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<titlePage><docTitle>
<pb n="0143.01" facs="Plautus_S00143.jpg"/>
<lb n="0143.01"/> <titlePart type="main"><hi n="2"><hi rend="antiqua">I.</hi></hi>
<lb n="0143.02"/> <hi n="3"><hi rend="spaced">Die</hi></hi>
<lb n="0143.03"/> <hi n="6"><hi rend="spaced">Gefangnen</hi>,</hi>
<lb n="0143.04"/> <hi n="5"><hi rend="spaced">ein Lustspiel.</hi></hi></titlePart>
<lb n="0143.05"/> <titlePart type="sub"><hi n="2">Aus dem Lateinischen</hi>
<lb n="0143.06"/> <hi n="1">des</hi>
<lb n="0143.07"/> <hi n="4"><hi rend="spaced">M. Accius Plautus</hi></hi>
<lb n="0143.08"/> <hi n="1"><hi rend="spaced">übersetzt.</hi></hi></titlePart></docTitle></titlePage>
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<pb n="0144.01" facs="Plautus_S00144.jpg"/>
<lb n="0144.01"/> <head n="4">Personen des Lustspiels.</head>
<lb n="0144.02"/> <castItem><role>Hegio</role>. <roleDesc>Ein Alter</roleDesc>.</castItem>
<lb n="0144.03"/> <castItem><role>Ergasilus</role>, <roleDesc>ein Schmarutzer</roleDesc>.</castItem>
<lb n="0144.04"/> <castItem><role>Philokrates</role>, <reg rend="row2">}</reg> <roleDesc>die Gefangnen</roleDesc>.
<lb n="0144.05"/> <role>Tyndarus</role>,</castItem>
<lb n="0144.06"/> <castItem><role>Aristophontes</role>.</castItem>
<lb n="0144.07"/> <castItem><role>Ein Scherge</role>.</castItem>
<lb n="0144.08"/> <castItem><role>Ein Knecht des Hegio</role>.</castItem>
<lb n="0144.09"/> <castItem><role>Philopolemus</role>, <roleDesc>des Hegio Sohn</roleDesc>.</castItem>
<lb n="0144.10"/> <castItem><role>Stalagmus</role>.</castItem></castList></front>
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<div1 type="drama">
<div2 type="prolog">
<pb n="0145.01" facs="Plautus_S00145.jpg"/>
<lb n="0145.01"/> <!-- #(IMAGE) -->
<lb n="0145.02"/> <head n="5">Der Vorredner</head>
<lb n="0145.03"/> <stage type="setting">an die Zuschauer.</stage>
<lb n="0145.04"/> <sp><p><hi rend="initiale">D</hi>iese zwey Gefangnen, die ihr hier ste<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0145.05"/> hen sehet, sitzen nicht, sondern (<ref rend="footnote" n="145*">*</ref>) - -
<lb n="0145.06"/> stehen. Es kann mir es jeder von euch
<lb n="0145.07"/> bezeugen, daß ich die Wahrheit rede.
<lb n="0145.08"/> Der Alte, welcher hier wohnet, heißt
<lb n="0145.09"/> <hi rend="bold">Hegio</hi>, und ist dieses Gefangnen Vater. Wie es
<lb n="0145.10"/> aber komme, daß er bey seinem eignen Vater diene,
<lb n="0145.11"/> <note type="footnote" n="145*">* Ich mag diesen Einfall eben nicht vertheidigen. Plau<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0145.12"/> tus hat es ohne Zweifel selbst eingesehen, daß er nicht
<lb n="0145.13"/> der vortrefflichste ist. Es ist ihm genug gewesen, wenn
<lb n="0145.14"/> er nur seine Absicht, die Römer zum Lachen zu bewegen,
<lb n="0145.15"/> damit erlangt hat. So ein Anfang verspricht eine
<lb n="0145.16"/> reiche Erndte lächerlicher Sachen. Man sehe übrigens,
<lb n="0145.17"/> mit was für Lebhaftigkeit er das, was die Zuschauer
<lb n="0145.18"/> wissen sollen, erzählet, und mit was für Kunst er das
<lb n="0146.27"/> versteckt, was sie itzo nicht wissen, sondern was sie
<lb n="0146.28"/> selbst bald sehen sollen. Und man sage mir, ob in vielen
<lb n="0146.29"/> neuen Komödien die ersten Auftritte, ob sie gleich das
<lb n="0146.30"/> Dialogische voraus haben, so angenehm sind, als die<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0146.31"/> ser Prolog?</note>
<pb n="0146.01" facs="Plautus_S00146.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0146.01"/> will ich euch, wenn ihr mir zuhören wollt, erzählen.
<lb n="0146.02"/> <hi rend="bold">Hegio</hi> hatte zwey Söhne. Einen davon, als ein
<lb n="0146.03"/> Kind von vier Jahren, entführte ihm ein Knecht,
<lb n="0146.04"/> welcher sich damit fortmachte, und ihn in Elis an den
<lb n="0146.05"/> Vater dieses andern Gefangnen verkaufte. Ihr be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0146.06"/> greift es doch? - - Nun gut. Wie aber? Du,
<lb n="0146.07"/> dort unten im Winkel, du sprichst, nein? Tritt näher
<lb n="0146.08"/> her. Wenn du keinen Platz zum sitzen finden kannst,
<lb n="0146.09"/> hier ist Platz zum stehen. Soll sich denn der Schau<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0146.10"/> spieler zum Bettler schreyen? Nimm mir es nicht
<lb n="0146.11"/> übel, deinetwegen werde ich mich nicht zerreißen. Ihr
<lb n="0146.12"/> aber, die ihr einen bequemen Ort inne habt, dankt
<lb n="0146.13"/> es euerm Reichthum, und hört vollends das Restchen,
<lb n="0146.14"/> denn ich bleibe die Restchen nicht gerne schuldig. Der
<lb n="0146.15"/> flüchtige Knecht, wie ich schon gesagt habe, verkaufte
<lb n="0146.16"/> seinen jungen Herrn, den er von Hause mitgenommen
<lb n="0146.17"/> hatte, an dieses Vater. Dieser schenkte ihn alsobald
<lb n="0146.18"/> seinem Sohne zu seinem besondern Knechte, weil sie
<lb n="0146.19"/> beynahe von einem Alter waren. Nunmehro aber
<lb n="0146.20"/> dient er in seinem väterlichen Hause seinem eignen Va<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0146.21"/> ter, ohne, daß es der Vater weis. In der That,
<lb n="0146.22"/> die Götter spielen auch mit den Menschen, wie mit
<lb n="0146.23"/> Fangebällen. Nunmehro wißt ihr, wie er den einen
<lb n="0146.24"/> Sohn verlohren hat. Der andre aber ist im Kriege,
<lb n="0146.25"/> den die Aetolier und Elienser mit einander geführt ha<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0146.26"/> ben, zum Gefangnen gemacht worden, (denn das
<pb n="0147.01" facs="Plautus_S00147.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0147.01"/> geschieht, so viel ich weis, im Kriege dann und wann)
<lb n="0147.02"/> und der Arzt <hi rend="bold">Menarchus</hi> in Elis hat ihn an sich ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0147.03"/> kauft. <hi rend="bold">Hegio</hi> gegentheils kauft eliensische Gefangne
<lb n="0147.04"/> auf, in Hoffnung, daß er einen darunter finden wird,
<lb n="0147.05"/> mit dem er seinen gefangnen Sohn austauschen könne;
<lb n="0147.06"/> weis aber nicht, daß einer davon sein eigner Sohn sey.
<lb n="0147.07"/> Weil er nun gestern gehört, daß ein sehr vornehmer
<lb n="0147.08"/> eliensischer Ritter sey gefangen worden, so hat er, zu
<lb n="0147.09"/> seines Sohnes Besten, keine Unkosten angesehen, son<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0147.10"/> dern hat diesen Ritter, nebst seinem Knechte, bey den
<lb n="0147.11"/> Quästors von der Beute erkauft, damit er durch ihn
<lb n="0147.12"/> seinen Sohn desto leichter wieder erhalten könne. Diese
<lb n="0147.13"/> aber haben sich folgende List ausgesonnen, wodurch
<lb n="0147.14"/> der Knecht seinen Herrn nach Hause verhelfen könne:
<lb n="0147.15"/> sie haben nämlich Kleider und Namen unter einander
<lb n="0147.16"/> verwechselt, daher heißt nun dieser <hi rend="bold">Philokrates</hi> und
<lb n="0147.17"/> jener <hi rend="bold">Tyndarus</hi>, und <hi rend="bold">Tyndarus</hi> spielt heute des
<lb n="0147.18"/> <hi rend="bold">Philokrates</hi>, und <hi rend="bold">Philokrates</hi> des <hi rend="bold">Tyndarus</hi>
<lb n="0147.19"/> Rolle. Dieser wird seine List vortrefflich ausführen,
<lb n="0147.20"/> und nicht allein seinen Herrn in die Freyheit versetzen,
<lb n="0147.21"/> sondern zugleich seinen eignen Bruder erhalten, und
<lb n="0147.22"/> ihn als einen Freyen in sein Vaterland zu seinem
<lb n="0147.23"/> Vater zurück helfen. Alles das aber wird er von un<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0147.24"/> gefähr thun, wie es denn meistentheils geschieht, daß
<lb n="0147.25"/> die Menschen mehr Gutes von ungefähr (<ref rend="footnote" n="147*">*</ref>), als mit
<note type="footnote" n="147*">
<lg type="gedicht" rend="antiqua">
<l n="0147.26"> * - - itidem vt saepe iam in multis locis</l>
<l n="0147.27"> Plus insciens quis fecit, quam sciens, boni.</l></lg>
    <lb n="0147.28"/> Dieses sind des <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> Worte. Wir wollen hierbey
    <lb n="0147.29"/> die Stelle aus dem <rs type="person" ref="#tere">Terentius</rs> anmerken, wo er eben
    <lb n="0147.30"/> dieses den <hi rend="bold">Parmeno</hi> zum Schlusse der <rs type="bibl" ref="#terenz_hecyra" rend="bold">Hecyra</rs> sagen
<lb n="0147.31"/> läßt:
<lg type="gedicht" rend="antiqua">
<l n="0148.09"> equidem plus hodie boni</l>
<l n="0148.10"> Feci imprudens, quam sciens ante hunc diem vnquam.</l></lg>
<lb n="0148.12"/> Aus dieser Stelle darf es nicht allein bewiesen werden,
<lb n="0148.13"/> daß <rs type="person" ref="#tere">Terentius</rs> den <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> nachgeahmet habe.</note>
<pb n="0148.01" facs="Plautus_S00148.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0148.01"/> Willen, thun. Denn von ungefähr haben sie, ohne
<lb n="0148.02"/> jemands Einrathen, ihre List also eingerichtet, daß
<lb n="0148.03"/> dieser bey seinem eignen Vater in der Knechtschaft blei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.04"/> ben muß. Er dienet nun also seinem eignen Vater,
<lb n="0148.05"/> ohne, daß er es weis. Was für eine elende Creatur
<lb n="0148.06"/> ist der Mensch, wenn ichs bedenke!</p>
<lb n="0148.07" rend="indent"/> <p>Dieses nun, ihr Zuschauer, ist es, was ihr als
<lb n="0148.08"/> eine wahre Geschichte, wir aber als eine Fabel (<ref rend="footnote" n="148*">*</ref>) anzu<c type="bindestrich2">-</c>
    <lb n="0148.14"/> <note type="footnote" n="148*">* <cit xml:lang="lat" rend="antiqua"><quote>Haec res agetur nobis, vobis fabula</quote></cit>: so heißt eigent<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.15"/> lich die Stelle. Wenn ich sie aber nach der Einsicht
<lb n="0148.16"/> beurtheile, welche <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> nothwendig von der Ein<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.17"/> richtung der Schauspiele muß gehabt haben; so komme
<lb n="0148.18"/> ich auf die Vermuthung, daß die beyden Pronomina
<lb n="0148.19"/> versetzt worden sind, und daß es heißen solle: <cit xml:lang="lat" rend="antiqua"><quote>Haec
    <lb n="0148.20"/> res agetur vobis, nobis fabula</quote></cit>. Denn dieses eben macht
<lb n="0148.21"/> die Vollkommenheit der Schauspiele aus, wenn die Zu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.22"/> schauer eine wahrhafte Geschichte, und keine Vorstel<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.23"/> lung einer erdichteten Begebenheit, zu sehen glauben.
<lb n="0148.24"/> Die Schauspieler aber müssen es niemals aus den Ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.25"/> danken lassen, daß sie nur vorstellende Personen
<lb n="0148.26"/> sind, und ihre Vorstellungen so wahrscheinlich ma<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0148.27"/> chen müssen, daß sie den Zuschauer zu hintergehen im
<lb n="0148.28"/> Stande seyn können. Doch kann es auch seyn, daß
<lb n="0148.29"/> die erste Leseart die rechte ist, und daß <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> ganz
<lb n="0148.30"/> was anders dabey gedacht hat. Vielleicht will er den
<lb n="0148.31"/> Vorredner dadurch sagen lassen: ihr könnt zwar das,
<lb n="0148.32"/> was wir vorstellen werden, für eine Fabel ansehen, für
<lb n="0148.33"/> uns aber ist es schon eine etwas wichtigere Sache, weil
<lb n="0148.34"/> unsere Belohnungen, wenn wir es gut machen, darauf
<lb n="0148.35"/> beruhen.</note>
<pb n="0149.01" facs="Plautus_S00149.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0149.01"/> sehen haben. Eines habe ich noch mit wenigem zu
<lb n="0149.02"/> erinnern. Es verlohnt sich, in der That, der Mühe,
<lb n="0149.03"/> daß ihr diesem Spiele zuhört. Denn es ist nicht so
<lb n="0149.04"/> oben hin nach der gemeinen Weise gemacht; es sind
<lb n="0149.05"/> keine unzüchtigen Verse darinne, mit welchen man das
<lb n="0149.06"/> Gedächtniß zu beladen sich schämen muß. Es kömmt
<lb n="0149.07"/> kein meyneidiger Hurenwirth, keine treulose Buhlerinn,
<lb n="0149.08"/> kein großsprecherischer Soldat vor.</p>
<lb n="0149.09" rend="indent"/> <p>Uebrigens dürft ihr euch des Kriegs wegen nicht
<lb n="0149.10"/> bange seyn lassen, den, wie ich gesagt habe, die Ae<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0149.11"/> tolier und Elienser mit einander führen. Es kömmt
<lb n="0149.12"/> nichts auf dem Schauplatze davon vor. Denn es
<lb n="0149.13"/> wäre sehr unbillig, wenn wir, da die Zuschauer ein
<lb n="0149.14"/> Lustspiel erwarten, plötzlich in ein Trauerspiel fallen
<lb n="0149.15"/> wollten (<ref rend="footnote" n="149*">*</ref>). Will aber jemand von euch Krieg haben,
<lb n="0149.16"/> der fange nur Händel an. Wenn es ihm glückt, daß er
<lb n="0149.17"/> an einen kömmt, der stärker ist als er, so wird es ge<c type="bindestrich2">-</c>
<note type="footnote" n="149*">
<lg type="gedicht" rend="antiqua">
<l n="0149.18"> * Hoc paene iniquum est Comico choragio,</l>
<l n="0149.19"> Conari de subito nos agere Tragoediam.</l></lg>
<lb n="0149.20"/> <p>Die neuern Comici würden sehr wohl thun, wenn sie
<lb n="0149.21"/> diese kleine Erinnerung merken wollten. Es ist, als
<lb n="0149.22"/> wenn sich unsere Zeiten verschworen hätten, das We<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0149.23"/> sen der Schauspiele umzukehren. Man macht Trauer<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0149.24"/> spiele zum Lachen, und Lustspiele zum Weinen. Den
<lb n="0149.25"/> Franzosen könnte man es noch eher erlauben, daß sie
<lb n="0149.26"/> sich diese kleine Abwechselung machten. Sie haben
<lb n="0149.27"/> schon Trauerspiele genug, die zum Weinen, und Lust<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0149.28"/> spiele, die zum Lachen bewegen. Warum die Deutschen
<lb n="0149.29"/> aber, die ihnen hierinne noch weichen müssen, da mit
<lb n="0149.30"/> Ruhm anzufangen glauben, wo diese mit Schanden auf<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0149.31"/> gehöret haben, das begreifen wir nicht.</p></note>
<pb n="0150.01" facs="Plautus_S00150.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0150.01"/> wiß ein so artiges Treffen setzen, daß er sich gerne in
<lb n="0150.02"/> Zukunft für alle Treffen bedanken wird.</p>
<lb n="0150.03" rend="indent"/> <p>Lebet wohl, ihr gerechtesten Richter im Frieden,
<lb n="0150.04"/> und tapfersten Helden im Kriege! Ich gehe ab.</p></sp></div2>
<div2 type="akt" n="1">
<lb n="0150.05"/> <head type="aufzug" n="4">Erster Aufzug.</head>
<div3 type="szene" n="01">
<lb n="0150.06"/> <head type="auftritt" n="3">Erster Auftritt.</head>
<lb n="0150.07"/> <stage type="setting">Ergasilus.</stage>
<lb n="0150.08"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Ergasilus</speaker><p><hi rend="initiale">D</hi>ie Jugend hat mir den Zunamen Hure gegeben,
<lb n="0150.09"/> weil ich beständig ungerufen bey ihren Gaste<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0150.10"/> reyen bin. Ich weis wohl, die Herren Witzlinge sa<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0150.11"/> gen, daß der Zuname sehr albern sey; allein ich - -
<lb n="0150.12"/> ich sage, daß er schon recht ist. Denn wenn ein
<lb n="0150.13"/> Buhler bey der Schmauserey würfeln will, so ruft
<lb n="0150.14"/> er seine Hure dabey an. Nicht wahr, sie ist also <hi rend="bold">an<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0150.15"/> gerufen</hi>? Freylich. Ist es denn nun viel anders
<lb n="0150.16"/> mit uns Schmarutzern, die wir niemals zu einem
<lb n="0150.17"/> Schmause gerufen werden? Wir sind also allezeit <hi rend="bold">un<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0150.18"/> gerufen? Angerufen</hi> und <hi rend="bold">ungerufen</hi> aber ist ja
<lb n="0150.19"/> nicht so weit von einander (<ref rend="footnote" n="150*">*</ref>). Wir ernähren uns bestän<c type="bindestrich2">-</c>
<lb n="0150.20"/> <note type="footnote" n="150*">* Ich habe dieses Wortspiel einigermaßen beyzubehalten
<lb n="0150.21"/> gesucht. In dem Lateinischen ist es ungleich artiger,
<lb n="0150.22"/> weil <hi rend="antiqua">inuocatus</hi> zugleich <hi rend="bold">angerufen</hi> und <hi rend="bold">ungerufen</hi>
<lb n="0150.23"/> heißen kann. Ehe ich es aber gar übergehen wollte,
<lb n="0150.24"/> so habe ich es lieber so gut übersetzen wollen, als es die
<lb n="0150.25"/> deutsche Sprache verstattet. Uebrigens wird man so
<lb n="0150.26"/> billig seyn, und dieses Spielwerk nach dem beurtheilen,
<lb n="0150.27"/> in dessen Munde es ist. Die Scherze nach den unter<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0150.28"/> schiednen Charakteren einzurichten, ist ein Kunststück,
<lb n="0151.28"/> welches wenig in einer solchen Stärke besitzen, wie Plau<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0151.29"/> tus. Bey den meisten scherzet der Knecht eben so fein,
<lb n="0151.30"/> wie sein Herr, oder der Herr eben so grob, wie sein
<lb n="0151.31"/> Knecht.</note>
<pb n="0151.01" facs="Plautus_S00151.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0151.01"/> dig, wie die Mäuse, von fremder Kost. Wenn sich
<lb n="0151.02"/> die Leute Feyertage machen, und aufs Land begeben,
<lb n="0151.03"/> so haben auch unsere Zähne Feyertage. So wie die
<lb n="0151.04"/> Schnecke bey der Hitze, wenn kein Thau fällt, sich
<lb n="0151.05"/> ganz verborgen hält, und von ihrem eignen Safte
<lb n="0151.06"/> zehret; so bleiben auch die Schmarutzer, wenn die,
<lb n="0151.07"/> die sie sonst beschmausen, auf dem Lande sind, ganz
<lb n="0151.08"/> versteckt, und leben von ihrem eignen Safte. Alsdann
<lb n="0151.09"/> gleichen sie den Windhunden, nach und nach aber, wenn
<lb n="0151.10"/> die Leute in die Stadt zurück kommen, werden sie wieder
<lb n="0151.11"/> zu dicken unbequemen und verdrüßlichen Bollenbeißern.
