimmers Heldenthat <hi rend="right">121</hi></item>
<lb n="0483.16"/> <item><hi rend="bold">Constantinus</hi>, des Kaysers Heraclius Sohn, <hi rend="right">32.</hi>
<lb n="0483.17"/> <hi rend="right">330. 334</hi></item>
<lb n="0483.18"/> <item><hi rend="bold">Cophten</hi>, wer sie sind <hi rend="right">340</hi></item>
<lb n="0483.19"/> <item><hi rend="bold">Coreischiten</hi>, der vornehmste Stamm unter den
<lb n="0483.20" rend="indent"/> Arabern <hi rend="right">7</hi></item></list></item>
<lb n="0483.21"/> <item><list><head n="2">D.</head>
<lb n="0483.22"/> <item><hi rend="bold">Damascus</hi>, Geschichte der Eroberung dieser Stadt
<lb n="0483.23"/> <hi rend="right">90 = 162</hi></item>
<lb n="0483.24"/> <item><hi rend="bold">Dames</hi>, &#x00FC;berrumpelt das Schlo&#x00DF; von Aleppo, und
<lb n="0483.25" rend="indent"/> wie? 280. erbietet sich das Gebirge zu erobern
<lb n="0483.26" rend="indent"/> <hi rend="right">315</hi></item>
<lb n="0483.27"/> <item><hi rend="bold">David</hi>, verr&#x00E4;th dem Khaled den meuchelm&#x00F6;rderi=
<lb n="0483.28" rend="indent"/> schen Anschlag des Werdans auf ihn <hi rend="right">138</hi></item>
<lb n="0483.29"/> <item><hi rend="bold">Derar</hi>, seine vornehmsten Thaten <hi rend="right">108. 130</hi></item></list></item>
<pb n="0484.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-545"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0484.01"/> <item><list><head n="2">E.</head>
<lb n="0484.02"/> <item><hi rend="bold">Ebn</hi>, arabisches Wort, was es bedeutet <hi rend="right">27</hi></item>
<lb n="0484.03"/> <item><hi rend="bold">Emir = Al = Mumenins</hi>, Titel, welcher dem Omar
<lb n="0484.04" rend="indent"/> beygelegt wird, und auf seine Nachfolger k&#x00F6;mmt
<lb n="0484.05" rend="indent"/> <hi rend="right">185</hi></item>
<lb n="0484.06"/> <item><hi rend="bold">Engel</hi>, die Araber glauben, da&#x00DF; die Engel f&#x00FC;r sie
<lb n="0484.07" rend="indent"/> zu k&#x00E4;mpfen pflegten, 219. wie man sie ab=
<lb n="0484.08" rend="indent"/> mahlt <hi rend="right">220</hi></item></list></item>
<lb n="0484.09"/> <item><list><head n="2">F.</head>
<lb n="0484.10"/> <item><hi rend="bold">Fatime</hi>, des Mahomets Tochter, des Ali Frau <hi rend="right">53</hi></item>
<lb n="0484.11"/> <item><hi rend="bold">Firuz</hi>, Ursache seines Zorns wider den Califen,
<lb n="0484.12" rend="indent"/> 358. bringt ihn um, 359. t&#x00F6;dter sich selbst
<lb n="0484.13" rend="indent"/> <hi rend="right">359</hi></item>
<lb n="0484.14"/> <item><hi rend="bold">Frauenzimmer</hi>, arabisches, seine Grausamkeit, 20.
<lb n="0484.15" rend="indent"/> gehet mit zu Felde, 21. man &#x00FC;bt es in den
<lb n="0484.16" rend="indent"/> Waffen <hi rend="right">122</hi></item></list></item>
<lb n="0484.17"/> <item><list><head n="2">G.</head>
<lb n="0484.18"/> <item><hi rend="bold">Gabriel</hi>, Engel, wie er in dem Korane abgemahlt
<lb n="0484.19" rend="indent"/> wird, 251. Beschreibung des Pferdes, auf wel=
<lb n="0484.20" rend="indent"/> chem er den Mahomet in den Himmel brachte
<lb n="0484.21" rend="indent"/> <hi rend="right">252. 253</hi></item>
<lb n="0484.22"/> <item><hi rend="bold">Gassaniden</hi>, woher dieser Name gekommen <hi rend="right">5</hi></item>
<lb n="0484.23"/> <item><hi rend="bold">Giabalah</hi>, verl&#x00E4;st die mahometanische Religion,
<lb n="0484.24" rend="indent"/> 200. nimmt bey dem K&#x00E4;yser Dienste, 210.
<lb n="0484.25" rend="indent"/> verwirft des Khaleds Vorschlag, neutral zu blei=
<lb n="0484.26" rend="indent"/> ben, 236. wird geschlagen, 237. schl&#x00E4;gt dem
<lb n="0484.27" rend="indent"/> K&#x00E4;yser vor, den Califen ermorden zu lassen <hi rend="right">303</hi></item></list></item>
<lb n="0484.28"/> <item><list><head n="2">H.</head>
<lb n="0484.29"/> <item><hi rend="bold">Hafsa</hi>, Tochter des Omars und Mahomets Frau,
<pb n="0485.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-546"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0485.01" rend="indent"/> Zeit ihrer Verheyrathung und ihres Todes, 52.