<lb n="0151.12"/> Es ist zwar hier auch ganz aus mit ihnen; wer nicht
<lb n="0151.13"/> Ohrfeigen leiden, und sich die Töpfe auf dem Kopfe
<lb n="0151.14"/> zerschmeißen lassen kann, der mag nur den Sack neh<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0151.15"/> men und vors Thor betteln gehen. Und wer weis,
<lb n="0151.16"/> ob mirs besser gehen wird, da mein Patron im Krie<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0151.17"/> ge, den die <hi rend="bold">Aetolier</hi> und <hi rend="bold">Elienser</hi> mit einander füh<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0151.18"/> ren, zum Gefangnen ist gemacht worden. Itzo ist er
<lb n="0151.19"/> nun in <hi rend="bold">Elis</hi>, der arme <hi rend="bold">Philopolemus</hi>; denn ich
<lb n="0151.20"/> bin hier in Aetolien, und zwar bey seines Vaters des
<lb n="0151.21"/> <hi rend="bold">Hegio</hi> Hause. Der gute alte Mann! Sein Haus
<lb n="0151.22"/> ist mir itzo ein recht Jammerhaus geworden, ich kann
<lb n="0151.23"/> es ohne Thränen niemals ansehen. Er hat, seinem
<lb n="0151.24"/> Sohne zum Besten, einen recht schimpflichen Handel,
<lb n="0151.25"/> und der seinem Naturell gar nicht gemäß ist, angefan<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0151.26"/> gen. Er kauft nämlich Gefangne auf, in Hoffnung,
<lb n="0151.27"/> daß er einen darunter finden wird, mit welchem er sei<c type="bindestrich">-</c>
<pb n="0152.01" facs="Plautus_S00152.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0152.01"/> nen Sohn vertauschen kann. Ich muß ihn doch be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0152.02"/> suchen. Doch die Thüre geht alleweile auf, woraus
<lb n="0152.03"/> ich so oft dicke und berauscht gegangen bin.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="02">
<lb n="0152.04"/> <head type="auftritt" n="3">Zweyter Auftritt.</head>
<lb n="0152.05"/> <stage type="setting">Hegio. Ein Scherge. Ergasilus.</stage>
<lb n="0152.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Höre, was ich sage. Mache die zwey
<lb n="0152.07"/> Gefangnen, die ich gestern bey den Quästors von der
<lb n="0152.08"/> Beute gekauft habe, von ihren großen Ketten, womit
<lb n="0152.09"/> sie gefesselt sind, los, und lege jedem eine besondre
<lb n="0152.10"/> an. Laß sie, drinnen und draußen, frey herum<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0152.11"/> gehen, nur daß sie mit der größten Sorgfalt bewacht
<lb n="0152.12"/> werden. Mit einem Gefangnen, dem man zu viel
<lb n="0152.13"/> Freyheit läßt, ist es nicht anders, als mit einem Vo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0152.14"/> gel. Wenn er einmal Gelegenheit davon zu fliegen
<lb n="0152.15"/> findet; so ist es geschehen. Er läßt sich nimmermehr
<lb n="0152.16"/> wieder fangen.</p></sp>
<lb n="0152.17"/> <sp><speaker>Der Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Ja freylich sind wir allesammt
<lb n="0152.18"/> lieber frey, als in der Knechtschaft.</p></sp>
<lb n="0152.19"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Doch scheinst du eben nicht von den allen
<lb n="0152.20"/> zu seyn.</p></sp>
<lb n="0152.21"/> <sp><speaker>Der Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Willst du denn also, da ich dir
<lb n="0152.22"/> nichts geben kann, daß ich mich auf die Flucht bege<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0152.23"/> ben soll?</p></sp>
<lb n="0152.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Begieb dich nur, begieb; du sollst schon
<lb n="0152.25"/> sehen, was sich alsdann mit dir begeben soll.</p></sp>
<lb n="0152.26"/> <sp><speaker>Der Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Je nu, ich will es machen, wie
<lb n="0152.27"/> du sprichst, daß es die Vögel machen.</p></sp>
<lb n="0152.28"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Gut, und eben deswegen werde ich dich
<lb n="0152.29"/> ins Käficht sperren. Doch, genug gespaßt. Thue
<lb n="0152.30"/> was ich dir befohlen habe und pack dich fort.</p></sp>
<pb n="0153.01" facs="Plautus_S00153.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0153.01"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wie gerne wollte ich, daß der ehrli<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0153.02"/> che Mann seinen Zweck erhielte. Denn wenn er sei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0153.03"/> nen Sohn nicht wieder erhält, so ist es mit meiner
<lb n="0153.04"/> Erhaltung geschehen. Von der übrigen Jugend ist
<lb n="0153.05"/> gar nichts zu hoffen. Sie lieben sich alle selbst zu
<lb n="0153.06"/> sehr. Das war noch der einzige Jüngling von altem
<lb n="0153.07"/> Schrot und Korne. Ich habe ihn niemals umsonst
<lb n="0153.08"/> vergnügt gemacht. Sein Vater ist auch noch von der
<lb n="0153.09"/> guten Art.</p></sp>
<lb n="0153.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich will zu meinem Bruder, bey dem ich
<lb n="0153.11"/> meine übrigen Gefangnen habe, gehen. Ich muß
<lb n="0153.12"/> sehen, ob sie die Nacht keine Unordnung angefangen
<lb n="0153.13"/> haben. Von dar will ich alsbald wieder nach Hause
<lb n="0153.14"/> kommen.</p></sp>
<lb n="0153.15"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Es thut mir leid, daß der arme alte
<lb n="0153.16"/> Mann, zum Besten seines Sohnes, so eine kerker<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0153.17"/> mäßige Handthierung treiben muß. Wenn er ihn
<lb n="0153.18"/> zwar auf keine andere Art wieder erhalten kann, so
<lb n="0153.19"/> mag er gar einen Schinder abgeben. Ich kann es
<lb n="0153.20"/> wohl leiden.</p></sp>
<lb n="0153.21"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wer redt hier?</p></sp>
<lb n="0153.22"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ich, den deine Betrübniß ganz ab<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0153.23"/> mergelt. Ich veralte, verschmachte und verschwinde
<lb n="0153.24"/> darüber. Ich bin vor lauter Magerkeit nichts als
<lb n="0153.25"/> Haut und Knochen. Es bekömmt mir kein Bissen,
<lb n="0153.26"/> den ich zu Hause esse; kaum daß mir das, was ich
<lb n="0153.27"/> bey guten Freunden koste, noch gedeyet.</p></sp>
<lb n="0153.28"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Willkommen Ergasilus.</p></sp>
<lb n="0153.29"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Die Götter stehen dir bey, Hegio!</p></sp>
<lb n="0153.30"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, nu, weine nur nicht.</p></sp>
<lb n="0153.31"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ich soll nicht weinen? Ich soll so
<lb n="0153.32"/> einen rechtschaffnen Jüngling nicht beweinen?</p></sp>
<pb n="0154.01" facs="Plautus_S00154.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0154.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich habe wohl gesehen, daß mein Sohn
<lb n="0154.02"/> und du gute Freunde waret - -</p></sp>
<lb n="0154.03"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>So gehts. Wir Menschen erkennen
<lb n="0154.04"/> unser Glück nicht eher, als bis wir es wiederum ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0154.05"/> lieren. Seit dem dein Sohn ist gefangen worden,
<lb n="0154.06"/> seit dem hab ich erst eingesehen, wie hoch ich ihn zu
<lb n="0154.07"/> schätzen habe. Ach wie sehne ich mich nach ihm!</p></sp>
<lb n="0154.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Da einem Fremden sein Unglück so nahe
<lb n="0154.09"/> geht, wie soll es mich nicht schmerzen, da er mein ein<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0154.10"/> ziger Sohn ist?</p></sp>
<lb n="0154.11"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ich ein Fremder? Dein Sohn mir
<lb n="0154.12"/> ein Fremder? O Hegio, sage dieses nicht; glaub es
<lb n="0154.13"/> nicht. Er ist dein einziger Sohn, aber mir - - mir
<lb n="0154.14"/> ist er noch viel einziger.</p></sp>
<lb n="0154.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich lobe dich, daß dich deines Freundes
<lb n="0154.16"/> Ungemach wie das deine schmerzt. Doch sey nur gu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0154.17"/> tes Muths.</p></sp>
<lb n="0154.18"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ach!</p></sp>
<lb n="0154.19"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Der gute Schelm ist ganz betrübt, weil
<lb n="0154.20"/> die Schmausereyen nunmehr abgedankt sind. Hast
<lb n="0154.21"/> du denn aber niemanden gefunden, der unterdessen
<lb n="0154.22"/> diese abgedankten Schmausereyen in seinen Sold neh<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0154.23"/> men und commandiren will?</p></sp>
<lb n="0154.24"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Du glaubst es wohl; aber nein.
<lb n="0154.25"/> Nachdem dein Sohn <hi rend="bold">Philopolemus</hi> ist gefangen
<lb n="0154.26"/> worden, bedankt sich jedermann für dergleichen Com<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0154.27"/> mando.</p></sp>
<lb n="0154.28"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Es wundert mich auch eben nicht, daß sie
<lb n="0154.29"/> sich dafür bedanken. Man hat gar zu viel und gar
<lb n="0154.30"/> zu vielerley Soldaten dazu nöthig. Da sind erstlich
<lb n="0154.31"/> Beckersoldaten. Und von diesen Beckersoldaten giebts
<lb n="0154.32"/> wieder unterschiedne Arten. Man braucht Brodsoldaten;
<pb n="0155.01" facs="Plautus_S00155.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0155.01"/> man braucht Kuchensoldaten. Hernach kommen die Zie<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0155.02"/> mersoldaten, die Schnepfensoldaten. Und was hat
<lb n="0155.03"/> man nicht endlich für eine Menge Fischsoldaten nöthig?</p></sp>
<lb n="0155.04"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wie doch manchmal die größten
<lb n="0155.05"/> Köpfe im Verborgnen bleiben! Was solltest du nicht
<lb n="0155.06"/> für ein General seyn, und mußt doch als eine Privat<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0155.07"/> person leben?</p></sp>
<lb n="0155.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Sey nur gutes Muths. Ich hoffe, daß
<lb n="0155.09"/> ich meinen Sohn in wenig Tagen wieder zu Hause
<lb n="0155.10"/> haben will. Denn ich habe gestern einen jungen
<lb n="0155.11"/> <hi rend="bold">eliensischen</hi> Gefangnen, der von sehr vornehmen
<lb n="0155.12"/> und reichen Geschlechte ist, bekommen, und mit die<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0155.13"/> sem hoffe ich ihn zu vertauschen.</p></sp>
<lb n="0155.14"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Die Götter geben es!</p></sp>
<lb n="0155.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber sage mir doch, bist du heute auf den
<lb n="0155.16"/> Abend zu Gaste gebeten?</p></sp>
<lb n="0155.17"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>So viel ich weis, nicht. Aber war<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0155.18"/> um fragst du das?</p></sp>
<lb n="0155.19"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Es ist heute mein Geburtstag, ich will
<lb n="0155.20"/> dich also auf den Abend einladen.</p></sp>
<lb n="0155.21"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Das war sinnreich gesprochen!</p></sp>
<lb n="0155.22"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber du mußt mit wenigem können zufrie<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0155.23"/> den seyn.</p></sp>
<lb n="0155.24"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wenn es nur nicht allzuwenig ist.</p></sp>
<lb n="0155.25"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wie ich ordentlich zu speisen pflege.</p></sp>
<lb n="0155.26"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Nu, nu, biethe mich nur.</p></sp>
<lb n="0155.27"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wenn mich nur niemand überbiethet (<ref rend="footnote" n="155*">*</ref>).</p></sp>
<lb n="0155.28"/> <note type="footnote" n="155*">* Die Anspielung, die im Lateinischen auf den Kauf über<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0155.29"/> haupt ist, habe ich nur auf eine Art des Kaufs, auf die
<lb n="0155.30"/> Versteigerung, einschränken müssen, damit ich den Scherz
<lb n="0155.31"/> beybehalten konnte.</note>
<pb n="0156.01" facs="Plautus_S00156.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0156.01"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ey! was für ein Geboth sollte mir
<lb n="0156.02"/> und meines gleichen wohl lieber seyn? Mit solchen
<lb n="0156.03"/> Bedingungen will ich mich dir mit Grund und Boden
<lb n="0156.04"/> zuschlagen lassen.</p></sp>
<lb n="0156.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>O sage vielmehr ohne Grund und Bo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.06"/> den (<ref rend="footnote" n="156*">*</ref>) - - Doch, wenn du kommen willst, so mußt
<lb n="0156.07"/> du bey Zeiten kommen.</p></sp>
<lb n="0156.08"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ich kann itzo gleich kommen.</p></sp>
<lb n="0156.09"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nein, nein, gehe nur, und sieh, ob du
<lb n="0156.10"/> sonst wo etwa einen Hasen auftreiben kannst, die Lerche
<lb n="0156.11"/> bleibt dir doch gewiß (<ref rend="footnote" n="156**">**</ref>); denn meine Mahlzeit ist al<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.12"/> lerdings auch für dich ein wenig zu harte und zu rauh.</p></sp>
<lb n="0156.13"/> <note type="footnote" n="156*">* Wegen seiner Gefräßigkeit.</note>
<lb n="0156.14"/> <note type="footnote" n="156**">** Ich glaube, daß dieses der natürlichste Verstand sey,
<lb n="0156.15"/> weil er mit der ersten Rede des Hegio, <cit xml:lang="lat" rend="antiqua"><quote>emtum, nisi
    <lb n="0156.16"/> qui meliorem affert</quote></cit>, am besten übereinkömmt. Ich
<lb n="0156.17"/> biethe dich zwar zu Gaste, will Hegio sagen, aber du
<lb n="0156.18"/> brauchst deswegen keine beßre Mahlzeit zu versäumen.
<lb n="0156.19"/> Findest du einen, der dir was bessers vorsetzen kann,
<lb n="0156.20"/> laß dich nicht abhalten. Ich könnte hier dem ältern
    <lb n="0156.21"/> <rs type="person" ref="#scal">Scaliger</rs> eine gelehrte Untersuchung, was <hi rend="antiqua">Ciris</hi> sey, ab<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.22"/> borgen, wenn ich glaubte, daß meinen Lesern was dar<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.23"/> an gelegen seyn würde. Ich habe es nach der gemei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.24"/> nen Art schlechtweg, durch Lerche übersetzt; ich will
<lb n="0156.25"/> mir aber diejenigen nicht dadurch zu Feinden machen,
<lb n="0156.26"/> welche gebratene Lerchen einem gebratenen Hasen vor<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.27"/> ziehen. Eine kleine Anmerkung will ich hier noch über
<lb n="0156.28"/> den Charakter der Schmarutzer machen. Man wird
<lb n="0156.29"/> wenig Stücke bey dem <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> finden, worinne nicht
<lb n="0156.30"/> ein <hi rend="bold">Parasitus</hi> vorkommen sollte. Ich kann mich aber
<lb n="0156.31"/> in der That auf kein einziges von neuern Lustspielen be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0156.32"/> sinnen, wo so eine Person wäre lächerlich gemacht
<lb n="0156.33"/> worden. Doch es ist kein Wunder. Man würde viel<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0157.26"/> leicht ein Hirngespinste lächerlich gemacht haben. Der
<lb n="0157.27"/> Charakter eines Schmarutzers hat das Unglück gehabt,
<lb n="0157.28"/> mit der Gastfreyheit auszusterben.</note>
<pb n="0157.01" facs="Plautus_S00157.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0157.01"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>O! o! Denke nicht, Hegio, daß du
<lb n="0157.02"/> mich dadurch abschrecken wirst. Ich kann meinen
<lb n="0157.03"/> Zähnen Schuhe anziehn.</p></sp>
<lb n="0157.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, nu, meine Kost wird stachlicht genug
<lb n="0157.05"/> seyn.</p></sp>
<lb n="0157.06"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Du wirst doch nicht gar Dörner
<lb n="0157.07"/> speisen?</p></sp>
<lb n="0157.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Lauter Feldgerichte - -</p></sp>
<lb n="0157.09"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Das Schwein ist auch ein Feldthier.</p></sp>
<lb n="0157.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Vor allen Dingen viel Kraut - -</p></sp>
<lb n="0157.11"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Das kannst du den Kranken zu Hause
<lb n="0157.12"/> vorsetzen. Hast du mir sonst noch was zu befehlen?</p></sp>
<lb n="0157.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nichts, als daß du bey Zeiten kommen
<lb n="0157.14"/> sollst.</p></sp>
<lb n="0157.15"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Das hätte ich so nicht vergessen.</p></sp>
<lb n="0157.16"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich will herein gehen, und doch überschla<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0157.17"/> gen, wie viel ich Geld bey dem Wechsler stehn habe.
<lb n="0157.18"/> Den Gang zu meinem Bruder kann ich versparen bis
<lb n="0157.19"/> hernach.</p></sp></div3></div2>
<div2 type="akt" n="2">
<lb n="0157.20"/> <head type="aufzug" n="4">Zweyter Aufzug.</head>
<div3 type="szene" n="01">
<lb n="0157.21"/> <head type="auftritt" n="3">Erster Auftritt.</head>
<lb n="0157.22"/> <stage type="setting">Die Schergen. Philokrates und Tyndarus,
<lb n="0157.23"/> die Gefangnen.</stage>
<lb n="0157.24"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Da die unsterblichen Götter euch
<lb n="0157.25"/> zu diesem Unglück ausersehen haben, so habt ihr es
<pb n="0158.01" facs="Plautus_S00158.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0158.01"/> mit Geduld zu ertragen. Durch diese könnt ihr euch
<lb n="0158.02"/> eure Last erleichtern. Ich will es glauben, daß ihr in
<lb n="0158.03"/> eurem Vaterlande frey gewesen seyd. Da ihr aber
<lb n="0158.04"/> itzo in die Knechtschaft gerathen seyd, so wird es gut
<lb n="0158.05"/> seyn, wenn ihr euch darein schickt, und sie euch, durch
<lb n="0158.06"/> den Gehorsam gegen euren Herrn, so erträglich macht,
<lb n="0158.07"/> als es nur möglich ist. Alles was der Herr thut,
<lb n="0158.08"/> muß euch recht seyn, wenn es gleich nicht recht ist.</p></sp>
<lb n="0158.09"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Ach!</p></sp>
<lb n="0158.10"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Der Seufzer war unnöthig, und
<lb n="0158.11"/> euer Weinen ist euch zu nichts gut, als die Augen zu
<lb n="0158.12"/> verderben. In Trübsalen ist nichts besser, als ein gu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0158.13"/> ter Muth.</p></sp>
<lb n="0158.14"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Allein, wir schämen uns, daß
<lb n="0158.15"/> wir gefesselt seyn.</p></sp>
<lb n="0158.16"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>So darf es euren Herrn hernach
<lb n="0158.17"/> nicht gereuen, daß er euch, die ihr ihm so viel Geld
<lb n="0158.18"/> kostet, frey, ohne Ketten, hat gehn lassen, wenn
<lb n="0158.19"/> ihr etwa - -</p></sp>
<lb n="0158.20"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Was befürchtet er sich denn
<lb n="0158.21"/> von uns? Wir wissen schon, was unsere Schuldigkeit
<lb n="0158.22"/> ist, wenn er uns gleich ungebunden gehen ließe.</p></sp>
<lb n="0158.23"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Ha! ha! Ich sehe schon, worauf
<lb n="0158.24"/> ihr umgeht. Ihr sucht zu entfliehn.</p></sp>
<lb n="0158.25"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Wir entfliehen? Und wohin?</p></sp>
<lb n="0158.26"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Nach Hause.</p></sp>
<lb n="0158.27"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Geh! Es würde sich schlecht für
<lb n="0158.28"/> <supplied resp="baumgarten">ihn</supplied>schicken, zu entfliehn.</p></sp>
<lb n="0158.29"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Nu, nu, wenn sich die Gelegen<c type="bindestrich">-</c>
    <lb n="0158.30"/> heit etwa <choice><corr>eräugnen</corr><sic>eräugen</sic></choice> sollte, so will ich es euch nicht ab<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0158.31"/> rathen.</p></sp>
<pb n="0159.01" facs="Plautus_S00159.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0159.01"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Eine kleine Bitte haben wir an
<lb n="0159.02"/> euch zu thun.</p></sp>
<lb n="0159.03"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Worinne besteht die?</p></sp>
<lb n="0159.04"/> <sp><speaker>Die Gefangnen</speaker><ab>. </ab><p>Wir wollten gerne mit einander
<lb n="0159.05"/> sprechen, ohne, daß uns weder du, noch jemand von
<lb n="0159.06"/> diesen, zuhörte.</p></sp>
<lb n="0159.07"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Gut, das soll euch erlaubt seyn.
<lb n="0159.08"/> Weg von hier! Laßt uns unterdessen hier zurück treten.
<lb n="0159.09"/> Allein macht es kurz.</p></sp>
<lb n="0159.10"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Dieses wünschte ich eben. Komm
<lb n="0159.11"/> hier her <hi rend="bold">Tyndarus</hi>.</p></sp>
<lb n="0159.12"/> <sp><speaker>Ein Scherge</speaker><ab>. </ab><p>Fort hier! Packt euch zurück!</p></sp>
<lb n="0159.13"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Wir sind euch beyde sehr verbunden,
<lb n="0159.14"/> daß ihr uns diese Gefälligkeit erzeigt.</p></sp>
<lb n="0159.15"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Komm also näher hieher, damit sie
<lb n="0159.16"/> nichts von unsern Reden auffangen können. Sie
<lb n="0159.17"/> müssen von unserer List nicht das geringste merken.
<lb n="0159.18"/> Denn eine List ist keine List, wenn sie nicht heimlich
<lb n="0159.19"/> gehalten wird; sie ist vielmehr das größte Unglück, so
<lb n="0159.20"/> bald sie auskömmt. Wenn du dich also für meinen
<lb n="0159.21"/> Herrn ausgeben willst, und ich mich als deinen Die<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0159.22"/> ner anstellen soll, so müssen wir uns wohl vorsehn, daß
<lb n="0159.23"/> wir alles behutsam und ohne Behorcher verrichten.
<lb n="0159.24"/> Wir müssen allen unsern Fleiß, allen unsern Witz da<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0159.25"/> bey anwenden. Die Sache ist zu wichtig, als daß sie
<lb n="0159.26"/> sich schläfrich treiben ließe.</p></sp>
<lb n="0159.27"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Ich will alles thun, wie du es be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0159.28"/> fiehlst.</p></sp>
<lb n="0159.29"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Das hoff ich.</p></sp>
<lb n="0159.30"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Du siehst wohl, daß ich itzo für
<lb n="0159.31"/> <choice><corr>dein</corr><sic>ein</sic></choice> mir so werthes Leben, mein eigen Leben in die
<lb n="0159.32"/> Schanze schlage.</p></sp>
<pb n="0160.01" facs="Plautus_S00160.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0160.01"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Es ist wahr.</p></sp>
<lb n="0160.02"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Aber gedenke auch daran, wenn du
<lb n="0160.03"/> deinen Zweck wirst erlangt haben. Denn ich weis
<lb n="0160.04"/> wohl, wie die meisten Menschen sind. So lange als
<lb n="0160.05"/> sie nach etwas streben, so lange sind sie gut; so bald
<lb n="0160.06"/> sie es aber erlangt haben, so bald werden sie aus den
<lb n="0160.07"/> Besten, die Schlimmsten und Ungetreuesten. Doch
<lb n="0160.08"/> ich will hoffen, daß du so seyn werdest, wie ich es
<lb n="0160.09"/> wünsche. Ich könnte es mit meinem Vater nicht bes<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0160.10"/> ser meynen, als ich es mit dir meyne.</p></sp>
<lb n="0160.11"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>In der That, ich habe dich mit
<lb n="0160.12"/> Recht meinen Vater zu nennen. Denn nach meinem
<lb n="0160.13"/> wirklichen Vater hast du dich am väterlichsten gegen
<lb n="0160.14"/> mich bewiesen.</p></sp>
<lb n="0160.15"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Ja! Ja!</p></sp>
<lb n="0160.16"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Ich ermahne dich also, gedenke ja
<lb n="0160.17"/> fleißig daran, daß ich nun nicht mehr dein Herr, son<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0160.18"/> dern dein Knecht, bin. Nur das einzige bitte ich
<lb n="0160.19"/> dich, da uns die Götter itzo ihren Willen kund ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0160.20"/> than, und mich, deinen vorigen Herrn, zu deinem
<lb n="0160.21"/> Mitknechte gemacht haben: dieß einzige bitte ich dich,
<lb n="0160.22"/> ich, der ich dir sonst mit Recht zu befehlen hatte, ich
<lb n="0160.23"/> bitte es dich um unsers ungewissen Glücks, um der
<lb n="0160.24"/> Gütigkeit, die dir mein Vater erzeigt hat, um unse<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0160.25"/> rer gemeinschaftlichen Knechtschaft willen; ehre mich
<lb n="0160.26"/> nicht anders, als ich dich geehrt habe, da du mir dien<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0160.27"/> test, und erinnere dich fleißig, was du gewesen seyst,
<lb n="0160.28"/> und was du nun bist.</p></sp>
<lb n="0160.29"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Ich weis schon. Ich bin nunmehro
<lb n="0160.30"/> du, und du bist ich.</p></sp>
<pb n="0161.01" facs="Plautus_S00161.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0161.01"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Gut. Wenn du das wohl mer<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0161.02"/> ken kannst, so können wir hoffen, daß unsre List gelin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0161.03"/> gen werde.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="02">
<lb n="0161.04"/> <head type="auftritt" n="3">Zweyter Auftritt.</head>
<lb n="0161.05"/> <stage type="setting">Hegio. Philokrates. Tyndarus.</stage>
<lb n="0161.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich werde gleich wieder herein kommen.