<lb n="0485.02" rend="indent"/> man legt den Koran bey ihr nieder <hi rend="right">184</hi></item>
<lb n="0485.03"/> <item><hi rend="bold">Hagar, oder Hagiar</hi>, Beynahme des steinigten Ara=
<lb n="0485.04" rend="indent"/> biens <hi rend="right">3</hi></item>
<lb n="0485.05"/> <item><hi rend="bold">Hareth</hi>, Benennung der Gassaniden, woraus der
<lb n="0485.06" rend="indent"/> Name Aretas entstanden <hi rend="right">5</hi></item>
<lb n="0485.07"/> <item><hi rend="bold">Hegiaz</hi>, eine Provinz in dem w&#x00FC;sten Arabien <hi rend="right">3</hi></item>
<lb n="0485.08"/> <item><hi rend="bold">Hegire</hi>, Zeitrechnung der Muselm&#x00E4;nner, wann
<lb n="0485.09" rend="indent"/> sie anf&#x00E4;ngt <hi rend="right">15</hi></item>
<lb n="0485.10"/> <item><hi rend="bold">Heraclius</hi>, griechischer K&#x00E4;yser, 26. seine Unter=
<lb n="0485.11" rend="indent"/> redung mit den gesangnen Arabern, 301. wird
<lb n="0485.12" rend="indent"/> von einem Traume erschreckt, und flieht nach
<lb n="0485.13" rend="indent"/> Constantinopel <hi rend="right">309</hi></item>
<lb n="0485.14"/> <item><hi rend="bold">Herbis</hi>, thut mit dem Thomas einen Ausfall aus
<lb n="0485.15" rend="indent"/> Damascus, 149. wird get&#x00F6;dtet <hi rend="right">145</hi></item>
<lb n="0485.16"/> <item><hi rend="bold">Herbis</hi>, Befehlshaber in Baalbec, 211. wagt
<lb n="0485.17" rend="indent"/> einen Ausfall, wobey er gl&#x00FC;cklich ist, 213. wagt
<lb n="0485.18" rend="indent"/> einen zweyten Ausfall, 214. Mu&#x00DF; sich erge=
<lb n="0485.19" rend="indent"/> ben, 219. sein Eigennutz bringt ihn um das Le=
<lb n="0485.20" rend="indent"/> ben <hi rend="right">223</hi></item>
<lb n="0485.21"/> <item><hi rend="bold">Hiemariten</hi>, wie lange ihr Reich bestanden <hi rend="right">4</hi></item>
<lb n="0485.22"/> <item><hi rend="bold">Hiemen</hi>, Name, welchen die Araber dem gl&#x00FC;cklichen
<lb n="0485.23" rend="indent"/> Arabien geben <hi rend="right">3</hi></item>
<lb n="0485.24"/> <item><hi rend="bold">Homeriten</hi>, ein arabischer Stamm, dessen Wei=
<lb n="0485.25" rend="indent"/> ber mit den Waffen umgehen lernen <hi rend="right">122</hi></item>
<lb n="0485.26"/> <item><hi rend="bold">Hungersnoth</hi> in Arabien, 356. wie man dersel=
<lb n="0485.27" rend="indent"/> ben abhilft <hi rend="right">357</hi></item></list></item>
<lb n="0485.28"/> <item><list><head n="2">J.</head>
<lb n="0485.29"/> <item><hi rend="bold">Jacobiten</hi>, wer sie sind <hi rend="right">339</hi></item>
<pb n="0486.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-547"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0486.01"/> <item><hi rend="bold">Jemamath</hi>, eine Provinz in dem gl&#x00FC;cklichen
<lb n="0486.02" rend="indent"/> Arabien, 3. Die F&#x00FC;rsten dieses Landes unter=
<lb n="0486.03" rend="indent"/> werfen sich dem Mahomet <hi rend="right">35</hi></item>
<lb n="0486.04"/> <item><hi rend="bold">Jerusalem</hi>, Nachricht von der Belagerung und
<lb n="0486.05" rend="indent"/> Uebergabe dieser Stadt <hi rend="right">247 = 260</hi></item>
<lb n="0486.06"/> <item><hi rend="bold">Jman</hi>, die Ernennung eines Jmans zu Mecca
<lb n="0486.07"/> <hi rend="right">35</hi></item>
<lb n="0486.08"/> <item><hi rend="bold">Johann</hi>, Bruder des Yukinna, Befehlshaber zu
<lb n="0486.09" rend="indent"/> Aleppo, beredet die Einwohner zur Uebergabe
<lb n="0486.10" rend="indent"/> <hi rend="right">267</hi></item>
<lb n="0486.11"/> <item><hi rend="bold">Johann</hi>, mit den Zunamen der Grammaticus,
<lb n="0486.12" rend="indent"/> erwirbt sich das Vertrauen des Amru, 354.