<lb n="0161.07"/> Ich will nur diese erst etwas fragen. Wo sind sie,
<lb n="0161.08"/> die ich vor die Thüre zu führen befohlen habe?</p></sp>
<lb n="0161.09"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>O, du hast schon dafür gesorgt,
<lb n="0161.10"/> daß wir nicht weit seyn können. Wir sind ja mit
<lb n="0161.11"/> Ketten und Wachen ganz umschanzt.</p></sp>
<lb n="0161.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wenn man sich auch noch so sehr vorsieht,
<lb n="0161.13"/> man kann sich doch nimmermehr zu viel vorsehn.
<lb n="0161.14"/> Wenn man manchmal glaubt, sich am besten vorge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0161.15"/> sehn zu haben, so ist man mit aller seiner Vorsicht be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0161.16"/> trogen. Oder thue ich etwa unrecht, daß ich euch
<lb n="0161.17"/> so scharf bewache, da ich euch für so viel baares Geld
<lb n="0161.18"/> gekauft habe?</p></sp>
<lb n="0161.19"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Es würde uns nicht geziemen,
<lb n="0161.20"/> wenn wir dir deine Vorsicht übel nehmen wollten.
<lb n="0161.21"/> Doch würde es sich auch für dich nicht schicken, es uns
<lb n="0161.22"/> zu verdenken, wenn wir uns bey Gelegenheit davon
<lb n="0161.23"/> machen sollten.</p></sp>
<lb n="0161.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wie ich euch hier bewachen lasse, eben so
<lb n="0161.25"/> wird mein Sohn bey euch bewacht.</p></sp>
<lb n="0161.26"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Ist er auch gefangen worden?</p></sp>
<lb n="0161.27"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Leider!</p></sp>
<lb n="0161.28"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>So sind wir doch nicht die einzigen
<lb n="0161.29"/> Bärenhäuter gewesen.</p></sp>
<pb n="0162.01" facs="Plautus_S00162.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0162.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Komm hier her. Ich möchte dich gerne
<lb n="0162.02"/> alleine um etwas fragen, worinne du mich aber nicht
<lb n="0162.03"/> belügen mußt.</p></sp>
<lb n="0162.04"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Was ich weis, will ich dir wahr<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0162.05"/> haft gestehen. Wenn ich aber etwas nicht weis, so
<lb n="0162.06"/> mußt du mir es auch nicht verdenken, daß ich es nicht
<lb n="0162.07"/> weis.</p></sp>
<lb n="0162.08"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Nun ist der Alte in der Barbierstube.
<lb n="0162.09"/> Das Messer ist schon angesetzt. Gleichwohl giebt er
<lb n="0162.10"/> ihm nicht einmal das Tuch um, daß er sich das Kleid
<lb n="0162.11"/> nicht garstig mache. Ob er ihn aber glatt, oder über
<lb n="0162.12"/> den Kamm scheren wird, weis ich noch nicht. Wenn
<lb n="0162.13"/> er aber gescheid ist, so wird er ihn rechtschaffen zer<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0162.14"/> kratzen.</p></sp>
<lb n="0162.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Höre! Willst du lieber frey, oder ein
<lb n="0162.16"/> Knecht seyn? Sprich!</p></sp>
    <lb n="0162.17"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich will nichts, als was dem Guten
<lb n="0162.18"/> am nächsten kömmt, und von dem Uebel am weite<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0162.19"/> sten entfernt ist. Vielen zwar ist die Knechtschaft
<lb n="0162.20"/> eben nicht sehr beschwerlich gewesen. Darunter gehöre
<lb n="0162.21"/> auch ich. Mein Herr hat mich nicht anders, als sein
<lb n="0162.22"/> eigen Kind gehalten.</p></sp>
    <lb n="0162.23"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Gut! In der That, nicht einmal für ein
<lb n="0162.24"/> Talent wollte ich den Thales aus Milet kaufen.
<lb n="0162.25"/> Denn gegen den seiner Weisheit ist die seinige Kinder<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0162.26"/> possen. Mit was für einer Art hat er nicht die Rede
<lb n="0162.27"/> auf die Knechtschaft zu bringen gewußt!</p></sp>
<lb n="0162.28"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aus was für einem Geschlechte ist dieser
<lb n="0162.29"/> <hi rend="bold">Philokrates</hi>?</p></sp>
    <lb n="0162.30"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Aus dem polyplusischen, welches daselbst
<lb n="0162.31"/> das mächtigste und geehrteste Geschlecht ist.</p></sp>
<pb n="0163.01" facs="Plautus_S00163.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0163.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber er selbst, in was für einem Ansehen
<lb n="0163.02"/> stehet er in seiner Vaterstadt?</p></sp>
    <lb n="0163.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>In großem. Die vornehmsten Leute schä<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0163.04"/> tzen ihn.</p></sp>
<lb n="0163.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Da er nun, wie du sagst, in solcher Hoch<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0163.06"/> achtung bey den <hi rend="bold">Eliensern</hi> stehet, wie steht es denn
<lb n="0163.07"/> um seinen Beutel? Ist er fett?</p></sp>
    <lb n="0163.08"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Er könnte Unschlitt daraus kochen. Der
<lb n="0163.09"/> Alte - - (<ref rend="footnote" n="163*">*</ref>)</p></sp>
<lb n="0163.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was? der Alte? Lebt sein Vater auch noch?</p></sp>
    <lb n="0163.11"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Als wir von Hause abreiseten, hat er
<lb n="0163.12"/> noch gelebt. Ob er aber itzo noch lebt, das muß
<lb n="0163.13"/> der Tod am besten wissen.</p></sp>
<lb n="0163.14"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das geht vortrefflich. Er lügt nicht nur,
<lb n="0163.15"/> er fängt auch gar an zu philosophiren.</p></sp>
<lb n="0163.16"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wie heißt sein Vater?</p></sp>
<lb n="0163.17"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p><hi rend="bold">Thesaurocrypsonicochrysides.</hi></p></sp>
<lb n="0163.18"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Den Namen hat man ihm gewiß wegen
<lb n="0163.19"/> seines großen Reichthums gegeben.</p></sp>
<lb n="0163.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nicht allein. Auch wegen seines Gei-
<lb n="0163.21"/> zes, und seiner Kühnheit. Denn sein eigentlicher Na<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0163.22"/> me ist <hi rend="bold">Theodoromedes</hi>.</p></sp>
<lb n="0163.23"/> <note type="footnote" n="163*"><p>* <hi rend="antiqua">Vnde excoquat seuum senex</hi> heißt es in den meisten
<lb n="0163.24"/> Ausgaben, Douza aber unterscheidet die Personen also:
<lb n="0163.25"/> <hi rend="antiqua"><hi rend="italic">Phil.</hi> Vnde excoquat seuum. <hi rend="italic">Heg.</hi> Senex quid pa<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0163.26"/> ter? viuitne</hi>? Allein das <hi rend="antiqua">Senex</hi> kann ganz wohl noch
<lb n="0163.27"/> bey der Rede des Philokrates bleiben, nur so, daß es ei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0163.28"/> nen neuen Perioden anfängt, worinne er von seinem
<lb n="0163.29"/> Vater etwas gedenken will, wo ihm Hegio aber als<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0163.30"/> bald ins Wort fällt: <hi rend="antiqua">quid pater? etc.</hi> Daß man also
<lb n="0163.31"/> vielleicht lesen muß:</p>
<lb n="0163.32"/> <sp><speaker><hi rend="italic">Phil</hi></speaker><ab>. </ab><p><hi rend="antiqua">Vnde excoquat seuum. Senex - - -</hi></p></sp>
<lb n="0163.33"/> <sp><speaker><hi rend="italic">Heg</hi></speaker><ab>. </ab><p><hi rend="antiqua">Quid Pater? viuitne?</hi></p></sp></note>
<pb n="0164.01" facs="Plautus_S00164.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0164.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was sagst du? So ist sein Vater geizig?</p></sp>
<lb n="0164.02"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nur gar zu geizig. Zum Exempel, daß
<lb n="0164.03"/> du doch siehst, was er für ein Mann ist; wann er
<lb n="0164.04"/> seinem Genius opfert, so braucht er lauter irdene Ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.05"/> fäße zu dem heiligen Werke, aus Furcht sein Genius
<lb n="0164.06"/> möchte sie ihm sonst entwenden. Daraus kannst du
<lb n="0164.07"/> sehen, wie viel er andern trauen mag.</p></sp>
<lb n="0164.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Gut! Komm, tritt unterdessen hier her.
<lb n="0164.09"/> Ich will mich auch bey diesem erkundigen. Philo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.10"/> krates (<ref rend="footnote" n="164*">*</ref>), dieser hat als ein rechtschaffner Mensch,
<lb n="0164.11"/> wie es auch seine Schuldigkeit war, gehandelt. Ich
<lb n="0164.12"/> weis von ihm, aus was für einem Geschlechte du bist.
<lb n="0164.13"/> Er hat mirs gestanden. Wenn du mir es auch ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.14"/> stehen willst, es wird dein Schade nicht seyn. Unter<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.15"/> dessen will ich dir doch sagen, daß ich alles schon von
<lb n="0164.16"/> ihm weis.</p></sp>
<lb n="0164.17"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Er hat seine Schuldigkeit gethan, da
<lb n="0164.18"/> er dir die Wahrheit gestanden hat; ob ich gleich mit
<lb n="0164.19"/> aller Sorgfalt meinen Adel, mein Geschlecht und
<lb n="0164.20"/> meine Reichthümer habe verbergen wollen. Da ich
<lb n="0164.21"/> aber Vaterland und Freyheit verlohren habe, so kann
<lb n="0164.22"/> ich es ihm freylich nicht verdenken, daß er mich weni<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.23"/> ger als dich fürchtet. Die feindliche Gewalt hat mei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.24"/> nen Stand dem seinigen gleich gemacht. Vorher
<lb n="0164.25"/> durfte er mich nicht mit einem Worte beleidigen; itzo
<lb n="0164.26"/> <note type="footnote" n="164*">* In den Ausgaben, die ich habe nachsehen können, ste<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.27"/> het: <hi rend="antiqua">Philocrates hic fecit, hominem frugi vt facere
<lb n="0164.28"/> oportuit</hi>. Dieses ist offenbar falsch. Bey Philokra<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.29"/> tes ist das Comma unentbehrlich, welches hier die An<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0164.30"/> rede seyn muß; denn Hegio wußte es ja nicht, daß es
<lb n="0164.31"/> Philokrates, mit dem er geredt hätte.</note>
<pb n="0165.01" facs="Plautus_S00165.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0165.01"/> kann er es mit der That thun. Aber, wie du siehst,
<lb n="0165.02"/> das Glück verfährt mit uns Menschen nach seinem
<lb n="0165.03"/> Kopfe. Ich war frey, nun bin ich ein Knecht. Vom
<lb n="0165.04"/> höchsten macht es mich zum letzten. Sonst war ich
<lb n="0165.05"/> gewohnt zu befehlen, nun muß ich mir befehlen las<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0165.06"/> sen. Wenn ich zwar einen Herrn bekommen habe,
<lb n="0165.07"/> wie ich selbst gegen meine Leute gewesen bin, so darf
<lb n="0165.08"/> ich mich nicht befürchten, daß er mir was ungerech<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0165.09"/> tes oder allzu beschwerliches gebiethen werde. Dieses
<lb n="0165.10"/> einzige, Hegio, will ich dir nur sagen, - - wenn du
<lb n="0165.11"/> es nicht übel nehmen willst - -</p></sp>
<lb n="0165.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Rede frey.</p></sp>
<lb n="0165.13"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich bin eben sowohl frey gewesen, als
<lb n="0165.14"/> dein Sohn. Wir haben, sowohl er als ich, durch
<lb n="0165.15"/> die feindliche Gewalt unsre Freyheit verlohren. Er
<lb n="0165.16"/> dienet bey uns nicht anders, als ich bey euch diene.
<lb n="0165.17"/> Es ist ganz gewiß ein Gott, welcher, was wir thun,
<lb n="0165.18"/> hört und sieht. Wie du mich hier halten wirst, so
<lb n="0165.19"/> wird er machen, daß man deinen Sohn auch bey uns
<lb n="0165.20"/> hält. Führst du dich gütig gegen mich auf, so wird
<lb n="0165.21"/> es ihm zu statten kommen, bist du hart gegen mich,
<lb n="0165.22"/> so wird man es auch gegen ihn seyn. So sehr du
<lb n="0165.23"/> nach deinem Sohne verlangst, so sehr verlangt auch
<lb n="0165.24"/> mein Vater nach mir.</p></sp>
<lb n="0165.25"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich glaube alles das. Doch wirst du
<lb n="0165.26"/> mir es gestehen, was er mir gestanden hat?</p></sp>
<lb n="0165.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich gestehe dir, daß mein Vater großen
<lb n="0165.28"/> Reichthum besitzet, und daß ich aus vornehmen Ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0165.29"/> schlechte bin. Allein ich bitte dich, Hegio, laß dich
<lb n="0165.30"/> meine Reichthümer nicht geiziger machen; und brin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0165.31"/> ge meinen Vater nicht dahin, daß er es für anständi<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0165.32"/> ger halten muß, mich, ob ich gleich sein einziger Sohn
<pb n="0166.01" facs="Plautus_S00166.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0166.01"/> bin, lieber bey dir in der Knechtschaft zu lassen, wo
<lb n="0166.02"/> du mich auf deine Unkosten satt machen und kleiden
<lb n="0166.03"/> mußt, als mich da, wo es mir am wenigsten anstän<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0166.04"/> dig seyn würde, betteln zu sehen.</p></sp>
<lb n="0166.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich bin durch den Segen der Götter, und
<lb n="0166.06"/> den Fleiß meiner Vorfahren reich genug. Zwar glaube
<lb n="0166.07"/> ich nicht, daß man den Gewinnst allezeit verachten
<lb n="0166.08"/> muß, ich weis vielmehr, daß viele Leute dadurch
<lb n="0166.09"/> groß geworden sind. Allein ich weis auch, daß zu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0166.10"/> weilen Schaden besser ist, als Gewinnst. Ich hasse
<lb n="0166.11"/> das Geld, es ist vielen ein schlechter Rathgeber gewe<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0166.12"/> sen. Höre also, und vernimm meine ganze Sinnes<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0166.13"/> meynung. Mein Sohn dienet bey euch in Elis, als
<lb n="0166.14"/> ein Gefangner. Wenn du mir ihn zurück schaffst, so
<lb n="0166.15"/> sollst du keinen Häller mehr geben. Ich will dich
<lb n="0166.16"/> und deinen Knecht gehen lassen. Anders aber laß
<lb n="0166.17"/> ich euch nicht frey.</p></sp>
<lb n="0166.18"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Dein Verlangen ist gut und billig. Du
<lb n="0166.19"/> bist der rechtschaffenste Mann. Allein ist dein Sohn
<lb n="0166.20"/> ein privat oder ein öffentlicher Gefangner?</p></sp>
<lb n="0166.21"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ein privat Gefangner, bey dem Arzt Me<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0166.22"/> narchus.</p></sp>
    <lb n="0166.23"/> <sp><speaker><choice><abbr>Phil</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Vortrefflich. Menarchus ist dieses sein
<lb n="0166.24"/> Client. Die Sache wird gehn, als ob sie geschmiert
<lb n="0166.25"/> wäre (<ref rend="footnote" n="166*">*</ref>).</p></sp>
<lb n="0166.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Mache also, daß er ranzionirt wird.</p></sp>
<lb n="0166.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Es soll geschehn. Aber das bitte ich dich
<lb n="0166.28"/> Hegio - -</p></sp>
<lb n="0166.29"/> <note type="footnote" n="166*">* Man halte mir den Ausdruck zu gute. Ich habe
<lb n="0166.30"/> etwas setzen wollen, welches dem Lateinischen, welches
<lb n="0166.31"/> ein Sprüchwort zu seyn scheinet, ein wenig ähnlich sey.</note>
<pb n="0167.01" facs="Plautus_S00167.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0167.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nur bitte nichts, was diesem Vornehmen
<lb n="0167.02"/> zuwider läuft; sonst alles - -</p></sp>
<lb n="0167.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Höre mich nur. Ich verlange nicht, daß
<lb n="0167.04"/> du mich eher frey lassen sollst, als du deinen Sohn
<lb n="0167.05"/> wieder bekommen hast. Allein das bitte ich dich.
<lb n="0167.06"/> Schlag mir diesen um ein Gewisses an. Ich will
<lb n="0167.07"/> ihn zu meinem Vater schicken, damit er deinen Sohn
<lb n="0167.08"/> ranzioniren kann.</p></sp>
<lb n="0167.09"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich dächte, wir schickten lieber einen andern,
<lb n="0167.10"/> so bald als Waffenstillestand seyn wird. Ein andrer
<lb n="0167.11"/> kann sich mit deinem Vater eben so wohl besprechen,
<lb n="0167.12"/> und deine Befehle nach deinem Willen ausrichten.</p></sp>
<lb n="0167.13"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nein, einen Unbekannten an ihn zu schi<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0167.14"/> cken, taugt nichts. Es wäre alles umsonst. Schicke
<lb n="0167.15"/> diesen. Der wird alles ausrichten können, wenn er hin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0167.16"/> kömmt. Du kannst keinen Getreuern, keinen, dem er
<lb n="0167.17"/> mehr zutraute, schicken. Es ist ein Knecht, der völ<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0167.18"/> lig nach seinem Sinne ist. Wem sollte er also wohl
<lb n="0167.19"/> seinen Sohn sichrer vertrauen können? Besorge
<lb n="0167.20"/> nichts, ich will auf meine Gefahr seine Treue probi<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0167.21"/> ren. Ich verlasse mich auf seine Ehrlichkeit, weil er
<lb n="0167.22"/> weis, daß ich gütig gegen ihn gesinnt bin.</p></sp>
<lb n="0167.23"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Gut, wenn du es so haben willst, so mag
<lb n="0167.24"/> er auf deine Gefahr gehen. Ich will dir ihn an<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0167.25"/> schlagen.</p></sp>
<lb n="0167.26"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich sähe aber gerne, daß du ihn je eher je
<lb n="0167.27"/> lieber abfertigtest.</p></sp>
<lb n="0167.28"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Willst du mir aber, wenn er nicht wieder
<lb n="0167.29"/> kömmt, zwanzig Pfund für ihn geben?</p></sp>
<lb n="0167.30"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja, die will ich dir geben.</p></sp>
<lb n="0167.31"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ihr da! Nehmt diesem die Ketten, oder
<lb n="0167.32"/> nehmt sie vielmehr allen beyden ab.</p></sp>
<pb n="0168.01" facs="Plautus_S00168.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0168.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Die Götter beglücken dich mit allem was
<lb n="0168.02"/> du wünschest, da du mich so vieler Ehre würdigest, und
<lb n="0168.03"/> mir die Ketten abnimmst. In der That, es ist mir eben
<lb n="0168.04"/> nicht beschwerlich, daß ich das Halsband ablegen soll.</p></sp>
<lb n="0168.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Rechtschaffnen Leuten ist der Dank für die
<lb n="0168.06"/> Wohlthat, die sie rechtschaffnen Leuten erzeigt haben,
<lb n="0168.07"/> zuwider. Wenn du ihn also nach Hause senden willst,
<lb n="0168.08"/> so sage, unterrichte, befiehl, was er deinem Vater
<lb n="0168.09"/> melden soll. Soll ich ihn herrufen?</p></sp>
<lb n="0168.10"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja ruf ihn (<ref rend="footnote" n="168*">*</ref>).</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="03">
<lb n="0168.11"/> <head type="auftritt" n="3">Dritter Auftritt.</head>
<lb n="0168.12"/> <stage type="setting">Hegio. Philokrates. Tyndarus.</stage>
<lb n="0168.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wollten die Götter, daß dieses Vorhaben
<lb n="0168.14"/> für mich, meinen Sohn und euch glücklich ausschla<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0168.15"/> ge! Du, dein neuer Herr befiehlt dir deinem alten
<lb n="0168.16"/> Herrn, in allem was er verlangt, treulich zu gehor<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0168.17"/> chen. Ich habe dich ihm für 20 Pfund angeschlagen.
<lb n="0168.18"/> Er spricht, er wolle dich zu seinem Vater schicken, da<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0168.19"/> mit dieser meinen Sohn ranzionire, und wir also unsre
<lb n="0168.20"/> Söhne mit einander austauschen können.</p></sp>
<lb n="0168.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich halte meine Dienste auf allen Sei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0168.22"/> ten bereit. Ihr könnt mich wie eine Töpferscheibe
<lb n="0168.23"/> gebrauchen. Ich lasse mich zu dir und zu ihm drehen,
<lb n="0168.24"/> wie ihr es verlangt.</p></sp>
<lb n="0168.25"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Diese deine Dienstfertigkeit wird dir das
<lb n="0168.26"/> meiste nutzen, da du dich bey deiner Knechtschaft so
<lb n="0168.27"/> <note type="footnote" n="168*">* Ich weis in der That nicht, warum hier ein neuer Auf<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0168.28"/> tritt angehen soll. Tyndarus war ja nicht abgegangen,
<lb n="0168.29"/> sondern Hegio hatte ihn nur bey Seite geführt, und er
<lb n="0168.30"/> war bloß einige Zeit ohne Handlung geblieben.</note>
<pb n="0169.01" facs="Plautus_S00169.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0169.01"/> verhältst, wie es dir geziemet. Folge mir! Hier
<lb n="0169.02"/> ist er.</p></sp>
<lb n="0169.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich danke dir, daß du mir Macht und Ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.04"/> walt giebst, diesen als einen Bothen zu meinem Va<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.05"/> ter zu schicken, der ihm alles umständlich berichte, wie
<lb n="0169.06"/> es mit mir hier stehe, und wie ich es wolle gehalten
<lb n="0169.07"/> haben. <hi rend="bold">Hegio</hi> und ich, <hi rend="bold">Tyndarus</hi>, sind mit einan<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.08"/> der eins geworden, daß ich dich nach Hause schicken
<lb n="0169.09"/> soll. Er hat dich mir um ein Gewisses angeschlagen.
<lb n="0169.10"/> Ich soll ihm nämlich, wenn du nicht wieder zurück
<lb n="0169.11"/> kömmst, zwanzig Pfund für dich bezahlen.</p></sp>
<lb n="0169.12"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das habt ihr sehr wohl ausgemacht.