<lb n="0486.13" rend="indent"/> er bittet ihn um die Alexandrinische Bibliothek
<lb n="0486.14" rend="indent"/> <hi rend="right">355</hi></item>
<lb n="0486.15"/> <item><hi rend="bold">Jonas</hi>, Begebenheit, die ihm seine Religion zu
<lb n="0486.16" rend="indent"/> verleugnen verleitet <hi rend="right">168</hi></item>
<lb n="0486.17"/> <item><hi rend="bold">Josias</hi>, &#x00FC;bergiebt Damascus den Arabern <hi rend="right">158</hi></item>
<lb n="0486.18"/> <item><hi rend="bold">Jrak</hi>, eine Provinz in Asien <hi rend="right">4</hi></item>
<lb n="0486.19"/> <item><hi rend="bold">Jsrail</hi>, Befehlshaber zu Damascus. Seine Un=
<lb n="0486.20" rend="indent"/> einigkeit mit dem Calous, 93. nimmt die Aus=
<lb n="0486.21" rend="indent"/> forderung des Khaleds an, 99. der Kopf wird
<lb n="0486.22" rend="indent"/> ihm abgeschlagen <hi rend="right">101</hi></item>
<lb n="0486.23"/> <item><hi rend="bold">Jsrail</hi>, Name eines Engels bey den Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0486.24" rend="indent"/> nern <hi rend="right">99</hi></item>
<lb n="0486.25"/> <item><hi rend="bold">Juden</hi>, in Arabien, m&#x00FC;ssen sich dem Mahomet
<lb n="0486.26" rend="indent"/> unterwerfen <hi rend="right">25</hi></item>
<lb n="0486.27"/> <item><hi rend="bold">Jzdegerd</hi>, K&#x00F6;nig in Persien, dessen Schicksa=
<lb n="0486.28" rend="indent"/> le, <hi rend="right">367. u. f.</hi></item></list></item>
<pb n="0487.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-548"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0487.01"/> <item><list><head n="2">K.</head>
<lb n="0487.02"/> <item><hi rend="bold">Kameele</hi>, die Opferung derselben wird von dem
<lb n="0487.03" rend="indent"/> Mahomet eingef&#x00FC;hrt, von seinen Anh&#x00E4;ngern
<lb n="0487.04" rend="indent"/> aber verabs&#x00E4;umet <hi rend="right">39</hi></item>
<lb n="0487.05"/> <item><hi rend="bold">Khaled = ebn = Valid</hi>, mit dem Zunamen der
<lb n="0487.06" rend="indent"/> Degen Gottes. Seine verschiedene Thaten, und
<lb n="0487.07" rend="indent"/> Schicksale, 27. 77. 134. 137. 159. 167. 173.
<lb n="0487.08" rend="indent"/> 189. 242. sein Tod <hi rend="right">336</hi></item>
<lb n="0487.09"/> <item><hi rend="bold">Khosaiten</hi>, ein Stamm unter den Arabern, wel=
<lb n="0487.10" rend="indent"/> cher die Aufsicht &#x00FC;ber die Caabah verlieret <hi rend="right">7</hi></item>
<lb n="0487.11"/> <item><hi rend="bold">Kossa</hi>, Haupt der Coreischiten, zieht die Aufsicht
<lb n="0487.12" rend="indent"/> &#x00FC;ber die Caabah an sich <hi rend="right">7</hi></item>
<lb n="0487.13"/> <item><hi rend="bold">Koran</hi>, Nachricht von diesem Buche <hi rend="right">41</hi></item>
<lb n="0487.14"/> <item><hi rend="bold">Kriege</hi>, heilige, nennen die Araber diejenigen, wel=
<lb n="0487.15" rend="indent"/> che sie zu Ausbreitung ihrer Religion f&#x00FC;hren. <hi rend="right">69</hi></item></list></item>
<lb n="0487.16"/> <item><list><head n="2">L.</head>
<lb n="0487.17"/> <item><hi rend="bold">Laodicea</hi>, wird von den Arabern eingenommen,
<lb n="0487.18"/> <hi rend="right">335</hi></item></list></item>
<lb n="0487.19"/> <item><list><head n="2">M.</head>
<lb n="0487.20"/> <item><hi rend="bold">Mahan</hi>, (ist eben der, welcher sonst Manuel
<lb n="0487.21" rend="indent"/> hei&#x00DF;t) wird von dem Kayser wider die Araber
<lb n="0487.22" rend="indent"/> ausgeschickt, 233. seine Vorschl&#x00E4;ge werden ver=
<lb n="0487.23" rend="indent"/> worfen, 236. Er verlangt eine Unterhandlung
<lb n="0487.24" rend="indent"/> mit dem Khaled, 238. u. f. er giebt dem Kha=
<lb n="0487.25" rend="indent"/> led die Gefangnen wieder, 240. er verliert
<lb n="0487.26" rend="indent"/> die Schlacht bey Yermuk, 243. er wird gefan=
<lb n="0487.27" rend="indent"/> gen genommen und zu Damascus get&#x00F6;dtet, <hi rend="right">244</hi></item>
<lb n="0487.28"/> <item><hi rend="bold">Mahomet</hi>, kurzgefa&#x00DF;te Lebensbeschreibung dieses
<lb n="0487.29" rend="indent"/> Propheten <hi rend="right">7 = 56</hi></item>
<pb n="0488.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-549"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0488.01"/> <item><hi rend="bold">Mahomet</hi>, der Sohn des Abubekers, wird Statt=
<lb n="0488.02" rend="indent"/> halter in Aegypten, 396. er verursacht einen
<lb n="0488.03" rend="indent"/> Aufruhr wider den Othmann, 397. wird ge=
<lb n="0488.04" rend="indent"/> t&#x00F6;dtet <hi rend="right">449</hi></item>
<lb n="0488.05"/> <item><hi rend="bold">Mahometanische</hi> Religion; Grunds&#x00E4;tze dersel=
<lb n="0488.06" rend="indent"/> ben, 49. verschiedne Secten derselben <hi rend="right">60</hi></item>
<lb n="0488.07"/> <item><hi rend="bold">Mahua</hi>, ein vornehmer Perser, hetzt den Tarkan
<lb n="0488.08" rend="indent"/> wider den Jzdegerd auf <hi rend="right">369</hi></item>
<lb n="0488.09"/> <item><hi rend="bold">Makaukas</hi>, Befehlshaber von Mesrah, verl&#x00E4;&#x00DF;t
<lb n="0488.10" rend="indent"/> die Griechen, und macht mit dem Amru ein be=
<lb n="0488.11" rend="indent"/> sonder Verbindni&#x00DF; <hi rend="right">339</hi></item>
<lb n="0488.12"/> <item><hi rend="bold">Maraukas</hi>, schickt dem Mahomet Geschencke, <hi rend="right">46</hi></item>
<lb n="0488.13"/> <item><hi rend="bold">Malek</hi>, emp&#x00F6;rt sich nach dem Tode des Maho=
<lb n="0488.14" rend="indent"/> mets, 62. er verliert die Schlacht wider die
<lb n="0488.15" rend="indent"/> Muselm&#x00E4;nner, 62. seine Unterredung mit dem
<lb n="0488.16" rend="indent"/> Khaled, 63. wird get&#x00F6;dtet <hi rend="right">64</hi></item>
<lb n="0488.17"/> <item><hi rend="bold">Malek = Alaschtari</hi>, seine Thaten bey Einneh=
<lb n="0488.18" rend="indent"/> mung des Schlosses Aazaz <hi rend="right">290</hi></item>
<lb n="0488.19"/> <item><hi rend="bold">M&#x00E4;rtyrer</hi>, bey den Muselm&#x00E4;nnern <hi rend="right">18</hi></item>
<lb n="0488.20"/> <item><hi rend="bold">Mead</hi>, wird aus Haran zur&#x00FC;ck geruffen, Khaled
<lb n="0488.21" rend="indent"/> vertraut ihm einen Theil des rechten Fl&#x00FC;gels in
<lb n="0488.22" rend="indent"/> der Schlacht bey Ainadin <hi rend="right">132</hi></item>
<lb n="0488.23"/> <item><hi rend="bold">Mecca</hi>, eine Stadt in dem w&#x00FC;sten Arabien, 3.
<lb n="0488.24" rend="indent"/> Mahomet legt eine Wallfahrt dahin an, 28. Ce=
<lb n="0488.25" rend="indent"/> remonien, welche dabey beobachtet werden m&#x00FC;s=
<lb n="0488.26" rend="indent"/> sen <hi rend="right">29</hi></item>
<lb n="0488.27"/> <item><hi rend="bold">Medina</hi>, eine Stadt in dem w&#x00FC;sten Arabien, in
<lb n="0488.28" rend="indent"/> der Propinz Hegiaz, 3. Wann man sie so zu
<pb n="0489.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-550"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0489.01" rend="indent"/> nennen angefangen, 15. das Grab des Ma=
<lb n="0489.02" rend="indent"/> homets ist in dieser Stadt <hi rend="right">43</hi></item>
<lb n="0489.03"/> <item><hi rend="bold">Meissarah = ebn = Mesru</hi>, nimt die Eroberung des
<lb n="0489.04" rend="indent"/> Gebirges nebst dem Dames auf sich, 315. er
<lb n="0489.05" rend="indent"/> wird eingeschlossen, 317. Khaled macht ihm wie=
<lb n="0489.06" rend="indent"/> der Luft <hi rend="right">319</hi></item>
<lb n="0489.07"/> <item><hi rend="bold">Mervan = ebn = Hakem</hi>, des Othmanns Schrei=
<lb n="0489.08" rend="indent"/> ber, verr&#x00E4;th seinen Herrn <hi rend="right">384</hi></item>
<lb n="0489.09"/> <item><hi rend="bold">Mesrah</hi>, die Belagerung dieses Orts wird be=
<lb n="0489.10" rend="indent"/> schrieben <hi rend="right">351</hi></item>
<lb n="0489.11"/> <item><hi rend="bold">Moavias</hi>, Statthalter in Syrien, seine Thaten
<lb n="0489.12" rend="indent"/> zur See, 375. macht Anspruch auf die Regie=
<lb n="0489.13" rend="indent"/> rung, nebst den Folgen dieses Anspruchs, <hi rend="right">403.</hi>
<lb n="0489.14" rend="indent"/> <hi rend="right">u. f.</hi></item>
<lb n="0489.15"/> <item><hi rend="bold">Mogairah = ebn = Schaad</hi>, schl&#x00E4;gt dem Califen
<lb n="0489.16" rend="indent"/> vor, den Titel Emir = al = Mumenins anzuneh=
<lb n="0489.17" rend="indent"/> men <hi rend="right">185</hi></item>
<lb n="0489.18"/> <item><hi rend="bold">Mogairah = ebn = Schabah</hi>, wird von dem Oth=
<lb n="0489.19" rend="indent"/> man abgeschickt, die Aufr&#x00FC;hrer zu bes&#x00E4;nftigen <hi rend="right">380</hi></item>
<lb n="0489.20"/> <item><hi rend="bold">Mohagerins</hi>, die, warum sie so genennt wer=
<lb n="0489.21" rend="indent"/> den, 41. ihr Streit mit den Ansers wegen des
<lb n="0489.22" rend="indent"/> Begr&#x00E4;bnisses des Mahomets <hi rend="right">41</hi></item>
<lb n="0489.23"/> <item><hi rend="bold">M&#x00F6;nche</hi>, Achtung der Muselm&#x00E4;nner gegen die=
<lb n="0489.24" rend="indent"/> selben <hi rend="right">72</hi></item>
<lb n="0489.25"/> <item><hi rend="bold">Moslemah = ebn = Makhaled</hi>, wird mit dem
<pb n="0490.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-551"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0490.01" rend="indent"/> Amru gefangen, 359. wie er die Freyheit wie=
<lb n="0490.02" rend="indent"/> der erlangt <hi rend="right">360</hi></item>
<lb n="0490.03"/> <item><hi rend="bold">Mossellamah</hi>, k&#x00F6;mmt den Mahomet zu huldi=
<lb n="0490.04" rend="indent"/> gen, 31. wirft sich zum Propheten auf, 66.