<lb n="0169.13"/> Denn dein Vater wartet gewiß, daß du mich oder ei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.14"/> nen Bothen an ihn schicken wirst.</p></sp>
<lb n="0169.15"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Vernimm also wohl, was du meinem Va<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.16"/> ter zu Hause berichten sollst.</p></sp>
<lb n="0169.17"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wie ich mich, Philokrates, bis anhero
<lb n="0169.18"/> gegen dich erzeiget habe, will ich mich noch stets er<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.19"/> zeigen. Alles, was deinen Umständen am zuträglich<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.20"/> sten ist, will ich mich mit Leibs- und Seelenkräften
<lb n="0169.21"/> auszurichten bestreben.</p></sp>
<lb n="0169.22"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du thust dadurch, was dir geziemt. Doch
<lb n="0169.23"/> höre mir nunmehro zu. Vor allen Dingen grüße
<lb n="0169.24"/> meinen Vater und meine Mutter und unsere Ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.25"/> wandten, und alle, die uns sonst wohlwollen. Sage
<lb n="0169.26"/> ihnen, daß ich mich wohl befinde, daß ich bey diesem
<lb n="0169.27"/> rechtschaffnen Manne diene, und daß er mir alle Eh<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0169.28"/> re erzeige.</p></sp>
<lb n="0169.29"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das brauchst du mir nicht zu befehlen.
<lb n="0169.30"/> Ich würde es so thun.</p></sp>
<lb n="0169.31"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich wäre bey ihm wie frey, nur daß ich einen
<lb n="0169.32"/> Wächter um mich hätte. Und endlich sage meinem
<pb n="0170.01" facs="Plautus_S00170.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0170.01"/> Vater, auf was für Art ich mit ihm, wegen seines
<lb n="0170.02"/> Sohns, einig geworden wäre.</p></sp>
<lb n="0170.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du hältst dich nur auf, da du mir etwas
<lb n="0170.04"/> befiehlst, was ich ohnedem thun würde.</p></sp>
<lb n="0170.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nämlich, daß er seinen Sohn ranzioniren,
<lb n="0170.06"/> und ihn an unser beyder Statt zurück schicken solle.</p></sp>
<lb n="0170.07"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das will ich nicht vergessen.</p></sp>
<lb n="0170.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Er soll es aber, so bald als möglich, thun,
<lb n="0170.09"/> weil beyden Theilen daran gelegen ist.</p></sp>
<lb n="0170.10"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>O die Begierde, seinen Sohn wieder zu
<lb n="0170.11"/> sehn, wird bey ihm nicht geringer als bey dir seyn.</p></sp>
<lb n="0170.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ja, ich liebe meinen Sohn, und ein jeder
<lb n="0170.13"/> liebt den seinigen.</p></sp>
<lb n="0170.14"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Hast du sonst noch was an den Vater zu
<lb n="0170.15"/> bestellen?</p></sp>
<lb n="0170.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Daß ich mich hier wohl befinde. Außer<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0170.17"/> dem kannst du ihn, <hi rend="bold">Tyndarus</hi>, auch kühnlich versichern,
<lb n="0170.18"/> daß wir sehr wohl mit einander ausgekommen wären;
<lb n="0170.19"/> daß du keinen Fehler begangen habest, und daß ich dir
<lb n="0170.20"/> nicht zuwider gewesen sey. Du habest deinem Herrn
<lb n="0170.21"/> in diesen Trübsalen treulich beygestanden; du habest
<lb n="0170.22"/> mich niemals verlassen, und seyst mir in zweifelhaften
<lb n="0170.23"/> und unglücklichen Fällen mit Rath und That an die
<lb n="0170.24"/> Hand gegangen. Und wenn mein Vater hören wird,
<lb n="0170.25"/> wie du, <hi rend="bold">Tyndarus</hi>, gegen seinen Sohn seyst gesinnt
<lb n="0170.26"/> gewesen, so wird er nimmermehr so geizig seyn, daß
<lb n="0170.27"/> er dir deine Freyheit nicht ohne Entgeld ertheilte. Ich
<lb n="0170.28"/> selbst will, wenn ich nach Hause komme, alles mögli<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0170.29"/> che beytragen, daß er es desto eher thue. Denn dir,
<lb n="0170.30"/> deiner Leutseligkeit, Tugend und Weisheit habe ich es
<lb n="0170.31"/> zu danken, daß ich wieder zu meinen Aeltern werde zu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0170.32"/> rück kehren können. Nach deiner Weisheit entdecktest
<pb n="0171.01" facs="Plautus_S00171.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0171.01"/> du dem Hegio mein Geschlecht und Vermögen, und
<lb n="0171.02"/> nur dadurch befreytest du deinen Herrn aus den Ketten.</p></sp>
<lb n="0171.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich habe alles gethan, was du sagst, und
<lb n="0171.04"/> es ist mir lieb, daß du dich dessen erinnerst. Ich habe
<lb n="0171.05"/> nach meiner Pflicht mit dir gehandelt. Denn wenn
<lb n="0171.06"/> ich, Philokrates, itzo auch erzählen wollte, wie viel
<lb n="0171.07"/> Wohlthaten du mir erzeigt hast, so würde sich der Tag
<lb n="0171.08"/> eher als meine Erzählung endigen. Denn wenn du
<lb n="0171.09"/> auch selbst mein Knecht wärest, so hättest du nicht er<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.10"/> gebner gegen mich seyn können.</p></sp>
<lb n="0171.11"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>O ihr Götter, was sind das für großmü<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.12"/> thige Seelen! Sie pressen mir Thränen aus. Wie
<lb n="0171.13"/> herzlich sie sich lieben. Mit was für Lobsprüchen be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.14"/> legt nicht der Knecht seinen Herrn.</p></sp>
<lb n="0171.15"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>O, er verdient hundertmal mehr gelobt zu
<lb n="0171.16"/> werden, als er mich gelobt hat.</p></sp>
<lb n="0171.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wann du also so treulich an ihm gehan<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.18"/> delt hast, siehe, hier hast du eine Gelegenheit, deine
<lb n="0171.19"/> Verdienste gegen ihn vollkommen zu machen. Sey
<lb n="0171.20"/> auch hierinne treu.</p></sp>
<lb n="0171.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Man soll nicht treuer seyn können, so treu
<lb n="0171.22"/> will ich mich zu seyn bestreben. Und daß du mir, <hi rend="bold">He<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.23"/> gio</hi>, desto eher glaubest, so rufe ich den höchsten Ju<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.24"/> piter zum Zeugen an, daß ich dem <hi rend="bold">Philokrates</hi> nim<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0171.25"/> mermehr untreu seyn werde.</p></sp>
<lb n="0171.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du bist ein wackrer Mensch!</p></sp>
<lb n="0171.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich will an ihm handeln, wie ich an mir
<lb n="0171.28"/> selbst handeln würde.</p></sp>
<lb n="0171.29"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Gut! Bekräftige nur diese deine Reden
<lb n="0171.30"/> auch mit der That. Weil ich dir aber noch nicht alles,
<lb n="0171.31"/> was ich wollte, gesagt habe, so höre, doch hüte dich,
<lb n="0171.32"/> daß du dich durch meine Worte nicht zum Zorne rei<c type="bindestrich2">-</c>
<pb n="0172.01" facs="Plautus_S00172.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0172.01"/> zen lassest. Ich bitte dich, bedenke, daß du auf mein
<lb n="0172.02"/> Wort nach Hause geschickt wirst, daß du mir ange<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.03"/> schlagen bist, und daß ich mein Leben hier für dich zum
<lb n="0172.04"/> Pfande setze. Vergiß mich nicht etwan, so bald du
<lb n="0172.05"/> mich aus den Augen gelassen hast. Da du mich für
<lb n="0172.06"/> dich hier in der Gefangenschaft lässest, so glaube nicht,
<lb n="0172.07"/> daß du selbst frey seyst, und könnest dein Pfand in Sti<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.08"/> che lassen; und brauchtest dich nicht zu bemühen, daß
<lb n="0172.09"/> sein Sohn zu Hause für mich ranzioniret werde. Be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.10"/> denke es ja, du bist mir um 20 Pfund angeschlagen.
<lb n="0172.11"/> Mache mein Vertrauen auf dich nicht zu Schanden.
<lb n="0172.12"/> Laß dein Wort nicht in Wind gesprochen seyn. Ich
<lb n="0172.13"/> weis, der Vater wird alles thun, was ihm zu thun zu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.14"/> kömmt. Mache, daß du mich zu deinem beständigen
<lb n="0172.15"/> Freunde behältst, und an dem Hegio einen neuen Freund
<lb n="0172.16"/> gefunden habest. Sieh, ich bitte dich um des Hand<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.17"/> schlags, den meine Rechte der deinen giebt, sey mir
<lb n="0172.18"/> nicht ungetreuer, als ich dir bin. Bedenke, du bist itzo
<lb n="0172.19"/> mein Herr, mein Patron, mein Vater. Auf dich grün<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.20"/> det sich itzo meine Hoffnung und mein Glück.</p></sp>
<lb n="0172.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du hast mir genug befohlen. Bist du
<lb n="0172.22"/> zufrieden, wenn ich das, was du mir befohlen hast, aus<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.23"/> richte?</p></sp>
<lb n="0172.24"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Ja.</p></sp>
<lb n="0172.25"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich hoffe mit Ehren nach deinem, u. deinem
<lb n="0172.26"/> Wunsche wieder zurück zu kommen. Ist sonst noch was?</p></sp>
<lb n="0172.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Komm, so bald es möglich ist, wieder.</p></sp>
<lb n="0172.28"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das versteht sich.</p></sp>
<lb n="0172.29"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Folge mir, ich will dir von meinem Wechs<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0172.30"/> ler Reisegeld auszahlen lassen, und will dir zugleich von
<lb n="0172.31"/> dem Prätor einen Paß verschaffen.</p></sp>
<lb n="0172.32"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was für einen Paß?</p></sp>
<pb n="0173.01" facs="Plautus_S00173.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0173.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Den er mit sich nehmen muß, daß ihn
<lb n="0173.02"/> unsre Truppen in sein Vaterland reisen lassen. Gehe
<lb n="0173.03"/> du unterdessen herein.</p></sp>
<lb n="0173.04"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Reise also glücklich Tyndarus.</p></sp>
<lb n="0173.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Lebe wohl.</p></sp>
<lb n="0173.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich danke es den Göttern, daß ich diese
<lb n="0173.07"/> zwey von den Quästors gekauft habe. Ich habe meine
<lb n="0173.08"/> Sache durch sie auf einen rechten guten Fuß gesetzt.
<lb n="0173.09"/> Mein Sohn ist also, wenn es die Götter wollen, so
<lb n="0173.10"/> gut als frey. Und ich konnte noch bey mir anstehen,
<lb n="0173.11"/> ob ich sie kaufen, oder ob ich sie nicht kaufen sollte?
<lb n="0173.12"/> Ihr Knechte, bewacht ihn drinnen wohl. Laßt ihn
<lb n="0173.13"/> keinen Schritt, ohne ihn zu beobachten, thun. Ich
<lb n="0173.14"/> werde gleich wieder zu Hause seyn. Ich will nur erst
<lb n="0173.15"/> sehn, was bey meinem Bruder die übrigen Gefang<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0173.16"/> nen machen. Ich muß mich doch zugleich erkundigen,
<lb n="0173.17"/> ob einer von ihnen diesen Jüngling kennt. Du folge
<lb n="0173.18"/> mir, daß ich dich reisen kann lassen, denn dieses geht
<lb n="0173.19"/> allen andern vor.</p></sp></div3></div2>
<div2 type="akt" n="3">
<lb n="0173.20"/> <head type="aufzug" n="4">Dritter Aufzug.</head>
<div3 type="szene" n="01">
<lb n="0173.21"/> <head type="auftritt" n="3">Erster Auftritt.</head>
<lb n="0173.22"/> <stage type="setting">Ergasilus.</stage>
<lb n="0173.23"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Ergasilus</speaker><p>Das ist ein elender Mensch, der seine Nahrung
<lb n="0173.24"/> sucht, und sie mit Mühe findet; der ist aber noch viel
<lb n="0173.25"/> elender, der sie mit Mühe sucht, und sie gar nicht fin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0173.26"/> det (<ref rend="footnote" n="173*">*</ref>). Ja, ja, das ist der allerelendeste, der gerne
<lb n="0173.27"/> <note type="footnote" n="173*">* In dem Lateinischen scheinet eine dreyfache Gradation zu
<lb n="0173.28"/> seyn; die andre und dritte aber ist, wenn man sie recht be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0174.28"/> trachtet, einerley; daß also der Superlativus nichts als
<lb n="0174.29"/> eine Bestätigung des Comparativi hier seyn kann, wie ich
<lb n="0174.30"/> es in der Uebersetzung deutlicher zu machen mich bemüht
<lb n="0174.31"/> habe.</note>
<pb n="0174.01" facs="Plautus_S00174.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0174.01"/> essen will, und nichts zu essen hat. Ich möchte diesem
<lb n="0174.02"/> Tage gleich die Augen auskratzen, wenn es angienge;
<lb n="0174.03"/> so unbarmherzig sind alle Sterbliche heut gegen mich.
<lb n="0174.04"/> Ich habe keinen verhungertern, keinen fasttäglichern
<lb n="0174.05"/> Tag gesehen. Es geht mir nichts an demselben von
<lb n="0174.06"/> Statten, ich mag anfangen, was ich will. Magen
<lb n="0174.07"/> und Kehle feyern also heute bey mir Fastnachten.
<lb n="0174.08"/> Nun kannst du dich, du ganze Schmarutzkunst, nur
<lb n="0174.09"/> an Galgen packen; denn die Jugend entfernt sich von
<lb n="0174.10"/> uns armen Possenreißern ganz und gar. Was beküm<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0174.11"/> mern sie sich itzo mehr um die lakonischen Schlägefau<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0174.12"/> len, um die Prügelgeduldigen, welche wohl Einfälle,
<lb n="0174.13"/> aber weder Brodt, noch Geld, haben. Sie bitten
<lb n="0174.14"/> nur itzo die zu Gaste, die sie, wenn es ihnen geschmeckt
<lb n="0174.15"/> hat, wieder bitten können. Sie kaufen gar itzo selber
<lb n="0174.16"/> zur Mahlzeit ein, welches doch sonst die Schmarutzer
<lb n="0174.17"/> thun mußten. Sie verhüllen sich eben so wenig den
<lb n="0174.18"/> Kopf, wenn sie vom Markte zum Hurenwirth gehen,
<lb n="0174.19"/> als wenn sie in ihrer Zunft zu eines Verdammung ih<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0174.20"/> re Stimmen geben. Sie achten die Lustigmacher
<lb n="0174.21"/> nicht einen Pfiff mehr. Sie lieben sich alle nur alleine.
<lb n="0174.22"/> Als ich von hier weg gieng, machte ich mich auf dem
<lb n="0174.23"/> Markte unter die Jünglinge. Seyd gegrüßt, sprach
<lb n="0174.24"/> ich. Wo wollen wir heute zu Mittage speisen? Kei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0174.25"/> ner antwortet. Nu, wer wird uns denn einladen?
<lb n="0174.26"/> Aber alle sind stumm. Keiner will über mich lachen.
<lb n="0174.27"/> Wo wollen wir zu Abend speisen? fragte ich wieder.
<pb n="0175.01" facs="Plautus_S00175.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0175.01"/> Und alle schütteln den Kopf. Ich bringe darauf ein
<lb n="0175.02"/> schnackisches Wort, eine von meinen besten Schnacken
<lb n="0175.03"/> vor, eine, die mir wohl sonst einen ganzen Monat
<lb n="0175.04"/> lang den Tisch verdienen mußte. Allein, niemand
<lb n="0175.05"/> lacht. Ich merkte bald, daß es eine abgeredte Sache
<lb n="0175.06"/> war. Keiner von ihnen wollte es nicht einmal wie
<lb n="0175.07"/> die geneckten Hunde machen, daß er wenigstens die
<lb n="0175.08"/> Zähne gefletscht hätte, da er nicht lachen wollte. Weil
<lb n="0175.09"/> ich sehe, daß man mich so zum Narren hat, so gehe ich
<lb n="0175.10"/> fort. Ich komme zu andern, wieder zu andern, und
<lb n="0175.11"/> wieder zu andern: alle sind einerley. Sie sind alle
<lb n="0175.12"/> von einem Schlage, wie die Oelmäckler auf dem Ve<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0175.13"/> labrum (<ref rend="footnote" n="175*">*</ref>). Ich komme eben von da her, weil ich mich
<lb n="0175.14"/> nicht länger wollte verspotten lassen. O es sind noch
<lb n="0175.15"/> mehr Schmarutzer, die alle vergebens auf dem Markte
<lb n="0175.16"/> auf und nieder spazieren. Ich habe es aber nunmehro
<lb n="0175.17"/> beschlossen, mein Recht nach den römischen Gesetzen
<lb n="0175.18"/> auszuführen. Ich will denen einen Termin setzen; ich
<lb n="0175.19"/> will sie rechtschaffen strafen, die darauf umgehn, daß
<lb n="0175.20"/> sie mir zu essen und zu leben verwehren wollen. Sie
<lb n="0175.21"/> <note type="footnote" n="175*">* <hi rend="antiqua">Velabrum</hi> hieß ein Platz in Rom an dem aventinischen
<lb n="0175.22"/> Berge, wo die Oelverkäufer ihre Buden hatten. <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs>
<lb n="0175.23"/> hat zwar in diesem Stücke den Schauplatz nach Aetolien
<lb n="0175.24"/> verlegt, gleichwohl macht er sich kein Bedenken, Oerter,
<lb n="0175.25"/> welche in Rom waren, darinne so anzuführen, als ob sie an
<lb n="0175.26"/> dem Orte selbst wären, wo diese Vorstellung geschieht. Die
<lb n="0175.27"/> römischen Zuschauer mußten zu seiner Zeit noch nicht sehr
<lb n="0175.28"/> ekel seyn, weil er dergleichen Verwirrungen, ohne geta<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0175.29"/> delt zu werden, brauchen konnte. In dem ersten Auftritt
<lb n="0175.30"/> des ersten Aufzugs haben wir schon ein Exempel davon ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0175.31"/> habt, wo er von der <hi rend="antiqua">porta trigemina</hi> redet, welche in Rom
<lb n="0175.32"/> war, und an der die Bettelleute am häufigsten sassen.</note>
<pb n="0176.01" facs="Plautus_S00176.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0176.01"/> sollen mir zehn Mahlzeiten geben müssen, so wie
<lb n="0176.02"/> ich sie verlange, und noch dazu bey der theuersten Zeit.
<lb n="0176.03"/> Ja, das will ich thun. Voritzo aber will ich nach
<lb n="0176.04"/> dem Hafen gehen. Ich habe da noch eine kleine
<lb n="0176.05"/> Schmausehoffnung; wird aber auch dieser der Hals
<lb n="0176.06"/> gebrochen, so muß ich mich schon mit der rauhen Mahl<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0176.07"/> zeit bey dem alten Hegio begnügen.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="02">
<lb n="0176.08"/> <head type="auftritt" n="3">Zweyter Auftritt.</head>
<lb n="0176.09"/> <stage type="setting">Hegio.</stage>
<lb n="0176.10"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Hegio</speaker><p>Was ist angenehmer, als wenn man, mit allge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0176.11"/> meinem Beyfall (<ref rend="footnote" n="176*">*</ref>), eine Sache wohl ausgeführt hat,
<lb n="0176.12"/> wie ich gestern gethan habe, da ich die zwey Gefang<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0176.13"/> nen kaufte? Wer mich sieht, kömmt mir entgegen,
<lb n="0176.14"/> und wünscht mir deswegen Glück. Sie haben mich
<lb n="0176.15"/> durch ihr Stillestehnlassen und durch ihr Zurückhalten
<lb n="0176.16"/> ganz ermüdet. Mit Mühe und Noth konnte ich mich
<lb n="0176.17"/> durch die vielen Glückwünsche durchdringen. Endlich
<lb n="0176.18"/> kam ich doch bis zum Prätor, wo ich ein wenig aus<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0176.19"/> ruhte, und um einen Paß bath. Ich bekam ihn.
<lb n="0176.20"/> Ich habe ihn auch schon dem <hi rend="bold">Tyndarus</hi> gegeben,
<lb n="0176.21"/> welcher sich alsobald mit auf den Weg machte. Von
<lb n="0176.22"/> dar komme ich nun itzo nach Hause. Auf dem Rück<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0176.23"/> wege aber bin ich bey meinem Bruder eingesprochen,
<lb n="0176.24"/> wo ich meine übrigen Gefangnen habe. Ich fragte
<lb n="0176.25"/> sie, ob einer von ihnen den <hi rend="bold">Philokrates</hi> aus <hi rend="bold">Elis</hi>
<lb n="0176.26"/> kenne? Endlich schreyt dieser, es wäre sein guter
<lb n="0176.27"/> <note type="footnote" n="176*">* Ich glaube nicht, daß <hi rend="antiqua">bono publico</hi> etwas anders hier
<lb n="0176.28"/> heißen kann. Denn des Lambinus Erklärung ist
<lb n="0176.29"/> sehr weit hergeholt.</note>
<pb n="0177.01" facs="Plautus_S00177.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0177.01"/> Freund. Ich sagte ihm, er wäre bey mir; worauf
<lb n="0177.02"/> er mich inständigst bath, daß er ihn sehen dürfe. Ich
<lb n="0177.03"/> ließ ihn auch alsobald los schließen. Du, folge mir
<lb n="0177.04"/> numehro, daß ich deine Bitte erfüllen kann. Du
<lb n="0177.05"/> sollst ihn sprechen.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="03">
<lb n="0177.06"/> <head type="auftritt" n="3">Dritter Auftritt.</head>
<lb n="0177.07"/> <stage type="setting">Tyndarus.</stage>
<lb n="0177.08"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Tyndarus</speaker><p>Ach! Itzo wollte ich auch lieber gelebt haben, als le<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0177.09"/> ben. Hoffnung, Rath und Hülfe fliehen und verlas<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0177.10"/> sen mich. Dieses ist der Tag, an welchem ich keine
<lb n="0177.11"/> Rettung meines Lebens mehr zu hoffen habe. Es ist
<lb n="0177.12"/> keine Zuflucht mehr für mich; keine Hoffnung, die
<lb n="0177.13"/> mir diese Furcht benehmen könnte. Ich weis auf
<lb n="0177.14"/> keine Art meine betrügrische Lügen zu bemänteln,
<lb n="0177.15"/> auf keine Art meine sykophantischen Teuschereyen zu
<lb n="0177.16"/> beschönigen. Ich kann eben so wenig meine Untreue
<lb n="0177.17"/> abbitten, als entfliehen. Die Hartnäckigkeit wird
<lb n="0177.18"/> mir eben so wenig, als neue List, helfen. Allein,
<lb n="0177.19"/> unsre Geheimnisse sind entdeckt. Unsre List ist verra<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0177.20"/> then. Alles ist offenbar. Es ist ausgemacht, ich
<lb n="0177.21"/> bin verlohren, für mich und meinen Herrn. Aristo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0177.22"/> phontes, der eben itzo kam, ist mein Unglück. Er
<lb n="0177.23"/> kennt mich. Er ist des Philokrates Verwandter und
<lb n="0177.24"/> guter Freund. Wenn mich auch die Errettung selbst
<lb n="0177.25"/> erretten wollte, sie kann es nicht; es ist unmöglich. - -
<lb n="0177.26"/> Wo ich mich nicht noch auf eine List besinne - - Aber,
<lb n="0177.27"/> zum Henker, auf was für eine? Was soll ich erden<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0177.28"/> ken? Ich will - - Ach, es ist alles nichts; es sind
<lb n="0177.29"/> Possen. Da steck ich!</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="04">
<pb n="0178.01" facs="Plautus_S00178.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0178.01"/> <head type="auftritt" n="3">Vierter Auftritt.</head>
<lb n="0178.02"/> <stage type="setting">Hegio. Tyndarus. Aristophontes.</stage>
<lb n="0178.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, wo ist der aus dem Hause hinge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0178.04"/> rennt?</p></sp>
<lb n="0178.05"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Numehr bin ich verlohren. Die
<lb n="0178.06"/> Feinde kommen auf dich los, Tyndarus; was wirst
<lb n="0178.07"/> du sagen? Was wirst du vorbringen? Was wirst du
<lb n="0178.08"/> leugnen? Was wirst du gestehn? Ach, ich bin in
<lb n="0178.09"/> allen ungewiß. Worauf soll ich mich verlassen?