<lb n="0490.05" rend="indent"/> verliert die Schlacht, in welcher er bleibt <hi rend="right">66</hi></item>
<lb n="0490.06"/> <item><hi rend="bold">Murzins</hi>, werden diejenigen genennt, welche die
<lb n="0490.07" rend="indent"/> Muselm&#x00E4;nner zum Gebet ruffen <hi rend="right">259</hi></item>
<lb n="0490.08"/> <item><hi rend="bold">Mumenins</hi>, bedeutet im Arabischen Gl&#x00E4;ubige
<lb n="0490.09"/> <hi rend="right">184</hi></item></list></item>
<lb n="0490.10"/> <item><list><head n="2">N.</head>
<lb n="0490.11"/> <item><hi rend="bold">Nestorius</hi>, Feldherr der christlichen Armee,
<lb n="0490.12" rend="indent"/> schl&#x00E4;gt sich mit dem Dames und macht diesen
<lb n="0490.13" rend="indent"/> zum Gefangnen, 306. er schl&#x00E4;gt sich mit dem
<lb n="0490.14" rend="indent"/> Dehak <hi rend="right">308</hi></item>
<lb n="0490.15"/> <item><hi rend="bold">Noman</hi>, bek&#x00F6;mmt Befehl, Palmyra zu verlas=
<lb n="0490.16" rend="indent"/> sen, und mit seinen Trupen zu der Syrischen
<lb n="0490.17" rend="indent"/> Armee zu stossen, 114. Khaled untergiebt ihm
<lb n="0490.18" rend="indent"/> einen Theil des rechten Fl&#x00FC;gels in der Schlacht
<lb n="0490.19" rend="indent"/> bey Ainadin <hi rend="right">132</hi></item></list></item>
<lb n="0490.20"/> <item><list><head n="2">O.</head>
<lb n="0490.21"/> <item><hi rend="bold">Obeid</hi>, wird in einem ungl&#x00FC;cklichen Feldzuge wider
<lb n="0490.22" rend="indent"/> die Perser get&#x00F6;dtet <hi rend="right">362</hi></item>
<lb n="0490.23"/> <item><hi rend="bold">Obeidah</hi>, Feldherr der muselm&#x00E4;nnischen Armeen
<lb n="0490.24" rend="indent"/> in Syrien; seine Thaten, 77. 156. 159. 167.
<lb n="0490.25" rend="indent"/> 186. 202. 209. 211. 242. sein Tod <hi rend="right">335</hi></item>
<pb n="0491.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-552"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0491.01"/> <item><hi rend="bold">Offeirah</hi>, eine arabische Heldin, ihre Antwort auf
<lb n="0491.02" rend="indent"/> die Ermunterung der Caulah, 121. sie f&#x00FC;hrt
<lb n="0491.03" rend="indent"/> nebst der Caulah die Weiber an <hi rend="right">128</hi></item>
<lb n="0491.04"/> <item><hi rend="bold">Okail</hi>, des Ali Bruder, tritt auf des Moavias
<lb n="0491.05" rend="indent"/> Seite <hi rend="right">468</hi></item>
<lb n="0491.06"/> <item><hi rend="bold">Omar</hi>, er will den Mahomet nicht f&#x00FC;r todt er=
<lb n="0491.07" rend="indent"/> kennen, 40. er erkl&#x00E4;rt den Abubeker zum
<lb n="0491.08" rend="indent"/> Nachfolger, 55. seine Thaten unter diesem Ca=
<lb n="0491.09" rend="indent"/> lifen, 75. 146. seine Regierung, 184 = 364.