<lb n="0178.10"/> Daß du doch eher umgekommen wärest, <hi rend="bold">Aristophon<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0178.11"/> tes</hi>, als du aus deinem Vaterlande kamest. Du ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0178.12"/> wirrest alle unsre Anschläge. Alles ist zu nichte, wenn
<lb n="0178.13"/> ich nicht eine recht erschreckliche List ersinne - - -</p></sp>
<lb n="0178.14"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Folge mir. Hier ist er. Gehe zu ihm,
<lb n="0178.15"/> rede mit ihm.</p></sp>
<lb n="0178.16"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Wer kann unglücklicher seyn, als ich?</p></sp>
<lb n="0178.17"/> <sp><speaker>Aristophontes</speaker><ab>. </ab><p>Was ist das? Warum wendest
<lb n="0178.18"/> du denn die Augen von mir weg, Tyndarus? War<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0178.19"/> um verachtest du mich denn, als einen Fremden, als
<lb n="0178.20"/> wenn du mich niemals gekannt hättest? Ich bin itzo
<lb n="0178.21"/> so gut ein Knecht, als du; ob ich gleich zu Hause bin
<lb n="0178.22"/> frey gewesen, und du von deiner Kindheit an in <hi rend="bold">Elis</hi>
<lb n="0178.23"/> gedient hast.</p></sp>
<lb n="0178.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>O, ich wundre mich gar nicht, daß er
<lb n="0178.25"/> dich nicht ansehn will. Er zürnt auf dich, daß du
<lb n="0178.26"/> ihn, anstatt <hi rend="bold">Philokrates, Tyndarus</hi> nennest.</p></sp>
<lb n="0178.27"/> <sp><speaker>Tyndarus. Hegio</speaker><p>, dieser Mensch ist in Elis
<lb n="0178.28"/> für rasend gehalten worden. Höre ja nicht auf seine
<lb n="0178.29"/> Reden. Er hat Vater und Mutter mit dem Wurf<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0178.30"/> spieße verfolgt. Daher bekömmt er auch noch zuwei<c type="bindestrich2">-</c>
<pb n="0179.01" facs="Plautus_S00179.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0179.01"/> len die schwere Noth. Mache dich also ja nicht allzu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.02"/> nahe an ihn.</p></sp>
<lb n="0179.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Fort mit dem von mir! Fort!</p></sp>
<lb n="0179.04"/> <sp><speaker>Aristophontes</speaker><ab>. </ab><p>Was sagst du Galgenstrick? Ich
<lb n="0179.05"/> rasend? Ich hätte meinen Vater und meine Mutter
<lb n="0179.06"/> mit dem Wurfspieße verfolgt? Und ich hätte eine
<lb n="0179.07"/> Krankheit, daß man mich anspeyen müßte (<ref rend="footnote" n="179*">*</ref>)?</p></sp>
<lb n="0179.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Gieb dich zufrieden. Es sind mehr Leute
<lb n="0179.09"/> mit diesem Unglücke behaftet, denen das Anspeyen ganz
<lb n="0179.10"/> heilsam gewesen ist.</p></sp>
<lb n="0179.11"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>O, es hat auch vielen in Elis ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.12"/> holfen.</p></sp>
<lb n="0179.13"/> <sp><speaker>Aristophontes</speaker><ab>. </ab><p>So? Und du glaubst ihm das?</p></sp>
<lb n="0179.14"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was soll ich ihm glauben?</p></sp>
<lb n="0179.15"/> <sp><speaker>Aristophontes</speaker><ab>. </ab><p>Daß ich rasend sey.</p></sp>
<lb n="0179.16"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Siehst du, mit was für einem gräß<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.17"/> lichen Gesichte er uns ansieht? Es ist am besten, man
<lb n="0179.18"/> giebt ihm nach. <hi rend="bold">Hegio</hi>, wie ich dir es gesagt habe,
<lb n="0179.19"/> seine Raserey nimmt zu, nimm dich in Acht.</p></sp>
<lb n="0179.20"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich merkte es gleich, daß es nicht richtig
<lb n="0179.21"/> mit ihm stehn mußte, weil er dich Tyndarus nannte.</p></sp>
<lb n="0179.22"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Je, er weis ja manchmal seinen eig<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.23"/> nen Namen nicht, und kennt sich selber nicht.</p></sp>
<lb n="0179.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber er sagte auch, du wärst sein guter
<lb n="0179.25"/> Freund.</p></sp>
<lb n="0179.26"/> <note type="footnote" n="179*">* Man weis nicht, ob die Alten, wenn sie einen solchen Kran<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.27"/> ken sahen, ihn deswegen angespien haben, weil sie glaub<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.28"/> ten, daß es ihm gesund sey, oder ob sie es aus Abscheu ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0179.29"/> than haben: so viel ist aus einigen Stellen des <rs type="person" ref="#plin" rend="bold">Plinius</rs>
<lb n="0179.30"/> klar, daß <hi rend="antiqua">Morbus qui insputatur</hi> nichts anders als die
<lb n="0179.31"/> Epilepsie sey.</note>
<pb n="0180.01" facs="Plautus_S00180.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0180.01"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Das könnt ich eben nicht sagen. <hi rend="bold">Alk<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0180.02"/> mäo, Orestes</hi> und <hi rend="bold">Lykurgus</hi> könnten sich mit eben
<lb n="0180.03"/> so vielem Rechte meinen guten Freund nennen, als er.</p></sp>
<lb n="0180.04"/> <sp><speaker>Aristophontes</speaker><ab>. </ab><p>Und du nichtswürdiger Kerl un<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0180.05"/> terstehst dich, so viel Uebles von mir zu sprechen?
<lb n="0180.06"/> Kenne ich dich etwa nicht?</p></sp>
<lb n="0180.07"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Das ist ganz offenbar, daß du ihn nicht
<lb n="0180.08"/> kennest. Sonst würdest du ihn nicht <hi rend="bold">Tyndarus</hi>,
<lb n="0180.09"/> anstatt <hi rend="bold">Philokrates</hi>, genannt haben. Den, den du
<lb n="0180.10"/> siehst, kennst du nicht, und nennst den, den du nicht
<lb n="0180.11"/> siehst.</p></sp>
<lb n="0180.12"/> <sp><speaker>Aristophontes</speaker><ab>. </ab><p>Nein, nein, sondern er giebt
<lb n="0180.13"/> sich für einen aus, der er nicht ist, und wer er ist,
<lb n="0180.14"/> verleugnet er.</p></sp>
<lb n="0180.15"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>So? Du willst der seyn, der den
<lb n="0180.16"/> Philokrates Lügen straft?</p></sp>
    <lb n="0180.17"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Aber du, wie ich wohl sehe, willst der
<lb n="0180.18"/> seyn, der die Wahrheit durch seine Lügen unterdrückt?
<lb n="0180.19"/> Sieh mich doch recht an, ich bitte dich.</p></sp>
<lb n="0180.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nu.</p></sp>
<lb n="0180.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ey! Und du sprichst, du wärst nicht
<lb n="0180.22"/> <hi rend="bold">Tyndarus</hi>?</p></sp>
<lb n="0180.23"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Eben das sprech ich.</p></sp>
<lb n="0180.24"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du sprichst, du wärst <hi rend="bold">Philokrates</hi>?</p></sp>
<lb n="0180.25"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das sprech ich, ja.</p></sp>
<lb n="0180.26"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Und du glaubst ihm?</p></sp>
<lb n="0180.27"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Mehr als dir und mir. Der, für den du ihn
<lb n="0180.28"/> ausgiebst, ist heute von uns nach <hi rend="bold">Elis</hi> zu dieses Va<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0180.29"/> ter gesandt worden.</p></sp>
<lb n="0180.30"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Seinen Vater? Der Knecht?</p></sp>
<lb n="0180.31"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Bist du doch itzo auch ein Knecht, ob du
<lb n="0180.32"/> gleich sonst frey warest. Und ich, ich hoffe es auch zu seyn,
<pb n="0181.01" facs="Plautus_S00181.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0181.01"/> so bald sein Sohn durch mich die Freyheit wird erhal<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0181.02"/> ten haben.</p></sp>
<lb n="0181.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was sprichst du, Galgenstrick? Du
<lb n="0181.04"/> nennst dich frey gebohren.</p></sp>
<lb n="0181.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nicht doch, ich heiße nicht <hi rend="bold">Freygeboh<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0181.06"/> ren</hi>, sondern <hi rend="bold">Philokrates</hi>.</p></sp>
<lb n="0181.07"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was? Höre einmal, Hegio, was er
<lb n="0181.08"/> noch für Narrenspossen treibt. Glaube mir, es ist der
<lb n="0181.09"/> Knecht selbst, und er hat niemals einen Knecht außer
<lb n="0181.10"/> sich selbst gehabt.</p></sp>
<lb n="0181.11"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Da du selbst in deinem Vaterlande Man<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0181.12"/> gel leidest und nichts zu leben hast, so wundert mich es
<lb n="0181.13"/> gar nicht, daß du dir alle gleich zu seyn wünschest. Die
<lb n="0181.14"/> Unglücklichen sind meistentheils so, sie sind misgönstig,
<lb n="0181.15"/> und beneiden die Glücklichen.</p></sp>
<lb n="0181.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich bitte dich nochmals, Hegio, höre auf
<lb n="0181.17"/> ihm so ohne Grund zu trauen. So viel ich vermuthe,
<lb n="0181.18"/> hat er dir ohne Zweifel schon einen Streich gespielt.
<lb n="0181.19"/> Was er von der Auslösung deines Sohnes spricht, das
<lb n="0181.20"/> will mir gar nicht gefallen.</p></sp>
<lb n="0181.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich glaub es wohl, daß du es nicht gerne
<lb n="0181.22"/> sehen würdest. Gleichwohl will ich es thun, wenn mir
<lb n="0181.23"/> die Götter beystehen. Ich will ihm seinen Sohn wie<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0181.24"/> der zustellen, und er wird ein gleiches mit mir meinem
<lb n="0181.25"/> Vater thun. Und in dieser Absicht habe ich den Tyn<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0181.26"/> darus nach Hause geschickt.</p></sp>
<lb n="0181.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Bist denn dus aber nicht selber? Es
<lb n="0181.28"/> ist ja sonst in ganz <hi rend="bold">Elis</hi> kein Knecht dieses Namens.</p></sp>
<lb n="0181.29"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>So fährst du doch fort, mir meine Knecht<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0181.30"/> schaft vorzuwerfen, in die mich die feindliche Gewalt
<lb n="0181.31"/> gezwungen hat?</p></sp>
<lb n="0181.32"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nein, länger kann ich mich nicht halten.</p></sp>
<pb n="0182.01" facs="Plautus_S00182.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0182.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tyndar</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Hörst du, was er sagt? Mache dich ja
<lb n="0182.02"/> fort! Bald wird er uns mit Steinen verfolgen, wenn
<lb n="0182.03"/> du ihn nicht gleich zu binden befiehlst.</p></sp>
<lb n="0182.04"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Welche Marter!</p></sp>
<lb n="0182.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Die Augen brennen ihm. Nun ist der
<lb n="0182.06"/> Strick nöthig, Hegio. Siehst du nicht, wie er im Ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0182.07"/> sichte ganz schwarzgelbe wird? Das schwarze Geblüte
<lb n="0182.08"/> macht ihn unsinnig.</p></sp>
<lb n="0182.09"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Aber dein böses Geblüte sollte dir der
<lb n="0182.10"/> Schinder schon abzapfen, wenn Hegio klug wäre.</p></sp>
<lb n="0182.11"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Er redt schon ganz verkehrt. Die Furien
<lb n="0182.12"/> schrecken den armen Mann.</p></sp>
<lb n="0182.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wie, <hi rend="bold">Philokrates</hi>, wenn ich ihn binden
<lb n="0182.14"/> ließe?</p></sp>
<lb n="0182.15"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du könntest nicht klüger thun.</p></sp>
<lb n="0182.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich ärgre mich, daß ich keinen Stein
<lb n="0182.17"/> bey der Hand habe; damit ich dem verdammten Kerl,
<lb n="0182.18"/> der mich durch seine Reden unsinnig machen will, den
<lb n="0182.19"/> Hirnschädel zerschmeißen könnte.</p></sp>
<lb n="0182.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Hörst du? Er sucht einen Stein.</p></sp>
<lb n="0182.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich will dich alleine sprechen, Hegio.</p></sp>
<lb n="0182.22"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Bleib nur dort, wenn du mir was sagen
<lb n="0182.23"/> willst, ich will es schon von weitem hören.</p></sp>
<lb n="0182.24"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Zum Henker, wenn du dir ihn auch ließest
<lb n="0182.25"/> näher kommen, so wärs um deine Nase gewiß gesche<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0182.26"/> hen. Er würde dir sie mit Wurzel und Stiel weg<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0182.27"/> beißen.</p></sp>
<lb n="0182.28"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Glaube nicht, Hegio, daß ich unsinnig
<lb n="0182.29"/> bin, oder daß ich es jemals gewesen sey. Ich habe
<lb n="0182.30"/> die Krankheit nicht, deren er mich beschuldiget. Wenn
<lb n="0182.31"/> du dich aber vor mir fürchtest, gut, so laß mich binden,
<lb n="0182.32"/> nur laß diesen auch mit binden.</p></sp>
<pb n="0183.01" facs="Plautus_S00183.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0183.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja, ja, Hegio, laß ihn nur binden, wie er
<lb n="0183.02"/> es selbst begehrt.</p></sp>
<lb n="0183.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Schweig nur. Ich will dich schon, fal<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0183.04"/> scher Philokrates, noch heute überführen, daß du der
<lb n="0183.05"/> wahre Tyndarus bist. Nu, was winkst du mir mit
<lb n="0183.06"/> dem Kopfe?</p></sp>
<lb n="0183.07"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich winkte dir (<ref rend="footnote" n="183*">*</ref>)?</p></sp>
<lb n="0183.08"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was würde er nicht thun, wenn du
<lb n="0183.09"/> weiter davon stündest.</p></sp>
<lb n="0183.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was meynst du, ob ich wohl mit dem Un<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0183.11"/> sinnigen rede?</p></sp>
<lb n="0183.12"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Er wird dir Possen vormachen, er wird
<lb n="0183.13"/> dir Zeug schwatzen, das weder Kopf noch Schwanz
<lb n="0183.14"/> hat. Es ist der vollkommne Ajax, nur daß ihm sein
<lb n="0183.15"/> Anputz fehlt.</p></sp>
<lb n="0183.16"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Es schadet nichts; ich will doch mit ihm
<lb n="0183.17"/> reden.</p></sp>
<lb n="0183.18"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nun bin ich verlohren. Itzo stehe ich auf
<lb n="0183.19"/> der gefährlichsten Stufe. Was soll ich anfangen.</p></sp>
<lb n="0183.20"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aristophontes, ich will dir doch zuhören,
<lb n="0183.21"/> wenn du mir was zu sagen hast.</p></sp>
<lb n="0183.22"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du wirst also hören, daß das die Wahr<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0183.23"/> heit sey, was du für eine Lügen gehalten hast. Vor
<lb n="0183.24"/> allen Dingen aber mußt du überzeugt seyn, daß ich
<lb n="0183.25"/> kein Unsinniger bin, und daß ich keine Krankheit ha<c type="bindestrich2">-</c>
<lb n="0183.26"/> <note type="footnote" n="183*">* Diese und die folgende Rede ist in allen Ausgaben nur eine.
<lb n="0183.27"/> Allein ich sehe nicht, was <hi rend="bold">Tyndarus</hi> mit dem andern sa<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0183.28"/> gen wollte; wenn man es aber dem <hi rend="bold">Aristophontes</hi> in den
<lb n="0183.29"/> Mund legt, wie ich es hier gethan habe, so hat es einen ganz
<lb n="0183.30"/> natürlichen Verstand. Er winkt mir, will er sagen, da
<lb n="0183.31"/> du so nahe dabey stehst, wenn du weiter davon stündest,
<lb n="0183.32"/> so würde er mich gar schweigen heißen.</note>
<pb n="0184.01" facs="Plautus_S00184.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0184.01"/> be, außer meiner Knechtschaft. Wenn ich und du
<lb n="0184.02"/> aber nicht eben so wohl Philokrates sind, als dieser, so
<lb n="0184.03"/> strafe mich der König aller Götter und Menschen, und
<lb n="0184.04"/> lasse mich mein Vaterland niemals wieder sehen.</p></sp>
<lb n="0184.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu so sage mir doch, wer ist er denn
<lb n="0184.06"/> sonst?</p></sp>
<lb n="0184.07"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Kein andrer, als für den ich ihn gleich
<lb n="0184.08"/> anfangs ausgegeben habe. Und wenn du es anders
<lb n="0184.09"/> befindest, als ich es sage, so will ich meiner Freyheit
<lb n="0184.10"/> und meiner Aeltern bey dir verlustig werden.</p></sp>
<lb n="0184.11"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was sagst du dazu?</p></sp>
<lb n="0184.12"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Daß ich dein Knecht bin, und du mein
<lb n="0184.13"/> Herr bist.</p></sp>
<lb n="0184.14"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Darnach frage ich nicht. Bist du frey
<lb n="0184.15"/> gewesen.</p></sp>
<lb n="0184.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja.</p></sp>
<lb n="0184.17"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nein, er ist es niemals gewesen. Er
<lb n="0184.18"/> hintergeht.</p></sp>
<lb n="0184.19"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wie kannst du denn das wissen? Bist du
<lb n="0184.20"/> denn etwa bey meiner Mutter Hebamme gewesen, daß
<lb n="0184.21"/> du es so kühnlich behaupten kannst?</p></sp>
<lb n="0184.22"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich habe dich, da wir beyde noch Kin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0184.23"/> der waren, gekannt.</p></sp>
<lb n="0184.24"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Und ich kenne dich itzo, da wir beyde er<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0184.25"/> wachsen sind.</p></sp>
<lb n="0184.26"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Siehst du, wie er wieder Possen
<lb n="0184.27"/> treibt (<ref rend="footnote" n="184*">*</ref>)!</p></sp>
<lb n="0184.28"/> <note type="footnote" n="184*">* Das <hi rend="antiqua">Hem rursum tibi</hi>! habe ich lieber dem <hi rend="bold">Aristophon<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0184.29"/> tes</hi> in Mund legen wollen. Tyndarus hatte sich schon oben
<lb n="0184.30"/> einmal durch eine solche Wendung aus dem Handel ziehen
<lb n="0184.31"/> wollen; und itzo versucht er es wieder, welches freylich
<lb n="0184.32"/> <hi rend="bold">Aristophontes</hi> nicht unangemerkt lassen konnte.</note>
<pb n="0185.01" facs="Plautus_S00185.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0185.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wenn du klug wärest, so solltest du dich
<lb n="0185.02"/> um mich gar nicht bekümmern; denn bekümmre ich
<lb n="0185.03"/> mich denn um dich?</p></sp>
<lb n="0185.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Hat sein Vater nicht <hi rend="bold">Thesaurocrypso<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.05"/> nicochrysides</hi> geheißen?</p></sp>
<lb n="0185.06"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nichts weniger. Ich habe Zeit mei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.07"/> nes Lebens den Namen nicht gehört. Des Philokra<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.08"/> tes Vater heißt Theodoromedes.</p></sp>
<lb n="0185.09"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nun ist es aus mit mir. O so ruhe doch,
<lb n="0185.10"/> mein Herz, oder geh an Galgen. Du hüpfest, und
<lb n="0185.11"/> ich armer Teufel kann vor Furcht kaum stehen.</p></sp>
<lb n="0185.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>So kann ich es gewiß glauben, daß dieser
<lb n="0185.13"/> in Elis gedienet hat, und daß er <hi rend="bold">Philokrates</hi>
<lb n="0185.14"/> nicht ist?</p></sp>
<lb n="0185.15"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja, und du wirst es niemals anders
<lb n="0185.16"/> befinden. Aber wo ist denn der rechte <hi rend="bold">Philo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.17"/> krates</hi>?</p></sp>
<lb n="0185.18"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Da, wo er sich am liebsten, und ich ihn
<lb n="0185.19"/> am wenigsten zu seyn wünsche. Und so bin ich doch
<lb n="0185.20"/> durch dieses Ruchlosen Betrügerey so jämmerlich an<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.21"/> geführt worden; so hat man mich doch, nach eignem
<lb n="0185.22"/> Belieben, bey der Nase herumgezogen? Aber hüte
<lb n="0185.23"/> dich - -</p></sp>
<lb n="0185.24"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich sage dir nichts, als was ich ganz
<lb n="0185.25"/> gewiß weis.</p></sp>
<lb n="0185.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ganz gewiß also?</p></sp>
<lb n="0185.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du wirst niemals was gewissers fin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.28"/> den. Philokrates und ich sind von den ersten Jah<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0185.29"/> ren der Kindheit an gute Freunde gewesen - -</p></sp>
<lb n="0185.30"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber sage mir doch, wie sieht denn dein
<lb n="0185.31"/> guter Freund Philokrates aus?</p></sp>
<pb n="0186.01" facs="Plautus_S00186.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0186.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich will dir es sagen. Er hat ein
<lb n="0186.02"/> hagres Gesicht, eine spitzige Nase, bleiche Farbe,
<lb n="0186.03"/> schwarze Augen, etwas röthlich krauses Haar, das
<lb n="0186.04"/> er in Locken legt - -</p></sp>
<lb n="0186.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Alles trifft überein.</p></sp>
<lb n="0186.06"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>O, zu was für einer übeln Stunde bin ich
<lb n="0186.07"/> heute aufgestanden! Wehe den armen Ruthen, die
<lb n="0186.08"/> heute auf meinem Rücken sterben werden!</p></sp>
<lb n="0186.09"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich sehe wohl, ich bin betrogen.</p></sp>
<lb n="0186.10"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was zaudert ihr noch ihr Fesseln, kommt,
<lb n="0186.11"/> leget euch um meine Schenkel, ich will euch redlich
<lb n="0186.12"/> bewachen.</p></sp>
<lb n="0186.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>So bin ich denn rechtschaffen von diesen
<lb n="0186.14"/> unglücklichen Gefangnen hintergangen worden. Der
<lb n="0186.15"/> Freygebohrne gab sich für den Knecht, und der Knecht
<lb n="0186.16"/> für den Freygebohrnen aus. Den Kern habe ich
<lb n="0186.17"/> verlohren, und die Schale hat man mir zum Pfande
<lb n="0186.18"/> gelassen. Und durch dieses Blendwerk hab ich mich
<lb n="0186.19"/> aus Unvorsichtigkeit schimpflich hintergehen lassen.