<lb n="0491.10" rend="indent"/> er wird von einem mi&#x00DF;vergn&#x00FC;gten Sklaven um=
<lb n="0491.11" rend="indent"/> gebracht <hi rend="right">358</hi></item>
<lb n="0491.12"/> <item><hi rend="bold">Othman</hi>, wiederr&#x00E4;th dem Omar nach Jerusalem
<lb n="0491.13" rend="indent"/> zu gehen, 251. er wird zum Califen ernennt,
<lb n="0491.14" rend="indent"/> 364. seine Regierung, 364 = 388. er wird
<lb n="0491.15" rend="indent"/> umgebracht <hi rend="right">386</hi></item>
<lb n="0491.16"/> <item><hi rend="bold">Othman = ebn = Hanif</hi>, Ali ernennt ihn zum
<lb n="0491.17" rend="indent"/> Statthalter von Basrah, 400. man will ihn
<lb n="0491.18" rend="indent"/> daselbst nicht annehmen, 402. wie ihm die
<lb n="0491.19" rend="indent"/> Aufr&#x00FC;hrer mitgespielt <hi rend="right">413</hi></item></list></item>
<lb n="0491.20"/> <item><list><head n="2">P.</head>
<lb n="0491.21"/> <item><hi rend="bold">Paulus</hi>, schl&#x00E4;gt das Hintertreffen der Muselm&#x00E4;n=
<lb n="0491.22" rend="indent"/> ner, welches Obeidah anf&#x00FC;hrt, 117. er wird in
<lb n="0491.23" rend="indent"/> seinem R&#x00FC;ckzuge &#x00FC;berfallen, 119. der Kopf
<lb n="0491.24" rend="indent"/> wird ihm vor die F&#x00FC;sse gelegt <hi rend="right">129</hi></item>
<lb n="0491.25"/> <item><hi rend="bold">Persien</hi>, wird von den Arabern erobert <hi rend="right">366</hi></item>
<lb n="0491.26"/> <item><hi rend="bold">Perser</hi>, ihre Hochachtung gegen den Ali. <hi rend="right">460. 479</hi></item>
<pb n="0492.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-553"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0492.01"/> <item><hi rend="bold">Pest</hi>, in Syrien <hi rend="right">335</hi></item>
<lb n="0492.02"/> <item><hi rend="bold">Petrus</hi>, wagt einen Ausfall aus Damascus auf
<lb n="0492.03" rend="indent"/> die Syrer, 116. er ist gl&#x00FC;cklich dabey, 117.
<lb n="0492.04" rend="indent"/> er wird auf dem R&#x00FC;ckzuge &#x00FC;berfallen, 118.
<lb n="0492.05" rend="indent"/> er wird get&#x00F6;dtet <hi rend="right">126</hi></item></list></item>
<lb n="0492.06"/> <item><list><head n="2">Q.</head>
<lb n="0492.07"/> <item><hi rend="bold">Quartier</hi>, die Religion des Mahomets verbietet
<lb n="0492.08" rend="indent"/> diejenigen zu t&#x00F6;dten, welche um Quartier bitten
<lb n="0492.09" rend="indent"/> <hi rend="right">89</hi></item></list></item>
<lb n="0492.10"/> <item><list><head n="2">R.</head>
<lb n="0492.11"/> <item><hi rend="bold">Rafi = ebn = Omeirah</hi>, nimmt die Tochter des
<lb n="0492.12" rend="indent"/> K&#x00E4;ysers Heraclius gefangen, 176. seine &#x00FC;brige
<lb n="0492.13" rend="indent"/> Thaten und Schicksale <hi rend="right">110. 111. 222</hi></item>
<lb n="0492.14"/> <item><hi rend="bold">Romanus</hi>, Befehlshaber zu Bostra, sein nieder=
<lb n="0492.15" rend="indent"/> tr&#x00E4;chtiges Bezeigen gegen die Einwohner dieser
<lb n="0492.16" rend="indent"/> Stadt <hi rend="right">81. und folg.</hi></item></list></item>
<lb n="0492.17"/> <item><list><head n="2">S.</head>
<lb n="0492.18"/> <item><hi rend="bold">Saad = ebn = Kais</hi>, Ali macht ihn zum Statthal=
<lb n="0492.19" rend="indent"/> ter von Aegypten, 400. Moavias findet Mit=
<lb n="0492.20" rend="indent"/> tel, ihn bey dem Ali verd&#x00E4;chtig zu machen <hi rend="right">460</hi>
<lb n="0492.21" rend="indent"/>  <hi rend="right">und folg.</hi></item>
<lb n="0492.22"/> <item><hi rend="bold">Said</hi>, wird mit H&#x00FC;lfsv&#x00F6;lkern nach Syrien ge=
<lb n="0492.23" rend="indent"/> schickt, 74. seine &#x00FC;brige Schicksale und Tha=
<lb n="0492.24" rend="indent"/> ten <hi rend="right">75. 129. 361</hi></item>
<lb n="0492.25"/> <item><hi rend="bold">Said</hi>, k&#x00F6;mmt dem Obeidah zu H&#x00FC;lffe, 220
<pb n="0493.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-554"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0493.01" rend="indent"/> zwinget die von Baalbek, sich in ein verfallenes
<lb n="0493.02" rend="indent"/> Kloster zu ziehen <hi rend="right">222</hi></item>
<lb n="0493.03"/> <item><hi rend="bold">Saracenen</hi>, Ursprung dieses Namens <hi rend="right">362</hi></item>
<lb n="0493.04"/> <item><hi rend="bold">Schaddad = ebn = Aus</hi>, mu&#x00DF; des Omars Schrei=
<lb n="0493.05" rend="indent"/> ben, wegen seiner Gelangung zu dem Throne,
<lb n="0493.06" rend="indent"/> nach Damascus bringen <hi rend="right">188</hi></item>
<lb n="0493.07"/> <item><hi rend="bold">Sch&#x00FC;ten</hi>, wenn dieser Name eigentlich beygelegt
<lb n="0493.08" rend="indent"/> wird. <hi rend="right">475</hi></item>
<lb n="0493.09"/> <item><hi rend="bold">Schweinefleisch</hi>, den Mahometanern verbothen
<lb n="0493.10"/> <hi rend="right">148</hi></item>
<lb n="0493.11"/> <item><hi rend="bold">Sergiabil</hi>, seine Schicksale und Thaten, 65. 118.