<lb n="0186.20"/> Doch - - wenigstens soll mich dieser nicht auslachen.
<lb n="0186.21"/> He! <hi rend="bold">Colaphus! Cordalio! Corax</hi>! kommt heraus,
<lb n="0186.22"/> und bringt die Stricke mit.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="05">
<lb n="0186.23"/> <head type="auftritt" n="3">Fünfter Auftritt.</head>
<lb n="0186.24"/> <stage type="setting">Die Schergen. Hegio. Tyndarus.
<lb n="0186.25"/> Aristophontes.</stage>
<lb n="0186.26"/> <sp><speaker>Die Schergen</speaker><ab>. </ab><p>Wir werden gewiß wieder Holz
<lb n="0186.27"/> tragen sollen.</p></sp>
<lb n="0186.28"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Gleich fesselt dem Galgenschwengel die
<lb n="0186.29"/> Hände.</p></sp>
<pb n="0187.01" facs="Plautus_S00187.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0187.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was soll das heißen? Was hab ich ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0187.02"/> than?</p></sp>
<lb n="0187.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du fragst noch, du unglücklicher Säemann
<lb n="0187.04"/> und Schnitter der größten Uebelthaten.</p></sp>
<lb n="0187.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Warum nennst du mich denn nicht zuerst
<lb n="0187.06"/> den Egger? Denn die Bauern eggen allezeit eher, als
<lb n="0187.07"/> sie säen.</p></sp>
<lb n="0187.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Noch so unverschämt kannst du mir vor
<lb n="0187.09"/> den Augen stehn?</p></sp>
<lb n="0187.10"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ein unschuldiger Knecht muß unerschro<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0187.11"/> cken seyn, besonders gegen seinen Herrn.</p></sp>
<lb n="0187.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Bindet ihm die Hände recht scharf.</p></sp>
<lb n="0187.13"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich und also auch meine Hände gehören
<lb n="0187.14"/> dir; du kannst mir sie gar abzuhauen befehlen. Aber
<lb n="0187.15"/> was ist denn das? Warum bist du denn auf mich
<lb n="0187.16"/> zornig?</p></sp>
<lb n="0187.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Weil du mein ganzes Vornehmen, das
<lb n="0187.18"/> sich auf euch allein gründete, durch deine verdamm<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0187.19"/> ten betrügrischen Lügen, zu nichte gemacht hast. Durch
<lb n="0187.20"/> alle meine Rechnungen hast du mir einen Strich ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0187.21"/> macht. Durch deine List hast du mir den Philokra<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0187.22"/> tes aus den Händen gespielt. Ich habe ihn für den
<lb n="0187.23"/> Knecht und dich für den Freygebohrnen gehalten. So
<lb n="0187.24"/> nanntet ihr euch selbst, und so hattet ihr eure Namen
<lb n="0187.25"/> verwechselt.</p></sp>
<lb n="0187.26"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>So will ich es denn nur gestehen. Ja,
<lb n="0187.27"/> es ist alles wahr, was du sagst. Durch meine Mü<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0187.28"/> he und Arglistigkeit ist Philokrates dir entgangen.
<lb n="0187.29"/> Aber, ich bitte dich, wie kannst du darüber ungehalten
<lb n="0187.30"/> auf mich seyn?</p></sp>
<lb n="0187.31"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, nu, es soll dir nicht unbelohnt bleiben.</p></sp>
<pb n="0188.01" facs="Plautus_S00188.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0188.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wenn ich nur wegen keiner Uebelthaten
<lb n="0188.02"/> umkomme, so werde ich es wenig achten. Muß ich
<lb n="0188.03"/> hier sterben, und Philokrates kömmt, wie du befürch<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.04"/> test, nicht wieder, so wird mir meine That noch nach
<lb n="0188.05"/> meinem Tode Ruhm bringen, daß ich meinen gefang<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.06"/> nen Herrn aus der Knechtschaft und aus den Hän<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.07"/> den der Feinde frey in sein Vaterland zu seinem Va<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.08"/> ter wieder geschafft, und lieber mein, als sein Leben,
<lb n="0188.09"/> der Gefahr ausgesetzt habe.</p></sp>
<lb n="0188.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Fort! Macht also, daß dieser wackre
<lb n="0188.11"/> Mann diesen Ruhm am Galgen haben kann.</p></sp>
<lb n="0188.12"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wer um der Tugend willen umkömmt,
<lb n="0188.13"/> kömmt nicht um.</p></sp>
<lb n="0188.14"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wenn ich dich werde rechtschaffen haben
<lb n="0188.15"/> martern lassen, wenn du deiner Betrügereyen wegen
<lb n="0188.16"/> wirst zu Tode seyn gepeiniget worden, so mögen sie
<lb n="0188.17"/> meinetwegen sagen, du seyst umgekommen oder nicht;
<lb n="0188.18"/> wann du nur umkömmst, so gilt mir es gleich viel, wenn
<lb n="0188.19"/> sie auch sagten, du lebtest.</p></sp>
<lb n="0188.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wenn du das thust, so wirst du es gewiß
<lb n="0188.21"/> nicht umsonst gethan haben, wenn <hi rend="bold">Philokrates</hi> wie<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.22"/> derkömmt, wie ich gewiß hoffe.</p></sp>
<lb n="0188.23"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>O ihr unsterblichen Götter, nun be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.24"/> komm ich in der Sache Licht. So ist mein Freund
<lb n="0188.25"/> <hi rend="bold">Philokrates</hi> frey? So ist er in seinem Vaterlande
<lb n="0188.26"/> bey seinem Vater? Wohl. Wem sollte ich dieses
<lb n="0188.27"/> Glück lieber gönnen, als ihm? Aber, wie schmerzt es
<lb n="0188.28"/> mich, daß ich diesem einen so schlechten Dienst ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0188.29"/> than habe. Meinetwegen, meiner Entdeckung willen
<lb n="0188.30"/> ist er gebunden.</p></sp>
<lb n="0188.31"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Habe ich dich nicht nachdrücklich gewarnt,
<lb n="0188.32"/> mich nicht zu belügen?</p></sp>
<pb n="0189.01" facs="Plautus_S00189.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0189.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja.</p></sp>
<lb n="0189.02"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Warum hast du es also gewagt?</p></sp>
<lb n="0189.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Weil dem, für dessen Wohl ich besorgt war,
<lb n="0189.04"/> die Wahrheit geschadet hätte. Itzo nutzt ihm die Lügen.</p></sp>
<lb n="0189.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Und dir wird sie schaden.</p></sp>
<lb n="0189.06"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wohl gut! Habe ich doch meinen Herrn er<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0189.07"/> halten, über dessen Erhaltung ich mich freue; denn der
<lb n="0189.08"/> alte Herr hatte mich ihm zum Beschützer gegeben. Aber
<lb n="0189.09"/> sprich, ist es eine Lasterthat, was ich begangen habe?</p></sp>
<lb n="0189.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Eine erschreckliche.</p></sp>
<lb n="0189.11"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich aber bin andrer Meynung, und be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0189.12"/> haupte, es sey eine gute That. Denn bedenke, wenn
<lb n="0189.13"/> dein Knecht gegen deinen Sohn sich so verhalten hät<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0189.14"/> te, wie würdest du ihm danken? Würdest du ihn frey
<lb n="0189.15"/> lassen oder nicht? Würde er dir nicht der angenehm<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0189.16"/> ste Knecht seyn? Antworte.</p></sp>
<lb n="0189.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ja wohl.</p></sp>
<lb n="0189.18"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Warum zürnst du denn also auf mich?</p></sp>
<lb n="0189.19"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Weil du ihm getreuer gewesen bist, als mir.</p></sp>
<lb n="0189.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>So? Du hast also gemeynt, einen neuen
<lb n="0189.21"/> Gefangnen in Nacht- und Tages- Frist zu überreden,
<lb n="0189.22"/> daß er dir mehr wohlwolle, als dem, mit dem ich von
<lb n="0189.23"/> Kindheit an aufgewachsen bin?</p></sp>
<lb n="0189.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du magst also auch nur von ihm den
<lb n="0189.25"/> Dank erwarten. Führt ihn nur fort, damit ihr ihn
<lb n="0189.26"/> schwere und starke Fußeisen anlegen könnt. Von dar
<lb n="0189.27"/> bringt ihn nur gleich in die Steingruben. Anstatt, daß
<lb n="0189.28"/> andre daselbst des Tages nur acht Stück brechen dür<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0189.29"/> fen, so soll er alle Tage anderthalb Tagewerk verrichten
<lb n="0189.30"/> müssen, oder alle Tage 600 Stockschläge gewärtig seyn.</p></sp>
<lb n="0189.31"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Hegio, ich bitte dich um der Götter und
<lb n="0189.32"/> Menschen willen, laß diesen Menschen nicht umkommen.</p></sp>
<pb n="0190.01" facs="Plautus_S00190.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0190.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>O dafür soll schon gesorgt werden. Des
<lb n="0190.02"/> Nachts über will ich ihn gebunden bewachen lassen,
<lb n="0190.03"/> und des Tags über soll er Steine aus den Gruben
<lb n="0190.04"/> bringen müssen. Ich will ihn lange genug martern.
<lb n="0190.05"/> Sorge nicht, daß er es mit einem Tage soll überstan<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.06"/> den haben.</p></sp>
<lb n="0190.07"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Und das willst du gewiß thun?</p></sp>
<lb n="0190.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>So gewiß als ich einmal sterben werde.
<lb n="0190.09"/> Fort! Führt ihn alsobald zu dem Schmidt <hi rend="bold">Hippo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.10"/> lyt</hi>. Laßt ihm fein starke Beineisen anlegen, und als<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.11"/> dann führt ihn sogleich vor das Thor zu meinem Frey<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.12"/> gelaßnen <hi rend="bold">Cordalus</hi>, damit er in die Steinbrüche ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.13"/> bracht wird. Sagt, daß es mein ausdrücklicher
<lb n="0190.14"/> Wille wäre, er solle es nicht schlimmer haben, als
<lb n="0190.15"/> die, die es am allerschlimmsten haben.</p></sp>
<lb n="0190.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Je nu, ich will mich nicht wider deinen
<lb n="0190.17"/> Willen erhalten wissen. Setze mich immer in Lebens<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.18"/> gefahr, es geschieht auf deine Gefahr. Ich habe,
<lb n="0190.19"/> nach dem Tode, im Tode nichts Uebles zu befürchten.
<lb n="0190.20"/> Und wenn ich auch das größte Alter erreichte, so muß
<lb n="0190.21"/> ich doch nach kurzem das, womit du mir drohest, ein<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.22"/> mal ausstehen. Lebe wohl, ob du es gleich nicht um
<lb n="0190.23"/> mich verdienest. Dir Aristophontes möge es so
<lb n="0190.24"/> gehen, wie du es an mir erholt hast. Nur du bist
<lb n="0190.25"/> die Ursache meines Unglücks.</p></sp>
<lb n="0190.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Führt ihn fort.</p></sp>
<lb n="0190.27"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Das einzige bitte ich euch; wenn <hi rend="bold">Philo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0190.28"/> krates</hi> wieder zurück kömmt, macht, daß ich mit ihm
<lb n="0190.29"/> sprechen kann.</p></sp>
<lb n="0190.30"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ihr seyd unglücklich, wo ihr ihn mir
<lb n="0190.31"/> nicht gleich aus dem Gesichte führet.</p></sp>
<pb n="0191.01" facs="Plautus_S00191.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0191.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nu, das heißt doch noch Gewalt brauchen,
<lb n="0191.02"/> ein ziehen und stoßen zugleich (<ref rend="footnote" n="191*">*</ref>).</p></sp>
<lb n="0191.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Er wird an seinen verdienten Ort gebracht.
<lb n="0191.04"/> Ich muß wegen der andern Gefangnen nothwendig
<lb n="0191.05"/> ein Exempel statuiren, damit andre nicht auch so ein
<lb n="0191.06"/> Bubenstück wagen. Wenn ich es nicht thäte, da
<lb n="0191.07"/> man mir doch diesen Streich so öffentlich gespielt hat,
<lb n="0191.08"/> so würde jeder sagen, er wolle mir meinen Sohn frey
<lb n="0191.09"/> schaffen, und mich also betrügen. Ich habe mirs
<lb n="0191.10"/> nun feste vorgenommen, keinem mehr zu glauben.
<lb n="0191.11"/> Es ist genug, daß ich einmal bin betrogen worden.
<lb n="0191.12"/> Ich armer Mann hoffte meinen Sohn dadurch aus
<lb n="0191.13"/> der Gefangenschaft zu befreyen. Meine Hoffnung
<lb n="0191.14"/> ist zu Schanden worden. Einen Sohn habe ich schon
<lb n="0191.15"/> verlohren, den mir ein Knecht als ein Kind von vier
<lb n="0191.16"/> Jahren entwendet hat. Ich habe weder des Knechts,
<lb n="0191.17"/> noch des Sohnes, wieder habhaft werden können.
<lb n="0191.18"/> Der andre nun ist auch in der Gewalt der Feinde.
<lb n="0191.19"/> Was für ein Schicksal! Habe ich denn nur Kinder
<lb n="0191.20"/> gezeugt, sie zu verlieren? - - Du folge mir, ich
<lb n="0191.21"/> will dich wieder hinführen, wo du hergekommen bist.
<lb n="0191.22"/> Ich will mich auch gewiß keines mehr erbarmen, weil
<lb n="0191.23"/> sich niemand meiner erbarmet.</p></sp>
<lb n="0191.24"/> <note type="footnote" n="191*">* Ich weis nicht, wie einige Erklärer des <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> diese
<lb n="0191.25"/> Ironie nicht haben einsehen können, daß sie ihre Erläute<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0191.26"/> rungen so weit hergesucht haben. Wenn die Alten bey
<lb n="0191.27"/> erlittener Gewalt schrien: <hi rend="antiqua">Haec vis est</hi>, so wollten sie zu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0191.28"/> gleich um Hülfe rufen, welches aber dem <hi rend="bold">Tyndarus</hi> hier
<lb n="0191.29"/> ganz unnöthig gewesen wäre. Man wird es durchgängig
<lb n="0191.30"/> finden, je gelehrter die Commentatores sind, je weni<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0191.31"/> ger Witz lassen sie dem Schriftsteller, den sie erklären
<lb n="0191.32"/> wollen.</note>
<pb n="0192.01" facs="Plautus_S00192.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0192.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Aristoph</abbr><expan>Aristophontes</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich bin kaum einen Augenblick aus
<lb n="0192.02"/> den Ketten gewesen, und nun, seh ich, muß ich schon
<lb n="0192.03"/> wieder herein.</p></sp></div3></div2>
<div2 type="akt" n="4">
<lb n="0192.04"/> <head type="aufzug" n="4">Vierter Aufzug.</head>
<div3 type="szene" n="01">
<lb n="0192.05"/> <head type="aufzug" n="3">Erster Auftritt.</head>
<lb n="0192.06"/> <stage type="setting">Ergasilus.</stage>
<lb n="0192.07"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Ergasilus</speaker><p>Höchster Jupiter! so willst du mich doch erhalten,
<lb n="0192.08"/> und meine Umstände verbessern! O mit was für
<lb n="0192.09"/> Ueberfluß, mit was für köstlichen Leckerbißchen, mit
<lb n="0192.10"/> was für Lob, Gewinnst, Spiel und Scherz, mit
<lb n="0192.11"/> was für Feyer - und Freudentagen, mit was für
<lb n="0192.12"/> Pracht, mit was für Vorrath, mit was für Zechen,
<lb n="0192.13"/> mit was für Sättigkeit, mit was für Wollust beglü<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0192.14"/> ckest du mich! Nun darf ich gewiß keinem Menschen
<lb n="0192.15"/> mehr gute Worte geben. Nun kann ich allen meinen
<lb n="0192.16"/> Freunden helfen, und allen meinen Feinden schaden.
<lb n="0192.17"/> O angenehmer Tag, mit was für angenehmen An<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0192.18"/> nehmlichkeiten überschüttest du mich! Was für eine
<lb n="0192.19"/> austrägliche Erbschaft ist auf mich gefallen! Ich muß
<lb n="0192.20"/> gleich meinen Lauf zu dem alten Hegio richten, dem
<lb n="0192.21"/> ich so viel gute Nachricht bringe, als er sich nur sel<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0192.22"/> ber wünscht, und noch weit mehr. Ich will eilend,
<lb n="0192.23"/> wie die komischen Knechte zu thun pflegen, meinen
<lb n="0192.24"/> Mantel auf die Schulter werfen, damit er die Both<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0192.25"/> schaft von mir zuerst höre. Ich weis gewiß, ich
<lb n="0192.26"/> werde dafür eine ewige Mahlzeit bey ihm haben.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="02">
<lb n="0192.27"/> <head type="auftritt" n="3">Zweyter Auftritt.</head>
<lb n="0192.28"/> <stage type="setting">Hegio. Ergasilus.</stage>
<lb n="0192.29"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Je mehr ich diesen Zufall bey mir über<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0192.30"/> lege, je größer wird mein Verdruß. Auf so eine Art
<pb n="0193.01" facs="Plautus_S00193.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0193.01"/> bin ich heute hintergangen worden? Und ich konnte
<lb n="0193.02"/> den Betrug nicht einsehn. Die ganze Stadt, wenn
<lb n="0193.03"/> sie es erfährt, wird mich auslachen. Wenn ich werde
<lb n="0193.04"/> auf den Markt kommen, so wird einer zum andern
<lb n="0193.05"/> sagen: das ist der Alte, den sie so betrogen haben. - -
<lb n="0193.06"/> Aber, seh ich nicht den <hi rend="bold">Ergasilus</hi> dort von ferne?
<lb n="0193.07"/> Und zwar mit auf die Schulter geworfnem Mantel.
<lb n="0193.08"/> Was muß er vorhaben?</p></sp>
    <lb n="0193.09"/> <sp><speaker><choice><abbr>Ergas</abbr><expan>Ergasilus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Fort, zaudre nicht, <hi rend="bold">Ergasilus</hi>; thue
<lb n="0193.10"/> was zu thun ist. Ich will es niemanden rathen, daß
<lb n="0193.11"/> er mir in Weg kömmt, wenn er nicht am längsten
<lb n="0193.12"/> will gelebt haben. Wer mir entgegen kömmt, den
<lb n="0193.13"/> will ich zur Erde schmeißen - -</p></sp>
<lb n="0193.14"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich glaube gar, er will Balgereyen an<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0193.15"/> fangen?</p></sp>
    <lb n="0193.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Ergas</abbr><expan>Ergasilus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja, ja. Es soll ganz gewiß geschehn.
<lb n="0193.17"/> Es mögen nur alle ihre Gänge aufschieben; es mag
<lb n="0193.18"/> sich nur niemand auf dieser Straße was zu thun machen.
<lb n="0193.19"/> Meine Faust soll mir statt der Balista, mein Ellebo<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0193.20"/> gen statt der Katapulta seyn; Schulter und Knie sind
<lb n="0193.21"/> meine Mauerböcke, damit will ich meine Feinde zu
<lb n="0193.22"/> Boden werfen. Wer mir in Weg kömmt, soll seine
<lb n="0193.23"/> Zähne müssen auf der Gasse suchen.</p></sp>
<lb n="0193.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was sind das für Drohungen? Ich kann
<lb n="0193.25"/> mich nicht wundern genug.</p></sp>
<lb n="0193.26"/> <sp><speaker><choice><abbr>Ergas</abbr><expan>Ergasilus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich will gewiß machen, daß er dieses
<lb n="0193.27"/> Tags, dieses Orts, und meiner nimmermehr vergißt.
<lb n="0193.28"/> Wer meinen Lauf hemmet, soll sein Leben schnell ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0193.29"/> hemmet haben.</p></sp>
<lb n="0193.30"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was muß das Wichtige seyn, das er
<lb n="0193.31"/> mit solchen Drohungen anfängt?</p></sp>
<pb n="0194.01" facs="Plautus_S00194.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0194.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Ergas</abbr><expan>Ergasilus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich sage es fein zuerst, damit niemand
<lb n="0194.02"/> durch sein Versehn unglücklich werde. Haltet euch in
<lb n="0194.03"/> den Häusern, und hütet euch vor meiner Gewalt.</p></sp>
<lb n="0194.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Das muß was ganz besonders seyn, wenn
<lb n="0194.05"/> ihn nicht etwa der volle Bauch so übermüthig macht.
<lb n="0194.06"/> Wehe dem armen Mann, durch dessen Kost er so ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.07"/> biethrisch geworden ist!</p></sp>
<lb n="0194.08"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Besonders ihr Becker, die ihr so viel
<lb n="0194.09"/> Säue mit Kleyen mästet, daß man wegen des Ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.10"/> stanks bey euren Läden nicht vorbey gehen kann. Wenn
<lb n="0194.11"/> ich welche von euren Schweinen auf der Gasse an<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.12"/> treffe, so will ich ihnen gewiß mit meinen Fäusten die
<lb n="0194.13"/> Kleyen aus den Ranzen prügeln, ich meyne ihren Be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.14"/> sitzern.</p></sp>
<lb n="0194.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, die Warnungen sind königlich und
<lb n="0194.16"/> herrscherisch genug. Er muß ganz gewiß satt seyn.
<lb n="0194.17"/> Er trotzt auf seinen vollen Bauch.</p></sp>
<lb n="0194.18"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Auch euch, ihr Fischer, die ihr dem
<lb n="0194.19"/> Volke stinkende Fische feil biethet, welche ihr mit einer
<lb n="0194.20"/> hinkenden Schindmehre in die Stadt bringt, und die
<lb n="0194.21"/> durch Gestank alle Pflastertreter von der Basilica auf
<lb n="0194.22"/> den Markt verjagen, euch will ich die Fischkörbe wacker
<lb n="0194.23"/> unter die Nasen reiben, damit ihr doch auch fühlet,
<lb n="0194.24"/> was sie andern Nasen für Verdruß machen. Was
<lb n="0194.25"/> euch aber anbelangt, ihr Fleischer, die ihr die Scha<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.26"/> fe der Kinder beraubt, die ihr Lämmer zum abschlach<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.27"/> ten einkauft, mit dem Lammfleische das Volk be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0194.28"/> trügt (<ref rend="footnote" n="194*">*</ref>), und einen verschnittnen Hammel einen Schaf<c type="bindestrich2">-</c>
<lb n="0194.29"/> <note type="footnote" n="194*">* Die Gelehrten machen zu dieser Stelle die Anmerkung,
<lb n="0194.30"/> die Alten hätten das Lammfleisch nicht gerne gegessen.
<lb n="0194.31"/> Wie können sie aber dieses mit einer kurz darauf fol<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0195.27"/> genden Stelle vergleichen, wo der Schmarutzer unter
<lb n="0195.28"/> andern Leckerbissen, die Hegio soll zurechte machen las<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0195.29"/> sen, auch ausdrücklich <hi rend="antiqua">agninam</hi> mit nennet?</note>
<pb n="0195.01" facs="Plautus_S00195.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0195.01"/> bock nennt, wenn ich so einen Schafbock auf öffentli<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0195.02"/> cher Straße sehe, so will ich den Schafbock und seinen
<lb n="0195.03"/> Herrn, zu den unglücklichsten Thieren von der Welt
<lb n="0195.04"/> machen.</p></sp>
<lb n="0195.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, das sind doch noch ädilische Verord<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0195.06"/> nungen. Es sollte mich sehr wundern, wenn ihn nicht
<lb n="0195.07"/> die Aetolier zu ihrem Marktmeister machen sollten.</p></sp>
<lb n="0195.08"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Itzo bin ich kein Schmarutzer, sondern
<lb n="0195.09"/> ein königlicher König der Könige, da so vieler Pro<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0195.10"/> viant für meinen Magen im Hafen angelangt ist.
<lb n="0195.11"/> Doch zaudre ich noch den Hegio mit dieser Freude
<lb n="0195.12"/> zu überschütten? Kann wohl jemand glücklicher seyn,
<lb n="0195.13"/> als dieser Alte ist?</p></sp>
<lb n="0195.14"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, was ist denn das für eine Freude, die
<lb n="0195.15"/> er mir so voller Freuden schenkt?</p></sp>
<lb n="0195.16"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Nu? Holla? Wo steckt ihr? Wird
<lb n="0195.17"/> keiner die Thüre aufmachen?</p></sp>
<lb n="0195.18"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ha! Ha! Er findet sich zur Abendmahl<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0195.19"/> zeit bey mir ein.</p></sp>
<lb n="0195.20"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Macht die Thüren alle beyde auf, ehe
<lb n="0195.21"/> ich sie in Grund und Boden stoße.</p></sp>
<lb n="0195.22"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich muß ihn doch anreden. Ergasilus.</p></sp>
<lb n="0195.23"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wer ruft den Ergasilus?</p></sp>
<lb n="0195.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Sieh mich doch an!</p></sp>
<lb n="0195.25"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Das thut das Glück an dir nicht, und
<lb n="0195.26"/> soll es auch nimmermehr thun.</p></sp>
<pb n="0196.01" facs="Plautus_S00196.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0196.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wünschest du mir das (<ref rend="footnote" n="196*">*</ref>)?</p></sp>
<lb n="0196.02"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Aber was giebt es denn?</p></sp>
<lb n="0196.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Sieh dich doch um, ich bin Hegio.</p></sp>
<lb n="0196.04"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>O! bist dus, du allerbester der aller<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0196.05"/> besten Männer? Du kömmst zu rechter Zeit.</p></sp>
<lb n="0196.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich weis nicht, wen du in dem Hafen
<lb n="0196.07"/> mußt angetroffen haben, bey dem du auf den Abend
<lb n="0196.08"/> schmausen wirst, weil du so hochmüthig geworden bist.</p></sp>
<lb n="0196.09"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Gieb mir die Hand.</p></sp>
<lb n="0196.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Die Hand?</p></sp>
<lb n="0196.11"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Gieb mir deine Hand, sage ich;
<lb n="0196.12"/> gleich!</p></sp>
<lb n="0196.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, da!</p></sp>
<lb n="0196.14"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Freue dich!</p></sp>
<lb n="0196.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Weswegen soll ich mich freuen?</p></sp>
<lb n="0196.16"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Weil ich dirs heiße. Fort! freue
<lb n="0196.17"/> dich nur.</p></sp>
<lb n="0196.18"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Die Betrübniß ist bey mir größer als die
<lb n="0196.19"/> Freude.</p></sp>
<lb n="0196.20"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Sey nicht böse auf mich. Ich will
<lb n="0196.21"/> dir bald alle Betrübniß benehmen. Freue dich nur!
<lb n="0196.22"/> Auf mein Wort!</p></sp>
<lb n="0196.23"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Gut. Ich freue mich, ob ich gleich nicht
<lb n="0196.24"/> sehe warum?</p></sp>
<lb n="0196.25"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>So recht! Nun befiehl auch - -</p></sp>
<lb n="0196.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was soll ich befehlen?</p></sp>
<lb n="0196.27"/> <note type="footnote" n="196*">* Es hat mir natürlicher geschienen, wenn ich das <hi rend="antiqua">hoc
<lb n="0196.28"/> me iubes</hi> als eine Frage dem Hegio in Mund legte, ob
<lb n="0196.29"/> ich gleich nicht leugne, daß es einen guten Verstand hat,
<lb n="0196.30"/> wenn es auch Ergasilus sagt.</note>
<pb n="0197.01" facs="Plautus_S00197.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0197.01"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Daß man ein entsetzliches Feuer an<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0197.02"/> mache.</p></sp>
<lb n="0197.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ein entsetzliches Feuer?</p></sp>
<lb n="0197.04"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ja, ja, was ich sage; und es muß
<lb n="0197.05"/> recht sehr groß seyn.</p></sp>
<lb n="0197.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Was willst du denn verbrennen? Glaubst
<lb n="0197.07"/> du, daß ich deinetwegen mein Haus anstecken werde.</p></sp>
<lb n="0197.08"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Werde nicht böse. Befiehl auch
<lb n="0197.09"/> zugleich, daß die Töpfe angesetzt, und die Schüsseln
<lb n="0197.10"/> aufgewaschen werden. Laß nur den gespickten Bra<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0197.11"/> ten ans Feuer bringen, und unterdessen schicke einen
<lb n="0197.12"/> andern nach Fischen.</p></sp>
<lb n="0197.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich glaube er träumt wachende.</p></sp>
<lb n="0197.14"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Einen andern schicke nach Schweine<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0197.15"/> fleisch, nach Lammfleisch und nach jungen Hühnern.</p></sp>
<lb n="0197.16"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, du weißt doch was gut schmeckt,
<lb n="0197.17"/> aber woher nehmen?</p></sp>
<lb n="0197.18"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Laß Schinken, Kuhlparse, Makrel<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0197.19"/> len, Stockfische und Wallfische, und weichen Käse
<lb n="0197.20"/> holen (<ref rend="footnote" n="197*">*</ref>).</p></sp>
<lb n="0197.21"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nu, nu, nennen kannst du es wohl, ob
<lb n="0197.22"/> du es aber wirst bey mir zu essen bekommen, mein gu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0197.23"/> ter <hi rend="bold">Ergasilus</hi> - -</p></sp>
<lb n="0197.24"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Glaubst du denn, daß ich es meinet<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0197.25"/> wegen anzurichten befehle?</p></sp>
<lb n="0197.26"/> <note type="footnote" n="197*">* Ich habe diese Namen so gut übersetzt, als es möglich ist,
<lb n="0197.27"/> einige habe ich gar weggelassen, weil sie unsern heutigen
<lb n="0197.28"/> Köchen allzu besonders vorkommen möchten. <hi rend="antiqua">Cetus</hi>
<lb n="0197.29"/> heißt zwar jede Art von großen Fischen, ich glaube aber
<lb n="0197.30"/> doch, daß ihn der Schmarutzer eher zum Scherze als im
<lb n="0197.31"/> Ernste dazu gesetzt hat.</note>
<pb n="0198.01" facs="Plautus_S00198.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0198.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Betrüge dich nicht. Ich will dir zwar
<lb n="0198.02"/> nicht nichts, aber doch nicht viel mehr als nichts
<lb n="0198.03"/> vorsetzen. Bringe also von deinen Bäuchen nur den
<lb n="0198.04"/> für die Alltagskost mit.</p></sp>
<lb n="0198.05"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wie aber, wenn du diesen Auf<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0198.06"/> wand, auch ohne mein Geheiß, machen wirst?</p></sp>
<lb n="0198.07"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich?</p></sp>
<lb n="0198.08"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Eben du.</p></sp>
<lb n="0198.09"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Alsdann will ich dich für meinen Herrn
<lb n="0198.10"/> erkennen.</p></sp>
<lb n="0198.11"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>O! ich werde ein ganz gütiger Herr
<lb n="0198.12"/> seyn. Soll ich dich glücklich machen?</p></sp>
<lb n="0198.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Wenigstens lieber als unglücklich.</p></sp>
<lb n="0198.14"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Gieb mir die Hand.</p></sp>
<lb n="0198.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Da ist sie.</p></sp>
<lb n="0198.16"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Die Götter erbarmen sich deiner.</p></sp>
<lb n="0198.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich weis nichts davon.</p></sp>
<lb n="0198.18"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Aber bald wirst du es wissen. Un<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0198.19"/> terdessen gebiethe nur, daß man dir die Gefäße zu dem
<lb n="0198.20"/> heiligen Werke fertig halte; und laß ein eignes und
<lb n="0198.21"/> fettes Lamm holen.</p></sp>
<lb n="0198.22"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Warum das?</p></sp>
<lb n="0198.23"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Weil du opfern mußt.</p></sp>
<lb n="0198.24"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Und welchem Gotte denn?</p></sp>
<lb n="0198.25"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Mir. Ich bin itzo dein höchster
<lb n="0198.26"/> Jupiter, ich bin deine Errettung, dein Glück, dein
<lb n="0198.27"/> Licht, deine Freude, dein Vergnügen; wenn du nur
<lb n="0198.28"/> diesen deinen Gott wacker satt machest, damit er dir
<lb n="0198.29"/> gnädig sey.</p></sp>
<lb n="0198.30"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du bist mir also hungrig, wie es
<lb n="0198.31"/> scheint?</p></sp>
<lb n="0198.32"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ich bin mir hungrig und nicht dir.</p></sp>
<pb n="0199.01" facs="Plautus_S00199.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0199.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ey, hol dich der - -</p></sp>
<lb n="0199.02"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Du solltest dich lieber bey mir be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0199.03"/> danken für die Nachricht, die ich dir aus dem Hafen
<lb n="0199.04"/> bringe? O was für eine vortreffliche Nachricht!
<lb n="0199.05"/> Wirst du mir so wieder gut?</p></sp>
<lb n="0199.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Geh, Narre, du kömmst zu spät.</p></sp>
<lb n="0199.07"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Das hättest du können sagen, wenn
<lb n="0199.08"/> ich bey einer andern Gelegenheit gekommen wäre.
<lb n="0199.09"/> Doch vernimm nur endlich die Freude, die ich dir brin<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0199.10"/> ge. Ich habe itzo gleich deinen Sohn <hi rend="bold">Philopole<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0199.11"/> mus</hi> lebend, gesund und frisch in dem Hafen gese<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0199.12"/> hen. Er kam mit dem öffentlichen Jagtschiffe.
<lb n="0199.13"/> Es war noch ein andrer Jüngling bey ihm, und deinen
<lb n="0199.14"/> Knecht <hi rend="bold">Stalagmus</hi>, der dir mit deinem Sohne,
<lb n="0199.15"/> als einem Kinde von vier Jahren, davon gegangen
<lb n="0199.16"/> ist, bringt er auch mit.</p></sp>
<lb n="0199.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du willst mich zum besten haben. Geh!
<lb n="0199.18"/> pack dich!</p></sp>
<lb n="0199.19"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Ich schwöre dir es bey der heiligen
<lb n="0199.20"/> Sättigkeit! Ihr Name soll nie zu meinem Namen
<lb n="0199.21"/> können gefügt werden; wenn ich nicht alles das ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0199.22"/> sehen habe.</p></sp>
<lb n="0199.23"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Meinen Sohn hast du gesehen?</p></sp>
<lb n="0199.24"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Deinen Sohn, und meinen Schutz<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0199.25"/> engel.</p></sp>
<lb n="0199.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Und den elidensischen Gefangnen?</p></sp>
<lb n="0199.27"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p><foreign xml:lang="greek">&#x03BC;&#x03B1; &#x03C4;&#x03BF;&#x03BD; &#x1F00;&#x03C0;&#x03BF;&#x03BB;&#x03BB;&#x03C9;</foreign> (<ref rend="footnote" n="199*">*</ref>)!</p></sp>
<lb n="0199.28"/> <note type="footnote" n="199*">* Ich habe diese griechischen Schwüre beybehalten, weil
<lb n="0199.29"/> sie unmöglich zu übersetzen waren. Ich kann auch den
<lb n="0199.30"/> Leser versichern, daß er nicht viel darunter verliert. Der
<lb n="0199.31"/> erste Schwur ist bey dem Apollo, der andere bey der
<lb n="0200.19"/> Proserpina, und die übrigen bey unterschiednen ita<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0200.20"/> liänischen Städten, die er auf eine lächerliche Art als
<lb n="0200.21"/> Gottheiten ansieht, bey welchen er schwören kann.</note>
<pb n="0200.01" facs="Plautus_S00200.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0200.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Und meinen Knecht Stalagmus, der mir
<lb n="0200.02"/> meinen Sohn entwendet hat?</p></sp>
<lb n="0200.03"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p><foreign xml:lang="greek">&#x03BD;&#x03B7; &#x03C4;&#x03B1;&#x03BD; &#x03C3;&#x03BF;&#x03C1;&#x03B1;&#x03BD;</foreign>!</p></sp>
<lb n="0200.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Schon lange?</p></sp>
<lb n="0200.05"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p><foreign xml:lang="greek">&#x03BD;&#x03B7; &#x03C4;&#x03B1;&#x03BD; &#x03C0;&#x03C1;&#x03B1;&#x03B9;&#x03BD;&#x03B5;&#x03DB;&#x03B7;&#x03BD;</foreign>!</p></sp>
<lb n="0200.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><p> Kömmt er?</p></sp>
<lb n="0200.07"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p><foreign xml:lang="greek">&#x03BD;&#x03B7; &#x03C4;&#x03B1;&#x03BD; &#x03C3;&#x03B9;&#x03B3;&#x03BD;&#x03B9;&#x03B1;&#x03BD;</foreign>!</p></sp>
<lb n="0200.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ganz gewiß?</p></sp>
<lb n="0200.09"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p><foreign xml:lang="greek">&#x03BD;&#x03B7; &#x03C4;&#x03B1;&#x03BD; &#x03C6;&#x03C1;&#x03BF;&#x03C5;&#x03C3;&#x03B9;&#x03BD;&#x03C9;&#x03BD;&#x03B1;</foreign>!</p></sp>
<lb n="0200.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber du - -</p></sp>
<lb n="0200.11"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p><foreign xml:lang="greek">&#x03BD;&#x03B7; &#x03C4;&#x03BF;&#x03BD; &#x1F00;&#x03BB;&#x03B1;&#x03C4;&#x03C1;&#x03B9;&#x03BF;&#x03BD;</foreign>!</p></sp>
<lb n="0200.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Bey was für barbarischen rauhen Städ<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0200.13"/> ten schwörest du?</p></sp>
<lb n="0200.14"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Sie sind eben so rauh, als deine Spei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0200.15"/> sen, wie du sagtest, seyn sollten.</p></sp>
<lb n="0200.16"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Verdammtes Maul!</p></sp>
<lb n="0200.17"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Du willst mir aber ja nichts glau<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0200.18"/> ben, was ich dir doch so umständlich berichte (<ref rend="footnote" n="200*">*</ref>)</p></sp>
<lb n="0200.22"/> <note type="footnote" n="200*">* Hier habe ich drey Zeilen ausgelassen, weil ich sie nicht
<lb n="0200.23"/> so genau zu übersetzen weis, daß meine Leser den Sinn
<lb n="0200.24"/> des <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> daraus begreifen könnten: Hier sind sie:
<lg type="gedicht" rend="antiqua">
<l n="0200.25"> Sed Stalagmus cuius erat tunc nationis, cum hinc abiit?</l>
<l n="0200.27"> <hi rend="italic">Heg.</hi> Siculus. <hi rend="italic">Er.</hi> At nunc Siculus non est, Boius est, Boiam terit.</l>
<l n="0200.29"> Liberorum quaerundorum causa ei, credo, vxor data est.</l></lg>
<lb n="0200.31"/> <p>Dieses zu verstehen, darf man nur wissen, daß <hi rend="antiqua">Boiae</hi>
<lb n="0200.32"/> oder <hi rend="antiqua">Boia</hi> eine Art von Ketten waren, <hi rend="antiqua">Boii</hi> aber gewis<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.21"/> se gallische Völker. Der Scherz in der dritten Zeile
<lb n="0201.22"/> aber beruht darauf, daß <hi rend="antiqua">Boia</hi> auch ein Weibsbild aus
<lb n="0201.23"/> diesem Volke heißen kann. Man mag es selbst versu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.24"/> chen, ob es sich auf eine Art übersetzen läßt, daß diese
<lb n="0201.25"/> Anspielungen nicht ganz verlohren gehen.</p></note>
<pb n="0201.01" facs="Plautus_S00201.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0201.01"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nein, sage mir aufrichtig, kann ich dir
<lb n="0201.02"/> Glauben zustellen?</p></sp>
<lb n="0201.03"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Sehr vielen.</p></sp>
<lb n="0201.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>O ihr unsterblichen Götter, ich bin von
<lb n="0201.05"/> neuem gebohren, wenn es wahr ist was er sagt.</p></sp>
<lb n="0201.06"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Und ich glaube, wenn ich die hei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.07"/> ligsten Schwüre thäte, würdest du doch noch zwei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.08"/> feln. Doch kurz, Hegio, wenn du meinen Betheu<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.09"/> rungen so wenig trauest, so gehe selber zum Hafen.</p></sp>
<lb n="0201.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Das soll auch geschehn. Mache unter<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.11"/> dessen drinnen die nöthigen Anstalten. Verlange,
<lb n="0201.12"/> nimm, fodre was du willst. Ich mache dich zu meinem
<lb n="0201.13"/> Ausgeber.</p></sp>
<lb n="0201.14"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wenn ich das Amt nicht reichlich
<lb n="0201.15"/> verwalte (<ref rend="footnote" n="201*">*</ref>), so sollst du das Recht haben mich wa<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0201.16"/> cker zu prügeln.</p></sp>
<lb n="0201.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du sollst ewig einen aufgedeckten Tisch
<lb n="0201.18"/> bey mir finden, wenn du die Wahrheit gesagt hast.</p></sp>
<lb n="0201.19"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Wie so?</p></sp>
<lb n="0201.20"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Bey mir, und meinem Sohne.</p></sp>
<lb n="0201.26"/> <note type="footnote" n="201*">* Die Lesart <hi rend="antiqua">mantissinatus</hi> scheint mir die bequemste <supplied resp="baumgarten">Übersetzung</supplied> zu
<lb n="0201.27"/> seyn, so daß man es von <hi rend="antiqua">mantissa</hi> ableite. <hi rend="antiqua">Mantissa</hi>,
<lb n="0201.28"/> spricht Festus, <hi rend="antiqua">est additamentum lingua Tusca, quod
<lb n="0201.29"/> ponderi additur</hi>. Er will also sagen: ich will zu dem
<lb n="0201.30"/> Fleische, das ich zum Schmause werde abwiegen lassen,
<lb n="0201.31"/> nicht wenig zugeben, damit die Gerichte desto größer
<lb n="0201.32"/> werden. Ich hab es etwas allgemeiner ausgedrückt.</note>
<pb n="0202.01" facs="Plautus_S00202.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0202.01"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Versprichst du mir das?</p></sp>
<lb n="0202.02"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich versprech es.</p></sp>
<lb n="0202.03"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Und ich verspreche dir nochmals, daß
<lb n="0202.04"/> du deinen Sohn gewiß im Hafen finden wirst.</p></sp>
<lb n="0202.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Besorge alles aufs beste.</p></sp>
<lb n="0202.06"/> <sp><speaker>Ergasilus</speaker><ab>. </ab><p>Glück auf den Hinweg und Her<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0202.07"/> weg!</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="03">
<lb n="0202.08"/> <head type="auftritt" n="3">Dritter Auftritt.</head>
<lb n="0202.09"/> <stage type="setting">Ergasilus.</stage>
<lb n="0202.10"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Ergasilus</speaker><p>Er geht, und hat mir sein gemeines Küchenwesen
<lb n="0202.11"/> übergeben. O ihr unsterblichen Götter, wie viel
<lb n="0202.12"/> Rümpfe sollen die Hälse verlieren! Was für eine
<lb n="0202.13"/> Pest soll unter die Schinken, was für ein Sterben
<lb n="0202.14"/> unter den Speck gerathen! Was für eine Abnahme
<lb n="0202.15"/> soll über den Schmeer, was für eine Niederlage über
<lb n="0202.16"/> die Schweinslenden kommen! Wie will ich die
<lb n="0202.17"/> Schlächter, wie will ich die Schweinshändler abmat<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0202.18"/> ten! Doch, wenn ich alles erzählen wollte, was
<lb n="0202.19"/> zur Sättigung des Bauchs gehört, so würde
<lb n="0202.20"/> ich mich zu sehr aufhalten. Ich will lieber mein
<lb n="0202.21"/> Amt antreten, und dem Specke sein Urtheil sprechen;
<lb n="0202.22"/> und will die armen aufgehangnen Schinken los schnei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0202.23"/> den lassen.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="04">
<lb n="0202.24"/> <head type="auftritt" n="3">Vierter Auftritt.</head>
<lb n="0202.25"/> <stage type="setting">Ein Knecht des Hegio.</stage>
<lb n="0202.26"/> <sp><speaker rend="ergänzt">Ein Knecht des Hegio</speaker><p>Daß du, <hi rend="bold">Ergasilus</hi>, mit deinem Bauche, mit
<lb n="0202.27"/> allen Schmarutzern, und mit allen, die die Schma<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0202.28"/> rutzer füttern, verunglücktest! Was für Unfälle, was
<pb n="0203.01" facs="Plautus_S00203.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0203.01"/> für Unmäßigkeiten, sind in unser Haus gerathen! Er
<lb n="0203.02"/> ist wie ein hungriger Wolf, ich mußte fürchten, er
<lb n="0203.03"/> würde auch mich anfallen. Ich hatte es in der That
<lb n="0203.04"/> Ursache zu fürchten, so knirschte er mit den Zähnen.