<lb n="0493.12" rend="indent"/> 152. sein Tod <hi rend="right">332</hi></item>
<lb n="0493.13"/> <item><hi rend="bold">Sergius</hi>, ein christlicher M&#x00F6;nch, welcher dem
<lb n="0493.14" rend="indent"/> Mahomet den Koran verfertigen half <hi rend="right">49</hi></item>
<lb n="0493.15"/> <item><hi rend="bold">Sinai</hi>, in dem w&#x00FC;sten Arabien <hi rend="right">4</hi></item>
<lb n="0493.16"/> <item><hi rend="bold">Sofian, Abu</hi>, weicht zur&#x00FC;ck und wird von einem
<lb n="0493.17" rend="indent"/> arabischen Weibe gemi&#x00DF;handelt, 252. Omar
<lb n="0493.18" rend="indent"/> giebt ihm die Statthalterschaft in dem mitter=
<lb n="0493.19" rend="indent"/> n&#x00E4;chtlichen Theile Syriens <hi rend="right">278</hi></item>
<lb n="0493.20"/> <item><hi rend="bold">Sohaid = ebn = Sabah</hi>, giebt das Zeichen, dem
<lb n="0493.21" rend="indent"/> Obeidah zu H&#x00FC;lfe zu kommen <hi rend="right">223</hi></item>
<lb n="0493.22"/> <item><hi rend="bold">Sophronius</hi>, Patriarch zu Jerusalem, seine Un=
<lb n="0493.23" rend="indent"/> terhandlung mit dem Obeidah, 256. er em=
<lb n="0493.24" rend="indent"/> pf&#x00E4;ngt den Omar in Jerusalem <hi rend="right">258</hi></item>
<lb n="0493.25"/> <item><hi rend="bold">Spiele</hi>, Gl&#x00FC;cks, werden in dem Korane verbo=
<lb n="0493.26" rend="indent"/> then, und warum <hi rend="right">196</hi></item>
<pb n="0494.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-555"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0494.01"/> <item><hi rend="bold">Stein</hi>, schwarzer, was er war <hi rend="right">29</hi></item>
<lb n="0494.02"/> <item><hi rend="bold">Syrien</hi>, eine Provinz in Asien; die Araber las=
<lb n="0494.03" rend="indent"/> sen sich daselbst nieder, 5. Zustand der Reli=
<lb n="0494.04" rend="indent"/> gion daselbst zu den Zeiten des Mahomets <hi rend="right">9=10</hi></item>
<lb n="0494.05"/> <item><hi rend="bold">Syrer</hi>, ihr Eifer, den Tod des Othmans zu r&#x00E4;=
<lb n="0494.06" rend="indent"/> chen <hi rend="right">399</hi></item></list></item>
<lb n="0494.07"/> <item><list><head n="2">T.</head>
<lb n="0494.08"/> <item><hi rend="bold">Tarkan</hi>, k&#x00F6;mmt dem Jzdegerd zu H&#x00FC;lfe, 369.