<lb n="0203.05"/> Was für Unordnung hat er in dem Fleischbehältnisse
<lb n="0203.06"/> mit dem Fleische angefangen. Er ergriff das Beil
<lb n="0203.07"/> und hackte gleich drey geschlachteten Schweinen die
<lb n="0203.08"/> Köpfe ab. Alle Gefäße, alle Töpfe, die nicht zum
<lb n="0203.09"/> wenigsten acht Kannen hielten, brach er entzwey.
<lb n="0203.10"/> Er hätte lieber gar von dem Koche verlangt, daß er
<lb n="0203.11"/> die ganzen Fleischtonnen ans Feuer setze. Alle Keller,
<lb n="0203.12"/> alle Vorrathsschränke hat er mit Gewalt aufgebrochen.
<lb n="0203.13"/> Haltet ihn ja feste, ihr Knechte, ich muß mit dem
<lb n="0203.14"/> Alten deswegen reden. Ich muß ihm sagen, daß er
<lb n="0203.15"/> sich nur neuen Vorrath anschaffen soll. Denn wie der
<lb n="0203.16"/> es anfängt, so muß er itzo schon alle seyn, oder wird
<lb n="0203.17"/> es bald werden.</p></sp></div3></div2>
<div2 type="akt" n="5">
<lb n="0203.18"/> <head type="aufzug" n="4">Fünfter Aufzug.</head>
<div3 type="szene" n="01">
<lb n="0203.19"/> <head type="auftritt" n="3">Erster Auftritt.</head>
<lb n="0203.20"/> <stage type="setting">Hegio. Philopolemus. Philokrates.
<lb n="0203.21"/> Stalagmus.</stage>
<lb n="0203.22"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich danke dem Jupiter und allen Göttern
<lb n="0203.23"/> herzlich, daß sie dich deinem Vater wiedergeschenkt
<lb n="0203.24"/> haben, daß sie mich aus so vieler Kümmerniß geris<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0203.25"/> sen, die mich in deiner Abwesenheit beunruhigte, daß
<lb n="0203.26"/> sie diesen Bösewicht wieder in unsre Hände geliefert
<lb n="0203.27"/> haben, und daß <hi rend="bold">Philokrates</hi> sein Wort so redlich ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0203.28"/> halten hat. Mein Herz hat sich genug betrübet; Sor<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0203.29"/> gen und Thränen haben mich genug abgemattet. Was
<pb n="0204.01" facs="Plautus_S00204.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0204.01"/> du ausgestanden hast, habe ich von dir weitläuftig in
<lb n="0204.02"/> dem Hafen gehört. Es ist vorbey - -</p></sp>
<lb n="0204.03"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Wie nun, Hegio, da ich dir mein
<lb n="0204.04"/> Wort gehalten, und deinen Sohn in die Freyheit ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0204.05"/> setzt habe?</p></sp>
<lb n="0204.06"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du hast so, an mir und meinem Sohne ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0204.07"/> handelt, daß ich dir es nimmermehr verdanken kann.</p></sp>
<lb n="0204.08"/> <sp><speaker>Philopolemus</speaker><ab>. </ab><p>Du kannst es einigermaßen,
<lb n="0204.09"/> mein Vater, und mir werden vielleicht die Götter
<lb n="0204.10"/> Gelegenheit geben, daß ich mich auch unserm Wohl<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0204.11"/> thäter erkenntlich erzeigen kann. Was du aber itzo
<lb n="0204.12"/> thun kannst, das hat er um uns verdienet.</p></sp>
<lb n="0204.13"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ohne so viel Worte! Er verlange nur,
<lb n="0204.14"/> ich werde ihm nimmermehr was abschlagen können (<ref rend="footnote" n="204*">*</ref>).</p></sp>
<lb n="0204.15"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Ich verlange also, daß du mir
<lb n="0204.16"/> meinen Knecht, den ich hier zum Pfande gelassen habe,
<lb n="0204.17"/> wiedergebest. Mein Wohl ist ihm lieber gewesen, als
<lb n="0204.18"/> das seinige. Ich muß ihn für seine redlichen Dienste
<lb n="0204.19"/> belohnen.</p></sp>
<lb n="0204.20"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich will dir zeigen, daß ich dankbar bin.
<lb n="0204.21"/> Sowohl das, als was du sonst noch verlangen wirst,
<lb n="0204.22"/> will ich thun. Nur nimm mir es nicht übel, daß ich
<lb n="0204.23"/> mit deinem Knechte im Zorne hart verfahren habe.</p></sp>
<lb n="0204.24"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Was hast du mit ihm gemacht?</p></sp>
<lb n="0204.25"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich habe ihn gefesselt in die Steingruben
<lb n="0204.26"/> geschickt, so bald ich erfuhr, daß man mich hintergan<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0204.27"/> gen hatte.</p></sp>
<lb n="0204.28"/> <note type="footnote" n="204*">* Der Ausdruck ist hier im Lateinischen sehr artig, ich
<lb n="0204.29"/> habe ihn aber nicht zu erreichen gewußt: <hi rend="antiqua">lingua nulla
<lb n="0204.30"/> est</hi>, spricht er, <hi rend="antiqua">qua negem, quicquid roges</hi>.</note>
<pb n="0205.01" facs="Plautus_S00205.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0205.01"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>O ich Unglückseliger! Der beste
<lb n="0205.02"/> Mensch soll meinetwegen so viel leiden?</p></sp>
<lb n="0205.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Dieserwegen sollst du auch keinen Häller
<lb n="0205.04"/> für ihn bezahlen. Ich will ihn umsonst frey geben.</p></sp>
<lb n="0205.05"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Du handelst in der That gütig,
<lb n="0205.06"/> Hegio. Allein befiehl nur, daß er herausgebracht
<lb n="0205.07"/> werde.</p></sp>
<lb n="0205.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ja. Holla! Geht, und bringet gleich
<lb n="0205.09"/> den Tyndarus her! Gehet unterdessen herein. Ich
<lb n="0205.10"/> will sehen, ob ich aus dieser schlägefaulen Bildsäule
<lb n="0205.11"/> erfahren kann, was er mit meinem jüngsten Sohne
<lb n="0205.12"/> gemacht hat. Mittlerweile waschet euch.</p></sp>
<lb n="0205.13"/> <sp><speaker>Philopolemus</speaker><ab>. </ab><p>Folge mir hier herein Philokrates.</p></sp>
<lb n="0205.14"/> <sp><speaker>Philokrates</speaker><ab>. </ab><p>Ich folge.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="02">
<lb n="0205.15"/> <head type="auftritt" n="3">Zweyter Auftritt.</head>
<lb n="0205.16"/> <stage type="setting">Hegio. Stalagmus.</stage>
<lb n="0205.17"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Nun, du wackrer Mann, komm doch
<lb n="0205.18"/> näher her. Du bist ein sehr feiner Knecht.</p></sp>
<lb n="0205.19"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><p> (<ref rend="footnote" n="205*">*</ref>). Was muß ich denn noch thun,
<lb n="0205.20"/> damit sich, so ein Mann wie du, nicht in seinem Ur<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0205.21"/> theile von mir irret? Ich bin niemals fein, wacker
<lb n="0205.22"/> noch gut gewesen. Ich habe niemals was getaugt,
<lb n="0205.23"/> <note type="footnote" n="205*">* Alle die Verbesserungen, die man mit dieser Stelle
<lb n="0205.24"/> hat machen wollen, scheinen mir ganz vergebens zu
<lb n="0205.25"/> seyn. Ich glaube den rechten Sinn ohne eine Verän<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0205.26"/> derung zu machen, getroffen zu haben. <hi rend="bold">Stalagmus</hi>
<lb n="0205.27"/> nämlich nimmt das, was ihm <hi rend="bold">Hegio</hi> sagt, für Ernst
<lb n="0205.28"/> auf, und antwortet ihm: ich habe dir deinen Sohn
<lb n="0205.29"/> entwandt, und du kannst mich noch für einen wackern
<lb n="0205.30"/> Mann halten? Was soll ich denn noch für ein Schelm<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0205.31"/> stück begehen, daß du richtiger von mir urtheilen
<lb n="0205.32"/> lernest?</note>
<pb n="0206.01" facs="Plautus_S00206.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0206.01"/> und werde auch Zeitlebens nichts taugen. Hoffe
<lb n="0206.02"/> nur nicht, daß ich mich bessern werde.</p></sp>
<lb n="0206.03"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du kannst leicht einsehen, wie deine Sa<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0206.04"/> chen stehn. Es wird dir nicht schaden, wenn du die
<lb n="0206.05"/> Wahrheit redest. Deine schlimme Sache wird weni<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0206.06"/> ger schlimm dadurch werden. Rede aufrichtig - -
<lb n="0206.07"/> Doch du hast niemals aufrichtig gehandelt - -</p></sp>
<lb n="0206.08"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>Ich glaube gar du meynst, ich wer<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0206.09"/> de mich schämen dir es zu gestehn?</p></sp>
<lb n="0206.10"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Die Scham soll schon bey dir aufstei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0206.11"/> gen. Ich will dich über und über roth machen lassen.</p></sp>
<lb n="0206.12"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>Das glaube ich wohl. Allein drohst
<lb n="0206.13"/> du denn deine Schläge einem unversuchten (<ref rend="footnote" n="206*">*</ref>)? Weg
<lb n="0206.14"/> mit den Possen. Sage was dein Anbringen ist, wenn
<lb n="0206.15"/> du was von mir wegbringen willst.</p></sp>
<lb n="0206.16"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ey! wie beredt du bist. Doch, erspare
<lb n="0206.17"/> die vielen Worte - -</p></sp>
<lb n="0206.18"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>Wohl, es geschehe dann!</p></sp>
<lb n="0206.19"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>In deiner Jugend warst du bescheiden,
<lb n="0206.20"/> aber freylich schickt es sich itzo nicht mehr für dich. Doch
<lb n="0206.21"/> zur Sache. Höre zu, und gestehe mir, was ich dich
<lb n="0206.22"/> frage. Es wird deine Umstände nicht verschlimmern,
<lb n="0206.23"/> wenn du mir die Wahrheit gestehst.</p></sp>
<lb n="0206.24"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>Ach, das sind Worte! Glaubst du
<lb n="0206.25"/> denn nicht, daß ich weis, was ich verdient habe?</p></sp>
<lb n="0206.26"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Du kannst aber wenigstens deine Strafe
<lb n="0206.27"/> lindern, wenn du ihr auch nicht entfliehst.</p></sp>
<lb n="0206.28"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>O eine solche Strafe, als ich verdient
<lb n="0206.29"/> habe, ist zu groß, als daß sie durch das Lindern kleiner
<lb n="0206.30"/> <note type="footnote" n="206*">* Ich glaube dieses nicht unbillig in eine Frage verwan<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0206.31"/> delt zu haben. Denkst du, will er sagen, daß mich
<lb n="0206.32"/> deine Drohungen so schrecken, als ob ich nicht wüßte
<lb n="0206.33"/> was Prügel wären?</note>
<pb n="0207.01" facs="Plautus_S00207.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0207.01"/> werden könnte. Ich bin dir nicht allein entflohen,
<lb n="0207.02"/> sondern ich habe auch deinen Sohn mitgenommen, und
<lb n="0207.03"/> ihn verkauft.</p></sp>
<lb n="0207.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>An wen?</p></sp>
<lb n="0207.05"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>An den polyplusischen Theodoro<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0207.06"/> medes in Elis, für sechs Pfund.</p></sp>
<lb n="0207.07"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Unsterbliche Götter! Das ist Philokrates
<lb n="0207.08"/> Vater.</p></sp>
<lb n="0207.09"/> <sp><speaker>Stalagmus</speaker><ab>. </ab><p>O! ich kenne ihn besser als dich,
<lb n="0207.10"/> und hab ihn öftrer gesehen.</p></sp>
<lb n="0207.11"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Höchster Jupiter! Erhalte mir, und er<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0207.12"/> halte mir meinen Sohn. Um des Himmels willen,
<lb n="0207.13"/> Philokrates, komm heraus! Ich muß dich sprechen.</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="03">
<lb n="0207.14"/> <head type="auftritt" n="3">Dritter Auftritt.</head>
<lb n="0207.15"/> <stage type="setting">Philokrates. Hegio. Stalagmus.</stage>
<lb n="0207.16"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Hier bin ich, Hegio. Was verlangst
<lb n="0207.17"/> du? Befiehl!</p></sp>
<lb n="0207.18"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Dieser spricht, er habe meinen Sohn in
<lb n="0207.19"/> Elis an deinen Vater für sechs Pfund verkauft.</p></sp>
<lb n="0207.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wie lange ist das?</p></sp>
<lb n="0207.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Stalagm</abbr><expan>Stalagmus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Es geht numehro ins zwanzigste Jahr.</p></sp>
<lb n="0207.22"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du lügst.</p></sp>
<lb n="0207.23"/> <sp><speaker><choice><abbr>Stalagm</abbr><expan>Stalagmus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Entweder ich oder du. Dein Vater
<lb n="0207.24"/> hat ihn dir als ein Kind von vier Jahren zu deinem
<lb n="0207.25"/> eignen Knechte geschenkt.</p></sp>
<lb n="0207.26"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Wie hieß er? sage mir das einmal, wenn
<lb n="0207.27"/> du die Wahrheit redest.</p></sp>
<lb n="0207.28"/> <sp><speaker><choice><abbr>Stalagm</abbr><expan>Stalagmus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Er hieß <hi rend="bold">Pägnium</hi>, ihr aber gabt ihm
<lb n="0207.29"/> den Namen <hi rend="bold">Tyndarus</hi>.</p></sp>
<lb n="0207.30"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Warum kenn ich dich aber nicht?</p></sp>
<lb n="0207.31"/> <sp><speaker><choice><abbr>Stalagm</abbr><expan>Stalagmus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Weil es die Mode ist diejenigen zu
<lb n="0207.32"/> vergessen, deren Bekanntschaft uns nichts hilft.</p></sp>
<pb n="0208.01" facs="Plautus_S00208.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen,</fw>
<lb n="0208.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>So ist der, den du meinem Vater ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0208.02"/> kauft hast, und den er mir zum eignen Knechte ge<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0208.03"/> schenkt hat, dieses sein Sohn?</p></sp>
<lb n="0208.04"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Sage, lebt er noch?</p></sp>
<lb n="0208.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Stalagm</abbr><expan>Stalagmus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ich habe mein Geld bekommen; was
<lb n="0208.06"/> bekümmere ich mich um das übrige?</p></sp>
<lb n="0208.07"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Aber was sagst du?</p></sp>
<lb n="0208.08"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Aus seinen Reden kann ich nicht anders
<lb n="0208.09"/> schließen, als daß mein <hi rend="bold">Tyndarus</hi> dein Sohn ist.
<lb n="0208.10"/> Er ist mit mir aufgewachsen, und hat eine gute, und
<lb n="0208.11"/> einem Freygebohrnen anständige Erziehung genossen.</p></sp>
<lb n="0208.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ich bin glücklich und unglücklich, wenn
<lb n="0208.13"/> ihr die Wahrheit redet. Unglücklich, weil ich mei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0208.14"/> nem eignen Sohne so hart mitgefahren habe. Ach!
<lb n="0208.15"/> warum habe ich mehr und weniger thun müssen, als die
<lb n="0208.16"/> Billigkeit erfoderte? Wie bekümmert mich mein Ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0208.17"/> fahren! O könnte was geschehen ist, nicht geschehen
<lb n="0208.18"/> seyn. Doch hier kömmt er in seinem Schmucke. Was
<lb n="0208.19"/> für ein unerschrocknes Ansehen giebt ihm seine Tugend!</p></sp></div3>
<div3 type="szene" n="04">
<lb n="0208.20"/> <head type="auftritt" n="3">Vierter Auftritt.</head>
<lb n="0208.21"/> <stage type="setting">Tyndarus. Hegio. Philokrates. Stalagmus.</stage>
<lb n="0208.22"/> <sp><speaker>Tyndarus</speaker><ab>. </ab><p>Ich habe doch oft viel höllische Stra<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0208.23"/> fen abgemalt gesehen, aber was kann die Hölle gegen
<lb n="0208.24"/> die Steingruben seyn, woraus ich komme? Das ist
<lb n="0208.25"/> doch noch ein Ort, der einem nicht einen Tropfen
<lb n="0208.26"/> Schweiß im Leibe läßt. So bald man herein kömmt,
<lb n="0208.27"/> bringen sie einem Schubkarn, Hacke und Schaufel, von
<lb n="0208.28"/> einer klein wenig dauerhaftern Art, als die sind, welche
<lb n="0208.29"/> man den Kindern zum Spielen giebt (<ref rend="footnote" n="208*">*</ref>). Ich bekam
<lb n="0208.30"/> <note type="footnote" n="208*">* Es lautet in dem Originale ein wenig anders, ich muß<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0208.31"/> te aber nothwendig davon abgehen, weil wir im Deut<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.26"/> schen kein Wort haben, das zugleich einen Wiedehopf und
<lb n="0209.27"/> eine Spitzhacke bedeute, wie das lateinische <hi rend="antiqua">Vpupa</hi> ist. Ich
<lb n="0209.28"/> habe dergleichen Abweichungen noch hin und wieder
<lb n="0209.29"/> gemacht, ohne sie angemerkt zu haben; denn es ist meine
<lb n="0209.30"/> Absicht nicht, daß man alle Worte des <rs type="person" ref="#plau">Plautus</rs> aus
<lb n="0209.31"/> meiner Uebersetzung soll verstehen lernen; ich habe sie
<lb n="0209.32"/> bloß gemacht, damit die komischen Schönheiten dessel<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.33"/> ben unter uns ein wenig bekannter würden.</note>
<pb n="0209.01" facs="Plautus_S00209.jpg"/><fw rend="pageheader">ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0209.01"/> auch eine ganz zierliche Spitzhacke, mir die Zeit zu ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.02"/> treiben. - - -. Doch, da steht Hegio vor der Thü<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.03"/> re - - und, wie ich sehe, so ist auch mein Herr aus
<lb n="0209.04"/> Elis wieder zurück gekommen.</p></sp>
<lb n="0209.05"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Umarme mich, mein liebster Sohn.</p></sp>
<lb n="0209.06"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was? Ich dein Sohn? Ha! Ha! Ich
<lb n="0209.07"/> merke bald warum du dich meinen Vater, und mich
<lb n="0209.08"/> deinen Sohn nennest. Vielleicht, weil du mich, wie es
<lb n="0209.09"/> die Aeltern thun, ans Licht bringest?</p></sp>
<lb n="0209.10"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Sey gegrüßet, Tyndarus.</p></sp>
<lb n="0209.11"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du auch, für den ich so viel ausstehen muß.</p></sp>
<lb n="0209.12"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Dafür wirst du numehr in Freyheit und
<lb n="0209.13"/> Reichthum versetzt. Siehe, das ist dein Vater! Das
<lb n="0209.14"/> ist der Knecht, der dich ihm als ein Kind von vier Jah<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.15"/> ren entwendet, und an meinen Vater für 6 Pfund ver<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.16"/> kauft hat. Er schenkte dich mir, weil wir in einem
<lb n="0209.17"/> Alter waren, zum eigenthümlichen Knechte. Wir ha<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0209.18"/> ben diesen Dieb aus Elis wieder zurück gebracht, und
<lb n="0209.19"/> er hat alles gestanden.</p></sp>
<lb n="0209.20"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Aber wie ists mit seinem Sohne geworden?</p></sp>
<lb n="0209.21"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Gehe herein, so wirst du deinen leiblichen
<lb n="0209.22"/> Bruder finden.</p></sp>
<lb n="0209.23"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Was? So hast du ihn mitgebracht?</p></sp>
<lb n="0209.24"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Ja, ja, drinnen ist er.</p></sp>
<lb n="0209.25"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>O wie wohl hast du gethan!</p></sp>
<pb n="0210.01" facs="Plautus_S00210.jpg"/><fw rend="pageheader"><hi rend="antiqua">I.</hi> Die Gefangnen, ein Lustspiel.</fw>
<lb n="0210.01"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Dieser ist numehr dein Vater, und dieser
<lb n="0210.02"/> dein Dieb, der dich ihm als ein Kind gestohlen hat.</p></sp>
<lb n="0210.03"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Dafür will ich ihn nun erwachsen züchtigen
<lb n="0210.04"/> lassen.</p></sp>
<lb n="0210.05"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Er hat es verdient.</p></sp>
<lb n="0210.06"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Er soll seinen verdienten Lohn schon bekom<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.07"/> men. Aber Hegio, so bist du mein Vater?</p></sp>
<lb n="0210.08"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ja, ich bin es, mein Sohn.</p></sp>
<lb n="0210.09"/> <sp><speaker><choice><abbr>Tynd</abbr><expan>Tyndarus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nun besinne ich mich auch, wenn ich nach<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.10"/> denke. Es ist mir, als ob ich wie im Traume ein<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.11"/> mal gehört hätte, daß mein Vater Hegio heiße.</p></sp>
<lb n="0210.12"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Und ich eben bin es.</p></sp>
<lb n="0210.13"/> <sp><speaker><choice><abbr>Philok</abbr><expan>Philokrates</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Nun so mache doch Hegio, daß ihm die
<lb n="0210.14"/> Fessel abgenommen, und diesem angelegt werden.</p></sp>
<lb n="0210.15"/> <sp><speaker>Hegio</speaker><ab>. </ab><p>Ja, das soll auch das erste seyn. Kommt,
<lb n="0210.16"/> laßt uns herein gehen. Der Schmid soll den Augen<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.17"/> blick da seyn, dich von den Banden zu befreyen, die
<lb n="0210.18"/> dein Räuber bekommen soll.</p></sp>
<lb n="0210.19"/> <sp><speaker><choice><abbr>Stalagm</abbr><expan>Stalagmus</expan></choice></speaker><ab>. </ab><p>Du thust sehr wohl; ich habe so nichts
<lb n="0210.20"/> eigenthümliches.</p></sp></div3></div2>
<div2 type="epilog">
<lb n="0210.21"/> <head n="4">Der Schlußredner.</head>
<lb n="0210.22" rend="indent"/> <sp><p>Dieses Lustspiel, ihr Zuschauer, ist für züchtige
<lb n="0210.23"/> Sitten gemacht. Es kommen keine Liebsstreiche,
<lb n="0210.24"/> keine Unterschiebung von Kindern, keine Geldschnei<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.25"/> dereyen darinnen vor. Kein verliebter Jüngling be<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.26"/> freyet darinnen eine Hure wider Wissen seines Va<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.27"/> ters. Dergleichen Spiele, worinne die Guten besser wer<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.28"/> den können, erfinden wenige Dichter. Hat es euch gefal<c type="bindestrich">-</c>
<lb n="0210.29"/> len, und sind wir euch nicht zur Last gewesen, so gebet
<lb n="0210.30" rend="center"/>  das gewöhnliche Zeichen; und ein jeder, der von euch
<lb n="0210.31" rend="center"/>  gute Sitten liebet, klatsche!</p></sp></div2></div1></body>
</text></TEI>