<lb n="0494.09" rend="indent"/> zerf&#x00E4;llt mit ihm, 369. liefert ihm ein Treffen
<lb n="0494.10" rend="indent"/> und schl&#x00E4;gt ihn <hi rend="right">370</hi></item>
<lb n="0494.11"/> <item><hi rend="bold">Tauben</hi>, man braucht sie zu Brieftr&#x00E4;gern <hi rend="right">288</hi></item>
<lb n="0494.12"/> <item><hi rend="bold">Tellah</hi>, einer von denen, welche den Califen
<lb n="0494.13" rend="indent"/> w&#x00E4;hlen sollen, 361. Seine Emp&#x00F6;rung wider
<lb n="0494.14" rend="indent"/> den Ali <hi rend="right">394 u. f.</hi></item>
<lb n="0494.15"/> <item><hi rend="bold">Thahamah</hi>, eine von den Provinzen des w&#x00FC;sten
<lb n="0494.16" rend="indent"/> Arabiens <hi rend="right">3</hi></item>
<lb n="0494.17"/> <item><hi rend="bold">Theodor</hi>, Befehlshaber von Aazaz; nimmt den
<lb n="0494.18" rend="indent"/> Yukinna gefangen, 289. wird von seinen zwey
<lb n="0494.19" rend="indent"/> S&#x00F6;hnen umgebracht <hi rend="right">291</hi></item>
<lb n="0494.20"/> <item><hi rend="bold">Thomas</hi>, Eydam des K&#x00E4;ysers Heraclius, seine
<lb n="0494.21" rend="indent"/> Thaten bey der Belagerung der Stadt Dama=
<lb n="0494.22" rend="indent"/> scus, 149. und folg. sein Tod <hi rend="right">174</hi></item>
<lb n="0494.23"/> <item><hi rend="bold">Tuleiah</hi>, rettet dem Sergiabil das Leben <hi rend="right">329</hi></item></list></item>
<pb n="0495.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-556"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0495.01"/> <item><list><head n="2">U.</head>
<lb n="0495.02"/> <item><hi rend="bold">Uschstut = Malek</hi>, wird als Statthalter nach Ae=
<lb n="0495.03" rend="indent"/> gypten geschikt, und auf dem Wege mit Gift hin=
<lb n="0495.04" rend="indent"/> gerichtet <hi rend="right">463</hi></item></list></item>
<lb n="0495.05"/> <item><list><head n="2">V.</head>
<lb n="0495.06"/> <item><hi rend="bold">Vathek = ebn = Motasser</hi>, nimt es &#x00FC;ber sich den
<lb n="0495.07" rend="indent"/> Califen zu t&#x00F6;dten, 304. wodurch er daran
<lb n="0495.08" rend="indent"/> verhindert wird <hi rend="right">305</hi></item>
<lb n="0495.09"/> <item><hi rend="bold">Vorherbestimmung</hi>, ein Glaubenspunct der Ma=
<lb n="0495.10" rend="indent"/> hometaner <hi rend="right">21</hi></item></list></item>
<lb n="0495.11"/> <item><list><head n="2">W.</head>
<lb n="0495.12"/> <item><hi rend="bold">Wein</hi>, ist den Mahometanern verbothen, Ursa=
<lb n="0495.13" rend="indent"/> chen dieses Verboths <hi rend="right">197</hi></item>
<lb n="0495.14"/> <item><hi rend="bold">Werdan</hi>, des K&#x00E4;ysers Feldherr; seine Schick=
<lb n="0495.15" rend="indent"/> sale <hi rend="right">128. 137</hi></item>
<lb n="0495.16"/> <item><hi rend="bold">Wiedervergeltungsrecht</hi>, ist in dem Gesetze
<lb n="0495.17" rend="indent"/> des Mahomets eingef&#x00FC;hrt <hi rend="right">196</hi></item></list></item>
<lb n="0495.18"/> <item><list><head n="2">Y.</head>
<lb n="0495.19"/> <item><hi rend="bold">Yatreb</hi>, eine Stadt in dem w&#x00FC;sten Arabien, wel=
<lb n="0495.20" rend="indent"/> che jetzt Medina heist <hi rend="right">15</hi></item>
<lb n="0495.21"/> <item><hi rend="bold">Yiermuk</hi>, eine Stadt in Syrien, an dem Flusse
<lb n="0495.22" rend="indent"/> dieses Namens, wo die Araber einen grossen
<lb n="0495.23" rend="indent"/> Sieg davon tragen <hi rend="right">243</hi></item>
<pb n="0496.01" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-557"/><fw rend="pageheader"><hi rend="spaced">Register.</hi></fw>
<lb n="0496.01"/> <item><hi rend="bold">Yezid = ebn = Abi = Sofian</hi>, seine Thaten und
<lb n="0496.02" rend="indent"/> Schicksale, 71. 74. 103. sein Tod <hi rend="right">338</hi></item>
<lb n="0496.03"/> <item><hi rend="bold">Yukinna</hi>, Befehlshaber von Aleppo; wieder=
<lb n="0496.04" rend="indent"/> steht den Muselm&#x00E4;nnern tapfer, 267. und folg.
<lb n="0496.05" rend="indent"/> mu&#x00DF; sich ergeben und wird ein Mahometaner,
<lb n="0496.06" rend="indent"/> 284. seine &#x00FC;brige Schicksale <hi rend="right">288. 295.</hi>
<lb n="0496.07" rend="indent"/> <hi rend="right">298. 330</hi></item></list></item>
<lb n="0496.08"/> <item><list><head n="2">Z.</head>
<lb n="0496.09"/> <item><hi rend="bold">Zegat</hi>, eine Auflage, welche in dem Gesetze des
<lb n="0496.10" rend="indent"/> Mahomets befohlen wird. <hi rend="right">63</hi></item>
<lb n="0496.11"/> <item><hi rend="bold">Zobeir</hi>, ist einer von denen, welche dem Omar
<lb n="0496.12" rend="indent"/> einen Nachkommen w&#x00E4;hlen sollen, 361. Em=
<lb n="0496.13" rend="indent"/> p&#x00F6;rt sich wider den Ali, 394. k&#x00F6;mmt elendig=
<lb n="0496.14" rend="indent"/> lich um <hi rend="right">433</hi></item></list></item></list></div>
<lb n="0496.15"/> <!-- #(image) --></back>
<pb rend="leer" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-558"/>
<pb rend="leer" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-559"/>
<pb rend="leer" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-560"/>
<pb rend="leer" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-561"/>
<pb rend="leer" facs="Marigny_Geschichte_Teil1_dts-562"/></text>
</TEI>


